Kapitel 28: Gutes Erwachen – Schlechtes Erwachen
Nur kurz wehrte die Ruhe, die erst nach einer Weile wieder in Imladris eingekehrt war. Viel zu früh brach der neue Tag an, zwitscherten die ersten Vögel vor den Fenstern der Häuser. Viel zu früh für Glorfindels Geschmack. Trotzdem war der Noldo glücklich wie selten in seinem langen Leben.
Er erinnerte sich noch genau daran, was nach ihrer Rückkehr geschehen war. Noch immer sah der Elb vor sich, wie Elrond Erestor versorgte und wie dieser schließlich in die Süße der Bewusstlosigkeit geglitten war.
Nun schlief Erestor in Glorfindels Armen und selbst wenn der blonde Elb daran dachte, was der Dunkelhaarige hatte erleiden müssen, so war er dennoch glücklich, dass er ihn in Armen halten konnte.
Langsam nur glitt sein Bewusstsein an die Oberfläche, erst spürte er zärtliche Arme, die ihn hielten, doch je wacher er wurde, je mehr hielten sie ihm in einer Umklammerung.
Hände griffen nach ihm, zwangen ihn auf die Knie, Erinnerungen wirbelten durch seinen Geist, seine Kehrseite brannte und er schrie auf, wirbelte umher und versuchte aus dieser Umklammerung zu fliehen. Schmerz flammte durch seinen Körper und seine Wunden, doch er hatte Angst. Übelkeit kroch in ihm herauf.
Urplötzlich wurde Glorfindel aus seinen glücklichen Gedanken gerissen, als der dunkelhaarige Elb in seinen Armen sich zu bewegen begann. Doch es blieb nicht bei der leichten Bewegung des Elben. Schnell begann Erestor sich wild in Glorfindels Umarmung zu winden, beinahe um sich zu schlagen. Der Blonde hatte alle Mühe den Dunkelhaarigen festzuhalten.
„Erestor!", rief er bestürzt über dessen Reaktion. „So beruhige dich doch! Ich bin es nur, Glorfindel."
Entsetzt riss der Dunkelhaarige die Augen auf und starrte in Glorfindels wunderbar blaue, sein Atmen ging immer noch flach und schnell und er entwand sich der Umarmung, die merkwürdige Übelkeit unterdrückend.
„Fass mich nicht an, ich ertrage das nicht… die Erinnerungen…", flüsterte Erestor und sah den Blonden bittend an.
Traurigkeit stand in Glorfindels Augen geschrieben, als er sich von Erestor zurückzog.
„Aber... Erestor, ich verstehe nicht... gestern..." In seiner Verwirrung fand der blonde Elb keine Worte und brach so schließlich ab, blickte den anderen nur stumm an, stumm und voller Schmerz.
Noch immer am ganzen Körper zitternd erwiderte Erestor scheu den Blick.
„Es ist… eben… wieder spürte ich die Hände des Menschen… ich…", Tränen traten in seinen Augen und perlten seinen Wangen hinab, brannten in den Abschürfungen. „Bitte… so kann ich damit umgehen… aber…"
„Erestor, ich... ich würde doch niemals etwas tun, was du nicht wolltest", erwiderte Glorfindel traurig, berührte den Elben sanft an der Schulter und zog seine Hand sofort wieder zurück. „Aber... was ist nun, Erestor, was soll nun werden?"
Kurz spürte Erestor ein Echo der vertrauten Wut und versuchte sich auf den Rücken zu drehen, doch der Schmerz, den er spürte, belehrte ihn schnell eines Besseren.
„Was nun werden soll? Glorfindel, meinst du wirklich. ich möchte jetzt darüber nachdenken? Nachdem, was mir widerfahren ist. Natürlich wirke ich ruhiger… aber innerlich tost ein Sturm in mir… und was tust du? Du bedrängst mich, alter Freund." Vorsichtig streckte er die Hand aus berührte ganz sanft Glorfindels Lippen damit. „Manchmal bedarf es einer Situation, die einen das Leben kosten kann, um das Offensichtliche zu erkennen, doch habe ich Angst darauf einzugehen, Angst… und Erinnerungen, die mich jagen werden, auch wenn ich in diesem Moment frei davon zu sein scheine. Kannst du das ertragen?" Es hatte ihn große Kraft gekostet so lange zu sprechen, und so schloss er kurz die Augen, doch die Bilder, die er sah, brachten ihn dazu, sie schnell wieder zu öffnen.
„Es tut mir leid, wenn du nun denkst, ich bedränge dich...", erwiderte Glorfindel leise, ohne dass die Schmerzen über die Zurückweisung und über das, was Erestor zugestoßen war, aus seinen Augen wichen. „Doch ich empfinde zuviel, als das ich jetzt, nachdem was passiert ist, einfach gehen könnte."
Ein bitteres Lachen seitens Erestors folgte auf Glorfindels Worte.
„Fin, das habe ich nicht gesagt. Es ist nicht so, dass ich dich fern haben möchte. Groß war die Erleichterung in meinem Herzen, als ich dich sah, als ich wusste, ich würde lange genug leben, um dir zu sagen…" Verunsichert brach er ab und sah scheu zu Glorfindel hinüber.
„Was wolltest du mir sagen?", fragte Glorfindel nun, ein Funken Hoffnung keimte in seinem Blick auf, als er Erestors Worte vernahm, doch wagte der Elb nicht, sich dem Dunkelhaarigen wieder zu nähern. Zu groß war die Angst und die Gewissheit um eine erneute Abweisung.
Unter Schmerzen setzte Erestor sich auf und blicke nachdenklich auf Glorfindel hinab.
„Als… als der Mensch… nur ein einziges Bild… vor meinen Augen… Ich habe verstanden", erklärte er stockend und ließ den Tränen freien Lauf, die sich bei den Erinnerungen erneut ihren Weg erkämpften. „Doch… kannst du damit leben? Kannst du damit umgehen? Glorfindel, ich… ich liebe… dich… aber… ich kann deine Berührung… nicht ertragen…"
Unwillkürlich hatte Glorfindels Herz schneller geschlagen, als er das hörte, worauf er schon so lange hoffte. Doch es war nicht ein solcher Moment gewesen, an dem er auf diese Worte gehofft hatte, und so zog sich sein Herz augenblicklich wieder schmerzvoll zusammen.
„Ich weiß nicht, ob ich damit umzugehen vermag, Erestor. Doch ich liebe dich ebenso. Und auch wenn ich deine Zurückweisung kaum ertragen kann, ich kann nicht anders, als dies zu akzeptieren", flüsterte der Elb heiser und spürte dabei deutlich den Kloß, der in seinem Hals zu stecken schien.
Langsam, fast zaghaft streckte Erestor seine Hand nach Glorfindels aus, berührte diese vorsichtig.
„Meinst du, ich wünschte, es wäre so? Doch, selbst jetzt, in diesem Moment muss ich damit kämpfen, meine Hand nicht zurück zu ziehen. Übelkeit rumort in mir… Es tut mir so leid", wisperte er und brach erneut in Tränen aus. Er wollte Glorfindel nicht noch mehr verletzen, als er es schon so lange getan hatte.
In diesem Moment wünschte sich Glorfindel nichts sehnlicher als den Elben wieder in seine Arme zu schließen und ihm Trost zu schenken, doch Glorfindel hatte ebenso erkannt, dass dies nun nicht möglich war, dass es ihr Vertrauensverhältnis gänzlich zerstören konnte.
So nickte der Elb nur und sagte kein weiteres Wort.
Es dauerte nicht lange und Erestor hatte sich soweit beruhigt, dass er wieder klar denken konnte.
„Fin, wärest du so gut und würdest Aníril bitten her zu kommen? Ich denke, ich brauche ihre Hilfe. Zumindest die größeren Verletzungen am Rücken behindern meine Bewegungsfreiheit und ich muss dringend mit Thranduil sprechen."
Glorfindel nickte, froh darüber, nun eine Aufgabe übernehmen zu können.
„Ich werde einen Diener zu Thranduil schicken und selbst zu Aníril gehen und sie bitten zu kommen", erwiderte er so und erhob sich. „Wirst du die Zeit auch alleine überstehen?", fragte Glorfindel dann noch, halb im Spaß, doch durchaus mit Ernst.
Ein leichtes Lächeln zog über Erestors Gesicht und er nahm alle Kraft zusammen und streckte die Hand nach Glorfindel aus, berührte wieder dessen Lippen.
„Beeil dich", war alles, was er sagte, und überging den Stich in seinem Herzen.
Ein leichtes Lächeln zog über Glorfindels Züge, bevor er Erestor einen sanften Kuss auf die Hand hauchte. Dann jedoch nickte der Elb nur noch knapp und wandte sich dann ohne weitere Worte zum Gehen. Es kostete ihn mehr Kraft, als er zugeben wollte, wenn er sah, wie Erestor litt. Und so eilte der Elb bereits kurze Zeit später durch die Gänge Imladris', in Richtung Anírils Gemach.
X.X.X.X.X.
Müde drehte Elrohir sich noch einmal um, wollte noch schlafen, als er aus dem Bett fiel. Fluchend richtete er sich wieder auf und sah entschuldigend auf Aníril herab, die ihn verschlafen anblickte.
„Guten Morgen, mein Liebling. Ich war wohl etwas unvorsichtig", erklärte er und grinste schief, während er sich wieder zu ihr setzte und einen zärtlichen Kuss auf ihre Stirn hauchte.
Ein warmes Lächeln breitete sich auf Anírils Gesicht aus.
„Nun, solange du mich nicht auch noch mit aus dem Bett gezogen hast", erwiderte die Elbenmaid schmunzelnd und versuchte die Müdigkeit in ihrer Stimme zu überspielen. Sie hatte kaum Schlaf bekommen in dieser Nacht und das lag nicht nur an den Dingen, die ihrem Vater zugestoßen waren.
Die Matratze sackte ein wenig ein, als Elrohir sich neben Aníril legte, und sie in seine Arme zog. Er spürte ihre Müdigkeit und küsste sie sanft.
„Willst du noch ein wenig schlafen? Erestor ist sicherlich noch nicht erwacht…"
Doch Aníril schüttelte den Kopf.
„Nein, ich muss immerzu an ihn denken und könnte nicht wieder einschlafen", erwiderte sie leise, während sie sich an Elrohir schmiegte und ihm trotz allem die Tatsache verschwieg, dass nicht nur Erestor ihre Gedanken beherrschte. Als sie in der Nacht im Bett gelegen und keinen Schlaf gefunden hatte, da war etwas in ihre Gedanken gedrungen, was sie durch den ganzen Wirbel der letzen Zeit beinahe vergessen hätte.
Leicht strich er über ihre Seite, küsste ihren Hals und lächelte sie strahlend an.
„Und was machen wir dann jetzt?", fragte Elrohir mit einem unschuldigen Augenaufschlag und küsste sie erneut sanft.
Anírils Mundwinkel zuckten leicht nach oben und ein leises Lachen kam über die Lippen der Elbenmaid, bevor sie Elrohir sanft einen Kuss auf die Lippen drückte.
„Es tut mir leid, Elrohir, aber mir steht mehr der Sinn nach ein wenig Ruhe", antwortete sie dann und sah ihn entschuldigend an, während ihre Gedanken bereits wieder fort waren und nun die Tage nachrechneten. Es war schon so lange her, viel zu lange, wie Aníril wusste.
Aufstöhnend ließ er sich in die Kissen fallen und kicherte in sich hinein.
„Du liebst es, mich zu quälen, gib es zu", forderte Elrohir im Spaße und rollte sich dann von den Laken, schwang die Beine über den Rand und stand auf, so wie Eru ihn schuf, und hoffte, dass sein Blut bald wieder auch durch den Rest seines Körpers fließen würde. „Nun schau dir das an… und du alleine bist Schuld", scherzte er noch, mit einer sehr eindeutigen Geste auf seine Körpermitte und verschwand dann ins Bad.
Aníril schüttelte nur leicht den Kopf und ließ sich seufzend zurück in die Kissen sinken. Die Erkenntnis traf sie mehr als unerwartet und in Gedanken fragte sie sich bereits, wie sie die Neuigkeit Elrohir mitteilen sollte. Ihr Blick ging zur Tür des Bades, in dem der Elb verschwunden war. Einerseits wünschte sich die Elbenmaid, dass ihr Geliebter bald wieder herauskommen würde, andererseits war sie unsicher, was dann geschehen sollte.
Die Vorstellung, es wären Anírils Hände und nicht seine, half ihm beträchtlich, und so kehrte Elrohir bereits nach wenigen Minuten zurück, frisch gewaschen und bis über beide Ohren grinsend.
„Dafür bist du mir aber etwas…" Überrascht hielt er inne, als er ihren verunsicherten Gesichtsausdruck bemerkte. „Liebste, was ist denn? Deinem Vater geht es doch bestimmt wieder besser…"
„Er ist in Sicherheit, ja, aber ob es ihm besser geht?", fragte Aníril nur zurück. „Ich weiß es nicht, aber das ist es auch gar nicht, worüber ich nachdenken muss..." Die Elbenmaid wurde bei den letzten Worten immer leiser und senkte ein wenig nervös den Blick. Sie konnte es einfach nicht in Worte fassen.
Neugierig setze Elrohir sich neben sie und sah sie durchdringend an, während er mit einer Hand über ihren Schenkel glitt. Was dies in ihm auslöste, ließ ihn leicht erröten und er biss vor Frust in ein Kissen.
„Tut mir leid, Liebste", meinte er verschämt und saß im Schneidersitz neben ihr und blickte über den Rand des Kissen, das er im Arm hielt zu ihr hinüber. „Wollte gar nicht an so was denken… Aber über was hast du nachgedacht?"
Nahezu verlegen erwiderte Aníril seinen Blick.
„Also..." Hilflos brach die Elbenmaid ab, suchte nach Worten, um ihm das zu erklären, was selbst sie überraschte. „Ich... ich... weiß nicht ich dir... dir das sagen soll", stotterte Aníril dann und war selbst erschrocken darüber, wie zittrig ihre Stimme nun klang.
Etwas verwirrt runzelte Elrohir die Stirn, so etwas hatte er bei Aníril noch nie erlebt, und so scherzte er weiter, unsicher, wie er sonst reagieren sollte.
„Warum ist das denn so schwierig? Du wirst wohl kaum schwanger sein oder so etwas…", erklärte er fest und zwinkerte ihr fröhlich zu.
Mehr als erstaunt sah Aníril Elrohir an und konnte kaum glauben, was er soeben gesagt hatte.
„Nun, um genau zu sein... doch...", erwiderte sie dann leise und blickte ihn unsicher an.
Er hatte mir allem gerechnet, nur nicht mit dieser Eröffnung. Seine Gesichtszüge zeigten maßlose Überraschung und dann breitete sich ein strahlendes, fast seliges Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Ich werde Vater…", flüsterte er ehrfürchtig und sah Aníril voller Freude an, sprang auf und rief die Worte noch einmal, als es klopfte. Völlig euphorisch rannte Elrohir, noch immer unbekleidet, zur Tür und fiel einem geschockten Glorfindel um den Hals.
„Ich werde Vater…"
„Nun, Elrohir, die Nachricht freut mich, aber ich glaube, sie hat deinen Verstand ein wenig benebelt. Tu uns den Gefallen und laufe nun nicht nackt durch ganz Imladris, um sie vielleicht noch deinem Vater mitzuteilen", erklärte Glorfindel ruhig, aber mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
Diese Worte brachten den Halbelben wieder halb zu Bewusstsein und errötend zog er sich zurück auf das Bett, versteckte sich hinter Aníril und flüsterte noch einmal, völlig verzückt, dass er Vater wurde.
„Doch Glorfindel, was willst du hier?", fragte er kurz darauf, als er wieder vernünftig denken konnte.
„Ich wollte Aníril holen, weil Erestor mit ihr sprechen möchte", erwiderte der Elb nur und sah immer noch schmunzelnd zu der auf dem Bett liegenden Elbenmaid.
Diese fühlte sich in der ganzen Situation nicht ganz wohl. Sie war überrascht von Elrohirs Reaktion, doch auch von Glorfindels plötzlichem Auftauchen. Dennoch freute es sie, dass es ihrem Vater tatsächlich besser zu gehen schien.
„Ich komme sofort, ich..." Aníril verhaspelte sich kurz und stockte, bevor sie weiter sprach. „... ich sollte mir nur etwas anderes anziehen", fuhr sie fort, als sie sich wieder gefasst hatte, und lächelte leicht. Dann wandte sie sich an Elrohir.
„Kommst du mit?" Bittend sah sie den geliebten Elben an. Sie wollte in dieser Situation nicht ohne seinen Beistand sein.
„Natürlich, Liebste", erklärte Elrohir, er glaubte zu bersten vor Glück und bemerkte mit einem Augenzwinkern, wie Glorfindel höflich aus dem Schlafzimmer getreten war und nun in dem Raum wartete, in dem Aníril und er so gerne zusammensaßen.
Schnell schlüpfte er in einige Klamotten und zog dann Aníril, die ebenfalls schon bekleidet war, an sich. „Du glaubst ja nicht, wie glücklich ich bin…", flüsterte er ihr zu und küsste sie leidenschaftlich.
„Doch, ich glaube es dir, denn ich kann es in deinen Augen sehen", erwiderte Aníril scheu lächelnd, als Elrohir sich von ihr löste. Im nächsten Moment zog sie ihn auch schon an der Hand mit sich zur Türe.
„Verzeih bitte, aber ich möchte meinen Vater nicht warten lassen, so gerne ich auch jetzt mit dir alleine wäre", erklärte die Elbenmaid und schenkte dem Elben einen entschuldigenden Blick.
Breit lächelnd folgte Elrohir ihr und hoffte, dass er nicht zu lächerlich aussah, aber er konnte seine Freude einfach nicht verbergen.
Glorfindel hatte sie schon erwartet und zu dritt machten sie sich auf den Weg zu den Gemächern Erestors.
Dort angekommen, war es Glorfindel, der als erster durch die Tür schritt und auf Erestor zutrat.
„Ich habe mich beeilt, wie du gesagt hast", erklärte er und mit einem sanften Lächeln, was über seine Züge huschte, setzte er sich neben Erestor, zwar nahe, doch mit genügend Abstand.
Ein müdes Lächeln zog über Erestors Gesicht, auch wenn er sich freute, Glorfindel zu sehen, war es doch anstrengend, den blonden Elben in seiner Nähe zu wissen: hin und her gerissen zwischen Angst und dem Verlangen, sich an den anderen zu lehnen. Schnell löste der dunkelhaarige Berater seine Gedanken von dem Balrogtöter und lächelte seiner Tochter zu.
„Aníril, ich freue mich, dich zu sehen", sprach er und streckte ihr die Hände entgegen.
Aníril spürte wie ihr beim Anblick ihres Vaters Tränen in die Augen steigen wollten. Seine schwarzblauen Augen waren vor Müdigkeit und Erschöpfung blutunterlaufen und trüb. Noch immer zierten flammende Striemen seinen Rücken und den Rest seinen Körpers. Seine Haut wirkte ungesund fahl und so hoben sich die Verletzungen nur noch deutlicher ab.
„Ada, geht es dir besser?", fragte sie mit erstickter Stimme und trat zu ihm, ergriff seine Hände und drückte sie leicht.
„Ja, aber ich kann mich kaum bewegen, ohne Schmerzen. Doch muss ich zu Thranduil, und wollte dich bitten, mir heute zu helfen", antwortete Erestor und erwiderte den Händedruck. „Elrohir, ich freue mich, auch dich zu sehen."
Dieser nickte nur knapp und lächelte weiter selig, was Erestors dazu veranlasste, neugierig die Augenbrauen zu heben.
Doch Aníril schüttelte den Kopf, genauso wenig wie sie gewusst hatte, sich Elrohir mitzuteilen, wusste sie jetzt, wie sie es ihrem Vater erklären sollte.
„Natürlich helfe ich dir, Ada", lächelte die Elbenmaid so Erestor an. „Aber sage mir, was möchtest du bei Thranduil?"
„Ihn begrüßen, was sonst? Als wir ankamen, schien er sehr in Sorge zu sein und er hat schon genug Last auf seinen Schultern ruhen", antwortete Erestor einfach und seine rechte Hand tastete nach der Glorfindels, suchte sie, ohne dass er sich dessen bewusst war. „Doch nun sage mir, Kleines, was veranlasst Elrohir dort zu stehen und zu grinsen, wie ein Bär, der einen Topf Honig gefunden hat?"
Sanft strich Glorfindel über die Erestors Hand, die nach der seinen tastete, berührte sie jedoch nicht weiter.
„Oh, Erestor, das was du nun siehst, ist gar nicht mal so schlimm wie du denkst", erwiderte der blonde Elb dann an Anírils Stelle trocken. „Soeben wäre Elrohir beinahe noch nackt durch die Häuser gelaufen, um halb Imladris mitzuteilen, dass er Vater wird..."
Ein Grinsen schlich sich auf Glorfindels Lippen, als er dies sagte und Anírils Blick bemerkte, die ihn entgeistert anstarrte.
Elrohirs Gesicht überzog flammende Röte und Erestor sah seine Tochter mit großen Augen an. Sein Herz machte einen Satz und dann lächelte er leicht.
„Ich freue mich für euch beide", erklärte er und seine Augen wurden noch etwas größer, als ihm bewusst wurde, dass er Großvater werden würde. „Dann wollen wir aber hoffen, dass das Kleine mehr nach Elrohir kommt als Kind. Das wird für euch beide wesentlich weniger anstrengend."
Aníril, die ebenfalls rot geworden war, bedachte ihren Vater nur mit einem entrüsteten Blick.
„Wie darf ich das nun verstehen, Ada?", fragte sie. In den Augen der Elbenmaid lag ein Funkeln, das halb wütendem, halb belustigtem Ursprung war.
Kühl und gespielt ernst erwiderte Erestor den Blick, doch es war Glorfindel, der lachend antwortete.
„Aníril, du hast als kleines Kind deinen Vater regelrecht zur Verzweiflung getrieben. Dein Temperament war damals schon legendär", kicherte der Elb und lächelte Erestor zärtlich an, welcher das Lächeln etwas scheu erwiderte.
Natürlich entging der Elbenmaid dieser Blick nicht und ein Lächeln schlich sich ebenfalls auf ihre Züge, doch gleich wurden ihre Gedanken wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt und gespielte Empörung machte sich auf ihren Zügen breit.
„Ich muss doch sehr bitten, so schlimm kann ich nun auch wieder nicht gewesen sein", erwiderte sie mit fester Stimme, aber einem schelmischen Glitzern in den Augen.
Die beiden älteren Elben nickten nur kräftig, um ihr zu signalisieren, dass dem doch so gewesen war.
„Es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen", lachte Glorfindel und ein glückliches Strahlen ging über sein Gesicht, als er fühlte, wie Erestor kurz seine Hand drückte.
„Auch mir tut es leid, dir dies sagen zu müssen, Aní, aber manchmal bin ich regelrecht vor dir geflüchtet. Nun aber genug davon, ich wollte ja zu Thranduil."
Mühsam versuchte Erestor sich aufzurichten, was ihm aber doch Schmerzen bereitete und dazu führte, dass er stark erbleichte.
Augenblicklich stürzte seine Tochter zu ihm.
„Ada, du hast doch gesagt, dass du Schmerzen hast. Deshalb hast du nach mir verlangt, also lass dir nun auch von mir helfen", erklärte sie besorgt und stützte den dunkelhaarigen Elben, dass er aufstehen konnte.
Dankbar ließ Erestor sich von Aníril beim Ankleiden helfen, das scharfe Luftholen seitens Elrohir, als er die vielen Verletzungen sah, die nicht verbunden werden konnten, ignorierte er. Der Blick Glorfindels jedoch verletzte ihn, er wollte nicht sehen, wie der blonde Krieger litt, bei seinem Anblick. Das tapfere Lächeln auf Erestors Zügen wurde von Glorfindel jedoch erkannt und der Balrogtöter erhob sich langsam, als Aníril begann, ihren Vater aus seinen Gemächern zu führen.
X.X.X.X.X
Galu: Danke für dein Review, Süße, fühl dich ganz lieb durchgewuschelt. Waren wir lieb genug zu Erestor? Es kommt auch noch etwas zu Haldir und Legolas, versprochen, aber das kann noch ein paar Kapitelchen dauern. Thranduil… kein Kommentar ;).
Mondliesel: Danke für dein Review, fühl dich geknuddelt. Also, man erfährt noch etwas über Lothion, aber das wird noch ein wenig dauern… so mindesten 12 Kapitelchen ;). Freut uns sehr, dass dir Elladan gefällt ;), aber Valinja mag doch Elrohir wesentlich lieber ;).
Narwain: Auch dir vielen Dank, fühl dich ganz lieb geknutschelt. Zu dem zentriert kann ich nichts… war … ich bin unschuldig ;). Freut uns, das die die Szene gefallen hat ;). Mir hat sie Spaß gemacht zu schreiben ;).
Stern: Dankeeeee ;), fühl dich einmal kräftig durchgeknuffelt. Ella und Mel sich verloben? Wenn sie damit Thrandi ärgern können ;). Haldir und Legolas werden noch kommen, versprochen, aber es dauert noch ein bissel – im mom steht eher anderes im Vordergrund. Und bei Fin und Erestor: stimmt, wir lassen euch zappeln, aber sonst wäre die FF ja auch zu Ende… Anspielung mit Elrond? Öhm jaaaa…. Es ist immer etwas geplant ;). Du wirst es noch früh (Kapitel 39 (schreiben wir grade dran) oder 40) lesen. Lothion wird leider erst später eine etwas größere Rolle haben, wenn es näher in Richtung Dol Guldur geht ;)
