A/N: Entschuldigt bitte die längere Updatepause, aber ich hab wie gesagt viel in der Uni zu tun und nebenher schließlich noch mein zweites Machwerk zu bearbeiten. Ich hoffe dennoch, dass ihr viel Spaß mit dem Kapitel haben werdet :) Vielen Dank für eure Reviews!

anu lol ich stell mir gerad vor, wie alle ihr Angebot, Frodo zu begleiten, panisch zurückziehen, weil sich die Mädels zur Gemeinschaft hinzugesellen. Das ergäbe ein Bild. Und der arme Frodo wäre ganz allein inmitten dieser östrogengesteuerten Wahnsinnigenhorde. kicher das muss ich mir merken. Ich hoffe, dir gefällt auch dieses Kapitelchen :)

BlackPearl Ui, das ist ja mal ne Überraschung, wieder von dir zu hören. Jaa, ich hab mich ne Zeit lang vom HdR-Genre ferngehalten (und tue es hauptsächlich eigentlich noch immer), aber diese irrsinnige Idee wollte nun einmal raus lach Jaa, ich stecke im ersten Semester und bisher macht es mir noch viel Spaß...mal sehen, wann sich das ändern wird lol Hab vielen Dank für deine Review freu

Jathy Oh Gott, das ist ja mal ne Vorstellung - die totalen Fans landen in voller Montur in Elronds Rat. Ich glaub, unsere Helden wären aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Aber schlimmer - stell dir vor, Jenny hätte eine ihrer Quarkmasken aufgelegt. Der Ork wäre auch ohne Deozutun schreiend davongerannt und die Bruchtalelben hätten wohl nicht lange gezuckt und unsere gute Jenny umgelegt lol Oh, die rote Bertelsmannausgabe...mit der hab ich auch schon geliebäugelt, aber ich muss mich wohl mit der giftgrünen 3-Band Edition herumschlagen. Na ok, auf Englisch hab ich das gute Stück ja auch noch da, wunderschön zu einem Buch zusammengefasst mit sehr interessanten Anhängen! Um noch eins klarzustellen lach Ich habe nicht vor, die Mädels mit Gefährten zu verkuppeln. So klischeehaft die Grundsätze der Geschichte auch wirken mögen, aber eine Romanze ist hier völlig fehl am Platze ;) Was die Frauenrate anbelangt, hast du aber natürlich Recht! Irgendeiner muss doch Mittelerdes Emanzipation vorantreiben! Vielen Dank für deine Review freu

Disclaimer: Das Vernünftige an der Story, das euch bekannt vorkommt, entstammt einzig und allein Tolkiens Füllfederhalter.

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Vier wie vom Blitz getroffen

Kapitel 3: Ab in den Süden!

„Weißt du, was du soeben getan hast?", rief ich empört, als die Tür hinter mir ins Schloss geglitten war und Corinna, Jenny und Nora in meinem Zimmer zur Krisensitzung Platz genommen hatten. Ein fragender Blick von Corinna brachte mich dazu, fortzufahren: „Du hast mit deiner blöden Spontanidee den Untergang Mittelerdes eingeläutet! Vier Wissende...ein bekloppterer Titel hätte dir wohl nicht einfallen können, wie? Jetzt denken die wirklich, wir hätten Ahnung von dem, was wir tun oder was wir sagen." Ich stiefelte schnaufend von einer Zimmerecke zur nächsten, nur um mir entrüstet im Akkord durch die Haare zu fahren. „Bleib mal ganz ruhig. Wenn wir nichts verraten und einfach nichts tun, wird schon nichts verändert werden", verteidigte sich Corinna. „Wenn wir nichts tun, bleiben wir in einer Schneewehe auf dem Caradhras stecken oder werden spätestens vom brennenden Balrog ins Jenseits gepeitscht.", murrte Nora, die sich auf mein Bett gelegt hatte und – welch ein Wunder – wieder einmal viel zu müde war, um aufrecht zu sitzen. „Was ist ein Balrog?", fragte Jenny, die gerade drauf und dran war, sich eine Quarkmaske, die es im Minitütenformat in jeder Yves Rocher Filiale gab, aufs Gesicht zu pappen. „Ein Dämon, entsprungen aus Feuer und Schatten.", winkte Nora schnell ab und ignorierte den schockierten Blick unserer verpeilten Freundin. „Was, solche Gestalten springen in dieser Geschichte rum? Und was war mit einer Schneewehe? Och menno, ich hab doch meinen Winterpflegelippenstift zu Hause liegen gelassen." Für einen Tag, nur für einen einzigen Tag wollte ich einmal Jennys Sorgen haben.

„Macht euch mal keine Sorgen, das wird sehr interessant – Jenny kann Fotos von der Reise schießen, Corinna kann Legolas endlich fragen, wie er immer seinen Zopf hinbekommt, Kerstin kann in Erfahrung bringen, ob Elben wirklich so verklemmt sind, wie es Tolkien geschrieben hat und ich..."

„Du kannst testen, ob Aragorn seiner Arwen wirklich treu ist", motzte ich Nora an. „Ich weiß nicht, warum du dich so beschwerst – ist doch alles paletti.", wehrte sie ab und ich musste mich setzten, bevor ich einen Nervenkoller bekam. „Alles paletti? War nur ich geistig in der Ratssitzung anwesend oder was?", die Blicke der anderen bestätigten meine Vermutung auf zerschmetternde Art und Weise, „Boromir kann uns nicht leiden und Legolas scheint auch nicht wirklich „Hurra" zu schreien, weil wir mitkommen. An Gandalfs nervösem Augenzucken hab ich schon gemerkt, dass er seinen Kloppstock am liebsten einige Male auf Jenny niedersausen lassen wollte, was er aber unterlassen hatte, weil zu viele Zeugen anwesend waren!" Eigentlich wusste ich selbst nicht so recht, weshalb mein Blutdruck so in die Höhe schoss. Ein eingefleischter „Herr der Ringe" Fan hätte sich nichts Genialeres vorstellen können, als die Gefährten zu begleiten und eigentlich freute ich mich auch. Aber ich wusste, dass wir einen mehr als miesen Einfluss auf das Geschehen der Geschichte haben würden. „Wird wohl halb so schlimm sein. Wenn wir die wirklich so nerven sollten, lassen die uns bei der nächsten Rast zurück und stehlen sich heimlich davon, wenn wir schlafen! Außerdem stirbt Boromir später, das heißt – ein Meckerfritze weniger...", meinte Nora trocken. „Legolas stirbt aber nicht!", wehrte ich sofort ab und seufzte ergänzend, „Deswegen würden wir immer noch, und vor allen Dingen schutzlos, in Mittelerde festhängen." Corinna kaute auf ihrer Lippe herum, sodass ich glaubte, dass, wenn sie so weitermachte, am nächsten Morgen ein Sieb an Stelle einer Unterlippe in ihrem Gesicht wieder zu finden wäre. „Na jetzt können wir's nicht mehr ändern. Sähe ja blöd aus, wenn die „Vier Wissenden" zu diesem Elrond kämen und sagten: ‚Hey, können wir unseren Beitritt in die Gemeinschaft reklamieren?'", stellte Jenny fest und massierte ihre Wangen.

„Lasst uns einfach diese eine Nacht noch ruhig schlafen. Weiteres werden wir morgen sehen", Corinnas Worte klangen nicht sehr tröstlich und ich erschauerte schon innerlich, wenn ich an die Goblins in Moria dachte. Schön. Ich machte mir schon bei einem einzelnen, wilden Ork fast in die Hosen, wie sollte das denn bitteschön bei einer ganzen, riesigen Horde aussehen? In der Nacht vor dem Aufbruch ins Ungewisse schliefen wir Vier in einem Zimmer. Und unruhiger denn je... .

O.o

Ich lag schon weit vor Sonnenaufgang wach und starrte an die Decke. Nora hatte ihren Kopf auf meine Schulter gebettet und seufzte selig vor sich hin. ‚Toll', dachte ich mir, ‚wenn ich gewusst hätte, dass ich mal in Mittelerde landen würde, hätte ich mir das Geld für die Herr der Ringe – Ausstellung in London sparen können!' Ich schielte zu ihr herab. Wenigstens sabberte sie nicht im Schlaf wie Jenny. Draußen war alles still. Nur ein paar Vögel zwitscherten herum und flatterten auf unser Fensterbrett. Wenn wir Glück hatten, waren die Gefährten schon ohne uns aufgebrochen. Aber wann hatten wir schon einmal Glück? „Kerstin, bist du wach?", hörte ich plötzlich Corinnas verschlafene Stimme. Oje – Déjà-vu. Glücklicherweise waren wir nicht wieder in Jennys Ford. „Mmh...", grummelte ich, insgeheim immer noch hibbelig, weil Corinna uns in die Gemeinschaft geschmuggelt hatte. „Ich hab Angst", sagte sie plötzlich. Spitze – aber uns erst dort anmelden, als wären wir die stolzesten Krieger Mittelerdes. „Ich auch", erwiderte ich leise, was auch der Wahrheit entsprach. Es war anders, im Kinosessel zu sitzen und sich über die dümmlichen Orks lustig zu machen, als einem gegenüber zu stehen, der auch noch einen mehr als tödlichen Mundgeruch hatte.

„Aber ich freue mich auch auf der anderen Seite", sagte sie. Ja, klasse. Aragorn schien ja auch bei weitem toleranter zu sein als Legolas. Hätte er Pfeil und Bogen in Elronds Rat gehabt, hätte er uns vier Pfeile in die Klappen geschossen wie dem Höhlentroll, damit wir endlich still waren. Nora drehte sich leicht ein Stückchen weiter auf meine Schulter und ich merkte, wie taub mein Gelenk wurde. „Kerstin?"

„Ja, ich bin noch wach", murrte ich und ich sah, wie ihr kurzhaariger Kopf im grauen Licht des erwachenden Morgens auftauchte, als sie sich aufsetzte. „Bist du immer noch sauer auf mich?" Mmh-Mmh. Nicht doch. Wir würden das Ganze zwar nur mit Müh und Not überleben, aber hey – mit der gleichen Einstellung ging ich auch in die Vorlesungen rein! „Nee", sagte ich ernst, „Aber Corinna, bist du dir dessen bewusst, dass keiner von uns wirklich kämpfen kann? Ich meine, der Inhalt von Jennys Deospray wird sicherlich auch bald zur Neige gehen!"

„Sie hat doch noch Haarspray mit."

„Corinna!", knurrte ich. „Tschuldige", kam es aus einem entfernten Winkel des Zimmers zurück, in dem sie saß. „Wir boxen uns schon irgendwie durch! Außerdem müssen wir ja nicht den ganzen Weg der Gemeinschaft mitgehen...wir könnten ja...in Lothlórien bleiben!" War ja klar. Bei ihrem geliebten Haldir.

„Und Galadriel mit unserer Dummheit weiternerven oder wie?", knurrte ich und durch unser Gespräch schien auch Jenny wach geworden zu sein. „Wer ist Galadriel? Ist das sowas wie ein Balrog?" Ich stöhnte und murmelte: „Nein, aber sowas wie Elrond", sodass ich nur ein leises „Ohhh", aus ihrer Richtung vernahm. Stille. Für einen Moment war alles so idyllisch ruhig und friedlich, bis Jenny natürlich diesen Umstand ändern musste. „Ich muss aufs Klo." Schön für sie. „Dann geh doch.", murrte ich genervt und sie stand so unbeholfen auf, dass sie schlimmeren Lärm machte, als die Uruk-Hai Armee von Saruman. Nora schreckte also hoch, knockte mich dabei fast aus und schaute sich völlig desorientiert im Zimmer um. Ok. Das war's wohl mit der entspannenden Ruhe kurz vor dem Aufbruch. Es verging keine halbe Stunde, da waren wir alle fertig angezogen, hatten unsere Sachen gepackt und waren schon hinunter in die große Empfangshalle gegangen. Einige Elben waren natürlich schon lange auf den Beinen und sahen uns komisch von der Seite an und lästerten auf elbisch über uns ab. Pfff...aber erst noch Angst haben vor einer Dose Deospray, wie ich das leiden kann! Typisch Männer! Unschlüssig darüber, was wir nun tun sollten, setzten wir uns erst einmal auf eine bequeme Holzbank, während Jenny weiterhin die Inneneinrichtung von Bruchtal fotografierte. Wenn sie die entwickelten Bilder an IKEA schicken würde, könnte sie reich werden. „Hey, Jenny, tu mal nicht schon den ganzen Film für Bruchtal verbrauchen. Die Reise wird noch sehr lang sein!", gähnte Nora, die immer noch nicht ganz den Zustand des Wachseins erreichen wollte. Sie verfluchte es bestimmt, zu der eigentlichen „Party", auf die wir gehen wollten, ihr Kuschelkissen nicht mitgenommen zu haben.

Keine zwei Minuten später kam auch schon Elrond in seiner schicken Robe dahergewandelt und begrüßte uns auf die edle, elbische Variante. Wir waren zu müde und nickten ihm nur zu. „Die Gemeinschaft wartet bereits auf euch", sprach er ruhig und wir wechselten nur verwirrte Blicke – wie jetzt? Waren die alle solche Frühaufsteher? Und vor allen Dingen: Warteten sie tatsächlich auf uns und hatten nicht schon die Beine in die Hände genommen und waren weggerannt? Sehr seltsam. Sogleich sprangen wir von der Bank auf und folgten dem Halbelben nach draußen. Und wirklich – da stand die eigentliche Gemeinschaft des Rings und Boromir, Legolas und Gandalf sahen ziemlich sauer aus, weil wir uns verspäteten. Toll, wir hatten noch nicht einmal ein Frühstück zu uns genommen, als die Sonne aufging und sich so ziemlich alle Bruchtalelben vor uns aufgestellt hatten, zum Abschied, sozusagen. Ich versuchte verzweifelt, das Glucksen meines Magens zu unterdrücken, als ich neben meinen Freunden und Gimli stand.

Der Zwerg schaute mürrisch zu mir auf und wollte was Gemeines sagen, als Elrond da schon das Wort ergriff: „Der Ringträger macht sich nun auf die Suche nach dem Schicksalsberg." ‚Super', dachte ich mir, ‚Es gibt auch Landkarten, auf die man vorher gucken könnte...' „Euch, die ihr mit ihm geht, wird kein Eid und keine Verpflichtung auferlegt weiter zu gehen als ihr wollt.", endete Elrond seine Ausführungen und Corinna sah mich mit diesem nur allzu berühmten „Siehst du?" – Blick an, sodass ich die Augen verdrehte. Legolas, das mal wieder total falsch interpretierend, seufzte kaum hörbar und schaute zu Elrond, uns Vier völlig ignorierend. Eingebildeter Fatzke! Als Aragorn Arwen ein liebevolles Lächeln zuwarf, verlor auch Nora endgültig ihre gute Laune. Corinna war zu müde, um die Energie aufzuwenden, ein grimmiges Gesicht zu ziehen und auch Jenny schien gut drauf zu sein und plapperte hinter vorgehaltener Hand mit Pippin. War ja klar, dass sich zwei Chaoten wie die auf Anhieb verstehen würden. Gandalf, weniger davon begeistert, stupste den Hobbit mit seinem Stab an, dass er endlich den Rand halten sollte. Elrond ließ sich dadurch nicht beirren und sagte: „Lebt wohl. Haltet fest an eurem Ziel. Möge der Segen der Elben und Menschen und aller freien Völker euch begleiten." Wow. So nen Motivationsspruch könnte ich mal vor einer Semesterklausur gebrauchen! Elrond machte schon wieder diese seltsame Elbengeste, die Nora perfekt draufhatte und angeberisch nachmachen musste. Legolas tat es ihr gleich und deutete eine Verbeugung an, führte die Hand zu seinem Herzen und schaute dann wieder – gnadenlos an uns vorbei – auf Elrond.

Als Gandalf dann feierlich sagte: „Die Gemeinschaft wartet auf den Ringträger" wurde mir erst so richtig bewusst, in welches Fettnäpfchen wir wieder einmal getreten waren. Die Story nicht verändern...hähähä...ich betete dafür, niemals meinen Namen in meinem herzallerliebsten Buch von Tolkien lesen zu müssen á la ‚Legolas hielt auf einem Felsen stehend Ausschau, während die Hobbits, Aragorn und Boromir Kampfübungen austrugen. Gimli murrte derweil in seinen dichten Bart und fragte sich, welchen Unsinn Kerstin da wieder anstellte, als sie die Kopfhörer ihres CD-Players aufsetzte...' Ganz in dieser Schreckensvision gefangen, bemerkte ich gar nicht, dass sich die anderen schon in Bewegung gesetzt hatten und nur Legolas hinter mir stand und mich verwundert ansah. Juhu – wie sammle ich Minuspunkte bei einem Elben? Nicht verzagen, Kerstin fragen.

Ohne zu zögern machte ich mich daran, den anderen zu folgen, ehe Legolas mir schon vorzeitig einen Pfeil durch den Kopf schoss. Na das fing ja prima an. „Wo gehen wir eigentlich hin?", fragte Jenny, das verpeilteste Wesen seit meiner ehemaligen Russischlehrerin. „In den Süden", gähnte Nora, deren Handtasche um ihren Hals baumelte. „Super, gibt's da auch nen Strand?" Aragorn und Legolas tauschten fragende Blicke und Corinna schlug Lissy auf den Hinterkopf und knurrte: „Ja, Jenny. Ein Strand aus schwarzer Asche und ausgekühlter Lava." Jenny zog eine angewiderte Schnute, trottete dann aber brav weiter. Wir hatten noch nicht einmal Bruchtal ganz verlassen und waren schon demotiviert. Ganz vorn hörten wir nur Frodo murmeln: „Mordor, Gandalf, liegt das links oder rechts?" Ich sag euch – live ist diese Unwissenheit noch deprimierender als zu Hause vor dem DVD-Player und einem weichen Kuschelkissen im Rücken. Corinna warf noch einen letzten, verzweifelten Blick zurück nach Bruchtal und flüsterte uns zu: „Er hat jetzt gut ein halbes Jahr Zeit, um sich eine Möglichkeit einfallen zu lassen, uns nach Hause zu katapultieren!"

Woran lag es nur, dass ich ihren Optimismus nicht ganz teilen konnte?

o.O

Jennys Klappe hielt einfach nicht still. Im Minutentakt jammerte sie mich damit zu, was wohl nun aus ihrem Ford werden würde, wenn er so ganz allein im Wald stünde. „Er wird sich vor Angst die Plattfüße aufpumpen und weit wegfahren.", warf Nora ein, die, wie ich, nichts mehr verachtete, als Wanderungen. „Wie lange sind wir schon unterwegs?", fragte Pippin, der, wie wir, schon keine Lust mehr auf Wandern hatte. „Wenn mich der Lauf der Sonne nicht täuscht, etwa vier Stunden, Herr Peregrin", antwortete Aragorn, der sogar noch hinter uns herlief. Vier Stunden erst? Meine Füße plädierten mindestens auf das Doppelte der Zeit. „Dann müsste doch bald Mittagszeit sein, oder?", nein, dies sagte kein Hobbit, sondern unsere verfressene Jenny. Boromir linste böse zu uns herüber, aber Nora erwiderte nur diesen Blick. Cool. Psychospielchen auf höchster Ebene.

„Genau!", stimmte Merry fröhlich zu. Sam guckte Corinna plötzlich komisch an und murmelte Frodo etwas Unverständliches zu, sodass auch der Ringträger plötzlich zu Corinna aufschaute. Der wurde das langsam aber sicher zu blöd und da sie ja noch weniger (man mag es kaum glauben) Geduld hatte als ich, knurrte sie: „Was glotzt ihr beiden so dämlich?" Oje. Ich hatte schon fast vergessen, dass Corinna nervtötende Hobbits nicht mochte. Denn die erinnerten sie nur allzu sehr an kleine Kinder. „Wir fragen uns nur, was das für ein seltsames Gestell ist, das auf deiner Nase sitzt.", meinte Frodo schüchtern. O Gott. Ich hatte Corinnas High-Tech Sonnenbrille von Fielmann völlig vergessen! Nora und ich mussten uns das Lachen verkneifen und räusperten uns. „Nun ja...das ist...eine...", sie schaute unschlüssig zu uns herüber, wusste wohl nicht, ob sie den Begriff wirklich nennen durfte, „...eine Sonnenbrille...die brauche ich, weil ich ohne sie wegen der Sonne nicht alles erkennen kann...visuell gesehen..." Die Hobbits, die natürlich keine Ahnung von einem Wort wie „visuell" hatten, nickten nur vage und ich hörte Boromir bösartig murren: „Vier Mädchen und dazu noch eines, das nicht gut sehen kann...eine Schande, dass Herr Elrond euch in die Ringgemeinschaft aufgenommen hat."

Boah, das war jetzt aber gemein und extrem frauenfeindlich. „Herr Elrond wird seine Gründe gehabt haben...dessen bin ich mir sicher", warf Aragorn ein und Nora zwinkerte ihm dankbar zu. „Was ist nun, machen wir ne Mittagspause?", musste Jenny natürlich wieder diese sich entspannende Situation anheizen. Ich war kurz davor, meinen CD-Player zu zücken und mein heißgeliebtes Matchbox 20 Album einzuwerfen, das ich glücklicherweise mitgenommen hatte, aber ich hielt es für besser, diese technische Errungenschaft nur bei Nacht anzuwerfen, wenn keiner der Gefährten mich beobachtete. „Ja, ich bin auch für eine Pause, ich bin schon ganz ausgedörrt", beschwerte sich Pippin, wehmütig auf sein kleines Bäuchlein klopfend. Gandalf blieb stehen und schaute uns alle eindringlich an. So richtig schienen die „Vier Wissenden" und zwei der Hobbits noch nicht begriffen zu haben, wie wichtig die Angelegenheit eigentlich war, in der sie unterwegs waren. Seufzend gab er sich geschlagen und sagte: „Gut, aber nur eine kurze Pause. Wir haben noch eine lange Wegstrecke vor uns. Vierzig Tage lang müssen wir dem Pfad westlich des Nebelgebirges folgen. Wenn uns das Glück hold ist, wird die Pforte von Rohan noch offen für uns sein. Von dort biegen wir in östlicher Richtung nach Mordor ab."

Ich schluckte. Vierzig Tage! Das war mehr als ein Monat. Acht quälende Uniwochen. O Gott – und fast zweifacher „Roter Indianer" Besuch! O weh. O weh, o weh! Und wenn wir wirklich überleben sollten, würden wir weitaus mehr als vierzig Tage in Mittelerde verbringen, bis der Ringkrieg vorüber wäre.

Gimli, der meinen Unmut zu bemerken schien, reichte mir ein Stück Wegbrot. Ich stellte fest, dass ich immer noch wie bedeppert in der Gegend herumstand, wohingegen sich fast alle anderen hingesetzt hatten und fröhlich vor sich hinmampften. „Danke", murmelte ich ein wenig überrascht und nahm das wohl einzige Nahrungsmittel entgegen, das ich in den nächsten Monaten in den Magen bekommen würde. „Du siehst blass aus, Mädchen. Du solltest regelmäßig etwas essen, der Weg wird noch sehr kräftezehrend sein!" ‚Danke, Dr. med. Gimli Gloinssohn', dachte ich mir, und stellte mir gedanklich vor, wie er diesen Fernseh-Gesundheitskasper ersetzen würde. Aber ok, das war schon wieder fies. Ich hätte dankbar sein sollen, dass einer von den Gefährten, abgesehen von den gutmütigen Hobbits, mit mir sprach. Ich nickte ihm dankbar zu und er brummte vor sich hin und ließ sich am Wegesrand nieder. Wir sprachen alle nicht viel miteinander, außer die Hobbits untereinander. „Kerstin, was hast du für CDs mit?", fragte mich plötzlich Jenny, sodass sich Corinna und Nora ganz heftig an ihrem Brot verschluckten und ein Hustenduett der Extraklasse starteten. Aragorn runzelte die Stirn und wiederholte: „CDs?", in einem Tonfall, als bedeutete dieses Wort schlimmeres als die uralten, überlieferten Schimpfworte der Zwerge.

„Ach, sie fragte nur, ob Kerstin auch etwas anderes zu essen einstecken hätte...CDs ist nur eine Abkürzung dafür...", grinste Nora in ihrem scheinheiligsten Chinesenlächeln und ich grübelte vor mich hin, welches Essen man wohl mit ‚CD' abkürzte. Citronen Dampfnudeln? Cordon Dleu? Aragorn schaute ziemlich verunsichert aus der Wäsche, wand dann aber den Blick von Jenny und Nora ab und redete mit Gandalf.

„Also, was hast du nun für CDs mit?", nuschelte mir Jenny dann zu, als sie mitgeschnitten hatte, dass auch die Technik der tragbaren Musik in Gesellschaft der Gefährten tabu sein musste. Ich lugte in meine Tasche und dann in die durchsichtige Hülle, in der die CDs nackig drin lagen. „Matchbox 20, R.E.M., Matchbox 20, Robbie Williams Live und Matchbox 20 und...den Herr der Ringe Soundtrack Teil 3", zählte ich in gedämpftem Ton und unbeeindruckt auf. Aber Elbenohren hörten selbst das, was sie einen feuchten Dreck anging. Legolas musterte uns misstrauisch. Verständlich. Ich konnte mir Sauron auch nicht wirklich als Snack zwischendurch vorstellen. „Mmh...nicht so meine Musik", erwiderte Jenny. Klar doch. Wenn ich mich da auch nur an die indische Pop-Leier-Musik erinnerte, die ich mir wochenlang anhören musste, wenn ich Jenny besuchte. Meiner Ansicht nach war das keine Musik, sondern ähnelte dem Gekreisch eines Inders, der an die Stoßstange eines Autos gebunden und kilometerlang durch die Straßen der Innenstadt geschleift wurde. Aber Geschmäcker waren nun einmal verschieden. Nora gesellte sich zu uns und als ich sah, dass sie genüsslich in ein Kitkat hinein biss, während wir an unserem trockenem Brotkanten nagten, hätte ich mich am liebsten auf sie gestürzt und das endorphinhaltige Riegelchen mit einem Happs verschlungen. Doch ehe ich auch nur zum Hechtsprung ansetzen konnte, sprach Gandalf (und dafür hasste ich ihn – ehrlich!): „Genug der Pause, lasst uns weiterziehen!", sodass Nora ihren Riegel wieder sorgfältig ins Papier wickelte und in ihrer Tasche gleiten ließ. Jetzt wusste ich, wie sich Gollum fühlte, wenn er dem Ring so nah war und ihn doch nicht haben konnte. Super – ich verglich mich selbst schon mit einem wahnsinnig gewordenem, verschrumpelten Hobbit, der Selbstgespräche führte. Olé, olé!

„Wenn die Stimmung in den nächsten Tagen immer so ist, geh ich echt nicht mehr weiter.", meckerte Jenny, als sich Corinna und Boromir schon wieder böse Blickkontakte lieferten.

„Das will ich sehen – du allein, mitten in der Wildnis.", grinste Nora, als wir uns die Taschen umgeschnallt hatten und aufgestanden waren. „Pah, traust mir wohl gar nichts zu, wie?", meinte Jenny aufbrausend. „Nein. Nicht wirklich", gestand ihre rothaarige Busenfreundin ehrlich und ließ Jennys Krägelchen nun endgültig platzen. „Dir leg ich nie wieder eine meiner Quarkmasken auf.", drohte Jenny, aber ich glaube, Nora war darüber eher erfreut, als entsetzt, da sie von der letzten, von Jenny „improvisierten" Quarkmaske einen schrecklichen Ausschlag bekommen hatte und ihr Gesicht an die Marsoberfläche erinnerte.

Kaum hatten wir den ersten Tag strammen Fußmarsches hinter uns gebracht, wünschte ich mich zurück in die Villa Bruchtal, wo wir noch herumgammeln und faulenzen konnten. Wie gern hätte ich Legolas' Füße gehabt – das hätte den Schwierigkeitsgrad des Gehens um einiges heruntergeschraubt. Wenigstens beschlossen die wirklich „Wissenden" der Gemeinschaft (was niemand anders war als Gandalf und Aragorn, unsere Chefs), ein Nachtlager aufzubauen und ordentlich zu schlafen. Yeah, kam mir vor wie ein Feriencamp, nur eben ohne Zelte. Aragorn machte ein nettes Feuerchen und die Hobbits packten ihre Verpflegungspakete aus. Bald schon rösteten lecker duftende Würstchen über dem Feuer, sodass einem die Sabber im Mund zusammenlief. Abgesehen von Nora natürlich. Sie saß mit knurrendem Magen am Feuer und schaute uns „Sadisten" dabei zu, wie wir unschuldige Tiere verspeisten. „Warum isst du nichts?", fragte Aragorn verwundert, als er Nora mit mürrischem Gesichtsausdruck und knurrendem Magen dasitzen saß. „Weil sie ne halbe Vegetarierin ist...die spinnen eben ein bisschen", merkte Jenny an. „Ich spinne nicht...ich halte es nur für ethisch unkorrekt, unschuldige Tiere zu essen.", wehrte Nora ab und ich, die zwischen den beiden saß, knuffte beiden mit meinen Ellenbogen in die Rippen, damit sie mit diesem Gelaber aufhörten.

„Vege...was?", fragte Sam, nicht minder irritiert als alle anderen. „Vegetarier.", sprach Corinna helfend aus. „Sie isst nur Grünzeug...wie Kühe...", versuchte ich es den Gefährten etwas grafischer zu erklären. „Ich bin keine Kuh!", knurrte Nora, deren wunden Punkt wir mehr als einmal getroffen hatten. Aragorn und Gandalf hatten ein schiefes Grinsen auf den Lippen, schienen unseren Chaotentrupp nun doch ein wenig amüsanter zu finden, als zuvor. Die Hobbits musterten uns, als wären wir das 8.,9.,10., und 11. Weltwunder und hatten vor lauter Schreck glatt das Kauen vergessen. „Also ich könnte das nicht...nur Grünes essen...man braucht doch Muskeln und ein ordentlich, deftiges Essen, um kräftig zu werden!", plädierte Gimli. „Du meinst wohl eher ‚groß und stark'", meinte Lissy trocken und machte sich den nächsten Gefährten zum Feind, unterhielt damit aber alle anderen. Sogar Legolas hatte ein fieses Grinsen auf den Lippen, was aber wohl eher darauf zurückzuführen war, dass ein Zwerg beleidigt worden war und nicht weil er das wirklich lustig fand.

„Lieber klein und stark als groß und schwach", knurrte Gimli Jenny und Legolas zu, sodass sich die Miene des Elben schlagartig verfinsterte. Oje. Und wir saßen auch noch dazwischen. Aber Legolas sagte nichts. Entweder, weil ihm kein guter Spruch auf die Schnelle einfallen wollte oder weil er zu höflich und gut erzogen war, um sich auf so niedere Konversation, wie ich sie tagtäglich mit meinen Freunden führte, einzulassen. „Wer hält die erste Wache?", lenkte Boromir schließlich ein anderes Thema ein. Igitt. Er schmatzte beim Essen wie ein Erdferkel. Deswegen hatten sie im Film keine Essensszenen mit ihm gezeigt. Ha, aber von Denethor im 3. Teil. Wie der Vater, so der Sohn. Hm. Ich freute mich schon auf eine besinnliche Nacht unter den Sternen, die ich endlich mal durchschlafen würde, als Gandalf, der blöde Kerl, vorschlug: „Wenn es euch nicht stört, würde ich vorschlagen, dass eines der Mädchen heute Wache hält."

„Ich brauche meinen Schönheitsschlaf", lehnte Jenny dankend ab und auch Corinna fiel schnell ein: „Ich muss zu Kräften kommen. Der lange Weg hat mich sehr beansprucht"

„Ich musste heut schon hungern...und jetzt soll ich auch noch nicht schlafen dürfen?", motzte Nora aggressiv. Und mit einem Mal waren alle Blicke auf mich gerichtet. Zu doof, dass mir keine Ausrede einfiel. „Ich äh...ach, na meinetwegen.", gab ich mich geschlagen und verpasste Nora einen Hieb auf das Knie, weil sie es wagte, schadenfroh zu grinsen. Legolas beäugte mich wieder so „Was ist das denn?" - mäßig und sagte dann an Aragorn gewandt: „Lass mich zur Sicherheit ebenfalls Wache halten. Ich brauche den Schlaf nicht so dringend." Super. Er traute mir nicht einmal zu, für ein paar Stündchen ruhig dasitzen zu können, ohne die Augen auszuruhen. Dummerweise nickte Aragorn auch noch, dass ich mit Legolas allein Wache halten musste. Corinna murmelte mir so etwas zu wie: „Freu dich doch!" Aber worüber sollte ich mich freuen? Dass er mir eine ganze Nacht lang seine Verachtung menschlicher Albernheit durch pure Ignoranz demonstrierte? Nun ja. Schicksal. Keine zwei Stunden später hatten wir das Feuer gelöscht und die Gefährten sich zur Ruhe gelegt. Legolas stand graziös wie eine Antilope mit Perücke ein wenig abseits des Lagers und betrachtete aufmerksam die Umgebung, um nahende Gefahr aufzuspüren. ‚Wie ein Haushund.', dachte ich mir, ‚Nur auf zwei Beinen.' Deprimiert, weil ich allein an der anderen Seite des Lagers saß, keinen zum Reden hatte, weil alle schliefen, mir halb den Hintern abfror und hundemüde war, kramte ich meinen CD-Player aus der Tasche und legte unbemerkt mein Matchbox 20 Album rein. Nur Rob Thomas konnte mir in so schweren Zeiten beistehen. Ich legte also den Player zurück in die Tasche, drückte auf Play, quetschte mir die kleinen Ohrstöpselchen rein und lauschte so den tröstenden Klängen der Musik.

Dann kehrte ich Legolas den Rücken zu, weil er sowieso regungslos wie ein Eisklotz dastand, dass ich bald glaubte, er wäre im Stehen eingeschlafen. Ich speicherte in meinem Kopf die Notiz, eine ganz, ganz fiese Fanfiction über ihn zu schreiben, wenn ich erstmal wieder zu Hause war. Denn sooo toll, wie er fälschlicherweise (auch von mir) beschrieben wurde, war er gar nicht. Gemein grinsend versteckte ich meine kalten Hände in den Ärmeln meiner Jacke und rubbelte sie aneinander, damit ich mir wenigstens keine Erkältung holte. Ich merkte, wie ich immer schläfriger wurde. Klasse, hatte der Elb auch noch recht mit seinem Misstrauen in meine Wachetauglichkeit. Ich drehte die Lautstärke meines CD-Players also ein wenig hoch, damit ich nicht einnickte. So hörte ich zwar nichts mehr von einer herannahenden Gefahr, aber Legolas würde mir nicht vorwerfen können, bei meiner Wache eingeschlafen zu sein. Hahaha.

Mmh...ich liebte diesen Song... Bright Lights …bekam richtig Heimweh.

Well, some things in this world you just can't change" (Stimmt…Jennys Verpeiltheit) „Some things you can't see until it gets too late" (Wieder richtig – die herannahende Gefahr zum Beispiel) Ich wollte heulen. Ich mutierte zum Mittelerdeweichei und das nach noch nicht einmal 24 Stunden Wild-Life. Ich lauschte den schönen Klängen und bedauerte es sehr, dass diese Band nicht auch nach Mittelerde geschleudert wurde. Die hätten uns n schönes Acapella Ständchen an beschaulichen Lagerfeuerabenden geben können…hach. „Baby, baby, baby when all your love is gone, who will save me from all I'm up against out in this world? And maybe, maybe, maybe you'll find something that's enough to keep you, but if the bright lights don't receive you, you should turn yourself around and come on home..."

Hahaha. Der is lustig…würd ja gern heimkommen, aber wie denn, wenn so ein blöder Halbelb uns die Hilfe verweigerte, nur weil er die irre Vision hatte, dass wir von den Valar geschickt worden waren. Plötzlich spürte ich, wie mich jemand von hinten antippte, sodass ich vor lauter Schreck einen Ohrstöpsel verlor und mich entgeistert umdrehte. Vor mir stand ein neugierig dreinschauender Legolas. O Gott. Wie lange hatte er mich schon beobachtet und mich vergebens angesprochen, weil ich meine Gehörgänge mit Musik zudröhnte und ihn so nicht hören konnte.

„Was singst du da?" Wie bitte? Ich schaute ihn an wie ein Auto. Hatte ich so laut Musik gehört, dass er Rob Thomas' Stimme gehört hatte und die nun für meine hielt? Nichts gegen Rob Thomas' Stimme, aber die war doch sehr männlich, als dass ich es gesungen haben könnte. Oder...ach du Schreck...ich neigte dazu, Musik unterbewusst mitzujaulen. Ich hatte doch nicht etwa...? Legolas wartete immer noch auf eine Antwort und beguckte interessiert, wie die Kabel meines CD-Players an meinem Ohr baumelten. „Ich habe gesungen?", brabbelte ich nervös und er nickte. Autsch! „In einer merkwürdigen Sprache.", fuhr er fort, „Ist das eure Sprache, da wo ihr herkommt?" Hää? „Äh...nein...also...doch...aber nicht so...äh...", druckste ich herum, als er sich auch noch neben mich setzte. Wie sollte ich einem 2931-jährigen Elben erklären, dass Westron meine Muttersprache und die von ihm als merkwürdig bezeichnete das Westron, also die Weltsprache, in unserer Welt war? Er hob eine Braue, wie Nora, was mir sehr unheimlich vorkam. „Ich habe nur mitgesungen...also...", ich zögerte. Sollte ich ihm einfach den zweiten Stöpsel ins spitze Ohr drücken? Aber wie erklärte ich ihm dann, warum die Stimme aus dem Kabel kam? Ich hielt ihm einfach nur den Ohrstöpsel hin, den er zaghaft in die Hand nahm und ansah, als wäre es etwas zu essen. Ich deutete ihm nur, das Ding in sein Ohr zu stopfen, was er nach einigem Zögern auch tat. Er zuckte zusammen, als er plötzlich die Musik vernahm, als er aber merkte, dass keine Kavallerie aus dem Wald hervorgeprescht kam, entspannte er sich ein wenig. „Das ist Musik, die wir Zuhause hören.", sagte ich und Legolas runzelte die Stirn. Wehe, er sagte etwas Negatives. Da würde ich ihm aber mal zum Vergleich die besagte Inder-Schleifmusik vorspielen, bis ihm die Ohren abfielen. „Unterhaltsame Klänge...", murmelte er. Wie? Unterhaltsame Klänge? Rob Thomas war einer der göttlichsten Kerle auf diesem Planeten und ihm fiel nichts Besseres ein, als ‚unterhaltsame Klänge'?

Er schien den beleidigten Ausdruck in meinem Gesicht zu bemerken und nahm den Stöpsel aus dem Ohr, reichte ihn mir vorsichtig. „Außergewöhnlich. Noch nie habe ich so etwas gehört.", versuchte er dann, sich aus dem Fettnäpfchen zu retten. War ja auch klar, dass er sowas noch nie gehört hatte. Ich stellte ihn mir auf einem Elbenrockkonzert vor, wie er in der ersten Reihe stand und mitgröhlte und musste breit grinsen. „Was ist?", fragte er und sah mich verwundert an. Ach, dass der immer so ernst sein musste! „Nichts", winkte ich ab und wiegte mich schon in Sicherheit, als er die Horrorfrage stellte, vor der ich mich so gefürchtet hatte: „Wo kommt die Stimme her?", er machte Anstalten, einen Blick in meine Tasche zu werfen, was ja nun ganz und gar nicht die feine, elbische Art war. „Äh...aus...diesem...Kasten", wollte ich ihm so simpel wie möglich verdeutlichen und zog meinen CD-Player hervor. Seine Augen weiteten sich und ich war mehr als glücklich, dass Aragorn in diesem Moment aufwachte und sagte: „Nur noch wenige Stunden trennen uns vor der Morgendämmerung. Ist irgendetwas in der Nacht vorgefallen?"

Ich versteckte alles schleunigst in meiner Tasche und Legolas schüttelte tranceartig mit dem Kopf. Oje. Jetzt hatte ich ihm ein Trauma der Extraklasse serviert. Corinna würde mich schlachten. Aragorn stand auf und ging im Lager umher, während Legolas immer noch wie gebannt auf meine Tasche starrte. „Ich denke, ihr Elben könnt viel besser singen...also...eigentlich ist das gar nichts Tolles", lenkte ich ab und schob die Tasche beiseite. Er schaute mich wieder distanziert an, was ich langsam satt hatte. Wenn er das noch mal tat, würde ich ihm meine Tasche an den hübschen Kopf schleudern, was aber, wie ich glaube, tödliche Folgen für mich haben würde.

Durch Aragorns nervöses Hin- und Hergewandere wurde auch bald Jenny aus dem Schlaf gerissen, die sogleich ihre Bürste zückte und die lange Mähne ordentlich durchkämmte. Legolas stand auf und gesellte sich zu Aragorn, der ihm anscheinend weniger Angst machte, als ich. Ich seufzte. Wie man's machte, machte man es falsch. „Wann gibt's Frühstück?", murmelte Pippin noch ganz verschlafen. Spitze, kaum aufgewacht und schon wieder ans Essen denken. Wenn die Fresserei so weiterging, würden unsere Vorräte aufgebraucht sein, ehe wir auch nur die Gipfel des Caradhras aus meilenweiter Entfernung erkennen konnten.

O.o

Ich verdrängte den Gedanken an meine schmerzenden Füße, indem ich leise vor mich herpfiff. Legolas ließ meine Tasche nicht aus den Augen und ich wollte gar nicht wissen, welch verdrehte Fantasien dieser Elb da schon wieder hatte. Gimli stapfte schnaufend neben mir her. Eine Leine und er hätte als mein Schoßhund durchgehen können. Also nicht, dass ich ihn auf meinem Schoß sitzen haben wollte, versteht mich da mal nicht falsch... . Jenny laberte Pippin und Merry zu und schien selbst zu einem Hobbit zu mutieren. Dann wäre sie der erste Hobbit, der zur Pediküre ging. Zwar lag immer noch diese „Eigentlich-wollen-wir-gar-nicht-dass-ihr-mitkommt" – Stimmung in der Luft, aber der Zustand besserte sich von Stunde zu Stunde. Das lag unter anderem wohl daran, dass wir unsere Albernheit etwas zügelten. (glaubt mir, dass fiel uns nicht leicht!)

Corinna schlenderte neben mir her und murmelte: „Hast du dir schon mal überlegt, was wir eigentlich tun, wenn Elrond keinen Weg finden sollte, uns wieder nach Hause zu befördern?" Ich erschrak bei diesem Gedanken so sehr, dass ich Gimli fast niederschlug, als ich die Hände vor das Gesicht schlug. „Du meinst...wenn wir in Mittelerde bleiben müssten?" Nora wurde bei meiner Nachfrage hellhörig und gesellte sich zu uns. „Dann würde ich das erste Vegetarierrestaurant in Mittelerde eröffnen.", dachte sie laut. „Zu schade nur, dass du keine Gäste hättest.", stellte Corinna fest, sodass Nora wieder schmollte. „Wo sollten wir da bleiben? Ich meine...Bruchtal wäre dann ja bald leer und überhaupt...", eine schockierende Vorstellung. So viele Ersatzbatterien hatte ich gar nicht für meinen CD-Player, um mich mit Musik darüber hinwegzutrösten. Ich würde nie meinen Uni-Abschluss bekommen, nie arbeiten, nie diesen neuen Schokoriegel kosten können, den sie immer in der Werbung anpriesen.

„Also ich könnte mir vorstellen, an Aragorns Hof zu arbeiten.", schwärmte Nora herum und einmal mehr zweifelte ich daran, dass sie überhaupt realisierte, in welcher Scheiße wir da steckten. „Wie...als Amme für Eldarion, was?", neckte Corinna und konfrontierte sie mit der grausamen Realität, dass sie nie, nie, nie und nimmer Arwens Platz einnehmen würde. Außer, sie würde Aragorn auf Drogen setzen. „Nein, mal ehrlich. Woher wollen wir wissen, dass wir wieder zurückkönnen?", sagte Corinna. „Schon mal von dem Wort ‚Optimismus' gehört?", warf ich ein.

„Ich würde mit nach Hobbingen gehen oder wie das heißt...scheint echt lustig da zu sein.", plapperte Jenny dazwischen, die sich von den Hobbits gelöst und nun auch zu uns gestoßen war. Cool. Zu viert nebeneinander drängten wir den armen kleinen Gimli fast ab. „Toll. Und was würden wir beide tun?", fragte ich und Corinna sah mich mit ihren schimmernden Kulleraugen an, sodass ich hinzufügte: „Abgesehen von der Tatsache, dass du FKK-Pflicht in Lothlórien einführen würdest?" Corinna zuckte mit den Achseln und schlug vor: „Wir könnten uns Nora anschließen und Aragorn Gesangsunterricht geben." Der zukünftige König, der gehört hatte, dass sein Name fiel, drehte sich beleidigt um und sah uns bitterböse an. Schön. Jetzt hatten wir wieder eine Person weniger, die uns tolerierte... .

-TBC-