Angst- Wenn Ereignisse prägen Kapitel 15

Erste Stunden

Gähnend schlug Blaise die Bettdecke zurück und setzte sich auf. Er hatte diese Nacht gut geschlafen. Nachdem er sich ausgiebig gestreckt hatte, sah er zu den anderen beiden herüber.

Dicht angekuschelt, lag der Blonde an Harry, der wiederum seine Arme um ihn gelegt hatte.

Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Die Sache mit Maharet kam ihm wieder in den Sinn und er schüttelte den Kopf.

Er hatte sich schon kindisch benommen, aber er fand diese Idee, die Harry da gehabt hatte, nicht so berauschend!

Müde stand er auf und verzog sich ins Bad.

Heute würden sie die erste Kursstunde haben, die sie lehrte, Animagi zu werden. Darauf freute sich der Langhaarige schon.

Er wollte ja gerne ein Wolf und ein Adler werden, denn er war auch ein begeisterter Besenflieger. Es war einfach schön, wenn er die Luft spürte – er verstand wie Harry sich dabei fühlte.

„Morgen!", grüßte ein Schwarzhaariger ihn, als Blaise zurück ins Zimmer kam.

„Auch einen guten Morgen!", meinte er und kramte im Schrank.

Harry streckte sich und blieb noch einen Moment liegen.

„Bist du noch sauer? Ich hab mich entschuldigt, aber du hast ja nicht reagiert."

Ruhig wartete der Redner auf eine Antwort. Blaise hingegen war überrascht, so drehte er sich um.

„Ich hab überhaupt nichts gehört, ehrlich, Harry. Ich bin gleich eingeschlafen, als ich mich umgedreht habe." Leicht verlegen lächelte er.

„Aber ich bin nicht mehr sauer. Irgendwie hab ich mich ja auch kindisch verhalten, hab ja gewusst, dass du nur einen Scherz machst."

Nun musste Harry lachen, was Blaise die Röte ins Gesicht schießen ließ.

„Jetzt werd nicht gleich rot! Ist ja nicht so schlimm, obwohl du bestimmt ne schöne Schlange wärst!"

Schneller, als der Kurzhaarige schauen konnte, hatte er ein Kissen im Gesicht. Allerdings weckte dieser Lärm einen blonden Jungen.

„Was ist denn hier los?", fragte er verschlafen und blinzelte einige Male.

Sofort hatte er Harrys Aufmerksamkeit.

„Nichts, Drache. Hast du gut geschlafen?", erkundigte sich der andere und lächelte warm.

„Ja, hab ich! Und du?"

„Auch, genauso wie Blaise, der ist nämlich eingepennt, sobald er sich umgedreht hatte."

Die drei gingen in die große Halle, wo die meisten Slytherins schon saßen. Der gestrige Abend war noch gut in ihren Erinnerungen und so sahen sie Harry erwartungsvoll entgegen.

„Morgen!", rief er ihnen zu und setzte sich.

Freundlich wurde diese Geste erwidert und dann frühstückten sie.

Das Klassenzimmer für den Animagi- Kurs lag im zweiten Stock und war schon geöffnet, als die Schüler ankamen. Jede Klassenstufe hatte getrennt Unterricht.

Als Draco und die beiden anderen das Zimmer betraten, wurden sie von der Lehrerin des Hauses Gryffindor erwartet. Schnell nahmen sie Platz und warteten.

„Guten Morgen, Klasse. Ich bin erfreut zu sehen, dass so viele teilnehmen. Den Unterricht für Animagi übernehme einmal ich, aber auch Professor Snape.

Da es nun mal so ist, dass manche Schüler ein Talent für so was haben und andere nicht so sehr, werden diejenigen, die schneller sind, bei Professor Snape unterrichtet und die Restlichen bei mir."

Schweigend und neugierig lauschte die Klasse. Einige murrten, als sie das mit ihrem miesgelaunten Tränkelehrer hörten, aber das waren vorwiegend die Gryffindors. Hufflepuff und Ravenclaw verhielten sich bisher ziemlich ruhig.

„Das erste, dass wir tun werden, ist, einen Test zu machen. Dieser Test wird zeigen, ob man überhaupt dazu in der Lage ist, sich zu verwandeln. Es ist nämlich durchaus so, dass es manchen Zauberern und Hexen versagt bleibt, ein Animagi zu werden."

Neville Longbottom schluckte und zitterte leicht, was Parkinson registrierte und natürlich gleich ausnutzte.

„Na, Longbottom, die Flasche, wird es wohl kaum schaffen! Wir wissen ja, was für ein Versager er ist!", schrillte sie und die Lehrerin warf ihr einen vernichtenden Blick zu.

„Ms. Parkinson, zwanzig Punkte Abzug, dafür, dass sie einen Mitschüler beleidigt haben!"

Ihre Hauskameraden warfen ihr böse Blicke zu, außer Goyle, der die ganze Zeit versuchte, sie auf sich aufmerksam zu machen. Wie es die Jungen so schön gesagt hatten, wirkte der Liebestrank immer noch. Der zweite Beweis war wohl, dass Pansy gerade wieder begann, sich an Crabbe zu werfen.

Nun saßen die Schüler ruhig an ihren Plätzen und füllten einen Bogen aus, der helfen sollte, die Animagi- Stufe herauszufinden.

Natürlich würde dazu noch ein Spruch kommen, der dann ebenfalls zum Ergebnis beitrug, aber immer alles der Reihe nach.

Nachdem alle fertig waren, erschien vor jedem Schüler eine Schale, in der ein magisches Feuer loderte.

„So, nun werfen sie ihre Bögen in das Feuer, aber nur, wenn er vollständig und wahrheitsgemäß ausgefüllt wurde. Jede Lüge wird Konsequenzen tragen.", ermahnte sie.

Blaise konnte es nicht erwarten, schnell folgte er der Anweisung und das Pergament verbrannte in sekundenschnelle.

Dasselbe machten Draco und sein Freund. Nach wenigen Minuten erloschen die Flammen dann und eine farbige Asche bliebt zurück.

McGonagall ging durch die Reihen und sah sich die Asche jedes einzelnen an. Am Ende stand sie wieder vorne und las vier Namen vor, die sie während ihres Rundgangs notiert hatte.

Es handelte sich um zwei Mädchen und zwei Jungen. Eine von ihnen war Cho Chang, was Draco sehr befriedigte. Schon mal eine Stunde mehr, in der sie nicht versuchen konnte, seinem Harry schöne Augen zu machen.

„Nun, ich muss ihnen leider mitteilen, dass sie nicht dafür geeignet sind, ein Animagi zu werden. Tut mir Leid."

Damit wies sie die Schüler an, das Klassenzimmer zu verlassen.

Langsam kehrte wieder Ruhe ein und die Verwandlungslehrerin begann zu erklären, woran sie erkannte, wer geeignet war.

„Wie jeder sehen kann, hat die Asche ihres Pergamentes nicht die übliche Farbe. Bei einigen ist es die gleiche Farbe, bei anderen eine andere.

Es gibt vier Farbtypen, fünf, wenn man schwarz mitzählt:

Schwarz: ungeeignet.

Blau: eine einfache Animagi- Gestalt.

Rot: zwei bis drei Animagi- Gestalten.

Silber: zwei Animagi- Gestalten, plus eine hohe Gestalt.

Gold: drei Animagi- Gestalten, plus zwei bis drei hohe Gestalten."

Hermine sah in ihre Schale und seufzte. Gerne hätte sie wenigstens Silber gehabt, aber ihr war nur rot vorbestimmt. Jedenfalls hatte sie es besser getroffen, als Ron, der hatte nämlich blau.

Suchend wanderte ihr Blick zu Harry, der ein zufriedenes Grinsen im Gesicht trug.

Sie wiederstand dem Drang, nach Harry zu rufen und ihn nach seinem Ergebnis zu fragen. Ohne Zweifel hatte er sicher ein sehr gutes, bei dem Gesicht.

Blaise, der links von Draco saß und somit keine Sicht auf Harrys Schale hatte, stupste diesen an.

„Was hast du?", flüsterte er. Lässig hob Angesprochener sie hoch und reichte sie weiter.

Der Langhaarige bekam große Augen, als er die goldene Asche sah, auch, wenn er schon damit gerechnet hatte – nach der Vorstellung gestern!

Draco hatte ja auch immerhin Silber geschafft, so wie er auch. Selbst Longbottom hatte wohl rot geschafft, zumindest hatte er das so gehört.

„So, wo sie sich nun wieder beruhigt haben, können wir weiter machen?"

Augenblicklich kehrte Ruhe ein.

„Jetzt werde ich bei jedem Schüler einen Zauber sprechen, der zeigt, welche Tiere ihnen zur Auswahl stehen. Natürlich kann es auch nur ein Tier sein."

Sie begann bei den Gryffindors, ihrem eigenen Haus.

Hermine hatte es geschafft, sie hatte die Gestalt eines Fuchses und eine Eule. Ron, der wurde zu einem Hund. Draco hatte eigentlich viel mehr mit einem Wiesel gerechnet, aber es sollte wohl nicht sein.

Nun kam die Lehrerin zu ihnen nach vorne. Blaise war bei ihnen dreien als erster. Gespannt hielt der Blonde den Atem an.

In einer Illusion erschienen Flügel und dann erkannte man einen großen Bergadler.

Glücklich lächelte Blaise, als er das sah. Dann flimmerte das Bild und noch ein Tier erschein, aber nicht zu erkennen. Aber das störte Blaise erst mal nicht.

McGonagall wendete sich nun dem jungen Malfoy zu und er begann zu zittern. Er hatte Angst, dass er sich in ein Frettchen verwandeln würde, was wohl die meisten erwarteten.

Nachdem der Zauber gesprochen war, passierte erst mal überhaupt nichts.

Dann tauchte eine Illusion auf und ein brüllender, sibirischer Tiger erschien. Aber er tauschte den Platz mit einem Einhorn und die anderen zogen die Luft ein. Eine Hand auf seiner Schulter ließ ihn aufschauen und in ein lächelndes Gesicht sehen, Harry.

Zu genau jenem kam die Frau jetzt. Schnell sprach sie den Zauber und wie auf Kommando, erschien eine zwei Meter lange, schwarze Schlange. Dann tauchte ein schwarzer, großer Wolf auf und zu guter letzt ein Phönix.

Die Klasse und auch McGonagall konnte nicht anders, als sich das starrend anzusehen.

So was war der Lehrerin noch nie untergekommen.

Zum Abendessen sah man fast überall nur Schüler, die über den Animagi- Unterricht redeten.

Einige waren enttäuscht, andere begeistert.

Harry hatte sich beeilt in die Halle zu kommen, damit er recht früh wieder gehen konnte. Natürlich war Draco ihm gefolgt, er wollte ja nicht alleine sein.

So saßen die beiden, natürlich umringt von Klassen- und Hauskameraden, die ihre Fragen stellten.

„Hättet ihr was dagegen, wenn wir auch mal was essen können? Ich habe Hunger!", beschwerte sich der Dunkelhaarige.

Verständnisvoll wandten sich die anderen ab und ließen sie essen. Natürlich rechneten sie damit, dass ihnen mehr erzählt würde, wenn Harry fertig war, aber da irrten sie sich.

Als der Ex- Gryffindor bemerkte, dass auch sein Freund fertig war, stand er schnell auf, zog Draco mit sich und verschwand.

Dummerweise waren sie so schnell weg gewesen, dass es die anderen gar nicht richtig registriert hatten.

Harry und Draco waren auf dem Weg zu ihrem Zimmer, als sie von zwei Gryffindors aufgehalten wurden.

„Harry!", rief Hermine und kam angerannt, Ron mit sich zerrend.

„Hallo" Was ist denn los?"

Sofort schob das Mädchen die Unterlippe vor.

„Das fragst du noch? Wir wollen natürlich wissen, was du für eine Faber hattest! Wir haben uns ja nicht mehr gesehen, nach dem der Unterricht beendet war."

Leise lachte Angesprochener.

„Gold und was hattet ihr?", erkundigte er sich.

„Ich habe Rot und Ron Blau. Natürlich habe ich ja gehofft, Silber zu bekommen, aber na ja.. Und du, Draco?"

Der Blonde sah das Mädchen an.

„Silber, genauso auch Blaise. Und ich hab ja auch das Tier, das ich wollte.", erwiderte er und man bemerkte, dass er sich darüber freute.

Ron blieb still, er freute sich zwar, dass er eine Gestalt hatte, aber eben nur Blau. Er wäre ja mit Rot zufrieden gewesen!

Der Gruppe schloss sich kurze Zeit später Blaise an, der wohl auch endlich gegessen hatte. Grinsend, so wie eh und je, kam er bei ihnen an.

„Du, Harry, hast du es ihnen auch schon erzählt?", erkundigte er sich.

Natürlich wurden ihm gleich wieder fragende Blicke zugeworfen. Draco seufzte und Harry verdrehte innerlich die Augen.

„Du kannst den Mund auch nicht halten, oder?", meinte der Kurzhaarige nur und wandte sich ab. Seinen Freund mit sich ziehend.

„Hey, was ist denn nun?", schrie Hermine hinterher.

„Ich dachte, ihr würdet von alleine folgen. Muss ich euch jetzt auch noch dazu auffordern?", grinste er und marschierte weiter.

Im Zimmer angekommen, schauten sich die Gryffindors erst einmal neugierig um. Es war größer, als der normale Schlafsaal und hatte ein großes, schönes Fenster. Selbstverständlich ein Magisches, immerhin waren sie hier im Kerker und der lag bekanntlich unter der Erde.

„Schön, nicht? Aber ich sollte euch ja was erzählen. Dank Blaise.", sprach er und warf einen mörderischen Blick zu selbigem. Der Langhaarige lächelte entschuldigend und hob abwehrend die Hände.

Mit einer Handbewegung bat er seine beiden Freunde Platz zu nehmen.

„Jetzt red schon!", bat Ron und wippte ungeduldig mit einem Fuß. Die Braunhaarige warf ihm einen kritischen Blick zu, wusste sie doch, dass ihr Freund noch immer ziemlich missgelaunt war.

„Also, folgendes. Ich bin bereits ein Animagi."

Es war heraus und Ron und Hermine wirkten nicht unbedingt überrascht, aber auch nicht minder geschockt. Sie gaben irgendwie ein komisches Bild ab, was wohl auch dem Blonden aufgefallen war, denn er lachte.

Wieder bei Sinnen, sahen die beiden ihn überrascht an, dann aber wechselte ihr Blick zu Harry zurück.

„Du bist schon einer? Aber seit wann denn? Obwohl.. Ich meine, wirklich überraschend ist es ja nicht, wenn man bedenkt, wer dein Vater ist!"

„Ja, aber was bist du denn jetzt schon? Eines der Tiere aus dem Unterricht?", erkundigte sich Ron nun doch interessiert.

Ohne lange zu fackeln, verwandelte sich Harry in den schwarzen Wolf. Er drehte sich einmal im Kreis und nahm dann wieder seine menschliche Gestalt an.

„Wow! Du siehst toll aus!", rief das Mädchen und saß schon gar nicht mehr.

„Danke, Mine. Und wie du sicher erkannt hast, ist das eine der Gestalten, die im Unterricht erschienen sind. Den Phönix beherrsche ich leider noch nicht richtig, da muss ich noch mehr üben."

Den Kopf schüttelnd, klopfte ihm Blaise auf die Schulter.

„Was soll's, immerhin bist du, denke ich zumindest, der einzige Schüler, der überhaupt schon eine Gestalt annehmen kann!"

Harrys Gesicht zierte plötzlich ein ziemlich großes Grinsen.

„Eine Gestalt?"


So, Ende für heute!

Bye, Psycho-Puma