A/N: Juhuuu, juhuuuu, eine Review herumspring hey, das reimt sich sogar lol Ähm...wie auch immer, hier folgt nun das erste Kapitel meines kleinen Unsinns :) Viel Spaß damit!
Disclaimer: Alles Tolkien, nix meins!
Kathi: Woow, du liest Back 2 Good? staun ehrlich gesagt hab ich nie damit gerechnet, dass jemand auf die Links in meinem Profil klickt kicher Aber es scheint sich doch gelohnt zu haben! Vielen, vielen Dank für dein Lob, das rettet mir den Tag! Kerstin ist verplant? lol Guck dir doch mal Jenny an ;) Ich denke, keine meiner Heldinnen verkörpert eine richtige Mary-Sue...zumindest hoffe ich das schon mal Galgen knüpf, falls es doch net so ist Ich glaube, sonst müsste ich ja eh noch das "Romance" - Genre hinzufügen, aber das hab ich nicht wirklich vor ;) Vieeeeelen Dank für deine Review sich wie irre freu
Vier wie vom Blitz getroffen
Kapitel 1: Sightseeing
Ich weiß nicht, wie lange wir durch das Dickicht trotteten, aber meine Füße taten schon weh, als das Auto noch in Sichtweite gewesen war. Hätte ich nur meine ausgelatschten Turnschuhe auf die Party angezogen, aber nein, man musste ja so eitel sein und in edlen Stiefeln aufkreuzen...nun ja...aufgekreuzt waren wir ja nie so richtig. „Hattest du nicht gesagt, es wäre nicht weit?", fragte Jenny und ich merkte schon, wie ich Seitenstechen durch das ganze Bergangestolper bekam. „Denk mal an die neun Gefährten, die sind monatelang durch die Botanik gelaufen, ohne sich zu beschweren...", tadelte Corinna. „Na ja, aber gegen Ende hatten die ja ihre Pferde.", schnaufte Nora. „Frodo und Sam aber nicht", warf Corinna sofort ein.
„Sag mal, Corinna, was glaubst du eigentlich, zu welcher Zeit wir hier angekommen sind...ich meine...vor oder nach dem Ringkrieg?", fragte ich vorsichtig an, weil ich erste Befürchtungen hatte. „Krieg?", hörte ich Jenny entsetzt ausstoßen, aber wir ignorierten sie feierlich. Sie war wohl die einzige, die noch nicht das Buch vom Tollkühnen gelesen oder die drei Filme gesehen hatte. „Ich denke mal davor...Orks sind im Vierten Zeitalter eigentlich sehr rar geworden und die haben sich in Berge und Grotten verkrochen.", meinte Corinna, unser „Herr der Ringe" Mädchen für alles. „Viertes Zeitalter?", ächzte Jenny, aber wieder schwiegen wir. „Also bist du optimistisch, dass auch jemand Zuhause ist, wenn wir in Bruchtal an die Tür klopfen?", fragte Nora. Corinna drehte sich zu uns um und zuckte mit den Schultern: „Kommt drauf an, in welcher Welt und zu welcher Zeit wir wirklich hier sind." Jennys unwissender Blick brachte sie letztlich dazu, näher auf ihre Ausführungen einzugehen: „Wenn wir uns in der Filmwelt befinden sollten, sind wenigstens Elrohir und Elladan da, sind wir aber im Buch, könnten wir alt aussehen."
„Ich würde behaupten wollen, dass wir so oder so alt aussehen. Wenn wir schon nicht wissen, wie wir genau hier hergekommen sind, woher soll es dann ein Elb wissen? Ich sag dir, wenn uns einer sieht, wird er uns sofort erschießen, oder spätestens dann, wenn Jenny den Mund aufgemacht hat.", warf ich ein und kassierte einen empörten Blick von dem braunhaarigen Ungetüm. „Wieso denn das, hä?", schnaufte sie. Sonst hört Jenny ja nie zu, aber wenn man etwas gegen ihre Person zu sagen hatte, waren ihre Ohren größer als die von Roger Rabbit. Als keine nähere Erklärung von unserer Seite erfolgte, öffnete sie verärgert ihr Handtäschchen und zog ihre Pinzette heraus, um sich beim Wandern die Augenbrauen zu zupfen. „Jenny, lass das lieber, sonst stichst du dir noch ins Auge...oder zupfst asymmetrisch.", weissagte Nora. Jenny ließ sich nicht ins Handwerk pfuschen und ging ihrer Körperpflege nach, was unser Vorankommen extrem verlangsamte. „Wie finden wir eigentlich den Weg zu dem Auto zurück?", fragte sie dann an, als wir schon das Rauschen des Wassers vernahmen. „Ganz einfach, nun können wir ja der Spur deiner Augenbrauen folgen...", grummelte Corinna genervt. Gott, ich hatte jetzt schon Angst, dass wir einem Elben oder noch schlimmer – einem Gefährten über den Weg laufen könnten. Sauron wirkte gegen Jenny wie ein zahmes Schmusekätzchen. Ich schaute auf meine Uhr – natürlich stehen geblieben. Nora, die eine Zeigeruhr hatte, schaute gehässig zu mir herüber und wartete nur darauf, dass ich nach der Zeit fragte. „Es ist kurz nach Mittag, wenn sich meine Uhr nicht auch verstellt hat.", sagte sie dann, als ich ihr meinen bittenden Blick zuwarf. „Cool, vielleicht fangen wir dort ja auch ein Mittagessen ab.", rief Jenny begeistert und wäre in ihrer Unachtsamkeit beinahe einen Abhang hinuntergestolpert, direkt ins Wasser. Nicht, dass ich schadenfroh gelacht hätte, aber der Gedanke allein heiterte mein Gemüt ein wenig auf.
„Toll, und wie kommen wir übers Wasser?", beschwerte sich Jenny, die es verpönte, wenn auch nur 3cm ihres atomaren Schuhabsatzes nass wurden. „Durchwaten? Wir können's auch wie Jesus machen und drüberjoggen...hab dich nicht so, Jenny!", knurrte Corinna und war die Erste, die ins Wasser hüpfte.
Ohne zu zögern folgten wir ihr, Jenny natürlich als letzte und sich in meine Schultern krallend, im Sekundentakt Flüche ausstoßend, wie eklig das alles doch wäre und dass sie wieder heim wolle. Ich grinste nur und dachte mir ‚Wie gut, dass wir nicht in den Totensümpfen aufgewacht sind'.
Als wir ungefähr in der Mitte der Furt standen, das uns umgebende Gelände ausmachten und Jenny ausnahmsweise mal ruhig war, hörten wir plötzlich eine laute Stimme weiter flussabwärts rufen: „Wenn ihr ihn haben wollt, kommt und verlangt nach ihm!" Corinna, Nora und ich schauten sofort in die Richtung, als der die Stimme gekommen war. Ein weißes Pferd erhob sich auf die Hinterbeine und eine dunkelhaarige Elbe zog ein Schwert mit gebogener Klinge. Auf der anderen Seite standen die neun schwarz gekleideten Ringgeister, oder besser, die Pferde der Nazgûl standen und die Geister saßen drauf. „Das sieht nicht sehr nach Glorfindel aus", flüsterte ich den anderen zu. Corinna nickte nur tranceartig, als sich nun vollständig zu bestätigen schien, dass wir in Mittelerde gelandet waren. „Scheiße, da wisst ihr ja auch, was gleich kommt!", schrie Nora, als die trotteligen Ringgeister Anstalten machten, den Fluss zu überqueren. Ich runzelte die Stirn und Corinna murmelte: „Ja, sie spricht die elbische Formel und dann...o-mein-Gooooooott!", kreischte sie und verlor keine Zeit, hechtete wie verrückt durch das Wasser, um schnellstens das andere Ufer zu erreichen. Panisch folgten Nora und ich, nur Jenny blieb irritiert und entsetzt die Ringgeister anstarrend stehen. Hätte Nora sie nicht im letzten Moment am Jäckchen gepackt und mit sich gezerrt, wäre Jenny von der Bruinenfurt fortgeschwemmt worden wie ein kleines Stück Wellpappe. Stöhnend warfen wir uns an das pampige Ufer und sahen bestürzt, wie die Flut die Nazgûls wegriss und Arwen etwa 400 Meter entfernt Klein-Frodo sacht ablegte und gerade um ihn weinte. Wie im Film. Aber wir waren doch nicht im Film mit eingeplant gewesen!
„Igitt, seht euch mal diese Scheiße an!", plärrte Jenny und deutete auf ihre schlammverzierte Jacke aus Imitatleder. „Das ist keine Scheiße, sondern Matsch und ich würde sagen, ich falle gleich in Ohnmacht, wenn mich nicht bald jemand kneift und ich in meinem Bettchen aufwache!", brabbelte Nora. Schön. Jetzt drehten schon 2 durch.
„Kommt schon, ruhig bleiben, jetzt wissen wir wenigstens, dass wir noch vor der Ratssitzung in Mittelerde sind und das heißt, dass jemand Zuhause ist, uns nen Tipp gibt, wie wir wieder abhauen können, bevor irgendetwas Wichtiges passiert.", wollte uns Corinna aufheitern, was ein bisschen – aber nur ein gaaaanz kleines bisschen – in die Hose ging. Ich strich das durchnässte, dunkelblonde Haar aus meinem Gesicht und wrang den klatschnassen, dunkelgrünen Schal aus, den mir Nora einst zu Weihnachten geschenkt hatte. Sie hatte damals mit weißer Wolle ein Elbenblatt hineingehäkelt, falls wir also auf schießwütige Elben treffen würden, ahnten sie zumindest anhand des Elbenzeichens, das ich nicht ganz freiwillig trug, dass wir nicht feindlich waren, sondern uns nur äußerst daneben benahmen.
„Lasst uns gehen, es ist nicht mehr all zu weit", seufzte Corinna und begann, die steinerne Anhöhe zu erklimmen. „Was meinst du, was Elrond mit uns machen wird? Ich meine, der wird uns doch nicht sehen und sagen: ‚Ach, ihr seid's, wartet, ich weiß, wie ihr wieder in eure Zeit zurückkehrt!´", fragte ich zaghaft an. Der Gedanke allein, dem Elben zu begegnen, über den ich mich so sehr mit Nora lustig gemacht hatte, verunsicherte mich ein wenig. Ich dürfte wegen seinem Stirnreif und den netten Schleifchen im Haar auf keinen Fall lachen. Das würde noch ein harter Kampf werden.
„Keine Ahnung. Elben sind aber gastfreundlich, deswegen denke ich, dass wir uns ne Weile in Bruchtal aufhalten können, bis wir eine Lösung haben", meinte Nora, die im Grunde nur darauf versessen war, Aragorn mal zu treffen. Ich hoffte, wir würden von hier verschwinden, ehe der Waldläufer mit dem seltsamen Bart eintraf. „Und die werden uns nicht gefangen nehmen oder so?", wollte Jenny wissen, die immer noch angeekelt den Dreck von ihrer Kleidung wischte. „Jenny, das sind Elben, keine Indianer auf Kriegsfuß. Elben sind sehr tolerant...trotzdem sollten wir es nicht übertreiben und so unauffällig wie möglich sein."
Als Corinna das sagte, lachten wir drei Mädels sofort los. Nicht auffallen? Kein Problem. Wir sahen alle sehr altertümlich oder gar elbisch aus mit der Pampe im Gesicht, dem CD-Player in der Handtasche und den Glitzertops unter der Jacke. Nun ja, wenigstens versuchen sollten wir es.
Ich fror, als hätte ich zwei Stunden nackt in einer Kühltruhe zugebracht und auch an Noras blauen Lippen erkannte ich, dass ich da nicht allein war mit meinen Frostbeulen. „Nora, sag mal, kannst du wirklich niemanden von deinem Handy erreichen?", wimmerte Jenny los und meine Leidensgenossin funkelte das braunhaarige Etwas genervt an: „Nein. Kein Netz. Oder hast du schon mal von einem Mobilfunkanbieter in Mittelerde gehört? oder was? Ein T-Punkt in Rohan?", O Gott, ich wartete darauf, dass ein Äderchen in ihrem Auge platzte und sie von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde mutierte, „Begreif's doch endlich – wir sind am Arsch der Welt. Selbst wenn ich anrufen könnte, was sollte ich sagen? ‚Hi Mum, ich komm später zum Abendessen, häng noch n bisschen in Mittelerde ab'?" Corinna und ich tauschten verängstigte Blicke und Jenny schaute beleidigt in die Ferne, tippte mit ihren überdimensional langen Fingernägeln auf dem eigenen Handy rum.
„Seht euch doch mal die wundervolle Landschaft an.", versuchte ich kläglich abzulenken, „Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabeihab."
Plötzlich löste sich die beleidigte Miene aus Jennys holdem Antlitz und sie kramte in ihrer Tasche herum. Halleluja, ich hatte es geschafft. Würde mich sofort bei den Pfadfindern anmelden, wenn wir wieder zu Hause waren – jeden Tag eine gute Tat. Doch dann sah ich erst, was Jenny da herauskramte – es war ihr Fotoapparat und ein Zehnerpack Filme. Jenny hatte doch wirklich vorgehabt, peinliche Fotos von uns auf der Party zu schießen. Jetzt würde sie peinliche Fotos von uns in Mittelerde knipsen können. „Ich glaub das nicht, du hast nen Fotoapparat mitgeschleppt?", rief auch Corinna mit einer Mischung aus freudiger Überraschung und blankem Entsetzen aus und selbst Noras Zorn gehörte nun der Vergangenheit an. Wie japanische Touristen knipsten wir die hohen, bewaldeten Berge nahe Bruchtal. „Du darfst aber keinen Elben oder so fotografieren, Jenny!", warnte Corinna und die Angesprochene hob die frischgerupften Brauen. „Wieso? Springt da die Linse?" Wohl eher nicht.
„Nein, aber vergiss nicht, dass man so etwas in Mittelerde nicht kennt. Wir dürfen so wenig wie möglich von unserer Welt preisgeben, sonst wird Tolkiens Geschichte völlig verändert!", erklärte sie ihre Befürchtungen und ich stellte mir vor, wie Tolkien ein ganzes Kapitel vom „Herrn der Ringe" den Fotoapparaten in Bruchtal widmete und musste leise kichern.
Sofort trafen mich Noras strafende Blicke und sie knurrte: „Gib den Fotoapparat bloß nicht Kerstin, sonst schleicht sie sich in Legolas' Zimmer, fotografiert ihn in allen Lebenslagen und fragt ihn möglicherweise noch nach einem Autogramm!" Ich streckte ihr nur beleidigt die Zunge entgegen. Als ob ich so etwas jemals tun würde!
O.o
Bis wir uns aus dem brüchigen Tal gekämpft hatten und vor den Toren von Herrn Elronds Zuflucht standen, vergingen Stunden. Das lag aber nicht nur daran, dass wir bereits fast den ersten halben Film verknipst hatten, sondern viel eher an unserem unrobusten Schuhwerk. „Hobbit müsste man sein", begann Nora zu philosophieren, „Dann hätte man nie Blasen an den Füßen."
„Ja", bestätigte Corinna, „Aber man hätte Dreckklumpen in den Fußhaaren"
„Igitt", plärrte Jenny und ich hielt ihr mit der Hand den Mund zu. „Sei ruhig, hörst du! So wenig auffallen wie möglich ist die Devise!" Nora wies Jenny noch an, so viel modernen Schnickschnack wie möglich in die Tasche zu stopfen und einen auf Wanderer zu machen. Als sie die Handtasche öffnete, lugte ich unauffällig hinein und entdeckte ihr Handy, den Fotoapparat, Kosmetikzeug, CDs, ihren CD-Player und ein Karaokemikrofon. Gott sei Dank waren wir nie auf dieser Party gelandet!
„Was hast du eigentlich nicht mitgenommen, Jenny? Den Fernseher, deinen Fön?", neckte ich sie und sie schaute mich erschrocken an. O nein. Jenny würde keine drei Tage ohne ihren Fön überleben. Was hatte ich nur gesagt? Ehe sie einen Schreckensschrei ausstoßen konnte, hielt ich ihr abermals den Mund zu und zerrte sie hinter mir her. Corinna schwenkte ihr Orkschwertchen fröhlich in der Luft umher und pfiff vor sich hin. Klasse. Warum hatte ich ihr nicht gleich auf die Stirn geschrieben: „Erschießt mich, ich bin ein Pseudo-Ork"? „Hoffentlich sind die wirklich so freundlich, wie ihr immer sagt. Ich hab Hunger, mir ist kalt, meine Füße tun weh, ich stinke und will schlafen", jammerte Jenny. Ich fragte mich, worin hier der Unterschied zu ihrem üblichen physischen Zustand bestand, sprach aber meine gemeinen Gedanken in Sorge um meine eigene Gesundheit nicht aus.
„Halt – keine Bewegung!", hörten wir plötzlich eine äußerst schöne, aber gleichzeitig aggressive Stimme von oben. Wir blieben stehen, als ob Mr. Freeze aus Batman mit seiner Eispistole auf uns geballert und uns sofort zu Eis verwandelt hätte. Ich schluckte und starrte wie die anderen tranceartig in die Richtung, aus der die Warnung gekommen war. Sechs Elben standen auf zwei Bäumen, die den Weg säumten und hatten ihre Bogen bis zum Anschlag gespannt, zielten mit ihren Pfeilen auf uns armselige Kreaturen.
„Verdammt, brauchen wir unseren Pass?", fragte Jenny panisch und wollte ihre Tasche öffnen, aber ich trat ihr rechtzeitig auf den Fuß, ehe die Elben sie in einen Kaktus verwandelt hätten...einen sehr eitlen Kaktus, wohlgemerkt. „Was?", keifte Corinna Jenny an und die Elben schauten uns misstrauischer als misstrauisch an. „Na einen Pass...soll das n Zoll sein? Ausweiskontrolle oder so?"
Jenny kam auf Ideen.
„Wer seid ihr, Fremde? Nennt eure Namen!", forderte ein Elb und seine grau-blauen Augen erfassten jede noch so kleine Bewegung. „Von wegen, die sind freundlich", motzte Jenny herum und ich schloss die Augen, rieb mir die Schläfen. „Sprecht!", rief ein weiterer Elb erbost. Herrje, wenn die alle so eine Geduld hatten, würden wir wirklich nicht lang in Mittelerde überleben. „M...Nnn...Nnnn", stammelte Nora und ich dachte schon, sie stünde kurz vor einem Lachkrampf oder müsse sich erbrechen, „Nora", brachte sie dann endlich hervor und die Elben runzelten die Stirn. „Corinna", warf die nächste im Bunde mutig ein und ließ lieber das Orkschwert fallen. „Kerstin", wisperte ich heiser und stieß die bockige Jenny an, auch ihren Namen zu nennen, ehe die Apokalypse über sie hereinbrach. „Jenny", knurrte sie. Da standen nun sechs Elben und schauten sich fragend an, ganz nach dem Motto: Was sind das denn für bekloppte Namen? Wenigstens hießen wir übersetzt nicht Sternendach, wie der Chef dieser Einrichtung.
Sie murmelten sich etwas auf elbisch zu und der eine deutete immer mit seinem gespannten Bogen auf Jenny, was mich geringfügig beunruhigte. „Warum trägst du ein Orkschwert mit dir herum?", fragte ein blonder Jüngling. (ok, in Wirklichkeit war er sicherlich uralt, aber er hielt sich recht gut über die Jahrtausende hinweg) Corinna, die es immer noch nicht fassen konnte, wahrhaftig vor Elben zu stehen, druckste herum: „Das...äh...nur ein Souvenir."
Wieder ein Stirnrunzeln von der gegenüberliegenden Fraktion. Sollte man nicht tun, so viel runzeln...da bekommt man nämlich welche lebenslänglich und das konnte bei den Elben noch eine sehr, sehr lange Zeitspanne umfassen.
„Souvenir?", wiederholte ein anderer mit einer seltsamen Aussprache und es dämmerte Corinna, dass die so was gar nicht kennen konnten. „Äh...nun...äh...", stammelte sie wieder und ich beschloss, ihr todesmutig zu helfen. „Wir haben einen im Wald erlegt und seine Waffe mitgeführt.", o Gott, was sagte ich da? Ich sprach mit Elben! Aaaaahhh! „Gar nicht wahr, ich hab ihn erlegt", beschwerte sich Jenny und ging mir fast an die Gurgel. „Und weshalb trägt sie dann das Schwert mit sich?", wieder der neugierige Elb. Fühlte mich langsam wie in einem Frage- und Antwortspiel. „Weil...weil Corinna unsere Anführerin ist!", rief Nora nicht minder nervös als ich. Na Prima. Wie froh ich war, dass sie nicht Jenny als unsere interne Chefin genannt hatte.
„Womit habt Ihr ihn erlegt?", fragte der Elb Jenny, die nur ihre Deospraydose zückte und ihm entgegenstreckte. Erschrocken zuckten die Elben zusammen, hatten wohl mit einer nuklearen Explosion gerechnet oder so. „Legt es nieder!", befahl der gestresste Elb mit den dunklen Haaren und Jenny seufzte entnervt, ließ die Dose fallen.
Wieder Stirnrunzeln, wieder elbisches Getuschel und zack – auf zur nächsten Quizfrage.
„Woher kommt ihr?"
Meine Güte, wonach würden sie dann fragen? Was unsere Lieblingsfarben waren?
Corinna: „Aus einer anderen Dimension."
Nora: „Aus der Zukunft."
Ich: „Aus einem Kaff bei Dresden."
Jenny: „Aus'm Wald."
Wir antworteten alle zugleich und alle nannten wir einen anderen Herkunftsort, sodass die langhaarigen Männer völlig verwirrt waren. Nun wurde auf mich der Pfeil gerichtet und ich schluckte schwer. Erneutes Getuschel und ich verlor bald die Geduld. „Hört mal, Jungs, wir wollen nichts Böses. Wir hatten einen Unfall, eine Orkattacke und eine Beinaheüberschwemmung an der Bruinenfurt. Alles was wir wollen, ist eine Herberge, nach der wir euren Herrn fragen wollen!", fasste Corinna zusammen. „Bitte...du musst bitte sagen, Corinna.", flüsterte Nora ihr zu. „Bitte", knurrte unser neu ernanntes Chefchen leise. Zwei der Elben sprangen nach weiterem Geflüster von den Bäumen und kamen direkt auf uns zu, immer noch mit gespanntem Bogen. Der eine stupste die Spraydose zaghaft mit dem Bogen an und zielte darauf, als das besagte Stück über den Boden kullerte. „Es passiert nichts, so lange du nicht auf den Sprüher drückst.", erklärte Jenny, „Oder gegen eine offene Flamme sprayst." Irritierte Blicke des Unverständnisses. „Führt ihr weitere Waffen mit euch?", fragte der andere, der neben dem Dosenfaszinierten stand. Ich fühlte mich ansonsten recht unbewaffnet und schüttelte mit dem Kopf, wie auch die anderen. „Folgt mir!", sagte der Elb abschätzend und deutete den anderen vier auf den Bäumen, gefälligst herunterzukommen und uns zu bedrohen, während wir den Weg hinaufgingen. Na das konnte ja noch spaßig werden... .
o.O
Wir wurden aufgefordert, in einer zugigen Halle auf Elrond zu warten und nichts zu berühren. Zwei Elben, bewaffnet aber nicht auf uns zielend (wie nett), passten derweil auf uns auf. Jenny, bald schon gelangweilt, machte Anstalten, in ihrer Tasche herumzufummeln und ich wisperte ihr zu: „Jenny, was machst du da schon wieder, kannst du nicht einmal einfach nichts tun?" Sie warf die braune, lange Mähne in den Nacken und sagte: „Ich will nur die Inneneinrichtung fotografieren, sowas muss man festhalten! Außerdem könnte ich mir vorstellen, meine Bude in dem Stil einzurichten. Solche Möbel gibt's bei Ikea nicht!"
„Mach das bloß nicht, solange die da rumstehen, die denken sonst, wir können zaubern und Blitze machen. Und sag mir nicht, dass du wie ein Schaschlik aussehen willst, nur weil du dämliche Fotos machen musst?", raunte Nora ihr zu. „Dämliche Fotos?", stieß Jenny empört aus und die Elben warfen sich besorgte Blicke zu, „Vorhin an diesem pampigen Ufer warst du noch hocherfreut, dass ich die Landschaft nun auf Bildern hab!"
„Ruhe, Jenny!", warnte Corinna. Jenny verdrehte die Augen und rieb sich über den Arm. „Warum zieht es hier nur so? Ich frier mir noch etwas ab", ich versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern, wann Jenny zum letzten Mal etwas gesagt hatte, das nicht einer Beschwerde gleichkam. Es gelang mir nicht. „Elben setzen keine Gläser in ihre Fensterrahmen", murrte Nora. „Und wieso nicht? Die müssen doch merken, wenn's schweinekalt wird!", zickte Jenny weiter.
„Weil sie im Einklang mit der Natur leben und den Bäumen gewähren wollen, frei zu wachsen. Das heißt, es kann gut sein, dass ein Knallerbsenstrauch halb ins Zimmer reinwuchert", erklärte Nora, so als ob sie alles brav auswendig gelernt hätte. Mmh. Jenny brummelte so etwas wie „Unsinn" in ihren nichtvorhandenen Damenbart und fuhr damit fort, an ihrem Arm herumzureiben. Ich stellte mir vor, wie ihre matschige Jacke durch die Reibung Feuer fing und ein seliges Lächeln ruhte auf meinen Lippen. „Warum braucht der Mann so lange?", fragte Nora, auf ihre Zeigeruhr guckend. „Er hat die ganze Ewigkeit Zeit, da wird er sich wegen uns bestimmt nicht beeilen", meinte ich und kurzerhand trat Elrond in die Halle, es war, als würde der Raum von einem hellen Licht erfüllt. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Jenny vergeblich die Wände nach Lichtschaltern absuchte, dann aber verwirrt feststellte, dass da keiner war.
„Willkommen in Bruchtal, Fremde!", sprach Elrond zu uns und Corinna verneigte sich höflich vor ihm. Wir drei schauten sie irritiert an und imitierten ihre höfliche Begrüßung, was nicht ganz so elegant aussah, weil wir a) auf wackeligen Schuhsohlen standen und b) ich mir persönlich das Lachen verkneifen musste.
„Danke, dass Ihr uns Einlass gewährtet, Herr Elrond!", sülzte Corinna in ihrem höflichsten, arschkriecherischsten Ton, den sie auf Lager hatte. Der Elb mit der seltsamen Frisur nickte und streckte den Arm aus, deutete uns, zu folgen. Jaja, diese Elben waren allem Anschein nach keine Freunde großer Worte. Wir folgten im Gänsemarsch, bestaunten die schmucken Schnitzereien zu beiden Seiten und fanden uns dann letztlich in einem wohltemperierten Raum wieder, den ich, hätte ein Fernseher drin gestanden, gern als ein Wohnzimmer bezeichnet hätte. „Was führt euch zu mir?", fragte Elrond, nachdem wir es uns bequem gemacht hatten. Mit kritischen Blicken beobachtete der Elbenfürst, wie Jenny ihre schlammbeschmierte Jacke auf seine seidenen Kissen warf. Er sagte aber nichts, schien wirklich sehr tolerant zu sein.
„Ich weiß nicht, ob Ihr es nachvollziehen könnt, was uns geschehen ist. Meine Freunde und ich kommen aus einer anderen Welt.", begann Corinna und als sie das mit der anderen Welt ausgesprochen hatte, fühlte ich mich wie ein kleines, grünes Marsmännchen, das zu Gast in einer Talkshow war.
Elrond hob die Brauen, musterte uns eindringlich nacheinander und sagte: „In der Tat habe ich noch nie jemanden wie euch zuvor erblickt." Ja, wann sah man denn schon 4 Irre auf einem Haufen, wenn man nicht zufällig in Mordor ein Picknick veranstaltete? „Wir wissen selbst nicht, wie wir hier her gelangt sind, aber wir vermuten, dass wir durch einen Blitzschlag in eine andere Dimension gerutscht sind...", Corinna hielt inne, schien wahrscheinlich gerade selbst zu merken, wie lächerlich sich das Ganze anhörte. „Du vermutest, dass wir durch einen Blitzschlag hier gelandet sind", knurrte Jenny, immer noch auf ihre Ufo-Version pochend. Elrond schien mir reichlich verwirrt zu sein, denn er stand auf und ging im Kreis. „Woher kennt ihr dann meinen Namen? Und diesen Ort?", fragte er. Toll. Wie erkläre ich einem Elben, dass es ihn in Wirklichkeit gar nicht gibt und er nur auf vergilbten und verklebten Buchseiten existiert? Am besten gar nicht.
„Nun...öh...", wollte ich mir was ausdenken, aber Corinna schien sauer zu werden, weil ich unwissendes Etwas das Wort ergriffen hatte. Unbeirrt fuhr ich fort: „Eure Welt ist uns wohlbekannt, weil wir von ihr...gelesen haben." Wieder ein Stirnrunzeln – ich konnte es nicht mehr sehen! Corinna sah mich an, als wolle sie mich mit ihrem nicht mehr ihr gehörenden Orkschwert verhauen, aber Elrond rettete mich, wenn auch unabsichtlich. „Ihr meint, ihr kommt aus der Zukunft?" Wir vier tauschten beratende Blicke und da wir es einstimmig für besser hielten, wenn Elrond an sowas glaubte, anstatt mit seiner Existenz als künstliche Figur konfrontiert zu werden, nickten wir zögerlich.
„Dann haben euch die Valar geschickt! Es ist kein Zufall, dass ihr am gleichen Tag wie Frodo in Bruchtal eintrefft...", er dachte nach, nuschelte etwas auf elbisch und strich sich über das bartstoppellose Kinn. „Äh...nicht direkt, wir sind nicht von...", wollte Nora einwerfen, der Böses schwante, aber Corinna hielt ihr den Mund zu und sagte: „Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas mit dem Ringträger zu tun haben, wir..."
Autsch! Elrond hatte nicht gesagt, dass Frodo den Ring bei sich trug. Argh! Corinna! Umso erfreuter faltete der Elb die Hände und sagte: „Das ist der Beweis dafür, dass die Valar euch schickten...dessen bin ich mir sicher..." Wir sahen ihn mit hochgezogenen Brauen an und er räusperte sich kurz, schien einen Moment lang anzuzweifeln, dass wir wahrhaft Götterboten waren. (was, meiner Meinung nach, durchaus berechtigt war) Dann aber kam Corinna endlich zum Punkt: „Die Sache ist die, dass wir nur hier hergekommen sind, weil wir dachten, dass Ihr uns helfen könntet, wieder in unsere Welt zurückzukommen!" Ein nervöses Lächeln unsererseits folgte, als Elrond uns wieder so grimmig beäugte.
„Es hat einen tieferen Sinn, dass ihr hier seid, dessen bin ich mir sicher.", murmelte er. Verdammt, was hatte er nur vor? „Nein, bestimmt nicht, wir wollen nur was essen, ein Bad und schlafen und dann wieder heim...ehrlich!", sagte Jenny. „Ihr dürft die Gastfreundlichkeit der Elben gern genießen.", lächelte er dann gütig. „Na ja...aber was ist denn nun mit unserem Ticket zurück?", fragte ich an und wollte mich im selben Augenblick schlagen, als ich Elronds Gesicht sah, das förmlich schrie: ‚Was ist ein Ticket?'
„Ich weiß nicht, ob ich euch helfen kann. Ich bin überzeugt davon, dass sich ein Weg finden lässt.", ich wollte schon jubeln, aber der Elb dämpfte meine Euphorie gehörig, „Dennoch gibt es zunächst Wichtigeres zu erledigen. Ein Krieg steht bevor und ehe der Konflikt mit Mordor nicht ausgetragen ist, kann ich mich nicht mit anderem beschäftigen!"
Toll. Sollte das heißen, wir würden in Bruchtal versauern, bis der dämliche Ring endlich ins Feuer geworfen wurde? Schön und gut, dass ich die Hausarbeitsabgabe verpasste, aber den ganzen Winter in einer zugigen Bude zubringen? Dann lieber in Englischer Literaturwissenschaft versagen! „Eure Gemächer werden euch zugewiesen. Ruht zunächst und erholt euch von den Strapazen eurer Reise." Mit diesen Worten wollte er schon aus dem Zimmer wandeln, aber Jenny konnte ihre Klappe natürlich nicht weit genug aufreißen: „Habt ihr ein Telefon hier?" Nora schlug fast vollautomatisch mit einem plüschigen Kissen auf Jenny ein, aber Elrond hatte ihre Worte bereits vernommen. „Telefon? Was ist das?", prima, jetzt setzte er sich auch schon wieder hin. Nichts war mit konspirativer Lagebesprechung unter 8 Augen. „Eine Art Palantir...", versuchte ich ihn abzuwimmeln und er schaute mich überrascht an, wie mein Professor, wenn ich mal eine Frage richtig beantwortet hatte. „Nur eben mit Audiofunktion.", winkte Nora letztlich ab und da Elrond nun noch weniger als Bahnhof verstand, nickte er nur unsicher und verließ mit jenen Worten den Raum: „Ruht euch aus. In den nächsten Tagen werden noch genügend Anforderungen auf euch warten!"
Wie bitte? Wir waren Gäste und sollten auch noch was dafür machen, wo wir schon den ultimativen Einblick in die moderne Welt lieferten? Klasse. Ich wusste doch, dass Bruchtal eine doofe Idee gewesen war. Warum hatte man uns nicht gleich vor Saurons Haustür abgestellt?
Als wir endlich unter uns in dem riesigen Raum waren, nahm die erste Panikwelle ihren Lauf. „Corinna, hast du das gehört? Der will uns hier behalten! Von wegen, er wird uns helfen. Wer weiß, was der sonst noch glaubt, wenn er uns jetzt schon für Boten der Valar hält!", regte ich mich entsetzt auf. „Was ist das, dieses Valardingsbums?", fragte Jenny. „Der Buddha der Elben", spöttelte Nora, nur um Jenny zum Schweigen zu bringen. „Woher sollte ich denn wissen, dass der gleich so abergläubisch ist? Tolkien hat davon nichts geschrieben!", wehrte sich Corinna derweil gegen meine Anschuldigungen. „Er hat auch nicht darüber geschrieben, dass ein Ork auf der Motorhaube von Jennys Ford rumtanzt!", merkte ich an und wir stießen verzweifelte Seufzer aus.
„Vielleicht sollten wir erst einmal abwarten", schlug Jenny vor, „Etwas essen, ein Bad nehmen und schlafen und dann sieht die Welt doch ganz anders aus."
Genau...abwarten und Tee trinken. Revolutionäre Idee. Warum teilte ich nur ihre Begeisterung nicht?
-TBC-
