Chapter 16.20
Es war der Morgen danach, die Sonne stand schon hoch am Himmel und die Cloud Recesses wurde von einer ungewöhnlichen Stille heimgesucht.
Nur ein paar vereinzelte, disziplinierte Schüler des Gusu Lan Clans Schritten schon durch die Cloud Recesses.
Von allen angesehenenden und wichtigen Personen, war an diesem Morgen noch nichts zu sehen.
Gao Lee und Shao Ran saßen unter einem großen Baum auf einer Bank und tranken einen lieblich duftenden Tee.
Shao Ran musterte Gao Lee´s Gesicht eindringlich und ihre Stirn legte sich in Falten, als sie einmal laut aufseufzte.
„Und du kannst dich wirklich an gar nichts mehr erinnern? Du lügst mich doch jawohl nicht an, Lee, oder?"
Gao Lee's Augen weiteten sich. Schnell beteuerte sie ihre Unschuld.
„Nein natürlich nicht. Ran, sowas würde ich nie tun. Ich sage die Wahrheit, glaube mir."
Sie nippte an ihrer Teeschale und schaute Shao Ran dabei mit großen unschuldigen Augen an.
„Hmmm" Summte Shao Ran über ihre Lippen.
„Du willst mir also echt erzählen, dass du heute Morgen in einem fremden Gästezimmer aufgewacht bist und dich überhaupt nicht erinnern kannst, wie du dort hingekommen bist? Was hast du denn gestern Abend gemacht, nachdem ich dir gesagt hatte, du sollest auf mich warten?" Shao Ran stellte ihre Teeschale ab, als sie Gao Lee anschaute und ungläubig eine Augenbraue nach oben zog.
Gao Lee schaute sie bekümmert an.
„Wirklich, du musst mir glauben. Ich weiß noch, dass ich raus auf die Veranda gegenagen bin...um frische Luft zu schnappen." Bei den letzten Wörtern senkte sie unsicher ihre Stimme.
Shao Ran lachte herzhaft auf.
„Du meinst, um Meister Mo nachzustellen!"
„Ran, du bist gemein!" Antwortet Gao Lee hastig. In ihren schlanken Fingern begann sie ihre Teeschale nervös hin und her zu drehen.
„Ach Lee!" Seufzte Shao Ran auf.
„Gewiss hast du deinen geliebten Meister Mo gefunden, ihr habt euch amüsant unterhalten, dabei getrunken und viel gelacht. Die Zeit verflog wie im Flug und gewiss warst du irgendwann so betrunken, dass er dich irgendwo zum Schlafen gelegt hat." Sagte Shao Ran ganz salopp, während sie sich etwas nach hinten lehnte, sich mit ihrem rechten Arm auf der Bank abstützte und dabei in den Himmel blickte.
Gao Lee zuckte leicht zusammen und ihre Wangen bekamen einen leicht rötlichen Taint.
„Bestimmt nicht. Auf was für Ideen kommst du nur Ran?" Sagte sie unsicher und leicht nervös.
„Stimmt...!" Sagte Shao Ran.
„Auf was für Ideen komme ich nur..." Sie schaute nachdenklich in den Himmel und ihr Zeigefinger tippte auf der Bank auf und ab, während sie in den Wolken ein paar Antworten suchte.
„Vielleicht...vielleicht habt ihr ja auch noch mehr gemacht. Und du hast die Nacht gar nicht alleine in dem fremden Bett verbracht.?!"
Gao Lee verschluckte sich an ihrem Tee und sie hustete ein paar mal kräftig, während Shao Ran vergnügt kicherte und ihr dabei sanft auf den Rücken klopfte.
„Hoppla, nicht so stürmisch Lee. Hab ich etwa den Nagel auf den Kopf getroffen?"
„Natürlich nicht!" Zischte Gao Lee beschämt, als sie ihre Teeschale schnell abstellte und sich peinlich berührt den Mund abwischte.
„Hmmm" Summte Shao Ran wieder nachdenklich.
„Komisch ist nur, dass wenn du so viel getrunken hast, dass du sogar einen Filmriss hast und dich an nichts mehr erinnern kannst...Warum siehst du dann heute Morgen so erholt und so frisch aus? Irgendwas stimmt da doch nicht!" Shao Ran kam ihr etwas näher und lehnte sich herüber. Während sie eindringlich Gao Lee's Gesicht musterte strich sie sich einmal nachdenklich über ihr Kinn.
Gao Lee machte große Augen und sie wich der Nähe etwas aus, indem sie sich weiter nach hinten lehnte.
„Schau mich nicht so prüfend an Ran. Wobei...ich dir recht gebe. Ich fühle mich sehr erholt und gut ausgeschlafen..." Sagte sie mit leiser Stimme, während sie selbst darüber nachdachte, wie dies alles zusammen passen könnte.
„Hmpf" Schnaufte Shao Ran, als sie sich wieder richtig hinsetzte und einmal ihre Haare aus dem Gesicht strich.
„Früher oder später werden wir es noch erfahren, sollte jemand da seine Finger im Spiel gehabt haben. Obwohl ich da noch nicht so ganz drüber weg bin, dass du nicht vielleicht doch deinen geliebten Meister Mo getroffen hast. Vielleicht lässt er sich nächstes mal etwas anmerken, wenn wir ihn sehen. Denn schließlich musst du ja irgendwo gestern Nacht gewesen sein und ich glaube nicht, dass du ganz alleine in das Bett des Gästezimmers gekommen bist."
Gao Lee zog ihre Stirn kraus und schaute besorgt drein.
„Wenn du es so ausdrückt, machst du mir etwas Angst."
Shao Ran stutzte, als sie plötzlich los lachte und Gao Lee auf die Schulter klopft.
„Keine Angst Lee, ich bin der vollen Überzeugung, dass du eine tolle Nacht hattest, was du auch noch immer getrieben hast."
Shao Ran blinzelte ihr zu, als sie einmal behütend mit ihrer Hand über ihren Kopf strich.
Gao Lee schmunzelte unsicher und während Shao Ran sie noch etwas liebevoll hänselte und aufzog, kamen plötzlich zwei Schüler des Gusu Lan Clan´s an ihnen vorbei.
Die zwei jungen Männer verneigten sich freundlich zur Begrüßung und die beiden Damen erwiderten die Geste respektvoll.
Einer der Männer räusperte sich.
„Madame Shao, Madame Gao, sagt, habt ihr schon jemanden gesehen? Bao Tian in etwa, oder HanGuang-Jun?"
Die beiden Mädchen schüttelten verneinend den Kopf.
Der Schüler fuhr weiter fort:
„Oder vielleicht Lan Qiren oder unseren Sect Leader Lan Xichen?"
Abermals schüttelten die beiden den Kopf und Shao Ran zuckte mit den Schultern.
„Es ist schon 10 Uhr am Morgen und ich habe noch nicht einmal unsere Madame Mao gesehen."
„Hmm" Brummte der andere Schüler, als er nachdenklich drein schaute.
„Sehr seltsam. Ich hoffe es ist nicht passiert?"
Shao Ran fing plötzlich leise an zu lachen. Sie wedelte mit ihrer Hand beschwichtigend in der Luft herum.
„Es wird schon nichts sein. Ich denke, bei dem Banquet gestern Abend werden alle mit den gleichen Aussetzern, wie unsere kleine Gao Lee hier, zu kämpfen haben.
„Leeeee" Jammerte Gao Lee in hohen Tönen, als sie beschämt zur Seite blickte und ihr mit ihrem Ellenbogen einen kleinen Seitenhieb gab. Doch Shao Ran lachte nur vergnügt, während die zwei Schüler sich irritiert anschauten.
„Nun gut." Sagte der ältere der beiden.
„Vielleicht ist wirklich nichts und einer von ihnen wird gleich wieder auftauchen."
„Ganz bestimmt!" Sagte Shao Ran und sie begann grazil eine Haarsträhne in ihrem Gesicht um den Finger zu wickeln.
Die zwei Schüler verneigten sich abermals und verabschiedeten sich wieder. Als sie ihres Weges weiterschritten unterhielten sie sich noch im Flüsterton hinter vorgehaltener Hand und Shao Ran und Gao Lee sahen ihnen noch nach.
Shao Ran seufzte einmal laut auf, als sie sich wieder nach hinten lehnte, ihre Beine einmal weit ausstreckte und begann ihre Füße in der Luft hin und her zuschwingen. Ihr verträumter Blick wanderte durch Cloud Recesses als etwas ihr Interesse auf sich zog. Sie starrte hinüber zu Lan Qiren´s Pavillon, welcher sich gerade noch in ihrem Blickfeld befand, als sie sah, wie sich plötzlich die große Tür öffnete.
Nur anstelle eines Lan Qiren schritt eine Madame Mao aus der Tür und als Shao Ran ihren Augen kaum traute, stieß sie Gao Lee mit ihrem Ellenbogen an und deute in Madame Mao´s Richtung.
Gao Lee's und Shao Ran´s Augen weiteten sich, als sie ein paar Sekunden später sahen wie nun auch Lan Qiren hinter ihr aus der Tür herrausschritt. Die beiden wirkten wie in einer vertrauten Zweisamkeit und sie tauschten Blicke aus, welche Bände sprachen.
Shao Ran und Gao Lee beobachteten mit Staunen das Geschehen und als Madame Mao und Lan Qiren gemeinsam in der Ferne an ihnen vorbeischritten, war Shao Ran die Erste, die das Wort ergriff.
„Lee, denkst du etwa das Gleiche wie ich?"
Gao Lee nickte zaghaft, während sie noch mit großen Augen den beiden hinterher starrte.
Shao Ran warf plötzlich ihren Kopf in den Nacken.
Ein herzerwämendes Lachen kam über ihre Lippen, als sie in den Himmel blickte und belustigt zu Gao Lee sagte:
„Was für ein Abend. Lee, ich glaube der Gusu Lan Clan ist weitaus mehr als wir gedacht haben. Hier werden ganze Berge versetzt, Träume werden wirklichkeit, lange Sehnsüchte befriedigt und die Geschichte neu geschrieben."
Und in der Tat, der vergangene Abend war ein Meilenstein in der Cloud Recesses und jeder einzelne Bewohner erlebte seine ganz eigene Geschichte, welche ihm noch lange in Erinnerung blieb.
Wei Wuxian erwachte an diesem Morgen in Lan Wangji´s Jingshi. Er lag quer im Bett mitten auf seinem Bauch. Seine Nachtrobe eher ausgezogen anstatt angezogen und als er sich suchend nach Lan Wangji umblickte, hörte er ein leises Seufzen direkt vom Fußboden. Wei Wuxian, der unter Rücken und Hüftschmerzen sich bis zur Kante des Bettes vorgearbeitet hatte, blinzelte über die Bettkante hervor.
Seine müden Augen weiteten sich, als er Lan Wangji tatsächlich auf dem Fußboden liegen sah. Und das nicht irgendwie, sondern er lag halbnackt auf dem Rücken. Ein kleines Stück Stoff seiner Nachtrobe bedeckte gerade noch so seinen Schritt und sein langes, schwarzes Haar stand wirr in alle Himmelsrichtungen ab. Sein linkes Bein war angewinkelt und sein Knie lehnte an dem Holzbett, während seine Arme weit ausgesteckt über seinem Kopf auf dem dunklen Fußboden lagen.
Wei Wuxian entfleuchte ein leises Kichern und als seine Augen sich zu kleinen Schlitzen formten, legte er entspannt seinen Kopf wieder auf der Matratze ab, betrachtete zufrieden den schlafenden HanGuang-Jun vor ihrem Bett und streichelte dabei sanft über das zarte Knie, welches sich ihm frech entgegenstreckte.
Wei Wuxian schnaufte aus seiner Nase und flüsterte leise:
„HanGuang-Jun. Könntest du dich jetzt sehen, würdest du vor Scham im Boden versinken und dein Mund würde sich leicht öffnen, aber kein einziger Ton käme über deine Lippen, so fassungslos Empört wäre dein Herz darüber, wie du hier so schamhaft dich auf dem Boden räkelst"
Wei Wuxian betrachtete ihn noch eine ganze Weile ohne ihn zu wecken, da er offenbar seinen Rausch ausschlafen musste und während er leise eine Melodie summte streichelte er weiter über das zarte Knie.
Plötzlich seufzte Lan Wangji im Schlaf einmal laut auf.
Seine Wimpern flatterten, seine Augenlieder zuckten und nachdem sich seine Brust einmal deutlich anhob als er den Sauerstof tief einatemte, öffnete er schließlich langsam seine Augen.
Wei Wuxian´s Augen wurden größer und gespannt starrte er auf Lan Wangji hinunter.
Doch dieser lag regungslos am Boden und schaute mit seinen bernsteinfarbenden Augen schweigend unter die Zimmerdecke.
Wei Wuxian blickte ihn erwartungsvoll an, doch als er selbst nach einer Weile keine Regung zeigte, klopfte Wei Wuxian mit seinen Fingerknochen auf sein Knie.
„Hey, Großer! Alles inordnung da unten?" Fragte er neugierig, als er ganz gespannt in Lan Wangji´s Gesicht starrte.
Lan Wangji blinzelte ein paar mal, als nur seine Augen sich bewegten und er Wei Wuxian direkt ins Gesicht blickte.
Wei Wuxian lächelte ihn an. Als er leise Kicherte.
„Was ist? Hast du einen Kater? Der steht dir übrigens sehr gut und außerdem geschieht er dir recht, frag mal meinen Rücken und meine Hüfte."
Lan Wangji starrte ihn noch immer kommentarlos an und sprach kein Wort. Er schluckte einmal schwer, als er langsam seinen rechten Arm anhob und sich über die Stirn strich.
Wei Wuxian musste innerlich vergnügt lachen, so herrlich absurd sah diese Situation aus. Lan Wangji stand total neben sich und der Anblick wie der große, ehrenvolle HanGuang- Jun mit einem totalen Hangover nackt auf dem Boden lag, war einfach ein gefundenes Fressen für ihn. Wei Wuxian begann zu lachen und immer wieder, wenn er Lan Wangji anblickte, begann sein Bauch vor Freude zu kribbeln.
Schließlich richtete er sich auf, setzte sich auf die Bettkannte und stellte die Füße auf den Boden. Er streckte einladend seine Hand nach Lan Wangji aus und lächelte ihn an.
„Komm, ich helfe dir auf. Im Bett wäre auch noch Platz für dich gewesen."
Lan Wangji blickte in Wei Wuxian´s dummes Grinsen und als er unter Kopfschmerzen und einem steifen Nacken langsam in die Aufrichtung kam, griff er nach Wei Wuxian´s Hand und lies sich langsam nach oben ziehen.
Er kam neben Wei Wuxian auf dem Bett zum Sitzen, als sich dann auch noch das letzte Stück Stoff von seiner Hüfte verabschiedete und auf dem Boden landete.
Seine Haare standen elektrisiert nach oben ab und sein Gesichtausdruck war mehr als unbeholfen.
Wei Wuxian konnte nicht anders als Lan Wangji nach herzenslust zu betrachten und seine hilflose Situation etwas zu genießen.
Er streckte seinen Arm aus und legte ihn über Lan Wangji´s nackte Schultern, während er mit seinem Gesicht näher heran kam und einen zarten Kuss auf Lan Wangji´s Wange platzierte.
„Lan Zhan, weißt du, dass du unglaublich niedlich bist, wenn du einen Kater hast?" Flüsterte er verschmitzt in Lan Wangji´s Ohr.
Lan Wangji´s Augenbrauen zogen sich kraus und obwohl sein Gesichtsausdruck eher verriet, dass er nicht gerade als „niedlich" bezeichnet werden wollte, so lies er doch die zarten Berührungen Wei Wuxian´s zu.
Wei Wuxian strich ihm behutsam die Haare aus dem Gesicht und versuchte sie mit seinen Händen etwas zu bändigen. Danach bückte er sich, hob Lan Wangji´s Robe wieder auf und half ihm wieder in die Ärmel. Mit langsamen und gekonnten Bewegungen kleidete er Lan Wangji wieder etwas ein und verdeckte seinen nackten Körper.
Lan Wangji blickte noch immer leicht abwesend in den Raum hinein und obwohl Wei Wuxian ihn die ganze Zeit eindringlich musterte, kam keine wirklichen Reaktion von ihm.
Wei Wuxian schnaufte durch seine Nase und schüttelte den Kopf. Leise flüsterte er:
„Lan Zhan, Lan Zhan. Für dich absolut keinen Alkohol mehr...Bist du überhaupt wach oder schläfst du noch?"
Er lehnte sich näher heran und streckte langsam seine Hand nach Lan Wangji´s Kinn aus. Zärtlich berührte er es und drehte Lan Wangji´s Kopf in seine Richtung. Er rutschte immer näher heran und presste dann ganz vorsichtig und liebevoll ihre Lippen aufeinander. Ein paar mal nippte er an Lan Wangji´s Unterlippe und küsste noch ein paar mal auf den zarten Mund.
Endlich kam eine Reaktion von Lan Wangji, er schaute ihn an und ihre tiefen Blicke trafen sich.
Wei Wuxian lächelte sein Gegenüber an und dann sagte er im Flüsterton:
„Lan Zhan...gestern...wolltest du mir was sagen. Zwei mal sogar, aber ich hatte dich jedes Mal unterbrochen. Was wolltest du mir sagen?"
Lan Wangji blinzelte ein paar mal mit seinen Augen, als er langsam seine Lippen öffnete und die ersten tiefen Worte am Morgen sprach. Seine Stimme klang noch recht rau und seine Worte waren langsam, aber klar und deutlich.
„Ich hatte mit meinem Bruder gesprochen und ihm die Situation erklärt. Sun Yan darf in seinem eigenen Gästezimmer nun schlafen und er soll zweimal am Tag zum Heiler. Er wird sich um die weitere Versorgung seiner Wunden kümmern."
Wei Wuxian stutzte.
„Das war so wichtig, dass du es mir unbedingt auf dem Banquet noch sagen wolltest?"
Lan Wangji´s bernsteinfarbende Augen funkelten ihn an, aber er sagte kein weiteres Wort mehr.
Über Wei Wuxian´s Lippen flog plötzlich ein zufriedenes Lächeln. Behutsam streichelte über Lan Wangji´s Arm, als er mit seiner anderen Hand zu dem schönen Gesicht wanderte und mit seinem Zeigefinger über Lan Wangji´s Nase strich.
„Hast du dich etwa gefreut, dass wir damit ab jetzt wieder alleine im Jingshi sind? Warst du voller Vorfreude und wolltest mir sagen, dass wir nun das Bett wieder ganz für uns alleine haben?" Wei Wuxian hatte einen neckischen Unterton drauf, während er eine Augenbraue belustigt nach oben zog.
Lan Wangji atmete einmal stärker ein und schluckte schwer als er seinen Blick abwendete.
„Nicht." Hauchte Wei Wuxian.
„Du musst es nicht verstecken." Lächelte er und berührte dann wieder Lan Wangji´s Kinn und drehte seinen Kopf wieder zu sich herüber. Wei Wuxian lehnte sanft seine Stirn an Lan Wangji´s.
„Verzeih, das ich dich nicht hab aussprechen lassen. Hätte ich gewusst, dass du dich darüber so freust, hätte ich der Sache mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dann hast du mich hiermit jetzt wieder ganz alleine für dich in deinem Jingshi...jede Nacht!"
Lan Wangji´s Arme schlungen sich plötzlich langsam um Wei Wuxian´s Taille und während die beiden sich noch einen langen Moment schweigend in die Augen blickten, küsste Lan Wangji schließlich Wei Wuxian leidenschaftlich und die beiden fielen nach hinten auf ihr großes Bett und standen noch immer nicht auf.
Sun Yan's Nase kitzelte. Er schnaufte im Schlaf einmal laut auf und als er sich auf die Seite drehte, merkte er plötzlich einen stechenden Schmerz in seinem Kreuz, welcher ihn aus dem Schlaf riss. Sun Yan blinzelte ein paar mal mit den Augen, sich an das helle Tageslicht gewöhnent. Als seine Sicht sich langsam aufklarte, blickte er vor eine dunkle Küchenfront. Seine Augen weiteten sich irritiert und als er sich langsam aufrichtete, hörte er ein Klimpern und ein leerer Krug „Emperor's Smile" rollte aus seinem Schoß über den Fußboden.
Sun Yan blickte sich irritiert um, als er feststellte, dass er mitten in der Küche des Gusu Lan Clan´s lag.
Ein paar mal rieb er sich über die müden Augen, als sich schließlich ein dröhnender Schädel bei ihm bemerkbar machte.
„Ahhh...mein Kopf..." Ächzte er, als er sich über seine Schläfen strich.
In diesem Moment zog ein erneutes Stechen durch seinen Rücken.
„Ah...und mein Rücken...!" Jammerte er, als er vorsichtig aufstand und sich an der Küche festhielt.
Er schüttelte den Kopf, als er mit Erstaunen feststellte, dass er den Rest der Nacht auf dem harten Fußboden in der Küche verbracht hatte.
Die warme Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster hinein und geblendet von ihrer Helligkeit, kniff er die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen. Er lehnte sich mit seinem Rücken an die Küche und während er noch ein paar mal tief einatmete und seinen steifen Körper streckte, versuchte er sich an die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu erinnern.
Als er auf den Krug „Emperor's Smile" am Boden starrte, klärte sich langsam die Wolkendecke seiner Erinnerungen auf und wie ein Geistesblitz sah er Wei Wuxian's Gesicht vor seinem inneren Auge.
Ein zufriedenes Schmunzeln huschte plötzlich über seine Lippen, als er sich noch einmal schüttelte und sein wirres Haar aus seinem Gesicht strich.
Er klatschte sich zweimal mit der flachen Hand auf die müden Wangen und als er seinen Blick anhob nuschelte er zu sich selbst:
„Was für eine Nacht...was für ein Wei Wuxian!"
Er steckte seine Arme weit über seinen Kopf nach oben und presste die frische Luft einmal tief in seine Lungen, als über seine Lippen ein zufriedenes Lächeln huschte. Er streckte sich und lies die Finger einmal in seinen Fäusten knacken, als er entschlossen und mit klarem Blick nach vorne sah.
„Ab heute wird alles anders!
Ab heute gibt es einen neuen Sun Yan.
Ab heute, bin ich nur noch ich und der Mensch, der ich wirklich bin."
Er drehte sich auf dem Absatz um und öffnete die schwere Tür der Küche. Mit einem großen und entschlossenem Schritt stieg er über die Türschwelle und ging hinaus, sein altes Ich hinter sich lassend und mit Mut und Zuversicht, einem neuen Abschnitt seines Leben entgegen.
Bao Tian öffnete seine schweren Augenlieder. Die hellen Sonnenrtrahln schienen auf sein ungewöhnlich blasses Gesicht und blendeten seine müden Augen. Er richtete sich langsam auf und starrte aus dem großen Fenster. Er befand sich in Lan Xichen´s Zimmer und lag demnach auch in Lan Xichen´s Bett.
Sein Schädel dröhnte, als wäre eine Horde wilder Pferde über ihn herüber galoppiert und er vernahm einen pcohenden Schmerz an seiner Stirn. Er räusperte sich ein paar mal und als er sich gerade mit seinen Händen übers Gesicht streichen wollte, bemerkte er plötzlich, dass seine Handgelenke aneinander gefesselt waren. Seine Augen weiteten sich schockiert und sichtlich irritiert starrte er auf seine Hände, welche ohne sein Wissen nun untrennbar voneinander waren . Als er langsam im Hier und Jetzt ankam und er jeden Zentimeter seinen Körpers wieder wahrnahm, spürte er plötzlich, dass auch seine Beine in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt waren.
Bao Tian runzelte die Stirn, als er verwundert die Bettdecke zur Seite klappte.
Er war nackt, splitterfaser nackt. Außer einem dicken Stück Stoff, welches wild um seine Füße gewickelt war und ihn fesselte und noch einem Socken am rechten Fuß, hatte er nichts an.
Bao Tian´s Mund klappte leicht vor Verwunderung auf und während er noch für einen Moment auf seine gefesselten Füße und Hände starrte, hörte er plötzlich ein tiefschürfendes Seufzen neben sich.
Langsam drehte er seinen Kopf zur Seite und er zuckte erschrocken zusammen, als er Lan Xichen aufrecht neben sich im Bett sitzen sah. Auch er war kaum bekleidet und hatte nur seine Robe über seine Schultern gelegt. Er saß auf der Kante des Bettes, die Füße auf den Fußboden gestellt und er stützte sich mit seinen Ellenbogen auf seinen Oberschenkeln ab, während sein Gesicht tief in seine flachen Hände eingegraben war.
Bao Tian zog seine Augenbrauen aufmerksam nach oben, als er einen Moment Lan Xichen betrachtete, der wirklich mehr als fertig aussah. Dieser atmete mehrmals tief ein und strich sich immer wieder über sein Gesicht, während er still und regungslos auf der Bettkante saß.
Bao Tian wartete noch einen Moment, nur nachdem Lan Xichen nicht so aussah, als hätte er ihn bemerkt, räusperte sich Bao Tian noch einmal kräftig.
„Ähhh...guten Morgen." Sagte er mit tief brummender und rauer Stimme.
Lan Xichen zuckte einmal erschrocken zusammen, als er seinen Kopf anhob und ihn langsam zur Seite drehte.
Ihre Blicke trafen sich und Bao Tian ahnte nichts Gutes, als er in zwei gerötete und müde Augen in einem hübschen Gesicht erblickte.
Lan Xichen sah sehr geschafft aus und in seinen Augen funkelte eine gewisse Bedrohlichkeit.
Als Bao Tian einen Moment seinen stechenden Blick aushielt, beschlich ihn schließlich das starke Gefühl, das er vielleicht etwas angestell haben musste. Vorsichtig fragte er:
„Warum siehst du mich so an? Habe ich etwas gemacht?"
Lan Xichen blickte kommentarlos auf Bao Tian´s gefesselten Hände und Füße.
Bao Tian stutzte und folgte dann langsam seinem Blick.
Die Fesselungen sahen amateurhaft aus und sie mussten in Eile gebunden worden sein.
Bao Tian dachte angestrengt nach, doch umso mehr er nachgrübelte, umso stärker wurden seine Kopfschmerzen und er sah Lan Xichen daher fragend an.
„Wer hat mich gefesselt...und warum?"
Lan Xichen durchbohrte ihn noch immer mit einem strafenden Blick, aber da Bao Tian sich anscheinend wirklich an nichts erinnern konnte, hob Lan Xichen sein eines Bein aufs Bett und drehte sich zu Bao Tian um.
„Das war ich." Sagte er vorwurfsvoll.
Bao Tian schaute sichtlich verwundert drein.
„Du?...warum?" Fragte er vorsichtig.
Lan Xichen schnaufte einmal laut aus seiner Nase, als er seine Arme vor der Brust verschränkte. Er schloss einmal kurz nachdenklich seine Augen und eine schmale Strähne seines schwarzen Haares, fiel nach vorne über seine Schulter.
Bao Tian ahnte Schlimmes und so fragte er zaghaft:
„Habe ich was angestellt...?"
Lan Xichen öffnete wieder seine Augen und blickte Bao Tian prüfend an.
„Du kannst dich nicht mehr erinnern? Dann werde ich deinen Erinnerungen mal auf die Sprünge helfen." Sagte er mit einem leicht ungehaltenen Unterton.
„Nachdem Gao Lee aufgewacht war, dachte ich die Vernunft wäre wieder in dich eingekehrt. Stattdessen...stattdessen.." Stotterte er unsicher, während er leicht verlegen zur Seite schaute.
„Stattdessen was?" Fragte Bao Tian mit großen Augen.
Lan Xichen wendete seinen Blick ab und vermiet einen direkten Blickkontakt.
„Stattdessen...hast du einfach weiter gemacht...mich zu...ach, du weißt schon!" Sagte er hastig.
„Und weiter?" Fragte Bao Tian ungeduldig nach.
„Was ist danach passiert?"
Lan Xichen fuhr langsam fort.
„Danach habe ich ihre Erinnerungen gelöscht und dich aufgefordert sie in eines der Gästezimmer zu bringen."
Bao Tian wedelte mit seiner Hand in der Luft herum um ihm zu symbolisieren, dass er endlich auf den Punkt kommen soll.
„Und dann?"
„Wie und dann?" Fragte Lan Xichen mit hoher Stimme.
„Das würde ich gerne wissen, was dann geschehen ist!? Du bist erst Stunden später in mein Zimmer eingefallen, sturzbetrunken und bist...und bist..."
„Und bin was?" Fragte Bao Tian schon fast angenervt von Lan Xichen´s Gestammel.
„Über mich hergefallen! Wie ein Tier." Sagte Lan Xichen endlich und in seinem Gesicht stand tatsächlich ein wenig die Furcht.
Bao Tian stutzte und zog seine Augenbrauen irritiert nach oben.
„Was habe ich getan?" Fragte er nachdenklich.
Lan Xichen hielt plötzlich die Luft an und seine Lippen zitterten, während seine Wangen sich in ein leichtes Rose´s tauchten.
„Ach, das ist doch egal, was genau..." Lan Xichen wunk mit seiner Hand in der Luft peinlich berührt ab.
Bao Tian legte seinen Kopf leicht schief, als er Lan Xichen´s peinlich berührtes Gesicht begutachtete. Seine Körperhaltung wirkte scheu und unsicher und Bao Tian fragte sich allen ernstes was er gemacht hatte.
Er hob seine gefesselten Hände und fragte.
„Und warum bin ich nun gefesselt?"
Lan Xichen blickte ihn an.
„Ach das..." Er machte eine schnelle Handbewegung in der Luft.
„Ich habe dir dann mit meinem Stiefel eine rüber gezogen, damit du wieder zur Vernunft kommst. Dabei bist du leider nach hinten gefallen und bist mit deinem Kopf gegen das Bett gestoßen. Den kurzen Moment deiner Bewustlosigkeit habe ich mir zu Nutzen gemacht und dich gefesselt, damit du mich die Nacht in Frieden lässt."
Bao Tian's Augen weiteten sich.
„Du...Du...hast mich mit deinem Stiefel bewustlos geschlagen...und mich gefesselt...?" Fragte Bao Tian sichtlich verwundert und schockiert zu gleich.
In Lan Xichen´s Gesicht stand die Unsicherheit und sich über seine eigene Tat im Klaren werdend, blickte er peinlich berührt nach unten und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Seine Bewegungen wirkten unsicher und sein Herz schien rastlos.
"So kann man das nicht direkt sagen..." Nuschelte er leise.
Plötzlich lachte Bao Tian laut auf, als er sich an seine Stirn fasste.
„Desswegen die dröhnenden Kopfschmerzen. Huan, wer hätte gedacht, dass du mal einmal so ruppig mit mir umgehst."
In Bao Tian's Gesicht stand ein belustigtes Lächeln und Lan Xichen richtete langsam seinen Blick auf und er schaute ihn überrascht an.
„...Du lachst...?"Sagte er leise.
Bao Tian schnaufte durch seine Nase.
„Natürlich lache ich. Sieh dir nur an wie wirr meine Hände und Füße gefesselt sind. Es muss eine wahnsinns Show gewesen sein. Ich bin fast traurig mich nicht mehr daran erinnern zu können."
„Tssss" Schnallste Lan Xichen mit seiner Zunge.
„Lach du nur, du hast ja keine Ahnung. Der wird noch ein langes Nachspiel haben."
Lan Xichen verschränkte erneut seine Arme und er schaute unzufrieden drein.
Doch Bao Tian lächelte ihn nur an und rutschte ein Stück näher. Langsam legte er seine gefesselten Hände auf Lan Xichen's und flüsterte leise in sein Ohr.
„Das macht nichts. Ich mag deine langen Nachspiele."
Lan Xichen zuckte zusammen und als er gerade loswettern wollte, sah er, dass Bao Tian's Handgelenke schon ganz rot waren und man deutliche Scheuerstellen von den Fesseln sah.
Schuldig streckte Lan Xichen seine Hände schnell aus und er wollte die Fesseln lösen, als Bao Tian plötzlich ruckartig seine Hände wegzog.
Lan Xichen blickte ihn mit großen, fragenden Augen an, als Bao Tian leise hauchte:
„Nein, ist schon gut. Lass es so. Es ist irgendwie aufregend, zu wissen, dass du mich in deiner Verzweiflung gefesselt hast."
Lan Xichen stutzte und als er mit irritiertem Blick Bao Tian leicht abfällig betrachtete, lehnte dieser sich immer näher heran und berührte mit seinen gefesselten Händen Lan Xichen's Kinn. Langsam holte er ihn näher zu sich heran, als er einen zärtlichen Kuss auf Lan Xichen's Lippen platzierte.
Lan Xichen war im ersten Moment wie erstarrt und eigendlich war er wütend auf Bao Tian, aber dieser Kuss war so zärtlich, so sanft, dass sein Herz wieder ganz weich wurde und nachgab.
Bao Tian drückte Lan Xichen nach hinten auf's Bett und während er dominant über ihm thronte und ihn langsam und zärtlich küsste flüsterte er:
„Es gibt der Sache einen ganz neuen Kick. Ich wusste gar nicht, Huan, das du auf so etwas stehst. Das hättest du mir eher sagen können, dann wäre ich drauf eingegangen"
Lan Xichen schüttelte hektisch seinen Kopf.
„Nein...ich..." Stammelte er, doch schon schob sich Bao Tian's feuchte Zunge in seine Mundhöhle hinein und versetzte bald seinen Herren in ein tiefes Schweigen.
An diesem Tag überfiel die Cloud Recesses eine andächtiche Stille und niemand wagte es, einen anderen zu Tadeln oder gar zurechtzuweisen, da er selbst nicht alle Schuld von sich weisen konnte. So wurde einvernehmlich über die Ereignisse der vergangen Nacht Stillschweigen bewahrt und der Tag verflog wie im Flug und er ging in die Geschichte ein, als der Tag der unabdingbaren Ruhe und der Stille.
Am nächsten Morgen war dagegen die Stimmung schwer und recht betrübt, denn Madame Mao's Besuch wendete sich langsam dem Ende zu.
Ihre Sachen waren alle schon gepackt und die letzten Utensilien wurden in der Kutsche verstaut. Es waren alle anwesend und halfen Madame Mao, Shao Ran und Gao die Kutsche zu packen. Sie unterhielten sie noch mit amüsanten Gesprächen oder gaben ihnen Reiseproviant mit.
Madame Mao sprach noch recht lange mit Lan Xichen und Lan Qiren, während Bao Tian und Wei Wuxian noch einmal alles gaben, um um die Gunst der beiden Mädchen zu werben.
Lan Wangji und Sun Yan standen nicht weit von ihnen und beobachteten das bunte Treiben.
Wei Wuxian war jedoch trotz seines amüsierten Lächelnds etwas betrübt, über ihre Abreise, denn es bedeutet, dass der weibliche Charme wieder die Cloud Recesses verlassen würde und wieder mehr der strenge und ruhige Alltag im Gusu Lan Clan einzug erhielt.
Trotz der vertrauten Atmosphäre innerhalb der Gruppe, tauschte doch der ein oder andere leicht nervöse Blicke aus.
So war es Lan Qiren, der mehr als steif neben Lan Xichen stand und seine Worte waren eher kurz und knapp, welche er an Madame Mao noch vor ihrer Abreise richtete.
Lan Xichen dagegen warf den ein oder anderen unsicheren Blick zu Gao Lee herüber, wogegen sie nur Augen für Wei Wuxian hatte.
Genauso wie Sun Yan, der voller Achtung und Respekt gegenüber Wei Wuxian auftrat und Lan Wangji, den so ein schlechtes Gewissen wegen der Nacht des Banquets plagte, dass er sich vor seinem Bruder und seinem Onkel fast unbeholfen benahm.
Die vergangene Tage hatten für jeden einzelnen von ihnen eine eigene Geschichte geschrieben und nur sie selbst wussten darüber bescheid und wagten es auch nicht, ihre bewahrten Geheimnisse preiszugeben.
Madame Mao wendete sich an jeden von ihnen einmal persönlich und wie immer hatte sie freundliche und weise Worte zum Abschied für sie bereit. Sie war eine liebevolle Frau mit dem Herzen am rechten Fleck. Stet's bemüht und zielstrebig in ihren Belangen und vergaß dabei nie, das Wohl der Anderen.
Auch Gao Lee und Shao Ran bedankten sich noch einmal persönlich bei jedem für die herzliche Gastfreundlichkeit. Wobei Gao Lee beim Gespräch mit Wei Wuxian etwas zurückhaltender wirkte und nur geübte Beobachter erkannten ,die wahre Zuneigung in ihrer Gestik und Mimik, die sie für ihn hegte.
Die drei Damen nahmen schließlich in der Kutsche platz und während Madame Mao ihnen noch viele schmeichelnden Worte zurief, setzte sich die Kutsche schließlich in Bewegung. Die Damen wunken zum Abschied und die Herren standen alle in Reih und Glied und verneigten sich abermals vor ihnen.
Madame Mao lächelte sie alle an.
„Es war wunderbar bei euch!" Rief sie herüber.
„Wir sehen uns gewiss bald wieder. Besucht mich wann immer ihr wollt in Zhou Yong.
Und Lan Qiren, ich erwarte, das ihr mir schreibt."
Madame Mao warf Lan Qiren einen verstohlenen Blick zu und zwinkerte ihm einmal zu.
Lan Qiren erstarrte plötzlich zur Eissäule, als ihre lieblichen Worte von dem Wind herüber getragen wurden.
Alle schauten sichtlich interessiert zu Lan Qiren herüber und die vielen Blicke durchbohrten ihn wie ein offenes Buch.
Lan Qiren schluckte, als der Druck der Blicke immer schwerer wurde und als Lan Xichen ihn dann auch noch fragte, was genau sie damit meinte, wurde er tatsächlich, sichtlich nervös.
Schließlich räusperte er sich nur und strich dann ablenkend über seinen Bart.
Als es allen dann schließlich ein wenig dämmerte, trat ein allgemeines, zufriedenes Schweigen ein und jeder für sich trug ein leichtes Lächeln auf den Lippen, während sie sich noch einmal tief zum Abschied vor den Damen verneigten.
Die Kutsche verschwand zwischen den Bäumen, das Hufgetrappel wurde leiser und die Cloud Recesses kehrte wieder zurück in ihren Alltag ein.
