Angst – Wenn Ereignisse prägen Kapitel 14

Überraschung

Harry und Draco waren von Severus auf die Krankenstation gebracht worden, um sie gründlich untersuchen zu lassen. Zumindest konnte man das bei Harry machen, Draco weigerte sich, die Krankenschwester auch nur ansatzweise an sich heran zu lassen. Er wollte auf gar keinen Fall, dass sie herausfand, was im Sommer passiert war. Und das würde sie definitiv, wenn sie ihn untersuchte.

So begnügte Poppy sich damit, nur ihren Stammgast zu untersuchen. Harry würde sich dann später um den Blonden kümmern, jedenfalls nahm er sich das vor.

Der Tränkelehrer stand stumm daneben und beobachtete alles, war aber erleichtert, dass den Kindern nichts passiert war.

Das Essen ließen die beiden ausfallen und gingen somit ohne Umweg zu ihrem Zimmer. Blaise wollte später kommen. Eigentlich hatte Harry jetzt schauen wollen, ob Draco auch nichts fehlte, aber der überging das einfach, lenkte den Schwarzhaarigen ab.

Nun saßen sie also auf der Couch und Draco hatte sich an seinen Freund gekuschelt. Die Leoparden lagen vor ihnen am Boden. Harrys Schlange schlief auf dem Bett und das Feuer knisterte beruhigend. Eine wohlige Wärme breitete sich über die Beiden aus und Draco schnurrte leise, als der Schwarzhaarige ihm den Nacken kraulte.

Nichts konnte sie aus der Ruhe reißen.

Allerdings platzte eine Stunde später Blaise ins Zimmer und schien völlig enthusiastisch zu sein. Ein riesiges Grinsen lag auf seinem Gesicht und wurde noch breiter.

„Was ist denn los, dass du hier so einen Lärm veranstaltest?", murrte Draco und verbarg unwillig über diese Fröhlichkeit, den Kopf in Harrys Halsbeuge.

„Na, ich habe gerade das Neuste gehört! Das aller Neuste! Etwas, was noch nicht für die Schüler bekannt gegeben wurde!"

Ein triumphierendes Lachen drang aus seinem Mund und auch Harry empfand das als zu fröhlich. Die Romantik war völlig verschwunden...

„Und was soll das für eine Neuigkeit sein, dass du uns so dermaßen störst?", meckerte der Blonde weiter.

„Nun... Ab nächste Woche gibt es einen neuen Kurs. Und zwar einer, den es vorher noch nie hier gegeben hat!", verkündete er.

Blaise konnte es vor Aufregung nicht vermeiden, von einem Fuß auf den Anderen zu tippeln. Schon ein lustiges Bild, musste sich Harry eingestehen.

Aber sie wussten immer noch nicht, was das für ein Kurs werden sollte.

„Red schon!"

„Ein Animagi- Kurs! Ist das nicht genial!"

Und ob das genial war. Die Schüler sprachen das ganze Wochenende über von nichts anderem – ja, es hatte sich schnell herum gesprochen. Heute war Sonntag und Harry und Draco saßen in der Bibliothek, um ihre letzten Hausaufgaben zu erledigen. Harry fand es zwar ganz toll, dass es endlich erlaubt war, auch hier in der Schule zu lernen wie man ein Animagi werden konnte, aber was nützte ihm das noch?

Draco war überaus begeistert, auch wenn er sich das nicht anmerken ließ. Der Schwarzhaarige jedoch konnte es genau sehen und er fand es schön, dass sein Drache sich darauf konzentrierte und dadurch die Ferien vergas.

Sie waren schon seit zwei Stunden hier und hatten nicht damit gerechnet, dass noch jemand herkommen würde. Da hatten sie sich geirrt, denn die Holztür öffnete sich und Hermine und Ron kamen herein.

„Hi, was macht ihr?", grüßte das Mädchen und nahm auf einem Stuhl Harry gegenüber Platz.

„Hausaufgaben fertig und ihr?"

Ron grinste.

„Rate mal! Na, wir wollen in der Bibliothek nachschlagen, weißt´, für den Kurs am Montag!"

„Soso, na dann. Habt ihr denn schon eine Idee, was ihr werden wollt?", fragte Harry.

Das ernüchterte Ron etwas, denn er hatte ehrlich noch keinen Plan. Er wollte etwas Großes, Starkes und Kluges. Aber was?

„Nun, ich wäre gerne ein Adler, oder eine Eule. Aber ein Fuchs ist auch nicht schlecht!", zählte Hermine die Tiere auf, die sie sich vorstellte.

Der Schwarzhaarige lächelte.

„Und, Schatz, was hast du dir jetzt ausgesucht?", wandte er sich an seinen Freund. Der lief leicht rosa an und sah verlegen auf sein Buch. Hatte Harry es doch bemerkt!

„Ich wäre gerne ein Tiger, ein sibirischer Tiger."

Bewundernd sahen ihn die beiden Gryffindors an. Harry hingegen lächelte sanft und hob sein Kinn an.

„Das wirst du auch werden, da bin ich mir ganz sicher!"

Erfreut, das zu hören, lächelte Draco nun ebenfalls wieder und versteckte nicht mehr, dass er begeistert war.

Es war Montagmorgen, als die vier in der Halle saßen und frühstückten. Dumbledore erhob sich und sofort kehrte Stille ein.

„Meine lieben Schüler, ich habe eine Bekanntgabe zu machen, obwohl es ja schon wie ein Lauffeuer durch die Schule gerast ist. Nun ist es also offiziell:

Ab heute wird es einen Kurs geben, in dem ihr lernen könnt, ein Animagi zu werden!"

Begeistertes Klatschen erfüllte die große Halle und der Schulleiter nahm wieder Platz.

Gespräche und Vermutungen wurden ausgetauscht und es konnte kaum ein Schüler erwarten, mit dem Kurs zu beginnen.

Der Hauslehrer Slytherins empfand das als sehr nervend. Nicht, dass es viele Gryffindors schaffen würden, sich zu verwandeln. Aber viele aus seinem eigenen Haus mit Sicherheit. Und sein Sohn würde ein gutes Vorbild sein! Ja, der Schulleiter hatte noch eine Überraschung vor sich. Und der Rest der Schule durfte auch noch sehen, was es hieß, sich mit einem Snape anzulegen..

Pansy und ihre beiden Idioten hätten sich gewundert, wenn Harry, und nicht die Kleinen, Jagd auf sie gemacht hätte.

Aber das war ein anderes Thema.

Der Gemeinschaftsraum war zum bersten gefüllt. Die Schüler drängten sich zusammen, saßen und standen, wo es nur ging.

In der Mitte des Ganzen stand Severus Snape, neben ihm auf einem der Sofas, saß Harry mit Draco und Blaise. Niemand wagte es, etwas zu sagen.

Mit einem einzigen Blick brachte der Mann die Schüler zum schweigen.

„Wie Dumbledore gesagt hat, beginnt ab heute der Kurs für Animagi. Was er nicht erwähnt hat, ist, dass der Kurs erst für die Klassen ab dem fünften Jahr gilt, da alles darunter noch nicht genug Wissen hat!"

Murren und Beschwerden waren zu vernehmen, was von den Erstklässlern, bis zu den Viertklässlern ging.

„Ruhe! Das ist eine Entscheidung, die nicht nur der Schulleiter getroffen hat, sondern auch das Ministerium! Und ich bin der gleichen Meinung. Man stelle sich einmal vor, was dabei rauskäme, wenn die Gryffindors der zweiten Klasse das dürften!"

Einstimmig wurde beschlossen, dass diese Entscheidung doch vernünftig war.

„ So, nun können alle, die nicht betroffen sind, gehen."

Nachdem dies geschehen war, setzte sich der Tränkelehrer in einen freien Sessel und wartete, bis auch der Rest sich gesetzt hatte.

„Nun, wie sicher alle wissen, ist die Verwandlung nicht leicht. Sie erfordert eine Menge Konzentration und Übung. Auch muss genug Magie vorhanden sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass es alle schaffen werden.

Nun, um euch allen einmal zu zeigen wie eine solche Verwandlung in eine Animagi-Gestalt vonstatten geht, werden wir es vorführen. Aber nur einmal!"

Nun fragten sich natürlich alle, was es damit auf sich hatte. Wer sollte das denn bitte vorführen? Etwa der Hauslehrer höchst persönlich?

Neugierig, was eigentlich nicht die Art der Slytherins war, sahen sie nun den Tränkemeister an.

Der wiederum hatte sich zurück gelehnt und wenn man ihn gut kannte, konnte man sehen, dass er leicht lächelte.

Draco, der nicht wusste, was er von seinem Paten halten sollte, blickte Harry an. Der aber hatte denselben Ausdruck drauf wie sein Vater.

Langsam stand der junge Snape auf und stellte sich, gut sichtbar, in die Mitte des Kreises.

Verwundert wurde er beobachtet und das Lächeln Harry wurde größer.

„Na, dann schaut mal her!", sagte er laut.

Skeptisch starrten ihn alle an, fragten sich, was für ein Spiel da gespielt wurde. Dann aber bemerkte einer wie langsam schwarze Haare auf Harry Händen wuchsen, seine schulterlangen Haare kürzer wurden, spitze Ohren auftauchten und sich seine ganze Statur änderte. Die Kleidung verschwand und am Ende stand ein schwarzer Wolf vor ihnen, der alle Anwesenden mit seinen grünen Augen anfunkelte.

Erschrocken hatte einige aufgekeucht und waren einfach sprachlos. Draco bekam den Mund erst gar nicht mehr zu und Blaise behielt sich einen Kommentar vor.

Er hätte wissen sollen, dass Harry das schon konnte – bei dem Vater!

„So, jetzt wisst ihr wie so was aussehen kann. Ich setze voraus, dass das in Haus bleibt und in dieser Gruppe. Sollte ich erfahren, dass irgendjemand ein Wort darüber verloren hat, gibt es Ärger. Der Schulleiter wird es noch früh genug erfahren."

Damit entließ er seine Schüler, die wild diskutierend in ihren Schlafsälen verschwanden.

Auch Severus ging und so blieben nur noch zwei Jungen zurück, vor sich einen großen Wolf stehend.

Allerdings schien dieser keine Anstalten zu machen, sich wieder in seine menschliche Gestalt zurück zu verwandeln. Mit einem Schrei viel dann der Schwarzhaarige auf das Sofa zurück, als plötzlich zwei schwarze Schwingen aus dem Rücken des Wolfes ragten.

Bewundernd sah Draco ihn an und machte ein paar Schritte auf ihn zu. Er streckte eine Hand nach den Federn aus, wagte aber nicht, sie zu berühren.

Als Harry bemerkte, dass Draco ihn doch nicht anfassen würde, nahm er wieder seine normale Gestalt an und ging auf ihn zu.

„Drache, alles okay?", fragte er.

„Ja, ich war bloß überrascht! Warum hast du mir nicht erzählt, dass du ein Animagi bist?"

Die Frage klang leicht empört. Harry schmunzelte und zog seinen Freund in eine warme Umarmung und gab ihm dann einen Kuss auf die blonden Haare.

„Sorry, Kleiner. Aber ich wollte es noch geheim halten. Und ihr seid die Ersten, die es erfahren haben."

Das schien aber nicht unbedingt aufbauend zu sein, denn Draco schmollte immer noch.

„Aber mit den anderen zusammen, nicht nur wir alleine!"

Harry seufzte leise, da hatte er was angerichtet. Entschuldigend drückte er den Blonden so fest an sich wie es ging. Dann hob er mit einer Hand sein Kinn an und küsste ihn zärtlich auf die Lippen.

„Tut mir leid, Drache. Aber ich habe nur euch meine Flügel gezeigt. Und dann habe ich noch etwas, das ich euch zeigen werde. Allerdings nicht hier."

Mit diesen Worten legte er seinen Arm um die Taille des Blonden und schnappte sich Blaises Arm.

In ihrem Zimmer angelangt, plumpste der Langhaarige auf sein Bett und wartete dann, was weiter passieren würde. Draco folgte seinem Beispiel und saß nun im Schneidersitz auf dem Bett. Erwartungsvoll sahen sie Harry an.

„So ungeduldig? Na gut!"

Also begann eine neue Verwandlung, mit nur einem Unterschied, sie ging viel schneller. Und da, wo vorher noch der Snape- Erbe stand, lag jetzt eine schwarze Schlange und zischelte die Beiden an.

Dumm nur, dass sie kein Parsel sprachen.

Maharet fand die neue Schlange wohl äußerst interessant, denn sie kam an und umrundete Harry.

Wer bist du? Zischte sie.

Harry.

Mein Meister? Ihr könnt euch verwandeln? Das ist ja wunderbar! Freute sich die Schlange und glitt über ihren Herrn hinweg, rüber zum Bett, wo Blaise sie in Empfang nahm.

Sambi schien die neue Schlange schon zu kennen, denn sie kam und wollte spielen.

Kurz rangelten die beiden miteinander, wobei die drei anderen Leos nur zusahen, dann verwandelte sich Harry zurück.

„Und, hat es euch die Sprache verschlagen?", fragte er, als die Beiden nichts sagten.

Sie schüttelten synchron den Kopf und Blaise streichelte weiter andächtig über die Schuppen von Maharet. Der schien das zu gefallen. Ein amüsantes Bild formte sich in Harrys Kopf.

„Hey, Blaise, wenn du eine Animagi- Gestalt in Form einer Schlange nimmst, könntet ihr beiden wohl ein paar Kinder haben! Ich glaube, Maharet wäre da nicht abgeneigt, so wie du sie immer behandelst."

Knallrot sprang Angesprochener auf und stemmte die Hände in die Hüften.

„Du spinnst ja! Ich bin keine Schlange, ich will ein Wolf werden!"

Beleidigt, so schien es zumindest, verschwand er im Bad.

Draco auf ihrem Bett, lachte sich immer noch kaputt. Blaise hatte auch zu komisch ausgesehen.

Rückwärts fiel Harry auf die Matratze und sofort bettete Draco seinen Kopf auf seiner Brust, die Arme unter dem Kinn verschränkt.

„Ich glaube, er wird jetzt erst mal nicht mit dir reden.", meinte der Blonde und kicherte noch einmal.

Eine viertel Stunde später erschien der Beleidigte wieder und kroch wortlos in sein Bett.

„Gute Nacht, Blaise.", rief Draco. Aber der andere reagierte nicht.

„Man, jetzt spiel nicht die beleidigte Leberwurst! Blaise, das war doch bloß ein Scherz!

Jetzt reg dich ab!"

Harry hatte das gesagt und saß nun aufrecht im Bett, schaute zu dem anderen rüber. Blaise rührte sich nicht.

„Tut mir leid, wenn ich dich beleidigt habe!", meinte Harry dann noch, legte sich zurück und spürte wie Draco sich wieder ankuschelte.

Die vier Leos legten sich ans Fußende und Maharet lag zusammengerollt zwischen ihnen.

Das Blaise nicht geantwortet hatte, lag daran, dass er schon schlief.


So, fertig für heute!

Bye, Psycho- Puma