Chapter 11
Es waren ein paar Tage vergangen seit dem Vorfall in der Stadt und Lan Wangji, Wei Wuxian und die zwei Schüler waren wieder zurück in der Cloud Recesses.
Lan Wangji hatte die zwei Schüler angehalten über den Vorfall nicht zu sprechen und somit erfuhren weder Lan Xichen noch Lan Qiren etwas darüber.
Wei Wuxian war wieder vollkommen der Alte und er verschwendete keinen Gedanken mehr daran, was in der Stadt ihm widerfahren war. Das Einzige was zurück blieb war das dumpfe Gefühl was passiert wäre wenn Lan Wangji nicht rechtzeitig zu seiner Rettung gekommen wäre.
Und natürlich haftete das Gespräch zwischen Jiang Cheng und Lan Wangji noch immer fest in seinen Gedanken.
Lan Wangji dagegen verhielt sich die vergangenen Tage äußerst aufdringlich. Er verfolgte Wei Wuxian fast auf Schritt und Tripp und egal wohin Wei Wuxian seinen Blick auch richtete, dauerte es nicht lange bis Lan Wangji schon irgendwo im Hintergrund umher schlich.
Anfangs fand Wei Wuxian Lan Wangjis Verhalten noch ganz süß und sein überbemutterndes Verhalten lies ihn oft etwas niedlich erscheinen.
Doch bald merkte Wei Wuxian das er genervt davon war, das egal wohin er auch ging oder was er auch anfasste es immer nicht lange dauerte bis Lan Wangji um ihn herumschlich und haargenau alles beobachtete was er tat.
Es dauerte nicht lange bis auch Lan Xichen das seltsame Verhalten seines Bruders auffiel. Wann immer er Wangji suchte, wusste er das er nur nach Wei Wuxian sich umsehen musste und schon würde er auch auf Lan Wangji treffen.
Lan Xichen war etwas besorgt über diese Entwicklung und er beobachtete mit Skepsis das weitere Vorgehen. Ihm entging nicht, dass Lan Wangji sich um etwas zu Sorgen schien und sein Verlangen Wei Wuxian für sich alleine einzunehmen immer größer wurde. Ebenso fiel ihm Wei Wuxians wachsende Abneigung auf und das Lan Wangjis Fürsorge einzuengen schien.
Eines Abends nach dem Essen suchte Lan Xichen Lan Wangji auf. Er fand ihn unten am Wasserfall und näherte sich ihm freundlich.
Lan Wangji begrüßte seinen Bruder und blickte ihn fragend an.
"Bruder? Warum bist du hier?" fragte Lan Wangji ruhig.
"Muss ich einen bestimmten Grund haben um meinen Bruder aufzusuchen?" fragte Lan Xichen ihn freundlich und blickte den Wasserfall hinauf.
Es war still und keiner von beiden sagte ein Wort. Es war nur das Rauschen des Wasserfalles zu hören und in der Ferne sangen ein paar Vögel ihr Lied.
Plötzlich öffnete Lan Xichen seinen Mund und brach ihr Schweigen.
"Wangji. Ich weiß, das dich etwas bedrückt! Möchtest du nicht darüber reden?" fragte Lan Xichen ihn freundlich und lächelte Lan Wangji zaghaft an.
Lan Wangji zuckte zusammen und blickte seinen Bruder mit großen Augen an.
"Es ist nichts..." antwortet er schließlich leise.
Lan Xichen seufzte leise auf.
"Du möchtest wohl nicht drüber reden...!" erwiderte Lan Xichen besorgt.
Lan Wangji schaute zu Boden. Lan Xichen hatte recht, es bedrückte ihn etwas. Aber er selbst hatte seine Gedanken und Gefühle noch nicht klar sortiert und er konnte es selbst nicht in Worte fassen. Daher schwieg er lieber und verlor sich in seinen Gedanken.
"Wangji, lass mich dir nur einen Rat geben." Lan Xichen drehte sich zu Lan Wangji und legte seine rechte Hand auf seine Schulter. Ihre Blicke trafen sich und Lan Wangji starrte seinen Bruder unsicher an.
"Lieben, heißt auch loslassen zu können!" Lan Xichen lächelte seinen jüngeren Bruder liebevoll an.
Lan Wangjis Augen weiteten sich und er öffnete seine Lippen um etwas sagen zu wollen, doch es kam kein Wort über seine Lippen.
Lan Xichen löste seine Hand von Lan Wangjis Schulter und wendete sich von ihm ab. So leise wie er gekommen war, so leise verschwand er auch wieder und Lan Wangji blickte ihm noch lange schweigend nach.
Noch eine ganze Weile blieb Lan Wangji am Wasserfall stehen und dachte über die Worte seines Bruders nach als er plötzlich in der Ferne Wei Wuxians Stimme vernahm.
Er schien sich aufgebracht mit jemandem zu unterhalten und sie kamen seines Weges entlang.
Wei Wuxian lachte laut auf und hatte sichtlich Spaß mit seinem Begleiter. Lan Wangji blickte zu ihnen herüber und sein Gesicht wurde sofort wieder ernst und besorgt.
Wei Wuxian unterhielt sich ganz unbefangen und er witzelte gerade rum als er plötzlich Lan Wangji entdeckte.
Sofort hörte er auf zu lachen und ihre Blicke trafen sich.
-Urks Lan Zhan! Er guckt schon wieder so mürrisch. Bestimmt verfolgt er mich gleich wieder wie eine Klette und verdirbt den ganzen Spaß- Dachte sich Wei Wuxian und er griff an den Arm seines Begleiters und zog ihn schnell in eine andere Richtung.
Lan Wangji blickte mürrisch zu ihnen herüber und er wollte gerade die Verfolgung aufnehmen als er plötzlich an Lan Xichens Worte denken musste.
Er stockte für einen Moment und blieb stehen. Er sah Wei Wuxian nach, der zwischen den Bäumen im grünen Dickicht verschwand. Sein Herz wurde ihm schwer und seine Gedanken waren sich uneinig.
Lan Wangji versuchte sich zusammenzureißen und nach einem kurzen Moment des Nachdenkens, drehte er sich um und ging mit trauriger Miene in die andere Richtung.
Am nächsten Tag begegnete Wei Wuxian Lan Xichen und er lud ihn freundlich ein auf eine Tasse Tee in seinen Pavillon zu kommen. Es war noch recht früh am Tage und Wei Wuxian hatte Zeit und machte sich daher gegen frühen Nachmittag auf den Weg zu Lan Xichens Pavillon.
Wei Wuxian wollte gerade an der großen Tür klopfen und sich anmelden als plötzlich die Tür einen Spalt auf ging und Lan Qiren im Eingang stand.
Wei Wuxian zuckte zusammen und machte schnell einen Schritt zurück. Er verneigte sich leicht und begrüßte ihn höflich. Lan Qiren grüßte zwar zurück so wie es sich gehörte aber Wei Wuxian merkte, dass er bei Lan Qiren kein willkommener Gast war. Lan Qiren warf ihm einen mürrischen Blick zu und strich ein paar mal seinen Bart entlang bevor er langsam an Wei Wuxian vorbei ging.
Hinter Lan Qiren stand Lan Xichen der im gegenzug Wei Wuxian freundlich begrüßte und ihn mit einer Handgeste einlud zu sich herein zu kommen.
"Komm nur herein, ich habe Teewasser schon aufgesetzt." sprach er freundlich und Wei Wuxian ging einen Schritt nach vorne und setzte seinen Fuß über die Türschwelle.
Wei Wuxian blickte noch einmal skeptisch nach hinten und sah wie Lan Qiren langsam in der Ferne verschwand.
"Mach dir nichts draus. Es ist nicht so als würde er dich nicht mögen. Er ist einfach nur viel zu besorgt und geht immer sehr kritisch an alles heran. Mein Onkel meint es nicht böse." Lan Xichen lächelte Wei Wuxian freundlich an und verwies ihn auf einen Platz an dem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes.
Wei Wuxian sprach kein Wort denn so richtig fehlten ihm die Argumente. Er konnte es keinem verübeln der schlecht über ihn dachte oder sich sorgte wenn er in der Nähe sei. Er setzte ein bekümmertes Gesicht auf und seine Gedanken verliefen sich in endlosen Windungen.
Lan Xichen goss das dampfende Wasser in ihre Teeschalen und ein angenehmes Aroma erfüllte den Raum.
"Worüber ich eigentlich mit dir sprechen wollte...ist über Wangji. Oder genauer gesagt, über euren Besuch in der Stadt." Lan Xichen stellte die Teekanne auf dem kleinen Tisch ab und setzte sich zu Wei Wuxian auf den Fußboden. Dieser schaute ihn fragend an und ein Moment der Stille trat ein.
Schließlich brach Wei Wuxian sein Schweigen.
"Was genau möchtest du wissen?" fragte er unsicher und starrte in den warmen Wasserdampf der aus seiner Teetasse empor stieg.
"Ich habe mich die vergangenen Tage gefragt ob etwas in der Stat vorgefallen sei. Mein Bruder Wangji benimmt sich seitdem etwas merkwürdig und wenn ich nachfrage möchte er nicht antworten. Ebenso war die Antwort der zwei Schüler die euch begleitet haben recht knapp ausgefallen. Es ist nicht so, dass es mich zwingend etwas angeht aber ich war es, der vorgeschlagen hatte, dass du mit in die Stadt gehen sollst. Ich fühle mich jetzt etwas schuldig sollte dies eine schlechte Entscheidung gewesen sein." Lan Xichen blickte Wei Wuxian besorgt an und man merkte ihm an, dass es ihn tatsächlich bedrückte.
Wei Wuxian grinste Lan Xichen breit an und wedelte verneinend mit seinen Händen in der Luft.
"Nein, nein Meister Lan Xichen. Es ist alles inordnung. Es war eine gute Idee, dass ich mit in die Stadt gegangen bin!" Wei Wuxian nippte zügig an der heißen Teeschale und versuchte vom Thema abzuschweifen.
"Wirklich sehr gut der Tee. Sehr lecker!" Sprach er hastig und er pustete wild in den heißen Wasserdampf.
Lan Xichen seufzte auf und blickte Wei Wuxian ungläubig an.
"Nun gut. Ihr möchtet wohl alle scheinbar nicht darüber reden! Dann ist es nun so und ich werde nach eurem Geheimnis nicht weiter nachforschen!" Lan Xichen schloss für einen Moment seine Augen und sortierte unzufrieden seine Gedanken.
Wei Wuxian blickte ihn hinter seiner Teeschale hervor an und der heiße Dampf vernebelte sein Gesicht.
"Ich denke ihr werdet eure Gründe haben und eure eigenen Lösungen finden. Zumindest hoffe ich das, denn Wangji ist seit eurer Rückkehr noch aufgebrachter. Ihn scheint etwas zu bedrücken und er fragt mehrmals am Tag nach dir."
Wei Wuxian schluckte und stellte seine Schale wieder auf dem Tisch ab. Er fand es selber unfair Lan Xichen so unwissend zurück zu lassen, wo er doch merkte wie besorgt er war.
"Um Lan Zhan, werde ich mich kümmern. Das wird sich wieder regeln!" versicherte er mit ruhiger Stimme und er sah wie Lan Xichens Gesichtsausdruck weicher und unbekümmerter wurde.
"Das freut mich!" Lan Xichen lächelte Wei Wuxian sanft an und die betrübte Stimmung im Raum begann sich zu lichten.
"Wie geht es eigentlich deinen Wunden? Ich hatte die letzten Tage gar keine Zeit mehr mich danach zu erkunden?" fragte Lan Xichen das Thema wechselnd.
"Die Wunden von den Pfeilen? Die sind recht gut verheilt. Jedoch sind zwei recht große Narben zurück geblieben und bei manchen Berührungen verspüre ich noch immer einen Schmerz!" erklärte Wei Wuxian und legte dabei seine linke Hand auf seine rechte Schulter ab.
"Darf ich sie einmal sehen?" fragte Lan Xichen besorgt.
Wei Wuxian stockte für einen Moment.
"Ja sicher!" antwortete er schließlich zügig.
-Wei Wuxian fragte sich ob Lan Zhan seine bemutternde Art wohl von seinem älteren Bruder hatte. Sie waren sich in diesem Punkt nämlich ausnahmsweise mal sehr ähnlich.-
Wei Wuxian striff seine Robe von seinen Schulter und legte seinen Oberkörper frei. Lan Xichen rutschte näher heran und lehnte sich leicht nach vorne.
"Darf ich?" fragte Lan Xichen freundlich und streckte seine Hand zu Wei Wuxians Schulter aus.
Wei Wuxian nickte zustimmend und Lan Xichen berührte vorsichtig Wei Wuxians Schulter. Er strich mit seinen schlanken Fingern behutsam über die Narbe und tastete vorsichtig die Haut ab.
"Tut das hier weh? Man sieht immer noch rot-lilane Bluteinsprossungen kreisrund um die Narbe." Lan Xichen drückte etwas fester und schon zischte Wei Wuxian auf und zog die Luft durch seine Zähne hindurch.
"Autsch"
"Oh verzeih." Lan Xichen runzelte die Stirn und zog langsam seine Hand wieder zurück.
"Kannst du den Arm denn wieder voll nutzen? Oder hast du sonst noch irgendwelche Einschränkungen?" Lan Xichen tastete behutsam einmal Wei Wuxians Arm rauf und wieder runter.
"Nein, ansonsten ist alles ok, denke ich." antwortet Wei Wuxian und drehte ein paar mal seine Schulter im Kreis.
"Das ist gut!" antwortete Lan Xichen zufrieden.
"Und die Hüfte, darf ich die auch einmal sehen?"
Wei Wuxian griff kommentarlos an seinen Gürtel und löste den Knoten. Er öffnete seine Hose und striff den Stoff vorsichtig über seine linke Hüfte und lehnte sich leicht zurück.
"Ziemlich genau das selbe. Auch hier ist es an manchen Stellen sehr schmerzempfindlich." erklärte Wei Wuxian wärend sich Lan Xichen näher heranlehnte und Wei Wuxians Narbe genauer betrachtete.
"Darf ich nochmal?" fragte Lan Xichen höflich.
Wei Wuxian nickte und Lan Xichens langen Finger tasteten vorsichtig Wei Wuxians linke Hüfte ab.
"Die Narbe ist wirklich recht groß." Flüsterte Lan Xichen in Gedanken versunken.
"Ist nicht so schlimm. Mit ein paar Narben kann ich leben." antwortete Wei Wuxian locker und stützte sich nach hinten auf seinen Händen ab.
"Ich habe trotzdem etwas für dich. Einen besonderen Kräutersud." Lan Xichen stand auf und ging an ein Regal hinter sich an der Wand. Er kramte ein wenig umher und kam dann zurück an den Tisch zu Wei Wuxian. In der Hand hielt er eine kleine helle Schachtel mit einem runden Deckel.
"Was ist das? Fragte Wei Wuxian interessiert.
"Sagen wir ein besonderer Kräutersud. Die Zutaten sage ich dir lieber nicht." Lan Xichen lächelte Wei Wuxian an und öffnete den Deckel der kleinen Schachtel. Sofort strömte ein starker Duft um ihre Nasen und Wei Wuxian hielt sich die Nase zu.
"Puhhh das stinkt!" mäckerte er.
"Sagen wir es riecht intensiv." lachte Lan Xichen.
"Ich mache dir ein bisschen davon auf die Wunden. Du kannst zusätzlich noch ein paar mal die Woche in unsere Quelle oben am Berg gehen. Nehm Wangji mit. Es ist gut für Körper und Geist." Lan Xichen strich mit seinem Finger durch die kleine Schachtel und ein weiß-grüner Harz legte sich um seinen Finger.
Lan Xichen streckte seine Hand zu Wei Wuxians Schulter aus.
Genau in diesem Moment kam Lan Wangji an dem Pavillon seines Bruders vorbei und schritt über die Veranda.
Aus dem Raum hörte er leise Stimmen die sich unterhielten. Er wollte nicht lauschen, doch als er Wei Wuxians Stimme hörte interessierte es ihn doch, warum er in dem Pavillon seines Bruders war.
"Aber sei vorsichtig. Nicht das es wieder weh tut." hörte Lan Wangji Wei Wuxians Stimme.
"Ich mache ganz vorsichtig. Es wird dir gut tun. Keine Sorge, glaub mir." Erklang Lan Xichens Stimme aus dem Raum.
"Ah... Es ist ganz kalt!" jammerte Wei Wuxian.
"Es wird gleich warm. Verkrampf dich nicht so!"
Lan Wangji riss die Augen weit auf. Seine Gedanken spielten verrückt und er schlich sich näher an das offene Fenster heran. -Was taten die beiden da nur, fragte sich Lan Wangji und er konnte nicht mehr an sich halten.-
Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und rutschte langsam näher an das Fenster heran.
"Und fühlst du schon was?" fragte Lan Xichen.
"Es geht. Es kitzelt ein wenig!" antwortet Wei Wuxian und seine Stimme klang etwas gequält da er immer noch seine Nase zu hielt.
Lan Wangji spürte wie sein Herz einen Schlag aussetzte. Er wurde unruhig, sein Puls stieg an und vor lauter Aufregung bekam er einen Kloß im Hals. Er blickte vorsichtig um die Ecke und wagte einen Blick durch das offene Fenster.
Er konnte Wei Wuxian sehen, wie er auf dem Boden saß mit dem Rücken zum Fenster gewendet. Sein langer Zopf hing an seinem nackten Rücken hinunter und die Haare kringelten sich auf dem Fußboden. Sein Oberkörper war vollkommen entblößt, der Gürtel gelockert und Lan Wangji sah ein Stück von Wei Wuxian nackter Hüfte und Oberschenkel. Er stützte sich mit einer Hand nach hinten wärend die andere Hand vor seinem Gesicht war. Wahrcheinlich vor seinem Mund, wie Lan Wangji annahm.
Davor saß Lan Xichen auf dem Boden. Sein Oberkörper war vorgebeugt und seine rechte Hand ging hinunter zu Wei Wuxian Hüfte und tat dort etwas. Mehr konnte Lan Wangji nicht erkennen, aber mehr brauchte er auch nicht. Die Situation war für ihn klar und sein geschundenes Herz schrie vor Schmerz. Seine Augen waren weit geöffnet und am liebsten hätte er sofort aufgeschrien.
Er schloss schnell seine Augen und lehnte sich an die Hauswand. Mit seiner rechten Hand krallte er sich in seinen Kragen seiner Robe und er versuchte seine Emotionen zu unterdrücken.
-Wie konnte sie nur, sein eigener Bruder-
Lan Wangji holte tief Luft um sich zu beruhigen als er wieder Wei Wuxians Stimme hörte.
" Mach bitte schneller! Ich halte das nicht mehr aus!" Keuchte Wei Wuxian durch seine zue Nase.
Lan Wangji ertrug es nicht mehr länger und machte auf dem Absatz kehrt. Seine hektischen Schritte auf der Veranda verschwanden in der Ferne und seine Haare wehten im Wind als er sich mit seinem Ärmel über seine Augen wischte.
Lan Xichen stutzte und schaute zum Fenster.
"Ist was?" fragte Wei Wuxian und drehte sich mit seinem Kopf nach hinten.
"Ach nichts. Ich dachte nur ich hätte was gehört!" Lan Xichen schloss die kleine Schachtel wieder mit dem Deckel und stand langsam auf.
"Du kannst dich wieder anziehen!" lächelte Lan Xichen Wei Wuxian freundlich an und verstaute den Kräutersud wieder im Regal.
"Vielen Dank!" nickte Wei Wuxian herüber und zog sich langsam wieder an.
"Und denk an die Quelle was ich dir vorhin gesagt habe. Sie wird sicher nochmal helfen!"
"Ja, werd ich tun. Auch dafür nochmal vielen Dank." Wei Wuxian verneigte sich leicht und grinste Lan Xichen breit an. "Dann werde ich mich jetzt wieder auf den Weg machen."
Lan Xichen begleitete Wei Wuxian noch bis zur Tür und Wei Wuxian dankte ihm abermals.
Danach wendete er sich ab und ging zurück zu Lan Wangjis Pavillon.
Vor der dunklen Tür angekommen öffnete er sie einen Spalt und linste in den Raum hinein. Alles war dunkel und Lan Wangji war nicht da.
-Hmmm wo ist er denn?- fragte sie Wei Wuxian und schob die Tür wieder zu.
Hinter sich hörte er plötzlich Stimmen und drei Schüler liefen nicht weit von ihm entfernt des Weges.
"Hey. Habt ihr Lan Wangji gesehen?" rief Wei Wuxian zu ihnen rüber und wedelte auffallend mit seinen Armen in der Luft.
"HanGuang-Jun? Nein den haben wir nicht gesehen!" antwortet einer der dreien und Wei Wuxian begann zu schmollen.
"Hmmm wo ist er denn. Er ist doch nicht etwa beleidigt weil ich am Wasserfall ohne ihn zu beachten weggegangen bin?" nuschelte Wei Wuxian zu sich selbst und legte seine rechte Hand an sein Kinn und dachte nach.
"Na so wie ich ihn kenne ist er ja etwas empfindlich. Ich sollte mal besser nach ihm sehen." Wei Wuxian verschränkte seine Hände hinter seinem Kopf und stapfte los. Den ganzen Nachmittag lief er durch die Cloud Recesses und fragte sich überall durch wer Lan Wangji gesehen hätte. Doch niemand wusste wo er ist und viele hatten ihn seit dem frühen Nachmittag nicht mehr gesehen.
Langsam kam es Wei Wuxian merkwürdig vor und ein wenig begann er sich Sorgen zu machen.
Als er gerade am Library Pavillon vorbei kam stieß er plötzlich wieder auf Lan Qiren. Wei Wuxian zuckte zusammen und begrüßte ihn höflich und respektvoll.
Lan Qiren legte sofort seine mürrische Miene wieder auf und strich sich unheilvoll über seinen Bart wärend er Wei Wuxian eindringlich musterte.
Wei Wuxian wagte es nicht hochzublicken und wartete darauf, dass Lan Qiren endlich an ihm vorbei Schritt.
Plötzlich öffnete Lan Qiren seinen Mund und seine klare Stimme war zu hören.
"Er ist unten am Fluss!"
Wei Wuxians Augen weiteten sich und er blickte Lan Qiren in die Augen.
"Bitte?" fragte er vorsichtig nach.
"Wangji. Er ist unten am Fluss!" wiederholte Lan Qiren noch einmal und wendete dann seinen mürrischen Blick von Wei Wuxian wieder ab.
Wei Wuxian, der nun verstanden hatte, setzte sein breitestes Grinsen auf und bedankte sich höflich bei Lan Qiren.
"Hmpf" Lan Qiren schlug seine Ärmel nach hinten und setzte seinen Weg fort.
Wei Wuxian verharrte in seiner respektvollen Pose und wartete noch bis Lan Qiren etwas weiter weggegangen war und dann machte er schnell auf dem Absatz kehrt und lief nach unten zum Fluss.
Er kam schließlich nach Luft schnappend unten am Fluss an. Er blieb kurz am Rand hinter einem Baum stehen und stützte sich mit seiner Hand an dem Stamm ab um wieder zu Atem zu kommen. Plötzlich hörte er eine traurige Melodie aus der Ferne.
Er blickte an dem Baum vorbei nach unten zum Fluss und dort saß Lan Wangji am Flussufer und spielte auf seiner Zither. Neben ihm stand ein junger Mann aus dem Gusu Lan Clan und lauschte seiner Melodie.
Es war ein trauriges Lied und Wei Wuxian fühlte sich plötzlich schwer ums Herz.
Vorsichtig ging er die alte Steintreppe nach unten und bald erblickten die beiden Wei Wuxian der sich näherte.
Lan Wangji warf Wei Wuxian einen zornigen Blick zu und setzte ohne Pause sein Stück fort. Der junge Begleiter begrüßte Wei Wuxian freundlich mit einer Handgeste und machte ein paar Schritte zurück.
Plötzlich hörte Lan Wangji zu spielen auf und hob seine Hand. Er wendete seinen Blick zu dem jungen Mann.
"Du brauchst dich nicht zu entfernen. Ich habe nichts mit meinem Besucher zu besprechen." sagte Lan Wangji mit kalter Stimme.
Wei Wuxian stutzte und seine Augen weiteten sich.
-Meinte er mich damit?- fragte sich Wei Wuxian erschrocken.
"Lan Zhan?" fragte Wei Wuxian verunsichert.
"Geh." erwiderte Lan Wangji und er wendete seinen Blick ab und schaute auf den Fluss.
"Ich soll wieder gehen? Ich bin doch gerade erst gekommen! Ich habe dich die ganze Zeit gesucht!" antwortet Wei Wuxian verwundert.
"..." Lan Wangji sprach kein Wort. Sein Gesicht war eisern und traurig und er wendete seinen Blick weiterhin ab.
"Lan Zhan! Was ist los? Sprich mit mir!" Forderte Wei Wuxian ihn auf und machte einen Schritt weiter auf Lan Wangji zu.
Der junge Begleiter der dabei stand schaute unsicher sich das Treiben an und er fühlte sich fehl am Platze und wollte sich lieber entfernen. -Musste er jetzt unbedingt dabei sein wenn die zwei sich streiten?-
Lan Wangji seufzte leise und stand dabei auf. Er wickelte seine Zither wieder in das weiße Tuch und legte sie über seine Schulter.
"Wir gehen." sprach er zu dem jungen Begleiter und wendete sich schließlich von Wei Wuxian ab.
"Nein du wirst nicht gehen!" sagte Wei Wuxian schnell und griff nach Lan Wangjis Ämel.
Lan Wangji drehte sich um und warf Wei Wuxian einen zornigen Blick zu.
"Lass los!"
"Nein ich werde nicht los lassen. Du kannst gehen wohin du willst aber erst nachdem du mir gesagt hast was mit dir los ist!" antwortet Wei Wuxian forsch.
Der junge Mann machte wieder einen Schritt zurück und wollte sich abwenden um den beiden etwas Privatsphäre zu lassen.
"Du bleibst!" sagte Lan Wangji hastig zu ihm.
"Nein ihr geht bitte!" warf Wei Wuxian hinten dran und beide starrten den jungen Mann zornig an.
"Ich...ähm.." Stammelte der junge Mann unsicher.
Lan Wangji blickte Wei Wuxian wütend an.
"Ich sagte er bleibt und nun lass mich los!" sagte Lan Wangji.
"Und ich sagte er geht. Und ich werde dich nicht los lassen. Oder möchtest du das ich vor deinem Begleiter genauer ins Detail gehe?" fragte Wei Wuxian aufmüpfig.
Lan Wangji knirschte mit den Zähnen und seine Augenbrauen kräuselten sich.
"Entferne dich ein Stück.." sagte Lan Wangji schließlich widerwillig und nickte dem jungen Mann zu.
Sein Begleiter verneigte sich leicht und ging zügig die Steintreppe hinauf und blieb oben am Absatz stehen und wartete.
Wei Wuxian löste seinen Griff und Lan Wangji riss seinen Ärmel aus Wei Wuxians Hand und strich den Stoff wieder glatt.
"Meine Güte bist du schlecht drauf. Was ist nur los mit dir? Ist irgendwas passiert heute Nachmittag? Habe ich was getan?" fragte Wei Wuxian und dachte nach mit welcher Tat er Lan Wangji so erzürnt haben könnte.
Lan Wangji starrte Wei Wuxian an und ihre Blicke trafen sich.
"Du weißt es nicht?" zischte Lan Wangji von der Seite.
"Nein ich weiß es nicht. Also hilf mir auf die Sprünge und sag mir endlich wo dein Problem ist." antworte Wei Wuxian schließlich angenervt.
"Jetzt tu nicht so unschuldig." Sagte Lan Wangji mit tiefer Stimme.
Wei Wuxian wurde langsam sauer und der Zorn stieg in ihm hoch. -Wie konnte sich Lan Wangji nur so wie ein Kind aufführen?-
"Lan Zhan, es reicht jetzt. Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst. Seit Tagen schleichst du mir hinterher wie ein Schatten und lässt mir keine Sekunde Freiraum und jetzt schmollst du hier wie ein kleines Kind und willst mir nicht sagen was dein Problem ist. Wie soll ich dich verstehen wenn du nicht sagst was los ist!" sagte Wei Wuxian forsch.
"Bitte? Wie kann man nur so ignorant sein. Du müsstest selber am besten wissen was du tust und mit wem du was tust." Lan Wangjis Stimme wurde laut und er fühlte wie seine Emotionen überhand nahmen.
Wei Wuxian starrte ihn immer noch fragend an.
"...Wie konntest du nur...Nachdem du wusstest wie ich fühle... Nach den ganzen vergangenen Tagen die wir..." Lan Wangjis Gesicht war voller Zorn und Verzweiflung, seine Stimme war aufgebracht. Seine sonst so ruhige und kühle Art bröckelte.
Wei Wuxian hatte Lan Wangji noch nie so gesehen. Sein Gestammel machte ihn Wahnsinnig und sie kamen keinen Schritt weiter.
"Was habe ich getan?" schrie Wei Wuxian ihn schließlich an; denn seine Geduld war langsam am Ende.
"Ich habe euch gesehen! Heute Nachmittag." bölkte Lan Wangji zurück.
"Gesehen?..." fragte Wei Wuxian unwissend.
"Wie konntest du nur...mit meinem eigenen Bruder..!" Lan Wangjis Stimme begann zu brechen und es fluteten so viele Gefühle und Gedanken seinen Körper das er gar nicht wusste wohin mit sich.
"Lan Xichen? Was ist mit Lan Xichen? Ich war heute Nachmittag bei ihm. Ja und? Auf was für Ideen kommst du nur wenn man dich alleine lässt?" fragte Wei Wuxian zornig und die Anspannung stieg weiter an.
"Muss ich es aussprechen! Ich habe euch durchs Fenster gesehen...! Ich komme mir vor wie der letzte Trottel. Wie lange geht das schon so? Habt ihr über mich gelacht? Hinter meinem Rücken? Hat es dir Freude bereitet mit mir zu spielen? War das alles gelogen? Hast du dich mir hingegeben nur um an meinen Bruder ranzukommen? Hast du für ihn bereitwillig die Beine schon breit gemacht?" Lan Wangji drehte langsam durch und die Angst Wei Wuxian zu verlieren übermannte ihn und beherrschte seine Zunge. Seine Selbstbeherrschung brach genau hier und jetzt.
"Es reicht!" schrie Wei Wuxian und mit einem lauten Knall ohrfeigte er Lan Wangji mit seiner flachen Hand auf die Wange.
Dieser hielt sich seine schmerzende rote Wange und schaute Wei Wuxian erschrocken an.
Der junge Begleiter oben an der Treppe hielt sich die Hand vor den Mund und schaute sich mit Verwunderung den Streit der beiden von oben an.
"Es reicht!" schrie Wei Wuxian noch einmal. "Hast du den Verstand verloren? Sieh dich mal an. Hörst du dich eigentlich selber reden? Reiß dich mal zusammen. Ich war heute Nachmittag bei Lan Xichen, ja richtig. Aber wir haben nur einen Tee getrunken und uns unterhalten. Er hat mir nur so einen stinkenden Kräutersud auf meine Wunden geschmiert. Siehst du?" Wei Wuxian griff sich in seinen Kragen und riss den Stoff von seiner rechten Schulter. Die helle Haut wurde frei gelegt und Wei Wuxians Narbe an der Schulter wurde sichtbar.
Man sah noch die Reste des Kräutersuds und ein leichter strenger Geruch strömte in die Luft.
Lan Wangji hielt sich noch immer seine Wange und er starrte mit aufgerissenen Augen Wei Wuxian an.
-Habe ich das alles etwa missverstanden?- fragte er sich.
"Wie kannst du dir nur so einen Unfug in deinem Kopf zusammen spinnen. Das ist doch nicht mehr normal. Du verhälst dich nicht mehr normal!" Keifte Wei Wuxian und er selbst merkte wie der Zorn ihn überrannt hatte.
"Ich bin nicht mehr normal...?" fragte Lan Wangji leise...
Wei Wuxian stutzte.
Lan Wangjis Miene veränderte sich plötzlich und er bekam einen irren Gesichtsausdruck.
"Richtig...ich bin nicht mehr normal! Du hast mich dazu gemacht! Es ist deine Schuld das ich nicht mehr normal bin! Es ist alles deine Schuld das ich so fühle und ich selbst nicht mehr weiß wer ich bin...Du hast mich verführt und mich vom rechten Weg abgebracht!" Lan Wangji machte einen Schritt auf Wei Wuxian zu.
Dieser erschrack und rechnete damit das Lan Wangji jetzt zu schlagen würde und versuchte schützend seine Hände vor sich zu halten.
Doch Lan Wangji sprang nach vorne und packte mit beiden Händen fest an Wei Wuxian Kragen und presste gewaltsam seine Lippen auf Wei Wuxians. Wei Wuxian riss die Augen weit auf und brauchte einen Moment um zu verstehen was vor sich ging.
Da er seinen Mund leicht geöffnet hatte schob Lan Wangji seine Zunge in Wei Wuxians Mundhöhle und küsste ihn grob.
Wei Wuxian bekam keine Luft und fing an sich zu wehren doch Lan Wangji war größer und stärker als er. Er löste seine rechte Hand von Wei Wuxians Kragen und griff hinten in Wei Wuxians Haare und hielt gewaltsam seinen Kopf fest.
Wei Wuxian, außer sich vor Zorn hob sein Knie an und trat Lan Wangji in den Magen. Dieser löste durch den Schmerz kurz ihre Lippen voneinader und in diesem Moment schlug Wei Wuxian mit der Faust zu und traf Lan Wangji mitten auf die Wange.
"Argh!"
Dieser taumelte zurück und fiel auf seine Knie. Wei Wuxian machte einen Schritt zurück und wischte sich mit seinem Ärmel über seine Lippen. Sein Gesicht war rot vor Wut und er schnappte nach Luft.
Der Begleiter oben am Fluss stand der Mund vor Staunen offen und er konnte sich keinen Zentimeter rühren. -Von was ist er da nur Zeuge geworden?-
Lan Wangji kniete auf der Erde. Der gleißende Schmerz von seiner Wange flutete seinen Körper und langsam kam er wieder zur Gesinnung.
"Jetzt bist du zu weit gegangen!" schrie Wei Wuxian wütend und jappste nach Luft.
Lan Wangji blickte nach oben und starrte Wei Wuxian an. Seine Gedanken wurden wieder klar und der Schmerz holte ihn wieder zurück auf die Erde.
-Was habe ich nur getan?- Dachte er sich und seine Lippen begannen zu zittern.
"...Wei Ying...Ich..." stammelte Lan Wangji und seine Augen wurden glasig.
"Verschwinde...Ich will dich nicht mehr sehen!" Wei Wuxian drehte sich wütend um und verließ das Flussufer.
"...Wei...Ying... Es tut mir Leid!" rief Lan Wangji ihm mit trauriger Stimme noch nach, doch Wei Wuxian drehte sich nicht mehr um und stapfte wütend davon.
"Es tut mir Leid..." hauchte Lan Wangji noch einmal.
Dann blickte er nach unten auf die Erde. Seine Hände krallten sich in das Gras und eine erste Träne fiel zu Boden. Seine Lippen zitterten und sein Herz schrie vor Schmerz.
"Bitte...verlass mich nicht..." hauchte er mit zittriger Stimme.
Wei Wuxian verschwand im Dickicht und der junge Begleiter oben an der Treppe wendete sich in Gedanken versunken von dem Ort des Geschehens ab und ging schweigend zurück zum Gusu Lan Clan.
Lan Wangji kniete alleine unten am Flussufer und die vielen Tränen benetzten das frische Gras.
