A/N: Halli hallo :) Wow...mit so einem Reviewansturm hab ich nicht gerechnet umso mehr freu Vielen Dank! Entschuldigt mein etwas verspätetes Update, aber ich schlage mich momentan durch Univorbereitungen und hoffe, ihr habt etwas Verständnis!
Jathy lach du findest mich auch immer und überall! Mit dem Kaff bei Dresden meinte ich meine Heimat, nicht zwingend deine es sei denn, du wohnst im gleichen Ort wie ich, was ich aber zu bezweifeln wage ;) Freut mich, dass dir mein kleines verwirrtes Geschichtchen gefällt! Wie viele Kapitel? überleg gute Frage...ich kann mich da jetzt noch nicht so wirklich festlegen, aber mich sicher wieder in ein großes Projekt stürzen (kennst mich ja, kurze Sachen sind nix für mich). Ich hab deine Mail erhalten und werde hoffentlich Zeit finden, übers Wochenende zu antworten! Dankeschön für deine Review! freu
yumata Schweinerei, dass wieder mal Reviewkürzungen übernimmt...deshalb hab ich mich auch so lang von der Seite fern gehalten g Hihi, jaa, es war mir wichtig, wenigstens einen meiner Charaktere als HdR-Nichtswissenden darzustellen, allein das ist ja schon mal ne Grundlage für witzige Ereignisse :) Freut mich, dass dir Jenny gefällt und auch das erste Kapitel! Ich hoffe, du kannst weiterhin entspannt genießen! Vielen Dank für deine Review!
Halefa Uiiii, das freut mich aber, dass ich dich unter den Lesern entdecke freuhops Schön, dass dir die Idee und bisweilige Umsetzung gefällt! Und jaaa, ich wollte es genau zu Elronds Rat passieren lassen, auch wenn es klischeehaft klingen mag. Allein die Blitzsache ist ein Klischee im Fall von Real Person meets ME Stories...aber es ist immer eine Frage der Umsetzung, oder? ;) Danke für deine Review!
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Vier wie vom Blitz getroffen
Kapitel 2: (Un-)Glückszahl 13
Ich legte mich mit der Gewissheit ins Bett, durch meinen herzallerliebsten McDonalds Hühnchenwecker aus dem Schlaf gekräht zu werden und aus diesem Albtraum zu erwachen. Ich teilte mir ausgerechnet mit Jenny das Quartier. Wir hatten ein riesiges Doppelbett, als wären wir ein altes Ehepaar. Natürlich wollte Jenny links schlafen, sodass ich am, wohlgemerkt offenen Fenster, die Nachtruhe tätigen durfte. Nachdem wir also alle ein schönes Bad genommen und den Schlamm aus unseren Klamotten gewaschen hatten, kuschelte ich mich in meine Decken mit der Hoffnung, dass dies wirklich alles nur ein Traum war. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte, Mittelerde zu erkunden, aber der Gedanke daran, dass Elrond uns für irgendetwas Besonderes hielt (was wir definitiv nicht waren) und wahrscheinlich glaubte, wir wären potentielle Helfer im Ringkrieg, beunruhigte mich enorm. Nachdem ich mich auch am elften Morgen beim Aufwachen in Bruchtal neben einer schnarchenden Jenny wieder fand, versiegte meine Hoffnung auf einen blöden Albtraum. Oder es war ein XXL Extended Albtraum. Hm.
Wir verbrachten die Tage in Bruchtal mit Fotografieren (natürlich nur, wenn wir ausnahmsweise mal nicht misstrauisch beäugt wurden), Fassungslosigkeit und dem Anbetteln von Elrond, uns doch bitte zu helfen. Aber er blockte immer wieder ab, machte darauf aufmerksam, dass die Valar eine wichtigere Aufgabe für uns parat haben mussten, wenn sie uns schon auf solch eine ungewöhnliche Weise aus der Zukunft hier herschickten. Toll. Die Valar waren also dämliche Blitze, die zum falschen Zeitpunkt in die falschen Gegenstände einschlugen. Wir benahmen uns so artig und unauffällig wie möglich und versuchten immer wieder, Anfragen auf die Zukunft auszuweichen. Es nahm alles halbwegs gut seinen Lauf, bis zu dem Tag, an dem Elrond seine kleine Ratsparty veranstalten wollte... .
O.o
An dem Tag vor der größten Katastrophe, die wir Vier jemals hätten einleiten können, kamen viele Gäste nach Bruchtal. Den ganzen Morgen lang grinste ich schon dümmlich vor mich hin, weil ich wohl endlich auf Legolas treffen und ihm unendlich viele Fragen stellen würde. Ich weiß nicht, wie oft mich Nora böse anguckte oder mit Hieben auf den Hinterkopf bestrafte, aber sie lief zur allgemeinen Höchstform an diesem Tag auf. Bisher hatten wir schließlich nur Bruchtalelben gesehen, weil Corinna uns doppelt und dreifach verbot, Frodo und den anderen Hobbits einen Besuch abzustatten. „Wir warten, bis die Gemeinschaft verschwindet und dann nerven wir Elrond wegen unserer Rückkehr.", hatte sie immer wieder gesagt. Sie kannte uns wirklich schlecht, wenn sie glaubte, dass wir unsere Helden, ohne wenigstens einen klitzekleinen Blick drauf zu werfen, gehen lassen würden.
Aber sie hatte Recht – in Elronds Rat durften wir uns nicht einmischen. Dumm war der Moment nur, als Elrond uns gegen Mittag aufsuchte und uns bat, vollzählig in seinem Studierzimmer zu erscheinen. Wir dachten schon, er wäre endlich zur Vernunft gekommen und würde uns zeigen, wie wir wieder in unsere Heimat kommen könnten, aber nix da.
„Habt ihr euch gut erholt?", fragte er höflich und mit ruhiger Stimme. „Ohhhh jaaaa", seufzte Jenny und räkelte sich auf ihrem Sessel. Für sie glich der Aufenthalt in Bruchtal einem Besuch bei einer Beautyfarm und wir glaubten immer noch nicht, dass sie verstand, in welcher Zwickmühle wir uns wirklich befanden. Elrond zog die berühmte Braue hoch, verkniff sich aber einen Kommentar. An Corinna gewandt fuhr er fort: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn ihr euch morgen in meinem Rat einfändet. Nur wenige Gäste sind geladen und ihr besäßet die Ehre, ebenfalls teilzunehmen." Corinna, Nora und ich schluckten, tauschten fragende Blicke, während Jenny sich nie Nägel feilte. „Nun ja...es ist eine große Ehre, ehrlich.", begann ich und Corinna schenkte mir ihren „Wir-dürfen-die-Geschichte-nicht-verändern" – Blick, sodass ich schnell hinzufügte: „Aber ich denke, dass der Rat nur den schriftlich geladenen Gästen bestimmt ist." Was laberte ich denn da für einen Unsinn? Frodo hatte sicherlich auch keine vorzeitige SMS auf der Wetterspitze bekommen à la: „Hey, Kleiner, kommst du bitte zu meinem Rat? Und vergiss den Ring nicht!"
Deswegen grummelte mich Nora wieder von der Seite an und Elrond runzelte seine Stirn. Schien eine allgemeine Marotte in Bruchtal zu sein. Oder wohl eher an unserer Anwesenheit zu liegen. „Äh, wie Kerstin schon sagte…", lenkte unsere provisorische Anführerin ein, „…wir haben keinen Einblick in die Problematik des Mordorkonfliktes und deswegen halte ich es für nicht sinnvoll, uns teilnehmen zu lassen."
Mordorkonflikt. Cool. Corinna kam auf Begriffe. Sie hörte sich schon an wie eine Auslandskorrespondentin, die vom Irakkonflikt in den 6Uhr-Nachrichten erzählte. Aber wieder hatte sie sich verquatscht, denn wenn wir wirklich aus der Zukunft kamen, wie auch Elrond mittlerweile glaubte, und selbst von Bruchtal gelesen hatten, kannten wir auch so eine Kleinigkeit wie den Mordorkonflikt. „Ich möchte alle Gäste über die derzeitige Lage unterrichten, daher könnt auch ihr ruhigen Gewissens teilnehmen. Wenn ihr zudem aus einer zukünftigen Welt stammt, wie ihr mir sagtet, könntet ihr für uns eine große Hilfe darstellen", sagte Elrond. Au weia! Hätten wir uns nur blöd gestellt und so getan, als hätten wir nie etwas von Elben oder ähnlichem Zeug gehört. Wir sanken immer tiefer in unser überdimensionales, uferloses Fettnäpfchen. „Ich bitte euch höflichst darum, an der Sitzung teilzunehmen.", sagte er noch einmal mit Nachdruck und hätte er so etwas wie einen Hundeblick gekannt, hätte er ihn mit Sicherheit in diesem Moment aufgesetzt. „Nur dabeisitzen?", fragte Nora, „Und zuhören?" Elrond hielt kurz inne, konnte nicht verstehen, warum wir so verstört reagierten. Alle anderen, die er gebeten hatte, in Bruchtal zu erscheinen, waren höchsterfreut gewesen und hatten sich geehrt gefühlt. Ich merkte an seinem Gesichtsausdruck, dass ihn unsere abwehrende Haltung beleidigte und ich beugte mich zu Corinna herüber und flüsterte ihr ins Ohr: „Hör mal, wir müssen nur rumsitzen und so tun, als hätten wir keine Ahnung von nichts, also sag schon ja, ehe er stinkig wird und uns seine Hilfe verweigert."
Jenny sah interessiert zu uns herüber, schien wohl langsam aus ihrer rosa Wolke herabzusteigen und mitzubekommen, worum es eigentlich ging. „Eine Sitzung? Och nee, das ist doch langweilig, ich wollte morgen eigentlich..." Mein bitterböser Blick und Noras unterschwelliges Knurren ließen sie verstummen. „Nun gut. Wenn es Euer Wunsch ist, dass wir bei Eurem Rat anwesend sind, so werden wir Eurer Bitte nachkommen.", sprach Corinna und es fehlte nur noch, dass sie Elrond wie ein Kardinal ihren Ring hinhielt, damit er ihn küssen konnte. Moment – Ring! Bestürzt sah ich auf meinen Zeigefinger, auf Corinnas Zeigefinger und auf Noras Mittelfinger. Wir drei trugen silberne Duplikate des Einen Ringes. Schreck lass nach, wenn Elrond das mitbekäme. Sogleich legte ich meine rechte auf die linke Hand und stieß Nora räuspernd an und deutete auf ihren Finger. Unverständlich und schon wieder böse werdend blickte sie mich an und ich hätte wohl eher eine Riesenleinwand aufbauen müssen, auf der „Der Ring, der Ring!" stand, bis sie endlich verstand, was ich meinte.
Glücklicherweise schien Elrond mit den Gedanken woanders zu sein, denn er wandelte zu seinem Balkon und sagte zu uns: „Ich berufe den Rat morgen ein. Ich bitte euch nun, euch zurückzuziehen, ich muss noch etwas mit Gandalf dem Grauen besprechen."
Wir gehorchten mit dem größten Vergnügen, denn es war jedes Mal eine Herausforderung, sich nicht zu verquatschen. Kaum hatte ich die Tür hinter uns geschlossen, sprach mich Nora auf meine seltsamen Anwandlungen an: „Sag mal, was sollte das da eben? Weiter daneben kann man sich ja nicht benehmen!"
„Mensch, ich wollte euch nur darauf hinweisen, dass wir drei den Einen Ring tragen. Elrond würde schön blöd aus der Wäsche gucken, wenn er die Teile an unseren Fingern sähe. Vielleicht hielte er uns dann nicht mehr für Gesandte der Valar, sondern für Spitzel aus Mordor!", klärte ich auf und Corinna und Nora schauten bestürzt auf ihre Finger. „Meinst du, er hat schon Wind davon bekommen?", fragte unsere Alibi-Chefin sichtlich schockiert. „Glaub ich nicht. Sonst hätte er uns drauf angesprochen", murmelte ich. „Hoffen wir es mal...und hoffen wir mal, dass unsere Ringe nicht auch die Nazgûl rufen oder noch schlimmer – Sauron.", fiel Nora in ihrer Panik ein. „Jenny, sind wir unsichtbar?", fragte Corinna weniger verängstigt und das verwirrte „Häää?" von Jenny wiegte uns in der Sicherheit, dass wir materientechnisch voll anwesend waren. „Da hast du's, unsere Ringe haben keinerlei magische Fähigkeiten. Wir sollten uns in unsere Zimmer zurückziehen, bevor wir noch einem Gefährten über den Weg laufen!", warnte Corinna und ich grinste wieder vor mich hin, sodass mir Nora gegen das Schienbein trat. „Reiß dich bloß zusammen!", muffelte sie und zerrte mich mit sich. Cool. Zumindest bei Elronds Rat würde ich den blonden Schönling mal zu Gesicht bekommen. Ein aufheiternder Gedanke, wenn man bedachte, dass wir ansonsten auf keinen Fall in das Geschehen im „Herrn der Ringe" eingreifen durften.
Blöd nur, dass, genau in dem Moment, als wir die Halle verließen, die Elben aus Düsterwald mit ihren Pferden in Bruchtal eintrafen und so ziemlich direkt vor uns von den Rücken der Tiere sprangen. Scheiß Timing. Ich grinste nur zu Corinna und Nora hinüber, die der Verzweiflung nahe waren. Jenny musste natürlich gegen das oberste Gebot verstoßen und holte ihren Fotoapparat heraus, fotografierte zwei Elben, die neben Legolas standen und irgendetwas mit ihm besprachen. Bescheuerterweise hatte sie das Blitzlicht nicht ausgeschaltet und so zückten die drei Elben erschrocken ihre Bogen und hatten im Bruchteil einer Sekunde die Pfeile auf die Sehne gelegt und uns im Schussfeld fixiert. „Oooohhhh Jenny!", rief Corinna laut aus und legte die Hand über ihre Augen. Legolas schien der verwirrteste unter den Elben zu sein, was ich schon wieder extrem anbetungswürdig fand und ich war kurz davor zu lechzen, obwohl er gerade auf mich zielte. Live sah er noch besser aus als auf Leinwand oder Postern. Nora stieß mich mit dem Ellenbogen an. Jenny verstaute den Fotoapparat in ihrem Täschchen.
„Was war das? Wer seid ihr?", fragte Legolas und ich glaubte mittlerweile, dass es in der elbischen Natur lag, Fragen zu stellen. „Ach...das war nur...äh...", stammelte Corinna und wir drei grübelten darüber nach, wie wir das Blitzlicht und den komischen Kasten erklären konnten. „Zumindest keine Waffe.", sagte ich mit Betonung auf keine. „Was halten diese Spitzohrigen nur immer für Waffen? Erst mein Deospray und nun mein Fotoapp..." Ich trat Jenny so fest auf die Stöckelschuhe, dass mein Fußabdruck noch deutlich darauf zu erkennen war. Die Elben tauschten beunruhigte Blicke, aber zumindest runzelten sie nicht die Stirn. „Wer seid ihr?", fragte Legolas wieder und ich hatte ein ultimatives Déjà-vu.
„Willkommen, Legolas, Sohn des Thranduil.", hörten wir plötzlich Elronds ausnahmsweise mal willkommene Stimme hinter uns. Legolas betrachtete uns und unsere komische Kleidung mit zusammengekniffenen Augen, ehe er langsam den Bogen senkte, was ihm seine Kameraden gleichtaten. Der Elbenprinz und seine Gefährten begrüßten Elrond auf eine Weise, wie ich sie von den Amerikanern kannte, wenn sie ihre Nationalhymne sangen. Hand aufs Herz und Augen zu. Ok. Aber die Amerikaner verbeugten sich nicht leicht und schoben ihren Arm nicht wie einen vollautomatischen Lastkran zur Seite.
„Dies sind meine Gäste – Nora, Corinna...Jen...ny...und...", der Elbenfürst versuchte, sich unsere seltsamen Namen ins Gedächtnis zu rufen, aber ihm fiel natürlich meiner nicht ein. Argh! Und das ausgerechnet, wenn der leckerste Elb von ganz Mittelerde vor mir stand. Peinlich. „Kerstin", knurrte ich bitterböse. Legolas und Co musterten uns, was ziemlich unangenehm war, weil ich mir vorkam, als hätte ich nichts an.
„Verzeiht unsere Reaktion", sagte Legolas endlich, uns auf die gleiche Weise wie Elrond begrüßend, was wir Tai-Chi-mäßig nachzumachen versuchten, kläglich aber daran scheiterten. „Aber wir fühlten uns...bedroht durch...dieses...", er presste die Lippen zusammen und stierte auf Jennys Tasche. „Schon gut", warf Corinna gleich ein, damit wir nicht wieder in die Situation kommen mussten, Begriffe zu erklären. „Ihr tragt sonderbare Gewänder. Und ebenso ungewöhnliche Namen. Woher stammt ihr?", fragte er weiter. Aaah, nicht schon wieder. Wir hatten uns doch immer noch nicht auf einen Herkunftsort einigen können!
„Aus...", begann ich mit gespitzten Lippen und er schaute mich erwartungsvoll an, sodass ich bei diesem göttlichen Anblick erstrecht kein Wort herausbekam. „Aus einem fernen Land.", antwortete Elrond für uns und dankbar atmeten wir fast gleichzeitig aus, „Doch dies will ich Euch zu einem gegebenen Zeitpunkt näher erklären.", sagte Elrond abschließend und deutete den Elben mit seinen Armen einladend, die Halle zu betreten. Legolas sah uns ein weiteres Mal komisch von der Seite an und ich war mir sicher, dass er mehr als misstrauisch uns gegenüber sein würde. Ich sollte wohl wirklich die Frage nach einem Autogramm ihm gegenüber stecken lassen... .
o.O
Die Nacht war über Bruchtal angebrochen und helle Sterne waren am Himmel zu sehen, kein Wölkchen trübte ihr silbernes Licht. Ich lehnte am Rahmen meines Fensters und schaute hinaus, der dämliche Wind brachte meine Haare ganz durcheinander, sodass ich ständig damit beschäftigt war, sie hinter meine Ohren zu streichen. Wir hatten ein Zimmer mit sehr nettem Ausblick. Von hier aus hatte ich am Tage die Ankunft der Zwerge beobachtet und ich konnte mich davor hüten, die grummelnden Kleinwüchsigen zu begrüßen. „Was soll ich nur anziehen?", durchbrach Jenny mal wieder die angenehme, abendliche Stille. „Was?", ich wand mich genervt um und erblickte das chaotische Geschöpf vor dem Schrank, in dem unzählige Tuniken und Gewänder hingen.
„Na morgen...bei diesem Rat. Was soll ich nur anziehen?" Schön. Jennys größte Sorge waren ihre Klamotten, wohingegen ich mich fragte, wohin das alles noch führen würde. „Wie wär's, wenn du deine Partyklamotten wieder anziehst. Sauber sind sie ja.", schlug ich vor. Ich trug seit unserer Ankunft meine Jeans und mein T-Shirt mit einem Teufelsgummibärchen drauf, dessen Augen im Dunkeln leuchteten und hatte keinen Bedarf, herumzurennen wie ein Römer (zumal mich das an die Arbeit über den lateinischen Sprachenursprung erinnerte, die ich am Mittwoch schreiben müsste...aber hey, ich war ja schon über ne Woche hier). „Hey, ich will doch nicht rumrennen wie ein Penner.", Jennys typische Antwort. „Ist doch egal, wir werden morgen eh nur dumm herumsitzen, zusehen, wie die ihre Gemeinschaft formen und dann solange auf Elronds Nerven gehen, bis er sich dazu durchringt, uns nach Hause zu teleportieren.", seufzte ich und schaute weiter aus dem Fenster. Schade war es schon, wieder wegzumüssen, aber Corinna hatte Recht – zum einen konnte uns wirklich etwas zustoßen und zum anderen hätten wir wahrscheinlich einen miesen Einfluss auf die Geschichte. „Du willst nicht weg, hm?", hörte ich plötzlich Jenny sagen. Super, sie hatte ihr „Mrs. Verständnisvoll – Tonband" aufgelegt.
„Nun ja...Bruchtal ist wirklich schön und es ist irre, die Charaktere dieser wunderbaren Geschichte in Wirklichkeit zu sehen...aber das ist hier nicht unser Platz.", sagte ich und wurde ganz traurig. Warum hatte Tolkien nicht die vier bekloppten Mädels erwähnt, die in Bruchtal herumspringen? Ganz einfach – Weil der Mann nicht betrunken gewesen war, als er das Buch schrieb. „Mmh...", machte Jenny und ich dachte schon fast, sie würde sich ernsthaft meiner annehmen, aber ihre Frage schmetterte mich nieder: „Hast du noch irgendwelche Klamotten mitgenommen?"
Ich seufzte. Wir wollten auf eine Geburtstagsfete gehen und nicht nach Mozambique auswandern. Ich schüttelte also mit dem Kopf und sagte: „Ich hab nur das, was ich gerade trage, meine Jacke, meinen Schal und die Norwegermütze..."
Aus den Augenwinkeln sah ich Jenny, wie sie sich daran machte, nach dem besagten Stück in meiner Tasche zu wühlen, aber ich knurrte nur: „Wie soll das aussehen, wenn du mit der Mütze bei Elrond im Rat sitzt? Man nimmt dich dann noch weniger ernst als ohnehin schon." Beleidigt ließ sie von meiner Tasche ab und schnappte sich ein Leinentuch aus dem Schrank. „Was jetzt? Machst du dir einen Turban daraus?", ächzte ich, aber sie streckte mir die Zunge entgegen und zischte: „Nein, ich will nur baden gehen." Ich zog die Brauen hoch: „Schon wieder?" Unsere brünette, verrückte Freundin schwenkte ihr großes Haupt in meine Richtung und sah mich beleidigt an: „Ich achte wenigstens auf meine Hygiene." Was war das denn für ne Anspielung? Stank ich? Als sie den Raum verlassen hatte, schnüffelte ich unauffällig an meiner Kleidung. Nein, ich stank nicht. Aber Jenny war eben eine Badewannenfetischistin. Was sollte es auch – war ja Elronds Wasser, beziehungsweise das aus der Furt. Gerade als ich den schönen Elbengesang genoss, der die nächtliche Stille sanft durchbrach, wurde die Tür grob aufgerissen und Nora stand auf der Schwelle. Nicht einmal in Bruchtal hatte man seine Ruhe. „Kommst du noch n bisschen mit raus? Ich wollte einen kleinen Spaziergang machen." Nora und einen Spaziergang machen? Freiwillig? Da war doch was faul dran. „Weiß nicht...bin müde."
„Och Kerstin, komm schoooon", jaulte sie und umklammerte zwei Sekunden später meinen rechten Arm. Manchmal kam ich mir wie eine Kindergärtnerin vor. „Na meinetwegen", seufzte ich, zog schnell meine Jacke über und folgte ihr nach draußen. Bruchtal glich einem überdimensionalen Gewächshaus, hier und da und dort wuchsen die exotischsten Sträucher, die ich je zu Gesicht bekommen hatte. Nora und ich redeten nicht viel miteinander, wir streiften einfach nur gemächlich durch den riesigen Garten und genossen die friedliche Atmosphäre. Schade, dass es Bruchtal nur auf dem Papier gab. Es wäre der ideale Kurort gewesen. „Ähm...setzen wir uns?", fragte sie in dem gleichen verdächtigen Ton wie vorher. Ich, die sowieso gehfaul war, setzte mich neben sie auf eine steinerne Bank und schaute zu Nora hinüber. Sie starrte apathisch nach vorn und in ihren grünen Augen spiegelte sich das Mondlicht. Verwundert schaute auch ich nach vorn und sofort erkannte ich den Grund für Noras plötzliche Spazierfreude – nicht all zu weit entfernt von uns stand Aragorn mit Arwen auf der besagten Brücke und Arwen erzählte ihm wohl gerade, dass sie ihre Unsterblichkeit aufgeben würde. Wie im Kino. Nur unter freiem Himmel. Und ohne Popcorn.
„Nimm dir bloß nicht vor, ihn ihr auszuspannen, Nora. Dann änderst du die Story mehr als nur ein bisschen!", warnte ich vorausschauend und sie schaute mich finster an: „Ich bin doch nicht so wie du. Ich weiß, wo meine Grenzen sind!" Argh! Was war nur mit den Mädels los? Alle depressiv oder was? Die Erste ließ so etwas heraussickern, von wegen ich würde stinken und die nächste hielt mich für übermotiviert. Mal sehen, was sich Corinna noch einfallen ließ, um mich vollends fertig zu machen.
„Irgendwie schade, dass wir wohl schon in den nächsten Tagen von hier verschwinden werden, findest du nicht auch?", fragte ich dann leise und sie nickte. „Trotzdem müssen wir gehen. Die Begegnung mit Legolas war schon wieder zu viel. Wir können von Glück reden, dass er Jenny nicht erschossen hat!", sagte sie. „Glück?", wiederholte ich gemein grinsend und sie lachte laut los, sodass kurzzeitig Aragorn in das dunkle Gebüsch blickte, hinter dem wir lauerten und das Pärchen bespannten. Glücklicherweise hatte er uns nicht entdeckt oder ignorierte uns feierlich. Wir zwei blieben noch ein Weilchen sitzen, auch, als Arwen und Aragorn unlängst fort gegangen waren, blieben wir da. Es war der Zauber einer Märchenwelt, der uns in seinem Bann hielt. Und es fiel uns schwer, uns aus ihm loszusagen. „Lass uns gehen", murmelte ich schließlich und gemeinsam schlurften wir zurück in unsere Gemächer. Am nächsten Tag würden wir uns das Palaver im Rat anhören und dann wohlmöglich schon nach Hause düsen. Zumindest glaubten wir das alle.
O.o
„Fremde aus fernen Ländern, langjährige Freunde.", leitete Elrond die Besprechung am nächsten Morgen ein und blinzelte uns kurz an, als er den „Ferne Länder" Part sprach. Wo er Recht hatte, hatte er Recht. Jenny hatte sich doch noch von mir überreden lassen und sich kein außergewöhnliches Outfit herausgesucht. Erfolgserlebnis! „Ihr seid hergerufen worden damit wir auf die Bedrohung Mordors reagieren.", sprach er weiter und Corinna und ich tauschten allessagende Blicke. Eigentlich waren wir nicht hergerufen, sondern von einem Blitz hier herkatapultiert worden. Aber na ja, über so eine Kleinigkeit sieht man hinweg. „Mittelerde steht am Rande der Vernichtung." Immer dieser Optimismus, ich war schon im Film davon begeistert, aber live kam er noch depressiver rüber. Ich saß neben Corinna und Nora, Jenny ganz außen, fast neben Frodo. Wir hatten es nicht gewagt, mit irgendeinem der zukünftigen Gefährten zu sprechen, aber allein deren Blicke sprachen Bände. Stellt euch vor, wie ihr gucken würdet, wenn ein Elefant in einem rosa Tütü vor euch sitzen würde – so in etwa schauten uns Boromir, Aragorn und Legolas an. Gimli konnte ich von meinem Platz aus kaum erkennen. „Niemand kann dem entgehen.", fuhr Elrond fort und ich faltete unbemerkt die Hände. Wir konnten dem doch wohl entgehen, oder? „Ihr müsst euch verbünden oder ihr geht unter. Jedes Volk ist diesem Schicksal ausgeliefert - auf Gedeih und Verderb.", der ernste Blick des Elben streifte die Runde. Jenny langweilte sich schon wieder und pulte an ihren Fingernägeln herum. Die Feile hatte ich ihr vorsorglich abgenommen. Elrond musterte uns plötzlich, merkte wohl, dass wir nicht ganz bei der Sache waren und sprach: „Hole den Ring heraus…", als er uns noch kurz ansah, erschraken Corinna, Nora und ich, „...Frodo", endete er und ich glaube so ziemlich jeder, der anwesend war, konnte die Seufzer unserer Erleichterung hören. Legolas schaute langsam erbost zu uns herüber, weil er wahrscheinlich endlich als Erster mitschnitt, dass wir eigentlich total fehl am Platze waren. Nur betrübte es mich, dass er anscheinend gleich so ein schlechtes Bild von uns hatte. Ok. Es war das richtige Bild.
Der kleine Hobbit war derweil aufgestanden und hatte den Ring auf den kleinen Gartentisch gelegt, sodass alle wie gebannt auf den Ring und nicht mehr empört auf uns starrten. Jenny war drauf und dran, einzuschlafen, was ich durch heftiges Rütteln an ihrem Oberarm verhindern konnte. „Was denn?", fauchte sie mich an und ich wisperte ihr zu: „Wenn uns Elrond für Gesandte der Valar hielt, so hält er uns jetzt durch dein Benehmen für vollkommene Volltrottel!" Jenny wollte etwas zu ihrer Verteidigung vorbringen, doch Boromir bewahrte mich vor der nächsten Blamage: „Dann ist es also wahr..." Jenny schaute mich entsetzt an und flüsterte: „Wie meint er das jetzt...auf uns bezogen oder das Trara mit dem Ring?" Corinna führte nur ihre Hände an die Schläfen und zählte bis 99 und dann wieder rückwärts bis 0, um nicht auszuticken. Ein Raunen ging durch die Anwesenden, die Gott sei Dank viel zu sehr mit dem Ring beschäftigt waren, als mit Jennys blödem Gequatsche: „Das Verhängnis der Menschen", hörte ich jemanden von den Elben murmeln und dachte nur ‚Jenny ist wahrhaft ein Verhängnis', ehe Boromir weiter sprach: „In einem Traum sah ich den östlichen Himmel sich verfinstern, doch stand im Westen noch ein bleiches Licht. Und eine Stimme rief: "Das Ende steht bevor. Isildurs Fluch ist gefunden" Isildurs Fluch."
„Wer ist dieser Isildur, von dem er da redet?", versuchte Jenny halbwegs zu folgen und Nora bemerkte, dass nun auch Aragorn aufmerksam auf Jennys unhöfliches Verhalten wurde und streng zu uns schaute. „Der König von Gondor, der Sauron den Finger abgeschnitten hat.", zischte sie ihr zu und Elrond warf uns einen fragenden Blick zu. Er schien nicht mehr daran zu glauben, dass auch Jenny eine von den Valar – Gesandten war. Boromir lenkte Elrond von uns ab, indem er Anstalten machte, nach dem Ring zu greifen, sodass der Elbenfürst ihn harsch verwarnte. Weil er aber auch auf Elronds Ruf nicht reagierte, erhob sich Gandalf und ließ den Ringspruch in der schwarzen Sprache los. Der Himmel verfinsterte sich und ein schweres Dröhnen lag in der Luft. Hilfe, ich bekam wirklich Angst, was Jenny wieder klassisch zu dämpfen wusste: „Er hat ihm den Finger abgeschnitten? Aber warum denn?" Glücklicherweise waren die Elben damit beschäftigt, sich die Ohren zuzuhalten und die anderen starrten entgeistert Gandalf an. „Weil damit in der Nase gebohrt hat...Jenny, halt die Klappe!", meckerte nun auch Nora in leisem Ton.
Elrond ergriff wieder das Wort, sah sehr mitgenommen aus: „Niemals zuvor hat jemand gewagt Wörter in jener Sprache in Imladris auszusprechen." Ja, und ich glaube auch, dass noch niemand zuvor sich in Imladris so daneben benommen hatte, wie Jenny. Gandalf schwenkte seinen Zauberstab und murrte: „Doch bitte ich nicht um Entschuldigung, Herr Elrond. Denn die schwarze Sprache von Mordor wird vielleicht bald in allen Winkeln des Westens vernommen werden. Der Ring ist durch und durch böse." O nein, in allen Winkeln des Westens würde bald die Englische Sprache der Angelsachsen zu vernehmen sein, aber ich unterließ diese kleine Berichtigung. Nora starrte Aragorn angespannt an, doch er verfolgte im Gegensatz zu uns Vieren die Unterhaltung interessiert. Boromir wollte es einfach nicht begreifen und warf erneut ein: „Er ist ein Geschenk. Ein Geschenk an die Widersacher Mordors! Warum sollen wir ihn nicht einsetzen? Lange hat mein Vater, der Truchsess von Gondor, die Mächte von Mordor abgewehrt, bei dem Blute unseres Volkes - eure Länder werden wir zu verteidigen wissen! Gebt Gondor die mächtige Waffe des Feindes. Lasst sie uns gegen ihn verwenden!" Besserer Vorschlag meinerseits – schickt Jenny zu Sauron und er kapituliert freiwillig! Ich wusste, dass Noras Herz gerade Überstunden machte, als nun endlich Aragorn zu Wort kam: „Du kannst ihn nicht einsetzen! Niemand kann das. Denn der Eine Ring gehorcht nur Sauron allein. Er ist es, der ihn beherrscht." Corinna schluckte schwer und ich sah, wie sie ihre Hand in ihrer Jackentasche versteckte.
Ich kratzte den eingetrockneten Schlamm von meinen Stiefeln und als ich aufsah, begegnete ich dem verwirrten und mutmaßenden Blick von Legolas. Sofort biss ich mir auf die Unterlippe und lehnte mich auf meinem Stuhl zurück, als ob nichts gewesen wäre. Und wieder rettete Boromir unwissend meine Ehre: „Ein Waldläufer versteht nichts von solchen Dingen.", knurrte er abwertend und zog nun auch den Zorn des Elben auf sich. Er sprang auf und sagte überaus wütend (was vielleicht auch an seinem Unverständnis unserer seltsamen Verhaltensweisen liegen mochte): „Er ist kein einfacher Waldläufer. Das ist Aragorn, Arathorns Sohn. Du bist ihm zur Treue verpflichtet." Ich nickte beipflichtend und verschränkte die Arme vor der Brust. Corinna stupste mich von der Seite an, endlich still zu sitzen und nicht so herumzuzappeln.
Der Sohn von Denethor, dem geistig verwirrten Truchsess von Gondor, hielt inne und schaute von Legolas zu Aragorn, der schon seufzend den Blick gesenkt hatte. Jenny, die das mitbekam, flüsterte Nora so etwas zu wie: „Geht ja ab wie in ner Daily Soap hier.", was Nora nur mit einem böswilligen Knurren kommentierte.
Boromir war in seiner Überraschung nicht von Jennys Getuschel ablenkbar und murmelte: „Aragorn? Das also ist... Isildurs Erbe?" Jenny wurde wieder hellhörig und schaute zu Nora herüber, die so tat, als existierte Jenny gar nicht. Leise flötete Corinna ihr zu: „Ja, Jenny, der Erbe von dem, der Sauron den Finger abschnitt." Fast übergangslos fuhr Legolas fort: „Und er ist der Thronerbe von Gondor." Anerkennend schaute Jenny zu Aragorn und Nora wäre am liebsten in den Tiefen des Erdbodens versunken. Die Verlegenheit teilte auch Aragorn mit ihr, wenn auch aus einem anderen Grund. „Havo dad Legolas!", sagte Aragorn nur.
Boromir knurrte: „Gondor hat keinen König. Gondor braucht keinen König.", was Nora durch ein lautstarkes, wenn auch unabsichtliches „Pöh!" kommentierte. Wieder trafen uns scharfe Blicke und Legolas sagte: „Verzeiht, Fremde, aber ihr habt noch nicht eure Meinung geäußert. Gern würden wir mehr von euch vernehmen, als nur Geflüster!" Oje. Er war noch sauer wegen Boromir, der ollen Stänkerwurst. Und wir verschlechterten seine Laune nur noch. Dummerweise schaute auch Elrond erwartungsvoll zu uns, sodass sich Nora räusperte: „Verzeiht, aber wir berieten uns nur über den Gedanken von Herrn Boromir. Auch wir sind einstimmig dagegen, ein böses Machtinstrument wie den Ring in unsichere Hände zu geben." Uff! Nora wollte Bonuspunkte bei Aragorn einsammeln, als wäre er die Tankstelle und sie hätte die Pre-Paid-Card dazu.
„In unsichere Hände?", Boromir war kurz davor, zu implodieren. Bevor die Situation eskalieren konnte, ergriff Gandalf das Wort: „Aragorn hat recht. Wie auch die mir unbekannten Damen.", ergänzte er ein wenig unsicher, „Wir dürfen ihn nicht einsetzen." Nora reckte stolz ihre Brust heraus und Corinna und ich ließen ein Stoßgebet los. Elrond nickte Nora zu, als würde er ihre Ansprache als Co-Oberhaupt unseres Chaotenvereins sehr begrüßen und sagte dann: „Es gibt nur einen einzigen Weg. Der Ring muss vernichtet werden." Boromir strich sich entrüstet durch das rotbraune Haar und ich verspürte Mitleid mit ihm. Schade, dass er unsere Welt nie erleben würde. Sonst könnte er sich den Einen Ring in allen möglichen Katalogen und Kaufhäusern erwerben. Endlich hörte ich auch mal Gimli sprechen, als dieser mit seiner Axt in der Hand aufsprang und rief: „Worauf warten wir dann noch?" In Windeseile hatte der Zwerg ausgeholt und drosch auf den Ring ein. Nur ging die Axt und nicht wie erwartet der Ring in Brüche. Irritiert lugte Gimli auf die Steinsäule und Elrond sah aus, als müsse er sich ein schadenfrohes Lachen verkneifen, als er sagte: „Der Ring kann nicht zerstört werden, Gimli, Gloins Sohn, jedenfalls von keiner Kraft die wir hier besitzen. In den Feuern des Schicksalsberges erschaffen, kann er nur dort vernichtet werden. Man muss ihn tief nach Mordor hineinbringen und in die feurige Kluft zurückwerfen aus der er stammt."
Jennys Augen weiteten sich, doch sie schwieg, wofür ich sehr dankbar war. Elrond sah in die Runde und ergänzte dann: „Einer von euch...muss das tun." Plötzlich herrschte eine Totenstille im Kreis und ich merkte, wie Nora leise vor sich hinkicherte. Schon im Film hatte sie diese Stelle äußerst ulkig gefunden, weil ihr die Szenerie von ihrem Deutschkurs bekannt vorkam. Die gleiche Reaktion herrschte nämlich, wenn der Lehrer fragte: „Wer will zuerst sein Gedicht vortragen?" Diesen albernen Gedanken trug sie schon Ewigkeiten mit sich herum und musste nun wahrlich Selbstbeherrschung vorweisen, damit wir nicht von der Besprechung ausgeschlossen wurden. Boromir, der ewige Erretter von uns, murmelte vor sich hin: „Man kann nicht einfach nach Mordor spazieren. Seine schwarzen Tore werden von Schlimmerem bewacht als Orks. Das Böse dort schläft niemals. Und das große Auge ist stets wachsam. Nichts weiter als karges Ödland. Übersät mit Feuer, Asche und Staub. Selbst die Luft die man atmet ist wie giftiger Dampf. Nicht mit zehntausend Männern könnt ihr das schaffen. Das ist Wahnsinn!"
„Das find ich aber jetzt auch!", musste Jenny zustimmen und ich konnte mich nicht entscheiden, mit welchem Gegenstand ich nun lieber auf sie eingeschlagen hätte: mit meiner Tasche oder meiner Norwegermütze! Umso entrüsteter sprang Legolas wieder auf und fauchte: „Habt ihr nicht gehört, was Herr Elrond gesagt hat? Der Ring muss vernichtet werden!" Ich hielt Jenny vorsorglich den Mund zu, aber Gimli gab meinem Lieblingselben den Rest: „Und Ihr haltet Euch wohl für den, der das tun soll?" Mmh...wenn ich mit Jenny fertig war, würde ich auch den Zwerg verhauen.
Und Boromir musste auch noch einen draufsetzen: „Und wenn es uns misslingt, was dann? Was geschieht, wenn Sauron sich zurücknimmt was ihm gehört?" ‚Wird er nicht, keine Sorge', dachte ich mir und hätte es in meiner Sorglosigkeit fast getan, wenn nicht Gimli schon wieder dazwischen geplärrt hätte: „Eher will ich sterben, als dass ich den Ring in den Händen eines Elben sehe!" Das war das Stichwort und alle, bis auf uns und ein paar weniger begeisterte Bruchtalelben, sprangen auf und laberten in ihrer Aufregung durcheinander. Corinna rieb sich die Schläfen, sodass ich fragte: „Kopfschmerzen?" Sie schüttelte mit dem Kopf und murrte: „Jenny."
Ich wartete, bis Frodo endlich aufspringen und dieses Herumgezicke beenden würde, was er auch prompt tat: „Ich nehme den Ring!", rief er und als ihn keiner so recht hören wollte, rief er mit Nachdruck: „Ich nehme den Ring!", sodass alle verstummten und den kleinen Hobbit überrascht anstarrten. Verunsichert schaute er jeden einzelnen, auch uns, an und wisperte kleinlaut: „Ich bringe den Ring nach Mordor. Obwohl...ich den Weg nicht weiß." Gott, live war dieser Ausspruch noch rührender als im Kino, wo man umringt war von popcornessenden und an Cola schlürfenden Leuten. Nicht nur mich schien der kleine Kerl zu berühren, wir hatten alle Vier Tränen in den Augen (obwohl ich ahnte, dass sich Jenny wieder einmal beim Herumpulen an ihrem Augen-Make-up in das Auge gegriffen haben musste).
Gandalf gesellte sich zu Frodo, fasste an dessen Schulter und sagte: „Ich werde dir helfen diese Bürde zu tragen, Frodo Beutlin, solange sie dir auferlegt sein mag." Corinna presste die Lippen zusammen. Auch sie schien daran zu denken, dass wir bald wieder heim mussten und nicht die ergreifende Reise der durchaus sympathischen Gefährten miterleben würden.
Nora atmete deutlich hörbar aus, als auch Aragorn an Frodos Seite trat, vor ihm niederkniete und sagte: „Sollte ich dich durch mein Leben oder meinen Tod schützen können, werde ich es tun. Du hast mein Schwert." Aaaaaahhhh...ich biss mir so stark auf die Unterlippe, dass sie schon wehtat. Legolas tat es seinem Menschenfreund gleich und sagte: „Und du hast meinen Bogen." Wir Vier hyperventilierten beinahe. Gimli konnte es nicht sehen, dass ein Spitzohr in die Gemeinschaft eintrat und kein Zwerg, also gesellte er sich, sehr zur „Begeisterung" von Legolas, zu den anderen mit den Worten: „Und meine Axt!" Ich hoffte, das Jenny aufspringen und sagen würde: „Und mein Deospray", aber daran schien sie nicht wirklich zu denken.
Elrond sah uns an. Ich weiß nicht, ob ein flehender Ausdruck in seinen Augen lag, oder ob es nur der Schmerz war, den er empfand, als Jenny mit ihren Stöckelschuhen seinen schönen Terrassenboden zerkratzte. Jedenfalls stand die Vernunft in Person – nämlich Corinna – auf und da sie ja als „Chef" für uns alle sprach, rief sie: „Auch die vier...äh... Wissenden werden dir zur Seite stehen." Die vier Wissenden? Meinte sie etwa uns? Extrem verwundert, weil sie ja immer darauf gepocht hatte, bloß nichts an der Geschichte zu verändern, sahen wir sie an, standen dann aber auf und stellten uns dazu, damit sie nicht all zu blöd alleine dastand. „Corinna, spinnst du?", flüsterte ich ihr zu und sie nickte nur, schien selbst zu begreifen, was sie da eigentlich getan hatte. „Die vier Wissenden?", hörte ich Gimli nur abfällig schnaufen und schloss die Augen, musste erst einmal tief durchatmen.
Boromir rief aus: „Aber das sind Mädchen...vier Mädchen! Wir können keine Mädchen mitnehmen. Mädchen sind viel zu schwach!" Corinna, emanzipiert wie keine andere, knurrte ihn an: „Bist du dir dessen bewusst, dass du eben 4x hintereinander ‚Mädchen' gesagt hast? Das nenne ich eine Wortwiederholung!" Ich tätschelte ihren Arm und grinste vor mich hin, als uns wieder alle ansahen. „Boromir hat recht, können sie denn kämpfen?", fragte Legolas, der uns wohl auch loswerden wollte. Von wegen, netter, charmanter Elb. Pöh! „Sie können euch eine große Hilfe auf eurer Reise sein, weil sie Kenntnis über Geschehenes und die Zukunft haben. Außerdem können sie kämpfen. Eine von ihnen hat einen wilden Ork erlegt.", sagte Elrond und ein Raunen ging erneut durch die Runde. „Zukunft?", wiederholten Frodo und Gandalf fast einstimmig und Elrond nickte. Der Sohn Denethors blitzte uns wütend an, sah dann aber zu Frodo hinab und sprach: „Du bestimmst unser aller Schicksal, kleiner Mann. Und wenn dies denn der Wille des Rates ist, so wird Gondor sich anschließen." Er stellte sich hinter mich und durchbohrte uns mit seinen abfälligen Blicken. Plötzlich schoss Sam wie eine Rakete aus dem Gebüsch hervor und stand in Null Komma Nichts neben Frodo und rief: „He! Damit das klar ist, ohne mich geht Herr Frodo nirgendwo hin!" Elrond schmunzelte und sagte: „Nein, fürwahr, es ist kaum möglich euch zu trennen, selbst wenn er zu einer geheimen Beratung eingeladen ist und du nicht."
Kaum hatte er das gesprochen, stürzten auch schon Merry und Pippin herbei und sagten: „He! Wir kommen auch mit!" O Gott...13 Gefährten. Auch das noch. Unglück würde über Mittelerde hereinbrechen! Aber Merry sagte gut gelaunt: „Oder ihr werdet uns in einem Sack verschnürt heimschicken müssen!" Weil sich Corinna das wieder bildlich vorstellen musste, grinste sie vor sich hin. Pippin musste natürlich auch seinen Senf dazugeben und sprach: „Wie dem auch sei, man braucht Leute mit Verstand für diese Abenteuer... was auch immer ...Geschichte." Alle schauten ihn verwirrt an. Verstand. Höhö. Der war schon in dem Moment abhanden gekommen, als sich Corinna für uns für diese Aktion angemeldet hatte. Merry neckte seinen Freund: „Dann wirst du gewiss nicht ausgewählt Pip." Alle schmunzelten, bis auf Pippin und Jenny, die den Wortwitz nicht verstanden und Elrond fasste zusammen: „Dreizehn Gefährten... So sei es! Ihr bildet die Gemeinschaft des Ringes!"
Pippin grinste nun auch und sagte: Großartig! Und wo soll's hingehen?"
O-mein-Gott!
-TBC-
