Chapter 15.6

Lan Xichen schritt mit entschlossenen Bewegungen und klarem Blick immer weiter in den Wald hinein.
Er spürte, dass der kleine, weiße Vogel schon ganz nah sein musste

Bao Tian war hinter ihm und die Sonne war gerade dabei unter zu gehen.
Der Wald wurde immer dunkler und die vielen Schatten der Bäume machten es immer schwieriger die Übersicht im Wald zu behalten.

Plötzlich blieb Lan Xichen wieder stehen und er hob seine Hand an.
Bao Tian schlich sich schnell näher und spähte über Lan Xichens Schulter hinein in den Wald.

"Was ist?" flüsterte Bao Tian.

"Wir sind ganz nah!
Ich glaube da vorne beginnt eine Höhle!" Lan Xichen zeigte mit seinem schlanken Finger durch die Äste.

Bao Tian strengte seine Augen an und tatsächlich, im Dickicht zeichnete sich der schwarze Eingang einer Höhle ab.

"Komm." sagte Lan Xichen ruhig und beide legten ihre Hände auf das Heft ihrer Schwerter und näherten sich langsam dem Eingang der Höhle.

Als sie näher kamen zeichnete sich auf dem dunklen Waldboden plötzlich eine weiße Kontur ab und sie erblickten den kleinen, weißen Vogel von Madame Mao, der zwitschernd vor der Höhle auf dem Boden saß.

Lan Xichen ging auf ihn zu und bückte sich. Behutsam hob er ihn an und betrachtete ihn in seiner Hand.
"Gut gemacht, kleiner Freund!
Weiter musst du auch nicht." Lan Xichen lächelte den kleinen Vogel an und strich ihm behutsam dreimal über seinen Kopf.
Eine kleine blaue Flamme entstand und der kleine, weiße Vogel verwandelte sich wieder in seine Papiergestalt. Das Zwitschern verstummte und Lan Xichen verstaute den kleinen Papiervogel vorsichtig in seiner Robe.

Bao Tian trat neben Lan Xichen und gemeinsam starrten sie in den dunklen Eingang der eisigen Höhle. Ein kalter Windzug stieß ihnen entgegen und ein unheilvolles Gefühl erfüllte ihre Herzen.

Lan Xichen wollte gerade losgehen als Bao Tian seine Hand auf seine Schulter legte und ihn stoppte.
Lan Xichen zuckte zusammen und blickte nach hinten zu Bao Tian.

"Gehen wir da rein? Das sieht nicht gut aus!" fragte Bao Tian unsicher.
"Es stinkt hier nach Dämonenpack!"

"Aber sicher gehen wir da rein. Wei Wuxian muss sich dort drinnen befinden. Und dann muss Wangji auch da sein." antwortete Lan Xichen entschlossen.

"Das dachte ich mir irgendwie...!" flüsterte Bao Tian und sein Gesicht wirkte mehr als besorgt.

Lan Xichen machte erneut einen Schritt nach vorne, doch wieder hielt Bao Tian ihn fest und stoppte ihn an seiner Schulter.
"Huan, pass auf dich auf!" sagte Bao Tian leise und Lan Xichen blickte ihn mit großen Augen an.
Dann wurde sein Gesicht wieder ganz fein und seine Gesichtskonturen wurden freundlich. Er lächelte Bao Tian an.
"Du auch, mein Freund!" Lan Xichens strich ebenfalls mit seiner Hand über Bao Tians Schulter und gemeinsam blickten sie in die pechschwarze Dunkelheit.

Beide holten einen Talisman aus ihrem Ärmel hervor und machten sich ein wenig Licht, bevor sie sich mutig in die Höhle hineinwagten.


Lan Wangjis Blut kochte und aus seinem Körper traten kleine blaue Flammen heraus, als er seine letzten spirituellen Kräfte bündelte.
Die Höhle tauchte sich in ein hell-blaues Licht und Bao Meiming starrte ihn gierig an.

"Haha" lachte sie schadenfroh.
"Was ist los? Bist du jetzt sauer?
Aber das wird dir nichts mehr nützen. Du bist schon zu schwach!"

Bao Meiming raste auf Lan Wangji zu und streckte ihre reche Hand nach ihm aus.
Sie legte ihre flache Handinnenfläche auf Lan Wangjis Stirn und im ersten Moment bekam sie von seiner aufbrausenden spiritueller Energie einen kleinen Stromschlag. Doch kurz darauf begann sich die blaue Energie in ihren Körper zu saugen.

"Argh" keuchte Lan Wangji auf, als er spürte, dass seine restliche spirituelle Energie aus seinem Körper heraus gesogen wurde.

Bao Meiming warf ihren Kopf in den Nacken und sie spürte die erfirschende Energie die durch ihren Körper schoss.
Ihr Körper begann zu zittern und ihre dämonische Aura verstärkte sich mehr.

"Lan Zhan!" rief Wei Wuxian aus, der noch immer keuchend am Boden lag.
- Wenn er noch mehr Energie verliert weiß ich nicht was mit ihm passiert- Dachte sich Wei Wuxian panisch und er begann sich nach etwas umzusehen, das ihm helfen könnte.

Er entdeckte schließlich seine Flöte die nur ein paar Meter entfernt von ihm auf dem steinigen Boden lag.
Er hastete los und krabbelte auf allen vieren über den Boden und machte mit ausgestreckter Hand einen Hechtsprung zu seiner Flöte.

"Denkst du dir!" Rief Bao Meiming aus als sie Wei Wuxian entdeckte. Sie streckte ihre linke Hand aus und Lan Wangjis spirituelle Energie die in ihre rechte Hand floss, schoss mit einem herben Schlag aus ihrer anderen Hand wieder heraus und traf Wei Wuxians Rücken.

Mit einer starken Wucht wurde Wei Wuxian gegen eine Höhlenwand geschleudert und ein gleißender Schrei echote durch die Höhle.
"Ahhh!"

Er überschlug sich ein paar mal bis er nach einem herben Aufprall regungslos mit seinem Rücken an der Wand zum stehen kam.
Ihm wurde heiß und sein Kopf dröhnte. Die Sicht schien ihm zu schwinden und sein Rücken schmerzte ihm als hätte man ihm die Haut abgezogen.
Sie brannte und er sah wie ein paar rote Bluttropfen von seiner Stirn auf den Boden tropften.
"...Lan Zhan..." hauchte er kraftlos als er in seiner zitternden Hand seine Flöte entdeckte.

Lan Wangjis Gesicht wurde immer weißer und sein Kopf fiel regungslos nach unten auf seine Brust, als Bao Meiming ihre Hand endlich wieder zurück zog.
"Schade... Ist es schon vorbei? Ich dachte wir hätten noch viel mehr Spaß miteinander!" lachte sie zufrieden als plötzlich ein Grollen in der Höhle zu hören war.

Wie ein gleißender Blitz sauste ein blaues Schwert durch die dunkle Höhle und steuerte genau auf Bao Meiming zu.

Erschrocken drehte sie sich um und sprang nach hinten, als sie aber schon einen gleißenden Schmerz an ihrer Schulter verspürte. Sie schrie laut auf als ihr linker Arm von der Schulter abgetrennt wurde und mit starker Wucht auf den Boden schleuderte.

"AHH!" schrillte ihre Stimme laut auf und blaue Flammen züngelten um ihre Schulter herum, als unaufhörlich schwarzes Blut auf die Erde tropfte.
"WER WAGT ES?" schrie sie auf.

Lan Wangji und Wei Wuxian schauten überrascht mit letzter Kraft zu ihr herüber, als plötzlich im Torbogen eine Gestalt aus der Dunkelheit heraus trat.
Ein Mann, ganz in weiß gekleidet. Die langen schwarzen Haare tanzten im kalten Windzug, das weiße Kopfband mit den langen Enden blitzte durch die Dunkelheit und blaue Flammen wirbelten um seine rechte Hand.

(Wer möchte, der geht jetzt auf youtube und hört dazu das folgende Lied: watch?v=QcPf4yKSe38) -Xian REMASTERED 9:03-

Lan Xichen stand in der Höhle und seine Erscheinung war wahrlich furchteinflößend. Sein Schwert sauste zu ihm zurück und er nahm es in seine rechte Hand und richtete es genau auf Bao Meiming. Die blauen Flammen wurden heller und sie züngelten sich um die blanke Schwertklinge.

Hinter ihm tauchte plötzlich Bao Tian auf der ebenfalls sein blankes Schwert in den Händen hielt. Ein starker, heller Lichtschimmer ging von seinem Schwert aus und ihre gemeinsame spirituelle Energie brachte die Luft zum schwingen.

Alle fünf starrten sich an und keiner bewegte sich. Die Anspannung war enorm.

"Wangji..." hauchte Lan Xichen mit fassungloser Stimme, als sein Blick plötzlich auf seinen schwer verletzten Bruder fiel.

"Bruder..." keuchte Lan Wangji atemlos.

Bao Tians Augen weiteten sich als er Wei Wuxian und Wangji verwundet erblickte und er hielt Lan Xichen am Arm fest, um ein überstürztes Handeln zu verhindern.

In Lan Xichen und Bao Tian stieg die Wut hinauf und beide umklammerten den Griff ihrer Schwerter mit so einer Kraft, dass die Adern auf ihren Handrücken heraus traten.

"Wer seid ihr? " Rief Lan Xichen laut aus und seine Stimme stieg zu einem lauten Echo an und hallte durch die Höhle.

Bao Meimings Herz machte einen Sprung als sie Lan Xichens Gesicht erkannte.
"Lan Xichen!" rief sie laut aus und plötzlich wurde ihre Stimme wieder ganz zart und weiblich.
"Ihr seid wirklich zu mir gekommen!" Ihre Gesichtszüge wurden plötzlich wieder ganz fein und sie machte mit ihrer linken Hand eine kreisende Bewegung in der Luft.

Plötzlich loderte ihr abgeschnitter Arm auf der Erde in einem hellen Licht auf und der Arm hob sich an und sauste zu ihr zurück. Unter einem gleißenden Lichtschimmer setzte er sich wieder an ihre Schulter und wurde wieder zu einem Teil ihres Körpers.

"Das sieht nicht gut aus!" flüsterte Bao Tian.
"Das ist schon lange kein einfacher Geist mehr.
Wohl eher ein Dämon der sich die ruhelose Seele eines Menschen einverleibt hat!
...und...dann... auch noch die Gestalt meiner Frau angenommen hat!" hauchte Bao Tian mit zitternder Stimme und seine Finger krallten sich in Lan Xichens Arm.

"Nicht verzagen, Tian. Ich werde dafür sorgen, dass dieser Dämon nie wieder ihre Gestalt annehmen kann!" sagte Lan Xichen zu Bao Tian entschlossen und er streckte seine Hand aus und seine spirituelle Energie lies sein Schwert wieder durch die Lüfte sausen.

Bao Meiming hob ihre Arme und mit einem hellen Licht und einem lauten Grollen schoss ihre spirituelle Energie aus ihren Händen und lieferte sich ein kraftvolles Duell mit Lan Xichens Schwert.

Bao Tian rannte zu Wei Wuxian herüber, wärend über seinem Kopf die Kräfte aufeinander trafen und die Höhle zum beben brachten.
Er schaffte es bis zu ihm und hob vorsichtig Wei Wuxians Oberkörper an.
"Wei Wuxian bist du schwer verletzt? Kannst du laufen?"

Wei Wuxian blinzelte Bao Tian mit schweren Augenliedern an und im Hintergrund sah er das gleißende Licht von dem mächtigen Kampf zwischen Bao Meiming und Lan Xichen.

"Tian..." hauchte er.
"Mir gehts gut. Aber Lan Zhan! Hilf ihm."

Bao Tian blickte zu Lan Wangji, der fast bewusstlos in den Ketten hing.

Er nickt Wei Wuxian bestätigend zu, als es plötzlich ein lautes Grollen und eine heftige Erschütterung der Erde gab.

Bao Tian und Wei Wuxian blickten zu Lan Xichen und sie sahen wie Lan Xichens Schwert durch die Luft geschleudert wurde und mit einer unglaublichen Wucht in die Höhlenwand gerammt wurde.

Geröll donnerte von der Wand und Lan Xichen musste seinen Standort verlassen und ausweichen um nicht unter den Massen verschüttet zu werden.

"Warum lauft ihr vor mir weg?" rief Bao Meiming zu Lan Xichen.
"Jetzt wo ihr endlich bei mir seid und wir endlich eins sein könnten!" Bao Meiming streckte ihre Hand einladend zu Lan Xichen aus.

Doch dieser schaue sie wütend an.
"Macht euch nicht lächerlich.
Wir wissen alle hier, dass ihr weder Bao Meiming seid, noch das ihr die einfache Seele einer unglücklich Frau seid.
Wer seid ihr, Dämon? Zeigt euer wahres Gesicht!" forderte er sie auf.

Plötzlich fing Bao Meiming laut an zu lachen und ihre spirituelle Energie drehte sich wie ein Orkan um sie herum und gewann mit jeder Sekunde mehr an Kraft.
"Meine wahre Gestalt?" fragte sie in einem zerstörerischem Wahn.
"Ihr habt alle keine Chance gegen mich!" Donnerte sie laut los und sie ließ ihren spirituellen Orkan auf Lan Xichen los.

Lan Xichen, der nun ohne Schwert vor ihr stand hob seine Hand und versuchte die Attacke zu kontern.

"HUAN!" rief Bao Tian aus und er wendete sich von Wei Wuxian ab und er lief los um Lan Xichen zu helfen.

Doch er war zu spät und ihre mächtige Energie prasselte auf Lan Xichen ein und es dauerte nicht lange, bis er ihre Energie nicht mehr blocken konnte und er wurde mit einer enormen Kraft nach hinten geschleudert und prallte auf den harten Boden.

Bao Meiming streckte blitzschnell ihre eine Hand zu Bao Tian aus und ließ einen Schimmer spirituelle Energie zu ihm herüber fliegen.

"HUAN!" schrie Bao Tian erneut, als er plötzlich eine vertraute Stimme hinter sich hörte.
"Tian? Tian bist du das?" erklang eine zarte Frauenstimme.

Bao Tian spürte eine warme Berührung an seiner Hand und als er sich umdrehte, stand plötzlich seine Frau Bao Meiming hinter ihm. Sie war umhüllt von einem warmen Licht und sie lächelte ihn liebevoll an, als sie ihn näher an sich heran zog. Bao Tians Augen weiteten sich und ihr warmes Licht reflektierte sich in seinen Augen.
Bao Tian atmete einmal tief ein und er roch den vertrauten Duft von Ban-Zhi-Lian als sich seine Augen weiteten.

Wei Wuxian richete sich langsam auf und er tastete sich an der Wand entlang.
"Verdammt, nicht schon wieder!" sagte er zu sich selbst.
"TIAN! Lan Xichen, rette Lan Xichen!" schrie Wei Wuxian herüber.

Bao Tian zuckte zusammen und wie aus einem Traum erwacht, blickte er sich um und er sah wie die andere Bao Meiming breitbeinig über Lan Xichen stand und ein langes Messer in ihren Händen hielt.
"Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich niemand haben!" schrie sie mit irrer Stimme.

Lan Xichens Augen weiteten sich und er sah in die blanke Klinge die auf ihn herab sauste.

In Bao Tians Gesicht stand das Entsetzen, wärend er panisch zu Lan Xichen herüber blickte.
Er biss sich auf seine Zähne und seine Augenbrauen kräuselten sich angestrengt. Er riss sich aus dem Griff von seiner Bao Meiming los und schwang sein Schwert.
"Verzeih mir." hauchte er zu ihr mit traurigem Blick, als er ihre Gestalt in der Luft durchtrennte und der warme Lichtschimmer sich vor seinen Augen wieder in Luft auflöste und die Gestalt seiner lieblichen Frau wieder verschwand.

Er schwang erneut kraftvoll sein Schwert und mit einer unglaublichen Wucht flog es herüber zu Lan Xichen und bohrte sich in aller letzte Sekunde, ungebremst durch Bao Meimings Körper.

"AHHH" schrillte ihr Schmerzensschrei durch die Hallen und das schwarze Blut schoss aus ihrer Brust und ihrem Mund und befleckte Lan Xichen, der unter ihr lag.

Lan Xichen hob seinen Arm an um sich mit seinem Ärmel abzuschirmen, als er unter ihr wegkroch und sich schnell wieder aufrichtete.

Bao Meiming packte an Bao Tians Klinge und zog mit einem Ruck das Schwert aus ihrem Körper. Das schwarze Blut klatschte schwallweise auf den kalten Boden als sie mit einem Scheppern das Schwert zur Seite warf.
"Haha" lachte sie gurgelnd.
"Habt ihr wirklich geglaubt ihr könntet mich so besiegen?

"So, vielleicht nicht!
Aber wie wäre es damit?" erklang Bao Tians Stimme laut und deutlich und Bao Meiming drehte sich zu ihm um.
Sie sah wie Lan Xichen zwischen den beiden stand und seine Flöte an seine Lippen anlegte.

Lan Xichen sah schaurig schön aus, als er begann eine laute Melodie zu spielen. Seine weißen Kleider, befleckt mit schwarzem Blut und sein schönes Gesicht, welches vom Kampf gezeichnet war, ließen ihn wie einen einsamen Krieger auf der mitte eines Schlachtfeldes erscheinen.

Bao Meiming riss ihre Augen weit auf, als sie spürte wie ihr Körper langsam taub wurde.
"Was ist das für eine Melodie?" rief sie als sie versuchte sich gegen die Kraft des Stückes zu wehren.

Wei Wuxian blickte fassunglos zu ihnen herüber.

"Was ist das für ein Lied?" fragte sich Wei Wuxian.
"Es klingt wie ein Exorzismus. Versucht er den Dämon von der Menschenseele zu trennen?"

Lan Xichens Finger bewegten sich schneller hin und her und seine Melodie erfüllte den Raum und wurde mit jeder Note kräftiger.

Bao Meiming begann sich krampfhaft hin und her zu winden und raufte sich die Haare.
Ihre Gestalt erhellte sich in einem blauen Licht und sie schrie vor Schmerzen.
Doch ihre Erscheinung veränderte sich nicht und obwohl Lan Xichen so geschickt spielte wie er konnte, trennten sich ihre Seelen nicht voneinander.

Bao Meiming begann plötzlich laut zu lachen.
"Ihr seid zu schwach. Ihr schafft es nich mich zu besiegen."
Knirschte sie mit den Zähnen und das blaue Licht von Lan Xichens spiritueller Energie wurde langsam wieder zurück gedrängt.

"Lan Xichens spirituelle Energie wird zurück gedrängt..?." hauchte Wei Wuxian erschrocken zu sich selbst und sein Blick wanderte herüber zu Lan Wangji der immer noch mit hängendem Kopf in den Ketten hing.

Plötzlich nahm Bao Tian seine Liuqin* (*Traditionell Chinesisches Instrument) von seinem Rücken und er legte die Finger auf die Seiten.
"Alleine vielleicht nicht. Aber er ist NICHT alleine!"
Bao Tian stimmte in das Lied mit ein und die Melodie wurde kräftiger und nahm eine neue Gestalt an.
Er erstrahlte in einem hellen Licht und seine spirituelle Energie addierte sich zu Lan Xichens dazu.

Bao Meiming spürte einen stechenden Schmerz in ihrer Brust und ihr Körper verkrampfte sich. Sie hielt mit aller Macht dagegen und die Erde begann zu beben.

"ZU SCHWACH! ZU SCHWACH!" schrie sie laut auf und sie weigerte sich diesen Körper herzugeben.

"Sie schaffen es nicht.." hauchte Wei Wuxian.
Er blickte plötzlich in seine Hand und entdeckte seine Flöte.
Entschlossen hob er sie an, führte sie zu seinen Lippen und er holte tief Luft als seine Finger ihren Platz fanden.

Lan Xichen und Bao Tian blickten sich verwundert um als sich das Stück erneut veränderte und ein neuer Klang dazu kam.

Wei Wuxian stand neben Lan Wangji und seine Finger flogen geschickt über seine Flöte und er heizte das Stück zusätzlich an. Gemeinsam schafften sie ein Lied welches die Höhlen zum beben brachte, die Luft zum Schwingen und die viele spirituelle Energie sich bündelte und zu einem hellen Licht wurde.

Die Höhle wurde hell erstrahlt und die dunkle Aura klärte sich langsam auf.

"AHHHH!" schrie Bao Meiming auf und ihre schrille Stimme zerfetzte die Luft als sich plötzlich die Gestalt einer jungen Frau von einem schwarzen Wirbel dunkler Energie trennte.

Die Seelen rissen in der Mitte auseinander und eine junge Frau fiel plötzlich auf den Boden wärend ein Strudel dunkler Energie mit zwei roten Augen tobend durch die Luft fegte.

"JETZT!" rief Bao Tian und Lan Xichen ließ seine Flöte fallen und zog im selben Moment einen Talisman aus seinem Ärmel.

Ein großes gelbes Siegel entstand unter der Decke der Höhle und krachte mit einem wahnsinns Getöse herunter auf den Dämon.
Der Dämon schrie um sein Leben und die Luft wurde von seinem schrillen Kreischen zerfetzt.
Ein heller Lichtblitz erfüllte den Raum und der Dämon und das Siegel vereinten sich.
Ein starker Wind kam auf und ließ ihre Haare und Kleider wie wild durch die Luft flattern und sie stemmten sich gegen die Starke Strömung.

Plötzlich wurde es wieder still, das helle Licht verschwand und ein silbernes Amulett fiel klappernd zu Boden.

Wei Wuxian staunte sprachlos zu den anderen herüber und allen stockte der Atem.
- War es vorbei?- Fragten sich alle.

Eine junge Frau lag neben dem Amulett auf dem Boden. Ihr langes braunes Haar war zu einem Dutt zusammengebunden und ihre Kleider waren in einem hellen Fliederton.
Ein feines Licht umhüllte ihre Silhoutte und sie richtete sich vorsichtig mit ihrem Oberkörper auf.

"Wo bin ich?" Flüsterte sie leise zu sich als sie sich mit ihrer Hand an ihren schmerzenden Kopf fasste.

Lan Xichen ging langsam auf sie zu und blieb vor ihr stehen.
Er bückte sich zu ihr herunter und schaute sie freundlich an.

Vor ihren Augen entdeckte sie die weiße Robe und langsam richtete sie ihren Blick auf.
Sie blickte in Lan Xichens Gesicht und zuckte zusammen. Ihre Augen weiteten sich und ihre Wangen tauchten sich in ein zartes Rosé als sie sprachlos ihn anstarrte.
"...Lan...Xichen...!" Stammelte sie atemlos.

"Und wer seid ihr wenn ich fragen darf?" Lan Xichens Gesichtskonturen waren ganz weich und seine Stimme war sanft und zart.

"Ich...ich.." stammelte sie nervös und sie blickte unruhig hin und her wärend sie sich adrett auf ihre Knie setze und ihre Hände flach auf ihren Oberschenkeln ablegte.

"Ich heiße Wong Jia.
Ich war ein paar mal in der Cloud Recesses mit meinem Großvater und hatte Handelswaren vorbei gebracht.
Erkennt ihr mich denn nicht wieder?" fragte sie vorsichtig und linste hinter ihren braunen Haaren hervor.

Lan Xichen lächelte sie freundlich an und legte den Kopf etwas schief.
"Verzeiht mir. Leider kann ich mich an euch nicht wirklich erinnern."

Ihre Wangen wurden immer heißer und ihre Augen funkelten als sie sich unsicher ihre Haare hinter ein Ohr strich.
"Oh, verzeiht, dass ich überhaupt gefragt habe. Ich bin auch nicht besonders auffallend, dass weiß ich. Natürlich würdet ihr euch nicht an jemanden wie mich erinnern..." sprach sie leise wärend sie entteuscht auf den Boden sah.

Lan Xichen schüttelte den Kopf.
"Ihr seid eine wunderschöne junge Frau. Nur weil ich mich nicht erinnern kann, heißt es nicht, dass ich euch nicht wahrgenommen habe."

Vorsichtig richtete sie ihren Blick wieder auf und ihre Augen weiteten sich, wärend sie sich in Lan Xichens aufrichtigen Blick verlor.
"Ihr seid zu gütig.
Und zu freundlich.
Und euer Lächeln erwärmt das Herz..!"
Aber, das ist jetzt alles nicht mehr von bedeutung!" Plötzlich kauerte sie sich zusammen und schaute traurig zu Boden.

Lan Xichens Blick wurde ernster und seine Stimme war tief.
"Ihr wisst, dass ihr tot seid?" fragte er vorsichtig.

Ihre Augen wurden plötzlich glasig und sie begann zu zittern.
"...Ja..." hauchte sie kraftlos.

"Könnt ihr uns erzählen was geschehen ist?" fragte Lan Xichen einfühlsam und schaute ihr tief in die Augen.

Ihr Herz machte einen kleinen Sprung und für eine Sekunde hätte sie fast das ganze Elend und den Kummer vergessen.
"Ich..." stammelte sie erneut los.
"Ich konnte eines Nachts mal wieder nicht schlafen.
Also bin ich aufgestanden und ein wenig draußen umher gewandert. Irgendwann entdeckte ich ein mystisches Licht und eine Stimme die mich rief..."
Sie hörte für einen Moment auf zu sprechen und ihr Gesicht wurde immer trauriger.

"Sprecht weiter..." sagte Lan Xichen verständnisvoll.

Ihre Augen wurden immer glasiger und sie blickte Lan Xichen mit einem so gequälten Gesichtsausdruck an, dass es einem jeden schwer ums Herz wurde der ihr ins Gesicht sah. Ihre stimme begann zu brechen und unter leisem Wimmern und Schluchzen erzählte sie weiter.
"Ich weiß, dass es falsch war. Ich wusste, dass es ein unheilvolles Wesen war welchem man nicht trauen konnte. Aber ich war so traurig, so einsam und ich wusste nicht mehr wie ich mit diesen Gefühlen zurecht kommen sollte.
Die Stimme versprach mir, mir all meine Wünsche zu erfüllen und ich wähnte mich in großer Hoffnung. Als Gegenleistung wollte es meinen weltlichen Körper und das wir gemeinsam uns aushelfen.
Ich war ja so dumm..." Dicke Tränen begannen von ihrer Wange zu kullern und die Höhlen erfüllten sich mit einem schmerzenden Schluchzen.

"Könnt ihr auch sagen warum ihr die Gestalt von Bao Meiming angenommen habt?" fragte Lan Xichen vorsichtig weiter. Die Zeit drängte, denn er wusste, dass Lan Wangji schleunigst hilfe benötigte und sie ihn aus der Höhle schaffen mussten.

Wong Jia schüttelte den Kopf.
" Ich kann mich daran erinnern, dass der Dämon zu mir sagte, dass uns jemand im Weg stünde. Das er erst diese eine Person aus dem Weg räumen muss um mir meinen größten Wunsch zu erfüllen. Doch ich kann mich nicht mehr an viel Erinnern. Außer das der Dämon sagte er wüsste einen Weg wie."

Bao Tians Augen weiteten sich bei diesen Worten und seine Augenbrauen kräuselten sich angestrengt. Seine Hand ballte sich zu einer Faust und er atmete einmal tief ein um seine aufgebrachten Emotionen zu kontrollieren.
Das ein Dämon die Gestalt von seiner geliebten Frau angenommen hatte nur um ihn zu Ködern war ein wirklich heimtückischer Akt. Und das er auch noch sich von dieser List hat tatsächlich Ködern lassen, war noch viel unverzeilicher für ihn.

Wong Jia fuhr leise Wort:
"Es ist als wäre es ein Albtraum gewesen in dem ich gefangen war.
Mit jedem Tag wurde der Dämon in mir immer starker und ich im gegenzug immer schwächer. Es saugte mir die Lebensenergie aus und meine Erinnerungen begannen zu verschwimmen. Das einzige, an das ich mich noch erinnern kann bevor ich starb war, mein sehnlichster Wunsch..."

Sie schaute Lan Xichen mit ihren glasigen Augen an und die vielen Tränen kullerten unaufhörlich über ihre Wangen. Jedem der dabei stand wurde es schwer ums Herz, eine junge Frau so verzweifelt weinen zu sehen.

"Ich...hatte mich in euch verliebt...Lan Xichen.
Ich konnte nichts dagegen tun, es war einfach passiert. Aber der Gedanke das ich niemals eine Chance haben würde hat mich innerlich zerrissen. Ich konnte von diesen Gefühlen einfach nicht los lassen. Es gab mir keine Ruhe.
Ich weiß wie falsch es alles war. Ich weiß, dass es alles meine Schuld ist und es tut mir so Leid, dass ich anderen Schmerz und Kummer durch mein törichtes Verhalten zugefügt habe. Ich weiß nicht wie ich das jemals wieder gut machen kann. Was soll ich nur tun? Jetzt ist alles zu spät!
Könnt, könnt ihr mir Verzeihen, Lan Xichen?
Es tut mir Leid, dass ich zu schwach war und mich meinen egoistischen Wünschen hingegeben habe..."

Bao Tian schluckte schwer bei ihren Worten und er spürte wie sein Herz für einen Schlag aussetzte. Es war als hätte Wong Jian seine eigenen Gedanken und Gefühle ausgesprochent. Bao Tian fühlte mit ihr und sich selbst auch ein wenig schuldig.

Lan Xichen schüttelte sanft den Kopf. Er lächelte sie mit einem so warmen und verständnisvollem Lächeln an als gäbe es nur sie beide auf der Welt. Voller Güte und Mitgefühl streckte er seine Hand nach ihr aus und berührte ihre Wange. Er konnte sie nicht wirklich spüren. Es war mehr ein warmes Gefühl einer Seele welche noch mit letzter Kraft sich hoffnungsvoll an die Welt klammerte.

"Ihr müsst euch nicht entschuldigen!
Nichts von alledem ist eure Schuld.
Wenn sich einer entschuldigen muss, dann bin ich das!"

Bao Tian und Wei Wuxian stutzte nund schauten verwundert zu Lan Xichen und Wong Jia.

Ihre Lippen öffnete sich und sie schaute ihn verwundert an.
"Wieso...?" Hauchte sie leise.

Lan Xichen seufzte einmal leise auf.
"Könnt ihr mir verzeihen?
Könnt ihr mir verzeihen, dass ich eure Zuneigung nicht bemerkt habe?
Könnt ihr mir verzeihen, dass ich euch keine Aufmerksamkeit geschenkt habe?
Könnt ihr mir verzeihen, dass ich eure Liebe leider nicht erwidern konnte und es leider bis heute auch nicht kann?"

Lan Xichen schloss für einen Moment seine Augen und sein Gesicht erstrahlte in einem feinen, warmen Lächeln welches das Herz auch in der dunkelsten Stunde zum erwärmen brachte.

"Es gibt jemanden der mich braucht.
Jemanden von dessen Seite ich nicht weichen kann.
Ich kann ihn einfach nicht alleine lassen!
Und daher kann ich eure Gefühle nicht erwidern"

Bao Tian zuckte zusammen und er starrte Lan Xichen mit großen Augen an wärend sein Herz einen Sprung machte und er sich fragte, wen er mit diesen Worten wohl meinte.

Wong Jias Lippen zitterten und die vielen Tränen die ihre Wange hinunter kullerten glitzerten in einem fahlen Lichtschimmer und sahen aus wie kleine Eiskristalle an einem kalten Wintermorgen.

"Ihr seid wahrlich der Gütigste von allen. Wie kann ich eure Freundlichkeit jemals vergessen...
Habt vielen Dank..." ihre Stimme brach und ihre Worte bebten. Doch auf ihrem Gesicht trug sie einen friedlichen Gesichtsausdruck und es war als würde aller Schmerz und Kummer von ihr gehen.

Lan Xichen richtete sich wieder auf und stand vor ihr. Sie blickte mit ihren glasigen Augen nach oben und schaute Lan Xichen noch einmal verträumt in seine sanften Augen.

Dann schloss sie ihre Augenlieder und atmete noch einmal tief ein.
"Lebt wohl, meine Liebe." flüsterte sie leise.

"Findet Frieden." antwortet Lan Xichen mit ruhiger Stimme und er streckte seine Hand nach ihr aus und legte seine flache Hand auf ihre Stirn. Seine langen Finger streckten sich in ihr Haar und er begann ein paar leise Worte zu murmeln.

Sie spürte eine angenehme Wärme in ihrem Körper und plötzlich fühlte sich alles so vertraut und friedlich an.
Ihre Gestalt begann sich in viele kleine Lichtkritalle aufzulösen und das letzte was man noch von ihr sah, war ein glückliches und friedliches Gesicht einer Wong Jia bevor sie sich vor ihren Augen in Luft auflöste und die Welt der sterblichen für immer verließ.

Wei Wuxian atmete erleichtert auf, dass es endlich vorbei war und die Umstände um die junge Frau aufgeklärt werden konnten.
Plötzlich hörte er hinter sich ein leises Klirren und eine schwache Stimme die einmal aufächzte.
Wei Wuxian drehte sich ruckartig um und er sah wie die Ketten an Lan Wangjis Handgelenke sich plötzlich zu lösen begannen.

"Lan Zhan!" fief Wei Wuxian aus und als die Ketten nachgaben brach Lan Wangji zusammen und fiel vorne herüber.
Wei Wuxian warf sich schnell davor und griff unter Lan Wangjis Arme hindurch und fing ihn auf.
Lan Wangjis Körper war schwer und kalt und Wei Wuxian spürte seinen schwachen Atem in seinem Nacken.

"Lan Zhan, hörst du mich? Es ist vorbei. Wir bringen dich jetzt schnell nach Hause!" Sagte Wei Wuxian hastig und er streichelte über Lan Wangjis breiten Rücken.

Ein leises "Hm" hörte Wei Wuxian in seinem Ohr.

"Puhhh...Es ist vorbei!" Bao Tian bückte sich und streckte seine Hand nach dem Amulett aus. Eine dunkle Energie strömte aus dem Amulett und Bao Tian spürte wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Gerade als er das Amulett berühren wollte legte Lan Xichen seine Hand auf seinen Arm und stoppte ihn.

"Nicht!" sagte er schnell.

Bao Tian erschrak leicht und blickte ihn verwundert an.

"Wir sollten es lieber nicht mit den bloßen Händen anfassen."
Lan Xichen holte ein weißes Stofftaschentuch aus seinem Ärmel und warf es über das Amulett. Dann streckte er seine Hand aus und hob es an und verstaute es rasch in seinem Ärmel.
"Ich nehme es an mich. Wenn wir zurück in der Cloud Recesses sind besprechen wir mit den Älteren wie wir weiter damit verfahren wollen."

Bao Tian nickte ihm bestätigend zu als sie beide Wei Wuxians Stimme vernahmen.
Lan Wangji lehnte mit seinem vollen Gewicht auf Wei Wuxian und dieser schien Probleme zu bekommen ihn weiterhin abzustützen.

"Lan Zhan, Lan Zhan! Hey, hörst du mich noch?
Lan Zhan?"
Wei Wuxian klopfte vorsichtig mit seiner Hand auf Lan Wangjis Rücken, doch dieser regte sich nicht mehr.
Wei Wuxians Armen versagte schließlich die Kraft und langsam knickte er unter Lan Wangjis leblosem Körper zusammen.

Bao Tian lief schnell zu ihnen herüber und gerade als Wei Wuxian unter Lan Wangjis Gewicht zusammenbrach griff Bao Tian schnell unter Lan Wangjis Arme und stützte ihn ab.
"Wir sollten ihn schleunigt hier rausbringen." sagte Bao Tian.

Wei Wuxian schaute ihn mit großen Augen von unten an und schon schulterte Bao Tian Lan Wangji auf seinen Rücken.

Lan Xichen kam ebenfalls schnell zu ihnen herüber. Er zog seine obere, weiße Robe aus und legte sie über Lan Wangjis Schultern und bedeckte seinen halbnackten Körper.
Lan Xichen trug ein besorgter Gesicht und er streichelte ein paar mal über Lan Wangjis Kopf bis er mit seiner Hand dort verharrte und begann Lan Wangji etwas von seiner spirituellen Energie zu übertragen.
"Verzeih mir, Wangji, das wir so lange gebraucht haben." hauchte Lan Xichen leise.
"Tian, schnell, wir sollten ihn sofort zurück in die Cloud Recesses bringen."

"Ist gut!" antwortet Bao Tian und er ging schrammen Schrittes mit Lan Wangji auf seinem Rücken Richtung Ausgang. Lan Xichen zückte einen Talisman aus seinem Ärmel und machte ihnen etwas Licht wärend er neben Bao Tian her lief und seine Hand weiterhin auf Lan Wangjis Kopf hielt.

Wei Wuxian kniete auf dem kalten Boden und blickte den dreien nach. Er wusste nicht wieso, aber irgendwie fühlte sich sein Herz plötzlich ganz schwer an. Er sah wie dir drei in zurückließen und er fühlte sich irgendwie schuldig und einsam.
- Hatte Lan Qiren vielleicht wirklich recht und er war tatsächlich ein schleches Ohmen und brachte allen nur Unglück?-

Plötzlich blieben Bao Tian und Lan Xichen stehen. Sie hatten bemerkt, dass Wei Wuxian nicht mitgekommen war und sie blickten sich um, zurück in die dunkle Höhle.

Wei Wuxian kniete mit allen vieren auf dem kalten Boden und starrte mit gesengtem Kopf nachdenklich nach unten.

Über Lan Xichens Lippen entfleuchte ein leises seufzen.
"Wei Wuxian, kommst du?" rief er zurück in die Höhle.

Doch Wei Wuxian rührte sich nicht.

Lan Xichen versuchte es erneut und räusperte sich einmal.
"Schwager, kommst du?"

Plötzlich zuckte Wei Wuxian zusammen und richete seinen Blick auf.
Er starrte in die dunkle Höhle und entdeckte die drei in einem hellen Lichtschimmer.

Lan Xichen hielt den hellen Talisman nach oben in die Luft und in dem Lichtschimmer sah Wei Wuxian sein warmes Lächeln und Bao Tians breites Grinsen.

"Wangji braucht dich.
Und wir dich auch, kommst du?" sagte Bao Tian mit einladender Stimme.

Wei Wuxians Herz machte einen Sprung und er spürte seinen kräftigen Herzschlag. Seine Finger kribbelten und seine Brust wurde von einer angenehmen Wärme geflutet.

Plötzlich sprang er auf.

Er stolperte durch die Dunkelheit, streckte seine Hand nach ihnen aus und lief auf das helle Licht zu.
"Ja! Ich komme!" seine Stimme war klar und kräftig.

Bao Tian und Lan Xichen lächelten ihn an und gemeinsam verließen sie die dunkle Höhle und kehrten dem Spuk von "Wong Jia und Bao Meiming" den Rücken zu.