Kapitel 26- Bestrafung
Gemeinsam gingen sie die steinernen Korridore entlang. Snape schickte immer wieder böse Blicke zu James. Die rotgefiederte Eule schaute finster zurück.
Dumbledore zauberte zwei Stühle für die Schüler herbei damit sie sich setzen konnten. Die Gemälde der vorangegangenen Schulleiter blinzelten ab und zu.
An Severus Schläfe lief ein kleines Blutrinnsal entlang.
Das war Lily., dachte James.
„Nun, Mr. Snape.", begann der Direktor. „Sie können Mr. Potter dankbar sein. Sie leben noch. Trotzdem werde ich ihnen eine Strafe nicht ersparen können."
Professor McGonagall räusperte sich und sprach weiter.
„Sie waren mitten in der Nacht aus ihrem Bett und auf den Schlossgründen. Diese Nacht hätte ihre Letzte sein können. Ich werde mit ihrem Hauslehrer sprechen. Weiterhin ziehe ich ihnen 50 Punkte ab."
Snape schaute trotzig über den mächtigen Schreibtisch.
„Wenn es stimmt was sie sagen, dann wollte Black mich umbringen!", triumphierte er. „Ist das etwa gerecht?"
„Ich denke nicht, dass Mr. Black solche Vorsätze hatte. Jedoch werden wir ihn zur Verantwortung ziehen.", antwortete Dumbledore gelassen. „Der Vorfall dieser Nacht bleibt unter uns und wird nicht umher erzählt. Habe ich mich deutlich ausgedrückt."
„Ja.", antwortete James entschlossen. Severus dagegen zögerlich.
„Mr. Snape.", sagte Professor McGonagall scharf. „Sollte eine Geschichte dieser Form in den nächsten Tagen in der Schule in Umlauf sein, werden sie mehr bekommen als nur Strafarbeiten."
Ui, das hat gesessen., stellte James erleichtert fest.
„Mr. Potter. Sie wissen um die Brisanz dieses Falles?", erkundigte sich Dumbledore rhetorisch.
„Ja, Professor."
„Gut, sie können gehen.", entließ sie der Direktor.
„Mr. Snape.", hielt McGonagall ihn zurück. „Sie werden morgen zu mir kommen und wir werden ihre Bestrafung arrangieren. Gute Nacht."
„Gute Nacht.", wünschten auch James und Severus.
Die Eule plusterte sich auf und lies ein „uuuhhhhuuu" hören.
Die beiden Professoren sahen den Schülern nach.
„Diese Eule hat mich an irgendjemanden erinnert.", dachte Dumbledore laut nach.
James und Snape gingen schweigend nebeneinander her, bis sie zu den Treppen kamen. Wortlos ging Severus nach unten und James nach oben. Nach ein paar Schritten versteckte sich Prongs hinter einer Rüstung und wartete ab.
„Du sollst ja nicht um deine Nacht gebracht werden.", flüsterte er Lily zu und streichelte über ihre Federn.
Kurze Zeit später schlich er die Treppen hinunter. Niemand war zusehen. Erleichtert trat er wieder auf die Schlossgründe. Lily schwang sich in die Lüfte und kreiste über ihm.
Jedoch fiel James Blick auf die Peitschende Weide, die sich plötzlich nicht mehr bewegte. Eine Gestalt verschwand zwischen den Wurzeln.
Ein Schock durchfuhr ihn.
Dieser Idiot!
James rannte wie noch nie in seinem Leben. Die Weide hatte wieder angefangen sich zu bewegen.
„AAAHHHH!", ein Zweig erwischte ihn und holte ihn von den Füßen.
Lily flog nah am Boden und landete auf den Wurzeln. Die Äste hörten wieder auf sich zu bewegen.
„Danke Lily.", keuchte Prongs und rappelte sich hoch. „Bitte hole Dumbledore noch einmal. Snape ist in die Weide geklettert."
„Uuhhuuu", und sie flog davon.
Wie kann man nur so dumm sein, wetterte James gegen Severus. Dieser Idiot. Wenn er Remus sieht. Oder nein, was ist, wenn Remus Snape sieht!
James wollte gar nicht daran denken.
„Lumos!", sagte er mit zitternder Stimme und eilte den Gang entlang.
„Snape! Bleib stehen, du weißt nicht was du tust!", brüllte er und sein Echo hallte von den Wänden.
Der Gang kam ihm endlos vor.
Und dann sah er ihn! Seine Umrisse zeichneten sich am Eingang zur Heulenden Hütte ab.
„Snape, bleib stehen! Du hast keine Ahnung was du...", ein Knurren war zu hören und dann das Heulen eines Hundes?
Severus zuckte zusammen. Er hörte Schritte auf dem Holzfußboden. Nein, keine Schritte. Es hörte sich an wie das Laufen eines Hundes über Parkett. Aber da war nicht nur ein Tier.
Er schaute durch den Türspalt. Ein großer schwarzer Hund saß auf dem Fußboden und kratzte sich. Neben ihm stand ein Wolf der seine Schnauze in die Luft hielt und interessiert umher schnupperte.
Snape schluckte als er den Wolf betrachtete. Er erkannte ihn aus den Schulbüchern wieder. Die Schnauze war anders, der Schwanz, die Ohren... Es war ein Werwolf. Alle wissen davon. Dumbledore, Potter, Black, McGonagall.
In der Zwischenzeit erreichte James Snape. Der Werwolf knurrte erneut.
Prongs stürzte an Severus vorbei und hielt seinen Zauberstab auf das Türschloss gerichtet. Augenblicklich schnappte die Türe zu und verschloss sich.
Etwas prallte gegen das Holz, welches bedrohlich ächzte. Keifen und knurren war zu hören. Snape stand wie angewurzelt da. Ein Werwolf, hier in Hogwarts.
„Bist du übergeschnappt, Mann!", schüttelte James ihn.
Severus sah ihn mit einem bleichen Gesicht an. Diesen Blick hatte Prongs bei ihm noch nie gesehen.
Schritte ertönten hinter ihnen und das Rascheln eines Umhanges.
Noch immer sprang der Werwolf gegen die Bretter.
„Mr. Snape!", Dumbledore war total aufgebacht. James schaute nicht mehr in das gutmütige Gesicht mit den lustig blinkenden blauen Augen. Zornesfalten kräuselten sich auf der Stirn des Direktors und seine Stimme war um das fünffache lauter.
Alles war still.
Selbst Remus ist ruhig., staunte James.
„Was fällt ihnen ein? Haben sie nicht schon genug Ärger gehabt?"
Snape schaute noch immer leer umher.
„Kommen sie!"
Prongs nahm Snapes Arm und zog ihn mit sich. Als sie aus der Weide kletterten schwebte Lily auf Dumbledores Schulter hinab.
„Ah, Leonora!", und er streichelte über ihr Gefieder.
Die Schlossgründe lagen still da. Im Schloss brannte nur noch in den Gängen Licht. Selbst die letzten Nachtschwärmer waren nun eingeschlafen.
Wieder erklommen sie die Stufen zum Büro des Direktors.
James setzte sich in einen Stuhl. Severus stand noch immer, bis Dumbledore ihm befahl platz zunehmen. Lily flatterte auf die Schulter ihres Freundes.
„Severus Snape. Ich kann ihnen gar nicht sagen wie enttäuscht ich von ihnen bin.", schnaubte Dumbledore, wie es sonst nur Professor McGonagall tat.
„Sind sie sich überhaupt bewusst, in welcher Gefahr sie sich heute Nacht befanden?"
Noch immer kam keine Antwort.
„Ich ziehe ihnen 100 Hauspunkte für ihren Leichtsinn und ihren Ungehorsam ab. Warum sind sie wieder auf die Schlossgründe gegangen?"
„Ich- ich wollte sehen was da unten ist. Professor, sie sagten nur das Potter mir das Leben gerettet hat. Aber nicht vor was er mich angeblich gerettet hat. Ich wollte es wissen.", verteidigte sich Snape.
„Und nun wissen sie vor was Mr. Potter sie bewahrt hat. Nun schon zum zweiten Mal.", sagte Dumbledore ruhiger.
„Direktor, ein Werwolf.", sprudelte Severus heraus. „Einer der Schüler ist ein Werwolf."
„Gut kombiniert, Sherlock!", antwortete James sarkastisch.
Albus Dumbledore sah ihn mit hoch gezogenen Augenbrauen an.
„Tschuldigung."
„Mr. Snape. Sie sagen niemandem ein Sterbenswort über das was sie heute Nacht gesehen haben. Nicht eines!", verlangte Dumbledore.
„Ja, Professor."
„Gut, sie können jetzt gehen. Aber sie Mr. Potter bleiben hier."
Snape ging mit gesenktem Kopf aus dem Büro. Einige Portraits blickten ihm empört nach.
James schaute Dumbledore neugierig an.
„Severus Snape steht in ihrer Schuld.", begann er. „Sie sollten sich bewusst sein, dass er das nicht gerne tut."
„Ja, Professor."
„Sprechen sie mit niemandem über den heutigen Abend."
„Ja, Professor."
„Und schicken sie morgen Früh Mr. Black zu mir. Mit ihm wird eine längere Unterhaltung nötig sein. Im Übrigen haben sie eine außergewöhnliche Eule. Sehr kluges Tier."
James schaute verlegen. Er log niemanden gerne an. Vor allem nicht Albus Dumbledore.
Letztendlich zwang er sich dann doch zu einem „Danke."
„Sie hat eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Miss Evans.", der Professor lächelte.
„Wirklich?", fragte Prongs übertrieben.
„Ja, aber das ist nur der Eindruck eines alten Zauberers."
James rutschte auf seinem Stuhl hin und her.
Kann er es wissen, grübelte Lily
„Nun ja, Mr. Potter. Sie sollten jetzt wirklich ins Bett gehen."
„Danke Professor und gute Nacht!", wünschte James schnell und verschwand.
Dumbledore sah ihm belustigt nach.
Wenn er wüsste.
„Das war knapp!", sagte James zu Lily. Noch einmal schwang sie sich in die Lüfte und flog durch die Gänge.
Sie wartete bereits als James endlich vor dem Portrait der fetten Dame stand.
„Proeliator!", nannte er das neue Passwort.
„Zu so später Stunde aber nicht!", beschwerte sich die fette Dame verschlafen und schwang nach vorne.
Lily hüpfte hinein.
„Na komm auf meinen Arm!", forderte James sie auf und Lily flog auf ihn zu.
James öffnete die Türe zum Schlafsaal. Keiner seiner Freunde war da.
Aus seinem Nachtschrank holte er die kleine Phiole mit dem Gegenmittel.
„Also, Lily!", und er tröpfelte etwas auf ihre Federn.
James sah begeistert zu wie sich die kleine Eule in eine junge Frau verwandelte.
„Liebling, das sah so abgefahren aus wie du dich verwandelt hast."
„James!", Lily umarmte ihn als hätten sie sich schon ewig nicht mehr gesehen. „Ich hatte solche Angst um dich!"
„Wirklich?", fragte er schelmisch.
„Natürlich!", sagte sie entrüstet. „Oh, dieser Idiot. Er hat dich in solche Gefahr gebracht.", fluchte Lily drauf los. „Wenn ich den in die Finger bekomme. OH, der kann was erleben!"
„Lily, beruhige dich. Es ist doch nichts passiert!"
„Aber es hätte etwas passieren können! Und wenn ich Sirius in die Finger bekomme kann der auch was erleben!"
„Da sind wir schon zwei!", pflichtete James ihr bei.
„Wie kann man nur so verantwortungslos sein!"
„Das weiß ich selber nicht."
Lily küsste James. „Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist.", sagte sie etwas später erneut.
„Glaubst du Dumbledore weiß das du es warst?", erkundigte sich James.
„Ich denke schon. Als ich zum zweiten Mal zu ihm flog sprach er mich mit „Miss Leonora" an. Wer sagt das schon zu einer Eule?"
„Dumbledore?", feixte Prongs.
"Der Mann weiß einfach alles."
Lily sah auf ihre Uhr. Es war kurz nach 3 Uhr.
„Ich geh jetzt schlafen.", gähnte Lily.
„Bitte bleib bei mir.", bat James.
Sie lächelte ihn an.
„Und was ist wenn die anderen kommen?"
„Das kann noch dauern. Ich habe sie eingesperrt und sie können sich erst befreien, wenn Remus wieder ein Mensch ist."
Damit schien alles klar.
„Wie war eigentlich das Fliegen?", fragte James neugierig, als sie aneinander gekuschelt in seinem Bett lagen.
„Wahnsinn!", war Lilys einzigste Antwort und dann schlief sie ein.
/o/
Sirius saß auf dem staubigen Fußboden in der heulenden Hütte. James war nirgendwo zusehen.
Wo steckt er nur?
Remus stand neben ihm und hielt seine Schnauze in die Höhe.
Riecht er etwas?
Nun schnüffelte auch Padfoot. Den Geruch kannte er nicht. Er roch ja nicht an anderen Menschen umher. Abgesehen von Alex. Sie hatte diesen Duft von Birne.
Neben ihm fing Remus an zu knurren und da sah Sirius auch schon das halb verdeckte Gesicht im Türspalt.
Ein Ruf hallte nach drinnen. „Snape, bleib stehen! Du hast keine Ahnung was du..."
Der Werwolf knurrte erneut und setzte zum Sprung an. Genau im gleichen Moment wurde die Tür zugezogen und das Türschloss glühte auf.
Sie waren eingesperrt.
„Bist du übergeschnappt, Mann!", sagte jemand vor der Türe.
Noch immer sprang Moony gegen die Türe, kratzte am Holz und keifte bitterlich.
„Mr. Snape!", donnerte es von draußen herein.
Die Stimme hörte sich nach Dumbledore an.
Sirius riss die Augen auf.
Schniefelus, dieser Idiot ist tatsächlich hier her gekommen, er konnte es einfach nicht fassen.
„Was fällt ihnen ein? Haben sie nicht schon genug Ärger gehabt?"
„Kommen sie!"
Schritte waren zu hören, die aber schnell verstummten.
Eine Ratte tauchte neben ihm auf.
Sirius konnte Peter aber nichts sagen. Er hätte sich sonst in einen Menschen verwandeln müssen.
Der Andere draußen musste James gewesen sein. Aber diesen Gedanken verwarf Padfoot bald, denn er freute sich viel zu sehr über den Schock, den er Snape verpasst hatte. Er wusste, dass er das getan hatte.
Aber nun saß er fest. Er konnte nicht frei kommen. Erst wenn sich Remus zurück verwandelt hatte. Was blieb ihm anderes übrig als sich auf dem Fußboden zusammen zu rollen und zu schlafen.
Moony war wieder aufgestanden und streifte durch das kleine Haus. Ständig knackte und rumpelte es.
Die Zeit verging und Sirius sucht nach Remus. Die kleine Ratte ständig hinter sich. Sie fanden ihn in dem Zimmer mit dem riesigen Himmelbett. Kein Werwolf lag dort, aber wieder der gute alte Remus.
Erleichtert verwandelte Padfoot sich zurück.
Die Türe lies sich nicht mit einem einfachen „Alohomora" öffnen. Da musste Sirius schon schwerere Geschütze auffahren. Die heulende Hütte wackelte unter der Explosion.
„Meinst du nicht, dass das etwas zu viel war?", fragte Peter unsicher.
„Sie ist offen und das ist die Hauptsache.", verteidigte sich Padfoot.
Schweigend gingen sie den Gang entlang und kletterten aus der Weide.
„Ich kann es nicht fassen!", sagte Sirius plötzlich. „Snape, dieser Idiot ist tatsächlich in die Weide geklettert."
„Meinst du das war vernünftig?", Wormtail schien ängstlich.
„Warum vernünftig. Das wird ihm eine Lehre gewesen sein uns ständig nach zu schnüffeln und uns zu belauschen."
„Aber was wäre gewesen, wenn Moony ihn erwischt hätte?"
„Ich hätte schon dafür gesorgt, dass er ihn nicht gekriegt hätte. So dumm bin selbst ich nicht!", verteidigte sich Sirius.
„Aber James kam dir zuvor!", überlegte Peter weiter.
„Ja, das stimmt. Er wird schon nichts sagen."
„Aber hast du nicht Dumbledore gehört? Er war auch da."
Padfoot zog ein Gesicht. Wormtail hatte Recht. Was würde Dumbledore zu dem Ganzen sagen?
Furcht breitete sich in ihm aus.
„Meinst du ich muss zu Dumbledore?", fragte Sirius unschlüssig.
Peter sah ihn mit hoch gezogener Augenbraue an.
„Verdammt!", stöhnte sein Freund auf.
Wieder schweigend setzten sie ihren Weg fort.
Die große Uhr in der Eingangshalle zeigte auf halb sechs.
„Oh man, in 2 Stunden schon wieder aufstehen!", beschwerte sich Wormtail.
Niemand begegnete ihnen in den Gängen. Nicht einmal Mrs. Norris.
„Proeliator.", sagte Sirius der fetten Dame.
„Ach, doch aber nicht so früh.", beschwerte sie sich diesmal und schwang auf.
Halb schlafend schleppten sie sich in ihren Schlafsaal. Die Vorhänge von James' Bett waren zugezogen. Sirius lies sich auf sein Bett fallen und schlief sofort ein. Peter tat es nicht anders. Was für eine langweilige Nacht, dachte Padfoot als letztes.
Lily wurde von James geweckt.
„Lily, es wird Zeit."
„Och, noch nicht. Ich bin noch so müde!"
„Lily, los komm schon. Oder willst du zu spät kommen?"
Schwerfällig öffnete sie die Augen.
„Ach, nein.", und Lily setzte sich auf.
James zog die Vorhänge beiseite. Sirius lag mit seinem Oberkörper auf dem Bett und die Beine baumelte draußen.
Lily schnappte ihre Sachen und ging sich umziehen.
Als sie zurück kam war James damit beschäftigt Padfoot zu wecken.
„Er will einfach nicht aufwachen!", beschwerte er sich.
„Wie wäre es mit Wasser?", schlug Lily vor.
„So gemein bin ich nicht."
„Aber das wäre das Geringste, was er verdient hätte."
„Ich weiß, aber es gibt andere Mittel."
„Na gut, ich versuche es mal.", grinste Lily gemein und beugte sich zu Sirius hinunter. „McGonagall sagt, dass du für den Rest deines Lebens in Hogwarts bleiben musst und nach Slytherin kommst."
Sirius schlug die Augen auf.
„Das war wirklich gemein.", gestand James ihr zu.
„Ich weiß, aber was hätte ich sagen sollen?"
„Na vielleicht irgendetwas schönes mit Alex, oder so."
„Hase, wir sind hier nicht bei ‚Wünsch Dir was!'"
„Hallo! Ich bin wach. Schon mitbekommen?", schaltete sich Sirius ein.
„Na das wurde ja auch Zeit!", donnerte Lily ihn an.
Padfoot zuckte zusammen. „Warum schon so grantig am frühen Morgen wie eine Banshee?"
„Warum ich grantig bin?"
„Lily, beruhig dich.", beschwichtigte James sie.
Lily schnaubte wie ein Stier. „Ich geh jetzt, sonst platze ich noch.", und sie verlies den Raum.
„Was ist denn mit ihr?", wunderte sich der Angebrüllte.
„Kannst du dir das nicht denken?", warf Peter ein, der aus seinem Bett hüpfte.
„Oh, das von heute Nacht?", fragte Padfoot zögerlich.
James baute sich vor ihm auf.
„Sirius, du bist mein bester Freund.", begann er.
„Aber das was du heute Nacht abgezogen hast war einfach...!", ihm fehlte das richtige Wort dafür.
„Purer Idiotismus?", ertönte die gedämpfte Stimme von Wormtail aus dem Bad.
„Danke!", rief James zurück. „Genau, purer Idiotismus. War dir nicht klar, was du hättest anrichten können?"
„Ich wollte ihm nur eine Lektion erteilen!"
„Mann, gebrauche deinen Kopf! Du hättest Snape töten können."
„Nicht ich!", verteidigte sich Sirius.
„Ja, Moony hätte ihn getötet! Aber es wäre deine Schuld gewesen. Du hättest zwei Leben zerstört. Was wäre mit Remus passiert, wenn das heraus gekommen wäre. Snape könnte jetzt tot sein!", Prongs war am Ende immer lauter geworden.
Sirius sah ihn traurig an.
„Ich wollte Schniefelus doch nur Angst machen."
„Sirius, das hättest du auch anders machen können. Du bist doch sonst so clever."
„James, ich wollte ihn nur erschrecken."
„Das ist dir gelungen."
Padfoot sagte nichts.
„Snape weiß jetzt aber auch, das ein Schüler ein Werwolf ist und er wird bestimmt nicht lange brauchen um heraus zu finden, dass es Remus ist. Severus muss sich nur umsehen wer heute nicht am Unterricht teil nimmt und am nächsten Tag noch immer ziemlich geschafft aussieht."
Sirius verbarg sein Gesicht in seinen Händen.
„Du musst heute noch zu Dumbledore.", sagte Prongs letztendlich und ging aus dem Raum.
Lily wartete im Gemeinschaftsraum.
„Und?", sie war auf James zugeeilt.
„Er tut mir irgendwie leid."
„Was?"
„Er war sich der Konsequenzen einfach nicht bewusst. Er hat einfach nicht dran gedacht."
„James.", Lily nahm seine Hände. „Sirius hat noch nie über Konsequenzen nachgedacht. Es wird Zeit, dass er lernt mit Verantwortung umzugehen und über Folgen, die seine Handlungen betreffen, nachdenkt."
Prongs sah sie resignierend an.
„Du hast Recht.", und sie gingen aus dem Gemeinschaftsraum.
Als James und Lily in die Eingangshalle traten schauten sie auf die vier großen Uhrengläser die, die Punkte anzeigten. Slytherins Stand war beträchtlich gemindert. Einige Schüler standen davor und spekulierten welcher Schüler das verursacht haben könnte.
Snape saß still zwischen seinen Mitschülern die sich aufgeregt unterhielten. Er würdigte James keines Blickes.
Sirius wurde den ganzen Vormittag nicht gesichtet. Selbst dem Unterricht wohnte er nicht bei und Lily konnte Alex keinerlei Auskunft über seinen Verbleib geben.
„Er hätte mir doch gesagt, wenn er weg müsste.", grübelte Alex.
„Du musst ja nicht alles wissen!", stichelte Lorrain.
Gegen Mittag ging Prongs in den Schlafsaal.
Remus lag in seinem Bett und schlief. Sirius hingegen saß am Fenster und schaute auf die Ländereien.
„Wo warst du den ganzen Morgen?", fragte James interessiert.
„Ich bin gleich zu Dumbledore gegangen, nachdem du zum Frühstück bist."
Prongs setzte sich zu ihm auf den kalten Fenstersims.
„Und?"
„Dumbledore hat mich nicht raus geworfen. Aber ich darf für zwei Wochen nicht am Unterricht teilnehmen, jegliche Hogsmeade Wochenenden sind gestrichen, darf keine Quidditschspiele ansehen und muss mit Snape Nachsitzen!"
James Magen krümmte sich zusammen.
„Mehr nicht?", fragte er sarkastisch.
„Oh doch, 50 Hauspunkte sind weg. Außerdem werde ich Moony alles erzählen. Er soll das nicht von euch erfahren."
„Sirius, ist dir nun klar was hätte passieren können?"
„Ja.", Padfoot sah wieder durch das Fenster.
„Gut.", sagte James bedächtig. „Aber wie sollst du eigentlich den ganzen Lehrstoff nachholen? Nicht mehr lange, und wir haben unsere Abschlussprüfung."
„Das ist meine Sorge.", lachte Sirius lustlos.
„Ach, mach dir darüber keine Gedanken.", beruhigte Prongs ihn. „Wir werden dir alle helfen."
Padfoot betrachtete ihn abschätzend.
„Ja, jetzt schau mich nicht so an. Klar werden wir dir helfen. Lily auch."
James schien den Nerv getroffen zu haben.
„Sie redet bestimmt nicht mehr mit mir."
„Wie kommst du darauf?"
„Weil sie mir beinahe den Kopf abgebissen hätte?"
„Och, sie ist schon wieder ganz ruhig."
„Du meinst, die Ruhe vor dem Sturm. Ich will nicht wissen was sie mit mir macht!"
„Sirius, sei nicht kindisch. Lily ist keine Sphinx!"
„Wenn du es sagst!", grinste Padfoot. „Du musst ja wissen was drunter steckt."
„Sirius!"
„Schon gut, war ja nur ein Witz."
„Der war nicht sonderlich gut.", sagte Remus hinter ihnen.
Beide drehten sich um.
„Ah, du bist endlich wach. Wie geht's?", erkundigte sich James.
„Ich fühle mich blendend!", übertrieb Moony. „Aber jetzt mal im Ernst. Was war das heute Nacht? Ich kann mich an ein paar Dinge erinnern, die sehr komisch waren."
„Jetzt ist es an dir!", klopfte Prongs Padfoot auf die Schulter und verabschiedete sich.
Sirius schaute ihn gequält an.
Lily saß in einem Sessel beim Kamin.
„Er ist oben.", flüsterte James ihr ins Ohr. Sie zuckte herum.
„Du sollst mich doch nicht immer erschrecken!"
„Entschuldige.", grinste Prongs. „Sirius war gleich bei Dumbledore, nachdem wir gegangen sind."
„Und?"
„Er ist noch an der Schule, aber er wurde trotzdem bestraft.", und er zählte die lange List auf.
„Oh man, das ist bitter."
„Du sagst es. Kein Hogsmeade, kein Quidditchspiel ansehen und wir haben nächste Woche unser Spiel gegen Ravenclaw!", protestierte James.
„Wie will er den ganzen Stoff nachholen?", fragte Lily.
„Ich dachte mir, wir helfen ihm?"
„Das hätte er eigentlich nicht verdient."
„Ich weiß, aber er ist mein Freund und wenn er die Prüfungen nicht besteht, dann muss er das Jahr wiederholen und dann werden wir nicht mehr hier sein und dann wird Padfoot bestimmt anfangen aus Verzweiflung mit Myrte rum zuhängen und dann..."
„James,", unterbrach Lily ihn. „ist ja gut, ich hab es verstanden."
„Oh, gut.", seufzte er. „Weißt du, ich glaube Sirius hat Angst vor dir."
Sie machte ein belustigendes Geräusch. „Ich bin wahrscheinlich die Letzte, vor der er Angst haben sollte, deine Mutter sollte er eher fürchten, wenn sie es raus bekommt."
Prongs zog ein Gesicht. „Gerade deswegen sollten wir ihm helfen, denn wenn er die UTZte nicht besteht wird sie fragen warum und..."
„James, du hast mich doch überredet!"
„OK, na gut.", grinste er diebisch.
/o/
Es hatte sich schnell herum geschwiegen, dass Sirius Black nicht am Unterricht teilnahm und in kürzester Zeit geisterten die wildesten Gerüchte durch die Schule. Angeblich hatte Sirius sich mit einem Lehrer duelliert und lag nun bandagiert wie eine Mumie auf der Akuten Fluchstation im St. Mungo, oder man hatte ihn Drachenreitend über dem Verbotenen Wald gesehen und er wäre auf und davon geflogen.
„Was geht nur in den Köpfen der Schüler vor?", wunderte sich Alex.
Sirius hatte ihr erzählt, dass er Snape einen Streich gespielt hatte und erwischt wurde. Sie fragte jedoch nicht weiter, denn sie wusste, dass es ihm unangenehm war.
Das Nachsitzen mit Snape war auch kein Zuckerschlecken. Sie mussten den Dachboden des Schlosses entrümpeln, der einfach riesig und gefährlich war. Sirius und Severus entgingen nur knapp dem Attentat eines Ghoul, der unzählige Sachen nach ihnen warf, bis Snape und Padfoot ihn mit verschiedenen Flüchen davon jagten. Auch schnappende Bücher, kleine Gnome und Irrwichte waren keine Seltenheit.
