Chapter 15.7

Lan Xichen gab ein strenges Tempo an. Er machte sich große Sorgen um Lan Wangjis Gesundheitszustand und eine bleibende, angestrengte Falte legte sich zwischen seine Augenbrauen. Sie kehrten als erstes in eine Gaststätte ein und versorgten zunächst Lan Wangjis Wunden.

Die ganze Zeit über, übertrugen abwechselnd Bao Tian und Lan Xichen etwas spirituelle Energie auf Lan Wangji und schafften es so, ihn wenigstens etwas stabil zu halten.

Es war der erste Abend in der Gaststätte als Lan Wangji in einem Bett zum liegen kam, als Lan Xichen zum ersten Mal die abgeschnittene Haarsträhne auffiel.
Seine Augen weiteten sich bei dem Anblick und er ließ die kurze, dicke Strähne durch seine Hände gleiten, wärend er sich fragte, wie so etwas passieren konnte. Sie reichte gerade so bis zu Lan Wangjis Schulter und stach einem dominant ins Auge.

Lan Xichen drängte sich die Frage auf wer wohl Lan Wangjis Haare abgeschnitten hatte und aus welchem Grund. Aber er wusste, das es zur Zeit wichtigeres zu tun gab.
Er schwieg desswegen über die Sache und wollte auf einen geeigneteren Moment warten, um Lan Wangji nach den Geschehnissen zu fragen.

Bao Tia war die kurze Haarsträhne noch in der Höhle aufgegallen, als er Lan Wangji auf seinen Rücken hob.
Seinem prüfendem Blick entgang aber auch Wei Wuxians Verletzung am Hals nicht und sowohl er, als auch Lan Xichen, sprachen Wei Wuxian wärend ihrer Reise nicht darauf an.

Aus der Gaststätte bekamen sie eine Trage mit und sie wechselten sich jeweils zu zweit ab und trugen Lan Wangji behutsam den ganzen Weg zurück bis nach Gusu.

Wei Wuxian wich die ganze Zeit über nicht von Lan Wangjis Seite und er hatte nicht ein Auge zugetan. Er wachte die ganze Nacht über ihn und hielt Nachts seine Hand, wärend die Sorgen und der Kummer ihn nicht schliefen ließen.

Sie waren alle erschöpft und ihre Kräfte gingen zur Neige, als sie am Morgen des dritten Tages endlich wieder die Cloud Recesses erreichten.

Lan Wangji wurde sofort in das Haus des Heilers getragen und auch die anderen drei bekamen sofort ein Bett zugewiesen und so geschah es, dass alle vier für einen Tag in dem Haus des Heilers zu Bette lagen und versorgt wurden.

Wei Wuxian bestand zunächst darauf genau neben Lan Wangji zu liegen, doch der Heiler und seine Assistenten, gefolgt von Lan Qiren verwiesen ihn zunächst aus dem Raum, da sie sich um Lan Wangjis Wunden kümmern mussten und er Ruhe brauchte.

Es war der Abend des ersten Tages zurück in der Cloud Recesses und Wei Wuxian lag schweigend auf seinem Bett. Er starrte unaufhörlich auf die große Tür zu seiner rechten, hinter der sich zur Zeit Lan Wangji befand.

Lan Xichen und Bao Tian lagen beide in ihren Betten neben ihm und es war eine bedrückende Atmosphäre.
Der starke Geruch von Heilkräutern und Räucherstäbchen lag in der Luft und außer leises Murmeln und ein paar Klappergeräuschen, konnte man nichts aus dem Raum nebenan hören.

Lan Xichen las ein Buch wärend Bao Tian auf seiner Seite lag und versuchte ein paar Schlucke eines übel riechenden Getränks zu sich zu nehmen.
Sie waren alle drei ganz frei von weltlichen Dingen und trugen nur ihre Unterroben.

In den vergangenen Monaten war man sich mittlerweile so nah gekommen, dass es sich für Wei Wuxian fast schon normal anfühlte, Bett an Bett mit einem Clan Anführer und dessen treustem Begleiter zu liegen.
Wei Wuxian tippte unruhig mit seinem Zeigefinger auf dem Bett auf und ab als er plötzlich ein Geräusch hinter sich vernahm und sich umdrehte.

Lan Xichen hatte das Buch zugeschlagen und legte es zur Seite.
"Wir sollten alle jetzt schlafen. Unsere Körper und Geister sind erschöpft. Es wird uns gut tun." sagte Lan Xichen mit angenehm beruhigender Stimme.

Wei Wuxian blickte ihn unruhig an und er sah wie Bao Tian kommentarlos seine Tasse zur Seite stellte und sich in seine Bettdecke einrollte.

Lan Xichen lächelte Wei Wuxian an. Doch Wei Wuxian entging nicht, dass die nachdenkliche Falte zwischen Lan Xichens Augenbrauen immer noch nicht verschwunden war und sein sonst so fröhliches Lächeln, dadurch an seiner Unbeschwertheit verloren hatte.

"Mach dir nicht allzu große Sorgen. Der Heiler wird Wangji schon helfen können." sagte Lan Xichen verständnisvoll.

Wei Wuxian nickte ihm nachdenklich zu.
"Ich weiß... seine Fähigkeiten stehen außer Frage." antwortete er leise.
"Gute Nacht" Wei Wuxian legte sich auf seine Seite, mit dem Gesicht zu Lan Wangjis Tür und zog die Bettdecke bis zu seinen Schultern.

"Gute Nacht." hörte Wei Wuxian Lan Xichens sanfte Stimme und plötzlich wurde es dunkel im Raum. Die Kerze erlosch und die Dunkelheit erhielt einzug.

...

Lan Xichen räusperte sich. "Tian, möchtest du uns keine gute Nacht wünschen?" erklang plötzlich Lan Xichens Stimme leicht vorwurfsvoll.

"Gute Nacht." brummte es schließlich aus der Dunkelheit.

Wei Wuxian atmete einmal schwer ein und es vergangen noch Stunden bis die Müdigkeit ihn schließlich übermannte und er unruhig einschlief.


Wei Wuxian blinzelte mit seinen Augen. Der Raum war vom Tageslicht schon hell erleuchtet und er hörte leise Stimmen.

Er streckte sich in seinem Bett ein paar mal hin und her bis er schließlich müde seinen Oberkörper aufrichtete. Seine langen schwarzen Haare hingen ihm wirr im Gesicht und ein paar Strähnen standen in alle Himmelsrichtungen ab.

Wei Wuxian blickte sich in dem Raum um und er stellte fest, dass er alleine war. Die zwei Betten von Bao Tian und Lan Xichen waren frisch gemacht und zeigten keine Spur mehr, dass jemand die Nacht in ihnen verbracht hatte.

Wei Wuxians Blick schweifte weiter zu Lan Wangjis Tür und plötzlich sah er, dass sie einen Spalt geöffnet war und die leisen Stimmen aus dem Zimmer nebenan kamen.

Gerade als Wei Wuxian aus dem Bett springen wollte ging die Tür noch ein Stück weiter auf und Lan Xichen trat zu Wei Wuxian in den Raum hinein.
"Oh du bist wach. Wie schön!" sprach er freundlich.
"Ich werde dir etwas zu essen bringen lassen. Du solltest in der Zeit dich frisch machen und vielleicht deine Haare etwas bändigen." Lan Xichen lächelte ihn an und blieb vor seinem Bett stehen.

"Was ist mit Lan Zhan?" Fragte Wei Wuxian nervös.

"Und danach, kannst du zu Wangji. Er ist mittlerweile wach!" zwinkerte Lan Xichen ihm zu.

Wei Wuxians Augen weiteten sich und er verspürte eine starke Erleichterung. Seine Laune stieg rasant an und die Müdigkeit schien aus seinen Gliedern zu verschwinden.
"Vielen Dank, Lan Xichen!" Wei Wuxian machte eine höfliche Handgeste und er sprang aus dem Bett und griff nach seinen Kleidern.

"Nicht so hastig. Übernimm dich nicht." Sprach Lan Xichen und er hob seine Hand leicht an um ihn etwas abzubremsen.

Doch Wei Wuxian grinste ihn nur breit an und geschwind verließ er den Raum und lief den Flur entlang.

Lan Xichen schaute ihm noch nach wärend er einmal leise aufzeufzte.
Dann verließ er wieder den Raum und bat einen Schüler darum, für Wei Wuxian etwas Essen bereit zu stellen.

Wei Wuxian fegte wie der Wind durch die Cloud Recesses. Seine nackten Füßen patschten über die blanken Holzdielen auf der Veranda. Seine offenen, schwarzen Haare wehten im Wind und seine weiße Unterrobe ließ den kalten Herbstwind auf seine Haut, sodass sich eine feine Gänsehaut über seinen Körper zog.

Lan Qiren der gerade in eingekehrter Ruhe aus dem Fenster des Library Pavillons in die Natur blickte, sah in der Ferne plötzlich Wei Wuxian aufgebracht durch die Cloud Recesses laufen.

Es war ihm ein Dorn im Auge als er Wei Wuxian vorbei flitzen sah.
Es war ihm auch ein Dorn im Auge, in welcher Aufmachung Wei Wuxian vorbei kam.
Und dann war es ihm auch noch ein Dorn im Auge, dass er mal wieder rannte und auf einer der Veranden fast mit jemandem zusammen gestoßen war.

"Tsss" schnallste Lan Qiren mit seiner Zunge als er seinen Blick abwendete und sich unruhig über seinen Bart strich.

Wei Wuxian riss die Tür des Badehauses auf und ohne einmal zu stoppen sprang er gleich in einsweiter in den ersten Badetuppen. Das Wasser und die Seife flogen nur so durch die Gegend und er trocknete sich kaum ab, sodass er seine Kleider sich nur sehr mühseelig über die Haut streifen konnte.
Er wrang seine Haare aus, band sich geschwind seinen Zopf und flitzte in dem gleichen Tempo wieder zurück.

Lan Qiren zog eine Schriftrolle aus einem Regal und als er sich gerade zu seinem Tisch wieder umdrehen wollte, fiel sein Blick aus dem Fenster.
Er sah wie Wei Wuxian aus der gleichen Richtung wieder zurück gelaufen kam in die er erst vor ein paar Minuten hin gelaufen war.
Er hielt seine Unterrobe in seiner rechten Hand hoch in den Wind und wie ein Drachen flog sie hinter ihm her und klatschte vor jede Hausecke um die er abbog.

Lan Qirens Augenbrauen kräuselten sich und entnervt legte er die Schriftrolle wieder zurück in das Regal, wärend er erneut unruhig durch seinen Bart strich.

Gerade als Wei Wuxian wieder in den Pavillon des Heilers abbiegen wollte wurde ihm plötzlich schwarz vor Augen. Er blieb stehen und wollte sich kurz an der Hauswand abstützen. In diesem Moment ging die Tür mit einem Ruck auf und Bao Tian trat aus der Tür heraus. Wei Wuxian fiel geradewegs in Bao Tians Arme und dieser packte ihn sofort am Arm und stützte ihn.
"Hoppla, nicht so eilig!" sagte Bao Tian erschrocken. Wei Wuxian krallte sich für einen Moment in Bao Tians Kleider und hielt sich an ihm fest.
"Alles gut bei dir?" fragte er ihn besorgt.

Wei Wuxian rieb sich einmal durch sein Gesicht und strich dann seine nassen Haare nach hinten.
"Ja alles gut. Ich habs wohl etwas übertrieben. Mir ist nur kurz schwarz vor Augen geworden!" erklärte Wei Wuxian.

"Dann solltest du lieber schnell reingehen, dich hinsetzen und etwas essen.
Und nach dem Essen: Schön langsam!" Bao Tian sah ihm streng in die Augen und hob verwarnend seinen Zeigefinger.

Wei Wuxian grinste in näckisch an.
"Ja, Papa!" seufzte er laut auf.

Bao Tians Augen weiteten sich und er gab Wei Wuxian einen leichten Klapps von hinten an den Kopf.
"So alt bin ich nun auch schon wieder nicht, dass ich schon so eine große Rotzgöre wie dich haben könnte!" Bao Tians Augenbrauen kräuselten sich aber seine Stimme klang spielerisch und belustigt.

"Rotzgöre?" Wei Wuxian zog eine Augenbraue hoch.
Gerade als er zu seiner Verteidigung los legen wollte, tauchte plötzlich Lan Qiren in der Ferne auf und schaute mürrisch zu den beiden herüber.

Bao Tian öffnete schnell die große Tür und fasste mit seiner anderen Hand behutsam an Wei Wuxians Hinterkopf und drückte ihn in den Pavillon hinein.
"So geh jetzt endlich rein. Iss was und dann sieh nach Wangji. Er wartet bestimmt schon auf dich!"

Wei Wuxian stolperte durch die Tür und gerade als er sich zu Bao Tian umdrehen wollte und sich über seine abruppte Unterbrechung ihrer Unterhaltung beschweren wollte, fiel auch schon das Schloss mit einem Klacken in die Tür.

"Hmpf" Wei Wuxian schüttelte den Kopf und ging zurück zu seinem Bett. Auf einem kleinen Tisch stand ein Tablett mit Essen und er setzte sich hin und leerte eifrig alle Schalen.

Sein Rücken war ganz nass geworden durch seine nassen Haare und der Stoff seiner Robe klebte schwer auf seiner Haut.
Ein leichter Schauer lief ihm über den Rücken und jetzt, da er sich ruhig hingesetzt hatte, fröstelte es ihm ein wenig.

Wei Wuxian stand schließlich wieder auf und ging langsam zu Lan Wangjis Tür. Er streckte seine Hand nach dem Griff aus und er spürte wie er leicht nervös wurde. Vorsichtig schob er die Tür auf und wagte einen Blick in den Raum.

Er roch den starken Geruch von Kräutern und ein paar Räucherstäbchen glimmten in der Zimmerecke. Er trat über die Türschwelle und blickte auf ein großes Bett in der Mitte des Raumes.

Lan Wangji lag auf seinem Rücken, die Hände links und rechts neben seiner Hüfte auf der Bettdecke und er hatte seine Augen ruhig geschlossen.

Wei Wuxian schloss leise die Tür und schritt an die Seite des Bettes heran.
Er setzte sich vorsichtig auf die Bettkannte und starrte in Lan Wangjis blasses Gesicht. Seine langen schwarzen Haare lagen ordentlich neben seiner Schulter und seine weiße Robe war geöffnet und ließ einen kleinen Blick auf Lan Wangjis nackte Brust zu.

Wei Wuxians Blick fiel auf die kurze, dicke Haarsträhne, welche provokant auf Lan Wangjis Schulter ruhte.

Er seufzte leise auf und sein Gesicht wurde betrübt als sein Blick weiter auf Lan Wangjis Hand fiel, die regungslos genau neben ihm lag.
Vorsichtig streckte er seine Finger nach ihr aus und berührte die zarte Hand. Wei Wuxian stutzte wie kalt sich Lan Wangjis Hand anfühlte und er nahm beide Hände und legte Lan Wangjis zwischen seine um sie zu wärmen.

Lan Wangjis Wimpern zitterten und plötzlich schlug er die Augen auf. Er blinzelte ein paar mal bis er ein bekanntes Gesicht neben sich entdeckte.

Wei Wuxian schenkte ihm ein gequältes Lächeln und küsste seinen kalten Handrücken.
"Deine Hände sind ganz kalt..." sagte er leise.

Lan Wangji spürte den zarten Kuss auf seiner Haut.
"Dann mach sie warm.." sagte er mit tiefer Stimme.

Wei Wuxian küsste zweimal, dreimal auf Lan Wangjis kalte Handrücken. Sein warmer Atem kitzelte auf Lan Wangjis Haut und er blickte Wei Wuxian sehnsüchtig an.

Wei Wuxian drehte behutsam seine Hände um und küsste in Lan Wangjis Handinnenflächen. Seine weichen Lippen berührten vorsichtig jeden einzelnen Finger und hinterließen ein Kribbeln auf der Haut.

Wei Wuxian schloss seine Augen als er den letzten Kuss auf Lan Wangjis Hand platzierte.
Er verharrte einen Moment in dieser Position bis Lan Wangji vorsichtig eine Hand aus seinem Griff löste und Wei Wuxians Wange berührte.
Seine Stimme war tief und liebevoll.
"Dir geht es gut?"

Wei Wuxian lächelte ihn an.
"Das wäre jawohl eher meine Frage!"

Lan Wangji holte tief Luft. "Hauptsache dir geht es gut. Der Rest ist nicht so wichtig." sagte Lan Wangji ruhig und seine hellen bernsteinfarbenden Augen blickten Wei Wuxian eindringend an.

Wei Wuxian schluckte.
Ihm schwirrten so viele Fragen in seinem Kopf umher, sodass er am liebsten alle auf einmal los werden wollte. Aber mit welcher sollte er anfangen?

- Was war in der Höhle passiert als er mit Bao Meiming alleine war?

- Was hat sie ihm angetan?-

- Wie geht es ihm wirklich?-

- Hat er starke Schmerzen?-

Wei Wuxian öffnete seine Lippen, als wolle er etwas sagen, doch er wusste, dass wenn Lan Wangji es nicht von sich aus erzählte, er lieber nicht nachfragen wollte.

Lan Wangji zog seine Hände wieder zurück und Wei Wuxian senkte seinen Blick wärend er weiter nach den richtigen Worten suchte.

"Ich...
es tut mir Leid." hauchte Wei Wuxian.

"Was tut dir Leid?" fragte Lan Wangji nach.

"Einfach alles.
Es tut mir Leid, dass du gefangen genommen wurdest.
Es tut mir Leid, dass ich dich nicht eher finden konnte.
Es tut mir Leid, dass ich nicht verhindern konnte das dir so etwas zustößt.
Es tut mir Leid, dass ich zu schwach war um dich aus deinen Ketten zu befreien..." seine Stimme war schwach und traurig und er krallte sich mit seiner linken Hand in die Bettdecke.

"Wei Ying!" Erklang Lan Wangjis klare Stimme in Wei Wuxians Ohr.
Er fasste an Wei Wuxians Hand und zog ihn näher zu sich heran.

Seine Stimme war etwas rau aber tief und ruhig.
"Nichts von alledem ist deine Schuld. Hör auf, immer die Schuld bei dir zu suchen. Was geschehen ist, ist geschehen. Wir sind alle noch am Leben.
Alles ist gut.
Ich ertrage es nicht, dein trauriges Gesicht zu sehen."

Wei Wuxians Augen weiteten sich und er blickte in Lan Wangjis Gesicht.
Er sah die langen Wimpern, den kalten durchdringenden Blick, die hellen bernsteinfarbenden Augen und die schmalen Lippen.
Er spürte plötzlich das Verlangen Lan Wangji nah zu sein. Er wünschte sich, sie könnten für immer zusammen sein und nichts und niemand würde sie jemals wieder trennen.

Langsam lehnte sich Wei Wuxian näher heran.
Er schloss seine Augen als er sich über Lan Wangji lehnte und seine warmen Lippen sich ganz langsam auf Lan Wangjis pressten.

Zärtlich küsste er ein paar mal auf den schmalen Lippen hin und her und seine nassen Haare fielen nach vorne über seine Schulter und berührten Lan Wangjis Hals. Lan Wangji strich mit seiner Hand durch Wei Wuxians nasses Haar und die kalten Wassertropfen benetzten seine Brust.

Wei Wuxian leckte mit seiner feuchten, warme Zunge über Lan Wangjis Lippen und gerade als Wei Wuxian in seine Mundhöhle eindringen wollte, kam er ausversehen mit seinem Arm an Lan Wangjis Wunden.

Dieser zog die Luft durch seine Zähne und er zog ruckartig seinen Kopf zur Seite.

Wei Wuxian zuckte zusammen und wich sofort von Lan Wangji zurück.
"Verzeih mir." sagte er schnell.

Wei Wuxian blickte auf Lan Wangjis geöffnete, weiße Unterrobe und er fasste an die Bettdecke und zog sie bis zu Lan Wangjis Hüfte herunter. Die Robe war nicht mit einem Gürtel geschlossen, sodass Wei Wuxian bis zum Ende der Bettdecke auf Lan Wangjis nackten Oberkörper blicken konnte.

Er sah einige Schnittwunden und blaue Flecke auf der sonst so weißen Haut und sein Herz wurde ihm schwer bei diesem Anblick.

Lan Wangji blickte ihn schweigend an und gerade als Wei Wuxian seine Hand ausstrecken wollte um die Robe weiter zu öffnen, hielt Lan Wangji seine Hand fest.
"Nicht." sagte er mit tiefer Stimme.

Doch Wei Wuxian zog seine Hand nicht zurück.
"Lass es mich sehen!" antwortete er und als Lan Wangji seinen entschlossenen Blick im Gesicht sah, zog er seine Hand wieder zurück.

Wei Wuxian griff mit beiden Händen in den Kragen der Robe und schlug sie zu beiden Seiten auf.
Seine Augen weiteten sich bei dem Anblick und sein Herz setzte für einen Schlag aus.

Lan Wangjis ganzer Oberkörper war mit Schnittwunden übersäht.
Drei starke Peitschenhiebe zierten ebenfalls seine Brust und die helle Haut glich einem rot- lilafarbenen Schlachtfeld.

Wei Wuxians Hände begannen zu zittern als seine Augen jeden Zentimeter von Lan Wangjis Haut abfuhren.
Seine Augen wurden glasig und er senkte seinen Kopf. Er kniff seine Augen fest zusammen und ein leises.
"Es tut mir so Leid.." kam über seine Lippen.

Lan Wangji fasste an seine zittrige Hand und umschlos sie sanft.
"Nicht." sagte er leise aber entschlossen.

Er drückte einmal fest Wei Wuxians Hand.
"Der Heiler sagte, dass es schlimmer aussieht als es ist. Die Wunden sind viele. Aber nicht tief.
Sie werden alle verheilen.

Hilfst du mir?" fragte er vorsichtig.

Wei Wuxian öffnete seine Augen und blickte ihn fragend an.
"Wobei?"

Lan Wangji zog seine Hand wieder zurück und blickte auf den Tisch neben seinem Kopfende. Er griff nach einer grünen Keramikschale und hielt sie Wei Wuxian hin.

"Was ist das?" fragte Wei Wuxian und wagte einen Blick in die Schale.

"Ein Kräutersud.!" antwortete Lan Wangji.

Wei Wuxian rümpfte seine Nase als der ihm bekannte Duft in die Nase stieg. Es war der selbe, stark riechende Kräutersud den Wei Wuxian vor Monaten auf seine Pfeilwunden bekommen hatte.
Mit einem leicht angewiderten Gesicht nahm Wei Wuxian die Schale entgegen und rührte die zähe Masse ein paar mal um.
"Wohin?"

"Überall." antwortete Lan Wangji kurz.

Wei Wuxians Augen musterten Lan Wangjis Oberkörper und blickten weiter zu seinen Handgelenken.
Lan Wangjis Handgelenke waren mit am übelsten zugerichtete. Die schlanken Arme waren in einem tiefen rot und man konnte deutlich die Schnittwunden der Ketten sehen.

Wei Wuxian strich den Löffel am Rand der Keramikschale ab und beugte sich leicht über Lan Wangji.

Mit voller Konzentration und Hingabe begann er vorsichtig den Sud auf jede einzelne Wunde zu streichen. Dabei beobachtete er genau Lan Wangjis Gesichtsausdruck, da er auf keinen Fall es wagen wollte, ihm zusätzlich Schmerzen zuzufügen.

Doch Lan Wangji lag ganz ruhig in seinem Bett und beobachtete Wei Wuxians angestrengtes Gesicht und verfolgte mit seinem Blick jede einzelne Bewegung. Der Sud war kalt und bald zierte seine Haut eine feine Gänsehaut und als Wei Wuxian in die Nähe seiner Nippel kam, wurden diese hart und hoben sich deutlich von dem Rest der Haut ab.

Doch Wei Wuxian schenkte dem keine Beachtung, zu sehr war er mit seiner wohlwollenden Krankenpflege beschäftigt.

Als er sich seinen Weg weiter nach unten über den nackten Körper bahnte, blieb er kurz vor der Bettdecke stehen. Er nahm die Schale in eine Hand und mit der anderen fasste er vorsichtig an die Bettdecke und zog sie bis kurz vor Lan Wangjis Schambehaarung hinunter.

Lan Wangji starrte angestrengt auf Wei Wuxians Hand und als der kalte Sud seine empfindliche Körperrgion berührte, lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Er zog die Luft durch seine Nase ein und zuckte kurz zusammen. Doch er versuche sich sofort wieder zu entspannen um sich nichts anmerken zu lassen.

Wei Wuxian blickte mit seinen Augen nach oben und sah in Lan Wangjis Gesicht. Ihre Blicke trafen sich und ohne seinen Blick abzuwenden tauchte Wei Wuxian erneut den Löffel in die Schale und strich den Sud auf Lan Wangjis Unterleib

Lan Wangji hielt den Atem an.
Seine schmalen Lippen öffneten sich.
"Wei Ying..."

Doch in diesem Moment hörten sie Stimmen und Schritte die sich dem Pavillon näherten. Wei Wuxian zuckte zusammen und stellte die Schale schnell wieder zur Seite und zog die Bettdecke bis über Lan Wangjis Bauchnabel. Dann schlug er die Robe wieder ein wenig zu und bedeckte Lan Wangjis nackten Oberkörper.

Lan Wangji trug einen leicht angespannten und zugleich entteuschten Gesichtsausdruck als Wei Wuxian noch einmal die Bettdecke glattstrich und sich dann auf einen Stuhl neben ihn ans Bett setzte.
Er schenkte ihm noch ein breites Lächeln als es plötzlich an der Tür klopfte.

"Wangji, können wir rein kommen?" erklang Lan Xichens sanfte Stimme auf der anderen Seite der Tür.

"Hm." antwortete Lan Wangji und schon schob sich die Tür auf.

Lan Xichen betrat mit seiner anmutigen Erscheinung den Raum. Gefolgt von Bao Tian und Lan Qiren.
Er begrüßte die beiden freundlich und nickte Wei Wuxian zu.
"Wie ich sehe, hast du schon Besuch. Schön das du auch hier bist."

Wei Wuxian erwiderte die freundliche Geste.

Bao Tian lehnte sich währenddessen an die Wand neben Wei Wuxian und es dauerte nicht lange bis Wei Wuxian den ersten unheivollen Blick von Lan Qiren erntete.

Lan Xichen ging an das Bett heran zu seinem Bruder und setzte sich auf die Bettkante.
Aus Höflichkeit wollte Lan Wangji sich aufrichten, doch er wurde sofort wieder sanft von seinem Bruder aufs Bett nieder gedrückt.
"Bleib ruhig liegen. Für uns musst du dich nicht Aufrichten.
Du bist verletzt, alles ist gut."
Lan Xichen lächelte Lan Wangji an und strich mit seiner Hand einmal behütend über seinen Kopf.
"Wie geht es dir? Was machen die Schmerzen?"

Lan Wangji schloss für einen Moment seine Augen.
"Alles okay." antwortete er mit ruhiger Stimme.

"...Alles okay..." wiederholte Lan Xichen und er seufzte einmal leise auf.
"Welche Antwort hatte ich schon erwartet?!"

Sein Blick fiel plötzlich auf Lan Wangjis bereits versorgte Wunden.

Danach wanderte sein Blick weiter zu dem Kräutersud auf dem Tisch und schlussendlich zu Wei Wuxian herüber, der seinen Blick abgewendet hatte und unbeteiligt aus dem Fenster sah.

Lan Xichen lächelte und klopfte vorsichtig auf Lan Wangjis Schulter.
"Bei so guter Pflege glaube ich dir, dass alles okay ist."

Wei Wuxian zuckte bei diesen Worten leicht zusammen und Lan Wangji schenkte ihm einen flüchtigen Blick.

"Der Heiler wird später noch einmal vorbei kommen. Nur das du Bescheid weißt." sprach Lan Xichen und er legte seine Hand auf Lan Wangjis und begann etwas spirituelle Energie zu übertragen.

Lan Wangji zuckte mit seiner Hand.
"Das ist nicht nötig." Sagte er leise.

Lan Xichen drückte seine Hand leicht zusammen und machte einen bekümmerten Gesichtsausdruck.
"Lass mich dir ein wenig helfen. Wenn schon nicht als Clan Anführer, dann wenigstens als dein Bruder.
Halt die Hand bitte still und mach mir damit eine Freude." sagte Lan Xichen fürsorglich und Lan Wangji konnte ihm diese Bitte nicht abstreiten.

Es trat ein kurzer Moment der Stille ein und jeder ließ seine Gedanken ganz für sich alleine abschweifen.

Wei Wuxian spürte jedoch die stechenden Blicke von Lan Qiren, welche ihn immer wieder wie ein Pfeil durchbohrten und sein Herz aufwühlten.

Es war fast so, als hätte sich Bao Tian absichtlich neben ihn gestellt, um als massive Blockade zwischen Lan Qiren und Wei Wuxian zu fungieren um jede Art der Missgunst abzufangen.

Lan Xichen zog seine Hand wieder zurück und er war der Erste, der die andächtige Stille im Raum wieder durchbrach.
"Das Amulett, welches wir aus der Höhle mitgenommen haben, wurde von uns ersteinmal vorübergehend versiegelt. Wir wollten warten bis du wieder zu Kräften gekommen bist und wir gemeinsam mit den Ältesten zusammen uns der Sache annehmen.
Ich habe bedenken, dass es in der Zukunft noch Unheil stiften könnte wenn wir es einfach ignorieren."

"Ist gut." Lan Wangji nickte bestätigend als Lan Qiren unzufrieden seine Ärmel nach hinten schlug und begann sich unruhig über seinen Bart zu streichen.
"Das es überhaupt soweit gekommen ist. Ein Dämon mitten bei uns in der Cloud Recesses. Und dann schafft er es auch noch Wangji gefangen zu nehmen und dieser kehrt in so einem Zustand wieder zurück.
Von Leuten die in der Cloud Recesses Unheil stiften haben wir schon genug. Jetzt haben wir auch noch so ein Amulett in unserer Obhut."
Lan Qirens Stimme klang besorgt und trug einen gewissen Unterton.

Wei Wuxian zuckte bei diesen Worten zusammen. Er wusste ganz genau, dass Lan Qiren mit den "Leuten die Unheil stiften" ihn meinte.
Wieder einmal gab Lan Qiren ihm mit diesen Worten das unerträgliche Gefühl in der Cloud Recesses nicht willkommen zu sein.
Und er war nicht der Einzige. Auf wen diese Worte gemünzt waren, wusste jeder in diesem Raum.

Lan Xichen ergriff das Wort um Lan Qiren wieder etwas zu besänftigen.
"Das Schicksal und die Zukunft lässt sich nun mal nicht lenken. Es liegt nicht in unserer Macht.
Wir können nur auf alles was auf uns zu kommt reagieren und versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen und uns nicht von diesem abbringen zu lassen.
Ob das Handeln eines Menschen als unheilvoll oder heilvoll angesehen wird, liegt in der Macht eines jeden einzelnen. Unsere Herzen sind unterschiedlich und jeden bewegt etwas anderes. Ebenso werden wir alle von etwas anderem vorangetrieben.
Jedoch vereint uns alle die Liebe die wir in unseren Herzen tragen. Mag sie auch an unterschiedliche Dinge gebunden sein."
Lan Xichen trug ein warmes und herzliches Lächeln auf den Lippen und seine Worte waren so tiefgründig und auf den Punkt gebracht, dass jeder der sie hörte in sein eigenes Herz hineinhorchte.

Wei Wuxian wagte einen Blick herüber zu Lan Xichen und wie so oft war er es, der mit ein paar Worten den dunklen Schleier von seinem Herzen wieder lüftete.

"Hmpf" Lan Qiren machte einen unzufriedenen Ton.
"Schöne Worte können eine Situation zwar verschleiern aber keine Probleme lösen, Lan Xichen.
Du bist der Clan Anführer, du musst den richtigen Weg für den gesamten Clan finden. Und nicht um die Bedürfnisse einzelner herum deine Taten bauen."

Lan Xichen atmete einmal tief ein. Diese Argumentationen mit Lan Qiren waren immer die Selben und es war auf Dauer zermürbend.
Er drehte sich zu Lan Qiren um und schenkte ihm einen aufrichtigen Blick.
"Onkel, was wäre ich nur für ein Clan Anführer wenn mir die Bedürfnisse eines jeden einzelnen nicht wichtig wären?"

Lan Qirens Stirn zog sich kraus und seine Stimme war ungehalten.
"Dieses mal hat es Wangji erwischt. Wer weiß wer es als nächstes ist?
Wenn du als nächster in diesem Bette liegst, werden wir sehen ob deine Güte und schönen Worte immer noch jedem einzelnen hier zu Gute kommen!"
Lan Qiren schlug hastig seine Ärmel nach hinten und machte auf dem Absatz kehrt.
Er verließ den Raum und die Tür fiel mit einem lauten Klacken ins Schloss.

"Achja..." seufzte Bao Tian auf und er rieb sich über seine Stirn.

Lan Wangji blickte betrübt zu Wei Wuxian herüber der, mit gesenktem Kopf, schweigend auf seinem Stuhl saß.

Lan Xichen stand von Lan Wangjis Bett wieder auf und lächelte in die Runde.
"Seid ihm nicht böse. Er ist einfach nur besorgt und kann seine Gefühle nicht in die richtigen Worte fassen."

Bao Tian schmunzelte.
"Es ist halt nicht jeder in der Lan Familie so wortgewandt und schafft es in jeder noch so misslichen Lage eine herzerwärmende Rede über seine Lippen zu zaubern."

Bei diesen Worten mussten Wei Wuxian und Bao Tian herüber zu Lan Xichen und Lan Wangji blicken.
Selten hatte eine Situation die extreme Gegensätzlichkeit der beiden Jade-Brüder des Gusu Lan Clans so herauskristallisiert.
Die beiden Männer mit dem porzellan Gesicht, den weißen Kleidern und den langen schwarzen Haaren blickten die beiden fragend an.

Bao Tian und Wei Wuxian lachten auf und Lan Wangjis Augen begannen zu funkeln, als die Person auf dem Stuhl ihr fröhliches Lachen wieder zurückbekam.

Lan Xichen wühlte in seinem Ärmel herum und holte plötzlich den kleinen weißen Papiervogel hervor. Er ruhte regungslos in Lan Xichens Hand und alle schauten ihn erwartungsvoll an.

"Wangji..." nuschelte Wei Wuxian plötzlich leise.

Alle stutzten und blickten Wei Wuxian fragen an.

"Was hast du gesagt?" fragte ihn Bao Tian der am nächstem an ihm dran stand und es am deutlichsten gehört hatte.

Wei Wuxian schluckte und lachte dann verlegen.
"Ach nichts, nichts... Alles gut. Ich war nur gerade in Gedanken." redete sich Wei Wuxian heraus und kratzte sich am Hinterkopf.
Nach ihren Reaktionen zu beurteilen hatte Madame Mao wohl niemandem außer ihm erzählt, dass sie den kleinen Vogel "Wangji" getauft hatte.
Wei Wuxian entschied sich daher dieses Geheimnis für sich zu behalten.

Lan Xichen räusperte sich. "Ich werde unseren kleinen Freund dann wieder zu Madame Mao senden und ihr berichten, dass wir alle, mehr oder weniger wohlauf sind." sprach Lan Xichen ruhig wärend er den Papiervogel auf dem Tisch ablegte und begann auf einem kleinen Stück Papier etwas zu schreiben.

Lan Wangji blickte alle verwundert an.
"Warum Madame Mao?" fragte er schließlich mit tiefer Stimme.

Alle schauten sich fragend im Raum an, denn erst jetzt fiel ihnen auf, dass Lan Wangji der einzige war, der natürlich von allem nichs mitbekommen hatte. Er war schließlich die ganze Zeit von den anderen getrennt gewesen und hatte keine Ahnung von Wei Wuxians Besuch bei Madame Mao und wie sie alle ihn schließlich in der Höhle gefunden hatten.

Lan Xichen lächelte seinen Bruder an.
"Wangji, verzeih, aber es sieht so aus, dass wir uns alle noch viel zu erzählen haben und so einige Fragen wohl noch offen sind.
Ich denke, Wei Wuxian wird sicherlich den Part übernehmen und dir später mehr darüber berichten."

Lan Wangji und Lan Xichen schauten beide zu Wei Wuxian herüber der bei dem Klang seines Names zusammenzuckte und die beiden überrumpelt von seinem Stuhl aus ansah.

Bao Tian lachte plötzlich leise auf.
Schon lange hatten sie ihn alle nicht mehr Lachen hören und sogleich wurde es ihnen leichter ums Herz und die angespannte Stimmung wurde gelichtet.
"Achja, ist doch schön, dass wir alle wieder vereint sind. Ich denke die nächsten Tage werden noch viele Geschichten zu Tage bringen. Ich bin schon ganz gespannt."
Bao Tian klopfte Wei Wuxian auf die Schulter und Wei Wuxian spürte eine leichte Wärme in seinem Gesicht.
- Ob Bao Tian wohl auf das Lied der Liebenden damit anspielen wollte?- Fragte sich Wei Wuxian.

Lan Xichen warf Bao Tian einen flüchtigen Blick zu. Als ihre Blicke sich trafen wendete Lan Xichen seinen Blick schnell wieder ab und wendete sich erneut dem kleinen Papiervogel zu.
"Wohl wahr. Die vergangenen Tage haben viele Geschichten hervor gebracht..." sagte er mit leiser Stimme.

Behutsam nahm er den kleinen Papiervogel in seine Hand und strich ihm dann dreimal über seinen Kopf. Mit einem blauen Lichtschimmer verwandelte er sich wieder in seine lebendige Form und zwitscherte auch gleich laut los, wärend er sich an Lan Xichens Finger rieb.

Lan Xichen band die kleine Schriftrolle an seinen Fuß und streckte seine Hand zum Fenster hinaus.
"Flieg, kleiner Freund, so schnell dich deine Flügel tragen und suche Madame Mao auf!"
Lan Xichen hob seine Hände in die Luft und die Flügel des kleinen Vogels flatterten geschwind los wärend er sich in die Lüfte hob und davon flog.

Sie schauten alle in Gedanken versunken dem kleinen Vogel noch nach, bis er als kleiner, weißer Punkt in der Ferne verschwand.

Lan Xichen wendete sich zu Bao Tian.
"So, Tian, gehen wir dann wieder? Wie haben immerhin die Zweisamkeit der beiden gestört."

Wei Wuxian stutzte und hob unschuldig seine Hände in die Luft.
"Nein, nein, alles gut. Bleibt so lange ihr wollt. Ich wollte eh gleich wieder gehen." antwortete Wei Wuxian schnell.

Lan Wangji warf Wei Wuxian einen kritischen Blick zu.

"Oh oh" sagte Bao Tian als er sich von der Wand abdrückte.
"Alles gut, wir gehen schon.
Wir kommen morgen dann wieder, Wangji!"

"Hm" Lan Wangji nickte bestätigend.

Lan Xichen und Bao Tian verabschiedeten sich von den beiden und auf dem Weg zur Tür drehte sich Lan Xichen noch einmal um.
"Wangji, brauchst du noch irgendetwas? Soll ich dir noch etwas bringen lassen?"

Lan Wangji schüttelte den Kopf.
"Danke, nicht nötig."

Lan Xichen lächelte sanft.
"Ist gut. Dann bis morgen. Ruht euch aus.

Ach und Wei Wuxian!"

Wei Wuxian zuckte erneut zusammen und blickte Lan Xichen fragend an.

Lan Xichen räusperte sich kurz.
"Nächstes mal, renn nicht wieder so aufgescheucht durch die Cloud Recesses. Und dann noch mit nassen Haaren bei dem Wetter.
Das tut deiner Gesundheit nicht gut und die unseres Onkels auch nicht!"
Lan Xichen hatte ein vergnügtes Lächeln auf den Lippen und er zwinkerte Wei Wuxian bei diesen Worten zu.

Wei Wuxians Gesicht wurde plötzlich wieder ganz fein und ein Lächeln flog über seine Lippen.
Er stand von seinem Stuhl auf und verneigte sich respektvoll vor Lan Xichen.
"Ich werde es mir zu Herzen nehmen!" sagte Wei Wuxian ernst mit einem leicht belustigten Unterton.

"Gut, dann wären ja alle Pflichten für heute erledigt!" Lan Xichen legte seine flachen Hände auf Bao Tians Schultern und drückte ihn zur Tür hinaus.
"Bis morgen, dann!"

"Bis morgen." antworteten Wei Wuxian und Lan Wangji im Chor.

Die Tür fiel mit einem Klicken wieder ins Schloss und Wei Wuxian und Lan Wangji waren wieder alleine unter sich.

Noch eine Weile stand Wei Wuxian regungslos neben Lan Wangjis Bett und keiner von beiden sprach ein Wort.

Schließlich öffnete Lan Wangji seine schmalen Lippen.
"Warum bist du mit nassen Haaren durch die Cloud Recesses gelaufen?" fragte er.

Wei Wuxian drehte sich zu ihm um und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
"Tjaaaa, manche Dinge im Leben muss man halt mal schneller erledigen..."

Lan Wangji runzelte die Stirn.

"Auf jedenfall..." fuhr Wei Wuxian fort,
"Mache ich mich jetzt auch auf den Weg. Es ist schon spät und du solltest dich noch etwas ausruhen."
Wei Wuxian zuppelte unruhig an den Zipfeln seiner Ärmel herum und schaute dabei rastlos aus dem Fenster.

Lan Wangjis klarer Blick musterte erst Wei Wuxians unruhige Fingerbewegung und dann schaute er ihm prüfend ins Gesicht.
Es war sehr offensichtlich, dass Wei Wuxian scheinbar noch etwas auf dem Herzen hatte, aber es wohl nicht schaffte es anzubringen.

Nachdem erneut eine Weile der Stille vergangen war klatschte sich Wei Wuxian schließlich mit seinen flachen Händen auf die Wangen.

"Okay...dann gehe ich jetzt...
Soll ich...später...nochmal wieder kommen?"
Wei Wuxian schaute etwas unsicher zu Lan Wangji herüber und drehte nun nervös eine Haarsträhne zwischen seinem Zeigefinger und Daumen hin und her.

Es wirkte fast ein wenig niedlich, wie er dort stand und verlegen wie eine junge Maid an seinen Haaren herumspielte.

"Hm" sagte Lan Wangji.

"Gut." Nickte Wei Wuxian und er ging langsam Richtung Tür. Als er die Hand schon am Türgriff hatte und mit dem Rücken zum Raum stand sprach er plötzlich mit leiser Stimme:
"Soll ich vor 21 Uhr oder nach 21 Uhr kommen?"
Wei Wuxian wagte einen scheuen Blick über seine Schulter und blickte zu Lan Wangji herüber.

Ihre Blicke trafen sich und es trat erneut eine angespannte Stille auf.

Lan Wangji wendete plötzlich seinen Blick ab und blickte leicht nach unten. Wei Wuxian war sich nicht ganz sicher aber er glaubte zu erkennen, wie sich Lan Wangjis Hals am Nacken leicht rot färbte und die Röte sich weiter nach oben hin ausbreitete.

Lan Wangji öffnete lagsam seine Lippen aber sein Blick war weiterhin abgewendet.
"Vor... 21 Uhr." seine Stimme war ruhig und tief aber Wei Wuxian vernahm eine leichte Unsicherheit.
Wie ein leichtes Zittern in der Stimme, welches die Lüge einer Aussage entlarvte.

Über Wei Wuxians Lippen flog ein leichtes Grinsen und seine Mundwinkel bogen sich unkontrollierbar nach oben. Er schaute wieder vor die Holztür und schloss für einen Moment seine Augen.
"Gut, nach 21 Uhr dann..." flüsterte er leise.

Lan Wangji zuckte zusammen als wäre er verunsichert, ob er sich verhört hätte.

Wei Wuxians Silouhette tauchte geschwind durch die Tür und mit einem leisen Klick fiel die Tür ins Schloss.