Kapitel 8: Tanz der Gefühle

Leicht nervös strich er die schwarzblaue Seidenrobe glatt, die seinen Körper umschmeichelte und seine Vorzüge perfekt zur Geltung brachte. Innerlich war er sehr unruhig, obwohl er wusste, dass Haldir am heutigen Abend nicht zugegen sein würde, so zerrte es doch an seinen Nerven, dass er wusste, er würde nun auf Glorfindel treffen und er durfte sich nichts anmerken lassen. Seufzend verdrängte er all diese Gedanken und warf einen kurzen Blick auf seine Tochter. Elrohir würden die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er sie sah. Sie trug ein weinrotes, tief ausgeschnittenes Kleid, dessen weiße Ärmel nur an der Schulter, den Ellenbogen und den Handgelenken befestigt waren, sodass ihre cremige Haut darunter zu erkennen war. Er lächelte auf sie herab, ganz der stolze Vater, bot ihr den Ellenbogen an und marschierte dann mit ihr in den Saal.

Aníril hatte ihren Vater lächelnd angesehen, als er in seiner eleganten Robe aus dem Talan getreten war. Seine Haltung war wie immer von erhabener und edler Natur. Die Elbenmaid musste zugeben, dass er gut aussah und es erfüllte sie mit Stolz, ihn zum Vater zu haben. Ihr eigenes Kleid hatte sie mit Arwen ausgesucht, welche ihr versichert hatte, sie sähe damit bezaubernd aus, dabei würde Elronds Tochter ein nicht minder schönes Gewand tragen.

Nun schritt Aníril hoch aufgerichtet und mit gestrafften Schultern in den Saal, der für das Mahl hergerichtet worden war. Sanft drückte sie den Arm ihres Vaters. Sie wollte Erestor spüren lassen, dass sie sich für ihr Verhalten am Mittag entschuldigen wollte. Es tat ihr leid, aber die Elbenmaid war sicher, ihr Vater würde verstehen.

Draußen war bereits die Nacht herein gebrochen, doch der Saal war erleuchtet mit einer Unzahl an Kerzen, deren Flammen einen zuckenden Tanz tanzten.

Ein Quartett stand in einer Ecke und spielte eine leise Melodie, während sich ein Großteil der Höheren Gesellschaft bereits in dem Raum befand. Es wurde leise gemurmelt bei dem Eintreten von Erestor und seiner Tochter, da die beiden zusammen einfach atemberaubend wirkten. Lächelnd geleitete Erestor sein Ein und Alles zu Galadriel. „Seid gegrüßt", sprach er, als er sich vor dem Herrscherpaar verbeugte, das nun selbst leicht den Kopf zum Gruß neigte. „Sei auch du uns gegrüßt, Erestor ó Imladris. Auch wenn wir uns gestern schon trafen, so erfreut es uns Euch heute hier zu sehen", erklärte Celeborn lächelnd. „Ich hoffe, Ihr und Eure Tochter genießt den Abend." Mit diesen Worten waren sie entlassen und konnten sich nun auf den Weg zum Buffet machen. „Aníril, was möchtest du?"Er reichte ihr einen Teller und begann seinen eigenen mit allerlei Früchten und gebratenem Geflügel zu behäufen.

„Ich denke, ich werde das gleiche nehmen wie du oder hast du etwa vergessen, Ada, dass ich auf deinen Geschmack vertraue?", erklärte Aníril und schenkte ihrem Vater ein strahlendes Lächeln. Die Elbenmaid streckte ihre Hand nun ebenfalls nach dem Essen aus und tat sich einiges auf, doch die Portion auf ihrem Teller fiel bescheidener aus als die auf dem Teller ihres Vaters. Aníril lachte amüsiert. „Wenn es dir zuviel wird, Ada, esse ich gerne bei dir mit", sagte sie frech lachend.

Ein leicht rötlicher Schimmer zierte seine Wangen, der sich noch vertiefte, als er eine wohlbekannte Stimme vernahm: „So wie ich Erestor kenne, wird er das alles alleine schaffen. Er hat immer an den Abenden nach den Übungen und Kämpfen sehr viel gegessen." Erestor atmete tief durch und drehte sich zu Glorfindel herum, der selbst einen sehr üppig beladenen Teller in der Hand hielt. „Natürlich habe ich viel gegessen, wenn du mich stundenlang über den Platz gescheucht hast."Er rang sich ein Lächeln ab, und winkte den Zwillingen zu, die er gerade sah, als sie den Saal betraten.

Aníril beobachte Stirn runzelnd Erestors Reaktion auf Glorfindels Bemerkung und nun verstand sie schon ein wenig besser, was Haldir ihr da erzählt hatte. Doch ihr war immer noch nicht klar, warum ihr Vater manche Dinge, die offensichtlich schienen, nicht erkannte. Oder wollte er einfach nicht? Die Elbenmaid drehte sich mit ihrem Teller in der Hand um, auf der Suche nach dem ihnen zugewiesenen Tisch und bemerkte so nicht, dass ihr Vater Elronds Söhnen zuwinkte, welche, in grüne Roben gekleidet, den Saal betreten hatten.

Elladan ging knapp hinter seinem Bruder, der sich nach ihrem Gespräch erstaunlich schnell wieder gefasst hatte. Nur fragte sich Elladan wie lange diese Fassung halten würde, wenn Elrohir jetzt wieder auf Erestors Tochter träfe.

„Sei gegrüßt, es ist schön, dass wir nun alle versammelt sind, bis auf Arwen."Kaum hatte Erestor die Worte zu Ende gesprochen öffnete sich die Türe erneut und herein trat die Tochter Elronds. Alle Anwesenden hielten den Atem an, sie war in dunkle Seide gekleidet, die bei jedem ihrer Schritte elegant mitschwang, das lange glänzende Haar viel in dunklen Locken völlig frei bis zu ihrer Hüfte. Silberne Stickereien blitzten im Licht der Kerzen, und man konnte deutlich sehen, warum sie als die schönste Frau Mittelerdes galt. „Arwen, dein Licht überstrahlt an diesem Abend alle. Ich freue mich dich zu sehen."Lächelnd verbeugte sich Erestor vor der Elbenmaid, und blickte danach seine Tochter fast entschuldigend an, doch Glorfindel kam ihm zur Hilfe: „Nun, ich muss gestehen, auch Aníril sieht an diesem Abend einfach atemberaubend aus."

Aníril wurde kurz rot, als sie Glorfindels Worte vernahm, doch dann dachte sie daran, dass der blonde Elb ihr dieses Kompliment vermutlich nur machte, um sie von der alles überstrahlenden Arwen abzulenken. Die Elbenmaid wusste, dass sie mit der Schönheit ihrer Freundin kaum mithalten konnte.

Ein wenig entfernt dachten die beiden Elbenzwillinge hingegen etwas ganz anderes. Elladan und Elrohir, die schließlich als Arwens Brüder, seit ihrer Geburt, zwei ihrer engsten Verwandten waren, wussten darum, wie ihre Schwester auf alle anderen Elben und auch Menschen wirkte, doch in diesem Moment war es eher Aníril, welche ihre Blicke auf sich zog. „Sie ist so ... anmutig", stieß Elrohir schließlich hervor und seine Wangen färbten sich leicht rosa, als Elladan ihm einen kurzen, wissenden Blick zuwarf.

Erestors feines Gehör hatte Elrohirs Worte vernommen und er lächelte in sich hinein. Elladan und er würden dies schon regeln können. „Arwen, würdest du mir die Ehre eines Tanzes erweisen?", fragte er die Tochter Elronds höflich und führte sie dann auf die Tanzfläche. Glorfindel war derweil neben Aníril getreten und blickte sie fragend an. „Sag, seit wann tanzt dein Vater? Sonst versucht er sich immer davor zu drücken."

Erestor derweil glitt mit der jungen Elbenmaid über die Tanzfläche, beide voller Eleganz und Anmut. Sie hätten wohl noch eine Weile weitergetanzt, als Erestor aus den Augenwinkeln sah, wie Haldir den Raum betrat, und er vor Schreck völlig aus dem Rhythmus geriet, und mit Arwen zusammenstieß, sich lächelnd entschuldigte und eine völlig verdutzte Tochter Elronds stehen ließ um den Galadhrim zu begrüßen. Ihre Hände berührten einander. „Haldir, was tust du denn hier?", fragte Erestor atemlos. „Ist dir entgangen, dass auch ich dem Adelsstand angehöre? Solange ich nicht im Dienst bin steht es mir frei, an solchen Veranstaltungen teil zu nehmen, komm lass uns zu den anderen gehen, ich würde sie gerne begrüßen." Mit diesen Worten legte er Erestor den Arm um die Hüfte und gemeinsam schritten sie wieder auf die Gruppe Bruchtalelben zu, die sie noch nicht bemerkt hatte.

Glorfindel und Aníril hatten sich, während Erestor mit Arwen tanzte, zu den Zwillingen gesellt. Nun hatten der blonde Elb und Elladan angefangen miteinander zu spaßen, hauptsächlich über die Ereignisse des Rittes nach Lórien, so dass Aníril mehrmals laut auflachen musste. Niemand bemerkte, dass Elrohir für seine Verhältnisse stumm wie ein Fisch neben ihnen stand und krampfhaft versuchte nicht die junge Elbenmaid an Glorfindels Seite anzustarren.

Es war dieser Moment, als plötzlich Haldir, samt Erestor, bei der kleinen Gruppe auftauchte. Der Galadhrim hatte seinen Arm um Anírils Vater gelegt und lächelte über das ganze Gesicht. Aníril bemerkte derweil, wie Glorfindel bei diesem Anblick unwillig das Gesicht verzog.

Wieso hatte er bisher noch nichts darüber erfahren? Ärger stieg in ihm auf, als er sah, wie Erestor strahlend Haldir anlächelte und ihm leise etwas ins Ohr flüsterte, woraufhin der stolze Galadhrim lächelte. Am liebsten hätte Glorfindel Haldir in diesem Moment den Hals herumgedreht. Doch er beherrschte sich und lächelte nur höflich. „Haldir, seid gegrüßt", knirschte er hervor und beobachtete die beiden Elben. Haldir neigte nur leicht den Kopf und nahm sich eine Traube von Erestors Teller, nur um sie diesem in den Mund zu schieben.

Auch Erestor hatte den Blick Glorfindels bemerkt und grinste innerlich, doch als Haldir ihm eine Traube in den Mund schob, war er doch überrascht, genauso, wie die ganzen anderen Anwesenden. Das hatte er nicht von dem Hauptmann erwartet, doch wollte er dieses Spiel spielen, und Haldir kannte sich damit doch etwas besser aus. So nahm er lächelnd die Traube entgegen und glitt derweil mit seiner Zunge über Haldirs Finger, der ihm die Frucht in den Mund schob.

Die Söhne Elronds betrachteten das Schauspiel, welches sich ihnen nun bot, mit Überraschung, selbst Elrohir wandte seinen Blick von Erestors Tochter ab. Keiner der beiden Zwillinge war eingeweiht worden und so konnten sie nur staunen über das was sie sahen, denn weder Elladan noch Elrohir hatte damit gerechnet, dass Haldir und Erestor mehr verband als Freundschaft.

Aníril hingegen wusste es natürlich, doch auch sie tat, als wäre sie erstaunt über den plötzlichen Anblick. In ihrem Inneren musste sie allerdings herzlich lachen, besonders da Glorfindels Unwillen immer offensichtlicher wurde. Fast glaubte die Elbenmaid es nicht mehr länger aushalten zu können und so fragte sie den Elben, welcher neben ihr stand: „Würdest du mir einen Tanz gewähren?" Erst dann erkannte Aníril, dass es Elrohir gewesen war, den sie soeben gefragt hatte und der sie nun überrascht ansah.

Seine Knie zitterten ein wenig, als er die Frage von Aníril hörte, und da er sich nicht auf seine Stimme verlassen wollte, nickte er bloß. Ihr den Arm anbietend führte er sie auf die Tanzfläche und begann sich langsam zu der Musik zu bewegen. „Sag Aníril, seit wann sind dein Vater und Haldir öhm...", fragte er unsicher. Seine Neugierde war geweckt.

Erestor warf Elladan einen wissenden Blick zu und löste sich aus Haldrirs Umarmung, um sich neben den Zwilling zu stellen. „Ich denke, dies verspricht wahrlich interessant zu werden", flüsterte er und grinste Elladan schelmisch zu, welcher dieses Lächeln erwiderte.

„Erestor, sag, kommst du morgen mit auf die Jagd?", fragte gerade Haldir und blickte ihn eindeutig an. Dieser warf ihm einen verwegenen Blich zu, zog eine Augenbraue nach oben und antwortete zweideutig lächelnd: „Sag, was möchtest du denn jagen? Aber natürlich bin ich gerne dabei." Seine Stimme hatte einen sehr fremden Klang selbst für Erestor selbst, und er sah aus den Augenwinkeln, wie Glorfindel merklich erbleichte.

Doch der blonde Elb versuchte sich nichts weiteres anmerken zu lassen. Die nächsten Emotionen, die ihn zu überrollen drohten, verbarg er hinter einer steinernen Maske der Emotionslosigkeit. Seine Augen hatte er auf die Tanzfläche geheftet und verfolgte nun jeden Schritt der dort tanzenden. Was interessierte es ihn schon, mit wem Erestor auf „Jagd" gehen wollte? In seinem Inneren wusste Glorfindel jedoch, dass es ihn mehr interessierte, als gut gewesen wäre.

Auf der Tanzfläche drehten Elrohir und Aníril derweil weiter ihre Runden. Die junge Elbenmaid starrte ein wenig abwesend an ihrem Tanzpartner vorbei und so wurde ihr erst einige Zeit später bewusst, dass ihr der dunkelhaarige Elb eine Frage gestellt hatte. „Mein Vater und Haldir?", fragte sie und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln um zu überspielen, dass sie ihm nicht wirklich zugehört hatte. Nicht dass Elrohir kein guter Tänzer gewesen war, im Gegenteil, Aníril genoss den Tanz, auch wenn sie sich ein wenig unwohl zu fühlen begann, doch ihre Aufmerksamkeit gehörte in diesem Moment ganz dem Geschehen am Rande der Tanzfläche. „Nun, ich weiß es auch nicht...", fuhr sie schließlich fort, als sie ihre Gedanken wieder geordnet hatte und der Blick der Elbenmaid traf genau den Elrohirs.

Elrohir bemerkte, dass sie nicht wirklich mit dem Herzen beim Tanzen war, und auch nicht bei ihm, sondern weit weg und das tat weh. Doch als ihr Blick ihn traf, durchlief ihn ein Feuer, das er noch nie gespürt hatte. Er wollte sie an sich ziehen, seine Lippen auf ihre pressen, doch er tat nichts von alledem, sondern hielt inne und verbeugte sich vor ihr. „Aníril, es ist deutlich erkennbar, dass du mit deinen Gedanken woanders bist, und bevor du mir meine Füße aus Versehen ramponierst, schlage ich vor, wir lassen es erst einmal mit dem Tanzen."Mit diesen Worten ließ er sie los und schritt zurück zu den anderen.

Erestor beobachtete weiterhin Glorfindel aus dem Augenwinkel, und übersah somit das Geschehen auf der Tanzfläche. Auch das Geflüster der anderen Anwesenden über ihn und Haldir überhörte er, so gefangen war er von dem bleichen, und doch beherrschten Gesicht des Balrogtöters. Mit blitzenden Augen wandte er sich an den blonden Krieger. „Glorfindel, wie wäre es, wenn du uns begleitest? Es wird sicherlich ein erheiternder Tag", fragte er sehr unschuldig blickend, doch ihm entging Glorfindels geschockter Gesichtsausdruck nicht. Ein kühles Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

Warum musste Erestor ausgerechnet ihn fragen? Er wollte nichts mehr sehen, davon wie sein dunkelhaariger Freund mit dem Lórischen Hauptmann turtelte, der sich schon wieder bei Erestor eingehängt hatte, und Erestor nun gegen ihn zu schmelzen schien. Doch konnte er nicht unhöflich sein und so stimmte er zu, sie morgen zu begleiten.

Haldir fühlte sich nicht wohl in seiner Haut, aber er hatte versprochen Erestor zu unterstützen, und auch war sein Verhalten für Anírils und seine Pläne vorteilhaft. Bestärkt wurde er in der Annahme, als er Glorfindels ablehnendes Gesicht sah. Er hoffte, Erestor würde sein Spiel nicht zu weit treiben, er wollte nicht, dass sein Freund alles verspielte, was es zu gewinnen galt.

Aníril stand unterdessen ein wenig fassungslos auf der Tanzfläche. Ja, sie war mit den Gedanken nicht bei ihrem Tanz gewesen, doch sie hatte Elrohir keineswegs vor den Kopf stoßen wollten, allerdings hatte ihr sein Blick verraten, dass wohl genau dies geschehen war. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich. Normalerweise wäre sie wohl wieder einmal explodiert, nur in diesem Moment fühlte sie sich einfach nur noch unwohl. Schließlich wollte die Elbenmaid Elrohirs Freundschaft nicht aufs Spiel setzen. „So warte doch", rief sie also leise und eilte dem Sohn Elronds hinterher und holte ihn ein, noch bevor er die anderen Bruchtalelben erreichte. Aníril legte Elrohir eine Hand auf den Arm um ihn zurückzuhalten. „Es tut mir leid", brachte sie hervor „Ich war mit den Gedanken wirklich nicht hier, ich..."Die Elbenmaid wusste nicht mehr, was sie eigentlich noch sagen wollte, und verstummte unter Elrohirs undurchdringlichem Blick.

Von den anderen Elben hatte nur Elladan bemerkt, was auf der Tanzfläche geschehen war. Ein wenig belustigt sah er zu, was sich zwischen seinem Bruder und Aníril abspielte, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Erestor, Haldir und Glorfindel wandte. Der Elb verstand nicht ganz, was zwischen den drein vorgefallen war, doch er sah Glorfindels bleiches Gesicht, Erestor, der den selbigen nicht aus den Augen ließ und Haldirs Lachen, als er Erestor wieder an sich drückte und ihm eine weitere Frucht vor den Mund hielt.

Erestor ließ sich nicht lange bitten und biss herzhaft in die Birne, die Haldir ihm hinhielt. Leider hatte er nicht bedach,t dass diese schon sehr reif war, und ihr Saft lief an seinem Kinn entlang. Der Galadhrim hatte dies beabsichtigt, und als er sah, wie die Flüssigkeit an Erestors Hals entlang tropfte, konnte er es nicht lassen, diese hinfort zu lecken.

Glorfindel konnte es nicht glauben, als er sah, wie Haldir an Erestors Hals leckte und dieser vor Wonne die Augen halb schloss. Übelkeit stieg in ihm empor, er glaubte keine Luft mehr zu bekommen. Wie konnte sein dunkelhaariger Noldo nur so...? Alles drehte sich in Glorfindel, er musste hier raus. „Verzeiht, ich muss an die frische Luft", stieß er noch hervor und hastete auf den Balkon, wo er zitternd stehen blieb und versuchte an etwas anderes zu denken.

Haldir lächelte an Erestors Hals und zog sich wieder etwas zurück. Eine Augenbraue hob sich fragend, als er in Erestors Gesicht sah. Dieser blickte ihn an und in seinen Augen funkelte es triumphierend. Doch nicht lange kostete er den Triumph aus und begab sich selbst auch auf den Balkon.

Elrohir hatte derweil alles fassungslos beobachtet und blickte wieder fragend auf Aníril. „Es ist nicht so schlimm, aber das nächste Mal schiebe nicht mich als Grund vor. Aber was geht zwischen deinem Vater, dem Galadhrim und Glorfindel vor? So habe ich die drei noch nie erlebt." Sanft legte er seine Hand auf ihren Arm und zog sie wieder mit sich auf die Tanzfläche. „Hier können wir ungestörter reden, also, was ist los?"

Aníril ließ sich zwar von Elrohir wieder auf die Tanzfläche ziehen, doch bei seiner Frage schüttelte sie stumm den Kopf. „Nein, Elrohir, ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass Vater sich in mancher Hinsicht in letzter Zeit ein wenig merkwürdig benimmt. Doch bitte... ich möchte nicht weiter darüber reden. Es ist nicht meine Sache dir davon zu berichten, es tut mir leid." Die Elbenmaid sah zu Boden und starrte intensiv auf ihre Füße. Sie wusste, dass Elrohirs Blick auf ihr lag, nur hatte sie keine Kraft ihn in diesem Moment zu erwidern. Ein seltsames Gefühl breitete sich über sie aus.

Auf dem Balkon kühlte die frische Luft derweil Glorfindels erhitztes Gesicht. Noch immer waren seine Gefühle aufgewühlt und er verstand weder was mit ihm los war, noch was Haldir und Erestor zu ihrem Tun bewegte. Aber, so sagte sich der blonde Elb, er wollte ihrem Glücke nicht im Wege stehen, wenn sie es denn miteinander finden sollten. Glorfindel hörte, wie jemand nach ihm den Balkon betrat, doch er wandte sich nicht um. Der Elb wollte einfach nur alleine sein um seine Gedanken zu klären.

Verwundert beobachtete Haldir wie Erestor Glorfindel hinterher eilte. Er würde doch nicht etwa? Doch der Galadhrim schüttelte den Kopf, dafür war es eindeutig noch zu früh. Galant wandte er sich an die beiden verbliebenen Kinder Elronds und plauderte munter mit ihnen.

Elrohir verstand Aníril und drückte bestärkend ihre Schulter. „Auf, dann lass uns diesen Tanz genießen, bevor wir zu diesen Verrückten zurückmüssen", meinte er lächelnd, zog sie etwas enger an sich und führte sie mit neuem Schwung zu den Klängen der Musik.

Leise trat Erestor neben den blonden Krieger. Er wollte nicht die Genugtuung zeigen, die er empfand, doch wollte er aus Wut auch nicht die Freundschaft verlieren. „Wie geht es dir? Ich bin erschrocken, als du so aus dem Saal gestürzt bist."Sanft legte er seine Hand auf Glorfindels Unterarm und blickte zu ihm hinauf. Das ungewohnte Flattern in seiner Magengegend ignorierte er. „Du siehst sehr bleich aus."

Glorfindel drehte sich mit unbeweglichem Gesichtsausdruck zu Erestor um. Das ausgerechnet er ihm hatte folgen müssen verstand er nicht und auch, als der dunkelhaarige Elb seine Hand auf Glorfindels Arm legte, rührte dieser sich nicht. Zwar überlief ihn ein kurzer Schauer, welchen er jedoch ignorierte. „Mir geht es gut", erwiderte Glorfindel knapp auf Erestors Frage und drehte sich wortlos um und ging zügigen Schrittes zurück in den Saal. Erestor blieb verwirrt zurück.

Im Saal tanzten mittlerweile nicht nur Elrohir mit Aníril, welche nun wirklich mit ihren Gedanken bei ihrem Tanz war und nicht mehr bei ihrem Vater verweilte, sondern auch Elladan und seine Schwester Arwen. Haldir stand allein am Rande der Tanzfläche und wünschte fast, dass Erestor wieder käme, auf das sie ebenfalls ein wenig tanzen könnten. Allerdings, so musste er sich eingestehen, hatte er doch nicht erwartet, dass Glorfindel so reagieren würde, wie er es getan hatte. Haldir sah nicht, wie der blonde Elb wieder den Saal betrat, denn genau in diesem Moment trat Galadriel, die Herrin Lóriens, auf ihn zu. „Haldir", sagte sie lächelnd. „Ich habe einen Auftrag für Euch." Der Galadhrim verbeugte sich kurz und erwiderte: „Was ist Euer Wunsch?" „Eine Botschaft muss überbracht werden an Elrond, den Herrn Imladris'. Ich wünsche, dass Ihr Erestor begleitet, sobald er aufbricht, damit Ihr die Nachricht überbringen könnt."

Glorfindel war an die Herrin herangetreten und war ihren Worten gefolgt. „Erestor wird sich sicherlich glücklich schätzen, wenn Ihr ihn begeleitet, Haldir", erklärte er, und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme einen sarkastischen Klang hatte, was ihm einen strafenden Blick der hohen Frau einbrachte. Doch Haldir war es der darauf antwortete. „Genauso wie es mich freut, an Erestors Seite zu reisen. Herrin, ich werde Euren Auftrag mit Freuden erfüllen."Seine Stimme hallte weit durch den Saal, und Erestor, der gerade eingetreten war, sah ihn fragend an, während er zu ihm schritt und sich bei ihm einhakte. Haldir runzelte kurz die Stirn, als er merkte, dass sein Freund vor Wut zitterte. „Sehr gut, dass du nun auch hier bist, Erestor. Galadriel beauftragte mich soeben euch zu begleiten, wenn ihr zurück nach Imladris reist." Erestor freute sich ehrlich darüber, dass Haldir ihn begleiten würde, nur dann fiel ihm ein, dass sie dieses Spiel wohl noch ein wenig weiterspielen mussten. Kurz überlegte er, wie er dies am besten regeln konnte. „Da du uns begleiten wirst, denke ich, wir sollten so bald wie möglich aufbrechen. Elrond war schon verstimmt, als ich ihn bat die Eskorte begleiten zu dürfen, da es einiges zu Planen gibt."

Die anderen hatten die letzen Sätze mit gehört und nickten zustimmend, insbesondere die Zwillinge, die gar nicht erwarten konnten Lindir bei den Vorbereitungen zu helfen, was seinen Bund betraf.

„Dann wäre dies beschlossen, ich werde mich nun zurückziehen, damit wir morgen früh aufbrechen können. Haldir, es tut mir leid, nicht mehr mit dir jagen gehen zu können, aber vielleicht ergibt sich ja etwas auf unserer Reise."Mit diesen Worten verließ er den Saal, dicht gefolgt von dem blonden Hauptmann, der sich auch schnell verabschiedet hatte.

Ein wütender Blick Glorfindels folgte ihnen. Abrupt drehte sich der blonde Elb um und schritt zu dem immer noch stehenden Buffet. Er hatte nicht vor Haldir und Erestor zu folgen, es war ihm egal, was er sich einredete.

Zurück blieben nur noch Elronds Söhne sowie Arwen und Aníril. „Nun, da der Abend noch jung ist", erklärte Elladan mit verschmitztem Lächeln und reichte Erestors Tochter seine Hand, „lasst uns weiter tanzen. Natürlich nur soweit du mir einen Tanz gewähren willst, Aníril." Der dunkelhaarige Elb zog Aníril mit sich auf die Tanzfläche und auch Arwen ergriff den Arm ihres zurückgebliebenen Bruders um einen Tanz mit ihm zu wagen.

Von seinem Platz am Buffet aus, beobachte Glorfindel die Szene und wünschte sich nichts mehr, als ebenfalls dort über die Tanzfläche schweben zu können. Doch niemand war da, mit dem er hätte tanzen können und so blieb ihm nur die unterdrückte Wut und gleichzeitige Traurigkeit, die ihn ergriffen hatte.