Kapitel 9: Alpträume, Sturköpfe und Regen
Glorfindel war unruhig, er stand neben seinem Hengst und wartete auf die anderen. Er war als erster aufgewacht, oder besser aufgestanden, da er die ganze Nacht über nicht schlafen konnte. Immer wieder war ihm das Bild in den Sinn gekommen, als Haldir über Erestors Hals geleckt hatte, und dies ihm sogar zu gefallen schien.
Als dann die ersten Zeichen der Dämmerung einsetzten war er aufgestanden, hatte seine Sachen gepackt und wartete nun mit den Pferden, die er alle schon fertig gesattelt hatte. Sein Herz setzte einen Schlag aus, als er sah, wie Erestor mit Aníril und Haldir ankam, leise sprechend und hin und wieder lachend.
Erestor war früh aufgestanden, hatte seine Tochter geweckt und dann waren sie auch schon aufgebrochen, da sie Haldir abholen wollten.
Die ersten Strahlen der Sonne erhellten den goldenen Wald, der nun zeigte, warum er diesen Namen trug. Tau glitzerte auf Blättern und Spinnennetzen, alles war in ein sanftes goldenes Leuchten gehüllt.
„Ich werde diesen Anblick vermissen. So schön Imladris bei Sonnenuntergang ist, so bezaubernd ist Lothlórien am frühen Morgen", erklärte er verträumt und ließ seinen Blick über die Wälder schweifen. Er wusste, Haldir und Aníril, die neben ihm schritten, verstanden sehr gut, was er meinte.
Als sie sich den Pferden näherten, sahen sie bereits von weitem das goldene Haar des Balrogtöters leuchten. Er hat etwas von einer Lichtgestalt, wenn er mich nicht immer so aus dem Konzept bringen würde, dachte Erestor bei sich, und eilte geschwind auf den Blonden zu.
„Guten Morgen Glorfindel, ich danke dir, dass du dich um unsere Pferde gekümmert hast."
Glorfindel jedoch erwiderte nur mürrisch den Gruß, und Erestor konnte deutlich sehen, dass der Krieger die Nacht über wohl nicht viel geschlafen hatte. Er wollte schon etwas sagen, als er spürte, wie nun auch Haldir und seine Tochter neben ihm zum Stehen kamen.
Keiner der beiden hatte bemerkt, wie Glorfindel Erestor begrüßt hatte, keiner der beiden hatte auch nur gesehen, wie bleich der blonde Elb aussah, denn dieser hatte sich sofort umgedreht, als er sah, wie Haldir neben Erestor stehen blieb.
Aníril fühlte sich an diesem Morgen, ganz im Gegensatz zu Glorfindel, frisch und ausgeschlafen. Der gestrige Abend war nicht mehr lang gewesen, doch hatte sie mit Arwen und ihren beiden Brüdern noch viel Freude auf der Tanzfläche und am Buffet gehabt.
Nun aber stand sie in ihrer Reisekleidung da und blickte auf die Pferde, die bei Glorfindel standen. Sie wusste, dass sie nicht das Pferd reiten konnte, auf dem sie hierher gekommen war, denn dieser Hengst war von einem anderen Pferd getreten worden, dabei war sein Bein so schwer verletzt worden, dass er seither nicht mehr reitbar war.
Aníril war gespannt darauf, welches Pferd sie nun für die Reise bekam.
Doch sie kam nicht mehr dazu, weiter zu fragen, denn in diesem Augenblick erschienen Arwen und die Zwillinge auf der kleinen Lichtung. Letztere wirkten ein wenig verschlafen und ganz so, als hätte das Ende des Festes für sie nicht das Ende der Nacht bedeutet. Aníril schmunzelte und lief dann zu ihrer Freundin um sie zu begrüßen.
Glorfindel beobachtete, wie Aníril die drei begrüßte und wie Erestor und Haldir sich dem anschlossen, er selbst war einfach zu müde, um mehr zu tun als ihnen kurz zuzunicken. Aber mit Genugtuung stellte er fest, dass sowohl Arwen, als auch Aníril in Hosen gekleidet waren, und ihre Schwerter umgegürtet hatten.
„Es ist gut, dass sie sich verteidigen können. Bei einer solch kleinen Gruppe Reisender ist es sicherer", hörte er Haldirs Stimme neben sich, und wieder einmal wurde er daran erinnert, dass der silberblonde Hauptmann, genauso wie er, Grenzwachen leitete. Seine Wut auf ihn vergaß er in diesem Moment, da sie beide diejenigen waren, die am ehesten für die Sicherheit der Gruppe zu sorgen hatten.
„Du hast Recht, trotzdem wäre es mir lieber, wenn wir einige Krieger mehr wären. Elladan, Erestor, du und ich sind die Einzigen, die wirklich viel Erfahrung im Kämpfen haben", antwortete er ernsthaft und sah, wie Haldir nickte.
„Aber ich habe meine Brüder gefragt, sie werden uns begleiten, damit wären wir sechs erfahrene Krieger, und drei mit weniger Geschick, aber nicht minder tödlich."
„Wollen wir nur hoffen, dass Elrohir nicht versucht die Orks tot zu kitzeln, sollten wir auf welche treffen", warf Erestor ein, der nun auch zu ihnen getreten war und die drei älteren Elben lachten etwas entspannter. Auch wenn sie vielleicht Differenzen untereinander hatten, so ging die Sicherheit der Jüngeren über alles.
Gerade in diesem Moment betraten die weißblonden Galadhrimzwillinge den Platz, dicht gefolgt von ihren Rössern.
Aníril beobachte mit Erstaunen, dass nun auch die Brüder Haldirs ihren kleinen Trupp begleiten sollten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie angenommen, dass ihre Gruppe mit Haldir, Glorfindel, Erestor, den Zwillingen, Arwen und ihr vollständig war. Die Elbenmaid fragte sich, wozu sie noch weitere Begleitung benötigten, doch wollte sie die Entscheidung der älteren Elben nicht in Frage stellen.
Erestors Tochter beobachtete, wie die Galadhrim ihren Bruder und die Bruchtalelben um ihren Vater begrüßten, dann schritt sie selbst zu ihrem Vater hinüber um ihm die Frage zu stellen, die ihr schon längst auf dem Herzen brannte.
„Ada", sagte sie leise und zog Erestor kurz zur Seite. „Weißt du, welches Pferd mir zugeteilt wurde?"
Zwar wusste sie, dass es nicht wirklich von Bedeutung war, doch die Elbenmaid war schon seit ihrer Kindheit gerne bei den schönen Tieren gewesen und dies zeigte sich immer noch.
Weiter weg standen die Zwillinge und ihre Schwester immer noch zusammen und blickten zu Aníril hinüber, wie sie mit ihrem Vater sprach.
„Liebt sie die Pferde immer noch so?", scherzte Elladan mit einem Lachen, das von Arwen erwidert wurde.
„Natürlich, oder dachtest du, sie verändert sich so schnell? Die ganze Zeit, welche wir in Lórien verbrachten, war Aníril fast jeden Tag bei den Pferden. Oft sah sie auch nach dem verletzten Hengst, der sie hierher getragen hatte. Manchmal glaube ich fast, sie liebt die Pferde mehr als jede andere Person, ihren Vater einmal ausgenommen", gab Elronds Tochter ihrem Bruder als Antwort und bemerkte dabei gar nicht, wie ihr anderer Bruder neben ihr merklich schluckte.
„Dies ist das Pferd, das du reiten wirst", meinte Glorfindel und zeigte auf einen hellen Fuchs, der unruhig auf und ab tänzelte. „Er mag etwas temperamentvoll sein, aber du wirst schon mit ihm klarkommen. Immerhin ist er dir darin ja sehr ähnlich."
Die anderen Elben lachten bei dem Kommentar, stiegen auf die Pferde und begannen ihren Weg.
Haldirs Herz schmerzte ein wenig Lothlórien so schnell zu verlassen, doch war es so das Sinnvollste. Ein kurzer Blick auf Erestor zeigte ihm, dass auch diesem der Abschied nicht leicht fiel.
„Zu lange war ich nicht mehr hier, und nun verlassen wir den Goldenen Wald schon wieder", seufzte er und Haldir drückte kurz seine Hand, was Glorfindel, der hinter ihnen ritt, dazu veranlasste, die Stirn zu runzeln. Der Hauptmann beugte sich zu seinem vermeintlichen Geliebten hinüber um ihm etwas zuzuflüstern
„Ich habe meine Brüder soweit wie es nötig war eingeweiht, sie werden nichts verraten", erzählte er und drückte einen kurzen Kuss auf die Wange des Noldo.
Aníril hatte unwillig die Stirn gerunzelt, als alle so heiter auf Glorfindels Bemerkung über ihr Temperament gelacht hatten. Egal was sie sagen mochten und was sie selbst über sich dachte, bevorzugte sie zwar temperamentvolle Pferde, aber keine nervösen. Auf dem Fell des Fuchshengstes hingegen glänzte bereits der Schweiß. Die Ohren des Tieres drehten sich unruhig in alle Richtungen. Aníril befand, dass dieses Pferd wahrscheinlich mehr Temperament hatte, als ihr lieb war. Trotzdem ließ sie sich nicht dazu hinreißen, etwas zu sagen, sondern stieg auf den Rücken ihres neuen Reittieres. Der Hengst war ein elegantes, gut gebautes Ross, doch war er auch recht schmal. Aníril rutschte ein wenig herum, bevor sie die richtige Sitzposition fand. Die anderen Pferde, die sie bis jetzt geritten hatte, waren meistens kräftigere Tiere gewesen.
Als sie Lórien nun verließen überkam auch Aníril die Traurigkeit. Zwar war sie im Gegensatz zu ihrem Vater eine viel längere Zeit hier gewesen, jedoch war ihr der Goldene Wald mit jedem Tag mehr ans Herz gewachsen. Nicht desto trotz freute die Elbenmaid sich unbändig auf Imladris.
In Gedanken über die bevorstehende Reise und die zurückliegende Zeit versunken registrierte sie nur am Rande den Kuss, den Haldir ihrem Vater gab, und Glorfindels unwilliges Kopfschütteln. Dann jedoch wurde sie jäh aus ihrem Tagtraum gerissen, als ihr Pferd einen erschreckten Satz zur Seite machte, der Aníril fast aus dem Gleichgewicht brachte. Derweil stieß der Leib ihres Reittieres gegen das Pferd Elrohirs, der neben ihr ritt.
Elrohir erschrak, als er bemerkte, wie sein Pferd aus dem Gleichtritt geriet, weil Anírils Fuchs gegen seinen Rappen gestoßen war. Zum Glück hatte sein Pferd sich jedoch schnell wieder gefangen, und Elrohir nahm sich die Zeit einige beruhigende Worte in das Ohr des Fuchses zu flüstern, der daraufhin wirklich etwas ruhiger wurde.
Elladan beobachte wieder einmal fasziniert, was für eine Gabe Elrohir doch hatte mit den Pferden. Er schien sie alle beruhigen zu können. Doch was ihn noch mehr faszinierte war die Tatsache, dass sein Bruder dann sanft Aníril eine Hand auf die Schulter legte, dass diese noch immer sehr nahe neben ihm ritt.
„Aníril, jetzt sollte er sich etwas beruhigt haben. Doch wenn es dir lieber ist können wir nach der ersten Rast die Pferde tauschen. Arvellon ist zwar auch kein ruhiges Tier, doch er ist sehr nervenstark", bot er ihr an und hoffte ihr mit dem Angebot eine Freude zu machen, da er wusste, dass sie sein Ross sehr schätzte.
„Ich danke dir für dein Angebot, Elrohir", erwiderte Aníril und schenkte dem Zwilling Elladans ein warmes Lächeln. „Doch ich denke, ich sollte es alleine schaffen, mit diesem Wildling fertig zu werden. Noch kein Pferd hat es geschafft, dass ich freiwillig aufgegeben habe und auch Erynaur wird dies nicht tun", fuhr die Elbenmaid entschlossen fort, während sie ihre Sitzposition wieder festigte. Von hinten kam in diesem Moment Arwen heran geritten, so dass drei Pferde auf dem schmalen Weg neben einander einher schritten.
Sie waren lange unterwegs, bis sie kurz rasteten und auch danach ritten sie weiter, bis sie die Ausläufer des Nebelgebirges erreicht hatten. Wenige Meilen hinter den Grenzen Lothlóriens hatte es begonnen zu regnen, sodass alle bis auf die Knochen durchnässt waren, als sie ihr Lager aufschlugen, an einem Felsüberstand, der ihnen zusammen mit einer Plane genügend Schutz vor dem Regen bot um die Nacht trocken zu überstehen. Die Zelte wollten sie nicht aufstellen, solange es nicht nötig war, da feuchte Zelte oft zu schimmeln begannen.
Schnell war ein Feuer entzündet und die nassen Kleidungsstücke zum Trocknen aufgehängt. Glorfindel konnte kaum noch aufrecht stehen, und Erestor drückte ihm etwas Eintopf in die Hand, den dieser hungrig verschlang und dann fast sofort einschlief, indem er zur Seite kippte, seinen Kopf auf Erestors Schoß gebettet. Haldir grinste Erestor an, der gar nicht glücklich wirkte, mit dem blonden Eldar auf seinem Schoß.
„Du wirst es überleben, hier, lehn dich an mich", forderte der Galadrhim ihn auf, und zog Erestor an seine Brust, während er selbst an die Wand gelehnt saß. Auch Erestor war schnell weggedämmert, da er Reisen nicht sonderlich schätzte, und es ihn ermüdete.
Aníril hatte sich direkt nachdem sie sich ihrer nassen Kleider entledigt hatte, in einen weichen Umhang gehüllt und lehnte sich nun an eine Felswand. Sie konnte kaum sitzen, denn nach dem langen Tag auf dem Rücken des unruhigen Hengstes meinte sie jeden Knochen im Körper zu spüren. Alle Glieder taten ihr weh und am liebsten hätte sie sich zum Schlafen hingelegt und hätte solange durchgeschlafen, bis die Schmerzen verschwunden waren. Wenn die Elbenmaid daran dachte, dass sie die nächsten Tage allesamt so verbringen würde, verzog sie schon jetzt schmerzhaft das Gesicht.
Arwen, die neben ihr saß, erging es ähnlich. Auch sie spürte die Anstrengung, die sich in ihr ausgebreitet hatte, doch rührte dies nur daher, dass sie in den letzten Wochen nie solange auf dem Pferderücken gesessen hatten.
Die Zwillinge und Söhne Elronds schienen nun noch die einzigen zu sein, die einigermaßen wach und frohen Mutes waren. Nahe bei Aníril und Arwen saßen sie an dem Felsen und unterhielten sich leise. Elrohir schielte unterdessen immer wieder zu den beiden Elbenfrauen hinüber, die erschöpft die Augen geschlossen hatten.
Rúmil und Orophin hatten angeboten die erste Wache zu übernehmen und saßen nun aufmerksam am Rand und blickten in den Regen hinaus.
„Wenn ich sie nicht besser kennen würde, so würde ich bei diesem Anblick behaupten diese beiden sind genauso ernst und zurückhaltend wie ihr Bruder", flüsterte Elladan gut hörbar in Richtung seines Zwillings, was ihm von Haldir einen ernsten Blick einbrachte.
„Ein Haldir reicht durchaus in der Familie", lachte Rúmil, während Orophin nur in sich hineinlächelte. Arwen schenkte Rúmil ein strahlendes Lächeln, sie hatte in diesem Moment wieder die Augen geöffnet.
„Obwohl dir manchmal ein wenig Zurückhaltung auch nicht schaden würde", antwortete sie, woraufhin Haldir nur zustimmend nickte, und die anderen Elben kicherten. Nicht sonderlich laut natürlich, um die beiden Schlafenden nicht zu wecken.
„Irgendwie sieht das niedlich aus", fuhr Arwen fort und blickte auf den dunkelhaarigen und den blonden Elben, die auf Haldir hingen und ruhig schliefen.
„Sie sehen niedlich aus, sind aber nicht gerade leicht", war Haldirs einziger Kommentar, als er Erestor beschützend umarmte.
„Sag Elladan, ich hörte, dass Lindir sich binden möchte, wird Adar die Zeremonie leiten?" Arwen blickte ihren Bruder neugierig an, doch es war der andere, der antwortete.
„Soweit ich weiß ja, deswegen will er auch, dass Erestor so bald wie möglich wieder da ist, um den Rest zu organisieren", meinte Elrohir und blickte wieder auf Aníril, „und Laereth wollte Aníril als ihre Zeugin des Schwures."
„Mich wollte sie als Zeugin?", fragte Aníril in diesem Moment und öffnete lachend die Augen. „Hoffentlich weiß Laereth, was sie sich da antut. Aber wenn es ihr Wunsch ist, so werde ich ihn erfüllen. Ich freue mich für sie."
Die Elbenmaid lächelte, während sie an die rotblonde Elbenfrau dachte, die in diesem Winter den Bund mit Lindir eingehen wollte. Laereth war älter als Erestors Tochter, doch hatte sie dies niemals davon abgehalten, miteinander zu lachen und zu scherzen. Sie waren gute Freundinnen wie man behaupten konnte, fand Aníril.
Mit einem leisen Brummen setzte sich die Elbenmaid ein wenig auf und bekam sofort wieder ihre schmerzenden Knochen zu spüren. Kurz verzog sie das Gesicht, bevor es wieder durch ein aufgesetztes Lächeln erstrahlte.
„Nun, ich kann mir auch nicht denken, warum sie dich wählte, Aníril, meine Freundin", bemerkte Arwen schmunzelnd. „Vermutlich möchte sie eher, dass die Segnung ihres Bundes in Chaos endet, doch muss ich sagen, dies wäre wenigstens eine Abwechslung."
Elladan und Elrohir prusteten synchron los, als ihre Schwester diese Worte sprach, und auch die anderen Elben sahen amüsiert auf Aníril, die, wie schon so oft, rot wurde.
Haldir hörte dem Gespräch zu und blickte auf seinen Freund nieder, der ruhte, die Augen glasig, und den Atem etwas beschleunigt.
„Erestor, was ist?", flüsterte er in das Ohr des Beraters, welcher immer unruhiger wurde, sodass sogar Glorfindel aus den tiefen seines Schlummers gerissen wurde, da Erestor nun zu keuchen begann, und sich ruckartig mit einem Schrei aufsetze, sodass Glorfindels Kopf auf den Boden knallte.
Panik lag in dem Blick des Noldo, und er schien nicht zu erkennen, wo er war.
Glorfindel, der nun endgültig erwacht war, rieb sich schmerzend den Kopf und sah Stirn runzelnd hinauf zu Erestor, dessen Blick immer noch hastig umherhuschte. Auch Aníril, die etwas weiter entfernt saß, war aufgeschreckt worden und nun aufgesprungen.
„Ada, was ist mit dir?", rief die Elbenmaid und eilte auf ihren Vater zu, so gut es ihre schmerzenden Glieder zuließen.
Er wusste nicht, wo er sich befand, immer wieder sah er das Feuer, roch das verbrannte Fleisch des Blonden. Immer wieder sah er wie er fiel und fiel.
Erst als seine Tochter ihn ansprach klärten sich seine Gedanken ein wenig und er wusste wieder, wo er sich befand.
„Es ist alles in Ordnung, Kleines, nur wieder einer dieser Alpträume. Zum Glück werden sie immer seltener", lächelte er zu ihr hinüber und lehnte sich wieder zurück, diesmal direkt an die Wand. Doch als sein Blick Glorfindel streifte wurde er wieder ganz bleich und zitterte. Der Blonde wusste nicht, was er damals beobachtet hatte.
Doch als er spürte, wie Haldir seine Schulter drückte, wurde er wieder etwas ruhiger, doch konnte er nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte.
„Es tut mir Leid, Glorfindel, ich hoffe, dein Kopf tut dir nicht zu sehr weh."
Der Angesprochene sah Erestor wütend an, doch weniger wütend war er über die Tatsache, dass er mit dem Kopf auf den Boden gefallen war, als darüber, dass er ausgerechnet in Erestors Schoß hatte schlafen müssen. Und so setzte sich Glorfindel erst einmal schweigend auf bevor er mit ein wenig rauer Stimme sagte: „Nein, es tut kaum weh."
Doch der blonde Elb sah dem Dunkelhaarigen bei seinen Worten nicht in die Augen.
Aníril runzelte kurz die Stirn, als sie auf das Szenario hinabblickte, beschloss jedoch nichts Weiteres zu sagen und kehrte wieder zu ihrem Platz neben Arwen und den Zwillingen zurück. Mit einem kurzen Aufstöhnen ließ sie sich zu Boden sinken, was ihr einen fragenden Blick ihrer Freundin einbrachte.
„Vielleicht hättest du Elrohirs Angebot das Pferd zu wechseln doch annehmen sollen", bemerkte Arwen.
Erestor hatte das seltsame Verhalten Glorfindels bemerkt und warf Haldir einen fragenden Blick zu, der jedoch nur die Schultern zuckte. Er wollte das Thema schon ruhen lassen, als er einen feuchten, rötlichen Schimmer an Glorfindels Stirn wahrnahm. Er setzte sich auf und strich dem Elben das Haar beiseite, woraufhin dieser zusammenzuckte.
„Du hast eine leichte Platzwunde davon getragen, Glorfindel. Aníril, würdest du…", er brach ab, als er den gequälten Blick seiner Tochter bemerkte, und winkte dann Elrohir heran, der eine kleine Phiole aus seinen Satteltaschen nahm, und ein helles Tuch.
Schnell war die Verletzung gesäubert, während Glorfindel unaufhörlich vor sich hinbrummte, und die Aufmerksamkeit aller richtete sich wieder auf Aníril.
„Kleines, du solltest wirklich mit Elrohir tauschen, denn sonst bist du spätestens nach zwei Tagen wund geritten, und wir kommen nicht mehr schnell voran", mahnte Erestor seine Tochter zur Vernunft und warf noch einmal einen entschuldigenden Blick in Richtung des verbeulten Elben, während Haldir ihn wieder zu sich zog.
Aníril verzog schmollend den Mund. Sie mochte es nicht wirklich, wenn ihr Vater sie Kleines nannte. War sie nicht immerhin eine Elbenmaid mit einem Alter von über 2000 Jahren, die wusste, was sie tat?
„Ada, ich sagte doch schon, dass ich das schaffen werde", gab sie zurück, wobei sie ihr Blick jedoch Lügen strafte.
Arwen, neben ihr, lachte. „Und hinterher wirst du fast tot vom Pferd fallen, wenn du dich überhaupt bis Imladris auf dem Tier halten kannst. Aníril, ich habe dich beobachtet, es fällt dir schwerer als du zugeben magst."
„Wenn ich tot vom Pferd falle, dann höchstens, weil wir soviel Zeit auf den Pferden verbringen", wehrte die Angesprochene wütend ab. „Arwen, sag nicht, dass dir nicht auch fast jede Stelle deines Körpers weh tut. Einen ganzen Tag auf dem Rücken eines Pferdes rüttelt so ziemlich jedes Körperteil durch, dass du nur spüren kannst. Es ist völlig normal..."
Die Elbenmaid verstummte in ihrer Rede, als sie die Blicke der anderen Elben bemerkte.
Aufmerksam hatte Erestor seiner Tochter zugehört und brach nun, zur Überraschung aller, in lautes Gelächter aus.
„Kleines, seit wann bist du denn so stur? Wenn selbst ich, der verweichlichte Berater Elronds, mich wohl fühle, sollte dir klar sein, dass du vielleicht wirklich auf mich hören solltest." Bei dem Wort verweichlicht hatte er Glorfindel einen eindeutigen Blick zugeworfen, woraufhin dieser die Freundlichkeit besaß leicht zu erröten.
„Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass Elrohir es eine Freude wäre, wenn du sein Angebot annehmen würdest", fügte er noch hinzu und fing Elladans schelmisches Grinsen auf, als sein Bruder errötete.
„Dem könnte ich sofort zustimmen", lachte Elladan und schielte zu Elrohir hinüber, dessen Wangen immer noch rot brannten, was in der einbrechenden Dunkelheit jedoch kaum noch zu erkennen war.
„Ada, ich hatte eigentlich gedacht, dass du mich verstehst", entgegnete Aníril nun und rutschte unbehaglich auf ihrem Sitzplatz an dem Felsen herum. Er hatte sie schon wieder Kleines genannt, so als wäre sie ein naives Dummerchen. Es missfiel ihr genauso wie es ihr missfiel, dass alle sie umstimmen wollten. Und so bemerkte die Elbenmaid gar nicht, dass sie sich ein weiteres Mal in Dingen verrannte, die ihr Sturkopf ihr vorgaben.
Nun gestatteten sich auch die Lórischen Zwillinge etwas dazu zu sagen.
„Aníril, du solltest deinen Dickkopf nicht…", begann Rumil.
„… über die Interessen der ganzen Gruppe setzen", vervollständigte Orophin den Satz. Erestor hörte ihnen zu, er mochte es nicht, wenn jemand so mit seiner Tochter sprach, doch diesmal hatten sie leider Recht.
„Zudem gefährdest du unser aller Sicherheit, wenn du wund geritten bist, und wir angegriffen werden, wirst du dich kaum verteidigen können", warf nun auch noch Haldir ein, der überraschenderweise von Glorfindel Unterstützung erhielt.
„Und wenn einer von uns auch noch auf dich aufpassen muss… Solltest du nicht freiwillig dich überzeugen lassen…", begann er und ließ den Satz unbeendet, sie alle achteten ihn als Anführer der Gruppe, und wussten, dass er zur Not einfach bestimmen konnte, sie solle ein anderes Tier reiten.
Aníril warf einen wütenden Blick in die Runde, bevor sie sich tiefer in ihre Decke kuschelte und erklärte: „Da man ja schon für mich entschieden hat, werde ich nichts mehr sagen."
Die Elbenmaid runzelte die Stirn. „Und vielleicht sollte ich dies auch in Zukunft tun", fügte sie noch hinzu und biss sich trotzig auf die Lippen. Sie wusste, sie war zu weit gegangen, doch hatte sie sich nicht mehr zurückhalten können. Ihr Temperament und ihr Sturkopf hatten es ihr versagt. Unwohlsein verbreitete sich in ihrem Körper, als sie daran dachte, was ihre Gefährten nun von ihr halten würden. Besonders Arwen und ihre Brüder hatte sie eigentlich nicht vor den Kopf stoßen wollen, dennoch hatte sie es vermutlich getan.
Elladan und Elrohir blickten sie reichlich geschockt an und auch Arwens Blick war leicht ablehnend. Doch Glorfindel ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, er stand auf, ging zu ihr hinüber und setze sich neben sie.
„Aníril, du weißt, dass ich nicht gerne so mit dir umgehe, aber ich bin für die Sicherheit verantwortlich, und was denkst du was Elrond mit mir tut, wenn Arwen etwas passiert, weil du so uneinsichtig bist. Ich trage die Verantwortung", erklärte er ihr mit völlig ruhiger Stimme, während Erestor ihn fasziniert beobachtete. Ein warmes Kribbeln breitete sich in seiner Magengegend aus, als er beobachtete, wie Glorfindel versuchte seine Tochter zu beruhigen.
Aníril sah den blonden Elben an und murmelte. „Es ist ja gut, ich werde schon tauschen, wenn ihr es alle verlangt." Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Der Elbenmaid tat es leid, dass sie ein weiteres Mal versucht hatte ihren Kopf durchzusetzen, nicht immer war dies angebracht.
„Es tut mir leid", fügte sie so noch hinzu, diesmal jedoch so leise, dass selbst Arwen und ihre Brüder, welche fast direkt neben ihr saßen, es kaum noch verstanden. Aníril senkte den Blick um keinen der anderen Elben mehr ansehen zu müssen und Arwen seufzte. Manchmal glaubte sie ihre Freundin doch nicht so zu kennen, wie sie angenommen hatte. Die Elbenmaid warf ihren Brüdern einen raschen Blick zu und schüttelte stumm den Kopf.
Doch Elrohir ignorierte das Kopfschütteln und berührte sanft Anírils Hand.
„Mach dir nicht so den Kopf darum, wir kennen dein Temperament. Niemand von uns möchte es verlangen, wir möchten viel eher, dass du uns verstehst."
Erestor lachte in sich hinein und wirkte erleichtert, da ausnahmsweise nicht er seine Tochter herunterkühlen musste. Sein Blick begegnete Glorfindels, dem er dankbar zunickte. Dann lehnte er sich wieder zurück an den Galadhrim und entspannte sich ein wenig.
Glorfindel sah das ganze missbilligend, sagte jedoch nichts. Der blonde Elb erhob sich und nickte Aníril kurz zu. „Es ist gut, wenn du es nun einsiehst", bemerkte er kurz und suchte sich einen neuen Platz für seine Nachtruhe.
Aníril lächelte derweil Elrohir dankbar an und drückte die ihr dargebotene Hand.
„Versucht trotzdem auch einmal mich zu verstehen", sagte sie und grinste verlegen, als Elrohir sie so direkt ansah. „Nun, dann wirst du morgen auf diesem Wildling reiten, wenn ich das richtig deute. Sehe dich vor, es bekommt den Knochen gar nicht gut."
Elrohir grinste sie an und nickte.
„Ich werde das schon schaffen."
In der Zwischenzeit hatten sich alle einen Schlafplatz gesucht und schlummerten nun sanft ein.
all die still mitlesen: wir würden uns sehr über ein review freuen, weil es doch wirklich total wenige sind, die wir bekommen, muss ja nichts besonders langes sein, einfach mal ein kurzes feedback… weil im mom haben wir doch sehr den Eindruck, dass unsere FF, nur von drei Leuten gelesen wird…
die, die reviews schreiben: Vielen lieben Dank, jedes einzelne triebt uns dazu weiterzumachen!!!
