Kapitel 6: Schwer von Begriff

„So, nun sind wir da, na was sagt ihr?"

Staunend blickte Erestor auf eine kleine Lichtung, auf der eine große Decke ausgebreitet lag, auf der bereits einige Früchte in einer Schale standen. Auch Brot stand dort, und über einem kleinen Feuer röstete ein Vogel. Überall wuchsen Blumen, und verströmten einen angenehmen Geruch. Ein kleiner Bach floss am Rande der Lichtung entlang. Und in diesem Bach standen zwei Flaschen hellen Weines.

„Eine vorzügliche Methode zu kühlen. Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass du so etwas vorbereitet hast." Fragend blickte Erestor zu dem blonden Galadhrim, der nur mit den Schultern zuckte.

„Nun Erestor, wir haben uns Jahre nicht gesehen. Und ich dachte, wir drei machen es uns gemütlich, und unterhalten uns ein wenig."

Erestor freute sich, als Haldir ihn und seine Tochter zu der Decke geleitete und dann eine der zwei Flaschen holte, und jedem ein Glas einschenkte.

Aníril war beim Anblick der Lichtung mehr als überrascht gewesen, hatte sie doch nicht erwartet, dass Haldir eine solche Überraschung für sie bereithielt. Die Elbenmaid liebte die schöne Natur der Wälder Lóriens und so hatte sie schließlich nicht zuletzt deswegen einige Zeit hier verbracht.

Von ihrem Vater geführt, ließ sie sich auf der Decke nieder, die wunderbar weich war. Aníril ließ sich zurücksinken und räkelte sich erfreut auf dem weichen Untergrund. So entging ihr diesmal der belustigte Blick, den Erestor ihr zuwarf, als er ihr das Weinglas hinhielt. Mit einem frechen Lächeln setzte sich Erestors Tochter wieder auf und übernahm ihr Glas.

„Bedient euch", sagte Haldir großzügig und deutete mit seiner freien Hand auf das Obst und das Brot.

Erestor bediente sich reichlich und genoss die exquisiten Geschmäcker, die seine Zunge wahrnahm. Haldir währenddessen hatte sich über den Vogel gebeugt und gab Erestor und Aníril jeweils einen der knusprigen Flügel. Dankend nahm Erestor diesen entgegen und biss herzhaft hinein.

„Haldir, du hast dich wieder einmal selbst übertroffen. Der Vogel schmeckt besser als jeder, den die Köche in Bruchtal je zustande gebracht haben."

Haldir vernahm das Kompliment mit einem Nicken, und auch wenn es offensichtlich war, dass Erestor ein wenig übertrieben hatte, so konnte doch jeder den leichten Hauch von Röte erkennen, der auf seinen Wangen lag.

Auch Aníril genoss den Geschmack des zarten Geflügels und nagte die letzten Reste von einem Knochen, bevor sie diesen fein säuberlich auf einen dafür bereitgestellten Teller legte.

„Nun Haldir, auch ich muss dir ein Kompliment machen", sagte die Elbenmaid und zwinkerte dem blonden Galadhrim zu. „Der Vogel war vorzüglich, doch ich befürchte, ich kann nichts Weiteres essen, das Frühstück liegt noch zu nah."

Seufzend rieb sich Aníril den Bauch. „Nun werde ich euch verlassen. Ich hoffe, Ada, du nimmst es mir nicht übel, aber ich wollte heute noch ein wenig alleine sein."

Ein wenig seufzend, erhob sich Erestors Tochter und verabschiedete sich freundlich um wenig später im Wald verschwunden zu sein.

Die beiden verbliebenen Elben sahen Aníril nach.

„Tjaja die Kinder, kaum sind sie erwachsen wird man ihnen lästig, auch wenn man sie bald ein halbes Jahr nicht gesehen hat." Erestor seufzte gespielt beleidigt und zwinkerte Haldir zu. „Aber gut, worüber hat deine Herrin versucht dich zu befragen? Was genau wollte sie alles wissen? Ich kenne Galadriel lange genug um zu wissen, wie neugierig sie ist, erst recht wenn es um das Liebesleben ihrer engeren Bekannten geht, wozu ja Glorfindel und ich gehören." Den Namen Glorfindels hatte er in einer etwas ungewöhnlichen Tonlage ausgesprochen, irgendwie leicht verärgert.

Auf Haldirs Gesicht erschien ein sanftes Lächeln.

„Ach, Erestor, du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Du kennst Galadriel und du weißt, wie sie sich dafür interessiert. Doch du solltest dabei gewesen sein, als sie mich danach ausgefragt hat. Sie erkundigte sich sogar, ob es möglicherweise demnächst einen Bund zu besiegeln gäbe."

Der Galadhrim schmunzelte bei dem Gedanken und feine Lachfältchen bildeten sich um seine Augen, als er nur mit Mühe ein Grinsen unterdrückte. „Aber du kennst mich genauso, Erestor. Von mir hat sie nichts erfahren."

Erleichterung durchfuhr Erestor, er hasste es, wenn Galadriel versuchte für ihn zu vermitteln. Dabei war sie nur wenige Jahrhunderte älter als er!!!

Seine Gedanken mussten ihm ins Gesicht geschrieben sein, denn Haldir lachte leise, und lehnte sich gemütlich zurück. Auch Erestor ließ sich nach hinten sinken, den Blick auf den blauen Himmel gerichtet.

„Das freut mich, alter Freund. Aber Elrond selbst ist ja auch nicht besser. Wahrscheinlich wird er bei meiner Heimkehr auch versuchen mich über dein Liebesleben zu löchern, genauso wie diese eine Elbenmaid."

Grinsend dachte er an die junge Frau, die ihn darum ersuchte hatte, ein gutes Wort für sie bei Haldir einzulegen.

Haldir sah ihn Stirn runzelnd an.

„Eine Elbenmaid erkundigte sich über mich? Nun, ich fürchte, du wirst ihr nichts Gutes in ihrem Sinne berichten können. Wie du weißt, hege ich kein Interesse mehr an Elbenfrauen." Der Galadhrim seufzte und blickte kurz in die Ferne, bevor er wieder in die Gegenwart zurückkehrte. Ja, er hatte an früher gedacht, an frühere Zeiten und an sie. Aber das war vorbei und Haldir würde nie wieder eine Verbindung mit einer Frau eingehen, Erestor wusste dies.

„Ich hoffe doch sehr, dass du Elrond auch nichts über mein Liebesleben erzählst?", wandte sich Haldir dann wieder an den dunkelhaarigen Elben und zwinkerte ihm kurz zu.

Kurz flackerte etwas sehr schelmisches in Erestors Augen auf, als er fragte:

„Gibt es überhaupt etwas zu erzählen?" Er grinste Haldir verwegen an, fuhr jedoch schnell wieder fort.

„Nun, ich würde Elrond nichts erzählen, wenn es um dein Liebesleben geht, ja nicht einmal wenn es um das Liebesleben Glorfindels geht würde ich ihm etwas erzählen. Er kuppelt einfach zu gerne. Aber so wie ich dich kenne gibt es bei dir in etwa genauso viel zu erzählen wie bei mir, nämlich nichts, außer ein paar kurzen Stelldichein."

„Und wiederum sagst du genau das, was ich hätte sagen wollen", seufze Haldir und blickte zu Boden. „Es gibt niemanden, der mein Herz auch nur annähernd erobern konnte, wie sie es damals tat. Es zerriss mich fast, als sie starb und seitdem... nun, seitdem gab es niemanden mehr, der mir das zu geben vermochte, was ihre bloße Anwesenheit mir gab."

Haldir wusste, dass Erestor ihn verstehen konnte, schließlich war seine geliebte Frau nicht tot, doch unerreichbar weit weg, in den fernen Landen im Westen.

Mitfühlend legte Erestor Haldir eine Hand auf die Schulter und blickte zu ihm hinüber. Er wusste nicht so recht, was er sagen sollte, denn auch er kämpfte immer noch mit dem Verlust Melreths. Er seufzte, wünschte sich, er würde endlich jemanden finden, der die Leere in ihm ausfüllen konnte.

„Weißt du eigentlich, dass ich Glorfindel wirklich beneide, er erweckt in mir den Eindruck, als würde er sich nicht einmal nach einer engeren Verbindung sehnen. Obwohl ich ja auch nicht viel über diesen Teil seines Privatlebens weiß." Kaum hatte er diese Worte jedoch gesprochen, kochte die Wut wieder in ihm hoch. Abrupt setzte er sich auf, schritt zum Ufer und spritzte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht. 

Haldir verwunderte die Reaktion Erestors. Der Elb schien wütend zu sein, doch über was?

„Erestor, mein Freund. Was ist mit dir? Dich bedrückt etwas, ich spüre es. Bist du wütend auf jemanden, möglicherweise Glorfindel?"

Der Galadhrim trat neben den dunkelhaarigen Bruchtal-Elben an den Bach heran und blickte auf Erestor hinab, der immer noch am Ufer des Gewässers kniete.

Sich innerlich zur Ruhe mahnend blickte er zu Haldir empor, dem die langen, silbrigen Strähnen um das Gesicht fielen, welches besorgt wirkte.

„Ja, ich bin wütend auf Glorfindel. Obwohl wütend nicht der richtige Ausdruck ist, ich würde ihn am liebsten mitten in der Luft zerreißen. Sag mir, Haldir, warum schafft er es bereits seit unserer Zeit in Gondolin immer wieder, meine Selbstbeherrschung so zu erschüttern?" Erestor schüttelte fast verzweifelt den Kopf.

„Und warum hat er keinen Anstand gelernt?" Fast vorwurfsvoll sah er nun zu Haldir, so als ob dieser etwas dafür könnte, das Glorfindel seine Tochter beim Baden beobachtet hatte.

„Was hat Glorfindel angestellt, dass du so über ihn redest?", fragte Haldir verblüfft. Nun gut, er wusste ja, dass das Verhältnis zwischen Erestor und dem blonden Elben recht oft von Spannungen beherrscht war, doch zu richtigen Streitigkeiten war es noch nie gekommen.

Mit einem Stirnrunzeln fügte Haldir hinzu: „Und man kann sagen über ihn was man möchte, aber Anstand besitzt er. Erestor, ich kenne Glorfindel nun auch schon lange und ich habe noch nie gehört, dass er sich einmal so benommen hat, dass es wirklich was zu beanstanden gäbe. Also was bei den Valar ist nun passiert?"

Erestor stand ohne Vorwarnung auf und hätte dadurch beinahe Haldir umgeworfen, der sich jedoch schnell wieder fing. Aufgebracht lief der Berater Elronds auf der kleinen Lichtung auf und ab.

„Heute morgen, nach dem Training, da gingen Aníril und ich in dieses eine Becken zum Schwimmen. Sie musste sich dringen abkühlen. Anfangs war ja noch alles in Ordnung, aber als ich wieder aus dem Wasser stieg, sah ich eine Strähne blonden Haares hinter einem Baum leuchten. Und dieses blond hat nur ein einziger Elb! Haldir, wie kann Glorfindel es wagen, mir erst zu erzählen sein Herz wäre verschenkt, aber dann meine Tochter beim Baden beobachten? Was denkt er sich dabei?"

Vor Frust lies er sich einfach auf die Wiese nieder, verschränkte die Arme und sah Haldir erwartungsvoll an.

In Haldirs Gesicht zuckte es verdächtig und dann brach ein lautes Lachen aus dem sonst so ruhigen Galadhrim hervor.

„Ich... ich gl… glaube... du hast da... was... falsch... ver... verstanden", prustete der blonde Elb und hielt sich schnell die Hand vor den Mund um nicht weiter lachen zu müssen. Sein Gesicht war hochrot angelaufen und es dauerte eine Weile, bis Haldir wieder ruhig atmen konnte.

„Nun, Erestor, ich bin mir sicher, dass Glorfindel euch nicht um deiner Tochter willen beobachtet hat."

Verwirrt blickte Erestor zu Haldir hinüber. Was konnte der Galadhrimhauptmann nur meinen? Wenn er nicht wegen Aníril dort gestanden hatte, weswegen dann?

Erestor verstand die Bemerkung einfach nicht, und auch nach längerem Nachdenken wurde ihm Haldirs kryptische Aussage nicht klarer.

„Sag, Haldir, wie meinst du das? Weswegen hätte Glorfindel sonst dort stehen sollen?"

„Erestor!" Haldir verdrehte die Augen gen Himmel. „Glorfindel wird nicht wegen deiner Tochter dort gestanden haben, da er sein Bett nicht mit Frauen zu teilen pflegt, mein Freund. Wusstest du das noch nicht?"

„Er teilt sein Lager nicht mit Frauen?" Erestor fiel aus allen Wolken. Er hatte ja vieles erwartet, aber nicht so etwas. Dass sein bester Freund kein Interesse an der körperlichen Liebe hatte, überraschte ihn doch sehr. Er hatte zwar gewusst, dass es Elben gab, die abstinent lebten, aber dieses Verhalten passte nicht in Erestors Bild von Glorfindel.

„Haldir, bist du dir ganz sicher? Ich hatte nie den Eindruck, dass Glorfindel… Nun…", ein roter Schimmer überzog Erestors Wangen. „Ich hätte nie erwartet, dass Glorfindel zu den Elben gehört, die abstinent leben."

Nun war es an Haldir, den dunkelhaarigen Elben verdutzt anzusehen. Es schien dem Galadhrim so, als wolle Erestor gar nicht verstehen, was er ihm da mitzuteilen versuchte, als wäre Erestor zu naiv um das zu sehen, was hinter Haldirs Aussage stand.

Der blonde Elb seufzte.

„Nein, Erestor. Glorfindel lebt keineswegs abstinent - ich weiß gar nicht, wie du auf diese Idee kamst, mein Freund. Warum sollte er auch? Er teilt sein Lager nicht mit Frauen, dafür aber sehr wohl mit Männern!"

Erestor fielen bei dieser Eröffnung fast die Augen aus dem Kopf.

„Aber… Was… wieso… wer…?" Er verstand die Welt nicht mehr, er hatte bisher nie darüber nachgedacht. In all den Jahren war ihm eine solche Idee nie gekommen, er wusste zwar, dass dies unter den Soldaten durchaus vorkam, wenn sie auf einem Einsatz waren, aber ohne zwingenden Grund? Eine weitere Frage ging ihm durch den Sinn.

„Sag, Haldir, ich wusste zwar, dass Soldaten einander Erleichterung verschaffen, aber…" Die Röte auf seinen Wangen vertiefte sich. „… kann das wirklich Spaß machen? Und ist es nicht etwas einseitig, wenn man nur… Nun ja… wie soll ich das sagen? Nun, wennmanhaltnurdieHändezurverfügunghatundgarnichtinseinenPartnereintauchenkann?" Die letzen Worte hatte er so schnell hervor gestoßen, dass es schwer war, ihre Bedeutung zu verstehen.       

Haldir blickte Erestor stirnrunzelnd an und fragte sich, in welcher Welt der andere Elb eigentlich lebte. Ein weiterer Seufzer fand den Weg über die Lippen des Galadhrim.

„Oh, Erestor, hast du dir wirklich noch nie Gedanken darüber gemacht? Auch ich teile seit geraumer Zeit mein Bett, wenn überhaupt, nur noch mit Männern."

Haldir brach ab und betrachtete Erestor amüsiert. Das Gesicht des Dunkelhaarigen zierte ein Ausdruck, der sich aus Entsetzen, Überraschen und Unglauben zusammensetzte.

„Und wenn ich ehrlich bin frage ich mich, wie du fragen kannst, ob es Spaß machst."

Um die Mundwinkel des Galadhrim zuckte es verdächtig. „Meinst du denn es gibt nicht noch andere Möglichkeiten, seine Liebe auszuleben?"

Erestors Augen weiteten sich ungläubig und das einzige, was er sagen konnte, war ein gehauchtes „Oh…". Er hatte sich wirklich noch keine Gedanken darüber gemacht. Warum auch? Melreth hatte er zu Beginn des zweiten Zeitalters kennen gelernt. Und in den Zeiten davor hatte er nie die Muße gehabt eine Beziehung aufzubauen. Es war eine viel zu dunkle Zeit, und als Hauptmann Ecthelions hatte er immer sehr viel zu tun gehabt.

„Um ehrlich zu sein, Haldir, ich habe wirklich keine Ahnung. Es fällt mir sehr schwer, mir so etwas vorzustellen." Nun war Erestors Neugierde geweckt.

„Sag, Haldir, ist das denn so üblich unter uns Elben? Bin ich denn wirklich so naiv wie ich mir gerade vorkomme? Und was kann man denn noch alles machen? Und ist es so anders als mit einer Frau?" Erwartungsvoll blickte er Haldir an.

Haldir zog die Augenbrauen belustigt hoch und wunderte sich ein weiteres Mal über Erestors Naivität.

„Erestor, es ist durchaus üblich unter uns Elben", schmunzelte der Galadhrim. „Und was anders ist? Erestor, DAS musst du selbst herausfinden. Ich kann dir nur sagen, es ist weder schlechter noch besser, nur anders eben."

Haldir lachte leise, als er auf Erestors Gesicht blickte und dort die Falten sah, die sich auf dessen Stirn bildeten.

Sich vorzustellen mit einem Mann das Lager zu teilen viel ihm immer noch schwer, nicht das er sich abgestoßen fühlte, nein es war einfach ein merkwürdiger Gedanke.

„Ganz ehrlich Haldir, irgendwie fällt es mir sehr schwer, mir dies vorzustellen, auch wenn ich mit Aníril schon über dieses Thema scherzte. Und weißt du, was das Gemeine an der Sache ist, jetzt bin ich wirklich neugierig."

Erestor zwinkerte ihm zu, er hatte schon immer über eine gewisse Selbstironie verfügt. Jedoch wurde er schnell wieder ernst.

„Aber selbst wenn Glorfindel Männer bevorzugt, warum sollte er ausgerechnet mich beobachten? Er kennt mich schon Jahrtausende, und hat nie irgendetwas verlauten lassen. Ich halte es doch für recht unwahrscheinlich." Allein der Gedanke, dass Glorfindel ihm seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, verwirrte ihn, und jagte undeutbare Schauer über seinen Rücken.

„Warum er dich beobachten sollte, Erestor? Nun, dies entzieht sich meiner Kenntnis", erklärte Haldir und blickte nachdenklich an dem dunkelhaarigen Elben vorbei. Seine Aussage, dass er sich es nur schwer vorstellen könnte mit einem Mann das Bett zu teilen, überging er einfach. Es wäre nur in eine endlose Diskussion übergegangen, an deren Ende nur die Tatsache gestanden hätte, dass Erestor es selbst herausfinden musste.

„Vielleicht kam Glorfindel auch nur zufällig vorbei", sprach Haldir und blickte weiterhin ins Leere. Auch ihn überraschte es, dass der blonde Elb Erestor beim Baden beobachte hatte.

Nun, dies konnte Erestor glauben, doch irgendetwas nagte an ihm. Er konnte jedoch nicht genau sagen, was es war. Wieder lehnte er sich zurück und blickte in den Himmel.

„Er mag vielleicht durch Zufall vorbeigekommen sein", erklärte der dunkelhaarige Elb, „Aber er ist nicht einfach wieder gegangen, er hat uns eine Weile beobachtet. Meiner Meinung nach hätte er eine Strafe verdient." Er grinste Haldir an, in der Hoffnung dieser würde ihn dabei unterstützen.

„Also hat er dich länger beobachtet? Nun, vielleicht hat ihm ja gefallen, was er sah", schmunzelte Haldir und warf Erestor einen flüchtigen Blick zu. Wie er es fast erwartet hatte, hatte sich auf dessen Wangen und Ohrenspitzen wieder eine zarte Rötung eingestellt.

„Und eine Strafe? Was genau stellst du dir darunter vor?", fragte der Galadhrim zwinkernd.

Es blitzte gefährlich in Erestors Augen, und ein diabolisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Sagen wir es so, wenn es ihm wirklich solch eine Freude bereitet hat, mich zu beobachten, wäre ich dafür, ihn wirklich zu quälen. Nur dafür bräuchte ich deine Hilfe, um es richtig wirken zu lassen. Ich würde sehr gerne ein Schauspiel für ihn inszenieren, dass ihm die Knie weich werden. Und dann… nun", lachte er bösartig. „Ich werde ihn dann links liegen lassen."

Haldir blickte vergnügt.

„Sei dir meiner Hilfe gewiss, alter Freund." Laut lachte der Galadhrim und ließ sich auf den Boden sinken. „Doch dazu musst du mir erst erzählen, was für ein Schauspiel du planst und wie meine Rolle darin aussehen soll. Wirst du Aníril ebenfalls einweihen?"

Erestor dachte kurz darüber nach, er wusste, dass das, worum er jetzt bitten würde, zu weit ging, aber irgendetwas in ihm musste dies tun, musste Glorfindel auf seinen Platz verweisen.

„Es wäre gut, wenn Aníril eingeweiht wäre. So kann sie uns nicht in den Rücken fallen. Ich möchte Glorfindel hinters Licht führen, indem er glaubt, ich…" Erestor holte tief Luft und hoffte ,dass sein engster Freund auf den Vorschlag eingehen würde. „Ich möchte dass er glaubt ich wäre… deinLiebhaberichhoffedunimmstesmirnichtübelichwürdeauchverstehenwenndunichtwollenwürdest."

Haldir schüttelte kurz den Kopf um sich darüber klar zu werden, was Erestor da gesagt hatte.

„Erstmal solltest du vielleicht so reden, dass ich dir auch folgen kann, mein Freund", meinte der Galadhrim dann belustigt. „Und des weiteren... solange du mich nicht wirklich zu deinem Liebhaber ausrufen willst, solange bin ich auch bereit in deinem kleinen Schauspiel mitzuwirken."

In den Augen des blonden Elben funkelte es hinterhältig. „Nur dann sollten wir wirklich mal deine Tochter zu Rate ziehen oder willst du noch lange warten?"

Elegant strich Erestor sich die dunklen Strähnen hinter die Ohren und sah schelmisch zu Haldir hinüber.

„Auch wenn du blond bist, als Liebhaber wärst du mir zu hellblond. Aber ich denke, wir sollten Aníril wirklich direkt einweihen und sie fragen."

In einer fließenden Bewegung erhob er sich und wartete bis Haldir soweit war. ihm zu folgen.