Chapter 18.10

Wei Wuxian riss seine Augen weit auf.
Das helle Sonnenlicht schien durch das große Fenster herein und erhellte den Raum. Er blinzelte ein paar Mal mit seinen schweren Augenliedern, als er sich vorsichtig im Raum umsah.

Sein Blick schweifte umher, während sich seine Stirn leicht in Falten legte. Er brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass er sich in der Gaststätte von Changnan befand.
Ein leises Seufzen verließ seine Lippen, als er sich beruhigt noch einmal auf den Rücken drehte und seine Augen wieder schloss.
Seine Lippen zuckten, er schluckte einmal schwer, als er müde und leise brummte:
„...Ach hier bin ich...Dann ist ja alles gut..."

Als er noch so vor sich hin murmelte und dabei seine Lippen wie ein Fisch ein paar Mal auf und zu machte, schnellten plötzlich seine Augen wieder auf.
Die wagen Erinnerungen der vergangenen Nacht schossen ihm plötzlich wieder durch die Gedanken.
Ruckartig drehte Wei Wuxian sich auf die Seite und stützte sich auf seinen linken Ellenbogen ab.
Sein Blick wanderte durch den Raum auf der Suche nach dem ganzen verdorbenen Pack der vergangenen Nacht.

Doch sein Blick schweifte nur durch einen leeren Raum.
Das Bett neben ihm war leer und auch auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes schien niemand mehr zu liegen.

Wei Wuxian strich sich mit seiner Hand einmal durch das Gesicht, als er plötzlich ein Klopfen an der Tür vernahm.

„Wei Ying?" Hörte er eine bekannte Stimme von der anderen Seite der Tür.
Es war Lan Wangji, welcher langsam die Tür aufschob und vorsichtig in den Raum blickte. Als er Wei Wuxian mit einem leicht irritierten Gesichtsausdruck in seinem Bett entdeckte schaute er ihn an und sagte mit ruhiger Stimme:
„Du bist wach! Guten Morgen!
Wir sind alle schon unten und wollten gemeinsam Frühstücken bevor wir wieder aufbrechen. Mach dich fertig und komm mit runter."

Über Wei Wuxian's Lippen flog ein morgendliches Lächeln.
„Guten Morgen, Lan Zhan. Wie spät ist es denn?" Sagte er mit leicht müder Stimme, während er einmal laut gähnte und sich streckte.

„Schon kurz vor Mittag." Sagte Lan Wangji.

Wei Wuxian streckte seine Hände weit über seinen Kopf und ein leises Knacken kam aus seiner Rückenregion.
„Kurz vor Mittag?" Fragte er entspannt.
„...Kurz vor Mittag...ich denke das ist eine Zeit wo ich dann so langsam mal aufstehen könnte."
Sagte er mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.

Doch noch während er sich reckte und streckte und einmal seinen Körper prüfend erfühlte, merkte er plötzlich einen stechenden Schmerz in seinem Nacken und seiner Hüfte.
Sofort legte sich eine nachdenkliche Falte zwischen seine Augen.
„...Die Treppe..." Nuschelte er leise zu sich selbst. Sein Blick schwenkte wieder herüber zu Lan Wangji, welcher noch immer in dem Türrahmen verweilte.
„Lan Zhan!" Sagte Wei Wuxian auffordernt.
„...Gestern Nacht...habe ich nicht geträumt oder...?"

Lan Wangji stutzte. Leicht überrumpelt über Wei Wuxian's direkte Frage gleich nach dem Aufstehen senkte er seinen Blick leicht schuldig zur Seite. Er räusperte sich verlegen, während er bestimmend sagte:
„Wir warten dann unten auf dich!"
Mit diesen Worten drehte sich Lan Wangji wieder um und wollte gerade den Raum wieder verlassen ,als Wei Wuxian erneut das Wort erhob:
„Lan Zhan...wenn ich gestern Nacht nicht geträumt habe...und das auf der Treppe echt war...dann heißt das...
das DAS in der Küche auch..."

Doch Wei Wuxian wurde mitten in seinem Satz von Lan Wangji unterbrochen, als dieser mit gesenktem Blick an den Türgriff fasste und hastig sagte:
„Steh jetzt auf! Wir warten auf dich!"
Lan Wangji verschwand auf den Flur und als er gerade die Tür fast schon wieder geschlossen hatte, warf er noch einen kurzen Blick zu Wei Wuxian herein, als er leise sagte:
„Und wenn wir unten sind...Dann benimm dich bitte...!"
Mit diesem Satz ging die Tür plötzlich zu und Wei Wuxian war wieder alleine in dem Raum.

Seine Augen weiteten sich, als er wie bestellt und nicht abgeholt von Lan Wangji wieder zurück gelassen wurde.
-Hat er ihn wirklich gerade mitten im Satz unterbrochen? Ihm gesagt er solle sich benehmen und hat dann einfach die Tür wieder zugemacht?-

Wei Wuxian's linke Augenbraue begann unruhig auf und ab zuzucken. Mit einem lauten Seufzer lies er sich schließlich wieder flach nach hinten in das Bett fallen. Seine dunklen, offenen Haare wehten durch den Windzug einmal nach oben, ehe sie sich sanft wieder auf das Bett fallen ließen.
Er streckte seine rechte Hand nach oben in die Luft, als er leise und mit einer leichten Schmollippe nuschelte:
„...Ich soll mich benehmen...hat er gesagt...was denkt er denn von mir? Als hätte ich mich jemals schlecht benommen wenn es drauf ankommt..."

Doch in dem Moment, als er den Satz auch schon ausgesprochen hatte legte sich sein Mund in viele kleine, krause Falten, als er sich selbst eingestehen musste sich plötzlich nicht mehr ganz so sicher zu sein, ob seine Worte auch tatsächlich der Wahrheit entsprachen.

„Ach was solls." Sagte Wei Wuxian laut, als er mit seinem Oberkörper wieder in die Aufrichtung geschossen kam und die Bettdecke zur Seite schlug.
„Alles keine Heiligen hier." Sagte er achselzuckend, während er aus dem Bett krabbelte und begann sich fertig zu machen.
„Und wenn man´s genau nimmt..." fuhr er im Selbstgespräch weiter fort.
„Ist unser HanGuang-Jun der Schlimmste von allen. Er kann es nur von uns allen hinter seiner Fassade am besten verstecken. Aber ich weiß es am besten, das seine Seele tief schwarz und verdorben ist. Haha"
Wei Wuxian begann vergnügt zu kichern, während er sich weiter anzog und nun gut gelaunt sich seine Haare zusammen band.

Er schritt bis zur Tür und als er seine Hand gerade um den Griff legte um sie zu öffnen, kicherte er erneut noch einmal zu sich selbst:
„...Lan Zhan...auch wenn es dein Bruder ist...aber als würde ich mich benehmen, jetzt da ich weiß, was Lan Xichen und Bao Tian hinter verschlossenen Türen so alles treiben..."
Begleitet von einem unheilvollen Kichern schnappte die Tür wieder in ihr Schloss und ein Paar zielstrebige Schritte, untermalt von einem schadenfrohen Summen auf den Lippen, hallte über den Flur.


Es war früh am Abend, die untergehende Sonne tauchte die umliegenden Bäume in ein warmes Licht. Ein paar Mücken tanzten auf der Wasseroberfläche wild hin und her, während die Lotusblüten müde ihre Köpfe schlossen.

Jiang Cheng saß an einem dunklen Holztisch in seinem Zimmer. Das große offene Fenster neben ihm lies den angenehmen frischen Abendwind herein und sein lilanes Haarband tanzte sei seicht in jedem Windzug, der herein kam.
Er trug eine bekümmerte Falte zwischen seinen Augen, seinen Blick angestrengt auf ein weißes Stück Papier geheftet, welches nach Aufmerksamkeit verlangend in seiner Hand thronte.

Es knisterten unruhig ein paar Kerzen auf und der Raum tauchte sich in ein dunkles Abendrot.
Schließlich seufzte Jiang Cheng laut auf. Er legte das Blatt Papier auf den Tisch und strich sich mit seiner rechten Hand kreisförmig über Schläfe und Stirn.

Er sah müde und besorgt aus und irgendetwas schien ihn zu beschäftigen. Er schüttelte den Kopf, versuchte zu erneuter Konzentration zurück zu finden, doch sein Kopf sank immer tiefer in seine flache Handinnenfläche.

Nachdem er abermals laut aufzeufzte schweifte sein Blick zur Seite.
Auf dem kleinen dunklen Tisch an dem er saß stand eine kleine blaue Trinkschale und daneben ein verzierter Krug.

Der feine, süßlich-saure Geruch von Alkohol verströmte sich in der Luft und Jiang Cheng´s Blick wurde kritisch und prüfend.
Nach einem kurzen Moment des Verharrens und Abwägens, fasste er schließlich an den Krug und begann die klare Flüssigkeit in die kleine Trinkschale zu gießen.

„Nur noch einen..." Nuschelte er beruhigend zu sich selbst.
Es plätscherte leise, als der Alkohol die Schale bis zum Rand füllte. Das feine Aroma zog sich in die Nase und machte den Geschmacksknospen schon einmal Lust auf mehr.

Jiang Cheng streckte den Kopf in seinen Nacken, als er begann die belebende Flüssigkeit hinunter zu stürzen.
Er atmete einmal tief ein, als er die leere Schale wieder absetzte.

Seitdem Vorfall im Berg von Changnan hatten er und Sun Yan kein Wort mehr miteinander gesprochen. Die Stimmung war angespannt, das weitere Vorgehen ungewiss.
Obwohl Jiang Cheng stets versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren und um jeden Preis seine Gefühle hinter einer starren Fassade zu verbergen, so schaffte er es aber nicht sein Herz gänzlich vor den Geschehnissen zu verschließen.

Immer und immer wieder musste er an Sun Yan's Gesicht denken. An seinen Ausdruck, seine Mimik und an seine grünen Augen, welche ihn so ehrlich, so direkt und stet´s so sehnsüchtig anfunkelten.
Und nicht zuletzt, an das entsetzliche Gefühl in seiner Brust, welches ihn an jenem Nachmittag übermannt hatte.
-Warum hatte er den Jungen nur geküsst? Warum hat er ihm ins Gedicht geschlagen?
Und nicht nur das. Nein, er musste ihn gleich zweimal küssen, zweimal ins Gesicht schlagen und ihn gegen einen Baum pressen, sich ihm annähern und sich körperlich aufzwingen.-

Nur bei dem bloßen Gedanken daran lief Jiang Cheng ein Schauer über den Rücken.
-Was hatte er sich nur dabei gedacht?-

Jiang Cheng füllte erneut seine Trinkschale mit dem wohltuenden Alkohol. Er hob die kleine Trinkschale an und starrte auf die bebende Oberfläche, der klaren Flüssigkeit.
„Verrückt musste ich gewesen sein..." Nuschelte er zu sich selbst, als er erneut den Kopf in den Nacken streckte und die brennende Flüssigkeit hinunter stürzte.

Der aromatische Alkohol lief in seiner Kehle hinunter und ein warmes Gefühl machte sich in seinem Magen breit. Er schüttelte fassungslos den Kopf, während die vergangenen Geschehnisse seine Erinnerungen erneut heimsuchten.

Dabei war das schlimmste Gefühl in seiner Brust gar nicht die Wut über seine Tat selbst, sondern dieser beängstigende Schmerz in seinem Herzen, dieses Gefühl welches er selbst nicht einordnen konnte und ihn überhaupt zu diesem Handeln erst getrieben hatte.

Jiang Cheng atmete einmal tief ein, als er erneut die kleine Trinkschale füllte. Der Alkohol begann allmählich seine Wirkung zu zeigen und er spürte seinen eigenen, kräftigen Herzzschlag, welcher das Blut durch seine Adern pumpte.
Mit jedem Schluck erschien ihm immer wieder Sun Yan's Gesicht vor seinem inneren Auge.

Plötzlich hob er ganz langsam seine linke Hand und streckte seinen Zeige- und Mittelfinger aus.
Etwas zaghaft und ganz vorsichtig berührte er plötzlich seine Lippen und strich ein wenig auf der zarten Haut hin und her.

Bum Bum Bum

Sein Herzschlag erhöhte sich, als er noch einmal das Gefühl von Sun Yan's zarten Lippen auf seinen spürte.

Jiang Cheng zuckte erschrocken zusammen, als er plötzlich erneut einen stechenden Schmerz in seinem Herzen bemerkte. Ruckartig zog er seine Finger wieder zurück. Es war wie ein beklemmendes Gefühl, welches in seiner Brust hinauf stieg und mit ihm erhöhte sich zeitgleich sein Puls. Ihm wurde warm in der Brust und eine leichte Röte stieg ihm in sein Gesicht.

„Was das...für ein Gefühl...in meiner Brust...Nein, ich will das nicht..." Nuschelte er atemlos zu sich selbst, während er mit seiner linken Hand auf seiner Brust krampfhaft in den Stoff seiner Robe krallte.
Jiang Cheng's Augen weiteten sich, als er erschrocken über sich selbst und fast in Panik nach dem gesamten Alkoholkrug griff, ihn an seine Lippen setzte und versuchte seine Unsicherheit hinfort zu trinken.

Er schluckte mehrfach schwer und bei seinem hastigen Hinunterstürzen verschluckte er sich. Er setzte den Trug ab, während er mehrfach hustete.
„VERDAMMT!" Rief er laut aus, während er aggressiv den Krug wieder auf seinen Tisch absetzte, sich mit seinem Ärmel an seinem Kinn entlang wischte und dann in Selbstzweifel seinen Kopf hängen lies.

-Warum nur verfolgten ihn diese Gedanken? Warum nur musste er in letzter Zeit immer wieder an Sun Yan denken? Warum nur fing sein Körper dabei an in Aufruhe zu geraten?
Und warum nur, konnte er die zarten Lippen des Jungen nicht mehr vergessen?-

Jiang Cheng spürte seinen aufgebrachten Herzschlag, während er seinen Kopf in seine Hände fallen lies und dann langsam sich nach vorne auf die Tischplatte sinken lies.
„...Ich bin nicht mehr ich selbst..." Nuschelte es hinter seinen Händen verzweifelt hervor.

Der leichte Abendwind wehte spielerisch durch sein langes dunkles Haar und brachte die Kerzen im Raum zum Aufflackern. Ein Paar Frösche quarkten derweil am Flussufer und kündigten den Frieden der nähernden Nacht an.


Sun Yan schritt ziellos über einen hölzernen Steg durch Lotus Pier. Dabei machte er immer mal wieder halt und sah hinunter in das Wasser, in dessen Oberfläche sich seine grünen Augen wiederspiegelten.

Er war nach dem Abendessen rastlos und wusste nicht wohin mit sich selbst, daher suchte er bei einem abendlichen Spaziergang seine innere Ruhe wieder.
Seine Wange schmerzte noch immer leicht und eine leichte Rötung der Haut war noch immer zu sehn. Es schien, als hätte sich sein Herz seit dem Vorfall am Nachmittag noch immer nicht wieder beruhigt. Seine Hände zitterten noch immer leicht vor Ekstase, wann immer er nur daran dachte und das Blut in seinen Adern schien zu brodeln.

In seinen Gedanken war zur Zeit nur Platz für Jiang Cheng und die eine Frage, welche sich ihm immer wieder aufdrängte und nach einer Antwort verlangte:
-Warum hat er mich geküsst? Wieso hat er das nur getan?-

Nur bei einer Sache war sich Sun Yan jedoch sicher:
-Jiang Cheng musste aus dem Effekt heraus gehandelt haben und schien sich seiner eigenen Emotionen nicht ganz bewusst gewesen zu sein. Warum sonst hätte er ihm zwei mal ins Gesicht geschlagen? Eine grobe aggressive Handlung voller Wut, während er zeitgleich ihn dann leidenschaftlich und zärtlich küsste?-

Sun Yan war in der leisen Hoffnung, dass Jiang Cheng genau wie er vollkommen durcheinander sein musste und auf der Suche nach Antworten war.
Er schüttelte den Kopf. Das viele Denken bereitete ihm Kopfschmerzen und er war mehr als müde und erschöpft.
Obwohl er kein Ziel während seines Spazierganges vor Augen hatte, schienen ihn seine Füße dennoch wie von einer Magie geleitet trotzdem in die Richtung von Jiang Cheng's Pavillon zu lenken.

Er blickte auf, als er auch schon erkannte, dass er auf der Veranda von Jiang Cheng's Pavillon stand.

Sun Yan hielt für einen Moment den Atem an, als er sich seinem eigenen unterbewussten Verlangen im klaren wurde. Er atmete einmal kurz auf, als sein Blick plötzlich auf einen Ritz in der große Tür fiel. Sie stand einen kleinen Spalt offen, genau so breit, dass man gerade so einen kurzen Blick in das Raum innere erhaschen konnte. Sun Yan blickte sich unsicher um und suchte mit seinen Augen nach den Wachen. Doch niemand war zu sehen. Als er sich in Sicherheit wähnte, lehnte er sich leicht nach vorne, platzierte seine Hände links und rechts neben den kleinen Spalt und lehnte sich vorsichtig nach vorne. Er schloss ein Auge und linste verbotener Weise durch den Spalt.

Er konnte in Jiang Cheng's Pavillon blicken, alles sah aus wie immer. Ein paar Kerzen flackerten in den Zimmerecken, ansonsten war es still und nichts war zu hören oder zu sehen.

Als er leicht seinen Winkel veränderte um seinen Blick weiter durch den Raum schweifen zu lassen, erblickte er schließlich Jiang Cheng.
Sun Yan's Herz machte eine Sprung, als er seinen Sect Leader an einem kleinen dunklen Holztisch sitzen sah.

Doch der Junge runzelte die Stirn. Er sah wie Jiang Cheng zusammengekauert mit seinem Gesicht auf dem Tisch lag. Seine Hände bedeckten seine Augen, er regte sich kein Stück. Auf dem Tisch stand ein geöffneter Krug Alkohol und eine kleine Trinkschale lag umgeworfen auf dem dunklen, kleinen Holztisch.

Sun Yan's Augen weiteten sich, als Panik in ihm ausbrach.
-Was ist geschehen?- Fragte er sich besorgt, als auch nur in dem Bruchteil einer Sekunde sein Körper zu Handeln begann.

„SECT LEADER!" Rief Sun Yan laut aus, als er mit beiden Händen in den Türspalt fasste und mit einem gewaltigen Ruck die Tür öffnete, bis es nur so Schepperte.
Er stolperte mit lauten Getöse in den Raum hinein.

Jiang Cheng, durch den enormen Lärm schreckte auf und riss sofort den Kopf nach oben und blickte entrüstet den panikverbreitenden Eindringling an.

Sun Yan, der sofort in seiner Bewegung einfor, als er Jiang Cheng´s schnelle Reaktion sah, stand plötzlich fassungslos in der weit geöffneten Tür und starrte mit offenem Mund in das erzürnte Gesicht seines Herren.

„Ich...ich..." begann er zu stottern. Sein Herz befand sich in aufgebrachter Erregung zwischen Panik und Erleichterung hin und hergerissen.
„Ich...dachte..." Stotterte erneut.
Plötzlich begannen seine Glieder zu zittern, als der erste Schock überwunden war. Er atmete tief ein, als Erleichterung sich in seinem Körper ausbreitete.

Doch Jiang Cheng stand plötzlich langsam auf, Sun Yan fest im Blick. Zwischen seinen stechenden Augen legte sich eine tiefe Zornesfalte.
„Du WAS...?" Sagte er mit tiefer und respekteinflößender Stimme.

In diesem Moment wurde Sun Yan erst bewusst was er getan hatte. Wie respektlos er sich verhalten hatte. Sich seiner eigenen Schuld bewusst rauschte ein Gefühl von unausweichlicher Peinlichkeit durch seinen Körper. Schlagartig senkte er seinen Blick und verneigte sich tief. Er ließ sich auf den Boden fallen, seine Knie schlugen auf die dunklen Holzdielen und er presste Hände und Gesicht unterwerfend auf den Fußboden.
„Verzeiht mir!" Sagte er schnell und hastig.
„Ich hatte euch nur gesehen und dachte...und dachte..."

Doch mitten in seiner Entschuldigung wurde er unterbrochen, als er plötzlich einen lauten Knall hörte, gefolgt von einem Klirren und Rappeln.

Sun Yan riss den Kopf nach oben, als er auch schon sah wie Jiang Cheng offensichtlich gestürzt war. Der Tisch lag umgestoßen auf der Seite, der ALkoholkrug zerscheppert auf dem Fußboden. Jiang Cheng stützte sich auf seinem linken Knie ab und rieb sich mit seiner rechten Hand über seine Stirn, wobei ein tiefes Brummen von ihm zu hören war.

Sun Yan's Augen weiteten sich, als er augenblicklich wieder aufsprang.
„Mein Herr, was ist passiert?" Fragte er schockiert, während er Jiang Cheng schon zur Hilfe eilte. Doch als er Jiang Cheng's Schulter gerade so mit seiner Hand berührte schlug Jiang Cheng ihn mit seinem Arm zurück.
Keifend zischte er von der Seite: „Es ist nichts passiert! Scher dich weg!"

Doch Sun Yan, so besorgt wie er war, lies sich nicht so einfach abschütteln.
„Es ist nichts passiert? Seht euch nur an? Was ist mit euch? Seid ihr krank? Soll ich einen Heiler holen?"
Sun Yan wurde leicht hektisch, seine vielen Fragen prasselten nervös auf Jiang Cheng ein.

Doch dieser schnallste nur mit seiner Zunge:
„Es ist nichts!
Ich habe nur...nur...etwas viel getrunken...!" Fügte er leise hinten dran.

„Getrunken?" Fragte Sun Yan mit einem hohen, fragenden Ton in seiner Stimme. Sein Blick fiel schließlich auf die kleine Trinkschale und den zerbrochenen Krug auf dem Fußboden.

Jiang Cheng linste zu Sun Yan herüber, als er etwas verlegen den Jungen mit einem kräftigen Ruck von sich wegstieß.
„Also los geh und mach schnell die Tür zu. Es reicht wenn dich jeder gehört hat, dann muss mich wenigstens nicht noch jeder sehn."
Jiang Cheng atmete einmal schwer ein, sein Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse verzog. Dabei rieb er sich erneut über seine Stirn und schloss für einen kurzen Moment die Augen.

Sun Yan blickte verwundert zu Jiang Cheng herüber, welcher offensichtlich durch sein ruckartiges Aufstehen mit leichtem Schwindel zu kämpfen hatte. Doch noch während er besorgt über seinen Herren noch einen Moment neben ihm verweilte, gab Jiang Cheng ihm schon erneut einen Ruck und sagte befehlend:
„Die Tür!"

Sun Yan zuckte zusammen, als er augenblicklich aufsprang
„Jawohl!" Sagte er hastig, während er schnell zur Tür herüber lief. Er linste noch einmal schnell hinaus um sich zu vergewissern, dass sie niemand gesehen hatte, dann schloss er schnell wieder die große Tür.

Nachdem die Tür wieder in ihr Schloss gefallen war wurde es plötzlich wieder still im Raum. Sun Yan drehte sich langsam um, lehnte mit dem Rücken an der Tür und senkte seinen Blick, wobei er immer wieder einen kurzen Blick zu Jiang Cheng herüber warf.

Dieser stand erneut auf. Dieses mal jedoch etwas langsamer.

Sun Yan drückte sich von der Tür ab und wollte sofort zur Hilfe eilen, doch Jiang Cheng hob seinen Blick und starrte Sun Yan gebieterisch an.
„Wag es dir, mir wie einem alten Mann auf zu helfen! So schlimm ist es nicht. Ich bin eben nur zu schnell aufgestanden!"

Die Spannung ging aus Sun Yan's Körper wieder zurück. Er atmete einmal kurz auf, als er dann seine Schultern wieder locker hängen lies.

Jiang Cheng zupfte etwas an seiner Robe, richtete sich wieder etwas her, strich einmal mit einer eleganten Handbewegung seine Haare aus der Stirn, als er dann langsam zu seinem Bett herüber ging.
Dabei sagte er ohne den Jungen anzusehen:
„Wenn du Helfen willst, dann beseitige hier das Chaos! Und bring mir ein Schluck Wasser!"

Sun Yan blickte zu Jiang Cheng herüber, welcher sich langsam auf die Kante seines Bettes setzte.

„Sehr wohl!" Sagte Sun Yan schnell und schon drückte er sich mit seinem Rücken von der Tür ab und begann die Scherben aufzusammeln und das Chaos zu beseitigen.

Erneut wurde es wieder beklemmend ruhig in dem Pavillon. Keiner von beiden sprach ein Wort und die peinliche, drückende Stille lag in der Luft.

Jiang Cheng schüttelte derweil mehrfach seinen Kopf, während er auf dem Bett saß. Seine Gedanken füllten sich mit allen möglichen Belangen und ließen ihn immer rastloser werden.
-Wie peinlich, dass er schon so viel getrunken hatte, dass Sun Yan gesehen hat wie er das Gleichgewicht verloren hatte.-
Dachte sich Jiang Cheng, als er einmal den Blick zu Sun Yan herüber schweifen lies.
Er fasste den Jungen in seine prüfenden Augen und beobachtete ihn aus der Ferne. Jede noch so kleinste Bewegung wurde von ihm aufgesaugt, wie ein wissensdurstiger Schwamm.

Sun Yan's Bewegungen waren fließend und präzise und Jiang Cheng erwischte sich selbst, wie er begann sich in diesem anmutigen Anblick zu verlieren.
Sun Yan's schlanken Finger, welche geschickt ihre Arbeit vollrichteten, sein langes samtiges Haar, welches spielerisch bei jeder Bewegung mitschwang, seine grünen Augen, welche mit einer stechenden Klarheit stets ihr Ziel verfolgten und sein anmutigendes, attraktives Gesicht, welches den Betrachter in seinen Bann zog.
Ja in der Tat, dieser junge Mann war eine Schönheit.

Bum Bum Bum

Erneut nahm Jiang Cheng seinen aufbrausenden Herzschlag war. Er zuckte am ganzen Körper zusammen und wendete rasch seinen Blick ab.
„Wasser...bitte Wasser!" Sagte er leicht nervös, während er bemerkte wie sich seine Kehle langsam zuschnürte. Sein Mund wurde trocken und Unbehagen machte sich in ihm breit.

Sun Yan blickte zu seinem Sect Leader auf. Er wischte noch einmal über den kleinen Tisch ehe er schnell wieder aufstand. Sein Blick fiel dabei auf eine Kommode nicht weit von ihm entfernt, auf welcher sich offensichtlich noch ein Wasserkrug mit einer Trinkschale befand.
„Ich werde schnell frisches Wasser holen!" Sagte Sun Yan, als er auch schon nach dem Krug greifen wollte um ihn mitzunehmen.

„Nein!" Sagte Jiang Cheng bestimmend.
„Das Wasser reicht. Es ist gut, bring es schnell her!"

Sun Yan nickte einwilligend, wenn ihm auch das Verhalten seines Sect Leader's etwas seltsam vorkam.
-Ob es wirklich nur am Alkohol lag das Jiang Cheng sich so seltsam benahm?- Sun Yan wurde selbst immer unsicherer.
-Vielleicht war er doch krank, fühlte sich nicht wohl aber mochte es nicht zugeben? Was wenn er ernsthaft krank war?-

Leicht besorgt füllte Sun Yan schließlich die kleine Trinkschale mit reinem Wasser. Es plätscherte leise.

„Schnell!" Sagte Jiang Cheng hastig, während er auch schon seine Hand Sun Yan entgegen streckte. Ihm war heiß geworden, sehr heiß und er hatte das Gefühl, dass jede weitere Minute, die die beiden gemeinsam in diesem Pavillon verbrachten dieses absolut irritierende Gefühl in seiner Brust nur noch verstärken würde.

Sun Yan hielt in seiner rechten Hand die kleine Trinkschale, während er auf Jiang Cheng zuging. Als sie genau vor einander standen streckte Sun Yan höflich die Hand aus und reichte seinem Sect Leader die Trinkschale herüber.

Doch als Jiang Cheng nach der Trinkschale griff, berührten sich ausversehen ihre Hände. Ruckartig hob Jiang Cheng seinen Blick an und es war dieser eine Moment in dem sich für einen kurzen Augenblick ihre Blick trafen.

Bum Bum Bum

Schlugen ihrer beider Herzen.

Zeitgleich zuckten sie beide zusammen und zogen ihre Hände zurück, als es auch schon geschah. Die Trinkschale glitt aus Sun Yan's schlanken Fingern und fiel herunter, direkt in Jiang Chengs Schoß und das Wasser bespritzte seine Robe.

Mit einem Klappern rollte die Trinkschale über den dunklen Holzfußboden, als Sun Yan mit aufgerissenen Augen auf das Unglück starrte, welches er angerichtet hatte und sofort begann er sich zu entschuldigen.
„Verzeiht!" Sagte er schnell.
„Ich hole sofort ein Tuch..." Etwas unbeholfen wirbelte der Junge umher, während Jiang Cheng scheinbar noch wie in einer Schockstarre sich kaum rührte.

Sun Yan griff in eine Kommode und holte ein weißen Handtuch heraus, während er auch schon zügig begann Jiang Cheng vorsichtig abzutupfen.
Der Junge schüttelte mehrfach den Kopf.
„Das wollte ich nicht. Verzeiht wie ungeschickt von mir."

Als jedoch seine Versuche die Robe trocken zu tupfen kläglich scheiterten und sein Gesicht eine immer bekümmerte Miene zog, wurde er langsam nervös.
„Nein, nein...das wird nichts. Es tut mir so leid...Ihr solltet euch umziehen. Ich helfe euch!" Sagte er schließlich entschlossen, eine vermeintlich gute Lösung gefunden zu haben.

Jiang Cheng saß noch immer wie erstarrt auf seiner Bettkannte, als bei dem Klang der Worte sich seine Augen weiteten. Er wusste gar nicht so schnell wie ihm geschah, als Sun Yan sich auch schon vor ihn hockte und begann den breiten Gürtel in seiner Taillie zu lösen.

Jiang Cheng hielt in seiner überrumpelten Schockstarre die Luft an und vergaß fast zu atmen, als er schließlich hastig sagte: „Nicht!"

Doch Sun Yan's Handgriffe waren so schnell und präzise, dass er auch schon in den Kragen griff und begann die Robe über Jiang Cheng's Schultern abzustreifen.
„Keine Sorge! Ich mache das schon!" Sagte Sun Yan schnell, der während seiner hektischen Handlungen gar nicht mehr aufnahmefähig war, was wirklich um ihn herum geschah.

Jiang Cheng war währenddessen erschrocken über sich selbst.
-Wieso lies er nur Sun Yan's Berührungen zu und stieß ihn nicht von sich weg? Er sollte ihn wegstoßen, sofort und dieses respektlose Verhalten sofort unterbinden.-
Doch stattdessen zog er nur die Luft angestrengt durch seine Nase. Dabei vernahm er plötzlich den lieblichen und milden Eigenduft von Sun Yan. Er atmete tief ein und es war, als würde das Aroma des Jungen durch seinen Körper strömen und jede einzelne Zelle fluten.

Jiang Cheng blickte auf, sein Blick auf den jungen Mann der vor ihm stand geheftet.
Die schlanken Finger berührten ihn überall, betatschten ihn, während sie ihn mit einer fast schon angenehmen Führsorge aus seinen Kleidern pellten.

Es war als würde Jiang Cheng's Körper an jeder Stelle wo er ihn berührte ganz warm werden. Ein kribbelndes Gefühl zog sich von seinen Zehenspitzen nach oben über seine Beine und weiter hinauf zu seiner Hüfte.
Jiang Cheng's starrer Blick begann Sun Yan's Körper zu mustern. Jeden Quadratzentimeter begann er mit höchster Sorgfalt zu betrachten. Als sein Blick sich auf das hübsche Gesicht des Jungen heftete, lehnte sich dieser plötzlich ein Stückchen näher heran um Jiang Cheng besser aus seinen Kleidern zu helfen.

„Verzeiht" Hauchte Sun Yan leise, der wie in einem Tunnel in seine Arbeit vertieft war.
Dabei kamen sich für einen Moment ihre Gesichter sehr nahe und Jiang Cheng's Blick fiel unweigerlich auf Sun Yan's schmalen, rosé farbenden Lippen.
Seine Atmung wurde plötzlich ungleich, sein Blick verlor sich und unaufhörlich begann sein Herz wieder schneller zu schlagen.

Sein Puls erhöhte sich immer mehr, während seine Erinnerungen ihm einen bösen Streich spielten und das Gefühl ihres Kusses wieder in ihm erwachte.
Und da war es wieder. Dieses beklemmende Gefühl, ein Stechen in der Brust, ein Verlangen von unstillbarer Gier und Sehnsucht, welches er bisher noch nicht kannte.

Als Sun Yan dann auch noch etwas näher auf seinen Knien heranrutschte, sich zwischen Jiang Cheng´s Schenkel schob und dann auch noch mit seiner Hüfte ausversehen an Jiang Cheng's Innenschenkel entlang striff, zuckte dieser am ganzen Körper zusammen.
Eine loderne Hitze stieg Jiang Cheng ins Gesicht und sein Körper reagierte mit Panik. Es war zu viel.

Doch gerade als Sun Yan in den Gürtel seiner untersten Robe griff um den Knoten zu lösen, streckte Jiang Cheng schützend seinen Arm nach vorne aus, stieß Sun Yan vor die Brust und sagte hektisch:
„Hör auf!"

Sun Yan, der unvorbereitet durch den Ruck nach hinten fiel zog allerdings somit an Jiang Chengs Gürtel und riss diesen mit sich.
Die weiße Unterrobe Jiang Cheng´s öffnete sich, während Sun Yan auf seinen Hintern fiel und sich nach hinten mit seinen Händen auf dem FußBoden abstützte.

Ihre Augen weiteten sich, die Münder vor Schock leicht geöffnet, als beide wie erstarrt auf die geöffnete Robe blickten.

Jiang Cheng's nackte, definierte Brust, eingerahmt von einem muskulärer Oberkörper kam zum Vorschein und linste unanständig unter dem Stoff hervor.
Doch was jedoch noch viel mehr Aufmerksamkeit auf sich zog und unausweichlich dem Betrachter ins Auge fiel, war eine große Beule in Jiang Cheng's Schritt, welche sich provokant unter seiner Hose abmalte.

Sofort zuckte Jiang Cheng zusammen, fasste in die Seite seiner Robe und bedeckte sich wieder mit dem Stoff. Peinlich berührt wendete er seinen Blick zur Seite und konnte es kaum verbergen, wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg.

Sun Yan saß derweil immer noch mit erschrockenem Gesicht vor seinem Sect Leader auf dem Fußboden, als er leise, fast schon wie in Trance stotterte:
„...Ihr...ihr seid...hart...!"

Nun wo die Worte auch noch ausgesprochen waren, kam erst die volle Scham zur Geltung und Jiang Cheng wurde feuerrot im Gesicht.
Hastig zischte er zur Verteidigung von der Seite:
„Es ist nicht das wonach es aussieht!...Der Alkohol...es liegt am Alkohol...
Eine ganz natürliche Reaktion, dass kann schonmal passieren...Bilde dir in deinem verrückten Kopf bloß nichts darauf ein! Das geht gleich wieder weg!"
Fast schon etwas hilflos legte Jiang Cheng seine Hand auf seinen Schritt, drehte den Körper etwas von Sun Yan weg und versuchte das Offensichtliche mit unsicheren Bewegungen zu verbergen.

Sun Yan, der wie in einem Traum gefangen war schluckte schwer, als er noch immer mit weit aufgerissenen Augen auf den Schritt seines Herren starrte.
Er sah seinen Sect Leader, in einer noch nie da gewesenen Situation.
...Sein schamhaftes Verhalten, die unsicheren Körpergesten.
...Seine in rot gehüllten Wangen, ein scheuer Blick, sein Körper schützend abgewendet zur Seite.

Jiang Cheng wirkte zum ersten Mal unsicher, zerbrechlich und nahezu liebreizend auf Sun Yan.

Eine noch nie dagewesener Anblick und er entfachte die unstillbare Sehnsucht in Sun Yan's Herzen. Es wäre so einfach, er müsste nur seine Hand ausstrecken, denn der Mann den er über alles liebte, war zum Greifen nahe.

Jiang Cheng, dem Sun Yan's verlangender Blick auffiehl und ihm nur noch mehr die Peinlichkeit durch die Glieder fahren lies, wedelte abweisend mit seiner Hand.
„Starr mich nicht so an. Ich brauche dich hier nicht mehr, du kannst gehen!" Sagte er die unangenehme Situation unterbindend.

Doch Sun Yan bekam langsam ein Funkeln in seinen grünen Augen, gefolgt von einem bohrenden Blick, welcher so eindringlich war, als könnte er jede noch so kleine Lüge aus ihrem gesponnen Netz enttarnen.

Sun Yan's Herz begann langsam schneller zu schlagen, sein Puls stieg an und sein Blut in den Adern kam in Wallungen. Erneut schluckte er schwer, befeuchtete mit seiner Zunge seine schmalen Lippen, als er langsam aufstand.
„...Der Alkohol...gewiss. Sicher es wird der Alkohol sein...nur der Alkohol..." Sagte er leise, während er Jiang Cheng nicht aus den Augen lies. Seine Finger begannen zu kribbeln, als er sich auf Jiang Cheng's vorgegebene Richtung des Gespräches einlies.
„Natürlich ist es der Alkohol! Mir ist bewusst, dass es rein gar nichts mit meiner Anwesenheit zu tun hat. Wie könnte es nur!"
Sun Yan's Stimme wurde plötzlich ganz ruhig und verständnissvoll, mit jedoch einem leicht höheren Klang als sonst.

Jiang Cheng blickte skeptisch zur Seite, als Sun Yan sich in voller Größe vor ihm wieder aufgerichtet hatte. Dieser hatte noch immer den Gürtel von seiner Unterrobe in der Hand und machte keinerlei anstalten den Pavillon verlassen zu wollen, sondern stand stattdessen schweigend vor ihm und blickte ihn an.

Jiang Cheng erwiederte schließlich mit vorsicht den Blick und sagte:
„Gut..wenn du es verstehst...dann kannst du jetzt ja gehen!"

Sun Yan zog eine Augenbraue nach oben.
„Gehen?" Fragte er mit hohem Ton, bevor er gleich danach ein freundliches und zuvorkommendes Lächeln auf seine Lippen legte.
„Aber mein Herr, ihr seid mein Sect Leader, ich bin euch stet's zu diensten. Ich bin nur für euch hier, um euch jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, um euch stet's zu helfen. Wie kann ich in solch einer misslichen Lage einfach gehen? Ich sehe doch, dass es euch nicht gut geht, ihr euch quält..."

Jiang Cheng's Augen weiteten sich, als er leicht schockiert in Sun Yan's Gesicht blickte.
„Was redest du da? Mich quälen?" Fragte er leicht atemlos und fast schon fassungslos zugleich.

„Aber sicher!" Sagte Sun Yan verständnissvoll mit einem tückischen Lächeln auf den Lippen.
„Ich weiß wie es euch geht. Der ganze Stress Tag ein und Tag aus, der immense Druck der auf euren Schultern lastet. Ich sehe es euch doch an. Der Yunmeng Clan ist unter eurer Führung zu seiner wahren Größe herangewachsen, dies ist eine große Belastung für Körper und Geist, was man nicht aus den Augen verlieren darf.
Ich kann es wirklich verstehen, dass ihr ab und an mal eine Auszeit braucht, euch dem Alkohol hingebt und mal einmal kurz eure Sorgen und Nöte vergessen möchtet, ehrlich."
Sun Yan machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne und näherte sich langsam Jiang Cheng wieder an. Dabei neigte er seinen Oberkörper leicht nach vorne und sagte mit gesenkter Stimme:
„Ihr müsst müde sein von der vielen Arbeit, ausgelaugt bis zum letzten Tropfen. Es ist sicher nicht immer ganz einfach. Ihr braucht mal eine Pause, ein Ventil, wo ihr euren aufgestauten Druck freilassen könnt. Es ist wichtig, auch mal an sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse zu denken."
Sun Yan schnaufte leise durch seine Nase.
„Und wenn sich ein Verlangen erst einmal aufgestaut hat, gerade wenn es ein ganz natürliches ist, dann ist es vollkommen inordnung dem Drang nachzugeben. Das müssen wir alle von Zeit zu Zeit tun."

Jiang Cheng lehnte sich mit seinem Oberkörper weiter nach hinten um wieder etwas mehr Abstand zwischen die beiden zu bringen. Dabei stützte er sich mit seiner rechten Hand nach hinten auf dem Bett ab, während er seine linke Hand leicht schützend vor sich hielt.
„Was redest du da für einen Unfug?" Zischte Jiang Cheng scharf.

„Unfug?" Fragte Sun Yan mit einem künstlichen Lächeln auf den Lippen.
„Aber nein, ganz im Gegenteil mein Herr. Wie könnte so etwas Wichtiges nur Unfug sein?"
Sun Yan erhöhte den Druck und lehnte sich noch weiter zu Jiang Cheng herunter. Dabei flüsterte er leise mit tiefer Stimme:
„Dann sagt mir mein Sect Leader, wie lange ist es her, dass ihr das letzte Mal eine Nacht mit einer Frau verbracht habt? Es ist wichtig für euren Körper ihn auch in dieser Richtung zu befriedigen. Denn ansonsten...passiert so etwas, wie heute Abend. Und das wollen wir doch nicht, stimmt´s?"

Jiang Cheng's Augen weiteten sich und ein kurzer Schauer lief über seinen Rücken.
Er hörte Sun Yans geflüsterten Worte in seinem Ohr nachhallen, sein Atem kitzelte nahezu, er roch den lieblichen Körperduft des Jungen und spürte die Wärme die von seinem Körper ausging.
Jiang Cheng's Herzschlag regte sich wieder, sein Puls schnellte in die Höhe.
-Warum nur machte Sun Yan's Nähe ihn so nervös?
-Und warum nur wurde seine Errektion mit jedem Wort Sun Yan´s eher immer stärker, anstatt das sie langsam wieder zurück ging?-

Sun Yan, der zur Seite linste, bemerkte Jiang Cheng's Unbehagen und schloss für einen kurzen Moment seine Augen. Er schluckte einmal schwer, bevor er noch einmal seine Lippen mit seiner feuchten Zunge befeuchtete.
Leicht nervös, leicht zittrig, doch mit einer fast schon spielerischen Leichtigkeit hauchte er schließlich:
„Es ist inordnung mein Herr, vielleicht kann ich euch ja helfen?"

Jiang Cheng zuckte zusammen.
„Mir helfen?" Fragte er schockiert und leicht zornig zugleich.

Doch Sun Yan lies nicht locker. Obwohl sein Herz aufgeregt wie ein junger Vogel in seiner Brust flatterte, seine Stimme sich vor Aufregung fast überschlug, fasste er all seinen Mut zusammen und gab der Versuchung, welche sich ihm so unanständig aufdrängte erneut nach.
Er streckte langsam seine Hand heraus und berührte Jiang Cheng's Schulter. Er lehnte sich weiter nach vorne und als sein Mund ganz nah an Jiang Cheng's Ohr war flüsterte er:
„Wir können sagen es war eine Notsituation, eine einmalige Sache.
Oder vielleicht war es auch einfach nur der Alkohol, der einem zu Kopfe gestiegen war, wenn euch das lieber ist...
Lasst mich euch helfen, euren Körper wieder zur Vernunft zu bringen..."

Jiang Cheng's Herz setzte für einen Schlag aus.
Sun Yan war ihm so nahe, dass er seinen Atem an seinem Ohr spüren konnte.
Die Nervosität erreichte ihren Höhepunkt.
„Treib es nicht zu weit! Lass mich los!" Sagte Jiang Cheng zornig, als er mit seinem Arm Sun Yan's Hand von seiner Schulter schlug.

Doch noch im selben Moment packte Sun Yan zu und ergriff Jiang Cheng am Handgelenk und hielt ihn fest.
„Warum weist ihr mich immer und immer wieder so wehement ab, wenn es doch in diesem Moment genau das ist, was ihr braucht und auch wollt, habe ich nicht recht?"

Jiang Cheng wurde langsam unkontrolliert. Alle möglichen Emotionen fluteten seinen Körper und machten ihn Wahnsinnig. Er wusste nicht mehr was er fühlte, was er wollte und wohin mit diesen Emotionen. Der Alkohol vernebelte seine Sinne und sein sonst so kühner und wacher Geist war wie verschleiert. Ein körperliches Verlangen drängte sich immer mehr in den Vordergrung und dieses brennende Gefühl in seiner Brust wurde immer stärker.

„Vertraut mir...nur dieses eine Mal." Sagte Sun Yan ruhig, als er Jiang Cheng's Handgelek langsam wieder los lies.

Jiang Cheng saß wie versteinert auf seiner Bettkante. Er konnte seinen Blick nicht abwenden und in seinen großen Augen spiegelte sich Ungewissheit, Scheu und ein wenig Angst wieder.

Sun Yan, der noch immer den Gürtel in seiner linken Hand festhielt, streckte schließlich seine Hände nach vorne aus.

Jiang Cheng wich leicht nach hinten aus.
„Was?" Fragte er unsicher.

„Vertraut mir!"'Sagte Sun Yan ruhig, während er mit leicht zittrigen Händen den Gürtel um Jiang Cheng's Kopf legte um ihm die Augen zu verbinden.

„Nein...nicht!" Sagte Jiang Cheng angespannt.

„Schon gut! Es tut nicht weh!" Flüsterte Sun Yan beruhigend.
„Stellt euch einfach vor, es sei eine junge Schönheit, welche euch berührt."

Jiang Cheng's Mund zog sich kraus und vor Anspannung vergaß er zu atmen.
Doch der helle Gürtel legte sich schon sanft vor seine Augen, sein Sichtfeld wurde schließlich dunkel und er spürte den Knoten der an seinem Hinterkopf gebunden wurde.
Sein Mund öffnete sich leicht und sein leises, aufgeregtes Schnappen nach Luft war zu hören.
„...Sun Yan..." Sagte Jiang Cheng noch einmal hastig, fast schon ein wenig flehend.
Doch schon spürte er wie sich ein schmaler Finger versiegelnd auf seine Lippen legte.

„...Psssssst..."
Vernahm er eine sanfte Stimmt.

Jetzt wo Jiang Cheng seinem Sehsinn beraubt wurde, wurden die anderen Sinne geschärft.
Er hörte jeden leisen Atemzug, jedes noch so leise Knacken und Rascheln.
Er konnte noch intensiver Sun Yan's sanften Körperduft riechen und er spürte, je schlimmer denn je, seinen wilden Herzschlag in seiner Brust, seine zittrigen Finger die vor Nervosität nicht still stehen wollten und einen dicken Kloß in seinem Hals, welcher ihm die Kehle zuschnürte.

Sun Yan betrachtete noch einen Moment Jiang Cheng, welcher tatsächlich schweigend, mit verbundenen Augen vor ihm saß und keinerlei anstalten mehr machte sich zu wehren. Nach einem Moment des kurzen Verweilens, gab es schließlich kein Halten mehr für den Jungen. Wie damals schon in der Cloud Recesses setzte sein Verstand aus und sein Körper übernahm die Kontrolle.
Langsam lies er sich auf die Knie fallen und berührte dann mit beiden Händen Jiang Cheng's Knie.

Jiang Cheng zuckte zusammen, als er die erste Berührung spürte. Es war wie ein Hammerschlag der seinen Körper zum Beben brachte.

Vorsichtig führte Sun Yan seine Handinnenfläche auf die Innenseite von Jiang Cheng's Knie bis er schließlich begann langsam die Beine auseinander zu spreitzen.
Er beobachtete ganz genau jede von Jiang Cheng's Bewegungen und tastete sich vorsichig weiter voran.
Er griff mit seinen Händen in die offene Robe und strich den Stoff zu den Seiten, sodass er einen freien Blick auf Jiang Cheng's Hosenbund werfen konnte.
Die offensichtliche Beule stand nun noch deutlicher hervor und nur schon bei dem reinen Anblick, welcher die Fantasie anregte, schoss ein heißes Kribbeln durch seinen Körper.
Sun Yan atmete einmal tief ein, als er schließlich seine Hände ausstreckte und begann die Hose zu öffnen.

Jiang Cheng bebte innerlich und seine Atmung wurde unruhig und rau. Seine langen Finger krallten sich tief in die Bettdecke.

Sun Yan's Blick fiel auf Jiang Cheng's Hände und er wartete erst noch einen kurzen Moment um nichts zu überstürzen, doch dann begann er langsam Stück für Stück die Hose zu öffnen.

Jiang Cheng spürte einen kalten Windzug auf seiner nackten Haut, als Sun Yan langsam die Hose ein Stück von seinen Hüften striff.
Eine feine Gänsehaut legte sich über seine nackte Haut.

Die Kerzen flackerten im Raum knisternd auf, die Sonne war schon untergegangen und vor dem Fenster stand die pechschwarze Dunkelheit der Nacht.

Sun Yan starrte mit einem wachen Blick auf Jiang Cheng's Schritt, als er den steifen Penis schließlich freilegte.
Er rutschte ein Stück näher zwischen Jiang Cheng's Beine heran und strich sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Ganz langsam streckte er seine Hand aus und berührte dann sanft Jiang Cheng's steifes Glied.
Seine Finger waren leicht kalt und so zuckte Jiang Cheng zunächst zusammen.

Sun Yan blicke nach oben und sah seinen Herren an. Jiang Cheng's Lippen waren leicht geöffnet, seine Brust hob sich durch seine nervöse Atmung auf und ab.
Seine verbundenen Augen gaben nicht viel von seinem Gesichtsausdruck preis, aber sein Körper zeigte deutlich, in welcher Anspannung er sich befinden musste.

Sun Yan schloss seine Augen, als er sich mit seinem Kopf langsam näherte. Seine schmalen Lippen öffneten sich und er tauchte zwischen Jiang Cheng's Schenkeln ab.

„...Ah...!" Quiekte Jiang Cheng einmal leise auf, als sein steifer Penis in einer feuchten, warmen Mundhöhle abtauchte. Das Gefühl war intensiv, sehr intensiv und für einen kurzen Moment hätte er am liebsten die Augenbinde sofort wieder herunter gerissen, denn die Dunkelheit sorgte für Unsicherheit.

Doch dieses Gefühl wurde schnell vergessen, als Sun Yan begann seine Zunge auszustrecken und rhythmische Kreise über die pralle Eichel zuziehen.

„..Ah..." Kam erneut ein leiser Stöhner über Jiang Cheng's schmale Lippen.

Sun Yan, für den die zarten Geräusche seines Herren wie Musik in seinen Ohren war und seine Leidenschaft nur noch weiter anfeuerte, legte seine Lippen geschlossen um die Spitze und begann dann, das ganze Glied so weit in seinen Mund gleiten zu lassen wie er konnte.

Erneut zuckte Jiang Cheng zusammen und seine Finger, die tief in die Bettdecke gekrallt waren, hoben sich leicht an.
Das Gefühl, welches von seiner Hüfte ausgehend durch seinen Körper schoss war intensiv und sein Körper geriet weiter in Ekstase.
Seine Gedanken waren wie vernebelt und nur schwer konnte er bei dem Akt an das Gesicht einer attraktive Frau denken.

Als Sun Yan schließlich begann seinen Kopf schneller auf und ab zubewegen, zeitgleich mit seiner rechten Hand den unteren Schaft des Gliedes zu stimulieren begann und dabei auch noch die Luft des Raumes von feuchten Geräuschen erfüllt wurde, streckte Jiang Cheng fast schon hilfesuchend seine linke Hand nach vorne aus.
Dabei berührte er Sun Yan im Gesicht, strich zittrig über das samtige Haar und ertastete dann drei deutlich fühlbare Kratzspuren.

Jiang Cheng zog ruckartig seine Hand zurück, als er erkannte, was er da gerade gefühlt hatte. Sofort erschien Sun Yan's Gesicht vor seinem inneren Auge. Seine Fantasie spielte verrückt, seine Gedanken wurden von Erinnerungen geflutet. Er sah die funkelnden grünen Augen des Jungen, welche ihm schon immer voller Bewunderung auf Schritt und Tritt gefolgt waren, er sah die vielen Jahre welche sie Seite an Seite miteinander verbracht hatten.
Er erinnerte sich erneut an ihren Kuss im Wald, an das zarte Gefühl dieser Vereinigung.
Und nicht zuletzt, kehrten die Erinnerungen aus vergangenen Tagen vor seinem inneren Auge zurück, als Sun Yan sich in der Cloud Recesses an ihm vergangen hatte und als er als Resultat, den Jungen im Gesicht und am Oberschenkel verletzt hatte.

Jiang Cheng's Herz schrie auf.

Bum Bum Bum

Es war nicht mehr zu stoppen. Sein Blut pumpte sich wie ihm Rausch durch seinen Körper, seine Haut begann überall zu kribbeln und ein Gefühl voller Sehnsüchte, so stark wie noch nie zuvor, erschütterte ihn schwer.
Jiang Cheng geriet in Panik. Panik vor sich selbst, es war zu viel, er musste aus dieser Situation heraus. Er wusste sich selbst nicht mehr zu helfen. Er erkannte sich selbst nicht mehr wieder.
Plötzlich streckte er den Arm weit aus und stieß Sun Yan von sich weg.
Aufhören!" Sagte er mit atemloser und nervöser Stimme.

Sun Yan erschrak und fiel vollkommen überrumpelt durch den Stoß nach hinten. Seine Augen weiteten sich, als er nach oben zu Jiang Cheng blickte.
Dieser stand plötzlich ruckartig auf und riss sich die Augenbinde herunter. Er trug einen gequälten Gesichtsausdruck, die Wangen getaucht in ein zartes rosé, als er den Kopf hin und herschüttelte und seine rechte Hand auf sein Herz legte.

„Stop, stop..." Sagte er hastig, fast wie im Monolog.
„Es ist...
abscheulich...
Dieses Gefühl...
Es fühlt sich widerlich an!"

Sun Yan's Augen weiteten sich ins unermäßliche, als ein gleißender Schmerz sein Herz durchbohrte.

Jiang Cheng begann sich hastig wieder mit seinen Kleidern zu bedecken, als er laut sagte:
„Geh! Sofort!"
Dabei zeigte er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die große Tür.

Sun Yan, der noch immer sprachlos am Boden kauerte, erschütterten Jiang Cheng's Worte wie ein Erdbeben. Sein Körper befand sich so unter Schock, dass er unfähig war etwas zu erwidern.

Doch Jiang Cheng, außer sich vor Wut polterte erneut los:
„Hast du mich nicht verstanden? Du sollst gehen! SOFORT!"

Es war wie der Einschlag eines Blitzes. Sun Yan's Köper bewegte sich fast wie von alleine. Er wollte hier weg, nur noch weg.
Er stand hastig auf und lief zur Tür. Als er den Türgriff schon in der Hand hatte, wollte er sich noch einmal umdrehen, doch erneut vernahm er eine forsche Stimme:
„VERSCHWINDE!"

Sun Yan öffnete die Tür und lief nach draußen so schnell er konnte. Der kalte Abendwind wehte um seine Nase, der frische Duft des Wasser´s hing in der unheilvollen Nacht.
Nachdem er ein paar Meter kopflos losgerannt war und schließlich außer Sichtweite war, blieb er plötzlich stehen.
Es war als wäre jegliche Kraft aus seinen Gliedern geflossen. Er stützte sich mit seiner rechten Hand an einer Hauswand ab, dann richtete er den Blick nach oben in den rabenschwarzen Nachthimmel und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.

Seine grünen, strahlenden Augen verloren ihr bezauberndes Funkeln, als sie langsam glasig wurden.
In seinem Kopf hörte er noch immer Jiang Cheng's Stimme nachhallen:
„Es ist...
abscheulich...
Dieses Gefühl...
Es fühlt sich widerlich an!"

Sun Yan schloss seine Augen, Tränen begannen über seine blassen Wangen zu kullern, als er langsam mit dem Rücken an der Hauswand herunter rutschte.
„...Was habe ich nur erneut getan... ?" Flüsterte er zu sich selbst mit gebrochener Stimme.

Er lies sein Gesicht in seine Hände fallen und kauerte sich an der Hauswand zusammen.
Sein Herz schrie, sein Körper zitterte und die Gewissensbisse zerfraßen seine Seele.
-Warum nur...tut es so weh, euch zu lieben?-


Jiang Cheng lief in seinem Zimmer aufgeregt auf und ab.
„Verdammt." Fluchte er, als er mit seinem Fuß gegen den kleinen Tisch trat.
„Was habe ich nur getan? Auf was habe ich mich nur eingelassen? Ich musste verrückt gewesen sein!" Verfiel er im Selbstgespräch, als er versuchte irgendwie dieses aufbrausende Gefühl wieder los zu werden.

Schließlich lies er sich wieder auf sein Bett nieder. Er stützte seine Ellenbogen auf seinen Oberschenkeln ab und fuhr sich mit seinen Händen durch seine Haare.
„Scheiße, so eine Scheiße. FUCK!" Fluchte er mal laut und mal leise.

Nachdem er ein paar Mal tief eingeatmet hatte, strich er sich seine Haare aus dem Gesicht und blickte zwischen seinen gespreitzten Oberschenkel hindurch auf den dunklen Fußboden.
„Was ist das nur für ein Gefühl in meiner Brust?...Ich bin nicht mehr ich selbst Ich verliere mich!"
Begann er leise zu nuscheln, während er seinen Kopf verneinend hin und her schüttelte.

Leise begann er seine eigenen Worte noch einmal zu widerholen:
„Es ist...
abscheulich...
Dieses Gefühl...!"

Jiang Cheng wartete einen Moment, doch dann schloss er schließlich akzeptierend seine Augen. Als er in sich zusammensackte und leise wimmerte:
„Wenn das Liebe ist..
Dann fühlt es sich widerlich an!"