Chapter 19.2

Es kehrte Frieden ein und die darauffolgenden zwei Tage liefen reibungslos. Sun Yan hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden und so blieb er tatsächlich friedlich in seinem Pavillon und ruhte sich aus.

Pünktlich jeden Morgen kam Feng Ling und holte ihn ab. Sie gingen gemeinsam zum Badehaus und unter Sun Yan's Gewimmer und gezeter, hatte es der Junge wenigstens geschafft, dass Feng Ling draußen vor der Tür auf ihn wartete, sodass Sun Yan wenigstens beim Waschen etwas Privatsphäre für sich hatte.

Wie jeden Morgen gab es danach ein Frühstück, welches ein Dienstmädchen direkt in Sun Yan's Pavillon brachte. Bei allen drei Mahlzeiten am Tag war Feng Ling anwesend und leistete Sun Yan etwas Gesellschaft. Es war vielleicht nicht gerade die ausgelassenste Stimmung am Tisch aber Sun Yan hatte sich längst daran gewöhnt, dass Feng Ling sich immer im Hintergrud aufhielt und ihm schweigend beim Essen zusah.
Diese gemeinsame Zeit nutzte Sun Yan gerne aus und er erwischte sich bald selbst dabei, wie er durch unnötiges Gequatsche anfing das Essen in die Länge zu ziehen, um wenigstens ein paar Stunden am Tag etwas Gesellschaft zu haben.

Doch Hochmut kommt vor dem Fall und jeden Abend nach dem Abendessen bestand Feng Ling vehement darauf, dass Sun Yan sich auszog und sich bereit fürs Schlafen gehen machte. Er legte ihm mit einer eisernen Selbstverständlichkeit die Fußfessel an und lies den einen oder anderen kratzbürstigen Kommentar straffrei über sich ergehen, ehe er die Tür wieder hinter sich schloss und Sun Yan für die Nacht alleine lies.


Es kam Sun Yan wie eine gefühlte Ewigkeit vor, aber endlich war es soweit und der Morgen des vierten Tages brach an.
Wie immer kam Feng Ling pünktlich um ihm die Fußfessel abzunehmen und ihn zum Badehaus zu begleiten.

Doch diesen Morgen saß Sun Yan schon aufrecht in seinem Bett und erwartete Feng Ling sehnsüchtig. Unruhig tippte er mit seinem Fuß auf und ab und zählte in Gedanken die Sekunden.

Als Feng Ling dann endlich zu ihm herein kam und die magische Fußfessel löste, konnte Sun Yan es sich nicht verkneifen und sagte dramatisierend:
„Endlich bin ich frei und kann tun und lassen was ich will, ohne dich permanent an der Backe zu haben! Ist das nicht wundervoll?" Seine Stimme hatte einen hohen, fast schon sarkastischen Unterton.

Feng Ling schnaufte ein wenig belustigt durch seine Nase, als er seine Augen ruhig schloss.
„Es stimmt wohl, du bist frei und kannst wieder tun und lassen wie es dir beliebt...allerdings...wirst du mich Wohl oder Übel noch länger an der Backe haben..."

Sun Yan zuckte zusammen.
„Wieso?" Fragte er fast schon schockiert.

Feng Ling blickte Sun Yan leicht fragend an.
„Ich hatte doch gesagt, dass ich die Anweisung bekommen habe dir nicht von der Seite zu weichen, bis unser Sect Leader wieder zurückgekehrt ist."

Sun Yan's Schultern fielen plötzlich flach ab, er lies die Arme lustlos hängen und streckte seinen Kopf weit in den Nacken. Er schloss seine Augen als er laut seufzent sagte:
„Verdammt...ich vergaß...womit habe ich das nur verdient...?"

Feng Ling schüttelte seinen Kopf.
„Los komm, steh auf. Ich habe Wang Chong schon gesagt, dass ich dich zu ihm bringen werde."
Sagte Feng Ling Sun Yan's provokante Aussage keinerlei Beachtung schenkend.

„Ja!" Antwortet Sun Yan wie ein gut erzogener Sohn zu seinem Vater, als er vom Bett aufsprang, seine Kleider packte und Richtung Badehaus marschierte.

Feng Ling hielt sein Versprechen und er brachte Sun Yan ohne Umschweife nach dem Frühstück in den Thronsaal zu Wang Sun Yan's wissbegierigen Fragen erreichten nur ernüchternde Antworten.
Wang Chong klärte ihn zwar über die Lage im Clan auf, übertrug Sun Yan bereitwillig seine Ämter, aber über Jiang Cheng's Aufenthaltsort erfuhr er auch vom Hauptmann kein Wort.
Mit betrübten Blick und einer deutlich ansehbaren Unzufriedenheit nahm Sun Yan schließlich die Arbeit auf und fand schwermütig zurück in seinen gewohnten Alltag.

Die Zeit verging, die trostlosen Tage verstrichen und noch immer gab es keine neuen Nachrichten über Jiang Cheng's Verbleib. Obwohl Sun Yan's Herz schwer war, versuchte er aus der Situation das Beste zu machen, um seinen Herren nach seiner Rückkehr nicht zu entteuschen.
Jiang Cheng sollte stolz auf ihn sein und vielleicht erhoffte sich Sun Yan sehnsüchtig das ein oder andere Wort des Lobes.


Es waren friedliche Tage zu jener Zeit und Sun Yan verbrachte viel Zeit mit Feng Ling. Aus seiner anfänglichen Abneigung gegenüber seinem ständigen Begleiter, der ihm von Morgens bis Abends auf Schritt und tritt folgte, wurde bald eine selbstverständliche Zweisamkeit.

Sun Yan bemerkte irgendwann, dass er nach allem was vorgefallen war jemanden an seiner Seite brauchte. Besonders nach Jiang Cheng's verschwinden hätte das Gefühl von Einsamkeit ihn wahrscheinlich irgendwann übermannt und so verstand der Junge bald, warum Jiang Cheng ihm einen Begleiter an seine Seite gestellt haben musste.

Feng Ling's und Sun Yan's Beziehung begann sich mit der Zeit langsam aber stetig zu verändern. War es am Anfang noch eher ein Katz- und Maus-Spiel zwischen den beiden und jeder fragte sich auf seine eigene Art und Weise womit er dies verdient haben könnte, so wurde bald daraus eine enge Freundschaft.

Feng Ling versäumte es nie, Sun Yan weiterhin jeden Morgen abzuholen. Sie starteten gemeinsam in den Tag und auch jeden Abend setzte er den Jungen wieder an seinem Pavillon ab. Der einzige Unterschied war nun, dass es keine Fußfessel mehr gab, was dazu beitrug, dass sich Sun Yan´s Unmut am Abend rasch wieder legte.
Ebenso aßen sie mittlerweile jede Mahlzeit gemeinsam und bald wurde es für Sun Yan selbstverständlich, dass Feng Ling ihm wie ein Schatten überall hin folgte.

Es entstand sogar irgendwann fast eine innere Unruhe, wenn Sun Yan sich umsah und nicht gleich Feng Ling irgendwo im Hintergrung entdeckte.
Menschen sind eben Gewohnheitstiere und Routine schafft Vertrauen, woraus wiederum Sicherheit entsteht. Und dies alles waren Dinge nach denen sich Sun Yan sehr sehnte und nun durch Feng Ling's Anwesenheit befriedigt wurden.


Es waren mittlerweile drei Wochen seit Jiang Cheng's Verschwinden ins Land gezogen und mit jedem weiteren Tag wurde Sun Yan's Sehnsucht immer größer. Es war eines Nachmittags, die warmen Sonnenstrahlen der Sonne fielen auf die Erde, das lange Gras bewegte sich seicht im milden Wind und die Baumkronen gaben ein angenehmes Rauschen von sich, wenn ein Luftzug die Blätter zum Tanzen brachte.

Sun Yan hatte sich etwas abseits des Clan's ein schattiges Plätzchen unter einem großen Baum gesucht um sich etwas von der Arbeit auszuruhen.
Lässig lehnte er mit seinem Rücken gegen einen Baum, einen Arm als Stütze hinter seinem Kopf verschränkt. Seine Beine lagen weit ausgestreckt, während er seine Augen friedlich geschlossen hatte.

Auf der Rückseite des Baumes stand Feng Ling. Er lehnte ebenfalls mit seinem Rücken an dem Baum, seine Arme wie immer vor der Brust verschränkt und sein Kopf war in andächtiger Meditation leicht abgesenkt.
Es war still und nur das Zwitschern der Vögel war zu hören.

Schließlich seufzte Sun Yan einmal laut auf, als sich seine Lippen öffneten und er das Wort ergriff:
„...Feng Ling...?"

„Hmm?" Brummte es hinter dem Baum hervor.

„Mein Nacken wird steif...!" Sagte Sun Yan müde, während er sich einmal streckte und kurz seinen Nacken massierte.

„Dann musst du etwas dagegen tun!" Antwortet Feng Ling unbeteiligt.

„..hmpf..." Sun Yan seufzte noch lauter auf.
„Kommst du herüber?"

Feng Ling hob langsam seinen Blick an, seine Arme noch immer kritisch vor der Brust verschränkt.
„Und dann?"

„Und dann..." fuhr Sun Yan fort.
„Leihst du mir deinen Schoß...so wie das gute Freunde und Fürsorgepflichtige eben so tun..."

Feng Ling schnaufte durch seine Nase, als er wieder desinteressiert seine Augen schloss.
„Ich will nicht." Antwortet er kurz und knapp, Sun Yan's Wunsch abschmetternt.

Sun Yan's Mundwinkel bogen sich amüsiert nach oben. Er wusste, dass er diese Antwort bekommen würde, aber er wusste auch ganz genau was er sagen musste, um zu bekommen was er wollte.
„Bitte...!" Kam es sanft und fast wie ein feiner Gesang über Sun Yan's Lippen.

Nach einem kurzen Moment der Stille hörte man plötzlich ein Rascheln und schwere Fußstapfen wateten durch das Gras, welche auf Sun Yan´s Seite herüber kamen.
Sun Yan öffnete ein Auge und blinzelte keck nach oben, der Sonne entgegen.

Feng Ling schritt an ihm vorbei und lies sich dann direkt neben ihm im Gras nieder. Er setzte sich in den Lotus Sitz, stützte sich mit seiner rechten Hand im Gras ab, während er mit der linken eine einladende Handbewegung machte.

Sun Yan lächelte den Mann neben sich an, als er sich sofort mit dem Rücken vom Baum abdrückte und sich dann seicht zur Seite kippen lies. Der Abstand passte genau und Sun Yan legte sich auf seine Seite, seinen Kopf direkt auf Feng Ling's Bein abstützend.
„So gut!" Schnaufte er zufrieden, während er sich noch ein wenig zurecht rückte, bis er die perfekte Liegeposition gefunden hatte.

Sun Yan hatte seine Augen zufrieden geschlossen und noch ein paar Mal atmete er tief ein, bis er sich ganz entspannt in Feng Ling´s Obhut niederlies. Seine linke Hand legte er unterstützend mit auf Feng Links Knie, während seine rechte Hand entspannt im Gras lag.

Eine ganze Weile verharrten sie so still nebeneinander und keiner von beiden sprach ein Wort. Feng Ling, der seine linke Hand die ganze Zeit noch leicht angehoben hatte und nicht so recht wusste wohin er sie ablegen sollte, betrachtete eine ganze Weile das hübsche Gesicht des Jungen. Ein paar Sonnenstrahlen fielen durch die Baumkronen und es tanzte ein Spiel aus Licht und Schatten auf dem liebreizenden Gesicht. Feng Ling verlor sich in diesem Anblick und er fuhr still und prüfend jeden Zentimeter ab, als plötzlich ein Blatt des Baumes durch einen Winzug auf Sun Yan's Haar wehte.

Feng Ling fuhr langsam mit seiner linken Hand, einen gebürtigen Abstand wahrend, über Sun Yan´s Körper, als er schließlich vorsichtig zwischen Zeigefinger und Daumen das Blatt aus dem dunklen Haar entfernte. Er drehte es ein paar Mal zwischen seinen Fingern hin und her als plötzlich Sun Yan aufschnaufte. Feng Ling zuckte sofort zusammen und entfernte rasch wieder seine Hand, als Sun Yan langsam seine Augen öffnete.

„Wann er wohl wieder kommt?" Fragte Sun Yan leise. In seiner Stimme war die Sehnsucht und Sorge deutlich zu hören.

„Bald!" Antwortete Feng Ling ruhig.

„Wann ist bald? Es sind schon drei Wochen vergangen." Erwiderte Sun Yan, während er seinen Kopf auf Feng Ling's Bein ankuschelte. Die schlanke Hand des Jungen spannte sich an und die Finger gruben sich leicht in die Robe an Feng Ling's Knie.
„Vielleicht...ist ihm etwas zugestoßen..." Hauchte Sun Yan besorgt.

Feng Ling, der um die Sorge in Sun Yan's Herzen wusste, versuchte den Jungen etwas zu beruhigen.
„Es geht ihm gut und er wird bald wieder kommen. Vertraue auf deinen Herren. Er lässt uns nicht im Stich."

„Hmm" summte Sun Yan bestätigend über seine Lippen, als er wieder seine Augen schloss. Er wusste, dass Feng Ling nur versuchte ihn etwas positiv zu stimmen, aber es änderte nichts daran, dass er sich große Sorgen um Jiang Cheng machte.
Schließlich holte Sun Yan einmal tief Luft, als er vorsichtig begann:
„Wenn ich sagen würde...ich mache alles was du willst, wenn du mir dafür sagst, wo unser Sect Leader ist...würdest du darauf eingehen?"

Feng Ling spürte plötzlich einen stechenden Schock der durch seine Glieder fuhr. Sein Körper spannte sich an und für einen Moment erstarrte er in seiner Bewegung. Seine blauen Augen weiteten sich, als er sprachlos nach unten in seinen Schoß blickte.
Seine Fingerspitzen zuckten einmal zusammen, seine Kopfhaut begann zu kribbeln und seine Lippen öffneten und schlossen sich seicht, so als wollte er etwas sagen. Doch es kam nichts und nachdem ein weiterer Moment der Stille vergang, schüttelte Sun Yan plötzlich verneinend seinen Kopf.
„Vergiss was ich gesagt habe!" Sagte er hastig.
„Du würdest es mir eh niemals sagen. Dafür kenne ich dich jetzt zu gut. Du bist treu und loyal unserem Herren gegenüber. Du würdest niemals darauf eingehen, dafür hast du zu viel Stolz. Verzeih, dass ich so eine dreiste Frage gestellt habe!"

Feng Ling spürte seinen Herzschlag, welcher plötzlich einmal laut in seiner Brust aufpochte. Ein seltsames Gefühl schoss durch seinen Körper und er war nicht fähig etwas darauf zu erwidern, als Sun Yan noch schnell hinterher hängte:
„Und außerdem...was gäbe es schon, was du dir von mir wünschen könntest?"

Feng Ling's Atmung setzte kurz aus, seine Gedanken überschlugen sich, als er einmal schwer schluckte. Seine blauen Augen starrten weit aufgerissen auf das liebliche Gesicht des Jungen in seinem Schoß. Er war unfähig etwas zu sagen und sein Körper geriet in eine Art Schockstarre.

Sun Yan, der Feng Ling´s Anspannung spürte, drehte sich auf den Rücken, er öffnete seine Augen und blickte nach oben, direkt in Feng Ling's Gesicht.
Ihre Blicke trafen sich und Sun Yan's grünen Augen funkelten in dem hellen Sonnenlicht auf.
„Ich habe doch recht oder?" Fragte Sun Yan noch einmal nach, sicher davon ausgehend, dass er Recht hatte.

Ein Moment des Schweigens verging, während die beiden sich nur ansahen.

Schließlich öffnete Feng Ling seine Lippen als er leise zu stottern begann:
„Ich..."

Doch sofort streckte Sun Yan seine Hand nach oben aus und legte seinen Zeigefinger versiegelnt auf Feng Ling's Lippen.
„Du brauchst nicht zu antworten. Es war nur ein Witz. Ich weiß natürlich wie deine Antwort ausfallen würde, ich kenne dich doch mittlerweile. Es ist nicht nötig auf so eine Unverfrorenheit meinerseits zu reagieren." Sun Yan kicherte einmal leise auf, als er keck sein eines Auge schloss und Feng Ling zublinzelte. Dann zog er seine Hand wieder zurück und lies sie sanft zurück ins hohe Gras fallen.

Feng Ling's blaue Augen starrten unruhig in Sun Yan's erheitertes Gesicht, als er noch einmal ruckartig einatmete und dann seinen Blick in die Weite schweifen lies. Er sagte nichts und hüllte seine Gedanken weiterhin in Schweigen.

Sun Yan schloss wieder seine Augen, als er einmal tief und entspannt einatmete, um dann mit leiser und müder Stimme sein Wort nocheinmal an Feng Ling zu richten. Er drehte seinen Kopf zur Seite und blickte über das Land um einem direkten Blickkontakt etwas zu umgehen.
Es war eine Frage, die ihn schon die ganze Zeit über beschäftigte, aber er nie den Mut aufbringen konnte sie zu stellen. Doch jetzt, in ihrer ruhigen Zweisamkeit in der sie sich so nah wie noch nie waren, gab Sun Yan sich einen Ruck.
„Sag mal,...du hast mich nie gefragt woher meine Verletzungen stammen oder warum du mich überhaupt beschützen sollst...
Weißt du es schon oder...willst du es nicht wissen?"

Feng Ling's kleiner Finger zuckte auf. Er holte seinen Blick aus der Ferne zurück und schaute in Sun Yan's Gesicht. Der Blick des Jungen blieb jedoch weiterhin abgewandt.
Feng Ling's Stimme war ruhig und besonnen, als er die Antwort auf Sun Yan's Frage gab, welche ihn selbst seit geraumer Zeit beschäftigte.
„Es gibt Dinge auf dieser Welt, diese muss man nicht mit Worten erfragen um sie erahnen zu können... Es reicht mir zu wissen, dass unserem Sect Leader deine Sicherheit und dein Wohlergehen so am Herzen liegen, dass er mich von all meinen Ämtern freigestellt hat, nur um deine Unversehrtheit zu gewährleisten.
Dies reicht vollkommen aus, um zu wissen, wie wichtig diese Aufgabe ist und ich werde alles tun was in meiner Macht steht um diesem Anliegen gerecht zu werden.
Ich verspreche dir, solange ich an deiner Seite bin, wird dir niemand etwas antun!"
Feng Ling blickte mit einem entschlossenen und stolzen Blick auf den Jungen in seinem Schoß. Dabei fiel sein Blick noch einmal auf Sun Yan's Handgelenke und auf seinen Hals, an denen man nur noch schemenhaft die letzten Überreste der dunklen Blutergüsse sehen konnte.

Sun Yan's grüne Augen weiteten sich erst um sich dann zu zwei kleinen Schlitzen zu formen. Ein sanftes Lächeln huschte über seine Lippen, als er seine Wange sachte einmal an Feng Ling's Oberschenkel rieb.
„Ich weiß!" Hauchte er zufrieden.
„Danke dir!"
Sun Yan atmete einmal tief ein, als er die Worte Feng Ling´s auf sich wirken lies. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit durchströmte seinen Körper, gefolgt von einer Dankbarkeit, dass trotz Jiang Cheng's Abwesenheit jemand für ihn da war. Auch wenn er wusste, dass Feng Ling´s Handeln nicht freiwillig entstanden war, so war es aber ersteinmal genug für ihn, die Wärme einer beschützenden Hand zu spüren.

Die starren Konturen in Feng Ling's Gesicht wurden plötzlich ganz sanft und zart und ein Schmunzeln huschte über seine Lippen, als er endlich seine linke Hand ausstreckte, um den Jungen zu berühren. Ganz vorsichtig, fast so als hätte er Angst etwas zu zerbrechen, strich er mit seiner flachen Hand über Sun Yan's Haar und tätschelte ein wenig seinen Kopf.
„Schlaf jetzt und ruh dich etwas aus!" Brummte Feng Ling mit sanfter Stimme, während seine Hand von einer angenehmen Wärme heimgesucht wurde, wo immer sich ihre Körper berührten.


Es war früher Abend geworden, die Luft zog langsam an und die letzten Sonnenstrahlen fielen über das Land, als Sun Yan und Feng Ling zurück nach Lotus Pier kehrten.
Den ganzen Nachmittag hatten sie auf der Wiese unter dem Baum verbracht, denn Sun Yan war für mehrere Stunden in Feng Ling's Schoß eingeschlafen und dieser wagte es nicht ihn aus seinem erholsame Schlaf zu wecken.

Etwas müde und noch mit kleinen Augen schleppte sich Sun Yan voran, als sie bald in die Nähe des Eingangstors kamen.
Plötzlich hörten sie viele Stimmen und eine aufgebrachte Menschenmenge schien sich am Tor von Lotus Pier versammelt zu haben.

Sun Yan rannte los und mischte sich schnell unter die Massen, während Feng Ling versuchte mit ihm schritt zu halten.
Es waren alles Clanmitglieder des Jiang Yunmeng Clan's und Sun Yan pickte sich den Erstbesten heraus und sprach ihn an:
„Ist etwas geschehen? Warum ist hier so eine Aufruhe?" Fragte er leicht nervös, während er sich mehrfach umsah um etwas zu entdecken.

Der junge Cultivator des Yunmeng Clan's drehte sich um und als er Sun Yan, gefolgt von Feng Ling erkannte, verneigte er sich erst einmal respektvoll vor ihnen, ehe er hastig zu sprechen begann:
„Unser Sect Leader ist mit seinen Männern wieder zurückgekehrt...und...und...sie sagen...sie sagen..." Stotterte er aufgebracht.

Sun Yan's Augen weiteten sich. Ruckartig fasste er mit beiden Händen an die Schultern des Mannes, als er ihn leicht schüttelte. Seine Stimme war unruhig und aufgebracht.
„Was sagen die Männer? Was ist passiert?"

Der Mann nickte mehrfach, ehe er weiter sprach:
„Unser Sect Leader ist leicht verletzt...
Zhuang Xi...!
Er soll Zhuang Xi hingerichtet haben!
Die Männer die mit ihm waren sagen sie hätten ihn aufgespürt und unser Anführer, soll ihm einen qualvollen Tod beschert haben...!
Letzten Endes, soll er ihn sogar enthauptet haben!"
Hauchte der junge Cultivator beeindruckt über seine Lippen.

Sun Yan's grüne Augen wurden immer größer. Sein Mund stand vor Schock leicht offen, als er fassungslos den Kopf schüttelte.
„Wo ist er jetzt? Wie schwer sind seine Verletzungen? Sag es mir!" Sun Yan's Finger krallten sich tief in die Schultern des Mannes, als man in seiner Stimme seine aufbrausenden Emotionen deutlich heraus hören konnte.

Der junge Cultivator zuckte kerzengerade zusammen, so stechend waren Sun Yan's grüne Augen.
„Er war schon beim Heiler. Scheint nichts ernstes zu sein. Seine Schulter ist verletzt! Er hatte euch beiden gesucht und nach euch gefragt aber man sagte ihm ihr seid nicht da.!"

„Wo ist er jetzt?" Fragte Sun Yan, während er noch einmal den Mann leicht schüttelte.

Feng Ling, der bemerkte, dass Sun Yan seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle hatte, legte seine Hand auf Sun Yan's Schulter um den Jungen etwas zu besänftigen.

Sun Yan, einen kurzen überraschten Blick über seine Schulter nach hinten werfend, fiel erst jetzt auf, wie unhöfliche sein Verhalten gewesen war und er lies von dem Mann langsam wieder ab.

Als Feng Ling dem Mann einmal bestätigend zunickte fuhr dieser weiter fort:
„Unser Sect Leader soll sich jetzt im Badehaus befinden. Er sagte ausdrücklich er wolle von niemandem gestört werden."

„Im Badehaus?" Fragte Sun Yan mit hoher Stimme nach, als ein Kribbeln bis in seine Finger fuhr.

Der Mann nickte ihnen noch einmal zu, bevor er unwissend mit den Schultern zuckte.
„Ja, dass ist alles was ich weiß!"

Feng Ling sah sich einmal misstrauisch um.
„Warum ist hier dann immer noch so eine Aufruhe? Es muss schon einige Zeit her sein, dass sie zurückgekehrt sind."

„Ja!" Sagte der Cultivator schnell.
„Das ist wahr! Aber die Männer die mit ihm waren erzählen immer noch die Geschichte von Zhuang Xi's Hinrichtung. Wir können es gar nicht glauben, was die Männer da erzählen. Ihr solltet es euch anhören...!"

Sun Yan's Augen standen weit offen, während seine Atmung unruhig wurde. Er schüttelte kurz mehrfach seinen Kopf hin und her, so als könnte er nicht glauben was man ihm erzählte. Nur alleine vom Hören des Names von Zhuang Xi lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Er spürte wie seine Hände leicht zittrig wurden, sein Herz schlug schnell in seiner Brust, als das Verlangen Jiang Cheng sofort zu sehen immer größer wurde. plötzlich zuckte er zusammen, fest entschlossen das Badehaus aufzusuchen, als er einen Schritt nach vorne machte und los laufen wollte.

Doch Feng Ling, der schon ahnte, dass dies gleich passieren würde, ergriff Sun Yan plötzlich am Arm und hielt in fest.

Sun Yan wurde abrupt in seiner Bewegung ausgebremst und er warf einen zornigen Blick über seine Schulter zu Feng Ling.
„Lass mich los! Ich muss zu ihm!" Keifte er nach hinten.

„Warte! Ich verstehe deine aufbrausenden Emotionen, aber komm erst zur Ruhe!" Versuchte Feng Ling ihn zu beruhigen, während er ihn vehement am Arm festhielt.

„Ich muss nicht erst zur Ruhe kommen! Ich muss ihn sehen! Sofort!" Erwiderte Sun Yan zornig, als er vesuchte sich aus Feng Ling's eisernem Griff zu befreien. Doch die große Hand legte sich wie eine Schelle um seinen Arm und hielt ihn an Ort und Stelle fest.

Feng Ling schüttelte mit Unmissverständnis den Kopf
„Er hat gesagt er will nicht gestört werden! Gib doch allen erst etwas Zeit. Was willst du so erreichen?" Fragte er etwas besorgt, während er mit Mühe und Not Sun Yan gerade noch so festhalten konnte.
Schließlich zog Feng Ling einmal kräftig an Sun Yan Arm und dieser stolperte durch den Ruck einen Schritt nach hinten. Den Moment nutzte Feng Ling aus und legte beide Arme um Sun Yan herum und drückte ihn fest mit einem Klammergriff gegen seine Brust.

„Was?" Rief Sun Yan noch verwundert aus. Doch er wurde dadurch nur noch zorniger, als Feng Ling ihn von hinten im Klammergriff umschloss. Er begann sich grob dagegen zu wehren und strampelte hin und her.
„Lass mich sofort los! Du hast ja keine Ahnung!" Fauchte er wütend.

Doch Feng Ling schloss für einen Moment seine Augen, während seine Arme ihre Körper immer fester aneinander drückten.
„Geh nicht, Sun Yan..." Hauchte er leise, fast schon bittent über seine Lippen.

Doch Sun Yan, in dessen Adern das Blut kochte, die Emotionen ihn überrollten und sein Herz vor Sehnsucht nach Jiang Cheng nur so schrie, holte plötzlich mit seinem Ellenbogen aus und rammte ihn Feng Ling kraftvoll in den Magen.
„DU SOLLST MICH LOS LASSEN HABE ICH GESAGT! DIES GEHT DICH NICHT IM GERINGSTEN ETWAS AN, ALSO HALTE DICH DARAUS!"
Rief er mit zorniger Stimme aus.

Feng Ling blieb die Luft weg und er krümmte sich kurz vor Schmerzen, als er Sun Yan schließlich los lies und er ihm aus den Fingern glitt.

Der Junge befreite sich aus seinem eisernen Griff und ohne sich auch nur noch einmal nach Feng Ling umzusehen, rannte er los.

Feng Ling fiel auf seine Knie, seine rechte Hand schmerzerfüllt auf seinem Magen ruhend. Er blickte auf, streckte seine linke Hand noch nach dem Jungen aus, als er Sun Yan entteuscht hinterher sah, dessen anmutiger Rücken sich zwischen der Menschenmasse bald verlor und schließlich aus Feng Ling's Sichtfeld ganz verschwand.


Sun Yan stolperte durch Lotus Pier.
Mit seinen Gedanken war er nur bei Jiang Cheng. Er musste ihn sofort sehen, die vielen Fragen in seinem Kopf überschlugen sich.
Bald entdeckte er das Badehaus und heller Rauch stieg aus dem Schornstein empor.

Er rannte über die Veranda und kam bald völlig außer Atem vor der Tür zum Stehen.
Er atmete ein Paar mal tief ein, seinen Puls wieder etwas beruhigend.

Sein Herz schlug schnell und aufgebracht in seiner Brust, ein dicker Kloß vor lauter Nervosität steckte in seinem Hals, als er sich kurz an der Wand des Badehauses abstützte um sich etwas zu beruhigen.

Er legte seine linke Hand auf seine Brust

Bum Bum Bum

Schlug sein junges Herz schnell und aufgeregt.
Er schluckte einmal schwer, als er schließlich die Hand auf den Türgriff legte und mit einem gewaltigen Ruck diese aufschob.

„Sect Leader!" Sagte er mit lauter und leicht zittriger Stimme, als er in das Badehaus eintrat.

Dicker, warmer Wasserdampf versperrte ihm die Sicht und seine Augen mussten sich erst an den hellen Nebel gewöhnen, ehe er etwas erkennen konnte. Er zog die Tür wieder hinter sich zu und machte ein Paar Schritte in den Pavillon hinein, als er in einem großen, hölzernen Tuppen eine Silhouette erkannte.

Sun Yan's grüne Augen weiteten sich, als er Jiang Cheng nackt in dem Tuppen sitzen sah. Ihre Blicke trafen sich und plötzlich stand Jiang Cheng langsam auf. Er sagte kein Wort aber Seine Augen waren stechend und hefteten sich anvisierend auf Sun Yan.
Seine langen, nassen Haare hingen an seinem Rücken herunter und das Wasser perlte an seinem nackten, muskulären Oberkörper ab. Er kam in die Aufrichtung und bäumte sich groß und majestätisch in voller Größe vor dem Jungen auf. Seine linke Schulter trug einen Verband und es war leichtes Blut zu sehen, welches sich durch den hellen Stoff durchdrückte.
Die aufgebrachte Wasseroberfläche bedeckte ihn gerade noch so bis zur Hüfte, als Sun Yan bei diesem Anblick einmal schwer schluckte.

Fast schon etwas verlegen senkte er leicht seinen Blick. Bis eben war er noch festentschlossen das Nichts und Niemand ihn aufhalten könnte hier hereinzuplatzen, doch jetzt wo er hier stand, kroch ihm plötzlich die Unsicherheit in seine Glieder.

Jiang Cheng schnaufte einmal durch seine Nase, die angespannte Stille durchbrechend.
„...Jiang Cheng...!" Sagte er mit klarer, befehlender Stimme.

Sun Yan zuckte zusammen.
„Bitte?" Fragte er verwundert, während er vorsichtig seinen Blick wieder anhob.

Jiang Cheng wiederholte laut und deutlich seine Worte.
„Jiang Cheng...das ist mein Name!
Wenn wir unter uns sind, ist es nicht mehr nötig an Förmlichkeiten festzuhalten. Besonders nicht, wenn du so in ein Badehaus hereinplatzt, wenn du weißt, dass ich mich dort drinnen befinde."

Sun Yan's grüne Augen weiteten sich. Ein heißes Prickeln schoss durch seinen Körper bis in seine Fingerspitzen. Er spürte wie seine Wangen leicht heiß wurden und die Wärme sogar bis über seine Ohrläppchen strahlte.

Es waren nun mittlerweile ganze drei Wochen vergangen seit ihrer gemeinsamen Nacht in Sun Yan's Pavillon. In dieser Zeit hatte sich der Junge immer wieder gefragt ob das alles vielleicht doch nur ein Traum gewesen war.
Doch nun stand Jiang Cheng wieder vor ihm, in Fleisch und Blut, er konnte ihn sehen, seine Stimme hören und die Erinnerungen der bittersüßen Nacht erwachten wieder in ihm. Die Worte der Liebe welche sie in jener Nacht miteinander austauschten hallten wie ein Echo in seinem Kopf wieder.

Scheinbar war das alles doch kein Traum gewesen, sondern die Realtität. Sun Yan wurde leicht nervös, seine Emotionen noch nicht ganz wieder unter Kontrolle.
Leise und etwas zaghaft hauchte er über seine Lippen:
„...Jiang Cheng...ihr seid wieder da..." Unsicher senkte er wieder leicht seinen Blick. Diesen Namen auch nur direkt vor der Person selbst auszusprechen, trieb ihm die Schamesröte ins Gesicht.

Jiang Cheng betrachetete eine ganze Weile schweigend Sun Yan. Sein Blick war intensiv und durchbohrent, doch gleichzeitig gefüllt mit einer bedingungslosen Wärme und Zuneigung.
„Er ist tot!" Sagte er schließlich tief.

Sun Yan zuckte zusammen. Langsam hob er seinen Blick an.

„Zhuang Xi! Er und seine Männer sind tot!
Ich habe ihn mit meinen eigenen Händen enthauptet!
Ich habe sie dafür büßen lassen, was sie dir angetan haben und nie wieder werden sie dir Leid zufügen können!"
Sagte Jiang Cheng mit beeindruckender und rechtsprechender Stimme.
Er hob seine Hände leicht an und schaute in seine Handinnenflächen, so als könnte er es selbst kaum glauben, was er mit diesen Händen getan hatte.

Sun Yan's Körper begann zu beben.
Zu wissen, dass Zhuang Xi dafür gebüßt hatte was er ihm angetan hatte und es sogar noch mit seinem eigenen Leben bezahlt hatte, löste ein unbeschreibliches Gefühl in seinem Körper aus. Ekel, Scham und besonders die Angst ihm noch einmal begegnen zu müssen fielen langsam von ihm ab.
Ebenso brachte die Gewissheit, dass Jiang Cheng nur für ihn sich auf diese gefährliche Mission begeben hatte, sein Leben riskiert hatte nur um ihn zu rächen, ein angenehmes und kribbelndes Gefühl mit sich.
Sun Yan fühlte sich fast schon geehrt, wertgeschätzt und geliebt zugleich. Er stellte fest, dass jede einzelne, unglückliche Sekunde in den vergangenen drei Wochen es Wert gewesen war, nur um jetzt von diesen süßen Gefühlen in seiner Brust zehren zu können.
Sein Herz raste wild in seiner Brust und sein Körper wurde von einer inneren, sengenden Hitze heimgesucht.

Plötzlich streckte Jiang Cheng langsam seinen rechten Arm aus und hielt Sun Yan einladend seine Hand entgegen.
Ruhig aber mit einer Stimme gefüllt voller Sehnsucht sagte er:
„Komm, mein geliebter Sun Yan!
Ich habe dich vermisst!"

Sun Yan's grüne Augen funkelten in dem dichten Wasserdampf auf.
Seine Atmung setzte kurz aus, als die verführerischen Worte Jiang Cheng's tief in seine Seele eindrangen. Es gab keinen Grund mehr, seine Gefühle und sein Verlangen zurückzuhalten. Es war wie ein Startschuss und Sun Yan gab sich seinen Wünschen hin, als er plötzlich losstolperte und mit einem Seitensprung über den Rand des Wassertuppens sprang, direkt in Jiang Cheng's Arme.

Das Wasser platschte laut auf, schwappte großflächig über den Rand des Tuppens und verteilte sich auf dem dunklen Fußboden des Badehauses.

„Ich habe euch vermisst!
Ich habe euch so sehr vermisst!" Wimmerte Sun Yan in Jiang Cheng's Armen, während er sich so fest an seinen Sect Leader krallte, als könne er eine weitere Trennung von ihm nicht ertragen. Er schloss seine Augen und vergrub seinen Kopf tief in Jiang Cheng's nackter Schulter, als dieser mit seiner Hand über seinen Kopf strich und den Jungen fest an sich drückte.
„Ich weiß...!" Hauchte Jiang Cheng, als er seine Augen schloss, einmal tief einatmete und dann einen Kuss auf Sun Yan's Haar platzierte.
„Jeden Tag musste ich an dich denken und ich wollte so schnell wie möglich zu dir zurückkehren. Ich konnte es kaum erwarten, dich wieder in meine Arme zu schließen!"
Seine feuchten Hände glitten sanft an dem Rücken des Jungen hinunter bis sie über zwei runde Pobacken strichen und plötzlich einmal fest zupackten.

"Ah..!" Stöhnte Sun Yan leise und überrascht auf, als seine Hüfte hart gegen Jiang Cheng's Schritt gepresst wurde. Sie spürten beide ein unstillbares Verlangen, welches unaufhaltsam in ihren Körpern frei wurde und die Luft im Badehaus begann mit einem Mal zu knistern.