Kapitel 5: Gespräch unter Zwillingen

„Irgendwie hab ich ein schlechtes Gewissen, es war falsch. Ich hätte gehen sollen. Aber ich konnte einfach nicht."

Elrohir ließ den Kopf hängen und versuchte hinter den Strähnen seines ebenholzfarbenen Haares seine Schamesröte zu verbergen. Glorfindel klopfte ihm mitfühlend auf die Schulter, er sah überhaupt nicht beschämt aus. Viel mehr wirkte es, als hätte er den Anblick wirklich genossen.

„Was die beiden nicht wissen, tut ihnen auch nicht weh."

Erstaunt blickte der Sohn Elronds zu dem Blonden auf, sie blieben nun stehen, da sie am Fuße des Baumes angekommen waren, auf dem sich der Talan der Zwillinge befand.

„Wieso schämst du dich nicht? Es ist nicht rechtens, es ist falsch."

Glorfindel lachte leise über diese Bemerkung. 

„Wenn du es für falsch hältst, zwei Elben in ihrer natürlichen Gestalt zu sehen", sagte der blonde Elb mit einem schmunzeln. „Solange die beiden es nicht bemerkt haben...", fuhr Glorfindel dann fort und stoppte mitten im Satz, als er Schritte vernahm. Es war Elladan, Elrohirs Bruder, der auf die beiden zueilte und neben ihnen stoppte.

„Elrohir, ich suchte dich bereits. Wo warst du, Bruder?", fragte er und nickte Glorfindel knapp zu. Der blonde Elb beschloss daraufhin den Rückzug anzutreten und die Zwillinge alleine zu lassen. Lautlos verschwand er zwischen den Bäumen.

Elrohir errötete auf die Worte seines Bruders hin, aber er wollte es ihm nicht verheimlichen.

„Könnten wir das bitte in aller Ruhe und Ungestörtheit besprechen?", fragt er und machte sich daran, die Strickleiter zu erklimmen. Bereits kurze Zeit später spürte er, wie auch Elladan hinaufkletterte.

Lautlos betrat er den runden Raum und ließ sich auf eines der Sofas fallen. Die Beine weit von sich gestreckt, den Kopf in den Nacken gelegt wartete er, bis sein Bruder Platz genommen hatte.

„Nun, eigentlich wollte ich mich nur an dem Becken erfrischen, das einen kurzen Fußmarsch von hier entfernt ist. Doch als ich dort ankam…" Er brach ab und errötete wieder. 

Elladan runzelte die Stirn, als er sah, wie sich die Wangen und Ohren seines Bruders verdächtig rot färbten. Wie es bei Zwillingen normal war, kannten sich die beiden seit ihrer Geburt und Elladan kannte seinen Bruder so gut, dass er bemerkte, wie dieser sich wand.

„Elrohir, nun sprich mit mir. Was ist vorgefallen, dass es dir die Röte ins Gesicht treibt? Niemand und nicht einmal die schlimmste Situation brachte dich bis jetzt dazu, also was bei den Valar ist passiert?"

Elladan griff sich einen Apfel, der auf dem Tisch der Zwillinge lag, und biss herzhaft hinein, während er die Antwort seines Bruders abwartete. 

Elrohir überlegte fieberhaft, wie er seinem Bruder am besten von dem Vorfall erzählen sollte. Seine Gedanken rasten, und wieder schämte er sich für das, was er getan hatte, und noch mehr für seine unübersehbare Reaktion darauf. Er hoffte, sein Bruder würde nicht bemerken, wie sein Körper ihn betrog.

„Als ich dort ankam… nun, wie soll ich es sagen… das Becken… war… schon… besetzt."

Am liebsten würde er nun im Erdboden versinken. Schon erwartete er dass sein Bruder lauthals loslachen würde.

Doch dieser runzelte erneut die Stirn.

„Und was war das Problem dabei, Elrohir?", fragte er zwischen zwei Bissen und sah seinen Bruder unverwandt an. „Ich versteh dich nicht. Normalerweise wäre dies doch kein Problem für dich und ist es noch nie gewesen."

Elladan musste zugeben, dass er das Verhalten seines Zwillings nicht wirklich verstand.

Elrohir errötete nur noch tiefer und vergrub sein Gesicht in den Händen.

„Nun, ich wollte mich eigentlich schon umdrehen… aber… als ich SIE dort sah… ich war wie angewurzelt… Oh Elladan… sie ist einfach…"

Wieder konnte er nicht weiter sprechen, aber sein Bruder wusste, wie er dachte, wie er fühlte. Sie hatten einfach keine Geheimnisse voreinander.

Und ja, Elladan spürte, was sein Bruder sagen wollte, doch in diesem Moment machte es ihm Spaß, ihn ein wenig aufzuziehen. Belustigt hob der Elb eine Augenbraue.

„Nun Elrohir, ich meine mich zu erinnern, dass du in deinem Leben - und wenn ich anmerken kann, währt dies schon lange - sicherlich bereits einige Elbendamen gesehen hast. Sei es im angezogenen oder im ausgezogenen Zustand." Über Elladans Gesicht breitete sich ein amüsiertes Grinsen aus. „Doch dann verrat mir bitte, von welcher Elbenmaid du hier sprichst, die dir nun solche Probleme bereitet, wenn du nur daran denkst sie gesehen zu haben?"

In diesem Moment hasste Elrohir seinen Bruder fast. Seine Augen glitzerten vor unterdrücktem Zorn, und er wollte ihm einfach den Hals herumdrehen.

„Elladan, lass das! Kannst du nicht erraten, wen ich gesehen habe? Was denkst du denn… ich habe dir schon vor Jahrhunderten erzählt… dass… ach, du weißt, was ich meine."

Verdrossen blickte Elrohir auf seinen einige Minuten älteren Bruder, aber wenigstens hatte er  nicht seine deutlich sichtbare körperliche Reaktion zur Sprache gebracht, und er hoffte, Elladan würde dies auch nicht mehr tun. Zudem half ihm der Ärger sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. 

„Ich kann mich an nichts erinnern", erklärte Elladan gelassen und ein Funkeln glomm in seinen Augen auf. Er liebte es, seinen Bruder ein wenig zu ärgern oder zappeln zu lassen, bevor er vernünftig und ernst mit ihm über solche Themen redete. Leider schien Elrohir dies oft nicht zu sehen, aber Elladan betrachtete das nicht als sein Problem.

„Du erzähltest mir vor Jahrhunderten bestimmt schon von vielerlei Elbendamen, welche dir gefielen, und manche von ihnen...", wiederum biss er in seinen Apfel „.. bei manchen hattest du auch Erfolg."

Nun kamen Elrohir fast die Tränen, er war völlig aufgewühlt und nun spielte sein Bruder mit ihm. Eine einsame Träne rann seine Wange herunter und schnell wischte er sie mit einer trotzigen Geste beiseite.

„Ich bin nicht in der Stimmung für deine Spielchen, Elladan, verdammt, kannst du das nicht einmal lassen, wenn ich etwas mit dir besprechen möchte, was mein HERZ betrifft?" Die letzen Worte schrie er.

Als die lauten Worte seine empfindlichen Ohren trafen, ließ Elladan vor Schreck fast den Apfelrest, den er noch in der Hand hielt, fallen.

„Elrohir?", fragte er erschrocken, als er die nasse Spur bemerkte, welche die Träne auf der Wange seines Bruders hinterlassen hatte. „Dann lass uns nun ernst sein", fuhr Elladan fort und setzte sich neben Elrohir, der zusammengesunken auf dem Sofa saß. Sanft legte er eine Hand auf die Schulter seines Zwillings. „Nun sag mir, wer verwirrt dich so? Denn verwirrt bist du... Ich erlebte dich noch nie mit solch aufgewühlten Gefühlen."

Elrohir schluckte sichtlich, aber er musste jemandem die Wahrheit erzählen, und wem konnte er sich besser anvertrauen als seinem Bruder? Tief atmete er ein und sammelte seinen Mut um dieses Geständnis zu machen.

„Die Elbenmaid die ich sah, war Aníril. Ich dachte, mein Herz bliebe stehen, so wunderschön war sie. Mich durchlief es heiß und kalt, meine Knie zitterten und ich dachte, ich falle gleich in Ohnmacht. Doch das ist nicht alles, nicht alles, was ich an ihr schätze. Auch ihr Temperament.. und… ach einfach alles. Ich wünschte, ich könnte jede Minute meiner Zeit mit ihr verbringen. Sie halten, sie küssen, mit ihr durch die Wälder Imladris' reiten, den Wind in unseren Haaren. Dann in den Bruinen zu springen und einfach nur herumzutollen, nur um sie später in meinen Armen zu wissen, warm, weich, nackt, und mit ihr den Sonnenuntergang genießen."

Als erste Reaktion auf das Geständnis seines Bruders ließ Elladan dann doch erst einmal den Apfelrest auf den Boden fallen. Ungeachtet blieb dieser liegen und der dunkelhaarige Elb wandte sich seinem Zwilling zu.

Während Elrohirs Rede hatte Elladan bemerkt, wie verträumt sein Gesichtsausdruck gewesen war. Seine Augen hatten angefangen zu glänzen und seine Stimme hatte einen schwärmerischen Ton angenommen. Elrohir schien mit seinen Gedanken nicht im Talan zu sein, sondern immer noch dort im Wald am See.

Elladan hatte seinen Bruder noch nie so gesehen und er wunderte sich über die aufrichtige Ehrlichkeit, die in seines Bruders Stimme mitgeschwungen hatte. Doch noch mehr wunderte er sich über diejenige, von der Elrohir gesprochen hatte.

„Aníril?", fragte er schmunzelnd. „Unser kleiner temperamentvoller, dickköpfiger - ach bei den Valar, du weißt genauso gut wie ich, was sie noch alles ist - Wirbelwind? Sie ist es, welche du", Elladan machte eine kurze Pause bevor er weiter sprach,  „...begehrst?"

Elrohir lächelte auch ein wenig, als Elladan Aníril einen Wirbelwind nannte. Er war der Meinung, er hatte gnadenlos untertrieben.

„Ein Orkan wäre der passendere Ausdruck", scherzte er, doch sogleich wurde er wieder ernst. „Ja, ich begehre sie, und mehr als das. Und schon recht lange, seit damals…" Seine Stimme verlor sich, als er an die Zeit zurückdachte, als sie ihre Mutter gefunden hatten und er am Boden zerstört alleine in den Gärten gesessen hatte und von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt worden war. Aníril war schweigend zu ihm getreten und hatte sich zu ihm gesetzt und ihn in ihre Arme gezogen, ihn einfach nur festgehalten und ihm die Kraft gegeben, die er brauchte, um ihre Abreise zu überstehen. Damals war der erste zarte Samen der Liebe in seinem Herzen gepflanzt worden, und seither beständig gewachsen. Und nun erzählte er seinem Bruder alles davon.

„Ich weiß, ich hätte dir das eigentlich schon viel früher erzählen sollen, aber habe bisher nie die Kraft gefunden, es wirklich auszusprechen", schloss er seine Erzählung und blickte erwartungsvoll zu Elladan.

Auch wenn Elladan zuvor überrascht gewesen war, was Elrohir ihm gestanden hatte, nun verstand er ihn. Diese Zeit damals war auch für ihn eine schwierige Zeit gewesen und Aníril hatte ihnen beiden damals als liebevolle Freundin zur Seite gestanden, doch war sie auch mehr als das?

„Und was ist, wenn sie nicht so für dich empfindest, wie du es tust?", brachte Elladan dann schließlich zur Sprache, was ihnen beiden nun auf der Seele lag. Dem dunkelhaarigen Elb brach fast das Herz, wenn er daran dachte, dass seines Bruders Liebe nicht erwidert werden könnte. Sie beide kannten schließlich Aníril. Alle Elben mochten sie trotz ihres überschäumenden Temperaments und doch hatte sie selbst noch nie ihr Herz verschenkt. Sollte sie es nun ausgerechnet an Elrohir vergeben?

Elrohir schüttelte traurig den Kopf.

„Ich glaube nicht, dass sie meine Gefühle erwidert. Immer, wenn ich versucht habe ihr ein Kompliment zu machen oder ähnliches, hat sie abgewehrt, hat es als Scherz aufgefasst."

Traurig dachte er an die kurze Unterhaltung am gestrigen Abend, auf ihre Reaktion, als er sie eine schöne Elbenmaid genannt hatte, und auch dies erzählte er seinem Bruder. 

Elladan blickte ins Leere. Gedankenverloren drückte er seinen Bruder kurz an sich und sagte: „Nun, dies stimmt auch mich traurig, doch noch ist nichts verloren, mein Bruder."

Plötzlich trat wieder ein schelmisches Grinsen in sein Gesicht. „Meinst du, ich sollte mal ein wenig vorfühlen, Elrohir?"

Erschrocken riss Elrohir die Augen auf. Dies konnte sein Bruder nicht ernst meinen. Auch wenn sein Bruder ein hervorragender Krieger und Stratege war, so war er für solches doch völlig ungeeignet. Entsetzt schüttelte Elrohir den Kopf.

„Bruderherz, ich weiß, du meinst es gut, aber ich kenne dich und deine diplomatischen Fähigkeiten. Du würdest mich nur in Verlegenheit bringen, und im schlimmsten Fall könnte es mich gar die Freundschaft zu Aníril kosten. Und dies darf nicht geschehen. Bitte verstehe mich."

Elladan sah seinen Bruder gespielt entsetzt an.

„Was denkst du von mir, Elrohir? Das ich bei solch wichtigen Angelegenheiten leichtfertig handle? Ich habe dir nur meine Hilfe angeboten, da ich mich um dich sorge und um dein Herz. Wenn es so weitergeht, dann wirst du nie einen Schritt auf sie zu wagen und ich wage zu behaupten, Aníril, sollte sie dich doch mehr mögen, als du annimmst, auch nicht."

Doch Elrohir schüttelte nur den Kopf, zu stark war seine Angst vor einer Zurückweisung, und diese würde er nicht ertragen können, und noch viel weniger ihre Freundschaft zu verlieren.

„Ich möchte einfach nicht, dass sie in meiner Gegenwart angespannt ist, oder sich sonst wie beschränkt, weil sie weiß, was ich fühle. Nein, ich möchte sie damit nicht belasten." Seine Stimme hatte bei diesen Worten etwas endgültiges, etwas, das seinem Bruder ganz genau sagte, dass Elrohir seine Meinung nicht ändern würde.

„Nun, so hatte ich das zwar nicht gemeint, Bruder, aber wenn das deine Entscheidung ist, so kann ich dir auch nicht mehr helfen", seufzte Elladan und ließ die Hand sinken, die noch immer auf der Schulter seines Bruders geruht hatte. Doch innerlich hatte Elladan ganz und gar nicht zugestimmt. Wenn er sah, wie sein Bruder sich fühlte und wie er sich selbst quälte, dann war der dunkelhaarige Elb sich sicher, dass er eingreifen würde, ob sein Bruder es nun wollte oder nicht.

Elrohir lächelte, erleichtert, dass sein Bruder zugestimmt hatte. Doch kam ihm noch eine andere Frage in den Sinn.

„Sag, warum hast du mich gesucht? Warum hast du nicht einfach gewartet? Und warum wirktest du etwas ungehalten, als du mich endlich gefunden hattest?"

„Ich suchte dich und auf dem Weg traf ich Haldir, der unterwegs zu Erestor und Aníril war. Wir gingen gemeinsam und ich fragte Erestor ob er wüsste, wo du dich aufhieltest. Er reagierte äußerst ungehalten muss ich sagen", erklärte Elladan mit einem Stirnrunzeln.

„Erestor reagierten ungehalten?" Elrohir schnappte nach Luft, solche Neuigkeiten hörte man selten. Oder besser gesagt nie.

„Der strenge, immer alles unter Kontrolle habende Erestor hat ungehalten reagiert? Bruderherz, was hast du angestellt?"

Völlig sprachlos blickte er auf seinen Bruder, er wusste einfach nicht, was er sagen sollte.

„Ich? Ich habe nichts gemacht", wehrte sich Elladan und blickte seinen Bruder empört an.

„Mir kam es eher so vor, als wäre er wegen etwas ungehalten, was sich kurz zuvor ereignete, nur frage mich nicht, was dies gewesen ist. Er war auch sehr kurz angebunden zu Haldir und wirkte ihm gegenüber nicht erfreut."

„Das ist nicht dein ernst, was könnte in Erestor gefahren sein? Er benimmt sich nie so!"

Immer noch ungläubig lehnte er sich zurück, und grübelte. Plötzlich kam ihm eine Idee, Adrenalin raste durch seine Adern.

„Was ist wenn… was ist wenn er mich gesehen hat?" Elrohirs Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Dann, bei den Valar, kannst du dich glücklich schätzen, dass nicht du es warst, der dort aufgetaucht ist, und vor allem, dass er dich noch nicht gefunden hat. Elrohir! Wenn er dich gesehen hätte, das wäre... eine Katastrophe", erklärte Elladan und sah seinen Bruder mit Nachdruck an. „Ich hoffe für dich, dass dem nicht so ist."

„Nicht nur du hoffst das, mein Bruder", flüsterte Elrohir, bleicher als der Tod „Oh, warum nur… ich bete darum, dass er mich nicht gesehen hat. Hat er sich denn in irgendeiner Weise geäußert über mich?" Elrohir konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte, als er dies seinen Bruder fragte. In diesem Moment hatte er Glorfindel völlig vergessen.

„Nein, er fragte nicht nach dir oder sagte sonst etwas, auch Aníril schien nicht zu wissen, was mit ihrem Vater los war." Elladan schüttelte den Kopf. „Sie sah richtig verwirrt aus, wenn ich mich recht entsinne, ihr war es wohl ebenso schleierhaft wie mir oder Haldir. Wenn ich ehrlich sein will, beneide ich Haldir nicht darum, dass er dort geblieben ist." Elrohirs Bruder lachte kurz auf. „Erestors Laune schien nicht zum Besten zu stehen. Aber ich bezweifle, dass er dich gesehen hat, oder er wäre bereits mir an die Kehle gesprungen."

Erleichterung durchströmte Elrohir bei den Worten seines Zwillings, und er nickte knapp.

„Welch ein Glück, ich hoffe, dass Erestors Zorn mich niemals treffen wird. Das könnte wahrlich schwer werden."

Er lächelte bei dem Gedanken und plötzlich fiel ihm etwas ein.

„Glorfindel, natürlich, daran hätte ich denken müssen. Er stand ein wenig länger ungeschützt, bis ich ihn hinter einen Baum zog."

„Dann lass uns besser auch für ihn hoffen. Wenn ich mich nicht irre, ist Erestor in letzter Zeit nicht so gut auf Glorfindel zu sprechen", Elladan lächelte belustigt. „Erestor macht schon immer so ein missmutiges Gesicht, wenn er ihn nur sieht."

Nun kicherte Elrohir.

„Würde ich aber auch, wenn ich gegen Glorfindel kämpfen müsste. Aber um ehrlich zu sein, ich war sehr verwundert, wie gut Erestor sich geschlagen hat. Das habe ich ihm gar nicht zugetraut. Ich frage mich, welche Stellung er in Gondolin innehatte. Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass er schon damals Berater war. Aber ein solches Geschick im Schwertkampf…"

„Nun ja... ich bin sicher, dass auch du so geschickt sein kannst", lachte Elladan und klopfte seinem Bruder freundschaftlich auf den Rücken. „Du müsstest dich nur mehr den Übungen und Kämpfen widmen, anstatt deinem Platz im Heilerstab unseres Vaters."

Diesmal schüttelte Elrohir nur entsetzt den Kopf. Dies würde er nicht aufgeben. Er würde es nicht aufgeben, mit Aníril gemeinsam einen Verletzten zu pflegen, zu beobachten, wie sie ihn mit aller Hingabe behandelte. Oh wie sehr wünschte er, sich sie würde auch ihm gegenüber so aufmerksam sein. Ein trauriges Lächeln zog über sein Gesicht und er lehnte sich auf dem Sofa zurück und schloss die Augen.

„Ich glaube nicht, dass ich den Weg des Heilers aufgeben könnte. Auch wenn ich Mutter nicht helfen konnte, so gibt es genug die, dank mir weiterleben. So etwas erfüllt mich viel mehr als einen Ork zu erschlagen."

„Und dies ist der Punkt, wo wir nun doch unterschiedlich sind, Elrohir", sagte Elladan und erhob sich. „Mich könnte es nicht befriedigen, tagein und tagaus die Aufgaben und Pflichten des Heilers wahrzunehmen. Immerzu muss ich daran denken, was die Orks unserer Mutter antaten, und meinem seelischen Schmerz widerfährt nur Linderung, wenn ich ihre Peiniger jagen kann. Doch dies ist nicht deine Bestimmung, denn dir liegen die Aufgaben des Heilers und nicht zuletzt auch deswegen, weil du dort in Anírils Nähe sein kannst."

Elladans Blick streifte kurz und wissend seinen Bruder.

Dieser errötete ein wenig, doch dann erschien ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht.

„Ja Bruder, du hast Recht, dies ist meine Bestimmung, aber dennoch werde ich es auch nicht müde, mit dir durch die Wälder um Imladris zu ziehen und die Grenzen zu sichern. Doch genug dieser Themen, lass uns ein wenig üben gehen."

all: Danke für eure lieben Reviews!!! Wir geben uns Mühe weiterhin so häufig zu updaten, aber zu dem Ende verraten wir noch nichts!!!