Kapitel 21: Geplänkel

„Eine Delegation der Menschen wird auch anwesend sein", sprach Erestor leise zu Glorfindel, bevor sie die Halle des Feuers betraten. Dieser zuckte nur mit den Schultern und sah den dunkelhaarigen Noldo erwartungsvoll an.

„Was wolltest du mir damit sagen?"

„Dass du dich bitte benehmen wirst, wir möchten doch nicht, dass die Menschen den falschen Eindruck von uns bekommen", erwiderte der Berater Elronds, und beide lachten leise. Es war seit Jahrtausenden ein Scherz zwischen ihnen, schon zu Zeiten Gondolins hatten die beiden sich einen Spaß daraus gemacht, Tuor mit ihrem Verhalten zu verwirren, da dieser Anfangs erwartet hatte, alle Elben wären weise, besonnen und zurückhaltend, doch schnell hatten sie ihn eines Besseren belehrt.

Die Halle war noch sehr leer, einige Elben huschten umher, während sie Wein brachten, und das Essen herantrugen. Elrohir, Aníril und Arwen waren als einzige schon anwesend, wenn man von Lindir und Laereth absah, die ihre Lauten stimmten.

Glorfindel und Erestor traten gerade zu ihnen, als Legolas und die Galadhrimzwillinge den Raum betraten, schon von weitem hörte man ihre begeisterten Stimmen.

„Diesen Kniff müsst ihr mir unbedingt zeigen", bat der blonde Düsterwaldelb, woraufhin die beiden Grauelben lachten und zustimmend nickten.

„Seid gegrüßt, Legolas, Rumil, Orophin. Es freut mich, dass ihr schon so früh anwesend seid", ertönten nun auch Elronds Worte, der ihnen dicht gefolgt war.

Die bereits wartenden Elben lächelten nur in sich hinein, es war bekannt, dass die beiden Grauelben gerne zu spät waren.

„Aníril, du siehst heute Abend fantastisch aus, pass auf, dass die Menschen dich nicht mit ihren Blicken verschlingen", scherzte Erestor und begrüßte dann die eintreffenden Menschen zusammen mit Elrond.

„Es scheint, als würde der Abend erst in einiger Zeit gemütlich werden", lächelte Arwen und zog sich etwas unter einen Baldachin zurück, um nicht so sehr die Aufmerksamkeit der Dúnedain auf sich zu ziehen.

Aníril hatte, bevor ihr Vater aufgestanden war, diesen angesehen und theatralisch die Augen verdreht.

„Kannst du es denn nie lassen?", hatte sie leise kichernd gefragt. „Außerdem glaube ich, dass nicht ich aufpassen muss, sondern die Menschen, denn ich denke nicht, dass es Elrohir gefallen würde." Spitzbübisch lächelte sie nun den Elben an ihrer Seite an.

Nicht weit von der kleinen Gruppe entfernt, hatten Lindir und Laereth nun eine leise und langsame Melodie angestimmt. Die sanften Töne erfüllten die Halle und schmeichelten den Ohren der anwesenden Elben, als nun auch Haldir eintrat und sich zu Erestor und Elrond gesellte, welche mit den Dúnedain sprachen. Doch die Aufmerksamkeit wurde in diesem Augenblick wiederum auf die Türe gezogen, durch die in diesem Augenblick ein wenig atemlos, so als wären sie gerannt, der älteste Sohn Elronds in Begleitung von Legolas' Schwester trat.

Lächelnd blieb Elladan stehen und ließ seinen Blick durch die Halle schweifen. Dann nickte er und sprach leise etwas zu der Elbenmaid an seiner Seite. Aníril fiel auf, dass er die ganze Zeit über ihre Hand hielt.

Die Tochter Thranduils lächelte bei Elladans Worten, schob ihr Haar zurück und zeigte auf einen kleinen blauen Fleck an ihrem Hals, nur um ihre blonden Strähnen schnell wieder darüber fallen zu lassen, als die Tochter Erestors sich ihnen näherte.

„Elladan, ich denke, Ihr solltet das nächste mal besser aufpassen, wo ihr Eure Zähne hineinschlagt, wenn nicht die Zeit bleibt solche Marken verschwinden zu lassen", lachte sie und grinste Aníril an, die sich noch immer von Elrohir stützen ließ.

„Seid gegrüßt, ich freue mich Euch wieder auf den Beinen zu sehen. Ich werde nun kurz mit meinem Bruder sprechen", sprach sie und eilte direkt auf den blonden Elben zu, der Haldir von der Ferne aus anhimmelte.

„Legolas, so habe ich dich bisher erst einmal gesehen", kicherte sie und folgte seinem Blick, was ihn erröten ließ.

„Mel, sei nicht so. So wie ich eben deinen Auftritt bemerkt habe, würde es mich nicht wundern, wenn du eine kleine Bisswunde am Hals hast, wegen zu leidenschaftlichem Liebesspiel, also sei selbst bloß ruhig", antwortete dieser lächelnd, doch konnte er den schmerzlichen Ausdruck auf seinen Zügen nicht ganz verbergen, und beide machten sich auf den Weg zu Elrond, auch wenn Melelhídhril deutlich wahrnahm, wie unangenehm dies ihrem Bruder war.

Erestor hörte derweil den Dúnedain aufmerksam zu, als sie von der erhöhten Orkaktivität im Nebelgebirge sprachen.

„So wie es aussieht, sollte man vorsichtig sein, wenn man das Gebirge durchquert, und möglichst unauffällig", schloss gerade ihr Anführer und alle Umstehenden nickten, als Legolas und Melelhídhril bei ihnen stehen blieben. Auf dem Gesicht der Elbenmaid zeigte sich Besorgnis.

Auch Aníril verzog ein wenig das Gesicht, wusste sie doch seit ihrem Ausritt während des Gewitters sehr genau, dass immer mehr Orks unterwegs waren und sie erinnerte sich auch noch ganz genau an den Schrecken, den sie vor diesen Kreaturen empfunden hatte. Dennoch wusste Aníril nichts von den Sorgen der anderen anwesenden Elbenmaid, die befürchtete ihr Vater könne nun doch noch anreisen. Anfangs hatte Legolas nicht gewollt, dass Melelhídhril mit ihm reiste, genau aus dem Grunde, dass er die Reise für so gefährlich hielt. Melelhídril machte sich wirklich Sorgen, dass ihr Vater ihnen nun nacheilte, wenn er bemerkte, dass die Elbenmaid mit Legolas gegangen war, wollte ihrem Bruder jedoch noch nichts davon mitteilen. Legolas ahnte nichts davon, dass ihr Vater nicht wusste, dass seine Schwester ihn begleitet hatte.

„Ich danke Euch für diese beunruhigenden Nachrichten, wir werden es berücksichtigen", antwortete Elrond galant und verabschiedete sich schnell, sich zu seiner Tochter gesellend, die alles ruhig beobachtet hatte. An diesem Abend wollte er nicht zuviel über die dunklen Kreaturen nachdenken müssen. Dafür war morgen früh noch genug Zeit.

Erestor sah zu Melelhídril und bemerkte ihre Nervosität, doch hier vor diesen Menschen würde er sie nicht darauf ansprechen. Haldir neben ihm hatte sich zu ihm herum gedreht und bot ihm nun seinen Arm. Erestor wusste, der Blonde wollte unter vier Augen mit ihm sprechen, und so ließ er sich von ihm auf den Balkon führen. Die frische Luft tief einatmend, stützte er sich auf das Geländer und sah hoch, zu dem sternenbesetzten Nachthimmel.

„Haldir, worüber möchtest du mit mir reden?"

In der Halle hatten sich die Dúnedain unter die anwesenden Elben gemischt und führten oberflächliche Gespräche, während der Herr des Hauses mit wachem Blick Aníril und Elrohir sowie Elladan und Thranduils Tochter beobachtete. So entging ihm auch Glorfindels Blick, den er Erestor zuwarf.

„Alter Freund, was denkst du, was zwischen Melelhídril und Elladan heute vorgefallen ist?", fragte er seinen blonden Berater und war überrascht, als Legolas statt diesem antwortete.

„Wie ich meine Schwester kenne", warf der Bruder Melelhídhrils gutmütig spottend ein, „... so einiges. Sie wusste schon immer was sie will und ist sehr selbstbewusst."

Ein Grinsen schlich sich auf Legolas' Gesicht, jedoch sagte der Elb nichts Weiteres mehr und sah nur lachend zu seiner Schwester hinüber. Er dachte sich seinen Teil.

Draußen auf dem Balkon stand Haldir zunächst stumm da. Tief atmete der Elb durch, als er sich umsah, mit seinen Augen die Dunkelheit abtastete. Erst dann wandte er sich wieder Erestor zu. Schon öffnete er den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann jedoch wieder. Er wusste einfach nicht, wie er sich ihm mitteilen konnte, aber innerlich wusste Haldir, dass er mit jemandem reden musste.

Glorfindel und Elrond hatten auf Legolas' Äußerung hin ihn nur etwas erstaunt gemustert, als Elladan jedoch zu ihnen trat, völlig unschuldig schauend, schien Glorfindel schon zu lauern.

„Einen wunderschönen Abend, Elladan", grüßte er ihn überfreundlich und Elrond konnte ein Grinsen schon nicht mehr unterdrücken. „Sag, wie ist denn dein Nachmittag verlaufen? War er sehr entspannend?"

„Oja, das war er, werdet bitte nicht neidisch, werter Balrogtöter", erklang eine spottende weibliche Stimme, als Thranduils Tochter zu ihnen trat und ihn stolz musterte.

„Oh, ich bezweifle, dass Glorfindel jemals neidisch wird, wegen einer Frau", scherzte daraufhin Elrond und Glorfindel besaß die Freundlichkeit bis an die Ohrspitzen zu erröten.

Melelhídhril sah nun den Herrn des Heimeligen Hauses direkt an und überlegte, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Sehr schnell hatte sie sich entschieden, indem sie sich zu Elladan drehte und ihn, vor aller Augen, direkt auf den Mund küsste, leidenschaftlicher als üblich. Elrond wirkte milde erstaunt, doch hatte er sich einmal geschworen niemals in das Liebesleben seiner Söhne einzugreifen, also lächelte er nur wohlwollend, während sich auf Glorfindels Gesicht ein breites Grinsen zeigte.

„So wie es aussieht, hat Elladan endlich jemanden gefunden, der ihm ebenbürtig ist", kicherte er und zwinkerte dem ältesten Sohn Elronds zu, während er zu Lindir ging, um ihn um ein bestimmtes Musikstück zu bitten. Eine alte Ballade, vom Untergang einer großen Elbenstadt, die nur noch selten gespielt wurde.

„Da wir gerade von ebenbürtig und angenehmen Abenden sprechen, sagt, Meister Elrond, was hatte es mit Eurer Andeutung Erestor gegenüber auf sich? Ich erinnere mich an viele seiner Besuche im Düsterwald, doch niemals schien es so, als würde er mit jemandem mehr als nur befreundet sein", fragte die Elbenmaid und blickte auf ihren Bruder. Sie hatte seinen Blick bemerkt, ahnte was in ihm vorging und versuchte nun Klarheit zu schaffen.

Elrond lachte leise und nickte in Richtung Balkon, auf den Haldir mit eben jenem Berater verschwunden war.

„Nun genaueres weiß ich auch nicht, aber seit alle aus Lothlórien hier eingetroffen sind, nächtigt Haldir in Erestors Räumen", antwortete er wahrheitsgemäß.

Die Person, um die es gerade ging, stand draußen auf dem Balkon und musterte immer noch den hellblonden Krieger.

„Sag, Haldir, dich bedrückt etwas, und wenn ich mich nicht sehr irre handelt es sich um diesen blonden Düsterwaldelben. Habe ich recht?", fragte er sanft und drückte kurz Haldirs Hand.

„Oh ja, Erestor, ich fürchte, du hast Recht", erwiderte Haldir und sah seufzend weg. Er vermochte es in diesem Augenblick nicht seinen guten Freund anzusehen. „Aber ich weiß selbst nicht, was hier so anders sein sollte, warum ich mich plötzlich so seltsam fühle."

Ein seltsam wissendes Lächeln umspielte Erestors Mundwinkel, als er sich nun ganz Haldir zuwandte und seine Hände auf dessen Schultern legte.

„Haldir, du weißt ganz genau, was mit dir los ist. Es ist doch offensichtlich, dass du dich verliebt hast. Doch wovor fürchtest du dich, alter Freund?", fragte er sanft, nicht noch einmal wollte er soviel Leid auf den Zügen Legolas sehen, wie vor über zweitausend Jahren, genauso wenig wie auf dem Gesicht des Galadhrim.

Wäre dem blonden Elben die Situation nicht zu ernst gewesen, hätte er wohl laut heraus geprustet. Sein Freund überraschte ihn immer wieder. Bei anderen sah er diese Dinge, bei sich selbst war er jedoch zu blind sie zu erkennen.

„Nun, Erestor, ich weiß, was ich fühle, doch überrascht es mich, dass mich diese Gefühle so stark befallen, wo ich doch kaum ein Wort mit ihm gewechselt habe", erwiderte der Galadhrim dann und runzelte die Stirn.

„So ungewöhnlich kann es gar nicht sein, oder hast du nicht Elladan und Melelhídhril bemerkt?", versuchte Erestor den Galadhrim aus seinen düsteren Gedanken zu locken. „Sie umschlichen sich, seit sie aufeinander getroffen sind, und wenn ich mich nicht völlig versehen habe, und die Zeichen falsch interpretiert habe, sind sie sehr aneinander interessiert und haben das dem anderen auch schon sehr deutlich gemacht."

Haldir schnaubte kurz und lachte auf.

„Seit wann vergleichst du mich mit Elladan, alter Freund? Ich glaube kaum, dass wir beide Elben sind, die in dieser Hinsicht viel gemein haben. Du weißt selbst, dass Elladan sich schon für viele Elbenmaiden interessiert hat und nach kurzer Zeit doch kein Interesse mehr hegte. Ich war es bis jetzt, der Freundschaften langsam aufbaute, nicht überstürzt, aber meine Gefühle sind nun so ganz anders."

„Ich weiß, ich sehe es in deinen Augen, mein Freund. Ich sehe dieses Funkeln, was ich bisher erst einmal sah, und von dem ich immer hoffte es wieder zu sehen. Haldir, die Valar wachen über dich, und werden dir den richtigen Weg weisen, sowie sie es schon einmal taten. Bitte trauere jetzt nicht ob meiner Worte, ich weiß, wie sehr du sie vermisst, so wie ich auch einen Verlust erlitten habe, auch wenn ich erst langsam begreife wieso. Doch nun, auch deine Zeit wird kommen, sprach sie damals zu dir, während du sie in den Armen hieltest und sie ihren letzen Atemzug tat. Und sie hat wahr gesprochen, verleugne es nicht, dein Herz erwärmt sich wieder und ich freue mich für dich", sprach Erestor zu Haldir und küsste ihn freundschaftlich auf die Wange. „Viel hast du für mich getan in den letzen Jahrhunderten", fügte er noch geheimnisvoll hinzu und blickte weg, auf den blonden Elben, der in der Halle stand und ihn mit traurigem Blick musterte. Erestor lächelte innerlich, es war nur noch eine Frage der Zeit.

Legolas selbst stand in der Halle des Feuers und sah, wie die beiden Freunde sich unterhielten. Die Worte Elronds hatten ihn verwirrt, obwohl er nicht recht zu sagen vermochte warum. Er konnte nur sagen, dass ihn der silberblonde Elb in den Bann gezogen hatte, seit er ihn das erste Mal sah. Es war seltsam, dass musste Legolas zugeben, schließlich hatte er kaum mit ihm gesprochen, dennoch, sein alleiniger Anblick genügte um ihm die Beine weich werden zu lassen. Legolas verstand nicht, was Erestor mit Haldir beredete, doch versetzte es ihm einen Stich ins Herz, als er beobachtete, wie der Dunkelhaarige den blonden Elben freundlich auf die Wange küsste. Freundlich? Legolas konnte ja nicht einmal sagen, ob es freundlich gemeint war oder noch mehr dahinter stand. Wenn man Elrond glauben schenken durfte stand auch mehr dahinter.

Mitfühlend legte Melelhídhril ihrem Bruder die Hand auf die Schulter, sie hatte gesehen, wie Erestor dem blonden Galadhrim einen zarten Kuss auf die Wange gehaucht hatte.

Elrond hingegen bemerkte dies nicht, seine Gedanken waren bei einem anderen Thema.

„Verzeiht meine unangemessene Frage, aber wie lange wolltet Ihr noch hier verweilen? Und wie sollen Thranduil unsere Überlegungen mitgeteilt werden?", fragte er die beiden Elben höflich.

Legolas wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen und schrak auf. Bevor er sich im klaren darüber war, was der Herr von Imladris gefragt hatte, verging eine Weile, da der Elb erst seine wirren Gedanken sortieren musste.

„Nun, mein Vater beauftragte mich, sofort zurückzukehren und ihm mitzuteilen wie die Überlegungen liefen. Er hielt es für zu unsicher einen Boten einzusetzen", erwiderte Legolas dann jedoch wieder gefasst. Seine Schwester nickte nur und beeilte sich dann einer Aufforderung Elladans nachzukommen.

Zufrieden nahm Elrond diese Worte zur Kenntnis, er hatte nichts anderes von Thranduil erwartet.

„Gut, dann möchte ich Euch bitten, zusammen mit Erestor morgen abzureisen und ihm unsere heutigen Überlegungen bezüglich des Geheimganges mitzuteilen. In dieser Hinsicht möchte ich nichts entscheiden ohne seine Meinung dazu zu kennen", erklärte er und winkte seinem Berater, sich zu ihm zu gesellen.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Erestor, wie Elrond ihn zu sich bat. Mit einem schiefen Lächeln blickte er zu Haldir.

„Wie es aussieht wünscht mein Herr mich zu sprechen", lächelte er und drücke noch einmal Haldirs Hand, bevor er hineinging.

„Elrond, was kann ich für dich tun?"

„Dies wird dir Legolas erklären."

Der Angesprochene war ein wenig enttäuscht, bereits zurückkehren zu müssen, doch hatte er mit nichts anderem gerechnet. Allerdings widerstrebte ihm die Vorstellung doch ausgerechnet mit dem Elb zu reisen, welcher demjenigen so nahe stand, der solche seltsame Gefühle in ihm auslöste, und welchem er manchmal noch tief in sich die Schuld gab, an der Vergangenheit. Zudem fragte sich Legolas, was mit seiner Schwester geschehen würde.

„Soll Melelhídhril während dieser Zeit hier bleiben?", fragte er den Elbenherrn also höflich und versuchte keinen Blick auf Erestor zu werfen, der lächelnd neben ihm stand.

Erestor warf einen eindeutigen Blick auf Elladan, der gerade eben eng umschlungen mit der Tochter Thranduils auf einer Terrasse stand und sie innig küsste. Elrond folgte seinem Blick und räusperte sich kurz.

„So wie es aussieht, hat Eure Schwester andere Pläne und ich bezweifle, dass mein Sohn es mir verzeihen würde, würde ich sie mit Euch schicken. Erestor, du sollst mit Legolas zu Thranduil reiten, wegen der Besprechung bezüglich dieses Geheimgangs", erklärte er und Erestor nickte, er war innerlich erleichtert für eine Weile von Glorfindel weg zu kommen.

Legolas folgte den Blicken Elronds und nickte.

„Nun, ich denke, Melelhídhril würde auch noch gerne eine Weile hier bleiben", lächelte er. „Doch hoffe ich, dass mein Vater nichts dagegen einzuwenden hat. Wenn ihr wünscht, werden wir nun morgen aufbrechen, am besten, wenn die Sonne schon aufgegangen ist, denn am Tage sind die Orks weniger aktiv als des Nachts."

Der Elb dachte mit Schaudern an seine Anreise und er war nicht begierig darauf, weiteren Orks in der Dunkelheit zu begegnen.

Nachdenklich hatte Erestor den Worten des Elben aus dem Düsterwald gelauscht. Er war sich nicht sicher, ob dies die beste Taktik war.

„Legolas, verzeiht, wenn ich Euch widersprechen muss, aber meint ihr nicht, es ist wesentlich unsicherer, wenn wir in der Dunkelheit rasten und am Tage reisen? Ich würde eher vorschlagen des Nachts zu reiten, denn dann können wir den Gruppen die herumstreunen besser ausweichen. Am Tage wären wir, wenn wir ruhen, sicherer", riet er und blickte gelassen zu seinem Herrn, er wusste, dieser würde das letzte Wort haben, doch noch würde er sich nicht einmischen.

„Nun, Ihr mögt recht haben", erwiderte Legolas ruhig. „Doch reiste ich mit meiner Schwester auch am Tage und wir kamen hier an, ohne viele Orkangriffe. Aber ich denke, hier zählt das Wort eines Elben, der mehr Erfahrung bezüglich dessen besitzt."

Auch der Blick des blonden Elben wandte sich Elrond zu. Innerlich musste er Erestor mehr als Recht geben und schalt sich selbst, dass er nicht an diese Option gedacht hatte.

Der Herr des Letzten Heimeligen Hauses nickte nur schweigend.

Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf Erestors Zügen.

„Ihr glaubt nicht, wie erleichtert ich bin, dass Eurer Schwester und Euch nichts geschehen ist. So wie ich Elrond verstanden habe, werden wir alleine reiten, was durchaus von Vorteil ist, dass wir unauffälliger sind, deswegen würde es sich noch mehr anbieten", erklärte Erestor und verbeugte sich knapp vor dem jungen Elben. „Und nehmt es nicht ernst, dass ich Eure Entscheidung in Frage gestellt habe, auch Ihr werdet eines Tages solche Entscheidungen leicht treffen können", fügte er noch hinzu, während er in Gedanken daran dachte, dass der junge Elb spätestens nach einem Jahr mit Haldir dies gelernt haben würde, da es damals, als Erestor versucht hatte es den jungen Elben zu lehren, keine Möglichkeit gegeben hatte.

„Elrond, wenn du mich entschuldigen würdest, ich möchte meiner Tochter noch gratulieren, oder besser gesagt, ihr Geheimnis aus ihr herauskitzeln." Mit diesen Worte wandte er sich ab und schritt zu seiner Tochter und Elrohir ,die bei Laereth und Lindir saßen.

„Aní, ich hatte diesen Abend noch keine Zeit für dich, bitte verzeih", lächelte er ihr strahlend entgegen.

Aníril lächelte ihren Vater freudig an, als er ihr entgegen schritt, doch stand sie nicht auf, da ihr das Belasten des Beines immer noch weh tat.

„Ada, ich weiß, dass ihr noch wichtige Dinge zu bereden hattet, da wollte ich nicht stören und immerhin bin ich in guter Gesellschaft", lachte die Elbenmaid und wandte den Blick von ihrem Vater zu Elrohir und dann ihrer Freundin Laereth und schließlich Lindir. „Wie du siehst, war ich nicht alleine und so kann ich es verschmerzen, wenn du erst jetzt Zeit hast. Was hatte Elrond mit dir zu besprechen?"

Zärtlich zog er seine Tochter kurz in seine Arme und als er sich von ihr trennte fiel sein Blick auf den Anhänger, neugierig nahm er ihn näher in Augenschein.

„Wunderschön und sehr gut verarbeitet", flüsterte er und lächelte Elrohir kurz zu. „Elrond sagte mir, dass ich morgen Abend abreisen werde, zusammen mit Legolas."

Seufzend ließ er den Anhänger los.

„Das heißt du wirst einige Zeit nicht da sein?", fragte Aníril und zog eine gespielte Schnute. „Ach Ada, ich glaube, ich werde dich vermissen, aber ist es denn so wichtig, dass ihr bereits morgen abreisen müsst?", fügte sie noch hinzu und sah hinunter auf den Anhänger, der um ihren Hals hing und matt schimmerte. Dann sah sie zu Elrohir.

„Und was den Anhänger betrifft, Elrohir schenkte ihn mir vor kurzem", lächelte sie dann mit strahlenden Augen.

Gespielt seufzend sah er auf seine Tochter.

„Und wer schenkt mir einmal so etwas? Gab es denn einen bestimmten Anlass dazu?", fragte er unschuldig. „Es ist sehr wichtig, es betrifft unsere Planungen, was den Angriff im Frühling betrifft, deswegen müssen wir uns beeilen, dass wir auch wieder zurückkönnen, bevor zuviel Schnee liegt und die Pässe blockiert."

Aníril sah ihn ein wenig traurig an.

„Gewiss, dies verstehe ich, Ada, doch stimmt es mich trotzdem traurig, dass du sobald schon gehen wirst. Aber es ist unumgänglich." Die Elbenmaid seufzte und umarmte ihren Vater kurz, dann heiterte sich ihre Miene jedoch auf. Schmunzelnd umfasste sie den Anhänger mit der rechten Hand. Ihr war es, als würde sie ihn schon ewig tragen.

„Und der Anlass...", fuhr sie dann lächelnd fort und warf einen fragenden kurzen Blick zu Elrohir, der neben ihr saß.

Dieser ergriff ihre Hand, drückte sie zärtlich und nickte ihr zu.

„Nun, Elrohir schenkte ihn mir, als er mich fragte, ob ich den Bund mit ihm eingehen möchte", sprach Aníril mit einem Glitzern in den dunklen Augen.

Ein strahlendes Lächeln machte sich auf Erestors Gesicht breit und er zog Elrohir kurz in eine Umarmung, nur um danach seiner Tochter einen dicken Kuss auf die Stirn zu drücken.

„Ich freue mich für euch beide, ich hoffe, ihr werdet glücklich werden", sprach er leise.

„Genauso wie ich. Mein Sohn, du hast eine hervorragende Wahl getroffen", erklang nun auch Elronds Stimme, der Erestor gefolgt war und zugehört hatte.

Ein wenig zurückhaltender, doch trotzdem warm lächelnd, trat nun auch Glorfindel heran, dicht gefolgt von Elladan und Melelhídhril, welche der Elb schon die ganze Zeit über an der Hand hielt.

„Was habe ich da gehört, Elrohir?", rief der ältere Sohn Elronds und lachte laut auf. „Mich wundert es, dass du es mir noch nicht erzählt hast, seit wann bist du so schweigsam?"

„Seitdem du nur noch Augen für eine gewisse Elbenmaid hast", lachte sein jüngerer Bruder und schon nach kürzester Zeit feierten alle anwesenden Elben und auch die Dúnedain den Entschluss der beiden, den Bund miteinander einzugehen.

Gegen Ende des Abends gesellte sich noch einmal Glorfindel zu Erestor, der mit Haldir fröhlich an einer Weinflasche trank.

„Es tut mir ja leid, dir dies zu sagen, mein Freund, aber bei deinem Weinkonsum, wirst du morgen früh nicht weit kommen zu Pferde... auf, gehen wir schlafen, und lassen uns morgen früh das Frühstück ans Bett bringen", lallte er nun schon leicht, und lachend schwankten drei stolze Elben aus der Halle, auf dem Weg zu ihren Gemächern.

Die anderen Feiernden folgten dicht auf, entweder um noch zu zweit weiter zu feiern, wie es bei Elladan und Melelhídhril der Fall war, oder um einfach nur zu schlafen um zu vergessen, was bei Legolas der im Vordergrund stehende Wunsch war.

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Oki, ich hoffe, alle haben bei diesem Kapitel durchgeblickt, es war etwas schwierig alles zu koordinieren ;).

Ele: Schade, dass du dich nicht an die Abmachung gehalten hast… jetzt sind wir aber ganz traurig…

Galu: Danke für das Review, Süße, fühl dich umgewuschelt ;). Haldir und Legolas… jaja, die beiden brauchen ein klein wenig… Nicht jeder ist so schnell wie Mel und Ella… Erestor und Glorfindel… die beiden sind irgendwie meine Sorgenkinder, sie machen nie das, was sie sollen… Val und ich werden unserer bestes geben, dass sie einander bekommen… mir täte Fin sonst echt leid… aber ich kann auch nichts dafür, wenn er sich zu dabbisch anstellt… ich muss Erestors Charakter ja treu bleiben…

Gwilith: Danke für dein Review, fühl dich in den Boden geknuffelt ;). Alsoooo, da weder Mel noch Ella in irgendeiner Weise Aní und Elro ähneln, war es für Val und mich klar, dass es recht schnell gehen wird ;). Ich hoffe, du hast bei diesem Kapitel durchblicken können ;).

Narwain: Danke fürs Rev, fühl dich einfach nur plattgeknuddelt ;). Gelle, das mit dem General hat mir auch gefallen ;). Ich mag Mel ;). Ihr Name bedeutet, wenn ich mich recht erinnere Friedensbringerin, aber da kann ich mich auch irren… werde ich Val nochmal fragen, wenn sie von ihrem Schulausflug zurück ist ;). Zu dem Wälzer: Jop, schreibe es, es gibt genug, die mehr reviewen sollten (ich bin ganz brav, was das angeht).

MorganAbKynan: Dankeeeeeee für deine Reviews, Süße, fühl dich plattgeknuffelt ;). Sorry, wegen Legs und Haldir… aber gibs zu, dass liegt bei dir nur daran, dass du Legs den Haldir nicht gönnst… soll ich Haldir lieber mit Elrond verkuppeln? Oje, bei dem Gedanken schüttelt es mich irgendwie ;). Und ja, Mel ist ein Früchtchen… ich hatte die Schnauze voll, von den ganzen unsicheren Elbenmaiden (Gwiwi, Aní, Laereth…) Ich brauchte eine, die Elladan das Wasser reichen konnte… und das kann sie, aber er ihr ja auch… ich glaube, sollten die beiden jemals den Bund miteinander eingehen, wird ihnen NIE langweilig ;).

Stern: auch dir vielen Dank fürs Review, fühl dich mit den anderen umarmt und geknuddelt. Also: Zu Erestor und Glorfindel… ich hoffe einfach mal, dass Erestor Fin auf der Reise so vermisst, dass er es endlich rafft, aber hey, das ist Erestor… er ist ja wirklich manchmal schwer von Begriff… armer Fin… Was mit Mel und Ella noch passiert… wir werden sehen… ich denke, Erestor wird vielleicht ein wenig beruhigend auf den guten Thranduil einwirken können, immerhin war er ja auch dessen Lehrer, und aus Fallende Engel ist bekannt, wie die beiden miteinander umgehen.

Lord elo: Hi, danke für das Review. Jop, Ella macht es sich leicht, aber hey, wir können nicht jeden ewig lange leiden lassen… nur fast ;). Zum Thema jemand für Elrond: schau dir mal den Titel dieser Story an… ich finde ihn sehr passend gewählt, aber bitte niemals vergessen, dass er Celebrían wirklich liebt… und sie ja in den Unsterblichen Landen wider sehen wird.

Sodele, heute war ich echt geschwätzig ;). Wir freuen uns schon auf die Meldungen zu diesem Kapitel… mir selbst hat es übrigens weniger gefallen, aber es musste sein, um den Plot weiter vor zu treiben… irgendwie bekomm ich grade tierisch Lust etwas zu Erestor, Glorfindel und Tuor zu schreiben… naja, erstmal warten, das Valinja wieder da ist… außerdem müssen erstmal ein paar Kaps hierzu geschrieben werden, weil wenn das Semester in zwei Wochen anfängt hab ich nicht mehr viel Zeit.