Kapitel 16: Verwirrung und Unsicherheit
Erestor eilte durch die von Kerzen erhellten Gänge. Er wusste, er würde Haldir in den Mannschaftsquartieren finden. Und dorthin ging er nun. Sein Herz schlug wie verrückt, seine Gedanken wirbelten umher, und er konnte sie einfach nicht beruhigen. Wie konnte dies nur passiert sein? Wie konnte er dies nur die ganze Zeit über übersehen haben? Wie fühlte er selbst? War es wirklich wie Glorfindel behauptete?
Erestor schüttelte stumm den Kopf. Nein, es war sicherlich nicht so. Nur, warum war er jetzt so aufgeregt?
Als er endlich vor der Tür des Zimmers zu stehen kam, das sich Haldirs Brüder teilten, und Mit zitternden Händen klopfte, ging sein Atem stoßweise, und sein Gesicht zeigte eine unnatürliche Blässe.
Haldir war erstaunt, als er das Klopfen an der Tür hörte. Der Galadhrim fragte sich, wer zu dieser Zeit wohl noch mit ihm sprechen wollte. Trotzdem sagte er laut „Herein" und sofort ging die Tür auf. Haldir stockte der Atem angesichts Erestors Erscheinung.
„Bei den Valar, Erestor, was ist passiert?", rief er entsetzt, sprang von seinem Sitzplatz auf und eilte auf den dunkelhaarigen Elben zu. Beide Hände auf die Schultern Erestors legend dirigierte er ihn dann zu einem Sessel und drückte ihn hinein.
„Setz dich, Erestor. Du siehst ja schrecklich aus. Warum bist du so bleich? Was ist passiert?"
Erestor krallte sich in den Ärmeln von Haldirs Tunika fest und blickte ihn immer noch verstört an. Seine Gedanken kamen noch immer nicht zur Ruhe. Instinktiv lehnte er sich an den blonden Galadhrim und kämpfte um die richtigen Worte.
„Ich habe mit Glorfindel gesprochen, ich weiß einfach nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Es wünscht eine Antwort von mir. Ich stand in Flammen, aber ich verstehe das nicht. Warum? Hat er wirklich Recht?", stammelte er hervor und versuchte einfach ruhig zu atmen.
Haldir nahm die Hand des dunkelhaarigen Elben und drückte sie leicht.
„Erestor, vielleicht verstehst du selbst dein Verhalten und deine Gefühle nicht, aber selbst du hast doch gemerkt, dass Glorfindel dich durcheinander bringt. Wärst du sonst so wütend gewesen, als er dich beobachtet hat? Hättest du dich sonst auf diese Art und Weise rächen wollen? Es wäre auch anders gegangen. Nein, Erestor, ich denke, er hat Recht", sagte der blonde Elb ernst.
Erestor traute seinen Ohren kaum, als er diese Worte hörte. Fassungslos riss er sich los und blickte in Haldirs Augen.
„Wie kannst du nur so etwas sagen? Warum versuchst auch du mich unter Druck zu setzen?", spie er ihm entgegen, stand auf und ging zur Tür. Dort blieb er kurz stehen und drehte sich noch einmal um.
Haldir blieb vollkommen ruhig. „Erestor, beruhige dich erst einmal und setze dich wieder. Nie hatte ich vor dich unter Druck zu setzen, mir ist gar nicht klar, wie du auf diese Idee kommst. Ich habe dir lediglich die Möglichkeiten aufgezeigt."
Seine Schultern sackten herunter, als er den anderen betrachtete.
„Ich weiß, mein Freund, ich weiß. Ich bin nur sehr aufgewühlt, und muss nachdenken. Da es sich dabei aber um Glorfindel dreht, fällt mir das sehr schwer", sagte er und ließ sich wieder neben Haldir nieder, und lehnte sich an diesen. „Weißt du, es ist einfach nur, dass ich mich selbst wundere. 7 000 Jahre, und ich wusste von nichts. Bin ich wirklich so naiv?"
Der Galadhrim neben ihm musste schmunzeln.
„Nein, Erestor, als naiv würde ich dich nicht bezeichnen", lächelte er, doch der Schalk in seinen Augen strafte ihn Lügen.
Ein steile Falte bildete sich zwischen Erestors Brauen, als er Haldirs Worte hörte, und auch die Ironie dahinter. Doch dann überzog ein Lächeln seine Züge, und er boxte Haldir leicht in die Seite, nur um kurz darauf wieder ernst zu werden.
„Danke mein Freund, ich denke, ich werde mich damit in der nächsten Zeit auseinandersetzen müssen, aber nun habe ich keine Angst mehr davor. Egal, was meine Antwort, die ich in mir finden werde, sein wird", sprach er und fühlte sich wieder ruhiger.
Haldir lächelte Erestor an.
„Ich bin mir sicher, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst", erklärte er freundlich und drückte ihm ein zweites Mal die Hand. „Aber nun lass uns von etwas anderem reden, vertreibe die düsteren Gedanken aus deinem Kopf, mein Freund. Sag, wie steht es mit Aníril? Treffen Laereth und sie nicht schon bereits heute die ersten Vorbereitungen?"
Freudig begrüßte Erestor den Themenwechsel.
„Soweit ich weiß schon. Aní erzählte mir heute morgen davon, dass sie den Tag zwar größtenteils mit Elrohir verbringen mag, aber später auch noch mit Laereth sprechen wollte. Natürlich dürfte sie jetzt schon längst wieder in Elrohirs Gemächern sein," antwortete der Elb nachdenklich.
„Dann sollten wir die beiden besser nicht stören", bemerkte Haldir und ein sanftes Grinsen zog über sein Gesicht. „Es wundert mich zudem, wie schnell es bei Aníril und Elrohir nun geht, sie wirken bereits sehr vertraut. Wenn du nicht aufpasst, mein Freund, musst du bald ebenfalls eine Hochzeit vorbereiten", schloss der Galadhrim dann lachend und mit blitzenden Augen.
Mit einem theatralischen Aufstöhnen ließ Erestor seinen Kopf in seine Hände fallen.
„Oh nein, warum musst du mir wieder vor Augen halten, wie alt ich bin", scherzte er und lachte. „Aber ich würde mich für Aníril und Elrohir freuen, wenn sie beschließen sollten den Bund einzugehen. Aber dies ist ihre Sache, ich werde mich da nicht einmischen."
Haldir lachte auf. „Recht so, immerhin hast du dich schon genügend eingemischt, wenn ich mich nicht irre?", erklärte er und zwinkerte dem Dunkelhaarigen gutmütig zu.
Dieser nickte nur mit einem erheiternden Grinsen und dachte an Anírils Gesicht, als er ihr von ihrem kleinen Komplott erzählt hatte.
„Für wahr, wenn wir schon beim Thema sind, was mich interessieren würde, ist, welche Elbenmaid eines Tages das Glück haben wird den Erben Bruchtals zu erobern. Bisher schien Elladan in keiner Frau mehr als körperliches Interesse zu haben."
„Mein Freund, dazu kann ich dir auch nichts weiteres sagen", erwiderte der Galadhrim. „Selbst in Zeiten, welche Elladan in Lórien verbrachte, schien er kein größeres Interesse zu hegen. Ich frage mich, ob er überhaupt jemanden sucht."
Diesen Aspekt hatte Erestor bisher nicht berücksichtigt und so schwieg er erst einmal, um darüber nachzudenken.
„Es mag sein, dass du Recht hast, alter Freund. Aber ich denke, auch er wird eines Tages jemanden treffen, dem er sein Herz schenkt. So wie jeder von uns", antwortete er nach einer Weile.
„Bist du dir da sicher?", seufze Haldir. „Ich wollte einmal mein Herz verschenken, doch blieb es mir verwehrt. So freue ich mich natürlich für jeden, der jemanden findet, den er liebt, aber das Leben hält nicht für alle Freude bereit."
Der Galadhrim hatte den Blick gesenkt und in seiner Stimme schwang ein trauriger Unterton.
Freundschaftlich nahm Erestor Haldirs Hände in die seinen.
„Es war besser so, dass weißt du. Rían hat es abgelehnt damals, weil sie nicht wollte, dass du wegen ihr dahinschwindest. Sie war sterblich, und sie hat dich über alles geliebt, und deswegen hat sie dich gehen lassen. Aber ich glaube ganz fest daran, dass auch du irgendwann jemanden finden wirst, den du aufrichtig liebst, und der dir die gleichen Gefühle entgegen bringt", erwiderte Erestor sanft, und in diesem Moment sah er vor seinem inneren Auge einen Schimmer goldenen Haares, ähnlich Glorfindels, aber nicht ganz, dass sich mit den silbrigen Strähnen des Galadhrim verwob. Still lächelte er seinen Freund an.
„Nichts wünsche ich mir mehr, als dass du Recht hast, Erestor, mein Freund", seufzte Haldir. „Aber ich denke, wir sollten uns wieder aufmunternden Themen zuwenden. Meinst du nicht?"
Der Galadhrim stand von seinem Platz auf und trat an das große Fenster heran. Draußen war die Nacht bereits hereingebrochen, Dunkelheit streckte sich über das Land.
Leisen Schrittes trat der Noldo neben den Grenzwächter, eine Hand auf dessen Schulter.
„Die Sterne strahlen wunderschön in dieser Nacht. Was hältst du davon, ein wenig durch die Gärten zu spazieren?", fragte er Haldir.
„Sehr viel", erwiderte der Galadhrim lächelnd und zusammen gingen die beiden Elben hinaus in die Gärten Imladris'. Haldir hatte es schon immer geliebt unter dem Sternenhimmel in den Gärten zu wandeln und so mochte es auch Erestor. Keiner der Beiden sagte in den nächsten Minuten ein Wort, beide hingen ihren Gedanken nach und genossen einfach nur die Kühle der frühen Nacht.
Wenige Stunden vorher standen zwei sehr aufgeregte Elbenmaiden in dem Ankleidezimmer der einen und debattierten.
„Denkst du wirklich, dass ich so etwas Pompöses tragen sollte, Aní? Du weißt, dass ich mich in schlichten Dingen wohler fühle. Ich hatte mir überlegt dieses ganz einfache Kleid von mir zu nehmen, und zu besticken", erklärte Laereth und zeigte auf ein schneeweißes Kleid, von zwar schlichtem aber raffiniertem Schnitt, der ihre Form wunderbar zur Geltung brachte, ohne aufdringlich zu wirken.
„Ich hatte gedacht, du wolltest auffallen", erwiderte Aníril keck und hielt ihr ein weiß und silbern glänzendes Kleid mit weitem, wallenden Rock, langen Trompetenärmeln und weit ausgeschnittenem Dekolleté hin. „Schließlich sagtest du das zu Anfang selbst."
Die Augen der Elbenmaid funkelten und auf ihrem Gesicht lag ein fröhliches Grinsen.
Laereth schüttelte nur entsetzt den Kopf.
„Weißt du, Lindir und ich haben nicht zueinander gefunden, weil ich mich so auffallend kleide. Sondern, weil wir beide die Musik lieben. Und ach, kannst du dir das nicht vorstellen, dieses Kleid, nur in etwas dunkler, mit perlmutfarbenen Perlen und Goldfäden bestickt?"
Die rotblonde Elbenmaid ließ sich in einen der Sessel sinken, und zeigte Aníril einen cremefarbenen Seidenstoff. „Außerdem passt das etwas wärmere besser zu meinen Haaren, als so ganz kalte Farben", setze sie noch hinzu.
„Sind die Goldfäden dir nicht ebenfalls zu pompös?", fragte Aníril mit einem schelmischen Lachen. „Ansonsten könntest du Recht haben. Aber eigentlich dachte ich, die Farbe, welche man trägt, wenn man den Bund eingeht, wäre weiß."
Prüfend hielt die Elbenmaid Laereth das Kleid hin und musterte es kritisch.
Diese lachte daraufhin klingend, man konnte deutlich hören, dass sie eine der besten Sängerinnen in Imladris war.
„Aber wenn es mir nicht steht, warum sollte ich es denn tragen? Und ich hatte nur vor, ein wenig an den Säumen zu besticken, sonst wäre es wirklich zuviel, damit hättest du Recht. Aber ich wollte nun mal ein Notenband dort einfügen", erklärte die Rothaarige.
„Ein Notenband?", fragte Aníril. „Laereth, bist du in Lindir verliebt oder in die Musik?", fügte sie dann zwinkernd hinzu und begutachtete den Saum des Kleides. „Möchtest du dann auch eine goldene Borte?", fragte die Elbenmaid nun wieder ernst.
„Lindir ist meine Musik", kam die verträumte Antwort und Laereth stand wieder lachend auf und eilte zu einem kleinen Kästchen, das sie Aníril zeigte.
Darin befand sich ein Diadem aus Gold, mit Perlen besetzt, schmal, unauffälliger, aber sehr elegant, und dazu ein passendes Collier. „Dies ist der einzige Schmuck, den ich tragen werde, und auch sonst soll es eher dezent gehalten werden, deswegen keine goldene Borte. Mein Vater schenkte meiner Mutter diese Kombination, als sie den Bund eingingen. Da sie jetzt schon viele Jahre tot sind, möchte ich ihr Andenken wahren und selbst diesen Schmuck tragen, wenn ich demjenigen, dem mein Herz gehört, schwöre auf immer an seiner Seite zu sein."
Aníril sah Laereth und den Schmuck nachdenklich an, doch hatte sie auf ihre letzten Worte kaum gehört. Das ‚Lindir ist meine Musik' klang noch immer in ihren Ohren. Sie wusste, dass Laereth es vollkommen ernst gemeint hatte. Nun fragte sich Aníril, ob sie möglicherweise mal ähnliches von Elrohir sagen konnte. In diese Gedanken versunken blieb Aníril erst mal auffallend stumm.
„Aníril, was ist denn? Du bist plötzlich so still geworden", fragte die Rotblonde sie besorgt, und sah sie durchdringend an. Laereth hatte Gerüchte gehört, dass Elrohir ihrer Freundin den Hof machte, doch noch wusste sie nichts Genaueres. „Da fällt mir ein, was ist an den Gerüchten Elrohir und dich betreffend wahres?"
Die Elbenmaid wurde aus ihren Gedanken gerissen und lächelte Laereth kurz an. Ihre Züge wirkten seltsam entrückt.
„Verzeih, wenn ich nicht zugehört habe, Laereth", sagte sie. „Und was mit Elrohir ist?"
Aníril seufzte kurz.
„Ich weiß nicht was für Gerüchte du gehört hast, doch ich kann es mir denken. Und wenn du das gehört hast, was ich meine, dann..." Die Elbenmaid machte eine wegwerfende Geste und sah verträumt aus dem Fenster. „... dann sind sie wohl mehr als wahr", fuhr Aníril dann leise fort.
„Das ist jetzt nicht dein ernst? Eine der Küchenmaiden erzählte mir, du hättest die letzte Nacht nicht in deinen Gemächern geschlafen…", rief die mehr als überraschte Elbenfrau aus. „Aber… aber… Wieso hast du bisher noch nichts davon erzählt? Ich wusste nicht einmal, dass Elrohir dir den Hof gemacht hat."
„Eine Küchenmaid hat es dir erzählt?", fragte Aníril ungläubig zurück. „Soweit vorgedrungen ist das schon?" Die Elbenmaid wurde bei dem Gedanken leicht rot, fasste sich dann aber wieder.
„Und wie soll ich dir etwas erzählen, was ich bis vor kurzem selbst nicht wusste?", fügte sie dann hinzu.
„Du wusstest bis vor kurzem nichts davon? Hast aber die Nacht mit ihm verbracht?" Laereth schien mehr als nur überrascht zu sein. „Das hätte ich nicht von dir gedacht, Aníril, es verwundert mich doch sehr. Aber gut, ich denke, ich bin da auch eher sehr zurückhaltend. Wenn ich mir überlege, wie lange ich Lindir hingehalten habe", fuhr sie kichernd fort. „Das Mädchen sah dich, wie du am Morgen mit ihm aus seinen Räumen kamst und in seine Roben gekleidet warst, daher wird sie es gewusst haben."
„Ich sollte mir merken, mich vorzusehen, bevor ich seine Sachen anziehe", seufzte Aníril. „Und ja, ich war die Nacht bei ihm. Weißt du, ich war schon lange Jahre verliebt, er ebenso, doch trauten wir uns beide nicht einander etwas zu sagen, aus Angst unsere Freundschaft zu verlieren. Und als er mich dann gestern zum Abendessen einlud..."
Wieder brach Aníril ab und sah Laereth verträumt an.
Es freute Laereth sehr, zu sehen, wie die jüngere für Elronds Sohn schwärmte, und so musste sie unwillkürlich lächeln.
„Na dann, ich hoffe, es hat dir wenigstens Spaß gemacht. Aber ich denke, er war nicht dein erster Liebhaber, oder?", fragte sie sie und errötete leicht.
Aníril errötete ebenfalls und schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, aber er ist der Erste, den ich wirklich liebe", sagte die Elbenmaid dann leise und verstummte ein wenig unsicher.
„Das freut mich für dich, sag, ist der Unterschied groß, wenn man denjenigen liebt, oder nicht?", sprudelte die Rotblonde hervor, und übersah die Unsicherheit der anderen, zu neugierig war sie nun.
„Glaube mir, Laereth", erwiderte Aníril und wandte den Blick ab. „Glaube mir, es ist ein großer Unterschied. Ich dachte es vorher auch nicht, aber ich habe es nun erlebt..."
Wieder brach die Elbenmaid ab und blickte ihre Freundin unsicher an.
Diese jedoch war in Gedanken weit weg.
„Weißt du, manchmal wünschte ich mir, ich wüsste den Unterschied, aber ich hab nur mit Lindir…", begann sie und sah dann auf. „Aber was ist mit dir? Solltest du nicht vor Glück strahlen?"
„Vielleicht sollte ich das", gab Aníril zu. „Aber irgendwie... ich bin unsicher, verstehst du das nicht? Ich hatte bisher noch nie intimeren Kontakt mit jemandem, bei dem es auf Liebe basierte, und nicht nur auf Freundschaft."
Die Elbenmaid seufzte. „Ich bin einfach unsicher, wie ich mich verhalten soll, wie es weitergehen soll."
„Das ist doch irrelevant", kam die prompte Antwort. „Es wird sicherlich alles gut gehen. Was denkst du, wie unsicher ich anfangs war, aber ich wusste, dass Lindir mich liebt und konnte mich deswegen fallen lassen. Und jetzt gehen wir bald den Bund ein. Auch wenn es recht lange gedauert hat, bis wir uns dazu entschlossen haben", zwinkerte die Rotblonde und erinnerte sich daran, dass sie nun schon fast neunhundert Jahre mit Lindir lebte.
„Nun ja, ich erinnere mich an andere, die sich schneller trauten", zwinkerte Aníril Laereth zu. Die Elbenmaid freute sich ehrlich für ihre Freundin, aber sie fragte sich auch im selben Augenblick, ob dieses Glück, was Laereth und Lindir zu haben schienen, auch über ihrer Liebe zu Elrohir stand.
Laereth trat zu ihrer Freundin und berührte sie zurückhaltend, wie immer, am Arm.
„Aníril, geschätzte Freundin, bitte lass nicht deine Unsicherheit einen Schatten auf euer Glück werfen. Niemand kann voraussehen, was passieren wird. Doch, wenn du jetzt schon zweifelst, wird eure Liebe untergehen. Lass es einfach auf dich zukommen, und schaue dem Schicksal ins Auge, wenn es euch herausfordert", sprach sie sanft.
Aníril sah sie lächelnd an.
„Ich weiß, dass du Recht hast und ich zweifle auch nicht an unserer Liebe, das nicht. Aber ich bin unsicher, was die Zukunft angeht, trotz allem. Du und Lindir, ihr lebt schon lange zusammen. Elrohir und ich... wir haben uns erst gestern unsere Liebe gestanden."
Die Elbenmaid sah wieder zum Fenster.
„Ich kenne dieses Gefühl doch noch gar nicht", sprach sie dann weiter. „Und..." Aníril errötete leicht. „Ich weiß auch gar nicht, was Elrond dazu sagen wird."
Ein wenig verlegen blickte sie an Laereth vorbei.
Diese lächelte plötzlich, ergriff Aníril recht undamenhaft am Arm und zog sie hinter sich her.
„Dieses Problem lässt sich lösen, gehen wir ihn fragen", erklärte sie, keinen Widerspruch duldend, und zog die geschockte Elbenmaid hinter sich her, in Richtung des Arbeitszimmers von Elrond.
Aníril sträubte sich gegen den Zug an ihrem Arm, der sie immer näher an die Gemächer des Herren von Imladris heranschleifte.
„Lass das", protestierte die Elbenmaid halblaut. „So habe ich das nun auch nicht gemeint!"
Doch Laereth lachte nur und klopfte an die Tür.
„Ich werde nicht zulassen, dass du in deinen Selbstzweifeln versinkst… du hast allen Grund glücklich zu sein!!!", erklärte sie trotzig und zog die junge Elbemaid mit sich in das Zimmer, als sie herein gebeten wurden.
Elrond blickte etwas überrascht auf, als Laereth und Aníril den Raum betraten, beziehungsweise, als die Rotblonde Erestors Tochter hinter sich herein zog.
„Aníril, Laereth, was kann ich für euch tun? Falls ihr Erestor sucht, er hat sich mit Lindir in der Bibliothek verschanzt, und die beiden entwickeln einen ‚Schlachtplan'. Zumindest nannten sie es so."
Doch die ältere der beiden Frauen schüttelte nur den Kopf. „Nein, wir suchen keinen der beiden. Aníril möchte Euch vielmehr etwas fragen", erklärte sie und schob ihre Freundin in Richtung des Stuhls, der gegenüber von Elronds Schreibtisch stand.
Aníril stolperte vorwärts und ließ sich in den Stuhl fallen, als sie den Druck der Hände ihrer Freundin spürte, welche auf ihren Schultern lagen. Nun saß sie also Elrond gegenüber, der Laereth und sie ein wenig verdutzt anblickte. Nervös presste Aníril die Lippen aufeinander und sah anklagend zu Laereth hinauf, die immer noch neben ihr stand. Aus dem Mund der Elbenmaid kam jedoch kein einziges Wort.
Elrond beobachtete das Verhalten der beiden Frauen, und wusste nicht so recht, wie er darauf reagieren sollte. Es schien, als läge Aníril etwas auf dem Herzen.
„Also, Aníril, was möchtest du fragen? Es verwundert mich dich hier zu sehen, hattest du nicht vor, den Tag mit meinem Sohn zu verbringen?", fragte er sie sehr direkt, und runzelte verwirrt die Stirn, als Laereth daraufhin auflachte.
Aníril warf ihrer Freundin nun einen bitterbösen Blick zu und wand sich unsicher auf ihrem Stuhl. Es war ihr nicht in den Sinn gekommen auch nur im Ansatz mit Elrond über ihre Liebe zu Elrohir zu sprechen und so wusste sie nicht, was sie erwidern sollte. Sie sah nur, wie Elrond sie erwartungsvoll anblickte und hörte immer noch Laereths Lachen.
„A... also eigentlich... schon", brachte sie leise und beinahe stotternd hervor.
Laereth sah, wie Elrond ihr ein fast unmerkliches Zeichen gab, und sie verstummte.
Elrond atmete erleichtert auf, er hatte deutlich gemerkt, wie sehr Aníril das Lachen Laereths verunsichert hatte.
„Und wieso tust du es nicht?", fragte er sanft weiter, stand auf und ließ sich auf einem der Sessel neben dem Kamin nieder. Mit einer knappen Geste gab er den beiden Frauen zu verstehen sich zu ihm zu setzen, und ein Glas des Rotweins zu nehmen, der auf einem kleinen Tischchen stand.
„Weil Laereth und ich dabei waren, ihr Kleid vorzubereiten, das sie tragen will, wenn sie mit Lindir den Bund eingehen wird", antwortete Aníril diesmal ohne zu stocken. Die Elbenmaid griff sich eins der Gläser und nippte leicht an dem Wein, während sie versuchte die wirren Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben.
Laereth schüttelte etwas unwillig den Kopf, sie konnte es einfach nicht glauben, dass Aníril so unsicher war. Kurz erinnerte sie sich an ihre erste Unterhaltung mit dem Elbenfürsten, kurz nachdem sie und Lindir einander ihre Liebe gestanden hatten. Damals war er sehr fürsprechend gewesen, und hatte sie zu Celebrían geschickt, damit sie ihr alle Fragen beantworten konnte.
„Elrond, sie schämt sich wohl, die Worte zu sprechen, aber sie ist sich unsicher, ob Ihr…" kurz brach sie ab und blickte nachdenklich auf Aníril.
Elrond hingegen zog nur fragend eine Augenbraue nach oben, eine Geste, die sowohl er als auch Erestor sehr häufig verwendeten, und wartete.
Aníril sah zu Laereth hinüber und schüttelte unmerklich den Kopf. Sie war immer noch ein wenig wütend, dass die ältere Elbenmaid sie einfach zu Elrond gebracht hatte, doch ließ es sich jetzt nicht mehr ändern.
„Nun, eigentlich ging es um Elrohir", sagte sie dann schnell und fügte ein wenig leiser hinzu: „... und um mich."
Elronds Augen verengten sich.
„Ich hoffe, du bist dir nicht unsicher, was deine Gefühle angeht, denn wenn ja, sag es ihm jetzt. Je früher sein Herz gebrochen wird, umso eher wird es heilen. Ich möchte nicht, dass meinem Sohn wehgetan wird", erklärte der Herr des Letzten Heimeligen Hause barsch.
„Aber ich habe doch gar nicht vor ihm das Herz zu brechen", erwiderte Aníril bestürzt. „Ich... ich liebe ihn, nur sagte ich bereits zu Laereth, dass ich nicht weiß, was ich jetzt tun soll, was mir... uns die Zukunft bringt."
In den Augen des Halbelben erschien ein sehr sanfter Ausdruck, und er ergriff Anírils Hände.
„Aníril, es ist nicht wichtig was in ferner Zukunft liegt. Ich wusste von Anfang an, als ich mit Calabrían den Bund einging, dass sie lange vor mir in Valinor sein wird. Dennoch habe ich sie so sehr geliebt und tue es immer noch. Diese Erinnerrungen versüßen mir mein Dasein in diesen Gefilden, denn ich werde hier noch gebraucht und konnte nicht mit ihr in die Unsterblichen Lande segeln. Ich würde die gemeinsame Zeit niemals missen wollen", erklärte er und sah Erestors Tochter lange an. „Es ist nicht wichtig zu wissen, was die Zukunft bringt, alles, was zählt, ist, was man fühlt. Mach dir über die Zukunft keine Gedanken."
Aníril errötete, als sie zurücktrat.
„Nun, ich denke, es ist ein wenig früh um sich darüber Gedanken zu machen", erwiderte sie mit einem schiefen Lächeln. Insgeheim war sie froh, dass der Vater Elrohirs nichts gegen ihre Liebe gesagt hatte.
Elrond lachte bei ihren Worten, er freute sich sehr für seinen Sohn.
„Dann bin ich ja beruhigt. Doch ich denke, ihr zwei solltet nun zu denen zurückkehren, die bestimmt schon auf euch warten. Lindir hatte vorhin etwas angedeutet wegen eines Essens, Laereth. Und Elrohir wird dich sicherlich sehnsüchtig erwarten, Aníril", erklärte er und beobachtete erheitert, wie die beiden Frauen erröteten und sich schnell verabschiedeten. Er selbst fühlte einen kleinen Stich im Herzen, als er an Celebrían denken musste, er vermisste sie so sehr, aber auch er würde eines Tages wieder mit seiner Liebe vereint sein, so wie diese beiden jungen Elbenmaiden.
Nillome:
Und das nächste Kapitel… ich hoffe auch, sonst weißt du noch vorher, was für eine Antwort er bekommt, weil geschrieben ist es jetzt schon, dauert nur noch ein bissel bis zur Veröffentlichung. Danke für dein Review, fühl dich umgeknuddelt… ich glaube es wird knapp, unsere betaleserin ist im Urlaub… ‚grummel'… ich will auch…
MorganAbKynan:
Danke für dein Review ;), fühl dich von deinem Stuhl geknuddelt ;) wenn du wüsstest… naja mir tut Fin auch irgendwie leid, aber es ist ja schon Spätsommer und die Bundschließung ist im Winter… das wird er wohl noch schaffen… ist ja nur ein zigtausenstel der Zeit, die er schon sehnsüchtigst gewartet hat… nur mal schauen, zu was für einem Schluss Resti kommt ;). Und hast du in der Zwischenzeit eine Idee, an wen wir Haldir verhökern sollen?
Galu:
Danke für dein Review ;), fühl dich in den Boden geknuddelt… boll doof, dass die Sternchen bei FF:net nicht mehr gehen.., hat ein bissel gedauert mit dem Kap, sorry, aber Val war dagegen, dass ich es so schnell Nachveröffentliche, außerdem kommt so das nächste nach ein bissel weniger Wartezeit ;) Und ja, Erestor ist ein Schussel in der Hinsicht… aber ich wäre ehrlich gesagt auch geschockt, wenn ich so was plötzlich mitbekomme und vorher eigentlich nicht wirklich über eine Beziehung zwischen zwei Männern nachgedacht habe und oich erfahre, dass es schon soooo viele Jahre sind ;)
Narwain:
Danke für dein Review, fühl dich mit in den Boden geknuddelt ;) Dir hauts den Vogel raus??? Dann haben wir ja unser Zeil erreicht… neee, es passt so eigentlich am besten zu der Situation… ist am ehesten der Erestor, den ich adoptiert habe ;)
Uial:
Danke für dein Review, fühl dich auch einmal kräftig geknuddelt ;), hach ist das schön, so viele Reviews zu bekommen, Val und ich sind total happy ;). Hoffentlich hat dir dieses Kap auch zugesagt, auch wenn Glorfindel nicht auftaucht… aber ich denke, er liegt gerade in seinem Zimmer auf dem Bett und weint sich die Seele aus dem Leib… armes Kerlchen…
Stern:
Danke für den Reive ;) fühl dich mitumgeknuddelt! Naja, ich denke es lag mit daran, das die beiden nicht so ganz wussten, was sie tun sollten… ich glaube Fin und Resti waren einfach überfordert mit der Situation ;), hoffentlich hat dir dieses Kap auch gefallen
