Kapitel 15: Verhängnisvolle Gespräche
Glorfindel aß nur sehr wenig, aber er wusste, dass dies so besser war, wenn er mit den Wachen übte. Lieber ab und an eine Kleinigkeit, als einmal zuviel. Schon bald war er fertig mit Essen, genau wie Elronds ältestes Kind.
„Elladan, ich denke, ich brauche heute deine Hilfe, ich muss die Flussübergänge inspizieren, und hätte dich gerne als Begleitung dabei", sagte er, als er aufstand. Er wollte schon den Raum verlassen, als er Erestors Stimme hinter sich hörte.
„Glorfindel, wann wirst du in etwa wieder da sein? Ich möchte dich heute Abend sprechen."
Kalter Schweißt trat auf Glorfindels Stirn bei diesen Worten, doch er wusste, er konnte diesem Gespräch nicht entgehen.
„Ich werde dich aufsuchen, sobald ich wieder da bin und gebadet habe", antwortete er und verließ den Saal, in dem Bewusstsein, dass Elladan ihm folgte.
Der ältere Zwilling verabschiedete sich kurz von seinem Vater und den übrigen Anwesenden, bevor er hinauseilte, dem blonden Elben folgend. Wohl hatte er bemerkt, dass Glorfindel bei Erestors Worten kurz gestockt hatte und nun fragte er sich, ob dies mit seiner Vermutung, die er seit dem Streit der beiden auf der Reise hegte, übereinstimmte. Doch in diesem Moment wollte er den blonden Elben nicht daraufhin ansprechen. Und so ging er ungewöhnlich schweigsam neben Glorfindel einher, tief in seine Gedanken versunken.
Glorfindel wurde den ganzen Tag nicht gesprächiger, aber immer nervöser je näher der Abend kam. Das Inspizieren der Brücken, Furten und zuständigen Wachhäuser lenkte ihn zum Glück ein wenig ab.
Elladan und er fanden keine größeren Mängel, bis auf die eine Brücke im Norden, dort war einer der Pfeiler leicht brüchig, und sie notierten es sich, dass er in den nächsten Tagen ersetzt werden konnte.
Doch auf dem Weg zurück musste er wieder an Erestors Ankündigung denken. Was würde ihn erwarten? Was sollte er nur sagen? Glorfindel musste sich gestehen, dass sein Herz bis zu seinem Hals schlug, so nervös war er. Und was war mit Haldir? Sein Freund wusste, wie es um sein Herz bestellt war, warum hatte er sich aber dennoch so verhalten? Dies war nicht fair von ihm gewesen, doch Glorfindel konnte Haldir auch verstehen. Doch was sollte er nur Erestor sagen? Sollte er ihm einfach die Wahrheit gestehen? Sich zum Narren machen? Gab es überhaupt eine Lüge, die Erestor nicht sofort durchschauen würde?
„Elladan, was soll ich nur tun…?", fragte er den Dunkelhaarigen neben sich, mit Verzweiflung in der Stimme.
Verdutzt hielt Elladan inne. Der Tonfall, welcher in Glorfindels Stimme lag, ließ ihn aufhorchen und erstaunt wandte er sich dem blonden Elben zu.
„Nun rede endlich, Glorfindel. Schon den ganzen Tag merke ich, wie dir etwas auf dem Herzen liegt. Du redest kaum, nun gut, ich auch nicht, aber bei dir ist es etwas anderes. Sag mir, wovon sprichst du jetzt? Was ist mit dir los, Glorfindel?"
Glorfindel ächzte und ließ sich auf den Hals seines grauen Hengstes sinken.
„Es geht um das Gespräch mit Erestor… Elrohir soll froh sein, dass Aníril ihn anstatt zu köpfen liebt. Er ist wirklich zu beneiden. Erestor hat mir doch angedroht, dass er noch einmal wegen jenem Vorfall in Lórien mit mir reden möchte. Ich weiß einfach nicht, was ich ihm sagen soll… Lügen darf ich nicht, aber die Wahrheit…" Er brach ab und blickte voller Hoffnung auf den Zwilling, auf das dieser eine Idee hatte. „Ich hoffe so sehr, dass Haldir nicht anwesend ist…"
Elladan runzelte die Stirn und blickte den blonden Elben prüfend an.
„Trotz allem frage ich mich, was Haldir damit zu tun hat? Er war nicht dabei, als Elrohir und du die beiden beim Baden gesehen habt. Oder denkst du, er steht Erestor zu nahe?", fragte der Zwilling und verfolgte die Reaktion Glorfindels aufmerksam.
Dieser war enttäuscht, er hatte auf eine aufbauende Antwort gehofft.
„Ach, Elladan, siehst du denn nicht, wie die beiden miteinander umgehen, ich glaube schon, dass sie einander sehr nahe stehen. Und ganz ehrlich, würdest du es angenehm empfinden, wenn du so etwas mit jemandem klären musst und ein anderer dabei ist, von dem du vermutest, dass er dem anderen sehr nahe steht?", fragte der blonde Krieger fast verzweifelt. „Warum habe ich nur damals auf Haldir gehört?"
Als der blonde Elb bestätigte, dass er vermutete, Haldir und Erestor würden sich nahe stehen, zuckte Elladan unwillkürlich das Bild durch den Kopf, dass er vorgefunden hatte, als er vor nicht all zu langer Zeit Erestor aufgesucht hatte und einen nur mit einem Tuch bekleideten Haldir vorgefunden hatte. Doch Elladan ließ davon nichts verlauten, denn dafür hatte Glorfindel ihn in diesem Moment zu neugierig gemacht.
„Was meinst du mit damals?", fragte er atemlos. „Was hat Haldir dir denn gesagt?"
Des Balrogtöters Blick wurde wehmütig, als er an die Zeit zurückdachte.
„Haldir kenne ich, seit ich zurückkehrte nach Mittelerde, damals im zweiten Zeitalter. Er war einer der Elben in Lindon, er ist auch fast tausendfünfhundert Jahre älter als seine Brüder. Schon damals war er gut mit Erestor befreundet. Ich selbst kam zu einer Zeit zurück, in der Erestor Melreth gerade kennen gelernt hatte. Es gingen schon Gerüchte um, sie würden bald den Bund eingehen. Doch dann begegneten wir uns wieder. Erestor hat mich erst einmal nur geschockt angesehen, und ich… Egal… auf jeden Fall, wie du weißt ist er mit Melreth nie offiziell verbunden gewesen. Ich selbst wollte ihm damals, noch sehr zu Anfang ihrer Beziehung, gestehen, was ich fühle, doch Haldir riet mir davon ab. Meinte, ich solle es bleiben lassen. Später, nachdem Melreth in den Westen segelte, hatte ich das gleiche Gespräch mit Haldir noch einmal", erzählte der Krieger leise.
„Glorfindel, meinst du nicht, dass du dich nicht noch länger quälen solltest?", erwiderte Elladan und sah ihn mitfühlend an. Er hatte also Recht gehabt mit seiner Vermutung. In diesem Moment wäre es ihm jedoch lieber gewesen, er hätte geirrt.
„Meinst du nicht, du tust dies schon lange genug? Rede endlich mit Erestor und sag ihm, was du denkst, fühlst... auch wenn er nicht so denken und fühlen sollte wie du", fuhr der dunkelhaarige Elb fort und wandte den Kopf nachdenklich ab.
Glorfindel lachte hart auf, doch es war kein fröhliches Lachen. Dieser junge Elb war in mancherlei Hinsicht wirklich naiv.
„Elladan, ich halte dies jetzt schon über siebentausend Jahre geheim. So leicht ist das nicht, und was hätte es für einen Sinn. Ich bezweifle, dass Erestor auch nur ansatzweise daran gedacht hat, dass ich so fühlen könnte, doch was soll ich tun? Ihm das ins Gesicht sagen, wenn ich vermute, dass Haldir kurz darauf… Aber ich werde ihn auch nicht anlügen können, er würde mich durchschauen", seufzte der Elb und stieg von seinem Pferd ab, da sie nun endlich die Ställe erreicht hatten.
„Nun ja... möglicherweise liegst du mit deinen Vermutungen auch richtig", erklärte Elladan leise, schwang sich ebenfalls von seinem Pferd und trat neben dessen Kopf. Eine Hand auf der Nase des Tieres blickte er ein wenig unsicher zu Glorfindel hinüber. Sollte er ihm sagen, was er gesehen hatte?
Glorfindel blickte dem jungen Elben in die Augen, er sah darin etwas, was er lieber nicht wissen wollte, aber er konnte nicht anders als nachfragen.
„Was hast du gesehen?", fragte er den Jüngeren, und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zitterte, sowie sein Herz nun einen Moment aussetzte zu schlagen.
Elladan hörte die unsichere Stimme Glorfindels und seufzte. Er würde es ihm sagen müssen.
„Nun, als ich vor einigen Tagen Erestor aufsuchte, da ich mit ihm reden wollte, fand ich Haldir bei ihm im Zimmer vor. Das ist nicht ungewöhnlich, schließlich wohnt er bei Erestor, allerdings war da auch noch die Tatsache, dass Haldir halbnackt war", sagte Elladan dann mit fester Stimme und wandte sich ab. Er wollte Glorfindels Reaktion nicht sehen, er ahnte schon, was kommen würde.
Glorfindels Schultern sackten herab und er führte niedergeschlagen sein Ross in den Stall, tätschelte ihm kurz die Nase und wandte sich dann an Elladan. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung mehr.
„Danke, dass du mich vorgewarnt hast. Wünsch mir Glück, dass Erestor mich nicht zu Schnitzel verarbeitet, und dass Haldir nicht anwesend ist. Ich werde mich wohl nun baden gehen, und dann meinem Schicksal in die Augen sehen", erklärte er mit einem ironischen Lächeln.
Elladan sah ihm mit einem ein wenig schiefen Gesichtsausdruck hinterher, als er durch die Stallungen davon schritt. Doch dann widmete sich der dunkelhaarige Elb erst einmal seinem Reittier und verdrängte die Gedanken an den blonden Elben. Glorfindel würde tun, was richtig war, so sagte sich der Sohn Elronds und entschloss sich ebenfalls ein Bad zu nehmen und dann seinen Bruder aufzusuchen - falls dieser nicht wieder mit Aníril zusammen war.
Erestor schritt langsam zu seinem Zimmer, er hatte fast den ganzen Tag mit seinem Herrn verbracht, und mit Haldir, da sie über einiges was den Weißen Rat betraf beratschlagen mussten. Doch er war bei der Besprechung nur halb aufmerksam gewesen. Immer wieder waren seine Gedanken zu dem kommenden Gespräch geglitten. Zum Glück hatte Haldir versprochen den Abend bei seinen Brüdern zu verbringen, sodass Erestor in aller Ruhe mit Glorfindel reden konnte. Er fragte sich, was dieser ihm sagen würde.
Dieses Gespräch war weniger vorausberechenbar als das am Morgen mit Elrond, in welchem er ihn über Aníril und Elrohir aufgeklärt hatte. Wie erwartet war Elrond erstaunt, aber auch sehr erfreut gewesen.
Doch als die Sonne sich dem Horizont entgegen neigte, stand Erestor in seinem Zimmer und wartete auf den Balrogtöter. Da dieser angekündigt hatte direkt nach einem Bad zu ihm zu kommen, hatte er etwas zu essen bringen lassen, und auch eine Flasche Wein. Auch wenn er wütend war, so wusste Erestor doch sehr genau, dass er nur so vielleicht eine Chance hatte alles zu klären, und so wartete er, bis es klopfte.
„Komm herein", rief er nicht unfreundlich.
Glorfindel trat ein wenig nervös ein und schloss sorgfältig die Türe hinter sich. Er wusste nicht, warum ihm ausgerechnet in diesem Moment die Beine zittern mussten, es wäre wohl einfacher gewesen zu beschreiben, was nicht zitterte, und dass war so gut wie gar nichts.
Eine Weile stand der blonde Elb so vor der Zimmertür, bevor er schließlich mit gefasster Stimme hervorpresste: „Du wolltest noch mit mir sprechen, nun hier bin ich. Worüber möchtest du reden?"
Auch Erestor brauchte einige Zeit bis er antworten konnte, er war ebenfalls ein wenig nervös.
„Komm setz dich, ich vermute, du hast noch nichts gegessen. Was ich mit dir klären möchte betrifft den Vorfall während unserer Reise", erklärte er und deutete Glorfindel an, sich auf einen Stuhl zu setzen, während er sich ihm gegenüber niederließ.
Seufzend ließ sich Glorfindel auf den Stuhl fallen. Er war ein wenig erschöpft und der Gedanke an das bevorstehende Gespräch konnte ihn auch nicht wirklich erheitern.
„Und was hast du mit mir noch zu klären? Ich dachte, wir hätten uns schon auf der Reise selbst genügend auseinander gesetzt", erwiderte Glorfindel mit deutlichem Unwillen in der Stimme.
Erestor schüttelte kurz den Kopf und gab ein unwilliges Knurren von sich.
„Glorfindel, natürlich gibt es da noch etwas zu klären. Glaubst du, es wäre mit etwas anbrüllen getan? Verdammt, Glorfindel, was sollte das? Warum tust du mir das an?", fragte Erestor in einem fast bittenden Tonfall, den er jedoch genauso schnell wieder aus seiner Stimme verbannte. „Aber bitte iss doch etwas."
Der Angesprochene schüttelte energisch den Kopf.
„Nein danke, Erestor, ich habe keinen Appetit", erklärte der blonde Elb und hörte dabei nicht auf das laute Knurren seines Magens.
„Und was soll ich dir antun? Was habe ich dir angetan? War ich derjenige, der gebrüllt hat?", knüpfte Glorfindel dann an Erestors Worte an und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme leicht zitterte.
Erestor zog als Antwort eine Augenbraue spöttisch hoch.
„Ach, du hast keinen Appetit? Dein Magen sagt aber etwas ganz anderes", begann er und hielt kurz inne, versuchte seine eigene Wut in den Griff zu bekommen, diesmal würde er nicht schreien. „Und ja, ich habe dich angeschrieen, aber nicht ohne Grund. Und über diesen Grund wollte ich reden. Glorfindel, was ist mit dir los? Seit wann versteckst du dich in Gebüschen, um anderen Elben zuzusehen, wie sie baden? Und jetzt lüg mich nicht an, es reicht schon, wenn du es tust das Essen betreffend", sprach er eindringlich zu dem blonden Elben.
„Du weißt selbst, dass es nicht meine Art ist andere Elben beim Baden zu beobachten", wehrte sich Glorfindel missmutig. „Ich kam zufällig vorbei und damit meine ich wirklich zufällig, das soll keine Ausrede sein! Und im Übrigen ist es immerhin noch meine Sache, wenn ich nichts esse, auch wenn mein Magen etwas anderes sagt."
Erestor spürte wieder, wie in ihm die Wut hoch kochte, und wieder verbannte er sie aus seinen Emotionen, er würde nicht ausrasten, das hatte er sich geschworen.
„Glorfindel, wie lange sind wir jetzt schon befreundet? Wir kennen uns schon aus Zeiten, da war nicht einmal Elrond geboren, mach mir das hier nicht so schwer bitte. Mach mir nicht immer alles so schwer", erklang seine Stimme, leicht verzweifelt. „Glorfindel…"
In dem blonden Elben vertiefte sich der Widerstand und er wusste selbst nicht einmal warum.
„Ich weiß, dass wir schon lange befreundet sind, Erestor, das brauchst du mir nicht ein weiteres Mal zu sagen!", erklärte Glorfindel mit schneidender Stimme. „Und vielleicht sollte eher ich DICH fragen, wer es hier wem schwer macht!", fügte er noch hinzu, seine Augen verzogen sich zu Schlitzen.
Auch in Erestors Augen blitzte es, doch bis auf diese Kleinigkeit wirkte der erste Ratgeber Elronds völlig ruhig und gelassen.
„Ich versuche es uns beiden leichter zu machen. Glorfindel, ich weiß, dass du länger als nur kurz hinter dem Baum standest, ich weiß auch, dass Elrohir dort stand. Aber Elrohir ist an Aníril interessiert, du nicht. Was soll ich denn deiner Meinung nach von dir denken? Erst recht, wenn du auf Haldirs und meine Charade so reagierst?", fragte er den blonden Krieger und wartete gespannt auf eine Reaktion. Er würde seine Antwort bekommen, dessen war Erestor sich sicher.
„Erestor, was du von mir denken sollst? Was soll ich denn von dir denken?", erwiderte Glorfindel. „Du sagst, du hättest mit Haldir eine Charade gespielt, ich dachte du würdest wahre Gefühle für ihn hegen, doch anscheinend ist dies nicht so. Vielleicht sollte ich fragen, was du für ein Spiel spielst?"
Es war anstrengend mit Glorfindel zu sprechen, anstrengender als erwartet, und Erestor lehnte sich seufzend zurück, und schloss kurz die Augen. Seine Gedanken waren in Aufruhr, warum musste Glorfindel nur so kompliziert sein?
„Fin, ich beantworte dir deine Fragen, völlig ehrlich und offen, aber nur, wenn du mir versprichst es genauso zu handhaben", forderte er ruhig.
Glorfindel lehnte sich alles andere als ruhig in seinem Sessel zurück und sah Erestor scharf an.
„Wenn ich mir sicher sein kann, dass du die Wahrheit sprichst, dann werde auch ich dich nicht belügen", entgegnete er so gelassen wie möglich. Sein klopfendes Herz strafte ihn schon jetzt Lügen.
Ein triumphierendes Lächeln blitzte kurz auf Erestors Zügen auf, als er sich nach vorne lehnte, und die Hände auf den Tisch legte.
„Ich kann dir ehrlich gesagt nicht sagen, was du von mir denken sollst, ich weiß es ja selbst nicht, was dich betrifft, da du mich immer sehr aus dem Konzept bringst, das ist wohl auch größtenteils der Grund, warum ich so überreagiert habe. Des weiteren, Haldir hat mir nur einen Freundschaftsdienst erwiesen. Er hat mir geholfen mich an dir zu… nennen wir es rächen. Weil ich zugeben muss, ich war, und bin es auch noch, sehr wütend über dein Verhalten. Haldir aber ist nur einer meiner engsten Freunde", erklärte der Dunkelhaarige und versuchte seine Nervosität zu verbergen. Es gelang ihm sehr gut.
„Rächen?", echote Glorfindel mit hochgezogenen Augenbrauen. „RÄCHEN? Ich sage dir, Erestor, dein Verhalten ist seltsam. Benehmen sich so erwachsene Elben? Erwachsene Elben, die Jahrtausende in diesen Gefilden wandeln? Ich hätte dir etwas mehr..." Glorfindel machte eine Pause und schien zu überlegen. „ ... Niveau zugetraut. Aber anscheinend habe ich mich getäuscht. Erestor, ich kann es nicht fassen!"
Erestor konnte ein spöttisches Grinsen nicht unterdrücken.
„Wer hat denn damit angefangen, sich wie ein kleiner Elbenjunge an der Schwelle des Erwachsenwerdens aufzuführen, indem er andere Elben heimlich beobachtet?", kam die prompte Antwort. „Außerdem, du glaubst ja gar nicht, wie erheiternd es war, dich einmal zu sehen, wie du die Fassung verlierst wegen meinem Verhalten, nicht wie sonst immer andersherum", fügte er noch spitz hinzu.
„Ich kam zufällig vorbei, mein Freund", erklärte Glorfindel mit unterdrückter Wut. „Und dies sagte ich bereits. Es war keine Absicht dahinter. Hinter deinem Tun war jedoch Absicht. Das ist der Unterschied, Erestor, das ist er."
Der blonde Elb sah sein Gegenüber wütend an. Er war unsicher gewesen, als er hineinkam, nur war er aufgebracht. Erestor hatte mit seinen Gefühlen gespielt, war darauf herumgetrampelt, weil er sich rächen wollte. Glorfindel konnte es wirklich kaum fassen. Er verstand den dunkelhaarigen Elben einfach nicht mehr.
Elegant erhob er sich und trat vor Glorfindel.
„Aber du bist nicht gegangen, du bist geblieben", sprach Erestor und zog Glorfindel vor sich auf die Beine. „Sag, Glorfindel, warum tust du mir das an? Warum bringst du mich so durcheinander? Warum schaffst du es, dass ich mich wie ein Kind aufführe, auch wenn ich weiß, dass ich es tue? Wieso bringst du mein ganzes Leben durcheinander? Wie kann ich mich dagegen schützen, dass du mich so aufwühlst?", fragte er den Blonden und zum ersten Mal seit sie sich kannten ließ Erestor ein wenig von den inneren Unruhen erkennen, die Glorfindel in ihm verursachte.
Erestors Gegenüber spürte wie Unruhe ihn ergriff. Was meinte der Dunkelhaarige bloß damit?
„Erestor, ich verstehe nicht ganz, warum ich dich durcheinander bringen sollte, warum ich dich aufwühle", erwiderte Glorfindel so ein wenig verwirrt. Konnte es etwa sein...?
Noch immer stand er vor Glorfindel und blickte zu ihm hoch, seine Gedanken drehten sich wieder einmal im Kreis, wie so oft in der Gegenwart seines Freundes. Mit einer schnellen Bewegung wandte Erestor sich ab und ging zwei Schritte fort von dem verstörenden Elben.
„Ich verstehe es ja selbst nicht. Seit der Zeit in Gondolin, bist du der einzige, der mich völlig aus meinem Gleichgewicht werfen kann. Etwas, was nicht einmal Melreth oder Aní vermochten. Deine Gegenwart bringt meine Gedanken durcheinander, ich reagiere heftiger als sonst. So wie auch jetzt, es ist, als würde ein Sturm in mir tosen, ich verstehe das nicht. Verdammt, es macht mir Angst", stieß der Elb hervor und war wieder zu Glorfindel herumgewirbelt, den er aus großen Augen ansah.
Glorfindel sah Erestor nach dieser Eröffnung erst einmal eine ganze Weile ungläubig an, in seinem Kopf arbeitete es. War es bei dem Dunkelhaarigen etwa genauso wie bei ihm? Schließlich hatte Erestor ihn des Öfteren ebenfalls gehörig durcheinander gebracht. Und diese Beichte trug auch in diesem Moment dazu bei.
Der blonde Elb wusste nun selbst kaum mehr was er tat, als er sich blitzschnell zu Erestor vorbeugte und ihn küsste.
Erestor erstarrte erst, als er die kühlen Lippen des Blonden auf den seinen fühlte. Doch dann setzte sein Verstand aus und er schlang die Arme um Glorfindel, öffnete seinen Mund, antwortete der suchenden Zunge mit der seinen, umspielte sie leidenschaftlich, während er seinen Körper näher an den des Kriegers presste. Er glaubte, er stehe in Flammen, er erzitterte, als Glorfindel ihn noch näher an sich heran zog. Der Kuss wurde immer intensiver, wilder, leidenschaftlicher.
Doch plötzlich spürte er etwas, das ihn, wie ein Schwall kalten Wassers, zurück in die Realität holte. Sehr deutlich bemerkte er Glorfindels Erregung, die sich hart gegen seine Hüfte presste, und Erestor riss sich los.
„Was…? Wieso…?", stammelte er keuchend, nach Atem ringend und blickte Glorfindel entsetzt an, die vom Kuss geschwollenen Lippen immer noch leicht geöffnet, doch diesmal aus Fassungslosigkeit.
Glorfindel sah ihn traurig an. Schauer jagten durch seinen Körper, immer noch schien er Erestors Lippen zu spüren.
„Kannst du dir das nicht denken?", fragte er leise und seltsam hilflos.
Noch immer zitternd, schüttelte Erestor den Kopf, nur um sich gleich zu korrigieren.
„Aber… wieso? Wann…? Ich will es mir nicht denken können." Völlig perplex setzte der Dunkelhaarige sich hin. „Das war jetzt nicht so gemeint…Ich… Ich… bin… überrascht…", stammelte er und sah Glorfindel an, wie ein verschrecktes Reh.
Der blonde Elb betrachtete Erestor traurig und verletzt. Es war nicht so gemeint? Wenn er ehrlich war hatte Glorfindel das anders empfunden. Wollte Erestor es sich nicht eingestehen, konnte er es nicht? Für Glorfindel waren die Zeichen eindeutig, doch in diesem Moment konnte er nicht anders, als den dunkelhaarigen Elben mit einem verletzten Gesichtsausdruck zu mustern.
Um Erestor drehte sich noch immer alles, doch er versuchte etwas Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Langsam erhob er sich wieder und sah zu dem blonden Elben hin, sah den verletzen Ausdruck, und spürte, wie sein eigenes Herz sich zusammenzog.
„Sag mir, seit wann?", forderte er den Blonden auf. Er musste dies jetzt wissen.
Glorfindel schwieg eine Weile, bevor er antwortete.
„Seit wann, Erestor, seit wann?", fragte er leise in die atemlose Stille hinein. „Schon seit Gondolin, seit damals hat es mich nie losgelassen."
Diese Antwort hatte er nicht erwartet. Erestor spürte, wie sein Weltbild gerade zusammenbrach und er war viel zu geschockt um damit umgehen zu können.
„Glorfindel, ich… ich weiß nicht, was ich dazu sagen kann… soll…Bitte gib mir etwas Zeit, mein Freund", sprach er sanft, und berührte Glorfindel zaghaft am Unterarm.
„Erestor, dann sag mir wie viel Zeit du noch brauchst?", erwiderte Glorfindel und wünschte sich, der dunkelhaarige Elb würde seine Hand wegnehmen. „Wie viel Zeit noch? Nicht nur ich habe dich durcheinander gebracht. Weißt du nicht, wie du die ganze Zeit auf mich gewirkt hast?"
Unsicher ließ Erestor Glorfindels Arm los, und trat wieder einige Schritte zurück, auf den Boden blickend.
„Ich weiß es nicht, ich weiß nichts mehr…", erklärte er kaum hörbar und versuchte wieder seine Gedanken zu beruhigen, einen Sinn in dieser Situation zu finden.
„Du erkennst manche Dinge nicht, auch wenn sie offensichtlich sind, nicht einmal bei dir selbst", erwiderte Glorfindel so ruhig wie möglich. Langsam war es ihm leid, wie blind und naiv der Elb trotz der vielen Jahre, die er in Mittelerde wandelte, sein konnte.
„Bitte, Glorfindel, versuche jetzt keinen Streit zu provozieren. Bisher dachte ich über so etwas nie nach, was erwartest du denn?", fragte Erestor flehend. Er wollte sich jetzt nicht mit Glorfindel streiten, und so beschloss er jegliche Blockaden zu senken.
„Du bist mir immer ein Freund gewesen, und nun… es verunsichert mich zutiefst, ich weiß nicht, was ich denken, wie ich reagieren soll. Mein Herz rast und ich bin mehr als nur aufgewühlt im Moment. Wie soll ich darüber nachdenken können? Es ist, als würde mein Weltbild zerbröckeln, langsam und unaufhaltbar. Aber ich verspreche dir, spätestens in der Nacht, in der Lindir den Bund eingeht, wirst du von mir eine Antwort erhalten, nur gib mir diese Zeit, du hast schon Jahrtausende gewartet, aber ich wusste von nichts… Bitte, mein Freund", sprach er und blickte nun Glorfindel an, ließ ihn die Unsicherheit und Verwirrung sehen, die seine Gedanken beherrschte.
Glorfindel jedoch ertrug diese Situation kaum noch und senkte den Blick um Erestor nicht mehr ansehen zu müssen. Diese Unentschiedenheit, sie zerriss ihn.
„Nun, dies ist deine Entscheidung, Erestor", erwiderte er nur und wandte sich dann um. „Vielleicht sollte ich dann jetzt gehen", fügte er noch hinzu.
Erestor konnte nur stumm nicken, und sah mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zu, wie Glorfindel den Raum verließ. Als er hörte, wie die Tür ins Schloss fiel, war es ihm, als würde der Knall noch lange nachhallen. Er konnte nur an eines denken, er musste mit jemandem reden, mit Haldir reden.
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Narwain: Danke für dein Review ;)
Die Story kenne ich recht gut, da der ganze Mist auf einem Spiel auf einem UT entstanden ist, und ich diejenige war, die auf die Idee kam mit der Karte, Leandra hat es dann später halt ausgearbeitet… ziemlich gut, wie ich neidlos zugeben muss ;) zudem kenne ich Leandra halt persönlich (Was denkst du denn, wie „You work too hard" entstanden ist, wo ich ja Elrond „spielen" durfte ;)), wir sind immerhin in der Virtual Realaty verheiratet ;).
So wies aussieht, muss du noch ein bissele warten, bis es vielleicht eine Möglichkeit für ein Erestor / Glorfindel R Kapitel gibt… tut mir leid ;)… aber hey, es hat den Vorteil, das die Geschichte länger wird… Val und ich haben es übrigens Geschafft, den Plot endlich fertig auszuarbeiten, und haben in jetzt ne ungefähre Vorstellung davon, wie viele Kapitel es werden ;)
Galu: Danke für dein Review ;)
Damit hätten wir das Spielchen geklärt ;) und wie findest du die Aussprache?
Nillome: Danke auch dir für dein Review ;), und ja, wir könnten dich auch totknuddeln, hier schon da nächste Kapitel, dann wollen wir doch mal schauen, ob wir die nächsten drei noch hinbekommen, bevor du offiziell aus dem Urlaub zurück bist ;)
Avallyn: Danke für das Review ;)
Noch immer nicht weitergekommen in deiner Heiratsvermittlung??? Schade eigentlich… hätte mich mal interessiert, mit wem du ihn hättest verkuppeln wollen ;).
Die Bilder würde ich auch gerne malen, leider bin ich darin nicht so gut…
Stern:
Sodele, hier ist dein Erestor und Glorfindel Kapitel ;) gibt's dafür ein review?? „Anbettel und auf den Boden werf". Hauptsache, es hat dir gefallen ;)
Raven:
Sodele, auch für dich mal wieder die beiden Uralt Gondolin Elben ;). Ich hoffe dir hat das Kapitel gefallen, würden uns auf jeden fall über eine Meldung deswegen freuen ;)
Amrun:
Sodele, jetzt weißt auch du, wie es mit Glorfindel und Erestor weitergeht, ich hoffe es hat dir ein wenig gefallen ;)
Stille Leser:
HUHU, gibt es euch??? Wollt ihr nicht einmal ein Lebenszeichen von euch geben?? Wir beißen auch im allgemeinen nicht ;) Zumindest würdet ihr unser Herz höher schlagen lassen, würdet ihr euch melden ;)
