James feierte mit seinen Freunden auch noch ein bisschen, jedoch nicht so wild wie seine Freundin.
„Ich habe Lorrain gesehen, als ich in die Große Halle gehen wollte.", erzählte Peter am nächsten Morgen. „Sie sah furchtbar aus."
„Sag ihr das nur nicht, oder sie wird dich am nächsten Fensterkreuz aufhängen.", riet Remus. „Soviel ich weiß mussten die vier zu Poppy gehen, um sich was gegen die Kopfschmerzen geben zulassen."
„Lily auch?", fragte James perplex.
„Ja, sie auch."
„Und das als Schulsprecherin!", lachte er und seine Augen funkelten vielsagend.
„Du wirst ihr das doch nicht unter die Nase reiben?", wollte Sirius wissen.
„Ich doch nicht.", wehrte sein Gegenüber ab und grinste.
Jedoch bekam er beim Frühstück nicht mehr die Gelegenheit dazu, denn Lily tauchte nicht auf. Genauso wenig wie Alex, Ellen und Lorrain.
Sie saßen bereits in Verwandlung, als die restlichen Schüler herein tröpfelten.
„Ruhe!", sagte Professor McGonagall streng. „Es sind nur noch ein paar Wochen bis zu ihren Prüfungen. Ich erwarte, dass sie sich noch einmal besonders bemühen. Es gab noch nie einen Schüler, während meiner Lehrertätigkeit, der sein UTZ in Verwandlung nicht geschafft hat. Ich erwarte, dass dies auch weiterhin so bleibt. Also hängen sie sich noch einmal rein.", darauf hin ging sie auf die Tafel zu und tippte dagegen. Schaubilder tauchten auf und sie begann zu erklären, wie man eine Keksdose in ein lebendes Tier verwandelte, ohne dass es Kekskrümel spuckte.
„Wir sollten uns auch noch einmal reinhängen.", flüsterte Sirius James zu.
„Was meinst du?", er sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Wir sollten mit einem Knall gehen!"
„Hä?", Prongs kapierte nichts.
„Man bist du heute schwer von Begriff.", mischte sich Remus ein. „Wir sollten einen letzten Streich machen. Der so richtig rein haut."
„Ah.", James ging ein Licht auf.
„Wie kommt es das du dafür bist?", fragte Padfoot Moony interessiert.
„Es wird der Letzte sein.", antwortete er, als wäre es offensichtlich.
„Ist ja gut."
„Mr. Black, Mr. Lupin. Sie können uns an ihrer Unterhaltung gerne teilhaben lassen.", unterbrach sie Professor McGonagall. Die Lehrerin fixierte sie an. Gut und gerne hätte ihnen jemand auch Nadeln in die Augen stechen können. Beide senkten beschämt den Kopf.
Die Professorin schnaubte verächtlich und redete dann weiter.
„Wir sollten etwas machen, das die ganze Schule ins Chaos stürzt.", flüsterte Sirius eindringlich und seine Augen hatten wieder diesen verrückten Glanz.
„Wir wollen die Schule nicht in Schutt und Asche legen.", Moony sah besorgt drein.
„Warum nicht? Nachfolgende Schüler würden es uns danken.", sinnierte Padfoot.
„Wir könnten jemanden verletzten, du Hundefloh!", James gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
Sirius knurrte.
„Wir könnten die Maulende Myrthe anstacheln, dass sie ein paar Leute terrorisiert.", überlegte Peter.
„Haben wir schon gemacht. Da wüsste gleich jeder, dass wir es waren.", erklärte Remus den Vorschlag für nichtig.
„Wir könnten Snape mal wieder mit dem Kopf nach unten baumeln lassen.", Padfoot war Feuer und Flamme.
„Lily würde mich umbringen, wenn sie das raus findet.", sagte James entschieden.
„Wie wäre es, wenn wir ein paar Klassenräume sabotieren?", grübelte Peter. Die Gesichter seiner Freunde hellten sich auf.
„Da wüsste ich schon was für McGonagall.", grinste Prongs. „Sie kann Wahrsagen einfach nichts abgewinnen. Wir könnten Kristallkugeln ins Klassenzimmer bringen, die ihr ständig ihre Zukunft sagen. Stimmen in den Raum zaubern, die ihr von ihrer langen Lebenslinie erzählen und so was alles."
„In Flitwicks Klassenraum könnten wir alles noch größer zaubern, als es ohnehin schon für ihn ist und es in ein zartes Pink tauchen.", lachte Remus.
„Bei Randall könnten wir eine Schar Mäuse ins Klassenzimmer lassen und noch ein paar Mungos hinterher. Die räumen den Laden richtig auf und fangen nebenbei noch das Slytherinmaskotchen.", Sirius schaute verschwörerisch.
„Ich würde gerne Mrs. Norris fangen und sie rasieren.", sagte Peter gehässig. „Und sie dann grün zaubern. Außerdem würde ich den Korridor vor Filchs Büro gerne in einen Sumpf verwandeln."
Seine Freunde sahen ihn perplex an.
„Peter, warum fällt dir so was am Ende unserer Schulzeit ein?"
Dieser schaute belämmert und zuckte etwas beschämt mit den Schultern.
„Es kam mir einfach gerade in den Sinn."
Vor sich hörten sie ein ermahnendes „Chm, chm." Und sie wendeten ihre Aufmerksamkeit wieder dem Unterricht zu.
„Na mein Liebling, wie fühlst du dich?", James legte einen Arm um Lily und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
Schüler strömten an ihnen vorbei, doch sie flanierten langsam den Gang entlang.
„Seit dem Trank von Madame Pomfrey um einiges besser."
„Habt ihr es wieder übertrieben?"
„Übertrieben kannst du das nicht nennen, das war gnadenlos ausgeartet."
Prongs zog eine Augenbrauche hoch.
„Wie schlimm?"
„Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich Alex, Ellen und Lorrain zu meinen Brautjungfern gemacht habe.", Lilys Stirn war in Falten gelegt. „Und dann haben wir noch etwas gesungen, aber ich weiß nicht mehr was."
„Ich bin schockiert."
„Ach, jetzt sag mir nicht, dass du so was noch nie gemacht hast."
„Nein, so schlimm waren wir nie."
„Wirklich nicht?"
„Ich schwöre es bei Snapes fettigen Haaren."
Lily atmete tief. „Das war jetzt unnötig."
„Ich weiß,", grinste James. „Aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen. Was hast du überhaupt zum Geburtstag bekommen?"
„Oh, ein Buch über Zauberstablose Magie und ein Feindglas im Taschenformat.", strahlte sie. „Und nicht zu vergessen, einen süßen kleinen Kater."
„Ich hoffe der macht mir keine Konkurrenz.", grübelte Prongs.
„Niemals!", sagte sie vielsagend und verabschiedete sich von ihm um zu Arithmantik zugehen.
Der Tag verstrich und nach dem Abendessen verabschiedeten sich die Mädchen von ihnen.
„Heute brauche ich viel Schlaf.", entschuldigte sich Lily und entschwand.
Die Marauderer sahen ihnen nach.
„Wir sollten es heute Abend machen.", sagte Remus entschlossen.
„Schon so aufgeregt?", grinste James.
„Nein, aber niemand kann uns in die Quere kommen und niemand wundert sich, wo wir stecken. Das sich die Damen wie vom Troll erschlagen fühlen kommt uns wie gerufen.", erklärte Moony, als läge es auf der Hand.
Die vier rückten näher zusammen und sahen sich um, dass ihnen auch niemand zuhörte.
„Wir machen es heute Nacht. Erst nehmen wir uns die Klassenräume vor und dann kümmern wir uns um Mrs. Norris.", Sirius rieb sich die Hände.
„Flitwicks Klassenraum kommt zuerst dran, dann McGonagalls und dann Randalls. Der Umhang und die Karte dürfen nicht fehlen."
„Willst du die Katze wirklich rasieren?", fragte James Peter. „Ein Haarausfall Fluch würde es auch tun."
„Das wäre auch nicht so laut.", warf Padfoot ein. „Sie wird nach ihrem Herren rufen, wenn sie uns sieht."
„Warum hast du es eigentlich auf sie abgesehen?", wollte Remus wissen.
„Sie hat mich mal fast gefressen.", sagte Wormtail giftig.
„Ja, das ist definitiv ein Grund, dass sie es verdient hat.", lachte Prongs.
Die vier legten sich ihren Plan zurecht, ahnten jedoch nicht, dass sie beobachtet wurden.
„Die haben die Köpfe schon lange nicht mehr so zusammen gesteckt.", bemerkte Minerva zu Dumbledore.
„So kurz vor den Prüfungen werden sie bestimmt nichts mehr anstellen.", sagte der Schulleiter sanft. „Und wenn sie etwas ausfressen, wird Mrs Potter schon für eine Strafe sorgen."
„Aber erst nachdem ich sie hab nachsitzen lassen."
Dumbledores Augen machten einen belustigten Eindruck. „Erst nachdem Sie mit ihnen fertig sind, Minerva. Sie haben das Vorrecht der Hauslehrerin."
„Miss Evans scheint aber einen guten Einfluss auf Mr. Potter zuhaben.", sprach die Professorin weiter. „Dieses Schuljahr war das ruhigste, seit er diese Gemäuer betreten hat."
„Wir alle werden mit dem Alter ruhiger.", konterte Dumbledore in seiner weisen Art.
„Wollen Sie damit andeuten, dass wir auch ruhiger werden?", erkundigte sich McGonagall.
„Noch nicht, wir haben noch so einiges vor uns, befürchte ich.", und Dumbledore überblickte seine Schüler.
Die Große Halle leerte sich und die Schüler strömten zurück in ihre Gemeinschaftsräume.
„Warum hetzen wir Peeves nicht auf Filch, dass er ihn solange in Schach hält, bis wir Mrs. Norris abgefertigt haben?", grübelte Wormtail weiter.
„Du bist heute richtig in fahrt.", bemerkte Padfoot.
Es wurde langsam spät und alle Gryffindors hatten sich zu Bett begeben. Prüfend sah James auf die Karte.
„Alles klar, wir können gehen."
Mühevoll zwängten sie sich unter den Tarnumhang.
„Man seid ihr groß geworden.", beschwerte sich Prongs als sie die Gänge entlang zu Flitwicks Klassenraum gingen.
„Ist schon eine ganze Weile her, da wir alle hier drunter waren.", sagte Remus.
Vor Flitwicks Raum angekommen öffneten sie die Tür und schlüpften schnell hinein.
Der Raum mit seiner dunklen Holzverkleidung wirkte düster und gruselig.
„Dann lasst uns mal Farbe hier rein bringen.", lachte Sirius und vergrößerte als erstes den Schreibpult des Zauberkunstlehrers. Jedoch beließ er den Stuhl in seiner ursprünglichen Form. Flitwick konnte so nicht mal über den Rand des Tisches schauen, selbst wenn er auf seinen Zehenspitzen stünde.
Es war wie ein Feuerwerk, alle Möbelstücke wuchsen zu einer stattlichen Größe heran und der satte Pink-Ton verlieh dem ganzen einen Eindruck, als wäre man ein Kleinkind in einem überdimensionalen Kinderzimmer. Zufrieden betrachteten sie sich ihr erstes Werk.
„Perfekt.", befand Moony. „Beeilen wir uns.", und sie machten sich auf zu McGonagalls Klassenraum.
Die Tür dort aufzubekommen war eine kniffligere Sache und Sirius musste sein Taschenmesser einsetzen, das jedes Schloss aufbekam.
„McGonagall wird uns umbringen, wenn sie das raus findet.", James schluckte schwer.
„Angst?", fragte Sirius herausfordernd?
„Vor McGonagall nicht, aber vor meiner Mutter."
„Accio Sitzkissen" flüsterte Peter, als sie angefangen hatten den Raum umzudekorieren.
Plötzlich knarrte die Tür und ging auf. Den vieren schlug das Herz bis zum Hals. Doch dann schwebten einige große Kissen in den Raum.
„Wer war das?" zischte Remus.
„Ich.", wisperte Peter.
„Wenn die jemand durch die Schule schweben sieht!"
„Finite." Sprach Moony und die begehrten Objekte plumpsten zu Boden.
„Heraufbeschwören, nicht rufen!", tadelte er ihn.
Tuchbahnen hingen von der Decke, Kerzen brannten und ein mistiger Rauch schwebte durch den Raum, der einen süßlichen Geruch hatte. Stimmen wisperten aus dem Nichts zu Peter und prophezeiten einen qualvollen Tod.
„So muss es sein.", grinste James. Kristallkugeln waren im ganzen Raum verteilt, sowie Teetassen, die den Grimm als Teesatz zeigten und Planeten zogen über die Zimmerdecke. Eine mystische Stimme flüsterte gerade „Wenn der Saturn den Mars kreuzt wird man von der Teppichkante stürzen und schwarze Katzen werden einem die Milch weg trinken."
Prongs kugelte sich vor lachen.
Nun wartete die schwierigste Aufgabe auf sie. Nur langsam kamen sie die Treppen hinunter. Sie konnten nur in kleinen Schritten gehen. Einmal mussten sie ganz still sein, weil Peeves an ihnen vorbei schwebte. Aber sonst war alles ruhig.
Im Kerker leuchteten ihnen Fackeln den Weg. Wieder kam Sirius Messer zum Einsatz. Wovor hatten diese Lehrer Angst, dass sie ihre Klassenzimmer so abriegelten, überlegte Sirius. Bestimmt vor Schülern, die einbrechen wollten. Er grinste vor sich hin.
Schnell verwandelten sie Phiolen, Kessel und Kräuterbehälter in zig Mäuse. Als sie den Raum verließen quiekte und quietschte es von drinnen. Zu guter letzt gaben sie vier Mungos dazu und schlossen schnell die Tür.
Begierig schauten sie auf die Karte.
Mrs. Norris befand sich im ersten Stock. Filch im dritten.
Eilig entfernten sie sich vom Ort des Verbrechens.
Sie strubbelige Katze des Hausmeisters tapste selig den Korridor entlang, als die vier sie ins Auge fassten.
Bedächtig nahmen sie den Umhang ab.
Die Katze blickte auf. Ihre großen Augen fixierten die vier Schüler.
„Mau.", klang es durch den Korridor.
Peter zog seinen Zauberstab und ein Lichtstrahl traf die Katze am Hinterteil. Augenblicklich fielen alle Haare von ihrem Po und ihrem Schwanz.
Ein herzzerreißendes Maunzen erfüllte den Korridor.
„Du hast sie nicht richtig erwischt!", James musste an sich halten, dass er nicht lauthals los lachte.
„Jetzt ist sie eine Halb-Haar Katze.", lachte nun auch Remus.
Sirius erbarmte sich und enthaarte Mrs. Norris vollkommen.
„Ich hoffe nur, sie holt sich keinen Schnupfen.", bemerkte Peter und ein weiterer Lichtblitz zuckte aus seinem Zauberstab und die nackte Katze war in ein kräftiges Grün getaucht.
Plötzlich setzte die Katze zum Sprung an, ganz so kampflos wollte sie wohl nicht unter gehen, und landete an Wormtails Bein. Fauchen erklang und das Geräusch von aufgeschlitztem Stoff. Ein Schrei wurde ausgestoßen. Peter packte die Katze am Genick, öffnete die nächst Beste Tür und warf sie hinein. Ein erneutes „Hilfe-Maunzen" erklang und dann war Totenstille. Alles ging so schnell, keiner seiner Freunde hätte reagieren können.
Alle blickten sich fassungslos an.
„Du weißt doch welcher Schrank das war, oder?", wollte Sirius von Wormtail wissen.
„Nein."
„Das ist das Verschwindekabinett, wir sind hier im ersten Stock."
„Oh, oh!", entfuhr es Peter.
„Verdammt."
Plötzlich hörten sie Schritte.
„Filch kommt.", platzte Remus heraus und berührte die Karte mit seinem Zauberstab, woraufhin die Linien verblassten und das Pergament nur noch alt erschien.
Sie quetschten sich unter den Umhang und wollten losrennen, jedoch verhedderten sie sich und fielen um.
„So geht das nicht.", James rappelte sich wieder auf.
„Wir müssen uns verwandeln.", sprach er zu Sirius und Peter. „Remus kann das leider nicht, wenn er will."
Moony verschwand alleine unter dem Umhang, während sich seine Freunde verwandelten. Nicht zu früh, denn es erschien schon ein Schatten an einer entfernten Wand.
„Wer ist da? Bleibt stehen!", rief Filch schon von weitem.
Jedoch taten sie ihm nicht den Gefallen und setzten Hufe, Tatzen, Krallen und Füße in Bewegung um ihm zu entkommen.
Leider vergaßen sie in all der Aufregung das alte Pergament, das auf dem Boden lag. So schnell sie konnten, stürmten sie davon.
Argus konnte noch etwas Kleines über den Boden huschen sehen. Eine Ratte vielleicht. Der Hausmeister konnte ihre Schritte höre, sah aber niemanden mehr. Ein altes Pergament lag auf den Steinen.
„Das haben sie verloren.", grummelte er zu sich selber. „Das kann kein normales Papier sein.", und er steckte es vorsichtig in die Innentasche seines Rockes.
Der Gang führte nur in eine Richtung und zwar zu einer Treppe, die direkt in den dritten Stock führt. So schnell es seine, vom Rheuma gebeutelten Beine zuließen, machte er kehrt und watschelte die Treppen hinauf.
Sie waren die ersten Treppenstufen hinauf gerannt, als der Hund stoppte und angestrengt lauscht. Nichts drang an sein Ohr und dann stand ein schwer atmender Sirius da.
„Ich glaub, wir sind ihn los.", vermutete Remus unter dem Umhang und nahm diesen ab.
„Das war noch mal knapp.", atmete James, als er wieder auf zwei Beinen stand.
„Ganz knapp. Er hätte uns fast geschnappt.", quiekte Peter.
„Lasst uns einfach nur zurück zum Gryffindor- Turm gehen.", beendete Padfoot das Gespräch. „Wir sollten aus dem ‚Verdächtigenkreis' verschwinden."
Jedoch leise unterhaltend gingen sie den Korridor im dritten Stock entlang, als sie um eine Ecke bogen stockte ihnen der Atem.
„Guten Abend, meine Herren.", wünschte Filch mit einem gehässigen Gesichtsausdruck.
Filch stapfte vor ihnen den Gang entlang.
„Was suchen vier Gryffindors mitten in der Nacht in den Gängen?"
Die Angesprochenen schwiegen. Ihnen dämmerte bereits zu wem sie gehen würden.
Der Hausmeister klopfte an die schwere Türe. Ein schwacher Feuerschein leuchtete durch den Türschlitz.
„Herein.", klang es von drinnen.
Die Professorin schaute von ihrem Schreibtisch auf, als die ungleiche Gruppe in ihr Büro trat.
„Ich habe sie im dritten Stock auf dem Gang erwischt.", berichtete Filch in einem schadenfrohen Ton.
McGonagall zog eine Augenbraue hoch und musterte ihre vier Schüler.
„Ist das wahr?"
„Ja, Professor.", schallten ihre Stimmen.
„Was haben sie um diese Zeit in den Gängen gemacht?"
Keiner antwortete.
McGonagall atmete um Beherrschung ringend ein.
„Mr. Filch, würden sie bitte mein Büro verlassen und wieder in der Schule nach dem rechten schauen?"
„Erst wenn ich weiß was sie mit meiner Katze gemacht haben."
„Ihre Katze?", fragte die Lehrerin.
„Sie haben etwas mit ihr gemacht. Ich weiß es genau!"
„Ich werde das sofort klären.", versprach McGonagall. „Aber wenn sie jetzt bitte gehen würden."
Filch machte ein griesgrämiges Gesicht, zog sich aber zurück. Jedoch ließ er es sich nicht nehmen James, Sirius, Moony und Wormtail böse anzusehen.
„Was haben sie mit Filchs Katze gemacht?", verlangte ihre Hauslehrerin zu wissen.
Keiner regte sich.
„Na?"
„Wir haben sie aus Versehen ins Verschwindekabinett gesteckt.", antwortete Sirius.
„Sie haben WAS?", kreischte McGonagall plötzlich und war selber über sich erstaunt. Die vier schreckten zusammen.
„Sie haben sie ins Verschwindekabinett gesteckt? Warum?", fragte die Professorin jetzt ruhiger, aber noch immer außer sich.
„So als Revanche für die letzten sieben Jahre?", sagte James vorsichtig.
Der Gesichtsausdruck seiner Hauslehrerin änderte sich nicht zum besseren.
„Haben sie noch etwas mit ihr gemacht, von dem ich wissen müsste?"
„Wir haben ihr einen Haarausfall-Fluch verpasst.", sprach Remus.
Die Professorin massierte sich ihre Schläfen. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass dies nicht das einzigste war, was sie heute Nacht gemacht haben."
Die Jungs schauten sie schuldbewusst an.
„Ich möchte jetzt nicht wissen, was sie gemacht haben! Aber sie machen es jetzt sofort rückgängig!"
„Aber es ist fast 2 Uhr früh.", unterbrach Peter sie.
„Dann ist es eben fast 2 Uhr früh. Das hätten sie sich eher überlegen können.", fauchte Professor McGonagall. „Und jetzt raus hier und an die Arbeit."
Remus schloss die Tür.
„Du Idiot!", Sirius gab Peter einen Klaps. „Musste das jetzt sein?"
„Stopp!", rief Remus. „Das bringt jetzt nichts. Lasst uns alles rückgängig machen, sonst erleben wir unseren nächsten Geburtstag nicht mehr. Jeder geht in einen Raum und ich suche Mrs Norris."
Moony griff in die Tasche um die Karte zu Hilfe zunehmen. Nichts fand sich, nur der Umhang.
„Sie ist weg."
„Was ist weg?"
„Die Karte ist weg."
Die Freunde sahen sich an.
„Verdammt!"
„Du findest sie niemals, ohne die Karte.", hielt Padfoot Moony auf.
„Stimmt.", gestand er ein. Betreten sahen sie sich an, sie hatten ihr bestes Werk verloren. Die Karte des Rumtreibers.
„Wir sollten jetzt anfangen, oder wir stehen zum Schulbeginn noch hier.", erinnerte Prongs.
Dinge herbei zuzaubern war einfach. Sie jedoch wieder verschwinden zulassen und den Urzustand herzustellen eine andere. Flitwicks und McGonagalls Klassenräume waren noch einfach gewesen, im Gegensatz zu Randalls! Es war schon allein eine Kunst in den Raum zukommen, ohne das sie die Schar Mäuse und Mungos frei ließen. Sie erhielten endlose Bisse und Kratzer von den Nagern, bis sie wieder zurück verwandelt waren. Dann gehörte auch noch das Sortieren der ganzen Phiolen, Kräutergläser und Kessel dazu.
Gegen halb sechs fielen sie auf ihre Betten und schliefen sofort ein.
Irgendwo maunzte eine Katze ganz kläglich. Aber niemand hörte sie, denn niemand befand sich gerade in den alten Folterkammern.
