A/N: Noch gibt es keine Reviewantworten, da ich starke Kopfschmerzen habe, und dieses Kapitel euch aber nicht vorenthalten will. Die antworten werde ich dann in ein paar Tagen (Montag) machen… Aber vielen Lieben Danke an alle ;).

Kapitel 29: Frische Wunden, alte Narben

Jeder Schritt jagte kleine Flammen über seine Kehrseite, doch Erestor ignorierte sie gekonnt. Er wollte sich nicht länger von dem Geschehenen dominieren lassen und so schritt er stolz, wenn auch auf seine Tochter gestützt, zu den Gästeräumen, in denen Thranduil untergebracht worden war. Dringend verlangte es ihn mit dem König des Düsterwaldes zu sprechen, über dessen Sohn und Haldir, aber auch über vieles, was Dol Guldur betraf. Nur sehr selten waren die wichtigsten Entscheidungen mit allem im Beratungszimmer getroffen worden, sondern meist hinter verschlossenen Türen, hinter denen sich nur der Berater und der Entscheidungsträger befanden. Erestor hatte dieses Spiel oft genug gespielt um ein Meister darin zu sein und er war sich sicher, auch dieses Mal seinen Willen zu bekommen, auch wenn er wusste, dass es wohl einige gab, die mit seiner Idee nicht einverstanden sein würden. Einen kurzen Blick auf Glorfindel werfend, lächelte Erestor in sich hinein. Nein, Glorfindel würde bestimmt etwas dagegen haben.

Seine Gedanken wanderten wieder zu seinem Vorhaben, als sie endlich vor der Tür ankamen und Aníril kurz anklopfte.

Schon eine ganze Weile lang war Thranduil wach. Er hatte genauso wie die anderen Bewohner Bruchtals in dieser Nacht kaum Schlaf gefunden und so saß er um diese frühe Tageszeit bereits am Tisch, um zu frühstücken. Die Gedanken des blonden Elben verweilten jedoch bereits seit geraumer Zeit nicht mehr in diesem Raum.

Noch immer machte sich Thranduil Sorgen um Erestor, sein Anblick in der gestrigen Nacht hatte ihn mehr erschreckt als alles andere, hatte sogar den Gedanken an Melelhídhril und die flammende Rede von Erestors Tochter in den Hintergrund gedrängt.

Ein Klopfen an der Türe ließ den Elben aufschrecken. Wer ihn wohl zu dieser Tageszeit sprechen wollte? Erstaunt rief der Düsterwaldkönig: "Herein!"

Als die Tür sich öffnete, wünschte er sich jedoch alsbald nichts gesagt zu haben, denn als allererstes erblickte er das Antlitz Anírils, die ihn gleichgültig, aber mit einem Funkeln in den Augen ansah.

Jedoch trat bereits im nächsten Moment Erestor durch die Tür. Thranduil erstarrte kurz, bevor er eilig auf den dunkelhaarigen Elben zuschritt, Aníril nicht weiter beachtend.

"Erestor, mein Freund, wie geht es dir?"

„Ich weile wieder unter den Lebenden", scherzte Erestor matt und grinste Thranduil an. Auch der blonde Elb sah übernächtigt aus. „Nachdem niemand dich standesgemäß begrüßen konnte, wollte ich das noch nachholen. Verzeih bitte die Hektik gestern, es ist vieles passiert, was nicht vorhersehbar war."

"Die Dinge waren sicherlich auch nicht zu erwarten", erwiderte Thranduil freundlich und machte eine einladende Handbewegung zu einem der Sessel, welche in einer Ecke des Gemachs standen. "Bitte setze dich doch, ich glaube, das würde dir besser gefallen, als weiterhin hier zu stehen."

Der Blick des blonden Elben huschte kurz zu Aníril, die nicht einmal mit der Wimper zuckte.

"Entschuldigt mich bitte, aber ich werde mich nun wieder zurückziehen", erklärte die Dunkelhaarige und sah Thranduil kühl an, noch immer hatte sie nicht vergessen, wie er ihren Geliebten bedroht hatte. Zwar half die Elbenmaid ihrem Vater noch kurz sich hinzusetzen, dann verließ sie Thranduils Gemach jedoch ohne einen weiteren Blick zurück zu werfen. Elrohir, der die ganze Zeit über kein Wort gesagt hatte, folgte ihr und so ließen sie Thranduil mit Erestor und dem immer noch stehenden Glorfindel zurück.

Mit einer knappen Geste bedeutete Erestor Glorfindel sich zu ihm zu setzen und wartete, bis dieser neben ihm saß, genügend Platz lassend und doch sehr nah.

„Thranduil, wieso ist meine Tochter so kühl gewesen?", fragte er neugierig ein wenig verwundert über das Verhalten Anírils.

Ein wenig entnervt schüttelte Thranduil den Kopf.

"Wir hatten gestern ein recht interessantes Gespräch", erwiderte der Elb und verzog leicht das Gesicht. "Sie meinte mir den Kopf waschen zu müssen, wegen meines Verhaltens." Thranduil seufzte. "Dabei mache ich mir doch nur Sorgen um meine Tochter."

Der blonde Noldo lachte daraufhin laut auf und zwinkerte Thranduil zu.

„Wir alle wissen doch, dass die gute Aníril das Temperament ihres Vaters geerbt hat, nur nicht seine Disziplin", stichelte Glorfindel und Erestor neben ihm errötete bis zu den Ohrspitzen.

„Fin, lass das. Es ging um Elladan, sehe ich das richtig?", versuchte Erestor das Thema wieder auf weniger peinliches zu lenken. Vorsichtig lehnte er sich zurück, aber die Lehne der Bank, an der er lehnte war zu hart und er zuckte zusammen, als die Striemen auf seinem Rücken schmerzten.

"Mir scheint es, als würde ein Kissen deinem Rücken gut tun", lachte Thranduil leise, froh darüber, einen Moment etwas anderes tun zu können. Und erst als der blonde Elb dem Dunkelhaarigen eins gereicht hatte, fuhr er fort. "Ja, es ging um Elladan, du vermutest richtig. Mir gefällt nicht, was er mit meiner Tochter macht. Ich möchte nicht, dass sie verletzt wird, aber das sagte ich bereits."

Nachdenklich blickte Erestor auf den blonden König, überlegte, wie er ihm am besten antworten sollte.

„Es ist bekannt, dass Elladan viele Elbenmaiden in seinem Bett hatte, ja, aber keiner einzigen hat er je solche Aufmerksamkeit gewidmet. Ich würde behaupten, dass sein Interesse ehrlich ist, denn keine einzige Frau, außer Mel, kann von sich behaupten, er hätte sie vor den Augen seines Vater geküsst, vor den Augen ganz Bruchtals. Alle seine vorherigen Liebschaften waren nie öffentlich. Zudem, ich würde Elrohirs Einschätzung teilen, er kennt seinen Zwilling besser als wir alle", antwortete Erestor und ließ sich wohlig seufzend gegen das Kissen sinken. „Ja, so ist es schon besser. Danke, mein Freund."

"Erestor, ich weiß, dass ich dem, was du sagst, glauben schenken kann, und ich hoffe, dass es auch diesmal so ist", erwiderte Thranduil ernst und lächelte ob des Seufzens Erestors. "Doch verstehe auch meine Sorge um Melelhídhril. Soviel Leid gab es bereits in meiner Familie. Ich wollte nicht, dass es noch mal geschieht. Aber nun sollte ich wohl nichts weiteres mehr darüber sagen. Du weißt, was geschehen ist. Und zudem möchte ich erst einmal mit meiner Tochter alleine reden."

Zustimmend nickte der Berater Elronds und kurz zeigten seine Züge Bedauern und Mitleid.

„Es wird das Beste sein. Aber ich glaube, zumindest Celebrían und Laurelin hätte diese Beziehung sehr gefreut", erklärte er lächelnd und erinnerte sich daran, wie die beiden Frauen mehrfach darüber gesprochen hatten, wie man ihre Gatten ein wenig versöhnlicher dem anderen gegenüber stimmen konnte. Er wollte noch etwas hinzufügen, als es an der Tür klopfte.

Überrascht sah Thranduil auf. Gleichzeitig fragte sich der Elb, wer ihn nach Erestor noch aufsuchen wollte.

"Herein", rief er abermals und lehnte sich abwartend zurück, als sich die Türe öffnete.

Etwas unruhig stand Elrond vor der Tür zu den Gemächern seines Gastes. Er hatte gestern nicht so unfreundlich sein wollen, doch war ihm die Sorge um Erestor einfach zu Kopf gestiegen. Genauso, wie er heute Morgen nach dem Elben hatte schauen wollen, nur um herauszufinden, dass dieser nicht da war. So war er zu Thranduil gegangen, um sich wenigstens für sein rüdes Auftreten zu entschuldigen. Leicht nervös betrat er den Raum und riss überrascht die Augen auf, als er Erestor und Glorfindel gemütlich mit Thranduil beisammen sitzen sah.

„Thranduil, ich wollte mich bei Euch entschuldigen für mein Benehmen gestern."

Der angesprochene Elb versteifte sich leicht bei dem Anblick des Herrschers von Bruchtal, doch versuchte er sich äußerlich nichts anmerken zu lassen.

"Auch mein Benehmen war sicherlich nicht das eines Gastes", erwiderte Thranduil so betont ruhig. "Doch nehme ich Eure Entschuldigung an, ebenfalls entschuldige ich mich bei Euch. Dennoch, war dies der einzige Grund, warum Ihr mich aufsuchtet?"

„Nun, ich muss meinen Pflichten als Gastgeber nachkommen. Um ehrlich zu sein, war ich auf der Suche nach Erestor, da ich mir seine Verletzungen noch einmal ansehen und ihm neue Schmerzmittel geben wollte. Die jetzigen sollten bald aufhören zu wirken. Da dieser jedoch nicht in seinem Zimmer war, beschloss ich, erst mit Euch zu sprechen."

Elrond stand noch immer etwas unschlüssig in dem Gemach und wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Die letzten Tage waren auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen.

"Wie Ihr seht, sitzt Erestor hier", entgegnete Thranduil und nickte zu dem letzten freien Sessel hinüber. "Ihr könnt Euch auch setzen, wenn Ihr wollt und es in meiner Gesellschaft aushaltet." Die Stimme des blonden Elben war leicht spöttisch, wusste er doch ganz genau um ihr Verhältnis.

Einzig und allein eine hochgezogene Augenbraue quittierte Thranduils Bemerkung, als sich der Herr Bruchtals elegant in den Sessel sinken ließ.

„Nun, Erestor, was führt dich hierher, ohne die Erlaubnis eines Heilers?", fragte Elrond ruhig seinen Berater, der daraufhin ein wenig verlegen dreinblickte.

„Es gab einiges, was ich mich Thranduil besprechen wollte. Zudem vermutete ich, dass er sich Sorgen machen würde, und keiner würde daran denken, ihn zu beruhigen, also bat ich Aníril, mich hierher zu bringen. Dabei habe ich übrigens etwas sehr interessantes herausgefunden, doch dass sollte besser Glorfindel erzählen", erklärte Erestor ruhig und wartete darauf, dass der blonde Krieger das Wort ergriff.

Glorfindel schmunzelte nur, als er das verwirrte Gesicht Elronds erblickte.

"Nun, dein Sohn war eben so freundlich mir nackt an den Hals zu springen..." Leise lachte der Elb, als er sah, wie Elrond noch verwirrter als zuvor erschien. "... dabei habe ich herausgefunden, dass du wohl demnächst Großvater wirst."

Ein Funkeln lag in den Augen des blonden Elben, als er aufmerksam auf Elronds Reaktion wartete.

Dieser wirkte etwas verwirrt und musste erst einmal gründlich darüber nachdenken, was Glorfindel eben gesagt hatte, doch recht bald wurde es ihm bewusst. Mit einem äußerst dämlichen Grinsen blickte er zu Erestor.

„Wir werden Großvater…"

„Ja", war die knappe Reaktion des schwarzhaarigen Beraters, der innerlich lächelte. Großväter waren doch alle gleich.

Nun war es an Thranduil überrascht in die Runde zu blicken und schließlich Erestor anzulächeln.

"Das ist schön, mein Freund, ich freue mich für dich", erklärte er und schmunzelte leicht bei dem Gedanken, was geschehen könnte, wenn sich Erestors Temperament an sein Enkelkind weitervererben würde.

Wie als hätte dieser seine Gedanken gelesen, grinste Erestor und schüttelte den Kopf.

„Wollen wir hoffen, dass sich Elrohirs Ruhe durchsetzt." Daraufhin brachen alle in Lachen aus, bis Erestor aufhören musste, da sein Gesicht erbleichte, als die Qual in seinem Körper wieder stärker wurde. Sein Körper zitterte und er merkte nur noch am Rande, wie Elrond sofort auf den Beinen war und vor ihm kniete.

„Thranduil, können wir ihn auf dein Bett legen?", fragte der Herr Bruchtals schnell und überflog schon einmal Erestors körperliche Verfassung. Glorfindels besorgte Blicke ignorierte er und gab dem Balrogtöter Anweisungen, was er holen sollte.

Thranduil nickte knapp.

"Natürlich", fügte er noch hinzu. Hier ging es um einen langjährigen Freund und da er sah, wie schlecht es diesem ging, war ihm nicht daran gelegen, Elrond seine Hilfe zu verweigern.

Ohne zu Zögern hatte Elrond den sich krümmenden Elben auf den Arm genommen und ihn auf Thranduils Bett gelegt, während er begann die Roben zur Seite zu schieben, um über die Verletzungen zu schauen.

„Verdammt, ich hätte…", fluchte er, als er sah, wie sich einige der Striemen am Rücken wieder geöffnet hatten und eine Untersuchung etwas tiefer ergab, dass auch die Verletzungen an Erestors Kehrseite wieder bluteten. Zum Glück war Glorfindel schnell zurück und übergab dem Halbelben die gewünschte Tasche. Schnell hatte er eine kleine Phiole herausgenommen und gab sie Erestor zu trinken.

„Dummkopf, gleich wird das Schmerzmittel wirken, doch du hättest dich noch einige Tage schonen sollen. Deine Kondition ist nicht mehr so gut, wie im zweiten Zeitalter, du bist verweichlicht", schimpfte der Heiler und sah, wie Erestor langsam in den Schlaf hinüber glitt, während er die Wunden am Rücken verband und den Riss etwas tiefer nähte. Eine kurze Geste zu Glorfindel und dieser brachte den schlafenden Elben danach zurück in dessen Zimmer.

„Verzeiht, Thranduil, ich hätte gedacht…" Seufzend ließ Elrond sich auf einen der Stühle fallen und stützte den Kopf in seine Hände.

"Was dachtet Ihr?", fragte Thranduil und setzte sich ebenfalls. Dass es Erestor nun wieder schlecht ging, nahm ihn mit und so brachte der blonde Elb es in diesem Moment nicht fertig, den sonstigen Spott gegenüber Elrond an den Tag zu legen.

„Dass er es besser wegstecken würde. Früher hat sein Körper die Wunden schneller geheilt. Vielleicht gibt es etwas, dass ihn bedrückt…", sinnierte Elrond und setzte sich wieder auf, den Kopf in den Nacken gelegt. „Die letzen Tage waren erschöpfend… erst Anírils Verschwinden und ihre Verletzung, dann Legolas, der mit der Nachricht zurückkam, er und Erestor wären angegriffen worden. Vermutlich hat Erestor Legolas fortgeschickt und hätte wohl auch sein Leben geopfert. Und als letztes einen Tag und eine Nacht lang warten, bis der Trupp zurückkehrte und Erestor in diesem Zustand mitbrachte."

"Wohl wahr, viel ist passiert, besonders diese Nacht", nickte Thranduil und ließ sich in seinem Sessel zurücksinken. Auch wenn Elrond und er keine Freunde waren, so ließ er in diesem Moment von seinem sonst so spöttischen Tonfall ab. Auch der blonde Elb des Düsterwaldes sorgte sich um Erestor, genauso wie der Herr Bruchtals.

Ein leichtes Lächeln kräuselte Elronds Lippen, als ihm bewusst wurde, dass Thranduil sich Mühe gab freundlich zu sein. Er beschloss, er würde es genauso versuchen.

„Thranduil… ich hörte davon, wie Ihr mit meinem Sohn gesprochen habt. Ich kann Eure Sorge um Eure Tochter verstehen, doch hätte ich nicht den Eindruck gewonnen, er meine es ernst, hätte ich es sofort unterbunden", erklärte er plötzlich und grinste etwas schalkhaft zu Thranduil, als er sich an eine Begebenheit vor fast sechstausend Jahren erinnerte, als er selbst sein Schwert gegen Thranduil gezogen hatte, weil dieser Elros beleidigt hatte, als sie alle noch sehr jung gewesen waren. Die Erinnerung an seinen verstorbenen Zwilling ließ ihm noch immer das Herz schwer werden, doch wollte er dies nicht. „Nun sind wir wenigstens quitt."

"So sieht es aus", erwiderte Thranduil nur und lächelte ein wenig gequält. Die Abneigung gegenüber dem Noldo würde trotz dieses freundlichen Gespräches nicht verschwinden, dies wusste der Elb, doch es schien ein Schritt in die Richtung eines Waffenstillstandes zu sein, einer stillschweigenden Einigung, keinen weiteren Spott, keine weiteren Beleidigungen walten zu lassen.

"Und was meine Tochter angeht... Ich redete bereits mit Erestor..." Thranduil zögerte kurz, es kostete ihn Mühe die nächsten Worte zu sprechen, dies einzugestehen, aber letztendlich war es für das Glück seiner Tochter. "... und nun, er überzeugte mich, dass Euer Sohn meine Tochter nicht nur als eine Bettgespielin ansieht. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass er Recht hat, doch weiß ich auch, dass ich nicht zweifeln brauche, wenn Erestor dies sagt."

Einen leicht zynischen Klang hatte Elrond Stimme, als er begann zu lachen.

„Gibt es irgendetwas, was die Elben betrifft, wovon Erestor nichts weiß, und worin er sich nicht einmischt?", fragte er kopfschüttelnd und konnte ein jungenhaftes Grinsen nicht unterdrücken. „Seit ich ihn kennen lernte, ist er so… Sagt, Thranduil, hattet Ihr in der Zeit, in der er im Düsterwald weilte, auch des Öfteren den Eindruck, nicht Ihr würdet Euer Reich lenken?"

Über Thranduils Züge zog ebenfalls ein leichtes Grinsen.

"Oh ja, das Gefühl hatte ich in der Tat, und dies mehr als einmal. Er mischte wie selbstverständlich in den wichtigsten Entscheidungen mit, war anwesend bei allen wichtigen Besprechungen, sprach teilweise sogar für mich, bevor ich das Wort ergreifen konnte. Oh ja, Ihr habt wahrhaftig Recht, Elrond." Thranduils Augen funkelten belustigt und waren so das einzige Zeugnis, dass er dem Berater Elronds nicht böse um seine Einmischung war.

Elrond kicherte in sich hinein.

„Dann habt Ihr in etwa eine Vorstellung davon, wie ich mich mein halbes Leben lang fühle, wenn Erestor in der Nähe ist. Manchmal würde ich sehr gerne erfahren, ob er zu Zeiten Gondolins so war, und wenn ja, wie Ecthelion ihn zügeln konnte. Doch nun wollen wir hoffen, dass es ihm bald besser geht, auch wenn es mich sehr beunruhigt hat, zu fühlen, wie er sich verkrampfte, als ich ihn untersuchte. Als hätte er Angst vor Berührungen… Thranduil, wünscht ihm Glück, dass seine Seele nicht zuviel Schaden davon getragen hat", sinnierte Elrond und ließ die Schultern herabsacken. Seine Sorgen um den Freund, der nun in seinem Zimmer lag, und über den Glorfindel wachte, wuchs weiter.

"Ich weiß um diese Situationen", entgegnete Thranduil und senkte leicht den Kopf. "In seiner Wut ist er gnadenlos und wenn er spricht, ist er nicht mehr zu bremsen." Der blonde Elb schüttelte den Kopf. Er erinnerte sich noch so als wäre es am gestrigen Tage gewesen und nicht als lägen bereits über zwei Jahrtausende zwischen dem einzigen Mal, an dem er Erestors Wut gespürt hatte, auch wenn sie damals nicht ihm gegolten hatte. Über die grausige Verfassung in der sich Erestor jetzt befand wollet er lieber nicht nachdenken.

Wissend blickte Elrond zu dem stolzen Elbenkönig hinüber.

„Doch selbst, wenn er in Rage spricht, sind seine Argumente nicht von der Hand zu weisen, was es einem noch zusätzlich schwer macht. Ihr glaubt nicht, wie froh ich bin, dass es zumeist doch Glorfindel ist, der diese Unwetter heraufbeschwört, und welche ihn treffen und nicht mich", erzählte Elrond leicht und erinnerte sich erheiternd an viele Begebenheiten, in denen Glorfindel Erestors Geduld aufgebraucht hatte. Meistens war es für den blonden Noldo eher schlecht ausgegangen. Doch es zu lernen schien er nie.

"Ebenso bin ich erleichtert, dass damals sein Zorn jemand anderem galt. Ich hätte ihn gerne gezügelt, auch wenn seine Wut berechtigt war, so war der Zeitpunkt doch unangemessen, wie ich empfand."

Thranduil seufzte, wenn er an die Zeit dachte, und noch heute wünschte er sich, manche Dinge wären niemals geschehen.

„Es wäre wohl sinnvoller gewesen, zu warten, bis der Schock sich gelegt hätte, doch Erestor ist kein Heiler, er lernte nie, mit so etwas wirklich umzugehen", antwortete Elrond leise und blickte aus dem Fenster, wie der Wind die braunen Blätter durch die Gärten wirbelte, und wie sich weit entfernt über dem Bruinen der Nebel sammelte. „Sagt, Thranduil, wie lange werdet Ihr hier verweilen? Bald wird es schneien."

Nachdenklich sah Thranduil aus dem Fenster.

"Das Wohl meiner Kinder liegt mir sehr am Herzen, ich möchte nun keinen der Beiden alleine lassen. Wenn Ihr mich nicht wegschickt, werde ich solange verweilen wie Legolas und Melelhídhril."

„Nie würde ich Euch wegschicken und wenn ich ehrlich sein soll, es freut mich sehr, dass Ihr hier seid. Denn auch wenn ich Eure Tochter für sehr fähig halte, so weiß ich doch Eure Ratschläge, was Taktik angeht, sehr zu schätzen. Bisher hattet Ihr mit Euren Vorschlägen zumeist Recht und sie funktionierten einwandfrei", antwortete der Halbelb ruhig und hoffte, Thranduil würde es ihm nicht verübeln, doch war es die Wahrheit gewesen. Er hatte damals versucht Ereinion von Thranduils Vorschlag zu überzeugen, denn er hatte an dessen Durchführbarkeit geglaubt, genauso wie Oropher. Doch Ereinion hatte sie lieber in das Verderben reiten lassen, was natürlich auch verständlich gewesen war, denn es war sehr risikoreich gewesen. Innerlich hatte Elrond damals sehr unter diesem Zwiespalt gelitten.

Ein wenig misstrauisch wurde Thranduils Blick bei Elronds Worten, doch sah er nichts als Wahrheit in den Augen des dunkelhaarigen Elben. So nickte der Düsterwaldelb.

"Ja, meine Tochter überraschte selbst mich schon oft. Dies war einer der Gründe, warum ich sie zu diesen Besprechungen schickte. Aber wenn ich jetzt hier bin, würde ich gerne mit ihr teilnehmen." Er wollte nicht zugeben, dass seine Tochter ohne seine Genehmigung abgereist war.

Elegant erhob sich der dunkelhaarige Herr Bruchtals und neigte leicht das Haupt in Richtung Thranduil.

„Ich würde mich sehr freuen, würdet Ihr Euch uns morgen anschließen, wenn wir endlich dazu kommen, die nächsten Schritte zu planen. Doch nun entschuldigt mich, ich möchte nach meinem Sohn sehen, und aus ihm die freudige Neuigkeit herauskitzeln", sprach er und wandte sich zum Gehen.

Thranduil lächelte.

"Ich hoffe, er wird es mir nicht zu lange übel nehmen, dass meine Sorge um meine Tochter größer war als meine Selbstbeherrschung, so dass ich selbst ihn bedrohte. Und Euch wünsche ich nun Glück. Ich wurde schon früh Großvater, doch wurde mir mein Enkelkind schneller genommen, als dass ich mich an ihm hätte erfreuen können. Euch wird dies nicht geschehen."

An der Tür blieb der Halbelb stehen und wandte sich erneut dem blonden König zu.

„Danke, dass Ihr mich daran erinnert habt. Es gibt ein kleines Problem, weswegen ich Legolas auch zurück in den Düsterwald schicken wollte. Ich bitte Euch ihm während der Verhandlungen noch nichts zu sagen, denn ich möchte, dass er einen kühlen Kopf behält, genauso wenig, wie Erestor etwas erfahren soll. Endlich etwas, das er nicht weiß." Auf den Zügen Elronds breitete sich ein diebisches Grinsen aus, bei dem Gedanken an seinen Berater, der etwas nicht wusste. Doch wurde er schlagartig wieder ernst. „Wisst Ihr, Cillien erklärte, an den Beratungen teilnehmen zu wollen. Caladúneth wird sich als Botschafterin bald auf den Weg hier her machen."