Chapter 20.17
Wei Wuxian hatte seine Arme hinter seinem Kopf verschränkt, als er die großen Stufen des Gusu Lan Clan's hinunter stolzierte.
Es war früh am Morgen, der Tau lag noch auf den Gräsern und die Luft war noch kühl und frisch.
Lan Wangji lief direkt hinter ihm und trug einen Beutel über den Rücken mit etwas Reiseproviant, als Wei Wuxian plötzlich laut aufgähnte und noch müde sagte:
„Tjaaaa so schnell kanns gehen. Und zack, sind wir beiden doch alleine unterwegs um Luan Han zu holen. Ich hoffe, dieser Teil der Geschichte läuft etwas reibungsloser ab und ist mit etwas weniger Dramatik und Herzschmerz verbunden. Was für Ereignisse in den vergangenen Wochen...
Und abgesehn davon, können wir es uns gar nicht erlauben uns zu lange aufzuhalten. Jinan Liang muss nun den Laden da oben alleine schmeißen, ich hoffe Madame Mao greift ihr etwas unter die Arme und Zewu-Jun bekommt keinen Schock was aus seinem Clan während seiner Abwesenheit geworden ist."
Lan Wangji nickte ihm bestätigend zu und schaute kurz nachdenklich drein, als er plötzlich stehen blieb und zu seiner linken schaute. Er blickte in ein nahegelegenes Waldstück und kniff seine Augen plötzlich angestrengt zusammen.
Wei Wuxian, der immer noch im Monolog die letzten Stufen der großen Treppe hinunter schritt bekam gar nicht mit, dass Lan Wangji stehen geblieben war und setzte unbeirrt seinen Weg fort.
„Wei Ying!" Sagte Lan Wangji plötzlich mit einem ernsten Ton und erst jetzt zuckte Wei Wuxian zusammen, nahm seine Arme herunter und drehte sich geschwind um.
Er sah Lan Wangji fragend an und dieser deutete mit seinen Augen auf einen großen Busch, nahe am Waldrand.
Erst in diesem Moment spürte Wei Wuxian ebenfalls die Anwesenheit einer dritten Person und sein Gesicht bekam plötzlich einen ernsten Gesichtsausdruck.
Per Blickkontakt symbolisierten sich die beiden einen Überraschungsangriff und sofort zog Lan Wangji sein Schwert Bichen aus seiner Schwertscheide heraus und startete rasant auf den Busch zu. Wei Wuxian ging ebenfalls zum Angriff über und als Lan Wangji den Busch als Erster erreicht hatte, prackte er auf einmal kräftig zu und erwischte jemanden am Kragen.
Ein kurzer, erschrockener Schrei aus dem Busch zerriss die Luft und Lan Wangji schleuderte sein Opfer zu Boden und thronte über ihm. Bichen rammte er neben den Kopf der Person bedrohlich in die Erde und sie hörten eine vertraute Stimme die sofort aufgebracht rief:
„STOP! STOP! Ich bin es!"
Lan Wangji und Wei Wuxian starrten mit weit aufgerissenen Augen auf die Person am Boden und als diese ihre schützenden Arme endlich vor ihrem Gesicht wegnahm, bot sich den beiden ein vertrauter Anblick.
„SUN YAN?" Rief Wei Wuxian erschrocken aus und in der Tat, es war Sun Yan der unter Lan Wangji im Dreck lag und die beiden entgeistert anblickte. Seine drei Kratzspuren quer über sein hübsches Gesicht waren trotz der Morgendämmerung gut zu erkennen und er hielt seine Arme mit den flachen Handinnenseiten in die Luft um sich zu ergeben.
Wei Wuxian seufzte plötzlich erleichtert auf und auch Lan Wangji kletterte sofort von ihm herunter und half ihm augenblicklich wieder hoch.
Sun Yan entfernte sich das Laub aus seinen Haaren und klopfte sich seine Kleider vom Dreck ab, als er aus einer Mischung aus Schock und Empörung sagte:
„Du meine Güte, was habt ihr beiden denn schon für eine Laune am frühen Morgen? Gleich direkt wieder mit dem falschen Fuß aufgestanden oder was? Ihr wollt einem schneller den Garaus machen als man guten Morgen sagen kann."
Lan Wangji steckte Bichen wieder zurück in seine Schwertscheide und Wei Wuxian verschränkte seine Arme demonstrativ vor seiner Brust und zog eine Augenbraue nach oben, während er Sun Yan einmal von oben nach unten musterte:
„Widerlich, freches Blag." Sagte er provozierend.
„Wer sich anschleicht und in einem Busch versteckt hat kein anderes Wilkommenskommittee verdient. Was machst du da nur für Sachen und überhaupt...was machst du überhaupt hier so früh am Morgen?"
Sun Yan, nachdem er sich von seinem ersten Schock etwas erholt hatte, guckte plötzlich etwas verlegen drein. Er kratzte sich am Hinterkopf, als er etwas zaghaft sagte:
„Was, darf ich etwa nicht hier sein?
Ich hatte euch die ganzen letzten Tage kaum zu Gesicht bekommen. Immer wart ihr mit irgendwas wichtigerem beschäftigt. Und als Jiang Cheng sagte, dass wir heute wieder abreisen wollen, hatte ich euch eben gesucht..."
Wei Wuxian zog erneut seine Augenbraue nun noch weiter nach oben, als er ungläubig sagte:
„Und desswegen lauerst du uns auf und versteckst dich hinter einem Busch? Wer soll dir das glauben?"
Sun Yan schüttelte etwas verlegen seinen Kopf, als er sagte:
„Naja...Nein...ich...also Ja...
Um ehrlich zu sein, hatte ich euch am Vortag reden hören. Irgendwas von einer geheimen Mission und einem Geheimnis...und, dass Bao Tian nicht mehr mitkommen kann und da packte mich die Neugier."
Wei Wuxian warf Lan Wangji einen leicht belustigten Blickkontakt zu. Er schnaufte durch seine Nase, als er sagte:
„Und desswegen bist du uns hinterher geschlichen und wühlst in den Büschen umher um herauszufinden worum es geht?"
Sun Yan blickte die beiden plötzlich mit wachem Blick an, als er aufeinmal selbstbewusst sagte: „Jain!"
Wei Wuxian's Gesicht verzog sich kraus, als er sich fragte, was das bitte für eine ungenaue, aber vollkommen selbstsichere Antwort war?
„Was, Jain?" Fragte er sichtlich irritiert.
Doch plötzlich begannen Sun Yan's grüne Augen leicht zu funkeln, als er mit euphorischer Stimme sagte:
„Ich dachte...wenn Bao Tian nicht mitkommen kann, kann ich vielleicht seinen Platz einnehmen? Ich könnte euch helf..."
„Ausgeschlossen!" Würgte Wei Wuxian ihn noch mitten im Satz ab, als er seine Arme überkreuzte und dabei seinen Kopf verneinend hin und her schüttelte.
„Warum nicht?" Fragte Sun Yan dreist nach, eine so prompte Ablehnung nicht akzeptierend.
Doch Wei Wuxian seufzte laut auf.
„Das hier ist kein Klassenausflug! Wer soll auf dich aufpassen? Such dir eine andere Beschäftigung wenn dir langweilig ist. Und außerdem, was soll Jiang Cheng dazu sagen, wenn du einfach spurlos verschwindest und mit uns kommst?"
Sun Yan biss sich auf seine Backenzähne. Eine tiefe Zornesfalte legte sich zwischen seine Augen und er guckte leicht betrübt zu Boden.
Lan Wangji, der bis dato sich das alles in Ruhe angesehen hatte, warf Wei Wuxian plötzlich einen beschwichtigenden Blick zu, als er ruhig sagte:
„Vielleicht könnten wir aber wirklich Hilfe gebrauchen. Unser Ziel ist Yunmeng. Wei Ying, du bist zwar in Yunmeng aufgewachsen, aber es ist Sun Yan, der die letzten 13 Jahre dort gelebt hat. Er kennt sich sicher bestens in der Gegend aus."
Sun Yan riss plötzlich seinen Blick wieder nach oben und funkelte Lan Wangji wie einen Retter in der Not an.
Wei Wuxian dagegen trug einen empörten Gesichtsausdruck und blickte Lan Wangji mit Unverständnis an.
„Lan Zhan, wie kannst du mir nur einfach so in den Rücken fallen? Dies ist eine geheime Mission. Und wie der Name schon sagt ist sie GEHEIM. Wir können ihn nicht einfach mitnehmen, sie ihn dir nur an. Bis eben noch hockte er noch im Busch und blies Trübsal und nun soll er uns begleiten? Und abgesehen davon, was ist mit Jiang Cheng? Ich habe keine Lust den im Nacken zu haben, nur weil wir ungefragt seine bessere Hälfte mitgenommen haben."
Doch Sun Yan, der sich danach sehnte mal wieder Zeit mit seinen Freunden zu verbringen und gemeinsam ein Abenteuer zu erleben, war nun nicht mehr zu bremsen. Er überhörte sogar all die fiesen Stachelleien von Wei Wuxian, als er hastig und voller Euphorie in der Stimme sagte:
„Yunmeng, ihr geht nach Yunmeng? Kein Problem für mich, ich kenne jeden Weg und jede Abkürzung. Nehmt mich mit, ich kann euch bestimmt von Nutzen sein. Bitte!"
Wei Wuxian stöhnte lang und laut auf. Er schloss seine Augen und tippte unruhig mit seinem Zeigefinger auf seinen verschränkten Armen auf und ab. Es verging ein kurzer Moment der Stille, als er schließlich wieder ein Auge öffnete und dann skeptisch zu Sun Yan herüber blickte, welcher wie ein kleiner Junge mit großen, bittenden Augen ihn anfunkelte.
Widerwillig sagte Wei Wuxian:
„Aber es ist doch eine geheime Mission...!"
Sun Yan nickte mehrfach, als er sagte:
„Ich kann schweigen wie ein Grab!"
Wei Wuxian linste schließlich zu Lan Wangji herüber. Dieser stand etwas regungslos daneben und sagte dann plötzlich ziemlich stumpf zu Wei Wuxian:
„Wir müssen ihm ja nicht alle Umstände erklären..."
„Hmm..." Summte Wei Wuxian nachdenklich über seine Lippen.
„Da hast du wohl recht."
„Und was ist mit Jiang Cheng?"
Sun Yan grinste plötzlich verschmitzt über das ganze Gesicht.
„Das sollte kein Problem sein.!" Sagte er, als er augenblicklich seinen Daumen und Zeigefinger zwischen die Lippen nahm und laut pfiff.
Lan Wangji und Wei Wuxian blickten sich irritiert um, als plötzlich ein Mann aus einem nahegelegenem Baum aus der Baumkrone nach unten auf den Boden sprang. Der Aufprall war elegant und leichtfüßig und der Mann, welcher sanft im Gras landete, trug einen großen Speer auf seinem Rücken, dessen Metall das Morgenlicht reflektierte. Es war Feng Ling, der plötzlich auf sie zukam.
Wei Wuxian und Lan Wangji blickten mehr als verwundert, denn sie hatten gar nicht bemerkt, dass sich noch jemand im Gebüsch versteckt hatte.
Feng Ling kam schweigend auf sie zu, trug dabei einen ernsten Gesichtsausdruck aber begrüßte sie dann aber mit einer höflichen Handbewegung, als Sun Yan sagte:
„Feng Ling, kannst du bitte von mir Jiang Cheng ausrichten, dass ich schon vorgegangen bin? Wir treffen uns einfach in Yunmeng wieder."
Feng Ling´s ernster Gesichtsausdruck wurde für einen Moment unterbrochen, doch dann warf er erst einen etwas mürrischen Blick zu Lan Wangji und dann einen noch skeptischeren Blick zu Wei Wuxian herüber. Nach einem kurzen Moment des intensiven Blickkontakts mit Sun Yan, verneigte er sich schließlich zum Abschied abermals, nickte nur schweigend und drehte sich dann kommentarlos auf dem Absatz wieder um.
Wei Wuxian war beeindruckt und verwirrt zugleich und stand vollkommen sprachlos da, als Sun Yan Feng Ling noch hinterher rief:
„Achja und sag ihm, er brauch sich keine Sorgen zu machen. Ich bin mit Lan Wangji und Wei..."
Doch plötzlich stockte er mitten in seinem Satz und dachte kurz nach. Dann richtete er abermals das Wort an Feng Ling:
„Ähh...ach, sag einfach nur ich bin mit Lan Wangji unterwegs. Das reicht."
Feng Ling nickte Sun Yan noch einmal zu, drehte sich dann um und ohne auch nur ein Wort dazu zu sagen ging er einsam und alleine die Treppen zum Gusu Lan Clan wieder nach oben.
Wei Wuxian und Lan Wangji blickte noch immer etwas sprachlos diesem seltsamen Mann hinterher, als Wei Wuxian misstrauisch sagte:
„Sun Yan, das ist echt gruselig. Seit wann hast du diesen Mann ständig im Nacken?"
Doch Sun Yan wedelte nur beschwichtigend mit seiner Hand in der Luft umher.
„Ach, das ist eine lange Geschichte. Aufjedenfall ist er oft bei mir, wenn Jiang Cheng unabkömmlich ist. Aber trotz seines ersten Erscheinungsbildes vollkommen harmlos und mittlerweile ein guter Freund von mir. Wir können ihm vertrauen!"
Wei Wuxian zog misstrauisch eine Augenbraue nach oben und blickte Feng Ling noch mit schiefem Blick hinterher.
„Na gut, wenn du es sagst...Aber wenn du mich fragst...umgibt den Mann ein Geheimnis. Normal ist das nicht oder?"
Doch Sun Yan grinste nur noch breit von einem Ohr über das andere, voller Tatendrang und bereit die Reise anzutreten.
„Ach quatsch, also...wollen wir?" Fragte er gut gelaunt, als er auch schon einen Arm um Wei Wuxian's und den anderen Arm um Lan Wangji's Taille legte und die beiden dann schwungvoll mit sich zog.
Wei Wuxian und Lan Wangji, etwas überrumpelt von der plötzlichen Eile und dem sofortigen Aufbruch, blickten Sun Yan etwas überrascht an, als Wei Wuxian plötzlich meckerte:
„Hey, hey! Warum die plötzliche Eile? Bist du denn überhaupt schon fertig? Hast du alles was du brauchst? Wer weiß wie lange wir fort sind?!"
Doch Sun Yan schien tatsächlich schon bestens vorbereitet gewesen zu sein, als er Wei Wuxian und Lan Wangji die Straße unbeirrt weiter entlang schliff.
„Jaja alles fertig, hab alles dabei, wir können sofort los! Also hopp, weiter, nur nicht stehen bleiben!"
Doch Wei Wuxian war Sun Yan's Verhalten nicht ganz geheuer und unter Lan Wangji´s beherrschtem Gesichtsausdruck befreite er sich aus dessen stürmischen Griff, als er skeptisch sagte:
„Ok schon verstanden. Du hattest das alles schon fein säuberlich geplant, also wozu nun die Eile?"
Sun Yan blieb plötzlich stehen. Sein Gesicht zu einem absolut aufgesetzten Lächeln verzogen, als er in einem beichtenden Tonfall sagte:
„Ich habe zwar Feng Ling losgeschickt um von meiner Abreise zu berichten...Das heißt aber nicht, dass Jiang Cheng auch damit einverstanden ist!
Ich weiß also nicht wie er reagieren wird, wenn er davon erfährt."
Wei Wuxian zog plötzlich ruckartig die Luft durch seine Nase, seine Augenbrauen zogen sich verschreckt nach oben, als er plötzlich seine Hände auf Sun Yan's und Lan Wangji's Rücken platzierte und begann die beiden rasant nach vorne zu schieben. Seine Stimme wurde plötzlich hektisch und war von einer unguten Vorahnung untermalt.
„Los, los, los, bewegt euch, bloß nicht stehen bleiben!"
Die Sonne war dabei langsam unterzugehen, die letzten Lichtstrahlen zogen über das Land.
Ein paar schwarze Krähen krächzten in den Baumkronen und Lan Wangji, Wei Wuxian und Sun Yan waren schon den ganzen Tag auf den Beinen gewesen. Sie schlenderten eine breite Handelsstraße entlang, als es Sun Yan mittlerweile doch so sehr unter den Nägel brannte, dass er schließlich doch fragte:
„Ich weiß, es ist eine geheime Mission, aber was genau machen wir eigentlich in Yunmeng?"
Lan Wangji gab als Erster eine Antwort, während er vollkommen unbeirrt seinen Weg dabei fortsetzte.
„Nicht direkt in Yunmeng!"
„Nicht direkt in Yunmeng?" Fragte Sun Yan nach, während er verwundert sein Gesicht verzog.
Wei Wuxian kratzte sich am Hinterkopf.
„Also ja und nein. Vielleicht in der Nähe von Yunmeng. So ganz genau wissen wir das auch noch nicht."
Sun Yan schaute nun noch irritierter zu Wei Wuxian herüber.
„Ihr wisst es nicht genau? Wisst ihr denn überhaupt was genau eure "ach so geheime Mission" ist, wenn ihr dann in Yunmeng oder in der Nähe von Yunmeng angekommen seid?"
„Wir suchen jemanden!" Sagte Wei Wuxian selbstsicher, während er mit seinem Fuß ein paar Steine auf der Straße wegschoss.
„Wen?" Fragte Sun Yan, mühselig jedes kleinste Detail den beiden aus der Nase ziehend.
„Einen Mann!" Sagte Wei Wuxian seinen Zeigefinger in die Luft streckend.
Sun Yan verdrehte seine Augen und stöhnte genervt auf.
„Wie heißt denn der Mann? Wie soll ich euch helfen, wenn ich überhaupt keine Informationen von euch erhalte."
Wei Wuxian warf Sun Yan einen kritischen Blick zu.
„Genau da ist der springende Punkt. Wer hat dich überhaupt eingeladen und gesagt, dass du helfen sollst?"
Sun Yan's Augen weiteten sich und sein Mund stand vor Empörung weit offen, als er gerade etwas fieses erwidern wollte.
Doch Lan Wangji kam ihm zuvor und fiel ihm ins Wort, als er sagte:
„Luan Han. Wir suchen einen jungen Mann, Namens Luan Han!"
Sun Yan blickte Wei Wuxian an, zog eine Augenbraue markant nach oben und nickte ihm dann ironisch zu, während ein hoch gesummtes „Hmm" über seine Lippen kam. So als wollte er sagen:
-Danke für deine "nicht-Hilfe", nächstes Mal frage ich direkt Lan Wangji.-
Und damit streckte er ihm dann auch noch seine rote Zunge heraus.
Wei Wuxian zog entgeistert seine Stirn kraus und nuschelte eingeschnappt zu Lan Wangji:
„Spielverderber."
Doch Lan Wangji warf den beiden nur einen ermahnenden Blick zu und es war offensichtlich, dass sich Lan Wangji wohl insgeheim fragte, ob das so die ganze Reise noch weiter gehen würde.
Sun Yan zuckte nur mit seinen Achseln und stolzierte derweil leichtfüßig ein paar Schritte voran.
Nachdenklich nuschelte er zu sich selbst:
„Luan Han...Luan Huan...Luan Han..."
Wei Wuxian linste zu ihm herüber, so als würde er erwarten, dass Sun Yan vielleicht gleich irgendwelche Erkenntnisse aus seiner Erinnerung kramen würde.
„Aha!" Rief Sun Yan plötzlich motiviert aus, so als hätte er einen Geistesblitz gehabt. Dabei lies er seine linke Faust einmal in seine andere Handinnenfläche fallen, als er stehen blieb und Richtung Horizont blickte.
Wei Wuxian zuckte zusammen und funkelte ihn plötzlich mit neugierigen Augen an.
„Was?" Sagte er rasch. "
Kennst du ihn etwa?"
Sun Yan schaute Wei Wuxian einen Moment schweigend an, dann schüttelte er plötzlich achselzuckend seinen Kopf hin und her, als er trocken sagte:
„Ich? Nö, wieso?"
Dann ging er einfach kommentarlos weiter und lies Wei Wuxian an Ort und Stelle stehen.
Wei Wuxian stand mitten auf der Straße wie bestellt und nicht abgeholt und schaute ihm noch entgeistert nach.
„Aber du hast doch gerade..." Sagte er noch vollkommen verärgert, während er sich von Sun Yan mehr als veräppelt vor kam.
Sun Yan tänzelte die Straße voraus, seine Hände auf seinem Rücken und er pfiff dabei vergnügt eine Melodie über seine Lippen, als er sagte:
„Ich kenne ihn nicht, aber ich habe eine Idee, wo jemand ist, der ihn vielleicht kennen könnte!"
Wei Wuxian schaute interessiert dem jungen Mann hinterher.
„Wer?" Fragte er, als Lan Wangji neben ihm auftauchte und ihn Schulter an Schulter ein Stück die Straße weiter entlang nahm.
Sun Yan machte plötzlich eine leichtfüßige Bewegung, als er sich rasch umdrehte. Er blickte zu Wei Wuxian und Lan Wangji, als er verschmitzt sagte:
„Wir sollten in die nächste Stadt gehen! Dort entlang!"
Er streckte seinen Arm weit aus und zeigte mit seinem Zeigefinger demonstrativ in eine Abbiegung von der Straße.
„Dort befindet sich in einer Stadt eine kleine Taverne die ich gut kenne. Und wenn nicht die Wirte die dort arbeiten alle Menschen aus der Umgebung kennen, wer dann?"
Sun Yan hatte einen guten Standpunkt vertreten und Wei Wuxian und Lan Wangji blickten sich beide an. Einvernehmlich nickten sie, als Wei Wuxian auch schon gut gelaunt losstrotzte:
„Guter Einfall, sehr guter Einfall mein Junge. Und wo es eine Taverne gibt, dort ist der Alkohol nicht weit!"
„Und gutes Essen!" Fügte Sun Yan noch lachend mit hinzu, als er sich mit Wei Wuxian auf einmal wieder einig war und die beiden wie beste Freunde gut gelaunt und mit dem gleichen Ziel vor Augen die Straße entlang schlenderten.
Lan Wangji schritt ihnen leicht kopfschüttelnd hinterher, als Wei Wuxian sich plötzlich wieder umdrehte und ihm zurief:
„Lan Zhan los komm, wir haben gerade einen triftigen Grund gefunden außer Haus zu essen und uns von dem faden Essensgeschmack des Gusu Lan Clan's zu erholen. Das muss gefeiert werden. Ich hoffe du hast genug Geld mit? Ich habe nämlich nichts dabei. Hahah!"
Wei Wuxian lachte vergnügt und kratzte sich etwas verlegen an der linken Schläfe, als er Lan Wangji sein schönstes Lächeln herüber warf.
Lan Wangji blickte ihn an und auch wenn er sich fragte, was diese Mission noch für Abenteuer mit sich bringen würde, so war er doch gegen das lebensfrohe und herzhafte Lachen Wei Wuxian's hilflos, als er seine Augen kurz schloss, bestätigend nickte und dann leise sagte:
„Ja ich habe genug dabei."
Es war mittlerweile Dunkel geworden und die drei standen am Rand einer breiten Straße und blickten zur andere Straßenseite herüber. Ihr Blick fiel auf einladend aussehendes Gebäude. Durch die kleinen runden Sprossenfenster schimmerte ein angenehm warmes Licht nach hinaus auf die Straße und über der Eingangstür hing ein schweres Schild, welches im Wind leicht hin und herschwang.
„Hm!" Summte Sun Yan zufrieden über seine Lippen.
"Hier sind wir richtig!" Stolz und zufrieden verschränkte er seine Arme vor seiner Brust.
Die kleine Stadt und die vielen Straßen waren hell erleuchtet und es herrschte reges Treiben auf der Straße und in den vielen kleinen Geschäften.
Wei Wuxian pfiff zufrieden über seine Lippen, als er anerkennend sagte:
„Sieht wirklich nicht schlecht aus!"
Lan Wangji blickte ebenfalls an der Fassade der kleinen Taverne nach oben, als er schon einmal seine Hand in seinen Ausschnitt gleiten lies und nach seinem Geldbeutel tastete.
Sun Yan räusperte sich plötzlich, als er ihm flüsterton fragte:
„Nehmen wir mal, wir sind erfolgreich und finden irgendwie diesen Luan Han. Wenn wir ihn dann haben, was machen wir dann eigentlich mit ihm?"
Wei Wuxian und Lan Wangji starrten weiterhin auf die Taverne, als Wei Wuxian ohne seinen Blick abzuwenden salopp sagte:
„Mitnehmen."
„Wohin?" Fragte Sun Yan, als er vorsichtig weiter nachbohrte.
„Zurück In die Cloud Recesses." Erwiderte Wei Wuxian, weiterhin die Taverne und dessen Eingangstür nicht aus den Augen lassend.
Sun Yan linste zur Seite und schaute die beiden fragend an.
-Ob er es wohl wagen könnte noch eine Frage zu stellen?-
Vorsichtig versucht er es weiterhin:
„Und dann...? Wenn er in der Cloud Recesses ist? Was macht ihr dann mit ihm?"
„Nichts!" Sagte Wei Wuxian kurzum.
„Wir nehmen ihn einfach mit und dann bleibt er bei uns."
Sun Yan zog seine Augenbrauen irritiert nach oben.
-Die beiden kamen höchstpersönlich den weiten Weg um jemanden zu suchen, wo sie nicht einmal genau wussten wo man diese Person überhaupt finden würde, nur um ihn dann einfach mitzunehmen um dann nichts mit ihm zu machen?-
Sun Yan blickte mehr als irritiert drein, als er sich fragte, ob es sich bei diesem "Luan Han" wohl um eine sehr wichtige oder blaublütige Person handelte?
Doch plötzlich unterbrach Wei Wuxian die nachdenkliche Stille, als er schließlich laut sagte:
„Ob es in dieser Taverne wohl wirklich Alkohol gibt? Ich habe noch keinen einzigen Mann alleine aus dieser Tür kommen sehen, der betrunken die Stufen hinuntergestürzt ist."
Sun Yan zuckte plötzlich zusammen und blickte nun ebenfalls zur Eingangstür herüber, sich jetzt erst im Klaren darüber, warum Wei Wuxian die ganze Zeit so eindringlich die Eingangstür gemustert hatte.
Sun Yan zuckte mit den Achseln, als er mit anspielendem Ton in der Stimme sagte:
„Scheinbar werden hier einsame Männer wohl nicht mehr bis zum Koma bewirtet!"
Dann machte er plötzlich einen Schritt auf die Straße und ging herüber zur Eingangstür.
Wei Wuxian und Lan Wangji warfen Sun Yan noch einen fragenden Blick hinterher, als Wei Wuxian leise hinter vorgehaltener Hand zu Lan Wangji tuschelte:
„Der Junge weiß was. Scheint, dass er wirklich diese Taverne gut kennt. Lassen wir uns mal überraschen."
Die drei gingen die paar Stufen zur Tür hinauf und öffneten die große Tür. Das Schild vor der Tür klapperte im Wind und die Scharniere quitschten kurz auf.
Drinnen war es angenehm warm und die Taverne war gut besucht. An den vielen kleinen Tischen wurde gegessen, getrunken und gelacht und in der Ecke des Raumes saß ein Junger Mann der auf seiner Zither ein paar feine Töne anspielte.
Wei Wuxian fühlte sich gleich wieder wie zu Hause und er wusste sofort, dass dies die bunte und ausgelassene Stimmung aus Yunmeng war.
Denn in Yunmeng wusste man wie Feste ordentlich gefeiert wurden.
Als dann der süße Duft von Alkohol auch noch in seine Nase stieg, schlug sein Herz immer höher.
Doch durch die ausgelassene Menschenmasse ertönte plötzlich eine fröhliche und heitere Frauenstimme:
„Herzlich Willkommen die Herren, treten Sie ein, treten Sie ein."
Die drei blickten sich um, als sie auch schon eine junge Frau sahen, welche rasch auf sie zugeeilt kam.
Sie hatte dickes, braunes Haar, seitwärts zu einem lockeren Zopf geflochten und in ihrem hübschen und natürlichem Gesicht waren jede Menge Sommersprossen, welche für diese Gegend so selten aber damit auch so besonders zugleich waren.
Es war Xiao Ming, die Tochter des Wirtes, welche freudestrahlend auf sie zukam und als sie Sun Yan erblickte, wurde ihr herzallerliebstes Strahlen im Gesicht noch freudiger.
„Sun Yan?" Sagte sie mit Begeisterung und ihre Augen begannen zu funkeln, als sie augenblicklich auf ihn zukam und seine Hände berührte.
„Du bist schon lange nicht mehr hier gewesen, ich freue mich sehr dich zu sehen!"
Wei Wuxian wich einen Schritt zurück und zog seinen Kopf mit einem verwunderten Gesichtsausdruck nach hinten, sodass sich ein unschönes Unterkinn bildete. Lan Wangji, der Wei Wuxian's auffallend irritierten Gesichtsausdruck bemerkte warf ihm einen kurzen Blick zu und stützte ihn ungesehen am Arm.
Doch Xiao Ming hatte nur Augen für Sun Yan, sodass sie die beiden anderen erst gar nicht wirklich bemerkte.
Sie strahlte über ihr ganzes Gesicht und wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man meinen ihre Wangen hätten in dieser warmen Taverne eine noch etwas gesündere Hautfarbe bekommen.
„Und?" Sagte sie.
„Was führt dich zu mir? Ist dir kalt? Wollst du dich aufwärmen? Hast du Hunger und Durst? Komm, komm, ein Tisch ist noch frei ich bringe dir sofort etwas leckeres, damit du dich stärken kannst."
Sun Yan, der selbst etwas überrumpelt war, kam kaum dazwischen, als Wei Wuxian plötzlich auf sich aufmerksam machte und sich auffallend räusperte.
Xiao Ming stockte plötzlich in ihrer unbeschwerten Freude, als sie mit großen Augen einmal zu Wei Wuxian und dann zu Lan Wangji herüber blickte. Sie musterte die beiden eindringlich von oben nach unten und als sie damit fertig war, zog sie kritisch eine Augenbraue nach oben. Sie lehnte sich zu Sun Yan herüber und flüsterte ihm mit vorgehaltener Hand ins Ohr.
„Wer ist das? Sind das deine Freunde? Sie sehen irgendwie verdächtig aus. Besonders der in der rot-schwarzen Robe. Er starrt die ganze Zeit so misstrauisch. Und der daneben, ist der auf dem Weg zu einer Beerdigung oder warum ist der ganz in weiß? Die haben doch nichts ungutes im Sinn oder?
Und wo ist überhaupt er?... Ich sehe ihn gar nicht!...
Ist er denn gar nicht bei dir?"
Sun Yan, der sah wie Wei Wuxian seine Arme vor seiner Brust verschränkte, so als würde er langsam eine Erklärung erwarten, wurde langsam etwas unsicher.
Wei Wuxian blickte das tuschelnde Pärchen kritisch an und auch Lan Wangji schien von einer Auflösung der Situation nicht abgeneigt zu sein.
Sun Yan setzte ein leicht verlegenes Lächeln auf und besonders nachdem Xiao Ming "ihn" erwähnt hatte, bekamen nun auch seine Wangen einen Hauch von einem Rotstich.
„Warte, warte Xiao Ming.." Sagte er hastig, mit seiner Hand eine unterbrechende Geste in der Luft machend.
Er räusperte sich kurz, als er sagte:
„Lasst mich erklären und euch zunächst gegenseitig vorstellen, bevor ich noch von euren Blicken durchlöchert werde."
„Ah!" Sagte Wei Wuxian etwas provozierend, dabei aber ein charmantes Lächeln auf den Lippen.
„Ich dachte schon du behälst die junge Dame den ganzen Abend für dich allein und weihst uns gar nicht mehr in dein Geheimnis mit ein."
Sun Yan bekam plötzlich einen Gesichtsausdruck wie ein aufgescheuchtes Huhn, als er hektisch mit seiner Hand in der Luft rumwedelte und kopfschüttelnd sagte:
„Was für ein Geheimnis? Wovon redest du da? Haha!" Lachte er leicht verlegend.
Wei Wuxian, der ein sehr gutes Gespür für so welche Dinge hatte, wusste sofort, dass es sich um Xiao Ming's und Sun Yan's Bekanntschaft tatsächlich um ein kleines Geheimnis handeln musste. Er entschied sich aber die Sache vorerst auf sich Beruhen zu lassen, um still und heimlich auf den richtigen Moment zu warten, bis es sich vielleicht ergab, weiter in dieser Sache nachzuforschen.
Wei Wuxian legte derweil daher wieder ein selbstsicheres Grinsen auf, als er freundlich fragte:
„Und, wie heißt nun die hübsche Dame welche dich so freudig begrüßt? Willst du uns denn noch immer nicht vorstellen?"
„Doch, doch!" Sagte Sun Yan schnell. Er räusperte sich und machte sich einmal groß, als er sagte:
„Dies ist Xiao Ming, sie ist die Tochter des Wirtes. Wir haben uns vor einiger Zeit hier in der Taverne kennengelernt."
Xiao Ming lächelte freundlich und machte eine knicksartige Verneigung. Wei Wuxian erwiderte sofort ihre Freundlichkeit, als er sich ebenfalls verneigte.
„Freut mich sehr euch kennenzulernen. Ich bin Master Mo und das neben mir ist Lan Wangji. Wir kommen beide aus dem Gusu Lan Clan und sind Freunde von Sun Yan."
Lan Wangji verneigte sich ebenfalls höflich und verneigte sich respektvoll. Sun Yan blickte jedoch zunächst etwas überrascht, dass Wei Wuxian sich als "Master Mo" vorstellte. Aber schnell wurde ihm bewusst, dass natürlich der Name "Wei Wuxian" weit bekannt war und gerade in der Nähe von Yunmeng, gab es wahrscheinlich niemanden, der noch nicht von Wei Wuxian, dem späteren Yiling Patriarch, gehört hatte.
Xiao Ming strich sich mit einer eleganten Handbewegung ihren dicken Zopf nach hinten über die Schulter, als sie kokett sagte:
„Vom Gusu Lan Clan habe ich schon viel gehört. Die Mädchen reden viel davon und sie sagen, dass es dort die hübschesten Cultivators von allen geben soll. Scheinbar haben sie nicht gelogen, wenn ich mir das hier so ansehe...!"
Sie lächelte etwas verlegen zu Lan Wangji herüber, als dieser jedoch, vollkommen unberührt ihres Komplimentes, sie einfach nur schweigend anblickte und nichts darauf erwiderte.
Doch Wei Wuxian lachte kurz auf, denn er wusste ganz genau, was sich hinter Lan Wangji's starrer Fassade verbarg und wie schlecht er mit solchen Komplimenten umgehen konnte und besonders dann auch noch, wenn sie von einer Frau kamen.
Doch Xiao Ming löste quietschvergnügt die für Lan Wangji unangenehme Situation von selber wieder auf, als sie Sun Yan plötzlich an der Hand ergriff und ihn hinter sich her zog.
„So los, kommt schnell, ich habe noch einen feinen Tisch für euch frei. Setzt euch schnell und genießt Speis und Trank."
Xiao Ming zwinkerte den drei Männern zu, als sie ihr auch schon durch die Taverne folgten und bald hinten in der Raumecke einen gemütlich Tisch entdeckten.
Sie machte eine einladende Handbewegung, als sie die Männer einlud Platz zu nehmen.
„Los, setzt euch. Es ist schon spät, wärmt euch hier drinnen schön auf und esst und trinkt etwas. Was darf ich den werten Cultivator's denn bringen?"
Fragte sie ganz euphorisch, als sie ihre Hände auf dem Tisch abstützte und die drei anlächelte.
„Hmmm..." summte Sun Yan über seine Lippen.
„Ein bisschen was essen wäre nicht schlecht. Was habt ihr denn heute im Angebot?"
Xiao Ming lächelte ihn an, während sie ihren rechten Zeigefinger in die Luft streckte.
„Wir haben heute jede menge Suppe. Hausgemacht. Von mir natürlich!" Sagte sie stolz, während sie mit ihrem Daumen auf sich selbst zeigte.
„Leckeres Gemüse direkt aus Yunmeng und etwas Fisch, heute morgen frisch vom Markt geholt, ist auch noch mit drin."
Wei Wuxian's und Sun Yan's Augen weiteten sich.
„Das klingt himmlish. Fisch auch aus Yunmeng etwa?" Fragten die beiden fast Synchron, als ihre Augen zu funkeln begannen.
Xiao Ming lachte herzhaft.
„Aber sicher. Der Fisch ist aus Yunmeng. Für euch beiden also schonmal die Suppe und was ist mit euch? Möchtet ihr auch eine Schüssel?"
Sie linste zu Lan Wangji herüber, welcher noch etwas unentschlossen drein schaute.
Doch in diesem Moment schwang Wei Wuxian seinen Arm liebevoll über Lan Wangji's Schulter, als er mit einem breiten Grinsen sagte:
„Ja, auch für diesen Herren eine Schüssel Suppe bitte. Er muss unbedingt den Fisch aus Yunmeng probieren. Vorher lasse ich ihn nicht aus dieser Taverne."
Lan Wangji warf erst über seine Schulter einen skeptischen Blick zu Wei Wuxian herüber, doch dann schaute er Xiao Ming an und nickte bestätigend.
„Hm." Summte er fein über seine Lippen.
„Für mich bitte auch die Suppe."
„Sehr gerne!" Sagte Xiao Ming, schon bereit in die Küche abzurücken, als sie den Dreien noch einmal ein Lächeln schenkte und sagte:
„Achso und was dazu? Was mögt ihr trinken?"
„Einen Krug Alkohol, bitte! Irgendwas leckeres!" Sagte Sun Yan prompt, als er aber auch schon sah wie das freudige Lächeln aus Xiao Ming's Gesicht sofort wieder verschwand.
„Für mich dann auch einen bitte! Gerne den besten den ihr habt!" Warf Wei Wuxian seine Bestellung mit hinten dran, während seine Zunge schon nach dem süßlich, herben Geschmack lechzte.
Doch Xiao Ming kniff auf einmal ihre großen, braunen Augen scharf zusammen und sie formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, als sie Sun Yan anblickte und plötzlich mit leicht besorgter Stimme sagte:
„Verbringt ihr drei auch die Nacht zusammen?"
Wei Wuxian und Lan Wangji kamen fast die Augen aus dem Schädel, als sie sprachlos in das Gesicht der jungen Dame blickten.
Doch Sun Yan, der die vollkommen sprachlosen Gesichter der beiden anderen gar nicht neben sich wahrnahm und den wahren Grund von Xiao Ming´s etwas unglücklich formulierter Frage sofort verstand, lächelte sie schließlich an, als er mit beruhigender Stimme sagte:
„Ja, wir bleiben die ganze Nacht zusammen und passen aufeinander auf. Keine Sorge."
„Na gut." Sagte Xiao Ming zunächst noch mit leichter Schmollippe.
„Dann bringe ich euch zwei Krüge. Und was ist mit dem hübschen Mann aus dem Gusu Lan Clan? Möchtet ihr auch einen?"
Sie blickte Lan Wangji an, als dieser sogleich seinen Kopf verneinend schüttelte.
„Wasser bitte." Sagte er mit tiefer, klarer Stimme.
„Wasser?" Fragte Xiao Ming etwas irritiert, als sie ihre schwungvollen Augenbrauen verwundert anhob und dann leicht nachdenklich nach oben unter die Decke blickte.
Wei Wuxian lächelte sie an, als er sich erneut augenzwinkert einmischte:
„Er trinkt nicht. Gar nicht. Oder sagen wir, es wäre besser wenn er es auch dabei belassen würde."
Nun zog auch Sun Yan seine Augenbrauen verwundert nach oben. Die Neugierde stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Achso...?" Sagte Xiao Ming.
„Na gut, dann eben ein Wasser für den Herren. Kommt sofort."
Ihr Gesichtsausdruck war wieder froh und unbeschwert, als sie sich schließlich umdrehte und mit eiligen Schritten in der Taverne wieder verschwand.
Sun Yan blickte ihr noch nach und er konnte es nicht verbergen, als ein zartes, zufriedenes Lächeln über seine Lippen huschte.
Wei Wuxian, der wie ein Geier die ganze Zeit nur darauf gewartet hatte etwas zu entdecken, was ein Verhör endlich rechtfertigen würde, lehnte sich plötzlich mit seinem Oberkörper über den Tisch und starrte Sun Yan tief in die Augen.
„Aha!" Sagte er laut, während er seinen Zeigefinger schuldig auf Sun Yan richtete.
Sun Yan zuckte überrascht zusammen und auch Lan Wangji blickte Wei Wuxian fragend an.
„Was, Aha?" Fragte Sun Yan, sich dezent nach hinten lehnend um schon einmal etwas Abstand zwischen sie zu bringen.
„Da war es!" Sagte Wei Wuxian provokant, während er noch immer mit seinem Zeigefinger auf Sun Yan's Geicht deutete und kreisende Bewegungen in der Luft machte.
„Was war da?" Fragte Sun Yan erneut nach, alle Schuld von sich weisend, während er schon einmal seine Arme schützend vor seiner Brust verschränkte, so als würde er sich schon einmal bereit machen gleich ein Duell auszufechten.
„Du hast ihr nachgesehen und dabei gelächelt!" Sagte Wei Wuxian, die Fakten auf den Tisch legend.
Sun Yan's Gesicht verzog sich irritiert, als er seine Nase hoch in die Luft streckte und seinen Kopf ablehnend zur Seite drehte.
„Ich weiß nicht was du meinst. Es ist nicht so wie du denkst."
„Ach nein?" Fragte Wei Wuxian stachelnd nach.
„Ich frage mich nur bei all der Lieblichkeit dieser jungen Dame und bei den sehnsüchtigen Blicken die sie dir zuwirft, was wohl mit Jiang cheng ist? Ist all dein Geheule und Geflenne was wir uns tagelang anhören mussten etwa schon Schnee von gestern?"
Sun Yan schlug mit seiner Hand plötzlich auf den Tisch, als er zähneknirschend herüber zischte:
„Bitte? Was hier Geheule und Geflenne? Du spinnst jawohl. Jiang Cheng und ich...wir..."
Doch plötzlich machte er abrupt einen Rückzieher, als ihm selbst die Worte im Hals stecken blieben. Er starrte zunächst noch mit großen Augen duellierend in Wei Wuxian's Gesicht, doch dann drehte er plötzlich schnell seinen Kopf zur Seite und versuchte dann etwas verlegen sein Gesicht hinter seiner linken Hand zu verstecken.
„Wir...wir..." Stammelte er nun etwas unsicher, dass rote Blut langsam ihm deutlich zu Kopfe steigend.
„Ihr? Ihr was?" Bohrte Wei Wuxian nun erst Recht neugierig nach, sich noch etwas weiter über den Tisch herüberlehnend und Sun Yan mit seinem prüfendem Blick fast durchbohrent.
Doch Sun Yan blockte schnell ab, als er hastig sagte:
„Es gibt niemand anderes für mich. Xiao Ming ist nur eine Freundin."
Wei Wuxian zog eine Augenbraue nach oben, als er Sun Yan's Gesicht betrachtete, welches im Moment mehr einem roten Oktopus, als dem Gesicht eines jungen Cultivators ähnelte. Langsam zog er sich wieder von der Tischplatte zurück und lies sich nach hinten fallen, als er mit ironischem, hohem Tonfall sagte:
„Achso..." Dabei schaute er etwas gelangweilt in der Gegend umher und zupfte mit seiner rechten Hand an seinem Ohrläppchen.
Sun Yan knirschte noch etwas unsicher auf seinen Zähnen herum, auf der Suche nach den richtigen Worten, als Wei Wuxian seine Füße lässig übereinander schlug und sagte:
„Ich dachte einfach nur, ich müsste mir vielleicht Sorgen machen, dass das Gesicht der grimmigen Gottheit seinen treusten Verehrer an eine süße, kleine Wirtin verloren hat. Aber scheinbar, war alles nur falscher Alarm."
Sun Yan warf Wei Wuxian einen herausfordernden Blick zu, als er kühn sagte:
"Niemals!
...Und was ist das überhaupt mit dieser grimmigen Gottheit?...
Er ist dein Bruder, solltest du ihn so nennen?"
„Hmpf." Schnaufte Wei Wuxian durch seine Nase als er mit seinen Achseln zuckte.
„Ich will gar nicht wissen wie er hinter meinem Rücken über mich spricht. Aber das Wort "Bruder" fällt in diesem Zusammenhang bestimmt nicht mehr."
Lan Wangji derweil atmete ein paar Mal tief ein. Die ganze Reise über hatte er ihrem irrwitzigen Geschnatter schon zugehört, aber so langsam wurde auch er auf eine harte Probe gestellt. Mit Nerven aus Stahl und einer Engelsgeduld wartete er auf Xiao Ming, denn er wusste, wenn sie erst einmal die Suppe an den Tisch gebracht hatte, dann würde Ruhe und Frieden einkehren, denn dann wären die zwei aufgeweckten Münder ersteinmal mit Essen beschäftigt.
Wei Wuxian lehnte sich gelangweilt über den Tisch und stützte sein Kinn lässig in seiner Hand ab, als er Sun Yan zunickte.
„Sag mal, du hast noch gar nicht erzählt...wie genau hast du Xiao Ming eigentlich kennengelernt?"
Sun Yan's grüne Augen weiteten sich plötzlich. Er blickte auf einmal wie ein verschrecktes Reh die beiden an und seine Lippen begannen leicht zu zittern. Seine Finger spannten sich an und er sah plötzlich alles andere als gut im Gesicht aus.
Wei Wuxian und Lan Wangji stutzten leicht, als Sun Yan plötzlich hastig seinen Blick abwendete und mit leiser Stimme sagte:
„..Ach...das..also...Ist nicht so wichtig..."
Wei Wuxian legte seinen Kopf leicht schief und gerade als er erneut nachhaken wollte, kam plötzlich Xiao Ming mit einem großen Tablett zurück an den Tisch.
Mit freudiger Stimme sagte sie:
„So meine Herren, da bin ich endlich wieder! Verzeiht, dass ihr so lange warten musstet!"
Der würzige Geruch von frischer Suppe mit einem Hauch von Fisch lag in der Luft und die Männer blickten gespannt in die Schalen, welche Xiao Ming in windeseile auf dem Tisch verteilte.
„So bitte schön, lasst es euch schmecken!" Sagte sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
Sie legte zu jeder Schale noch einen Löffel dazu und dann begann sie die zwei Weinkrüge auf dem Tisch abzustellen und jedem etwas in seine Trinkschale einzufüllen.
Als sie damit fertig war zwinkerte sie Lan Wangji plötzlich noch einmal zu und stellte dann auch ihm eine Trinkschale hin.
„Bitteschön. Und für euch natürlich euer Wasser."
Die drei bedankten sich für ihre herausragende Bewirtung und Sun Yan und Wei Wuxian wurden schon ganz ungeduldig und blickten hungrig in ihre Schalen.
Doch gerade als Xiao Ming sich vorerst wieder zurückziehen wollte, ergriff plötzlich Lan Wangji das Wort:
„Wollen wir sie jetzt nicht einmal fragen? Ich denke desswegen Sun Yan, hast du uns hierher gebracht oder?"
Xiao Ming stutzte und blieb abrupt mit dem leeren Tablett in der Hand an ihrem Tisch stehen und schaute die Männer fragend an.
„Ich wusste doch, dass ihr nicht nur zum Essen und Trinken hier seid. Also, was wollt ihr mich fragen?"
Sun Yan, Wei Wuxian und Lan Wangji blickten sich kurz an und nickten sich dann bestätigend zu.
Xiao Ming, die ahnte, dass es sich um etwas wichtiges handeln könnte, setzte sich vorsichtshalber schon einmal rasch auf den leeren Platz neben Sun Yan und rückte etwas näher heran.
Sun Yan räusperte sich, als er seine Stimme dämpfte und leise sprach:
„Wir suchen jemanden. Und ich dachte, da du so viele Gesichter kennst die hier tagtäglich ein und ausgehen, könntest du uns vielleicht helfen."
„Aber sicher!" Sagte Xiao Ming mit ihrem Kopf schnell nickend.
„Wenn ich helfen kann tue ich das gerne. Wen genau sucht ihr denn? Ist es ein Geheimnis?" Flüsterte sie leise.
Sun Yan fuhr fort:
„Wir suchen einen jungen Mann. Er soll in der Nähe von Yunmeng leben."
Xiao Ming schaute etwas verdutzt drein.
„Einen jungen Mann? Davon gibt es viele auf der Welt. Wisst ihr denn wenigstens wie er aussieht oder wie er heißt?"
„Luan Han!" Sagte Wei Wuxian plötzlich, das Gespräch beschleunigend. Er hatte seinen Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt und schaute Xiao Ming direkt in die Augen. Auch wenn seine Stimme gedämpft und leise war, so hatte sie doch eine bestimmte Ausrdrucksweise.
Xiao Ming zog ihre Augenbrauen nach oben und sie blickte überrascht drein, als sie schließlich sagte:
„Luan Han?
Ja, ich kenne einen jungen Mann namens Luan Han!"
