Kapitel 2: Erdbeerweitwurf

Die Kerzen flackerten im Luftzug, doch war es in dieser Nacht viel zu warm, um die Fenster zu schließen. Erestor betrachtete seine Tochter, sie lag neben ihm in dem Talan auf dem Boden, räkelte sich wie eine zufriedene Katze und aß ein paar Blaubeeren. Das Licht der Kerzen zauberte einen glänzenden Schein in ihr Haar, und ihre Augen waren nur halb geöffnet. Sie waren erst vor einem Kerzenstrich zurückgekommen und hatten gemeinsam ein Mahl eingenommen, wobei sie nun auf den weichen Fellen ausgestreckt lagen und ein wenig Obst naschten.

„Sag, wie hast du die letzen Wochen hier verbracht?", fragte Erestor seine Tochter, während er sich eine Pfirsichschnitze in den Mund schob. „Galadriel hat nur erzählt, du hättest dich gut benommen. Was aber nicht heißt, dass du nicht aufgefallen bist." Wieder musste er lächeln, er kannte seine Tochter einfach zu gut und er wusste um die Aufmerksamkeit, die sie auf sich zog, wenn sie vor Energie nur so zu sprühen schien.

„Ach Adar, du kennst mich und Arwen doch", erwiderte Aníril und ein zufriedener Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht, als sie sich ein wenig unelbisch die Finger ableckte, welche fast vollständig vom Saft der Blaubeeren besudelt waren. „Wir verbrachten viel Zeit in den Wäldern, zeitweise sogar an den Grenzen Lóriens. Nein, Adar... sie sind sicher, glaube mir, wir begegneten keinen Orks, du musst keine Sorge um mich tragen. Und selbst wenn... Haldir war immer da und dir ist sicher auch bekannt, dass ich mich selbst zu verteidigen weiß." Verschmitzt sah Aníril ihren Vater an und ihre Augen funkelten übermütig. „Dann unternahmen wir viele Ritte. Wie sehr vermisste ich Emlin dabei, Adar! Doch dafür habe ich nun etwas, auf das ich mich freuen kann."

Ihr Blick nahm einen träumerischen Ausdruck an, als sie an ihre geliebte Stute und das unbekannte Fohlen dachte.

„Und Emlin freut sich auch auf dich, die ersten Tage, nachdem du abgereist warst, wollte sie nichts fressen, bis Elrohir ihr solange gut zuredete, dass sie wieder anfing. Ich glaube sie vermisst dich genauso." Lächelnd drückte er kurz ihre Hand und schnitt dann die Wassermelone auf.

„Hier, nimm ein Stück. Was freue ich mich, endlich wieder welche zu essen." Herzhaft bis er hinein und der Saft rann ihm das Kinn hinab, sodass er ernsthaft überlegte, noch einmal baden zu gehen an diesem Abend.

„Und auch wenn du dich verteidigen kannst, so sorge ich mich natürlich um dich. Du weißt, ich würde dich nie verlieren wollen. Doch Haldirs Begleitung ist ein guter Schutz, er stritt an meiner Seite in den Schlachten zur Zeit des Letzten Bündnisses. Ohne ihn würden wir beide nicht hier liegen." In Erinnerungen versunken rollte er sich auf den Rücken und blickte durch das rosane Fleisch der Wassermelone in die Flammen.

„Es ist schon so lange her, und doch…"

Aníril sah ihren Vater und ergriff seine vom Saft der Melone klebrige Hand. „Adar, du erinnerst dich immer nur unter Schmerzen zurück, ich sehe es."

In ihrer Stimme klang Traurigkeit, als sie Erestor so sah. Wenn er darüber nachdachte, sah sie deutlicher als sonst, wie lange er schon in Mittelerde weilte, auch wenn sein Gesicht sonst so alterslos wirkte. In diesem Moment traf ihn der Verlust ihrer Mutter noch schmerzlicher, wurde Aníril bewusst. Ohne es wirklich zu merken, griff sie sich ein weiteres Obststück und schob es sich in den Mund. Gedankenverloren kaute sie und starrte in die tanzenden Flammen der Kerzen.

Seufzend drückte Erestor kurz die Hand seiner Tochter.

„Natürlich, es war auch eine sehr schmerzhafte Zeit. Auch wenn Gondolins Fall für mich schlimmer war, so hat es mir fast das Herz gebrochen, Elrond zu sehen, wie er Gil-Galad betrauerte. Oder Haldir, der über dem Leichnam seines Vaters lag und weinte." Er schüttelte den Kopf, als wolle er so die ungebetenen Erinnerungen verdrängen. 

„Aber dies ist lange her, und wir wollen nicht länger darüber sprechen. Auch wenn der Schatten erneut heraufzieht sind uns noch einige unbeschwerte Jahre sicher. Hast du eigentlich Pläne für die Zukunft? Willst du auf ewig in Elronds Heilerstab verweilen? Oder hast du auch noch anderes mit deinem Leben geplant? Selten sprichst du darüber, was mich ein wenig traurig stimmt."

Ein schelmisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und er schnappte sich eine reife Scheibe Nektarine und zerdrückte sie an Anírils Stirn.

Erschrocken zuckte die junge Elbenmaid zusammen und einen kurzen Moment später blitzten ihre Augen Unheil verkündend auf. Bevor Erestor reagieren konnte, klebten zwei reife Scheiben der Wassermelone in seinem Gesicht und der fruchtige Saft rann ihm über die Wangen.

 „Mir gefällt es in Elronds Heilerstab, ich wüsste nicht, dass ich etwas anderes machen sollte. Und selbst wenn ich jemanden finden sollte, für den mein Herz schlägt, selbst dann werde ich den Heilerstab nicht verlassen. Es ist meine Aufgabe, Adar, versteh das doch", fuhr Aníril nun wieder ernst fort.

„Oh, glaub mir, ich verstehe dies nur zu gut. Du weißt genauso gut wie ich, dass ich viel aufgegeben habe, weil mein Platz an Elronds Seite ist. Als sein erster Berater." Erestor zwinkerte ihr zu und bewarf sie mit ein paar Blaubeeren.

„Außerdem war ich nur neugierig. Und stell dir vor, was würde Elrond nur ohne Glorfindel und mich tun, wie würde Rivendell dann aussehen?"

Wieder folgten ein paar Blaubeeren in Richtung Aníril, bis er begann, sich die klebrige Wassermelone abzuwischen.

„Damit hast du entschieden, dass ich heute Abend noch einmal ein Bad nehmen muss." Hilflos lachend lag er auf dem Rücken, bereit, jederzeit aufzuspringen und erneut mit einigem Obst zu werfen. Verstohlen schlich sich seine Hand zu den Erdbeeren, er hoffte sie rechtzeitig in Sicherheit bringen zu können. Zu gerne aß er diese Früchte.

Leider hatte er nicht mit Anírils blitzschnellem Reaktionsvermögen gerechnet. Die Hand der Elbenmaid zuckte vor und Erestors geliebte Erdbeeren waren schneller in ihrem Besitz als der Elb etwas hätte unternehmen können. Ein paar der leckeren, roten Früchte schob Aníril noch mit der Hand zur Seite, bevor es kurze Zeit später Erdbeeren auf Erestor zu regnen begann.

„Dann wird dir auch das nicht mehr schaden, wenn du bereits vor hast, ein weiteres Bad zu nehmen", erklärte Aníril keck und wischte sich mit dem Handrücken die Überreste der Blaubeeren aus dem Gesicht. Einige Früchte hatten zudem ihr dunkelgrünes Kleid getroffen, auf dem sich nun deutliche Flecken abzeichneten.

Kichernd nahm er sich eine der Erdbeeren, die nun in seinem Haar und auf seinen Wangen klebten, und biss genüsslich hinein, nur um den Rest auf den Wangen seiner Tochter zu verschmieren.

„Na warte, Rache ist süß." Mit einem wilden Schlachtruf stürzte er sich auf sie und begann sie zu kitzeln.

Aníril stürzte unsanft auf den Rücken, als Erestor seine Attacke auf sie startete. Wenn ihr Vater eins wusste, dann war es die Tatsache, dass seine Tochter mehr als kitzelig war. Auch jetzt wand sie sich kreischend und lachend unter seinen flinken Fingern.

 „Adar, das ist unfair!", rief sie mit Tränen in den Augen.

„Du musstest mich ja unbedingt mit meinen Lieblingsfrüchten bewerfen", antwortete er lachend. Er liebte es, sich mit seiner Tochter zu balgen, sie war die einzige, bei der er so frei war, ohne die Beschränkungen, die seine Stellung nun einmal mitbrachte, was das Verhalten betraf.

Doch plötzlich wurde ihre Rangelei unterbrochen, als Glorfindel hereingestürmt kam, das Schwert in seiner Hand und das Herz bis zum Hals schlagend.

„Was ist los, warum schreit…" Seine Augen wurden groß, als er Erestor und Aníril sah, völlig verschmiert mit Obst und ihn entgeistert anblickend. Möglichst würdevoll stand Erestor auf, strich sich seine Robe glatt und bot seiner Tochter die Hand. Schweigend ergriff sie sie und ließ sich aufhelfen.

„Nun Glorfindel, ich hatte mit meiner Tochter eine kleine Meinungsverschiedenheit. Und nun sollte ich mich auf den Weg zu den Bädern machen", erklärte Erestor mit leicht geröteten Wangen, während Glorfindel daraufhin in schallendes Gelächter ausbrach und einen Schritt auf Erestor zu machte. Dieser blickte ihn fragend an, und wollte schon an ihm vorbei hinauseilen, als Glorfindel ihn festhielt: „Du hast noch Erdbeeren auf der Wange." Bevor Erestor reagieren konnte, hatte Glorfindel eben jene Erdbeere weggeleckt, was den Dunkelhaarigen ganz leicht erzittern ließ. Doch nur kurz - wütend riss er sich los.

„Glorfindel, benimm dich! Was soll dieses Verhalten? Was erlaubst du dir eigentlich? Kleines, wenn du mich entschuldigen würdest, ich werde nun dafür Sorge tragen, dass niemand mehr auf die Idee kommt, an mir zu naschen."

Ohne auf eine Antwort zu warten eilte er aus dem Talan, in der Hoffung, dass zumindest Glorfindel nicht bemerkte, wie sehr ihn dies aufgewühlt hatte.

Glorfindel hatte natürlich nichts bemerkt, nur das leichte Zittern war ihm aufgefallen, aber so etwas konnte er nur schwerlich deuten. So sah er Erestors Tochter etwas verwirrt an und erhoffte sich von ihr eine Erklärung.

Aníril hatte einen furchtbaren Schreck bekommen, als Glorfindel so lautstark und unvorbereitet hinein gestürmt war, und als erstes hatte ihr Gesicht die Röte der Erdbeeren angenommen, welche auf ihren Wangen klebten. 

Das Verhältnis zwischen ihrem Vater und ihr hatte sich seit dem Weggang ihrer Mutter vertieft und die beiden waren so vertraut miteinander, dass es der jungen Elbenmaid nichts ausmachte, auch einmal mit ihrem Vater herumzubalgen, ihn ein wenig zu ärgern oder zu necken oder einfach nur vertrauliche Dinge zu besprechen. Manchmal glich ihre Beziehung mehr der von zwei Freunden als von Vater und Tochter und Aníril liebte dieses Verhältnis. Zudem war sie glücklich darüber, dass Erestor wenigstens in ihrem Beisein seine sonst so ehrwürdige Haltung zeitweise vergaß. Bei niemand anderem wagte ihr Vater sich auf diese Art und Weise zu benehmen, doch Aníril merkte immer wieder, wie gut es ihnen beiden doch tat. Nur in diesem Moment, als Glorfindel hereinkam, hatte er diese vertraute Situation gestört. 

Aníril seufzte, als sie die Reaktion ihres Vaters sah, der, besonders nach der überraschenden Aktion des blonden Elben, mehr als fluchtartig den Raum verließ. Die Elbenmaid sah das verwirrte und fragend dreinblickende Gesicht Glorfindels und zuckte mit den Schultern. Zwar hatte sie eine Vermutung, was Erestor hatte denken müssen, doch diese wollte sie Glorfindel nicht erzählen - noch nicht.

„Es tut mir leid, Glorfindel", erklärte sie. „Wahrscheinlich hättest du meinen Vater nicht direkt so überrumpeln sollen." Ein Grinsen schlich sich auf die Züge der Elbenmaid, als sie bemerkte, dass Glorfindels Blick noch verwirrter wurde. „Und nun musst du auch mich entschuldigen. Zwar esse ich gerne Obst, doch auf meiner Haut gefällt es mir nur halb so gut."

Lachend verließ sie den Raum und hinterließ einen recht verdutzten und mit dem Kopf schüttelnden Elben.

Ihre gute Laune hielt noch an, als sie raschen Schrittes davon eilte auf dem Weg zum Badehaus. Der Rock ihres Kleides flatterte um ihre Beine und ihre langen, glänzenden Haare wippten auf und ab, als sie um eine Ecke bog und mit der Person zusammen stieß, die dahinter stand.

Er hatte beschlossen noch ein Bad zu nehmen, nachdem er sich mit seinem Bruder angelegt hatte. Elrohir mochte die Scheinkämpfe zwar, aber er hasste es, wenn Elladan ihn so entwaffnete, dass er im Staub landete. Und leider war der Staub diesmal Schlamm gewesen.

Zum Glück war er auf dem Weg vom Exerzierplatz zu den Badestätten niemandem begegnet. Schon sah er den Torbogen vor sich, der zu den Quellen führte, als jemand gegen ihn stieß. Er hatte keine Chance mehr sein Gleichgewicht wieder zu finden, und ehe er sich versah lag er auf dem Boden und blickte hinauf in Anírils Gesicht, die auf ihn gefallen war.

Bei ihrem Anblick brach er in Gelächter aus.

Für einen Moment lang drehte sich alles um Aníril, die verzweifelt versucht hatte, den Sturz abzufangen. Doch unweigerlich war sie mit dem Elben zu Boden gegangen. Als sie erkannte, mit wem sie da zusammen gestoßen war, nahm ihr Blick einen reichlich entsetzten Ausdruck an. Erschrocken wollte sie aufspringen, erreichte damit jedoch nur, dass sich ihr Fuß im Saum ihres Gewandes verhedderte und sie erneut auf dem Bauch landete. Elrohirs Gelächter ließ ihr wie schon oft an diesem Tag die Röte ins Gesicht schießen. Peinlich berührt erhob sie sich schließlich und murmelte eine Entschuldigung in Richtung des noch immer am Boden liegenden Elben.

Sie gab wirklich einen zu erheiternden Anblick ab, wie sie dort stand und errötete und noch einmal das Gleichgewicht verlor. Elrohir hielt sich den Bauch vor Lachen.

„Oh, du musst dich nicht entschuldigen. Ich mag es, von so schönen Frauen umgerannt zu werden."

Er hoffte, das Kompliment würde sie freuen, doch wagte er nicht, in ihre Richtung zu blicken. Starr an sich herabblickend erhob er sich.

„Ich wollte eigentlich ein Bad nehmen, aber wie es scheint bin ich nicht der einzige, der auf diese Idee gekommen ist. Sag, wie kommen die Beeren auf dein Gesicht?"

„Meinungsverschiedenheiten mit meinem Vater", erklärte Aníril knapp und bemerkte nicht, dass er genau wie sie zu Boden sah. Seine Bemerkung hatte ihr noch mehr die Röte ins Gesicht getrieben und die Elbenmaid fragte sich, ob dies noch zu überbieten war. Hübsch hatte er sie genannt, doch sie war sich sicher, dass er dies nicht wirklich ernst gemeint hatte. Die Zwillinge hatten beide immerzu lockere Sprüche auf den Lippen. Aníril beschloss den Gegenangriff.

 „Du musst wissen, Elrohir, ich liebe es genauso, schöne Männer umzurennen", erläuterte sie übermütig und versuchte so über ihre Unsicherheit hinwegzutäuschen. Innerlich schalt sie sich für das, was sie gesagt hatte, denn es hatte nur halb so schlagfertig geklungen wie Aníril es wollte.

Elrohir errötete nun auch bei dieser Bemerkung. Nicht, dass er Komplimente nicht zu schätzen wusste. Aber er wusste nicht, wie ernst er sie nehmen durfte. Laut aufseufzend schüttelte er den Kopf.

„Na, das ist ja hervorragend, dann solltest du mich vielleicht öfter umrennen. Nur pass auf, dass Elladan nicht auf dich eifersüchtig wird, er ist der einzige, der mich zu Boden werfen darf. Seiner Meinung nach", erläuterte Elrohir „Und das ist auch der Grund, warum ich ein Bad nehmen möchte."

Erneut theatralisch seufzend blickte er an sich herunter, und auf den Matsch, der an seiner Kleidung und in seinen Haarspitzen klebte. Wahrscheinlich war auch sein Gesicht verschmiert.

Aníril sah ihn ebenfalls einmal von oben bis unten an und lachte dann schallend auf.

 „Hat er dir wieder eine Kampflektion erteilt?", fragte sie kichernd und dachte an die vergangenen Zeiten in Rivendell, in denen ihr Elrohir mehr als einmal in diesem Zustand begegnet war. Elladan war ein hervorragender Kämpfer und er hatte selbst ihr schon seine Lektionen erteilt. Elrohir hingegen war von Natur aus nicht dieser Kämpfertyp, jedoch war auch er im Umgang mit den Waffen nicht ungeübt, wie Aníril wusste. Die Elbenmaid fragte sich des Öfteren, ob sie es inzwischen mit ihm aufnehmen konnte. Im Gegensatz zu vielen anderen Elbenfrauen hatte sie die Kunst des Schwertkampfes sowie des Bogenschießens schon recht früh erlernt.

Ihre Gedanken spiegelten sich deutlich auf ihren Zügen und Elrohir konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Es mag dir so vorkommen, als könntest du es mit mir aufnehmen, aber lass dir versichern, seit meine Mutter gen Westen segelte habe ich mehr Orks niedergestreckt, als in den ganzen zweitausendfünfhundert Jahren zuvor." Ein grimmiger Ausdruck lag nun auf seinem Gesicht. „Elladan ist mir wohl noch immer überlegen, aber doch schaffe auch ich es hin und wieder, ihn zu entwaffnen."

Sein Blick war in die Ferne geglitten, vor seinem inneren Auge sah er noch einmal, wie Aníril gegen Glorfindel kämpfte, kurz bevor sie aufgebrochen war.

„Du magst eine der besten weiblichen Kriegerinnen sein, die in Bruchtal leben, doch fehlt es dir noch an praktischer Übung. Vielleicht magst du uns ja irgendwann einmal auf eine Jagd begleiten." 

Aníril betrachtete den Elben mit einem missmutigem Blick. Insgeheim wusste sie, dass die Zwillinge erfahrene Krieger waren, nur war es ihr unangenehm, dies so direkt gesagt zu bekommen. Ihr Vater zog sie oft mit ihrem Dickkopf auf, den sie zweifelsohne hatte, und auch diesmal dachte Aníril daran, ob sie es vielleicht eines Tages schaffen würde, das Gegenteil zu beweisen. Wenn sie ehrlich war, bezweifelte sie es. Vielleicht sollte sie wirklich in Elronds Heilerstab bleiben, dachte sie und runzelte die Stirn. Dann zwang sie sich Elrohir ruhig zu antworten.

„Gerne, Elrohir, es wäre mir eine Freude, doch ich frage mich, ob es sinnvoll ist, zu warten, bis ihr wieder loszieht. Könnte ich nicht ebenfalls in Übungskämpfen mehr Erfahrung sammeln, so wie du welche mit deinem Bruder absolvierst?", fragte die Elbenmaid flehentlich.

Amüsiert beobachtete Elrohir die einzelnen Regungen, die sich auf ihrem Gesicht zeigten. Er war froh darüber, dass sie, egal wie sehr sie in mancher Hinsicht ihrem Vater ähnelte, nicht so verschlossen war. Natürlich konnte sie auch Diskretion waren, worin sie einen fast so guten Ruf hatte wie Haldir oder ihr Vater. Keiner wusste, wer sie des Nachts in ihren Gemächern aufsuchen durfte.

Ärgerlich verdrängte er diese Gedanken, sie führten doch zu nichts.

„Natürlich könntest du Erfahrung sammeln, indem du mit uns übst. Sei einfach morgen früh nach dem Essen auf dem Platz. Orophin und Rumil versprachen uns, ein wenig mit uns zu trainieren. Es wird sicherlich interessant, welches Zwillingspaar das bessere ist."

Erwartungsvoll blickte er die dunkelhaarige Elbenmaid an und hoffte, sie würde zustimmen.

Anírils Herz machte einen kleinen Hüpfer, als sie Elrohirs Angebot vernahm, doch gleichzeitig wollte sie fast, sie hätte dies nie gesagt. Schon oft hatte sie Orophins und Rumils morgendliche Übungsstunden beobachtet. Die beiden Brüder Haldirs waren blitzschnelle und kraftvolle Kämpfer. Aníril wusste, wenn sie es schon mit Elrohir nicht aufnehmen konnte, mit diesen beiden schon gar nicht. Fast war sie versucht Elrohir um Einzeltraining zu bitten, doch sie schluckte die Frage hinunter und sagte stattdessen mit ein wenig gequältem Gesichtsausdruck: „Ich werde pünktlich da sein, Elrohir."

Sie hoffte, dass der Zwilling Elladans nicht bemerkt hatte, wie sie wirklich zu seinem Vorschlag stand.

Das leichte Schlucken war ihm nicht entgangen, aber er wollte ihr noch nicht verraten, dass sie für morgen früh nur als Zuschauer eingeplant war, und er danach ein wenig mit ihr kämpfen wollte, sofern er noch die Ausdauer dazu hatte.

„Gut, dann sehen wir uns morgen früh. Ich freue mich schon und werde mich nun in die Badestätten begeben."

Aníril nickte und schauderte leicht bei dem Gedanken an den morgigen Tag. Worauf hatte sie sich bloß eingelassen, fragte sie sich, als sie sich von Elrohir abwandte. Und warum versuchte sie immer ihre Unsicherheit zu überspielen und machte manche Dinge damit nur noch schlimmer? Solche Gedanken gingen ihr durch den Kopf, als sie ebenfalls ihren Weg ins Badehaus antrat.

Gemeinsam betraten sie die Kuppeln, die über den heißen Quellen gebaut waren, und als hätten sie sich abgesprochen ging jeder an ein anderes Becken, weit voneinander entfernt, um dem Freund ein wenig Privatsphäre zu erlauben.