Kapitel 24- Was ein Traum alles sagt

Nach dem Frühstück gingen sie gemeinsam zu Zauberkunst. Von fern hörten sie erneutes Gelächter. Lily war sich sicher, dass Schüler aus Slytherin die Ursache waren.

Unterwegs trafen sie Marcus Beech.

„Wie geht es, Marcus?", erkundigte sich James.

„Warst du bei Madame Pomfrey.", fragte Lily.

„Es geht mir wieder etwas besser. Madame Pomfrey hat alles getan was sie konnte und es ist nur noch ein kleiner blauer Fleck zu sehen."

„Oh, das ist gut, dass es dir besser geht.", sagte Lily erleichtert.

„Na ja, ich muss heute noch zu Dumbledore.", erklärte Marcus. „Madame Pomfrey hat ihm einen Bericht geschrieben und meine Verletzung genau schildert. Mehr als ihm alles erzählen, kann ich nicht. Aber Black wird alles abstreiten.", er seufzte.

„Das wird er mit Sicherheit auch machen..", Lily zog die Stirn kraus und nickte kaum merklich.

„Aber tut mir einen Gefallen.", bat James. „Bitte schlagt sie im Quidditch!", er grinste.

„Wird gemacht!", lachte Constance Nimoy, die neben Marcus stand.

Professor Flitwick huschte auf seinen kleinen Beinen durch den Raum und platzierte sich wie immer auf seinem Bücherstapel.

„Guten Morgen, Jungen und Mädchen.", diese Begrüßung war lustig, denn eigentlich füllten erwachsene Menschen den Raum.

„Nach diesen aufregenden Ferien wollen wir uns wieder der Schule zuwenden. Heute behandeln wir den Dublikazauber. Sie vervielfältigen Gegenstände..."

Die Stunden plätscherten dahin und in Verwandlung hielt Professor McGonagall Lily und James zurück.

„Miss Evans. Mr. Potter, der Schulleiter möchte sie beide sehen. Bitte folgen sie mir.", dirigierte die Professorin und die beiden Schulsprecher trotteten hinter her.

Endlich standen sie vor dem großen Adler.

„Erdbeer-Käse-Sahnetorte!", nannte McGonagall das Passwort. Etwas später standen James und Lily vor der schweren Eichentür.

James wollte gerade klopfen, als ein „Herein!" erklang. Beide sahen sich überrascht an.

„Ah, Miss Evans und Mr. Potter!", Dumbledore saß in einem großen Sessel hinter seinem gigantischen Schreibtisch. Die Porträts der vorangegangenen Schulleiter musterten sie interessiert. Lily war noch nie hier gewesen, doch James kannte sich offensichtlich aus.

Allerlei Gerätschaften standen auf Schränken und Regalen. Der Phönix Fawks saß auf einer Stange und beobachtete die Szenerie.

„Guten Tag, Professor.", grüßte Lily.

„Kommen sie und setzen sie sich.", forderte Dumbledore auf. Augenblicklich erschien ein weiterer Stuhl.

Lily wartete gespannt. So nah sah sie den Schulleiter selten und sie versuchte sich jede graue

Strähne in seinem Bart einzuprägen.

„Mr. Beech war eben bei mir und berichtete mir von den Ereignissen gestern im Hogwarts Express.", er sah beide mit seinen blauen Augen an.

„Wir können Regulus Black aber nichts nachweisen.", platzte Lily plötzlich heraus.

„Miss Evans, beruhigen sie sich. Ich habe Mr. Black bereits zu dem Vorfall befragt und er war sehr kooperativ."

„Er hat ihnen gestanden, dass er den Cruciatus Zauber verwendet hat?", James war perplex.

„Nein, das hat er nicht.", erwiderte Dumbledore ruhig wie immer.

„Aber das hat er doch getan!", Lily war außer sich.

„Miss Evans, ich sage es ein zweites Mal. Beruhigen sie sich."

Dumbledore machte Lily wahnsinnig. Wie konnte er so ruhig sein.

„Mr. Black erklärte mir er hätte sich mit Mr. Beech geschlagen."

„Professor, das war eine Lüge!", auch in James brodelte es. „Als wir an kamen stand er mit erhobenem Zauberstab über Marcus!"

„Mr. Potter, das ist mir alles wohl bewusst. Jedoch steht ein Wort gegen das andere und niemand sonst hat den Vorfall gesehen."

„Aber etwas muss man doch tun?", Lily war verzweifelt. Warum kamen solche Menschen immer weiter?

„Mr. Black wurde der Schule verwiesen.", erklärte der Schulleiter nach einer Atempause.

„So plötzlich?", Prongs war verwundert.

„Sagen wir es einmal so, gegen Mr. Black kamen schon mehrere Beschwerden und diese Tat war der letzte Tropfen in das schon übervolle Wasserglas."

Lily machte ein zufriedenes Gesicht.

„Jedoch ist er nur für zwei Wochen abwesend.", schloss Dumbledore.

Lily entgleisten die Gesichtszüge.

„Deswegen möchte ich sie bitten Obacht zu geben. Besonders, nachdem sie beide heute Morgen mit Mr. Snape eine Meinungsverschiedenheit hatten."

James war wieder fassungslos. Woher wusste Dumbledore das? Er war zu dieser Zeit nicht in der Großen Halle anwesend gewesen.

„Ja, Professor.", stammelten die beiden Schulsprecher.

„Gut, das wäre alles. Ach Mr. Potter, würden sie bitte ihrer Mutter ausrichten was für ein schöner Silvesterball das war. Das Feuerwerk war einfach bezaubernd."

James wusste nicht was er sagen sollte.

„Ja, natürlich. Das mach ich."

„Hast du Dumbledore auf der Party gesehen?", fragte James Lily auf der letzten Stufe der steinernen Wendeltreppe.

„Nein. Du?"

„Ich auch nicht. Ich frage mich wie er das immer macht?", wunderte sich James.

„Liebling, stell keine Fragen über Dumbledore. Dieser Zauberer ist eine Institution für sich!"

Gegen Abend saß Lily auf ihrem Bett und las ein Buch.

„Wie kommt es, dass du nicht bei James bist?", piesackte Lorrain.

„Er hat Quidditchtraining.", antwortete Lily nebenbei und las weiter.

Warum gehe ich eigentlich nicht zum Wahrsagelehrer, dachte sie plötzlich. Jetzt hätte ich Zeit.

Kurz entschlossen legte Lily ihr Buch beiseite.

„Wo willst du so plötzlich hin?", rief Ellen ihr nach.

„Ich muss was erledigen.", und Lily verschwand.

Es war ein langer Weg bis zum Turmzimmer des Wahrsagers. Lily war nie dort gewesen und beinahe hätte sie sich verlaufen, wenn ihr nicht ein irrer Ritter den Weg gewiesen hätte. Außer Atem stand sie unter der Klappe in der Decke. Sollte sie rufen? Nein.

Lily packte ihren Zauberstab und sprach eine Beschwörung. Augenblicklich klopfte etwas an die Falltür.

„Einen Moment.", rief eine tiefe Stimme.

Kurze Zeit später glitt eine Leiter durch die geöffnete Falltür und Lily kletterte hinauf.

Das Turmzimmer war düster und unheimlich. Kleine Tische standen verstreut und Sitzkissen lagen auf dem Boden. Doch ein völlig seriöser Professor Apollo begrüßte sie.

„Guten Abend, Miss Evans."

Lily wunderte es nicht warum er ihren Namen kannte, sie war Schulsprecher und jeder Lehrer wusste wer sie war.

„Guten Abend, Professor Apollo."

„Was führt sie zu mir? Den Unterricht kann es nicht betreffen, denn sie haben nie die Kunst des Wahrsagens studiert."

„Nun ja, Professor. Eigentlich bin ich wegen des Wahrsagens hier."

Der Professor sah sie erwartungsvoll an.

„Ich hatte einen sonderbaren Traum. Aber nicht nur ich, auch mein Freund und wir träumten die gleiche Sache.", erklärte Lily.

„Das ist höchst sonderbar.", sinnierte der Wahrsager wichtigtuerisch. Das haben bestimmt alle so an sich.

„Aber setzten sie sich und erzählen sie mir davon.", lud er Lily ein und sie ließen sich auf zwei große Kissen sinken.

„Also," , begann Lily. „...ich träumte, dass ein Baby schrie und da war Feuer und Qualm. Ich hatte das Gefühl das Kind unbedingt retten zu müssen. Jemand wollte es töten.", seufzte sie.

Professor Apollo machte ein wissendes Gesicht.

„James, also mein Freund,..", ergänzte Lily. „..hatte ein paar Tage später den gleichen Traum. Hat das etwas zu bedeuten?"

„Aber natürlich hat das was zu bedeuten.", ihr Gegenüber schien fast empört. „Deuten wir einmal die wichtigsten Symbole. Ein Baby ist das Symbol für unbewusste Geborgenheit. Fühlen Sie sich geborgen?"

„Ja.", stammelte Lily nur.

„Es kann aber auch wirklich ein Baby bedeuten.", er musterte sie eingehend. Lily hatte das Gefühl, als würde er durch ihren Umhang auf ihren Bauch starren. Unbehagen machte sich in ihre breit und sie verschränkte die Arme.

„Also weiter.", riss sich der Lehrer aus seinen Gedanken. „Das Feuer ist die Verkörperung des Geistes und der Liebe. Steht aber auch dafür, dass etwas Neues entsteht. Der Rauch weißt darauf hin, das es unklar ist in welche Richtung es geht. Die Wege liegen noch nicht klar vor Ihnen."

„Und der Tod?", beharrte Lily.

„Der Tod bedeutet zum einen, dass etwas in unserem Inneren am Leben gehalten wird, das eigentlich verkümmern sollte. Er ist also auch eine Hilfestellung des Unbewussten, dem Lebensweg eine neue Richtung zu geben, der Gefahr auszuweichen, die sich vor einem aufbaut."

„Und was bedeutet das nun genau?", Lily konnte sich nichts zusammen reinem.

Professor Apollo schaute sie mitleidserregend an. In seinem Gesicht stand förmlich „Oh, das arme unwissende Kind!"

„Nun ja,..", begann er. „Sie stehen an einem Scheideweg. Zeigen sie mir ihre rechte Hand."

Zögerlich streckte Lily ihre Hand aus. Immer wieder ertönte ein gequältes oder angespanntes „Ahh", oder „Ohh". Punkt um, es machte Lily wahnsinnig. Langsam fragte sie sich, ob es ein Fehler war hier her zu kommen.

„Miss Evans. Ich denke der Traum deutet auf ihre Zukunft hin. Wenn sie jetzt den Weg gehen, den sie sich ersehenen werden sie einen Neuanfang herauf beschwören. Aber gleichzeitig untergehen. Wenn sie die Richtung ihres Lebensmittelpunktes ändern, werden sie Leben, aber unglücklich sein."

Lily sah nicht gerade glücklich über diese Neuigkeiten aus.

„Und was ist mit James? Er hatte den gleichen Traum!"

„Da wird sich ihre Zukunft um Mr. Potter drehen und umgekehrt. Wenn sie das tun werden, was sie eigentlich wollen, wird eine große Veränderung eintreten. Aber es wird schmerzliche Folgen für sie beide haben. Wenn sie die Richtung ändern, wird alles anders kommen.", Professor Apollo machte ein bedauerndes Gesicht und tätschelte ihre Hand.

Sollte das bedeuten, dass sie James und sich selbst in Gefahr brachte und leiden würde, aber durch ihre Qualen eine große Veränderung eintrat? Wo? In der Welt? In ihren Familien?

„Dein Orakel zu verkünden,

warum warfest du mich hin

in die Stadt der ewig Blinden

mit dem aufgeschlossnen Sinn?

Warum gabst du mir zu sehen,

was ich doch nicht wenden kann?

Das Verhängte muss geschehen,

das Gefürchtete muss nahn.", sprach Apollo mystisch und seine Augen hatten einen trüben Blick. Er schien nicht ganz er selbst zu sein.

Lily wusste nicht was sie sagen sollte. Der Wahrsagelehrer hielt noch immer ihre Hand. Eine Gänsehaut jagte ihren Rücken hinunter und ein Zittern durchfuhr sie.

Was verdammt will er damit sagen, Lily wusste nichts damit anzufangen. Aus Angst, weiter Hiobsbotschaften zu erfahren, entwand sie Apollo ihre Hand. Augenblicklich wurden die Augen des Professors wieder klar. Überrascht sah er sie an.

„Danke, Professor Apollo!", brachte Lily gerade so heraus und erhob sich schnell. Sie wollte nur noch eines! James finden und ihm alles erzählen.

Der Wahrsagelehrer sah sie durchdringend an. „Möge Merlin dich beschützen."

Darauf hin ergriff Lily die Flucht. Tausende Gedanken durchfluteten ihren Geist. Kurz entschlossen lief sie die Treppe zu den Jungenschlafsälen empor. Ohne anzuklopfen stieß sie die Türe auf.

„Ahhh.", grollte es in einer tiefen Stimme und Sirius versteckte sich gerade noch hinter seinem Bett.

Remus lachte. „Lily, eine Sekunde früher und du hättest Sirius spärlich bekleidet gesehen."

„Ja, die Szene kenn ich bereits.", sagte sie abwesend. „Wo ist James? Ich muss unbedingt mit ihm sprechen."

„James ist noch nicht zurück.", Moony sah sie besorgt an. „Ist was schlimmes passiert? Kann ich dir helfen?"

„Danke Remus, aber darüber kann ich nur mit James reden.", und sie machte kehrt.

Sirius schaute hinter seinem Bettpfosten hervor. „So hab ich sie noch nie erlebt."

„Ich auch nicht.", bestätigte Remus. „Aber wir werden es erfahren."

Lily war alleine im Schlafsaal. Wo die anderen waren wusste sie nicht. Stur blickt sie auf ihre Füße.

Soll das jetzt bedeuten das ich mit James nicht mehr zusammen sein darf, sonst passiert etwas schlimmes.

Sie grübelte vor sich hin.

James ging die Stufen zu seinem Schlafsaal hinauf. Es war schon spät. Das Quidditchtraining war lang und hart gewesen. Noch immer war es sehr kalt draußen und der Flugwind verschärfte die eisige Kälte. Er hatte eine total kalte Nase, seine Wangen waren angefroren und in seinen Haaren waren noch immer Schneeflocken.

Jetzt eine warme Dusche, seufzte er.

Aufgeregte Stimmen drangen durch die schwere Eichentür.

„...hab ich Lily noch nie erlebt. Ob was passiert ist?", erklang Remus Stimme.

James stieß die Tür auf.

„Was ist passiert?", fragte er aufgeregt.

Die anderen Drei sahen ihn an.

„Lily kam hier rein und fragte wo du bist. Sie war total komisch.", erklärte Sirius.

„Ja, sie hat noch nicht mal laut aufgeschrieen als sie Sirius fast nackt gesehen hat.", witzelte Moony.

„Darüber unterhalten wir uns später!", sagte James zu Padfoot. „Hat sie noch was gesagt? Wisst ihr wo sie ist?"

„Sie wird in ihrem Schlafsaal sein.", überlegte Peter, der alles schweigend mit angehört hatte.

James zog sich schnellstens um.

„Willst du jetzt zu ihr?", erkundigte sich Remus.

„Natürlich!"

„Aber lass dich nicht erwischen!"

Prongs wühlte in einer Schublade und zog ein großes Tuch heraus. Es glänzte silbrig im Kerzenschein.

„Wartet nicht auf mich.", und James verschwand aus der Tür.

Der Gemeinschaftsraum war bereits verlassen.

So, jetzt muss ich nur noch die Stufen hoch kommen.

„Compareo nimbus gradus!", sagte er und schwenkte seinen Zauberstab. James wartete eine Weile.

Jetzt müssten sie eigentlich da sein.

Vorsichtig setzte er einen Fuß auf die erste Stufe. Doch er berührte nicht den Stein. Ein weicher, aber stabiler Untergrund stützte seinen Tritt.

Prongs seufzte erleichtert auf. Umhüllt von seinem Tarnumhang erklomm er die unsichtbaren Stufen. Gezielt steuerte er auf einer der unzähligen Türen zu.

Erst horchte er an der Tür. Kein Laut drang nach außen. Vorsichtig öffnete er die Türe. Drei Bettvorhänge waren zugezogen. Nur Lilys war offen. Vorsichtig schlich er an ihr Bett.

„Lily, wach auf."

Lily blinzelte umher. Sie erkannt James' Gesicht.

„James? Wie kommst du hier rein?"

Er grinste selbstzufrieden. „Marauderer Geheimnis. Aber du wolltest mit mir reden. Remus meinte, du wärst total aufgelöst gewesen. Was ist denn passiert?"

James setzte sich auf ihr Bett.

„Ich war bei Apollo."

Er seufzte.

„Warum das denn? Der ist doch nur ein Quacksalber!"

„James, sprich nicht so über die Lehrer.", tadelte Lily. „Ich war wegen unserem Traum bei ihm. Ich wollte wissen was er bedeutet. Ich hatte nie Wahrsagen und hätte mir nichts zusammen reimen können."

„Liebling, Professor Apollo verkündet immer nur schlechte Dinge. Wie jeder Wahrsager. Einmal meinte er, ich würde aussehen wie ein Ziegenbock. Und? Ich sah nie so aus."

„James, aber es hat sich alles so real angehört. Außerdem hatte er plötzlich einen trüben Blick und hat ganz komisch gesprochen."

„Was hat er denn überhaupt gesagt?", erkundigte sich Prongs nun.

Lily holte tief Luft.

„Er meinte, das wir an einem Scheideweg stehen. Wenn wir den Weg gehen, den wir gerne einschlagen würden, würde ein Neuanfang herauf beschworen. Aber wir würden sehr leiden und große Schmerzen auf uns nehmen. Außerdem hat er ein Reimen gesprochen, warum ich ihn diese Visionen haben lassen konnte. Er würde doch nichts am Schicksal ändern können!"

James zog eine Augenbraue nach oben.

„Apollo meinte auch, wenn wir nicht das tun was wir ersehnen, wird alles anders kommen. Aber ob es gut oder schlecht ist sagte er nicht. Und er starrte merkwürdig lange auf meinen Bauch, denn ein Baby im Traum deutet auf ein Baby im Wachleben hin. Geborgenheit bedeutet ein Baby auch und ich fühle mich geborgen, wenn ich bei dir bin.", endete Lily und blickte ihren Freund hilfesuchend an.

„Wenn ich jetzt von meinen wenigen Wahrsagekenntnissen profitieren möchte, sage ich einfach mal, dass er dir sagen wollte, dass unsere Liebe zum Scheitern verurteilt ist.", knurrte James.

„Was?", Lily schien perplex.

„Na das ist doch alles total klar. Wir hatten beide den gleichen Traum. Also betrifft er uns. Wenn du sagst, dass wir am Scheideweg stehen kann man davon ausgehen das es darum geht, ob wir zusammen bleiben und sogar heiraten, oder nicht. Vielleicht werden wir auch ein Baby haben und sehr glücklich sein. Aber indem wir das so machen, werden wir auch ins Verderben stürzen. Und der Neuanfang kommt dadurch, weil wir sterben.", erklärte James nüchtern.

Lily war sehr ruhig.

„Wir werden sterben, wenn wir zusammen bleiben?"

„Das wird nicht aus bleiben. Jeder muss mal sterben.", stellte James fest.

„Das weiß ich auch James, aber wir werden jung sterben."

„Lieber jung sterben und glücklich, als ewig leben und unglücklich.", Prongs schien verbittert.

„Ein Baby.", murmelte Lily plötzlich.

„Ja, wenn es nach mir kommt wird es schön, klug, beliebt...", überlegte James.

„Bleib doch mal realistisch. Das ist alles gut zu überlegen.", Zweifel war in ihr Gesicht geschrieben.

„Lily, ich würde lieber nur kurz mit dir zusammen sein, als niemals!", er nahm ihre Hand.

„Ich auch.", sagte sie nun.

Sie schlangen die Arme umeinander.

„Bleib heute Nacht bei mir.", bat Lily.

„Und was ist mit den anderen?", fragte James.

„Ich will nur, das du heute Nacht bei mir bist."

„Na dann rutsch mal rüber.", James entledigte sich seiner Sachen und krabbelte neben sie.

Lily zog die Vorhänge zu und kuschelte sich an ihn.

„Das habe ich so vermisst."

„Ich auch.", seufzte James und küsste sie.

Am nächsten Morgen erwachte Lorrain als erstes. Gähnend sah sie sich um. Plötzlich fiel ihr Blick auf unbekannte Sachen vor Lilys Bett.

Was ist das, Sie kletterte aus dem Bett. Die Vorhänge an Lilys Himmelbett waren zugezogen. Gestern Abend waren die doch noch auf.

Lorrain hob den Umhang auf. Eine Hose lag daneben, sowie Hemd und Strümpfe.

Das waren eindeutig Klamotten von einem Mann!

Ist James etwa hier? Nein, das kann nicht sein. Jungs können nicht die Treppen hoch. Oder etwa doch?

Die Neugierde siegte dann doch und Lorrain öffnete die schweren Vorhänge.

Lilys Kopf lag auf James Brust. Er hatte einen Arm um sie geschlungen.

Beim Merlin! Wie ist er hier hoch gekommen?

Lily erwachte langsam.

Ihr Arm war um James geschlungen. Dieser lag ruhig da. Seine Augen waren geschlossen. Vorsichtig setzte sich Lily auf.

Wie konnte ich nur eine Minute zweifeln?

Sie betrachtete ihn. Er sah zum anbeißen aus. James schwarze Haare waren wie immer verwuschelt. Seine Haut schimmerte rosig, von dem spärlichen Licht, das durch die Vorhänge schien. Auf seinen Wangen und um sein Kinn herum zeichneten sich kleine Bartstoppeln ab.

Lily erinnerte sich was Apollo gesagt hatte. Sie würde vielleicht ein Baby haben, wenn sie zusammen blieben.

Es war ein komisches Gefühl, wahrscheinlich die Zukunft zu kennen. Ein bisschen hatte Lily Angst. Sie würde jung sterben, aber erst wenn sie ein Baby hatte.

James rollte zu ihr rüber.

„Fühlst du dich heute Morgen besser?"

Lily lächelte ihn an.

„Ja, doch.", und sie küsste ihn.

Alles um sie herum war still. Vorsichtig lunste Lily durch die Bettvorhänge. Niemand war im Zimmer.

„Komisch, keiner da.", wunderte sie sich.

„Ich würde mich nicht wunder. Schau mal auf die Uhr!", bemerkte James.

„Oh, mein Gott!", entfuhr es Lily als sie ihre Armbanduhr zu Rate zog. Leichtfüßig sprang sie aus dem Bett. „In 15 Minuten beginnt der Unterricht!"

James sah ihr nach wie sie mit wehenden Haaren im Bad verschwand. Er knöpfte gerade sein Hemd zu als sie vollständig angezogen vor ihm stand.

„Warte, ich helfe dir.", und sie machte sich an der Knopfleiste zu schaffen.

Ihr Freund schaute belustigt auf sie nieder.

„Schmierst du mir noch ein Pausenbrot?"

„Nein, heute musst du dir was auf dem Schulhof fangen.", konterte Lily.

Auf dem Flur begegnete ihnen niemand. James warf seinen Tarnumhang über sich und verschwand aus Lilys Sichtfeld.

Als sie die Stufen hinunter ging fühlte es sich seltsam an. Lily hörte nie das vertraute ‚klacken' auf dem Steinfußboden.

Er verzaubert die Treppe.