Chapter 19.4
Schwermütig setzte er einen Fuß vor den anderen. Antriebslos und in Gedanken versunken zog es ihn durch das große Stadttor. Sein Ziel war ungewiss und seine Gedanken drehten sich zum ersten Mal in seinem Leben im Kreis, ohne, dass er so recht einen Ausweg aus diesem zermürbenden Karussell wusste.
Feng Ling atmete einmal tief ein, als er sich groß aufrichtete, die Straße entlang blickte und die Atmosphäre auf sich wirken lies.
Überall brannten Lichter in den kleinen Fenstern, die Straßen waren belebt und die Stadt erstrahlte in ihrer nächtlichen Feierlichkeit.
Feng Ling sah sich um und überlegte nicht mehr lange wohin er gehen wollte, denn er ahnte bereits, in welcher Sackgasse dieser Ausflug enden würde.
Mit zielstrebigen Schritten steuerte er die erste Taverne an die er finden konnte und trat durch die kleine Tür in einen belebten Raum hinein.
Die Taverne war nicht sonderlich groß aber dafür gemütlich eingerichtet und bot ihren Gästen ein paar schöne Tische in kleinen Nischen, welche die Privatsphäre gut zu schützen wussten. Es war eine heitere und ausgelassene Stimmung in der Taverne und die vielen Tische die belegt waren, schienen mit alten Stammkunden besetzt zu sein. In der Ecke des Raumes stand sogar ein junger Mann, welcher auf einer langen Flöte ein paar anmutigende Lieder anspielte.
Feng Ling wurde sogleich von einer jungen Wirtin entdeckt und sie kam zielstrebig auf den jungen Mann zu und begrüßte ihn freundlich.
„Ein Tisch für eine Person?" Fragte sie freundlich. Die junge Frau hatte ein hübsches Gesicht, mit vollen runden Lippen, ein paar Sommersprossen und sie trug einen locker geflochtenen Zopf, der lang nach vorne über ihre Schulter hing. Es war Xiao Ming.
Feng Ling blickte die junge Dame an und nickte ihr zu.
„Hmm." Brummte er über seine Lippen, ihre Freundlichkeit mit einem kurzen Nicken erwidernt.
Sofort ging Xiao Ming los und wies Feng Ling einen kleinen Tisch am Ende des Raumes zu.
„Ihr seid ein Cultivator aus Yunmeng nicht wahr?" Fragte sie interessiert, während sie begann eine Trinkschale und einen Krug Wasser auf den Tisch zu stellen.
Feng Ling setzte sich und blickte dann zu der Frau auf.
„Hmmm." Brummte er erneut ungesprächig auf.
Sofort legte Xiao Ming den Kopf leicht schief und lächelte Feng Ling über das ganze Gesicht an.
„Ich wusste es! Mal wieder! Meine Augen trügen mich nicht!" Sagte sie freudig und ihre dunklen, großen Augen begannen zu funkeln.
„Ich spüre so etwas immer sofort. Denn wisst ihr, ich mag Cultivators."
Xiao Ming lachte Feng Ling an, während sie, nicht zum ersten Mal, wieder ihrer Schwäche nachging und ins Schwärmen geriet.
„Wisst ihr, die meisten Cultivators sind ehrenvolle und gut ausehende Männer. Sie sind mutig, stark und stet's etwas geheimnissvoll. Mein Vater sagt immer ich solle mich vor ihnen in Acht nehmen und mich nicht auf sie einlassen, denn man wüsste ja nie was sie so im Schilde führen. Aber ich sage immer: Pappelapapp, was kann man gegen Männer haben die gut gekleidet sind, Ziele in ihrem Leben haben und dann ganz nebenbei auch noch einen gut gefüllten Geldbeutel haben?"
Xiao Ming lachte auf, während sie nebenbei noch etwas über den Tisch putzte.
„Und außerdem..." Flüsterte sie hinter vorgehaltener Hand.
„Schwärmen die jungen Mädchen immer so viel von euch Cultivators. Ihr sollt himmlische Liebhaber sein. Romantisch und aufregend zugleich. Wobei ich mich in letzter Zeit vermehrt frage ob man das wirklich so pauschal behaupten kann?"
Fragte sie vergnügt, während sie kurz nachdenklich unter die Zimmerdecke schaute.
„Na wie auch immer!" Sagte sie höflich, während sie Feng Ling einmal keck zuzwinkerte.
Feng Ling blickte die junge Frau etwas entgeistert an. Auf so viel freudigen Redesschwall war er gar nicht vorbereitet und erst recht nicht, wenn man ihm jetzt auch noch von angeblichen glücklichen Romanzen erzählte.
Als die junge Frau Feng Ling's verwunderten und unzufriedenen Gesichtsausdruck bemerkte hielt sie sich schnell die Hand vor ihren Mund.
„Huch, verzeiht. Ich rede schon wieder so viel. Es passiert mir aber auch immer und immer wieder und ständig quassel ich die selben Sachen. Ich wollte euch nicht verschrecken. Also bitte, was möchte dieser attraktive und junge Cultivator hier bestellen?"
Xiao Ming lächelte Feng Ling an, während sie im Augenwinkel einmal skeptisch zu seinem großen Speer herüber linste, welcher imposant an die Wand gelehnt war.
„Alkohol! Bitte Alkohol! Einen Krug. Den Besten den ihr habt." Sagte Feng Ling mit bedachter Stimme.
Xiao Ming stutzte für einen Moment und sie zog eine Augenbraue skeptisch nach oben, als ihre Augen sich zu kleinen Schlitzen formten. Doch sogleich legte sie wieder ein symphatisches Lächeln auf.
„Einen Krug den besten Alkohol? Möchtet ihr vielleicht noch etwas dazu bestellen? Ein wenig Brot als Basis?"
Feng Ling schüttelte verneinend seinen Kopf hin und her.
„Nein danke, wirklich nur den einen Krug."
Die junge Frau schloss für einen Moment kurz ihre Augen, so als würde sie Feng Ling's Antwort noch einmal auf sich wirken lassen. Doch dann lächelte sie ihn freundlich an.
„Da kann man nichts machen! Also Sehr gerne, einen Krug für unseren geheimnissbollen Cultivator hier."
Xiao Ming drehte sich um und als sie gerade wieder zurück zur Küche gehen wollte, sagte Feng Ling plötzlich hastig:
„Oder wartet...zwei...ich nehme doch zwei Krüge.
Ja, zwei Krüge von dem besten Alkohol. Bitte."
Xiao Ming erstarrte in ihrer Bewegung. Sie wendete sich langsam mit ihrer Seite wieder zu Feng Ling. Sie trug einen leicht sauren Gesichtsausdruck und das freudige Strahlen verschwand aus ihren Augen.
Sie nickte ihm nur bestätigend zu, ohne etwas zu sagen, als sie auf dem Absatz wieder kehrt machte und den Tisch wieder verließ.
Feng Ling senkte wieder seinen Blick. Mit seinem rechten Fuß begann er etwas unruhig auf dem Boden hin und herzuwippen, während er mit seiner linken Hand schon einmal in seine Robe fasste und nach seinem Geldbeutel kramte.
Es begann plötzlich draußen zu regnen. Mit lautem Rauschen stürzte ein Regenguss nieder und die Tropfen prasselten laut gegen die kleinen Fensterscheiben.
Feng Ling blickte nach draußen, als er einmal laut aufseufzte.
Es dauerte auch nicht lange, bis Xiao Ming wieder an Feng Ling's Tisch zurückkehrte.
„Bitte sehr!" Sagte sie laut und etwas provokant, als sie demonstrativ nur einen Krug Alkohol auf den Tisch abstellte.
„Unser bester Alkohol. Teilt ihn euch gut ein und genießt ihn!" Sagte sie freundlich, während sie das Gefäß und eine Trinkschale auf dem Tisch abstellte. Es plätscherte leise, als sie die kleine Trinkschale bis zum Rand mit der duftenden Flüssigkeit füllte.
Sofort stieg einem ein angenehmes Aroma in die Nase und verführte den Geruchssinn.
Feng Ling stutzte, als er nur den einen Krug vor sich auf dem Tisch stehen sah.
„Vielen Dank, aber ich hatte zwei Krüge bestellt. Wo ist der andere?"
Sagte er etwas irritiert, eine Antwort der jungen Frau einfordernt.
Doch Xiao Ming stützte lässig ihre rechte Hand auf ihre Hüfte ab, während sie den Zeigefinger ihrer linken Hand verwarnent in die Luft hob:
„Nur noch einen Krug pro hübschen Cultivator! Dies ist eine neue Regel hier im Haus!" Sagte sie selbstbewusst, während sie Feng Ling dabei ermahnent ansah.
Feng Ling zog die Augenbrauen nach oben und staunte nicht schlecht über diese selbstbewusste, junge Dame.
„Wer hat diese Regel aufgestellt? Ist der Gast nicht König bei euch im Haus? Lasst mich mit dem Wirt sprechen!"
„Ähm.." Kratzte sich Xiao Ming leicht verlegen am Kopf.
„Nun gut, nun gut, dies ist meine Regel." Antwortete sie hastig.
„Aber sie hat einen triftigen Grund." Nickte sie mehrfach ihre eigene Entscheidung gut heißend.
„Was für einen triftigen Grund?" Bohrte Feng Ling weiter nach.
„Nunja..." Begann Xiao Ming etwas verunsichert. Sie blickte in Feng Ling's blaue Augen, als sie plötzlich die Reue der Vergangenheit einholte.
„Wisst ihr, aus Fehlern in unserem Leben lernen wir. Es sind Erfahrungswerte die uns beeinflussen. Manchmal treffen wir Fehlentscheidungen und wir müssen dann mit den Konsequenzen Leben.
Nicht immer leicht. Ich habe schon viele junge Cultivators gesehen wie ihr einer seid, welche abends in unsere Taverne kommen und sich dann dem Suff hingeben. Die einen aus Freude und Unbekümmertheit, aber es gab auch einige unter ihnen, die versucht haben ihren Kummer hinfort zu trinken. Und glaubt mir, sie alle hatten eines gemeinsam!"
Xiao Ming lehnte sich etwas weiter über den Tisch zu Feng Ling hinunter und blickte ihm direkt in die Augen. Ein Moment der Spannung kam auf und die beiden starrten sich an.
„Was hatten sie gemeinsam?" Fragte Feng Ling interessiert nach.
Xiao Ming senkte ihre Stimme, ihre Mundwinkel zogen sich leicht nach unten und in ihren Augen war eine Art Traurigkeit zu erkennen.
„Sie alle sind daran ertrunken!"
Feng Ling's Augen weiteten sich. Er war sich noch nicht ganz so sicher, aber er hatte eine Ahnung worauf diese junge Frau hinaus wollte.
Xiao Ming schüttelte leicht verneinend den Kopf.
„Wisst ihr, ich sehe es in ihren Augen. Welchem Zweck der Alkohol dienen soll und in euren wunderschönen, blauen Augen sehe ich, dass ihr zu den ertrinkenden gehört."
Feng Ling's Augen wurden noch größer, als er die junge Frau sprachlos anblickte. Es war als könnte sie tatsächlich mit ihren großen, braunen Augen in die finstersten Ecken seiner Seele blicken.
Xiao Ming schüttelte erneut den Kopf. Ihre Stimme war tief aber sanft:
„Und daher gibt es für euch nur einen Krug heute Abend. Es ist noch nicht so lange her, als ich eine ähnliche Geschichte erlebt habe. Wisst ihr, es sind diese Geschichten, die wir nicht vergessen können. Sie packen uns und lassen uns nie wieder gehen. Sie berühren den wundesten Punkt in unserer Seele, sie bewegen uns, wühlen uns auf und es vergeht fast kein Tag an dem wir nicht an sie denken müssen. Sie können uns den schönsten Höhenflug bescheren, uns zu größten Taten verleiten aber zugleich, können sie auch unseren größten Ruin bedeuten."
Xiao Ming seufzte einmal laut auf, als sie begann in ihren Erinnerungen zu verweilen.
Feng Ling schluckte einmal und befeuchtete seine schmalen Lippen, als er etwas zaghaft nachfragte:
„Was sind das für Geschichten?"
Xiao Ming stutzte. Sie zog eine Augenbraue nach oben, als sich ihre Augen plötzlich zu kleinen Schlitzen formten. Sie rutschte noch ein Stückchen näher heran, als sie ihren Zeigefinger geheimnissvoll auf ihre Lippen legte und leise flüsterte:
„Es sind Geschichten von der Liebe...!"
Feng Ling's blaue Augen weiteten sich, als ein Schauer durch seinen Körper lief. Er atmete einmal ruckartig ein, als er spürte das Xiao Ming mit ihren Worten etwas in ihm bewegte. Etwas unsicher senkte er seinen Blick und suchte verunsichert die Maserung der Tischplatte ab. Es brannte ihm auf der Zunge und seine Fingerspitzen kribbelten leicht, als er sich traute, seinen Blick wieder anhob und interessiert fragte:
„Wie lautet die Geschichte, geht sie gut aus?"
Xiao Ming schnaufte durch ihre Nase, als sie schließlich an den Stuhl vor sich fasste und sich kurz hinsetzte. Der Regen draußen vor dem Fenster prasselte unbekümmert weiter und auf den Straßen bahnten sich kleine Bäche ihren Weg. Es war ein unaufhörlicher Dauerregen, welcher noch die ganze Nacht andauern sollte.
Xiao Ming blickte kurz aus dem kleinen Sprossenfenster, als sie Feng Ling einen bekümmerten Blick zuwarf. Sie räusperte sich kurz, als sie begann zu erzählen:
„Es ist ein paar Wochen her, es war ein heiterer Abend hier in der Taverne, als ein junger, attraktiver Mann zur Tür herein kam.
Ich weiß nicht wieso, aber er zog mich sofort in seinen Bann, ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm abwenden.
Er war genau wie ihr, ein talentierter, gebildeter Cultivator und er bestellte zwei Krüge unseres besten Alkohol's.
Ich erkannte sofort, dass ein Schatten auf seinem Herzen lag. In seinen wunderschönen Augen stand das Leid der Welt und er wollte, genau wie ihr und wie so viele vor euch all seinen Kummer hier ertränken. Ich wusste nicht genau was ihm widerfahren war, aber es schien ein unsagbarer Kummer und eine unerträgliche Unvollkommenheit zu sein, die ihn schon seit Jahren quälte.
Ich brachte ihm, wie er wollte, die zwei Krüge, wissend, dass sie den Ruin für ihn bedeuten könnten. In der Verfassung in der er sich befand, waren sie denkbar die schlechteste Wahl. Bis heute mache ich mir Vorwürfe falsch gehandelt zu haben."
Xiao Ming seufzte einmal leise auf, als sie mit traurigem Blick aus dem Fenster blickte und sich ein paar Haare aus dem Gesicht strich.
„Wie ging es weiter?" Fragte Feng Ling, der gespannt ihrer Geschichte lauschte.
Xiao Ming legte den Kopf leicht schief und warf Feng Ling einen traurigen Blick zu.
„Wie es weiter ging? Er verlies irgendwann die Taverne und abseits der Wege in einer kleinen Gasse verschlang ihn die finstere Nacht der Stadt und stieß ihn in die tiefsten Abgründe der Hölle..."
Xiao Ming hörte für einen kurzen Moment auf zu sprechen und senkte ihren Blick. Ihre Stimme wurde leiser und war begleitet von einer unglaublichen schwere, als sie zum ersten Mal jemanden von den Geschehnissen aus jener Nacht erzählte.
„Was war ihm zugestoßen?" Fragte Feng Ling leise und bedacht. Seine blauen Augen suchten eine Antwort in Xiao Ming's bekümmerten Gesicht.
Doch sie atmete einmal schwer ein.
„Vielleicht war es Schicksal...aber ich fand in auf der Straße kurz vor dem Morgengrauen. Er war verletzt und seine Kleider waren zerrissen. Ich brachte ihn zu mir nach Hause und versteckte ihn im Ziegenstall. Ich wusch ihn und verarztete seine Wunden..."
Xiao Ming schüttelte ihren Kopf und schloss dabei für einen Moment ihre Augen, so als könnte sie es noch immer nicht fassen was geschehen war.
„Wisst ihr..." Fuhr sie leise fort.
„Es gibt Gräueltaten auf dieser Welt, denen nicht nur jungen Frauen zum Opfer fallen!"
Sie blickte auf und schaute mit ihren großen braunen Augen direkt in Feng Ling´s Gesicht. Als ihre Blicke sich trafen sauste ein Stich direkt durch Feng Ling's Herz und es kribbelte bis in seine Fingerspitzen, als er die Worte der jungen Frauen zu verstehen begann.
Feng Ling seufzte einmal schwer auf, als sein Blick skeptisch auf den Alkoholkrug direkt vor seiner Nase fiel. Plötzlich bekam der verführerische Duft des Alkohols einen sauren Beigeschmack zu bekommen.
„Wie ist die Geschichte ausgegangen?" Fragte er schließlich.
Xiao Ming blickte ihn an und ein wenig wurden ihre Gesichtszüge wieder ganz sanft, als sie begann in Erinnerungen zu schwelgen und ihre Geschichte zu Ende erzählte:
„Ich versorgte ihn, ganze zwei Tage hatte er geschlafen. Wisst ihr, vielleicht war es in der Situation unangebracht, aber ich liebte sein schlafendes Gesicht. Er war so hübsch, so attraktiv und neben seiner Stärke und Stolz als Cultivator, hatte er etwas zartes an sich, fast schon zerbrechlich. Ich genoss jede Sekunde an seiner Seite und ehe ich mich versah, hatte ich mich auch schon in ihn verliebt. Ach was rede ich da, wenn ich ehrlich bin und auf mein Herz höre, war es eigentlich schon um mich geschehen in dem Moment als er in die Taverne zur Tür herein trat."
Xiao Ming hörte kurz auf zu sprechen, als ein zartes Lächeln über ihre Lippen huschte und ihre Wangen sich in ein leichtes Rosé tauchten.
Feng Ling machte große Augen und ihm selbst wurde schon fast etwas warm ums Herz, als er der süßen Liebesgeschichte einer holden Maid lauschte. Er räusperte sich kurz und wendete für einen Moment seinen Blick ab, als der Anblick einer verliebten Person die ins Schwärmen geriet, ihm fast schon Unbehagen bereitete.
Xiao Ming linste zur Seite, als sie im Augenwinkel Feng Ling's schüchterne Reaktion sah. Ihre Augen formten sich erneut zu kleinen Schlitzen, als ihr linker Mundwinkel sich unheilvoll nach oben bog.
„Ihr kennt es...nicht wahr?"
Feng Ling stutzte und blickte leicht verwundert auf. Fragend schaute er in ihre funkelnden Augen.
Sie lehnte sich herüber, ihre Hand geheimnissvoll neben ihren Mund haltend, so als wollte sie ihm ein Geheimnis anvertrauen. Sie machte eine nickende Kopfbewegeung womit sie Feng Ling aufforderte etwas näher heranzukommen. Feng Ling folgte ihrer Geheimniskrämerei und lehnte sich mit seinem Ohr etwas näher an sie heran.
Sie öffnete ihre vollen Lippen, als sie ihm leise ins Ohr flüsterte:
„Dieses Gefühl in der Brust...
dieses bittersüße Gefühl, welches durch unseren Körper strömt.
Das Gefühl von LIEBE!"
Feng Ling's blaue Augen schnellten auf und ruckartig lehnte er sich wieder nach hinten. Er wendete seinen Blick ab, räusperte sich erneut und versuchte sein Gesicht leicht hinter seiner Hand zu verstecken. Doch es half nichts, Xiao Ming entdeckte Feng Ling's leicht rote Ohren, welche hinter seinem dunklen Haar hervorschielten.
Sie kicherte leise und lehnte sich ebenfalls wieder zurück. Sie wusste, dass sie diesen ehrlichen und stolzen Cultivator nicht zu sehr ärgern sollte und nahm daher das kleine triumphierende Gefühl in ihrer Brust als ausreichenden Sieg an.
„Wollt ihr wissen wie die Geschichte zu Ende ging?" Fragte sie schließlich um Feng Ling aus der für ihn scheinbar unangehemem Situation wieder zu entlassen.
Feng Ling nickte noch etwas unsicher, als er wieder zu ihr herüberschaute. Er wollte es sich nicht anmerken lassen, aber innerlich brannte es ihn ihm, so neugierig war er auf den Ausgang der Geschichte.
„Das dachte ich mir." Lächelte Xiao Ming.
„Aber was soll ich erzählen...?" Sagte sie fast schon in Gedanken versunken, als sie ihren Kopf in ihrer Hand abstützte und einmal laut aufseufzte.
„Leider gab es kein Happy End für mich, sonst würde ich jetzt vielleicht nicht hier sitzen und fremden Männern diese Gesichte erzählen.
Feng Ling's Augenbrauen zuckten auf.
„Was ist geschehen?" Fragte er seine Stimme vorsichtig senkend.
Xiao Ming blickte etwas entteuscht drein.
„Er hat mich wieder verlassen, meine Gefühle blieben unerhört aber es war auch nur ein Traum, viel zu weit weg für mich um ihn tatsächlich greifen zu können."
Feng Ling legte seinen Kopf leicht schief.
„Aber ihr seid eine warmherzige, offene und attraktive Frau. Und ihr habt ihn gepflegt und versorgt. An was könnte es ihm mangeln?"
Xiao Ming machte große Augen. Mit so einem Kompliment hatte sie gar nicht gerechnet, als sie plötzlich selbst leicht verlegen ihre Hände auf ihre Wangen legte.
„Huch, jetzt schmeichelt ihr mir aber...Danke..."'Sagte sie fast selbst etwas verlegen, ihr Selbstbewusstsein plötzlich wie weggeblasen.
Doch plötzlich wurde ihr Blick wieder ganz traurig, sie zog ihre Hände zurück, lies sie auf der Tischplatte nieder und begann etwas an ihren Fingernägeln zu knibbeln.
„Nunja..." Fuhr sie leise fort.
„Ich hatte eigentlich von Anfang an nie eine Chance. Was meint ihr, warum er in unsere Taverne kam, warum er zwei Krüge Alkohol bestellt hatte und warum er sich dem Suff hingab und versuchte seine Sorgen zu ertränken?
In dem Herzen diesen jungen Mannes gab es schon jemanden.
Und das schon seid wahrscheinlich vielen Jahren. Diese Liebe musste so stark gewesen sein und zeitgleich so traurig, dass er sogar in seinem Schlaf von dieser Person gesprochen hatte. Wie sollte ich da eine Chance haben? Ich wusste es, ich wusste es die ganze Zeit und redete mir ein, dass ich diese Gefühle nicht zulassen sollte, Aber es war einfach geschehen. Ich hatte keine Macht darüber. Zu wissen, dass dieser junge Mann bereit war so viel Leid zu ertragen, für seine große Liebe, lies mich daneben fast lächerlich klein erscheinen. In seiner Geschichte, gab es für mich keinen Platz. Das hatte ich begriffen und doch tat es weh ihn gehen zu lassen."
Xiao Ming lies die Schultern fallen und Feng Ling schaute bekümmert zu ihr herüber, so als würde er sich fast schon schlecht fühlen nachgefragt zu haben.
„Das tut mir sehr leid.." Sagte er schließlich leise. Seine Worte waren aufrichtig und ehrlich gemeint und sie brachten es auf den Punkt was er gerade fühlte. Mehr war er nicht im Stande darauf zu erwidern, als er in seine eigenen Gedanken versank.
Es verging ein Moment der Stille zwischen den beiden, als Xiao Ming sich plötzlich ruckartig wieder aufrichtete, sich mit beiden Händen erfrischend auf die Wangen klatschte und mit belebter Stimme sagte:
„Schnee von gestern! Keine Zeit Trübsal zu blasen. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er seine Liebe doch noch finden konnte und nun irgendwo da draußen glücklich ist. Das hat er verdient. Und ich weiß, irgendwann, irgendwo da draußen gibt es auch eine Liebe für mich. Es hilft nichts traurig in der Ecke zu sitzen. Entweder akzeptieren wir unsere Niederlage und rappeln uns auf und suche erneut unser Glück oder wir haben den Mut für unsere Liebe zu kämpfen und alles zu tun! Mehr Möglichkeiten gibt es nicht, nur die zwei und das gilt nicht nur für mich und für alle anderen unglücklich verliebten da draußen, sondern auch für euch!"
Mit diesem Satz stand Xiao Ming plötzlich ruckartig auf und zeigte mit ihrem Finger provokant auf Feng Ling.
Dieser flog durch ihr ruckartiges Aufstehen plötzlich in sich zusammen. Seine blauen Augen standen weit auf und er blickte sie verwundert an.
„Ich?" Fragt er sie erschrocken.
„Richtig, genau ihr!" Sagte sie dominant und mit ihrer selbstbewussten Stimme und Gestik entlarvte sie Feng Ling's gut verstecktes Geheimnis und stellte ihn ungeschützt an den Pranger.
Feng Ling schluckte einmal schwer. In diesem Moment, als diese jungr Frau so beeindruckend und ehrlich vor ihm stand und so klar und deutlich es in Worten aussprach, wurde er sich erst seinen eigenen Gefühlen im vollen Umfang bewusst. Es war wie ein dunkler Schleier der von seinen Augen abfiel, sein Herz klopfte einmal wild auf und er bekam plötzlich kalte Füße, als nun das deutlich benannte Gefühl begann sich in seinem Körper auszubreiten.
„Ich..." Begann er zu stottern, doch Xiao Ming tippte plötzlich mit ihrem Zeigefinger ein paar mal auf den Tisch.
Sie lächelte ihn an, als sie gut gemeint und von Herzen sagte:
„Ihr habt mich gehört, euch bleiben genau diese zwei Möglichkeiten." Sie streckte ihren Zeige-, und Mittelfinger in die Luft.
„Wählt weise und macht euch auf den Weg euer Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Und nie wieder, nie, nie wieder will ich sehen, dass ihr diesen Weg als eine Option anseht!" Xiao Ming deutete demonstrativ auf den Alkoholkrug, welcher direkt zwischen den beiden provokant auf dem Tisch stand und plötzlich wie ein Mahnmal vor ihnen aufragte.
„Dies, ist niemals ein Weg und jetzt, wo ihr meiner Geschichte so interessiert gelauscht habt, wisst ihr wohin euch das führen kann. Seid schlauer, macht es besser und begeht nicht den selben Fehler!"
Xiao Ming zwinkerte Feng Ling einmal zu.
Dieser blickte sie noch immer erstaunt an, als er verblüfft fragte:
„Woher wusstet ihr...das...?" Fragte er die Worte nicht ganz aussprechend.
„Woher ich wusste warum hier hierhin zum Trinken gekommen seid?" Fragte sie ihre Stimme am Ende der Frage anhebend und seinen Satz vervollständigend.
Sie legte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen, als würde sie ihm erneut ein Geheimnis verraten und zwinkerte ihm noch einmal zu.
„Ich arbeite seit Jahren in einer Taverne. Ich sehe den Leuten an, warum sie zum Alkohol greifen."
Mit diesem Satz wendete sie sich langsam von ihm ab, als sie den Tisch wieder verlassen wollte. Doch plötzlich blieb sie abrupt stehen, so als hätte sie noch etwas vergessen. Sie drehte sich noch einmal um, schaute Feng Ling an und schenkte ihm ein ehrliches Lächeln.
„Ich bin übrigens Xiao Ming. Die Tochter des Wirtes hier. Meinem Vater gehört die Taverne!"
Sagte sie mit lebhafter, klarer Stimme.
Feng Ling blickte auf, fast schon ein wenig überrascht, als auch ihm erst jetzt, nach ihrem persönlichen Gespräch auffiel, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hatten. Ruhig und bedacht antwortete er, wie es die Höflichkeit verlangte:
„Ich bin Feng Ling. Cultivator vom Yunmeng Jiang Clan."
Xiao Ming's Augen formten sich vergnügt zu zwei kleinen Schlitzen. Ein Strahlen stand in ihrem Gesicht und sie versprühte eine angenehme Wärme mit ihrem symphatischen Lächeln.
„Freut mich euch kennenzulernen, Feng Ling aus Yunmeng. Nicht immer haben wir Einfluss darauf unter welchen Umständen sich zwei Menschen das erste Mal kennelernen. Aber es freut mich, dass ihr heute Nacht den Weg in unsere Taverne gefunden habt und ich es war, die euch bedient hat. Denn somit, konnte ich euren Wunsch nach zwei Krügen Alkohol wieder abschlagen."
Feng Ling's Augen weiteten sich, als er sie leicht sprachlos anblickte. Doch dann folgte ein warmes, ehrliches Lächeln und er schloss zufrieden für einen Moment seine Augen als er sagte:
„Auch ich freue mich, dass ich den Weg in eure Taverne gefunden habe und dass ihr es wart, Xiao Ming, die mich an diesem Abend bewirtet hat. Habt dank für eure Worte, ich werde sie nie vergessen und stet's an sie zurück denken." Feng Ling stant kurz auf, streckte seine Hände nach vorne und verneigte sich einmal respektvoll vor der jungen Frau.
Xiao Ming strahlte vor Freude und vor Stolz und vor der Gewissheit, wahrscheinlich einen Menschen vor einer bösen Fehlentscheidung bewahrt zu haben. Es fühlte sich gut an und ein wenig tröstete sie es, dass sie ihre Fehlentscheidung damals bei Sun Yan etwas Genugtuung bringen konnte.
Sie verneigte sich kurz und als sie sich umdrehte und zwischen den Menschen wieder verschwinden wollte, erhob Feng Ling noch einmal das Wort:
„Xiao Ming...!..Der junge Cultivator aus eurer Geschichte...wie sah er aus?"
Xiao Ming blieb stehen und wendete sich noch einmal zu Feng Ling. Sie dachte einen Moment nach, als sie ihren Kopf zur Seite neigte und mit einem Lächeln sagte:
„Er hatte die schönsten grünen Augen die ich jemals gesehen habe und in seinem Gesicht trug er drei Narben, welche aber auf gar keinen Fall seiner Attraktivität einen Abbruch gaben, sondern eher ihm, einen gewissen Charme verliehen."
Feng Ling's blaue Augen weiteten sich ins Unermäßliche als er erschrocken da stand und nicht im Stande war etwas darauf zu erwidern. Er erstarrte zu einer Eissäule und rührte sich nicht mehr. Er spürte einen unsagbaren Stich in seinem Herzen, als die traurige Geschichte von Xiao Ming begann eine ganz neue Gewichtung zu erlangen.
„Sun Yan.." Nuschelte er so leise zu sich selbst, dass Xiao Ming ihn nicht hören konnte.
Xiao Ming nickte Feng Ling noch einmal zu. Unkommentiert überlies den Mann seinen eigenen Gedanken, als sie sich entschied die Geschichte hier enden zu lassen. Sie drehte sich um und verlies den kleinen Tisch.
Ihr Zopf wandt sich noch durch die Drehbewegung leicht hin und her, ehe sie wieder in der Taverne verschwand und sich unter die Leute mischte.
Feng Ling setzte sich langsam wieder hin. Sein Blick war aufgewühlt und er holte ein paar mal tief Luft. Er fasste an seine Trinkschale und hob sie einmal ruckartig an. Als seine Lippen den Rand umfassten stürzte er das kühle und brennende Nass seine Kehle hinunter.
„Sun Yan.." Nuschelte er noch einmal über seine Lippen, als er die Geschehnisse der vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren lies.
Er blickte noch einmal herüber zur Theke, als er Xiao Ming dabei beobachtete wie sie mit einem heiteren Lächeln einen Gast bewirtete.
Feng Ling schüttelte seinen Kopf, als ein fast schon ironisches Lächeln über seine Lippen flog.
„Xiao Ming und Sun Yan...was habe ich da nur für zwei bemerkenswerte Menschen kennengelernt?
Was macht ihr nur mit mir...Ihr stellt alles auf den Kopf..."
Feng Ling strich sich seine Haare einmal aus dem Gesicht, als er entschlossen nach vorne blickte.
„Auf euch!" Mit diesem Satz füllte er noch einmal seine Trinkschale und setzte sie an seine Lippen. Mit einem großen Schluck stürzte er den Alkohol hinunter und setzte danach die Schale mit einem lauten Ton wieder auf dem Tisch ab.
Er stand ruckartig auf, fasste in seine Robe, als ein paar Silbermünzen aus seiner Hand klimpernt auf den Tisch fallen lies.
Es war das letzte Mal gewesen, dass Feng Ling in einer Taverne für sich alleine, zwei Krüge Alkohol bestellt hatte.
4 Monate später:
Die Sonne war gerade dabei unter zu gehen, als Jiang Cheng, Sun Yan und eine handvoll Cultivator's aus dem Yunmeng Clan von einer Night Hunt zurück Richtung Lotus Pier ritten. Es waren nur noch ein paar Meilen, als sie schließlich an einer breiten Weggabelung vorbei kamen.
Sun Yan hielt plötzlich sein Pferd an, als er zu seiner Rechten die breite Straße hinunter blickte. Jiang Cheng, der erst wenig später bemerkte, dass Sun Yan nicht mehr neben ihm ritt blickte sich plötzlich um, als er sein Gewicht verlagerte und mit der passenden Zügelhilfe sein Pferd zum umkehren zwang.
Er streckte seine rechte Hand hinauf in die Luft und lies den gesamten Trupp damit anhalten. Er trieb sein Pferd an und kam im Trab zurück auf Sun Yan zugeritten.
„Was ist?" Fragte hastig während er sich umschaute.
Doch Sun Yan wirkte ganz ruhig und blickte mit einem fast melancholischem Blick die Straße entlang. Plötzlich zeigte er mit seinem linken Zeigefinger in die Richting in welche er starrte und fragte etwas zaghaft:
„Haben wir Zeit für eine kurze Rast? In dieser Richtung liegt eine kleine Stadt mit einer sehr guten Taverne."
Jiang Cheng stutzte und blickte ebenfalls die breite Straße entlang.
„Aber wir sind doch fast schon wieder in Lotus Pier. Du möchtest jetzt noch etwas trinken gehen?" Versuchte er Sun Yan zu überzeugen.
Doch Sun Yan atmete einmal tief ein, fast so als würde er eine schwere Entscheidung treffen. Er blickte zu Jiang Cheng herüber und legte einen bittenden Blick auf. Seine grünen Augen funkelten in der Abendsonne und sie schienen ihrem Herren ein Versprechen für eine Gutmachung zu geben, welche sich lohnen könnte, sollte dieser ihm seinen Wunsch erfüllen.
„Bitte.." Sagte Sun Yan mit lieblichem Ton.
Jiang Cheng's Augen weiteten sich, als sich sein Mund kurz kraus zusammem zog.
-Wie könnte er seinem geliebten Sun Yan nur so eine Bitte abschlagen?-
Sofort drehte sich Jiang Cheng im Sattel um, als er laut und deutlich rief:
„Wir machen in einer Taverne kurz rast. Erholt euch von der Night Hunt und genießt einen entspannten Abend. Die Runde geht auf mich."
Die Männer blickten für einen Moment ihren Sect Leader erst sprachlos an, als sie plötzlich in ein jubelndes Grölen verfielen.
Jiang Cheng warf Sun Yan einen duellierenden Blick zu und schien damit auf seinen Deal einzugehen. In seinem verschmitzt nach oben gezogenem Mundwinkel stand die große Erwartung einer befriedigenden Wiedergutmachung.
Jiang Cheng spornte sein Pferd an und die Truppe bog nach rechts ab und folgte der breiten Straße, bis sie in die nächstgelegenste Stadt kamen.
Sobald sie das Stadttor passiert hatten übernahm Sun Yan die Führung und brachte die Männer zielstrebig zu einer ganz bestimmten Taverne. Als sie die Pferde draußen angebunden hatten und Sun Yan die drei Stufen hinauf zur Tür ging blieb er plötzlich kurz stehen. Er wurde leicht nervös, sein Herz schlug etwas schneller als er starr hinauf zu der bekannten Tür blickte. Als er einen Schatten hinter sich vernahm blickte er kurz nach hinten über seine Schulter, als er Jiang Cheng mit einem skeptischen Blick direkt hinter sich stehen sah. Dieser lehnte sich etwas näher zu ihm heran, ihre Körper berührten sich, als er leise in sein Ohr flüsterte:
„Ich bin direkt hinter dir, geh rein."
Sun Yan blickte wieder nach vorne. Es stimmte, Jiang Cheng war direkt hinter ihm aber es war wohl eher genau dieser Umstand der ihn jetzt etwas nervös werden lies.
Er umfasste mit seiner Hand die Türklinke, als er mit einem Ruck die Tür öffnete.
Sie traten über die Türschwelle und begaben sich in die Taverne. Es war ein bekannter Anblick. Die wohlige, charsimatische Atmosphäre, die vielen kleinen belegten Tische und das ausgelassene und muntere Raunen, welches durch den Raum ging. Sun Yan's Herz wurde von Erinnerungen überflutet, welche von schöner aber auch von grausamer Natur waren. Er kam plötzlich ins Stocken, sich plötzlich nicht mehr ganz so sicher ob dies eine Gute Idee gewesen war und bewegte sich auf einmal kein Stück mehr, als er plötzlich eine warme Hand spürte, welche zärtlich von hinten an seine fasste. Die Berührung war wie ein Rückruf ins Hier und Jetzt und Sun Yan atmete einmal schnappartig ein, als er Jiang Cheng's geborgene Körperwärme verspürte.
„Was ist mit dir?" Fragte Jiang Cheng leise von hinten.
Sun Yan wendete seinen Blick erneut über seine Schulter, als er in Jiang Cheng's besorgtes Gesicht blickte. Eine tiefe Falte hatte sich zwischen die Augen seines Sect Leader's gelegt, aber es schien dieses Mal nicht die altbekannte Zornesfalte zu sein, sondern eher ein Ausdruck von Sorge.
Sun Yan öffnete seine schmalen Lippen, als er hastig sagte:
„Nichts, es ist nichts...ich bin nur..."
Doch er kam nicht mehr dazu seinen Satz bis zum Ende auszusprechen, als sie plötzlich die freudige und warme Stimme einer jungen Frau vernahmen.
„Schönen guten Abend die Herren, was kann ich ihnen Gutes tun?"
Sun Yan zuckte bei dem angenehmen Klang dieser bekannten Stimme zusammen, als er seinen Blick langsam wieder nach vorne richtete.
Er schaute in das strahlende Gesicht einer jungen, hübschen Frau. Ihre großen, braunen Augen waren wie ein Spiegel in eine warme Seele und ihr langes braunes Haar hing zu einem geflochtenen Zopf über ihre Schulter nach vorne.
Ihre Augen weiteten sich, als sie in Sun Yan's grüne Augen blickte. Es waren nur Sekunden, doch es kam ihnen beiden vor als würde die Zeit für einen Moment still stehen, als Xiao Ming und Sun Yan sich wieder sahen.
Jiang Cheng blickte die beiden etwas verwundert an, als er bemerkte wie die beiden einen tiefen Blick austauschten und eine gewisse Art der Vertrautheit zwischen den beiden vorherrschte.
Es war Xiao Ming, die als erstes zurück ins Hier und Jetzt kam. Sofort legte sie wieder ihr freudiges Lächeln auf, als ihr Blick über Sun Yan's Schulter nach hinten fiel und sie den präsenten Mann, welcher dicht hinter ihm stand anblickte. Ihr entging nicht, dass Jiang Cheng ihr einen prüfenden Blick unterwarf und mit seiner einnehmenden Körperhaltung ihr eindeutig signalisierte, dass Sun Yan zu ihm gehörte.
Ihre Mundwinkel bogen sich kaum sichtbar nach oben, als sie ihren Kopf leicht schief legte und Jiang Cheng ebenfalls einmal von unten nach oben musterte.
„Bitte meine Herren, wie viele Tische darf ich ihnen zur Verfügung stellen?" Fragte sie schließlich gastfreundlich.
„Zwei!" Sagte Jiang Cheng bestimmt.
„Einen für uns und den anderen für die restlichen Herren."
„Sehr gerne." Xiao Ming nickte den Herren zu, als sie eine einladende Handbewegung in der Luft machte und die Herren aufforderte ihr zu folgen.
Sie wies Jiang Cheng und Sun Yan einen kleinen runden Tisch in einer Ecke zu und den anderen Cultivator´s des Yunmeng Clan's einen etwas größeren Tisch nah bei.
Nachdem die Männer alle einen Platz gefunden hatten, eilte Sie wieder zügig herüber zu Jiang Cheng und Sun Yan und blickte sie erwartungsvoll an.
„Bitte, die Herren, was darf ich Ihnen bringen?"
Jiang Cheng räusperte sich:
„Ich werde bestellen, denn dieser Abend geht auf mich. Bitte bringen sie uns zwei Krüge ihres besten Alkohols und den anderen Herren am Tisch bringen sie bitte was sie möchten."
Xiao Ming nickte Jiang Cheng bestätigend zu.
„Sehr gerne!" Sagte sie höflich.
„Für die zwei attraktiven Cultivator´s hier gemeinsam zwei Krüge oder jeweils zwei Krüge?"
Plötzlich ergriff Sun Yan hastig das Wort und mischte sich ein. Seine Stimme hatte eine gewisse Wärme aber war auch zeitgleich sehr bestimmt. Er warf Xiao Ming einen tiefen aber auch respektvollen Blick zu, als er sagte:
„Zwei Krüge gemeinsam, für jeden nur einen, bitte."
Xiao Ming hob ihr Kinn etwas an, als ein zufriedenes Lächeln über ihre Lippen flog. Sie erwiderte Sun Yan's Blick und es bedufte keiner weiteren Erklärungen, damit die beiden die Bedeutung ihrer Worte verstanden hatte.
„Das trifft sich gut." Sagte sie erheitert.
„Denn wissen Sie, zwei Krüge pro Kopf, hätte ich den attraktiven Herren auch nicht ausgeschenkt."
Xiao Ming versuchte Sun Yan einmal unauffällig zuzublinzeln, doch Jiang Cheng's kritischem Blick entging nichts und somit bemerkte er ihre stille Kommunikation. Sein Blick musterte daraufhin Xiao Ming noch einmal prüfend von Kopf bis Fuß, als er ihr zusah, wie sie weiter zu dem benachbarten Tisch ging um auch dort die Bestellung aufzunehmen.
Sun Yan blickte derweil aus dem Fenster. Er schwelgte in Erinnerungen, biss sich einmal unsicher auf seine Unterlippe, als er ein paar mal tief einatmete. Er schien etwas nervös zu sein.
Jiang Cheng musterte besorgt Sun Yan im Augenwinkel, als er weiterhin schweigend das merkwürdige Treiben beobachtete und anfing unruhig mit seinem Fuß auf und abzutippen.
Es wurde noch ein recht geselliger Abend, die Männer stießen aufeinander an und erzählten sich aufgeregt von der vorangegangen Night Hunt.
Bei Sun Yan und Jiang Cheng ging es eher etwas ruhiger am Tisch zu, denn mit jeder Minute die verging wurde Jiang Cheng immer skeptischer. Er hatte Sun Yan und Xiao Ming genau im Auge und beobachtete kleinlich genau jede Art der Kommunikation, welche sie untereinander austauschten.
Nachdem die Alkoholkrüge alle geleert waren und der Abend sich dem Ende zuneigte wunk Jiang Cheng Xiao Ming zu sich an den Tisch herüber und entlohnte sie großzügig für ihre Gastfreundlichkeit.
Nach ein paar Dankenden Worten standen die Männer alle auf und machten sich bereit zum Aufbrechen. Es wurde etwas lauter und unübersichtlicher und Xiao Ming geleitete die Männer noch durch die Taverne bis zur Tür.
Sie schob Sun Yan unauffällig kurz vor sich her und mischte sich mit ihm unter die Menschenmenge. Es war genau dieser eine Moment den Xiao Ming exakt abpasste, als sie und Sun Yan für kurze Zeit vor dem prüfenden Blick von Jiang Cheng flüchten konnten.
Sie berührte Sun Yan an der Schulter und blickte in seine funkelnde grünen Augen. Behütend strich sie unauffällig über seinen Arm hinunter zu seiner Hand.
Als ihre Hände sich erst zaghaft berührten, fasste sie einmal kurz entschlossen zu und drückte fest seine Hand, als sie leise flüsterte:
„Er ist ein ehrenvoller und edler Mann. Ich freue mich, dass du an unser Versprechen gedacht hast und den Weg zu mir zurück gefunden hast.
Bist du glücklich, behandelt er dich gut?"
Sun Yan nickte leicht beschämt, aber in seinem Gesicht stand etwas sehr sanftes, als seine Mundwinkel sich leicht nach oben bogen.
„Ja, ich bin sehr glücklich." Flüsterte er leise.
Xiao Ming schnaufte erleichtert durch ihre Nase.
„Genau das wollte ich hören und nichts anderes. Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt und kommt vorbei wann immer ihr mögt. Ihr seid hier stet's willkommen."
„Ich danke dir." Sagte Sun Yan von tiefstem Herzen.
„Eines Tages werde ich mich für all deine Güte erkenntlich zeigen."
Doch Xiao Ming schüttelte verneinend den Kopf.
„Dich glücklich zu sehen, ist das schönste Geschenk welches du mir geben könntest."
Sun Yan's Augen weiteten, sich als er in Xiao Ming's große braune Augen blickte. Trotz all der Wärme und Geborgenheit die er in ihnen sehen konnte, erblickte er aber auch ein wenig Traurigkeit. Er öffnete langeam seine Lippen und er wollte gerade noch etwas sagen, als plötzlich Jiang Cheng neben ihnen auftauchte. Xiao Ming lies sofort Sun Yan's Hand los und sie öffnete schwungvoll die Tür der Taverne.
Ein kalter Luftzug stieß herein, als sie laut sagte:
„Beehrt uns bald wieder meine Herren. Gute Heimreise!"
Sun Yan huschte zügig aus der Tür und die anderen Männer taten es ihm gleich. Als Jiang Cheng langsam über die Türschwelle ging und die drei Stufen hinunter trat drehte er sich noch einmal um, als er noch einen kurzen Blick von Xiao Ming erhaschen konnte, als sie die Tür wieder hinter ihnen schloss. Es war ein kurzer Moment, als er ihr Gesicht noch einmal erblicken konnte und auf ihren Lippen ein glückliches, aber auch leicht wehmütiges Lächeln entdecken konnte.
Jiang Cheng's Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, als er noch einen Moment prüfend vor die geschlossene Tür starrte.
Schließlich drehte er sich um und trat neben Sun Yan, der gerade dabei war sein Pferd zu satteln.
Jiang Cheng blickte ihn skeptisch an, als er mit einem gewissen Unterton herausfordernd sagte:
„War es wegen ihr...warum du in die Taverne wolltest? Kennt ihr euch?"
Sun Yan zuckte kurz auf und er hielt für einen Moment in seiner Bewegung inne. In Jiang Cheng's scharfer Stimme hörte man eindeutig die Eifersucht heraus.
Sun Yan schnaufte kurz durch seine Nase, als er den Gurt seines Pferdes anzog.
„Vielleicht..." Sagte er mit hohem Ton, die Eifersucht seines Herren bewusst weiter schürend.
Jiang Cheng verschränkte seine Arme vor seiner Brust.
„Was wolltest du von ihr?" Fragte er nun ziemlich direkt und misstrauisch.
Doch Sun Yan rüttelte derweil seine Steigbügel zurecht, als er an die Vorderzwiesel seines Sattels griff und sich elegant auf den Rücken seines Pferdes schwang.
„Ich wollte ihr nur etwas zeigen." Sagte er aufrichtig, doch einen direkten Blickkontakt erst noch vermeidend.
Jiang Cheng wurde nervös und er blickte leicht fassungslos zu Sun Yan auf.
„Was wolltest du ihr zeigen?" Seine Stimme wurde langsam leicht zornig und ungehalten.
Doch Sun Yan blieb ganz ruhig und atmete einmal tief ein. Er umklammerte die Zügel fest in seiner Hand, als er seinen Blick zur Seite wendete und Jiang Cheng mit seinen durchdringenden, grünen Augen direkt ansah.
Seine Stimme war tief und bedeutend aber klar und lieblich zugleich:
„Ich wollte ihr nur den einen Mann zeigen...
Den Einen...
Um den ich so lange gekämpft habe...
Der nun an meiner Seite ist und den ich über alles Liebe!"
Mit diesem Satz drückte Sun Yan seine Beine zusammen und trieb sein Pferd an. Im rasanten Galopp ging es los und die schnellen Hufe wirbelten den Staub der Straße auf.
Jiang Cheng stand wie versteinert mit weit aufgerissenen Augen da und blickte Sun Yan sprachlos hinterher. Seine Wangen und Ohren tauchten sich in ein auffallendes Rot, als er peinlich berührt zur Erde blickte. Sein Herz schlug so schnell in seiner Brust und seine Fingerspitzen kribbelten. Er verstand nicht so recht und er brauchte einen kurzen Moment um sich wieder zu fangen. Plötzlich zuckte er auf und sprang augenblicklich auf sein Pferd.
„SUN YAN! WARTE! BLEIB STEHEN! Was meinst du damit?" Rief er seinem geliebten Hinterher, als er hastig sein Pferd antrieb und zur Verfolgung ansetzte.
Die anderen Männer des Yunmeng Clan's standen noch immer irritiert neben ihren Pferden und schauten sprachlos den beiden hinterher, als sie in einer dicken Staubwolke aus ihrem Sichtfeld verschwanden und sie tatsächlich alleine zurück ließen.
Einer der Männer fragte verwundert während er sich auf sein Pferd setzte:
„Was war das? Was ist denn mit denen?"
„Was mit denen ist?" Sagte ein anderer Cultivator, der im zügigen Schritt schon an ihm vorbei ritt.
„Liebe mein Freund...das nennt sich wohl Liebe! Das kann man nicht erklären"
Die Männer trieben ihre Pferde rasant an und nahmen die Verfolgung auf. Der Staub der Straße wirbelte erneut auf und das schnelle Hufgetrappel der Pferde von Yunmeng war noch eine ganze Weile bis in die Taverne zu hören, bis es schließlich in der Ferne sich verlor und es wieder still auf der Straße wurde.
