Kapitel 18: Von Angstzuständen und Fährtensuchen

Der Regen ließ und ließ nicht nach, und bald konnten die Galadhrimzwillinge keine Spuren mehr ausmachen. Erestor, nah am Rande einer Hysterie, war vom Pferd gesprungen und lief neben Rúmil und Orophin auf und ab, welche versuchten Sinn in die verwirrenden Spuren zu bringen. Glorfindel war selbst zu ihm abgestiegen, und hatte ihn einfach in den Arm genommen, was den Noldo zu beruhigen schien, denn dieser hatte sich in die Umarmung gelehnt und begonnen unhaltbar zu zittern.

„Wir müssen sie finden", flüsterte er durch den Regen, fast unhörbar, woraufhin Glorfindel ihn noch näher zu sich zog.

„Wir werden sie finden, alter Freund", antwortete er seufzend und blickte über Erestor hin zu den Zwillingen, die noch immer sehr unschlüssig wirkten, als Haldir plötzlich seinen Bogen zog. Etwas raste durch das Unterholz auf sie zu. Erestor löste sich von dem blonden Krieger, der ihn nur widerstrebend freigab, und alle zogen ihre Schwerter, nur um wenige Sekunden später vor einem völlig erschöpften Pferd zu stehen.

„Das ist ihres", meinte Haldir knapp und begann nun sein eigenes Pferd in die Richtung zu lenken, aus der der Rotfuchs gekommen war.

Erestors Herz krampfte sich zusammen, und er hatte nicht die Kraft jetzt auf sein Tier zu steigen. So hob Glorfindel ihn einfach vor sich, und die Gruppe machte sich, unter Anleitung der Galadhrimzwillinge, auf den Weg, in die Richtung, aus der das Ross Anírils gekommen war.

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Schwärze, einfach nur Schwärze um sie herum. Schmerz durchzuckte ihre linke Körperhälfte, sie konnte sich kaum bewegen, etwas Schweres lag auf ihr. Als Aníril die Augen öffnete, wurde ihr schummerig. Kurz stöhnte sie auf und griff sich zittrig mit der rechten Hand an den Kopf. Ihre linke war unbeweglich, genauso wie der Rest ihres Körpers. Die Elbenmaid brauchte einen Moment lang um gewahr zu werden, dass sie dort noch immer auf dem Waldbogen lag. Eingeklemmt unter einem Baumstamm war sie alleine auf weiter Flur. Das Pferd war nicht mehr in der Nähe, kein Ton drang an ihr Ohr, bis auf das Prasseln des Regens, das Heulen des Sturms und das Donnern des Gewitters.

Aníril versuchte den Kopf zu heben, doch nicht einmal das gelang ihr. Es fiel ihr nicht leicht überhaupt einen Muskel anzuspannen, ihr Kopf schien seltsam schwer. Schmerz vernahm sie vor allem in ihrem linken Knie, ihr Bein hatte sich seltsam unter dem Baum verdreht.

Ein weiteres leises Stöhnen kam über die Lippen der Elbenmaid, welche durchnässt und dreckig daniederlag. Rasch ging ihr Atem, angstvoll zuckte sie bei jedem Donnern zitternd zusammen, unstet blickte sie umher. Aber sie sah nur den dunklen Wald und den vor Wolken rabenschwarzen Himmel.

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„Und?", kam die einsilbige Frage.

„Nein, wir sind uns nicht sicher, der Boden ist hier noch aufgewühlter als vorhin schon, und wir sehen zwei Möglichkeiten", war die erschöpft klingende Antwort.

Sie konnten so gut wie nichts mehr erkennen, denn die Sonne war schon vor Stunden untergegangen, und die ständigen Regenfälle verwischten die Spuren. Erestor saß immer noch bei Glorfindel mit auf dem Pferd, nun aber weil es sich nicht anders machen ließ, da sein eigenes in ein Steinchen hinein getreten war, und jetzt lahmte.

„Was schlagt ihr vor?", fragte er erneut, und trotz der Müdigkeit in seiner Stimme, war seine Sorge immer größer geworden. Alle wussten, er würde erst zurückkehren, wenn er sie gefunden hatte.

„Wir wollten uns aufteilen. Du, Glorfindel, Elladan und ich nehmen diesen Weg", sprach Rúmil und deutete in eine der möglichen Richtungen. Glorfindel kniff die Augen zusammen.

„Das ist ein Gebiet, in der in der letzen Zeit viele Orks beobachtet wurden. Wir haben viele ausgeschaltet, aber bestimmt nicht alle."

Glorfindel konnte spüren, wie Erestor vor ihm erstarrte und schon ansetzen wollte etwas zu sagen, doch kam ihm Rúmil zuvor.

„Davon habe ich schon gehört, deswegen habe ich die Gruppen so aufgeteilt. Die andere Richtung, in die Elrohir, Haldir und Orophin gehen, ist ungefährlicher."

„Dann sollten wir dies so handhaben, wir treffen uns bei Sonnenaufgang wieder hier", erklang nun auch Haldirs Stimme, und er, Elrohir und Orophin verschwanden unter den Bäumen.

Auch die anderen setzen sich in Bewegung, mit gezogenen Schwertern.

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Die Zeit schien zu verharren als Aníril dort auf dem Waldbogen lag, unter dem morschen Stamm des Baumes eingeklemmt. Jeder kleiner Moment zog sich zu Tagen dahin, sie hatte kaum noch ein Zeitgefühl. Durchnässt und mit Schmerzen in jedem nur erdenklichen Körperteil fragte sich die Elbenmaid, warum sie nur fort geritten war. Warum hatte sie allein sein wollen? Warum war sie weggegangen? Warum hatte sie sich so unversöhnlich Elrohir gegenüber benommen? Warum war das Temperament wieder mit ihr durchgegangen? Langsam begriff Aníril, dass sie überreagiert hatte. Vielleicht hatte Elrohir auch einen Fehler gemacht, doch sie hatte den größeren begangen. In diesem Moment, in dem ihr das gewahr wurde, hätte die Elbenmaid nichts lieber gemacht, als sich bei dem Elben, den sie liebte, zu entschuldigen, doch er war weit weg, und sie, sie war hier alleine, unfähig sich zu bewegen.

Eine einsame Träne rollte ihre Wange hinab und vermischte sich mit den Tropfen des fallenden Regens. Es war so aussichtslos. Sie konnte hier liegen, tagelang, und niemand würde sie finden.

Die Elbenmaid erschauderte bei dem Gedanken. Verzweifelt versuchte sie sich zu bewegen, aber auch dieser Versuch zwar zwecklos. Geschlagen blieb sie liegen. Gern hätte sie sich zusammengekauert um sich irgendwie vor dem herab fallenden Regen zu schützen, doch es blieb ihr verwehrt.

Zwar ließ das Gewitter langsam nach, doch die Wolken gossen immer noch ihre Wassermassen über Imladris' Umgebung und der Wind pfiff und heulte immer noch in den Bäumen. Außer diesen Geräuschen hörte Anírils nichts mehr, nur noch ihr eigenes Atmen.

Aber dann war da plötzlich noch etwas.

Seltsame, unmenschliche Laute drangen aus dem Waldstück, welches von ihr aus gesehen hinter dem umgestürzten Baumstamm lag. Es waren Grunzgeräusche, laut und grauenvoll. Aníril begann zu zittern. Selten hatte sie diese Geräusche gehört, doch wusste sie genau von was sie verursacht worden. Orks, es waren Orks, die in der Nähe waren. Vor Angst gefror der Elbenmaid das Blut in den Adern.

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„Haldir, Elrohir, schnell, ich habe etwas entdeckt", rief Orophin aufgeregt, sprang von seinem Pferd und kniete nun im Schlamm. Zum Glück hatte der Regen aufgehört, und die Wolken waren aufgerissen, sodass ihnen die Sterne genug Licht boten. „Hier, diese Spuren sind endlich eindeutig. Die Fährte, der wir gefolgt sind, stammt von einem Hirsch, aber hier ist der eigentlich Grund meiner Besorgnis", erklärte er und zeigte durch die Büsche auf eine kleine Lichtung, auf der die Überreste eines Lagers zu erkennen waren. Haldir und Elrohir warteten stillschweigend, auf weitere Erklärungen, obwohl sie schon erkennen konnten, dass zumindest keine Elben dieses Lager gestaltet hatten. Orophin untersuchte gerade den Boden der Lichtung und eilte auf einen schmalen Pfad zu, der in die Richtung führte, aus der sie kamen.

„Dieses Lager ist vor wenigen Stunden verlassen worden, und zwar von Orks. Sie sind in die Richtung unterwegs, aus der wir kamen", erklärte er, und weniges Sekunden später waren drei Reiter auf dem Weg zurück.

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Der Regen hatte endlich nachgelassen, dennoch hatten sie beschlossen nicht mehr zu rasten, da sie bald Imladris erreichen würden.

„Wie ist Imladris so? Und wie lange sind wir noch unterwegs? Meine Stute ist schon sehr erschöpft", fragte Melelhídhril ihren fünf Jahre jüngeren Bruder, der sie begleitete.

„Es sind nur noch zwei Wegstunden zu Pferd, wir werden das schon schaffen. Ich möchte hier nicht rasten, aufgrund der all zu deutlichen Spuren von Orks", antwortete ihr blonder Bruder ihr, und grinste sie ermutigend an. Er wusste, dass ihr Vater dagegen gewesen war Melelhídhril mit nach Bruchtal gehen zu lassen, doch hatte sie ihn solange angebettelt, bis er nicht mehr nein sagen konnte. Er hörte ihr leises glockenklares Lachen, als sie ihm zustimmte, und ihm ein wunderschönes Lächeln schenkte. Selbst in den Augen eines Bruders, war sie eine der schönsten Elbenmaiden, die er je erblickt hatte. Mit den langen blonden Locken, die jetzt streng zu Kriegerzöpfen geflochten waren, den großen strahlend grünen Augen und dem durchtrainierten, kampferprobten Körper, war sie einzigartig unter den Elben. Besonders, da sie in Wahrheit über ein sehr ruhiges Wesen verfügte.

„Halt, ich habe eben etwas gehört", erklang plötzlich ihre Stimme, sehr leise.

Schweigend glitten sie von ihren Pferden und näherten sich dem Geräusch, das Melelhídhril vernommen hatte. Durch die Büsche spähten sie, und sahen ein gutes Dutzend der Kreaturen, über die sie eben gesprochen hatten.

„Sie sind einfach widerwärtig", erklärte seine Schwester gerade und wollte schon ihr Schwert ziehen, als er sie innehalten ließ. Er hatte etwas gesehen.

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Unruhig presste sich Aníril näher an den Baumstamm, als sie hörte, wie die Orks sich näherten. Am liebsten hätte sie sich ganz unter dem Holz, unter welchem sie halb begraben war, verkrochen, aber dieser Versuch war aussichtslos und so blieb ihr nichts anderes übrig, als weiterhin zitternd dort zu liegen und zu hoffen, dass die Orks sie nicht bemerkten. Vor Angst wagte die Elbenmaid nicht einmal zu atmen.

Innerlich verfluchte sich Aníril. Warum war sie nur fort geritten? Wie gerne wäre sie jetzt in Sicherheit in Imladris, im Trockenen bei Elrohir oder ihrem Vater und nicht hier draußen im Wald, auf dem Boden, durchnässt, schmutzig, mit schmerzenden Gliedern und Orks in der Nähe.

Fast eine Ewigkeit schien zu vergehen, bevor die Geräusche der Orks sich ein wenig entfernten. Nahezu erleichtert, atmete Aníril aus und versuchte sich erneut zu befreien. Wiederum blieb es bei dem Versuch.

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Erestor grub sich immer tiefer in Glorfindels Umarmung, es schien ihm immer aussichtsloser. Sie hätten sie doch längst finden müssen. Doch noch immer war keine Spur zu erkennen und sie kamen nur quälend langsam voran.

Das Herz des blonden Kriegers zog sich schmerzhaft zusammen, als er spürte, wie Erestor seine Nähe suchte, weil er selbst fast verzweifelte. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als ihm helfen zu können, doch selbst Rúmil schien jetzt nicht weiter zu wissen. Es schien aussichtslos.

Doch plötzlich vernahmen sie Hufschläge, die sich ihnen schnell näherten. Haldir, Orophin und Elrohir kamen hinter ihnen her geritten. Hart brachte Haldir sein Pferd zum Stehen, es schnaufte und zitterte leicht.

„Schnell, wie müssen uns beeilen sie zu finden. Wir fanden Orkspuren einer größeren Gruppe, die hierher führten. Unsere Spur war die falsche, Aníril muss hier irgendwo sein."

„Nein", flüsterte Erestor nur und Glorfindel zog ihn eng an sich.

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Geschockt sahen die beiden blonden Elben, von ihrem Versteckt aus, die dunkelhaarige Elbenmaid, die unter einem Baum eingeklemmt lag. Zum Glück hatten die Orks sie nicht bemerkt, da nun einer ihrer Anführer mit einem gefangen Rehkitz ankam, dass er mitten in der Luft zerriss. Blut spritze, und Melelhídhril musste darum kämpfen sich nicht zu übergeben.

„Das arme Tier, es lebte bis eben noch", flüsterte sie und sah ihren Bruder fragend an.

„Wir müssen die Elbenmaid irgendwie unter dem Stumpf hervor ziehen, das Rehkitz ist unwichtig. Zum Glück lenkt es die Aufmerksamkeit der Orks ab", stieß ihr Bruder hervor und schlich vorsichtig in die Richtung, in der die Elbenmaid lag. Zum Glück war sie halb unter Gebüsch versteckt, sodass er sich ihr unbemerkt nähern konnte.

„Könnt Ihr mich hören? Seid Ihr bei Bewusstsein?", flüsterte er ihr zu und beobachtete nervös die dunklen Bestien, die sich über das Kitz hermachten.

Aníril zuckte erschrocken zusammen, als sie die Stimme nahe ihres Ohres vernahm. Halb drehte sie den Kopf zur Seite und erkannte zwei blonde Elben, die dort neben dem Baumstamm knieten.

„Ja, ich höre Euch", sagte sie leise, immer noch in Angst die Orks könnten sie hören, denn sie vernahm immer noch die grauenvollen Geräusche dieser Bestien.

„Wir werden versuchen Euch hier heraus zu ziehen. Unsere Pferde stehen nicht weit weg von hier im Gebüsch. Die Orks sind beschäftigt, wir dürfen nur keinen zu großen Lärm veranstalten. Während ich den Stamm etwas anhebe, wird meine Schwester Euch herausholen, einverstanden?", erklärte der blonde Elb kurz und sah seine Schwester fragend an, die zustimmend nickte.

Aníril nickte ebenfalls stumm. Ihr fehlte die Kraft noch etwas anderes hinzuzufügen, geschweige denn, sich noch mehr zu bewegen. Sie dankte den Valar, dass jemand sie gefunden hatte, auch wenn sie die Elben nicht kannte.

Melelhídhril beobachtete, wie ihr Bruder den Stamm anhob, nur ein wenig, und sehr leise, aber es sollte reichen.

Mit geübtem Griff fasste sie unter die Arme der Dunkelhaarigen und zog. Es war schwerer als erwartet, und sie konnte nicht verhindern, dass der Mantel der Elbenfrau riss. Das Geräusch hallte laut in ihren Ohren. Voller Panik blickte sie in die Richtung der Orks, genauso wie ihr Bruder und die Fremde, doch diese hatten zum Glück nichts gemerkt.

„Könnt Ihr stehen?", flüsterte sie heiser.

Aníril zuckte hilflos mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht", erwiderte sie noch leiser. „Mein ganzer Körper schmerzt, am meisten mein linkes Knie. Ich glaube, es ist verdreht", fuhr sie fast tonlos fort und versuchte das besagte Körperteil zu bewegen. Ein Schmerz durchzuckte die Elbenmaid wie ein Blitz und sie zuckte zusammen.

Der blonde Elb hatte derweil den Baum wieder heruntergelassen, und ging nun auf die beiden zu, hob Aníril auf den Arm und sie schlichen sich leise durch die Bäume.

„Wir haben es geschafft, doch nun lasst uns zu Elronds Haus eilen, Ihr könnt auf meinem Pferd mit reiten, und dort sollte sich auch ein fähiger Heiler für Euer Knie finden. So wie ich hörte soll Elronds jüngerer Sohn fast genauso talentiert sein wie sein Vater", erklärte der blonde Elb und hob sie vor sich aufs Pferd. Seine Schwester saß genauso schnell auf, und ihre Tiere setzen sich in Bewegung.

„Dennoch, es wäre besser, wenn sich ein anderer die Verletzung ansieht, Ihr solltet versuchen eine Weile zu ruhen", antwortete die Blonde „Vertraut meinem Bruder und mir, wir werden Euch sicher ins Letzte Heimelige Haus bringen"

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Sie hörten die grausamen Stimmen schon von weitem, kurz zügelten sie ihre Pferde.

Leise schlichen Haldir und Elladan in die Richtung, nur um kurze Zeit später wieder zurück zu kommen.

„Es sind nur ein gutes Dutzend, wir sollten kurzen Prozess mit ihnen machen", erklärte Haldir und nahm seinen Bogen, genauso wie seine beiden Brüder. Alle anderen saßen ab, und schlichen sich in die Richtung.

Haldir, Orophin und Rúmil spannten ihre Bögen, und noch bevor die Orks wussten wie ihnen geschah fielen die ersten drei, als eine Gruppe Elben laut schreiend aus den Büschen auftauchte. Die anderen hatten keine Chance gegen die Elbenkrieger, die sie gnadenlos töteten. Am schlimmsten wütete Erestor unter ihnen, während Glorfindel, Elladan und Elrohir jeder zwei niederstreckten, hatte Erestor die anderen fünf noch stehenden getötet.

Rúmil und Orophin begannen sofort die Lichtung abzusuchen, und schon kurz darauf rief Rúmil nach den anderen.

„Hier, hier lag jemand sehr leichtes unter einem Baum, doch die Person wurde herausgezogen. Wartet, hier…", rief er und verschwand aus ihrem Sichtfeld, nur um kurze Zeit später wieder zu erscheinen mit einem Stück eines elbischen Mantels in der Hand.

„Hier wurde rotes Blut vergossen", ertönte kurz darauf Orophins Stimme, der neben einer der Orkleichen kniete und etwas auf dem Boden begutachtete.

Erestor hörte diese beiden letzen Kommentare, sein Herz setze einige Schläger aus und er brach zusammen.

Elrohirs Herz schien auch einen Moment stehen zu bleiben, als er Orophins Worte vernahm. War es nicht schon genug gewesen, dass Aníril, nachdem sie gehört hatte, was er ihr bis vor kurzem verschwiegen hatte, einfach davon geritten war? Nun zog sich sein Magen krampfhaft zusammen in Angst um die geliebte Elbenmaid.

Kaum nahm er wahr, wie Erestor in sich zusammensackte und gerade noch von Glorfindel aufgefangen werden konnte.

Der blonde Bruchtalelb sah entsetzt auf den dunkelhaarigen in seinen Armen, um dann auf die Gruppe zu blicken.

„Wir müssen zurück reiten", sagte er mit fester Stimme und erntete ein nüchternes Nicken seitens Orophins.

„Wir werden Aníril nun schwerlich finden, sollte sie noch am Leben sein. Lasst uns nach Imladris zurückkehren. Von dort aus können wir größere Gruppen losschicken Aníril zu suchen. Es hat so keinen Sinn."

Die anderen Elben stimmten zu. Alle waren sie erschöpft.

Glorfindel nahm Erestor wieder zu sich aufs Pferd, der schlaffe Körper füllte sich langsam wieder mit Leben, doch als der Elb wieder zu sich kam, war die gesamte Gruppe wieder im schnellsten Tempo auf dem Weg zurück nach Imladris.

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Die Regenfälle hatten fast ganz aufgehört und so kamen Melelhídhril und der andere blonde Elb mit ihren Pferden und Aníril gut voran. Die dunkelhaarige Elbenmaid fühlte sich zwar ausgelaugt, ihr Knie schmerzte, dennoch biss sie die Zähne aufeinander um auch durchzuhalten.

Bald hatten die Reiter Imladris erreicht und galoppierten auf die Stallungen zu, als nicht weit entfernt von ihnen Elrond aus den Häusern trat.

Müde machte er sich auf den Weg zurück zu seinen Häusern, er hatte sich die ganze Zeit um den Fieberkranken gekümmert. Dieser hatte das schlimmste überstanden. Doch ärgerte er sich ein wenig über Aníril und Elrohir, die einfach verschwunden schienen, genauso wie Erestor, Glorfindel und sein anderer Sohn. Dabei sollten innerhalb der nächsten Tage wichtige Botschafter eintreffen, und er brauchte seine beiden Berater an seiner Seite.

Gerade war er aus dem Haus getreten, in dem die Verwundeten und Kranken schliefen, als er zwei Pferde auf den Stall zueilen sah. Er wunderte sich, denn es war schon spät in der Nacht, und so ging er hin, um nachzusehen, um wen es sich handelte.

Wie erstarrt blieb er stehen, als er diese drei erkannte, besonders, als sein Blick auf die blasse Dunkelhaarige fiel.

„Aníril, was ist passiert?", rief er, und eilte auf die beiden Pferde zu, sich kurz und knapp vor den beiden anderen verbeugend.

„El... Elrond", stammelte Aníril. „Es... es tut mir leid... Ich... ich ritt auf Erynaur weg, ich war wie von Sinnen. Im Wald... es blitzte und Erynaur stieg und warf mich ab... dann stürzte ein Baum auf mich und ... ich wurde bewusstlos." Die Elbenmaid verhaspelte sich, stockte und rang nach Atem.

„Als ich wieder zu mir kam... ich hörte Orks, ganz nah. Und in dem Augenblick kamen..."

Aníril verstummte als ihr auffiel, dass sie nicht mal die Namen ihrer Retter kannte.

Elrond war zu ihr getreten und sein Blick fiel auf ihr Knie.

„Danke, Ihr seid gerade rechtzeitig gekommen, und die Gefährtin meines jüngeren Sohnes zu retten. Ich stehe in Eurer Schuld", sprach er und verbeugte sich erneut vor den beiden blonden Elben. „Doch nun, Aníril, bringe ich dich in dein Gemach, und werde mich um dein Knie kümmern, Elrohir selbst ist nicht anwesend."

Er streckte dir Arme aus und hob Aníril vom Pferd.

„Ich trage dich, dein Knie soll vorerst nicht belastet werden. Ihr beide meldet euch bei Lindir, er wird euch eure Gemächer zeigen. Verzeiht meine rüde Begrüßung, doch ich habe Wichtiges zu erledigen", sprach er und ging mit Aníril auf dem Arm in Richtung ihrer Räume.

„Was ist passiert, warum sind alle fort?", fragte er sie.

„Alle sind fort?", fragte Aníril erstaunt und biss sich im nächsten Moment auf die Lippe. „Ver... vermutlich suchen sie nach mir", sprach sie dann fast kleinlaut und versuchte den Herrn Imladris nicht anzusehen.

„Elrohir und ich... wir hatten einen Streit. Ich war wütend, dann lief ich weg...", fügte sie noch leiser hinzu und wünschte sich gleichzeitig ein Mauseloch herbei um sich darin zu verkriechen.

Doch der Herr von Imladris kicherte nur ein wenig, als er sie auf ihr Bett legte, und dann fachkundig ihr Knie abtastete.

„Die Kniescheibe ist heraus gesprungen, wie müssen sie zurück in die richtige Position schieben", erklärte er kühl, nun ganz der Heiler. Schnell rief er einen Diener herbei und erteilte ihm einige Anweisungen, während er in seiner Tasche, die er noch von vorhin trug, nach den richtigen Kräutern suchte. Es dauerte nicht lang, und der Diener kam mit einer Kanne heißen Wassers zurück. Elrond tat einige Kräuter hinein, goss das Gebräu in eine Tasse und süßte es kräftig.

„Hier, trink das, und renn das nächste Mal nicht unbedacht in einem Gewitter weg", befahl er sanft.

„Bestimmt nicht", erwiderte Aníril dankbar und sie setzte die Tasse an die Lippen. In zügigen Schlucken trank sie das Gebräu. Es schmeckte nicht sonderlich gut, doch Aníril zwang sich zu schlucken.

„Ich denke, ich habe gelernt, dass dies nicht gut ist", fuhr sie leise fort, als sie die Tasse wieder absetzte. „Aber es tut mir so leid... ich würde mich so gerne bei Elrohir entschuldigen, aber ich weiß nicht, ob er es jetzt noch annehmen kann."

Ihre Stimme war leise und traurig blickte sie den Elbenherrn an.

Dieser legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.

„Er wird es, glaube mir, ich kenne ihn gut genug. Doch nun, hier beiß in das Handtuch, wenn ich deine Kniescheibe wieder in die Richtige Position schiebe, der Tee dürfte schon anfangen zu wirken, und er wird dir den größten Schmerz nehmen… Aber was erzähle ich dir das?", plauderte er fröhlich und sah zu, wie sie auf das Tuch biss. „Du bist ja nicht umsonst eine Heilerin, und eine sehr gute dazu." Bei diesen letzen Worten hatte er schnell, wie nur ein Elb es konnte, ihre Kniescheibe zurückgeschoben, er hoffte, er hatte sie anfangs genug abgelenkt, damit sie sich nicht zu sehr auf den Schmerz konzentrierte.

„Ich hoffe, du hast recht", erwiderte Aníril bevor sie das Tuch in den Mund nahm. Kurz wollte sie aufschreiben, als Elrond seine Tätigkeit vollführte und ein heftiger Schmerz ihr Bein durchzuckte. Doch sie biss nur so fest auf das Tuch, dass sie fast glaubte es durchgebissen zu haben. Dann ließ der Schmerz langsam nach und Aníril nahm das Tuch wieder heraus. Sie war ein wenig blass um die Nase, brachte aber ein Lächeln zustande.

„Danke", sagte sie.

Etwas schockiert starrte Elrond auf das halb durchgebissene Tuch, so etwas hatte er noch nicht erlebt.

„Gern geschehen, ich schlage vor, du schläfst jetzt am besten eine Weile, oder besser gesagt, du kämpfst nicht gegen die Wirkung des Tees an", erklärte er und drückte kurz ihre Hand.

Elrond beobachtete sie eine Weile, wie sie schlief, als es klopfte. Müde stand er auf und ging aus dem Zimmer, der blonde Elb, der sie her gebracht hatte stand dort.

„Ein Diener sagte mir, ich könne Euch hier finden. Wie geht es ihr?", fragte er den Halbelb voller Sorge.

„Ihr geht es gut, sie wird sich bald erholt haben und schläft jetzt. Ich danke Euch noch einmal, dass ihr sie hierher gebracht habt", erwiderte Elrond und sah auf den anderen herab. „Doch dies allein führt Euch nicht zu mir, oder?"

„Nein, ich wollte Euch die Botschaft, die ich dabei habe, sogleich übergeben, und außerdem, dort wo wir die junge Frau fanden, waren auch einige Orks."

„Sie sind viele geworden in den letzen Jahren, ja, aber…"

In diesem Moment rannte einer der Diener auf ihn zu.

„Mein Herr, mein Herr, sie sind soeben wieder angekommen", rief er und schon machten sich Elrond und der Blonde auf den Weg zu den Ställen.

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Erestor war erwacht, als sie schon fast die Ställe von Imladris erreicht hatten.

„Warum sind wir zurück? Wieso haben wir nicht weitergesucht? Glorfindel!!!", rief er verzweifelt, und wollte schon vom galoppierenden Pferd springen.

„Bist du von Sinnen, Erestor?", herrschte Glorfindel den dunkelhaarigen Elben an, der wie eine gefangene Maus vor ihm auf dem Pferd zappelte. „Es wird dir nichts bringen, wenn du im Galopp vom Pferd springst und dir die Beine brichst. Weder dir noch Aníril wird es helfen. Komme zur Vernunft."

Der blonde Elb schüttelte unmerklich den Kopf.

„Wir werden Elrond bitten, sofort weitere Suchtrupps zusammen zustellen, aber erst einmal solltest du dich ausruhen", fügte der Elb noch hinzu, als sie vor den Ställen Imladris zum Stehen kamen.

Elrond sah sie schon von weitem und rannte auf sie zu.

„Da seid ihr ja, wo wart ihr? Ich war in Sorge", rief er und umarmte seine Söhne stürmisch. Der Blonde war ihm gefolgt, sein Blick glitt über die merkwürdige Gruppe, Erestor, der vom Pferd gesprungen und einfach auf dem Boden eingeknickt war, kannte er nur zu gut, genauso wie Glorfindel und die Zwillinge. Das weißblonde Zwillingspaar hingegen war ihm fremd. Als sein blick auf den letzen der Gruppe viel erstarrte er. Dieser Elb war der geborene Krieger, doch im Gegensatz zu Glorfindel umgab ihn eine Aura von Erhabenheit, fast Arroganz, als er auf die anderen blickte. Der blonde Elb spürte, wie ihm die Knie weich wurden angesichts dieses Anblicks.

„Wir suchten Aníril, du musst sofort jemanden losschicken, der weitersucht", erklärte Elrohir ihn hektisch, und stand kurz davor in Tränen auszubrechen, genauso wie Erestor, der nicht einmal mehr die Kraft hatte selbst zu stehen.

Elrond betrachtete lächelnd die Gruppe und trat einen Schritt zur Seite, während er dem Blonden winkte, sich zu ihm zu gesellen.

„Aníril wurde vor kurzem von Legolas Thranduillon und seiner Schwester hierher gebracht, sie liegt sicher in ihrem Zimmer und schläft", erklärte er und sah mit Erstaunen, wie nun Erestor und Elrohir wirklich in Tränen ausbrachen.

Haldir hingegen sah erstarrt auf den jüngsten Sohn das Waldelbenkönigs, er wusste nichts mehr, sein Gehirn war wie leer geblasen, bis er Glorfindels Stimme vernahm.

„Haldir, tust du mir den Gefallen und bringst Erestor in seine Räume, ich bezweifle, dass er es alleine schafft."

Haldir schien es als wäre er unsanft aus einer Art Trance geweckt worden. Einen Moment brauchte er um sich zu sammeln, dann nickte er knapp und nahm Erestor, der dort mit zittrigen Beinen auf Glorfindel gelehnt stand, kurzerhand auf den Arm und trug ihn hinweg. Seine Gedanken verweilten jedoch immer noch bei dem soeben erst angekommenen Elben.

Legolas sah den etwas abwesenden Blick des weißblonden Galadhrim und runzelte kurz die Stirn, konnte er doch diesen Gesichtsausdruck nicht deuten. Als Haldir dann auch noch Erestor auf den Arm nahm und hinfort trug, spürte er ein seltsames Gefühl in seiner Magengegend. Ein wenig wütend über diese Reaktion, ließ er sich gegenüber den anderen Elben jedoch nichts anmerken.

Nachdem Elrond Elrohir gesagt hatte wo Aníril sich befand, gab es für ihn kein halten mehr, er rannte in die Richtung ihres Zimmer, er musste so schnell wie möglich bei ihr sein.

„Legolas, ich danke Euch für die Rettung der Tochter meines besten Freundes, er würde es wohl selbst tun, aber wie Ihr gesehen habt, war er am Ende seiner Kräfte, so in Sorge war er um sie. Mit den Orks in der Nähe hat er übrigens kurzen Prozess gemacht", erklärte der Balrogtöter und verbeugte sich.

Elrond beschloss, dass nun nicht mehr die Zeit sei etwas zu besprechen und schickte alle verbliebenen Elben zu Bett.

Elrohirs Herz jubelte, als er in ihrem Zimmer ankam, zu ihr in das Bett krabbelte, und sich an sie schmiegte. Er war mehr als nur glücklich, als er beschützend die Arme um sie legte und in die Tiefen des Schlafes driftete.

„Sie ist wieder da, Haldir, ich bin ja so erleichtert", flüsterte Erestor an der Brust seines besten Freundes. Lächelnd erinnerte er sich an dessen Reaktion auf den Sohn Thranduils. Er war sich fast sicher zu wissen, wen er damals gesehen hatte, auch wenn ein Stich durch sein Herz fuhr, als er an dessen Vergangenheit dachte.

„Wir sind alle erleichtert, ganz besonders Elrohir, ich glaube, er hat sich große Vorwürfe gemacht", kam die beruhigende Antwort, als Haldir Erestor auf sein Bett legte.

„Danke mein Freund…", sprach Erestor und sah zu Haldir empor.

„Nichts zu danken, schlaf jetzt", flüsterte der Galadhrim ihm zu und sah mit Erstaunen, wie der erste Berater Elronds, in sekundenschnelle eingeschlafen war.

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Galu:

Danke für dein Review süße, fühl dich in den Boden geknuddelt. Und jop, Aní hat total überreagiert… aber oki, was soll ich tun… sie ist nun mal sehr temperamentvoll… zu dem Thema Schild… naja… das Kap ist schon etwas sehr viel älter als das Schild ;)… alsooo, zu wem die Galadhrimzwillinge gehören… das wird nicht verraten ;). Ich glaube, Glorfindel muss nichts passieren, das Erestor das irgendwann versteht… er will wohl nur alles genau abwägen… ich werde mal mit Haldir reden, ob er es Erestor irgendwann erzählt… vielleicht kann ich ihn ja überzeugen ;)

Narwain:

Auch dir vielen Dank für das liebe Review, fühl dich mit umgeknuddelt… und jop, war ein böser Cliffy, aber wir mussten ja irgendwo aufhören… und ich denke, so war das besser, als diese Riesenmenge an Text in ein Kap zu pressen ;).

Hoffen wir einfach mal, das Elrohir sich ein wenig anpasst, und ihr nicht alles durchgehen lässt, an Temperamentsausbrüchen ;). Dann könnte es sehr harmonisch werden… naja immerhin wird ihnen nie langweilig werden ;) Ob Elrohir noch was dazu zu sagen hat, gibt's erst im nächsten Kap ;)… Erestor Entscheidung… öhmmm jaaaa… ich denke, wir haben den ersten Grundstein gelegt, wie intelligent er ist, lässt sich leider noch nicht absehen. Mal schauen, wie er am nächsten Morgen so gelaunt ist ;)

Morgan:

‚sie auffang und mal kräftig knuddels'

Danke für das riesige Review ;). Jop, sie hat sehr viel von ihrem Vater geerbt… Melreth war ja recht ruhig… Wie schon zu Narwain gesagt: wenn Elro und Aní den Bund eingehen, wird ihnen wenigstens niemals langweilig werden ;). Jaja der kleine Resti… war ganz schön durch den Wind… ich hoffe am nächsten Morgen ist er wieder fitter ;) Die Brüderlis: jop, da haben sie echt Glück, das er schützend eine Hand über sie hält… aber gut… immerhin gehören sie zu den Besten unter den Spurenlesern Lóriens… Was denkst du denn, was du für eine Selbstbeherrschung nach tausenden von Jahren hast, in denen du gewartet hast… aber diese Suche dürfte ihn wirklich getroffen haben, auch wenn er das nie zugeben würde… armes Findelchen… Haldir hat damals nur diese Menschenfrau geliebt und sich geschworen nie wieder sein Herz an eine Frau zu verlieren… er und Melreth waren Freunde, da sie eine Hofdame Celebríans war. Hmmm, so farblos ist dieser Düsterwaldelb nicht… vergiss nicht, es ist der Gleiche, wie aus Fallende Engel… und der hat da schon einiges hinter sich… hach sind wir fies. Und ich bezweifle, das Melreth zurückkehren würde, sie hat Erestor aus ganzem Herzen geliebt… und konnte ihn deswegen gehen lassen… hach wie aufopferungsvoll…

Stern:

Danke für dein Review, fühl dich mit den anderen in den Boden geknuddelt ;)

Viele fragen, jop, aber es kennen immerhin zwei die Antwort…

Haldir ist nicht in Erestor verliebt, sie sind sehr gut befreundet… sehr, sehr gut… und ja, Aní hat etwas überreagiert… aber sie siehts ja wenigstens ein… Elladan… tja… mal schauen, ob er sich verlieben kann