Chaptet 18.12

Der alte Holztisch knackte laut, mit jedem Hieb mit dem Zhuang Xi seine Hüfte kraftvoll nach vorne stieß.
Er stöhnte laut auf, seine raue Stimme nicht verbergend.

„Ist es gut? Wie fühlt er sich an?" Fragte der Mann auf der rechten Seite sichtlich erregt, welcher Sun Yan unerbittlich an seiner Position festhielt.

Zhuang Xi schnaufte laut auf, als er mit seiner linken Hand sich die feuchten Haare aus dem verschwitzten Gesicht striff.
„Es fühlt sich gut an. Er ist schön eng, wie eine Jungfrau."

Die Männer grinsten und lachten dreckig, während sie sich in Geduld wiegten, dass sie als nächstes am Zug wären.

Sun Yan's trüben und leblosen Augen blickten zur Seite gegen die Außenwand des Schuppens. Die Tränen hatten aufgehört zu fließen und sein anhaltendes Gewimmer wurde immer leiser.
Sein gesamter Körper schmerzte wie tausend Nadelstiche. Seine Hüftknochen waren vollkommen wund und wurden mit jedem Hieb immer wieder gegen die harte Tischkante gestemmt. Ein wenig rotes Blut lief an seinen Innenschenkeln hinunter, seine zarten Handgelenke waren mittlerweile blau-rot angelaufen und es waren deutliche Fingerabdrücke zu erkennen.
Sein schlanker Hals wies blaue Würgemale auf und seine Beine und Hände waren unaufhörlich am zittern.

Zhuang Xi streckte seine linke Hand nach vorne und griff in Sun Yan's dunkles Haar. Dabei lehnte er sich nach vorne, sackte mit seinem Oberkörper auf Sun Yan's Rücken herunter und vergrub seine Nase tief in das lange, schwarze Haar.
Er atmete einmal tief ein und sog den Duft des Jungen weit in seine Lungen.

Ein erregtes Lächeln flog über seine Lippen, als er einen einzelnen, feuchten Kuss in Sun Yan's Nacken platzierte.
Schnaufend hauchte er:
„Mein kleiner, hübscher Sun Yan. Ich kann es förmlich riechen. Der süße Duft von Angst und Verzweiflung. Eine bittersüße Verführung. Du kannst dir nicht ausmalen wie gut es sich anfühlt. Wie lange ich darauf gewartet habe. Dieses Gefühl der Macht, ist unbeschreiblich..."

Sun Yan's Körper zuckte angewidert zusammen. Der Ekel der seinen Körper überfiel war nicht in Worten zu beschreiben.

Zhuang Xi begann schließlich sein Tempo zu erhöhen und an seiner rauen Atmung war zu erkennen, dass er dabei war zu einem Ende zu kommen.

Sun Yan schloss seine Augen, sein Gesicht schmerzhaft erfüllt, während er die Sekunden zählte bis es endlich vorbei war.
Der Holztisch knackte im Takt.

„Ahhh...!" Stöhnte Zhuang Xi schließlich laut auf, während er ein letztes Mal seine Hüfte so weit nach vorne stieß, bis der Tisch ein Stück nach vorne rückte.

Sun Yan rang nach Luft. Sein Körper bebte und der stechende Schmerz der überall an seinem Körper präsent war raubte ihm fast den Verstand.

Langsam zog Zhuang Xi sein steifes Glied wieder heraus. Ein feuchtes Geräusch war zu hören, als ein wenig helles Sperma auf den Fußboden tropfte.

Sun Yan spürte wie die zähflüssige, milchige Substanz an seinen Innenschenkeln hinunter lief.
Er fühlte sich wie kurz vorm Übergeben.

Zhuang Xi schnaufte noch einmal sichtlich zufrieden auf, als er begann sich seine Hose wieder anzuziehen. Als er damit fertig war und sich dich Haare noch einmal aus dem Gesicht strich, blickte er auf Sun Yan, dessen blanker Hintern noch immer unbedeckt auf dem Tisch thronte.

Zhuang Xi streckte noch einmal seine linke Hand nach dem Jungen aus, als er fast schon zärtlich mit seiner rauen Hand einmal über Sun Yan's nackten Hintern strich.
„Ah, beinahe hätte ich es vergessen. Jetzt, wo du so still zuhören kannst, habe ich noch ein Geheimnis für dich...
Dreht ihn um!" Sagte er scharf zu seinen Männern.

Die zwei Männer packten Sun Yan sofort an den Gliedmaßen und drehten den Jungen grob auf seinen Rücken. Sun Yan musste in dieser neuen Pose nun direkt in Zhuang Xi's widerlich befriedigtes Gesicht blicken, als dieser ihn an den Beiden packte und diese weit auseinander spreitzte.
Er schob sich mit seiner Hüfte aggressiv einen Weg zwischen Sun Yan's zittrigen Schenkel, als er sich mit seinen Händen neben dem Jungen auf der Tischplatte abstützte. Langsam senkte er seinen Oberkörper.
Er fasste an Sun Yan's Kinn und sorgte dafür, dass die beiden einen direkten, unausweichlichen Blickkontakt hatten.

Zhuang Xi sah in zwei leblose Augen, welche ihn glanzlos anblickten.
Sein linker Mundwinkel bog sich amüsiert nach oben.
„In der Tat, so mag ich deine grünen Augen am liebsten..." Sagte er noch triumphierend. Er machte eine kurze Pause und genoss den Anblick, ehe er fortfuhr:
„Du erinnerst dich sicher an die offene Night-Hunt im Berg von Changnan? An den wild gewordenen Wasserdrachen...und sein verunreinigtes Nest in der Höhle?
Kannst du vielleicht erahnen welche Banditen es waren...?
Und kannst du vielleicht erahnen, wer ihr Meister war...?"

Sun Yan's dunkle Pupillen weiteten sich.

„Richtig!" Sagte Zhuang Xi mit tiefer Stimme.
„Das war mein Werk!
Ich hoffe, der Wasserdrache hat euch ein wenig unterhalten? Genauso wie ich größte Unterhaltung am Rauben, plündern und Morden hatte. Der arme kleine Tai Yan Clan. Hatte er doch die meisten Opfer in Changnan zu beklagen. Und dann waren sie auch noch zu schwach das Problem alleine zu lösen und riefen glatt eine offene Night-Hunt aus. Haha!" Lachte er dreckig, während er in Erinnerungen schwelgte.
„Zu dumm nur, dass die meisten meiner Leute für nichts zu gebrauchen waren und der Wasserdrache sie schneller umgelegt hatte als eine Fliege sich auf Scheiße setzen kann.
Aber was solls. Die Schwachen werden eben von der Starken ausradiert, so ist das Gesetz der Natur, nicht wahr?"

Zhuang Xi lachte hämisch, als er ruckartig seine Hand wieder von Sun Yan's Kinn entfernte. Er richtete sich wieder auf und blickte hinunter zu dem Jungen, direkt in seine Augen, als er mit düsterer Stimme sagte:
„Ich bin fertig mit ihm! Jetzt könnt ihr!"

Sun Yan's Augen weiteten sich ins unermäßliche. Ein letzter Lebenswille schoss in seine Glieder und er begann zu Strampeln und sich zu wehren.
„Hmmmm...hmmmm...hmmmm" Schrie er unter dem Knebel und schüttelte heftig verneinend den Kopf. Doch seine bittenden und bettelnden Augen erreichten keine Gnade von Zhuang Xi und so blickte er Sun Yan nur mit einem dominierenden Blick an.
„Ich warte draußen und wenn ihr fertig seid, schmeißt ihn auf die Straße. Wenn er dann nicht mehr laufen kann, schafft er es ja vielleicht noch nach Hause zu kriechen. Heißt, wenn er es dann noch wagen kann sich überhaupt in Yunmeng wieder blicken zu lassen."
Zhuang Xi lachte verräterisch, während die zwei Männer sich widerlich ihre trockenen Lippen leckten und die Großzügigkeit ihres Meisters zu schätzen wussten.

Zhuang Xi drehte sich um und überlies Sun Yan seinem weiteren Schicksal.
Als er seine Hand nach dem Türgiff ausstreckte und diese mit einem starken Ruck öffnete drehte er sich noch einmal um. Er blickte zu Sun Yan herüber und sagte mit rachsüchtiger Stimme:
„Hattest du es gehört, Sun Yan?

Das Knacken?

Es war laut, nicht wahr?"

Es war das letzte Mal, dass Sun Yan Zhuang Xi's stechenden Augen vor Missgunst funkeln sah und sein widerliches Lächeln auf den Lippen, wessen Anblick sich tief in Sun Yan's Seele eingebrannt hatte.


Es war spät in der Nacht und dier helle Mondschein schien über das Land, als Xiao Ming aus der Taverne kam. Sie war müde und vollkommen erschöpft und sehnte sich nur nach ihrem Bett. Es war bitterkalt draußen, feiner Frost lag über der Erde und so schmiss sie die große Kaputze ihres Mantels über ihren Kopf und lief flinken Schrittes die Straße herunter. Sie musste nur zwei Gassen weiter, denn dort befand sich das Haus ihrer Großmutter, wo sie gemeinsam drinnen lebten.

Sie bog rasch um eine Hausecke und lief schnellen Fußes die kleine Gasse entlang, als sie in der Ferne plötzlich jemanden auf der Straße liegen sah.

Xiao Ming bremste sofort ab und wahrte zunächst mit einem sicheren Abstand. Vorsichtig linste sie unter ihrer Kaputze hervor und sah sich unsicher um. Sie wollte unter keinen Umständen jetzt in Ärger laufen und betete inständig, dass dies keine Falle war.
Etwas aufgregt und mit kurzen Schritten ging sie weiter die Gasse entlang und näherte sich vorsichtig der Person.
„Hallo...?" Rief sie zurückhaltend.

Doch die Person auf der Straße rührte sich kein Stück.

Als Xiao Ming noch etwas näher kam und die Person mit schiefem Kopf misstrauisch beäugte, zuckte sie auf einmal zusammen, als ihr die Kleider der Prrson bekannt vor kamen.

„...Sun...Yan...? Seid ihr das?"
Xiao Ming trippelte los und näherte sich nun zielstrebig der leblosen Person. Als sie genau vor dem Mann stehen blieb erhärtete sich ihr Verdacht.
Ihre Augen weiteten sich und sie hielt sich vor Schock die Hand vor den Mund als sie erkannte, dass es sich tatsächlich um Sun Yan aus der Taverne handelte.

„Oh Gott..." Hauchte sie sprachlos über ihre Lippen, als sie sich sofort aur ihre Knie fallen lies. Sun Yan lag auf dem Bauch, sein Gesicht im Dreck und vorsichtig fasste sie ihn an den Schultern und drehte ihn um.
Er war eiskalt, seine Kleider zerrissen und dreckig und er wies überall Verletzungen auf. Doch er war noch am Atmen und er schien nur bewusstlos zu sein.
„Wer hat euch das nur angetan...?" Hauchte sie erschüttert, während sie vorsichtig Sun Yan's Kopf anhob und ihn stützte.

Seine aufgeplatzten Lippen waren fast schon blau und an seinem Hals und Handgelenken sah sie die deutlichen Blutergüsse.
Fassungslos und von einer inneren Trauer ergriffen schloss sie für einen Moment ihre Augen. Es schmerzte sie, diesen Jungen und hübschen Cultivator in solch einer Verfassung vorzufinden.

Doch Xiao Ming wusste, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gab. Sie wusste nicht wie lange er hier draußen schon in der eises Kälte auf der Straße gelegen hatte und sie musste ihn schleunigst rein ins Warme bringen, wenn er nicht erfrieren sollte.

Xiao Ming nahm all ihre Kraft und Mut zusammen und zog Sun Yan's linken Arm über ihre Schulter. Sie stützte ihn so gut sie konnte und zerrte ihn Stück für Stück die Gasse hinunter. Niemals hätte sie gedacht, dass ein bewusstloser Mann so schwer sein könnte und sie ging an ihre körperlichen Grenzen, um das Leben diesen Mannes zu retten.

Als sie es unter größten Anstrengungen geschafft hatte Sun Yan zu dem Haus ihrer Großmutter zu schleppen, musste sie nicht lange nachdenken. Man würde ihr den Kopf abreißen wenn sie es wagen sollte einen Wildfremden, der offenbar auch noch in Schwierigkeiten steckte, mit in das Haus zu schleppen. Also entschied sie sich kurzer Hand Sun Yan in den Ziegenstall zu bringen.

Das kleine Scheunentor klapperte laut, als die beiden durch die Türschwelle stolperte. Die Ziegen schreckten auf, mäckerten und liefen wild durcheinander.

Sie schleppte Sun Yan bis zum Stroh und legte ihn ersteinmal behutsam ab.
„Ich komme gleich wieder." Sagte sie fürsorglich, als sie schnell nebenan ins Wohnhaus stolperte.

Und in der Tat, es dauerte nicht lange als sie Decken, Kissen und eine Schale mit warmen Wasser heranschaffte.
Sie errichtete eine kleine Matratze aus Stroh und Heu und legte Sun Yan behutsam darauf ab. Sie war vollkomen außer Atem und wischte sich mit ihrem Ärmel den leichten Schweiß von der Stirn ab.

Im Stall war es durch die Dämmung des Strohs und der Körperwärme der Tiere relativ warm im Vergleich zu draußen, daher entschied sie sich, Sun Yan erst ein wenig zu entkleiden und sich seine Wunden anzusehen.

Sie tauchte ein weißes Handtuch in die Schale warmen Wassers, wrung es aus und begann zunächst Sun Yan's Gesicht vorsichtig abzutupfen.
Dabei schüttelte sie immer wieder fassunglos den Kopf und schaute mit traurigen Augen auf den jungen Mann.
Vorsichtig tupfte sie über seine aufgeplatzten Lippen, als sie leise sagte:
„Ich hatte euch gesagt, dass ich schon viele Männer habe etrinken sehen..."

Leichte Selbstzweifel überkamen sie, als sie anfing eine Mitschuld bei sich zu suchen.
Ihr war in der Taverne aufgefallen, dass sich Sun Yan in keiner guten emotionalen Verfassung befand.
-Vielleicht hätte sie ihm den Alkohol verweigern sollen? Und wenn nicht das, dann viellicht wenigstens den zweiten Krug?-

Sie seufzte schuldig auf, als sie das Handtuch zur Seite legte und dann vorsichtig in den Kragen seiner zerrissen Robe griff.
„Verzeiht...ich verspreche, ich habe keine unkeuschen Gedanken..."Sagte sie ihre Taten entschuldigend, als Sie begann ihn langsam auszuziehen, sorgsam zu waschen und seine Wunden zu versorgen.

Aber umso weiter sie sich fort arbeitete, umso schwerer wurde ihr Herz und sie erstarrte vor Schock, als sie das letzte Stück Stoff von Sun Yan's Körper pellte und im vollen Ausmaß erkannte, von welcher Natur seine Verletzungen waren.

Sie schloss schmerzerfüllt ihre Augen und holte einmal tief Luft, als sie versuchte ihre eignene Tränen zurück zu halten.
Sie hielt einen kurzen Moment inne um nicht die Fassung zu verlieren, als sie ihre Hand ausstreckte und behutsam über seine Kühle Wange strich.
„Verzeiht mir...Ich hätte euch so alleine nicht ziehen lassen dürfen.." Hauchte sie mit gebrochener Stimme.

Es dauerte eine Weile, bis sie Sun Yan komplett gewaschen hatte und ihr Bestmöglichstes geben hatte um seine Verletzungen zu versorgen.
Sie entschied sich, seine feuchten und kaputten Kleider vorerst zur Seite zu legen und so wickelte sie den nackten Jungen erst einmal dick in Decken ein und polsterte die Seiten gut mit Heu und Stroh ab. Sie löste seine Frisur und strich das lange Haar behutsam zur Seite, ehe sie seinen Kopf auf einem weichen Kissen bettete.

Der Morgen des nächsten Tages war schon herein gebrochen, die hellen Sonnenstrahlen fielen durch die vielen Spalten in den undichten Holzwänden des Schuppens. Sie war so erschöpft und so müde, dass ihr die Augen langsam zufielen.

Als sie sich dicht neben den jungen Mann kuschelte und etwas Stroh über sie warf, nahm sie seine kalte Hand und sagte leise:
„Es tut mir Leid, aber mehr kann ich erstmal nicht für euch tun...Schlaft gut und erholt euch ein wenig..."
Mit diesen Worten schloss sie ihre Augen und schlief Händchen haltend neben Sun Yan ein.


Ein paar Ziegen mäckerten laut, als ein paar helle Sonnenstrahlen auf Sun Yan's Gesicht fielen.
Er stöhnte im Schlaf auf, als er langsam sein Gesicht hin und her drehte. Er roch den Geruch von Heu, Stroh und von Tieren, welche eifrig um hin herum an dem Stroh kauten.

Sun Yan öffnete seine schweren Lieder und blinzelte direkt in ein paar Sonnenstrahlen, welche durch die undichten Wänden der Scheune hineinfielen.
Langsam richtete er sich auf, als er sich sichtlich irritiert umblickte. Sein langes, offenes Haar war vollkommen zerzaust und überall hing Heu und Stroh.
Er strich sich mit seiner flachen Hand über sein Gesicht und schaute noch irritiert die Ziegen an, welche um ihn herum liefen.
„...Wo bin ich...?" Nuschelte er zu sich selbst, als er versuchte seine Erinnerungen zu sortieren.

Als er seine schweren Beine anzog und aufstehen wollte, rutschten die vielen Decken an seinem nackten Oberkörper hinunter und er schaute leicht schockiert auf seinen entblößten Schoß, welcher sich überraschend auftat. Sofort setzte er sich wieder hin und zog die Decken wieder über seine Hüfte.
„...Ich bin nackt...Wieso bin ich nackt?..." Fragte er sich verwundert. Er hatte keinerlei Erinnerung an einen Ziegenstall oder das ihm seine Kleider komplett ausgezogen wurden.

In diesem Moment knarrte es plötzlich laut und die Tür der kleinen Scheune öffnete sich.
Das grelle Licht der Morgensonne flutete den Stall und schien direkt in Sun Yan's Gesicht. Schützend hielt er sich seine Hand vor Augen, als er eine freudige Stimme hörte:
„Ihr seid wach!"

Sun Yan blinzelte zwischen seinen Fingern hindurch, als er die Silhouette einer Frau erkannte. Die Ziegen kamen freudig herbei gerannt und mäckerten laut auf, als sie ihre Besitzerin freudig begrüßten.

Die Scheunentür schloss sich wieder mit einem Rappeln und die hellen Sonennstrahlen wurden wieder ausgeschlossen. Sun Yan nahm seine Hand herunter und nachdem sich seine Augen an das dunklere Licht wieder gewöhnt hatten, blickte er in ein bekanntes Gesicht.
„Xiao Ming...?" Hauchte er überrascht, als sich die junge Frau mit den großen, braunen Augen auch schon neben ihn setzte. Sie hatte einen großen Weidekorb dabei und begann sofort ein paar Sachen auszupacken.

„Ihr erinnert euch an mich?! Wie schön!" Strahlte sie ihn mit einem bezaubernden Lächeln an.
„Wie fühlt ihr euch? Ich habe euch was zu essen mitgebracht. Damit ihr wieder zu Kräften kommt! Seht!"
Xiao Ming holte einen Pott mit warmer Suppe aus ihrem Korb und begann gleich darauf eine Trinkschale mit Wasser zu füllen.

Sun Yan schaute sich noch sichtlich überrumpelt das ganze Treiben an, während er noch gar nicht richtig zuordnen konnte, was die vergangenen Stunden alles passiert sein musste.

Doch aus Xiao Ming sprudelte es wie aus einem lebendigem Wasserfall. Sie wirkte leicht nervös und fast schon überbemutternt.
„Ich habe euch etwas Suppe mitgebracht. Sie ist köstlich und wird euch von innen schön wärmen."
Xiao Ming nahm eine weiße Suppenschale, füllte sie mit einer groen Kelle mit der warmen Suppe und steckte einen Löffel hinein. Sofort drückte sie Sun Yan die Schüssel in die Hand, als sie plötzlich sagte:
"Oh, ich habe ja auch Wasser mitgebracht. Wasser, genau, wahrscheinlich ist es besser, wenn ihr erst etwas trinkt. Trinken ist ja so wichtig!"
Xiao Ming riss Sun Yan die Schale mit der dampfenden Suppe wieder aus der Hand, als sie auch schon zu der Trinkschale mit Wasser griff.
„Hier, nehmt erst etwas Wasser!"
Sagte sie überzeugt, als sie als nächstes Sun Yan die Trinkschale mit Wasser in die Hand drückte.
„Geht es euch denn gut? Ist es warm genug, tut euch was weh? Ihr habt ja kein Fieber oder?"

Sun Yan's Augen weiteten sich, als Xiao Ming sich auch noch zu ihm herüber lehnte, ihre Hand ausstreckte und sie, zu seiner Verwunderung, flach auf seine Stirn legte.
Sie wartete einen kurzen Moment, schaute nachdenklich an die Decke, als sie dann ihre andere Hand nahm und sie auf ihre eigene Stirn legte.
Sie seufzte erleichtert auf.
„Gut, das ist gut, ich denke ihr habt kein Fieber!"
Langsam zog sie ihre Hände wieder zurück, als sie erneut in ihren Weidekorb griff und ein Glas mit Honig hervor holte.
„Schaut ich habe euch sogar ein wenig Honig mitgebracht. Als Nachtisch. Ich liebe Honig und die Süße bringt ordentlich Energie."
Xiao Ming lächelte Sun Yan übers ganze Gesicht an, so groß war scheinbar ihre Erleichterung, dass er aufgewacht war.
Erneut nahm sie die Suppenschale in die Hand und lächelte Sun Yan an.
„Und, habt ihr schon das Wasser ausgetrunken? Als nächstes die Suppe?"

Sun Yan, der die ganze Zeit sprachlos und ohne zu blinzeln Xiao Ming bei ihrer hektischen Vorstellung angestarrt hatte, fehlten die Worte.

Erst in diesem Moment, wachgerüttelt durch Sun Yan's verschreckten Gesichtausdruck, fiel ihr ihr eigenes ungehaltenes Benehmen auf. Ihre Augen wurden groß, als sie leicht verlegen zur Seite schaute.
„Verzeiht..." Sagte sie schnell.
„Ich wollte euch nicht so überfallen...Ich bin nur am Reden und ihr selbst habt noch gar kein Wort gesagt...Sicher habt ihr erst ein paar Fragen...!
Aber ich war so glücklich, dass ihr aufgewacht seid..." Sagte sie leise und ihre Wangen färbten sich in ein zartes Rosé.

Schließlich setzte ein Moment der Stille und der Ruhe ein.

Jeder hatte Zeit sich erst zu sortieren und Sun Yan blickte in die kleine Trinkschale, gefüllt mit klarem Wasser, welche er in der Hand hielt. Er räusperte sich und sprach mit einer leicht tiefen Morgenstimme:
„Xiao Ming...Egal was in den letzten Sunden passiert ist, als aller erstes muss ich mich wohl bei euch bedanken!"

Xiao Ming zuckte zusammen und wendete ihren noch leicht Scheuen blick zu Sun Yan herüber. Sie sah in die grünen Augen des Mannes, der dankend vor ihr saß. Seine Stimme brummte tief und er schaute sie mit ehrlichem und aufrichtigem Blick an.

Sie nickte annehmend, als ein zartes Lächeln über ihre Lippen flog.
„Gern geschehn!" Sagte sie höflich.

Sun Yan versuchte der junge Frau ein Lächeln zu schenken, als er weiter fortfuhr.
„Mögt ihr mir verraten, wie lange ich schon hier bin und wie ich überhaupt hier hergekommen bin?"

Xiao Ming nickte.
„Aber sicher. Im Morgengrauen vor zwei Tagen habe ich euch auf der Straße gefunden. Sprich ihr habt bis jetzt geschlafen. Es ist jetzt 6 uhr morgens."

Sun Yan's Augen weiteten sich.
„Zwei Tage...?" Sagte er schockiert.
„Ich bin so lange schon fort?"
Sun Yan musste sofort an Yunmeng und an Jiang Cheng denken, welche er ohne etwas zu sagen einfach verlassen hatte. Es waren mittlerweile ganze zwei Tage vergangen, ohne das er auch nur ein Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Jiang Cheng musste denken er hätte den Jiang Clan einfach verlassen und alle im Stich gelassen. Sun Yan bekam kalte Füße, als seine Fantasie verrückt spielte und er sich alle möglichen Szenarien vorstellte, wie Jiang Cheng gerade am toben und wüten sein musste.
Sun Yan war sich sicher, egal wie, er musste so schnell wie möglich wieder nach Hause.
Er schluckte einmal schwer, als er die kleine Trinkschale wieder in seiner Hand spürte. Sein Blick fiel nach unten, als er augenblicklich die Schale an seine Lippen setzte und mit einem großen Schluck das kühle Nass herunter stürzte.
Er schüttelte den Kopf und strich sich mit seiner linken Hand einmal über sein Gesicht, als er in seine Handinnenfläche nuschelte:
„Er bringt mich um..."

Xiao Ming, die die Worte nur halb verstanden hatte, blickte ihn fragen an, als sie erneut den Wasserkrug anhob um ihn damit zu fragen, ob er noch mehr Wasser wolle.

Sun Yan streckte ihr dankend die kleine Trinkschale entgegen und es plätscherte leise, als Xiao Ming sie erneut mit Wasser füllte.

„Verzeiht, erzählt bitte weiter. Ich hatte euch unterbrochen." Sagte er ruhig.

Xiao Ming stellte den Wasserkrug wieder in ihren Weidekorb ab.
„Sehr viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen. Ich hatte Feierabend und bin aus der Taverne gekommen. Als ich die kleine Abkürzung durch die Hintergasse gelaufen bin habe ich euch auf der Straße liegen sehen. Ihr ward bewusstlos und verletzt, also entschied ich mich euch mit nach Hause zu nehmen."

Sun Yan stutzte als er sich kurz umsah.
„Ihr wohnt im Ziegenstall?" Fragte er doch sichtlich über diese Neuigkeit überrascht, ohne der Frau dabei zu nahe treten zu wollen.

Xiao Ming zuckte zusammen.
„Nein!" Sagte sie hastig.
„Natürlich wohne ich nicht im Ziegenstall. Nebenan ist das Wohnhaus meiner Großeltern. Aber meine Großmutter würde mich einen Kopf kürzer machen wenn ich im Morgengrauen einen ohnmächtigen Mann mit nach Hause bringen würde...daher..."
Sagte sie nun mit gesenkter, leicht eingeschnappter Stimme.
„Habe ich euch im Ziegenstall versteckt...Sagt euch dies etwa nicht zu, Herr Cultivator aus Yunmeng?"

Sun Yan's Augen wurden groß, als er ihre leicht eingeschnappte Reaktion bemerkte.
„Nein, nein! So meinte ich das nicht. Verzeiht, wie undankbar von mir. Der Ziegenstall ist toll, ehrlich. So eine nette Gesellschaft hatte ich schon lange nicht mehr."

Ein paar Ziegen die nahbei standen zermahlten im Takt das Heu zwischen ihren Zähnen. Eine Geräuschkulisse aus schmatzenden Geräuschen und tierischem gemäckern untermalte das Geschehen.

Über Xiao Ming´s Lippen huschte ein Lächeln, als sie Sun Yan anblickte, welcher halb nackt und mit zerwühltem Haar voller Stroh, auf ein paar Decken mitten in einem Heuberg saß und einen schuldigen Gesichtsausdruck trug. Sie kicherte kurz in ihre Handinnenfläche, als sie die liebreizende Ironie dieser Situation erkannte.

Sun Yan schenkte Xiao Ming ein kurzes Lächeln, als er bemerkte, dass sich ihre Laune wieder hob.
„Ich muss euch danken. Schließlich habt ihr mich den ganzen Weg bis hierhin gebracht. Ich muss furchtbar schwer gewesen sein. Nicht auszumalen wie anstrengend es für euch gewesen sein musste."

„Hmpf" Gab Xiao Ming mit einem hohen Ton von sich. Sie richtete sich gerade auf und verschrenkte ihre Arme vor der Brust. Sie drehte ihren Kopf leicht zur Seite und schloss überheblich ihre Augen.
„Ach das hab ich doch mit links gemacht. Männliche Cultivators klemme ich mir doch locker unter den Arm. Eine meiner leichtesten Übungen. Das war nun wirklich eines der kleineren Probleme." Sagte sie aufmüpfig.

Sun Yan legte seinen Kopf leicht schief, ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen, als er in ihrer Mimik und Gestik ganz klar erkannte, was für eine harte Arbeit es für sie gewesen sein musste.
„Was war denn dann eines der größeren Probleme?" Fragte er sichtlich interessiert.

Xiao Ming zuckte zusammen und öffnete wieder ihre Augen.
„Größeres Problem?" Fragte sie leicht ertappt.

Sun Yan, der langsam bemerkte, dass es ihm nun doch ein wenig fröstelte, blickte sich kurz suchend neben sich um.
„Wo sind denn eigentlich meine Kleider? Habt ihr mich ausgezogen?" Fragte er schließlich.

Xiao Ming zuckte noch einmal zusammen. Ein Schauer schoss durch ihren Körper. Sie wollte es sich nicht anmerken lassen, aber nun kam doch das unausweichliche, unangenehme Thema langsam auf sie zu.

„Ich..." Fing sie leise an, als sie sich kurzer Hand laut räusperte und versuchte ihr Gesicht hinter ihrer Hand zu verstecken. Es lies sich nicht verleugnen, dass so groß ihr Selbstbewusstsein nun auch war, sie dieses Thema nun doch nicht ganz so unberührt lies.
Sie drehte sich von Sun Yan leicht weg um einen direkten Blickkontakt zu vermeiden, als sie hinter ihrer Hand schüchtern hervornuschelte:
„Ähm ja...das war dann wohl ich...!
Aber ich verspreche euch, ich habe nicht das Geringste gesehn...!
Also gut, vielleicht...naja...also nur ein klein wenig vielleicht. Aber ich hatte ganz und gar keine unkeuschen Gedanken dabei. Zu keiner Zeit und ich habe nur das Nötigste berührt.
Eure Kleider waren nur ganz feucht und kalt von dem Frost und ich dachte es sei besser ohne sie...
Schließlich ward ihr eiskalt und kurz vorm erfrieren...ich meine, was hätte ich schon tun sollen? Ich hatte keine andere Wahl...! Es war ein Notfall!"
Xiao Ming duckte sich leicht, als würde sie jeden Moment eine scharfe Ansprache erwarten.
Doch es kam nichts.

Vorsichtig löste sie ihre Deckung wieder auf, als sie einen vorsichtigen Blick zu Sun Yan herüber wagte.

Dieser saß noch immer Aufrichtig in seinem Strohbett und schaute Xiao Ming mit einem leicht überraschten Gesichtsausdruck an.

„Ihr seid nicht böse, oder erzürnt?" Fragte sie vorsichtig, während sie an ihrer Hand vorbei linste.

Sun Yan schüttelte sofort verneinend den Kopf.
„Wie könnte ich? Ihr wart meine Rettung. Ohne euch wäre ich sicher auf der Straße erfroren. Ich kann euch gar nicht mehr als genug danken. Ich verdanke euch nahezu mein Leben. Was macht es da für einen Unterschied ob ihr mich nackt geshen habt?"

Xiao Ming spürte für einen Moment ihren eigenen,aufbrausenden Herzschlag, als die dankenden Worte Sun Yan's ihr Herz berührten.
Ein warmes, wohliges Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit und sie verspürte ein Gefühl von Stolz und Achtung.
Langsam nahm sie ihre Hand wieder zurück und kam aus ihrem Versteck wieder hervor.
Sie begann den Stoff ihrer Robe etwas unsicher zwischen ihren Fingern hin und herzudrehen.
„Erst...wollte ich eure Kleider noch nähen, weil sie an manchen Stellen zerrissen waren...Aber dann dachte ich, dass meine Nähkünste euren Ansprüchen vielleicht nicht gerecht werden würden. Also habe ich sie nur gewaschen und aufgehängt. Sie müssten mittlerweile trocken sein...
Ihr scheint zu frieren. Leider kann ich euch keine anderen Kleider anbieten, da kein Mann mehr in diesem Haushalt lebt.
Xiao Ming deutete mit ihrem Zeigefinger unter die Scheunendecke.

Und in der Tat. Nicht weit von ihnen entfernt hingen Sun Yan's Kleider, aufgehängt auf einer Holzstange unter dem Dach.

Sun Yan's Blick wanderte nach oben und in dem Moment, als er seine Kleider ins Auge fasste, stand er plötzlich ruckartig auf.

Ungeachtet dessen, ob eine Frau nun anwesend war oder nicht, stand er einfach kerzengerade und in voller Größe auf. Er war definitiv nicht der Feinfühligste, was das Thema Frauen anging und so dachte er sich absolut gar nichts dabei, als die hellen Decken an seiner nackten Hüfte herunter rutschten und schließlich geräuschlos im Heu landeten.

Xiao Ming's Augen weiteten sich und ein Schock fuhr durch ihre Glieder der bis in die Fingerspitzen kribbelte, als sie genau vor ihren Augen Sun Yan's bestes Stück und seinen blanken Hintern sah.
„AHH!" Kreischte sie plötzlich laut auf, als sie sich schlagartig umdrehte und ihre Hand vor Augen hielt.

Sun Yan erschrak sich fast zu Tode vor ihrem gleißenden Schrei und er sprang aus Reflex ein Stück zur Seite.

Xiao Ming wedelte mit ihrer freien Hand Abstand einfordernt in der Luft herum, während sich ihr Gesicht knallrot färbte.
„OH GOTT! Was tut ihr? Bedeckt euch!"

Sun Yan, der sich nichts dabei gedacht hatte und mit solch einer heftigen Reaktion nicht gerechnet hatte, stand plötzlich schuldig am Pranger. Durch Xiao Ming's beschämte Reaktion wurde es erst zu einer peinlichen Situation und nun färbten sich auch Sun Yan's Wangen in ein leichtes Rosé.
Unschuldig stammelte er:
„Ich wollte nur...meine Kleider holen!" Sagte er hastig.
„Und außerdem, ist es nicht so, als gäbe es da etwas was ihr nicht schon gesehen hättet!"

„UAHH!" Kreischte Xiao Ming abermals auf, weil sie es immer noch nicht fassen konnte und dieser splitterfaser nackte Mann noch immer nichts tuend vor ihr stand.
„Aber da wart ihr bewusstlos, das ist doch etwas vollkommen anderes!" Rief sie aus.

Sun Yan, der gerade die Paar Schritte losstürmen wollte um schnell seine Kleider von der Stange herunter zu holen horchte plötzlich auf.
Schritte waren draußen zu hören, welche sich schnell der Scheune näherten und plötzlich erklang auch schon die Stimme einer alten Dame:
„Ming? Ming? Xiao Ming? Wo steckst du? Warum schreist du hier so laut herum, willst du alle Nachbarn aufwecken? Was brauchst du überhaupt so lange?"

Xiao Ming zuckte wie vom Blitz getroffen zusammen. Sie nahm ihre Hände aus dem Gesicht, als sie mit weit aufgerissenen Augen auf die Scheunentür starrte:
„Meine Großmutter!" Sagte sie mit solch einer thetralischen Betonung, als Stünde ihr beider Ende bevor.

Sun Yan, der wenigstens mittlerweile seine Hand vor seinen Schritt hielt, blickte ebenfalls nichts Gutes erwartend zu der kleinen Tür.

Die Schritte kamen immer näher.
„Ming? Ming? Bist du noch da drinnen?" Erklang erneut dir Stimme der Großmutter.

Xiao Ming musste reagieren und zwar sofort, wenn sie die wahrscheinlich missverständlichste Lage ihres noch so jungen Lebens verhindern wollte. Wie von alleine bewegte sich plötzlich ihr Körper und musste eine schnelle Wahl treffen. Sie sprang plötzlich auf, griff Sun Yan an der Schulter und zog ihn zurück. Dieser strauchelte erst zwei Meter zurück, als Xiao Ming ihm plötzlich mit offenen Armen in die Arme sprang und die beiden mit einem gewaltigen Satz nach hinten, hinter den großen Heuberg fielen.

Das Heu wirbelte noch kurz durch den Luftzug auf, als sich plötzlich mit einem lauten Klappern die Scheunentür öffnete.
„Ming?" Hörten sie eine ermahnende Stimme.
„Ming? Bist du hier?"
Die alte Dame spähte in die Scheune hinein. Sie entdeckte den Korb zischen dem Stroh, die Decken und die Kissen. Die Großmutter runzelte missmutig die Stirn.
„Tsss..." Schnallste sie mit ihrer Zunge.
„Was dieses Mädchen nur schon wieder hier treibt? Sie kommt definitiv nach ihrem Vater und hat immer nur Flausen im Kopf. Wo steckt sie nur? Sie wollte nur kurz die Ziegen melken."
Man vernahm noch ein wenig Gegrummel und Gejammer von der alten Frau, als mit einem Klappern sich plötzlich die Scheunentür wieder schließ.

Xiao Ming und Sun Yan atmeten erleichtert auf. Doch mit dem Abfallen der Anspannung begann man auch wieder den Fokus auf andere Dinge zu legen. Erst als die Erleichterung die Seele wieder beruhigte, stellte Xiao Ming fest, auf was sie da eigentlich so warm und weich gelandet war.
Sie blinzelte ein paar Mal mit ihren Augenliedern, als sie direkt in Sun Yan's Gesicht starrte. Dieser lag nämlich breitbeinig und immer noch splitterfaser nackt unter ihr im Heu und schaute sie etwas entgeistert an. Xiao Ming's Hände ruhten auf einer kräftigen, warmen Männerbrust, während sie mit ihrem gesamten Körper bauchseitig und der kompletten Länge nach auf Sun Yan drauf lag. Und nicht nur das, sie war auch noch zwischen seine Breine gerutscht und während ein tickendes Geräusch in ihrem Geist sie wieder ins Hier und Jetzt zurückbeförderte, begann sie jeden Zentimeter ihres Körpers zu erfühlen. Als die ungeschönte Wahrheit Stück für Stück zu Tage kam und ihr erst bewusst wurde, was sie getan hatte und wo sie sich gerade befand, kroch so langsam die Scham durch ihre Glieder.
Als sie mit ihrer Hüfte dann noch etwas Weiches ertastete, welches sich an ihren Oberschenkel drückte, blickte sie langsam skeptisch an sich herunter.
Als sie erkannte, dass sie mit ihrer Hüfte genau zwischen Sun Yan's lag und sie scheinbar Körperteile erfühlte, welche der Männerwelt vorbehalten waren, lief ihr Gesicht feuerrot an.
„Ahh!" Quiekte sie schockiert auf, als sie sich sofort wieder die Hand vor den Mund, aus Angst ihre Großmutter könnte sie erneut hören.

Sun Yan zuckte ebenfalls zusammen. Er hielt seine flachen Hände zu den Seiten hoch um seine Unschuld zu demonstrieren.
„Ich hab nichts gemacht!" Sagte er hastig.

„Verzeihung!" Nuschelte Xiao Ming hinter ihrer Hand hervor, als sie sich augenblicklich und mit hochrotem Kopf von Sun Yan herunter rollte.
Sie setzte sich ins Heu und hielt ihre flachen Hände auf ihre glühenden Wangen.
„Ich wollte nur...wegen meiner Großmutter..." Versuchte sie sich stotternt zu erklären.

Sun Yan, der sich wieder aufrichtete und ebenfalls etwas verlegen sich am Kopf kratzte sagte beruhigend:
„Schon gut, es ist ja nichts passiert...alles okay..."
Mit diesen Worten stand er schnell auf und holte nun endlich seine Kleider von der Scheunendecke und kleidete sich wieder ein.

Das Rascheln des Stoffes beruhigte Xiao Ming etwas und sie war von sich selbst überrascht, wie schnell doch ihr junges Herz gerade in ihrer Brust flatterte.

Nachdem Sun Yan sich wieder vollständig eingekleidet hatte, räusperte er sich einmal kurz.
„Ihr könnt euch wieder umdrehen. Die Gefahr ist gebannt." Sagte er fast etwas ironisch.

Xiao Ming atmete einmal tief ein und legte ihre rechte Hand noch einmal auf ihr Herz, um ihren aufgebrachten Herzschlag noch einmal zu überprüfen.
Als sie spürte, dass ihr schneller Puls sich langsam wieder beruhigte, drehte sie sich langsam um. Sun Yan stand vor ihr und schaute sie an. Sein Gesichtsausdruck und seine Körpermimik verriet ihr, dass er scheinbar aufbrechen wollte.

„Ihr wollt schon gehen?" Fragte Xiao Ming, vielleicht ein wenig entteuscht, aber vielleicht auch nur ein wenig besorgt.

„Ja!" Sagte Sun Yan, als er begann seine Hände nach vorne auszustrecken und sich sehr tief vor ihr zu verneigen.
„Ich bin schon viel zu lange von zu Hause fort. Zwei ganze Tage, mein Herr wird toben vor Zorn. Und außerdem, bereite ich euch hier nur Unbehagen."

„Aber...aber..."Sagte Xiao Ming ihn unterbrechent. Sie wusste nicht genau wieso, aber der Gedanke, dass Sun Yan jede Sekunde aus dieser Scheunentür marschieren würde, beunruhigte sie.
„Ihr habt noch gar nichts gegessen. Mit leerem Magen, lasse ich euch nicht gehen."

Sun Yan stutzte. Und in der Tat, er hatte noch keinen einzigen Löffel von ihrer Suppe gegessen, was bedeutete, dass er schon seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hatt. Doch obwohl sein Magen knurrte, wollte er am liebsten einfach nur wieder zurück nach Lotus Pier. Und das so schnell wie möglich. Allerdings konnte er die Gastfreundlichkeit seiner Retterin nicht einfach so abschlagen.
„Nun gut." Sagte er schließlich.
„Dann bleibe ich noch so lange, bis ich gegessen habe. Habt Dank!" Sun Yan streckte seine Hände erneut respektvoll nach vorne aus und verneigte sich abermalls vor Xiao Ming.
Dann ging er zurück zu seinem Strohbett und setzte sich neben ihren Korb.

Xiao Ming spürte wie seine Bereitschaft noch etwas zu Bleiben Freude in ihr auslöste. Mit einem zufriedenen Schmunzeln stand sie auf und setzte sich wieder neben Sun Yan. Sie servierte ihm erneut die Suppe und nickte ihm bestätigend zu.
„Sie ist jetzt vielleicht nicht mehr ganz so warm aber sie wird euch wieder zu Kräften bringen. Mit viel Liebe gekocht."
Mit einem Strahlen im Gesicht reichte sie Sun Yan die Suppenschale mit einem Holzlöffel darin.

Dieser bedankte sich erneut und begann auch gleich zu kosten.
„Mhh...wirklich sehr gut!" Sagte er und in der Tat, die Suppe schmeckte herrlich. Sie bestand aus viel Reis und Gemüse und versprühte ein angenehmes Aroma in der kleinen Scheune.

Während Xiao Ming adrett auf ihren Beinen saß und Sun Yan beim gierigen Essen betrachtete, kicherte sie plötzlich leise los.

Sun Yan blickte auf und schaute in Xiao Ming's belustigtes Gesicht. In seinem eigenen Gesicht stand ein großes Fragezeichen, während er sich fragte, ob seine Esskultur vor einer Dame wohl nicht ausreichen würde.

Doch Xiao Ming legte nur ihren Kopf auf die Seite und schmunzelte.
„Ihr müsstet euch mal sehen, wie ihr auf dem Kopf ausseht. Die Haare stehen in alle Himmelsrichtungen und überall hängt Heu und Stroh. Ihr seht eher aus wie ein ausgehungerter Stalljunge, als wie ein ruhmreicher Cultivator."

Sun Yan's Augen weiteten sich, als er augenblicklich mit Essen aufhörte und mit seiner rechten Hand versuchte das Chaos auf seinem Kopf zu beseitigen.
„So schlimm?" Fragte er unsicher.

Doch Xiao Ming kicherte erneut vergnügt. Sie griff in ihren Korb und holte zu Sun Yan´s Erstaunen, eine dunkle Haarbürste heraus. Vergnügt wedelte sie mit ihr in der Luft herum, waährend sie sagte:
„Lasst mich euch helfen. So lasse ich euch aber nicht meinen Hof verlassen."

Sun Yan beobachtete Xiao Ming noch einen Moment hinter seiner Suppenschale hervor, während sie aufstand und sich hinter ihn hockte.
Ihre langen, schlanken Finger griffen in sein dunkles Haar und vorsichtig begann sie die Haare zu entwirren.
„Ihr könnt ruhig weiter essen. Seht es als Arbeitsteilung an. Und untersteht euch, gehen zu wollen ohne meinen Honig probiert zu haben." Sagte sie, mit einem sichtlich zufriedenem Unterton in ihrer lieblichen Stimme.

Mit dieser Anweisung blieb Sun Yan dann doch noch etwas länger und die beiden verbrachten noch etwas Zeit miteinander. Während Sun Yan sich nun die Zeit nahm und in Ruhe aß, sagte Xiao Ming seiner Bett-Frisur den Kampf an und richtete nach seinen Wünschen wieder sein Haar.

„So fertig!" Sagte sie schließlich stolz als sie ihr Werk vollendet hatte..
„Bis auf die etwas zerrissenen Kleider, seht ihr wieder gar nicht so schlecht aus."

Sun Yan strich mit seiner Hand überprüffend über sein Haar und lächelte Xiao Ming an.
„Vielen Dank, eure Hände sind in vielerlei Hinsicht sehr geschickt. Auch vielen Dank für das Gute Essen. Aber nun, werde ich Lebewohl sagen."
Mit diesen Worten stand Sun Yan schließlich auf und ging langsam Richtung Scheunentür, während Xiao Ming etwa sbetrübt in die leere Suppenschale blickte.
Vorsichtig öffnete Sun Yan die Scheunentür einen Spalt und das helle Sonnenlicht flutete den Stall. Er knibbelte ein wenig mit seinen Augen, als sein Gesicht von den warmen Sonnenstrahlen hell erleuchtet wurde.

Xiao Ming, die wusste das es nun hieß Abschied zu nehmen räubte ihre Sachen in den Korb.
Langsam stand sie ebenfalls auf, ging mit zur Tür und blieb vor Sun Yan stehen.
„Das heißt dann wohl jetzt auf Wiedersehn." Sagte sie ruhig.

Sun Yan schaute sie mit seinen grünen Augen an, als er langsam seine Hand ausstreckte und vorsichtig ihre Wange berührte. Er streichelte ein Paar mal über die zarte der Wange der jungen Frau, bis seine Fingerspitzen in ihr Haar eintauchten und er über ihren langen Seitenzopf strich.

Xiao Ming zuckte zusammen und mit ihren großen, braunen Augen blickte sie gespannt in Sun Yan's Gesicht, während ihr Herzschlag sich zu erhöhen begann. Der junge Mann vor ihr, schenkte ihr ein ehrliches Lächeln als er sagte:
„Xiao Ming, ich kann gar nicht in Worte fassen wie dankbar ich euch bin. Ohne eure selbstlose Hilfe, weiß ich jetzt nicht, ob ich die warme Sonnenstrahlen, so wie jetzt, noch einmal auf meiner Haut hätte spüren könnte.
Wie kann ich euch nur jemals dafür angemessen danken? Wenn ihr einen Wunsch habt, oder sei es eine Geldsumme, dann nennt sie mir, ich werde sehen, ob ich sie erfüllen kann."

Doch Xiao Ming schüttelte verneind ihren Kopf.
„Ist schon gut. Ich habe schließlich dieses hier. Es ist Bezahlung genug."

Sun Yan zog langsam wieder seine Hand zurück, als er das Ende ihres Zopfes durch seine Finger gleiten lies.
Xiao Ming griff mit ihrer linken Hand in ihren Kragen und holte Sun Yan's Geldbeutel hervor.
„Es ist mehr an Geld als ich mir wünschen könnte und wie ihr selber wisst...kann man die wichtigsten Dinge im Leben nicht mit Geld kaufen. Daher wüsste ich nicht, welcher Wunsch in eurer Macht stehen würde, mir zu erfüllen. Kommt einfach heile wieder zu Hause an. Das wäre mein einziger Wunsch."

Sun Yan staunte, über so viel Bescheidenheit.
"Nun denn, wenn euch mein Geldbeutel reicht, dann werde ich ihn euch als Dankeschön überlassen."

Xiao Ming blinzelte mit ihren großen, braunen Augen als die beiden sich einen Moment schweigend ansahen. Ein nahezu beschwerender Moment, in dem die beiden die vergangenen Ereignisse noch einmal für sich selbst revue passieren ließen. Es hätte noch so viel zu erzählen gegeben, noch so viele Fragen, die hätten gestellt werden können, doch die beiden spürten, dass jeder einzelne schon alles wusste, ohne je danach gefragt haben zu müssen.

Sun Yan verneigte sich abermals tief und dieses Mal erwiederte Xiao Ming seine Geste.

"Lebt wohl, Xiao Ming. Ich werde euch immer dankbar sein."

Xiao Ming nickte ihm zu, ihre zarten Lippen zogen sich leicht kraus, so als wollte sie noch etwas sagen. Man hätte meinen können, dass ihre Augen leicht glasig wurden. Aber vielleicht war es nur der Wind, der einem einen feuchten Film in die Augenwinkel trieb.

Nachdem sich Sun Yan ein Paar Meter entfernt hatte und die Gasse entlang schritt, lief Xiao Ming ihm plötzlich bis zum Tor hinterher.
"Sun Yan!" Rief sie mit klarer Stimme.

Sun Yan hörte sie und blieb stehen. Langsam drehte er sich noch einmal zu ihr um.
Ein starker Windzug kam auf und lies ihre Haare und Kleider im Winde tanzen. Laub und Staub rollte über den Weg, wirbelte auf und schwebte dann wieder hinab auf die Erde.

Xiao Ming strich sich mit einer eleganten Handbewegung die Haare aus dem Gesicht.
"Versprecht mir, dass ihr eines Tages glücklich zurück in meine Gaststätte kommt...glücklich, hört ihr? Ich möchte ein Lächeln in eurem Gesicht sehen. Und zwar keines aus Dankbarkeit, sondern ein echtes, eines aus tiefstem Glück."

Sun Yan´s Augen weiteten sich.
"Das werde ich...!" Sagte er ruhig und nickte der jungen Frau einmal zu.

Xiao Ming´s Gesicht spannte sich leicht an, ihre Lippen zitterten, ihre Stimme wurde leicht schrill und ihre linke Hand ballte sich zu einer angestrengten Faust, während sie mit ihrem rechten Zeigefinger demonstrativ auf Sun Yan zeigte.
"Und wagt es euch, alleine aufzutauchen...
Ich will ihn sehen!
Und zwar nicht einfach nur sitzend neben euch, sondern an eurer Seite. Ich will das ihr dieses mal kämpft, ohne vorher zu ertrinken und das ihr siegreich zurückkehrt. Habt ihr verstanden? Ansonsten will ich euch nicht wieder sehen..!"

Sun Yan stand wie versteinert in der Gasse, als er die emotional aufgewühlte Frau vor sich sprachlos anstarrte.
-Ihn? Wen meinte sie? Sprach sie etwa von Jiang Cheng?-
Sun Yan wurde von einer leichten Peinlichkeit und Unsicherheit ergriffen.
"..Woher...?" Stammelte er zögerlich.

Doch Xiao Ming verschränkte verteidigend ihre Arme vor der Brust. Sie wusste was Sun Yan sie fragen wollte.
Mit leichter Schmolllippe und einem gewissen Widerwillen in der Stimme sagte sie leise:
"Ihr habt im Schlaf...von ihm gesprochen...!"

Sun Yan´s grüne Augen weiteten sich, als ein Gefühl von Scham durch seine Glieder kroch. Etwas unsicher und sich leicht versteckend hielt er seine rechte Hand vor sein Gesicht.

Doch Xiao Ming klatschte sich in die Hände.
"So ihr habt mich gehört...Ihr wisst nun was zu tun ist. Ich werde bis dahin hier auf euch warten."
Mit diesem Satz wunk sie zum Abschied mit ihrer Hand in der Luft hin und her, als sie sich langsam abwendete. Laut und demonstrativ seufzte sie auf.
"Ach ja, so ist das mit den guten Männern, alle schon vergriffen. Mein Vater hatte recht, mit einem Cultivator sollte man sich nicht einlassen.!"

Sun Yan legte nachdenklich seinen Kopf leicht schief, als er das erste Mal in seinem Leben versuchte das Herz einer jungen Frau zu verstehen.
Er drehte sich um und schritt, noch zum Abschied winkend, die Gasse entlang. In Gedanken versunken grübelte er über Xiao Ming´s Worte noch nach, während die junge Frau mit den großen braunen Augen, sich hinter einer Mauer versteckte und dem jungen Cultivator noch so lange nachsah, bis er aus ihrem Sichtfeld wieder verschwunden war.
Der frische Wind in den Augen, verursachte eine dicke, runde Träne, welche langsam über ihre Wange rollte, als sie sich langsam umdrehte und alleine in die Scheune zurückkehrte.