Chapter 20.14

Seine Augen waren weit aufgerissen, die dunklen Pupillen fixierten einen starren Punkt.
Er blickte auf die große, verzierte Türklinke, seine zittrigen Fingerknochen ruhten auf der Tür, jede Sekunde bereit anzuklopfen.
Lan Xichen spürte in seiner Brust seinen aufgeregten Herzschlag, welcher ihm bis hoch in den Kopf widerhallte.

Bum Bum Bum

Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt so aufgeregt gewesen war, die Tür zu dem Studienzimmer seines Onkels zu öffnen.
Lan Xichen hielt noch einen Moment inne, seine Kehle schnürte sich langsam zu, die richtigen Worte verloren sich auf seiner trockenen Zunge und schwirrten in den unendlichen Tiefen seiner Gedanken umher.
Er hörte plötzlich das Rauschen seines eigenes Blutes, welches sich durch seine Ohren pumpte und unaufhörlich zu einem betäubendem, lauten Tosen immer weiter anstieg.
Er schluckte schwer, sein Adamsapfel rutschte einmal deutlich sichtbar an seiner Kehle entlang, als plötzlich eine angenehme Stimme ihn ins Hier und Jetzt zurückholte.
„Bruder?"

Lan Xichen zuckte zusammen und drehte rasch seinen Kopf zur Seite. Seine innere Unruhe stand ihm deutlich in´s Gesicht geschrieben, als er plötzlich Lan Wangji neben sich erblickte, welcher ihn leicht besorgt anschaute.
„Ist alles in Ordnung?" Fragte er ihn.

„Ja!" Sagte Lan Xichen etwas atemlos.
Er strich sich kurz mit seinen schlanken Fingern über seine Schläfen, als er leise vor sich her nuschelte:
„Es ist alles in Ordnung...ich bin wohl nur...etwas aufgeregt."
Lan Xichen schloss einmal kurz seine Augen und atmete tief ein.

Lan Wangji, der etwas besorgt seinem älteren Bruder in´s Gesicht blickte, streckte schließlich behutsam seine rechte Hand aus und berührte ihn sachte an der Schulter.
„Nur Mut." Sprach er leise von hinten, als Lan Xichen erneut seine leicht zittrigen Fingerknochen an die Tür hielt.

Doch gerade als er anklopfen wollte, vernahm man plötzlich eine strenge und laute Stimme aus dem Innern des Pavillons, welche deutlich hörbar sprach:
„Wie lange wollt ihr beiden noch vor meiner Tür verharren? Kommt endlich herein, ich weiß die ganze Zeit schon das ihr dort steht!"

Lan Xichen und Lan Wangji zuckten überrascht zusammen, als Lan Xichen auch sofort die große Tür öffnete.
Die beiden schwangen ihre langen, weißen Ärmel nach hinten, streckten ihre Arme weit nach vorne aus und verneigten sich:
„Onkel, verzeiht unsere Störung." Sagte Lan Xichen mit nervöser Stimme, als die beiden den Pavillon betraten und die große Tür wieder hinter sich schlossen.


„Sind sie reingegangen?" Fragte Wei Wuxian ungeduldig, während er hektisch an Bao Tian's Robe zog, welcher gerade damit beschäftigt war vorsichtig um eine Hausecke zu linsen, um den beiden Jade-Brüdern nachzustellen.
Wei Wuxian hockte geduckt hinter ihm, mit dem Rücken an einer Hauswand angelehnt. Direkt daneben saß Jinan Liang, welche ihre Ellenbogen auf ihren Oberschenkeln abstützte und begann kleine, häßliche Zipfel in den Saum ihrer Robe zu drehen.

Die drei hockten versteckt auf der Veranda eines Gebäudes in der Nähe von Lan Qiren's Pavillon und beobachteten mit Spannung was nun passieren würde.
„Ja!" Sagte Bao Tian angespannt.
„Sie sind reingegangen!"

„Lass mich auch mal sehen!" Sagte Wei Wuxian neugierig, als er nun stärker an Bao Tian's Robe zupfte.
Dieser lies sich zurückfallen und Wei Wuxian lenkte ihn an sich vorbei, während sie Plätze tauschten. Mit großen Augen linste Wei Wuxian vorsichtig um die Hausecke, als er enttäuschend feststellte:
„Ich sehe nichts!"

Bao Tian lies sich langsam mit seinem Rücken an der Hauswand hinunter rutschen und hockte sich dann auf die Veranda, als er leicht angenervt sagte:
„Ich sagte doch auch, sie sind reingegangen. Was willst du von hier dann noch sehen außer einer geschlossenen Tür?"

„Hmpf." Schnaufte Wei Wuxian unzufrieden durch seine Nase.

Plötzlich seufzte auch Jinan Liang laut auf, als sie auf die vielen hässlich gedrehten Zipfel in ihrer Robe blickte
„Vielleicht war es doch keine gute Idee sie alleine gehen zu lassen?...Was wenn Lan Qiren ganz furchtbar darüber erzürnt ist?"

Bao Tian lehnte seinen Kopf nach hinten an die Hauswand und blickte nach oben unter das Dach der Veranda.
„Wirklich gute Ideen hatten wir, aus Lan Qiren's Sicht, nicht viele in den letzten Jahren. Von daher..."

Plötzlich zuckte Wei Wuxian auf und sagte hastig:
„Ich gehe da rüber! Von hieraus kann ich nichts sehen oder hören!"
Mit diesem Satz drückte er sich auch schon von der Hausecke ab und wollte gerade losflitzen, als Bao Tian's Augen sich überrascht weiteten und er Wei Wuxian gerade noch so am Ärmel festhielt.
„Du willst lauschen?" Fragte er etwas empört, als sich der Stoff an Wei Wuxian's Ärmel in die Länge zog.

Wei Wuxian wurde abrupt in seinem Vorhaben abgebremst, als er in den Kragen seiner Robe griff um den Stoff festzuhalten, um ein mögliches Entkleiden zu verhindern.
„Natürlich will ich das!" Sagte er frech, während er an seinem Arm zog.
„Was ist wenn da drinnen alles aus dem Ruder gerät? Ich setze Lan Zhan nicht ein weiteres Mal alleine dem Zorn und der Bestrafung seines Onkels aus."

Bao Tian blickte Wei Wuxian überrascht an, als er seine Hand öffnete und den Ärmel schließlich langsam wieder los lies.

Sofort setzte sich Wei Wuxian in Bewegung und lief in geduckter Haltung auch schon los.

„Ach verdammt!" Fluchte Bao Tian noch zu sich selbst, als er schließlich ebenfalls seine Deckung aufgab und Wei Wuxian folgte.
„Nur Ärger mit dem Bengel!" Zischte er noch vor sich hin.

Plötzlich zuckte auch Jinan Liang zusammen und blickte den beiden mit großen Augen hinterher.
Zunächst noch etwas unentschlossen sprang sie aber schließlich ebenfalls mit auf, hob den Saum ihrer Robe an und folgte ihnen dann ebenfalls.
„Wartet, ich auch!" Rief sie den beiden noch leise hinterher, als sie ebenfalls geduckt zu Lan Qiren's Pavillon herüber lief.

Die Drei fanden wieder Deckung auf der Veranda, in der Nähe der großen Eingangstür, direkt unter einem kleinen runden Fenster.
Sie schmissen sich schnell wieder mit dem Rücken gegen die Hauswand und kauerten am Boden, als sie mit gespitzten Ohren darauf warteten, die ersten gesprochenen Wörter zu vernehmen.
Doch die drei Herren im Innern des Pavillon's, schienen gewisse Vorkehrungen für ihr vertrautes Gespräch getroffen zu haben und somit waren alle Fenster fest geschlossen.

Während Wei Wuxian sich noch im Selbstgespräch darüber beschwerte nichts zu hören, machte es sich Bao Tian währenddessen schonmal etwas an der Hauswand bequem, indem er seine Arme unter seinem Kopf verschränkte, wobei er ausversehen Jinan Liang neben sich berührte.
„Oh verzeiht!" Sagte er schnell, als er seinen Arm wieder zurückzog.

Doch Jinan Liang schüttelte schnell ihren Kopf, als sie leise flüsterte:
„Schon gut, nichts passiert."
Sie selbst rückte aber nun auch wieder ein Stückchen von Bao Tian ab und so ergab sich eine kleine, diskrete Lücke zwischen ihnen.

Die beiden blickten etwas verlegen zur Seite und Jinan Liang versteckte ihre Unsicherheit, indem sie ihre Hände tief in den Stoff ihrer Robe vergrub.
Es war ein seltsames Gefühl, wie sie nun gemeinsam auf der Veranda hockten, doch dieses Mal das gleiche Ziel vor Augen.
Es war still geworden und nichts war zu hören außer ihr eigenes leises Atmen und der rauschende Wind in den Baumkronen.

Bao Tian plagte noch immer etwas die Scham von seinem unangebrachten Verhalten Jinan Liang gegenüber und sie selbst hegte noch immer etwas gemischte Gefühle, nach ihrem gemeineinsamen Vorfall in der Bibliothek. Schließlich waren die beiden sich dort eher unfreiwillig sehr nah gekommen und Bao Tian war nicht gerade zimperlich mit seinem körperlichen Einsatz gewesen. Ebenso hatte Jinan Liang ihn dort von einer ganz neuen Seite kennengelernt und er hatte ihr mit seinem Zorn und seiner immensen Präsenz etwas das Fürchten gelehrt. Daher war es nur verständlich, dass diese beiden eine noch etwas aufgewühlte Beziehung zueinander hatten, selbst jetzt, wo das Geheimnis dieser Ehe an´s Licht gekommen war.
Denn obwohl nun für alle klar war, dass es sich dabei nicht um eine liebevolle Partnerschaft handelte, sondern um eine reine Zweckehe und sie alleine dazu galt, um jedem Einzelnen die wahre Liebe zu ermöglichen, so gab es aber dennoch einen unumstrittenen Fakt, welcher sich nicht aus der Welt räumen lies und besonders für Bao Tian, ein fast unüberwindbares Hindernis darstellte.
Und das war die Tatsache, dass Jinan Liang und Lan Xichen in der Hochzeitsnacht miteinander geschlafen hatten und dieser Umstand wahrscheinlich so lange bestehen bleiben würde, bis Jinan Liang tatsächlich einen Nachfolger gebären würde.
Es war dieser Gedanke, der Bao Tian nun noch am meisten quälte, auch wenn er genau wusste, dass es ein notwendiges Übel war, damit Lan Xichen ihm als Geliebter erhalten bleibe würde und zeitgleich sich selbst auch als Sect Leader eines angesehenen Cultivator Clan's verwirklichen konnte.

Bao Tian schloss seine Augen. Der bloße Gedanke daran schmerzte tief in seinem Herzen und hinderte ihn daran, Jinan Liang mit der Liebe und dem Respekt zu begegnen,
welcher ihr eigentlich gebührte.
Wann immer er nun ihre sanfte Stimme, ihre schlanken Hände oder ihre zarten Lippen sah, begann sein Kopfkarussell sich unaufhörlich zu drehen und die Eifersucht in seinem Herzen nagte tief an ihm.
Er atmete tief ein, sich in Gedanken immer wieder sagend, dass Lan Xichen sie nicht liebte und jeder der Beteiligten seine Last zu tragen hatte und in gewissen Bereichen sich aufopfern musste, wenn es für alle zu einem noch glücklichen Ende kommen sollte.
Schließlich durfte auch er nicht verkennen, in welcher Lage sich Jinan Liang eigentlich befand und was sie in ihrem, noch so zarten Alter, bereit war alles auf sich zu nehmen, um die letzten Jahre die ihr noch blieben, zufrieden und glücklich zu verbringen.

Bao Tian atmete bewusst mehrfach tief ein, sich selbst damit etwas beruhigend. Er versuchte sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und das war, dass sein Huan gerade hinter dieser Tür stand und alles gab, um für ihre verbotene Liebe zu kämpfen.
Dieser Gedanke verursachte ein dezentes Lächeln auf seinen Lippen, als er plötzlich eine zarte Stimme vernahm.
„Schlaft ihr etwa?" Erklang Jinan Liang's leise Stimme.

Bao Tian's Augen schnellten blitzschnell wieder auf, als es ihn aus seinen Gedanken riss, und er entrüstet zu seiner Seite blickte.
Neben ihm hockte noch immer Jinan Liang, welche ihn mit großen, fragenden Augen anstarrte.
„Oh, verzeiht, ich dachte ich hätte etwas gehört und ihr wärt vielleicht schon eingeschlafen." Sagte sie vorsichtig, Bao Tian ein zartes Lächeln schenkend.

Bao Tian schaute noch etwas irritiert drein, als er neugierig zurück flüsterte:
„Was gehört?"

Doch in diesem Moment vernahmen sie beide plötzlich ein leises Schnarchen und mit einem Mal verspürte Bao Tian eine leichte, warme Berührung an seiner rechten Schulter, welche immer stärker wurde.

Jinan Liang und Bao Tian blickten mit großen Augen zu Wei Wuxian herüber, als sie sahen, wie er mit einem entspannten Gesichtsausdruck langsam in sich zusammenrutschte und sich dabei Stück für Stück an Bao Tian's Schulter anlehnte. Ein leises Murmeln war noch von seinen Lippen zu vernehmen, als er immer tiefer in das Reich der Träume versank.

Jinan Liang hielt sich ihre Hand vor den Mund, als sie ihr leises Kichern vorsichtig erstickte. Ihre Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, während sie ein belustigtes und herzensgutes Lächeln im Gesicht trug.
Bao Tian blickte sie an und er sah zum ersten Mal neben ihrer selbstbewussten und schlagfertigen Art auch eine ganz zarte und liebevolle Seite an ihr. Sie wirkte nun fast wie ein unschuldiges Kind, welches Liebe und Schutz bedurfte, so unbefangen und lebensfroh und ihr reines Lächeln erwärmte einem das Herz.
Bao Tian schnaufte durch seine Nase, als er nicht anders konnte und sich von ihrer liebevollen Art mitreißen lies.
Er erwiderte ihr Lächeln, als er ihr zublinzelte und dann leise zu ihr herüber flüsterte:
„Lassen wir ihn schlafen, dass ist hier alles zu aufregend für ihn. Wecken wir ihn erst, wenn es wichtige Neuigkeiten gibt."

Jinan Liang nickte Bao Tian belustigt zu.
„Besser ist das." Flüsterte sie leise, während sie sich nach vorne lehnte, eine Strähne aus Wei Wuxian's Gesicht strich und sich dann wieder langsam nach hinten an die Hauswand lehnte.

Bao Tian, für einen kurzen Moment gefangen von ihrer Lieblichkeit, blickte sie plötzlich mit seinen großen braunen Augen freundlich an, als er sagte:
„Ich bin übrigens Tian.
Und da Ihr nun offiziell mit meinem Herren und Geliebten verheiratet seid, führen wie wohl nun eine Dreiecksbeziehung."

Jinan Liang, die von seinen ehrlichen Worten plötzlich total überrumpelt war, machte große Augen, als sie ihn etwas sprachlos anblickte.
Ihre Wangen bekamen eine leicht gesündere Farbe, als sie etwas verlegen, aber dennoch sehr glücklich und keck erwiderte:
„Freut mich dich kennenzulernen, Tian. Ich bin Liang.
Aber du meinst wohl eher eine Vierecksbeziehung...denn Luan Han wird hoffentlich noch dazustoßen.
Ich hoffe, wir kommen alle gut miteinander aus!"

Bao Tian's Mund öffnete sich leicht vor Staunen, als er belustigt seinen Kopf schüttelte und aus seiner Nase schnaufte.
„Das werden wir!" Sagte er ihr Freundschaftsangebot annehmend.
Er streckte seinen freien Arm aus, legte ihn um Jinan Liang's Schultern und zog sie dann an seine freie Seite heran.
„Komm, es ist etwas kalt hier Draußen. Wärmen wir drei uns gegenseitig, so lange wir hier warten."

Jinan Liang stieß sanft mit ihrem Kopf an Bao Tian's große, breite Schulter. Und in der Tat, in Bao Tian's Arm war es angenehm warm, als sie die liebevolle Geste annahm, sich schließlich fallen lies und für einen Moment ihre Augen zufrieden schloss.
Sie fühlte sich angenommen und geborgen und Bao Tian's angenehme Körperwärme schenkte ihr seelischen Frieden.

„Hm." Summte sie zustimmend über ihre Lippen.


Seine Atmung wurde unruhiger, sein Kopf begann leicht zu zucken, während seine Augenlieder zitterten.
Seine Augäpfel bewegten sich unter seinen geschlossenen Augenliedern ruckartig hin und her, sein unruhiger Schlaf hatte ihn fest im Griff.
Doch plötzlich vernahm er ein paar leise Schritte, welche sich näherten und schließlich trat plötzlich behutsam etwas gegen seinen ausgestreckten Fuß.

Bao Tian wurde aus seinem Traum gerissen, als sein Körper ruckartig zusammen zuckte. Blitzschnell öffnete er seine müden Augen, als er vollkommen überrumpelt und erschlagen sich umsah.
Er spürte plötzlich ein unangenehmes Stechen in seinem Nacken und in seiner rechten Schulter, als er seinen steifen Hals leicht hin und her bewegte.
Er sah vor seinen Augen plötzlich drei Paar Füße, welche in eleganten und farbenfrohen Schuhen verschwanden.
Bao Tian blinzelte noch ein Paar mal müde auf, während er schließlich an den drei Gestalten langsam hinauf sah.

Er blickte in Madame Mao's Gesicht, welche ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt hatte und skeptisch zu ihm nach unten sah. Neben ihr standen Gao Lee und Zhao Ran, welche ebenfalls mit großen Augen zu ihm herab sahen.

Madame Mao schnalzte mit ihrer Zunge und schüttelte dabei ihren Kopf.
„Tian!" Sagte sie etwas fassungslos.
„Da lässt man euch Männer einmal für zwei Sekunden aus den Augen und dann das! Erst muss ich mich hier wundern warum ihr zwei in stiller Zweisamkeit hier auf der Veranda hockt und nichts besseres zu tun habt als zu schlafen und dann muss ich auch noch feststellen, dass Jinan Liang verschwunden ist. Wo ist sie?"

Bao Tian, welcher durchaus noch ernste Probleme hatte sich zu sortieren und wieder richtig zu fangen, blickte sich etwas irritiert um.
An seiner rechten Schulter lehnte noch immer der schwere Kopf Wei Wuxian's, welcher scheinbar auch noch keine Anstalten machte, trotz Madame Mao's lauter Stimme aufzuwachen, während seine linke Seite leer und kalt zu sein schien.
Bao Tian zog plötzlich ruckartig die Luft durch seine Nase, als er schockiert feststellte, dass Jinan Liang tatsächlich verschwunden war.
Er gab schließlich Wei Wuxian einen leichten Seitenhieb, als dieser ihn auch gleich daraufhin im Schlaf böse angrummelte.

„Liang?" Sagte Bao Tian noch etwas verwirrt zu sich selbst, als er auch schon begann Wei Wuxian von sich wegzudrücken.
„Wie spät ist es? Ich muss wohl eingeschlafen sein." Fragte er die Damen mit einem mehr als verwunderten Gesichtsausdruck. Er fuhr einmal mit seiner Hand durch sein Gesicht und strich sich dabei ein paar Harsträhnen aus der Stirn.

Madame Mao tippte mit ihrem Zeigefinger unruhig auf ihren verschränkten Armen auf und ab.
„Es sind drei Stunden vergangen, seitdem Lan Xichen und Wangji zu Lan Qiren aufgebrochen sind.
Und, wo ist nun Liang? Ist sie nicht bei euch gewesen?" Fragte sie noch einmal bohrend nach.

Bao Tian begann Wei Wuxian ein paar Mal brüderlich auf die Wange zu klatschen um ihn aufzuwecken, als dieser auch tatsächlich das Erste Lebenszeichen von sich gab.
„Was...Was passiert?" Nuschelte Wei Wuxian noch etwas verträumt.

Bao Tian stand auf und klopfte sich seine Kleider ab, als er sich noch einmal irritiert umblickte.
„Liang...ich..ich weiß nicht. Sie ist eben noch bei uns gewesen."
Sagte er etwas verlegen, als er begann Wei Wuxian endlich vom Boden hochzuhelfen.
Dieser kam nun auch endlich in die Aufrichtung und wirkte auch noch durchaus verschlafen. Er rieb sich seine müden Augen als er einmal laut gähnte und sich streckte:
„Jinan Liang...? Ich war der Meinung im Schlaf eine Tür gehört zu haben...aber vielleicht habe ich es auch nur geträumt."
Sagte Wei Wuxian nachdenklich, während er sich die Spitze seines rechten Zeigefinger zwischen seine Augen auf die Stirn drückte.

„Tür? Sie ist da doch nicht etwa mit rein gegangen oder?" Sagte Bao Tian überrascht.

Madame Mao verdrehte ihre Augen.
Sie strich sich mit ihrer Hand über ihre Stirn und massierte kurz ihre Schläfen.
Tief in ihrem Innern fragte sie sich, was das noch geben sollte, wenn sie diese Zwei mit Lan Wangji losschickte um Luan Han ausfindig zu machen.
Madame Mao seufzte auf:
„Jungs, ihr macht mich manchmal echt fertig. Ihr schafft es nicht mal zu Zweit auf eine junge Frau aufzupassen. Ich gehe da jetzt rein und werde nachsehen!"
Sagte sie mit entschlossener Stimme.

Bao Tian und Wei Wuxian blickten sie erschrocken an.
„Ihr wollt da jetzt reingehen?" Sagte Bao Tian besorgt.
„Das könnt ihr nicht machen!"

„Natürlich kann ich das!" Erwiderte Madame Mao prompt.
„Seit drei Stunden sind die nun da drin. Und wenn Jinan Liang da auch noch mit rein gegangen ist, dann muss ich da jetzt auch rein. Das kann man sich ja nicht mehr mit ansehen. Ich werde meine Schützlinge da jetzt rausholen!"
So gesagt so getan und ohne sich von Bao Tian's oder Wei Wuxian's hysterischem Gefuchtel davon abbringen zu lassen machte Madame Mao plötzlich einen großen Schritt auf die Eingangstür zu und klopfte scharf an. Ohne auch nur eine Antwort abzuwarten griff sie mit beiden Händen an den Türgriff und machte schwungvoll die große Tür auf.

Es staunten alle nicht schlecht, als die große Tür unaufgefordert aufflog.

Madame Mao, Wei Wuxian und Bao Tian blickten mit großen Augen in den Pavillon hinein, als sie Lan Xichen, Lan Wangji und tatsächlich auch Jinan Liang kniend auf dem Fußboden sahen. Vor ihnen stand Lan Qiren mit einem fassungslosen Gesichtsausdruck. Seinen linken Arm, auf dem Rücken auf seinen Lenden ruhend, während er sich mit seiner rechten Hand gerade typisch über seinen Bart streichen wollte.
Er trug einen mehr als erzürnten Gesichtsausdruck und die schwere und angespannte Atmosphäre im Raum war deutlich zu spüren. Lan Xichen, Lan Wangji und Jinan Liang dagegen sahen durchaus erschöpft aus und das nicht enden wollende Gespräch mit Lan Qiren schien Kräfte raubend gewesen zu sein.

Gao Lee und Zhao Ran nickten sich gegenseitig zu und entschieden sich lieber das Spielfeld zu verlassen. Sie verneigten sich schnell und während Madame Mao ihnen einwilligend zunickte entfernten sie sich zügig.

Lan Qiren blickte derweil die drei ungebetenen Gäste entrüstet an, diese sich zwar respektvoll vor ihm verneigten, er aber dennoch vorwurfsvoll sagte:
„Wie könnt ihr es wagen hier alle einfach so hereinzuplatzen? Einer nach dem anderen stürmt ihr meinen Pavillon und ein Gesicht erzürnt mich mehr als das andere. Sind denn nun noch immer nicht genug Leute versammelt, die mir auch noch den letzten Atemzug rauben wollen?"
Bei diesen forschen Worten blickte Lan Qiren jedem einzelnen der Anwesend war einmal erzürnt ins Gesicht, wobei sein Blick auf Bao Tian am längsten verharrte.

Alle blickten sich nun etwas unsicher um und besonders Lan Xichen blickte mit Schrecken auf die sich immer neu wandelnde Situation.
-Denn war er es nicht, der gehofft hatte diese Sache alleine klären zu können?-
Doch sein Gesicht war gezeichnet von der schwere des Gesprächs und es war für jeden Anwesenden ersichtlich, was sich die vergangenen drei Stunden in diesem Pavillon zugetragen haben musste.

Madame Mao atmete daher einmal tief ein, als sie Lan Qiren's Worte zunächst einmal missachtete. Unter dessen nun noch mehr empörten Gesichtsausdruck ging sie zunächst zu Lan Xichen herüber, als dieser auch gleich aus Höflichkeit aufstand, als sie zu ihm kam.

„Madame Mao." Sagte er verwundert.
„Was macht ihr hier? Was macht ihr alle hier?"

Doch sie berührte nur liebevoll seinen Arm, als sie ihm leise zuflüsterte:
„Du siehst Müde aus, Zewu-Jun. Ich denke, ihr habt schon alles getan was in eurer Macht steht, überlasst nun mir den Rest. Ich werde sehen was ich tun kann."

Lan Xichen blickte Madame Mao erst verwundert an, doch als er selber spürte wie sein Körper und seine Seele unter dem Druck der vergangenen Stunden gelitten hatten, willigte er schließlich ein. Er nickte Madame Mao zu und warf dann auch einen anerkennenden Blick zu Lan Wangji herüber.
Dieser stand nun ebenfalls auf und half auch Jinan Liang wieder in die Aufrichtung zu kommen, als Bao Tian ein paar Schritte auf Lan Xichen zukam und ihn dann einen erwartungsvollen Blick zuwarf.

Doch Lan Xichen's leerer Blick verriet nichts Gutes und so schüttelte er verneinend seinen Kopf, während er Bao Tian dabei traurig anblickte.
Bao Tian's Augen weiteten sich, als er verstand, dass somit wohl von Lan Qiren keine Einsicht und schon lange kein Einverständnis zu erwarten war.
Es war eine Enttäuschung für alle und auch Lan Wangji und Jinan Liang wirkten am Boden zerstört.

Doch plötzlich klatschte Madame Mao sich laut in die Hände. Der Ton hallte durch den Raum und zwang jeden zur sofortigen Aufmerksamkeit. Mit klarer Stimme sagte sie:
„So, Kinder, alle einmal raus! Lasst uns kurz alleine bitte!"

Lan Qiren warf ihr einen scharfen Blick herüber, als er, ihre Absichten durchschauend, herüberzischte:
„Mao Yue-Lian, glaub nicht, dass du mich umstimmen kannst. Diese ganze Geschichte ist verrückt und ich könnte meinen euch alle hat der Wahnsinn ergriffen. Wie kannst du dich nur auf ihre Seite stellen?"

Madame Mao spürte für einen kurzen Moment ihren kräftigen Herzschlag, als ihr voller Name Lan Qiren´s Lippen verlies.
Doch sie lächelte nur und wank mit ihren Händen alle Anwesenden nach draußen. Sie schmiss sie förmlich alle raus und war bereit es nun alleine mit Lan Qiren aufzunehmen.
Sie nickte Lan Xichen noch einmal zu, als dieser als Letztes nach draußen trat und noch etwas widerwillig hinter sich die große Tür wieder schloss.

Dann wurde es plötzlich ganz still und alle standen nun auf der Veranda, vor der geschlossenen Tür und wussten nicht so recht was sie sagen sollten.
Wei Wuxian, Lan Wangji, Bao Tian und Lan Xichen blickten alle schweigend zu Boden, als Jinan Liang plötzlich in die Hocke ging und sich verzweifelt ihre Ohren zuhielt. Ihre Stimme war dünn und mit Selbstzweifeln zerfressen, als sie sagte:
„Es ist alles nur meine Schuld!"

Doch Lan Xichen hockte sich schnell neben sie, berührte behütend ihre schmalen Schultern, als er versuchte ihr Mut zuzusprechen.
„Nein, das ist es nicht und das darfst du auch niemals denken! Lasst uns hier alle ersteinmal warten und auf Madame Mao vertrauen. Ich bin mir sicher, dass sie noch etwas für uns tun kann."

Die Männer stellten sich nun alle der Reihe nach an die Wand, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken, während Lan Xichen Jinan Liang ein wenig tätschelte.
Eine betretene Stille trat plötzlich ein, während sie alle Schweigend darauf warteten, dass sich die große Tür irgendwann wieder öffnete.


Es vergingen weitere nervenzerreibende zwei Stunden, als plötzlich das Schloss der großen Tür ein Klicken von sich gab.
Alle vor der Tür zuckten erschrocken aus ihrer Lethargie auf und starrten gespannt auf die Tür, als diese sich langsam öffnete.

Es war Madame Mao, welche ihren Kopf hinausstreckte und in die vielen erwartungsvollen Gesichter blickte.
Sie selbst sah nun auch etwas zermürbt und abgeschlagen aus. Ihre Augen wirkten müde und ein paar tiefe Sorgenfalten prägten ihr Gesicht.
Sie blickte reihum und schaute in die vielen, fragenden Gesichter, in dessen Mitte sich jeweils zwei große Augen befanden, welche voller Hoffnung gefüllt sie anfunkelten.

Madame Mao trug zunächst einen sehr angespannten Gesichtsausdruck und ihre Lippen zogen sich kraus, als jeder Einzelne von ihnen bei diesem Anblick spürte, wie sein Herzschlag einmal kurz nervös aufflackerte.

„Und?" Rutschte es Lan Xichen, die Anspannung kaum noch ertragend heraus.

Es waren Sekunden der Anspannung, doch es kam allen wie eine Ewigkeit vor. Der unruhige Atem blieb einem förmlich in der Kehle stecken, bis Madame Mao endlich eine Regung zeigte und ein plötzliches Lächeln über ihr Gesicht blitzen lies und dann einmal besänftigend nickte.

Die Gruppe brach vor Erleichterung fast in Jubel aus und jeder von ihnen atmete einmal tief ein, um sein wild schlagendes Herz zu beruhigen.
Wei Wuxian klopfte mit einem breiten Grinsen Lan Wangji einmal stolz auf die Schulter, während Lan Xichen zur Freude mit seiner rechten Hand einmal über Jinan Liang's Schulter strich und dann mit seiner linken Hand sofort nach Bao Tian griff.
Sie alle tauschten Blicke und Gesten der Freude und Erleichterung aus und jeder von ihnen spürte, wie ein gigantischer Stein von ihren Herzen abfiel.
Doch die Freude und der gemeinsame emotionale Austausch währte nur kurz, als sie plötzlich bemerkten, wie Madame Mao's Lächeln wieder aus ihrem Gesicht verschwand. Sie blickte wehmütig zu Lan Xichen herüber, als dieser plötzlich ihren kritischen Blick bemerkte.

Sofort verstummten die fröhlichen Stimmen und Lan Xichen wendete sich zu Madame Mao.
„Was ist? Hat er etwa doch nicht sein Einverständnis gegeben?" Fragte er sie bestürzt.

Alle blickten gespannt in Madame Mao's Gesicht, als sie mit gesenkter Stimme sagte:
„Doch, das hat er. Euer Onkel hat letzten Endes eingelenkt und sein Einverständnis gegeben.
Jedoch...
hat er eine Bedingung gestellt!"

„Was für eine Bedingung?" Sagte plötzlich Lan Wangji das Wort ergreifend, scheinbar die Bedingung seines Onkels fürchtend.

Madame Mao wendete ihren Blick zu Boden, als sie die Tür weit öffnete und sagte:
„Kommt alle herein!"

Die Tür öffnete sich weit und Madame Mao bat die Fünf wieder herein.

Lan Qiren stand in der Mitte seines Pavillon's sein Blick kühn und stolz ihnen entgegengerichtet. Seine Hände hatte er nach hinten auf den Rücken gelegt und die drückende Atmosphäre im Raum schien einem den Atem zu rauben.
„Xichen!" Erklang Lan Qiren's Stimme laut und befehlend.
„Tritt nach vorne!"

Lan Xichen kam sofort nach vorne, trat aus der Gruppe heraus und stellte sich mit respektvollem Abstand vor Lan Qiren.
Er verneigte sich tief als er akzeptierend sagte:
„Onkel?"

Lan Qiren starrte ihn scharf an. In seinem Blick war etwas Beängstigendes, wenn auch zugleich die Liebe zu seinem geliebten Neffen sich in ihnen widerspiegelte.
Er strich sich mürrisch über seinen Bart, als er laut sprach:
„Knie nieder!"

Bao Tian, der wie alle anderen mit ansah wie Lan Xichen sich sofort gehorchend auf seine Knie fallen lies, beschlich plötzlich ein ungutes Gefühl, als er besorgt nach vorne blickte.

Es war mucksmäuschenstill in dem Pavillon und niemand wagte es auch nur ein Wort zu sprechen.

Lan Qiren wirkte plötzlich wie ein dominanter Herrscher und seine Worte hallten wie ein Echo durch die Räumlichkeiten:
„Xichen...,
Ich habe dich und Wangji geliebt wie einen eigenen Sohn. Großgezogen habe ich euch und euch alles beigebracht was ihr zum Leben brauchtet, als mein Bruder nicht dazu im Stande war!
Alles was ihr seid und zu was ihr es in der Welt der Cultivator´s gebracht habt, habe ich euch beigebracht!
Ihr ward der ganze stolz dieses Clan's,
Mein ganzer Stolz!
Doch dann, war es erst Wangji der mich bitter enttäuscht hat. All sein Ruhm, all seine Ehre und all sein Stolz als Cultivator des Gusu Lan Clan's wurden wegen einem einzigen Fehler zu Nichte gemacht!"
Lan Qiren warf plötzlich Wei Wuxian einen scharfen Blick zu und dieser durchbohrte sein Ziel wie ein brennender Pfeil.

Wei Wuxian zuckte zusammen, als er für einen kurzen Moment noch einmal Lan Qiren's ganze Ablehnung zu spüren bekam.
Doch Lan Qiren fuhr fort:
„Ihr habt keine Vorstellung was es mich gekostet hat diesen tiefsitzenden Schock und diese Enttäuschung hinzunehmen!
Mich mit dieser Schande abzufinden und zu guter Letzt, sie auch noch zu akzeptieren!
Das Einzige was mich zu dieser Gesinnung umstimmen konnte war die Liebe, als wäret ihr meine eigenen Söhne, welche ich für Wangji und auch für dich aufbringe, Xichen.
Und jetzt, so als wäre mein altes Herz nicht schon geschunden genug, kniest nun du vor mir und erwartest das Unmögliche von mir!"

Betretenes Schweigen herrschte im Raum. Die Zeit schien förmlich still zu stehen, die Luft war dick und stickig und das Atmen viel einem schwer.
Lan Qiren wanderte ein paar Schritte vor Lan Xichen auf und ab, welcher mit gesenktem Kopf noch immer vor ihm kniete. Die schwere seiner Schuld und seines Vergehens lastete schwer auf seinen Schultern und in seinem Gesicht spiegelten sich seine Selbstzweifel wieder.

Lan Qiren schnaubte abwertend durch seine Nase:
„Was du heute von mir verlangst Xichen, steht Wangji's Taten in keinem nach!
Ihr zwei seid wirklich Brüder und ohne Zweifel die Brut meines Bruders!"

Lan Xichen atmete einmal schwer ein, als er vorsichtig versuchte etwas zu sagen:
„Onkel, ich..."

Doch Lan Qiren unterbrach ihn zornig.
„Schweig! Ich kenne nun deine Absichten und deine Beweggründe! Es saßen heute schon genug Leute in meinem Pavillon die mir über Stunden euren irrwitzigen Plan vorgetragen haben!
Es ist mir kein Detail entgangen und es war weitaus mehr als mein Herz und mein Verstand überhaupt begreifen können!"

Lan Xichen hob vorsichtig seinen Blick an und er schaute Lan Qiren direkt in die Augen. Es war ein Blick der mehr sagte als tausend Worte und Lan Qiren wusste in seinem tiefsten Inneren genau, wie viel Mut und wie viel Courage es erfordert hatte, für Lan Xichen nun an diesem Punkt zu stehen.

Lan Qiren holte einmal tief Luft, als er seine Augen kurz schloss. Seine Stimme war atemlos und mit Fassungslosigkeit geprägt, als er fast schon stimmlos hauchte:
„Er ist dein Untertan...und dann auch noch ein Mann..."

Lan Xichen schluckte schwer. Er selbst wusste, wie verwerflich diese Liebe war, aber es war nun einmal geschehen und es stand nicht mehr in seiner Macht dies rückgängig zu machen. Er war dieser Liebe schutzlos verfallen, mit allen Konsequenzen die es mit sich zog.

Bao Tian zerrissen innerlich die Schuldgefühle, was er mit seiner selbstsüchtigen Liebe seinem Herren und Sect Leader angetan hatte. Diese Scham und diese Schmach musste für einen Mann diesen Gesellschaftsstandes nur schwer zu ertragen sein.
Er blickte zu Lan Xichen herüber, welcher nun vollkommen alleine auf den Knien hockte und alle Schuld alleine auf sich nahm. Er wurde vorgeführt und als unmoralisches Mahnmal angeprangert.

Lan Qiren blickte zu Bao Tian herüber und es war ein Blick voller Gräuel und Enttäuschung in seinen Augen, als er scharf zu Lan Xichen zischte:
„Hätte ich gewusst, dass dies einmal passieren würde, hätte ich dir niemals erlaubt ihn mit in unseren Clan zu bringen! Aber du warst schon damals engstirnig und hast dich über meinen Rat hinweggesetzt!
Und um nun dem Ganzen auch noch die Krone oben drauf zu setzten hast du Jinan Yi's Tochter auch noch in das alles mit hineingezogen!
Man könnte meinen, meine einstigen gehorsamen Neffen haben sich gegen mich verschworen um mir mein Leben schwer zu machen!"
Lan Qiren gab einmal einen beängstigenden tiefen Ton von sich, als er plötzlich abrupt stehen blieb, seine Augen schloss und dann mit beiden Händen einmal intensiv seine Stirn massierte.
„Ich bin zu alt für so etwas! Wohin haben mich nur meine Bemühungen in all den Jahren gebracht?"
Fluchte er förmlich im Selbstgespräch.

Es blieb still und jeder Blickte beschämt zu Boden, seinen eigenen Gedanken nachgehend. Sie hüllten sich alle in Schweigen, als Lan Qiren plötzlich laut und lang aufseufzte.
Er blickte zu Lan Xichen herunter und musterte ihn einmal eindringlich, als er schließlich mit gedämpfter Stimme sagte:
„Und doch werde ich an alledem nichts ändern können! Es gibt einfach Dinge auf dieser Welt, die sich meinem Verständnis und meiner Macht entziehen!
Und dennoch sind sie da und haben ihre Berechtigung!
Ich hatte Madame Mao zugesagt, dass ich mein Einverständnis geben werde!
Und das werde ich auch euch geben!
Denn was immer blieben wird, ist meine Liebe zu euch! Ihr seid für mich wie meine Söhne, mein eigen Fleisch und Blut und welches Recht hätte ich, euch euer Glück zu verwehren und euch ein Leben führen zu lassen, welches ihr auf immer in Trauer bereuen würdet? Auch wenn dies meinen eigenen Stolz und meine moralischen Vorstellungen tief erschüttert!"

Lan Xichen's Augen weiteten sich, als er mit großen, funkelnden Augen zu seinem Onkel hinauf blickte. Auch die anderen blickten mit Staunen zu Lan Qiren herüber, als Lan Xichen sich plötzlich nach vorne auf seine Hände fallen lies und sich tief verneigte. Seine Stimme war euphorisch und voller Dankbarkeit als er hastig sagte:
„Vielen Dank, Onkel! Ich kann meine Dankbarkeit kaum in Worte fassen!"

Doch noch bevor ein Jubel der Freude ausbrechen konnte, atmete Lan Qiren plötzlich schwermütig ein und sein scharfer Blick sprach Bände, als er laut sagte:
„Xichen! Ich habe zwar mein Einverständnis gegeben...
Aber ohne eine gerechte Strafe, werde ich deine Sünden und dein Vergehen nicht dulden können!"

Allen stockte der Atem und ein erschrockenes Raunen ging durch den Pavillon.
Lan Xichen's Augen weiteten sich, als er schreckerfüllt zu seinem Onkel hinauf blickte.
Dieser drehte sich plötzlich um und ging hinter sich zu einem hohen Schrank. Er öffnete das kleine Schloss, welches vor der zweiflügeligen Tür hing und holte einen dunklen Gegenstand heraus.
Als er sich umdrehte und wieder vor Lan Xichen stand, führte er seine rechte Hand mit einer gehemmten Handbewegung nach vorne und öffnete ein paar Finger, als der dünne und lange Schlag einer Peitsche aus seiner Hand glitt und sich auf den dunklen Fußboden lang ausrollte.

Lan Xichen's Augen weiteten sich in´s Unermessliche, als er auf die geballte Hand seines Onkels starrte und sich der kräftige, dunkle Peitschenschlag in seinen klaren Augen widerspiegelte.

Lan Qiren's Stimme war gebieterisch und doch mit einer gewissen Wehmut untermalt, als er sagte:
10 Schläge für dich Xichen, mit der Disziplinpeitsche des Gusu Lan Clan's!
...Der erste Schlag, wegen deiner sündhaften Liebe zu Bao Tian!
...Der zweite Schlag, weil du mich angelogen hast!
...Der dritte Schlag, weil du Jinan Liang in das alles mit hineingezogen hast!
...Der vierte Schlag, weil du eine Scheinehe eingegangen bist und damit auf Traditionen unserer Vorfahren gespuckt hast!
...Der fünfte Schlag, für Jinan Yi, den du nun als sein Schwiegersohn ebenfalls belogen hast!
...Der sechste Schlag, für den Verrat am Gusu Lan Clan!
...Der siebte Schlag, für den Verrat am Tai Jinan Clan!
...Der achte Schlag, weil du alle hier Anwesenden in deine Sünden mit reingezogen hast!
...Der neunte Schlag, weil du einem ehemaligen Wen in unserem Clan Zuflucht gewähren willst!
...Und der zehnte Schlag...für deinen selbstsüchtigen Wunsch, welcher dir als Sect Leader des Gusu Lan Clan's nicht zusteht!"