Kapitel 17: Fluchtversuche

Draußen regnete es in Strömen, und die frühe Dunkelheit des Abends wurde ab und an zerrissen von grellen Blitzen, dicht gefolgt von ohrenbetäubenden Donnerschlägen. Haldir stand an der Tür zu Erestors Balkon und beobachtete die Bäume, die sich im Wind bogen. Doch seine Gedanken waren bei den letzen Monaten. Bald würden die ersten Schneefälle beginnen und der Tag, an dem Lindir und Laereth den Bund eingingen rückte immer näher. Genauso wie der Tag, an dem Erestor Glorfindel wie versprochen eine Antwort geben sollt. Haldir seufzte, als er an das Verhalten seines dunkelhaarigen Freundes jenem Krieger gegenüber dachte. Erestor hatte alles daran gesetzt, Glorfindel soweit wie möglich aus dem Weg zu gehen, außer bei den gemeinsamen Essen mit Elrond und seiner Familie. Doch auch bei diesen waren die beiden ungewöhnlich schweigsam, zumindest in den Augen des Herrn von Imladris. Haldir schüttelte nur stumm den Kopf, als er an Elronds verwirrte Blicke dachte, und wieder einmal fragte er sich, warum Erestor zu stur war, um das anzuerkennen, was er fühlte. Selbst Melreth hatte es geahnt, doch Haldir wusste, er durfte seinem Freund niemals erzählen, dass dies der wahre Grund für ihre Reise gen Westen gewesen war. Wieder schüttelte er stumm den Kopf, er hoffte für seine beiden Freunde, dass sie endlich zueinander finden würden.

Er spürte eine andere Gegenwart an seiner Seite, und erkannte, auch ohne hinzusehen, dass Aníril neben ihn getreten war. Er wusste, dass auch sie sich Sorgen um ihren Vater und Glorfindel machte, und wieder einmal fragte er sich, wieso Erestor sich so schwer tat, etwas zu akzeptieren, das selbst seine Tochter sehen konnte. Sein größtes Argument, er wolle Melreth nicht hintergehen, hätte Haldir so leicht entkräften können, doch er hatte sich immer zurückgehalten.

„Ich dachte gerade an ein Gespräch, das ich einmal mit deiner Mutter führte, Aníril, es war kurz vor ihrer Abreise", begann der stolze Grenzwächter ruhig, noch immer aus dem Fenster blickend. „Sie erzählte mir, sie müsse gehen, da sie sehen würde, wie Erestor wirklich fühlt, auch wenn es ihm selbst nicht klar war. Sie meinte auch, sie würde nicht an seiner Liebe zu ihr zweifeln, doch sein Herz gehörte nicht ihr, und so wolle sie ihn lieber freigeben, als ihn dann eines Tages, wenn er es verstehen lernt, zerrissen zu sehen zwischen zwei Elben, die ihm viel bedeuteten. Deine Mutter war, trotz all ihres Sanftmutes, eine sehr starke Frau, ich habe selten eine solche gesehen. Doch auch in dir erkenne ich vieles wieder von ihr, und ich freue mich ehrlich zu sehen, wie die Liebe zwischen Elrohir und dir erblüht." Er schenkte ihr ein kurzes Lächeln und fuhr sogleich wieder fort.

„Elrohir war übrigens vorhin hier, er hat dich gesucht, du solltest am besten zu ihm gehen, es klang wichtig. Ich glaube, es ging um den jungen Menschen, der im Fieber daniederliegt."

Aníril zog besorgt die Stirn in Falten. Der junge Mann, von dem Haldir redete, war vor einiger Zeit an den Grenzen Imladris' gefunden worden, völlig durchnässt von den anhaltenden Regenfällen. Anders als es bei Elben geschehen wäre, war der Mensch krank geworden und lag fiebrig ans Bett gefesselt. Die Heiler hatten alle Hände voll zu tun um ihm zu helfen, es war somit nicht verwunderlich, dass Elrohir nach ihr gesucht hatte.

Die Elbenmaid nickte leicht.

„Dann werde ich mich jetzt auf den Weg machen und dich alleine lassen", erklärte Aníril und nickte Haldir freundlich zu, bevor sie sich abwandte und in Richtung der Gemächer Elrohirs Schritt, wo sie den Sohn Elronds vermutete.

Ihr Weg war nicht lang und schon stand sie vor der Tür, die Hand erhoben um anzuklopfen, doch dann hielt sie inne. Stimmen drangen aus dem Raum heraus und ließen sie stutzig werden.

Eine leichte Röte hatte seine Wangen gezeichnet, als Elrohir in Elladans Zimmer geplatzt war, und diesen mit einer ihm völlig fremden Elbenmaid erblickt hatte. Diese jedoch war auf eine knappe Anweisung seitens Elladan so schnell wie möglich aus den Räumen geflüchtet. Sein älterer Zwilling jedoch saß noch immer auf der Tischkante, ohne sich auch nur die Mühe zu machen sich zu bedecken.

„Elrohir, was störst du mich?", fragte er etwas ungehalten seinen jüngeren Zwilling. Dieser schluckte daraufhin etwas, er hasste es, wenn sein Bruder wütend auf ihn war.

„Ich war auf der Suche nach Aníril, das Fieber des jungen Menschen steigt weiter, und Adar ist erst in ein paar Stunden wieder hier", erklärte er leise.

„Tut mir leid, Elrohir, aber Aníril hab ich heute noch nicht gesehen", erwiderte Elladan. „Steht es bereits so schlimm um den Menschen?", fügte er dann noch hinzu. Der Blick Elrohirs genügte schon fast als Antwort. Abrupt wechselte Elladan das Thema.

„Hast du eigentlich bereits mit Aníril gesprochen?", fragte der dunkelhaarige Elb mit ernstem Gesicht.

Heiße Röte überzog seine Wangen, als Elrohir Elladans Frage hörte, seit er seinem Bruder erzählt hatte, er wolle mit Aníril den Bund eingehen, war dies ein ständiger Streitpunkt zwischen ihnen beiden gewesen.

„Nein, ich habe nicht mit ihr darüber gesprochen, ich…", brach er ab und sah seinen Bruder fest entschlossen an.

Draußen auf dem Flur war Anírils Neugier geweckt. Der Elbenmaid lag es fern zu lauschen, doch in diesem Moment konnte sie nicht anders. Näher trat sie an die Tür heran um besser zu verstehen, was die beiden Brüder redeten.

Elladan sah seinen Bruder nahezu entsetzt an.

„Du kennst Aníril nun schon besser als ich oder jeder andere in Imladris, abgesehen einmal von Erestor. Sag es ihr, sie muss es von dir hören. Du weißt, wie sie reagieren wird, wenn sie es von jemand anderem erfahren sollte. Und außerdem, Elrohir, du willst mit ihr den Bund eingehen, aber getraust dich nicht einmal ihr das zu sagen?"

Die Röte auf Elrohirs Wangen vertiefte sich etwas mehr, und er wusste, bei seiner Antwort würde seine Stimme nicht mehr fest klingen.

„Nein, ich will ja wirklich mit ihr den Bund eingehen, aber… ich traue mich ja nicht einmal, sie zu fragen, wie soll ich ihr dann von dieser Begebenheit berichten? Ich… ich will nicht, dass sie mich dann ablehnt", stammelte er und wusste, wie kindisch das klang, was er sagte.

Elladan sah seinen Bruder eindringlich an.

„Elrohir, weißt du noch, wie es war, als du dich nicht einmal trautest, ihr deine Liebe zu gestehen. Wer musste nachhelfen, bis du sie endlich eingeladen hast? Ich glaube nicht, dass sie ablehnen wird, denn sie liebt dich genauso. Aber bevor du sie danach fragst, musst du es ihr sagen. Du weißt, wie sie reagieren wird, wenn du es nicht tust und sie es anders erfährt. Du kennst ihr Temperament!"

Vor der Tür stand eine immer noch geschockte Elbenmaid. Anírils Herz raste, als sie die Worte Elladans und Elrohirs vernommen hatte. Elrohir wollte mit ihr den Bund eingehen? Sie hatte es nicht für möglich gehalten, dass er schon so schnell darüber nachzudenken begann, doch fragte sie sich, warum er es ihr nicht gesagt hatte. Sie liebte ihn und war sich sicher, dass sie es nicht abgelehnt hätte, im Gegenteil.

Allein der Gedanke schien sie ein weiteres Mal zu beflügeln.

Doch im gleichen Moment runzelte Aníril die Stirn. Was verheimlichte Elrohir ihr?

„Genau, ich kenne ihr Temperament, und das verunsichert mich ein wenig, Elladan. Kannst du das nicht verstehen? Was denkst du, wie sie reagieren wird, wenn ich ihr gestehe, dass Glorfindel an dem Tag nicht der einzige war, der die beiden beim Baden beobachtet hat, und vor allem, dass Glorfindel der einzige war, der durch Zufall vorbeikam? Verdammt, ich liebe sie wirklich mehr als ich sagen kann, und genau deswegen bin ich unsicher", stieß der jüngere Zwilling hervor und lief unruhig auf und ab. „Elladan, wie soll ich es ihr nur sagen, ich weiß, dass ich es tun muss, aber…"

„Kein aber, Elrohir", erwiderte der ältere Zwilling ruhig und bestimmt. „Du kannst es nicht länger aufschieben, du wirst nicht darum herumkommen, es ihr zu sagen. Du liebst sie doch und deshalb..." Elladan brach ab. ‚...solltest du es tun', hatte er noch sagen wollen, doch blieben ihm diese Worte im Halse stecken, als er sah, wie die Türe aufging. Im Türrahmen stand niemand anderes als Aníril. Allein ihr Gesichtsausdruck sprach Bände.

Bei Elrohirs Worten war Aníril draußen auf dem Flur die Luft weggeblieben. Sie erinnerte sich noch daran, wie wütend ihr Vater auf Glorfindel gewesen war, der sie damals beobachtet hatte, aber sie hatte nicht gewusst, dass der blonde Elb nicht allein gewesen war. Erestor musste es gewusst haben und hatte ihr trotzdem nichts gesagt. Die Elbenmaid wurde bei diesem Gedanken wütend, genauso wenn sie an Elrohir dachte, der ihr ebenfalls nichts davon erzählt hatte. Warum nur?

Entschlossen drückte Aníril den Türknauf hinunter und öffnete die Tür zu den Gemächern der Zwillinge. Die beiden Brüder standen mitten im Zimmer und Elladan war gerade im Begriff etwas zu sagen, als er sie entdeckte. Über sein Gesicht zog ein erschrockener Ausdruck.

Elrohirs Herz setzte einen Augenblick aus, als er Aníril sah, wie sie in der Tür stand. Wäre er nicht so geschockt, und in folge dessen kreidebleich, hätte er wohl die Freundlichkeit besessen zu erröten.

„Aní,… was tust du… ähm…", stammelte er hervor und sah sie mit großen Augen an.

„Was ich tue?", fragte Aníril zurück. Ihre Stimme war fest und dennoch gefährlich leise. „Ich frage mich eher, was du gedenkst NICHT zu tun?"

Sie sah den Elben mit funkelnden Augen an.

Elladan blickte von einem zum anderen. Nun war es so gekommen, wie er befürchtet hatte. Am liebsten wäre der Bruder Elrohirs aus dem Zimmer geschlichen, wusste er doch, was als nächstes folgen würde.

Es war schwer verkennbar, dass Elrohir sich in diesem Moment nichts sehnlichster wünschte, als ein Mauseloch, um sich darin zu verkriechen. Doch ein solches war ihm nicht vergönnt, und so blieb ihm nur die Flucht nach vorne.

„Aní, es… es tut mir leid, dass ich dir das verschwiegen habe, aber damals, als Erestor so wütend auf Glorfindel geworden ist, war dieser nicht der einzige, der euch beobachtet hat. Nur im Gegensatz zu Glorfindel bin ich euch gefolgt", erklärte er mit zittriger Stimme und sah Hilfe suchend seinen Bruder an.

Anírils Gesicht zeigte jedoch kein bisschen Besänftigung, stattdessen wurde sie noch röter von der aufwallenden Wut.

„Du hast uns beobachtet?", fragte sie leise. „Und du hast es nicht einmal für nötig gehalten es mir zu SAGEN?" Bei den letzten Worten war die Elbenmaid immer lauter geworden, nun stand sie im Türrahmen und schnappte nach Luft. „Das hätte ich von dir nicht gedacht", schleuderte sie dem Elben noch zusätzlich entgegen.

Elladan hielt derweil die Luft an. Er spürte, Aníril war kurz davor zu explodieren.

Unfähig irgendetwas zu sagen, ging Elrohir einen Schritt auf Aníril zu. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und versetzte ihm einen schmerzhaften Stich bei ihren Worten. Er hatte es ihr ja sagen wollen, hatte alles erklären wollen. Doch er hatte einfach nicht den Mut aufgebracht, nachdem er Erestors wütende Reaktion auf Glorfindel gesehen hatte.

Wieder machte er einen Schritt auf sie zu, und wollte sie sanft an der Wange berühren.

Aber Aníril wich zurück.

„Unterlass das bis zu dem Zeitpunkt, an dem du dich endlich entscheidest mir die Wahrheit zu sagen", sagte sie mit bebender Stimme und heftig atmend. Die Elbenmaid hatte das Gefühl nicht mehr klar denken zu können. Fassungslos sah sie Elrohir an.

Dieser war jetzt ehrlich verwirrt, und zog sich wieder einen Schritt zurück, blieb bebend vor ihr stehen.

„Aber ich habe dir doch die Wahrheit gesagt", sprach er und starrte sie weiter verwirrt an.

Elladan hingegen beobachtete das ganze Geschehen sprachlos, diesmal beneidete er seinen Bruder nicht um sein Glück. Er selbst hätte nicht gewollt, wegen einer solchen Kleinigkeit mit seiner Herzensdame zu streiten. Doch solche Gedanken behielt er für sich.

„Du hältst es also für besser mir nicht zu sagen, dass du meinen Vater und mich damals beobachtet hast? Wann hättest du es mir gesagt, wenn ich es nicht gehört hätte? Nie, oder? Sag mir, habe ich Recht?" Anírils Stimme zitterte immer heftiger. Ihre Augen hatte sie zu schmalen Schlitzen gezogen, sie wusste kaum noch, was sie da überhaupt sagte.

Der jüngere Sohn Elronds blickte sie fassungslos an, konnte ihre Worte nicht ganz verstehen.

„Doch, natürlich, meinst du wirklich, ich hätte…", setze er an, nur um wieder inne zu halten. Er wusste einfach nicht mit dieser Situation umzugehen, und sein Bruder war ihm auch nicht gerade eine Hilfe.

„Ja, das meine ich!", erwiderte Aníril fest, ihr Blick wurde wieder wütend. „Und ich habe wirklich genug gehört, Elrohir!", sagte sie dann ein wenig lauter, sah ihn unverwandt an und drehte sich dann auf der Stelle um. Kurze Zeit später stürmte sie bereits durch die Gänge des Hauses. In ihrem Kopf tobten die Gedanken wild durcheinander. Wütende, enttäuschte, fassungslose und auch einige besänftigende. Die Elbenmaid vermochte es nicht mehr zu ordnen. Sie wollte nur noch weg.

Wie erstart blieb der junge Halbelb stehen und starrte ihr entsetzt nach.

„Elladan, aber was… ich verstehe nicht…", brachte er heraus und sah seinen großen Bruder an, der gerade aus dem Fenster blickte.

„Wenn du Glück hast, ist sie nur auf dem Weg zu ihrem Vater, wenn du Pech hast, ist sie jetzt in diesem Gewitter draußen. Du solltest besser nachsehen", kam die knappe Antwort, und schon machten sich die beiden Zwillinge auf den Weg zu Erestors Gemächern.

Aníril nahm kaum wahr, wo ihre Füße sie hintrugen. Bald war sie hinaus in den strömenden Regen getreten und eilte raschen Schrittes auf die Pferdeställe zu, öffnete das Tor und schlug es direkt hinter sich wieder zu. Keuchend lehnte sie sich an die Wand und sah sich um. Die Pferde standen in ihren Boxen, manche unruhig ob des heftigen Gewitters, manche wandten ihr nun den Kopf zu.

Die Elbenmaid fasste einen Entschluss und stieß sich schnell von der Wand ab. Die nächstgelegene Box war die Erynaurs, das Pferd, das sie ursprünglich auf ihrer Reise von Lórien nach Imladris hatte reiten sollen. Ohne weiter nachzudenken, führte sie den tänzelnden Fuchs aus seiner Box hinaus, öffnete das Tor und schwang sich von einem kleinen Schemel aus auf den Rücken des Tieres. Kurz drückte sie dem Pferd die Schenkel in die Seiten und schon schoss das Tier mit seiner Reiterin auf und davon, hinaus in den Regen und das Gewitter. Laut trommelten die Hufe über die Hofsteine, dann waren Aníril und das Pferd hinter einem Regenschleier verschwunden, außer Sicht der Häuser Imladris.

„Das Gewitter wird immer stärker, es scheint ein richtiger Sturm zu werden, ich bedauere jeden, der nun draußen sein muss", sprach der dunkelhaarige Berater, während er neben Haldir trat, der nun schon seit Stunden am Fenster stand und hinausblickte, seinen eigenen Gedanken nachhängend. Dieser blickte den Noldo nur kurz an, und wandte sich dann wieder dem Spiel der Blitze zu. Jedes Donnergrollen ließ Erestor leicht zusammenzucken, er mochte Gewitter nicht, und so legte ihm Haldir beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„Eben sah ich jemanden auf einem Fuchs in den Regen hinauspreschen, doch er war zu weit entfernt, als dass ich ihn erkennen konnte. Ich frage mich, warum Elrond jemanden bei diesem Wetter losschickt", erklärte der Galadhrim einfach.

„Soweit ich weiß, stehen derzeit keine wichtigen Dinge an, der Bote in den Düsterwald ist schon vor Tagen aufgebrochen, und Galadriels Bote kam gestern an. Mit den Worten, sie wollte dich und deine Brüder erst im Frühjahr wieder sehen, wenn wir uns sammeln um…", antwortete Erestor bedächtig und zuckte bei einem besonders heftigen Donnergrollen so sehr zusammen, dass er sich praktisch in Haldirs Arme stürzte.

In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen, und zwei völlig überraschte Zwillinge blickten auf zwei ebenso überraschte, sich im Arm haltende Elben. Schnell lösten die beiden sich voneinander.

„Elladan, Elrohir, was führt euch hierher, dass ihr nicht angeklopft habt?", fragte Erestor die beiden etwas unfreundlich.

„Nun eigentlich suchen wir Aníril", brachte Elladan ein wenig keuchend hervor, da sein Bruder keinen Ton über die Lippen brachte. „Ist sie nicht hier?"

Der Elb stützte sich kurz an der nächstgelegenen Wand ab und sah ein wenig unsicher zu Erestor und dann zu seinem Bruder, der immer noch reichlich blass um die Nase war.

Erestor schüttelte nur stumm den Kopf, als Haldir neben ihm eine unbestimmte Geste machte.

„Natürlich, sie war es, ich hätte es gleich erkennen müssen", erklang die ruhige Stimme des Galadhrim und drei Gesichter wandten sich ihm fragend zu. „Die Gestalt auf dem Pferd eben, das war ganz sicher Aníril."

Bei diesen Worten drehte sich Erestor abrupt zu Elrohir um.

„Was hast du mit ihr gemacht? Wieso rennt sie bei einem solchen Gewitter weg?", fragte er mit kaum verhohlenem Zorn in der Stimme, während er schon auf dem Weg zur Tür war, Haldir hinter sich herschleifend.

„Ich benachrichtige Glorfindel, Haldir, du holst deine Brüder, Elladan, Elrohir, ihr macht die Pferde bereit. Bis dahin überlege dir deine Antwort Elrohir", befahl der Noldo und war schon auf dem Weg zu Glorfindels Gemächern, die nur wenige Schritte von seinen eigenen entfernt waren. Während die anderen sich eilten seinen Befehlen folge zu leisten, betrat Erestor, ohne zu klopfen, Glorfindels Räume.

Elladan sah erschrocken zu seinem Bruder hinüber und stieß ihn unwirsch an.

„Hast du nicht gehört? Sie ist da draußen!", brachte er fassungslos hervor. Sein Bruder schien wie in Trance zu sein und starrte einfach nur dahin, wo Haldir und Erestor noch bis vor kurzem gestanden hatten.

Elladan schüttelte entnervt den Kopf, griff den Arm seines Bruders und schleifte ihn mit sich aus den Gemächern Erestors hinaus, in Richtung der Ställe.

Unterdessen sah Glorfindel mehr als überrascht auf, als der Vater Anírils mit Haldir im Schlepptau ins Zimmer hinein gestürmt kam. Sein Gesicht war eine Mischung aus Wut und Angst. Schnell sprang Glorfindel auf.

„Was ist passiert, Erestor?", fragte er erstaunt.

In diesem Moment wurde Erestor Haldir gewahr, der ihm immer noch folgte.

„Was tust du hier noch?", fauchte er ihn an, doch dieser deutete nur kurz auf seinen Ärmel, den Erestor krampfhaft umklammert hielt. Schnell ließ dieser ihn los und Haldir verschwand, auf der Suche nach seinen Brüdern. Vermutlich würde er sie in ihrem Bett finden, unter den Decken vergraben und aneinander geklammert, bei Gewittern waren sie manchmal etwas seltsam.

Erestor hingegen blickte Glorfindel an, erst einmal unfähig etwas zu sagen. Dort stand der blonde Krieger, und sah ihn fragend an.

„Aní, sie ist bei diesem Wetter fort geritten", erklärte er und konnte nicht länger verhindern, dass er zu zittern begann.

„Bei dem Wetter? Aber es gewittert!", brachte Glorfindel hervor und hätte sich im nächsten Moment selbst ohrfeigen können. Um seinen mehr als dummen Kommentar wieder halbwegs gut zu machen trat er an Erestor heran und nahm ihn kurz in den Arm.

„Wir werden sie finden", flüsterte der blonde Elb dem Dunkelhaarigen tröstend zu, bevor er ihn wieder los ließ.

Erestor war überrascht von der spontanen Umarmung, doch ließ er sich willig in diese ziehen, es tat gut, beruhigte ihn.

„Danke mein Freund, doch nun lass uns eilen", sprach er, ergriff Glorfindels Hand, dessen Mantel und Schwert und schon waren die beiden Elben auf dem Weg zu den Ställen.

„Es gibt Dinge, die sollten in Imladris genauso geheim bleiben, wie in Lothlórien", ertönte Haldirs Stimme, als er seine beiden Brüder, aneinandergeschmiegt in ihrem Bett, fand. Zwillinge würde er nie verstehen, und diese beiden erst recht nicht, doch es war nicht an ihm sie zu kritisieren, so warf er ihnen nur ihre Klamotten zu.

„Beeilt euch, Aníril ist bei diesem Unwetter draußen, und wir wollen sie finden, bevor ihr etwas passiert. Und auch wenn ihr euch ab und an schusselig anstellt, wenn es um den Schwertkampf geht, so seid ihr doch unsere besten Spurenleser. Auch wenn ich bezweifle, dass bei diesem Wetter Spuren zu finden sein werden", sagte er in seinem gewohnten Ton, den er als Hauptmann anschlug, und sobald er geendet hatte, standen seine beiden Brüder schon fertig vor ihm, die Schwerter gegürtet, die Mäntel umgezogen, bereit ihm zu folgen.

Nicht viel später saßen sieben Elben auf ihren Pferden und folgten den Anweisungen Haldirs, der wenigstens die grobe Richtung angeben konnte. Doch schon bald mussten seine Brüder übernehmen, und auch diese hatten Schwierigkeiten im aufgewühlten Schlamm sinnvolle Spuren zu finden. So kamen sie nur langsam voran.

Erestor verging fast vor Sorge, auch wenn er Elrohir schon längst vergeben hatte und selbst sah, wie unangebracht Anírils Ausbruch war. Wie sollten sie sie nur finden?

Doch er war nicht der einzige, dem es so erging, alle Elben teilten seine Sorge und versuchten ihr möglichstes sich zu beeilen.

Unterdessen saß Aníril tief über den Hals des unruhigen Pferdes gebeugt, das in einem schnellen Tempo über die Wege galoppierte. Der heftige Sturm zerrte an ihren Haaren, ließ sie wie wild flattern. Der Gegenwind trieb ihr die Tränen in die Augen, sie konnte kaum sehen, wohin sie ritt. Der Regen prasselte nur so auf sie nieder. Die dicken Regentropfen hatten sie bereits vollständig durchnässt. Trotzdem trieb sie Erynaur zu immer größerer Eile an.

In diesem Moment zerriss ein weiterer, gleißender Blitz den Himmel. Grell blendete er Pferd und Reiterin und nur kurze Zeit später entlud sich ein gewaltiger Donner über Aníril. Für ihr nervöses Pferd war das zu viel. Schrill wiehernd stieg der Fuchs, schien sekundenlang in der Luft zu verharren, bevor er schnaubend wieder hinunter kam, sich auf der Hinterhand herumwarf und davon preschte - ohne seine Reiterin. Aníril war auf das Steigen nicht vorbereitet gewesen. Verzweifelt hatte sie sich festgeklammert. Dann war sie jedoch von dem Rücken des Fuchses geglitten. Hart fiel sie auf den Rücken und sie schnappte nach Luft. Angsterfüllt sah sie vom Boden aus, wie ihr Reittier davon preschte. Der nächste Donnerschlag ließ sie zusammenzucken. Schmerz zuckte durch ihren Körper, unbarmherzig prasselte der Regen auf sie herab, über ihr heulte der Sturm heftiger denn je, ließ die mächtigen Äste der Bäume tanzen, als wären sie kleine Zweige.

Ein weiterer heftiger Windstoß und knarrend gab einer der Bäume nach. Alt und morsch wie er war, hielt er dem Sturm nicht länger stand. Bedrohlich neigte er sich zur Seite, der nächste Windstoß ließ ihn vollends umkippen.

Aníril sah nur noch, wie der große Stamm immer schneller auf sie zukam, auf sie hinunter stürzte, dann wurde ihr schwarz vor Augen.

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Ele:

Danke für dein Review süße ;). Das hier würde ich Beziehungskiste nennen… naja, wir wissen ja alle, wie viel Temperament die kleine hat… ein Knuddler für dich ;)

MorganAbKynan:

Dank für dein Review ;). Würden wir eine Möglichkeit wissen nach ME zu gelangen, wären wir schon längst nicht mehr hier ;). Mal sehen, ob Elrond diesmal so gelassen reagiert, wenn er diese Chaos mitbekommt ;)… irgendwie ist er bei uns immer der letzte der etwas erfährt…

Wie du siehst, Elladan hat schon des Öfteren seinen Spass, nur verliebt hat er sich bisher noch nicht ;). Sodele diesmal ist Fin mit dabei… einer muss sich ja um den armen Erestor kümmern ;)… fühl dich einfach mal geknuddelt ;)

Galu:

Danke für dein Review ;), fühl dich einfach umgeknuddlet ;). Hats zu lange gedauert??? Wenn ja, beschwer dich bei unserer betaleserin ;). Also, ich denke Haldirs Brüder sind vergeben ;) und für Ella… naja wir werden mal schauen, was ich machen lässt. Ich hoffe sehr für Haldir, dass die Person, die wir ihm vorstellen werden ihn interessieren wird…

Uial:

Danke für dein Review ;), auch an dich ein Riesenknuddler ;). Alsooo. Diesmal ist Findelchen ja wieder mit von der Partie (ich halte es auch nie lange aus ohne ihn). Freut uns, dass die aber Erestor gefallen hat ;). Der arme Kerl darf ja ganz schön leiden jetzt ;).

Narwain:

Danke für deine Reviews ;) und fühl dich gaaaanz lieb geknuddelt ;). Stimmt schon, Laereth weiß, was sie will… aber sie ist so nach dem Motto Stille Wasser… ;). Und Erestor… naja ich hoffe er wird rechtzeitig wach… aber wer weiß, was alles nötig sein muss um dem Elb die Augen zu öffnen… ;)…