Kapitel 40- Abschied von Hogwarts

Die Tage vergingen.

Lily wartete sehnsüchtig auf ihre Prüfungsergebnisse. Sie erinnerte sich noch als sie auf ihre ZAGs gewartet hatte. Wie ein Nervenbündel war sie damals durch das Haus ihrer Eltern gestreift und hatte an jedem Fenster, den Himmel nach Eulen abgesucht. Doch diesmal konnte sie das nicht. Sie wurde dazu verdammt ruhig zu sitzen und abzuwarten, sonst würden ihre Freunde schon dafür sorgen, dass sie ruhig war. So hatten es Alex und Sirius ihr zumindest angedroht.

„Zum Glück erfahren wir alles noch diese Woche!", hatte Lily gesagt und zog sich böse Blicke zu, die sie verstummen ließen. Die anderen waren nicht so gespannt, auf ihre Ergebnisse.

James hatte ihr im Vertrauen gesagt, dass er in Zaubertränke wohl kein „Ohnegleichen" erreicht hätte.

„Das glaube ich erst, wenn ich es schwarz auf weiß sehe.", hatte sie ihn aufgemuntert.

/o/

Geduldig wartete Lily bis sie herein gerufen wurde. Jeder Schüler wurde in das Büro des jeweiligen Hauslehrers befohlen, der ihm dann die Noten mitteilte.

„Miss Evans.", rief die Professorin. Lily atmete tief durch. Ellen und Sirius waren mit zufriedenen Gesichtern wieder aufgetaucht. Würde sie es auch?

„Setzten Sie sich.", forderte die Hauslehrerin sie auf

McGonagall ordnete einige Papiere auf ihrem Schreibtisch.

Nun sag doch endlich, dachte Lily aufgeregt.

„Nun Miss Evans,", begann ihr Gegenüber. „Soweit ich mich noch an Ihre Berufsberatung erinnern kann, sagten sie damals, dass Sie gerne Auror werden würden."

Lily saß wie auf glühenden Kohlen.

„Ihre Leistungen waren immer zur vollsten Zufriedenheit der Professoren und wir hofften, dass sich dies nicht ändern würde."

Lily schluckte. Das hörte sich gar nicht gut an.

„Jedoch haben sich Ihre Leistungen verändert. Aber seien Sie beruhigt.", beschwichtigte McGonagall, als sie Lilys Gesicht sah. "Sie haben sich noch verbessert. Ich darf Sie beglückwünschen. Sie haben in allen Prüfungen ein „Ohnegleichen" geschafft."

Lily atmete hörbar auf. Sie merkte wie die Spannung von ihr ab fiel. Machte das die Hauslehrerin mit jedem Schüler? Erst Angst einjagen und dann zu einer fulminanten Prüfung gratulieren?

„Das ist wunderbar.", brachte Lils gerade so heraus.

„Ja, das kann man so sehen. Ihrem Berufswunsch dürfte nun nichts mehr im Wege stehen.", die Professorin ließ sich zu einem winzigen Lächeln hinreißen.

„Nun gut. Ihre Noten wurden bereits an das Aurorenbüro weiter gereicht. Weitere Nachrichten werden Ihnen von dort zukommen.", beendete die Hauslehrerin.

„Danke.", stammelte Lily. Sie konnte es noch immer nicht richtig fassen. Sie hatte in allen Prüfungen ein Ohnegleichen erreicht. Selbst in Arithmantik, wo sie sich eigentlich sicher gewesen war, sie hätte es versaut.

Das Gespräch war vorbei. Als Lily aus dem Büro trat rief die Stimme der Professorin bereits „Mr. Fraser".

„Und?", fragte James erwartungsvoll. Sie grinste über das ganze Gesicht.

„Alles Ohnegleichen!", jubelte sie und sprang James in die Arme.

Einige Schüler betrachteten das Paar argwöhnisch, wie sie da umher jubelten.

„Und meine Noten sind auch schon weiter gereicht. Ich bekomme direkt Nachricht aus der Aurorenzentrale. Ist das nicht wunderbar?"

Lorrain sah sie mit großen Augen an. „Das ist ungewöhnlich."

„Warum?"

„Weil man sich eigentlich erst mal bewerben muss.", warf Remus ein.

„Das wird meine Mutter gedreht haben.", spekulierte James.

„Mh, möglich wäre es. Aber ist das nicht toll? Ich kann Auror werden. Wir können Auror werden.", sprudelte Lily heraus.

„Liebling, ich kann dir das nicht versprechen. Ich habe kein gutes Gefühl bei Zaubertränke." „Ach, das glaub ich nicht. Du hast das geschafft.", versicherte seine Freundin ihm. „So, und nun muss ich schnell meinen Eltern schreiben. Die werden total aus dem Häuschen sein.", sie drückte James noch einen Kuss auf die Lippen und eilte den Gang entlang.

„So aufgedreht habe ich sie noch nie erlebt.", bemerkte Remus.

„Oh, ich schon.", überlegte Lorrain.

„Und wann war das?", wollte James wissen.

Wie es die Professorin gesagt hatte gelang Lily durch die Barriere auf das Gleis 9 ¾. Sie war total aufgeregt. Wie hatte sie schon gestaunt, als sie eines Morgens eine Eule auf ihrem Fensterbrett erblickte, die einen Brief im Schnabel hatte. Erst wollte sie gar nicht das Fenster öffnen, weil die große braune Eule unheimlich aussah. Aber da sie so neugierig gewesen war, vergaß sie ihre Angst und schnappte sich den Umschlag. Es war kein übliches Papier und selbst die Schrift und die Tinte waren ungewöhnlich.

Wie hatte sie gestaunt als sie las, dass sie in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei angenommen worden sei. Zuerst hielt sie es für einen schlechten Scherz, aber als kurz darauf eine komische Person den kleinen Gartenweg zu ihrem Haus hinauf kam, schien es nicht mehr wie ein Scherz. Denn in dem Schreiben wurde angekündigt, dass eine Hexe zu ihnen kommen würde und sie und ihre Eltern über weitere Dinge aufklären würde.

Als die Hexe, die sich als Minerva McGonagall vorgestellt hatte, wieder gegangen war stand eines fest. Sie, Lily Evans, war eine Hexe und würde am ersten September vom Gleis 9 ¾ mit dem Hogwarts Express nach Hogwarts fahren. In ihre neue Schule. Ihr Vater war mit ihr damals in der Winkelgasse gewesen und Lily und Edward Evans kamen sich damals vor wie in einem Traum. Dieses Gefühl wurde nur noch bestärkt, als sie einem alten, griesgrämigen Goblin mehrere Pfundnoten gaben und sie in Galleonen, Schickel und Knut umgetauscht ausgezahlt bekamen.

Und jetzt stand sie hier auf dem Bahnsteig, wo komisch gekleidete Menschen hin und her liefen. Sie trugen lange Umhänge und spitze Hüte. Aber nun wurde es Zeit. Sie musste sich in den Zug begeben. Als Lily ihren Gepäckwagen zur nächsten Waggontür fahren wollte stieß sie mit jemandem zusammen. Das andere Mädchen schien genauso alt wie sie. „Entschuldigung.", sagte Lily kleinlaut.

Das Mädchen lachte. „Oh, das macht nichts. Auch das erste Mal?", fragte sie.

Ja.", antwortete Lils und sprudelte ihre ganzen Eindrücke hinaus, weil sie sonst das Gefühl hatte sie würde auseinander platzen, weil sich alles in ihr angestaut hatte.

Oh, ganz ruhig.", beschwichtige die Dunkelblonde. „Ich bin Lorrain. Lorrain Hawkins.", stellte sie sich vor.

Lily, Lily Evans.", sagte nun Lily.

"Evans? Ich kenne keine Zaubererfamilie, die Evans heißt.", überlegte Lorrain.

Meine Eltern sind auch keine Zauberer.", antwortete die Rothaarige.

Ah, deine Eltern sind Muggel."

Muggel!", Lily kam es vor wie ein Schimpfwort.

Das ist nichts Schlimmes.", wehrte Lorrain ab. „Das bedeutet nur, dass sie nicht zaubern können."

Ach so."

Jetzt verstehe ich auch warum du so aufgedreht bist.", lachte Lorrain. „Es muss dir alles komisch vorkommen, oder?"

Ja, das stimmt.", pflichtete Lily ihr bei und geriet erneut in einen Redeschwall.

„Damals war Lily genauso aufgedreht.", beendete Lorrain den Rückblick. „Das ging den ganzen Tag so, bis sie abends im Bett lag."

James und Remus mussten lachen. Diese Seite von Lily kannten sie noch nicht.

Die Zeit schritt voran. Lorrain verschwand im Büro der Hauslehrerin und kam wieder freudestrahlend heraus. Genauso wie Remus und Peter. Ganz gegen seine eigenen Erwartungen, hatte Wormtail gute Noten bekommen.

Die Schlange wurde langsam kleiner. Und dann war es endlich so weit.

„Mr. Potter", rief Professor McGonagall. Alex zwinkerte ihm noch einmal aufmunternd zu und er folgte seiner Lehrerin.
„Setzen sie sich.", James setzte sich.
„Nun Mr. Potter. Jetzt ist es so weit. Ihre Prüfungen sind sehr gut gelaufen, wie sie sich bestimmt denken können. Sie haben viele Ambitionen, auch wenn ich manche nicht für gut befinde.", setzte sie in einem Unterton hinzu.

Prongs lächelte.

„Ihre Prüfungen waren sehr gut.", sprach sie weiter. „Jedoch," , als James dieses Wort hörte wusste er, was er vermutet hatte. „Jedoch, haben Sie in Zaubertränke nicht ganz Ihrem sonstigen Standart entsprochen. Sie haben zwar ein "Erwartungen Übertroffen" erreicht, jedoch reicht das nicht für den Beruf, über den wir in der Berufsberatung gesprochen haben."

James blickte sie an. Da war er dahin. Sein Lebenstraum.
„Aber stecken sie jetzt nicht den Kopf in den Sand.", ermutigte ihn seine Hauslehrerin. „Wie sie bestimmt wissen, gibt es eine Katastropheneingreiftruppe. Sie kommt der Aurorenarbeit am nächsten. Ihre Unterlagen befinden sich bereits im Ministerium.", wurde James vor vollendete Tatsachen gestellt.

„War das meine Mutter?", fragte er gerade heraus.
„Ja, Mr. Potter."

Er nickte bedächtig. Wenn es dem am nächsten kam, was er eigentlich machen wollte.
„Na gut.", sagte er.
„Stellen Sie ihre Intelligenz dadurch nicht in Frage.", forderte die Professorin ihn auf. „Sie sind ein guter Schüler, zumindest was den Unterricht angeht.", wieder schwang ein Unterton in der letzten Hälfte des Satzes mir.

„Das werde ich nicht.", versprach er ihr.
„Gut, dann können Sie jetzt gehen."

James ging den Gang entlang. Er hatte Alex zugelächelt und beide Daumen erhoben, als sie an ihm vorbei ging und mit ehrfürchtiger Mine in das Büro der Hauslehrerin eilte.

Jemand kam auf ihn zu.
„Und wie lief es?", stürmte Lily auf ihn ein. „Darf ich dich zu meinem zukünftigen Kollegen zählen?", sie lächelte.
„Nein.", sagte er schlicht.

Seine Freundin war wie vor den Kopf geschlagen.
„Wie ‚Nein'?"
„Ich habe in Zaubertränke nur ein ‚Erwartungen Übertroffen' erreicht."
„Du machst jetzt nur einen Witz, oder? Damit ich mich dann umso mehr freue, wenn du es doch geschafft hast.", grinste sie.
„Nein, Lily. Ich mache keine Witze. Ich habe es nicht geschafft.", sprach er ernst.
„Aber das ist ja furchtbar. Was machen wir jetzt?"
„Wir machen folgendes, du wirst Auror und ich gehe zur Katastropheneingreiftruppe.", klärte er sie auf.
„Aber James, du wolltest doch Auror werden! Können deine Eltern nicht irgendetwas tun?"
„Liebling, ich möchte nicht eine Stelle haben, nur weil meine Eltern die Macht dazu haben mir diese zu besorgen. Ich habe die geforderten Leistungen nicht erbracht und damit muss ich leben."

Lily sah ihn etwas traurig an.
„Das ist nicht der Untergang der Welt. Ich werde auf derselben Etage sein wie du. Wir üben fast denselben Beruf aus."
„Aber bei der Katastropheneingreiftruppe ist es sehr gefährlich.", platze Lily heraus.

Prongs sah sie an, als sei sie verrückt.
„Lil, du willst Auror werden. Da werde ich mir mehr Sorgen um dich machen müssen, als du um mich."
„Oh, stimmt. Das habe ich vergessen."
„Wie kann man das vergessen?"
„Ich bin so aufgedreht und es tut mir so Leid für dich.", sprudelte sie wieder.
„Es brauch dir nicht Leid tun. Du wärst bestimmt der bessere Auror von uns geworden und dann hätte ich mir von meiner Mutter immer anhören können, wie fleißig du bist."
„Das glaube ich nicht.", stritt sie ab.

James grinste. „Du hast Recht. Das würde sie nicht tun. Mom hat meine Unterlagen selber an die Katastropheneingreiftruppe geschickt und deine zur Aurorenzentrale. Sie wird sich schon was dabei gedacht haben."
„Deine Mutter sorgt sich sehr um dich.", stellte Lily melancholisch fest.
„Ich glaube, Mom sorgt sich eher um die Leute die auf mich treffen werden."

„James, du bist unmöglich."
„Das ist kein Witz. Ich weiß noch was sie mir gesagt hat, als ich nach Hogwarts ging."
„So? Was denn?"

Ophelia Potter blickte auf ihren Sohn hinab. Seine braunen Augen blitzten schelmisch hinter seiner Brille. Ein Grinsen nahm sein ganzes Gesicht ein. „James, benimm dich bitte in der Schule."
„Ja, Mom."
„Warum glaube ich dir nicht, wenn du das so sagst?", lächelte sie.
„Ich verspreche es dir, Mom.", und kreuzte zwei Finger hinter seinem Rücken.
„James, ich weiß, dass du deine Finger gekreuzt hast!", ermahnte sie ihn.
Er machte große Augen.
„Gut, ich verspreche es.", und erhob seine beiden Hände um zu zeigen, dass er seine Finger nicht kreuzte.
„Ich hoffe jetzt für dich, dass du deine Zehen nicht gekreuzt hast!", ermahnte sie ihn wieder.

Ihr Sohn lachte.
„Danke Mom, darauf bin ich noch gar nicht gekommen."

Die Frau mit den braunen Locken seufzte resignierend.
„Mir tun die Schüler leid, die dir in die Quere kommen. Mache bitte nicht schon am ersten Tag ärger. Ich erfahre davon und ich habe Professor McGonagall gebeten ein Auge auf dich zu haben."

Der Junge zog ein Gesicht. Die strenge Professorin kannte er schon und er konnte sich vorstellen, dass er sich bei ihr nicht so leicht raus reden konnte.
„Jamie! Zieh nicht so ein Gesicht! Und nun wird es Zeit. Und vergiss nicht, keinen Ärger machen!"
„Ja, Mom.", sagte James. Seine Mutter drückte ihn noch einmal und dann stieg ihr einziger Sohn in den, in der Sonne glitzernden, Hogwarts Express.

„Du hast dich aber nicht ein dein Versprechen gehalten!", erinnerte Lily ihn.
„Ja, das stimmt. Es war einfach zu verlockend, als ich ein Mädchen mit roten Haaren sah die nichts ahnend an mir vorbei ging."
„Ja, jeder andere machte einen großen Bogen um dich."
„Du kamst wie gerufen Liebling, die Maus hatte ich schon ewig in der Tasche und in deinem roten Haar kam sie wirklich gut zur Geltung."
„Wenn ich zu dem Zeitpunkt schon ein paar Zaubersprüche gewusst hätte, wärst du als blasen blubbernder, wackelbeiniger Wicht in Hogsmeade angekommen."
„Mein Glück!", lachte Prongs und nahm sie in die Arme.
„Es ist trotzdem schade, dass du dann nicht bei mir sein wirst.", schmollte sie.
„Lily, wir werden bald verheiratet sein. Da wirst du mich wohl eher bald wieder loswerden wollen.", neckte er sie.
„Das glaube ich nicht."

Zusammen schlenderten sie den Gang entlang. Die kühle des Schlosses war angenehm. Es war mittlerweile Ende Juni. Die Sonne strahlte über die Länderein. Von draußen drangen Rufe von Schüler zu ihnen, die sich im See vergnügten.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass unsere Schulzeit vorbei ist.", seufzte Lily.
„Bist du traurig darüber?", wollte James wissen.
„Etwas schon, du nicht?"
„Doch, ich irgendwie auch. Nach der Schule sind Streiche und Kindereien tabu.", sagte er wehmütig.
„Du bist darüber traurig, dass du keinen Schwachsinn mehr machen kannst?"
„Na als Schwachsinn würde ich es nicht bezeichnen.", war Prongs empört. „Wir haben Hogwarts nur den Alltag versüßt.", drückte er sich gewählt aus.

„Versüßt? Ich kann mich sehr gut erinnern wie ihr uns sechs Jahre lang das Leben versüßt habt. Ich möchte gar nicht wissen wie viel mal ihr Schüler in den Krankenflügel verfrachtet habt."

Ihr Freund grinste. „Wir waren selber auch genug dort."
„Das hattet ihr aber selber zu verschulden."
„Wer hätte auch ahnen können, dass sich manche danach noch wehren können."
„James, das ist nicht witzig."
„Du hast mich selber schon in den Krankenflügel gebracht.", erinnerte er sie.

„Aber...", Lily verstummte.
„Siehst du!", sagte er triumphierend und blieb stehen.

Seine Freundin blickte zu ihm auf.
„Einer musste dich endlich mal in die Schranken weisen!", und sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn.

/o/

Heute Abend war das Abschlussfest, wo der Hauspokal verliehen wurde. Gryffindor und Slytherin waren auf den hinteren Rängen. Sie hatten sich zu viele Fehler erlaubt, wobei diese Fehler speziell auf vier Leute eingegrenzt werden konnten. Ravenclaw war zweiter und Hufflepuff erster. Das Jahr 1978 war überhaupt das Jahr für Hufflepuff gewesen. Sie hatten nicht nur den Quidditchpokal gewonnen, nein auch den Hauspokal. Das Selbstbewusstsein dieses sonst so unterschätzten Hauses war erheblich bestärkt.
Lily, Alex, Lorrain und Ellen durchwühlten ihren Schlafsaal nach verloren gegangenen Sachen. Es war Zeit zu packen.
Die großen Koffer lagen offen vor ihren Betten.

„Wir müssen uns beeilen.", drängte Ellen. „Das Fest fängt in einer halben Stunde an."
„Mach doch nur ruhig!", stöhnte Lorrain und quetschte sich unter ihr Himmelbett. „Jedes Jahr machst du so einen Wind."
„Wenn ich das nicht machen würde, wären wir immer zu spät gekommen."
„Ellen, du kannst uns ja helfen, dann geht es schneller.", schlug Alex vor.
„Na gut.", erbarmte sie sich und ging hinüber zu Lorrain.
„Was suchst du da unten überhaupt?", erkundigte sich Lily. Nur ein paar Beine zeugen von Lorrains Dasein.
„Ich wollte einfach mal schauen ob hier was liegt.", ertönte eine gedämpfte Stimme.
„Und, was gefunden?"
„Ja, mein Wahrsagebuch und mein Erinnermich. Das suche ich schon seit der dritten Klasse."

Die anderen sahen sich mit hochgezogenen Augenbrauen an, Alex machte aber Anstallten auch unter ihr Bett zu schauen.

„Oh!", rief sie kurz darauf. „Eine Gallone liegt unter meinem Bett. Igitt, und eine alte Socke."

Nachdem fast alles in ihren Koffern verstaut war warfen sie ihre Umhänge über und zwickten sich ihre Zaubererhüte auf die Köpfe.
Im Gemeinschaftsraum warteten James, Sirius, Remus und Peter auf sie.
Scharen von Schülern waren auf dem Weg zur Großen Halle. Alle lachten, redeten aufgeregt mit ihren Freunden und strahlten eine Leichtigkeit aus, die Lily etwas in Trübsal versetzte.

„Was hast du?", fragte Alex.
„Das ist unser letzter Abend hier."
„Weißt du noch wie unser erster war?", lächelte sie.

„Gryffindors, bitte folgt mir.", sprach ein Junge mit blonden Haaren. Lily schritt staunend neben Lorrain einher. Im Hogwarts Express waren sie auf Freundinnen von Lorrain gestoßen und zu viert hatten sie ihre erste Zugfahrt verbracht. Ellen Baggins schien sehr ruhig und bedächtig. Alexandra Shea hingegen war total hüpfig und zuweilen auch ungeschickt. Wie es der Zufall wollte kamen sie alle nach Gryffindor. „Schicksal", nannte es Lorrain.
„Gryffindors, nicht bummeln.", ermahnte der Vertrauensschüler und scheuchte sie die mit Bildern gesäumten Gänge entlang. Vor einem großen Portrait hielten sie an. „Mandrake", sagte ihr Schlossführer und das Portrait schwang auf. Ein Durchgang wurde frei. Lily fiel das Kinn herunter. „Das ist noch gar nichts.", erklärte ihr Lorrain. „Mein Bruder sagt, hier gibt es noch ganz andere Dinge!"
Nachdem sie ihren Schlafsaal zugewiesen bekamen stürmten sie in den selbigen. „Ich will das Bett beim Fenster!", beschwerte sich Alex bei Lily. „Aber da steht schon mein Koffer!", konterte Lily.
„Ich verhex dich, wenn du nicht den Platz räumst!", rief Alex aufgebracht.
Lily blickte sie mit großen Augen an. „Das wagst du dir nicht!"
„Und ob!", und das Mädchen murmelt etwas.
Jedoch passierte nichts. Alle schauten gespannt auf Alex Zauberstab, der noch viel zu groß für sie schien.
„Warum geht das nicht?", fluchte sie und besah sich die Spitze. Als sie ihren Kopf darüber gebeugt hatte gab es plötzlich eine Verpuffung und ihr Gesicht war lilafarben.
Lorrain, Ellen und Lily brachen in schallendes Gelächter aus.
„Oh nein, nicht schon wieder.", Alex war den Tränen nahe.
Lily ging auf sie zu. „Vielleicht klappt es das nächste Mal.", kicherte sie. „Soll ich dich in den Krankenflügel begleiten?", bot sie an.
Ihr geschlagener Gegner lächelt plötzlich. „Na gut.", und sie verließen den Schlafsaal.

„Das dein Zauberstab nicht richtig hören wollte war ganz gut so.", lächelte Lily. „Ich hätte mich nicht gerne mit der Spezialseife waschen wollen. Denn danach war dein Gesicht für 4 Tage rot."
„Wer hätte ahnen können, dass ich gegen Säbelzahnknochenpulver allergisch bin."

Die Große Halle war in den Farben von Hufflepuff geschmückt. Dieser Tisch schien vor Freude fast zu explodieren. Alle warteten gespannt auf die Abschlussrede von Professor Dumbledore.

Ein kleines Läuten ertönte und der Schulleiter erhob sich. Die Schüler verstummten augenblicklich und warteten gespannt.

„Wieder ist ein Jahr vergangen und es wird Zeit den Hauspokal zu verleihen.", seine Worte hallten durch den Saal. „Auf dem vierten Platz liegt Slytherin mit 160 Punkten.", ein mäßiger Applaus wurde laut. „Den dritten Platz nimmt Gryffindor ein mit 183 Punkten.", ein freundlicherer Applaus erschallte. „Der zweite Platz geht mit 275 Punkten an Ravenclaw.", ein längerer Applaus hielt an mit einigen Jubelrufen. „Und der erste Platz mit 326 Punkten geht an Hufflepuff.", Jubelgeschrei brach an dem Haustisch aus. Ravenclaw und Gryffindor klatschten anerkennend und gratulierten, jedoch hielten sich die Schüler aus dem Hause Slytherin mit solchen Bekundungen zurück
„Ich finde es toll, das Hufflepuff den Hauspokal und den Quidditchpokal gewonnen hat.", freute sich Sirius.
„Warum das?", Remus war neugierig.
„Sieh dir ihre Gesichter an. Wenn Gryffindor gewonnen hätte, wäre es nichts Neues gewesen. Aber von einem Haus geschlagen zu werden, das nicht immer so erfolgreich war, ist noch viel besser."

Und Padfoot hatte Recht. Die Gesichter der Slytherins sprachen Bände!
Als sich der Jubel gelegt hatte sprach Dumbledore weiter. „Eine gute Leistung, Hufflepuff. Wirklich gut.", und er zwinkerte Professor Sprout zu. „Ich hoffe, dass Sie morgen in ihre Ferien fahren und eine gute Zeit verleben. Denken Sie jedoch ab und zu an ihre Hausarbeiten, die Sie bekommen haben." Viele Schüler grinsten und der Schulleiter schlug einen ernsteren Ton an.
„Ich entbiete meinen Glückwunsch den UTZ Schülern, die nun unserer Obhut entlassen werden. Ich hoffe, dass Sie das Gelernte auf weiße Wege bringt und Sie nicht an dunkle Orte führt. In Hogwarts wird man immer Zuflucht und Wissen finden, wenn man danach sucht." Eine kurze Pause entstand. „Und nun soll das Fest beginnen."

Applaus entbrannte und als dieser endete erschienen die erlesensten Speisen auf allen vier Haustischen.

„Dumbledore ist manchmal ein Rätsel für mich.", verkündete Peter nach einem Bissen Steak. „Warum muss er sich auch immer so nebulös ausdrücken."
„Das liegt einfach daran, das er nicht offen sagen kann ‚Hey, wechselt nicht zu Ihr – wisst – schon- wem'", erklärte Ellen etwas spitz und sah ihn vielsagend an.
Die anderen nickten.

Das Fest schien besonders für die UTZ Schüler eine gewisse Abschiedstimmung zu haben.
„Ich kann mich noch genau daran erinnern, als Alex und Sirius hier an diesem Tisch, ihren ersten Streit über eine Schüssel Nieren- Steak- Pastete hatten.", schwelgte Remus in Erinnerungen.
„Ja, und nicht zu vergessen, als Lorrain dir ein Stück Kuchen ins Gesicht warf.", konterte Padfoot.
„Das war ja ein Versehen!", wehrte sich die Beschuldigte. „Eigentlich wollte ich James treffen, weil er meinen Teller verwandelt hatte und dieser als Spinne davon kroch!"

Weitere Beschuldigungen wurden aus den hintersten Gehirnwindungen geholt, während sich Prongs zu seiner Freundin beugte.
„Wollen wir heute Abend noch einmal in ‚unseren' Raum gehen?", flüsterte James Lily zu und grinste.
Sie lächelte zurück, nahm seine Hand und drückte sie. „Ich erwarte dich."

Mit Vorfreude ging James nach dem Fest zurück in den Gryffindor Turm. Wie seine Freunde musste er noch fertig packen und die Mädchen vertrieben sich die Zeit mit lesen oder Schach spielen. Etwas, was sie schon Ewigkeiten nicht mehr getan hatten.

/o/

James war jedoch noch vor Lily im Raum der Schulsprecher. Als sie endlich eintrat eilte er zu ihr.
„Wo warst du so lange?"
„Alex hat mir die Schachpartie doch schwerer gemacht als ich geglaubt hatte."
„Du kannst Schach spielen?", fragte er verblüfft.
„Na hör mal!", brauste sie auf. „Bis auf dieses Jahr habe ich sehr oft Schach gespielt, und das genau vor deiner Nase."
„Entschuldige Liebling, aber ich habe nie darauf geachtet was du machst."
„Na Danke!"
„So habe ich das nicht gemeint.", rettete er die Situation schnell.
„Wie dann?"
„Ich habe nicht darauf geachtet was du tust, sondern nur darauf das du da bist."
„Aha.
„Ja, das stimmt!"

Abschätzend sah sie ihn an. „Warum sollte ich eigentlich hier her kommen?"
„Ich wollte den letzten Abend hier mit dir verbringen, weil ich so schöne Erinnerungen an diesen Raum habe."

Unweigerlich musste sie lachen. „Das kann ich mir vorstellen.", und erwiderte seinen Kuss.

/o/

Die Schüler standen in der Eingangshalle und warteten darauf die Pferdelosen Kutschen besteigen zu können.
„Eigentlich will ich nicht gehen.", schluckte Lorrain schwer. „Ich hätte nie gedacht, dass ich Hogwarts mal vermissen könnte."
„Ich glaube nicht, dass ich das letzte Mal hier bin.", versicherte Sirius und betrachtete sich das Eingangsportal, als wollte er alle Figuren in sein Gedächtnis einbrennen.
„Ich glaube auch nicht, dass ich das letzte Mal hier war.", stimmte Prongs mit ein und drängte sie zu der Kutsche, die gerade vorgefahren war.

Von dem kleinen Bahnhof von Hogsmeade hatte man einen atemberaubenden Blick auf das Schloss. Wie ein Herrscher stand es in der Fauna. Keinen Zentimeter würde es weichen, egal was die Zeit bringen würde. Darüber war sich Lily sicher.
Der Zug stand in der prallen Sonne. Wie immer stieß er die vertrauten kleinen Dampfwölkchen aus und dann wurde es auch Zeit sich in die Waggons zu begeben.

Vom Abteil der Schulsprecher blickten James und Lily auf Hogwarts. Er stand hinter ihr und hatte seine Arme um sie gelegt.
„Es fehlt mir jetzt schon.", gab sie zu und lehnte sich an ihn.
„Es war nicht das letzte Mal, glaub mir."

Während der Zugfahrt gingen sie das letzte Mal ihren Pflichten als Schulsprecher nach. Prongs hatte eigentlich vermutet, dass einige Schüler ihre Ferienstimmung dazu benutzen würden um Ärger zu machen, aber alles blieb ruhig und so konnten sie die meiste Zeit der Fahrt mit ihren Freunden verbringen.

Die Stunden vergingen und der Abend brach herein. Mehr und mehr Lichter erschienen und es wurde allen klar, dass sie sich London näherten.

„Das war es jetzt wohl.", verkündete Sirius.

„Ja, scheint so.", bestätigte Remus.

„Ach, das hat gar nichts zu sagen.", beschwerte sich Alex. Zu acht saßen sie gequetscht in einem Abteil. „Das ist nicht der Untergang der Zaubererschaft!", munterte sie die anderen auf. „Ihr tut gerade so, als würden wir uns nie wieder sehen! So ein Käse! Zunächst werden wir uns bei Lilys und James' Hochzeit wieder sehen und dann komme was wolle."

Nach diesen Worten legte sich ihre Melancholie etwas. Draußen erschien ein Lichtermeer und es war klar, dass sie Kings Cross erreicht hatten. Der Zug verlangsamte sich und kam letztendlich zum stehen. Lily und James bahnten sich ihren Weg zum Schulsprecherabteil um ihre Koffer zu holen.

„James.", sprach Lily plötzlich.

„Ja?"

„Es wäre besser, wenn ich den Ring an meine Kette mache. Meine Eltern werden ihn sofort bemerken und ich möchte nicht, dass sie es auf einem Bahnhof erfahren."

Prongs nickte bedächtig. „Ja das wäre wohl besser. Ich werde dann gleich morgen zu dir kommen.", beschloss er. „Wir sollten sie nicht länger warten lassen."

Behutsam nahm Lily den Ring ab und zog ihn auf die Kette. Eine kleine Druckstelle zeugte nur noch von seinem Dasein, als sie die Kette unter ihrem Shirt verschwinden ließ.

Auf dem Bahnsteig begegneten sie sofort Ophelia, die sie gleich in die Arme schloss.

Lily verabschiedete sich schweren Herzens von ihren Freundinnen. Selbst eine kleine Träne kullerte ihre Wange hinunter. Das ganze Jahr hatte sie gewusst, dass dieser Tag kommen würde. Aber sie hatte das Gefühl, er war viel zu schnell gekommen und fühlte sich weiterer schöner Momente beraubt.

„Meine Eltern warten auf der anderen Seite.", sagte Lily resignierend zu James, als ihre Träne getrocknet war.

Er seufzte.

„Wir sehen uns morgen. Ich werde vormittags bei dir sein."

Lily küsste ihn sanft. „Bis morgen, James.", hauchte sie.

„Du wirst mir fehlen.", flüsterte er und grinste.

„Das kann ich mir vorstellen.", lächelte sie nun.

Lily drückte noch einmal Sirius und Ophelia zum Abschied und suchte sich ihren Weg durch die Massen. James verfolgte ihren roten Haarschopf, bis er hinter der Barriere zur Muggel Welt verschwunden war.


So meine Lieben!

Das war es mit dieser Geschichte. Ich hoffe sie hat euch gefallen. Mh, na ja. Eigentlich war das hier nur die überarbeitete Version, aber egal. Danke trotzdem noch für eure Reviews und über weitere würde ich mich NATÜRLICH sehr freuen. Wie es weiter geht erfahrt ihr in der FF Luceo non uro. Wer sie nicht kennt, klickt auf mein Profil und dann sehr ihr all meine bisherigen Werke. :D

Ich hoffe, dass ich bald die Zeit finden werde auch da wieder ein Kapitel online zu stellen.

Danke nochmal und bitte reviewt. Ach und wenn ihr Lust habt lest auch mal meine anderen FFs.

Tanja