A/N: falls es euch interessiert, Valinja und ich haben mit einer Sidestory zu dieser hier begonnen. Sie heißt ‚Fallende Engel' und spielt ca 500 – 800 im dritten Zeitalter, also lange vor Ddwl. Diesmal ist der Hauptcharakter Legolas, aber auch Erestor ist wieder mit von der Partie. Die ersten drei Teile sind schon veröffentlicht ;)
Kapitel 12: Das Spiel beginnt
Erestor wachte früh auf, und blickte etwas verwirrt auf den schlafenden Galadhrim, der neben ihm lag. Es war immer wieder etwas überraschend neben seinem Freund zu erwachen, und zu sehen, dass dieser schon eine Weile wach war. Doch nicht so an diesem Morgen. Erestor überlegte ob es wohl daran lag, dass der Hauptmann nicht wachsam sein musste. Eine eingehende Musterung der Züge bestätigte seine Vermutung, da der Galadhrim viel entspannter aussah, als sonst.
Doch er hatte anderes zu tun, als hier herum zu liegen. So quälte Erestor sich aus dem Bett, ging ins Bad und machte sich bereit für den neuen Tag.
Er ging davon aus, dass Elrohir schon wach war, und wie jeden Morgen auf den Übungsplätzen mit seinem Bruder trainierte. Und als er sich näherte, hörte er schon von weitem das Klirren der Schwerter. Die Söhne Elronds kämpften wieder einmal mit den lórischen Zwillingen, während Glorfindel daneben stand und Anweisungen gab. Als er jedoch Erestor kommen sah, gebot er ihnen inne zu halten.
„Guten Morgen, Erestor, was können wir für dich tun zu so früher Stunde?"
„Ich wollte Elrohir bitten, dass er mir hilft, die Berichte durchzugehen, die sich während unserer Abwesenheit angehäuft haben", erklärte der Noldo und blickte den Zwilling auffordernd an.
Elrohir ließ ein leises Stöhnen hören. Zwar war der Zwilling Elladans gewohnt zu solchen Arbeiten hinzugezogen zu werden, nur hatte es ihm an diesem Morgen mehr als gut getan zu kämpfen und Klarheit in seine wirren Gedanken zu bringen.
Ergeben nickte der dunkelhaarige Elb und wandte sich an seinen Bruder.
„Dann werdet ihr wohl ohne mich weiterkämpfen müssen. Obwohl ich kaum glaube, dass ihr meine Abwesenheit bemerken würdet", scherzte er mit einem Lächeln. Dann ging er hinüber zu Erestor, welcher wartend unter einem Baum stand und ebenfalls lächelte.
Elrohir stutzte kurz, konnte er doch nicht daraus lesen, was der Elb vorhatte, denn es schien dem Sohn Elronds seltsamerweise nicht so, als würde Erestor ihn wirklich zum Durchgehen der Berichte brauchen.
Kurz warf Elrohir noch einen Blick über seine Schulter, hinüber zu seinem Bruder und den Galadhrimzwillingen, die bereits wieder am kämpfen waren, dann folgte er Erestor.
Erestor führte den jungen Elben in sein Arbeitszimmer und schob ihm dort einen Stapel der Berichte zu, während er selbst sich mit einem anderen beschäftigte.
„Es tut mir leid, dich diesen Morgen stören zu müssen, aber wie du siehst ist in unserer Abwesenheit einiges zusammengekommen, und da ich mich nun auch noch um die Feierlichkeiten für Lindir kümmern muss, möchte ich, dass du dich mit den Planungen zur Ausbesserung der Sicherheit der Nordbrücke beschäftigst. Glorfindel hat die Vorschläge zusammengefasst und vorgelegt", erklärte der Noldo, und begann selbst mit seiner Arbeit.
Elrohir ließ sich seufzend auf einen Stuhl fallen und zog die ersten Vorschläge zu sich heran. Soviel also zu seiner Vermutung Erestor hätte etwas anderes mit ihm vorgehabt. Ruhe senkte sich nun über die beiden arbeitenden Elben, ab und zu unterbrochen von Papiergeraschel und leisen gemurmelten Worten. Elrohir hatte sich über die Unterlagen gebeugt und so entgingen ihm die Blicke, welche Erestor ihm hin und wieder zuwarf.
Sie arbeiteten ununterbrochen bis um die Mittagszeit. Erestor stand auf, streckte sich und erteilte einem Diener die Anweisung ihnen etwas zum Essen zu bringen.
„Komm Elrohir, machen wir eine Pause, essen etwas und unterhalten uns eine Weile."
Elrohir streckte ebenfalls seine Arme und blinzelte kurz.
„Eine gute Idee, die Pause werde ich brauchen", sagte er und unterdrückte ein herzhaftes Gähnen. Kurz stand der Elb von seinem Stuhl auf, lockerte die Beine und ging um den Tisch herum zu Erestor.
Sie brauchten nicht lange zu warten, und ein Diener rollte einen Wagen mit heißer Suppe, frischem Brot und geschnittenem Obst herein, verbeugte sich kurz und zog sich wieder zurück. Erestor gab Elrohir eine Schüssel und goss sich selbst etwas von der Gemüsebrühe. Kurze Zeit später saßen sie auf den Sesseln, welche am Kamin standen, und man hörte nur das Klappern ihrer Löffel auf dem Porzellan. Später, als Erestor gerade etwas von dem Obst aß, beschloss er Elrohir anzusprechen.
„Elrohir, es gibt etwas, dass ich mit dir besprechen möchte", begann er ruhig.
Elrohir, der sich gerade eine Melonenscheibe gegriffen hatte, sah ihn bei diesen ernsten Worten verwundert an. Kurz schluckte er seinen letzten Bissen hinunter bevor er antwortete.
„Worüber willst du mit mir reden, Erestor?", fragte er ein wenig verwirrt, aber vollkommen ahnungslos. „Ist etwas passiert, dass du so ernst bist?" Verwundert blickte der jüngere Elb den ältern an.
„So könnte man es nennen", antwortete der Berater grinsend, während er sich selbst über die Erdbeeren hermachte. „Es sind mir einige recht interessante Neuigkeiten zu Ohren gekommen, die vielleicht auch dich interessieren könnten. Bisher habe ich es nicht für nötig gehalten etwas zu sagen, aber dies hat sich nun geändert. Ich weiß, wie du zu meiner Tochter stehst." Erwartungsvoll blickte er zu dem jungen Elben.
Elrohir verschluckte sich beinahe an dem Bissen Melone und prustete erschrocken in die vorgehaltene Hand. Fassungslos sah er zu Erestor, der völlig ruhig und gelassen ihm gegenüber saß und seine Reaktion beobachtete.
„Woher?", stieß der Sohn Elronds verwundert hervor. Wer konnte es ihm gesagt haben? Elladan? Sein Bruder war der einzige, dem er sich anvertraut hatte, nur er konnte es Erestor erzählt haben.
Erestor lächelte bei dem entsetzen Ausdruck auf Elrohirs Gesicht.
„Keine Sorge, dein Bruder hat dich nicht verraten, du warst es selbst sehr offensichtlich, zumindest für die Augen eines Vaters. An deiner Stelle würde ich auch davon ausgehen, dass Elrond weiß, an wem du Interesse hast. Glaub mir, wir Väter riechen so etwas", erklärte er immer noch lächelnd.
Elrohir fand die Vorstellung, dass sein Vater wusste, wen er schon seit so langer Zeit begehrte zwar nicht unbedingt schön, doch interessiert ihn in diesem Augenblick mehr, was Erestor nun von ihm wollte.
„Und worüber möchtest du nun mit mir sprechen?", fragte der jüngere Elb. „Betrifft es Aníril?"
„Natürlich betrifft es sie", antwortete Erestor. „Wie du sicherlich weißt ist es an sich nicht meine Art mich in die Angelegenheiten meiner Tochter einzumischen. Aber ich kann es einfach nicht sehen, wenn zwei Elben, die meiner Meinung nach perfekt zueinander passen würden, Jahrhunderte vor einander verheimlichen, wie sie zueinander stehen. Außerdem wärst du mir als Schwiegersohn sicherlich sehr sympathisch, und Elrond und ich hätten etwas, über dass wir uns stundenlang streiten können. Deswegen habe ich beschlossen dir zu helfen."
Elrohir gab es auf seine Melone verspeisen zu wollen, da ihm bereits wieder ein Bissen fast im Halse stecken geblieben war.
„Mir zu helfen?", fragte er ein wenig ungläubig. „Erestor, warum willst du mir helfen? Vielleicht findest du ja, dass Aníril und ich zueinander passen würden, aber ich glaube kaum, dass sie so empfindet wie ich. Da nützt mir keine Hilfe."
Der Elb sah bei seinen Worten ein wenig traurig aus dem Fenster und bemerkte so Erestors Schmunzeln nicht.
„Elrohir, das ist doch nicht dein Ernst? Was würdest du sagen, wenn ich dir erzähle, dass ich auch zuverlässiger Quelle weiß, dass Aníril in etwa das Gleiche denkt wie du? Sie hat Angst die Freundschaft aufs Spiel zu setzen, und auch Angst vor einer Zurückweisung. Aber selbst wenn du mir dies nicht glaubst, wüsste ich einen Weg, wie du es ganz unverfänglich herausfinden könntest", bot Erestor dem Halbelben an.
Elrohir hörte den Worten des Älteren zu. Ein wenig Misstrauen machte sich in seinem Verstand breit, doch das, was er soeben gehört hatte, erstaunte ihn ebenfalls. Aníril sollte das gleiche denken wie er? Aber warum hatte er das dann nicht bemerkt? Zwar war der Elb noch unsicher, trotzdem beschloss er Erestors Hilfe anzunehmen.
„Also gut", erklärte Elrohir. „Ich nehme dein Angebot an. Nur sag mir jetzt, wie du mir helfen willst."
Erestor jubelte innerlich, er hatte nicht gehofft, dass er den jungen Elben so schnell würde überzeugen können. Seine Tochter hatte keine Chance mehr, sich gegen ihr Glück zu wehren.
„Ich habe mir überlegt, dass du sie zum Essen einladen wirst. Sie mag solche Dinge, und zwar unter dem Deckmantel, mit ihr feiern zu wollen, dass das Fohlen geboren wurde. Dem wird sie sicherlich zustimmen. Dann wirst du mit ihr in deinen Räume speisen. Elladan wird sicherlich nicht anwesend sein, wenn du ihn einweihst. Und vergiss die Kerzen und die Rose nicht. Das sollte ihr den nötigen Mut geben, besonders wenn du ihr einfach einmal ein Kompliment machst, ohne dabei sarkastisch zu wirken. Ich habe sie lange genug beobachtet, um zu wissen, dass sie damit nicht gut umgehen kann. In dieser Hinsicht ist sie mir doch sehr ähnlich.", erklärte der dunkelhaariger Berater.
„Sie zum Essen einladen?", fragte Elrohir noch ein wenig skeptisch zurück. „Sicherlich ist sie froh darüber, dass es Emlin und dem Fohlen gut geht, doch wird sie auch kommen, wenn ich das mit ihr feiern möchte?"
Der Elb verzog kurz sein Gesicht, jedoch musste er in seinem Inneren zustimmen, dass es wohl sonst keine Möglichkeit gäbe, mehr darüber herauszufinden, wie Aníril zu ihm stand. Denn wirklich Glauben schenken konnte er Erestor noch nicht. Er musste es selbst hören oder auch spüren. Elrohir seufzte kurz.
„Nun gut, ich werde sie einladen, doch wann?"
Auch darüber hatte Erestor schon nachgedacht, und einen Plan vorbereitet.
„Du wirst sie jetzt einladen, für heute Abend. So wie ich sie kenne, wird sie gerade bei den Pferden sein, oder bei den Heilern. Überlass Elladan und mir die Arbeit, dein Gemach herzurichten. Vertrau uns, wir werden schon wissen, was wir tun", erklärte er, und lächelte dem Zwilling aufmunternd zu.
Elrohir verzog ein wenig sein Gesicht, wusste er doch was er davon halten konnte, wenn sein Bruder seine Finger im Spiel hatte. Aber diesmal würde er dieses Risiko eingehen müssen und immerhin würde ja auch Erestor helfen. Ein wenig mulmig war dem Elben zwar immer noch, dennoch nickte er nun.
„Dann... dann sollte ich Aníril vielleicht aufsuchen", sagte er zögernd, bevor er stutzte. „Aber was wird dann aus der Arbeit?"
Ein schelmisches Funkeln erklomm in Erestors Augen.
„Was denkst du denn, warum ich dich mit hierher genommen habe. In etwa einer Stunde bin ich mit allem fertig, und danach treffe ich mich mit Elladan."
Elrohir schluckte leicht, als er das Funkeln in Erestors Augen bemerkte, doch er wusste nun, dass es keinen Rückzieher mehr gab. Allerdings wollte er jetzt auch kaum glauben, dass sein Bruder Erestor nichts verraten hatte. Leise seufzte er und verabschiedete sich von Anírils Vater um sich auf die Suche nach dessen Tochter zu machen.
Erestor beeilte sich mit seinen Aufgaben, und bat einen der Dienstboten Elladan die Nachricht zu überbringen, dass er ihn in etwa einer Stunde treffen wollte.
Elrohir fühlte eine leichte Übelkeit, als er sich den Ställen näherte, besonders, da er Aníril schon von weitem erkannte. Etwas unsicher ging er auf sie zu, noch hatte sie ihn nicht bemerkt.
„Sei gegrüßt, ich freue mich dich hier zu sehen", rief er ihr zu, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen, während seine Knie leicht zitterten.
Aníril war gerade damit beschäftigt gewesen ihre Stute Emlin zu putzen, welche draußen in der Sonne stand und die Prozedur wohlig über sich ergehen ließ. Die Stute stand da mit gesenktem Kopf, halb geschlossenen Augen und entlastete ein Hinterbein, während die Elbenmaid ihr immer wieder mit einem Striegel über das Fell fuhr. Das Fohlen, das seine Mutter nicht verlassen würde, trappelte derweil munter um die beiden herum und ließ es sich nicht nehmen Aníril zu zwicken.
Als Aníril daraufhin dem vorwitzigen Fohlen einen sanften Klaps auf das Hinterteil gab, um es zu vertreiben, vernahm sie Elrohirs Stimme. Erstaunt, dass der Elb hierher kam, drehte sie sich um.
„Sei gegrüßt, Elrohir. Was führt dich hierher?", fragte sie immer noch verwundert.
In diesem Momente dankte Elrohir innerlich seinem Vater und Erestor dafür, dass sie darauf bestanden hatten ihn in den Künsten der Diplomatie zu unterweisen, sonst hätte er keinen Ton herausgebracht.
„Ich wollte nach dem Kleinen schauen, und außerdem habe ich noch eine Frage an dich. Aber das kann warten. Sag, was denkst du über den kleinen Wirbelwind?", fragte er sie, mit nur einem Hauch von Röte im Gesicht.
„Er ist frech", erklärte Aníril und fragte sich, warum der Elb plötzlich zartrosa anlief. Doch sie überging die Tatsache und wandte sich wieder Emlin zu.
„Er ist viel zu frech, ständig zwickt er, manchmal steigt er sogar vor mir", fuhr sie fort, während sie in kräftigen Strichen immer wieder über Emlins Fell fuhr. Gil-naur unterdessen näherte sich neugierig und mit vorgestreckter Nase Elrohir.
Lachend hielt Elrohir dem Fohlen die Hand hin, das sie einmal beschnuffelte, und dann daran zu knabbern begann, aber zärtlich, ohne dem Elben wehzutun.
„Du frecher Kerl, meine Hand ist nicht zum Zerkauen gedacht", lachte er und zerwuschelte die Mähne, woraufhin der Fohlen beleidigt den Kopf zurück warf.
„Elrohir, du solltest ihn nicht zu sehr ermutigen oder ich werde es schwer haben ihm Manieren beizubringen", erklärte Aníril in diesem Moment gespielt ernst und drehte sich zu dem Elben und dem Fohlen um. Gil-naur schien zu ahnen, was sie soeben gesagt hatte, denn sogleich verschwand er hinter seiner Mutter und lugte vorsichtig unter ihrem Bauch hindurch.
„Aber nun sag, Elrohir, warum bist du eigentlich hier?", forderte die Elbenmaid schließlich den Sohn Elronds auf etwas zu sagen.
Nun wurde Elrohir doch sehr nervös, sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und er wünschte sich weit fort. Doch er sehnte sich so nach Sicherheit. Entweder die Hoffnung völlig zerschlagen, oder, was er sich wünschte, sie bestätigt zu finden. So holte er tief Luft und blickte starr auf das Fohlen, als er die nächsten Worte sprach.
„Da das Fohlen die Geburt überlebt hat, und Emlin auch, wollte ich dich fragen, ob du dies mit mir feiern möchtest", sprach er und konnte nicht verhindern, dass seine Wangen leicht glühten.
„Feiern?", fragte Aníril ein wenig ungläubig zurück. Sie hatte ja schon vieles erlebt, aber dass jemand mit ihr ein solches Ereignis feiern wollte, nein, das war noch nicht darunter gewesen. Obwohl wenn sie so darüber nachdachte, sie konnte froh sein, dass die beiden noch lebten, und Elrohir hatte ihnen schließlich das Leben gerettet.
„Was verstehst du unter feiern?", fragte sie dann ein wenig verschmitzt und registrierte mit leichtem Erstaunen, dass sich die Ohrspitzen des Elben leicht röteten.
Er glaubte, Blitze würden durch seinen Körper zucken, als er Anírils Worte hörte, und er zitterte ein wenig.
„Um ehrlich zu sein, ich wollte dich heute Abend zum Essen einladen", brachte er hervor und errötete erneut.
Aníril stutze kurz, hatte sie doch nicht unbedingt erwartet, dass Elrohir sie zum Essen einladen wollte. Für einen Moment dachte die Elbenmaid über die Einladung nach, wollte sie nun aber nicht mehr ausschlagen.
„Ich werde kommen", sagte sie und lächelte Elrohir an. Danach widmete sie sich Emlins Schweif und begann damit, diesen zu verlesen.
„Allerdings solltest du mir noch sagen wann und wo", fügte sie schließlich lachend hinzu.
Elrohir konnte nicht anders, als über das ganz Gesicht zu strahlen, als er vernahm, wie Aníril seine Einladung annahm.
„Es freut mich, dies zu hören. Ich dachte an heute Abend, bei mir", erklärte er angespannt, da er ihre Reaktion fürchtete.
Aníril sah überrascht von ihrer Arbeit auf und trat ein Stück zur Seite um Elrohir besser ansehen zu können, doch erkannte sie nichts in seinem Gesicht, was sie hätte deuten können.
„Nun, es ist mir recht", erklärte sie und zuckte mit den Schultern. Letztendlich war es schließlich fast egal, wo sie mit Elrohir essen würde. „Ich werde dann heute Abend dort sein."
Sie lächelte ihm ein letztes Mal zu und schob Gil-naur von sich, der sie von hinten angestupst hatte.
Freude breitete sich in ihm aus, und Elrohir konnte es gar nicht erwarten, dass Abend wurde, doch erst einmal wollte er sehen, was Erestor und Elladan vorhatten.
„Dann sehen wir uns heute Abend, ich wünsche dir noch einen schönen Tag", verabschiedete er sich mit einer Verbeugung, und eilte dann in Richtung seiner Räume, während er dachte, sein Herz würde Purzelbäume schlagen.
Eine Weile, bevor Elrohir sich auf den Weg zu seinem Zimmer machte, saß Erestor noch immer in seinem Arbeitszimmer und wurde langsam ungeduldig. Elladan hätte schon längst da sein sollen, doch von dem älteren Zwilling hatte er noch nichts gehört. Er wollte schon wütend aufspringen, und ihn selbst suchen gehen, als es klopfte.
„Herein", rief er, und schaffte es alle Ungeduld aus seiner Stimme zu halten.
Ins Zimmer trat der Zwilling Elrohirs, seine Haare waren ein wenig zerzaust und mit einer Hand versuchte der Elb sie rasch zu glätten. Es schien ganz so als wäre er noch soeben über die Gänge geeilt.
„Verzeih", fing Elladan an, als er Erestors wütenden Gesichtsausdruck sah und beschloss einem Ausbruch des Vaters Anírils vorzubeugen. „Ich weiß, ich bin spät, verzeih, aber ich hatte noch ein..." Elladan räusperte sich kurz. „... eine Besprechung."
Erestor zog amüsiert eine Augenbraue in die Höhe.
„Nun, ich gehe doch recht in der Annahme, dass du wahrlich Zungenfertigkeit bewiesen hast?", fragte er den Zwilling mit einer sehr eindeutigen Gestik seiner eigenen Zunge.
Elladan errötete leicht und murmelte etwas, dass sich wie „Ja, gut möglich..." anhörte. Dann räusperte sich der Elb und sagte mit fester Stimme: „Nun, ich denke wir wollten hier andere Dinge vorbereiten, was ist dein genauer Plan?"
Elegant erhob sich Erestor und glitt zur Tür.
„Ich denke, wir werden Elrohirs Zimmer für heute Abend ein wenig umgestalten. Denn ich konnte ihn überreden meine werte Tochter zum Essen einzuladen", verriet er dem Sohn Elronds mit einem schelmischen Schmunzeln.
Über Elladans Gesicht zog ein leicht amüsiertes Grinsen.
„Bist du dir auch sicher, dass Aníril seine Einladung überhaupt annimmt?", fragte er lachend und dachte an die Elbenmaid, die schon in so manchen Situationen, in denen sie mit seinem Bruder allein gewesen war, plötzlich ganz ruhig geworden war.
Erestor blieb abrupt stehen und sah Elladan tadelnd an.
„Natürlich wird sie annehmen. Wenn du mit deiner These recht hast, noch viel eher. Ich hoffe nur, ich habe Elrohir nicht zuviel Hoffnungen gemacht", erklärte er und ging weiter in Richtung der Gemächer der Zwillinge. Vor der Tür blieb er stehen und wartete darauf, dass Elladan diese öffnete.
„Du meinst, wenn Aníril doch jemand anderen gemeint haben sollte, Erestor? Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Sie hätte mir genauso gut direkt sagen können, dass es Elrohir wäre, aber ich weiß auch so, dass sie von ihm redete", erklärte Elladan, als er neben Erestor zum Stehen kam. Der jüngere Elb öffnete in einer eleganten Bewegung die Türe und gebot mit einer knappen Handbewegungen dem älteren Elben hinein zu treten.
Erestor betrat das Gemach und warf einen kritischen Blick in die Runde. Zwei große Schreibtische dominierten den Raum, und er beschloss, dass Elrohir Aníril wohl besser in seinem Wohnzimmer empfing. Sicheren Schrittes eilte er in dessen Wohnzimmer. Dies war seiner Meinung schon besser geeignet. Schnell klingelte er nach einem der Dienstboten und flüsterte ihm einige Anweisungen zu. Dieser verschwand augenblicklich, um seinen Wünschen zu entsprechen, und Erestor machte sich nun an die Arbeit. Ohne auf Elladan zu achten blickte er sich noch einmal interessiert um. Eine bequeme, helle Sitzgruppe stand vor dem Kamin, einige Regale voller Bücher und kleiner Beutel standen an den Wänden und eine einzelne helle Komode war noch vorhanden. Auf ihr standen zwei silberne Kerzenleuchter, die sich Erestor nun nahm, und auf die Terrasse brachte.
„Elladan, ich denke es wäre sinnvoll, sie draußen speisen zu lassen. Es ist warm genug, und beide lieben es an der frischen Luft zu sein", erklärte er und betrachtete kritisch die schmiedeeisernen Sitzmöbel und den passenden Tisch. „Doch zuerst müssen wir hier noch einiges Vorbereiten, der Dienstbote wird gleich alles Nötige bringen."
„Du magst Recht haben", stimmte Elladan zu, während er sich umsah. Wenn der Abend dämmerte, war es oft besonders schön in Imladris, zu mal die Sterne des Firmaments ihr sanftes Licht auf das Tal der Elben hinab scheinen ließen. Es wäre das perfekte Szenario für das, was sie planten.
Erestor lächelte nur, und schon betrat der Dienstbote wieder den Raum und zog einen Wagen hinter sich her. Darauf waren einige weiße Decken gestapelt, und auch andersfarbige und noch so allerlei anderes.
Nicht viel später erstrahlte auf der Terrasse ein gedeckter Tisch, mit weißem Tischtuch und einem weiteren, mit grüngolden bestickten Rändern verzierten, kleineren. Darauf standen zwei Gedecke aus weißem Porzellan, auch mit den grüngoldenen Ranken bemalt, wie das Tischtuch bestickt. Hinzu kamen einfache Kristallgläser, die in der Sonne funkelten. Ein kurzer Blick zur Sonne zeigte, dass diese schon begann unter zu gehen, und sich auch schon leicht rötlich verfärbte.
„So, nun fehlt nur noch die letzten Kleinigkeiten", sprach Erestor und stellte die beiden Kandelaber auf den Tisch, mit schlanken weißen Kerzen, und legte auf einen Teller eine rote langstielige Rose, deren Dornen er vorher entfernt hatte. „Und Elladan, was sagst du?", fragte er den älteren Zwilling, als Elrohir gerade durch die Tür stürmte und die beiden Elben auf der Terrasse erblickte.
Elladan sah auf die Vorbereitungen und nickte, zufrieden mit dem, was Erestor und er vorbereitet hatten - mehr als zufrieden.
„Ich würde sagen, es ist nahezu perfekt", verkündete der Sohn Elronds beinahe feierlich und lachte leise. „Wenn die Beiden hier nicht endlich zu einander finden, dann...", der Elb überlegte kurz bevor er weitersprach. „Dann will ich mir die Ohrspitzen abschneiden", fuhr er dann grinsend fort. „Und eigentlich habe ich vor diese zu behalten."
In dem Moment, in dem Elladan diese Worte sprach, hörten sie wie die Terrassentür sich öffnete und drehten sich verwundert herum. Im Türrahmen stand Elrohir, dem beim Anblick ihrer Vorbereitungen einfach der Unterkiefer hinunter geklappt war, und nun mit erstauntem Blick dort stand und sich nicht rührte. Erst nach einer Weile bemerkte der Elb, dass Erestor und sein Bruder ihn die ganze Zeit über amüsiert betrachteten und so räusperte sich Elrohir leicht und erklärte: „Vielen Dank... es sieht wirklich... überwältigend aus."
Ein schiefes Lächeln stand auf seinem Gesicht.
Erestor verbeugte sich, als er die Worte des Dankes vernahm.
„So soll es auch wirken. Noch hast du jedoch einiges an Zeit, bis Aníril hier sein wird. Ich schlage vor, du badest erst einmal gründlich, und schickst zur zweiten Stunde vor Sonnenuntergang nach Nethven, mit ihm kannst du dann absprechen was zu ihr anbieten möchtest. Ein kleiner Rat wäre, dass sie leichten, fruchtigen Weißwein bevorzugt, Geflügel, am liebsten knusprig gebraten, Waldfrüchte mit Sahne am besten in den Kellern gekühlt und frisches Brot am liebsten mag. Elladan und ich werden uns nun zurückziehen, da ich glaube, dass er noch einige Besprechungen von vorhin wieder aufzunehmen gedenkt", erklärte der Berater anzüglich grinsend, schnappte sich den erröteten Elladan und verließ mit ihm den Raum, während Elrohir seinen Ratschlägen folgte.
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Narwain: wieso sagst du nichts zu den 12 Kaps Vorsprung??? Es sind aber immer noch nicht mehr, wegen der Sidestory… und danke für deine Reviews ‚gg', Val und ich könnten dich einfach nur zu Boden knuddeln ;), wir freuen uns jedes Mal total
Amrun: sorry, dass wir noch nicht mit Glorfindel weitermachen, das kommt erst im 15 Kapitel ‚eg', aber ich hoffe, das hier hat dir auch gefallen… im nächsten gibt's dann erstmal das Abendessen zwischen Aníril und Elrohir. Und Danke für dein Review ‚auch dolle freu' ;)
