Chapter 17.2
(Wer möchte der kann jetzt auf youtube gehen und das folgende Lied dazu hören: watch?v=6dILertPkqE) -Drums of War Epic Drum Percussion Music-
„Knie nieder!" Befahl Jiang Cheng laut und in seinen Augen loderte ein Feuer, welches Sun Yan das Fürchten lehrte.
Der Junge zog die Luft angestrengt durch seine Nase, als er langsam auf die Knie nieder ging. Seine Hände begannen unkontrollierbar zu zittern und leichter Angstschweiß bildete sich auf seiner blassen Stirn.
Jiang Cheng biss fest auf seine Backenzähne, als er Sun Yan von oben herab betrachtete.
„Ich habe dir vertraut...!" Kam es plötzlich atemlos über seine Lippen.
Sun Yan zuckte zusammen. Dieser Satz schmerzte zu sehr in seiner Brust.
Langsam richtete er seinen Blick auf, als er in Jiang Cheng´s gequältes Gesicht sah. Die Zornesfalte zwischen seinen Augenbrauen war so markant wie noch nie zuvor und Jiang Cheng´s Augenwinkel begannen nervös zu zucken.
„Vertraut habe ich dir, wie keinem Zweiten. Ich hab dich aufgenommen, dir Essen und Trinken gegeben. Dich eingekleidet, ein Dach über den Kopf gegegen und dich ausgebildetet."
Jiang Cheng´s Stimme wurde langsam lauter und schriller und Sun Yan spürte die Schwingungen in der Luft, welche von Jiang Cheng´s spiritueller Energie ausgingen. Er fuhr fort:
„Ich habe dich zu dem Cultivator gemacht, der du jetzt bist und an nichts fehlte es dir. Doch dir war es scheinbar nicht genug.
Was habe ich nur getan um solch eine Tat zu verdienen? Was hat dich nur dazu bewegt zu diesen Mitteln zu greifen?"
Sun Yan schüttelte hastig verneinend den Kopf.
„Nein, mein Herr, ich...ich...ich wollte nicht...
Es tut mir Leid! Es tut mir aufrichtig Leid! Ich wollte niemals...!" Sagte er mit bebender Stimme.
Jiang Cheng atmete tief ein.
„Es tut dir Leid? Mehr hast dazu nicht zu sagen?"
Jiang Cheng´s Zidian wurde plötzlich aktiv und ein paar lilane Lichtblitze flackerten von dem Ring an seinem Finger auf.
Sun Yan´s Augen weiteten sich, als er mit großen aufgerissenen Augen auf Jiang Cheng´s Hand starrte an der sich langsam eine große lilane Peitsche, umhüllt von einem hellen, gleißenden Licht bildete.
Die Lichtreflexe spiegelten sich in Sun Yan's grünen Augen wieder und das zischende Geräusch Zidian´s erfüllte den Saal.
Jiang Cheng fletschte seine Zähne, als die Wut und Scham erneut in ihm nach oben krochen und für ihn nicht mehr kontrollierbar waren. Langsam streckte er seinen Arm weit nach oben in die Luft aus.
„Wenn du mich so sehr gehasst hast und alles was ich dir angetan habe nur Leid war, warum hast du nicht anders an mir Rache geübt, anstatt mich so zu demütigen? Verraten hast du mich Sun Yan!" Jiang Cheng´s Stimme polterte plötzlich wie ein Gewitter los.
„Nein!" Rief Sun Yan verzweifelt aus.
Mit seinen zittrigen Händen stützte er sich auf dem kalten Fußboden ab. Er kniete auf allen vieren vor Jiang Cheng und sein Gesicht war schmerzhaft verzogen.
„Ich hasse euch nicht! Niemals würde ich euch hassen! Wie könnte ich nur? Ganz im Gegenteil ich..." Seine Stimme war schrill und schief.
Jiang Cheng´s rechte Augenbraue zuckte auf, bevor er ihn unterbrach und los bölkte:
„Im Gegenteil? LÜG MICH NICHT AN! Warum solltest du es sonst getan haben?"
In diesem Moment reflektierte sich Zidian in Sun Yan's aufgerissenen, großen Augen. Jiang Cheng´s Hand schnallte nach oben. Zidian wand sich hoch in die Luft und machte einen großen, ausladenden Bogen, bevor das Ende der Peitsche kraftvoll Schwung holte. Das helle Licht und das zischen Zidian´s war unangenehm für Auge und Ohren und die Peitsche gehorchte loyal ihrem Herren.
In diesem Moment schmiss Sun Yan sich mit seinem Oberkörper nach vorne und presste seine Stirn fest hinunter auf den Fußboden. Dabei kam eine Stimme so verletzt und traurig zugleich über seine Lippen, als er mit trockener Kehle schrie:
„Aus VERZWEIFLUNG und LIEBE!"
Jiang Cheng riss seine Augen weit auf, es war wie ein Schlag in seine Brust und in letzter Sekunde veränderte er Zidian´s Richtung und der grelle Peitschenschlag schlug neben Sun Yan mit einem tosendem Geräusch auf den Boden ein und verfehlte nur knapp sein Ziel.
Sun Yan zitterte am ganzen Körper, als er vorsichtig seine zugekniffenen Augen öffnete und zur Seite blickte. Neben ihm lag Zidian zischend am Boden. Das grelle Licht schmerzte seine Augen, als er vorsichtig seinen Blick aufrichtete.
Jiang Cheng stand in seiner Bewegung erstarrt vor ihm. In seinen weit aufgerissenen Augen waren Zweifel zu erkennen.
Seine Oberlippe begann unruhig zu zucken als er atemlos fragte:
„...Aus Verzweiflung...und...Liebe...?"
Bei diesen Worten holte ihn plötzlich die Vergangenheit wieder ein und Jiang Cheng erinnerte sich zurück an die regnerische Nacht in der Cloud Recesses, als er Sun Yan in dem großen Trainingspavillon bei seinem Schwerttanz vorfand. Er erinnerte sich wie der verletzte Junge immer und immer wieder aufstand und unter starken Schmerzen seiner Wunden, versuchte seinen Tanz ehrenvoll fortzusetzen. Der Boden war voller rotem Blut, der entfernte Donner grölte in den Ohren und als Sun Yan vor Erschöpfung schließlich zusammenbrach, wimmerte er noch ein paar Wörter über seine blassen Lippen, ehe er bewusstlos wurde.
[...]"...Jiang...Cheng...
...Jiang Cheng..."[...]
Jiang Cheng schnappte nach Luft und er griff mit seiner linken Hand auf seine Brust und krallte sich mit seinen Fingern tief in den Stoff, als die Erinnerungen ihn einholten. Sein Herz stach in seinem Körper und er schüttelte verneinend den Kopf, als könnte er seinen eigenen Ohren und Erinnerungen nicht trauen. Ein Chaos der Gefühle brach in ihm aus und versetzte seinen Körper in Aufruhe.
Sun Yan kauerte derweilen noch am Boden und seine Augen wurden glasig, als er erkannte in was für einer missverständlichen und aussichtslosen Situation sie sich befanden. Er hatte stets davon geträumt wie er zurück nach Lotus Pier kehrte, zurück an Jiang Cheng´s Seite. Wie alles wieder wie früher werden würde und sie gemeinsam, Seite an Seite wie Schüler und Meister, wie Herr und Diener, wie Bruder und Freund den Yunmen Clan anführen.
Doch von diesem unbeschwerten Gefühl war nicht mehr viel übrig geblieben. Zu schwer war seine Tat und zu groß die Kluft die er selbst zwischen sie getrieben hatte.
Eine einzelne Träne kullerte über Sun Yan's Wange, als er Jiang Cheng anblickte. Seine zittrigen Lippen bewegten sich und eine gebrochene Stimme kam aus seiner Kehle.
„Jiang Cheng...ich...ich...lie..."
Doch in diesem Moment riss Jiang Cheng seinen Arm ruckartig zurück. Zidian flackete noch einmal hell auf ehe die spirituelle Peitsche wieder zischend verschwand und sich der Ring erneut schweigend um den Finger seines Herrn legte.
„Sei still!" Unterbrach er den Jungen mit scharfem Ton.
Sun Yan's Augen weiteten sich als er erkannte, dass Jiang Cheng ihn nicht anhören wollte und ihm nicht einmal die Chance gab ihn aussprechen zu lassen und sich zu erklären.
-Aber was war er auch gerade im Begriff zu sagen?-
Sun Yan's Herz schlug wild in seiner Brust. Er war vollkommen verwirrt, mit der Situation sichtlich überfordert. Er wusste nicht mehr vor noch zurück und die Tränen liesen sich nicht mehr zurück halten und so liefen sie unaufhaltsam über seine Wangen.
Jiang Cheng strich sich mit seiner flachen Hand über sein Gesicht. Er selbst sah sichtlich schockiert und überdorfert aus. Ein Wechselbad der Gefühle strömte durch ihre Körper und jeder war mit sich selbst nun am meisten beschäftigt.
Sun Yan wischte sich mit seinem Ärmel über sein Gesicht und trocknete seine Tränen. Er verneigte sich demütig, mit der Stirn den Boden berührend. Mehrmals tat er dies, bis er seinen Oberkörper wieder aufrichtete und Jiang Cheng direkt in die Augen sah.
Ein leises, zartes und zutiefst ehrliches:
„Es tut mir Leid!" Kam über seine Lippen.
Jiang Cheng zuckte am ganzen Körper zusammen. Er war unfähig etwas zu erwidern, so tief trafen ihn diese Wort in sein Herz.
Noch eine ganze Weile verharrten die beiden so schweigend voreinander und keiner von beiden war imstande sich als erster zu rühren.
Als Jiang Cheng´s Atmung schließen ins stolpern geriet und er dem emotionalen Druck nicht mehr stand hielt, wendete er den Blick ab und drehte seinen Kopf zur Seite. Für einen Moment schloss er seine Augen als ihm seine Position wieder bewusst wurde und er schließlich leise sprach:
„Du musst müde und erschöpft von der Reise sein."
Er musterte Sun Yan von oben bis unten, als sein Blick sich auf Sun Yan's Kleider heftete.
„Dreckig und verschmutzt bist du auch. Und hungrig obendrein wahrscheinlich auch noch!?"
Sun Yan blickte an sich selbst herunter, als er die Dreckflecken auf dem edlen Stoff seiner Robe erblickte.
Etwas unsicher über den plötzlichen Themenwechsel und das abrupte Beenden ihres Gespräches, nickte er sehr zögerlich.
„Hm." Summte er bestätigend über seine Lippen.
Jiang Cheng klatschte plötzlich laut in seine Hände und er rief zwei Damen herbei. Mit gesenktem Kopf liefen die zwei jungen Frauen eilig herein und verneigten sich schnell vor ihrem Sect Leader.
Jiang Cheng nickte ihnen einmal bestätigend zu.
„Nehmt ihn mit, lasst ein Bad ein und wascht ihn. Danach...bereitet ihr etwas Essen zu."
Die beiden Damen verneigten sich zügig.
„Sehr wohl!" Antworteten sie synchron.
Während die eine Dame sich schon zu Sun Yan drehte wendete die andere sich noch einmal Jiang Cheng zu.
„Sect Leader...wo sollen wir das Essen und Sun Yan nach dem Bad hinbringen?"
Jiang Cheng´s Blick wanderte zu Sun Yan herüber. Dieser hockte noch immer auf dem Fußboden und schaute ihn mit unsicherem Blick an.
„Bringt ihn...und das Essen...in meinen Pavillon!" Sagte Jiang Cheng mit gesenkter Stimme, während er seinen Blick langsam abwendete und sich dann wegdrehte. Mit großen Schritten verließ er die Empfangshalle während Sun Yan mit irritiertem Gesichtausdruck erst langsam aufstand und sich dann von den Damen hinaus geleiten lies.
Sun Yan trug eine gesunde Gesichtsfarbe. Seine Wangen tauchten sich in ein zartes Rosé als er leicht beschämt zur Seite blickte. Die jüngere der beiden Damen kämmte sein langes nasses Haar, wärend die andere den Gürtel seiner frischen, leichten Robe zu band.
Es war ihm unangenehm gewesen sich von den beiden Frauen beim Waschen helfen zu lassen, doch die Damen ließen sich aus Furcht vor Jiang Cheng nicht von ihm daran hindern ihrem Auftrag auch gewissenhaft nachzukommen.
Die Robe auf seinem Rücken wurde leicht nass und der dünne, weiße Stoff wurde an manchen Stellen durchsichtig. Voller Präzesion und Hingabe kamen die beiden Frauen ihrer Aufgabe nach und während die Jüngere noch mit einem Handtuch ein wenig sein nasses Haar abtupfte, wendete sich die andere Dame von den beiden ab.
„Ich werde nun das Essen vorbereiten. Fei, bringe du doch Sun Yan schon zu unseren Sect Leader herüber."
„Sehr wohl!" Antwortet die junge Frau schnell.
Einladend zeigte sie Sun Yan den Weg zur Tür hinaus und er Schritt langsam ihr hinterher und lies sich zu Jiang Cheng´s Pavillon geleiten.
Vor der großen Tür angelangt beschlich Sun Yan ein ungutes Gerühl. Er war aufgeregt, sehr aufgeregt und die Unsicherheit lies sein Herz schneller schlagen.
„Sect Leader, Verzeiht. Ich bringe Sun Yan!" Sagte sie mit lauter Stimme, während sie deutlich an die große Tür anklopfte.
Von drinnen hörte man leise Schritte und etwas Rappeln, bis plötzlich Jiang Cheng´s Stimme erklang.
„Bring ihn herein!"
Die junge Frau öffnete die Tür und bat Sun Yan einzutreten.
Etwas unsicher trat er zögerlich über die Türschwelle und als er in den Pavillon blickte, sah er Jiang Cheng in der rechten Ecke an einem Tisch sitzen. Jiang Cheng blickte die junge Frau an.
„Klopft später erneut, wenn ihr das Essen bringt."
„Sehr wohl!" Erwiderte sie mit sanfter Stimme und schon verschwand sie wieder und die große Tür schloss sich mit einem leisen Knacken wieder hinter ihr.
Die beiden waren nun alleine in dem Pavillon und Sun Yan's Atmung wurde unruhig, als er im Augenwinkel sah wie Jiang Cheng ihn genau beobachtete.
Schließlich schnaufte Jiang Cheng einmal laut auf, als er sich langsam aufrichtete und auf Sun Yan zuging.
Wie zu einer Eissäule erstarrt stand Sun Yan mitten in dem Pavillon und er wagte es nicht sich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Er war noch nicht oft in Jiang Cheng´s privaten Räumen gewesen und umso mehr füllte sich bei dem Gedanken sein Herz mit Unbehagen, darüber dass Jiang Cheng ihn ausgerechnet hierhin beordert hatte.
Jiang Cheng blieb vor ihm stehen und machte kein Geheimnis daraus, dass er den Jungen einmal dreist von oben bis unten betrachete. Als sein Blick auf Sun Yan´s Gesicht verharrte und er unverkennbar noch einmal die Kratzspuren musterte, blickte Sun Yan etwas unsicher zur Seite. Zwischen seinem rechten Zeigefinger und Daumen drehte er nervös den Stoff seiner Robe hin und her, während er innerlich darum flehte, dass ihn jemand aus dieser beklemmenden Situation befreite.
Jiang Cheng´s Blick wanderte nun noch weiter an Sun Yan´s Körper nach unten und blieb genau auf seinem Oberschenkel stehen.
Sun Yan zuckte zusammen, so als würde er jetzt jede Sekunde etwas Unangenehmes erwarten. Und in der Tat, nach einem kurzen Moment der beklemmenden Stille öffnete Jiang Cheng langsam seine Lippen. Mit kühler und befehlender Stimme sagte er ruhig:
„Zieh dich aus!"
Sun Yan zuckte zusammen. Ein Kribbeln schoss durch seinen Körper gefolgt von einem Stechen in seinem Herzen. Sein Puls stieg unangenehm an und es war als würde sein Atem in seiner Lunge feststecken.
Seine Kehle schnürte sich zu, als er ein paar Mal nervös blinzelte und dann vorsichtig in Jiang Cheng´s Richtung sah.
„...Bitte?..." Hauchte er leise mit nervöser Stimme als ihm die Wärme ins Gesicht stieg.
Jiang Cheng atmete einmal tief ein und als er auf seine Backenzähne biss, traten seine Kieferknochen einmal markant hervor.
„Ich sagte, du sollst dich ausziehen!"
Sun Yan's Herz begann zu rasen als ihm bewusst wurde, dass er sich nicht verhört hatte. Die Scham kroch ihm weiter ins Gesicht und vor Schock stand er wie versteinert vor Jiang Cheng und schaffte es nicht seine Gedanken klar zu sortieren.
Jiang Cheng wurde langsam ungeduldig.
„Kannst du diesem einfachen Befehl nicht Folge leisten?" Fragte er mit forscher Stimme.
Sun Yan schluckte schwer. In seinem Kopf und in seinem Herzen entfachte ein Gefühlschaos und vor lauter Aufregung begannen seine Hände unkontrolliert zu zittern.
-Warum sollte er sich auziehen? Was hatte Jiang Cheng nur vor?-
Sun Yan schämte sich, bei der Vorstellung unter Jiang Cheng´s prüfendem Blick sich zu entkleiden. Auf der anderen Seite war es ein Befehl seines Sect Leader´s und sie waren schließlich zwei Männer alleine unter sich. Was war schon dabei sich zu entkleiden?
Sun Yan nickte schließlich widerwillig und während seine zittrigen Hände an seinen Gürtel fassten, öffnete er langsam den breiten Knoten.
Er stellte sich ungeschickt an und man sah ihm deutlich an, wie unangenehm ihm diese Situation war.
Doch umso mehr Jiang Cheng sein Unbehagen bemerkte, umso provozierender starrte er den Jungen an.
Mit einem leisen Plopp fiel der weiße Gürtel schließlich zu Boden und Sun Yan's dünne Robe öffnete sich ein Stück. Da er gerade erst aus dem Bad gekommen war und ihm selbst noch die nassen Haare auf den Schultern lagen, trug er nichts drunter und so fasste er langsam mit beiden Händen in seine Kragen und striff die Robe über seine Schultern.
Sein Blick war starr auf den Boden gerichtet als der Stoff an seinen Schultern hinunter glitt und die Robe schließlich auf dem Boden landete.
Seine nassen Haare lagen auf seiner nackten Haut und eine leichte Gänsehaut überzog seinen Körper als plötzlich die frische Abendluft auf seine Haut stieß.
Sun Yan hatte einen ansehnlichen Körper von fließenden und kräftigen Konturen. Er war schlank aber muskulös und für einen jungen Mann genau passend proportioniert.
Eine drückende Stille lag in dem Raum und mit unsichere Geste strich Sun Yan sich seine Haare hinter sein rechtes Ohr, als seine Wangen sich in zartes Rosé tauchten und seiner gefühlten Peinlichkeit noch mehr Farbe verliehen.
Jiang Cheng´s kritischer Blick musterte den nackten Jungen, der peinlich berührt vor ihm stand. Es ist erstaunlich, wie aller Stolz und Mut plötzlich von einem mit abgestriffen werden, sobald die Hüllen fallen gelassen werden. Selbst das größte Selbstbewusstsein beginnt zu bröckeln, wenn plötzlich aller Stoff zu Boden fällt und man nur noch man selbst ist, ohne die Möglichkeit sich hinter irgendwas zu verstecken.
Sun Yan's Wimpern begannen nervös zu flattern und seine grünen Augen blickten bekümmert zu Boden, während Jiang Cheng sich alle Zeit der Welt lies, Sun Yan's nackten Körper zu begutachten.
Es war wie eine Folter, wie eine Bestrafung und Sun Yan wurde das Gefühl nicht los, dass er glaubte dies sei Jiang Cheng's ganz eigene Rache um den Jungen noch einmal klar zu machen, wo genau sein Platz war.
Plötzlich machte Jiang Cheng noch einen weiteren Schritt auf Sun Yan zu und dieser zuckte erschrocken zusammen, als Jiang Cheng plötzlich seine Hand ausstreckte.
„Halt still!" Sagte er zwar leise aber mit einem befehlenden Unterton.
Seine schlanken Finger streckten sich lang aus und als seine Fingerkuppen Sun Yan's Oberschenkel berührten, war es wie ein kalter Schauer, der über Sun Yan's Haut fuhr.
Jiang Cheng berührte die dicke Narbe und ganz zärtlich und vorsichtig strich er mit seinem Finger über die Haut.
Die sonst so reine Haut war vernarbt, bucklig und hart und eine deutliche Narbe war zu sehen und zu spüren. Selbst wenn sie auch nach bester Medizin des Gusu Lan Clan's verarztet wurde, so würde sie doch niemals vollständig verheilen.
Sun Yan atmete einmal laut auf, als er Jiang Cheng beobachtete, wie er voller Hingabe und Interesse über seine Narbe strich. Jiang Cheng´s langsamen Bewegungen kitzelten auf der Haut und Sun Yan spürte seinen eigenen Herzschlag, der langsam anstieg.
Eine ganze Weile musterte Jiang Cheng die Narbe, welche er selbst mit seinen eigenen Händen diesem Körper zugeführt hatte. Seine Miene verdunkelte sich und eine tiefe, nachdenkliche Falte legte sich zwischen seine Augenbrauen.
Jiang Cheng richtete sich wieder auf und als er dem Jungen wieder ins Gesicht blickte, wurde seine Miene noch düsterer und er trug einen leicht gequälten Gesichtsausdruck.
Ganz vorsichtig, Stück für Stück streckte er erneut seine Hand aus. Dieses Mal erstreckten sich seine Finger in Sun Yan's Gesicht und dieser schloss seine Augen, als er ahnte, dass Jiang Cheng ihn im Gesicht berühren würde.
Und das tat er auch. Sein schlanker Zeigefinger streckte sich lang aus, als er vorsichtig Sun Yan's Nase berührte. Sein Finger strich auch hier über die buckligen Narben und Sun Yan hielt seinen Atem an, während Jiang Cheng´s Finger zärtlich über sein Gesicht fuhren. Er strich über seinen Nasenrücken, über seine nun geteilte Augenbraue und über sein Auge. So zärtlich und vosichtig waren seine Berührungen, als hätte er Angst, dass diese schon verheilten Wunden noch Schmerz auslösen könnten.
Sun Yan begann schließlich leicht zu frösteln und aus Kälte und Aufregung begann er leicht zu zittern.
Als Jiang Cheng dieses bemerkte, zog er plötzlich ruckartig seine Hand wieder zurück. Er drehte sich um, fasste in ein Regal und zog eine edle Robe aus feinstem Stoff heraus.
Die Robe bestand aus mehreren Lagen übereinander und sorgfältig sortierte er alle Kleidungsstücke nach ihrer Reihenfloge. Als er sich schließlich mit dem ersten Kleidungsstück zu Sun Yan drehte, riss dieser seine Augen weit auf, als er bemerkte was Jiang Cheng vor hatte.
Langsam und ganz vorsichtig begann Jiang Cheng Sun Yan einzukleiden. Dabei sprach er kein Wort und mied den direkten Blickkontakt. Sun Yan's Augen standen wie erstarrt weit offen und während er ungläubig auf Jiang Cheng herab blickte, der begann ihn überall am Körper zu berühren und anzukleiden und mit solch einer Hingabe und Präzesion seine Finger geschickt bewegte, konnte er nicht fassen, was seine Augen dort sahen. sein Körper wurde von einem warmen und unbekannten Kribbeln heimgesucht und sein Herz schlug wild und aufgeregt in seiner Brust.
Es war fast wie eine Meditation und es war als wären die Rollen zwischen den beiden vertauscht. Es dauerte nicht lange, bis Sun Yan Gefallen an Jiang Cheng´s ungewohnter Körpernähe fand und so erwischte er sich bald selbst, wie er kurz die Augen schloss und die zarten Berührungen genoss. Bald legte sich erneut eine feine Gänsehaut über seine Haut und seine Atmung war ruckartig und kurz, während es in seinem Bauch zu kribbeln begann.
Schließlich schloss Jiang Cheng den Kragen der letzten Lage und mit Fingerspitzengefühl strich er noch einmal den feinen Stoff glatt, ehe er den Gürtel um Sun Yan's Taille legte.
Sun Yan spürte seinen wilden Herschlag bis in seinen Kopf, als Jiang Cheng um seine Taille griff um den Gürtel einmal herum zu legen. Noch eins- zwei Handgriffe und der breite dunkle Gürtel wurde geschlossen.
Sun Yan atmete einmal tief ein, als Jiang Cheng schließlich fertig war. Doch zu seiner Verwunderung entfernte sich Jiang Cheng nicht, sondern forderte ihn auf vor einer Kommode platz zu nehmen.
Mit kantigen und stockenden Bewegungen ging Sun Yan zu der Kommode herüber, auf der ein Spiegel stand und mit offensichtlicher Unsicherheit setzte er sich zaghaft hin.
Jiang Cheng nahm einen Kamm zur Hand und durch Sun Yan's Körper schoss ein elektrisierendes Gefühl, als Jiang Cheng plötzlich mit seinen Fingern durch seine nasse Haare fuhr und dabei ausversehen seinen Nacken berührte.
Er setzte den Kamm am Haaransatz an und begann ihn vorsichtig durch das nasse, lange Haar zu ziehen.
Sun Yan wäre vor Nervosität gefühlt was ohnmächtig geworden, aber er hielt ganz still, während er mit großen Augen in den Spiegel blickte und Jiang Cheng hinter sich beobachtete.
Doch dieser vermiet weiterhin den Blickkontakt, während er das lange Haar bändigte und begann es zu frisieren.
Jiang Cheng flechtete ihm eine lockeren Frisur für den Abend und mit kleinlich genauen Handgriffen, legte er das dunkle Haar zurecht.
Es dauere nicht lange und Jiang Cheng war mit seinem Werk fertig und sichtlich mit sich selbst zufrieden. Ein paar mal zupfte er noch konzentriert an dem dunklen Haar, während Sun Yan ihn weiterhin still schweigend durch den Spiegel beobachtete.
„Fertig!" Sagte Jiang Cheng mit tiefer Stimme und erst jetzt, schaute er Sun Yan zum ersten mal durch den Spiegel an.
Ihre Blicke trafen sich und Sun Yan schluckte schwer, als sie einen Moment in einem intensiven Blickkontakt verharrten.
Sun Yan räusperte sich schließlich. Mit leiser und zaghafter Stimme begann er:
„Mein Herr...Warum...?"
Doch in diesem Moment klopfte es an der Tür und eine zarte Frauenstimme war zu hören.
„Sect Leader, ich bringe das Essen!"
Hastig drehte sich Jiang Cheng um und lies von Sun Yan ab.
Er öffnete die Tür und bat die junge Frau herein. Sie trug ein mehrschichtiges dunkles Tablett und wurde von Jiang Cheng aufgefordert die Speisen auf den Tisch rechts in der Ecke zu stellen.
Zügig stellte sie die Schalen ab und verneigte sich höflich, als sie mit leisen, trippeligen Schritten den Raum wieder verließ.
„Setz dich!" Erklang Jiang Cheng's laute Stimme.
Sun Yan, der immer noch komplett verwirrt von dem plötzlichen Rollenwechsel und den damit verbundenen ungewohnten Gesten war, stand wie befohlen auf und kam zum Tisch, an den er sich mit Staunen heransetzte, als er das üppige Mal und die vielen verschiedenen Speisen sah.
-Es ist ein wahrliches Festessen, für zwei Personen!- Dachte sich Sun Yan, als er mit Erstaunen feststellte, dass sich allerdings nur ein Paar Stäbchen auf dem Tisch befand.
Jiang Cheng setzte sich ebenfalls hin, genau gegenüber von Sun Yan.
Als er seinen irritierten Gesichtausdruck bemerkte, sagte er ruhig:
„Iss ruhig, greif zu wonach es dir beliebt!"
Sun Yan's Augen weiteten sich.
„Esst ihr...nicht mit?"
„Nein! Ich habe schon gegessen!" Kam es klar und deutlich über Jiang Cheng´s Lippen. Er streckte seine Hand nach dem kleinen Krug Alkohol auf dem Tisch aus und füllte seine Trinkschale. Langsam hob er sie an und führte sie zu seinen Lippen, als er mit einem großen Schluck das kühle Nass hinunterschluckte.
Das Plätschern war erneut zu hören und Jiang Cheng füllte ein zweites Mal seine Schale. Sun Yan linste vorsichtig herüber und schaute ihm zu, wie er erneut den Kopf in den Nacken legte die Schale mit einem Zug leerte.
Jiang Cheng schloss kurz seine Augen und er schluckte noch einmal schwer, wobei sich sein Adammsapfel deutlich sichtbar einmal nach oben schob. Dann füllte er die Schale ein drittes Mal.
Sun Yan fasste zaghaft an die Essstäbchen und mit großer Entscheidungsschwierigkeit lies er seinen Blick über den üppig gedeckten Tisch schweifen.
Wieder bekam er ein gewisses beklemmendes Gefühl in seiner Brust, als er feststellte, dass Jiang Cheng wieder beobachtend vor ihm saß und scheinbar jede seiner noch so kleinen Bewegung genau unter die Lupe nahm.
-Wie soll man in dieser Atmosphäre nur entspannt speisen?- Dachte sich Sun Yan, als er begann seine Schale zu füllen.
Doch Jiang Cheng schien nichts von seinem psychischen Druck zu bemerken und so saß er einfach stillschweigend mit am Tisch, trank den Alkohol und leistete Sun Yan beim Essen Gesellschaft.
Es war ein ruhiges Essen, in einer eher drückenden Atmosphäre. Sun Yan war sich unsicher und konnte die Situation zunächst nicht richtig einschätzen. Zudem warf er immer mal wieder einen kontrollierenden Blick zu Jiang Cheng herüber, der offensichtlich gerade dabei war sich zu betrinken.
Als Sun Yan genug gegessen hatte und keine Wünsche mehr offen waren, stellte er die leere Schale mit den Stäbchen wieder auf den Tisch.
Jiang Cheng blickte ihn an.
„Bist du fertig?"
„Hm." Nickte Sun Yan, dem nicht entging, dass Jiang Cheng schon leicht glasige Augen hatte und seine Zunge beim sprechen schwer wurde.
Als Jiang Cheng erneut zu dem Alkohol Krug griff, machte Sun Yan plötzlich einen Satz nach vorne und fasste hastig über den Tisch. Er hielt Jiang Cheng am Handgelenk fest, der gerade dabei war den Krug mit seiner Hand fest zu umschließen.
„Ich denke, ihr habt genug für heute!" Sagte Sun Yan ermahnend.
Jiang Cheng zuckte auf.
„Lass mich!" Zischte er über den Tisch, während er versuchte Sun Yan's Handgriff zu lösen.
Doch dieser gab nicht auf und hielt festentschlossen Jiang Cheng´s Handgelenk fest. Er streckte sogar noch zusätzlich seine andere Hand aus und ergriff schnell den Krug und zog ihn runter vom Tisch.
Jiang Cheng's Augen weiteten sich.
„Was tus du? Gib den Krug wieder her!"
„Nein!" Sun Yan schüttelte hastig den Kopf, während er Jiang Cheng schnell wieder los lies und sich mit dem Krug abweisend nach hinten lehnte.
Jiang Cheng´s Stirn legte sich kraus und eine deutliche Zornesfalte war zu sehen.
„Dies ist mein Haus und mein Alkohol. Ich kann trinken wann und wo ich will." Sagte er forsch.
Doch Sun Yan schüttelte erneut den Kopf und umklammerte den Krug.
„Ihr hattet genug. Seht euch nur an. Eure Wangen werden schon leich rot, eure Augen sind glasig und ihr wirkt etwas unbeholfen! Genug ist genug!" Sagte Sun Yan all seinen Mut zusammennehmend.
Jiang Cheng zog die Luft lautstark durch seine Nase, als er mit der flachen Hand auf den Tisch schlug.
„Genug jetzt Sun Yan. Gib ihn hier!"
Plötzlich spang Jiang Cheng ruckartig auf. Doch der Alkohol hatte seinen Körper schon stark beeinflusst und als er ins aufrechte Stehen kam, knickten plötzlich seine Beine ein und er kam ins Schwanken.
Er kippte nach vorne und unter weit aufgerissenen Augen schmiss Sun Yan den Krug Alkohol zur Seite und sprang Jiang Cheng entgegen, um ihn aufzufangen.
Doch Jiang Cheng war größer und kräftiger als Sun Yan und so konnte der Junge ihn nicht abstützen und brach unter Jiang Cheng´s Gewicht zusammen.
Sie kippten beide nach hinten in den Raum und Jiang Cheng landete unsanft direkt auf Sun Yan.
Sein Kopf ruhte auf Sun Yan's Schulter, während seine Ellenbogen ihn gerade noch vom Fußboden abstützten. Mit seinen Beinen war er unelegant zwischen Sun Yan's gerutscht und dieser lag erschrocken auf dem Rücken und starrte nach oben an die Zimmerdecke.
Nach einem kurzen Moment des Schocks kam Sun Yan wieder zur Gesinnung.
„Habt ihr euch verletzt?" Fragte er hastig, während er unter Strampeln versuchte sich etwas aufzurichten. Doch ein Körper so schwer wie aus Blei, drückte ihn nach unten und nagelte ihn auf den Fußboden.
Jiang Cheng hob seinen Kopf an und schüttelte ihn mit einem schmerzverzerrten Gesicht.
„Nein..." Brummte er leise.
„Aber mein Schädel dröhnt."
Sun schnaufte durch seine Nase.
„Desswegen hatte ich gesagt es ist genug." Sagte er vorwurfsvoll.
„Sei still! Das ist nicht deine Aufgabe." Zischte Jiang Cheng zurück.
Er drückte sich langsam vom Fußboden ab, doch seine Beine waren schon so zittrig, dass er immer wieder einknickte.
Sun Yan nahm all seine Kraft zusammen und half nach um Jiang Cheng nach oben zu drücken und rollte ihn von sich herunter.
„Könnt ihr stehen?" Schnaufte Sun Sun vor Anstrengung, als er sich schnell hinkniete und Jiang Cheng´s linken Arm um seinen Hals schwang.
„Das geht schon!" Wunk Jiang Cheng ihn ab, obwohl es beiden eindeutig klar war, dass es nicht alleine ging.
Sun Yan stand langsam auf und stremmte Jiang Cheng in die Aufrichtung.
„Ufff" Ächzte er auf.
„Ihr seid schwerer als ihr ausseht!"
„Tsss" Schnallste Jiang Cheng mit seiner Zunge. Seine Stimme hatte durchaus schon einen leichten lallenden Effekt.
„Jetzt werd noch frech und ich prügel das gute Essen wieder aus dir heraus."
Sun Yan schüttelte nur über die Unvernunft seines Herren den Kopf, als er ihn vorsichtig Richtung Bett schleppte.
Als Jiang Cheng ein paar Mal mit seinen angestrengten Augen blinzelte und er das Ziel ihrer kurzen gemeinsamen Reise sah, zuckte er plötzlich zusammen.
„Wo schleppst du mich hin?" Fragte er entgeistert.
„Na, ins Bett!" Keuchte Sun Yan unter Anstrengung, dem gar nicht bewusst war, wie provokant seine ehrliche Aussage gerade klang.
Während Jiang Cheng noch in seinem betrunkenen Kopf versuchte die folgende Information genauer zu verarbeiten, setzte Sun Yan ihn auch schon auf der Bettkannte ab.
Er schaute seinen Sect Leader mit Besorgnisserregter Miene an.
„Ihr seid total betrunken. Was war das für ein Zeug? Ihr solltet jetzt dringend euren Rausch ausschlafen." Sun Yan fasste beherzt an Jiang Cheng's Schultern und presste ihn seitwärts aufs Bett hinunter.
Jiang Cheng wusste gar nicht so schnell wie ihm geschah, als Sun Yan ihm auch schon die Stiefel auszog und unter Kraftanstrengung seine Beine aufs Bett hiefte.
„Was tust du?" Fragte Jiang Cheng im benebelten Zustand, während er versuchte mit seinen unbeholfenen Armen Sun Yan abzuwehren.
„Haltet still!" Sagte Sun Yan energisch.
„Ich ziehe euch doch nur aus!"
Dieser Satz versetzte Jiang Cheng definitiv in eine gewisse Art der Panik und ein leises „Nein..." kam über seine tauben Lippen.
Doch Sun Yan schenkte ihm keine größere Beachtung mehr, sondern war gerade mit anderen, kraftraubenderen Dingen beschäftigt.
Er nahm die Bettdecke zur Hand und deckte Jiang Cheng zu, während dieser noch mit weit aufgerissenen Augen im Bett lag und murmelnt versuchte mit seinen Händen irgendwas abzuwehren.
Doch Sun Yan fasste an seine Handgelenke, presste sie herunter und klappte schnell die Bettdecke über ihn.
„Ich hole euch Wasser, wartet einen Moment."
„Mir ist heiß!" Unterbrach Jiang Cheng ihn salopp.
Sun Yan schaute ihn mit großen Augen an.
„Soll ich euch dann noch weiter entkleiden?" Ohne wirklich darüber nachzudenken, klappte Sun Yan die Bettdecke wieder zur Seite und fasste beherzt mit beiden Händen an Jiang Cheng´s Kragen um diesen etwas zu weiten.
Doch Jiang Cheng zuckte wie vom Blitz getroffen auf, schlug Sun Yan's Hände zur Seite und schmiss schnell die Bettdecke wieder über sich.
„Nicht nötig!" Sagte er hastig.
„Wasser...hol Wasser...!"
Sun Yan schaute ihn einen Moment mit Unverständniss an, während er eine Augenbraue kritisch nach oben zog.
„Nagut, dann eben Wasser!"
Mit einem lauten Seufzen drehte er sich um und verlies den Pavillon.
Jiang Cheng atmete einmal erleichtert auf, während er langsam seine Augen schloss.
„...Mir ist heiß..." Nuschelte er leise.
Sun Yan beeilte sich. Geschwind lief er in die Küche des Yunmeng Clan´s und bestückte ein Tablett mit einem Krug Wasser und einer kleinen verzierten Trinkschale. In Windeseile trippelte er über die Veranda zurück und riss ohne zu klopfen Jiang Cheng´s Pavillontür wieder auf.
Erst als er schon den Fuß über die Türschwelle gesetzt hatte, bemerkte er sein unhöfliches Verhalten.
Duckend über seinen eigenen Fehler und mit verzogener Grimasse, schloss er leise hinter sich wieder die Tür, so als würde er jeden Moment den Fluch Jiang Cheng´s erwarten.
Doch es blieb still in dem Raum. Vorsichtig drehte sich Sun Yan um und er ging langsam Richtung Bett, als er mit großen Augen Jiang Cheng beäugte. Vorsichtig stellte er das Tablett neben dem Bett ab und als er gerade etwas Wasser in die Trinkschale eingießen wollte, stutzte er, als er erst jetzt bemerkte, dass Jiang Cheng die Augen geschlossen hatte.
Sun Yan lehnte sich etwas über Jiang Cheng herüber als er leise flüsterte:
„Sect Leader?"
Doch keine Reaktion kam. Jiang Cheng lag stillschweigend auf dem Rücken, die Hände elegant auf der Bettdecke gefaltet und sein Gesicht trug einen friedlichen Gesichtsausdruck. Seine Atmung war etwas schwer, die Wangen in einem zarten Rosé und seine Wimpern flatterten ab und an etwas auf.
Sun Yan schnaufte durch seine Nase, als er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen seinen Kopf schüttelte.
Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkannte neben Jiang Cheng und betrachete sein schlafendes Gesicht.
„Scheuchst mich hier durch die Gegend und dann schläfst du einfach heimlich ein..." Flüsterte er leise.
Ganz zaghaft streckte Sun Yan seine rechte Hand aus und er berührte Jiang Cheng´s Stirn und Wange. In der Tat, sein Gesicht war etwas heiß aber er hatte ja auch gut getrunken.
Sun Yan's schlanken Finger strichen einmal über Jiang Cheng´s Kopf und er strich behutsam ein paar Haarsträhnen nach hinten aus dem Gesicht. Eine ganze Weile saß er so da und tat nichts, außer seinen Herren zu betrachten und ihn ein wenig zärtlich im Gesicht zu berühren.
Es war in diesem Moment, als Sun Yan plötzlich klar wurde, was Jiang Cheng´s vorherigen Taten zu bedeuten hatten und welche schwere Gewichtung dahinter steckte.
Das Ankleiden, das Kämmen der Haare, die Gesellschaft beim Essen.
Die absolut vertauschten Rollen und die plötzliche, fast schon bemütternde Zuneigung Seitens Jiang Cheng.
Es war die ganz eigene Art und Weise seines Sect Leader´s gewesen, sich bei ihm zu Entschuldigen und ihm die Ehre und den Respekt entgegenzubringen, den er bisher versäumt hattte.
Sun Yan's Augen weiteten sich ins Unermessliche und sein Herz begann schnell zu schlagen, als ihm ein kribbelndes Gefühl durch den Körper schoss.
Jiang Cheng war noch nie gut in sanften und freundlichen Worten gewesen. Doch wo Worte verzagten, dort gab man Taten eine Stimme. Und Jiang Cheng's Stimme war wunderschön und behütend zu gleich.
Sun Yan wurde ganz warm ums Herz und als seine Augen langsam glasig wurden und eine erste Träne über seine Wange kullerte, verstand er nun Jiang Cheng's Botschaft und noch nie zuvor, wurde er von solch einem Glücksgefühl heimgesucht. Seine Hände begannen leicht zu zittern und seine Lippen bebten, als er voller Dankbarkeit und Anerkennung in den Augen, seinen Herren betrachtete. Er wusste nun, dass Jiang Cheng im verziehen hatte.
In Sun Yan's Augen entstand eine gewisse Wärme und Zufriedenheit, als er sich plötzlich ganz langsam über Jiang Cheng nach vorne lehnte.
Stück für Stück kam er ihm ein wenig näher, bis er schließlich mit seinen zarten Lippen Jiang Cheng´s Stirn berührte und ihn sanft küsste.
„Es tut mir Leid...und...vielen Dank!" Flüsterte Sun Yan einmal schwer und er verharrte noch einen langen Moment in dieser Position und schloss seine Augen, während Jiang Cheng´s angenehm, beruhigendes Atmen und sein vertrauter Körperduft die Luft erfüllte und er die stille Zweisamkeit noch eine Weile genoss.
