Chapter 15

Er sah ein helles Licht. Es war rot und er spürte die sengende Hitze auf seiner Haut. Feuer, es war Feuer.

Es roch nach verbranntem Holz und versenktem Fleisch.

Die Luft war erfüllt von unzähligen Schreien.

Der Körper spürte Panik und Angst.

Er drehte sich um und er stand in einem brennendem Haus. Die Hitze war unerträglich und von dem Gestank in der Luft, schnürte sich die Kehle zu und man begann zu würgen.

Er blickte nach unten und sah seine blutverschmierten Hände. Sie zitterten und das viele Blut tropfte leise weinend zu Boden. Alles war so furchtbar rot.

Es verließen ihm die Kräfte und sein Schwert fiel mit einem Scheppern zu Boden.

Dort lagen sie.

Seine Sicht verschwamm, unfähig sich zu bewegen starrte er einfach nur auf ihre leblosen Körper.

Sie waren so jung, so liebevoll, so schutzlos. So geliebt.

Seine Beine knickten ein. Der gleißende Schmerz seines Körpers brachte ihn zu Fall. Er streckte seine Hand ein letztes mal nach ihrer aus, doch dann wurde er bewusstlos und er sah, hörte und spürte nichts mehr.


Bao Tian schrak mit einem Schrei aus seinem Traum auf.
"Ah!" sein Oberkörper schnellte nach oben und er streckte seine Hand aus, als wolle er nach etwas greifen. Seine Hände zitterten, er schnappte nach Luft und kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Seine Brust schmerzte ihm und seine Wangen waren salzig feucht. Sein Puls raste und sein Herz schlug so schnell das ihm schlecht wurde.

Bao Tian fasste sich an seinen Hals und er schluckte schwer als er versuchte sich zu beruhigen. Langsam kam er wieder zur Gesinnung und er blickte sich um. Er saß auf dem Fußboden, in einem anmutigem Raum in der Cloud Recesses und vor ihm stand ein länglicher, dunkler Tisch. Schriftrollen lagen auf ihm ausgebreitet und der feine Geruch von Tinte lag in der Luft.

Es war Lan Xichens Pavillon.

Bao Tian stützte sich auf dem Tisch ab, als er plötzlich eine sanfte Stimme sprechen hörte.
"Soll ich dir ein Glas Wasser bringen?" fragte eine freundliche Stimme und Bao Tians Blick schweifte weiter bis zum Fenster. Dort lehnte Lan Xichen mit einem Buch in der Hand an der Wand und blickte ihn besorgt an.

Bao Tians Augen weiteten sich und er starrte Lan Xichen mit einem sehnsüchtigen Blick an.
"Huan..." hauchte er zittrig über seine Lippen.

Lan Xichen klappte sein Buch zusammen und legte es behutsam in ein Regal. Er kam zum Tisch, strich seine Ärmel nach hinten und setzte sich auf seine Knie. Bao Tians Gesichtsausdruck wurde plötzlich wieder ganz weich und er kam langsam wieder zu Atem. Lan Xichen packte in seinen Ärmel und holte ein feines, weißes Stofftaschentuch hervor. Er nahm es zur Hand und begann vorsichtig Bao Tians Stirn und sein Gesicht abzutupfen.

Bao Tian schloss für einen Moment seine Augen, als seine Augenlieder zu zittern begannen, seine Lippen sich kräuselten und er nach Lan Xichens Hand griff. Zaghaft küsste er Lan Xichens Handrücken und dann sackte er schließlich auf dem Tisch in sich zusammen. Lan Xichens Hand wurde auf den Tisch gedrückt und Bao Tians Lippen verweilten regungslos auf seiner hellen Haut. Seine Stirn presste sich auf die Tischplatte und seine Schultern zitterten.

"Huan..." hauchte er leise.
Es tut so weh...!"

"Ich weiß!" antwortete Lan Xichen leise und er streichelte behutsam mit seiner anderen Hand über Bao Tians Haare, während er näher heran rückte. Beschützend gab er einen Kuss auf Bao Tians Hinterkopf und er lehnte sich nah an ihn heran, sodass sie beide Kopf an Kopf miteinander verweilten. Lan Xichen wich nicht von seiner Seite, bis Bao Tians Zittern vollkommen wieder verschwand.


Wei Wuxian wurde wach und er öffnete langsam seine schweren Augenlieder. Er drehte sich zur Seite und sah, dass die andere Betthälfte wie immer ordentlich gemacht war, aber weit und breit gab es keine Spur von Lan Wangji.

"Wie spät ist es?" brummte Wei Wuxian zu sich selbst, als er sich streckte und sich dann mit den Ellenbogen auf der Bettecke abstützte und sich aufrichtete. Ein taubes Gefühl schoss durch seine Glieder. Gefolgt von einem stechendem Schmerz von seiner Hüfte ausgehend und Kopfschmerzen so stark, dass er glaubte sein Kopf würde gleich platzen.

Wei Wuxian rieb sich seine Stirn.

"Oh je, ich habe einen Kater." nuschelte er sichtlich fertig und er ließ sich noch einmal zurück aufs Bett fallen.
"Wasser, ich brauche Wasser." nuschelte Wei Wuxian, während er unter die Zimmerdecke starrte. Sein Kopf fiel kraftlos zur Seite, als er plötzlich neben sich auf dem Fußboden eine kleine Trinkschale mit Wasser stehen sah. Daneben lag noch ein kleines weißes Handtuch und drei Blätter von irgendwelchen Kräutern.

"Wasser!" Rief Wei Wuxian begeistert aus. Er drehte sich auf die Seite und hob vorsichtig die kleine Schale an. Er führte sie zu seinen Lippen und trank das wohltuende, kühle Nass.

Durch seine schiefe Körperhaltung und seinen schwachen Händen verschüttete er etwas Wasser und es tropfte aus seinem Mund und lief sein Kinn hinab. Die Bettdecke wurde leicht feucht und färbte sich in einen dunkleren Ton. Wei Wuxians Blick fiel auf das kleine weiße Handtuch. Er stellte die Schale wieder ab und griff danach.

"Mutter hat wie immer an alles gedacht." Kicherte Wei Wuxian belustigt zu sich selbst, während er sich mit dem Handtuch abtupfte. Sein Blick fiel nun auf die drei grünen Blätter, die auch noch neben ihm auf dem Boden lagen. Er hob sie an und roch skeptisch daran.

"Was soll ich damit tun, Lan Zahn? Sie rauchen?" Nachdem das würzige Aroma durch seine Nase drang, erkannte Wei Wuxian den Geruch. Es war ein Kraut das bei Kopfschmerzen half und besonders gerne am Morgen bei einem Kater verwendet wurde. Das Kraut wird einfach im Mund gekaut und der Saft wird herunter geschluckt, während man die Reste später wieder ausspuckte.

Wei Wuxian hielt die drei Blätter in die Luft und führte sie danach langsam zu seinem Mund. Er legte sich wieder zurück auf den Rücken, während er mit einem angestrengtem Gesicht auf den Blättern herumkaute. Wei Wuxian versuchte in seinem Kopf die Geschehnisse der vergangenen Nacht wieder zusammen zu puzzeln. Dabei musste er jedoch feststellen, dasd ihm tatsächlich ein paar Dinge entfallen waren und seine Erinnerungen gewisse Lücken aufwiesen. Er konnte sich an die Quelle erinnern, auch noch an das Besäufnis bei den Schülern. Doch danach hatte er irgendwie ein paar Filmrisse.

"So betrunken war ich doch gar nicht." Runzelte Wei Wuxian die Stirn, als er die Blätterreste aus seinem Mund zog und sie in die leere Trinkschale legte.

Plötzlich schossen ihm zwei bis drei Bilder durch den Kopf. Lan Wangji lag unter ihm und seine Hände waren mit seinem roten Haarband gefesselt. Er selbst saß breitbeinig auf Lan Wangjis Hüfte und er...und er...

Wei Wuxian brannte der Kessel durch und sein Gesicht lief krebsrot an, als die Erinnerungen der letzten Nacht wie ein Sternenregen wieder auf ihn einprasselten.

Wei Wuxian hielt sich seine Hände beschämt vors Gesicht und es lief ihm ein Schauer über den Rücken, als die Erinnerungen der letzten Nacht klar und deutlich wieder vor seinem inneren Auge erschienen. Seine Brust wurde plötzlich heiß und sein Herz überschlug sich kurz.

"Wie...unanständig..." nuschelte Wei Wuxian hinter seinen Händen hervor, als er sich entschied, am besten nie wieder unter Lan Wangjis Augen zu treten.

Seine Entschlossenheit reichte jedoch exakt bis zum Abendessen. Denn dort trafen sich alle wieder im großen Pavillon um gemeinsam zu Abend zu essen.

Wei Wuxian setzte sich absichtlich drei Plätze neben Lan Wangji und stocherte in Gedanken versunken in seinem Essen herum. Lan Wangji ignorierte ihn einfach und ließ ihn mit seinen wirren Gedanken alleine, denn innerlich wusste er, dass spätestens heute Nacht, wenn Wei Wuxian sich wieder sortiert hatte, er sich wieder zu ihm ins Bett schleichen würde.

Es war ein stilles Abendessen, denn auch die 10 Schüler die sonst sich so aufgeregt nach dem Essen unterhielten hatten alle mit ihrem Kater zu kämpfen und der Pavillon meditierte heute in einer andächtigen Ruhe.

Lan Xichen war alleine zum Essen gekommen und von Bao Tian war keine Spur zu sehen. Jedoch entgang Wei Wuxian nicht, dass Lan Xichen nachdem er fertig mit essen war, ein Tablett vorbereitete und mit einer kleinen Mahlzeit den Pavillon verließ.

Wei Wuxian legte seine Stäbchen in seine leere Schale, stand auf und ging mit seinem Tablett davon. Er streifte nach dem Essen durch die Cloud Recesses und seine Füße leiteten ihn zu den weißen Kaninchen die sich in Lan Wangjis Obhut befanden.

Wie ein großer Haufen weißer Watte sahen wie von weitem aus und als Wei Wuxian sich näherte hoppsten alle aufgebracht vor ihm weg.

"Warum lauft ihr immer vor mir weg?" schmollte Wei Wuxian und er ließ sich neben ihnen aufs Gras fallen und streckte sich lang aus. Er brach einen langen Grashalm ab und steckte ihn sich in den Mundwinkel. Seine Arme verschränkte er hinter seinem Kopf und er starrte nachdenklich in den Himmel.

Eine ganz Weile lag er regungslos dort, als sich schließlich ein mutiges weißes Kaninchen ihm langsam näherte. Vorsichtig setzte es einen Fuß vor den anderen und es rümpfte seine Nase und schnupperte in der Luft, als es näher kam. Wei Wuxian drehte seinen Kopf zur Seite, doch in dem Moment wo er das Kaninchen anschaute, hüpfte es erschrocken wieder weg.

"Wieso mögt ihr nur HanGuang-Jun? Er trägt immer so eine kalte Miene. Ich sehe doch viel freundlicher aus!" nuschelte Wei Wuxian unverständlich und er blickte wieder nach oben in den Himmel und schloss für einen Moment seine Augen.

Er wusste nicht, wann es passiert war, aber irgendwann übermannte ihn die Müdigkeit und Wei Wuxian fiel in das Reich der Träume.


Die Sonne war schon dabei unterzugehen und die kalte Abendluft strömte über den Boden und legte das Gras in einen leichten Nebel aus Tau. Lan Wangji schritt durch die Cloud Recesses und suchte heimlich Wei Wuxian, der nach dem Abendessen plötzlich spurlos verschwunden war. Es dauerte nicht lange bis er zu der Lichtung kam, auf der Wei Wuxian eingeschlafen war.

Er striff mit seinen Händen das Dickicht zur Seite, als sein Blick auf Wei Wuxian fiel, der am Boden lag und schlief.
Er lag in der Mitte im Gras und trug einen zufriedenen und friedlichen Gesichtsausdruck. Alle Kaninchen hatten sich dicht an ihn heran gekuschelt und schienen sich an seiner Körperwärme zu erfreuen und fest zu schlafen.

Der lange Grashalm der noch immer aus Wei Wuxians Mundwinkel hing, reichte bis auf seine Schulter herunter, auf der ein kleines weißes Kaninchen saß und zufrieden an dem anderen Ende des Halmes mümmelte.

Lan Wangjis Mundwinkel bogen sich bei dem Anblick leicht nach oben und er hätte stundenlang noch hier stehen bleiben und sich das Stilleben ansehen können.

Ein kühler Herbstwind brachte plötzlich die Äste zum Rascheln und das weiche Fell der Kaninchen wehte flauschig im Wind. Wei Wuxian schauderte es und seine Augenbrauen kräuselten sich.

Lan Wangji schritt behutsam auf Wei Wuxian zu und gab acht auf jedes einzelne der Kaninchen, das am Boden saß. Er beugte sich herunter und behutsam streichelte er über den weichen Kopf des Kaninchens, welches auf Wei Wuxians Schulter saß.
"Verzeiht aber ich muss ihn leider mitnehmen." sagte Lan Wangji mit sanfter Stimme und als die Kaninchen die liebevolle Stimme ihres Meisters hörten, öffneten sie alle ihre müden Augen und blinzelten ihn an.

Das Kaninchen auf Wei Wuxians Schulter hüpfte herunter und Lan Wangji zog den Grashalm aus Wei Wuxians Mundwinkel und gab ihm den Kaninchen mit. Freudig mümmelte es auf dem Grashalm, während es ein paar Sprünge davon hüpfte.

Vorsichtig schob Lan Wangji seinen rechten Arm unter Wei Wuxians Schulter und seinen linken unter seine Knie. Dann hob er ihn behutsam an und die Kaninchen huschten wie ein aufgewirbelter Haufen weißer Federn wild durcheinander.

"Hmm" stöhnte Wei Wuxian im Schlaf leise auf und Lan Wangji blickte in sein schlafendes Gesicht. Seine Augen waren sanft geschlossen und seine Wimpern zitterten leicht.

Wei Wuxian bibberte plötzlich vor Kälte und er kauerte sich in Lan Wangjis Armen zusammen, auf der Suche nach etwas Wärme und Geborgenheit. Seine linke Hand bekam plötzlich Lan Wangjis weiße Robe zu fassen und sanft krallte er den Stoff zwischen seine Finger.
"Lan Zhan..." hauchte er im Schlaf und bis sie wieder zurück in Lan Wangjis Jingshi waren, ließ Wei Wuxian den Stoff auch nicht mehr los.


Bao Tian lag wach in seinem Bett. Er konnte einfach nicht schlafen und die schaurigen Bilder von seinem letzten Traum ließen ihm einfach keine Ruhe. Sein Herz war ihm schwer und für seine sonst so gute Laune war gerade kein Platz in seinem Herzen. Er richtete sich langsam auf und setzte sich auf die Bettkannte. Der Raum war stockdunkel und er konnte nur die schwammigen Konturen der wenigen Möbel sehen. Er rieb sich mit seiner Hand über seine Stirn und kniff angestrengt die Augen zusammen.

"Warum plagen mich ausgerechnet jetzt wieder meine Erinnerungen..." flüsterte Bao Tian zu sich selbst. Er stand leise auf und zog sich an.
Im Dunkeln tastete er sich vorsichtig bis zu einer großen Schiebetür und langsam schob er sie einen Spalt auf.

Bao Tian hatte sein eigenes Zimmer direkt in Lan Xichens Pavillon. Nur durch eine große Schiebetür waren ihre Räume voneinander getrennt.
Bao Tian huschte durch den Spalt, schloss die Tür leise wieder hinter sich und dann bahnte er sich vorsichtig seinen Weg bis zu Lan Xichens Bett.

Vor dem großen Holzbett blieb er plötzlich andächtig stehen. Der fahle Mondschein erhellte das Zimmer und Lan Xichen lag ruhig und friedlich auf seinem Rücken und schien zu schlafen. Sein puppengleiches Gesicht ruhte regungslos auf dem Kissen und seine langen schwarzen Haare lagen adrett auf seinen Schultern.

Bao Tian blieb eine Weile so stehen und starrte auf Lan Xichen. Es war so friedlich anzusehen, so ruhig und der bekannte angenehme Geruch von Lan Xichen lag in der Luft.

Bao Tian seufzte leise auf und dann setzte er sich ganz vorsichtig auf die Bettkannte. Seinen Blick hatte er in den Raum gerichtet und er stützte seine Ellenbogen auf seinen Oberschenkel ab und legte sein Gesicht in seine flachen Hände.

Er fühlte sich einsam und die Dunkelheit und die Stille machten es noch unerträglicher für ihn.

Plötzlich spürte er eine Berührung auf seinem Rücken und erschrocken blickte er sich schnell um.

Er sah in Lan Xichens leuchtenden Augen, die wie ein Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit ihn anstrahlten. Seine Hand ruhte sanft auf Bao Tians Rücken. Einen Moment blickten sie sich schweigend an, bis Bao Tian leise etwas sagte.
"Ich wollte dich nicht wecken, verzeih mir.."

"Es ist lange her, dass du dich heimlich Nachts in mein Zimmer geschlichen hast." antwortete Lan Xichen mit besorgter Stimme.
Er richtete sich auf und die Bettdecke rutschte von seinen Schultern auf seinen Schoß.
Lan Xichen fuhr mit seiner Hand über Bao Tians Schulter herunter und strich über seinen Arm.
"Kann ich etwas für dich tun?" fragte er leise.

Bao Tian wendete seinen Blick wieder ab und blickte in den dunklen Raum. Mit seiner linken Hand fasste er an Lan Xichens Hand und umklammerte sie fest. Dann stützte er sein Gesicht wieder in seine andere Hand und er sackte in sich zusammen.
"Halt einfach meine Hand...für einen Moment...bitte..." Flüsterte er mit kraftloser Stimme hinter seiner Hand hervor und Lan Xichen rührte sich nicht und gab Bao Tian einfach die Zeit die er brauchte.

Nach einem Moment des Verweilens löste Bao Tian wieder seinen Griff und ließ Lan Xichens Hand wieder gehen. Er richtete sich auf und knetete mit beiden Händen einmal durch sein Gesicht.

"Wo gehst du hin?" fragte ihn Lan Xichen mit besorgter Miene.

"Ein wenig Luft schnappen." antwortete er ruhig und gefasst. Als er Lan Xichens besorgte Miene sah, legte er den Kopf leicht schief.
"Keine Sorge, ich bin bald wieder zurück." Sagte Bao Tian und er drehte sich um und Schritt Richtung Tür.

Lan Xichen sagte kein Wort. Er saß regungslos in seinem Bett und blickte Bao Tians dunkler Gestalt noch nach, bis sie aus dem Raum verschwunden war.
Mit einem lauten Seufzen legte er sich wieder zurück ins Bett und legte seinen Handrücken auf seine Stirn. Sein Herz war ihm schwer und er war sichtlich besorgt. Für den Rest der Nacht konnte Lan Xichen kein Auge mehr zudrücken.


Bao Tian streifte ziellos durch die dunkle Cloud Recesses und seine Füße trugen ihn nur schleppend voran. Seine Gedanken waren verdunkelt und sein Herz schmerzte ihm. Er blieb für einen Moment stehen, pausierte und lehnte sich mit seinem Rücken an einen alten Baum.
Er schloss seine Augen und ließ den kalten Wind der Nacht um seine Nase wehen.

Plötzlich nahm er einen altbekannten Geruch war.

Bao Tian rümpfte die Nase und öffnete schlagartig seine Augen.

Es roch nach Ban-Zhi-Lian. Ein altes chinesisches Heilkraut mit hübschen kleinen blauen Blüten. Früher hatte er in seinem Garten viel Ban-Zhi-Lian wachsen und so kam es, dass auch seine Frau oft nach diesem Kraut roch, wenn sie es mal wieder verwendet hatte.
Bao Tian konnte nicht anders und gab sich dem Geruch der Vergangenheit hin und folgte seiner Spur.

Sein Herz begann plötzlich schneller zu schlagen. Er hatte das Gefühl das ihn irgendetwas rief. Jemand verlangte nach ihm. Er hörte eine Stimme in seinem Kopf.

- Wer ist das? Was ist das für ein Drang und warum habe ich das Gefühl das jemand nach mir verlangt?- Dachte er sich.

Bao Tian strauchelten in einen Wald hinein. Er bekam plötzlich das Gefühl das jemand sehr wichtiges hier auf ihn warten würde. Seine Füße bewegten sich fast von alleine und es war als würde ihn etwas wie magisch anziehen. Plötzlich stolperte er auf eine kleine Lichtung und er blieb schließlich stehen. Sein Herz flatterte wie wild und er hatte den Mund leicht geöffnet um nach Luft zu schnappen.

Bao Tian trat auf die Lichtung und er drehte sich ein paar mal hektisch hin und her.
"Wo bist du? Zeig dich?" rief er unsicher in die Dunkelheit.

Plötzlich wurde der Geruch von dem Kraut immer intensiver und Bao Tian spürte eine Wärme, die er so schon lange nicht mehr gefühlt hatte.

In diesem Moment erstrahlte plötzlich ein helles, warmes Licht hinter ihm.
Bao Tian griff zu seinem Schwert an seiner Hüfte und die gleißende Klinge kam zum Vorschein, als er sich geschwind umdrehte.

Hinter ihm war ein helles Licht. Er kniff die Augen fest zusammen, denn es war so hell, dass er geblendet wurde.
Plötzlich erkannte er eine Kontur, das Licht wurde immer schwächer und bald zeigten sich die Umrisse einer Person.

Der Geruch von Ban-Zhi-Lian war nun am intensivsten und als Bao Tian in dem Licht ein Gesicht erkannte, war es, als würde alle Kraft aus seinen Gliedern fahren. Seine Augen weiteten sich, sein Schwert fiel mit einem Scheppern zu Boden und sein Mund stand vor Schock offen.

Seine Lippen begannen zu zittern und er streckte seine schwache Hand aus, als der letzte Strahl des hellen Lichtes verschwand und vor ihm plötzliche eine wunderschöne junge Frau stand. Sie trug ein Gewand aus einem hellen Gelb und ihre langen schwarzen Haare tanzten im Wind.

Bao Tians Augen wurden glasig und seinen Körper durchfluteten die vielen Emotionen, die er die letzten Jahre tief in sich verschlossen hatte.
Er sank auf seine Knie zusammen und seine zittrige Hand streckte sich weit nach vorne aus, als seine Lippen endlich fähig waren sich zu bewegen.
"...Meiming...!" hauchte er über seine Lippen.

Die wunderschöne junge Frau die vor ihm stand, war Bao Meiming, seine Frau.

Bao Tian wollte seinen Augen nicht trauen, aber sie war es. Sie stand vor ihm, in Fleisch und Blut.

"Tian!" erklang ihre liebevolle Stimme und sie lief auf ihn zu und fiel ihm in die Arme.
Die beiden kauerten am Boden und Bao Tian konnte seine Tränen nicht mehr zurück halten und so kullerten die vielen Tränen an seiner Wange hinunter.
Er nahm sie fest in seine Arme und drückte sie an seine Brust.
Er spürte sie. Sie war es, er wusste es ganz genau. Er konnte ihre behütende Wärme in seinen Armen spüren und er roch ihren lieblichen Duft.

Behutsam streichelte sie über seine Haare, wärhend Bao Tians Kopf weinend auf ihrer Brust ruhte.

"Ich habe dich so sehr vermisst!" Sprach sie mit leiser Stimme.


Wei Wuxian riss plötzlich seine Augen auf. Er war von einem dumpfen Gefühl aus dem Schlaf aufgeschreckt und er starrte in die Dunkelheit. Er richete seinen Oberkörper auf und blickte sich um, als er erkannte, dass er wieder in Lan Wangjis Jingshi war.

Sein Blick fiel zur Seite und er sah Lan Wangji mit einem entspanntem Gesicht neben sich liegen.
- Wie bin ich hier hingekommen?- Fragte er sich Wei Wuxian.

Durch Wei Wuxians Aufschrecken hatte er die Bettdecke verzogen und die kalte Luft strömte über Lan Wangjis freigelegten Schultern.
Lan Wangji runzelte die Stirn und er schien im Schlaf zu frieren. Wei Wuxian deckte Lan Wangji wieder vernünftig bis zum Hals zu und krabbelte dann aus dem Bett.

Er strich einmal über die Bettdecke und setzte sich dann kurz auf den Boden. Da der Monat nach Wei Wuxians Jingshi Zerstörung noch immer nicht rum war, schliefen beide nach wie vor noch zusammen auf dem kalten Fußboden.

-Aber was war das für ein Gefühl welches er in seiner Brust spürte?-

Wei Wuxian hatte das Gefühl, dass irgendetwas nicht inordnung sei. Es war nur schwach, aber er glaubte dunkle spirituelle Energie zu spüren und das nicht gerade wenig.
Sein Blick fiel noch einmal auf Lan Wangji, doch dieser schien unbehelligt weiter zu schlafen.

"Täusche ich mich etwa?" nuschelte Wei Wuxian zu sich selbst.

Aber es gab kein vertun. Wei Wuxian spürte ganz deutlich, dass irgendetwas nicht inordnung war. Er hatte ein beklemmendes Gefühl in seiner Brust und er ahnte Unheilvolles.
Leise stand Wei Wuxian auf und kleidete sich an.

- Ich sehe lieber einmal nach- Dachte er sich.
Er nahm Suibian aus seiner Halterung und band es um seine Hüfte. Dann drehte er sich noch einmal geschwind um und blickte zu dem noch immer schlafenden Lan Wangji.
Er atmete einmal schwer ein und dann machte er auf dem Absatz kehrt und schlich sich leise aus dem Jingshi.

Leise öffnete er die Tür einen Spalt und huschte hinaus.

Das leise Knacken der Tür war zu hören und Lan Wangji öffnete seine Augen.

Wei Wuxian ging schrammen Schrittes los und folgte dabei nur seinem Instinkt. Das beklemmende Gefühl in seiner Brust wurde immer stärker und er spürte, dass er langsam nervös wurde.
Die dunkle spirituelle Energie wurde immer stärker und Wei Wuxian huschte durch die dunkle Nacht.


Bao Tian war wie in einem Traum gefangen. Seine Gedanken waren vernebelt und er konnte nicht mehr klar denken. Innerlich wusste er, dass seine Frau tot war, aber er sah sie doch jetzt vor sich, er fühlte sie, er roch sie, er spürte sie.
Er konnte sie in seine Arme schließen und seine vielen Jahren der Sehnsucht, schienen endlich gestillt zu werden.

Bao Tian hob sein Kinn an und schaute in ihre Augen.
Da war er wieder. Dieser Blick. Ihre großen dunklen Augen funkelten ihn an. Nur ihn alleine und ihre Güte und Liebe war nur an ihn gerichtet. Bao Tian verlor sich in diesem Traum und sein Herz schrie nach Liebe und Geborgenheit.


Wei Wuxian war währendessen schon in dem kleinen Wald eingedrungen und folgte weiterhin der starken Energie.
"Ich muss schon ganz nah sein." sprach Wei Wuxian zu sich selbst, während er nun langsamer wurde und gebückt durchs Unterholz huschte.
"Was für eine unheilvolle Energie.." flüsterte er.

Er kam endlich an den Rand der Lichtung. Das unheilvolle Gefühl in seiner Brust war nun sehr stark und er lehnte sich hinter einen Baum und linste vorsichtig über seine Schulter.

Sein Blick schweifte umher, als er plötzlich Bao Tian entdeckte. Wei Wuxian zuckte zusammen und seine Augen weiteten sich bei dem Anblick.
- Tian? Was macht Tian hier!- Dachte sich Wei Wuxian.

Sein Blick fiel auf die wunderschöne Frau die neben Bao Tian war und die beiden hielten sich in einer innigen Umarmung.

- Wer ist das?- Dachte sich Wei Wuxian und er fühlte sich fast ein wenig schlecht, dass er mitten in der Nacht sich hinter einem Baum versteckte und Bao Tian und einer Frau nachstellte.

Wei Wuxian spürte aber nun eindeutig, dass die dunkle Energie von der Frau ausging und er war sich ganz sicher, dass es sich nicht um einen normalen, sterblichen Menschen handelte.

Bao Tians Tränen hörten endlich auf und er streichelte mit seiner Hand über Bao Meimings Wange.
"Meiming, Meiming meine wunderschöne Frau. Ich habe dich so sehr vermisst." Seine Stimme war zittrig und kraftlos.

Wei Wuxian hörte die Worte und zuckte zusammen.
- Seine Frau?- Dachte sich Wei Wuxian.
- Aber Lan Wangji hatte mir doch gerade erzählt das sie tot sei... Wer um alles in der Welt ist dann diese Person?- Fragte sich Wei Wuxian in Gedanken versunken.

Sie lächelte ihn an und legte ihre Hand auf Bao Tians.
"Ich weiß, ich weiß mein Geliebter." antwortete sie ihm, während sie sich näher heran lehnte und Bao Tian zärtlich küsste.

Bao Tian schloss seine Augen und als würde die Kraft plötzlich in seine Glieder zurückkehren, nahm er sie kraftvoll in den Arm und es entfachte ein leidenschaftlicher Kuss zwischen den beiden.

Wei Wuxian wäre bei dem Anblick fast rot angelaufen, wenn nicht dieses dumpfe Gefühl ihn davon abhielte, dass es sich hier nicht um eine normale nächtliche Romanze handeln konnte.

Ihre Lippen lösten sich wieder voneinader und beide blickten sich sehnsüchtig in die Augen.
"Tian, liebst du mich?" fragte sie.

"Ja, ich liebe dich!" antwortete er verklärt.

"Willst du für immer bei mir sein?" Fragte sie weiter.

"Ja, für immer!"

Wei Wuxian linste um den Baum herum und mit erschrecken stellte er fest, dass die Frau langsam anfing in einem mysteriösen Licht zu erstrahlen.
Bao Tians Augen dagegen sahen plötzlich leblos aus und es war als würde seine Seele aus seinem Körper fahren.

Bao Meiming legte ihre rechte Hand auf Bao Tians Stirn.
"Dann komm mit mir mit, mein Geliebter!" sprach sie mit verführerrischer Stimme.

"Ja! Nimm mich mit, wohin du willst." antwortete Bao Tian willenlos.

Wei Wuxian wusste was zu tun ist. Diese Frau war definitiv nicht Bao Tians, Meiming. Wei Wuxian zog Suibian aus seiner Scheide und ohne einen genauen Plan zu haben, sprang er hinter dem Baum hervor.

(Wer möchte der kann jetzt auf youtube gehen und für den Rest des Kapitels das folgende Lied dazu hören: watch?v=2PFWOttrgOc) -Full Version LOCH 2008 Opening song-

"Tian, geh weg von ihr! Das ist nicht deine geliebte Meiming!" rief Wei Wuxian, während Suibians Schneide in dem hellen Mondlicht aufleuchtete.

Bao Tian und Bao Meiming schraken auf und blickten zu Wei Wuxian.
Für einen kurzen Moment flackerten Bao Tians Augen wieder auf und das Leben schien wieder in ihn zurückzukehren.

"Wei Wuxian? Was tust du hier?" fragte er erschrocken.

"Tian, geh weg von ihr! SOFORT!" rief Wei Wuxian, während er schon einen Satz auf sie zu machte und mit dem blank gezogenem Suibian auf sie zuraste.

Bao Meiming schrie auf und hielt schützend ihre Arme nach vorne.

"NEIN!" schrie Bao Tian und er zog sein Schwert und sprang vor Bao Meiming und wehrte Wei Wuxians Angriff ab.

Wei Wuxian erschrak und beide starrten sich an.

"Tian mach die Augen auf! Das da ist nicht deine Frau!" Rief Wei Wuxian aufgebracht und er warf einen zornigen Blick zu Bao Meiming.

"Nein, Tian was redet er da! Ich bin es, wirklich!" rief sie mit panischer Stimme und sie schaute hilfesuchend zu Bao Tian herüber.

Bao Tian stand im Chaos der Gefühle. Er schaute in ihr ängstliches Gesicht und wusste nicht was er tun sollte.

"TIAN!" rief Wei Wuxian noch einmal. "Deine Frau ist tot! Mach die Augen auf. Sie wollte dich nur verführen und dich mitnehmen!"

Bao Tians Herz wurde schwer und die Unsicherheit zerriss ihn innerlich. Er wusste das seine Frau tot ist. Er wusste es so genau wie kein anderer. Sie starb schließlich in seinen Armen. Aber nun stand sie vor ihm. So lieblich und wunderschön anzusehen. Alles an ihr fühlte sich so echt an.
Und selbst wenn sie es nicht gewesen wäre, hätte er gerne diesen Traum weiter geträumt. Er wäre mit ihr gegangen und wenn er mit seinem letzten Atemzug ihren lieblichen Duft noch einmal gerochen hätte und das letzte was seine Augen gesehen hätten ihr wunderschönes Gesicht gewesen wär, dann ja, dann wäre er mehr als glücklich gewesen.

"Lass dich nicht verführen! Sie ist nicht deine Frau und sie kann dir nicht geben was du suchst! Sei nicht schwach!" rief Wei Wuxian und plötzlich wurde Bao Tians Gesicht ganz zornig und seine Stirn legte sich in Falten.

"SEI STILL! Was weißt du denn schon! Was weißt du was ich suche?" Rief Bao Tian und mit einem gewaltigen Hieb seines Schwertes schleuderte er plötzlich Wei Wuxian zurück.

Durch die Wucht des Schwertes überschlug sich Wei Wuxian und er krachte mit seinem Rücken in einen Baum. Er hatte keine Chance gegen Bao Tians Schwerthieb.
"AH!" Ein gleißender Schmerzensschrei entfleuchte seiner Kehle und ein wenig Blut tropfte von seiner Unterlippe. Er fühlte einen heftigen Schmerz von seinem Rücken ausgehend und für einen kurzen Moment hätte er fast das Bewusstsein verloren.

Bao Tian war außer sich vor Zorn und er trug einen gequälten Gesichtsausdruck.
"Was weißt du denn schon...!" wiederholte er noch einmal.
"Was weißt du von meiner Liebe, von meinem Schmerz, meinem Leid und von meinen Wünschen?
Misch dich nicht in meine Angelegenheiten ein!" rief Bao Tian zornig und zeigte mit seinem Schwert auf Wei Wuxian.
"Verschwinde!"

Wei Wuxian starrte Bao Tian mit großen Augen an, als er sah, dass Bao Meiming langsam vom Boden aufstand und Bao Tian von hinten in seine Arme nahm.
Bao Tian zuckte zusammen und blickte über seine Schulter. Sie strich mit ihrer rechten Hand über Bao Tians Schulter, den Oberarm hinunter bis zu seiner Hand, welche das Heft seines Schwertes fest umschlossen hatte.
"Tian..." flüsterte sie in sein Ohr.
"Du wirst ihm doch jawohl nicht glauben?
Bin ich dir nicht wichtiger als er? Er will mich töten!
Tian, rette mich vor ihm und komm dann mit mir!" Ihre tükischen Worte drangen wie Gift tief in Bao Tians Seele ein.

Bao Tians Herz setzte einen Schlag aus und seine Hand begann zu zittern.
Seine Augen wurden plötzlich wieder leblos und es war, als würde ihre Berührung allen Willen aus ihm heraus saugen.

"TIAN!" schrie Wei Wuxian.

Doch in diesem Moment stürmte Bao Tian schon auf Wei Wuxian los.

Wei Wuxian sprang vom Boden auf und schwang mit letzter Kraft Suibian. Mit einem lauten Geschepper und einer unglaublichen Wucht prallten ihre blanken Schwerter aufeinander. Wei Wuxian konnte kaum den Schlag abwehren. Seine Hände zitterten und Suibian wurde langsam zurück gedrängt.
"Tian, bitte! Du musst dich dagegen wehren! Kämpfe dagegen an!" rief Wei Wuxian, während er begann Blut zu spucken. Die Wucht und die Energie die aufeinander prallte war zu groß und Wei Wuxians verletzter Körper begann unter dem Druck zu brechen.
Bao Tians Schwert füllte sich mit spiritueller Energie und begann in der Dunkelheit hell zu leuchten.

"Tian! TÖTE IHN!" schrie Bao Meiming plötzlich von hinten. Bao Tians Augen wurden glasig und Wei Wuxian sah die blanke Verzweiflung in seinen Augen.
Bao Tian holte aus und mit einem gewaltigen Hieb, voller spiritueller Energie, schwang er sein Schwert.

Wei Wuxian streckte Suibian nach oben und versuchte den Schlag abzuwehren, doch seine Kraft reichte nicht gegen Bao Tians aus und so knickten seine Beine ein und er wurde von Bao Tian zu Boden geschmettert. Suibian wurde aus seiner Hand geschleudert und fiel scheppernd und nutzlos zu Boden. Wei Wuxian fiel auf den Rücken und Bao Tian stand breitbeinig über ihm und rammte sein Schwert so nah neben Wei Wuxians Kopf in die Erde, dass er seinen Hals erwischte und ihm eine Schnittwunde zufügte.

"Argh" ächzte Wei Wuxian, als das rote Blut auf das kalte Gras tropfte.

"Misch dich nicht ein WEI WUXIAN! Das hier ist meine Entscheidung!" fletschte Bao Tian seine Zähne und er warf Wei Wuxian einen unheilvollen Blick zu.

Wei Wuxian lag kraftlos und ausgestreckt auf seinem Rücken. Seine Glieder schmerzten, sein Hals brannte und Suibian steckte neben ihm im Gras. Sein Herz war ihm schwer und dieses Gefühl machtlos zu sein, zerriss ihn innerlich.

"Was ist..
Was ist mit Lan Xichen?" fragte Wei Wuxian plötzlich.

Bao Tians zornige Miene wurde bei dem Klang dieses Namens wieder ganz weich.
"Lan Xichen?" hauchte er über seine Lippen.

"Genau. Was ist mit ihm? Willst du ihn etwa zurück lassen?
War er es nicht, der dich gerettet hat?
Wolltest du nicht für immer bei ihm bleiben?" rief Wei Wuxian verzweifelt.

Bao Tians Augen weiteten sich und wie ein Schleier der von seinen Sinnen wich, löste sich plötzlich seine angestrengte Hand und sein Schwert fiel scheppernd zu Boden.
Bao Tian raufte sich die Haare und Wei Wuxians Worte drangen tief in ihn ein und wühlten seine Gefühle durcheinander.

In diesem Moment tauchte Bao Meiming wieder hinter ihm auf und umklammerte seine Brust.
"Nein Tian, hör nicht auf ihn. Komm mit mir!" Flüsterte sie in Bao Tians Ohr.

Bao Tian legte seinen Kopf in den Nacken und vor Verzweiflung drang ein Schrei aus seiner Kehle, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Wei Wuxian versuchte seine Hand nach Suibian auszustrecken, doch Bao Meiming bemerkte es und trat kraftvoll auf Wei Wuxians Hand.
"Argh" fletschte Wei Wuxian vor Schmerz die Zähne und er warf einen hasserfüllten Blick zu ihr hinauf.

In diesem Moment erklang plötzlich eine bekannte Stimme an Wei Wuxians Ohren.

"Wei Ying!" hörte man eine tiefe, sanfte Stimme mit einem aufgebrachten Unterton.

Wei Wuxian drehte seinen Kopf zur Seite und am anderen Ende der Lichtung tauchte plötzlich Lan Wangji auf.
Er war ihm gefolgt und nun stand er mit erschrockenem Gesicht im dunklen Wald. Seine weißen Kleider leuchteten im Mondlicht und seine Augen waren weit aufgerissen.
Lan Wangji hatte keine Ahnung was vor sich ging und so stand er ratlos auf der Lichtung und starrte sie an.

Wei Wuxian lag blutent am Boden, ein leuchtendes Schwert steckte neben seinem Kopf in der Erde, Bao Tian stand als hätte der Wahnsinn ihn befallen breitbeinig über ihm und eine seltsame Frau, klammerte sich an Bao Tians Rücken.

Alle blickten zu Lan Wangji herüber, der noch vollkommen sprachlos die drei anstarrte und unfähig war zu reagieren.

Plötzlich löste Bao Meiming ihre Umarmung und sie schaute mit weit aufgerissenen Augen zu Lan Wangji.
"Du bist es, du bist es wirklich...!" hauchte sie plötzlich mit zittriger Stimme und in ihren Augen loderte die Begierde.

Wei Wuxian war erschrocken. - Was passiert hier nur?- Dachte er sich.

Lan Wangji starrte die fremde Frau an, dann wanderte sein Blick zu Bao Tian, erlcher vollkommen aufgelöst da stand und sich nicht mehr rührte.
Wei Wuxian wollte den Moment nutzen und aufspringen, doch sein Körper schmerzte und Bao Meiming stand noch immer auf seiner Hand. Er konnte sich einfach nicht rühren.

In diesem Moment hörte man den klaren Ton von Metall und Lan Wangji zog Bichen aus seiner Scheide.

"Lan Xichen!" rief Bao Meiming plötzlich mit sehnsüchtiger Stimme und sie starrte mit einem irren Blick zu Lan Wangji.

Lan Wangji zuckte verwundert zusammen und Bao Tian wollte sich gerade zu ihnen umdrehen, als man eine kalte Frauenstimme hörte.
"Dich, brauche ich jetzt nicht mehr!"

Wei Wuxian starrte noch nach oben, als er plötzlich Bao Tians schmerzerfülltes Gesicht sah und wie sich eine blanke Klinge von hinten durch Bao Tians Schulter bohrte. Er spuckte Blut aus seinem Mund und obwohl der Schmerz ihm fast den Verstand raubte, kam kein Ton aus seiner Kehle. Das rote Blut tropfte hinunter auf Wei Wuxians Gesicht und durch den Schock konnte keiner so schnell begreifen, was geschehen war. Bao Tian fiel auf seine Knie und das letzte was Wei Wuxian noch von Bao Meiming sah, war ihr kaltes Gesicht das mit einer häßlichen Fratze das Messer aus Bao Tians Schulter wieder herauszog und dann wie der Blitz über sie hinwegschoss, direkt auf Lan Wangji zu.

Bao Tian knickte ein und fiel vornerüber, genau auf Wei Wuxian. Das rote Blut durchtränkte ihre Kleider und Wei Wuxian schrie aus voller Kehle.
"LAN ZHAN! FLIEH!"

Doch Bao Meiming war schon bei ihm angekommen und ein helles Licht umströmte Lan Wangji und er konnte geblendet von seiner Helligkeit, nichts mehr sehen. Er fühlte sich plötzlich schwindelig und seine Sinne schwanden ihm. Bichen fiel zu Boden und Lan Wangji knickte ohnmächtig ein.

Wei Wuxian streckte seinen Kopf in den Nacken und das letzte was er vom Boden aus noch noch sehen konnte, war Lan Wangjis bewusstloses Gesicht und ein helles Licht, welches ihn einhüllte und sich dann urplötzlich mit ihm geräuschlos ins Nichts auflöste.
Das Einzige was von ihm zurück blieb, war Bichen, welches scheppernd, ohne seine Herren, zu Boden fiel.

"LAN ZHAN!" schrie Wei Wuxian und sein gleißender Schrei schreckte die Vögel in den Bäumen auf.

Volkommen aufgelöst versuchte Wei Wuxian Bao Tian vorsichtig von sich herunter zu rollen, als er plötzlich spürte, dass sich noch jemand der Lichtung näherte. Wei Wuxian streckte sich nach Suibian und kniete sich mit letzter Kraft auf der Erde in Kampfesstellung hin, als plötzlich eine Person ganz in weiß gekleidet auf der Lichtung erschien. Das weiße Kopfband mit den zierlichen Wolken wehte ihm Wind und in der Hand trug die Person einen Stein der hell leuchtete.

Wei Wuxian blickte weiter nach oben und erblickte das fassungslose Gesicht von Lan Xichen. Das glimmende Licht das von dem Stein in seiner Hand ausging flackerte noch einmal hell auf, bis es plötzlich gänzlich verschwand.

"Lan Xichen?" hauchte Wei Wuxian kraftlos, bevor er schließlich das Bewusstein verlor und ohnmächtig zusammenbrach.