A/N:
liz1988: Freut mich, dass ich dir den Morgen versüßen konnte – und dank Wochenende kann ich die Story auch gleich weiterspinnen. :-)
sunny: Oh ich werde rot … stimmt schon: Ich hätte nichts dagegen, wenn er MEIN Jim wäre. ;-)


Kapitel 5
Böse Überraschung

Dieses Mal wachte Jim von Schritten auf dem Flur auf, von leisem Türenklappern und entferntem Stimmengemurmel. Er schaute zur 7 auf der Weckanzeige und rieb sich müde das Gesicht. In diesem Moment wurde ihm der Körper bewusst, der eng an ihn geschmiegt und halb auf ihm lag. Ein Lächeln zuckte um Jims Mundwinkel und er betrachtete Saras Gesicht neben sich auf dem Kissen, strich ein paar einzelne Haarsträhnen fort und küsste sie auf die Stirn.

Saras Lider zitterten, doch ihre Augen blieben geschlossen.

"Hmmm, es war kein Traum", lächelte sie und stupste ihn mit der Nase an.

Sofort verzog sie ihr Gesicht, blinzelte, tastete sich das Nasenbein ab und fluchte:

"DAS war leider auch kein Traum."

Jim legte sich auf die Seite und stützte sich auf.

"Zeig mal. Nun, sieht zumindest nicht geschwollen aus."

Sein Blick glitt zu den blauen Striemen an ihrem Hals, dann weiter zu ihren Handgelenken, und er runzelte die Stirn.

"Falls wir diese Ratte nachher sehen, musst du mich zurückhalten, sonst mach ich mich strafbar."

"Er ist es nicht wert, Jim. Und noch mal wird er es bestimmt nicht versuchen, vor allem nicht, wenn du dabei bist."

Er lehnte sich zu ihr hinunter, küsste sie und flüsterte gegen ihre Lippen:

"Und ob ich bei dir sein werde."

"Nur BEI mir?"

Sie fuhr mit ihrer Zunge verführerisch an seiner Unterlippe längs. Jim spürte, wie ihre Hand unter der Bettdecke zu wandern begann und sich in kleinen Kreisen seinen Oberschenkel hinaufbewegte.

"Sara, wir müssen aufstehen …"

"Fühlt sich ganz so an, als seiest du's schon…"

"Sara …"

Er wurde von einem Klingeln unterbrochen.

"Was für ein Timing", grummelte Sara, zog ihre Hand unter der Bettdecke hervor und griff auf den Nachttisch, nach ihrem Handy. Als sie den Namen auf dem Display sah, verdrehte sie die Augen.

"Guten Morgen, Grissom, was gibt's?"

"Ich dachte, ich weck dich lieber, bevor du ein zweites Mal verschläfst. Wir müssen in anderthalb Stunden auf der Konferenz sein."

"Wie fürsorglich von dir."

"Entschuldige, aber ich wollte sicher gehen, dass wir zumindest zu zweit sind. Jim ist verschwunden, sein Bett ist unbenutzt, und wer weiß, ob er rechtzeitig auftaucht."

"Vielleicht hat er ja dein Schnarchen nicht ausgehalten und sich woanders einquartiert."

"Ich schnarche nicht."

"Oh doch."

"Sara!"

"Bis nachher, Grissom."

Sie legte auf, das Handy wieder beiseite und sagte in Jims belustigtes Grinsen:

"Er vermisst dich."

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"Und du willst wirklich nicht mit mir zusammen duschen, Jim?"

Er band sich die Schnürsenkel zu, stand auf und legte seine Arme um Saras Taille.

"Ich fürchte, dann können wir das mit der Konferenz heute vergessen ... Außerdem wird es Zeit, dass ich mich wieder drüben bei Gil blicken lasse, kurz zumindest."

Sie verzog den Mund und zupfte an seinem Hemdkragen herum.

"Frühstücken wir zusammen, oder ist dir Grissom dabei auch lieber?"

Er küsste sie und seine Hände streichelten über ihren nackten Rücken.

"Glaub mir, Gil hat gegen dich nicht die geringste Chance."

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Als Jim sein und Grissoms Zimmer betrat, knöpfte sich Grissom gerade sein Hemd zu und zog eine Strickjacke über.

"Morgen, Gil! Ich geh mal davon aus, dass das Bad jetzt frei ist?"

Grissom schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und entgegnete:

"Ist das Kaminzimmer so gemütlich oder haben Sie in San Francisco eine Freundin?"

Jim grinste, kickte seine Schuhe von sich und begann sich auszuziehen.

"Okay, ich bin dann unten am Buffet", sagte Grissom und verließ kopfschüttelnd den Raum.

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Nachdem er geduscht hatte, rasierte sich Jim pfeifend, zog sich an und wollte gerade zur Krawatte greifen, als er stoppte, sich anders entschied und die oberen Knöpfe seines Hemdes wieder öffnete. Leise summend zog er sich Schuhe an, steckte sein Portemonnaie ein, griff nach seinem Jackett und war schon fast an der Tür, da hörte er Grissoms Stimme und die von zwei weiteren Männern auf dem Flur hektisch miteinander diskutieren, dann ein Klopfen an der Nachbartür und ein lautes:

"San Francisco Police, Miss Sidle, machen Sie bitte auf!"

Jim riss die Tür auf, gerade in dem Moment, als Sara ihre öffnete, mit einem Handtuch in der Hand, immer noch nassen Haaren, aber bereits bekleidet mit Jeans und Top.

"Detective Railey, so sieht man sich wieder, was kann ich für Sie tun? Oh, und hey Josh, was machst du hier?", fragte sie und schaute zwischen dem Detective, einem San Francisco CSI und Grissom hin und her.

"Wo haben Sie die Verletzungen her?"

Railey deutete auf Saras Hals und ihre Arme.

"Wieso wollen Sie das wissen?", fragte Jim und trat neben die Männer, die sich nun zu ihm wandten.

"Und Sie sind?", fragte der Detective.

"Captain Brass, LVPD."

"So", sagte Railey gedehnt, „noch ein Beschützer von Miss Sidle, der unsere Ermittlungen in Frage stellt?"

"Bislang habe ich mich nur nach dem Grund Ihrer Frage erkundigt", lächelte Jim.

"Also gut. Unser Kollege Ken Fuller ist tot im Gebüsch des Innenhofs aufgefunden worden, direkt unterhalb der Dachterrasse von Miss Sidles Suite. An seiner Leiche sind Spuren, die offenbar aus einem Kampf stammen, und von einigen Gästen unten haben wir erfahren, dass Fuller gestern Abend mit Miss Sidle zusammen war."

"Das sind keine Beweise dafür, dass Sara mit seinem Tod etwas zu tun hat", sagte Grissom.

Railey sah ihn giftig an.

"Wir sind hier nicht in Vegas, halten Sie sich also endlich zurück, Mr. Grissom!"

Auf dem Flur öffneten sich Türen und Köpfe streckten sich auf den Gang.

"Könnten wir das Gespräch mit etwas weniger Öffentlichkeit fortsetzen? Vielleicht in unserem Zimmer?", fragte Jim mit betont freundlicher Stimme und fing einen dankbaren Blick von Sara auf.

"In Ordnung, Miss Sidle, kommen Sie bitte mit."

Der Detective fasste Sara am Ellbogen, zog sie auf den Gang und nickte Josh zu, der eine Rolle mit gelbem Crime-Scene-Band zückte, einen Streifen quer über den Türrahmen spannte, sich mit seinem Koffer unter durch bückte und die Tür hinter sich schloss.

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Jim setzte sich neben Sara auf die Schlafcouch, während Railey sich einen Stuhl zu ihnen heranzog und Grissom sich ans Fenster stellte und kurz in den Innenhof schaute, bevor er sich ihnen zugewandt an den Fenstersims lehnte und die Arme verschränkte.

Der Detective zückte seinen Notizblock und fixierte Sara.

"Ich frag jetzt ganz direkt: Stammen Ihre Verletzungen von einer Auseinandersetzung mit Fuller?"

Sara nickte.

"Wie und wann ist das passiert?"

Sara hielt seinem Blick stand und sagte mit fester Stimme:

"Als wir nach der Konferenz ins Inn zurückkamen, das war so gegen halb sieben, hat Ken in der Lobby gewartet. Er ist mit mir zusammen aufs Zimmer gegangen und wir haben geredet …"

"Worüber?"

Sara wich Raileys Blick kurz aus, sah ihn aber gleich wieder in die Augen.

"Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mit ihm ausgehen möchte. Ein Wort gab das andere, und da ist er ausgerastet."

"Was genau heißt „ausgerastet"?"

"Er hat mich geschlagen und mich …"

Sie stockte. Jim griff nach ihrer Hand und drückte sie.

"Er hat versucht, mich zu vergewaltigen. Ich habe mich gewehrt und ihm mit der Nachttischlampe an den Kopf geschlagen. Das schien ihn wieder zur Besinnung zu bringen, jedenfalls ist er danach aus meinem Zimmer gestürmt. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen."

"Und wann hat Fuller Ihr Zimmer verlassen?"

Sara zuckte mit den Schultern.

"Kurz vor sieben", sagte Jim.

Railey schaute ihn erstaunt an.

"Er ist mir auf der Treppe entgegen gekommen, mit einer Platzwunde an der Schläfe. Ich bin sofort zu Sara ins Zimmer und anschließend bei ihr geblieben. Fuller ist danach definitiv nicht wieder aufgetaucht."

"Um das so genau zu wissen, müssten Sie ja die ganze Nacht bei Miss Sidle gewesen sein."

Jim spürte, wie Sara seine Hand drückte und sich Grissoms Blick in ihn bohrte. Er sah Railey geradeaus an.

"Ich war die ganze Nacht bei ihr, Detective."

Es klopfte und Josh streckte seinen Kopf ins Zimmer. Railey stand auf und ging mit ihm nach draußen. Schweigend warteten Jim, Sara und Grissom, bis er wieder, diesmal zusammen mit dem CSI, hereinkam und vor Sara und Jim stehen blieb.

Der Detective tippte mit seinem Stift auf den Notizblock.

"Miss Sidle, nur für das Protokoll: Sie sagten, Fuller hat versucht, Sie zu vergewaltigen, es aber nicht geschafft?"

Sie nickte.

"Josh hat in Ihrem Bett Sperma gefunden."

Jim seufzte und vermied es, in Grissoms Richtung zu schauen.

"Das ist nicht Fullers DNS, sondern meine."

TBC