Chapter 12.2

Die drei bogen in eine kleine Nebengasse abseits der Hauptstraße ab. Fast alle Häuser in Zhou Yong waren aus Holz gebaut und die Fassaden waren mit aufwendigen Schnitzereien verziert. In den vielen kleinen Fenstern brannten Lichter und obwohl die Gasse kleiner als die Hauptstraße war, fühlte man sich trotzdem wohl und die Straße war gut ausgeleuchtet.

Plötzlich zeigte Bao Tian mit seinem Zeigefinger auf ein kunstvoll verziertes Holzschild welches unweit von ihnen an einem der Häuser hing.
"Wir sind da!" sprach er und die drei traten vor das kleine Haus.

Drinnen brannten Lichter und durch die kleinen Fenster konnte man einen Blick ins Innere erhaschen.

Bao Tian öffnete die Tür und eine kleine Glocke kündigte ihre Anwesendheit an.
Wei Wuxian folgte ihm als nächstes und schon hörte man die Stimme einer Frau die sie freudig begrüßte.
"Tian? Es ist Tian! Schön, dass du mal wieder vorbei kommst. Ich hab dich schon länger nicht mehr in der Stadt gesehen!" hörte Wei Wuxian eine angenehme und freundliche Frauenstimme.

Das kleine Haus sah von innen sehr gemütlich und einladend aus. Alles war aus Holz mit schönen Schnitzereien an der Decke und den Wänden. Überall lagen große Bahnen schwerer Stoffe auf den Tischen und hier und da hingen wunderschön geschneiderte Roben an den Wänden.

Wei Wuxian staunte nicht schlecht. Der Raum wurde mit einem angenehmen Aroma aus Stoffen und Holz erfüllt und an den Wänden hingen hier und da kunstvoll gezeichnete Bilder von eher leicht bekleideten Männern.
Am Ende des Laden stand ein kleiner Holztisch hinter dem noch eben Madame Mao gesessen hatte. Sie kam zügig auf sie zu und als erstes begrüßte sie Bao Tian.

Madame Mao, sie war eine elegante Frau. Sie trug eine feine Robe aus edlem Stoff mit aufwendigen Stickereien. Ihre langen, schwarzen Haare waren stilvoll hochgesteckt und in ihrem Haar steckte eine hübsche Haarnadel aus dunklem Holz.

Wei Wuxian empfand sie sofort als angenehm und herzlich und er konnte sich sichtlich vorstellen, dass sie in jüngeren Jahren eine wunderschöne junge Frau gewesen sein musste.

Sie stand vor Bao Tian und tatschte seine Hand wärend sie ein paar nette Worte mit ihm austauschte.

"Ich habe eine Überraschung für euch Madame Mao!" sprach Bao Tian mit sanfter Stimme und er lächelte sie an.

Dann fiel ihr Blick auf Wei Wuxian.
"Oh, wer ist das? Ein neues Gesicht! So ein hübscher! Ist das meine Überraschung?" fragte Madame Mao und ging auf Wei Wuxian zu. Sie lächelte ihn freundlich an und strich mit ihrer Hand sanft über Wei Wuxians Wange.

"Ja, auch aber..." Bao Tian konnte seinen Satz nicht ganz vollenden als in diesem Moment Lan Wangji in die Tür herein kam und ins Licht trat.

Madame Mao´s Blick weitete sich und ihre Augen begannen zu funkeln. Sofort lies sie von Wei Wuxian ab und ging auf Lan Wangji zu.
" Wangji..." hauchte sie.
"Welch Überraschung, wahrlich! Lange habe ich dich nicht mehr gesehen. Sieh nur welch ein Mann du geworden bist." Madame Mao´s Augen wurden leicht glasig und sie streckte beide Hände nach Lan Wangji aus.

Lan Wangji nickte ihr zu und er begrüßte sie freundlich. Madame Maos Hände berührten Lan Wangjis Wangen.
"Ich freue mich dich wieder zu sehen! Du bist wahrlich der Schönste von allen!" sprach sie leise wärend sie vorsichtig begann Lan Wangji überall zu berühren.

Bao Tian grinste. "Jetzt gehts los! Sieh gut hin!" flüsterte Bao Tian zu Wei Wuxian.

Wei Wuxian machte große Augen und sah sich das ganze mit gemischten Gefühle an. Lan Wangji machte zwar keine Anstalten Madame Mao´s Berührungen abzuweisen, jedoch sah man ihm deutlich an, dass sie in ihm unbehagen hervorriefen.

Madama Mao strich mit ihren Händen über Lan Wangjis Wangen, danach fuhr sie über seinen Kopf, lies die Finger durch Lan Wangjis Haare gleiten und berührte ihn weiter an Schultern, Arme und der Brust.
Dabei starrte sie ihn eindringend an und fuhr mit ihren Augen jeden Zentimeter von Lan Wangji ab.
Schließlich lehnte sie sich nach vorne und blieb mit ihrem Gesicht nur ein kleines Stück vor Lan Wangjis Hals stehen und atmete einmal tief ein.

Wei Wuxian begann unruhig zu werden und er bemerkte wie bei allen im Raum die Anspannung anstieg.
- Wieso lässt er das alles so zu?- Dachte sich Wei Wuxian und er wollte gerade seinen Blick abwenden als er bemerkte, dasd Lan Wangji ihn anschaute.
Wei Wuxian zuckte zusammen und er spürte wie im leicht warm wurde.

Endlich durchbrach Madame Mao die Anspannung und seufzte einmal laut auf. Sie klopfte vorsichtig auf Lan Wangjis Schultern und zuppelte an seiner Robe hin und her und strich dann den Stoff noch einmal glatt.
"Schön das du da bist." Sagte Madame Mao noch einmal zu Lan Wangji und in ihrem Lächeln war ein wenig Wehmut.
"So aber kommen wie zum eigentlichen Thema. Warum seid ihr eigentlich hier? Ihr seid doch nicht zu mir gekommen nur weil ihr das Gesicht ein alten Damen sehen wolltet?" sprach Madame Mao und drehte sich zu Bao Tian und Wei Wuxian um.

"Wir brauchen eure Hilfe Madame Mao!" grinste Bao Tian sie breit an.

"Das dachte ich mir schon, als du zur Tür herein gekommen bist." Madame Mao zog eine Augenbraue hoch und ging zurück zu ihrem Holztisch.
Sie holte eine lange Zigarette heraus, steckte sie genussvoll an und bließ den Rauch in die Luft.
"Also wie kann ich euch drei Hübschen dienen?" fragte sie mit reizender, tiefer Stimme.

"Wir müssen, sagen wir, eher unauffällig in den "roten Drachen" kommen. Wir sind im Auftrag des Gusu Lan Clans hier." erklärte Bao Tian und Madame Mao machte bei dem Wort "roter Drache" eine lustige Grimasse.
Dann lachte sie plötzlich laut los und hätte sich fast an dem Rauch ihrer Zigarette verschluckt.
"Das du in den roten Drachen willst ist mir nichts neues. Aber das du noch zwei Begleiter mitnehmen möchtest und dann noch ausgerechnet Wangji..." Madame Mao lachte erfrischend aus voller Kehle.
"Und dann noch eher unauffällig! Nicht gerade deine Stärke Tian!" Madame Mao wedelte mit ihrer Hand nach Luft wärend sie weiterhin sich das Lachen nicht verkneifen konnte.

"Es ist wichtig, Madame Mao!" fügte Lan Wangji mit ruhiger Stimme hinzu.

Plötzlich hörte Madame Mao auf zu lachen und musterte alle drei eindringlich.
"Und wieso meint ihr, dass ausgerechnet ich euch helfen kann?" fragte sie spielerisch.

"Wer kann uns bei solch einem Unterfangen nicht besser helfen als ihr Madame Mao?" verneigte sich Bao Tian leicht und schenkte ihr ein schmeichelndes Lächeln.

"Ich kenn dich doch, Tian. Du wärst nicht hier und würdest mich um Hilfe bitten, wenn du nicht schon einen Plan hättest. Also?" fragte sie neugierig und zog an ihrer Zigarette.

"Wangji und ich sind zu groß aber genau da, kommt die zweite Überraschung ins Spiel." Bao Tian drehte sich plötzlich hektisch um und packte sich Wei Wuxian an den Armen und zog ihn vor sich.

Wei Wuxian erschrak und blickte Lan Wangji hilfe suchend an.
"Was habt ihr vor?" fragte Wei Wuxian unsicher als Madame Mao sich plötzlich ihm wieder näherte. Bao Tian hielt Wei Wuxian an den Schultern fest und strahlte über beide Ohren über ihn hinweg.

Madame Mao trat vor Wei Wuxian und runzelte die Stirn.
Langsam hob sie ihren Arm und streckte ihn nach Wei Wuxian aus.
"Darf ich?" fragte sie höflich und schon packte sie an Wei Wuxians Zopf und löste das rote Haarband. Wei Wuxians langen, schwarzen Haare fielen seidig nach unten.

"Hmmm" machte Madame Mao und dann strich sie elegant mit ihren Fingern Wei Wuxians Haare aus dem Gesicht.

Wei Wuxian war leicht angespannt, doch Bao Tian hielt ihn mit einem kräftigen Griff an den Schultern fest.

Madame Mao strich zart über Wei Wuxians Wange entlang, dann den Hals hinunter bis zu seinem Ausschnitt. Nur mit ihrem Zeigefinger glitt sie an Wei Wuxians Kehle wieder nach oben, weiter über seinen Adamsapfel nach oben übers Kinn und schließlich berührte sie seine schmalen Lippen. Sie strich mit ihrem Daumen über Wei Wuxians Unterlippe und dann lies sie nur die Spitze ihres Daumens, in Wei Wuxians Mundhöhle gleiten.

Wei Wuxian zuckte zusammen und er lehnte sich nach hinten an Bao Tian. Lan Wangji wurde es zu viel und als er gerade einen Schritt nach vorne machen wollte, zog Madame Mao plötzlich ihre Hand zurück und ein lautes: "Entzückend!" entsprang ihren Lippen.

Wei Wuxian und Lan Wangji starrten sie sprachlos an, denn sie hatten keine Ahnung worum es ging.

"Damit, kann ich arbeiten!" sagte Madame Mao zufrieden und sie wirkte plötzlich besonders gut gelaunt.

"Ich wusste es!" grinste Bao Tian und entlies Wei Wuxian endlich aus seinem starken Griff.

"Und, Tian, was springt für mich dabei raus?" schaute sie Bao Tian mit tiefem Blick an.

"Ersteinmal die Freude an unserer kleinen Prinzessin hier und dann, dachte ich, wenn unsere Mission erfolgreich verläuft, könnte ich dir vielleicht morgen Wangji vorbei bringen. Ich dachte du hättest bestimmt mal wieder lust mit deinen talentierten Fingern etwas Schönes zu zeichnen?" blinzelte Bao Tian Madame Mao zu.

Madame Mao schrie vor Aufregung auf und konnte ihre Freude kaum zurück halten.
"Tian, du Verbrecher. Das ist wirklich eine tolle Überraschung! Danke dir!" Madame Mao fiel Bao Tian um den Hals und küsste auf seine Wange.

Wei Wuxian starrte mit großen Augen Lan Wangji an, der versuchte in dem ganzen Tumult mit seiner Stimme nicht unterzugehen.
"Moment! Ich kann mich nicht erinnern, dem zugestimmt zu haben!" sagte Lan Wangji laut und schaute Bao Tian böse an.

"Wangji, wir müssen alle unseren Preis bezahlen für unseren Plan. Und glaube mir, am Ende wirst du sehen, dass es sich für dich gelohnt hat. Vertrau mir!" Bao Tian grinste Lan Wangji breit an und warf dann Wei Wuxian einen vergnügten Blick zu.

- Urks- Dachte sich Wei Wuxian. - Igendwas heckt der doch aus-

Lan Wangji ballte mit seiner Hand eine angestrengte Faust und knirschte mit den Zähnen.

"Wangji, in all den Jahren, hatte ich da jemals unrecht? Ich weiß, dass du meine Methoden nicht gerade favorisierst aber sie haben uns doch bisher immer unbeschadet zum Ziel gebracht oder?" Bao Tian sprach mit freundlicher und angenehmer Stimme und er warf Lan Wangji einen vertrauten Blick zu.

Lan Wangji verharrte noch einen Moment und dann nickte er schließlich einwilligend ein.

Madame Mao klatschte in die Hände und sie war außer sich vor Freude.
"Vielen Dank Wangji. Ich werde versprechen euch nicht zu entteuschen! Aber gut, da wir das geklärt hätten nun zum genauen Ablauf, Tian?" wendete sich Madame Mao wieder zu Bao Tian.

Bao Tian räusperte sich. "Ich dachte das Wangji und ich uns als Gäste ausgeben und uns unter die Leute mischen. Du hast doch bestimmt ein paar Kleider für uns die wir wechseln können, denn mit diesen Roben erkennt uns gleich jeder." Erklärte Bao Tian.

Madame Mao wedelte mit ihrer Hand selbstsicher in der Luft umher. "Sicher, ihr zwei seit kein Problem. Das bekommen wir hin. Und um dich, kümmere ich mich danach ausgiebig!" Madame Mao drehte sich zu Wei Wuxian um und lächelte ihn vergnügt an.

Wei Wuxian zuckte zusammen.
"Wieso habe ich nur irgendwie das Gefühl, dass das nichts gutes bedeutet!" sprach Wei Wuxian leise und lachte dann verlegen.

"Okay aber wie bekommen wir ihn hinein?" fragte Bao Tian Madame Mao.

"Lass mich mal machen. Das bekomme ich hin. Zufälligerweise kenne ich ein Mädchen das im roten Roten Drachen als Konkubine arbeitet. Wenn du mir nachher hilfst Tian, dann versuchen wir sie zu überreden heute nicht hinzugehen und wir schicken ihn als Ersatz dorthin." blinzelte Madame Mao Bao Tian zu.

"Geniale Idee, ich wusste auf euch ist verlass!" freute sich Bao Tian.

"Moment mal. Als Ersatz? Was habt ihr vor?" fragte Lan Wangji entrüstet.

Madame Mao seufzte auf. "Wangji, vertrau mir! Unserem Süßen hier, wird nichts passieren. Dafür geht ihr beiden ja mit rein. Damit ihr ihm Rückendeckung geben könnt!" erklärte Madame Mao mit ruhiger Stimme.

Wei Wuxian wusste überhaupt nicht was los ist und Lan Wangji war sichtlich nicht erfreut darüber und ärgerte sich. Doch er schien tatsächlich Madame Mao und Bao Tian zu vertrauten, sodass er nichts weiter mehr sagte.

"Okay meine Herren, dann rann ans Werk. Uns läuft die Zeit davon." Madame Mao wühlte durch ihre Tische und zog ein Kleidungsstück nach dem nächsten heraus.
Schließlich kam sie mit zwei vollgepackten Armen wieder zurück und warf einen Stapel zu Bao Tian und einen zu Lan Wangji.
"Das ist jeweils für euch! Komm her Kleiner, wir helfen ihnen beim Umziehen!" Madame Mao machte zu Wei Wuxian eine auffordernde Handbewegung das er herkommen soll um ihr zu helfen und Bao Tian und Lan Wangji begannen sich auszuziehen.

Wei Wuxian nahm alle ausgezogenen Kleider entgegen und Madame Mao band geschwind die Gürtel zu und verpasste Bao Tian und Lan Wangji ein völlig neues Aussehen.

"Wangji, komm her, ich mach dir deine Haare. Eine andere Frisur muss her. Du siehst zu adrett aus." Madame Mao Schritt auf Lan Wangji zu und löste seinen Haarknoten. Die langen Haare fielen geschmeidig hinunter und Lan Wangji sah sichtlich unzufrieden mit der Situation aus.
"Wangji, dein Kopfband, du musst es ablegen." Sagte Madame Mao und streckte ihre Hand aus.

Wei Wuxian blickte zu Lan Wangji. Das berühmte Kopfband.
-Spätestens jetzt wird Lan Wangji sich wehren und wahrscheinlich nicht mehr mitmachen- Dachte sich Wei Wuxian.

Lan Wangji kreuselte seine Lippen und er schaute nachdenklich drein.

"Wangji, vertrau mir. Du kannst es mir ruhig geben. Ich werde es später bei unserem Kleinen hier mit verarbeiten und an einem sicheren Platz verstauen. Wenn ihr mit eurem Auftrag fertig seid, kannst du es dir bei ihm wieder abholen!" Madame Mao lächelte Lan Wangji vertrauensvoll an und blickte danach genüsslich zu Wei Wuxian.

Wei Wuxian lief bei ihrem Blick ein Schauer über den Rücken und er machte sich ernsthafte Sorgen, was ihm wohl gleich noch widerfahren soll.

Lan Wangji atmete einmal tief ein und dann hob er langsam seine Hände und löste sein weißes Kopfband. Widerwillig legte er es in Madame Maos Hände ab.

"Danke dir, ihm wird nichts geschehen." Bedankte sich Madame Mao und fing an Lan Wangjis Haare zu einem hohen Zopf zu binden.

Wei Wuxian staunte nicht schlecht. Nicht nur, dass Lan Wangji tatsächlich einwilligte und sein Kopfband aus der Hand gab, sondern das er sich auch noch komplett umkleiden und sogar seine Haare anders binden lies.

Bao Tian und Lan Wangji waren fertig. Sie sahen beide viel bürgerlicher aus. Die Roben waren von dunklerer Farbe und Lan Wangji sah mit dem hohen Zopf wie ein ganz anderer Mensch aus.

Lan Wangji blickte leicht beschämt zur Seite. Er fühlte sich unwohl in seiner neuen Erscheinung und er wirkte rastlos.

"Du siehst gut aus, Lan Zhan." sprach Wei Wuxian und grinste Lan Wangji breit an.

Lan Wangji wurde leicht rot und schaute zur Seite.
Ein leises "Hmm"´. kam über seine Lippen.

"Nein wirklich Lan Zhan. Du siehst zwar ganz anders aus, aber du siehst gut aus. Ein hübsches Gesicht entstellt nichts. Du kannst alles tragen." Ermutigte Wei Wuxian ihn weiter.

"Siehst du Wangji. Das sage ich doch auch immer." zwinkerte Madame Mao Lan Wangji zu.
"So ihr beiden seid dann fertig. Kommen wir jetzt zu dem Hauptakt." Madame Mao rieb sich verdächtig ihre Hände.
"Ihr zwei wartet hier, es wird ein wenig dauern und du..." Madame Mao zeigte mit ihrem Zeigefinger auf Wei Wuxian und fing an langsam rückwärts zu gehen.
"Und du kommst mit mir mit!" lächelte sie ihn an und fing an Wei Wuxian mit ihrem Zeigefinger zu locken.

Bao Tian gab Wei Wuxian einen kleinen Schubs von hinten.
"Na los, sie wird dich schon nicht auffressen!" lachte er und Wei Wuxian begann zaghaft Madame Mao ins Hinterzimmer zu folgen.
Wei Wuxian betrat den kleinen Raum. Es roch nach Holz und Stoffen und auf dem Tisch in der mitte brannte eine Kerze.

Madame Mao schloss hinter Wei Wuxian die Tür und striff mit ihrer Hand über seine Schultern wärend sie an ihm vorbei ging. Sie ging an einen alten Holzschrank und holte einen schwarzen Handkoffer heraus. Er war hübsch verziert und man sah ihm an, dass er in die Jahre gekommen war.

Sie stellte ihn auf den kleinen Tisch in der Mitte des Raumes ab und holte einen Hocker herbei.
"Setz dich mein Junge." lud sie ihn höflich ein und zeigte mit ihrer Hand auf den Hocker.

Wei Wuxian machte ein paar Schritte auf sie zu und setze sich dann zaghaft hin.

"Nur keine Angst, ich weiß was ich tue. Du wirst staunen." Flüsterte sie und holte einen Spiegel von der Wand und stellte ihn mit auf den Tich.

"Madame Mao.. " begann Wei Wuxian leise. "Ich habe mich noch gar nicht bei euch richtig vorgestellt." Wei Wuxian blickte Madame Mao durch den Spiegel hindurch an.
"Ich bin..."

Plötzlich unterbrach sie ihn. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und ihr Gesicht tauchte neben seinem, in dem kleinen Tischspiegel auf.
"Du brauchst nicht auszusprechen wer du bist. Die Geheimnisse der Lan's sind auch meine Geheimnisse". Flüsterte sie und warf Wei Wuxian einen geheimnissvollen Blick zu.

Wei Wuxians Augen weiteten sich bei dem Satz denn er hatte ihn schon einmal gehört.

"Namen sind nur Schall und Rauch. Genauso unsere Erscheinung. Nicht was du bist ist´s was dich ehrt, wie du bist bestimmt den Wert." Madame Mao lächelte Wei Wuxian durch den Spiegel an. Er konnte ihren Atem an seinem Ohr spüren.

"Aber...ich..." versuchte Wei Wuxian noch einmal zaghaft, doch Madame Mao schüttelte den Kopf.

"Weißt du was ich im Spiegel sehe? Ich sehe einen hübschen jungen Mann mit einem noch viel größerem Herzen." flüsterte Madama Mao und sie strich mit ihrem Handrücken über Wei Wuxians Wange. Ihre Hand glitt an seinem Hals hinab und ihr Weg führte sie weiter in seinen Ausschnitt hinein über seine Brust und schließlich kam sie auf seinem Herzen zum stehen.
"Du bist für größeres bestimmt gewesen, Wei Wuxian. Und nur du alleine kennst deine wahre Geschichte." hauchte sie und Wei Wuxian lief ein Schauer über den Rücken.
"Sieh in den Spiegel! Wer sind wir wirklich? Und wer verbirgt sich hinter dem Gesicht im Spiegel?" Madame Mao strich mit ihrer Hand durch Wei Wuxians Haar und lies eine Strähne durch ihre Finger gleiten.

Wei Wuxian starrte sein Spiegelbild an und so unendlich viele Gedanken schwirrten durch seinen Kopf.

Madame Mao öffnete mit einem Klicken den kleinen schwarzen Handkoffer auf dem Tisch.
"In diesem Koffer steckt die Macht uns in jemand anderes zu verwandeln. Wir können unser Gesicht ablegen, uns selbst für kurze Zeit vergessen und jemand anderes sein. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt ." Sprach sie mit ruhiger und sinnlicher Stimme.

Wei Wuxian blickte in den Koffer und sah, das es ein Schminkkoffer mit vielen bunten Farben und Pinseln war.

"Heute Nacht werde ich dich in die schönste Konkubine verwandeln, die die Stadt Zhou Yong jemals gesehen hat." Blinzelte sie Wei Wuxian zu und nahm eine kleine Haarbürste vom Tisch zur Hand.

"Konkubine?" fragte Wei Wuxian mit erschrockener Stimme.

"Haare, Schminke, Kleider! Schritt für Schritt verwandele ich dich in jemand anderes!" sie lächelte Wei Wuxian an und begann vorsichtig seine langen Haare zu kämmen.

"Wieso in eine Frau und dann auch noch ausgerechnet in eine Konkubine?" Wei Wuxian verzog sein Gesicht und schaute Madame Mao durch den Spiegel geschockt an.

Doch diese kämmte unbehelligt seine Haare weiter und schloss ihre Augen.
"Vertraue mir und deinen zwei Begleitern. Ich weiß, dass du jemand bist der bereit ist für seine Freunde alles zu tun. Heute Nacht wirst du also in die Rolle einer Frau schlüpfen und damit euren Auftrag im "roten Drachen" bewältigen. Das schaffst du doch, oder?" Madame Mao warf Wei Wuxian einen herausfordernden Blick zu.

Ihre Blicke trafen sich im Spiegel und für einen Moment starrten sie sich tief in die Augen und tauschten einen herausfordernden Blick aus.

Dann atmete Wei Wuxian einmal tief ein und betrachete sich wieder im Spiegel.
"Ja, das schaffe ich!" antwortet er entschlossen und über Madame Maos Lippen flog ein sanftes Lächeln.

Sie begann schwungvoll Wei Wuxians Deckhaar mit edlem, goldenem Haarschmuck nach oben zu stecken. Die restlichen Haare hingen seidig lang nach unten und einige Strähnen hingen verspielt in seinem Gesicht.

Madame Mao und Wei Wuxian sprachen eine lange Zeit kein Wort miteinander. Wei Wuxian beobachtete jeder ihrer Bewegungen im Spiegel und er sah wie Madame Mao immer mehr mit Herz und Seele in ihre Handwerkskunst eintauchte. Ihre Hände waren so geschickt und flink als würden sie sich an alte, bekannte Handgriffe erinnern und sich wie von alleine bewegen.
Schließlich drehte Madame Mao Wei Wuxian auf dem Hocker in ihre Richtung und zog den schwarzen Handkoffer etwas näher heran.

Beide schauten sich an und Madame Mao betrachte Wei Wuxians Gesicht.
"Möge der Zauber beginnen." sprach sie leise und griff mit ihrer Hand in den Schminkkoffer und holte den ersten Pinsel hervor.
Strich für Strich begann sie mit einer unglaublichen Hingabe und Präzesion die Farbe auf Wei Wuxians Gesicht aufzutragen. Wei Wuxian versank in Gedanken und die feinen Pinselstriche kitzelten seine Haut.
Als letztes tauchte sie Wei Wuxians Lippen in ein purpures Rot und strich mit dem Pinsel die feinen Konturen seiner Lippen nach.

"So, fertig!" lächelte Madame Mao und betrachtet stolz ihr Werk. Sie fasste an den Spiegel auf dem Tisch und hielt ihn vor Wei Wuxians Gesicht.
"Na, was sagst du?"

"Ich... Bin ich das?" stammelte Wei Wuxian sprachlos und blickte das fremde Gesicht im Spiegel an. Wei Wuxian starrte in den Spiegel und betrachtete sein Spiegelbild aus jedem Blickwinkel.

"Nicht schlecht oder?" lächelte sie. Sie ging ans andere Ende des kleinen Zimmers und öffnete die Türen eines alten Schranks. Sie griff hinein und holte eine wunderschöne Robe hervor. Der schwere Rote Stoff hing in mehreren Lagen und Bahnen übereinander. Goldene Stickereien verzierten ihn und sie war an Handwerkskunst kaum zu übertreffen.

"Einst habe ich sie getragen. Heute sollst du sie bekommen." Madame Mao strich mit ihren Händen über den seidigen Stoff und ihre Gedanken schwelkten in vergangenen Erinnerungen.
"Ich helfe dir sie richtig anzuziehen." Madame Mao legte die Robe auf dem Tisch ab und begann die vielen Stoffe auseinander zu falten und in richtiger Reihenfolge auszubreiten.

Wei Wuxian begann sich langsam zu entkleiden. Er faltete seine Kleider ordentlich zusammen und legte sie auf dem kleinen Hocker ab.
"Madame Mao? Darf ich euch etwas fragen?" fragte Wei Wuxian mit vorsichtiger Stimme.

"Aber sicher, was möchtest du wissen?" lächelte sie ihn sanft an und begann ihm langsam in die rote Robe zu helfen.

"Lan Wangji, was ist es, was euch an ihm so fasziniert?" fragte er unsicher und blickte verlegen zur Seite.

Madame Mao starrte ihn fragen an. Dann plötzlich wurde ihr Gesicht wieder ganz mild und ein seichtes Lächeln blitzte über ihre Lippen.
"Ich denke, es ist das selbe, was auch dich so an ihm fasziniert."

"Mich?" fragte Wei Wuxian mit piepsender Stimme.

Madame Mao seufzte kurz auf und strich den Stoff von Wei Wuxians Robe glatt.
"Männer wie Lan Wangji gibt es nicht oft auf der Welt. Er zeigt nur Gefühle die er auch wirklich in seinem tiefsten Herzen spürt. Er ist ehrenvoll, edel und steht zu seinem Wort. Er würde niemals jemandem etwas vorspielen oder lügen. Er hat die Reinheit eines Kindes. Die Person die einmal seine ganze Liebe spüren darf, sollte sich glücklich schätzen." Madame Mao band den ersten Gürtel zu und warf Wei Wuxian einen anspielenden Blick zu.

Wei Wuxian wurde leicht warm in seiner Brust und ein wenig spürte er, wie as Blut ihm in die Wangen kroch.
"Haha" lachte er verlegen und kratzte sich vorsichtig am Hinterkopf.
"Das mag wol sein..."erwiderte er schließlich leise.

"Und außerdem..." Madame Mao stockte in ihrer Bewegung und hielt einen Moment inne. Ihr Gesicht wurde plötzlich traurig und ihre Stimme klang sehnsüchtig.
"...erinnert er mich an einen Mann, den ich damals sehr geliebt habe."

Wei Wuxian stutzte und schaute Madame Mao mit großen, fragenden Augen an.
"Was ist passiert?" fragte er vorsichtig und mit ruhiger Stimme.

"Er war ein angesehnener Mann aus einem guten Hause und ich war eine Konkubine. Es war eine wunderschöne Zeit und ich dachte ich hätte die Liebe meines Lebens gefunden. Doch er konnte seinem Hause und seinem Ansehen nicht den Rücken zukehren. Aber wer kann es ihm verübeln? Wer kann schon eine Konkubine mit nach Hause bringen?" Madame Mao verlief sich in den Gedanken an frühere Zeiten und ihr Herz wurde ihr schwer.

"Wie ist es ausgegangen?" fragte Wei Wuxian.

"Als die Gerüchte stärker wurden hat er mich verleugnet. Er hat mir den Rücken zugekehrt und eine andere Dame aus gutem Hause geheiratet. Sein Ansehen und seine Macht waren dadurch gesichert. Aber ich hege keinen Groll gegen ihn. Es war seine Entscheidung und ich kann von niemandem verlangen für mich sein ganzes Leben aufzugeben." Madame Mao lächelte Wei Wuxian traurig an.

"Das tut mir sehr Leid." Sagte Wei Wuxian leise und er selbst musste über vieles Nachdenken.

"Das muss es dir nicht. Das ist alles lange Geschichte und vergangene Zeit. Sonst wäre ich heute nicht hier und die Madame Mao die ich jetzt bin." Madame Mao klatschte sich einmal mit den Handinnenflächen auf die Wangen und dann zog sie Wei Wuxian wieder weiter an.
"So genug geplappert. Wir sollten uns beeilen. Die Männer warten auf uns." Madame Mao griff zu dem letzten Gürtel und kleidete Wei Wuxian zu Ende ein. Noch hier und dort ein Handgriff und sie war endlich fertig und mehr als zufrieden mit ihrem Werk.

Sie stand vor Wei Wuxian und schaute ihn an.
"Himmel... Das es gut wird, damit habe ich gerechnet. Aber das es so gut wird..." Madame Mao hielt sich vor Staunen die Hand vor den Mund und ihre Augen funkelten.
"Du siehst wunderschön aus. Die Männer werden Augen machen."

"Haha" lachte Wei Wuxian leise. "Die Frage ist ob das ein Satz ist, den ich als Mann gerne hören möchte."

"Oh moment. Ich hätte fast das Wichtigste noch vergessen." Madame Mao griff in ihren Ärmel und holte plötzlich Lan Wangjis Kopfband hervor.
"Mach bitte dein rechtes Bein frei und stell es auf den Hocker!" Madame Mao blickte Wei Wuxian wartend an und lies das weiße Kopfband ein paar mal durch ihre Hände gleiten.

"Hmmm?" stutzte Wei Wuxian und versuchte sein rechtes Bein unter den vielen Stoffbahnen hervor zu holen.
"Was habt ihr vor?" fragte er unsicher und stellte seinen rechten Fuß auf den Hocker.

Madame Mao bückte sich leicht und legte Wei Wuxians Bein frei.
"Nicht erschrecken!"
Plötzlich tauchte sie mit ihren Händen unter den roten Stoff und strich an Wei Wuxians Oberschenkel hinauf.

"Ahh.." Wei Wuxian zuckte zusammen und starrte Madame Mao irritiert an.
"Was..?"

Mit flinken Fingern band sie Lan Wangjis Kopfband um Wei Wuxians Oberschenkel. Es war so lang, dass sie es ein paar mal rumwickeln konnte und dann knotete sie es mit einer gekonnten Schleife zusammen.
"So! Ich habe Wangji versprochen es an einem sicheren Ort aufzubewahren. Das sollte dort klappen." Madame Mao lachte Wei Wuxian an und stellte seinen Fuß wieder auf die Erde. Dann richete sie den Stoff wieder und zupfte noch ein paar mal am Gürtel.
"So fast fertig." Madame Mao drehte sich noch einmal zum Tisch um und zog aus einer kleinen Vase eine Blume heraus. Sie steckte sie hinter Wei Wuxians Ohr in die Haare und lächelte ihn an.
"Jetzt bist du fertig! Bereit für die Mission?"

Wei Wuxian nickte ihr zu.
"Vielen Dank ersteinmal, Madame Mao" verneigte er sich höflich.

"Du kannst dich bei mir bedanken wenn euer Plan aufgegangen ist und ihr alle wohlbehalten wieder zurück gekommen seid." Madame Mao ging zur der kleinen Tür, öffnete sie einen Spalt und streckte ihren Kopf heraus.
"Wangji, Tian? Wir wären soweit!" rief sie mit überraschender Stimme in den Laden hinein.

Bao Tian schrak auf, denn er war auf seinem Stuhl eingeschlagen und wäre fast nach hinten umgefallen. Lan Wangji saß neben ihm akkurat auf seinem Stuhl. Er hatte die ganze Zeit still gewartet und wirkte leicht nervös.

"Ihr werdet Augen machen!" grinste Madame Mao die beiden an.

Bao Tian und Lan Wangji standen auf und blickten gespannt zur Tür.

"Komm. Nicht so schüchtern. Die zwei werden dich schon nicht fressen." witzelte Madame Mao in den kleinen Raum hinein.

Die Anspannung stieg.

Und dann, ganz zaghaft schritt Wei Wuxian aus der Tür heraus und betrat den Raum.
Wie eine wunderschöne, edle Dame stand er dort. Die rote Robe, das elegant hochgesteckte Haar und die vollen roten Lippen, ließen das Herz und den Puls eines Mannes höher schlagen. Es war ein Genuss für die Augen.

Bao Tian und Lan Wangji stockte der Atem und ihre Augen weiteten sich.

Wei Wuxian schaute leicht beschämt zur Seite, denn es war ihm unangenehm, als Frau verkleidet sich den Männern zu präsentieren. Leicht verlegen zupfte er an einer Haarsträhne in seinem Gesicht und er wusste nicht so recht wo er hinsehen sollte.
"Sehe ich lächerlich aus?" fragte er leise.

Bao Tian war der Erste der wieder zur Gesinnung kam.
"Das gibt es ja nicht. Madame Mao ihr habt euch selbst übertroffen.
Bist du das wirklich? Wenn alle Männer so in Frauenkleidern aussehen, dann sollte ich mir überlegen vielleicht die Seite zu wechseln." Bao Tian lachte laut und schaute mehr als zufrieden drein.
"Wangji, sag du doch auch was. Was sagst du zu unserer Konku..." Bao Tian drehte sich zu Lan Wangji um und schaute ihn an, als ihm die Worte im Hals stecken blieben.

Lan Wangji stand dort wie versteinert. Seine Augen waren weit aufgerissen und hefteten an Wei Wuxian. Sein Mund war vor Staunen leicht geöffnet und er zeigte keinerlei Regung. Wie in einem Traum war er gefangen und es war, als wäre er geistig nicht mehr in diesem Raum.

"Ähh... Wangji?" fragte Bao Tian und runzelte seine Stirn.

Wei Wuxian schaute Lan Wangji an, doch er musste nach kurzer Zeit seinen Blick wieder abwenden. Lan Wangji schaute ihn zu eindringend an und Wei Wuxian fühlte sich, als würde Lan Wangjis Blick ihn förmlich ausziehen.

Plötzlich lachten Madame Mao und Bao Tian gemeinsam auf.

"Seht ihn euch an, ich glaube unser Wangji erlebt gerade seinen zweiten Frühling." witzelte Bao Tian und schritt auf Lan Wangji zu. Er legte seinen Arm um ihn und schaute mit ihm zu Wei Wuxian herüber.
"Wangji mein Freund, genau das ist der Anblick, welcher uns Männern den Kopf verdreht und uns den Verstand raubt." Bao Tian zeigte mit seinem Zeigefinger auf Wei Wuxian.
"Und das hier, mein Freund, ist der Anblick..." Bao Tian zeigte auf Lan Wangjis Gesicht "..der uns allen verrät, was hier gerade vor sich geht." Er legte seine Hand auf Lan Wangjis Brust genau auf sein Herz.

Plötzlich zuckte Lan Wangji zusammen und zeigte eine Regung. Er löste endlich seinen Blick von Wei Wuxian und schaute Bao Tian an.

"Wieder da mein Freund?" lachte Bao Tian breit und nahm seinen Arm wieder von Lan Wangjis Schultern.
"Na los, sag du auch etwas zu ihm."

Plötzlich wurde es still im Raum und alle blickten gespannt zu Lan Wangji.

Endlich räusperte sich Lan Wangji und er öffnete zaghaft seinen Mund.
"Du siehst wunderschön aus, Wei Ying." hauchte er über seine Lippen und er schaute Wei Wuxian bewundernd an.

Wei Wuxian zuckte, sein Herz setzte für einen Schlag aus und er fühlte wie ihm leicht warm wurde.

"Na also, geht doch! Dann kann es jetzt ja endlich weiter gehen." sagte Bao Tian und schaute zu Madame Mao herüber.

Madame Mao zeigte auf Bao Tian.
"Wir haben noch gut eine Stunde bis die Schicht meiner Bekannten los geht. Tian, du kommst mit mir. Wir werden ihr einen Besuch abstatten und sie hoffentlich überreden heute nicht in den roten Drachen zu gehen. Geld sollte das schon für uns Regeln." Madame Mao begann ihre Sachen zu packen und holte aus einem Schrank ein kleines Säckchen mit Geld.

"Und was machen wir so lange?" fragte Wei Wuxian.

"Ihr?" fragte Madame Mao und schaute abwechselnd Wei Wuxian und dann Lan Wangji an.
Sie blickte zu Bao Tian und dachte kruz nach. Dann wendete sie ihren Blick wieder zu den beiden und lächelte sie vergnügt an.
"Ihr zwei hübschen könnt ans andere Ende der Stadt gehen. Dort ist heute Abend ein Straßenfest. Nutzt die verbleibende Stunde und genießt es, euch hinter dem Schleier eurer Verkleidung unter die Leute zu mischen. Seid für eine Nacht jemand anderes und schlüpft in eine andere Rolle. Es wird niemand wissen wer ihr seid." Madame Mao zwinkerte den beiden zu und Lan Wangji und Wei Wuxian stutzten.

"Aber..." begann Lan Wangji, doch Madame Mao legte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen zum Zeichen, dass er still sein soll.
"Manche Gelegenheiten ergeben sich nur einmal im Leben.." Flüsterte Madame Mao geheimnissvoll.

Wei Wuxian schaute unsicher. Mit dieser Verkleidung in ein Freudenhaus zu gehen ist die eine Sache, aber jetzt auch noch so öffentlich auf ein Straßenfest zu gehen? Wei Wuxian zaderte mit sich selbst.

Doch dann schaute Lan Wangji ihn mit einem sanften Blick an. Er streckte langsam seine Hand zu Wei Wuxian aus und öffnete seine schmalen Lippen.
"Komm, Wei Ying!" sprach er mit warmer Stimme.

Wei Wuxian fuhr ein Kribbeln bis in die Fingerspitzen. Erst überlegte er noch einen Moment, doch dann streckte er langsam seine Hand aus und legte sie in Lan Wangjis. Ihre Hände berührten sich und Lan Wangji führte ihn behutsam richtung Tür.

"Ah das hätte ich noch fast vergessen!" rief Madame Mao plötzlich aus und lief schnellen Schrittes zu Wei Wuxian.
Sie griff in ihren Ärmel und holte ein helles Stofftaschentuch und ein kleines blaues Döschen hervor.

"Was ist das?" fragte Wei Wuxian verwundert.

Madame Mao grinste ihn an. "Farbe, für deine Lippen! Du wirst sie sicher noch einmal nachtragen müssen!" behutsam lies sie zu Wei Wuxians Verwunderung die zwei Sachen in seinen Ärmel fallen.
Sie strich noch einmal wie eine behütende Mutter über Lan Wangjis und Wei Wuxians Schultern und dann öffnete sie die Tür.
"Nun geht ihr zwei. In einer Stunde treffen wir uns alle wieder hier." nickte Madame Mao den beiden zu.

"Viel Vergnügen!" rief Bao Tian zweideutig aus dem Hintergrund.

"Bis später!" sagte Wei Wuxian und schon nahm Lan Wangji ihn an der Hand und führte ihn die Straße hinab.

Madame Mao und Bao Tian standen noch in der Tür und schauten den beiden nach.
"Ach, Kinder werden so schnell erwachsen...
Aber ist sie nicht...wunderschön?" sagte sie mit wehmütiger Stimme.

Bao Tian stutzte und legte seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie fest an sich heran.
"Wer?" fragte er sie stirnrunzelnd.

"Na die Liebe!" flüsterte Madame Mao und lehnte ihren Kopf an Bao Tians Schulter.


Lan Wangji ging schrammen Schrittes die kleine Straße hinunter. Seine Hand hatte Wei Wuxian fest umschlossen und er lief voran.
Wei Wuxian hatte Probleme mit seiner Robe so schnell zu laufen und ab und an trat er auf den Stoff und kam nicht mehr schnell genug hinterher.
"Lan Zhan!" rief Wei Wuxian, doch dieser reagierte nicht.
"Lan Zhan! Warum läufst du so schnell? Ich komme kaum hinterher!" jammerte Wei Wuxian.

Plötzlich wurde Lan Wangji langsamer und drehte sich ruckartig um. Sein Blick war irgendwie verklärt und er wirkte nervös.

Wei Wuxian schaute ihn fragend an.
"Was ist mit dir? Warum rennst du so?"

"Verzeih! Es ist nur.." Lan Wangji stockte und schaute auf ihre Hände die sich fest umschlossen hatten.
"Ich bin nur etwas aufgeregt." sagte er schließlich leise und schaute Wei Wuxian zaghaft an.

"...Oh... Okay..." sagte Wei Wuxian leise.
- Er ist aufgeregt? Lan Zhan ist aufgeregt?- Dachte sich Wei Wuxian verblüfft und er schaute ihn fragend an.
"Ist nicht schlimm, dann geh einfach langsamer.
Ich bin auch ein bisschen nervös." Wei Wuxian lächelte Lan Wangji breit an.

"Hm" Lan Wangji nickte und dann machte er wieder den ersten Schritt die Straßen entlang und passte sein Tempo etwas an.

"Weißt du überhaupt wo wir lang müssen?" fragte Wei Wuxian, der nun besser mit Lan Wangji Schritt halten konnte.

"Nein, aber ich folge einfach der Musik und den Lichtern. Da hinten muss es sein!" Lan Wangji zeigte die Straße entlang und tatsächlich konnte man am Ende der kleinen Gasse, viele bunte Lichter sehen und in der Ferne spielte Musik.

Es dauerte noch eine Weile bis die beiden endlich das Ende der kleinen Gasse erreicht hatten und es wieder auf eine größere Hauptstraße ging. Die Musik wurde lauter, es roch nach leckerem Essen und man hörte das Geraune einer großen Menschenmenge.

Gerade als Lan Wangji einen Schritt auf die große Straße machen wollte um sich unter die Menschenmasse zu mischen, blieb Wei Wuxian plötzlich stehen und zog an seiner Hand.

Lan Wangji zuckte und drehte sich zu Wei Wuxian um.
"Was ist?" fragte er mit sanfter Stimme.

"Jetzt, wo es soweit ist...bin ich mir doch unsicher...so da hinaus zu gehen..." stammelte Wei Wuxian und schaute unsicher zu Lan Wangji.
"Lan Zhan...können wir nicht vielleicht doch lieber..."
Wei Wuxian hatte seinen Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als Lan Wangji plötzlich Wei Wuxian mit einem Ruck an sich heran zog und ihre Gesichter nur ein kleines Stück voreinander stehen blieben.

Lan Wangji schaute Wei Wuxian tief in die Augen und er hielt seine Hand fest umschlossen.
"Wer ist Lan Zhan?" Flüsterte Lan Wangji plötzlich und sein sonst so strenges Gesicht wurde ganz fein und seine Mundwinkel zauberten ein seichtes Lächeln herbei. Behutsam küsste er auf Wei Wuxians zarten Handrücken.

Wei Wuxians Augen weiteten sich und noch bevor er etwas erwidern konnte, drehte sich Lan Wangji um und zog Wei Wuxian an der Hand mit auf die große Hauptstraße.

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Die vielen Lichter tanzten umher, ein Trommelschlag wirbelte durch die Luft und ein bunter Straßenumzug passierte die Straße.

Wei Wuxians Augen funkelten und die bunten Lichter reflektierten sich in seinen großen Augen.

Lan Wangji hielt die ganze Zeit Wei Wuxians Hand fest umschlossen, als ob er Angst hätte, dass er sich in Luft auflösen könnte, wenn er ihn auch nur für einen Moment los lassen würde.

Als sie die Straße entlang schlenderten fiel Wei Wuxian auf, dass sie von vielen Passanten angestarrt wurden. Egal ob Mann oder Frau, sie alle drehten sich um. Manch einer tuschelte auch hinter vorgehaltener Hand etwas und andere wagten nur einen flüchtigen Blick.

Plötzlich wurde Wei Wuxian langsamer. Lan Wangji bemerkte es und drehte sich zu Wei Wuxian um.

"Lan Zhan, vielleicht solltest du lieber meine Hand los lassen. Die Leute schauen uns schon alle merkwürdig an." sagte Wei Wuxian unsicher.

Lan Wangji drehte sich im Kreis und suchte mit seinem Blick die vielen Gesichter ab. Dann blickte er wieder zu Wei Wuxian und sein Gesicht war voller Güte.
"Sieh genauer hin. Sie starren nicht uns an, sondern sie sehen alle dich an. Sie bewundern deine Schönheit!" sagte Lan Wangji mit ruhiger Stimme und blickte Wei Wuxian bestätigend an.

Wei Wuxian stockte und er sah sich um.
Und tatsächlich, bei genauerem Hinsehen stellte er fest, dass die vielen Menschen die ihnen entgegen kamen ihn anschauten.
Aber nicht aus Missgunst oder Fassungslosigkeit, sondern die Leute strahlten ihn bewundernd an. Sie schauten interessiert und aus dem Getuschel wurden bei genauerem Hinhören, die schönsten Komplimente.

Wei Wuxian wurde leicht rot und schaute verlegen nach unten.
"Ob ich als Mann mich ausgerechnet darüber freuen sollte...?" lachte Wei Wuxian verlegen und obwohl es ihm unangenehm war, fühlte er sich doch ein wenig geschmeichelt.

Lan Wangji blickte Wei Wuxian an.
"Und sie haben alle Recht. Du siehst wunderschön aus!" Lan Wangji strich behutsam mit seiner Hand durch eine lange Strähne von Wei Wuxians Haar und führte diese schließlich zu seinen Lippen und küsste sie.
"Wollen wir dann weiter, Madame?" Lan Wangji drehte sich seitlich zu Wei Wuxian und hob seine Hand an.

Wei Wuxians Herz flatterte plötzlich wie ein junger Vogel. Er legte seine Hand in Lan Wangjis und mit neuem Selbstvertrauen gingen sie gemeinsam durch die Straßen.

Lan Wangji führte Wei Wuxian behutsam durch die Menschenmengen.
Sie bewunderten das Fest, probierten neue kulinarische Spezialitäten und bestaunten die vielen Darbietungen. Sie schauten sich gemeinsam das Feuerwerk an, kamen an einem keinen Tempel vorbei und vergaßen für einen Moment die Welt um sich herum.

Die Zeit verging wie im Flug und die Stunde neigte sich bald dem Ende zu.

"Wir müssen langsam wieder zurück." sagte Wei Wuxian traurig und blickte in den bunten Himmel voller Lichter.

"Hm" antwortete Lan Wangji bestätigend.

Sie gingen die Hauptstraße entlang, zurück zu Madame Mao´s kleinem Laden.
Sie bogen in eine kleinere Gasse ab und schritten schweigend nebeneinander die Straße entlang.

Lan Wangji blickte zu Wei Wuxian und obwohl er etwas sagen wollte, konnte er nicht die richtigen Worte finden. Sein Herz war gefüllt mit so vielen Emotionen und sein Bauch kribbelte wie am ersten Tag.

Sein Blick fiel plötzlich auf Wei Wuxians Lippen.
"Deine Lippen..." Sagte er schließlich leise.

"Hmm? Meine Lippen? Was ist damit?" Wei Wuxian blieb verwundert stehen und drehte sich zu Lan Wangji.

Das schwache Licht einer Straßenlaterne erhellte ihre Gestalten und tauchte Wei Wuxians Gesicht in einen warmen Ton.

"Die rote Farbe, ist fast weg." sprach Lan Wangji in Gedanken versunken und er streckte seine Hand vorsichtig nach Wei Wuxians Gesicht aus. Er berührte behutsam Wei Wuxians Kinn und hob leicht sein Gesicht an, um es im Licht besser zu sehen.

"Ist die Farbe weg?" fragte Wei Wuxian noch einmal nach und wühlte aus seinem Ärmel das kleine blaue Döschen, welches Madame Mao ihm mitgegeben hatte.
"Hier, kannst du wieder etwas davon drauf machen?" fragte Wei Wuxian und hielt mit seiner rechten Hand das kleine Döschen empor.

Lan Wangji blickte in Wei Wuxians Hand und öffnete mit seiner linken Hand die kleine Dose.
"Ich habe das noch nie gemacht."'sagte Lan Wangji und blickte skeptisch in die Dose hinein.

"Dann ist heute eben dein erstes Mal. Du streichst einfach etwas auf deinen Finger und dann machst du vorsichtig etwas davon auf meine Lippen." Wei Wuxian schaute Lan Wangji bestätigend an und er öffnete leicht seinen Mund und ließ die Lippen ganz locker.

Lan Wangji strich mit seinem linken Zeigefinger vorsichtig durch die kleine Dose, wärend er mit seiner rechten Hand noch immer Wei Wuxians Kinn festhielt. Seine Fingerspitze färbte sich rot und er streckte vorsichtig seinen Finger zu Wei Wuxians Lippen aus.

Er war ganz verkrampft und starrte gespannt auf Wei Wuxians Lippen.

- Was macht er da? Es ist nur rote Farbe- Dachte sich Wei Wuxian und blickte Lan Wangji skeptisch an.

Lan Wangjis Finger berührte ganz zaghaft Wei Wuxians Unterlippe und die rote Farbe färbte sich ab und tauchte sie in ein tiefes rot.
Sein Finger strich so langsam hin und her, als hätte er Angs,t mit seinen Fingern die zarte Lippe zu verletzen. Lan Wangji war wie in einem Traum gefangen. Er starrte auf Wei Wuxians Lippen und beobachtete seinen schmalen Finger, der auf der zarten Haut hin und her fuhr und mit jedem Strich die rote Farbe verteilte.

Mit einem mal hörte sein Finger auf sich zu bewegen und Lan Wangji blickte Wei Wuxian tief in die Augen. Wei Wuxian zuckte innerlich und er spürte wie durch Lan Wangjis eindringendem Blick, sein Herz schneller anfing zu schlagen.

"...Lan... Zhan..?" hauchte Wei Wuxian fragend doch in diesem Moment lehnte sich Lan Wangji schon nach vorne. Er rutschte mit seinem Finger von Wei Wuxians Lippe und verschmierte die rote Farbe. Er schloss seine Augen und berührte dann mit seinen warmen Lippen Wei Wuxians.

Es war ein Kuss so zart wie eine Feder und Wei Wuxian ließ die zarte Berührung zu. Lan Wangji nippte an Wei Wuxians Unterlippe, die rote Farbe verteilte sich und Wei Wuxian öffnete seinen Mund.

Lan Wangjis feuchte Zunge glitt in Wei Wuxians warme Mundhöhle und ihre Zungen berührten sich. Lan Wangji hielt Wei Wuxians Kinn noch immer mit seiner rechten Hand fest, wärend er mit seiner linken Hand Wei Wuxians Ohr berührte.

Wei Wuxians Herz schlug ihm bis zum Hals und ihr Kuss war so zart und leidenschaftlich, dass er alles um sich herum vergaß. Lan Wangji drückte Wei Wuxian vorsichtig gegen eine Hauswand und Wei Wuxians Hände ruhten nervös auf Lan Wangjis Brust. Ihre Lippen spielten von einer Seite zu der anderen und ihre Zungen berührten und trennten sich wieder.

Lan Wangji fuhr mit seiner linken Hand an Wei Wuxians Hals hinunter. Er presste sein linkes Knie zwischen Wei Wuxians Beine und spreitzte sie auseinander.

"Ah.." stöhnte Wei Wuxian leise auf und ihre Lippen trennten sich für einen kurzen Augenblick.
"Lan Zhan..." hauchte Wei Wuxian erregt wärend er leise nach Luft schnappte.

In diesem Moment hörte man plötzlich zwei Stimmen die näher kamen und ein Mann und eine Frau stolperten lautstark die Gasse entlang.

Wei Wuxian und Lan Wangji schraken auf.

"Oh, hier ist schon jemand!" sagte der Mann mit angetrunkener Stimme und die Frau, die sich um seinen Hals geworfen hatte, starrte die beiden an.
"Dann müssen wir eben eine andere Gasse nehmen!" sprach sie mit verführerischer Stimme und zog den Mann weiter, die Gasse entlang.

Wei Wuxian und Lan Wangji kamen wieder zur Gesinnung und Wei Wuxian drückte Lan Wangji von sich weg.
"Haha.." lachte Wei Wuxian verlegen und strich mit seiner Hand durch sein Gesicht.
- Das war knapp.- Dachte sich Wei Wuxian und sein Gesicht wurde ganz blass bei dem Gedanken, was sie gerade im Begriff waren auf offener Straße zu tun.

Lan Wangji schaute Wei Wuxian entteuscht an und er strich sich über seine Lippen als er feststellte, dass alles voller roter Farbe war.

Wei Wuxian griff in seinen Ärmel und holte Madame Maos helles Stofftaschentuch hervor.
- Kann die Frau in die Zukunft sehen? Sie hat echt an alles gedacht- Dachte Wei Wuxian verblüfft.
"Lass mich dir helfen." sagte Wei Wuxian mit fürsorglicher Stimme. Er nahm das Stofftaschentuch und wischte behutsam über Lan Wangjis Lippen. Das helle Tuch färbte sich an einigen Stellen leicht rot.

"Du auch." sagte Lan Wangji mit ruhiger Stimme und nahm das Tuch aus Wei Wuxians Fingern und strich auch seine Lippen ab.
"Soll ich dann nochmal probieren?" fragte Lan Wangji und spielte auf die kleine blaue Dose von Madame Mao an.

"Ähh...ja, bitte." räusperte sich Wei Wuxian verlegen und öffnete seine Hand, in der noch immer die kleine Dose war.

Lan Wangji öffnete sie erneut, ging mit seinem Zeigefinger durch die rote Farbe und strich mit konzentrierter Miene die Farbe auf Wei Wuxians Lippen. Wei Wuxian hielt ganz still und wärend er in Lan Wangjis konzentriertes Gesicht blickte, drifteten seine Gedanken erneut in eine ganz andere Richtung ab.

"Fertig." sagte Lan Wangji schließlich mit ruhiger Stimme und Wei Wuxian wurde aus seinen Gedanken wieder zurück geholt.
Lan Wangji steckte das Stofftaschentuch und die kleine blaue Dose wieder zurück in Wei Wuxians Ärmel.
"Wir kommen noch zu spät. Wollen wir?" fragte Lan Wangji mit wehmütiger Stimme und er fasste an Wei Wuxians Hand.

"Hm" nickte Wei Wuxian bestätigend und gemeinsam schritten sie die schmale Gasse entlang und ließen die breite Straße der bunten Lichter und der unausgesprochenen Wünsche hinter sich.