Mondliesel vielen Dank für dein Review, fühl dich ganz lieb geknuffelt. Freut mich, dass dir der kleine Kreislaufzusammenbruch gefallen hat ;). Wir wollten etwas anderes mal haben ;). Macht einen auf jeden Fall sehr stolz, wenn man hört, das die Geschichte ausgedruckt wird ;). Ich wünsche dir viel Spaß mit dem neuen Kapitel
An Alle: huch, was ist denn mit euch passiert? Wenn das letzte Kapitel so daneben war, dann begründet es doch wenigsten bitte, es ist schon ein sch… Gefühl, wenn sich plötzlich niemand mehr meldet…
A/N: Für dieses Kapitel ist es sinnvoll die Geschichte Fallende Engel zu kennen, da sie viel zum Verständnis der Szenen beiträgt. Doch hoffen wir, es in den nächsten Kapitel auch für Leser, falls es solche noch gibt, verständlich zu machen, die Fallende Engel nicht kennen.
Vielen Danke an Naurelen, dass wir ihre Idee der in Cillien lebenden Elben aufgreifen durften. Doch Caladúneth gehört uns ;)
Kapitel 34: Ins kalte Wasser geworfen
Das frühe Morgenlicht brach vor dem Tross der Elben durch
die kahlen Äste der Bäume und glitzerte hell im frisch gefallenen Schnee. Noch
war die Natur nicht ganz erwacht, doch die Elben waren schon früh losgezogen,
um die Grenzen Bruchtals bei Tagesanbruch zu erreichen.
Einige Tage waren sie bereits von Cillien unterwegs, ihre
Pferde schritten zwar zu dieser frühen Stunde noch munter aus, dennoch war nicht darüber hinweg zu täuschen, dass eine längere
Ruhepause ihnen gut tun würde.
Caladúneth saß aufmerksam auf ihrem Reittier und sah sich
um. Nichts entging ihr, nicht das leise Knirschen des Schnees unter den Hufen
der Rösser oder die Geräusche eines
kleinen Tieres, das durch den Schnee huschte. Ansonsten war es still.
Bald würden sie die Grenzen erreichen. Caladúneth heftete
die Augen auf den Weg vor ihnen. Sie war noch nie in Imladris gewesen, obgleich
sie bei den vielen Erzählungen, welche sie über das Tal gehört hatte, es sich
nahezu bildlich vorstellen konnte. Dennoch übertraf es ihre Vorstellungen, als
sie es schließlich selbst erblickte.
Derweil reichten die schwachen Strahlen der Wintersonne kaum
aus, um die Papiere soweit zu erhellen, dass es Erestor möglich gewesen wäre,
zügig zu arbeiten. Verärgert setzte er sich auf und überlegte, ob es sinnvoll
war, die Kerzen zu entzünden, doch dann entschied er sich dagegen. Voll neuer
Energie setzte er sich in den kleinen Alkoven am Fenster und begann dort mit
dem Lesen der Berichte. Nur kurz nippte er an seinem Tee und runzelte die Stirn,
als ihm bewusst wurde, dass die Zahlen, den Wein betreffend, nicht stimmen
konnten. Wie konnte es nur sein, dass sie angeblich zwei Fässer weniger hatten.
Hastig kritzelte er einige Notizen und ging dann das Inventar weiter durch.
Nicht viel später fielen ihm weitere Ungereimtheiten auf, als es an der Tür
klopfte.
Ein Diener trat ein und berichtete, dass die Botschafterin
Cilliens angekommen sei. Mit allem hatte Erestor gerechnet, doch nicht damit.
Fahrig strich er sich die schwarzen Strähnen aus dem Gesicht, legte die Papiere
beiseite und folgte dem Diener, die Elbenmaid zu begrüßen.
Zwei der Grenzwachen hatten sie bis in das Herz Imladris' geführt, die Pferde hatte man ihnen abgenommen und vermutlich wurden sie nun von den Stallknechten gewissenhaft versorgt. Doch über all dies machte sich Caladúneth kaum Gedanken, als sie mit ihren fünf Gefährten vor den Häusern Bruchtals stand, sich mit wachen, neugierigen Augen umsah und so schließlich den Elben bemerkte, der aus einem der Bauten trat und auf sie zuschritt.
Neugierig musterte der Berater Elronds die junge Elbenmaid.
Langes weizenblondes Haar reichte bis zu ihren Hüften, war jedoch streng
zurückgebunden. Große, grünblaue Augen blickten in die seinen. Ihre Züge
schienen ihm wage vertraut, doch wusste er sie nicht einzuordnen.
„Willkommen im Letzten Heimeligen Haus, wir erwarteten Eure
Ankunft voller Sehnsucht, um Nachricht
aus dem schönen Cillien zu hören", grüßte der Schwarzhaarige sie. „Ich bin Erestor
– Elronds erster Berater und seine rechte Hand."
Caladúneth verneigte sich respektvoll und nur ein schwaches
Lächeln erhellte kurz ihr Gesicht.
"Unsere Reise wurde ein wenig verzögert, doch nun freut
es mich, angekommen zu sein. Seid gegrüßt, Erestor", erwiderte die blonde
Elbenmaid. Aufrecht stand sie vor dem dunkelhaarigen Elben und blickte ihn an,
ließ jedoch keine weitere Gefühlsregung erkennen.
Elegant neigte Erestor das Haupt und bedeutete dann der
Elbenmaid ihm zu folgen.
„Elrond wird Euch sicherlich sehen wollen", begann er und
lächelte ihr kurz zu. „Doch sagt, wie war die Reise hierher? Hat der Schneefall
Euch und Eure Gefährten sehr behindert?"
"Mehr unsere Pferde, denn uns", erwiderte Caladúneth, während sie neben dem Elben her schritt und weiterhin ihre Umgebung musterte. "Wir hatten nicht mit einem so raschen Einsetzen des Winters gerechnet", fügte sie dann noch hinzu und ließ zum ersten Mal ein sanftes Lächeln auf ihren Zügen erscheinen.
In Erestors Augen ließ dieses leichte Lächeln sie jünger,
verletzlicher wirken, doch wusste er nicht, wieso sein Instinkt ihm dies sagte.
Auch wurde dieses Gefühl des Kennens größer.
„Auch wir hatten gehofft, dass es sich noch etwas verzögern
würde. Doch zum Glück ist alles für das Fest bereits eingetroffen. Doch dürfte
es in den nächsten Tagen wieder etwas wärmer werden und der Schnee tauen. Das
war bisher sehr oft so."
"Ich wusste nicht, dass es ein Fest geben würde",
erwiderte Caladúneth und hob die Augenbrauen in die Höhe. "Sagt, was
gedenkt Ihr zu feiern? Dann wird der Zeitpunkt doch ungelegen sein, an dem ich
als Botschafterin Cilliens eintraf..."
Durchdringend sah die Elbenmaid den Noldo an und es wurde
deutlich, dass sie mit einer gewissen Neugier auf die Antwort wartete.
Erheitert zwinkerte Erestor der jüngeren Elbenmaid zu, ihm
gefiel ihre Neugier.
„Zwei geschätzte Mitglieder dieses Haushaltes werden zur
Wintersonnenwende den Bund eingehen", antwortete er ihr.
"Und Ihr seid sicher, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, um weitere Strategien zu besprechen?", fragte die Blonde erneut nach und musterte ihren Gegenüber noch genauer, froh darüber, dass ihre Frage nicht negativ aufgenommen worden war.
Nun doch etwas unangenehm von ihrer Art berührt, hob der
Berater Elronds nur tadelnd eine Augenbraue.
„Meint Ihr, wir hätten es uns ausgesucht? Der Weiße Rat hat
entschieden, dies ist das wichtigste und das wissen auch Lindir und Laereth."
Seine Stimme hatte nun einen wesentlich kühleren Klang, doch war er nicht
unfreundlich.
"Verzeiht", antwortete Caladúneth und jegliche Neugier verschwand aus ihren Augen, als sie ihre Haltung wieder straffte und in das zurückfiel, was so viele, die sie nicht kannten, als kühl bezeichnet hätten. "Ich wollte Euch nicht zu nahe treten mit dieser Frage. Wenn Ihr den Zeitpunkt als richtig erachtet, so wird er es auch sein."
Darauf erwiderte der Noldo nichts, sondern führte sie nur
zügig zu den Räumen seines Herrn.
Vorsichtig klopfte er an, und wartete, bis er hinein gebeten wurde.
„Folgt mir, Elrond erwatet Euch schon", sprach er an die
Elbenmaid gewand und betrat vor ihr den Arbeitsbereich neben der Bibliothek, in
dem Elrond an seinem Schreibtisch saß.
In einer fließenden Bewegung trat Caladúneth in den Raum und
näher an den Tisch des Herrn von Imladris.
"Seid gegrüßt", sprach sie nun wieder lächelnd.
"Cillien schickt mich um an den Verhandlungen
bezüglich Dol Guldur teilzunehmen und mein Volk zu
vertreten", fuhr sie fort und blickte Elrond unverwandt an.
Nur ein kurzer Blickkontakt zwischen Berater und Herr, und
dann lehnte sich Elrond in seinem Stuhl zurück und musterte die junge Elbenmaid
kühl. Erestor fragte sich, was in seinem Freund vorging, denn dieser schien
etwas zu wissen, was ihm selbst entgangen war. Umso mehr schrak er zusammen,
als er die Worte des Halbelben vernahm.
„Seid auch Ihr mir gegrüßt, Caladúneth. Ich freue mich Euch
hier in Imladris begrüßen zu dürfen. Setzt Euch."
Mit großen Augen blickte der Noldo auf den lächelnden Elrond
und war zum ersten Mal seit langem sprachlos.
Caladúneth tat wie ihr geheißen war.
"Ich freue mich ebenfalls hier in Imladris verweilen zu
dürfen, ich hörte schon so viel, doch noch nie war es mir vergönnt, ebenfalls
eine Reise hierher antreten zu dürfen", erklärte sie mit leicht geröteten
Wangen und einem sanften Funkeln in den Augen. Den überraschten Blick des
dunkelhaarigen Noldo, der sie zu Elrond geführt hatte, bemerkte die Elbenmaid
nicht einmal.
Noch immer wusste Erestor nichts zu sagen, starrte die junge
Elbenmaid fast an. Zumindest für seine Verhältnisse - jeder andere Elb hätte
nur interessiert gewirkt. Wie sollte er nur reagieren? Was würde IHRE
Anwesenheit nur für Konsequenzen haben? So in Gedanken versunken, überhörte er
die Worte Elronds fast.
„Erestor, würdest du bitte unseren Wortführern aus
Düsterwald und Lórien Bescheid geben, dass nun auch die Botschafterin aus
Cillien eingetroffen ist?"
Aus seinen Überlegungen gerissen, nickte Erestor und ergriff
regelrecht die Flucht, sodass er das gehässige Grinsen seines
Herrn übersah.
Ein wenig verwirrt sah die blonde Elbenmaid dem
Dunkelhaarigen nach und genauso verwirrt traf ihr Blick schließlich den
Elronds.
"Verzeiht, aber warum hat Euer Berater es plötzlich so
eilig?", erkundigte sie sich und schüttelte leicht den Kopf. "Ich
hatte gerade das Gefühl, dass er schnellstmöglich vor mir davonlaufen wollte,
aber ich wüsste nicht warum."
Leise lachte Elrond ob ihrer Verwirrung, aber auch, da er
seinen engsten Freund und ersten Ratgeber so aus der Fassung gebracht hatte.
„Vergesst es einfach", antwortete Elrond noch immer
lächelnd. „Solange wir warten, erzählt mir doch etwas von Eurer Heimat. Wie
ergeht es Anordil derzeit? Ich hörte, er vertritt seinen Vater, der auf Reisen
ist?"
"Ja, das tut er, auch wenn ich fast glaube, dass er ebenso gerne auf Reisen gehen würde." Über Caladúneths Züge zog ein warmes Schmunzeln. "Dennoch, er vertritt ihn würdig und wäre er nicht an diese Pflicht gebunden, vielleicht wäre er selbst zu den Verhandlungen erschienen."
Daraufhin entstand ein leichtes Gespräch über Reisen und die
Pflicht des Regierens, während Erestor verzweifelt nach Haldir suchte.
Erst eine der Dienstmaiden konnte ihm sagen, dass er diesen
in Legolas' Gemächern finden würde. So stand Erestor vor eben jenen Räumen und
sammelte allen Mut zusammen. Wie würde der Sohn Thranduils
reagieren? Wie würde er damit umgehen können? Innerlich beschloss er, nicht zu
verraten, um wen es sich handelte, und so klopfte er an.
Früh waren die beiden Elben an diesem Morgen aufgewacht,
doch waren sie lange Zeit im Bett liegen geblieben, ohne sich zu rühren,
einfach die Stille, Ruhe und vor allem die Nähe des anderen genießend. Erst
nach einer Weile hatte sich Legolas erhoben, um einige Kleidungsstücke
anzuziehen, und Haldir hatte es ihm gleich getan.
Nun lagen die beiden blonden Elben wieder auf dem Bett. Sie
hatten beschlossen nicht zum gemeinsamen Frühstück zu erscheinen, sondern waren
dazu übergegangen, sich gegenseitig mit Obst zu füttern.
Genau in diesem Moment klopfte es an der Tür. Erstaunt fuhr
Legolas hoch und bevor er noch wusste, was er tat, hatte er bereits
"Herein" gerufen.
Angespannt betrat Erestor das Gemach, sich nicht sicher, was
er vorfinden würde. Doch als seine Augen die beiden, eindeutig verliebten,
Elben erfassten, entspannte er sich ein wenig.
"Eru zum Gruße. Elrond schickt
mich, euch beiden mitzuteilen, dass eine Botschaft aus Cillien eingetroffen
ist, den Rat betreffend." Ein warmes Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus
und er wusste, das Haldir verstehen würde, wie sehr er sich für ihn freute.
Ein wenig verdutzt sah Haldir das lächelnde Gesicht seines Freundes und es dauerte eine ganze Weile, bevor
er begriff, was dieser so eben gesagt hatte.
"So früh am Morgen schon?", fragte er, nur um im
nächsten Moment zu erkennen, wie überflüssig diese Frage doch gewesen war.
Hinter ihm lachte Legolas nur auf.
"Dann sollten wir uns besser auf den Weg machen, nicht
wahr Haldir? Oder willst du die Neuankömmlinge warten lassen?", sprach der
blonde Elb fröhlich und befand sich bereits auf dem Weg zu seinem Schrank, um
sich nun gänzlich anzukleiden.
„Nein, dass solltet ihr besser nicht", antwortete Erestor fröhlich, auch wenn er wusste, dass Haldir erkennen würde, dass etwas ihn bedrückte. „Ich freue mich für euch beide, doch nun muss ich noch Thranduil Bescheid geben." Mit diesen Worten drehte Erestor sich um und verschwand wieder aus dem Raum.
"Er erschien mir etwas zu erheitert", brummte
Haldir nur düster, als der Dunkelhaarige das Zimmer verlassen hatte. Diese
Bemerkung hatte nur ein weiteres Lachen von Legolas zur Folge. Der Düsterwaldelb war an diesem Morgen besser gelaunt denn je
und war nun fest entschlossen sich dies von nichts verderben zu lassen.
"Ich glaube, dass er es uns gesagt hätte, wäre es für
uns von Bedeutung gewesen", erwiderte der Blonde deshalb nur warm lächelnd
und half dem Silberblonden die letzten Kleidungsstücke anzulegen, bevor die
beiden Elben sich auf den Weg zu Elrond machten.
X.X.X.X
Währenddessen eilte Erestor so schnell er konnte zu
Thranduil. Dort an der Tür klopfte er nur kurz und betrat dann ohne zu Warten
den Raum.
„Verzeih mein plötzliches Eindringen, aber Legolas ist
gerade auf dem Weg Caladúneth zu treffen", sprach er schnell und sah den
blonden König eindringlich an.
"Sie ist bereits hier?" Die Stirn Thranduils zog sich innerhalb von Sekunden in vielerlei
Falten. "Aber... ich wusste nicht, dass ... so schnell."
Verwirrt sah der blonde Elb den Noldo an und verstummte
abermals. "Können wir das denn noch verhindern?", setzte er erneut
an.
Stumm schüttelte Erestor den Kopf und wandte sich bereits um.
„Nein, das können wir nicht verhindern, aber du wirst ihm
beistehen müssen", erklärte der Noldo knapp und eilte auf einen der Teppiche an
der Wand zu. „Folge mir, wir müssen uns beeilen." Grinsend schob der den
Wandteppich beiseite, öffnete die dahinter liegende, verborgene Tür und
schlüpfte in den engen Gang.
Kopfschüttelnd beeilte sich Thranduil Erestor zu folgen, der bereits durch den verdeckten Gang eilte. Ein wenig verwirrt nahm der blonde Elb zur Kenntnis, dass er von diesem Geheimgang, obgleich er an sein Gemach hier in Imladris grenzte, nichts wusste. Doch der Düsterwaldkönig dachte nicht weiter darüber nach, zu viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Wie würde sein Sohn es wohl aufnehmen, wenn dieser plötzlich vor der Botschafterin stehen würde und nicht zuletzt, wie würde er - Thranduil - sich verhalten. Und so waren die Schritte des blonden Königs alles andere als entschlossen, während sie sich den Räumen Elronds näherten.
Nur sehr selten nahm Erestor diese Gänge, doch fand er sich
darin besser zurecht, als jeder andere, mit der Ausnahme Glorfindels. Beide
hatten sie die Korridore geplant und beim Bau mit anlegen lassen. Es dauerte
nicht lange, und er gab Thranduil zu verstehen, er solle warten. Behutsam
setzte der Noldo den Mechanismus in Gang, der die Tür öffnen würde. Ein leises
Klicken zeigte ihm, dass sie nun offen war und er spähte hinaus, direkt auf Caladúneths Rücken.
„Sie sind noch nicht da", wisperte er in die Richtung Thranduils und trat dann so leise wie möglich aus der Tür.
Elronds kurzes Heben der Augenbrauen zeigte ihm, dass dieser sie bemerkt hatte,
und mit der Entscheidung einverstanden war.
Diese kleine Geste genügte, dass Caladúneth aufmerksam wurde und sich umwandte, genau in dem Moment, in dem neben Erestor ein blonder Elb aus einem verborgenen Gang trat. Erstaunt runzelte die Elbenmaid die Stirn, blieb jedoch stumm und sah nur fragend von den eingetretenen Elben zu Elrond.
Doch war es nicht Elrond, der das Wort ergriff, sondern
Erestor.
„Haldir befindet sich noch auf dem Weg hierher", erklärte er
knapp und wandte sich dann an die Elbenmaid. „Caladúneth, darf ich Euch den
Gesandten des Düsterwaldes vorstellen?" Bei dem Wort Gesandten huschte über
dessen Gesicht ein kurzes Lächeln und auch die feine Ironie in Erestors Stimme
war für seine Freunde deutlich wahrnehmbar. „Dies ist Thranduil."
Einen Moment blieb Caladúneth still, bevor sie antwortete.
Nun wusste sie, wer der blonde Elb war, der vor ihr stand, aber sie bemühte
sich, sich nichts anmerken zu lassen und ihre äußerliche Haltung zu bewahren.
Erst als sie sich auch innerlich gefasst hatte, antwortete sie.
"Es freut mich, Euch kennen zu lernen", sprach die
blonde Elbenmaid höflich und ließ nicht erkennen, welche Gedanken sie kurz
zuvor noch beschäftigt hatten.
Höflich neigte der Sindarkönig
sein Haupt. Innerlich war er aufgewühlt ihr nun zum ersten Mal fast
zweitausendfünfhundert Jahren gegenüber zu stehen. In seinen Augen war sie
wunderschön, hatte beide Vorteile ihrer Eltern geerbt. Nur fragte er sich, wie
viel sie wusste, inwieweit Anordil sie über ihre
Herkunft unterrichtet hatte.
„Auch mich freut es. Ich hoffe, dass wir nun endlich in
unseren Planungen weiterkommen", sprach er ruhig und grübelte noch immer, wie
viel ihr bewusst war.
Caladúneth lächelte.
"Oh, da wir Elben Cilliens als letztes eintrafen, nehme
ich an, dass die Planungen schon recht weit fortgeschritten sind",
entgegnete sie. "Aber ich hoffe dennoch nicht, dass mein einziger Beitrag
sein sollte, die Anzahl der Krieger zu nennen, die Cillien schicken
wird."
Während sie redete, hatte die Blonde den Düsterwaldelben
aufmerksam gemustert. Sie hatte nicht gewusst, dass sie ihm hier gegenüber
stehen würde, war nicht darauf vorbereitet gewesen. So war sie unsicher
darüber, ob sie Thranduil erkennen lassen sollte, dass sie über ihre Herkunft
aufgeklärt war.
Erestor setzte sich derweil an den Schreibtisch und wartete, bis es an der Tür klopfte. Der Laut hallte durch den Raum und keiner der drei älteren Elben konnte verhindern, dass er leicht zusammenzuckte. Sogar Elronds Stimme zitterte kaum merklich, als er die beiden Ankömmlinge hineinrief.
Vor der Tür hatte Haldir sehr wohl eine gewisse Unsicherheit
in der Stimme des Herrn von Imladris gehört und so runzelte der silberblonde
Elb die Stirn, bevor er die Tür öffnete. Vier Elben waren bereits anwesend und
Haldir war noch mehr überrascht, als er Erestor und Thranduil erkannte.
"Erestor, du bist schon hier? Welche Wege kennst du,
die ich nicht kenne?", fragte er mit einem leichten Heben der Augenbraue,
dabei ganz vergessend, dass er die blonde Elbenmaid in der Mitte des Raumes
nicht begrüßt hatte.
Legolas hatte nichts von dieser Unsicherheit mitbekommen.
„Auf in den Kampf",
flüsterte er leise, straffte gespielt ernst die Schultern und trat hinter seinem Galadhrim durch die Tür. Sofort
stach ihm Erestors merkwürdiger Gesichtsausdruck ins Auge und er wollte schon
verwirrt etwas fragen, als sein Blick auf die Botschafterin viel. Es war, als
würde die Welt stehen bleiben. Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein!
Nicht sie! Diese Augen würde er nie vergessen, sie sahen genauso aus. Wieso war
sie hier? Wieso sah sie IHR so ähnlich? Nein, das konnte nicht sein! Wieder und
wieder glitt sein Blick suchend über die Züge, erkannte SIE in ihnen so deutlich
wieder und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als die Erinnerungen über
ihm zusammenbrachen. Die Worte Haldirs hörte er schon nicht mehr, dafür
rauschte sein Blut zu laut in seinen Ohren.
Erst als es fast totenstill im Raum wurde, bemerkte Haldir, dass etwas nicht stimmte, und nahezu entsetzt wurde sein Blick, als er Legolas ansah.
Auch Caladúneth war verwirrt, als sie bemerkte, wie heftig
der soeben eingetroffene Elb auf ihre Anwesenheit reagierte und gleichzeitig
fragte sich die Elbenmaid, ob es überhaupt an ihr lag.
"Verzeiht, aber ist Euch nicht gut?", fragte sie
deshalb leise nach und blickte den blonden Elben an, der sie seinerseits so
fassungslos anstarrte.
Erestor beobachtete besorgt Legolas' Reaktion. Nur selten hatte er den Elben so geschockt und erschüttert gesehen. Doch würde er damit zurechtkommen müssen, würde lernen müssen, die Vergangenheit zu verarbeiten, auch für Haldir. Sorge kroch in Erestor empor, darüber, wie der junge Elb sich nun seinem Freund gegenüber verhalten würde, doch war dies bedeutungslos.
Aus großen Augen sah Legolas, wie sich die Elbenmaid an ihn
wandte, doch konnte er ihre Worte nicht verstehen. Warum war Caladúneth als
Botschafterin gereist? Warum hatte es keine andere sein können? Warum hatte ihn
niemand darauf vorbereitet? Wer von ihnen wusste es? Zorn wallte in ihm auf,
ein Zorn, der seinen Geist überflutete, ihn nicht mehr klar denken lies. Wütend
wirbelte er zu seinem Vater herum.
„Wie konntest du mir das nur verschweigen? Wie konntest du
mich so ins kalte Wasser fallen lassen?" Seine Stimme wurde lauter und sein
Körper zitterte, die Vergangenheit holte ihn ein. Wieder sah er vor sich den in
Mondlicht getauchten See, den schlanken, sterbenden Körper in seinen Armen.
Doch seine Wut war noch nicht verraucht und so wandte er seine Aufmerksamkeit
auch dem Noldo zu, der ihn kühl musterte. „Es ist alles deine Schuld… Wegen
dir…" Tränen waren in seine Augen getreten, und der Schmerz, den er lange
vergessen geglaubt hatte, brach wieder aus ihm heraus, als er sich umwandte und
aus dem Raum stürmte.
Nun war es Haldir, der immer noch fassungslos auf die Tür starrte, durch welche Legolas verschwunden war. So sehr hatte ihn die Reaktion überrascht, dass der Mund des Silberblonden vor Erstaunen ein wenig offen stand und er kaum noch bemerkte, was um ihn herum vorging. Warum hatte Legolas bloß so reagiert?
Haldir war nicht der Einzige, der von dieser Situation
komplett überrascht worden war. Auch Caladúneth hatte sich erhoben und sah nun
Stirn runzelnd zur Tür, bevor ihr Blick zu Erestor glitt, den der blonde Elb so
angeschrieen hatte. Verwirrt schüttelte sie den Kopf.
"Wäre vielleicht jemand so freundlich mir zu erklären,
was hier soeben passiert ist?", brachte sie nach einer Weile des
Schweigens mühsam heraus. "Und warum werde ich das Gefühl nicht los, dass
es etwas mit mir zu tun hat?"
