Kapitel 30: Kenne deine Grenzen

Wild wirbelte er herum, parierte einen Schwertsteich nach dem anderen, doch kam er selbst nicht dazu, einen Angriff zu setzen. Der rothaarige Elb aus Thranduils Gefolge hatte es wieder einmal geschafft, ihn in die Defensive zu drängen. Doch es war nicht verwunderlich, da er sich immer noch um den schlafenden Elben in dessen Gemach sorgte. Schweiß lief seinen Rücken hinab, und er spürte, wie er langsam müde wurde.

„Lothion, halt", keuchte er und zeigte mit seinem Schwert an, dass er aufgab. „Du schlägst dich wie immer zu gut, wenn ich mit meinen Gedanken woanders weile."

Mit einem Lachen auf den Lippen ließ sein Gegenüber das Schwert sinken.

"Sei froh, dass dies nur ein Übungskampf ist, denn wahrlich, so unkonzentriert habe ich dich selten erlebt, Glorfindel. Was zieht deine Gedanken so in seinen Bann, dass du darüber selbst deine Kampfeskunst vergisst", fragte Lothion dann mit funkelnden Augen nach.

„Frage nicht danach", antwortete der blonde Noldo leise. „Ich hatte gehofft, es im Kampfe vergessen zu können, aber habe ich mich geirrt. Doch schau, wie weit die Sonne schon über den Horizont gewandert ist, sie werden uns bereits erwarten." Erstaunt hatte er bemerkt, wie spät es doch schon geworden war, und so eilte er sich, sein Schwert fort zu bringen, um dann die anderen zu treffen.

Lothion nickte nur knapp, sah dem Elben jedoch nicht nach, wie er mit schnellen Schritten davon lief. Selbst ein wenig ruhiger, brachte er sein Schwert erst einmal dorthin, wo seine anderen Waffen lagerten, bevor er selbst mit raschen Schritten den Weg zu den Häusern Bruchtals antrat.

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Schweigend blickte Elrond über die anwesenden Elben. Erestor sah noch immer erschöpft aus, und auch die Wunden in seinem Gesicht heilten nur schlecht, so wie der gesamte Rest. Glorfindel saß besorgt an der Seite Erestors, man sah ihm deutlich an, dass er vorhin trainiert hatte, genauso wie dem rothaarigen Lothion, der hinter Thranduil saß. Sein Gesicht wirkte völlig ausdruckslos, aber Elrond wusste sehr genau, warum dieser Krieger Thranduils Leibwache angehörte. Thranduil war bei Erestors Erscheinen etwas ungehalten geworden, doch hatte dieser ihn wütend angefunkelt und so hatte der blonde König seither geschwiegen. Als letztes musterte Elrond noch Haldir, der als Botschafter Lothlóriens neben Erestor saß, und genauso wenig eine Gefühlsregung zeigte, wenn man davon absah, wie er zusammenzuckte, als er Erestors schmerzverzerrtes Gesicht sah, als dieser den Raum betrat.

„Nun, ihr alle wisst, weswegen wir hier sind. Die Bedrohung durch Dol Guldur wird immer gefährlicher für den Düsterwald, und wir können nicht zulassen, dass der Herr dieser Feste dort länger verweilt", begann er und wartete auf Reaktionen.

Nicht lange mussten die anwesenden Elben warten, da begann Haldir zu sprechen.

"Wir sprachen bereits darüber, dass wir einen Geheimgang nutzen wollten, um ungesehen in die Festung eindringen zu können. Dies ist die einzige umsetzbare Idee", erklärte der blonde Elb und blickte in die Runde, wobei sein Blick besonders denen galt, die bei der ersten Besprechung nicht da gewesen waren. "Nun sollten wir darüber beratschlagen, wer diese Gruppe führen und wie groß sie sein soll. Eine zu große Gruppe behindert das Vorankommen, doch eine zu kleine wird sich kaum behaupten können, treffen sie doch auf Feinde."

Der verletzte Berater schüttelte die leichte Benommenheit ab, er wusste, dass er sich zuviel zumutete, aber es gab wichtigeres, als seine Gesundheit.

„Noch werden wir einige Monate warten müssen, bevor wir zum Schlag gegen die Feste ansetzten können", begann er ruhig, doch musste er immer wieder anhalten, zu Atem kommen. Die Verletzungen schmerzten unnatürlich heftig, doch verbannte er sie aus seinem Bewusstsein, konzentrierte sich ganz auf das, was er vorhatte. „Bis dahin werde ich geheilt sein und die Gruppe anführen."

"Erestor, auch wenn es bis zu einem entscheidenden Schlag noch Monate dauern kann, so solltest du auch jetzt auf deinen Körper achten und nichts tun, was dir schaden könnte", erwiderte Haldir nur und sah zu Glorfindel, der neben Erestor saß und ebenfalls nickte.

"Natürlich zweifelt niemand daran, dass du, wenn du wieder gesund bist, diese Gruppe auch führen kannst, doch wird es uns nichts nützen, wenn du deine wenigen Kräfte nun verbrauchst, dies ist zu deiner Genesung nicht hilfreich."

„Nun, zuerst muss dies hier alles geklärt werden, dann habe ich auch die Zeit zu genesen", antwortete Erestor stur und funkelte den Rest herausfordernd an. „Wen würdest du denn eher vorschlagen, Hauptmann? Lange genug war ich Erster unter meinem jüngeren Bruder Ecthelion, ich weiß, was ich tue. Denn du, Glorfindel und Lothion werden gebraucht. Fin führt unsere Streitkräfte, du bist wichtig für die Koordination der Spähtrupps und Lothion kann schlecht die Seite Thranduils verlassen."

"Ihr habt Recht, Erestor", erhob nun Lothion seine Stimme. "Dennoch solltet Ihr bedenken, dass auch wir uns bereits Gedanken darüber gemacht haben und so hätte ich niemals vorgeschlagen selbst die Führung dieser Gruppe zu übernehmen. Ich stimme vollstens zu, dass es sinnvoll wäre, Euch die Leitung zu übertragen, aber nun tut uns den Gefallen und hört auf das, was Haldir sagte: Vergeudet nicht Eure Kräfte in dieser Beratung."

Etwas ungehalten wollte Erestor den Kopf schütteln, als der Schmerz wieder durch seine Kehrseite zuckte. Noch immer nicht überzeugt, setzte er zu einer Erwiderung an, als er spürte, wie ihn plötzlich zwei starke Arme hochhoben.

„Entschuldigt, Glorfindel, aber ich würde gerne an Euch vorbei und diesen störrischen Elben dorthin bringen, wo er hingehört", erklärte Haldir und schritt mit einem schimpfenden Erestor aus dem Raum. Dass Erestor die Tränen in die Augen traten vor Angst, ignorierte er, bis sie draußen waren. Vorsichtig setzte er den Elben ab und dieser blickte ihn zittrig an.

„Haldir, tu das nie wieder", fauchte Erestor und klammerte sich an der Wand fest, er wollte nicht daran denken, wie die Panik durch ihn gekrochen war nur aufgrund dieser Berührung.

Der blonde Elb erwiderte Erestors Blick jedoch ungerührt.

"Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, Erestor, aber ich tue dies nur, weil du anscheinend nicht selbst einsehen willst, dass du dir dort drinnen mehr geschadet hast, als dass du dir helfen konntest. Jeder hat gesehen, dass es dir nicht gut ging."

Weiterhin ernst sah Haldir den dunkelhaarigen Elben an. "Wie fühltst du dich nun", erkundigte er sich dann, ein wenig vorsichtiger geworden.

„Du weißt es nicht Haldir, du kannst es nicht verstehen. Jede Berührung eines Mannes versetzt mich in Angst, lässt die Panik mein Rückrat empor kriechen und ich bin völlig hilflos, versuche jeder Berührung zu entgehen. Nicht einmal deine Berührung eben konnte ich ertragen. Wird das jemals wieder besser werden?" Seine Stimme war bei den letzten Worten gebrochen und die ersten Tränen bahnten sich ihren Weg seine Wangen hinab. „Endlich habe ich es verstanden, und dann… Haldir… hilf mir."

"Das wusste ich nicht, mein Freund", erwiderte Haldir leise, streckte eine Hand aus, um Erestor freundschaftlich in den Arm zu schließen und ihn zu trösten, zuckte im nächsten Moment jedoch wieder zurück und betrachtete Erestor unsicher. "Du musst mir aber auch sagen... wie kann ich dir denn überhaupt helfen, Erestor"

Doch dieser schüttelte nur den Kopf, schluchzte erneut auf.

„Wenn ich das nur wüsste. Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie es ist zu lieben, aber es nicht ausdrücken zu können? Dabei will ich es, will mich nicht verweigern… aber…" Immer mehr Tränen rannen Erestors Wangen hinab, als er vor Haldir auf die Knie fiel, den Kopf in seinen Händen vergraben.

So bemerkte er auch nicht den blonden Elben, der wenige Schritte von ihnen entfernt stand und sie beide entsetzt musterte.

Traurig sank Haldir neben seinem Freund auf den Boden, genauso wenig die Gestalt sehend, die wie ein Schatten dort an der Wand stand.

"Erestor, ich denke, ich kann es mir auch vorstellen, selbst wenn ich nicht dasselbe durchlebt habe wie du. Aber du musst wenigstens die Berührung zulassen, oder keiner wird dir helfen können."

Erestor Kopf schnellte nach oben, sah Haldir direkt ins Gesicht. Er glaubte nicht, was er da hörte, konnte es nicht fassen.

„Wie soll ich das denn?", fragte er und seine Stimme zitterte. „Meinst du nicht, ich versuche es, aber ich KANN es nicht… mein Magen beginnt zu rebellieren, mein Körper zittert, ich glaube keine Luft mehr zu bekommen", rief er aus, erhob sich und humpelte davon, versuchte so gut es ging seinen peingematerten Körper gerade zu halten.

Legolas hatte dies nicht hören wollen, hatte nicht mitbekommen wollen, was Erestor quälte, denn so tat ihm der Elb nur leid, und das wollte er nicht, denn schon zum zweiten Male hatte er ihm den genommen, in den er sich verliebt hatte. Auch wenn er es sich anfangs nicht hatte eingestehen wollen, so hatte er sich doch in Haldir verliebt, der nun völlig schockiert auf dem Boden saß und Erestor hinterher blickte.

Der Blick Haldirs folgte dem davoneilenden Erestor. Der Elb konnte nicht verstehen, warum der Dunkelhaarige so schnell das Weite gesucht hatte, und so fragte sich Haldir nun beunruhigt, was er falsch gemacht hatte.

Seufzend erhob er sich, immer noch in die Richtung blickend, in die Erestor verschwunden war. Schließlich machte sich der blonde Elb wieder auf den Weg zurück in den Raum, aus dem sie gekommen waren.

Immer noch hatte er Legolas nicht bemerkt.

„Hauptmann, wartet bitte", ergriff nun der Sohn Thranduils das Wort und eilte auf den silbrigblonden Galadhrim zu.

Überrascht hielt Haldir inne und wandte sich um.

"Legolas", brachte er mehr als erstaunt vor und trat einen Schritt auf den blonden Düsterwaldelben zu. "Was macht Ihr hier"

„Auch ich sollte an den Beratungen teilnehmen, genauso wie Mel, doch diese schmollt", erklärte Legolas etwas unsicher. Er hoffte, Haldir hatte nicht bemerkt, dass er ihn schon eine Weile beobachtet hatte. Wieder glitt sein Blick über den Hauptmann und er verspürte das vertraute Kribbeln, welches er nun verfluchte.

"Wenn ihr teilnehmen solltet, warum seit ihr dann nicht anwesend", entgegnete Haldir und runzelte nachdenklich die Stirn, wodurch ihm der Blick seines Gegenübers entging.

Der blonde Elb aus dem Düsterwald lachte bei diesen Worten leise auf.

„Natürlich, weil ich versucht habe meine Schwester davon zu überzeugen, mich zu begleiten." Hocherhobenen Hauptes betrat er den Raum und blickte als erstes seinen Vater an.

„Es tut mir leid, aber Mel will auf keinen Fall mit dir zusammen in einem Raum sein."

Enttäuscht blickte Thranduil zu seinen Sohn. Er konnte nicht leugnen, dass er traurig war über das, was dieser gesagt hatte. Schmerzlich zog sich seine Brust zusammen, als ihm bewusst wurde, wie sehr er ohne es zu wollen, seiner Tochter vor die Stirn gestoßen hatte. Und so brachte der Vater Legolas' zunächst keinen Ton heraus. Stattdessen richtete sich sein Blick auf Haldir, der ebenfalls wieder eingetreten war und die Schultern leicht anhob.

"Erestor ist gegangen, ich konnte ihn nicht aufhalten", erklärte der blonde Elb dann leise.

„Wenn man das gegangen nennen kann", fügte Legolas nachdenklich an. Die Reaktion seines Vaters hatte ihn überrascht, hatte er doch erwartet, dass dieser wütend werden würde, wie so oft, nachdem ihre Mutter gen Westen gesegelt war. Thranduil hatte dies nicht gut verkraftet, war in sich gekehrter geworden und auch verbitterter. So in Gedanken versunken entging ihm der kurze Blickwechsel zwischen Elrond und Glorfindel, worauf dieser den Raum verließ. Doch nicht lange grübelte er, sondern setzte sich neben seinen Vater und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Karte hinter Elrond.

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Er war nur wenige Meter weit gekommen, bis Erestor die Kräfte verließen und er an der Wand auf den Boden rutschte. Seine Atmung ging flach und viel zu schnell, und sein Körper schien wieder in Flammen zu stehen. Wahrscheinlich waren wieder einige der Wunden aufgebrochen und bluteten. Wahrlich, er hatte seinem Körper zuviel zugemutet.

"Ada"

Der laute und überraschte Schrei einer Elbenmaid hallte durch den Gang und schon im nächsten Moment stürzte die Dunkelhaarige los, zu dem Elben, der dort am Boden hockte.

"Ada", wiederholte Aníril, als sie sich neben Erestor kniete und ihn mit verzweifelten Augen anblickte. "Was ist geschehen"

„Manchmal bin ich doch sturer und temperamentvoller als du es je sein wirst", antwortete Erestor schwach, während er versuchte seine Tochter nicht länger verschwommen zu sehen. „Bitte, Aní, bring mich in meine Zimmer, alleine habe ich nicht mehr die Kraft dazu."

"Aber Ada, warum hast du auch nur alleine versucht zu deinen Gemächern zu gelangen? Ich weiß nicht, ob ich es alleine schaffe, dich zurück zu bringen."

Verzweifelt sah die Elbenmaid ihren Vater an, sah, welche Qualen in ihm tobten und dies trieb ihr die Tränen in die Augen.

„Weil ich es leider nicht schaffe, die Berührung eines anderen zu ertragen", erklärte Erestor knapp und versuchte sich hoch zu hieven, doch gaben seine Knie wieder nach, und er spürte, wie er wieder zu stürzen begann.

Schnell kam Aníril ihm zur Hilfe, packte ihren Vater unter den Armen und versuchte so seinen Sturz abzufangen, spürte jedoch gleichzeitig, wie sie selbst ein Stück von Erestor mitgezogen wurde. Nur unter großer Kraftanstrengung gelang es der ihr sich wieder aufzurichten und Erestor mit sich. Nun zitterte selbst die Elbenmaid. Verzweifelt fragte sich Aníril, wie sie es schaffen sollte, ihren Vater in seine Gemächer zurückzubringen.

Seine bleichen Züge verzerrten sich zu einem Lächeln, als er ein leises „Danke" an seine Tochter richtete. Mühsam versuchte er sich aufrecht zu halten, Aníril so wenig wie möglich zu belasten, als er hinter sich Schritte vernahm. Sein ganzer Körper verspannte sich, verbarg nicht den Schrecken und die aufkeimende Angst.

Aníril war die erste, die sich umdrehte, als sie verspürte, wie ihr Vater sich verkrampfte.

"Glorfindel", sprach sie erstaunt und sah den blonden Elben überrascht, jedoch auch erleichtert an. Sie konnte ihren Vater alleine kaum noch halten und hoffte so nun auf die Hilfe des Noldo.

Glorfindel verlor keine Zeit. Schnell war er zu Aníril und Erestor getreten und half der Elbenmaid den Elben zu stützen.

"Erestor, warum wolltest du nicht auf Haldir hören", schimpfte er dabei und sah Erestor nahezu vorwurfsvoll an.

Erestor konnte den Schrei nicht mehr unterdrücken. Panisch riss er sich von Glorfindel los und stürzte zwei Schritte weiter zu Boden. Er wollte dies nicht, wollte diese Reaktionen nicht haben, wollte sich vertrauensvoll an Glorfindel schmiegen können. Warum nur hatte er es erst so spät erkannt?

Glorfindel schüttelte den Kopf und trat wieder zu Erestor.

"Lass mich dir helfen, es geht nicht anders", erklärte er ernst. "Deine Tochter kann dich nicht länger stützen, du hast es selbst bemerkt."

Kurz sah er zu Aníril hinüber, die seine Worte mit einem Nicken unterstrich und ein "Er hat Recht, Ada" hinzufügte.

Traurig sah Erestor zu Glorfindel auf.

„Was denkst du denn, Geliebter, meinst du wirklich, ich kann etwas dagegen tun? Eben meine Reaktion war nur ein Reflex… ich will das nicht…" Seine Gedanken wirbelten umher, doch er wusste, er musste sich helfen lassen. „Ich weiß, wie ihr es machen könnt", flüsterte er matt und drückte dann so fest auf eine der Wunden, dass ihm übel wurde vor Schmerz. „Fin, hebe mich hoch." Und weiter malträtierte er seinen Körper, lenkte sich somit von dem blonden Elben ab.

Entsetzt schüttelte Glorfindel den Kopf.

"Erestor, das kann nicht dein Ernst sein. Wenn du so weitermachst, werden deine Wunden nie heilen", entgegnete Glorfindel und verharrte in hockender Position neben dem dunkelhaarigen Elben.

„Weil du mich sonst nicht berühren kannst, ohne dass meine Panikattacken mich dazu veranlassen, mich noch mehr zu verletzten", schnappte Erestor und drückte noch fester zu. Der Schmerz ließ ihn Sterne sehen, doch es war der einzige Weg Glorfindels Arme zu ertragen.

Glorfindel sah Erestor nur weiterhin entsetzt an, wusste nicht, ob er zulassen sollte, dass Erestor seinem geschundenen Körper noch weiter Schmerzen zufügte.

„Ada, bitte", ließ sich in diesem Moment Anírils Stimme vernehmen. Geschockt starrte die Elbenmaid auf das Geschehen, kaum fähig sich zu rühren. Sie zitterte leicht und es glitzerte verdächtig in ihren Augen. „Ada, hör auf, dir selbst noch mehr weh zu tun, bitte", flehte Aníril weiter, darauf hoffend, dass ihr Vater doch noch einsehen würde. Alleine sein Leid zu sehen, bereitete ihr selbst Schmerzen.

Doch Erestor nahm die Worte nicht mehr wahr, zu tief hatte er sich hineingesteigert, dass sein Bewusstsein sich in diesem Moment verdunkelte und er kraftlos auf dem Boden zusammenbrach.

Im selben Augenblick stürzte nicht nur Aníril zu ihrem Vater. Auch Glorfindel begriff sofort, dass es nun zu spät war. Schnell nahm er Erestor auf seine Arme und erhob sich, blieb einen Moment neben der dunkelhaarigen Elbenmaid stehen, die verzweifelt auf ihren Vater blickte.

„Bringe ihn in sein Gemach... ich werde Elrond Bescheid geben", flüsterte Aníril mit Tränen in den Augen und eilte schon davon, während Glorfindel sich ebenfalls auf den schnellsten Weg zu den Gemächern des dunkelhaarigen Noldo begab.

Dort angekommen, öffnete er die Türen zu Erestors Schlafgemach und legte ihn vorsichtig auf das Bett. Sein Herz schlug schnell und erinnerte ihn daran, nach Erestors Puls zu fühlen, doch dieser ging ruhig und regelmäßig

„Warum nur, Erestor? Verzeih mir, dass ich deiner Bitte nicht nachgekommen bin, aber… ich kann es nicht ertragen zu sehen, wie du dir selbst Schmerz bereitest. Bis deine Wunden verheilt sind, wirst du törichter Elb dieses Zimmer nur noch verlassen, um dich zu säubern und zu erleichtern", sprach Glorfindel mit zärtlicher, leiser Stimme zu dem bewusstlosen Elben, während er auf die Ankunft Elronds wartete.

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Gehetzt eilte Aníril durch den Gang, bis sie schließlich zu dem Raum gelangte, in dem die Beratung abgehalten wurde. Ohne nachzudenken oder gar anzuklopfen riss die Elbenmaid die Türe auf.

„Elrond, schnell... Ada ist zusammengebrochen, Glorfindel bringt ihn gerade in sein Gemach"

Gerade wollte Elrond auf eine Frage Thranduils antworten, als Aníril die Tür aufriss. Erschrocken lauschte er den Worten der Elbenmaid und entschuldigte sich rasch bei den anderen Teilnehmern, die jedoch nur verständnisvoll nickten.

„Sag, Aníril, was ist passiert? Warum ist unser stolzer und leider auch sehr störrischer Berater zusammengebrochen?", fragte er sie, während sie nebeneinander durch die Gänge eilten.

„Ich weiß es nicht, Elrond, ich fand ihn auf dem Gang, wollte ihm helfen."

Aníril sprach so schnell, dass sie sich verhaspelte, und kurz Luft holen musste, bevor sie ruhiger weiter sprechen konnte. „Ich stützte ihn, doch sein Gewicht war mir zu schwer. Dann kam Glorfindel. Er wollte mir mit Ada helfen... aber... Ada wich vor ihm zurück und brach erneut zusammen. Er sagte, er könne die Berührungen nicht ertragen, aber ich konnte ihm doch auch nicht helfen, ich war nicht stark genug dafür." Anírils Augen schimmerten feucht und verzweifelt brach die Elbenmaid ab, nicht mehr als ein Schluchzen kam über ihre Lippen.

Elrond vernahm beunruhigt die Nachricht, dass es derart heftig war, hatte er nicht vermutet.

„Du weißt selbst, dass es bei Vergewaltigungsopfern durchaus passieren kann, dass ihre Seele mehr Schaden nimmt, als der Körper", versuchte Elrond mit der kühlen Distanziertheit eines Heiler zu erklären, um auch Aníril daran zu erinnern, was sie gelernt hatte. Auch ihre Schwangerschaft wollte er nicht als Entschuldigung für dieses unprofessionelle Verhalten annehmen.

Doch Aníril war nicht fähig das ganze so distanziert zu sehen, wie der ältere Elb, zu sehr bedrückte sie die Angst um ihren Vater.

„Was können wir dagegen tun, Elrond?", fragte sie so zaghaft und leise, als sie vor der Tür zu Erestors Gemach zum Stehen kamen.

„Darüber werde ich noch nachdenken müssen, und ein langes Gespräch mit ihm führen", antwortete der Herr Bruchtals und betrat das Schlafgemach seines Freundes, der ihm schon erschöpft entgegenlächelte.

„Warum wusste ich nur, dass sie dich holen werden?", fragte Erestor leicht spöttisch. Er hatte erst vor wenigen Augenblicken das volle Bewusstsein wiedererlangt und hatte versucht den nervösen und besorgten Glorfindel zu beruhigen. „Es geht mir schon wieder besser, und ich werde nun die Bettruhe hüten, die du mir verordnen wirst. Ich habe ja erreicht, was ich wollte." Seine Augen funkelten und er lächelte, auch wenn ihm deutlich anzusehen war, wie schlecht es ihm ging.

Aníril hielt die ganze Situation nicht mehr aus. Schnell huschte sie zu ihrem Vater und setzte sich auf die Kante seines Bettes, ergriff liebevoll und so vorsichtig als berührte sie Glas, die Hände ihres Vaters. Mit Tränen in den Augen lächelte die Elbenmaid ihren Vater an, bevor sie laut sprach: „Na wenigstens scheint einer von uns vernünftig zu werden."

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Huch, was war dieses Kapitel über los? Nur drei Revs? Haben wir so nachgelassen? Versprochen, das nächste Kapitel wird endlich wieder etwas fröhlicher ;).

Mondliesel: Danke für dein Review, fühl dich umgeknuffelt. Wieso mögen alle Elladan am meisten? Ich verstehe es einfach nicht. Zu Haldir und Legolas gibt's bald auch wieder mehr… Kap 32 und 33 haben auf jeden Fall mehr mit ihnen zu tun ;). Mir tut Fin auch leid… aber er wird es schon überleben ;).

Stern: Danke für dein Review, fühl dich ganz lieb geknuffelt. Ella und Mel verlobt? Soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein? Wie schon gesagt, zu Haldir und Legolas gibt's in Kapitel 32 und 33 mehr ;). Aber erstmal müssen wir Erestor noch ein bissel aufs Korn nehmen ;).

Kascha: Danke für dein Review, fühl dich geknutschelt. Happy Ends? Dazu verrate ich natürlich noch nichts… da gibt es doch noch soooooooo viele Kapitel ;). Haben heute das 40. fertig gestellt ;). Erestor muss es verarbeiten, aber so schnell wird das nicht gehen… das würde nicht zu diesem Char passen ;). Hab ein richtig schlechtes Gewissen, dass ich ihm das antue…