Kapitel 11: Ankunft und Spionage

Der Rest der Reise verlief ereignislos. Die Sonne hatte sich wieder hinter einer Wolkendecke verkrochen, aber wenigstens regnete es nicht, und so konnten sie sicher das Gebirge überqueren.

Was jedoch ihre Stimmung stark beeinträchtigte war die Tatsache, dass seit dem Vorfall Erestor und Aníril kein Wort miteinander gewechselt hatten, außer das allernötigste. Seit Erestor völlig beherrscht aus dem Zelt getreten und schweigend in das seine verschwunden war, verhielten die beiden sich so. Haldir und Elladan vermuteten zwar, was dahinter stecken konnte, doch weder Aníril noch ihr Vater gaben auf die Fragen eine Antwort.

Glorfindel war in ein brütendes Schweigen verfallen, etwas schien ihn zu bedrücken, nur ab und an konnte man ihm ein paar Worte entlocken, und auch der Rest der Gruppe war erstaunlich still geworden.

Elrond, der ihnen entgegentrat, um sie zu begrüßen, erstarrte etwas, als er die negative Stimmung wahrnahm, die über der Gruppe lag.

„Seid gegrüßt, ich freue mich, dass ihr wieder hier seid", begrüßte er sie, und schloss als erstes seine Tochter in die Arme.

Aníril hatte ihr Pferd ein wenig abseits der anderen angehalten und war abgestiegen. Das Schweigen zwischen Erestor und ihr machte ihr mehr zu schaffen als die Elbenmaid zugeben wollte. Es bedrückte ihr ganzes Gemüt und sie sehnte sich nach den Gesprächen mit ihrem Vater, den Albernheiten, welche sie manchmal begingen, ja selbst danach, dass er „Kleines" zu ihr sagte. Niemand sonst stand ihr so nahe und nun fühlte Aníril sich einsam, auch wenn sie es nicht wirklich war.

Während Erestors Tochter abseits der Gruppe stand, begrüßten nun auch die Zwillinge ihren Vater freudig, jedoch auch zurückhaltend. Selbst auf ihnen lastete die getrübte Stimmung der letzten Tage. Besonders Elrohir hatte es weh getan, zu sehen wie still die sonst so temperamentvolle Aníril geworden war. Arwen war es ebenfalls aufgefallen, doch hatte sie nicht vermocht ihrer Freundin mehr als ein paar einsilbige Worte zu entlocken.

Selbst Elrond, der soeben seine Söhne umarmt hatte, bemerkte dies mit Erstaunen. Doch solange er nicht wusste, was es mit diesem Verhalten auf sich hatte, würde er schweigen. Dann viel sein Blick auf Haldir, und der Herr des letzten Heimeligen Hauses bog fragend eine Augenbraue nach oben.

„Seid gegrüßt, Haldir ó Lórien. Was ist der Grund für Euer Erscheinen?"

„Seid ebenfalls gegrüßt, hoher Herr. Meine Herrin schickte mich mit einer Botschaft zu Euch", antwortete der stolze Galadhrim und verbeugte sich, die rechte Hand auf dem Herzen.

Erestor und Glorfindel waren derweil abgestiegen, und Erestor stellte sich neben den lórischen Hauptmann, während er kurz und knapp seinen Herrn begrüßte. Dieser runzelte etwas die Stirn und blickte dann zu Glorfindel, der ihn auch nur knapp begrüßte, und dann in Schweigen verfiel.

„Auch wenn ihr alle eine lange Reise hinter euch habt, würde ich zumindest Glorfindel, Erestor und Haldir bitten mich, nachdem ihr euch ein wenig ausgeruht habt, in meinem Zimmer aufzusuchen. Erestor, kümmere dich um angemessene Zimmer für unsere Gäste."

Orophin und Rúmil schüttelten den Kopf, sie hatten schon immer in den Soldatenquartieren übernachtet, und würden es auch diesmal tun.

„Elrond, ich glaube nicht, dass dies nötig sein wird. Orophin und Rúmil quartieren sich immer, wenn sie hier sind, bei den Grenzwachen ein, und Haldir…" Er verstummte und warf einen fragenden Blick auf den Galadhrim, der ihm nur kurz zunickte, was den Herrn von Imladris dazu brachte, den errötenden Berater fragend anzusehen. „… Haldir wird in meinen Räumen schlafen", vervollständigte Erestor den Satz.

Der Herr Imladris bemerkte Erestors Aussagen mit Erstaunen, ebenso Glorfindels Reaktion, der bei den Worten des dunkelhaarigen Elben ein wenig blass wurde, aber sonst gefasst wirkte. Auch hierzu beschloss Elrond vorerst nichts zu sagen.

Seine Tochter Arwen hatte sich mittlerweile wieder Aníril zugewandt und eilte auf ihre Freundin zu.

„Nun sind wir in Imladris, Aníril. Willst du weiterhin nichts sagen und stumm bleiben wie ein Fisch?", fragte die Elbenmaid und erhielt wiederum keine Antwort. Aníril presste nur die Lippen aufeinander und senkte den Kopf. Viel schoss Erestors Tochter durch den Kopf, nur immer noch keine Antwort, wie sie sich nun verhalten sollte.

„Ich muss zu Emlin", stieß sie schließlich hastig hervor und stürzte an der erstaunten Arwen vorbei, ihr Reittier mit sich ziehend. Auch Elronds Söhne, die mit ihrem Vater gesprochen hatten, blickten ihr verdutzt nach. Zwar hatten sie Anírils schlechte Stimmung schon auf der Reise verspürt, doch in diesem Moment schien sie den Tiefstpunkt erreicht zu haben.

Elladan beeilte sich ihr hinterher zu eilen, da Elrohir, noch zu erschrocken um zu reagieren, ihr nur hinterher starrte.

„Aníril, warte", rief er hinterher, und hielt sie sanft am Handgelenk.

Aníril drehte sich in einer schnellen Bewegung um und sah überrascht zu Elladan.

„Was ist?", fragte sie ungewollt heftig. Eigentlich hatte die Elbenmaid allein sein wollen.

„Ich wollte ein wenig mit dir sprechen. Ich sehe doch, wie dich die Situation mit deinem Vater quält. Außerdem gibt es einige Dinge, die mir auf dem Herzen liegen", antwortete der ältere Zwilling, und blickte sie hoffnungsvoll an. Er hatte fest vor, die ersten Schritte für seinen Bruder zu tun.

„Mit mir sprechen?", erwiderte Aníril ungläubig und mit einem bitteren Unterton in der Stimme. „In den letzten Tagen wollte keiner mit mir sprechen, nicht einmal mein Vater. Aber wenn du es möchtest... Nur... ich war gerade auf dem Weg zu Emlin... sie..." Die Elbenmaid sprach nicht weiter, da sie spürte, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten.

Tröstend legte Elladan seinen Arm um ihre Schultern, und drückte sie an sich. Er wünschte sich Elrohir wäre jetzt an seiner Stelle, er kam einfach besser mit solchen Situationen zurecht.

„Dann schauen wir doch einmal nach Emlin und dem Fohlen. Es wird sich sicherlich freuen dich kennen zu lernen", flüsterte er ihr zu, und führte sie zu den Koppeln, auf denen die Fohlen und ihre Mütter grasten.

Es war ein schöner und ruhiger Anblick, wie friedlich die Tiere nebeneinander standen. Ab und zu sah eins der Pferde kurz hoch und blickte zu den beiden Elben, die dort am Zaun standen, nur um kurz danach weiterzugrasen. Die Fohlen tobten derweil ausgelassen und im wilden Spiel um die erwachsenen Stuten herum. Es entlockte Aníril ein leises Lachen.

„Danke", fügte sie dann leise hinzu, doch sah sie Elladan nicht an.

Elladan schüttelte lachend den Kopf. „Danke nicht mir, sondern Elrohir, er stand stundenlang an Emlins Seite um dem kleinen Wildfang auf die Welt zu helfen. Hast du dich für einen Namen entschieden? Dein Vater hat darauf bestanden, dass dies keiner tun dürfte, außer dir."

„Mein Vater schlug Gil-naur vor", erwiderte Aníril einsilbig und biss sich auf die Lippe. Sie hatte Erestor nicht erwähnen wollen, doch es war wie selbstverständlich über ihre Lippen gekommen und es gab ihr einen Stich ins Herz. Schnell wandte sie sich ab und lehnte sich tief durchatmend gegen den Koppelzaun.

Es zerrte an Elladans Herz sie so zu sehen, auch wenn er zu ihr nicht so stand wie sein Bruder, so war sie ihm doch sehr lieb und teuer. Zärtlich umarmte er sie.

„Lass dir das Herz nicht so schwer werden, dein Vater liebt dich doch. Er ist nur einfach nicht er selbst. Wenn er seine Differenzen geklärt hat, ist wieder alles beim alten. Darf ich dir eine indiskrete Frage stellen?", flüsterte er an ihrem Ohr.

Gegen ihren Willen musste Aníril ein weiteres Mal lachen. „Indiskret, Elladan? Manchmal frage ich mich fast welche Fragen bei dir wirklich diskret sind?" Auf das Gesicht der Elbenmaid hatte sich wieder ein trauriges, aber dennoch verschmitztes Lächeln geschlichen, als sie sich sanft aber bestimmt aus der Umarmung des dunkelhaarigen Elben befreite.

Dieser ließ auf ihren Kommentar hin den Kopf hängen.

„Bin ich wirklich so schlimm?", fragte er hoffnungslos und seufzte theatralisch auf.

Aníril schlug sich die Hand vor den Mund um nicht schon wieder loszulachen. Ein leises Prusten drang nach draußen und Elladan konnte sehen, wie ihre Schultern zuckten und sich Lachfältchen um die noch feucht schimmernden Augen bildeten.

„Ja, das bist du in der Tat", erwiderte die Elbenmaid, als sie schließlich wieder gefahrlos sprechen konnte.

Elladan stimmte in ihr Lachen mit ein, es tat gut sie endlich wieder so zu sehen. In diesem Moment kam das Fohlen herangetrabt und beschnuffelte neugierig die beiden albernen Elben. Aníril schenkte es einen sehr nassen Kuss.

Ein wenig erschrocken sprang die Elbenmaid zurück, bevor sie wieder zu lachen begann.

„Ich glaube, in den letzten Tagen habe ich zu wenig gesprochen und nun muss ich nur noch lachen", sagte Aníril und kraulte dem Fohlen, welches überhaupt nicht scheu war, den Hals.

„Nur sag, Elladan, was wolltest du mich eigentlich fragen?"

Schlagartig war Aníril wieder ruhig geworden. Ihr Lachen war verstummt.

Elladan grinste sie an und überlegt, wie er seine Frage formulieren könnte.

„Es ist mir aus sicherer Quelle zugetragen worden, dass es jemanden gibt, der dir sein Herz geschenkt hat. Auch wenn er nicht wollte, dass ich dies an dich herantrage, so möchte ich ihm doch helfen, sofern ich dies kann", brachte er endlich hervor und beobachtete Aníril gespannt.

Der Elbenmaid war es, als wäre ihr Herz in dem Moment, als Elladan diese Worte ausgesprochen hatte, stehen geblieben. Ihre Gedanken rasten durcheinander und sie sah den Elben fassungslos an.

„Was sagst du da?", flüsterte sie dann kaum hörbar. „Aber... aber ich .... ich hab doch keine Ahnung... wer?"

Ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus.

„Es tut mir leid, dass ich dir nichts über die Identität des Elben sagen kann, denn er möchte unter keinen Umständen deine Freundschaft verlieren. Ich würde einfach gerne wissen, ob dein Herz bereits vergeben ist, oder nicht", erklärte der Zwilling ernsthaft.

Aníril sah den Sohn Elronds überrascht an, dann schlug sie jedoch die Augen nieder.

„Es gibt bereits jemandem, dem mein Herz gehört", erwiderte sie dann leise und sah wieder auf. „Doch ich weiß nicht, ob dies auf Gegenseitigkeit beruht."

Elladan wurde ganz unruhig vor Nervosität, er wünschte sich sehr, dass dieser besagte Elb sein Bruder war. Er würde sehr viel dafür geben.

„Vielleicht würdest du mir den Namen des Glücklichen mitteilen, denn dann könnte ich meinem Freund alle Hoffnung rauben, oder ihn darin bestärken, doch einen Annäherungsversuch zu starten", fragte er sie, und blickte sie mit dem besten Hundeblick an, den er zustande brachte.

Aníril musste bei dem Anblick, den Elladans Gesicht bot, erneut lachen. „Elladan, wie soll man ernst sein, wenn du einen solchen Gesichtsausdruck hervorbringst? Ich glaube, du solltest das lieber den Hunden überlassen, die können das besser", kicherte die Elbenmaid in ihren Handrücken, bevor sie die Hand wieder sinken ließ.

„Nein, Elladan... ich kann es dann nicht sagen. Nicht einmal mein Vater oder Arwen weiß es und ich weiß auch nicht, warum ich es dir gerade erzählte", fuhr sie dann ernster fort und wandte den Blick ab. „Vielleicht vergisst du es einfach", fügte sie noch traurig hinzu.

Es ärgerte ihn ein wenig, dass er es ihr so schwer machte, aber er brauchte Gewissheit.

„Gut, dann behalte den Namen für dich, aber sag, warum fürchtest du dich davor, ihn nicht einfach direkt zu fragen?"                                                                             

„Warum ich es fürchte, Elladan?", fragte Aníril und seufzte leise. „Weil derjenige ein Freund ist und ich nicht glaube, dass er so empfindet wie ich", brachte sie dann langsam hervor. „Ich möchte nicht zurückgewiesen werden, versteh das doch."

Seine Sicherheit verstärkte sich, aber noch brauchte er den letzen Beweis, doch was konnte er sie schon fragen? Wie konnte er die Information aus ihr herauslocken, ohne seinen Bruder zu verraten, oder sie auch nur misstrauisch zu machen? Unruhig strich er sich eine Strähne hinter sein Ohr.

„Natürlich verstehe ich dies, wie gesagt mein Freund sagte das Gleiche. Aber wenn du es nicht riskierst, hast du gar keine Chance. Vielleicht ist die Anziehung ja gegenseitig. Oder hätte gar jemand etwas gegen eine solche Verbindung?", fragte er sie nun mit großen Augen, ganz so, als wäre er plötzlich auf diese Idee gekommen.

„Dagegen? Jemand sollte dagegen sein? Elladan, da könnte niemand dagegen sein, aber ich habe dir doch gesagt, ich könnte es einfach nicht ertragen zurück gewiesen zu werden. Mir ist die Freundschaft zu wichtig, als dass ich sie aufs Spiel setzen wollte", erwiderte Aníril und blickte ihn dann flehentlich an.

„Freundschaft also…", begann er, brach ab und lachte dann laut drauf los. „Aber eine Frage würdest du mir doch bitte beantworten. Wie lange, und wodurch?"

„Ich weiß nicht wie lange, Elladan", erwiderte Aníril. „Doch es wurde mir erst bewusst, als ich ihn in einer schweren Stunde tröstete."

Da war der Beweis, den er brauchte. Ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, und er beschloss noch an diesem Abend mit Erestor zu sprechen. Er wollte schon zum Sprechen ansetzen, als Emlin am Rande der Weide auftauchte, Aníril erspähte und laut wiehernd auf sie zugetrabt kam. Sie war wohl im Wald unterwegs gewesen, der auch umzäunt war, damit die Pferde genug Auslauf bekamen. Rasch entschuldigte sich der Elbenherr, und machte sich zurück auf den Weg zu den Gemächern, die er sich mit seinem Bruder teilte.

Ungesehen schlüpfte er durch das gemeinsame Wohnzimmer auf seine Seite und in sein Bad.

Einige Zeit später verließ der dunkelhaarige Elb wieder die Baderäume. Er hatte gebadet, saubere Kleidung angezogen und sein Haar neu geordnet. Nun machte er sich auf die Suche nach Erestor. Auch wenn der Elb zur Zeit nicht gut auf seine Tochter zu sprechen war, so würde er Elladan hoffentlich bei seinem Vorhaben unterstützen.

Gut gelaunt erreichte der Sohn Elronds schließlich die Tür zu Erestors Gemach, in dem er den Elben vermutete. Elladan hob die Hand und klopfte an.

Müde betrachtete Erestor Haldir, der gerade gut gelaunt aus dem Bad trat. Lange hatten sie mit Elrond gesprochen wegen der Botschaft und möglicher Konsequenzen. Doch jetzt waren sie beide in Erestors Gemächern, gebadet und etwas entspannt.

„Ich habe etwas zu essen bringen lassen", erklärte der Berater, und deutete auf eine kleine Platte mit kaltem Braten und eine weitere mit den verschiedensten Früchten. Immer noch nur in ein Handtuch gekleidet nahm der Galadhrim auf den Kissen platz, neben denen der Tisch mit den Speisen stand, und bediente sich, während er zusah, wie ein leicht bekleideter Erestor ich zu ihm setze und auch etwas aß.

„Wann wirst du es ihm sagen?", fragt der Blonde und legte zärtlich eine Hand auf Erestors Wange. Dieser schmiegte sich in die Berührung und ließ die Schultern nach unten sacken.

„Es war wohl keine so gute Idee, ich habe ihn sehr verletzt. Aber ich denke, ich werde morgen versuchen alles zu klären", seufzte der dunkelhaarige Ratgeber, als es klopfte.

Ein müdes „Herein", rief er und wartete.

Draußen auf dem Flur vernahm Elladan das Herein und öffnete schwungvoll die Tür. Das, was er sah, ließ ihn für kurze Zeit seine elbischen Gesichtszüge entgleisen, da er zwar damit gerechnet hatte, neben Erestor auch Haldir vorzufinden, aber nicht damit dass dieser halbnackt wäre. Doch dann erinnerte sich Elladan daran, dass er selbst soeben erst gebadet hatte und er setzte wieder eine halbwegs würdevolle Miene auf und schloss die Tür leise hinter sich, bevor er die beiden anwesenden Elben begrüßte. Dann wandte er sich an Erestor.

„Verzeih, aber ich würde gerne mit dir sprechen, wenn dies möglich ist."

Haldir sah den Sohn Elronds kurz an, blickte schließlich zu Erestor und sah die stumme Bitte in seinen Augen.

„Nun, dann werde ich euch alleine lassen", sagte er lächelnd und verschwand ein weiteres Mal im Bad um schließlich fertig angekleidet hinaus zu treten. Kurz verabschiedete er sich und verließ anschließend das Gemach Erestors.

Als Haldir gegangen war, machte Erestor es sich bequem auf den Kissen, und bot Elladan an sich zu ihm zu setzen. Sein Magen knurrte deutlich vernehmbar, und mit einem leichten Hauch von rot auf den Wagen aß er einige Scheiben des kalten Bratens, bis er endlich Elladan ansprach.

„Was möchtest du mit mir besprechen, Elladan, dass du meinen engsten Freund aus dem Zimmer jagst?", fragte der Noldo mit einem belustigen Unterton.

Elladan stutzte kurz, als Erestor Haldir als seinen engsten Freund bezeichnete, beschloss jedoch nicht zu fragen.

„Nun, eigentlich wollte ich mit dir über Aníril reden. Nein, sage nichts, ich weiß, dass ihr zur Zeit nicht miteinander redet und es mich nichts angeht, warum dies so ist. Trotzdem habe ich eben mit ihr geredet und etwas Interessantes herausgefunden." In den Augen des dunkelhaarigen Elben blitzte es kurz auf.

Der dunkelhaarige Berater überlegte kurz, wie er antworten sollte.

„Elladan, ich bin nicht wirklich wütend auf meine Tochter, aber es wurde mir einfach zuviel. Dennoch würde ich alles tun, damit sie glücklich ist, und das weißt du. Erzähle, was du herausgefunden hast", forderte er den jüngeren Elben auf.

„Nun", begann Elladan und ein leichtes Grinsen schlich sich auf seine Züge. „Ich erzählte ihr von jemandem, der sein Herz an sie verschenkt hatte. Aníril war zunächst recht geschockt, auch als ich sie meinerseits fragte, ob sie ihr Herz ebenfalls verschenkt hätte. Sie sagte mir, dass es jemanden gäbe, doch wollte sie mir nicht verraten wen. Allerdings sprach sie davon, dass sie es seit dem Moment wusste, als sie diesen jemand in einer schweren Stunde trösten musste, und ich weiß, dass Elrohir in dem Moment sein Herz verlor, als Aníril ihn in den Armen hielt, nachdem wir mit unserer befreiten Mutter zurückkehrten. Erestor, das ist der Beweis, dass sie ebenso empfindet wie mein Bruder, nur will sie es ihm nicht sagen, weil sie fürchtet seine Freundschaft zu verlieren."

Erestor blickte er ungläubig auf den Zwilling, dessen Haar wie Ebenholz glänzte, und brach dann in Gelächter aus. Er musste sich erst einige Tränen aus den Augen wischen, bevor er, kurze Zeit später, zu sprechen begann.

„Du sagtest mir also gerade, dass die beiden sich schon seit ein paar Jahrhunderten lieben, aber keiner von beiden den Mut fand, es zu sagen? Daran müssen wir dringend etwas ändern", entschied der ältere Elb.

„Das war genau das, was ich dachte. Ich glaube nicht, dass Aníril ahnt, dass ich weiß, wem ihr Herz gehört. Nun sollten wir es schaffen, meinen Bruder dazu zu bringen, endlich einen Schritt auf sie zuzugehen", erwiderte Elladan lachend.

Erestor konnte dem nur zustimmen, und ein Plan begann in seinem Kopf Gestalt anzunehmen.

„Oh ja, dass sollten wir, und ich glaube, ich habe schon eine Idee, wie wir das bewerkstelligen können", erklärte er und seine Augen funkelten.        

Elladan sah das Funkeln und schmunzelte in sich hinein. Da kannten sich Aníril und Elrohir schon solange und brachten es nicht fertig einander ihre Liebe zu gestehen. So würden dann wohl er, Elrohirs Bruder, und Erestor das in die Hand nehmen.

„Sag, was planst du?", fragte Elladan den Vater Anírils.

Erestor blickte lange schweigend auf den Sohn seines Herrn.

„Überlass dies einfach mir, Elladan. Vertrau mir, ich werde einfach mit Elrohir reden, und ihn überzeugen einen Schritt zu tun. Du wirst dann nur Aníril darin bestätigen müssen, auf diesen Schritt einzugehen", erklärte er dem anderen und erhob sich dann mit den Worten, dass er Haldir suchen gehen würde, was für den Halbelben bedeutete, nun auch zu gehen.

all: danke für die lieben reviews, die bauen auf… und helfen über jede Schreibblockade ‚zwinkert zu Val'

joshua: danke für das Kompliment, wir geben uns wirklich mühe...

uial: jetzt sind sie angekommen ‚gg', oki so?

amrun: das mit Erestor wird in drei oder vier Kapiteln geklärt werden ‚eg'  erstmal geht es wieder ein wenig um Aní und Elrohir ;)

narwain: wir kommen dann auf dich zurück ;) aber über haben wir wesentlich mehr reviews als über Fanfiktion.de ‚schnüff' (da streiken wir auch wenn keine kommen), gefällt dir das Kap? Auch Anís Gefühlswelt? Wir versuchen ja allen Wünschen gerecht zu werden ‚gggg', seither geht's übrigens wieder langsamer mit den Kaps, weil ich Klausuren schreibe… und dann ist Val auch demnächst im Urlaub… zum Glück haben wir 12 Kapitel Vorsprung vor euch ;)