Chapter 16.6

Madame Mao hielt ein hellbraunes Tablett in ihren Händen. Es standen zwei hübsche grüne Teeschalen, eine Teekanne und ein paar kleine Leckereien darauf.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und die Sonne verschwand mit ihren letzten Lichtstrahlen hinter den Bäumen.

Ihre Lippen trugen ein frisches, sinnliches rot und ihre langen Haare wehte seicht im Abendwind.
Sie überquerte eine kleine Brücke, schritt ein paar Steinstufen hinauf und lenkte ihre Schritte dann genau zu dem Eingang des großen Library Pavillons.

Sie stellte das Tablett kurz ab, dann öffnete sie vorsichtig die groß Tür und wagte einen Blick ins Innere.
Ihre Mundwinkel bogen sich sanft nach oben, als sie Lan Qiren im hinteren Bereich des Pavillons entdeckte, wie er mit mürrischer Miene ein paar Schriftrollen durch seine Hände rollte.

Madame Mao schnappte sich das Tablett, schloss leise die große Tür wieder hinter sich und ging auf leisen Füßen durch den Pavillon.

Lan Qiren war so in seine Arbeit vertieft, dass er sie erst bemerkte, als sie schon fast genau vor ihm stand.
Hinter einem großen Raumtrenner und einem Banner des Gusu Lan Clans trat sie hervor und lächelte ihn freundlich an.
"Lan Qiren, seid gegrüßt!" Begrüßte sie ihn.

Lan Qirens Augen weiteten sich und in seinem Gesicht stand eine leichte Unsicherheit. Die mürrische Falte zwischen seinen Augenbrauen verschwand und er legte seine Schriftrollen beiseite, als er ihr begrüßend zunickte.
"Madame Mao, zu welchem Anlass verschlägt es euch in den Library Pavillon? Und ihr seid, wie ich sehe, alleine?!"

Madame Mao grinste und ihre purpurroten Lippen machten einen anmutigen Aufschwung.
Sie stelllte das Tablett auf den Tisch und begann die Teeschalen und die Leckereien zu platzieren.
"Brauche ich einen besonderen Anlass um euch sehen zu wollen?" Fragte sie mit ruhiger Stimme.

Lan Qirens Lippen zogen sich angespannt zusammen, während er sich nervös über den Bart strich. Er linste zum Tisch herüber und beäugte die liebevoll hergerichteten Dinge auf dem kleinen Tisch.
"Ich...bin beschäftigt und habe leider keine Zeit." Antwortete er schließlich abweisend.

Doch Madame Mao lächelte nur und begann das heiße Wasser in die Teeschalen zu gießen. Warmer Wasserdampf stieg empor und der Raum erfüllte sich in dem lieblichen Duft, eines blumigen Tees.
"Wir alle haben im Leben Zeit für eine Pause. Und wenn nicht, dann nehmen wir sie uns."
Madame Mao machte eine einladende Handgeste und forderte Lan Qiren auf sich hinzusetzen.

Lan Qiren zog einmal hörbar die Luft durch seine Nase, als er ihrem Wunsch nachgab und sich hinsetzte.

Madame Mao beobachtete ihn ganz genau und ihr Blick heftete an seinem Gesicht. Doch Lan Qiren versuchte gekonnt ihre Blicke zu umgehen und so wanderte seine Aufmerksamkeit die Regale an der Wand ab.

Madame Mao Lächelte und schloss für einen kurzen Moment, in Gedanken ihre Augen, als sie sich ebenfalls hinsetzte und eine Teeschale in die Hände nahm. Sie reichte sie Lan Qiren herüber.
"Er schmeckt angenehm mild. Kostet ihn."
Madame Mao streckte ihre Hand mit der heißen Tasse Tee über den Tisch.

Lan Qirens Blick heftete sich auf den aufsteigenden Wasserdampf und wanderte dann ein Stück weiter nach unten, auf Madame Maos schlanken Finger.
"Ich werde ihn probieren. Vielen Dank."

Doch Lan Qiren nahm ihr die Schale, welche sie ihm anbietend entgegenstreckte, nicht ab. Noch einen Moment verharrte Madame Mao mit ihren ausgestreckten Händen, als sie schließlich nachgab und die Teeschale vor ihm auf den Tisch abstellte.

Sie seufzte leise, als ihr Blick aus dem Fenster fiel.
"Es ist so ruhig und friedlich hier in der Cloud Recesses. Die Vögel singen, das Wasser plätschert, das Gras tanzt seicht im Wind. Es ist genau wie damals, als ich das erste mal hierher gekommen bin."

Lan Qiren nippte an seinem Tee, als er vorsichtig über den Rand seiner Teeschale linste und Madame Maos hübsches Gesicht und die roten Lippen ins Auge fasste.

Madame Maos Blick schweifte herüber und ihre Blicke trafen sich.
"Möchtet ihr mich gar nicht auf heute Nachmittag ansprechen? Auf den kleinen Ausrutscher mit Wei Wuxian?"

Lan Qiren verschluckte sich leicht und hustete ein bis zweimal, als er die Teeschale wieder absetzte und nach Luft schnappte.

"Nicht so hastig, nicht so hastig." Lachte Madame Mao als sie mit ihrer Hand in der Luft herum wedelte.

Lan Qiren räusperte sich.
"Wangji, ist in der Cloud Recesses für die Bestrafungen zuständig. Er wird wissen, wie mit der Situation umgegangen wird." Antwortete er mit tiefer Stimme, während seine Hand unruhig um seine Teeschale strich.

"Ist das so?" Fragte Madame Mao mit einem hörbaren Unterton.
Sie hob ihre Teeschale zu ihren Lippen, die rote Farbe schmiegte sich anmutig an den Rand. Der heiße Dampf stieg empor und Madame Mao ließ ihren Blick auf Lan Qiren ruhen, während sie einen Schluck nahm.
"Und ihr glaubt, dass Wangji mich bestrafen wird? Ich mache mir da eher um Wei Wuxian sorgen. Bei ihm sollte ich mich später entschuldigen." Kicherte sie vergnügt, während Lan Qirens angespannte Zornesfalte nur bei der Nennung diesen Namens, wieder sich in seinem Gesicht abzeichnete.

"Nennt in meiner Gegenwart nicht diesen Namen." Sagte Lan Qiren rasch und er hob erneut die Teeeschale an seine Lippen und nahm einen schnellen Schluck.

Madame Mao stutzte.
Sie zog eine Augenbraue nach oben und hauchte anstachelnt: "Welchen... Namen..? Etwa WEI WUXIAN?" Buchstabierte sie jeden Buchstaben einzeln. Sie grinste zufrieden als Lan Qirens rechte Augenbraue zu zucken begann.

"Er ist eine Schande für den Gusu Lan Clan und unser Wangji..." Doch plötzlich stockte er mitten in seinem Satz. Der pure Gedanke schien ihn schon zu erzürnen und er räusperte sich, als ihm die Worte im Hals stecken blieben.

"Unser Wangji, was?" Sagte Madame Mao mit einem ernsten Ton.
"Wie könnt ihr diesen jungen Mann nur eine Schande nennen! Wei Wuxian ist weitaus mehr als das. Er ist eine Bereicherung. Eine Bereicherung für uns alle, denn er erinnert uns daran,was das wirklich wichtige im Leben ist. Vieles ist nicht wie es zu sein scheint und wir müssen unseren eigenen Verstand einsetzen um zwischen seinen Zeilen zu lesen. Er hat ein großes Herz, er hat viele Opfer gebracht und er denkt mehr als alle anderen an die Menschen die er liebt. Und trotzdem schafft er es immer ein Lächeln auf den Lippen zu tragen und trotz aller Tragik die Schönheit des Lebens zu sehen. Er ist vielleicht manchmal frech, unverschämt und alles andere als die viertausend Regeln an eurer Steinwand von ihm erwarten. Aber lasst uns eines nicht vergessen, nämlich das er uns allen etwas voraus hat. Denn er, ist schon einmal gestorben.
Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen und nach vorne sehen. Nur wer klare Sicht über alle Geschehnisse und Beweggründen hat, sollte sich trauen ein Urteil zu sprechen."
Madame Mao ging so in ihrer Rede auf, dass sie sich etwas über den Tisch lehnte und Lan Qiren dabei ein Stück näher kam.

Doch dieser saß mit steifem Körper und angespannten Gesicht vor ihr. Seine Gedanken zwischen Empörung und Schuld hin und hergerissen.

"Und außerdem..." Fügte Madame Mao hinzu.
"Was Wangji betrifft, ist er das Beste was diesem Jungen passieren konnte. Ich dachte schon er würde sich niemals öffnen und dieses erstarrte Puppengesicht würde für immer nach der Nase seines Onkels und seines Bruders tanzen. Manch einer mag denken, dass Wei Wuxian sein größter Fehler oder gar sein Untergang war. Aber ich sage..." Madame Mao haute mit der flachen Hand auf den Tisch.
"Wei Wuxian war sein größter Segen und das Beste was diesem Kind passieren konnte. Denn Wei Wuxian hat ihm etwas sehr wichtiges Gegeben, nämlich ein Herz und einen Sinn im Leben. Ein Herz voller Liebe ist das wertvollste was es auf der Welt gibt und es bringt erst die wahre Schönheit eines Menschen hervor.
Wir haben alle Wangji leiden sehen. Und ihr und auch sein Bruder Lan Xichen Jahr für Jahr. Ihr habt ihn großgezogen und heranwachsen sehen, ihr habt ihm alles beigebracht was er nun weiß, vergesst das nicht, Lan Qiren. Er ähnelte eher einem Zombie, welchen ihr Cultivators so eifrig jede Nacht nachjagt, als das er auch nur ein Fünkchen Leben in seinen Augen hatte.
Doch Wei Wuxian hat ihm dieses Leben in die Seele gehaucht und nach so vielen Jahren des Leidens und der Sehnsucht hat, wenn nicht er, wer dann ein glückliches Ende verdient?
Wangji ist gewachsen an dieser Liebe, er ist ein Mann geworden, ein ehrenvoller Cultivator und ein wunderbarer Mensch.
Nie hat er euch oder seine Familie entteuscht und das Einzige was er jemals für sich beansprucht hat, war Wei Wuxian. Nach mehr hat er nicht verlangt.
Wie könnte man es ihm verwehren?
Und sei Wei Wuxian nun ein Mann oder eine Frau, wo ist da der Unterschied?
Es ist Liebe und wenn es Liebe ist, dann gibt es keine Regeln. Sie ist immer ehrlich und keine Liebe ist mehr wert als eine andere.
Lan Xichen hat diesen Fakt schon lange akzeptiert, denn was gibt es für ihn schöneres als seinen kleinen Bruder glücklich zu sehen?"
Madame Maos Stimme stieg immer weiter an und wurde kräftiger und lauter.
"Es ist Zeit die alten verstaubten Prinzipien über den Haufen zu werfen. Wir alle leben schließlich nur einmal. Daher sollten wir alle tun was wir möchten und einfach glücklich sein. Es macht alles so viel einfacher im Leben, wenn man einfach akzeptieren kann.
Was bringt es mir wenn ich eines Tages alt und klapprig bin und mein ganzes Leben aufrichtig und diszipliniert war, aber ganz vergessen habe neben den ganzen selbstauferlegten Regeln, auch zu Leben und zu genießen?
Also was, wäre hier wohl die größere Schande?"
Madame Mao lehnte sich auf den Tisch, in ihren Augen loderte ein Feuer und ihre Ansprache hallte noch in Lan Qirens Ohren nach.

Er schaute sie mit aufgerissenen Augen an und sein Mund war leicht geöffnet. Sein Hals war trocken und bei all der Empörung und dem Schock vergaß er sogar sich unruhig über den Bart zu streichen.

Es dauerte einen Moment bis Madame Mao sich wieder beruhigte und plötzlich bemerkte, was sie da eigenrlich tat.
Schnell setzte sie sich wieder hin und strich eine Strähne ihres Haars hinter ihr rechtes Ohr.
"Oh verzeiht, ich habe mich wohl etwas mitreißen lassen."

Es trat ein Moment der unangenehmen Stille ein, als Lan Qiren sich schließlich räusperte.
"Keine Ursache."

Madame Mao rührte in ihrer Teeschale umher und Lan Qiren schaute schweigend aus dem Fenster.
Auch wenn man es ihm nicht ansah, so hatte Madame Maos Ansprache doch etwas in ihm bewegt, was seine Gedanken nicht mehr los liest. Sein Geist war rastlos und suchte nach Antworten in der Ferne.

Plötzlich zuckte Madame Mao zusammen und sie lachte leise.
"Die hatten ich ja ganz vergessen, möchtet ihr nicht probieren? Ich habe sie extra für euch gemacht."
Madame Mao überspielte die unangenehme Situation und sie hob den kleinen Teller mit den Leckereien an. Sie reichte ihn herüber und Lan Qiren schaute angespannt auf ihre Hände.

"Danke, ich werde sie probieren." Antwortete er schnell.

Madame Mao hielt wieder für einen Moment den Teller in die Luft und forderte Lan Qiren auf ihn entgegenzunehmen.
Doch wiedereinmal nahm er es nicht entgegen, sondern saß es aus, bis Madame Mao den Teller wieder vor ihm auf den Tisch abstellte.
Leise seufzte sie auf. Ihr Gesicht verdunkelte sich und ihre roten Lippen zogen sich zusammen.
"Ihr habt euch verändert.." Flüsterte sie leise.

Lan Qiren blickte in Madame Maos unglückliches Gesicht.
"Es ist viel passiert. Natürlich habe ich mich verändert mit den Jahren." Antwortet Lan Qiren abweisend.

Madame Mao suchte in seinem Gesicht eine Antwort und ihr trauriger Blick verharrte für einen Moment bei ihm. Doch wann immer sie ihm in die Augen sehen wollte, schaffte Lan Qiren es ihrem Blick auszuweichen und suchte stattdessen irgendwelche Staubkörner zwischen den Regalen.

"Stimmt, ihr seit älter geworden." Sagte sie schließlich provozierend.

Lan Qiren zuckte zusammen und dann wanderte sein Blick herüber und sie schauten sich an.

Madame Mao lachte.
"Haha, jetzt habe ich eure Aufmerksamkeit."
Madame Mao stand auf, fuhr mit ihrer Hand elegant durch ihre langen Haare und verweilte schließlich am Fenster und ihr Blick schweifte in die Ferne.
"Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, als ihr und euer Bruder in meinem Freudenhaus aufgetaucht seid."

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Lan Qiren verschluckte sich plötzlich. Er hustete ein paar und hielt sich seine Hand vor den Mund.

Madame Mao kicherte vergnügt.
„So schlimm? Die Erinnerung an vergangene Tage?" Ihre Augen formten sich zu mandelförmigen Schlitzen und über ihre roten Lippen flog ein Lächeln, als sie sich in Gedanken in die Vergangenheit verlor.
„Ihr ward beide damals so jung, so unbefangen, ungestüm und voller Tatendrang. Es war Liebe auf den ersten Blick als Qingheng-Jun, euer Bruder und ich uns sahen."
Madame Mao seufzte und atmete einmal tief ein.

Lan Qiren dagegen schien das Aufbringen dieses Themas zu missbilligen und sein Gesicht legte sich in angestrengte Falten, als er seine Augen schloss und versuchte die Erinnerungen an die Vergangenheit wieder aus seinem Kopf auszutreiben.
„Das ist lange her.." Sagte er schließlich leise und mit nachdenklichem Ton.

Madame Mao blickte zu Lan Qiren herüber.
„Ja das ist es. Und trotzdem bleibt es eine bittersüße Erinnerung. Aber denkt nichts falsches von mir, Lan Qiren. Ich bin eurem Bruder nicht böse. Ich war es nie. Madame Lan war eine bessere Partnerin für ihn, wie könnte ich es ihm verübeln. Besonders weil für euch Cultivators des Lan Clans, Aufrichtigkeit, Anstand und Ehre, das Maß aller Dinge sind.
Es war ein schöner Traum, aber für eine Konkubine wie ich eine wahr, unerreichbar. Dennoch war der Gedanke, das zwei so wunderbare Söhne wie Lan Xichen und Lan Wangji hätten vielleicht die meine sein können, ein verlockender Gedanke."
Madame Maos Stimme wurde etwas dünner und trauriger und sie verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust, als ein kalter Windzug durch das offene Fenster ihre Kleider zum tanzen brachte.

Lan Qiren schaute zu Madame Mao herüber. Sie war eine Augenweide und herrlich anzuschauen. Ihre roten Lippen, das lange seidige Haare, ein schönes Gesicht welches selbst der Zahn der Zeit den Zauber nicht nahm. Sie war von schlanker Statur und ihre Robe war aus feinstem Stoff und schmiegte sich anmutig an ihren Körper.

Lan Qiren schluckte als er eine Weile seinen Blick auf ihr ruhen ließ.
Schließlich wendete er seinen Blick wieder ab, er schaute nach unten auf seine Teeschale und begann sie wieder unruhig in seiner Hand hin und herzudrehen.
„Mein Bruder...Er hat euch sehr geliebt." Sagte er schließlich leise.

Bei dem Klang dieser Worte weiteten sich ihre Augen. Sie blickte zu Lan Qiren herüber, welcher immer noch unruhig an seiner Teeschale herumspielte.
„...Und doch, hat es nicht gereicht!" Sagte sie schweren Herzens.

Lan Qiren begriff endlich, warum Madame Mao vorher so aufbrausend wegen Lan Wangji gewesen war. Es brauchte keine weiteren Worte um zu verstehen, dass sie aus eigener schmerzlichen Erfahrung von Liebe und Kummer gesprochen hatte. Es muss einen wunden Punkt, tief in ihrem Herzen getroffen haben.
Doch war es nicht auch er, der schmerzlich über den Kummer einer unerfüllten Liebe bescheid wusste?

Die Stimmung im Raum war andächtig und außer das Rauschen des Windes in den Blättern war nichts zu hören. Es war friedlich und ruhig in der Cloud Recesses.

„Ich habe mich oft gefragt..." Fuhr sie fort.
„Nachdem die Wens die Cloud Recesses niedergebrannt hatten und kurze Zeit später Qingheng-Jun verstarb, warum ausgerechnet Lan Xichen, dem ich auf seiner Reise durch Zhou Yong begegnet war, mir später einen Platz im Gusu Lan Clan versprach. Obwohl er wusste was ich war, scheute er keine Mühe und er bot mir Arbeit und eure überaus freundliche Gastfreundlichkeit an."
Madame Mao blickte zu Lan Qiren herüber. Doch dieser vermied ihren Blick und schaute weiterhin schweigend in seine Teeschale, welche er nun noch unruhiger in seiner Hand hin und her drehte.

Madame Maos Mundwinkel bogen sich nach oben.
„Ich habe mich immer gefragt, ob es nicht doch noch jemanden in der Cloud Recesses gab, der mich nicht vergessen hatte und der im stillen die Fäden des Schicksals gelenkt hatte, sodass sich meine Wege erneut mit dem Gusu Lan Clan kreuzten?"

Lan Qiren schluckte schwer. Er sagte kein Wort. Er saß steif und regungslos vor dem kleinen Tisch und seine Lippen, welche unruhig zuckten waren wie versiegelt.

Madame Mao atmete noch einmal tief ein und ließ den frischen Wind um ihre Nase wehen, als sie sich schließlich umdrehte und wieder zurück zu Lan Qiren an den Tisch kam.
Sie setzte sich hin, strich noch einmal ihre Robe glatt und schaute ihn dann mit einem prüfenden Blick an.
Ihr Blick fiel weiter auf Lan Qirens linke Hand, welche regungslos auf dem Tisch verharrte.

Sie sah die langen Finger, welche anmutig und regungslos nur ein kleines Stück von ihr entfernt verweilten.

Plötzlich legte Madame Mao ihre rechte Hand auf den Tisch und ganz langsam schob sie ihre Hand zu Lan Qiren herüber. Es war wie ein Test, ein Versuch etwas auszuprobieren und um zu sehen, ob ihre Vermutung richtig war. Stück für Stück näherten sich ihre Finger und als Lan Qirens Hand nur noch ein paar Millimeter entfernt war, zuckte Lan Qiren plötzlich zusammen und zog sofort seine Hand zurück.

Madame Maos Augen weiteten sich für einen Moment um dann, entteuscht wieder kleiner zu werden. Ihre Stimme war leise und sie flüsterte.
„Wann habt ihr aufgehört mich zu berühren?"

Lan Qiren blickte sie erschrocken an. Seine Hände ballten sich zu angestrengten Fäusten und seine Lippen bebten.

Madame Mao seufzte leise.
„Früher hatten wir sehr viel Zeit miteinander verbracht. Nachdem Lan Xichen mich zur Cloud Recesses gebracht hatte, habt ihr euch mir angenommen. Ich durfte viel von euch lernen und ihr ward stets ein guter Lehrmeister. Es waren Tage voller Freude und neuer Hoffnung für ein glückliches und erfüllendes Leben. Doch mit der Zeit begannt ihr euch zurück zu ziehen. Ihr besuchtet mich immer weniger. Die Zeit die wir miteinander verbrachten wurde kürzer und ich fragte mich oft, was ich falsch gemacht hatte. Ich fühlte mich oft einsam, aber wann immer ich das Gespräch suchen wollte, ward ihr auch schon wieder aus meinem Sichtfeld verschwunden. Irgendwann hattet ihr aufgehört mir direkt in die Augen zu sehen und so wie jetzt, schautet ihr lieber schwiegsam nach unten."

Lan Qiren schluckte erneut und es war ersichtlich, dass ihm dieser Moment, mit dieser Frau und mit diesen Worten, deutlich zusetzte und er am liebsten auf der Stelle den Pavillon verlassen würde, um diese für ihn unerträgliche Situation zu beenden.
„Ich..." stotterte er leise und seine Atmung wurde unruhig, während er auf Madame Maos ausgestreckte Hand blickte.

Madame Mao zog langsam ihre Hand wieder zurück. Sie hauchte mit leiser Stimme.
„Vielleicht gibt es jemanden in der Cloud Recesses der mehr für mich empfindet, als es nach Außen hin den Anschein geben mag?
Vielleicht gibt es jemanden, der Liebe auf den zweiten Blick nicht für möglich gehalten hätte?
Vielleicht gibt es jemanden, der trotz seiner eigenen strengen und konsequenten Worte, nicht zugeben mag, dass er etwas von Herzen begehrt, selbst wenn es der eigenen Moralvorstellung widerstrebt?"

Lan Qiren atmete tief ein, als seine Hände zu zittern begannen.

In diesem Moment streckte Madame Mao ihre Hand erneut über den Tisch und legte sie auf Lan Qirens geballte Faust.

Lan Qiren erschrack und zuckte zuammen. Er blickte Madame Mao in ihre wunderschönen Augen, welche mit einem stechenden Blick auf ihn geheftet waren.
Ihre Gesichter waren sich sehr nahe und er konnte ihren lieblichen, blumigen Duft riechen.
Er schaute auf ihren roten, vollen Mund; als Madame Mao leise flüsterte.
„Ihr dürftet mich berühren, wo immer ihr wollt, wenn ihr es euch denn wünscht."

Lan Qiren blieb die Luft weg und sein Herz machte einen kurzen Aussetzer, als seine Atmung zu stolpern begann. Seine Ohrläppchen und sein Nacken tauchten sich in ein zartes rosé, als seine Hände begannen schwitzig zu werden und er nicht mehr wusste wo unten und wo oben ist.

Madame Maos Mundwinkel bogen sich leicht nach oben und als sie mit einem letzten Wimpernaufschlag Lan Qiren direkt in die Augen sah, zog sie ihre Hand langsam wieder zurück und verließ den Pavillon. Ihre Schritte hallten durch die Gänge und Lan Qiren saß wie versteinert an seinem Tisch und sein Herz pochte so laut in seiner Brust, dass jeder der in der Nähe gewesen wäre, es gehört hätte und es wäre doch unvermeidbar gewesen.


Zhao Ran und Gao Lee saßen in ihrem Zimmer am großen, offenen Fenster. Neben ihnen auf dem Tisch lag ein großer Stapel Kleider und Roben und jede von ihnen führte geschickt Nadel und Faden und flickte die vielen, unzähligen Löcher in den edlen Stoffen.
Es war eine herrlich anzusehen wie die beiden jungen, hübschen Damen im Gespräch vertieft ihrer Arbeit nachgingen und ihre Themen ihnen ein Lächeln auf die zarten Lippen zauberte.

Zhao Ran, die mutigere und aufgeschlossenere von beiden, lenkte ihr Gesprächsthema gezielt in eine bestimmte Richtung und nutzte die Gelegenheit ihrer Zweisamkeit, um über wichtige Frauenthemen zu sprechen.
„Sag, Lee, wir sind jetzt schon ein paar Tage hier. Wie gefällt es dir in der Cloud Recesses? Der Gusu Lan Clan ist erstaunlich, fast als wäre er nicht von dieser Welt. Und diese unglaublich vielen gutaussehnden Männer. Man weiß gar nicht wo man zu erst hinschauen soll."
Sie kicherte vergnügt, als Gao Lee große Augen machte und hektisch begann mit ihrer Nadel durch den Stoff zu gehen.

„Was sagst du denn da Ran? Was ist wenn uns jemand hört? Du sollst Stoffe flicken, und nicht an Männer denken." Sagte sie im Flüsterton.

„Ach pappelapapp. Wer soll uns hier schön hören? Und ich nähe doch die Stoffe, aber nebenbei kann man sich doch über deutlich wichtigere Dinge unterhalten. Also sag schon Lee, welcher der Männer gefällt dir am besten?"
Zhao Ran ging voll in diesem Gesprächsthema auf uns sie blickte Gao Lee mit interessierter Miene an.

Doch Gao Lee zuckte zusammen und fühlte sich etwas überrumpelt.
„Ha? Ran lass das. Frag mich doch nicht sowas...! Du sollst weiter nähen. Was ist wenn Madame Mao uns reden hört aber nicht arbeiten sieht?"
Sie legte eine Schmollippe auf und schaute schüchtern nach unten. Doch Zhao entgang nicht, dass ihre Wangen leicht rot anliefen und so war es für sie Ansporn genug, der Sache erstrecht weiter auf den Grund zu gehen und noch einmal genauer nachzubohren.
Sie lehnte sich mit ihrem Oberkörper etwas zu Gao Lee herüber. Ihre Stimme hatte einen vergnügten Unterton und sie zog nekisch eine Augenbraue nach oben.
„Nun komm, Lee. Sei nicht so. Dein Gesicht verrät mir, dass du da an jemand bestimmtes zu denken scheinst!"

Gao Lee zuckte erneut zusammen und stach sich dabei ausversehen in die Finger.
„Autsch." Es war ihr peinlich von Zhao Ran so in die Mangel genommen zu werden und sie wusste nicht so recht zu kontern bei dieser Art von Gesprächsthemen.
„Ich denke an niemanden. Ich interessiere mich nicht für die Männer hier. Ich bin hier um zu Arbeiten." Blockte sie mit leiser Stimme ab.

Doch Zhao Ran gab nicht nach. Sie hörte auf zu nähen und schaute Gao Lee tief in die Augen.
„Wir wissen doche beide hier, das du lügst. Lee, ich kenne dich doch. Nun sag schon. Es ist doch nicht schlimm. Ich werde es auch keinem verraten. Großes Ehrenwort, es bleibt unser Geheimnis." Sprach sie ermutigend und vorsichtshalber lehnte sie sich schonmal noch ein Stückchen näher heran um die Antwort auch ja nicht zu verpassen.

Nun hörte auch Gao Lee auf zu nähen und ihr stieg die Wärme weiterhin ins Gesicht und wenn man es nicht gewusst hätte, so könnte man denken, sie würde gerade an einem starken Fieber leiden, so rot war sie angelaufen.

„Oder...Soll ich sie etwa aufzählen? Du brauchst auch nur zu nicken." Flüsterte Zhao Ran herüber und sie war mehr als amüsiert, über Gao Lees schüchterndes Verhalten.

Gao Lee machte ein unglückliches Gesicht und sie seufzte einmal laut auf. Sie wusste das Widerstand bei Zhao Ran zwecklos war und sie so lange nachbohren würde, bis sie ihre Antwort endlich bekommen würde.

Zhao Ran dachte derweil nach.
„Okay hmmmm mit wem fangen wir an...Wie sieht es aus mit Second Master Lan Wangji?"

Gao Lee schüttelte langsam den Kopf.

„Hmpf, er sieht doch gut aus. Sehr gut sogar!" Erwiderte Zhao Ran überrascht.
„Was heißt gut, mehr als das. Er ist ein wirklich schöner Mann. Aber er ist sehr schweigsam und trägt immer eine kühle Miene. Schade drum, mit einem Lächeln wäre er noch viel hübscher. Er ist ein wenig wie du, Lee."
Kicherte Sie vergnügt.

Gao Lee warf ihr einen bösen Blick zu.
„Hmpf" Schnaufte sie auf. „Ich bin nicht Schweigsam, nur etwas stiller vielleicht als andere." Setzte sie zur Verteidigung an.

„Ist das nicht das Gleiche?" Lachte Zhao Ran.
"Aber gut, er ist es also schon mal nicht. Was ist mit Meister Sun Yan, vom Yunmeng Jiang Clan? Er ist jung, gut aussehend und diese bezaubernden grünen Augen. Hast du sie gesehen?"

Gao Lee schüttelte erneut den Kopf.
„Meister Sun Yan, ist in der Tat gutaussehend. Aber es ist irgendetwas in seinem Blick was ich nicht mag. Hmmm lass mich nachdenken. Es ist wie die Eifersucht. Häßlich und unangenehm."

Zhao Ran machte große Augen.
„So so? Was dir immer alles auffällt.
Nach Sect Leader Jiang Cheng brauche ich demnach dann wohl nicht zu fragen?! Ich habe nur sein Gesicht gesehen und es lief mir schon kalt den Rücken herunter. Hast du schon die Gerüchte und Geschichten gehört die man sich über ihn erzählt? Er soll grauenvoll kaltherzig und brutal sein. Wuahh, was für ein erschreckender Mann."
Zhao Ran zog eine schreckliche Grimasse und schüttelte sich einmal am ganzen Körper.

Gao Lee lachte leise über ihre gezogene Grimasse und hielt sich die Hand vor ihren Mund.
„Er hat wirklich eine kalte Aura. Schade drum, seine Gesichtszüge sind anmutig."

„Nicht wahr?" Lachte Zhao Ran.

Die beiden waren so vertieft in ihrem Gespräch, dass sie gar nicht bemerkten, das sie schon lange aufgehört hatten zu arbeiten und ihre Finger still standen. Der große Berg an Kleidern wurde nicht weniger und die Zeit verflog wie im Flug.

„Was ist mit Bao Tian? Er sieht anders aus, ein interessanter Typ Mann. Oder ist er dir schon zu alt? Ich mag seine dunklere Hautfarbe und das schwarze, wellige Haar." Zhao Ran zog fragend eine Augenbraue nach oben.

Gao Lee schüttelte erneut den Kopf.
„Ich mag Bao Tian, auch wenn er gerne einen neckt. Aber er ist immer so unbekümmert und freundlich und bringt einen zum Lachen. Er ist ziemlich lustig. Viel lockerer als die anderen Clan Mitglieder hier in der Cloud Recesses.

„Stimmt, da hast du recht." Stimmte Zhao Ran ihr zu.
„Gut wen hatte ich noch nicht...hmmm... ist es etwa Sect Leader Lan Xichen?" Sie machte große Augen und schaute Gao Lee neugierig an.

Doch wieder schüttelte sie nur den Kopf.

„Was für eine Verschwendung an potentiellem Heiratsmaterial!" Seufzte Zhao Ran laut über ihr Kopfschütteln auf.
„Er sieht so gut aus, ist sanftmütig, freundlich und er trägt immer ein Lächeln."

Gao Lee nickte ihr bestätigend zu.
„Er ist wirklich ein toller Clan Anführer und er hat für unsere Madame Mao viel getan."

Zhao Ran lehnte sich zurück und stützte sich auf ihren Händen ab. Nachdenklich suchte sie nach einem weiteren Namen.
Sie seufzte einmal leise auf.
„Nach Meister Mo brauch ich ja nicht zu fragen. Ihr beiden seid so grundverschieden wie Feuer und Eis, ihr würdet euch niemals ineinande..."
Doch plötzlich blieben Zhao Ran die Worte im Hals stecken, als sie bemerkte wie Gao Lee plötzlich im Gesicht wieder knallrot anlief.
Sie stutzte und ihre Augen weiteten sich, als sie zu verstehen begann.

Gao Lee vergrub derweil ihr Gesicht in ihrem Schoß aber auch das half nichts. Die rote Gesichtfarbe strahlte sogar bis auf ihre Ohren heraus.

Zhao Ran begann zu lachen.
„Meister Mo? Wirklich Mo Xuanyu? Du überrascht misch, Lee!" Ihre Stimme war schrill und laut.

Gao Lee war es so unangenehm, dass sie gar nicht wusste wo sie hinschauen sollte. Ihr Herz pochte wie wild und ihr war unglaublich heiß. Die Finger kribbelten unkontrollierbar und sie hätte sich fast mit der Nadel schon wieder in den Finger gestochen.

Zha Ran dagegen erfreute sich ihres Lebens, endlich das Geheimniss gelüftet zu haben. Vergnügt strich sie sich über ihr Kinn.
„Meine liebe, kleine Lee. Ausgerechnet Meister Mo. Wer hätte das gedacht? Soll ich dir helfen?" Sie warf Gao Lee einen aufstachelnden Bliick zu und zog eine Augenbraue nach oben.

„Nein." Zischte Gao Lee.
„Und sprich nicht so laut. Nachher hört dich noch einer."
Gao Lee blickte mit einem schüchternden Blick zu Zhao Ran herüber. Ihre Wangen waren noch immer gerötet und sie machte einen durchaus liebenswürdigen und unbeholfenen Gesichtsausdruck.

„Aber du musst es ihm doch sagen!" Erwiderte Zhao Ran entschlossen.
„Wie soll denn aus deiner jungen Liebe etwas werden wenn wir nicht ein wenig nachhelfen? Wir könnten auch einen der Männer dazuziehen und sie ausquetschen. Sie helfen uns bestimmt bei diesem Unterfangen."

Gao Lee blickte erschrocken und antwortet hastig.
„Nein nicht. Mach das bloß nicht. Ran du musst mir versprechen, dass du es niemanden erzählst und für dich behälst, bitte."

Zhao Ran seufzte entteuscht auf.
„Was? Aber wie soll ich dir sonst helfen? Es tot zu schweigen bringt dich aber nicht weiter voran! Willst du auf ewig unglücklich verliebt sein?"

Gao Lees Lippen kräuselten sich zusammen.
„Du musst es versprechen, Ran!"

Zhao Ran verdrehte die Augen.
„Nagut, ich schweige wie ein Grab darüber."
Sie legte eine Schmollippe auf und begann wieder mit der Nadel in dem Stück Stoff herumzuprukeln.

„Und außerdem..." Fuhr Gao Lee leise fort.
„Bin ich vor ein paar Tagen mit Meister Mo und Second Meister Lan Wangji zusammengestoßen. Ich kann es nicht wirklich beschreiben...aber..." Plötzlich fing sie an zu stottern. Ihre Stimme wurde ganz leise und unsicher und erneut stieg ihr die Schamesröte wieder ins Gesicht.

„Hmm?" Stutzte Zhao Ran. Wissend das etwas interessantes gesagt werden würde.
„Ist etwa was passiert?

Gao Lee wurde ganz nervös.
„Also wie soll ich es sagen. Vielleicht habe ich es auch falsch gesehen oder ich spinne mir in meinem Kopf etwas zurecht. Aber irgendwie...also...weißt du... ich ähm meine gesehen zu haben...das..."

Plötzlich hörten sie ein lautes Knacken und wie aus dem Nichts tauchte jemand hinter ihnen im offenen Fenster auf und lehnte sich in den Fensterrahmen.
„HEYYYYY, was ist hier los? Das hier sieht spannend aus. Kann ich in die Unterhaltung der Damen mit einsteigen?"
Erklang klar und deutlich Bao Tians vergnügte Stimme.

Die beiden schreckten zusammen und kreischten einvernehmenlich auf. Dabei stach sich Zhao Ran die Nadel in den Finger was ihren Schrei noch besonders Schrill und dramatisch klingen ließ.
In windeseile drehten sich die beiden um zum Fenster, um dann Bao Tians dämlich, vergnügtes Grinsen zu sehen.
Er lachte zufrieden auf.
„Na, hab ich euch ordentlich erschreckt?

Gao Lee war vor Schock noch kreideweiß im Gesicht und ihre rote Gesichtfarbe schien mit samt ihres Geistes aus ihrem Körper gefahren zu sein.

„Bao Tian!" Sagte Zhao Ran atemlos.
„Und wie ihr uns erschreckt habt. Und ich habe mir auch noch in den Finger gestochen." Jammerte sie auf und streckte ihren Finger demonstrativ in die Höhe.

„Oh, verzeiht, verzeiht. Aber ihr ward so im Gespräch vertieft, da konnte ich einfach nicht anders."
Bao Tian grinste übers ganze Gesicht und er hing locker und sichtlich zufrieden im Fensterrahmen und bezirzte die zwei jungen Damen.
„Und, worüber habt ihr hier so schönes getuschelt?"

Gao Lee blickte ängtslich zu Zhao Ran herüber, als diese lautstark zu plappern begann:
„Könnt ihr es euch vorstellen Bao Tian? Unsere kleine Gao Lee hier steht auf...!"

„NEIN!" Kreischte Gao Lee auf und in windeseile sprang sie auf und hielt Zhao Ran den Mund zu. Ihr Gesicht war beängstigend und Zhao Ran hatte gar keine Zeit zu reagieren, so schnell ging es.

„Sie steht auf was?" Fragte Bao Tian interessiert nach.

„Auf gar nichts!" Haspelte Gao Lee schnell.
„Ran du bist gemein, du hattest es versprochen!"
Gao Lee zog ihre Hände wieder zurück und setzte sich wütend wieder hin. Sie verschränkte ihre Arme kurz vor der Brust und legte eine eingeschnappte Miene auf. Ärgerlich stach sie wieder mit der Nadel durch den Stoff und nähte hektisch weiter.

„Ach Lee.." Seufzte Zhao Ran laut auf.
"Aber das hier ist Bao Tian. Er hätte dir bestimmt weiter helfen können. Aber wie du möchtest, dann wirst du eben einsam alt werden." Sie wunk mit ihrer Hand ab und zuckte einmal mit den Schultern.

Bao Tian runzelte die Stirn.
„Frauengespräche? Liebesprobleme?
Ich hätte bestimmt helfen können. Dafür bin ich berühmt und berüchtigt." Lachte Bao Tian und blinzelte Gao Lee einmal zu.
Doch diese schmollte weiter und stocherte unkonzentriert in dem hilflosen Stück Stoff herum.

„Aber wenn ihr schon mal hier seid..." Fing Zhao Ran an und schaute Bao Tian an, der immer noch lässig im Fenster hing.
„Was ist euer Geschmack bei Frauen? Wie sollte sie sein, eure Traumfrau?"

Bao Tian stutzte.
„Meine Traumfrau? Hmmmm lasst mich überlegen..."
Bao Tian fasste sich nachdenklich an sein Kinn und schloss für einen Moment seine Augen. Dann nickte er zufrieden.
„Ich mag auf natürliche Schönheiten. Mit langen, seidigen Haaren. Sie muss etwas sanftes in ihrem Blick haben aber in ihrer Seele darf ruhig ein Feuer lodern. Sie sollte mir das Gefühl geben geliebt und geborgen zu sein. Ich mag gutmütige Frauen, mit einer feinen Ausstrahlung und einem herzerwärmendem Lächeln."

Zhao Ran und Gao Lee lauschten seinen Worten als Zhao Ran plötzlich ein Gedanke kam. Ihre Augen wurden groß als sie plötzlich vergnügt lachen musste.
„Es klingt fast so...als wäre Sect Leader Lan Xichen die perfekte Traumfrau für euch. Sanft und gutmütig und trägt ein herzerwärmendes Lächeln!" Sie hob den Zeigerfinger beim Sprechen an und kicherte vergnügt zwischen den Zeilen.

Gao Lee und Bao Tian blickten sie erschrocken an und in der Tat. Bei genauer Betrachtung, trafen all diese Eigenschaften tatsächlich auf Lan Xichen zu.

Bao Tian machte ein erschrockenes Gesicht, als er sich unsicher am Kopf kratzte. Er war über seine eigenen Worte, die nachdem Zhao Ran sie noch einmal genauer unter die Lupe genommen hatte, ein wenig erschrocken.
Warum passte tatsächlich seine Beschreibung auf Lan Xichen? Oder passte einfach nur Lan Xichen auf seine Beschreibung?

Bao Tian räusperte sich.
„So kann man das nicht sagen. Es ist eher, dass Huan auf die Beschreibung meiner Traumfrau passt. Nicht das ich mit meiner Beschreibung ihn beschrieben hätte!" Beteuerte er seine Unschuld.

Zhao Ran und Gao Lee zuckten mit den Schultern.
„Aber ist das nicht das Gleiche?" Fragten beide sich einig und blickten sich irritiert an.

Bao Tian dachte für eine Sekunde nach.
„Natürlich ist es das nicht!" Sagte er schnell. Dabei wedelte er mit seiner Hand wild herum und versuchte seine Unsicherheit zu überspielen.

In diesem Moment kam plötzlich Wei Wuxian die Veranda entlang. Er trug noch Lan Xichens Robe über seine Schultern und schritt genau auf die drei zu.
Es war ein gefundenes Fressen und die perfekte Gelegenheit für Bao Tian, um schnell auf ein anderes Thema abzulenken.
Wild wedelte er mit seiner Hand herum und wunk Wei Wuxian zu sich herüber.
„Wei...äh Mo...! Also ich meine Mo Xuanyu, komm hierher."

Wei Wuxian grinste ihn an.
„Was wedelst du so hektisch herum? Hast du etwas ausgefressen? Ich sehe gar nicht Lan Xichen? Hast du Ausgang bekommen?" Witzelte Wei Wuxian belustigt.

„Sagt genau der richtige! Du bist der Mann ohne Kleider, nicht ich!" Lachte Bao Tian und gab ihm einen leichten Klapps auf die Schulter.

Wei Wuxians klare Stimme hallte über die Veranda und Gao Lee zuckte zusammen, als sie seine Stimme vernahm. Sofort tauchten sich ihre Wangen wieder in ein zartes rosé und ihr Herz schlug schneller in ihrer Brust.

Zhao Rans Mundwinkel bogen sich amüsiert nach oben, als sie Gao Lees schüchterne Reaktion sah.
„Meister Mo." Begrüßte Sie ihn mit einer respektvollen Handgeste.

Wei Wuxian erwiderte die Begrüßung freundlich und schob ein Türelement auf und betrat den Raum.
„Wo ist Madame Mao? Habt ihr sie gesehen?"

Zhao Ran und Gao Lee schauten ihn an und ihre Augen weiteten sich, als sie Lan Xichens Robe auf seinen Schultern sahen.
„Madame Mao?" Fragte Zhao Ran noch einmal nach.
„Sie ist gerade nicht hier. Worum geht es denn?"

Als Wei Wuxians und Gao Lees Blicke sich trafen, wendete sie schnell ihren Blick wieder ab und begann nervös weiter zu nähen. Dabei wurden ihre Stiche krum und schief und die geflickte Stelle sah fast schlimmer aus als vorher.

Bao Tian zog interessiert eine Auenbraue nach oben, als auch er Gao Lees schüchternde Reaktion erkannte und zu verstehen begann, was Zhao Ran ihm vorhin verraten wollte.

Wei Wuxian blieb vor den beiden Mädchen stehen und schaute sie freundlich an.
„Ich brauche etwas Neues zum anziehen damit ich Sect Leader Lan Xichen seine Robe wieder zurück geben kann. Vielleicht sollte ich sie vorher noch waschen?! Auf jedenfall meinte er ich solle als Dankeschön beim Nähen helfen."

Zhao Ran blickte ihn sprachlos an. Mit so einem glücklichen Zufall hatte sie gar nicht gerechnet. Ihr Herz machte einen Freudensprung und sie wusste genau was zu tun war.
„Aber sicher Meister Mo. Überhaupt kein Problem. Das machen wir gerne! Zieht einfach die Robe aus und gebt sie uns. Wir werden sie für euch waschen und neue Kleider sind auch kein Problem. Ihr könnt euch was aussuchen."

Bei dem Wort ausziehen begann Gao Lees linke Augenbraue nervös zu zucken und sie starrte noch intensiver mit ihrem Blick in ihren Schoß.

Wei Wuxian klammerte sich derweilen an den Kragen von Lan Xichens Robe. Er wusste ganz genau, wie sein Hals und seine Schultern aussahen. Er konnte sich unmögloch so den beiden Damen präsentieren.

Zha Ran klatschte, Madame Mao miment, in ihre Hände.
„Los, los, runter mit dem Stoff!"

Wei Wuxian zuckte für einen Moment zusammen. Und als er auch noch Bao Tians dämliches Grinsen durch das Fenster hindurch sah, drehte er sich rasch mit seinem Rücken zu den Mädchen und ließ den Kragen der Robe los. Mit einem dumpfen Ton rutschte der Stoff sofort von seinen Schultern und fiel auf den dunklen Fußboden.

Gao Lee erstarrte zu einer Eissäule.

Plötzlich sprang Zhao Ran auf.
„Huch, schaut nur einer auf die Zeit. So spät schon?"
Ich Stimme klang überspitzt und sie blinzelte rasch Bao Tian zu.
„Verzeiht Meister Mo, aber ich glaube ab hier muss Gao Lee leider übernehmen. Bao Tian, du hattest doch auch noch etwas vor nicht wahr?"

Gao Lee fiel alles aus dem Gesicht, Wei Wuxian blickte irritiert nach hinten und Bao Tian stieg sofort in Zhao Rans Spiel mit ein.
„Ohja Stimmt. Das hatte ich ja fast vergessen. Tut mir wirklich leid aber entschuldigt uns bitte. Zhao Ran kommst du?" Sagte Bao Tian schnell.

Zhao Ran legte Nadel und Faden beiseite und lächelte Wei Wuxian freundlich an.
„Tut mir wirklich leid aber Gao Lee wird sich bestens um euch kümmern." Ihr Blick schweifte zu Gao Lee herüber, welche mit offenem Mund und kreideweißem Gesicht auf ihrer Bank saß.

Zhao Ran machte eine leise Geste zu Gao Lee und streckte ihren Daumen glückwünschend nach oben. Dabei zwinkerte sie ihr noch einmal zu, als sie vergnügt den Raum verließ und mit Bao Tian sich auf und davon machte.
„Bis später und viel Spaß!" Rief sie noch durch das Fenster und schon waren sie verschwunden und Wei Wuxian stand halbnackt mit einer scheintoten Gao Lee alleine in dem Raum. Eine unangenehme Stille trat ein und Gao Lees junges Herz erlitt den ersten schweren Schock seines jungen Lebens.