Vorwort:

Meine lieben Leser.

Vielen, vielen Dank für eure lieben, lustigen und mitfiebernden Reviews. Ich freue mich immer sehr, eure Feedbacks zu lesen auch wenn ich leider nicht auf Reviews von Gästen antworten kann, dies aber gerne oft tun würde. Denn oft sprecht ihr mir aus der Seele. ;)
Leider hatte ich im Herbst letzten Jahres fast ein halbes Jahr kreative Auszeit, in der ich nicht weitergeschrieben hatte. Dadurch sind ein paar treue Leser verloren gegangen. Aber wer weiß, vielleicht kehren sie wieder zurück. Ich würde mich freuen, denn noch ist nicht das Ende dieser Fanfiction eingeleutet.

-Denn nur dadurch, dass es Menschen wie euch gibt, die eine Geschichte lesen, existiert sie überhaupt und wird lebendig. Ihr macht das Schreiben zu einem Vergnügen.-

Seid lieb gegrüßt und freut euch, auf das nächste Chapter.

Romahito


Chapter 19

Die Vögel zwitscherten laut, als die Sonne schon hoch am Himmel stand.
Sun Yan's Kopf kippte auf die linke Seite, während seine Brust sich durch einen schweren Atemzug einmal anhob.
Er wachte auf und grunmelte einmal tief, als er seine schweren Augenlieder öffnete.

Es war hell in seinem Pavillon und die warmen Strahlen der Sonne kamen durch das offene Fenster herrein und fluteten das Zimmer.
Als er sich jedoch auf die Seite drehen wollte, schoss plötzlich ein stechender Schmerz durch seinen Körper.
„Ah..." Rief er kurz aus, als sich seine Stirn kraus zog und er sich vorsichtig aufrichtete.
Sein Körper schmerzte und das gleich an mehreren Stellen. Es fühlte sich an, als wäre eine ganze Karawane inklusive Kamele über ihn drüber gefahren.

Sun Yan setzte sich hin und die Decke rutschte an seinem nackten Oberkörper hinunter bis zu seiner Hüfte.
Als er feststellte, dass er komplett nackt war und er die frischen Blutergüsse an seinen Handgelenken erblickte, kamen die Erinnerungen der vergangenen Nacht Stück für Stück zurück.
-War das wirklich alles passiert? War dies wirklich kein Traum gewesen?-

Sun Yan spürte ein wildes Kribbeln in seiner Brust und er ging einmal in sich, als er die Spur der Verwüstung an seinem Körper vernahm, welche Jiang Cheng in der Nacht zuvor an ihm zurück gelassen hatte.
Ein freudiges Schmunzeln huschte über seine schmalen Lippen, als er leise flüsterte:
„Jiang Cheng...Cheng...Cheng!"
Dabei tippte er wie ein verliebter Teenager mit seinem Zeigefinger über seine Lippen, als er in Gedanken schwelgte und leise kicherte.

Plötzlich kam ihm ein Geistesblitz und er drehte seinen Kopf ruckartig zur Seite, als er feststellte, dass die linke Betthälfte jedoch leer war. Er blickte sich in seinem Pavillon um, doch alles schien danach, dass er alleine war. Er fasste neben sich auf das Bettlaken, doch alles fühlte sich kalt an.

Vorsichtig stieg Sun Yan aus dem Bett. Aber erst als er auf seinen nackten Füßen stand und ein paar Schritte gehen wollte, kam Jiang Cheng's Werk zur vollen Geltung und so humpelte er schnaufend bis zur Kommode.
Er kam sich vor als wäre er gleich 20 Jahre über Nacht gealtert und sein Körper stach bei jeder Bewegung. Besonders seine Hüfte war steif und sein Hintern schmerzte.

Als er vor der Kommode humpelnd angekommen war, stützte er sich mit seinen flachen Händen darauf ab und schaute in den kleinen, runden Tischspiegel, welcher direkt vor ihm stand.
Sein Gesicht war noch etwas blass und seine kaputte Lippe spannte, wenn er den Mund bewegte. Vorsichtig strich er mit seinem Zeigefinger über die wunde Haut und zog schmerzerfüllt die Luft durch seine Zähne.

Die roten Blutergüsse an seinem Hals waren mehr als offensichtlich und er kippte seinen Kopf zur Seite und streckte seinen Hals, um einen besseren Blick darauf werfen zu können.
Er konnte eindeutig jeden einzelnen Fingerabdruck erkennen. Etwas zaghaft und wie in Trance streckte er seine rechte Hand aus und legte seine Finger auf die roten Blutergüsse. Als seine eigene Hand schließlich seine Kehle umschloss, drückte er leicht zu. Es war wie ein Flashback und sofort schossen ihm die Erinnerungen von der vergangener Nacht durch den Kopf. Er sah Jiang Cheng's Gesicht vor seinem inneren Auge, spürte seine Berührungen, den stechenden Schmerz und die sexuelle Lust und sein Herzschlag brauste kurz auf, während ein Prickeln durch seinen Körper schoss.

Ruckartig entfernte Sun Yan wieder seine Hand von seinem Hals, als er einmal tief einatmete. Leise nuschelte:
„Okay, das war intensiv...".
Er schüttelte kurz den Kopf hin und her, als er einmal tief einatmete.
Im Spiegel konnte er neben den Blutergüssen auch noch jede menge Knutschflecke auf seiner Brust entdecken und seine zwei roten Nippel sahen deutlich geschwollen und mitgenommen aus.

Während Sun Yan sich noch eine ganze Weile untersuchend im Spiegel betrachtete, fiel sein Blick plötzlich zur Seite. Auf dem kleinen Tisch in der Mitte seines Zimmers schien etwas zu liegen.
Sun Yan fasste noch schnell in die Kommode und holte aus der Schublade eine dünne weiße Robe hervor, welche er sich noch flink über die nackten Schultern legte.
Dann ging er zu dem kleinen Tisch herüber und setzte sich auf seine Knie.

Eine ordentlich zusammengefaltete Robe in schwarz, lila und ein paar Goldtönen mit einer Art Schal lag auf dem Tisch und oben drauf ein zusammengerollter Brief. Daneben stand noch eine kleine verzierte Metalldose von der ein milder, cremiger Geruch ausging.

Sun Yan's Augen weiteten sich, als er schnell den Brief in die Hand nahm und außeinander rollte.
Er erkannte Jiang Cheng's kantige Handschrift, als er zu lesen begann:


„Sun Yan, ich bin für eine Weile fort, aber werde so schnell ich kann wieder zurückkehren.
Ruhe dich aus, schone dich und wenn du dich bereit fühlst, kannst du Wang Chong (*Zhuang Xi´s Nachfolger und neuer Hauptmann im Yunmeng Jiang Clan) dabei unterstützen den Clan während meiner Abwesenheit zu führen. Ich zähle auf dich.

Jiang Cheng

Ps: Mach den Herren nicht zu viele Umstände!"


Sun Yan's Augen wurden immer größer.
-Er ist fort?
Wohin?
Für wie lange und um was zu tun?-

Sun Yan las immer und immer wieder die paar Zeilen seines Herren, während er den Kopf schüttelte und es nicht glauben konnte, dass Jiang Cheng einfach so ohne ihm etwas zu sagen den Clan verlassen hatte.
-Wieso hat er ihm nichts davon erzählt und wieso lies er ihn gerade jetzt alleine zurück?-
Und welchen Herren sollte er Umstände bereiten?-

Sun Yan's Laune verdunkelte sich, während in seinem Kopf unzählige Fragen wild umher schwirrten. Schließlich rollte er den Brief wieder zusammen, als sein Blick erneut auf die dunkle Robe und die kleine Cremedose fiel. Er streckte seine rechte Hand aus und nahm die kleine Dose zwischen seine Finger. Vorsichtig drehte er den Deckel auf, als er in eine helle, cremige Substanz blickte. Der leichte Duft von Bienenwachs stieg in seine Nase und er musste nicht lange nachdenken, wofür Jiang Cheng ihm die Dose wohl bereit gestellt hatte. Sun Yan tauchte einmal die Spitze seines kleinen Fingers hinein und strich sich dann behutsam die Creme auf seine kaputten Lippen. Sofort wurde die Haut angenehm zart und weich.

„Eine Wundsalbe mit Bienenwachs...!" Nuschelte er zu sich selbst.
Er presste seine Lippen ein paar Mal aufeinander, als er den Deckel wieder schloss und die Dose zurück auf den Tisch stellte.
„Die anderen Stellen...mache ich später..."
Sagte er noch leise zu sich selbst, als sein Blick erneut auf die zusammengefaltete Robe fiel.

Er griff schließlich nach ihr, faltete die Stoffe auseinander und stand auf um sich die Kleider genauer anzusehen.

Es war eine unglaublich edle Robe aus mehren Lagen Stoff. Das Gewebe war fein und edel verarbeitet und die vielen goldenen Stickereien veredelten zusätzlich den tiefschwarzen Grundton mit den feinen Akzenten aus dunklem Lila.

Sun Yan fiel bei genauerem Betrachten auf, dass die Robe so geschneidert war, dass sie Handgelenke und Hals vollständig bedeckten.
Zur Sicherheit war sogar noch der passende Schal dabei, welchen man sich noch elegenat um den Hals wickeln konnte.

Plötzlich hebte sich wieder etwas Sun Yan's Laune, als er darüber nachdachte, wie viele Gedanken sich Jiang Cheng noch an diesem Morgen gemacht haben musste, ehe er still und heimlich aufgebrochen war.

Ein zartes Schmunzeln huschte über Sun Yan's Lippen, als er noch einmal seine Lippen zusammenpresste und die angenehme Creme etwas verteilte.
Leise schnaufte er durch seine Nase, als er sich entschied sich ersteinmal fertig zu machen um dann Feng Ling aufzusuchen, um sich einen genaueren Überblick über die Lage zu verschaffen.

Er richtete sich einigermaßen her, sodass er einen Schritt vor die Tür wagen konnte, schmiss sich die Kleider über den Arm und steckte die Cremedose in seinen Ärmel.
Dann schritt er entschlossen zu seiner Tür und öffnete sie mit einem gewaltigen Ruck.

Sun Yan zuckte in sich zusammen, als er plötzlich draußen neben seiner Tür zwei Wachen stehen sah. Und nicht nur das, gegenüber am Geländer der Veranda lehnte ein attraktiver Mann mit verschränkten Armen vor der Brust und geschlossenen Augen.

Feng Ling war sein Name und er war ein treuer Cultivator im Jiang Yunmeng Clan. Er war 28 Jahre jung, von großer und attraktiver Gestalt. Er gehörte eher zu den wortkargeren Anhängern von Jiang Cheng, doch hieß dies nicht, dass er gar unfreundlich oder gar kühl war. Er bevorzugte einfach eher die kurzen Konversationen und beschränkte seine Wortwahl auf das Wesentliche. Er trug sein oberes, dunkles Deckhaar zu einem typischen Haarknoten und das lange Unterhaar fiel in einem langen, geflochtenen Zopf an seinem Rücken herunter. Das lilane Haarband des Yunmeng Clan's flatterte in seinen Haaren bei jedem Windzug auf und ab und seine Gewänder waren von edler Qualität und Handarbeit. Auf seinem Rücken trug er wie immer seinen langen Speer und an seiner Hüfte hing noch ein silbernes Schwert. Feng Ling hatte tiefblaue Augen und ein attraktives, männliches Gesicht. Oft war er bei den Night Hunt´s dabei und auch sonst, war er ein verlässlicher und gewissenhafter junger Mann. Er zeigte nie aufbrausende Emotionen und hielt sich meistens eher im Hintergrund auf. Er hatte jedoch sein Ziel stet´s fest vor Augen und wurde durch seine besonne und direkte Art im Clan geschätzt. Er schien außerdem auch nie negative Gedanken Sun Yan gegenüber zu hegen, der trotz seines jungen Alters als rechte Hand ihres Sect Leaders auserkoren war.

Feng Ling trug einen entspannten Gesichtsausdruck und er schien dort auf der Veranda auf jemanden oder etwas zu warten. Als die Tür des Pavillons mit einem Ruck aufging blickte er schließlich auf, direkt in Sun Yan's Gesicht.
„Guten Morgen!" Sagte er neutral, als er seine Arme nach vorne ausstreckte und Sun Yan begrüßte. Seine Stimme war sanft und bescheiden, wies aber eine gewisse strenge auf.

Sun Yan's Augen weiteten sich. Sofort griff er in den Kragen seiner Robe und zog diese etwas höher, um die Blutergüsse an seinem Hals noch etwas mehr zu verstecken.
Doch dadurch rutschte der Ärmel seiner angehobenen Hand bis zum Ellenbogen herunter und dies wiederrum verursachte, dass die Blutergüsse an seinen Handgelenken sichtbar wurden. Als Sun Yan dann auch noch versuchte diese hektisch zu verstecken, fielen ihm alle Sachen aus der Hand und plumpsten zu Boden.

„Ah!" Rief Sun Yan etwas peinlich berührt aus, als er sich sofort bückte und versuchte die Sachen wieder aufzuheben.

Feng Ling kam ebenfalls die zwei Schritte auf ihn zu und half ihm die Sachen wieder vernünftig zusammenzulegen.
„Sieht mein Gesicht etwa so furchteinflößend am Morgen aus?" Fragte er mit solch einer Ernsthaftigkeit, dass Sun Yan etwas überrumpelt war.

„Eh?" Sun Yan blickte ihn mit großen Augen an.
„Nein, nein, das ist es nicht...ich war nur etwas überrascht, gleich so viele Leute vor meiner Tür zu sehen."

Feng Ling stand wieder auf, die zusammengefalteten Kleider in seiner linken Hand, während er mit seiner rechten Hand vorsichtig Sun Yan am Arm stützte und ihm wieder hoch half.

„Dankeschön!" Sagte Sun Yan etwas zaghaft, während er wieder damit beschäftigt war so viel sichtbare HAut wie möglich zu verdecken.
Schließlich blickte er noch einmal etwas skeptisch zu den Wachen herüber und dann wieder zurück zu Feng Ling.
„Wieso...habe ich Wachen vor meiner Tür und wieso stehst du hier auf meiner Veranda?" Fragte Sun Yan etwas verdutzt.

„Anweisungen von unserem Sect Leader!" Antwortete Feng Ling kurzum.

„Hmm?" Stutzte Sun Yan.
„Und du...bleibst jetzt mit ihnen zusammen die ganze Zeit vor meiner Tür stehen?" Fragte er leicht verwirrt.

Doch Feng Ling schüttelte den Kopf. Er zeigte mit seinem Ziegefinger auf die Wachen, als er sagte:
„Sie bleiben Tag und Nacht vor deiner Tür und ich...habe die Anweisung bekommen dir nicht von der Seite zu weichen, bis unser Sect Leader wieder zurückgekehrt ist!"

Sun Yan's Augen weiteten sich immer mehr und sprachlos blickte er Feng Ling in's Gesicht, in dem Glauben, dass dies ein Scherz war.

Doch Feng Ling verzog keine Miene und er machte auch sonst keinerlei Anstalten jede Sekunde anzufangen zu lachen.
„Also..." Sagte er ruhig aber mit einem gewissen Nachdruck.
„Wo genau wolltest du gerade hingehen? Unser Sect Leader hatte klare Anweisung gegeben, dass du dich erst ausruhen sollst, bevor du deine Arbeit aufnehmen darfst. Erst danach darf ich dich in den Thronsaal zu Wang Chong begleiten."

Sun Yan's Augen wurde noch größer, als er vollkommen geplättet in Feng Ling´s regungsloses Gesicht starrte. So viel Aufmerksamkeit und Rücksicht war er überhaupt nicht gewöhnt und er kam sich fast etwas bemuttert und bevormundet vor.
„Ich..." begann Sun Yan irritiert zu stottern.
„Ich wollte nur in das Badehaus gehen..." Deutet er zögerlich mit seinem Zeigefinger in die richtige Richtung.

Plötzlich schloss Feng Ling einen Moment nachdenklich seine Augen, legte seine rechte Hand an sein Kinn, als er schließlich mehrfach nickte.
„Gut, gehen wir!" Sagte er ruhig, als er einen Schritt zur Seite ging und dann mit seiner Hand in Richtung Badehaus deutete, um Sun Yan Vortritt zu gewähren.

„Ehh?" Stutzte Sun Yan, als ihm alles aus dem Gesicht fiel.
Es war dieser Moment, in dem ihm bewusst wurde, dass Feng Ling die Anweisung von Jiang Cheng „ihm nicht von der Seite zu weichen" mehr als Kleinlich genau nahm.
-Wie lange es wohl dauern würde bis Jiang Cheng zurückkehrte?- Stellte sich Sun Yan die selbe Frage noch einmal, nur dieses Mal aus eher egoistischen Gründen.
Sun Yan verdrehte offensichtlich die Augen, als er trotzig die Veranda entlang schritt, dicht gefolgt von Feng Ling, der ihm seine Kleider hinterher trug.
„Adé, Privatsphäre..." Nuschelte Sun Yan für Feng Ling gerade noch hörbar, während er eine lockere Handbewegung in der Luft machte.


Eine ganze Weile verbrachte Sun Yan alleine im Badehaus. Er konnte Feng Ling davon überzeugen, doch bitte vor der Tür auf ihn zu warten und so nahm er sich Zeit und entspannte ersteinmal bei einem heißen Bad.

Voller Tatendrang und Wissbegierig kleidete er sich nach seiner Waschung wieder ein und rieb seine wunde Haut mit der Creme von Jiang Cheng ein.

Die Robe, welche sein Herr ihm bereitgelegt hatte, stand ihm wirklich ausgezeichnet, sie war wie für ihn gemacht. Die dunklen Farben mit den goldenen Stickereien wirkten sehr edel und ließen Sun Yan wie einen attraktiven, wohlhabenenen Cultivator erscheinen. Ebenso verdeckte sie zuverlässlich alle Blutergüsse und sorgte dafür, dass er sich damit unter Menschen blicken lassen konnte.

Sun Yan ging schnellen Schrittes zurück zur Tür und wollte auf direktem Weg in den Thronsaal gehen, um sich einen genaueren Überblick über die derzeitige Situation abzuholen. Außerdem brannte es ihm in den Fingern von Wang Chong zu erfahren, wohin Jiang Cheng verschwunden war und welche Aufgaben und Ämter in der Zeit auf ihn warteten. Doch bei seiner ganzen arbeitswilligen Euphorie hatte er leider Feng Ling vollkommen vergessen und als er die Tür des Badehauses schwungvoll öffnete, wurde er gnadenlos an seinen ungebetenen Begleiter wieder erinnert.
Sun Yan bremste sofort auf seinem Absatz ab, als Feng Ling mit verschränkten Armen auf der Veranda stand.

„Wo willst du so schnell hin?" Sagte er mit ruhiger Stimme und zog dabei eine Augenbraue nach oben.

Sun Yan stutzte und zog die Stirn leicht kraus.
„Zu Wang Chong...Wieso, darf ich das etwa nicht?"

Feng Ling lies seine Arme locker hängen, als er mit bestimmten Schritten auf Sun Yan zuging.

Sun Yan, leicht eingeschüchtert von Feng Ling´s Größe, wich unsicher ein paar Schritte nach hinten aus.
„Was...?" Fragte nun etwas leiser und schaute dabei zur Seite um einen direkten Blickkontakt zu vermeiden.

Doch Feng Ling blieb genau vor ihm stehen und schaute den Jungen an.
„Wir gehen zurück zu deinem Pavillon!" Sagte er bestimmend aber höflich.

Sun Yan wich noch einen Schritt nach hinten aus um ihren Abstand etwas zu vergrößern, als er plötzlich mit seinem Rücken gegen die Wand des Badehauses stieß.
„Und wenn ich das nicht will? Was kannst du dagegen tun?" Fragte er aufmüpfig, wenn auch etwas unsicher zugleich.

Feng Ling atmete einmal tief ein, als er plötzlich Sun Yan am Arm packte und ihn dann begann hinter sich herzuziehen. Seine Schritte waren ruhig und bedacht aber sein eisernen Griff an Sun Yan's Arm legte sich wie eine Kette um seinen Körper. Er schliff den Jungen zurück zum Pavillon und verzog dabei aber keine Miene, während Sun Yan dagegen jammernd und keifend versuchte sich aus seinem Griff zu befreien.

Die Wachen und andere Cultivator's staunten nicht schlecht, als sie das ungleiche Paar sahen, welches mit einer offensichtlichen Meinungsverschiedenheit durch Lotus Pier stapfte.

Als sie mit Ach und Krach wieder vor Sun Yan's Pavillon angelangt waren, öffnete Feng Ling die Tür und gab dem Jungen einen sanften Schubser, sodass dieser wieder in sein Zimmer strauchelte.
Schnell legte er seine Hände an die Türgriffe, als er begann die Tür wieder zu schließen. Als er noch einmal durch den Türspalt in den Pavillon blickte sagte er zu Sun Yan:
„Du sollst mindestens drei Tage ruhen, bevor du deine Ämter wieder aufnimmst. Anweisung vom Sect Leader."

Mit einem Klicken fiel die Tür wieder in ihr Schloss und Sun Yan stand wie bestellt und nicht abgeholt in seinem Pavillon. Empört und fassungslos zugleich starrte er auf die geschlossene Tür.
-Das ist doch nicht sein ernst oder?- Dachte er sich, als er sich kurzer Hand entschloss, nicht so mit sich umgehen zu lassen.
„Feng Ling, was glaubt er nur wer er ist? Wäre doch gelacht, wenn ich mich von so etwas aufhalten lassen würde!" Sagte Sun Yan zu sich selbst, als er sich in seinem Pavillon umsah.
Er wollte einfach nur so schnell es ging zum Thronsaal und mit Wang Chong sprechen. Es brannte ihm auf der Zunge was geschehen war und wo Jiang Cheng so eilig hin musste. Er hatte keine Zeit für diese Spielchen mit Feng Ling.

Sun Yan zögerte daher nicht lange, als er flink zu seinem Fenster herüber huschte und dieses öffnete. Leise und in geduckter Haltung stieg er aus dem Fenster hinaus auf die Veranda. Er blickte sich noch schnell ein Paar mal um, als ein zufriedenes Schmunzeln über seine Lippen flog und er geduckt bis zur nächsten Hausecke lief.
Doch weiter kam er auch nicht mehr, als er hinter sich auch schon eine bekannte Stimme vernahm:
„Ich wusste, dass du es durch's Fenster versuchen würdest."

Sun Yan flog zusammen und drehte sich rasch um, als er in Feng Ling´s Gesicht blickte.
-Verdammt!- Dachte sich Sun Yan.
-So leicht werde ich den wohl doch nicht los!-
Noch ohne sich überhaupt eine passende Ausrede einfallen zu lassen, entschied sich Sun Yan für die simpelste und altbekannteste Variante von allen, als er einfach urplötzlich die Beine in die Hand nahm und los stürmte.

„Du...!" Entwich noch über Feng Ling´s Lippen, als er seine Augenbrauen nach oben zog und in dem Bruchteil einer Sekunde nach seinem Speer griff und ihn weit nach vorne schleuderte.
Umringt von einem hellen Licht und mit einem gewaltigen Windzug schlug der Speer direkt vor Sun Yan's Füße in die Holzveranda ein.

Sun Yan sprang einen halben Meter zurück, als er fassungslos auf das Einschlagloch in den Holzdielen starrte.
„Bist du wahnsinnig?" Fluchte er erschrocken.
„Wie kannst du einfach so ein Ding durch die Luft wirbeln? Das ist gefährlich!" Mäckerte er los.
Doch noch bevor er fertig mit Fluchen war, packte plötzlich eine starke Hand in den Kragen seiner Robe und begann ihn nach hinten zu zerren.

Sun Yan's Augen weiteten sich, als er von Feng Ling erbarmungslos zurück über die Veranda geschliffen wurde. Dieser zog beim Vorbeigehen noch lässig mit seiner freien Hand den großen Speer wieder aus den Holzdielen, als er ohne mit der Wimper zu zucken Sun Yan zurück zu seiner Eingangstür schliff.

Sun Yan lief schon rot im Gesicht an so fluchte er und schlug planlos mit seinen Arme um sich. Doch Feng Ling setzte seinen Weg unbeirrt davon fort und schubste Sun Yan erneut zurück in seinen Pavillon.
„Drei Tage!" Sagte er mit tiefer Stimme und warf Sun Yan einen verwarnenden Blick zu, als sich die große Tür erneut schloss.

Wieder wurde es still in dem Pavillon und Sun Yan stand verdutzt in seinem Zimmer.
„Als hätte er das Recht zu bestimmen was ich tue..." Sagte Sun Yan zu sich selbst, als er noch vollkommen überzeugt davon war, dass dieses Katz und Maus Spiel mit Feng Ling an ihn gehen würde.

Noch ganze dreimal sammelte Feng Ling an diesem Nachmittag Sun Yan nach einem missglückten Ausbruchsversuch wieder ein und brachte ihn zurück in seinen Pavillon.

Beim ersten Mal hatte Sun Yan noch die Idee gehabt erneut einen Ausbruch aus dem Fenster zu simulieren. Nachdem er sein Fenster lautstark geöffnet hatte, flog ein Kissen aus dem Bett, welches als Attrappe dienen sollte, auf die Veranda. Nachdem er bis fünf gezählt hatte, schlich er sich wieder zurück zur Eingangstür und versuchte nach vorne heraus wieder zu flüchten. Doch Feng Ling hatte schon seinen simplen Plan durchschaut und stand schon bereit vor der Eingangstür um ihn wieder einzusammeln.

Beim zweiten Ausbruchsversuch war der Junge schon etwas kreativer gewesen, als er plötzlich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch seinen Pavillon hüpfte und immer wieder schrie: „Feuer, Feuer!"
Die Wachen vor seiner Tür kamen auch tatsächlich rasant herein geplatzt und kurzzeitig brach die Panik aus. Doch als Sun Yan sich ungesehn bei dem Tumult hinter den Gardinen vorbeischleichen wollte um geduckt aus der Tür zu flüchten, landete ihm plötzlich ein ganzer Schwall kaltes Wasser im Gesicht.
Triefend nass und mit empörten Gesichtsausdruck schaute er auf, als Feng Ling mit einem leeren Eimer Wasser vor ihm stand und ihn kommentarlos anblickte. Der beherzte Griff in Kragen folgte prompt und Sun Yan landete wieder alleine in seinem Zimmer.

Beim dritten Ausbruchsversuch zog Sun Yan alle Register und verkleidete sich sogar als Frau. Er zog die farbenfrohste Robe an die er in seinem Schrank finden konnte und modelte diese noch etwas um. Er frisierte seine Haare neu, verschleierte etwas sein Gesicht und stopfte sich sogar jede menge Handtücher vor seine flache Brust, welche als ansehnliches Aufpolsterungsmaterial dienen sollten.
Die Wachen waren zunächst auch tatsächlich vollkommen irritiert, als die vermeintliche Dame plötzlich aus Sun Yan's Pavillon herausstrat. Doch Feng Ling lehnte schon wieder lässig mit seinem Rücken an der Veranda, einen kritischen Blick zu Sun Yan herüberwerfend, als die unbekannte Dame mit gesenktem Kopf und schnellen Trippelschritten an ihm vorbei ging.
Plötzlich drückte sich Feng Ling von der Veranda ab, machte einen großen Ausfallschritt und hielt Sun Yan grob am Handgelenk fest. Noch ehe Sun Yan sich versah drehte Feng Ling ihn plötzlich ruckartig um und als die beiden frontal voreinander standen, fasste Feng Ling beherzt and die vermeintlichen Brüste. Die zwei prallen Rundungen gaben nach und Feng Ling´s lange Finger vergruben sich in zwei großen Bällen Stoff. Sun Yan wimmerte auf, als Feng Ling ihn erneut am Kragen griff und ihn zurück in den Pavillon schliff.

Nachdem nun auch sein dritter Ausbruchsversuch fehlgeschlagen war, ließ Sun Yan sich erstmal entteuscht auf sein Bett fallen.
Er streckte erschöpft seine Glieder weit von sich, als er erstmal ans Aufgeben dachte. Er atmete ersteinmal tief ein, als es plötzlich an seiner Tür klopfte.
„Ja bitte?" Sagte er angenervt in dem glauben es sei Feng Ling.

Doch nach seiner unhöflichen Aufforderung kam ein Dienstmädchen herein, welches vorsichtig um die Ecke schaute.
Sie trug ein dunkles Tablett mit Essen und erst in diesem Moment fiel Sun Yan ein, dass er ja noch gar nicht gefrühstückt hatte. Sofort schnellte sein Oberkörper in die Aufrichtung, als die junge Frau begann den kleinen Tisch in der Mitte seinen Pavillons zu decken.

„Verzeihung ich dachte ihr wärt..." Begann Sun Yan entschuldigend zu nuscheln.
Was er nur dabei vollkommen vergaß war die Tatsache, dass er noch immer seine Tarnung als Frau trug und das Dienstmädchen versuchte sich das respektlose Lachen zu verkneifen, als aus Sun Yan's Kragen der Inhalt seiner einen vermeintlichen Brust heraus hing, während die Andere eingedrückt eine Etage weiter nach unten gerutscht war.

Sofort drehte er sich von dem Dienstmädchen weg, als er peinlich berührt sich den Gesichtsschleier herunterzog.

„Lasst es euch schmecken!" Sagte die Junge Frau freundlich und wertfrei, als sie auch schon wieder mit einem Schmunzeln den Pavillon verließ.

„Dankeschön!" Sagte Sun Yan noch wie es die Höflichkeit erforderte. Nachdem das Dienstmädchen die Tür wieder geschlossen hatte, sprang Sun Yan aus dem Bett heraus und flitzte herüber zu dem kleinen Tisch, als er begann sich über Speiß und Trank herzumachen. Während er dort so zufreiden saß und sein spätes Frühstück genoss, schmiedete er schon neue Pläne, denn so schnell lies er sich von Feng Ling nicht unterkriegen.
Sein Blick fiel rachsüchtig aus dem Fenster, als sich sein linker Mundwinkel unheilvoll nach oben bog.
„Warte nur ab Feng Ling...Nachts, wirst auch du irgendwann schlafen müssen..."

Sun Yan wiegte sich in Geduld, während er nun brav in seinem Pavillon saß und die Stunden ohne weitere Zwischenfälle verstreichen ließ.
Er fühlte sich mit seinem neuen Plan weit überlegen und benahm sich lammfromm und vorbildlich und wartete geduldig auf die Nacht.


Es war dunkel geworden, die Lotus Blüten schlossen ihre Köpfe und die Vögel verstummten allmählich. Sun Yan saß auf seinem Bett und las in einem Buch, als es plötzlich an der Tür klopfte.

„Herein." Sagte er auffordernd, als er sein Buch neben sich auf der Matratze ablegte.

Die Tür öffnete sich und erneut kam ein junges Dienstmädchen herein. In der Hand trug sie ein Tablett, aber dieses mal mit dem Abendessen.

„Dankeschön!" Sagte Sun Yan höflich.
„Ihr könnt es auf den Tisch da drüben ste..."

Doch plötzlich verstummte er mitten im Satz, als er sah wie hinter der jungen Frau auch noch Feng Ling den Pavillon betrat.

„Tsss" schnallste Sun Yan leise mit seineer Zunge.
-Was macht er hier, er soll endlich schlafen gehen?- Dachte sich Sun Yan, als er langsam an die Kante seines Bettes heranrutschte.

Das Dienstmädchen stellten die Speisen auf dem kleinen Tisch ab und nachdem sie sich einmal freundlich verneigt hatte, verließ sie wieder den Raum.
Doch zu Sun Yan's Verwunderung ging Feng Ling nicht mit ihr, sondern lehnte sich wie immer lässig gegen eine Wand, verschränkte die Arme und sagte kein Wort.

Sun Yan legte den Kopf leicht schief.
„Was?" Fragte er skeptisch.

Feng Ling schaute ihn regungslos an.
„Das ist dein Abendessen. Iss auf."

Sun Yan verdrehte offensichtlich die Augen.
„Ich weiß was das ist! Wieso stehst du da jetzt?"

Feng Ling seufzte einmal leise auf.
„Ich leiste dir Gesellschaft während du isst. Du sollst dich hier drei Tage ausruhen, was aber nicht heißt, dass du drei Tage hier in Isolation leben musst."

Sun Yan zog eine Augenbrauen nach oben.
„Ach so. Also werde ich hier nicht nur eingesperrt, sondern nun werde ich auch noch beim Essen beaufsichtigt!"
Sagte er mit einem vorwurfsvollen Unterton, als er langsam vom Bett aufstand und richtung Tisch ging.

Doch Feng Ling ging auf seinen biestigen Vorwurf nicht ein, sondern schloss seine Augen und lehnte ruhig an der Wand.

Sun Yan warf ihm noch einen kritischen Blick herüber, als er sich widerwillig an den Tisch niederlies.
Er nahm die kleine Schale mit dem dampfendem Reis zur Hand und begann sich mit den Stäbchen das Essen in die Backen zu stopfen, während er darüber nachdachte, wann wohl endlich damit zu rechnen sei, dass Feng Ling ins Bett ginge.

Es verging eine ganze Zeit der Stille, in der keiner von beiden ein Wort sprach. Sun Yan aß in Ruhe seine Schalen auf und Feng Ling verharrte im Hintergrung und leistete ihm die zugesagte Gesellschaft, auch wenn sie etwas anders ausfiel als man sie normalerweise erwarten würde.

Als Sun Yan mit einem leisen Klappern seine Essstäbchen auf dem Tisch ablegte, ergriff er leise das Wort:
„Feng Ling, du weißt wo unser Sect Leader hingereist oder?"
Er wartete einen Moment, doch es blieb angespannt still im Raum.
Schließlich drehte sich Sun Yan um und suchte bewusst den Blickkontakt.
„Feng Ling?..." Versuchte er es erneut.
„Bitte sag es mir."

Feng Ling öffnete seine blauen Augen und schaute Sun Yan direkt an.
„Hast du aufgegessen?" Sagte er das Thema abblockend.

Sun Yan's zog die Stirn kraus und eine tiefe Falte legte sich zwischen seine Augen.
„Das war nicht die Frage. Weich ihr nicht aus. Du kannst es mir nicht sagen? Du willst es mir nicht sagen? Oder darfst du es mir nicht sagen?"

Feng Ling schaute Sun Yan starr an, als seine Lippen sich erneut langsam öffneten.
„Ich habe meine Anweisungen bekommen." Sagte er kühl.

Sun Yan's Blick fiel entteuscht zur Seite, als er leise antwortete:
„Du weißt es also...
Wer noch? Wissen es alle außer mir? Bin ich der Einzige der es nicht weiß?" In seiner Stimme war die Trauer und Entteuschung deutlich herauszuhören.

Feng Ling schnaufte einmal aus seiner Nase, als er den Sauerstoff aus seinen Lungen presste.
„Wang Chong und ich sind die Einzigen die es wissen."

Sun Yan's Blick wanderte richtung Boden. Entteuscht sagt er:
„Schön und lass mich raten, egal was ich tun werde, ihr werdet es mir nicht sagen, denn er hat euch persönlich darum gebeten es nicht zu tun..."

„So sieht es aus!" Antwortete Feng Ling ruhig.

Sun Yan atemete einmal tief. Sein Herz war ihm schwer, denn ohne Frage machte er sich Sorgen wohin Jiang Cheng verschwunden war und ihn, nachdem sie gerade endlich eins geworden waren und sich ihre Gefühle hoffenbart hatten,alleine zurück lies. Er seufzte einmal schwer auf und lies seine Schultern hängen. Er fühlte sich einsam und zurückgelassen.

Plötzlich hörte Sun Yan ein Knacken als Feng Ling sich von der Wanda bdrückte und langsam auf ihn zukam.
„Bist du fertig mit essen?" Fragte er bestimmend

Sun Yan hob seinen Blick wieder an und schaute zur Seite.
„Ja...?" Antwortete er fast schon fragend mit einem hohen Ton.
Irgendwie bekam Sun Yan ein ungutes Gefühl, als Feng Ling so zielstrebig auf ihn zuschritt und daher stand er lieber auf und blickte den Mann vor sich fragend an.

„Gut!" Brummte Feng Ling tief, als er direkt vor Sun Yan schließlich stehen blieb.
Ihre Blicke trafen sich und seine blaue Augen hefteten sich auf Sun Yan, als er ruhig aber bestimmend sagte:
„Dann...zieh dich aus!"

„...?..." Sun Yan's grüne Auge weiteten sich. Als ein Schock durch seine Glieder fuhr.
„Was...?" Hauchte er atemlos über seine Lippen, als er glaubte sich verhört zu haben.

Doch in Feng Ling´s Gesicht verzog sich keine Miene.
„Hast du mich nicht gehört, wir haben nicht den ganzen Abend Zeit."

Sun Yan's Mund öffnete sich vor Schock.
„Warum soll ich mich ausziehen? Was willst du von mir?" Fragte er leicht nervös, während er einen Schritt nach hinten machte und dabei mit seiner rechten Hand beschützend den Kragen seiner Robe festhielt.
Doch er stieß beim Rückwärtsgehen mit seinen Waden gegen den kleinen Holztisch und kam somit abrupt wieder zum Stehen.

Feng Ling schüttelte mit Unverständnis den Kopf.
„Du sollst dich ausziehen, damit du dir deine Nachtrobe anziehen kannst!"

„Ahh?" Sun Yan's Augen wurden immer größer.
Ihm fiel ein unglaublicher Stein vom Herzen, als er feststellte, dass er Feng Ling falsch verstanden hatte. Sein Herz tobte schon in seiner Brust und für eine Sekunde war in ihm schon die blanke Panik ausgebrochen.
„Ich kann mich alleine umziehen!" Sagte Sun Yan in einem erleichterten Mäckerton.

„Sicher kannst du das, daher mach es auch und zwar jetzt!" Sagte Feng Ling mit einer klaren Ansage.

Sun Yan drehte seinen Oberkörper ein, als sich eine Zornesfalte zwischen seine Augen legte und er von der Seite zischte.
„Du bist nicht meine Mutter, ich kann mich umziehen und ins Bett gehen wann ich will!"

Doch plötzlich packte Feng Ling Sun Yan am Arm, als er sich ein Stück näher heranlehnte.
„Du ziehst dich genau jetzt um! Oder...muss ich dir etwa aus den Kleidern helfen?"

Sun Yan zuckte zusammen, als ihm leicht die Schamesröte ins Gesicht stieg.
„Lass mich los!" Sagte er hastig, während er ruckartig seine Hand zurück zog.

In Feng Ling´s blauen Augen stand seine Entschlossenheit die Tatsache, dass er mit seiner Geduld am Ende war. Sun Yan wusste, dass er hier gerade nicht diskutieren brauchte. Schmollend drehte er sich, um als er sich beugend sagte:
„Gut, ich zieh mich um und gehe brav wie ein kleines Kind ins Bett, du brauchst nicht nachhelfen!"

„Gut, sind wir uns einig!" Brummte Feng Ling zufrieden von hinten und verschränkte wieder genau an Ort und Stelle seine Arme, starrte Sun Yan an und schien darauf zu warten, dass sich der Junge genau jetzt frei machte.

Sun Yan linste etwas unsicher über seine Schulter. Feng Ling´s stechender Blick durchbohrte ihn.
-Erwartet er etwa, dass ich mich jetzt genau vor ihm ausziehe?- Fragte sich Sun Yan verunsichert.
„Ähmm..." Begann Sun Yan.
„Kannst du wenigstens...etwas wegsehen und dich umdrehen?"

Feng Ling´s blaue Augen weiteten sich, als er erst jetzt bemerkte, wie unangenehm Sun Yan scheinbar diese Situation empfand. Sie waren beides Männer, daher hatte er sich gar nichts dabei gedacht.
Etwas Höflickeit und Anstand wahrend, räusperte sich Feng Ling einmal kurz, als er sich sofort mit seinem Rücken zu Sun Yan drehte.
„Natürlich, verzeih!"

Sun Yan atmete einmal kurz erleichtert auf, als er etwas widerwillig in seine Robe griff und begann sich auszuziehen. Es war peinlich still im Raum und außer das Rascheln des Stoffes war nichts zu hören.
Sun Yan entkleidete sich komplett und löste auch seine Frisur. Sein langes, dunkles Haar fiel an seinem nackten Rücken herunter, als er leise und zögerlich sagte:
„Kannst du mir aus der Kommode neben dir, was zum Anziehen geben?"

Feng Ling´s Blick fiel herüber zu dem dunklen Schrank, als er die paar Schritte herüber ging und eine Robe für die Nacht aus dem Fach zog.
Als er zurück zu Sun Yan ging wendete er leicht seinen Blick ab und hielt Sun Yan die Robe entgegen.

„Danke!" Sagte der Junge, als er die Robe entgegen nahm und begann sich wieder anzukleiden.

Doch im Augenwinkel hatte Feng Ling einen kurzen Blick von Sun Yan erhascht und für einen kurzen Moment weiteten sich seine Augen, als er die starken Blutergüsse an Hals und Handgelenken erblickte.
Leicht erschrocken und schockiert wendete er seinen Blick ab, als er sich zum ersten Mal fragte, was diese ganze Sache hier eigentlich auf sich hatte.

Sun Yan strich mit beiden Händen sein langes Haar aus dem Kragen, als er er noch einmal den Gürtel nachzog und dann leicht angenervt sagte:
„So, ich bin fertig..."Mama!"

„Gut!" Antwortet Feng Ling, dass freche „Mama" ignorierend.
„Dann leg dich jetzt ins Bett!"

Sun Yan's rechte Augebraue zuckte mehrfach nervös auf.
Er verschränkte angenervt seine Arme vor der Brust.
„Verzeih „Mama" aber ich gehe ins Bett, wann ich es für nötig erachte!"
Sun Yan hatte gerade seinen Satz ausgesprochen und wollte sich wieder zu Feng Ling umdrehen, als dieser plötzlich einen Satz auf ihn zu machte.

Sun Yan wusste gar nicht so schnell wie ihm geschah als zwei kräftige Hände plötzlich unter seine Knie und Arme griffen und ihn kräftig anhoben.
Sun Yan's nackte Füße verließen den kalten Fußboden und wie eine holde Maid trug Feng Ling ihn plötzlich vor seiner Brust her.

Sun Yan stieß einen Ausruf der Verwunderung aus, als er sich erst panisch festklammerte um nicht herunterzufallen, aber dann begann in den kräftigen Armen zu Strampeln um doch wieder herunter gelassen zu werden.
„Was tust du? Lass mich sofort herunter!" Sagte Sun Yan empört.

Doch Feng Ling trug Sun Yan geradewegs Richtung Bett und als sie genau davor standen schmiss er Sun Yan dominant auf die Matratze.

„Ah!" Sun Yan landete direkt auf seinem Rücken, seine Arme weit über seinen Kopf ausgestreckt und seine Haare wehten durch den Windzug einmal hoch auf, ehe sie wieder seicht herunter auf das Bett fielen.
Sun Yan´s grüne Augen waren vor Schock weit geöffnet, als Feng Ling sich plötzlich über ihn lehnte, seinen rechten Fußknöchel ergriff und dann mit der anderen Hand seine Robe an seinem Bein ruckartig nach oben schob.

„Was?" Rief Sun Yan noch erschrocken aus, doch in diesem Moment flüsterte Feng Ling ein paar Worte über seine Lippen und ein helles Licht ging von seiner Hand aus und umkreiste plötzlich Sun Yan's Fußknöchel.
Es war ein Bann-Spruch gewesen und um Sun Yan's Fuß legte sich eine dicke Eisenschelle aus Magie, an welche sich rasch noch eine Kette formte und mit ihrem Ende sich an das Fußteil des Bettes anschloss.

Sun Yan blickte sprachlos an die Schelle und Eisenkette an seinem Fuß, welche in einem seichten Licht aufglimmte.
„Du hast mich mit einem Bann-Spruch ans Bett gefesselt?!" Sagte er fassungslos.

Feng Ling richtete sich wieder auf und schaute herunter auf Sun Yan.
„Hast du etwa geglaubt, ich weiß nicht was für ein Katz und Maus Spiel du hier betreibst? Auch ich muss irgendwann mal schlafen und damit ich das in Frieden tun kann, verwahre ich dich sicher hier!"

Sun Yan schüttelte erschrocken seinen Kopf.
„Wie kannst du es nur wagen..." Zischte er empört.
„Wenn das unser Sect Leader erfährt..."

Doch Feng Ling lehnte sich wieder nach unten, stützte sich mit einem Knie auf der Matratze ab und kam Sun Yan immer näher. Als er mit seinem Kopf direkt neben Sun Yan's Ohr zum Stehen kam, flüsterte er leise:
„Es war genau dieser Sect Leader der wusste, dass du dich nicht an seine Anweisungen halten würdest. Also hat er mir aufgetragen dafür zu Sorgen, dass du dich daran hälst und er stellte mir frei, jedes Mittel zu wählen, welches ich meine, es sei vonnöten..."

Sun Yan's grüne Augen weiteten sich, als Feng Ling wieder von ihm ablies. Ein kalter Schauer lief ihm über seinen Rücken, als er sich in diesem Moment plötzlich nicht mehr so sicher war, ob Jiang Cheng's gewonne Liebe und Fürsorge nun ein Segen oder eher ein Fluch war.

„Ich wünsche dir eine gute Nacht. Wir sehen uns morgen!" Sagte Feng Ling zufrieden, als er sich wieder umdrehte um den Pavillon wieder zu verlassen.

Sun Yan biss sich auf seine Backenzähne und seine Hand ballte sich zu einer angestrengten Faust, als er sich selbst Versagen auf ganzer Linie eingestehen musste.
„Warte!" Sagte er laut.

Feng Ling drehte sich leicht um und warf einen desinteressierten Blick über die Schulter.

Sun Yan fuhr fort:
„Was ist...wenn..." Seine Stimme wurde plötzlich ganz leise und er blickte leicht verlegen zur Seite.
„Was wenn ich mich heute Nacht mal..erleichtern muss?"

Noch einen Moment blickte Feng Ling Sun Yan starr an, als er plötzlich zielstrebig zu dem kleinen Tisch in der Mitte des Pavillon's ging. Er hob den Wasserkrug an, schritt zum Fenster herüber, öffnete dieses weit um dann mit einer schwungvollen Bewegung den Wasserkrug zu entleeren.
Mit einem Klappern fiel das Fenster wieder zu und Feng Ling kam zurück an Sun Yan's Bett. Demonstrativ stellte er den Wasserkrug auf den kleinen Nachttisch ab, als er den Jungen mit seinen blauen Augen anfunkelte. Mit tiefer Stimme sagte er:
„Dies dürfte das Problem lösen!"

Sun Yan's Mund klappte vor Empörung auf, sprachlos schaute er Feng Ling noch nach, als dieser unbeirrt ihm den Rücken zuwendete und den Pavillon wieder verlassen wollte.

Sun Yan griff entschlossen nach seinem Kopfkissen und schleuderte dieses kraftvoll Feng Ling hinterher. Er traf seinen Hinterkopf und dieser blieb ruckartig stehen, als das Kissen mit einem Plopp hinter ihm zu Boden fiel.

„Tyrann!" Zischte Sun Yan über seine Lippen.

Feng Ling atmete einmal tief ein, als er ohne sich noch einmal umzudrehen seinen Weg zur Tür fortsetzte. Als er seine Hand auf den Türgriff legte und den Raum wieder verließ, sagte er mit bemitleidenswertem Unterton:
„Heute Nacht, wohl kein Kopfkissen für dich!"

Mit diesem Satz fiel die Tür wieder ins Schloss und während Feng Ling über die Veranda schritt, hörte er noch Sun Yan's Genuschel der vielen hasserfüllten Flüche, welche ihn alle noch ereilen sollten.


Feng Ling tippte mit seinem Zeigefinger auf und ab. Seine Arme waren wie immer verschränkt vor seiner Brust, seine Augen entspannt geschlossen und mit seinem Rücken lehnte er an der Veranda. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und noch immer hatte er keinen Mucks aus Sun Yan's Pavillon gehört.
Seine rechte Augenbraue begann ungeduldig aufzuzucken, als er sich schließlich vom Geländer abdrückte und auf die große Tür zuschritt.

Ohne zu Klopfen und mit einem gewaltigen Ruck stieß er schließlich die große Tür auf.
Die Gardinen wehten durch den starken Windzug auf und er betrat den vermeintlich ausgestorbenen Pavillon. Es war still, nichts war zu hören als Feng Ling sich langsam dem Bett näherte. Dabei machte er einen großen Ausfallschritt über Sun Yan's Kopfkissen, welches noch immer mitten im Raum lag.

Als er am Bett angekommen war und einen prüfenden Blick nach unten richtete, sah er in Sun Yan's schlafendes Gesicht.
Der Junge lag auf dem Rücken, alle viere lang von sich gestreckt. Seine Robe war total zerwühlt, mehr ausgezogen als angezogen und sein langes Haar hing ihm wirr im Gesicht.

Feng Ling sah auf Sun Yan's entblößte, nackte Brust und sein Blick fuhr weiter prüfend über die vielen scheinbar alten und neuen Verletzungen an dem Körper des Jungen, welche entweder von grausaumer Gewalt oder von zärtlicher Zuneigung stammen mussten.
Einen kurzen Moment verweilte er noch vor dem Bett und betrachete einmal genauer sein Problem, welches er noch bis Jiang Cheng's Rückkehr an seinem Rockzipfel hängen hatte.
Er streckte seine Hand nach Sun Yan's Fußknöchel aus und als er leise Worte flüsterte, entfernte sich die Fessel an dem Fuß des Jungen.
Schließlich verschränkte er wieder seine Arme vor der Brust, als er einmal kraftvoll gegen das Bett trat.

Es knackte und rappelte laut, als Sun Yan aus dem Schlaf gerissen wurde. Er blinzelte ein paar Mal mit seinen müden Augenliedern, als er direkt in Feng Ling´s regungsloses Gesicht blickte.
Mit noch verschlafender, tiefer Stimme brummte er:
„Guten Morgen Feng Ling. Ich freue mich auch dich zu sehen...!"

Feng Ling schaute auf ihn herab und verzog dabei keine Miene.
„Schonmal auf die Uhr geschaut?"

Sun Yan blinzelte noch zweimal und schluckte einmal schwer, als er langsam seinen Mund öffnete. Er hielt direkten Blickkontakt als er aufmüpfig sagte:
„Schonmal in dein Gesicht geschaut?"

Ein Moment der Stille verging in dem keiner von beiden nachgab und sie sich schweigend anstarrten.
Schließlich nickte Feng Ling einmal mit seinem Kopf auf.
„Steh auf, wir gehen zum Badehaus und danach isst du was."

Sun Yan blickte ihn an. Er hatte sich noch keinen einzigen Zentimeter bewegt. Langsam hob er nur seinen rechten kleinen Finger an, als er sein Gesicht schmerzerfüllt verzog.
„Ich kann nicht. Ich bin ganz steif. Mein Nacken bringt mich um. Ich kann nicht laufen..."

Feng Ling betrachtete ihn noch einen Moment auffordernd, doch nachdem Sun Yan sich tatsächlich keinen Zentimeter rührte, packte er plötzlich an Sun Yan's Fuß und zog ihn quer übers Bett.

Sofort wurde Sun Yan hektisch aus Angst Feng Ling wolle ihn so zum Badehaus schleifen.
Und er sollte recht damit behalten.

Feng Ling packte Sun Yan an den Handgelenken und wollte ihn vom Bett hochheben.

Doch Sun Yan wehrte sich.
„Nein!" Rief er aus, als er plötzlich mehr als wach wurde. Es entstand ein Gerangel zwischen den beiden, wobei sich dann der Rest von Sun Yan's Nachtrobe auch noch ganz verabschiedete.

„Hör auf! Ich kann selber laufen!" Keifte Sun Yan in seiner Notwehr.
„Nein! Nein! Los lassen, ich will das nicht! Lass los! Du kannst mich nicht dazu zwingen!" Wimmerte Sun Yan, während er versuchte Feng Ling´s Hände abzuwehren.

Doch Feng Ling´s sonst so besonne Art geriet mit Sun Yan an seine Grenzen. Noch nie zuvor hatte eine zwischenmenschliche Beziehung so viel von ihm abverlangt. Seine Geduld war mit dem Jungen mittlerweile am Ende und er wollte dem Gerangel schnellstmöglich ein Ende setzen, als plötzlich Schritte von hinten zu hören waren und ein Dienstmädchen mit einem Tablett mit Frühstück den Pavillon betrat.

Der jungen Frau wäre fast alles aus der Hand gefallen, als sie mit großen Augen auf die beiden Männer starrte.
Sie hatte Sun Yan's Hilferufe schon vor der Tür gehört, aber als sie dann noch die zwei Männer sah, der eine fast komplett nackt unten liegend, der andere noch angezogen darüber lehnend und dann noch beide in einem offensichtlichen Gerangel verstrickt, trieb es ihr die Schamesröte in´s Gesicht. Schnell stellte sie das Tablett auf dem Tisch ab, als sie sofort und ohne Umschweife den Pavillon wieder verließ.

Sun Yan fiel alles aus dem Gesicht, als nun schon ein zweites Mal ein Dienstmädchen ihn in einer missverständlichen Lage vorgefunden hatte.
„Idiot!" Keifte Sun Yan, als er seine Hände losriss.

Doch in diesem Moment packte Feng Ling mit seiner rechten Hand auf Sun Yan's Mund und drückte seine Wangen zusammen.
„Du ziehst dir jetzt was über und dann gehen wir! Kein Theater und keine Widerrede mehr!"

„Hmpf" Schmollte Sun Yan, als er eingeschnappt den Kopf ruckartig zur Seite nahm.

Feng Ling lies ihn wieder los und ging schon einmal vor. Als er durch den Pavillon richtung Tür schritt bückte er sich einmal unauffällig und schon kam ohne Vorwahnung ein Kopfkissen angeflogen, welches Sun Yan direkt im Gesicht traf. Mit einem lauten Plopp schlug das weiche Kissen in sein Ziel ein.
„Steh jetzt auf! Und räum hier nächstes Mal besser auf! Die Dienstmädchen kommen noch zu Fall!"
Sagte Feng Ling siegreich, während er aus der Tür schritt und auf der Veranda auf seinen Schutzbefohlenen wartete.

Sun Yan´s Seele tobte und er war kurz vorm platzen, als er für einen kurzen Moment seine Augen schloss, tief einatmete und sich dann inständig fragte, wie lange es wohl noch dauern würde, bis Jiang Cheng endlich wieder zu ihm zurückkehrte.