Kapitel 22: Dunkel
Stöhnend zog er sich die Decke über das Haupt, als die ersten Sonnenstrahlen in sein Zimmer drangen. Es war am vorherigen Abend wohl doch zuviel Wein gewesen, und Erestor befürchtete jetzt durch keine Tür mehr zu passen, aufgrund seines dicken Kopfes.
„Verdammt…", brummte er und zuckte erschrocken zusammen, als er hörte, wie Haldir, der immer noch auf dem zusätzlichen Bett in seinem Zimmer schlief, auflachte.
„Etwas leiser bitte…", murmelte er und vergrub sich noch tiefer in den Laken.
„Es tut mir leid, alter Freund, aber es war schon zweimal ein Diener hier und ließ ausrichten, dass Elrond dich zu sehen wünscht", erklang die Stimme Haldirs nun leiser, aber er zog sehr umbarmherzig die Decke weg, worauf hin Erestors Kopf sehr schnell unter einem Kissen verschwand.
„Gnade…", winselte er und bemerkte nicht, wie Haldir aufstand und die Vorhänge vor zog.
„Nein, ich werde mich nicht mit deinem Herrn anlegen, nur weil du zuviel gefeiert hast", erklärte der Galadhrim fröhlich und zuckte nicht einmal mit der Wimper, als Erestor ihn wütend anfunkelte, er hatte sich nun doch unter dem Kissen hervorgetraut.
„Du hast mich überzeugt", grummelte er mürrisch und quälte sich aus dem Bett um nicht viel später völlig zerzaust und mit blutunterlaufenen Augen vor dem Herrn Bruchtals zu stehen.
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„Er ist schon den ganzen Tag zu nichts zu gebrauchen, ich hoffe, er fällt gleich nicht vom Pferd", scherzte Haldir zu Glorfindel, während die beiden darauf warteten, dass Erestor endlich zu den Stallungen ging. Er sollte schon vor einiger Zeit angekommen sein.
„Verzeiht, Legolas, aber Erestor hat, da er die Verlobung seiner Tochter feierte, gestern zuviel getrunken. Er ist schon den ganzen Tag etwas sehr… Ihr kennt dies sicher", sprach Haldir höflich und warf einen sehr intensiven Blick auf den jungen Elben.
Legolas brachte ein bestenfalls höfliches Lächeln zustande.
„Oh dies ist mir bekannt, selbst meine Schwester hat dies schon geschafft", erklärte er und richtete seinen Blick wieder starr gerade aus. Es war ihm in diesem Moment seltsam unangenehm den Galadhrim anzuschauen, genauso wie ihm seltsam zu Mute wurde, wenn er dessen Blicke auf sich spürte. Zudem wollte er nicht an die Feierlichkeiten einer Bundschließung denken, zu sehr schmerzten ihn diese Erinnerungen.
Erestor beeilte sich, er wusste, er war zu spät, doch die letzte Stunde Schlaf hatte er einfach gebraucht, damit sein Kopf klar wurde. Leicht außer Atem erreichte er die Stallungen, an denen Aníril, Elrohir, aber auch Legolas, Haldir und Glorfindel warteten.
„Verzeiht, dass ich so spät bin, aber ich musste einfach noch kurz ruhen, um die Reise zu überstehen", entschuldigte er sich.
Aníril lachte leise.
„Nun, ich habe gesehen, was du gestern getrunken hast, so bin ich nicht wirklich überrascht, aber vielleicht solltest du dich bei Legolas, Haldir und Glorfindel entschuldigen, im Gegensatz zu Elrohir und mir, warten sie bereits eine ganze Weile." Ein schelmisches Lächeln zog über die Züge der Elbenmaid bei diesen Worten. Auch Glorfindel konnte sich ein sanftes Grinsen kaum verkneifen, versteckte es jedoch geschickt hinter einer vorgehaltenen Hand. Einzig und allein Legolas verkniff sich jegliches Schmunzeln und sah weiterhin ohne Regung auf die anderen Elben.
Erestor nickte kurz bei ihren Worten und begann dann seinen Beutel am Sattel des Pferdes zu befestigen. Kurze Zeit später wandte er sich wieder allen zu. Zuerst umarmte er kurz Elrohir.
„Pass bloß auf meine Kleine auf!!!", meinte er gespielt streng und trat dann zu Haldir.
„Mein Freund, ich hoffe, wir sehen uns wieder, wenn wir zurückkehren. Auf dass deine Herrin dich nicht wieder zu sich ruft", sprach er und umarmte den Galadhrim innig.
„Aní, ich werde dich vermissen, Kleines, leider hatten wir nicht soviel Zeit miteinander", murmelte er und zog sie eng an sich „Ich hab dich lieb, Kleines."
Aníril drücke ihren Vater ebenfalls fest an sich.
„Mach dir keine Sorgen um mich, pass lieber auf dich auf", sagte sie leise und rieb sich mit einer Hand verstohlen über die Wange, wo eine einzige Träne hinab gekullert war.
Legolas daneben räusperte sich kurz, er wollte ungern die Verabschiedung der Elben stören, doch lag ihm einiges daran, nun bald abzureisen.
„Auch mir tut es leid, Imladris so bald verlassen zu müssen, gerne wäre ich noch länger geblieben, doch sollte die Nachricht schnellstens überbracht werden."
Er nickte knapp um seine Aussage zu unterstützen und sprach noch einige kurze Worte des Abschieds mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
„Dann werde ich dich nicht länger warten lassen, Legolas", sprach Erestor und umarmte Glorfindel nur sehr kurz. „Ich hoffe, ich habe bei meiner Rückkehr eine Antwort für dich", flüsterte er ihm noch kurz zu und schwang sich auf sein Pferd.
Glorfindel nicke kaum merklich bei Erestors Worten. Als der dunkelhaarige und der blonde Elb dann hinfort ritten, spürte er zudem wie eine leichte Wehmut sich über ihm ausbreitete. Kurz schloss er die Augen und atmete tief durch, doch als er die Lider wieder aufschlug, waren Erestor und Legolas bereits hinter einigen Bäumen verschwunden. Glorfindels Herz wurde ihm seltsam schwer und nicht wissend, was er nun tun sollte, wandte er sich ab.
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Lange beobachtete Erestor das jüngste Kind Thranduils. Er konnte deutlich sehen, dass ihn etwas verstimmte, doch wusste er nicht was. Der blonde Elb schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, und als die ersten Sterne am Horizont aufglommen, hatten sie noch immer kein Wort gewechselt. Auch wenn er über die dunkle Vergangenheit von Legolas wusste, so war es doch keine Entschuldigung, für sein Benehmen ihm gegenüber und langsam wurde Erestor etwas ungeduldig.
„Sag, wir kennen uns nun schon sehr lange und so sehe ich, dass dich etwas bedrückt, liegt die kommende Dunkelheit so schwer auf deinem Herzen? Steht es so schlecht um das Reich eines alten Freundes?", fragte er den Elben mit ruhiger Stimme.
„Nein, Erestor, damit hat es nichts zu tun", erwiderte Legolas ein wenig erschrocken und fragte sich gleichzeitig, ob es so auffällig gewesen war, dass er stumm geblieben war. „Jedoch, dachte ich darüber nach, was meine Schwester wohl machen wird, die ganze Zeit über, bis ich zurückkehre." Legolas lächelte leicht. Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, doch war ihm so schnell nichts anderes eingefallen, da er Erestor nicht die wirkliche Hauptperson seiner Gedanken preisgeben wollte.
Nur ein kurzes Heben seiner Augenbraue zeigte, dass er dem Blonden seine Antwort nicht ganz glaubte, so war Erestor doch bereit darauf einzugehen, um wenigstens ein Gesprächsthema zu haben.
„Da sie Gefallen an Elladan gefunden hat, bin ich mir sehr sicher, zu wissen womit sie sich beschäftigen. Ich habe Elladan nicht umsonst mit großgezogen, ich kenne ihn glaube ich gut genug", erklärte er lächelnd, und zog seinen Umhang fester um die Schulter, da es merklich kühler geworden war. Es würde nur noch wenige Tage dauern, bis die ersten Schneefälle einsetzen und Erestor hoffte, das Gebirge wäre noch wenige Wochen überquerbar.
„Oh, ich würde sagen, auch ich kenne meine Schwester gut genug, um zu wissen, wie sie sich beschäftigen wird", lächelte Legolas als Antwort, froh darüber, dass Erestor auf das Thema eingegangen war. „Allerdings ist sie oft sehr eigenwillig, ich hoffe, Elladan ist sich dessen bewusst", fuhr er dann fort und lachte leise. „Schon oft haben mein Vater und ich dies zu spüren bekommen."
Während er sprach glitt Legolas' Blick aufmerksam über die Umgebung, doch in der Landschaft regte sich nichts. Alles war still.
„Was denkt Ihr, werden wir noch dieses Jahr zurückkehren können? Oder werden wir auf das Frühjahr warten müssen? Elrond hätte mich nicht fort geschickt, wegen Lindir und Laereth, aber es scheint diesen Herbst merklich kühler zu sein", fragte der Noldo leise und auch sein Blick glitt über die Umgebung. Die Grenzen Bruchtals hatten sie schon längst hinter sich gelassen, und es war noch eine weite Strecke bis zum Fuße des Gebirges. Ein unangenehmes Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit, seine Instinkte aus der Zeit als Hauptmann Ecthelions erwachten, doch noch hatte er keinen konkreten Hinweis. „Und was deine Schwester betrifft, ich denke sie ist Elladan zwar durchaus gewachsen, aber er ihr sicherlich auch. Sie werden bestimmt eine sehr interessante Zeit miteinander verbringen."
Auch Legolas überkam ein seltsames Gefühl, als er ein weiteres Mal in die Dunkelheit spähte.
„Spürst du das auch?", fragte er leise flüsternd. Etwas stimmte nicht in ihrer Umgebung, doch es konnten keine Orks in der Nähe sein, denn Legolas war sich sicher, dass sie diese gehört hätten.
Dieses merkwürdige Gefühl wurde immer stärker und Erestor blickte etwas erschrocken bei Legolas' Frage auf, er hatte sehr gehofft sich zu irren.
„Ja, ich habe den Eindruck, wir werden beobachtet, doch ich kann nichts Genaueres sagen, wir sollten vorsichtig sein, bereit jederzeit das Schwert zu schwingen. Da wir uns in einem Wald befinden würde ich stark bezweifeln, dass wir die Gelegenheit haben werden unsere Bögen einzusetzen", flüsterte er zurück und versuchte mit seinen Blicken die Dunkelheit um sie zu durchdringen. Doch weder seine Augen, noch seine Ohren oder Nase gab ihm ein verräterisches Zeichen, es war nur ein Gefühl.
Legolas nickte ein wenig beunruhigt. Dass auch Erestor es verspürte, zeigte ihm deutlich, dass wirklich etwas nicht stimmte. Automatisch glitt seine Hand an seine Seite, an der das Schwert hing. Seine Finger legten sich um den Griff, bereit das Schwert jeder Zeit zu ziehen. Legolas hoffte immer noch darauf, dass ihre Gefühle sie trügen wollten, doch anstatt schwächer wurden sie immer stärker. Es gab keinen Zweifel. Sie waren nicht alleine.
Erestor spürte, wie sich Schweiß auf seiner Stirn bildete, er war nervös. Wie lange würden ihre namenlosen Beobachter sich Zeit lassen, bis sie sich zeigen würden? Wie viele waren es? Hatten sie eine Chance? Der Dunkelhaarige wusste, dass er es mit einigen aufnehmen konnte, aber er wusste überhaupt nicht, wie gut der Sohn Thranduils sich halten würde. Zudem war er für dessen Sicherheit verantwortlich. Nun glitt auch Erestors Hand leise zu seinem Schwert.
„Legolas, kannst du näher bestimmen, was uns auflauert? Orks kann ich ausschließen", flüsterte Erestor.
„Diese Erkenntnis hatte ich auch schon gewonnen", erwiderte Legolas ebenso leise. „Orks wären lauter gewesen, aber was uns sonst verfolgen sollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Wer auch immer es ist, sie sind äußerst geschickt."
Legolas verstummte und sah sich unruhig um. Es schien immer näher zu kommen.
„Ich würde vermuten, dass sie auch intelligenter sind als Orks… Menschen vielleicht? Aber warum? Und woher kommen sie? Was haben sie vor?" Seine Stimme war immer leiser geworden bei diesen Worten und ein Zittern fuhr durch seine Glieder. „Hast du auch den Eindruck Stimmen im Wind zu vernehmen? Ein Flüstern, kaum wahrnehmbar", fragte er den Düsterwaldelben und konzentrierte sich auf die Stimmen, die er immer deutlicher vernahm.
Es war unheimlich.
„Ich höre es", erwiderte Legolas fast tonlos und sah sich beinahe hastig um, doch immer noch sah er nichts. Er vernahm nur das leise Flüstern, aber es hätten genauso die sanften Bewegungen der Blätter im Wind sein können. Legolas versuchte sich damit zu beruhigen, dass es womöglich wirklich so war, bis ihm auffiel, dass es völlig windstill war.
„Was denkst du, was dies ist…", flüsterte Erestor, als der Wind plötzlich wieder stärker durch die Bäume pfiff, einem hohlen Kreischen gleich, das den Dunkelhaarigen erschrocken zusammenzucken ließ. Der fahle Mond brach durch die Wolkendecke und tauchte ihre Umgebung in ein geisterhaftes Licht, welches die Bäume krank, verkrüppelt und viel zu scharf wirken ließ.
„Das ist unheimlich", flüsterte er zittrig.
Legolas erwiderte nichts, doch verriet ein leichtes Zittern, dass er ebenfalls so dachte. Ein Schauer jagte ihm den Rücken hinunter.
„Ich spüre es. Ich spüre genau wie jemand uns beobachtet", hauchte er schließlich und sah sich mit aufgerissenen Augen um. „So deutlich wird es erst jetzt."
Ein wenig ängstlich, aber auch wütend biss Erestor die Zähne zusammen. Er hasste es beobachtet zu werden.
„Sie wollen uns zermürben, damit sie leichtes Spiel haben, wahrscheinlich lachen sie gerade über uns", hauchte er und setzte sich dann ruckartig auf seinem Pferd auf.
„Wir wissen, dass ihr da seid, also zeigt euch." Seine Stimme gellte durch den Wald, und er hatte sein Schwert gezogen.
Legolas Pferd legte unwillig die Ohren an und tänzelte aufgeregt, als der Elb das Tier ebenfalls anhielt und umdrehte. Blitzschnell zog er sein Schwert und spähte in die Dunkelheit. Ein Schauder durchlief ihn, denn plötzlich schien er von allen Seiten die Blicke zu spüren.
Schnell schlug Erestors Herz, als er das Rascheln der Blätter um sich herum vernahm, es mussten sehr viele sein. Ein kurzer Blick auf Legolas zeigte, dass auch der jüngere zu diesem Schluss gekommen war.
„Verdammt, warum machen sie es so spannend", presste er hervor und blickte wieder auf die Büsche, die in einem fremden Rhythmus hin und her zu schwingen schienen. Er konnte die Angst, die durch seine Adern floss, nicht leugnen.
Der jüngere Elb konnte das Klopfen seines Herzens bis zum Halse spüren und er dachte, es wäre so laut, dass auch ihre Beobachter es hören müssten. Nervös krampften sich seine Finger um den Griff des Schwertes.
„Ich weiß nicht warum sie uns so hinhalten, aber ich sage dir, ich werde es ihnen nicht leicht machen", zischte er dann leise. Er war unsicher, aber genau dies machte ihn in diesem Moment auch unvergleichlich wütend.
Tausende Insekten schienen über seine Haut zu krabbeln und Erestors Nackenhaare stellten sich auf. Seine Nerven lagen blank und er zuckte zusammen, als ein Ast hinter ihnen knirschte. Er wirbelte herum, das Schwert in seiner Hand, das Herz in seiner Kehle.
Ein Mann war aus dem Gebüsch getreten und unzählige folgten ihm. Nach kurzer Zeit waren sie von mehr als einem Dutzend großer, bärtiger Männer umringt, die schon von weitem den Geruch des Bösen an sich haften hatten.
„Leoglas, wir werden kämpfen müssen. Sie sind zu nah an Bruchtal…" murmelte er und hoffte, keiner der Menschen sprach Sindarin.
„Wir würden so oder so nicht entkommen können", entgegnete Legolas und presste die Lippen aufeinander. Er hatte das Gefühl als wäre alles Blut, alles Leben aus seinem Körper gewichen.
Der Elb sah, wie die bärtigen Männer bei ihrem Anblick ihre Münder zu hässlichen Grinsen verzogen. Legolas schluckte hart.
Ihre Gegner zogen den Kreis langsam enger.
„Dann wollen wir uns aber nicht kampflos ergeben, oder?", knirschte Erestor und schwang sein Schwert in einem präzisen Bogen. Zwei Köpfe rollten, Erestor trieb sein Pferd an und begann ein Blutbad.
„Legolas, sobald du eine Lücke findest, flüchte nach Bruchtal, hol Hilfe, sie sind zu nah, die müssen getötet werden", rief der Elb, als sich die Männer laut schreiend auf sie stürzten.
Der blonde Elb nickte knapp, während auch er sein Schwert um sich schwang. Er wusste nicht wie viele Gegner er tötete, doch sie waren so zahlreich und so dicht, dass er mit fast jedem Hieb einen von den Männern traf. Rücksichtslos kämpfte er sich durch die Menge, seine Hand fest um den Griff seines Schwertes geklammert. Ein blitzschneller Blick zu Erestor sagte Legolas, dass es diesem nicht viel besser ging.
Für jeden Gefallenen erschienen zwei neue. Erestor kämpfte und kämpfte, doch es wurden nicht weniger. Grimmige Gesichter grinsten ihn an. Blut spritze, er geriet in Bedrängnis.
Sein Pferd brach unter ihm zusammen, schnell sprang er herunter, wirbelte umher, tötete drei weitere.
Wie sollte er dies nur überstehen? Wie sollte Legolas dies nur überstehen?
Legolas wusste es nicht. Verzweifelt erwehrte er sich der raschen Angriffe, hieb nur noch blindlings mit seinem Schwert auf die Körper ein, welche vor seinen Augen zu einer vollkommen einheitlichen Masse zu werden schienen. Boshafte Fratzen schienen die Gesichter zu ziehen. Die Augen der Männer funkelten dämonisch. Mit letzter Verzweiflung schwang Legolas sein Schwert, schlitzte zwei Angreifern die Kehle durch, welche sofort tot zu Boden sanken. Mit geweiteten Augen sah der Elb nun auf die Lücke, welche entstanden war. Ohne weiter zu überlegen, handelte er, die Worte Erestors immer noch in seinen Ohren.
Feuer flammte durch seinen Arm, Schweiß lief ihm in die Augen, brannte, doch er durfte nicht aufgeben.
Sein Schwert fester ergreifend schlug er weiter auf die Menschen ein, deren Zahl sich nie zu verringern schien.
Bis plötzlich Hoffnung ihn durchzuckte, der blonde Elb hatte eine Lücke entdeckt und versuchte zu fliehen. Erestor würde ihm diese Gelegenheit sichern. Alle Kraft in sich sammelnd beschleunigte er seine Bewegungen noch einmal. Wie ein Berserker drang er auf die Menschen ein.
Und Legolas nutzte die Chance. Hastig trieb er sein Pferd an, welches, ohnehin schon nervös, mit einem mächtigen Satz vorwärts sprang und dann lospreschte. Ein Mann, der dem Tier in den Weg kam, wurde von dem verängstigten Ross nieder getrampelt, die anderen Männer wichen erschrocken zurück.
Legolas saß tief über den Hals des Pferdes gebeugt, erst als er keine Menschen mehr zu seinen Seiten erblickte, wagte er es sich umzudrehen. Heftig schluckte er. Es waren so viele - immer noch. Hatte Erestor noch eine Chance? Mit einem seltsamen Gefühl im Magen trieb er sein Reittier zu immer größerer Eile an.
Erleichterung durchfuhr ihn für wenige Augenblicke, der Sohn Thranduils würde es schaffen. Er hatte keine Chance, das wusste er, doch würde er weiter versuchen so viele wie möglich mit sich in den Tod zu nehmen. Er kämpfte wie ein Wahnsinniger, erschlug mehr als ein Dutzend, bis die Menschen plötzlich innehielten, Platz machten.
Blut strömte aus mehreren Wunden an seinen Armen und seiner Brust. Sein Atem ging rasselnd und seine Gedanken rasten. Was passierte jetzt? Was würde geschehen? Warum wichen sie zurück? Nun machte sich auch seine Erschöpfung bemerkbar. Zitternd wartete er.
Die gut zwanzig Menschen bildeten plötzlich eine Gasse und Erestor schluckte sichtlich. Ein großer Mann trat auf ihn zu, mit schwarzem Schnurrbart, Glatze und finster glänzenden Augen.
„Soso, ein Elb, das ist ja interessant", lachte er und zog sein Schwert. „Lasst uns sehen, zu was das Elbenvolk fähig ist."
Schnell wie eine Raubkatze hatte er angegriffen und Erestor, geschwächt durch Müdigkeit, Blutverlust und die Anstrengung konnte nur knapp parieren. Er wusste, auch wenn ihm dieser Mensch zu seinen Zeiten in Gondolin nicht einmal annähernd ebenbürtig gewesen wäre, hatte er nun keine Chance.
Die Menschen um sie herum grölten, als die beiden ungleichen Gegner einen tödlichen Tanz aufführten. Schweiß trat auf Erestors Stirn, seine Brust und Arme schmerzten, er konnte das Schwert kaum noch halten, seine Schritte erlahmten.
Sein Gegner war sehr schnell für einen Menschen, mit voller Kraft schlug er auf den nun taumelnden Elben ein. Er schien sich seines Sieges sicher. Seine Augen blitzen und Erestor entdeckte die gesuchte Lücke, mit einem letzen Aufbäumen sammelte er seine Kräfte und griff noch einmal an, durchbrach die Verteidigung und verwundete den Krieger.
Er sah Schock und dann Wut in den Augen des anderen.
„Soso, also hat der kleine Elb doch etwas gelernt", zischte er und schlug einmal hart mit der flachen Kante seines Schwerte gegen Erestor Kopf.
Zu schwach diesen Streich noch aufzuhalten, brach der erschöpfte Elb zusammen. Schwärze umfing ihn.
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Im gestreckten Galopp jagte das Pferd Legolas mit seinem erschöpften Reiter durch den Wald. Immer wieder trieb der Elb es an. Leicht glänzte das Fell des Tieres, als seine Hufe über den Boden donnerten.
Legolas wusste nicht wie lange er nun schon fort von dem Geschehen war, doch er wusste, er musste schnell nach Imladris gelangen. Erestor würde Hilfe brauchen. Und so presste der Elb die Beine immer dichter an sein Reittier. Bald näherten sich die Grenzen des Elbenreiches.
„Jemand nähert sich sehr schnell", vernahm er die Stimme eines Späherpostens vor der Hütte der Grenzwächter. Schnell war Glorfindel aufgestanden und hinausgeeilt, spähte durch Dunkelheit.
Und tatsächlich, auch er konnte einen Reiter wahrnehmen, der sich ihnen in halsbrecherischer Geschwindigkeit näherte. Mit einer knappen Geste gab er seinen Soldaten zu verstehen, sie sollten die Bögen spannen.
Schon wollte er den Befehl geben einen Warnschuss abzugeben, als er das blonde Haar das anderen im Mondlicht bemerkte.
„Legolas, was ist geschehen?", schallte seinen Stimme durch die Nacht, als er hinab sprang und dem Elben entgegen ging. „Und wo ist Erestor?" Sein Herz setze einen Schlag aus, als er den Noldo nirgendwo entdecken konnte.
Legolas Reittier riss erschrocken den Kopf hoch, als sein Reiter es so plötzlich anhielt und in einem Schwung und mit letzter Kraft hinunter sprang.
„Glorfindel!", rief der Elb beinahe atemlos und gleichzeitig unendlich erleichtert, dass er dem anderen Elben begegnet war. „Wir... wir wurden angegriffen", hauchte er, bevor ihm die Stimme endgültig versagte und die Erkenntnis über die Ereignisse wie eine Welle über ihn hereinbrach.
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Stern: Danke für dein Review, Süße, fühl dich umgeknuffelt. Jop, Erestor sollte Nachdenken… sofern er überhaupt zum Denken noch in der Lage ist. Wie gesagt, ich denke, Fallende Engel beschreibt die Beziehung zwischen Erestor und Thranduil sehr gut, außerdem erfährt man noch ein paar Sachen, die hier nur angedeutet werden, aber auch natürlich Schwierigkeiten verursachen ;).
Galu: Danke für dein Review, Süße, fühl dich kräftig durchgewuschelt ;). Genau! Armer Glorfindel… der ist einfach nen armes Schweinchen… Haldir führt sich auf wie Erestor? Nur, weil er unsicher ist, weil er schon einmal jemanden verloren hat? Ich habe bei Haldir immer den Eindruck, er tut sich schwer damit zu lieben… Rückreise?... wie du siehst…. Nö… und Legolas haben wir in Fallende Engel ja schon genug gequält… denke ich… vermute ich… ach ja, ich liebe es die Charas zu quälen… und jetzt kommen endlich meine Erestor muss leiden Kapitel… aber SDS… hätte er sich entschieden und Elrond hätte das gewusst, hätte er nicht fort gemusst!
Narwain: Danke für dein Review, Süße, fühl dich plattgeknuddelt. Zu Haldir und Legolas äußere ich mich jetzt nicht ;). Das werdet ihr in den nächsten Kapitel erfahren… aus jeden Fall sind wir bereits in Kap 35 und da geht es hauptsächlich um die Beiden... Ich hab im mom auch keine Zeit, aber das liegt daran, dass ich wieder Vorlesungen hab, und deswegen mehr an der Uni bin, als daheim…
Lord Elo: Danke für dein Review. Zu Thrandi und Elrond: Kein Kommentar… die beiden dürften es sehr schwer haben… selbst wenn wir sie zusammenbringen wollten… außerdem Thrandi liebt seine Laurelin und Elrond seine Celebrían.
MorganAbKynan: Immer noch Berufsschule und nur am WE da? Schreib doch mal wieder ne mail… ich rutsch auch auf den Knien vor dir ;). Lass mal wieder was von dir hören, Süße!
Ele: Na du, ich hoffe, dir gefällt es bei deinem Bruder, und die Kaps gefallen dir auch. Wir hören ja voneinander, wenn du wieder zurück bist. Und die Reviews nicht vergessen ;). Aber ich glaube ganz fest, daran, dass du das Versprächen einhältst. Bis zu welchem Kap hast du die FF eigentlich? Ich wünsche dir noch viel Spaß beim lesen.
