Kapitel 32- Schleichendes Gift
Die Prüfungsvorbereitungen waren in vollem Gange. In jedem Fach gingen sie die letzten Jahre durch. Lily hatte gedacht, es könnte nicht schlimmer kommen, aber es kam schlimmer.
Sie saß gerade im Gemeinschaftsraum und arbeitete etwas für Professor McGonagall aus, als ein Zweitklässler zu ihr stürzte.
„Ähm, Lily?", fragte der Junge vorsichtig.
„Ja, Oliver?"
„Da kam eine Eule für dich!", und er händigte ihr eilig den Brief aus. Es war sehr dünnes Papier und mit einem blauen Band umwickelt. Das konnte nur von ihren Eltern kommen. Begierig öffnete sie den Brief.
Hallo Lily, Liebling!
Wir hoffen es geht dir gut. Dein letzter Brief war sehr schön, wie du beschrieben hast auf diesem Hippo – Ding (Ich hab den Namen vergessen) zu fliegen. Das war ein schönes Geschenk von James. Bitte grüße Ihn recht lieb von uns. Dein Vater lässt ausrichten, dass er James' Versprechen nicht vergessen hat, ihm alles über Drachen zu erzählen.
Dein Vater arbeitet wie immer sehr viel. Zurzeit wird ein neuer Schacht erschlossen, du weißt ja wie er da immer ist.
Petunia hat sich auch bei uns gemeldet. Sie kam eines Nachmittags mit Vernon. Die beiden haben heimlich geheiratet! Wir waren sehr geschockt. Du kannst dir die Reaktion deines Vaters vorstellen. Er hat getobt wie ein Wilder. Petunia kommt und geht schon die ganze Woche, um ihre Sachen zu holen. Sie haben bereits ein Haus in Little Whinging.
Wir hätten dir das alles gerne persönlich gesagt, aber ihr habt ja dort kein Telefon und persönlich vorbei kommen konnten wir auch nicht.
Jetzt können wir es nicht mehr ändern, wir können nur noch hoffen das Petunia glücklich wird. Obwohl dein Vater der Meinung ist, dass sie sich nach ein paar Jahren wieder scheiden lassen würden.
Wir hoffen, dass du gut mit deinen Prüfungsvorbereitungen voran kommst und wünschen dir jetzt schon viel Erfolg. Ed und ich freuen uns darauf dich wieder in die Arme schließen zu können.
Alles Liebe
Mom und Dad
Lily starrte auf das Papier. Petunia hatte diesen Vernon geheiratet! War sie völlig übergeschnappt? Sie konnte es nicht fassen.
James schaute zu ihr herüber. Brian und er hatten gerade über eine neu Taktik gegen Slytherin gesprochen, als er das Gefühl hatte, dass etwas passiert war. Instinktiv hatte er zu Lily gesehen und sah wie ihre Augen an ein Blatt Muggelpapier geheftet waren. Ihr Gesichtsausdruck deutete er zwischen einem erstaunt, geschockt und deprimiert sein.
„Warte mal kurz.", unterbrach James Brian und machte drei große Schritte durch den Gemeinschaftsraum. Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Schulter. Lily reagierte gar nicht darauf und so überflog er den Brief.
„Nein!", stieß er entgeistert aus. „Das ist ja unglaublich!"
Sie legte das Blatt auf den Tisch.
„Das kannst du laut sagen!", antwortete sie. „Sie hat ohne uns geheiratet! Ganz heimlich!"
Lily machte ein komisches Gesicht, als würde sie gleich weinen.
James setzte sich zu ihr.
„Was hast du?"
„Sie ist verheiratet und zieht aus!"
„Warum kümmert dich das?", wollte er überrascht wissen. „Du konntest sie doch nicht leiden."
Lily schniefte.
„Was heißt nicht leiden können. Als wir noch ganz klein waren verstanden wir uns prächtig."
„Also doch!", unterbrach Prongs sie. „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ihr euch noch nie verstanden habt."
Sie rollte mit den Augen.
„Sie ist trotz allem meine Schwester und jetzt ist sie verheiratet und zieht aus. Vielleicht werde ich sie nie wieder sehen!"
„Das glaub ich nicht. Ihr werdet euch noch mit 90 Jahren angiften und euch gegenseitig über die Macken eurer Ehemänner auslassen.", erzählte James zuversichtlich.
„Übertreib mal nicht!", stritt sie ab.
„Ich übertreibe nicht! Das war mein voller Ernst!"
Lily schaute ihn misstrauisch an.
„Na gut, ich habe ein bisschen übertrieben, aber sonst meinte ich es ernst.", gab James zu. „Nimm es nicht so schwer. Vielleicht hat sie sich auch so gefühlt. Vielleicht denkt sie genau das Gleiche, wenn du heiratest?"
Lily lächelte ihn an.
„Ich soll dich im Übrigen von meinen Eltern grüßen. Ach du hast es ja gelesen.", sagte sie etwas zerstreut.
„Ja, da muss ich mich intensiv über Drachen erkundigen, sonst denkt dein Vater noch von mir ich sei ein Quacksalber."
„Er würde dich mit Schimpf und Schande aus dem Haus jagen!", teilte Lily ihm theatralisch mit.
„Das würde ich nicht verkraften, Liebling.", schniefte James gespielt.
„Ich weiß.", sie tätschelte seine Hand. „Ich werde immer bei dir sein."
„Das hoffe ich doch.", sagte er plötzlich ernster.
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als Ellen zu ihnen kam und mit ihnen über den Aufsatz für Verwandlung sprechen wollte.
/o/
James und Remus eilten durch die Korridore um noch rechtzeitig zu Verwandlung zu kommen. Sirius wurde von Professor Flitwick in Zauberkunst zurück gehalten, weil dieser einen außergewöhnlichen Lichtzauber benutzt hatte, um eine Pflanze wachsen zu lassen. Der kleine Professor war außer sich vor Freude gewesen und er wollte Sirius darüber ausfragen, welche Bewegung er mit seinem Zauberstab gemacht hatte. Das Licht war so stark gewesen, dass die Klasse Schutz unter den Bänken suchen musste, da die Gefahr bestand sich Sonnenbrand zu holen.
James sah noch immer helle Punkte, wenn er die Augen schloss, denn er hatte direkt neben Sirius gesessen und kurz in das Licht gesehen.
„Ich glaube ich bin kurz vorm erblinden.", beschwerte sich Remus und fuchtelte mit einer Hand vor seinen Augen umher.
Sie bogen um eine weitere Ecke und blieben blinzelnd stehen.
„Siehst du auch, was ich sehe?", vergewisserte sich James bei Remus.
„Wenn du sie Schar größerer Schüler meinst, die gerade ein paar Kleinere umkreist und einer davon Rabastan Lestrange verdammt ähnlich sieht und der andere, der so ein bisschen in die Black- Linie fällt mit seinem Zauberstab auf die Kleineren zeigt, und die anderen dämlich grinsen, dann sehen wir das Gleiche."
James und Remus gingen auf die Gruppen Slytherins zu, die, die jüngeren Schüler eingekreist hatten. Sie waren vielleicht Zweitklässler, schätzte James und Ravenclaws.
„Schau mich nicht so an, Schlammblut!", fauchte Regulus Black gerade.
„Oh, sieh an. Sie haben Angst. Seht ihr wie sie zittern.", sagte eine Slytherin mit rabenschwarzen Haaren.
James stand genau hinter ihnen und hörte alles mit an.
Die Zweitklässler schauten zu ihm.
„Wollen wir ihnen eine Lektion erteilen, dass Schlammblüter einen Reinblüter nicht so anzustarren haben?", fragte die Slytherin fast freudig erregt und spielte mit ihrem Zauberstab.
„Das würde ich nicht machen. Vor allem nicht, wenn euch der Schulsprecher dabei beobachtet!", sprach James ganz ruhig.
Die Gruppe wirbelte herum. Sie hatten ihn Tatsache nicht kommen hören!
„Geht es euch gut?", fragte Remus die beiden Ravenclaws, welche nickten. „Na dann geht in euren Unterricht!", und die beiden verschwanden schleunigst.
„Spielt ihr mal wieder Kinder schupsen?", erkundigte sich James sarkastisch. „Habt wohl keinen Erstklässler gefunden, da ihr es mit Zweitklässler aufnehmt? Seid echt mutig geworden."
Lestrange blickte ihn herablassend an.
„Was willst du, Muggelfreund?"
„Sei vorsichtig was du sagst, Lestrange! Oder ich melde dich dem Schulleiter.", fauchte James zurück.
„Oh, soll ich mich jetzt fürchten?", fragte Rabastan kalt.
„Du brauchst dafür nicht meine Erlaubnis.", sagte Prongs, als spräche er mit einem Kleinkind. „ Du hast das vorher doch auch schon gemacht.", und James grinste süffisant.
Lestranges Gesichtszüge versteinerten sich, doch in seinen Augen loderten Flammen des Zorns. „Sei vorsichtiger was du sagst, wenn dir dein Leben oder das deiner Schlammblutfreundin lieb ist."
„Das reicht!", donnerte James. Schüler, die gerade den Gang entlang gingen sahen ihn ehrfürchtig an.
„Sieh an, da hast du einen Nerv getroffen, Rabastan.", sagte die Slytherin und lächelte böse.
James ließ sich nicht beirren.
„Wir gehen jetzt zu Dumbledore!", befahl er. Die Gruppe regte sich nicht. „Los, oder ich werde für eine mehr als angemessene Strafe sorgen und dann kann euch nicht mal mehr Voldemort helfen!", verdeutlichte er seinen Befehl. Die Slytherins waren bei dem Namen zusammen gezuckt.
„Wage es nicht...," begann die Slytherin.
„Wage du es nicht mir Befehle zu erteilen!", unterbrach James sie und blickte sie an.
Schüler starrten alle im Vorbeigehen an. Sich vor diesen ganzen Zeugen zu duellieren wäre mehr als töricht gewesen und so gingen Lestrange und die anderen widerwillig vor James zu Dumbledore.
„Willst du, dass ich mit komme?", fragte Moony. „Nur um sicher zu sein, dass..."
„Ja, das geht schon. Sag McGonagall wo ich bin.", antwortete James und verschwand um die nächste Ecke.
/o/
„Ihr hättest ihn sehen sollen!", berichtete Remus beim Mittagessen, denn James war noch immer beim Direktor.
„Er wird bestimmt mal ein guter Auror!", stellte Alex fest, die ganz genau zugehört hatte.
„Oh, ja. Bestimmt. Lestrange hat auch wieder eine seiner Drohungen vom Stapel gelassen.", erzählte Moony weiter.
„Welche denn diesmal?", erkundigte sich Sirius gelangweilt.
„Sei vorsichtig, wenn dir dein Leben und das deiner Schlammblutfreundin lieb ist."
„Oh, das kann ja wohl nicht wahr sein!", fauchte Lorrain und schlug mit der Hand auf den Tisch. Sie erwischte jedoch eine Gabel und katapultierte sie davon.
Sirius duckte sich noch rechtzeitig.
„Man, dir möchte ich nicht begegnen, wenn du wütend bist. Bei dir muss man mit allem rechnen!", gab er zu, als er sich nach dem Besteck bückte und es ihr zurückgab.
„Entschuldige, das war keine Absicht."
„Kann man seine Drohungen eigentlich Ernst nehmen?", wollte Alex wissen.
Padfoot lachte.
„Von dem? Der hängt mit meinem Bruder rum. Und bei beiden kommt nur heiße Luft raus."
„Macht mal Platz!", forderte James sie auf. Er sah gehetzt aus. Lily war an seiner Seite.
„Und, wie lief es?", stürmten alle auf ihn ein.
„Sie haben Strafarbeiten bekommen."
„Nur?", rief Lorrain wie eine Banshee.
„Sie haben die beiden Ravenclaws nur umzingelt. Was sollte ich noch sagen?", verteidigte sich Prongs.
„Na zum Beispiel was er zu dir gesagt hat!", fauchte Lorrain weiter.
„Beruhig dich doch erst mal!", sagte Lily ruhig.
„Aber er hat dich Schlammblut genannt!", flüsterte Alex eindringlich.
„Damit renne ich nicht zu Dumbledore.", lächelte Lily seelenruhig. „Der bekommt schon noch was er verdient."
„Warum bist du dir da so sicher?", war Remus neugierig.
„Sagen wir es mal so...", sie spießte mit der Gabel eine Kartoffel auf. „ich weiß es einfach.", und damit war die Fragestunde vorbei.
/o/
Randall ließ sie in den Kerker.
„Heute werden wir den Alterungstrank vervollkommnen und testen. An der Tafel sehen sie die Zutaten."
James erhitzte den silbernen Trank erneut und gab den benötigten Aloesaft hinzu, sowie etwas Mumienstaub. Mehrere Minuten vergingen und dann färbte sich alles blau, genauso wie in Ellens Kessel.
„Na dann kann es ja nur richtig sein.", bemerkte er.
„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch.", lachte sie.
Randall ging durch die Reihen.
„Diejenigen, die in ihrem Kessel eine blaue Substanz finden haben richtig gearbeitet.", enttäuscht sah er auf James Werk.
Ätsch, dachte Prongs sich und lächelte seinen Zaubertranklehrer freundlich an.
„Ihr könnt den Trank jetzt an euch testen. Ich werde Phiolen mit dem Gegenmittel verteilen."
„Prost!", er stieß mit Ellen an und sie schluckten die Flüssigkeit.
James spürte wie sich seine Haut anspannte und dann nachgab. Seine Augen wurden schlechter und er sah trotz seiner Brille alles unscharf. Prongs strich mit der Hand über sein Gesicht und merkte wie faltig es war.
„Du siehst aus wie dein Vater, nur viel, viel älter!", lachte Ellen.
Soviel James erkennen konnte hatte auch Ellen einige Falten bekommen. Ihre Haare waren nicht mehr ganz so lockig und mit vielen grauen und weisen Strähnen durchzogen. Auch hielt sie sich nicht mehr ganz so aufrecht, wie sonst.
Er blickte sich nach Lily um, konnte sie aber auf Grund der Entfernung nicht richtig erkennen. Er sah nur lange, graue Haare.
Vor ihnen standen die Phiolen und James griff nach einer. Jedoch war alles schwer zu erkennen und er stieß sie um. Ellen konnte gerade noch verhindern, dass sie zu Bruch gingen.
„Alt sein ist schon nicht leicht!", lachte sie und reichte ihm das Gegenmittel.
„Auf die Jugend!", prosteten sie sich erneut zu und tranken.
James hatte einen bitteren Geschmack im Mund, aber als er sah, dass auch Ellen den Mund verzogen hatte, musste es wohl normal sein.
Seine Augen wurden wieder besser. Erneut sah er sich nach Lily um. Wie sie wohl aussieht, dachte er, aber er war zu spät. Sie hatte sich schon wieder zurück verwandelt.
Mit einer Leichtigkeit kamen sie aus Zaubertränke.
Lily amüsierte sich noch immer über die gealterte Version von Sirius.
„Das hättest ihr sehen müssen!", lachte sie. „Er hatte einen längeren Bart als Dumbledore und sein Gesicht sah aus wie eine verschrumpelte Kartoffel."
„Bist du jetzt fertig?", Sirius schien sichtlich entrüstet, dass sich Lily über ihn lustig machte.
„Nein, noch nicht! Und er hatte eine zittrige Stimme, wie eine Ziege."
Alex hatte Mühe ihren Kürbissaft hinunter zu schlucken, als Lily alles beim Abendessen erzählte.
James hingegen saß teilnahmslos neben ihnen.
„Geht es dir gut?", flüsterte Lily, die ihn aus den Augenwinkeln beobachtet hatte.
„Ich hab irgendwie Kopfschmerzen. Ich reagiere immer so auf Mumienstaub. Weiß auch nicht warum. Ich hätte es mir eigentlich denken können.", machte er sich selber verantwortlich.
„Du solltest mehr trinken, vielleicht geht es dann weg."
„Mehr trinken bei Kopfschmerzen?"
„Ja, Kopfschmerzen können auch durch Dehydrierung entstehen und..."
„OK.", unterbrach er sie. „Red bitte nicht weiter, mehr kann ich mir nicht merken.", seufzte er und versuchte zu lächeln.
„Vielleicht solltest du zu Madame Pomfrey gehen?"
„Ach es geht schon, Liebling. Das wird nicht lange anhalten."
Lily schaute ihn besorgt an.
Aber James' Zustand besserte sich nicht, auch wenn er immer wieder beteuerte, es würde ihm in ein paar Minuten besser gehen.
„Pass gut auf ihn auf!", mahnte Lily Sirius, als alle zu Bett gingen.
„Klar, selbstverständlich."
Doch Lily machte sich große Sorgen. Ich habe ihn noch nie so gesehen., dachte sie.
James lag auf seinem Bett. Ihm war so schlecht, wenn er seinen Kopf bewegte drehte sich alles. In seinen Ohren sauste es ununterbrochen und dazu noch diese Kopfschmerzen! Und dann merkte er es. So schnell es sein Zustand zuließ rannte er ins Bad und übergab sich.
Sirius wachte auf, als Prongs ins Bad rannte und entschloss sich auf ihn zu warten. Doch James kam einfach nicht zurück. Er ist jetzt schon 15 Minuten da drin., sah Padfoot auf seine Uhr und entschloss sich nach seinem besten Freund zu sehen. Als Sirius in das Badezimmer trat lag James auf dem Fußboden. Er tastete nach seinem Puls. Er war schwach. Kalter Schweiß war auf seiner Haut.
„Moony!", rief Sirius. „Wach auf!"
Ein paar Sekunden später tauchte Remus auf und überblickte alles kurz. „Ich geh schon!", sagte er und eilte davon.
Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Moony mit Professor McGonagall und Madame Pomfrey zurückkam.
„Was ist passiert?", fragte die Professorin besorgt.
„Seit dem Abendessen ging es ihm schlecht. Kopfschmerzen, Schwindelanfälle und Übelkeit.", berichtete Sirius. „Und eben ist er ins Bad gerannt. Er musste sich übergeben und dann habe ich nach ihm gesehen, weil er nicht zurück kam und da lag er hier auf dem Fußboden."
Professor McGonagall schwenkte ihren Zauberstab und James' Körper schwebte in der Luft.
„Das hört sich nach Grippe an.", vermutete die Krankenschwester. „Er wird ganz schnell wieder auf den Beinen sein."
Sirius und Remus wollte den beiden Frauen folgen, aber Madame Pomfrey hielt sie zurück.
„Er wird sich nicht schneller erholen, wenn sie bei ihm sitzen. Sie sollten wieder zu Bett gehen. Es ist mitten in der Nacht."
Padfoot und Moony sahen ihnen nach. Da entschwebte ihr bester Freund in den Krankenflügel.
„Wo soll er eine Grippe her haben?", grübelte Remus. „Er hatte noch nicht mal Schnupfen."
„Was wird Lily dazu sagen?", überlegte Sirius hingegen.
„Ich möchte es mir nicht vorstellen."
Es fiel den Beiden schwer nicht einzuschlafen, aber die Müdigkeit siegte letztendlich doch.
/o/
Ellen, Alex, Lorrain und Lily saßen beim Frühstück in der Großen Halle.
Die Post war gerade gekommen und Lorrain las einen Brief ihres Bruders vor, der mit seiner Verlobten gerade einen Urlaub in Transsylvanien machte.
„... und das Schloss war einfach nur unheimlich. Marie hat sich an meinen Arm gekrallt, ich glaube, ich werde die Spuren bis an mein Lebensende haben ..."
Plötzlich setzte sich Remus neben Lily. Sirius und Peter ihr gegenüber. Alle schauten finster drein.
„Was ist denn mit euch passiert. Wo ist James?", fragte Lily lächelnd.
„Ich habe ihn heute Nacht auf dem Fußboden gefunden.", sagte Sirius leise. „Wir haben sofort Madame Pomfrey geholt. Er ist im Krankenflügel."
Lilys Lächeln floss von ihrem Gesicht, wie ein Regentropfen von einem Lotusblatt. Ihr wurde heiß und kalt und eine unangenehme Gänsehaut schwebte über ihren Rücken. Sie fühle wie sich ihr Brustkorb zusammen zog und sie schnappte nach Luft. Doch plötzlich sprang sie auf und eilte aus der Großen Halle.
„Lily!", rief Remus ihr vergeblich nach.
Für sie waren es unzählige Treppen und Korridore die sie in den Krankenflügel führten und sie verfluchte die Regel innerhalb des Schlosses nicht apparieren zu können.
Was hatte James? Ging es ihm schon wieder besser?
Mit aller Kraft drückte sie die schwere Tür zur Krankenstation auf. Sofort stieg ihr der Duft von Kräutern und Minzegeist in die Nase. Orientierungslos sah sie sich um. Eine spanische Wand war um ein Bett, das an einem der großen Bleiglasfenster stand, aufgestellt und Lily eilte darauf zu.
Sie erschrak, als sie die Trennwand umrundete und James blass zwischen den weißen Laken liegen sah.
„Was machen sie hier?", fragte die Krankenschwester und eilte aus ihrem Büro auf sie zu.
„Was ist mit ihm?", ignorierte Lily die Frage.
Bevor diese antworten konnte wurde die Türe erneut geöffnet und Professor McGonagall kam mit dem Direktor herein. Ihnen folgten Männer in limonengrünen Umhängen. Auf ihren Roben erkannte Lily ein Wappen, das einen Zauberstab und einen Knochen, gekreuzt, zeigte.
Heiler aus St. Mungos, dachte sie erstaunt.
„Professor Dumbledore, Professor McGonagall!", wand sich Lily an die Professoren.
Der Direktor hob die Hand.
„Mr. Potter wird ins St. Mungos Hospital gebracht, Miss Evans. Madame Pomfrey erklärte uns, dass das von ihr verabreichte Grippemittel nichts bewirkt hat und so vermuten wir etwas Schwerwiegenderes.", klärte der Professor sie auf.
Lily verstand rein gar nichts. Gestern war James noch allergisch auf Mumienstaub, dann hatte er über Nacht eine Grippe bekommen und nun war es etwas Schlimmeres? Wenn ihr nicht langsam jemand sagte was ihrem Freund wirklich fehlte, würde sie entweder explodieren, oder verzweifelt in Tränen ausbrechen.
„Aber was ist mit ihm?", verlangte Lily zu wissen.
Professor McGonagall atmete lange aus und ein. Lily konnte immer am Gesicht ihrer Hauslehrerin ablesen, was geschehen war. Doch dieses Mal gelang es ihr nicht und es machte ihr Angst. „Wir vermuten er wurde vergiftet.", sagte die Professorin letztendlich.
