Kapitel 14: Entdeckungen und Aussprache

Elladan erwachte genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Sonne über Bruchtal aufging. Die ersten sanften Strahlen drangen durch die großen Fenster hinein und erhellten sein Gemach, welches in ein warmes Licht getaucht wurde. Der Elb gähnte herzhaft, während er aus dem Bett stieg, und streckte sich anschließend ausgiebig. Am gestrigen Abend war er lange fort geblieben, hatte in den Gärten und bei den Ställen verweilt, um das Essen seines Bruders mit Aníril auch ja nicht zu stören. Nun war Elladan neugierig darauf, wie der Abend der beiden wohl verlaufen war.

Der dunkelhaarige Elb trat hinaus auf seinen Balkon, der nur unweit entfernt von dem Elrohirs war, auf dem Erestor und er das Essen vorbereitet hatten. Was Elladan sah ließ ihn jedoch erschrecken. Die Kerzen auf den Kerzenständern waren heruntergebrannt, die Teller standen an den jeweiligen Plätzen, ebenso die noch halbgefüllten Gläser. Zudem waren einige der bereitgestellten Speisen scheinbar nicht angerührt worden. Elladans Augen weiteten sich. Der Abend schien wohl doch nicht so gut für seinen Bruder gelaufen zu sein. Hatten die beiden sich nicht verstanden und war Aníril vorzeitig gegangen? Was war passiert? Der Elb beschloss seinen Bruder aufzusuchen und ihn zu fragen. Und so öffnete Elladan schließlich die Tür zu dem gemeinsamen Wohnzimmer.

Erestor eilte durch die noch schwach erhellten Gänge von Imladris. Wie jeden Morgen war er sehr früh aufgestanden, doch diesmal nicht um seinen Pflichten nachzukommen. Diesmal wollte er Elrohir aufsuchen, um herauszufinden was vorgefallen war. Haldir hatte ihn nur ausgelacht, als er ihm davon erzählt hatte, doch Haldir war kein Vater.

Vor der schweren Tür, die zu den Gemächern der Zwillinge führte, blieb er stehen. Er straffte die Schultern und hoffte, Elladan war schon wach, als er anklopfte.

Elladan hatte gerade das gemeinsame Wohnzimmer der Zwillinge betreten und war im Begriff, die Zimmer seines Bruders zu betreten, als er das Klopfen an der Tür vernahm. Verwundert, wer schon so früh am Morgen Elrohir oder ihn sprechen wollte, rief er: „Herein."

Leise betrat er das Gemach der Zwillinge, als er die Stimme eines der beiden vernahm. Ein kurzer Blick verriet ihm, dass er Glück gehabt hatte, und es sich um Elladan handelte, der schon wach war.

„Guten Morgen, ich wollte nach Elrohir sehen. Denn wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr beunruhigt wegen gestern", erklärte er dem ältesten Sohn Elronds, und blickte ihn erwartungsvoll an.

Elladan verzog leicht das Gesicht.

„Nicht nur du bist das", erwiderte der Bruder Elrohirs leise. „Ich sah bereits auf seinen Balkon. Die Hälfte des Essens ist stehen geblieben. Ich vermute, dass der Abend nicht so lief, wie wir geplant hatten. Aníril wird wahrscheinlich schon gegangen sein."

Der Elb seufzte leise und schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, Erestor."

Wie erstarrt blickte Erestor ungläubig auf den jüngeren Elben. Das durfte nicht wahr sein.

„Verdammt, Elladan, das darf nicht dein Ernst sein. Weißt du, dass wir Elrohir damit vielleicht das Herz gebrochen haben?", erwiderte der Berater ernsthaft. Er machte sich große Sorgen um den jüngeren Zwilling.

„Was meinst du, was ich denke, seitdem ich das gesehen habe?", erwiderte Elladan ungewohnt heftig. Falten traten auf die Stirn des Elben, als er noch mehr das Gesicht verzog. „Erestor, bei den Valar, wir haben nicht gewollt, dass so etwas passiert. Und sonst hätte sich Elrohir noch viele Jahre mehr nach Aníril verzehrt. Vielleicht ist es sogar besser so", erklärte der Bruder Elrohirs dann und ließ die Schultern hängen.

„Vielleicht hast du Recht, aber ich denke, wir sollten nach Elrohir sehen, zumindest müssen wir uns entschuldigen", erklärte Erestor und Elladan nickte kaum merklich und ging vor ihm hin zu den Räumen seines Bruders. Schnell durchquerten sie das Wohnzimmer und Elladan dachte gar nicht daran anzuklopfen, als er in das Schlafzimmer trat, dicht gefolgt von Erestor.

Dem dunkelhaarigen Ratgeber stockte der Atem, als er auf die beiden Elben blickte, die, reichlich spärlich bekleidet, in dem Bett lagen, und die beiden Eindringlinge nun aus großen Augen anblickten. Auch konnte er nicht verhindern dass ihm ein Stein vom Herzen fiel, doch hätte er den Ausgang des Abends lieber anders herausgefunden.

„Verzeihung…", wisperte er, und errötete unübersehbar, so wie auch der ältere Zwilling.

Aníril war an diesem Morgen erst wach geworden, als sie Stimmen aus dem Wohnzimmer vernahm. Als die Tür dann aufgegangen war, hatte sie ein wenig erschrocken das Betttuch weiter nach oben gezogen.

Nun blickte sie reichlich verwirrt auf Erestor und Elladan, die mit hochroten Köpfen in der Tür standen. Ihr Blick wanderte zu Elrohir, welcher neben ihr lag und nicht minder verwirrt zur Tür sah. Aníril, die ebenfalls leicht errötete, öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch sie war zu verwundert und erstaunt als dass ein Wort über ihre Lippen kam.

„Was tut ihr hier? Um diese Zeit?", presste Elrohir hervor, was die beiden Eindringlinge noch tiefer erröten ließ. Erestor wusste einfach nicht, wie er reagieren sollte, aber er wusste, er musste etwas sagen.

„Warum habe ich nur das ungute Gefühl, dass du dich geirrt hast, Elladan?", fragte er den anderen Elben und wandte nun endlich den Blick ab, um in das Wohnzimmer zu treten, und sich dort in einen der Sessel fallen zu lassen.

Elladan trat ebenfalls fast fluchtartig den Rückweg an.

„Ich weiß... weiß auch nicht warum", stotterte der Elb noch verwirrter als sein Bruder und Erestors Tochter im Nebenzimmer.

Nun musste Erestor leise lachen. Der ältere Zwilling schien noch mehr um seine Haltung bemüht zu sein, als er selbst.

„Zum Glück scheinen sich aber deine Befürchtungen erübrigt zu haben."

Elrohir blickte auf Aníril hinab, küsste sie zärtlich, als die beiden Elben den Raum verlassen hatten.

„Lass uns nachfragen, was die beiden hier zu suchen hatten. Auch wenn ich es schade finde nun nicht gemütlich neben dir aufwachen zu können", flüsterte er ihr in dem Moment zu, in dem man Erestors Lachen hören konnte.

„Ja, dies finde ich auch", erwiderte Aníril und lauschte dem Lachen ihres Vaters. „Aber ich würde nun gerne wissen, worüber mein Vater lacht", fuhr sie dann fort und versteifte sich kurz, als sie Erestor erwähnte. Vater und Tochter hatten sich immer noch nicht ausgesprochen und das belastete die Elbenmaid.

Aníril ließ die Beine von der Bettkante fallen und stand schließlich auf. Schnell schlüpfte sie in ein leichtes Untergewand, bevor sie das Wohnzimmer betrat und neben der Türe stehen blieb.

„Warum lacht ihr?", fragte sie und spürte im selben Moment, wie Elrohir hinter sie trat.

Erestor blickte zu seiner Tochter empor, und wieder spürte er einen Stich in seinem Herzen, wie schon so oft in den letzten Tagen, aber er hatte seine Entscheidung getroffen, und würde davon nicht abweichen. Ein Lächeln breitete sich dennoch auf seinen Zügen aus, als er sah, wie Elrohir einen Arm um Anírils Taille legte.

„Ich lachte, weil ich es erheiternd fand zu beobachten, wie sehr Elladan um Fassung rang. Immerhin war er derjenige, der auf die Idee kam nicht an zu klopfen. Und wohl auch einige Zeichen falsch interpretierte", antwortete er kühl, und lehnte sich entspannt in dem Sessel zurück.

„Was für Zeichen, Elladan?", fragte Aníril und wandte sich bewusst an den Zwilling Elrohirs, ihrem Vater blickte sie dabei nicht mehr in die Augen. Es tat ihr einfach nur weh, wenn sie seine abweisende und distanzierte Stimme hörte.

Erestor zog nur eine Augenbraue hoch, er würde auf dieses Spiel nicht eingehen, nie wieder. Ein wenig bedauerte er zwar jetzt, dass Elladan nun selbst aus dieser Miesere herausfinden musste, aber seine Entscheidung war unumstößlich.

Elrohir kicherte leise hinter Aníril und küsste sie auf den Hals.

„Ich glaube, das bezog sich auf das Essen von gestern Abend, nicht wahr?", fragte er seinen Zwilling, der nur mühsam nickte.

„Ich sah nur den noch halbgedeckten Tisch auf deinem Balkon und da dachte ich..." Elladan sprach nicht zu Ende und seine Röte vertiefte sich noch ein weiteres Mal.

Aníril musste leise kichern, als sie Elrohirs Kuss spürte, wurde aber im selben Moment wieder ernst und runzelte die Stirn.

„Aber woher wusstet ihr von dem Essen?", fragte sie überrascht und sah, wie Elladan die Lippen aufeinander presste.

Auch Elrohir erstarrte hinter ihr. Er wusste nicht, wie sie auf die Wahrheit reagieren würde, und auch Elladan schien seine Gedanken zu teilen. Hilfe suchend wandten die beiden Zwillinge sich Erestor zu, der sie jedoch nur musterte und den Kopf schüttelte.

„Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich dazu noch etwas sage, oder?", fragte er die beiden.

Elladan schüttelte stumm den Kopf, dann räusperte sich der Elb kurz und erklärte.

„Nun, Elrohir sprach zu uns davon, dass er ein Essen plante und so halfen wir ihm bei den Vorbereitungen", sprach Elladan unsicher und blickte hinüber zu seinem Bruder, ob er auch nichts Falsches gesagt hatte.

Erestor traute seinen Ohren nicht, als er Elladans Worte hörte. Er wollte nicht glauben, dass dieser einfach log, so bekam er einen heftigen Hustenanfall.

Elrohir blickte seinen Bruder durchdringend an und schüttelte kaum merklich den Kopf, diese Lüge war keine gute Idee, doch wie sollte er es nun aufdecken, ohne seinen Bruder in Verlegenheit zu bringen? Als dann auch noch Erestors Husten ertönte, schrak er zusammen, immer noch unsicher, was er tun sollte.

Aníril sah ein wenig verwundert auf die Elben, die alle nicht so wirklich zu wissen schienen, wie sie sich verhalten sollten. Ein weiteres Mal runzelte sie die Stirn.

„Nun, eigentlich ist dies jetzt egal", erklärte die Elbenmaid und zog beim Anblick Elladans kurz die Augenbraue hoch. Sie spürte, dass er nicht direkt die Wahrheit gesagt hatte, doch wollte sie nicht weiter nachfragen.

Ihr Blick fiel auf ihren Vater, der den Blick abgewandt hielt und sie seufzte leise. Wie sehr wünschte sie sich, sich mit ihm auszusprechen.

Elrohir legte seine Arme um ihre Taille.

„Wenn diese beiden hier verschwunden sind, erkläre ich dir alles", versprach er und küsste sie wieder auf den Hals, er konnte einfach nicht genug von ihr bekommen.

Erestor beobachtete das Verhalten der beiden und räusperte sich.

„Jetzt, wo alles geklärt ist, werde ich mich an meine Arbeit machen. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag", sprach er, erhob sich und blickte kurz nachdenklich auf Aníril, nur um sich dann abzuwenden und in Richtung Tür zu gehen.

Anírils Herz zog sich zusammen, als ihr Vater ging. Selbst das Kribbeln, was Elrohirs Kuss auf ihrer Haut auslöste, konnte sie in diesem Moment nicht besänftigen und so rief sie kurz: „Adar! Bitte warte!" und eilte ihrem Vater hinterher. Sie war fest entschlossen dem Schweigen endlich ein Ende zu bereiten.

Elrohir nickte Elladan kurz zu, und die beiden verschwanden auf den Balkon.

Erestor verharrte mitten in der Bewegung, als er den Ruf vernahm. Er war neugierig, was sie wollte, und so blieb er stehen. Außerdem hoffte er ganz tief in seinem Herzen, dass sie nun endlich ihre Differenzen beilegen würden, doch würde er dies nie zugeben.

„Was ist?", fragte er sie, ohne eine Regung in der Stimme, als er sich umdrehte.

„Adar, denkst du nicht, wir sollten unsere Streitigkeiten beilegen?", fragte Aníril mit leiser Stimme und sah Erestor bittend an. „Verzeih mir einfach, ich hatte dich nicht verärgern wollen."

Die Elbenmaid sah unsicher zu Boden. Wie würde ihr Vater nun reagieren? Aníril verkrampfte sich, wenn sie daran dachte, dass Erestor ihre Entschuldigung womöglich nicht annehmen würde.

Erestor trat einen Schritt näher an sie heran, legte seine Hand an ihr Kinn, und zwang sie ihn anzusehen.

„Es geht nicht darum, dass du mich nur verärgert hast. Dies ist ein Grundsatz. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht bei deiner Erziehung, ich weiß es nicht, und selbst wenn, es lässt sich nicht ändern. Alles worum ich dich gebeten habe, war dich nicht einzumischen. Es gibt Bereiche in meinem Leben, da möchte ich einfach nicht, dass du daran Teil hast. Nur weil ich etwas mitbekomme, heißt es nicht, dass ich mich einmische. Wenn ich so etwas gemacht hätte, wäre ich niemals Elronds erster Ratgeber geworden. Und ich möchte dich bitten, dich auch daran zu halten. Natürlich habe ich mich auch nicht immer an dieses Gebot gehalten, wie du wohl sehr bald von Elrohir erfahren wirst. Aber ich würde mich nie von mir aus in einen Streit einmischen, bei dem ich nicht alle Aspekte kenne. Würde ich so handeln, wäre schon mehrfach über Imladris Krieg herein gebrochen", erklärte er ruhig.

„Adar", erwiderte Aníril. „Doch gibt es manchmal Dinge, die auch andere betreffen, und du weißt..." Die Elbenmaid machte eine kurze Pause und lächelte ihren Vater unsicher an. „... du weißt, dass ich mich dann nicht zurückhalten kann. Wenn es wirklich nur dich betrifft, aber sonst." Hilflos zuckte Aníril mit den Schultern. „Ich weiß selbst nicht... manchmal geht mein Temperament einfach mit mir durch."

Aníril trat einen Schritt zurück und entzog sich so Erestors Griff. Sie wagte es nicht mehr ihn anzusehen, hatte sie doch das Gefühl ihn so noch mehr verärgert zu haben.

Erestor seufzte tief, er fragte sich ernsthaft, ob sie ihm zugehört hatte.

„Aní, du solltest lernen dein Temperament zu zügeln. Es ist einfach keine Entschuldigung, es ist eine Ausrede, wenn man nicht diszipliniert genug ist. Natürlich kannst du mir jetzt vorhalten, ich hätte mein Temperament nicht unter Kontrolle, aber das betrifft nur Glorfindel und mich", versuchte er ihr zu verdeutlichen, was er meinte, „und es wird sicherlich nicht mehr vorkommen, dass ich ihn so anschreie", fuhr er fort und sah auf seine Tochter hinab.

„Sie mich an, Aní, ich habe nicht vor, dich weiter in mein Leben zu lassen, solange ich mich nicht absolut darauf verlassen kann, dass du dich unter Kontrolle hast. Du bringst mich noch zusätzlich aus dem Gleichgewicht, weil du mir so wichtig bist. Und wie soll ich so meine Arbeit erledigen? Wie soll ich als Diplomat auftreten, wenn ich mir nicht wirklich sicher sein kann, das meine Tochter mir nicht in den Rücken fällt in brenzligen Situationen?" Noch immer war seine Stimme völlig ruhig.

Aníril biss sich auf die Lippen. Es schien ihr, als würden sie und ihr Vater immer noch aneinander vorbei reden, als würde der eine den anderen nicht verstehen. Aber irgendwie musste sie zugeben, dass er doch Recht hatte. Fast kleinlaut senkte sie den Kopf.

„Ich will keine Ausreden finden, ich will mich wirklich entschuldigen. Adar, du weißt, dass es schwierig ist sich selbst unter Kontrolle zu bekommen. Ich bemühe mich darum, das weißt du ebenfalls. Und nun verspreche ich dir, dass ich mich noch mehr bemühen werde. Nur bitte, Ada... bitte, ich ertrage es nicht, wenn wir nicht miteinander sprechen."

In die Augen der Elbenmaid waren Tränen getreten bei ihren letzten Worten.

Es schmerzte ihn die Tränen zu sehen, die in den Augen seiner Tochter schimmerten. Schnell war er vor sie getreten und hatte ihr die Hände auf die Schultern gelegt.

„Auch mir fällt es schwer nicht mit dir zu sprechen. Ich weiß, dass du dir Mühe gibst, aber ich hatte bis vor kurzem noch nicht den Eindruck, als hättest du dies vollständig verstanden, wie wichtig es ist, und auch jetzt…", erklärte er und zog sie in seinen Arm, während er ihr über das Haar strich.

„Kleines, ich möchte natürlich mit dir auskommen, und ich denke, es wird für uns beide jetzt leichter werden. Oder besser gesagt, nachdem ich heute Abend mit Glorfindel gesprochen habe. Er bringt mich immer noch zu sehr aus der Ruhe. Aber für dich freue ich mich, und nimm es Elrohir nicht zu übel, wenn er dir gesteht, dass Elladan und ich an dem Essen gestern nicht ganz unschuldig waren", fügte er noch hinzu, und küsste sie auf ihr Haupt.

Anírils Tränen kullerten nun frei über ihre Wangen, doch weinte sie mehr aus Freude, denn aus der Traurigkeit.

„Ada, glaube mir, ich habe es verstanden, wirklich, nur fällt es mir schwer mich auch in solchen Situationen daran zu erinnern", sagte sie leise und hob im nächsten Moment ihren Kopf wieder.

„Aber nun sag mir... was meintest du, als du sagtest, du und Elladan, ihr wäret nicht unschuldig gewesen?", fuhr sie dann fort und sah ihn mit großen Augen an.

Erestor musste kichern, er hatte nichts anderes als diese Frage erwartet.

„Was denkst du denn, wer Elrohir zu diesem Essen überredet hat? Es war ja nicht mehr mit anzusehen, wie ihr um einander herumgeschlichen seid", erzählte er und blickte seine Tochter mit einem schelmischen Funkeln in den Augen an.

Die Elbenmaid blies ein wenig empört die Backen auf.

„Ihr habt ihn überredet?", fragte sie ungläubig. „Und überhaupt... woher, woher wusstet ihr das?", setzte sie noch hinzu und wusste nicht, was sie angesichts des Grinsens, das sich über die Züge ihres Vaters schlich, sagen sollte.

Jetzt war es für Erestor zu spät, er brach in heilloses Gelächter aus. Seine Tochter sah aber auch zu erheiternd aus, wie sie in diesem Moment vor ihm stand.

„Aní, was denkst du denn, Elrohir hat es irgendwann Elladan erzählt. Ich wusste es schon länger, und, nun ja, Elladan und ich beschlossen ihm ein wenig unter die Arme zu greifen, sollte sein Interesse gegenseitig sein. Elladan hat dann beschlossen dich auszuhorchen, und wir haben alles arrangiert."

„Er hat mich ausgehorcht? Dann weiß ich auch endlich, warum er gestern soviel gefragt hat, doch ich weiß nicht, ob mir das gefällt", Aníril sah ihren Vater ein wenig beleidigt an und machte eine Pause. Dann lächelte sie jedoch schelmisch.

„Aber dafür habt ihr uns geholfen endlich zueinander zu finden", fuhr sie fort, streckte sich kurz und gab ihrem Vater einen liebevollen Kuss auf die Nasenspitze.

Ein erneutes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als er Anírils Haare zerwuschelte.

„Ja, das haben wir, aber nun solltet ihr beiden euch fertig anziehen und mitkommen. Ich gehe jede Wette ein, dass Elrond bereits mit dem Frühstück auf uns wartet", antwortete er, und schob sie in Richtung Schlafzimmer.

Aníril wandte sich kurz um und lachte ihren Vater an, bevor sie kurz den Kopf zur Terrassentür herausstreckte um Elrohir zu fragen, ob sie sich ein Gewand von ihm leihen könnte. Ihr Kleid lag noch auf dem Boden, die Elbenmaid würde es waschen müssen, bevor sie es wieder anziehen könnte, und Aníril musste ebenfalls gestehen, dass auch sie eine Säuberung nötig hatte. So eilte sie in Elrohirs Zimmer und aus den Augen ihres Vaters um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Erestor trat zu den Zwillingen und musterte Elrohir eine Weile schweigend. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, doch keinen davon wagte er auszusprechen, bis auf einen.

„Elrohir, auch du solltest dich waschen, und dir etwas Anständiges anziehen. Dein Vater erwartet uns."

„Du hast Recht", antwortete der Zwilling und ging zu Aníril in sein Schlafzimmer.

„Nimm dir einfach, was du magst, ich hoffe, es passt halbwegs." Mit einer schnellen Bewegung war er bei ihr, nahm ihr den nassen Schwamm ab und begann sie sanft zu waschen, während er sie mit der anderen Hand kitzelte.

Aníril musste auflachen, als sie die flinken Finger Elrohirs auf ihrer Haut spürte.

„Du bist unfair", stieß sie kichernd hervor. „Du weißt doch, dass ich kitzelig bin."

Gespielt empört drehte sie sich zu dem Elben um und sah ihn mit funkelnden Augen an.

Elrohir lachte auf, nahm den nassen Schwamm und warf ihn ihr an den Kopf.

„Natürlich weiß ich das, und ich nutze es auch aus", erklärte er und rannte daraufhin ins Schlafzimmer um sich anzuziehen.

Noch immer standen Erestor und Elladan draußen und verzogen nur kurz das Gesicht, als sie das Lachen aus dem Schlafzimmer hörten.

„Elladan, kannst du es mir glauben, dass ich ein wenig neidisch bin auf meine Tochter?", fragte er den Zwilling mit einem ironischen Grinsen.

„Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen", erwiderte der Bruder Elrohirs im selben Tonfall und zog eine Augenbraue hoch, wie um zu bestätigen, dass auch er sich der Ironie betätigte.

„Sollen wir auf die Beiden warten, bevor wir zum Frühstück gehen?", fragte er dann ein wenig ernster.

„Und uns Elronds Gesichtausdruck entgehen lassen, wenn die beiden eintreten. Nein, das will ich erleben", erwiderte der ältere Elb. „Aní, wir gehen schon einmal vor, beeilt euch", rief er noch in Richtung Schlafzimmer und machte sich zusammen mit Elladan auf den Weg zum Speisesaal.

Aníril steckte kurz den Kopf zur Tür hinaus und fand das Wohnzimmer verlassen vor.

„Sie sind tatsächlich schon gegangen", erklärte sie und lugte zurück zu Elrohir. Sie war in eine seiner Hosen geschlüpft und hatte sich eine Tunika gegriffen. Sie waren ein wenig groß, aber passten trotzdem.

„Wollen wir ihnen folgen?", fügte die Elbenmaid dann fragend hinzu.

Elrohirs Magen meldete sich lautstark zu Wort.

„Da wir gestern nicht so viel gegessen haben, und eine anstrengende Nacht hinter uns haben, schlage ich vor, wir folgen ihnen und essen etwas", antwortete er lächelnd, während er selbst eine seiner Tuniken überzog.

In etwa zur gleichen Zeit erreichten Erestor und Elladan den Saal, in dem Elrond bereits mit gerunzelter Stirn auf die anderen wartete. Nur Lindir und Glorfindel waren schon anwesend.

„Wieso seid ihr so spät?", fragte der Herr von Imladris die beiden Eintretenden.

„Wir hatten noch etwas zu klären, aber sag, wo ist Haldir?", antwortete Elronds Berater und setze sich auf seinen Platz gegenüber Glorfindels.

„Hier bin ich", kam es als Antwort, als Haldir den Saal betrat, sich in Richtung Elrond verneigte, und neben Erestor setzte, mit einem fragenden Blick, den Erestor mit einem grinsenden Nicken beantwortete. Elrond verstand gar nichts mehr.

Und nicht verbessert wurde seine Situation, als im nächsten Moment Aníril eintrat, gefolgt von Elrohir, seinem anderen Sohn.

Die Elbenmaid nahm neben ihrem Vater Platz, während Elrohir sich - nicht wie sonst - zu seinem Bruder setzte, sondern sich ebenfalls zu Aníril setzte.

Erestor und Elladan genossen Elronds fassungslosen Blick, wie er verwirrt zwischen Aníril, Haldir, Elrohir und Erestor hin und her blickte. Sogar Glorfindel konnte ein leises Kichern nicht mehr unterdrücken, und kurz darauf brachen fünf Elben in schallendes Gelächter aus, bis Arwen eintrat.

Diese blickte sich kurz um und sah auf ihren Bruder und Aníril.

„Ihr zwei habt euch aber auch Zeit gelassen", war ihr einziger Kommentar, als sie sich zwischen Glorfindel und Elrond setze, der immer noch nichts verstand.

„Würdet ihr mich bitte aufklären?", fragte er in einem etwas seltsamen Ton, und Erestors Augen funkelten gefährlich.

„Nein, das habe ich einmal für dich getan, als die Zwillinge 20 wurden. So etwas tue ich mir nie wieder an", erwiderte er und Glorfindel, ihm gegenüber, rutschte fast unter den Tisch vor Lachen.

„Na ja, würde ich an deiner Stelle auch nicht mehr versuchen, wir wollen ja nicht, dass Elrond der festen Überzeugung ist, dass Kinder…" Glorfindel brach ab und nun konnte auch Erestor nicht mehr vor lachen. Damals war wirklich alles schief gegangen.

„Nun, wenigstens haben sie mich nicht gefragt, ob ich ihnen zeigen kann, wie das mit dem Kindermachen funktioniert", keuchte der nun kaum noch Luft bekommende Erestor.

Arwen sah verwundert auf die Elben, welchen die Lachtränen aus den Gesichtern stiegen.

„Was ist denn mit euch los?", erkundigte sie sich ruhig, erhielt jedoch keine Antwort.

Elrond zog derweil die Stirn kraus und grummelte leise vor sich hin. Er hatte keine Ahnung, was seine Berater so amüsierte. Seltsamerweise schienen sonst fast alle zu wissen, worum es ging - ausgenommen er.

Auch Aníril musste nun lachen. Schnell schlug sie sich eine Hand vor den Mund um nicht laut heraus zu lachen. Die Situation war einfach so komisch, dass es auch um die Mundwinkel der Zwillinge verdächtig zu zucken begann.

„Elrond, dein Gedächtnis scheint nicht mehr das beste zu sein..", lachte Glorfindel und wischte sich einige Tränen aus den Augenwinkeln, er konnte nicht anders als einen bewundernden Blick auf Haldir zu werfen, der, obwohl er die Situation genau kannte, nur leicht mit den Mundwinkeln zuckte. Doch er wandte sich schnell an Arwen.

„Als die Zwillinge in etwa 20 Sommer zählten, hat Elrond Erestor damit beauftragt, sie aufzuklären. Das hat nicht so ganz funktioniert, da unserer lieber Erestor viel zu peinlich berührt war, und später kamen sie zu mir. Aber auch ich habe wohl nicht die richtigen Worte gefunden. Glaub mir, Arwen, es gibt keine schlimmere Situation als vor kleinen Kindern zu sitzen, die einen mit großen Augen ansehen und fragen Du, kannst du uns zeigen, wie das geht?", erklärte er laut seufzend und nun lachte auch Elrond.

„Es stimmt, ich hatte diesen Vorfall wirklich vergessen. Aber Elrohir, erkläre mir bitte, was los ist", forderte der Elbenfürst, nun wieder sehr ernst.

Elrohir wusste überhaupt nicht, was er sagen sollte, flammende Röte überzog seine Wangen, und er sah Hilfe suchend zu Aníril hinüber.

Doch diese lächelte nur freundlichst zu Elrond hinüber. Anírils Augen blitzen auf, über ihre Züge zog ein freches Grinsen, bevor sie sich zu Elrohir wandte und dem Elben einen sanften Kuss auf die Lippen hauchte.

Für Elladan, der seinem Bruder gegenüber saß, war dies dennoch zuviel, denn nun brach der Bruder Elrohirs angesichts des verdutzten Gesichts seines Vaters in schallendes Gelächter aus.

Erestor kicherte nur leise, genauso wie alle anderen am Tisch außer Haldir, der nur eine Augenbraue leicht hochzog, und Elrohir. Dieser genoss den sanften Kuss, legte seine Arme um Anírils Taille und küsste sie etwas intensiver, die Welt um sich herum vergessend, bis sein Vater sich laut räusperte.

„Vater, ich möchte dich bitten mir heute einen Tag zu gewähren ohne bei den Heilern zu sein, genauso wie Aníril. Ich würde den Tag gerne an ihrer Seite verbringen können", erklärte er und eine leichte Röte überzog seine Wangen.

„Natürlich, mein Sohn", antwortete Elrond Elrohir und warf dann einen sehr eindringlichen Blick auf Elladan und Erestor.

„Erestor, ich erwarte dich nach dem Frühstück in meinem Arbeitszimmer."

Erestor nickte nur und begann dann zu Frühstücken. Er freute sich schon darauf, seinem Herrn von der ganzen Geschichte zu erzählen.

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Ele:

Sodele hier das erste Kapitel für dich ;), ich hoffe es hat dir gefallen ;) und im nächsten kommt ganz sicher wieder was zu Glorfindel, ganz großes Ehrenwort ;)… ich könnte dich umknuddeln ;)

Raven:

Vielen Dank auch für dein Review, ich hoffe ich höre noch ab und an von dir, und wie schon Ele versprochen, im nächsten Kapitel geht es wieder um unseren süßen blonden Balrogtöter und Elronds Berater Nummer 1 ;)

Narwain: diesmal liefs wieder wesentlich besser mit den Reviews, Val und ich haben mal wieder ein paar Freudentänzchen aufgeführt und arbeiten jetzt am Plot für den Rest der Geschichte. Also das Ganze, warum Haldir sie überhaupt begleitet hat ;). Fühl du dich auch in den Bodengeknuddelt, es tut gut, so treue Leser zu haben, baut uns richtiggehend auf. Wie lange es bis zum nächsten R Kapitel dauert wird aber noch nicht verraten ;).

Sirina:

Vielen Dank für dein Review. Ich hoffe wir hören auch noch ab und an von dir ;). Jaja, Haldir tut mir auch richtig Leid, aber ich denke, wir werden ihm zumindest die Möglichkeit einräumen glücklich zu werden, ob er sie nutzen wird, können wir nicht sagen.

Avallyn:

Vielen lieben Dank für die ganzen Reviews, unsere betaleserin hat sich mit den letzen Zwei Kaps richtig beeilt, oki, niemand kommt an dich ran, was die betas angeht, aber für Vilyanas Verhältnisse war sie wirklich sehr fleißig, also sei brav zu ihr ;). Wenn du ein paar Vorschläge für Haldirs neue Beziehung hast, lass nur hören, wir sind sehr neugierig ;)

Sarah:

Danke, dass du dich gemeldet hast ;), Weiter geschrieben haben wir schon ein Stück, es fehlen uns nur die betas… ;). Hören wir auch von dir noch ab und an was? Wir freuen uns sehr, dass dir die Kapitel gefallen ;)

Galu:

Jaja, das Vermasseln kenne ich nur zu gut ;) ist mir bei Lessiens „Wenn du geredet hättest Eowyn" auch passiert…. Bin ja so was von knall rot geworden, als mir das aufgefallen ist. Aber vielen lieben Dank für das Review ;) Und ich muss dir recht geben, Erestor ist manchmal ein wenig sehr naiv… aber, wenn man soviel für andere denken muss usw., verliert man sich doch recht leicht aus den Augen oder? Und ob es leicht wird, ihn rum zubekommen… tjaaa, das nächste Kap dürfte dazu ein wenig was sagen ;) ich muss dich enttäuschen, aber unser Elladan ist sehr sehr hetero ;), zumindest dürfte er über dieses Ausprobieren heraus sein… obwohl, wer weiß, an wem er seinen Zungenfertigkeiten geübt hat, bevor er und Erestor alles vorbereitet haben ;)

Stille Mitleser:

Gibt es noch mehr von Euch??? Wollt ihr auch mal eine Direkte Antwort haben??? Wenn ja, meldet euch doch bitte, wir würden uns soooooooooo freuen von euch zu hören, und Val und ich versprechen auch nicht zu beißen ;)