Chapter 20.19

Es war finstere Nacht und stockdunkel, als Lan Wangji, Wei Wuxian und Sun Yan dicht an dicht vor einer kleinen Seitengasse stehen blieben.
Lan Wangji stand in der Mitte und hielt das kleine Stück Papier von Xiao Ming in seinen Händen, während die andern beiden die Gasse hinunter starrten.

Sun Yan sorgte für etwas Licht und leuchtete mit etwas spiritueller Energie, welche wie ein kleiner Leuchtball über seiner Hand schwebte und gerade so das Nötigste sichtbar machte.

„Da entlang." Sagte Lan Wangji, als er die Gasse mit seinem Zeigefinger hinunter deutete.

Wei Wuxian verzog unzufrieden sein Gesicht, während er an Lan Wangji's schmalem Finger entlang blickte.
„Da lang?" Fragte er etwas misstrauisch.

Die Drei blickten in die dunkle, enge Gasse in der kein einziges Licht brannte. Die Häuser standen dicht an dicht und der Boden war vom Regen aufgeweicht und es bildeten sich jede menge Pfützen. Das Einzige was zu hören war, war das leise Rascheln und Gepiepse von Mäusen und Ratten, welche unbeirrt in den dunklen Schatten umherhuschten.
Es lag ein leicht muffiger Geruch in der Luft und es tropfte feucht von den Dächern in die Pfützen.

Wei Wuxian rümpfte seine Nase, als der unangenehmer, faulige Geruch in seine Nase stieg und seine Sinnesorgane reizte.
„Die Gasse sieht mehr so aus, als würden wir sie nie wieder lebendig verlassen. Bist du dir sicher, dass es hier ist?"

Lan Wangji blickte erneut auf die kleine handgezeichnete Karte und entzifferte ihre Bedeutung.
„Hm!" Nickte er sicher.

„Ja dann los, worauf warten wir?" Sagte Sun Yan recht mutig, doch seiner Worte folgten keine Taten und es war nur Lan Wangji, der den ersten Schritt in die Gasse hinein wagte.

Wei Wuxian und Sun Yan schauten sich derweil etwas unsicher an, als Lan Wangji sich aus der dunklen Gasse heraus umdrehte und fragte:
„Kommt ihr?"

Doch Sun Yan und Wei Wuxian standen noch immer wie angewurzelt auf ihrem Fleck und warfen sich gegenseitig einen auffordernden Blick herüber.

„Warum gehst du nicht?" Fragte Sun Yan etwas aufmüpfig.

„Warum gehst DU nicht? Erwiderte Wei Wuxian gehässig dessen Frage.

„Hmpf..." Sun Yan rümpfte seine Nase, während er sie hoch in die Luft streckte.
„Gut, dann gehe ich eben vor. Damit habe ich Lan Wangji vor mir und du kannst den einsamen Abschluss bilden."
Sun Yan machte einen noch etwas unentschlossen Schritt nach vorne, als Wei Wuxian plötzlich die Augen weit aufriss und die Luft durch seine Nase zog.
„Ich geh hinten?" Fragte er etwas ängstlich und seine Bewegungen wurden plötzlich hektisch und unkontrolliert.
„Was ist wenn...wenn ..."

Sun Yan blieb wieder stehen und blickte Wei Wuxian etwas belustigt an.
„Wenn, was? Hast du etwa Angst im Dunkeln?"

Wei Wuxian knirschte etwas mürrisch mit den Zähnen.
„Ich habe keine Angst im Dunkeln. Als könnte mir die Dunkelheit Angst machen. Aber was ist wenn...?"'
Wei Wuxian kam schon wieder bei den Worten ins Stocken und blickte sich etwas unsicher dabei um.

Jetzt trat Lan Wangji aus der dunklen Gasse wieder heraus, machte einen Schritt auf Wei Wuxian zu und fragte sichtlich besorgt:
„Was ist Wei Ying?"

In der Ferne hörte man plötzlich einen Hund den Mond anheulen und augenblicklich zuckte Wei Wuxian am ganzen Körper zusammen, seine Augen weiteten sich mit Furcht und ohne weiter darüber nachzudenken, machte er plötzlich einen gewaltigen Satz nach vorne und sprang Lan Wangji direkt in die Arme, während aus seinem Mund ein hilfesuchendes „Lan Zhan!" geschossen kam.

Zu Sun Yan's Erstaunen schloss Lan Wangji Wei Wuxian sogleich in seine Arme, als er mit beruhigender Stimme sagte:
„Er ist weit weg."

Doch Wei Wuxian bebte ängstlich in Lan Wangji's Armen und Sun Yan währen fast die Augen aus dem Schädel gefallen, als er nicht fassen konnte was er da sah.
Mit einem Mal prustete er laut los und hielt sich die Hand vor lauter Lachen vor seinen schmerzendend Bauch, während er mit der anderen Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger in die dunkle Gasse deutete und unter Gelächter sagte:
„Ich glaube es nicht. Du hast Angst? Vor einem Hund? Der Yiling Patriarch fürchtet sich allen ernstes vor einem Hund und glaubt in dieser Hintergasse könnte dort einer auf ihn lauern?"

Doch Wei Wuxian vergrub, unter Sun Yan's schadenfrohem Gelächter, nur noch tiefer sein Gesicht in Lan Wangji's Schulter, als in der Ferne erneut der Hund aufheulte.
Es war ihm peinlich, äußerst unangenehm und er wusste, dass Sun Yan es von nun an ihm ewig nachhängen würde, aber in diesem Moment bebte sein Körper nur so vor Angst und er war unfähig rational zu denken und musste die Schmach über sich ergehen lassen. Seine Hände krallten sich in Lan Wangji's weiße Robe, so als würde sein Leben daran hängen und seine Ohren klingelten förmlich von Sun Yan's quietschendem Gelächter und dem rauen Bellen und Heulen des Hunde in der Ferne.

Während Lan Wangji seinen Wei Ying in seinem Arm behütend schützte und seinen Rücken streichelte, stützte sich Sun Yan mit einer Hand an einer der Hauswände ab und gab sich seinem Gelächter, hin als seine Unaufmerksamkeit dafür sorgte, dass der spirituelle Lichtball in seiner anderen Hand plötzlich erlosch und es augenblicklich stockdunkel wurde.
Genau in diesem Moment war ein lautes Knacken aus der dunklen Gasse zu hören und Sun Yan's Gelächter verstummte jäh, als er selbst einen gewaltigen Satz zur Seite machte und wie ein aufgeschrecktes Huhn das Weite suchte.
„Was war das?" Fragte er erschrocken mit hoher Piepsstimme, als er ebenfalls Zuflucht hinter Lan Wangji suchte.

Wei Wuxian sprang nun auch noch mit beiden Füßen vom Boden ab und klammerte sich mit seinen Beinen an Lan Wangji´s Hüfte, als erneut ein panisches „Lan Zhan!" seine Lippen verlies.
Sun Yan und Wei Wuxian hingen nun beide vollkommen kleinlaut an Lan Wangji dran und blickten erschrocken in die dunkle Gasse und rührten sich kein Stück mehr.

Lan Wangji schloss derweil für einen kurzen Moment seine Augen, atmete einmal tief ein und streckte dann seine rechte Hand weit aus und lies einen hellen Lichtschimmer durch die enge Gasse sausen. Seine spirituelle Energie flackerte hell auf und die dunkle Gasse wurde erleuchtet, als eine kleine gestreifte Katze durch das grelle Licht aufgeschreckt wurde und vor ihnen aufgescheucht wegrannte.

Wei Wuxian und Sun Yan atmeten beide in Erleichterung auf, als Lan Wangji plötzlich einen Schritt nach vorne machte und mit Wei Wuxian in seinen Armen Richtung Gasse ging.
Dabei sagte er ruhig:
„Wei Ying's Angst vor Hunden in so einer abgelegenen Seitengasse ist berechtigt, aber wovor hast du Angst Sun Yan, etwa vor einer Katze?"

Sun Yan's Augen weiteten sich und peinlich berührt zog er eine Schmolllippe, als er sofort Anschluss suchte und den beiden hinterherlief. Mürrisch sagte er:
„Ich habe gar keine Angst. Das war nur aus dem Effekt heraus. Als würde ich mich vor einer Katze fürchten."

Lan Wangji schritt voran, Wei Wuxian noch immer in seinen Armen, trug er ihn wohlbehalten durch die schmale Gasse. Sein spiritueller Lichtkegel leuchtete ihnen den Weg und Sun Yan folgte ihnen dabei dicht und blickte sich dabei immer mal wieder skeptisch nach hinten um.

Wei Wuxian klammerte sich derweil wie ein Affe an Lan Wangji's Körper, sein Gesicht tief in dessen Schulter vergraben und er zitterte unter dem Geheule des Hundes aus der Ferne, welches einfach nicht verstummen wollte.

Als sie am Ende der Gasse angekommen waren bogen sie noch um eins-, zwei Gebäude und dann kamen sie plötzlich zu einem kleinen Waldstreifen am Rande der Stadt. Zwischen den dunklen Schatten der Bäume erkannte man eine kleine Holzhütte umringt von einer alten Steinmauer und in einem der kleinen Fenster brannte ein schummriges Licht.

Lan Wangji blieb behutsam stehen und blickte in den kleinen Wald hinein, als Sun Yan von hinten unaufmerksam auflief und dann vorsichtig an Lan Wangji's Schulter vorbei linste.
„Warum bleiben wir stehen?" Fragte er leise, fast schon im Flüsterton.

Doch Lan Wangji tippte Wei Wuxian auf den Rücken, als er sagte:
„Wir sind da, Wei Ying die enge Gasse ist vorbei und der Hund weit weg."

Wei Wuxian hob langsam seinen Kopf an, als er sich von Lan Wangji behutsam wieder auf dem Boden absetzen lies.
Er drehte sich vorsichtig um und die Drei blickten in den kleinen Wald hinein.

Sun Yan's Augenbrauen zogen sich nach oben, als er überrascht sagte:
„Hier wohnt er? In der mickrigen Hütte mitten in diesem Wald? Wie gruselig."

Wei Wuxian, der sich erst noch ein paar mal unsicher umblickte und aufhorchte, fasste aber schnell wieder Vertrauen, als er sich davon überzeugte, dass das laute Bellen des Hundes in der Ferne tatsächlich verstummt war.
Er musterte nun ebenfalls eindringlich die Umgebung, als er salopp sagte:
„Wald? Sieht mehr aus wie eine spärliche Zusammenkunft von ein paar Bäumen."

Lan Wangji blickte noch einmal auf die kleine Karte in seinen Händen, als er vertrauensvoll sagte:
„Die Hütte muss es sein. Es brennt ein Licht, lasst uns sehen ob er da ist."

Die Drei waren sich einig. Lan Wangji erlosch wieder das Licht in seiner Hand und die Drei schlichen ungesehen zu der Tür der kleinen Hütte.
Es war still geworden und nur die Geräusche von ein paar umherkriechenden Wildtieren und ihren eigenen Fußstapfen auf dem feuchten Waldboden waren zu hören.
Sie traten vor die kleine Holztür der Baracke, als Sun Yan plötzlich im Flüsterton anmerkte:
„Es ist mitten in der Nacht. Wird er überhaupt die Tür aufmachen wenn er da ist?"

Wei Wuxian zuckte mit seinen Achseln, als er im Flüsterton sagte:
„Wenn nicht gehen wir eben einfach rein. Ich will nicht die ganze Nacht hier in diesem dunklen Wald stehen."

„Wald?" Zischte Sun Yan nachbohrend.
„Hast du nicht eben noch gesagt, es sei nur eine spärliche Zusammenkunft von ein paar Bäumen?"

Lan Wangji ergriff die Initiative bevor es schon wieder losging und klopfte dreimal gegen die kleine Holztür.
Sun Yan und Wei Wuxian verstummten und blickten gespannt auf den alten Türgriff.

Das kleine Licht im Innern der Hütte erlosch plötzlich und somit wurde es pechschwarz vor ihren Augen. Sie horchten auf, doch nichts war zu hören.
Einen Moment noch warteten sie geduldig, doch nachdem sich nichts weiter tat, klopfte Lan Wangji noch einmal an die Tür, dabei sagte er mit einfühlsamer Stimme:
„Luan Han, seid ihr da?"

Die Drei warteten gespannt und nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit hörten sie plötzlich ein leises Knacken.
Die kleine Tür öffnete sich einen winzigen Spalt und aus dem Dunklen der Hütte leuchtete sie ein funkelndes paar Augen an und eine kleine Kerze erhellte die Konturen eines Gesichtes.
Eine junge, männliche Stimme erklang zurückhaltend und misstrauisch:
„Wer ist da? Hier gibt es keinen Luan Han."

Die Drei schauten verwundert durch den kleinen Spalt, als Wei Wuxian sich räusperte und freundlich sagte:
„Gibt es nicht? Aber wir sind extra aus dem Gusu Lan Clan hergereist und würden gerne mit Luan Han sprechen."

Die Stimme des jungen Mannes erfüllte sich plötzlich mit Furcht.
„Aus dem Gusu Lan Clan? Seid ihr etwa Cultivators?
Dann geht bitte wieder, damit möchte ich nichts zu tun haben. Hier gibt es keinen Luan Han!"

Wei Wuxian warf Lan Wangji und Sun Yan einen kurzen Blick zu, als er dann berechnend sagte:
„Achso, das ist wirklich schade. Wir haben hier nämlich einen Brief von seiner Geliebten. Aber scheinbar, haben wir uns wohl vertan. Verzeiht die späte Störung."
Mit einer schauspielerischen Meisterleistung wendeten sich die Drei desinteressiert wieder ab und als sie tatsächlich Anstalten machten zu gehen, ging die kleine Tür plötzlich einen Spalt weiter auf und der junge Mann fragte mit aufklarender und leicht euphorischer Stimme:
„Ein Brief seiner Geliebten? Könnt ihr dies Beweisen? Woher weiß ich, dass dies alles keine Lüge ist?"

Die Drei blieben plötzlich abrupt auf dem Absatz stehen und drehten sich wieder langsam um.
Wei Wuxian legte ein herzensgutes Lächeln auf, als er in seinen linken Ärmel packte und eine kleine Schriftrolle hervorholte.
Demonstrativ streckte er sie dem mysteriösem jungen Mann entgegen, als der schwache Kerzenschein Wei Wuxian's Silhouette erhellte. Mit freundlicher und gedämpfter Stimme sagte er:
„Ich habe hier einen Brief von Jinan Liang für euch!
Wir sind aus dem Gusu Lan Clan und sind gekommen um euch zu holen. Es ist uns eine Freude eure Bekanntschaft zu machen...
Luan Han, oder sollten wir eher sagen...Luan Wen?"

Das paar funkelnde Augen in der Türspalte weitete sich mit einem Mal schlagartig, als die Tür sich plötzlich schwungvoll weit öffnete und ein junger Mann aus der Hütte heraustrat.
Er war jung, höchstens Anfang der 20iger und seine sanften Augen spiegelten mit einer unglaublichen Klarheit den schwachen Schein der Kerze wieder. Er hatte ein attraktives, hübsches Gesicht und wirkte weltoffen und interessiert. Er trug sein dunkles, gepflegtes Haar bis über die Schulterblätter. Die eine Seite war an der Kopfhaut entlang zu einem strengen Zopf geflochten und die andere Seite spielte ihm offen im Gesicht, während eine zarte, blaue Perlenkette durch das offene Haar hervorblitzte und seine Jugendlichkeit damit noch unterstrich.
Er war von schlanker, kräftiger Gestalt und trug im starken Kontrast zu seiner spärlichen Unterkunft eine saubere und adrette bläuliche Robe.
An seiner Hüfte hing ein kurzes Schwert an dessen Heft man deutliche Gebrauchsspuren erkennen konnte.

Wei Wuxian, Lan Wangji und Sun Yan staunten nicht schlecht, als der charismatische, junge Mann plötzlich aus seiner Deckung hervor kam und sie voller Hoffnung anfunkelte. In seiner Körperhaltung war eine gewisse Furcht zu erkennen, aber seine Neugierde schien überwogen zu haben, als er seine Hand ausstreckte, Wei Wuxian kommentarlos die Schriftrolle aus der Hand nahm und zeitgleich ihm die Kerze in die Hand drückte.
Etwas hektisch und fast schon mit zittrigen Händen rollte er das Papier auseinander und begann hastig die schwungvoll geschriebenen Zeilen zu lesen.

Wei Wuxian zuckte mit den Achseln, als er etwas belustigt sagte:
„Damit hat sich die Frage wohl erübrigt, ob wir unseren Mann gefunden haben..."

Sun Yan stand dagegen etwas neben der Spur. Sein Kopf rauchte und seine Gedanken überschlugen sich.
-Hatte er das etwa wirklich richtig verstanden? Der Brief ist von Jinan Liang, von seiner Geliebten? Aber ist Jinan Liang nicht mit Lan Xichen vermählt und ist dieser mysteriöse Mann der vor ihnen steht, etwa tatsächlich ein Wen?-
Sun Yan rieb sich seine Schläfen, als er leise nuschelte:
„Ich komme nicht mehr mit..."

Wei Wuxian blickte zu ihm herüber, als er seufzend sagte:
„Und genau deswegen solltest du nicht mitkommen. Ich hatte doch gesagt, es ist eine geheime Mission. Und jetzt...zum Teufel mit dem Geheim, jetzt steckst du schon mitten drin. Und da wir gleich wahrscheinlich eh noch einiges klären müssen, pass gut auf und hör zu, dann musst du wenigsten nicht dumm sterben."

Sun Yan schüttelte seinen Kopf verneinend hin und her, als er sich inständig Fragte, ob es tatsächlich so eine gute Idee gewesen ist mitzukommen.

In der Zwischenzeit hatte Luan Han den Brief zu Ende gelesen und seine Augen waren mit jedem Satz immer größer geworden.
Als er am Ende der Schriftrolle Jinan Liang's Unterschrift erkannte füllten sich seine Augen plötzlich mit Tränen.
Seine Hände begannen zu zittern und augenblicklich klappte er in sich zusammen und fiel auf die Knie, als er mit bebender Stimme sagte:
„...Also...wurde sie tatsächlich im Gusu Lan Clan aufgenommen und hat...hat...den Sect Leader der Cloud Recesses geheiratet?"

Wei Wuxian und Lan Wangji machten plötzlich große Augen und blickten auf den jungen Mann vor ihren Füßen.
Denn obwohl sie hier waren um ihn zu holen, ihm Schutz im Gusu Lan Clan zu bieten und ihn mit seiner Geliebten zu vereinen, so brachte diese Botschaft aber auch die Erkenntnis, dass Jinan Liang einen anderen Mann geheiratet hatte und somit formal nun vermählt war.

Wei Wuxian blickte zu Boden, als er einmal bestätigend nickte und als Antwort ein leises „Hmm..!" über seine Lippen summte.

Luan Han kämpfte mit den Tränen und eine ganz Zeit lang kniete er so da und las immer wieder rauf und runter die Zeilen auf dem Blatt Papier.
Seine Stimme bebte und brach immer wieder, als er mit glasigen Augen und zittrigen Händen sagte:
„Ist er gut zu ihr? Lan Xichen meine ich...?Ist er ihr ein guter Ehemann? Fehlt es ihr an nichts und es geht ihr gut?"

Dieses Mal blickte Lan Wangji nun zu Luan Han herunter und als ihre Blicke sich trafen schenkte er ihm einen sanften und ehrlich Ausdruck, als er beruhigend sagte:
„Ja, er ist gut zu ihr. Sehr gut und ihr soll es in unserem Clan an nichts fehlen."

Luan Han's Augen wurden nun immer glasiger und eine erste Träne perlte über seine Wange, als er zitternd am Boden kauerte und sich seinen Gefühlen hingab.
„Ich kann es nicht glauben... und er hat sogar dem Ganzen zugestimmt? Er ist wirklich gewillt mich zu holen und mich aufzunehmen? Ich kann es kaum glauben."
Luan Han fiel fast in eine Art Trance. Seine Emotionen und Gedanken überschlugen sich und er war erst einmal unfähig das Ganze zu verstehen und zu verarbeiten.
Immer wieder blickte er mit feuchtem Blick auf den Brief in seinen Händen und versuchte sich vorzustellen, was dies nun für seine und Jinan Liang's Zukunft bedeutete.

Wei Wuxian, Lan Wangji und Sun Yan standen erst einmal nur schweigend da und gaben dem jungen Mann die Zeit die er brauchte um seine Gedanken zu sortieren.
Es war kalt und die dunkle Nacht hatte das Land fest im Griff, als schließlich das schwache Licht der kleinen Kerze in Wei Wuxian's Hand erlosch und Sun Yan den kleinen Lichtball von vorhin, mit seiner spirituellen Energie, wieder in seiner Handinnenfläche aufleuchten lies.

Ihre Silhouetten wurden erhellt und Luan Han atmete ein paar Mal tief ein, als er schließlich aufstand und sich einmal durch sein Gesicht strich. Er verstaute Jinan Liang's Brief in seinem Kragen, als er schließlich seine Arme kurz nach vorne ausstreckte und sich dann vor ihnen tief verneigte.
Seine Stimme war noch etwas aufgewühlt, aber er gab sich Mühe ruhig und freundlich zu sprechen.
„Ich bin Luan Wen, aber bitte nennt mich nur Luan Han."
Seine Augen leuchteten auf und die Drei erwiderten seine freundliche Geste, als er der Reihe nach einmal allen Dreien kritisch ins Gesicht blickte.
Als erstes schaute er Lan Wangji an, als er sagte:
„Ihr müsst Lan Wangji sein. Einer der zwei Jade Brüder. Ich habe schon von euch gehört. Ihr seid berühmt auch über die Grenzen der Cloud Recesses hinaus. Ihr seht genauso aus wie Liang euch in ihrem Brief beschrieben hat. Demnach.." doch plötzlich senkte sich seine Stimme etwas und er wendete seinen Blick dezent nach unten, als er sagte:
„Demnach...seid ihr der Bruder von Lan Xichen, dem Sect Leader des Gusu Lan Clan's und nun...Liang's Schwager...!?"

Lan Wangji nickte ihm ruhig zu, als er sagte:
„Ja, so ist es. Freut mich euch kennenzulernen. Jinan Liang hat schon viel von euch erzählt."

Luan Han's klaren Augen weiteten sich und er blickte wieder interessiert auf, als er überrascht fragte:
„Ach, hat sie das?..."

„Ohja, das hat sie. Wir waren schon sehr gespannt euch persönlich kennenzulernen." Grätschte Wei Wuxian plötzlich dazwischen.

Luan Han's Blick schweifte zu Wei Wuxian herüber, welcher dicht an Lan Wangji dran stand und Luan Han's Blick wurde plötzlich etwas nachdenklich und kritisch.
„Nach Liang's Beschreibung müsst ihr...Wei Wuxian sein...ihr müsst der Yiling Patriarch sein...Ich kann es gar nicht glauben!"

Wei Wuxian's Augen weiteten sich nun ebenfalls. Überrascht fragte er:
„Das hat sie tatsächlich in ihrem Brief geschrieben?"

Luan Han nickte skeptisch.
„Sie schrieb, dass alles Genauere mir noch vor Ort erklärt wird, ich mich aber nicht erschrecken soll."
Plötzlich machte Luan Han einen zögerlichen Schritt näher und blickte Wei Wuxian interessiert ins Gesicht.
„Wenn ihr wirklich der gefürchtete Yiling Patriarch seid, dann habt ihr fast im Alleingang den ganzen Wen Clan ausradiert. Euer Horror und Schrecken eilte euch weit voraus...ich selbst wäre fast als Kind dabei drauf gegangen und bin mir nun etwas unsicher, ob ich euch nun hassen sollte, oder euch danken sollte, dass ihr den grauenvollen Taten des Wen Clan's ein Ende bereitet habt."

Wei Wuxian blickte etwas verlegen in den dunklen Himmel, als er sich einmal am Kinn kratzte.
„Nunja..haha..wie soll ich´s sagen. Wahrscheinlich geht es einigen so. Zumal meine Taten und Praktiken nicht so gerne gesehen waren. Aber im Alleingang habe ich nun auch nichts getan. Ich will zwar die Schuld nicht von mir weisen, aber da waren nun auch noch ein paar andere dran beteiligt."

Luan Han blickte ihn noch immer mit großen Augen an. Schließlich kam es nicht alle Tage vor, dass man Bekanntschaft mit dem berüchtigten Yiling Patriarch machte, als er schließlich eine Augenbraue hochzog und irritiert anmerkte:
„Aber ihr seid doch schon lange tot oder nicht? Wieso seid ihr wieder hier? Und dazu noch ausgerechnet im Gusu Lan Clan?"
Luan Han staunte nicht schlecht.
„Das ich sowas noch erlebe." Hauchte er sprachlos über seine Lippen.

Wei Wuxian fing plötzlich verlegen an zu lachen und kratzte sich nun am Hinterkopf, als er sagte:
„Haha...ja wohl wahr...wohl wahr. Sagen wir das ist eine etwas längere Geschichte. Denn nicht nur Jinan Liang, sondern auch wir haben ein Händchen für komplizierte Umstände und Verwicklungen..."

„Hm..." Summte Luan Han noch ziemlich verblüfft, über seine Lippen.
„Wenn ich auch an alles geglaubt hätte, aber niemals das der berühmte Lan Wangji und der von den Toten auferstandene Yiling Patriarch höchstpersönlich eines Nachts vor meiner Tür stehen würden um mich abzuholen. Es ist alles durchaus etwas zu merkwürdig um wahr zu sein."

Doch Wei Wuxian lachte nur, als er Lan Wangji anstupste.
„Merkwürdig können wir gut, nicht wahr, Lan Zhan? Das Motto haben wir uns scheinbar auf die Fahne geschrieben."

Luan Han schüttelte noch immer etwas irritiert den Kopf, als sein Blick plötzlich zu Sun Yan herüber fiel.
Seine Augenbrauen zogen sich kraus, als er seine Arme vor der Brust verschränkte, den Kopf leicht zur Seite kippte und misstrauisch sagte:
„Und wer seid ihr? Liang erwähnt gar keine dritte Person in ihrem Brief. Aber so wie die Dinge zur Zeit stehen, befürchte ich, dass auch ihr irgendeine wichtige Person sein könntet? Oder Seid ihr eigentlich auch schon lange tot und habt euch irgendwelchen verdächtigen Künsten verschrieben?"

Sun Yan rümpfte etwas empört seine Nase, als er sie kurz darauf hoch in die Luft steckte, sich groß machte und dann stolz sagte:
„Ich bin Sun Yan. Ich bin weder tot noch habe ich mit irgendwelchen verdächtigen Künsten etwas zu tun. Ich bin Mitglied des Yunmeng Jiang Clan's und ich bin ebenfalls die rechte Hand unseres Sect Leaders Jiang Cheng und somit ein ehrenvoller und talentierter Cultivator. Ein bisschen mehr Respekt also, wenn ich bitten darf."

„Oh!" Kam es nur überrascht über Luan Han's Lippen.
„Verzeiht. Also seid ihr kein bekannter Mann? Ich habe von euch nämlich noch nie etwas gehört!"

Sun Yan fiel alles aus dem Gesicht und er verhaspelte sich kurz selbst an seiner Zunge, als er einen kleinen Ausfallschritt nach vorne machte um sich wieder zu fangen.

Doch Wei Wuxian lachte nur laut auf und gab Sun Yan spaßeshalber einen kleinen Klapps auf den Rücken, als er vergnügt sagte:
„Was für eine glückliche Fügung. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Jinan Liang's Auserwählter genauso so sprachbegabt und wortgewandt ist und sich somit perfekt in unsere kleine Familie einfügt? Wer sogar Sun Yan um eine Antwort verlegen macht, der verdient meinen hohen Respekt. Haha!"

Sun Yan blickte noch etwas empört drein und zog eine Schmolllippe, als er unzufrieden unter Wei Wuxian's erheitertem Gelächter sagte:
„Wortgewandt? Du meinst eher er ist frech und vorlaut! Und so jemanden nehmen wir mit?"

Doch Wei Wuxian, zum Entsetzen Sun Yan's, schwang seinen Arm einmal herüber, drückte Sun Yan einmal fest und zog ihn an seine Schulter heran, als er kicherte:
„Zum Glück ist er das. Dann kann ich mich mal ein bisschen entspannt zurücklehnen und Luan Han die Aufgabe überlassen dich etwas in Schach zu halten! Ihr seid euch vom Alter her näher, das sollte gut funktionieren"

Luan Han selbst guckte etwas verlegen drein und begann die blauen Perlen in seinem dunklen Haar zwischen seinen Fingern hin und herzudrehen. Es war Sympathie schon auf den ersten Blick und er selbst war überrascht, dass er sich in so kurzer Zeit schon so wohl in ihrer Gesellschaft fühlte. Es war fast wie eine Art schon ewig bestehende Vertrautheit zwischen ihnen und es schien sie ebenfalls der selbe Humor zu verbinden.

Über Luan Han's Lippen rauschte ein zartes Lächeln und er konnte sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt nach Jinan Liang's Abschied gelacht hatte.

Nachdem Wei Wuxian sich endlich ausgegrinst hatte und Sun Yan seine kurzfristige Niederlage verdaut hatte, drängte Lan Wangji schließlich zum Aufbruch.
„Wir sollten langsam aufbrechen. Es ist nicht gut hier mitten in der Nacht so viel Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen."

Luan Han's Augen weiteten sich, als er sofort erwiderte:
„Stimmt, verzeiht. Ich werde nur schnell das Nötigste zusammenpacken. Dann können wir los!"

Doch plötzlich zog Wei Wuxian ein langes Gesicht und seufzte dramatisch lang auf.
„Haaaaaa?" Jammerte er empört. Sein Gesicht legte sich in Falten und seine Stirn zog sich kraus.
Laut gähnte er auf.
„Es ist mitten in der Nacht und noch keiner von uns hat ein Auge zu getan! Wollen wir nicht diesen Tag gut sein lassen und uns etwas ausruhen und morgen Früh frisch gestärkt die Heimreise antreten?"

Sun Yan verschränkte seine Arme vor seiner Brust, schloss seine Augen und nickte dann zustimmen.
„Auf diesen einen Tag kommt es tatsächlich nicht mehr an oder? Ich schließe mich tatsächlich Wei Wuxian an und würde etwas Schlaf bevorzugen."

Lan Wangji blickte die beiden an. Sie hatten nicht unrecht mit dem was sie sagten. Es war ein langer Tag gewesen, es war nun finstere Nacht und alle waren müde und erschöpft.
Er dachte kurz nach und dann nickte er einvernehmlich.
„Gut, wo möchtet ihr die Nacht verbringen?"

Sun Yan öffnete ein Auge und zeigte dann mit seinem rechten Zeigefinger auf die kleine Hütte direkt hinter Luan Han.
„Da!" Sagte er salopp.
„Da hätten wir ein Dach über dem Kopf. Wir können doch bestimmt die eine Nacht hier verbringen oder nicht?"

Wei Wuxian und Lan Wangji blickten ebenfalls an Luan Han vorbei, als dieser plötzlich ein erschrockenes Gesicht machte, die Hände nach vorne ausstreckte und ablehnend mit ihnen in der Luft rumwedelte. Er schüttelte seinen Kopf.
„Ausgeschlossen, das geht nicht. Viel zu klein und ich kann meine Gäste nicht in so welchen Umständen übernachten lassen."

Wei Wuxian zog skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Ach, so schlimm kann es schon nicht werden, wir sind einiges gewöhnt." Mit diesem Satz schritt er plötzlich ungeachtet an Luan Han vorbei und griff mit seiner Hand nach der kleinen Türklinke.
„Deine Kleider sind ganz ordentlich und du siehst gepflegt aus, so schlimm kann es hier also gar nicht drinnen aussehen."

Doch in dem Moment als er die Tür öffnete, fegte auch schon Sun Yan's kleiner spiritueller Lichtball an ihm vorbei und erhellte die kleine Hütte von innen.
Lan Wangji, Wei Wuxian und Sun Yan staunten nicht schlecht, als sie tatsächlich in eine so kleine Hütte blickten, die gerade nur so viel Platz für einen einzelnen Mann bot. Dazu stand auch noch einiges an Gerümpel in dem kleinen Schuppen und die Wohnumstände waren um einiges schlimmer, als sie es sich vorgestellt hatten.

Wei Wuxian's Augen weiteten sich, als er zwischen dem Gerümpel ein kleines Fleckchen suchte, auf dem vier ausgewachsene Männer Platz fanden. Doch es war vergeblich.
„Was zum..." Sagte Wei Wuxian, als auch schon Luan Han von hinten angeschossen kam, sich sofort in den Türrahmen klammerte und Wei Wuxian verlegen anlächelte.
„Ich sagte doch, hier ist kein Platz!"

Wei Wuxian schüttelte seinen Kopf, als er etwas sprachlos sagte:
„Was ist das alles für ein Gerümpel? Wenn das Jinan Liang wüsste..."

Doch Luan Huan unterbrach ihn schon mitten in seinem Satz, als er seine linke Hand schnell ausstreckte und Wei Wuxian's Mund bedeckte.
Dann kniff er etwas frustriert seine Augen zusammen und zischte leise:
„Sie weiß es aber nicht!"
Damit drückte er Wei Wuxian wieder aus der Tür heraus und schloss rasant wieder hinter sich die kleine Holztür.

Es wurde plötzlich wieder stockdunkel vor ihren Augen, denn Sun Yan's kleiner spiritueller Lichtball wurde nun von Luan Han im Innern der Hütte eingesperrt und erstrahlte nun dort die trostlosen Wände.
Sun Yan schnipste mit seinen Fingern und der kleine Lichtball im Innern der Hütte verstummte. Im selben Moment lies er aber auch wieder einen neuen in seiner Hand entstehen und ein helles, kleines Licht erleuchtete erneut ihre Gesichter.

„Kleine Hütte schön und gut aber warum dieser ganze Gerümpel?" Fragte Wei Wuxian etwas irritiert.

Luan Han räusperte sich, als er die Sache schnell abtun wollte und hinter seiner Hand hervor nuschelte:
„Ich kann mich halt schlecht von Sachen trennen und mit irgendwas muss man ja sein Geld verdienen.
Also? Wollen wir lieber eine Gaststätte für die Nacht aufsuchen?"

Doch Wei Wuxian lies sich nicht so schnell abschütteln, als er der Sache noch einmal auf den Grund ging:
„Wie jetzt? Du bist doch ein Cultivator, oder nicht? Gäbe es für dich nicht tausend andere Möglichkeiten Geld zu verdienen anstatt Gerümpel zu verkaufen?"

Luan Han verschränkte seine Arme vor der Brust und blickte etwas eingeschnappt zur Seite, als er sagte:
„Ich verkaufe kein Gerümpel. Ich repariere Dinge und verkaufe sie dann!"

„Kommt aufs Gleiche hinaus!" Sagte Wei Wuxian provozierend, als er seine Hand ausstreckte und Luan Han freundschaftlich mit seinem Zeigefinger vor die Stirn schnipste.
„Du bist Cultivator eines ehemals großen Clan´s. Deine Fähigkeiten und spirituelle Energie sollte für mehr reichen als Müll auf den Straßen zu sammeln."

Luan Han schnaufte durch seine Nase, als er erneut wiederholte:
„Es ist kein Müll!"

Wei Wuxian zuckte mit seinen Achseln.
„Na gut, also kein Müll. Also? Hast du nie drüber nachgedacht dich anders nützlich zu machen?"

Doch plötzlich schaute Luan Han etwas bedrückt zu Boden und seine verschränkten Arme vor seiner Brust zogen sich etwas fester zusammen.
„Ich kann nicht. Meine Schwertkunst und mein goldener Core reiche dafür nicht aus."

Lan Wangji, Wei Wuxian und Sun Yan horchten plötzlich interessiert auf, als Sun Yan einen Schritt näher auf Luan Han zukam und ihn interessiert ansah.
„Aber du bist doch ein Wen oder nicht?"

Luan Han atmete einmal tief ein.
„Ich war ein Wen.
Aber ich war damals einfach noch zu jung als der Clan unterging. Die Anfänge der Schwertkunst habe ich noch gelernt aber mein golden Core war bis dato nur schwach ausgeprägt. Noch in den Anfängen quasi. Meine Macht reicht nicht aus für mehr und ich bin daher auch kein Cultivator.
Liang hat mir manchmal ein paar Tricks und Übungen gezeigt, aber ohne einen wirklichen Lehrer ist man auch kein Schüler und alles Talent hilft einem nichts, wenn es nicht auch dementsprechend gefördert wird."

Lan Wangji blickte interessiert auf, als er nachfragte:
„Jinan Liang?"

Luan Han blickte zu Lan Wangji herüber, als er weiter erklärte:
„Richtig, Liang kommt schließlich aus einem angesehenen Clan und nach der Sunshot Campaign ist der Clan erst zu wahrer Stärke herangewachsen. Ihr golden Core war gut ausgereift und sie war sehr talentiert in vielen Dingen. Jedoch...hat ihre Gesundheit es ihr bald unmöglich gemacht und somit musste auch sie sich von der Welt der großen Cultivations verabschieden und wieder kürzer treten."

Es trat ein Moment der bedrückenden Stille ein und Sun Yan blickte neugierig auf. Jedoch traute er sich nicht weiter zu fragen, was es mit Jinan Liang's Gesundheitszustand auf sich hatte, zumal er eigentlich von diesem Ganzen hier eh nichts wissen durfte.

Wei Wuxian blickte etwas betrübt zu Boden, als er nachdenklich sagte:
„Achso, dass hatte sie uns noch gar nicht erzählt, dass sie weit gebildet in der Cultivation war."

Luan Han schüttelte verneinend mit dem Kopf hin und her.
„Sie spricht auch nicht gerne drüber, denn es schmerzt ihr, wenn sie sich daran zurück erinnert, was mal einmal war aber nun verloren und unerreichbar für sie geworden ist."

Wei Wuxian atmete auf einmal ruckartig ein.
Ein hoher Schmerz schoss durch seine Brust, als Luan Han's Worte eine ebenfalls sehr schmerzhafte, persönliche Erinnerung in ihm hervorriefen.
Er empfand tiefes Mitgefühl für Jinan Liang und er hob sachte seine rechte Hand an, blickte in seine ausgestreckte Handinnenfläche und schloss sie dann einmal zu einer angestrengten Faust und löste sie danach langsam wieder.
Er atmete ein paar Mal tief ein, als er plötzlich ruckartig aufblickte und sagte:
„Nun gut, lasst uns keine Zeit mehr verlieren. Wir wollten aufbrechen und eine Gaststätte ausfindig machen wo wir die Nacht verbringen können. Luan Han, pack deine nötigsten Sachen ein und dann lasst uns aufbrechen."

Alle schreckten plötzlich auf und landeten wieder im Hier und Jetzt, ihr Ziel klar vor Augen, als Luan Han sich sofort umdrehte und zurück zur Hütte ging. Sun Yan begleitete ihn und leuchtete ihm den Weg, während Lan Wangji ebenfalls mit etwas spiritueller Energie erneut eine kleine Lichtquelle aufflackern lies.
Es dauerte nicht lange und nach etwas Geklirre und Gerappel kam Luan Han aus seiner Hütte wieder heraus. Er trug nur sein kurzes Schwert an seiner Hüfte, ein kleines Tuch zusammengebunden auf seinem Rücken und über seine Schultern hatte er sich einen eleganten, dunklen Umhang mit Kapuze geschwungen.
„Ich bin fertig, wir können los!" Sagte er entschlossen.

Wei Wuxian blickte ihn überrascht an.
„Das ist alles was du an Wert besitzt? Bist du sicher, dass du schon alles hast? Wir werden vorerst nicht wieder zurückkommen, weißt du?"

Doch plötzlich lachte Sun Yan erheitert auf. Er lehnte sich lässig mit seinem Rücken an einen der Bäume, als er witzelnd sagte:
„Sagt gerade der Richtige! Als würdest du mehr an Wertgegenständen besitzen. Alles was du hast steht „hinter dir" und alle was du brauchst wird auch von „hinter dir" bereit gestellt."

Wei Wuxian streckte seine Zunge lang heraus und sofort verfielen die beiden wieder in ein jähes Gezanke, als Luan Han große Augen machte und die Person welche mit „hinter dir" betitelt wurde anstarrte.

Doch Lan Wangji stand wie die Ruhe selbst in seinen weißen Gewändern in dem dunklen Wald und das kleine Licht aus seiner spirituellen Flamme erhellte sein versteinertes Gesicht. Er wirkte fast wie aus einer anderen Welt und Luan Han kam ins Staunen, als er erneut feststellte, was Lan Wangji für ein hübscher und edler Mann war.

Während Sun Yan und Wei Wuxian den halben Wald unterhielten machte Lan Wangji eine einladende Geste mit seiner Hand und Luan Hand folgte dieser als er langsam los Schritt.
Lan Wangji folgte ihm sogleich und räumte derweil von hinten das Spielfeld auf, als er Wei Wuxian und Sun Yan von hinten einmal kräftig am Kragen packte, sie auseinander zog und sie dann mit schweren und entschlossen Schritten hinter sich herschliff.

Luan Han schritt derweil mit einem vergnügten Gesichtsausdruck voran und er schüttelte einmal naseschnaufend seinen Kopf hin und her, als er sich hoffnungsvoll fragte, was die Zukunft ihm wohl mit diesen neuen Gefährten noch bringen würde?


Er blickte nach vorne, sein Sichtfeld bestand aus einem kleinen, schwarzen Tunnel und am Ende brannte ein schwaches Licht. Luan Han Schritt die schmale Seitengasse entlang und hinter ihm waren die ruhigen aber stetigen Schritte seiner neuen Reisegefährten zu hören.

Lan Wangji's kleine, helle spirituelle Flamme leuchtete ihm den Weg und mit bedachten Schritten entfernten sie sich immer weiter von seiner kleinen Bleibe.
Direkt hinter ihm ging Lan Wangji, an dessem Rücken Wei Wuxian wie drangepresst klebte und dieser ihm auch keinen Zentimeter von der Seite wich.
Ganz zum Schluss kam Sun Yan, welcher ebenfalls mit seiner kleinen Leuchtkugel in der Hand den Abschluss bildete und in der Ferne hörte man im Wechsel eine Eule und einen Hund sich gegenseitig das Wort abschneiden.

Als sie wieder auf eine etwas größere Straße kamen erloschen ihre kleinen Lichter und Luan Huan blickte die Straße entlang.
„In welcher Gaststätte möchtet ihr einkehren?" Fragte er, sich zu seiner Gruppe umdrehend.

Wei Wuxian der sich immer wieder etwas unsicher umsah und bei jedem Kläffer des Hundes zusammenzuckte, klammerte sich an Lan Wangji's langen, weißen Ärmel, als er sagte:
„Keine Ahnung. Ist egal. Wir nehmen die, die wir bezahlen können."

Sun Yan stolperte ebenfalls als Letzter aus der kleinen, stinkenden Gasse, als er durch die Nase schnaufend lachte:
„Wir sollten schonmal anfangen Geld zusammenzulegen. Für vier Leute zu bezahlen wird schon schwierig, wenn Wei Wuxian wie immer nichts dazu legen kann."

Doch noch bevor Wei Wuxian auf seine giftige Stichelei eingehen konnte, zuckte Luan Han schon unschuldig mit seinen Achseln und lächelte sie verlegen kann.
„Ich trage zur Zeit leider auch kein Geld bei mir."

Wei Wuxian stutzte.
„Keinen einzigen Taler?" Fragte er hinter Lan Wangji hervor.

Sun Yan verdrehte seine Augen und schlug sich mit seiner flachen Hand vor die Stirn.
„Wieso bin ich nur mitgekommen? Wir sind ärmer als ein Haufen Kirchenmäuse. Ich will in einem weichen Bett schlafen." Sagte er kopfschüttelnd.

Doch in dem Moment fasste Lan Wangji schon mit seiner linken Hand in seinen Kragen und ertastete seinen Geldbeutel.
„Ich habe genug." Sagte er ruhig.

Wei Wuxian atmete erleichtert auf, als er die Gruppe wieder zur Eile drängte.
„Wunderbar! Wenigsten auf einen ist hier verlass. Los lasst uns schleunigst von der Straße runter, ich hab das Gefühl dieser Hund kommt immer näher."

Die Gruppe setzte sich wieder in Bewegung und Luan Han steuerte zielsicher die erste Gaststätte an die ihm einfiel.
Während sie gemeinsam die Straße entlang gingen hüpfte er leichtfüßig über eine Pfütze, als Sun Yan plötzlich eine Frage in den Sinn kam:
„Deine kleine Hütte, kannst du sie einfach so zurücklassen?"

Luan Han warf einen Blick über seine Schulter nach hinten, als er zügig antwortete:
„Sie gehört nicht mir."

Sun Yan's Augenbrauen hoben sich interessiert an.
„Wem gehört sie dann?"

„Einem älteren Ehepaar." Sagte Luan Han.
„Es war ursprünglich quasi nur ein Lager für sie. Sie waren aber so freundlich mir die Hütte zu überlassen. Dafür habe ich ihnen regelmäßig im Haushalt geholfen und für sie gekocht."

Plötzlich meldete sich wieder Wei Wuxian hinter Lan Wangji zu Wort und kam etwas aus seiner Deckung hervor:
„Du kannst kochen? Also so richtig gut meine ich?"

Luan Han lachte vergnügt und stupste mit seinem Zeigefinger einmal an seine Nasenspitze, als er stolz sagte:
„Natürlich kann ich kochen. Ziemlich gut sogar. Wir sind hier an den Grenzen von Yunmeng. Wer versteht hier nicht die Kunst des Kochens und des guten Essen?"

Plötzlich ertönte schadenfrohes Gelächter von hinten, als Sun Yan mit ausgestrecktem Finger nach vorne auf Wei Wuxian deutete.
„Wei Wuxian! Denn der weiß nur wie man gut isst!"

Wei Wuxian's Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, als er gehässig erwiderte:
„Halt den Ball mal ganz flach da hinten, junger Mann. Denk dran, Lan Zhan ist der Einzige von uns, der noch Geld bei sich trägt und wie wir gelernt haben, alles was ihm gehört, gehört auch mir. Nicht das du heute Nacht noch draußen schlafen musst und Jiang Cheng dich abholen kommt."

Luan Han kicherte vergnügt und flüsterte leise zu Lan Wangji herüber:
„Geht das immer so mit den beiden?"

Lan Wangji schloss seine Augen, als er ruhig sagte:
„Ja, aber das lenkt nur von ihrer wahren Beziehung ab. In Wirklichkeit können sie sich nämlich sehr gut leiden und schätzen sich gegenseitig."

Luan Han machte große Augen und nur ein verblüfftes: „Ah..!" verließ seine Lippen.

Sun Yan platzte derweil fast der Kragen, als er sich augenblicklich bückte und einen kleinen Stock von der Straße aus dem Matsch aufsammelte.
In Windeseile holte er aus und warf ihn zielsicher zu Wei Wuxian herüber, als plötzlich Lan Wangji wie ein Fels in der Brandung stehen blieb, seine Hand hochhielt und mit geschlossenen Augen den Stock noch in der Luft auffing.

Sun Yan und Wei Wuxian erstarrten augenblicklich zu einer Eissäule und warteten jeden Moment mit einem auf sie hereinbrechendem Donnerwetter.
Doch Lan Wangji senkte nur langsam den Arm, warf den Stock in den Straßengraben und öffnete dann langsam seine Augen.
Es war ein Blick so verwarnend streng und furchteinflößend kalt, der Sun Yan und Wei Wuxian traf und sie augenblicklich zum Schweigen brachte.
Dann setzte Lan Wangji einfach unbeirrt seinen Weg fort, die beiden nicht mehr weiter beachtend und fragte Luan Han, welcher vor ihm ging:
„Wenn die Hütte einem älteren Ehepaar gehört, stehst du dann nicht in dessen Schuld? Möchtest du Ihnen nicht Bescheid geben, dass du abgereist bist?"

Luan Han, schwer beeindruckt von Lan Wangji gefasster und ruhiger Art antwortet noch etwas unsicher:
„Ja, damit hast du wohl recht. Sobald wir etwas Ruhe gefunden habe, werde ich einen Brief verfassen, dies ist das Mindeste was ich tun sollte."

Die Truppe setzte ihren Weg fort und Wei Wuxian und Sun Yan trotteten mürrisch und müde den beiden hinterher. Die Straßen waren leer und still und in den meisten Häusern waren die Lichter schon lange erloschen, als Luan Han plötzlich nachdenklich sein Gesicht verzog.
„Ich habe noch gar nicht gefragt. Aber wie habt ihr mich überhaupt gefunden? Woher wusstet ihr, dass ihr mich in der Hütte findet? Ich habe niemandem bisher davon erzählt!"

Sun Yan machte zwei schnelle Schritte nach vorne, holte auf und tauchte links neben Luan Han auf, als er freundlich sagte:
„Xiao Ming!"

Luan Han's Augen weiteten sich.
„Xiao Ming?" Fragte er ungläubig.
„Die Tochter des Wirtes? Ihr kennt sie?"

Wei Wuxian, der ebenfalls wieder friedlich Platz neben Lan Wangji eingenommen hatte, machte eine nickende Kopfbewegung zu Sun Yan herüber.
„Sun Yan, er kennt sie und hat sie uns vorgestellt."

Plötzlich blieb Luan Han abrupt stehen.
Er drehte sich ruckartig zu Sun Yan um und dieser, ebenfalls etwas überrascht, blieb prompt auf dem Absatz stehen und blickte Luan Han ebenfalls fragend an.
Doch dieser machte große Augen, starrte Sun Yan in´s Gesicht, als er leise hauchte:
„Ein hübsches, attraktives Gesicht, grüne funkenden Augen und drei Kratzspuren im Gesicht..."
Luan Han streckte plötzlich vollkommen unerwartet seine linke Hand nach Sun Yan aus und berührte ihm im Gesicht, als er verwundert sagte:
„Sun Yan...du bist der junge Cultivator von dem sie gesprochen hat?"

Sun Yan's Augen weiteten sich und noch etwas sprachlos und überrumpelt starrte er Luan Han in´s Gesicht, als Wei Wuxian einen interessierten Blick herüber warf.
Doch Sun Yan's Augen weiteten sich etwas mit Furcht als er vorsichtig fragte:
„Sie hat von mir gesprochen?...Was genau hat sie erzählt...?"

Doch Luan Han's Gesichtszüge wurden wieder ganz freundlich und weich als er Sun Yan einen zarten Klapps mit seiner Hand auf die Wange gab.
„Ach..." Sagte er etwas verschmitzt.
„Nur dies und das, also nichts Großes von Bedeutung."

Doch Sun Yan wollte es genauer wissen und bohrte noch einmal nach, sein Blick etwas besorgniserregt.
„Hat sie...hat sie davon erzählt wie wir uns kennengelernt haben?"

Wei Wuxian, der nun noch genauer hinsah und genaustens Sun Yan's Gesicht unter die Lupe nahm, horchte gespannt auf.

Doch Luan Han lachte nur, wank mit seiner Hand in der Luft ab, als er belustigt sagte.
„Nein, nein. Sie war nur so damit beschäftigt von dir zu schwärmen, dass sie vollkommen vergessen hatte irgendwelche interessanten Fakten und Daten über dich herauszugeben. Aber lustig nicht wahr, wie klein die Welt doch ist."
Luan Han lachte kurz auf.
„Aber wenn es so aussieht, dann muss ich Xiao Ming wohl auch noch einen Brief schreiben. Das sind ja alles Neuigkeiten hier."
Er ging die Straße unbeirrt weiter, während Sun Yan noch etwas unter Schock stehen blieb und ein paar Mal erleichtert tief einatmete.

Wei Wuxian, der nachdenklich das Ganze beobachtet hatte, blickte plötzlich Lan Wangji an und als dieser ebenfalls seinen Blick erwiderte, machte er eine andeutende Nickbewegung in Richtung Sun Yan.

Lan Wangji schloss daraufhin kurz seine Augen, dachte kurz nach und ging dann weiter. Wei Wuxian folgte ihm dicht und nur die beiden wussten, welche Gedanken sie still und heimlich miteinander ausgetauscht hatten.


Es dauerte nicht mehr lange und die Vier kamen bald zu der ersten Gaststätte. Doch sie wurden dort zügig noch vor der Tür abgeschmettert und wurden zu der nächsten Gaststätte weitergeschickt, aufgrund eines komplett belegten Hauses.

Der letzte Funke gute Laune kippte schnell und so wanderten die Vier betrübt von Gaststätte zu Gaststätte.
Doch entweder machte niemand mitten in der Nacht mehr auf, alle Zimmer waren schon belegt, zu teuer, zu klein oder keiner wollte sie um diese Zeit mehr hereinlassen.

Frust kam auf und bald fing es auch noch an zu regnen und Wei Wuxian's müdes Genörgel wurde mit jedem weiteren Schritt immer anstrengender. Auch Sun Yan packte bald der Frust und so kamen sie aus dem Gejaule und Gestöhne nicht mehr heraus.

Auch aller Charme, Wortwitz und hinterlistige Sprüche fanden keinen Anklang bei den Gaststättenbesitzern und so fiel Luan Han bald nur noch eine einzige Gaststätte auf ihrem Weg ein.

Wei Wuxian war absolut drüber und gefrusteten Schrittes stolperte er durch den Regen voran, als er fluchend sagte:
„Ist mir vollkommen egal, in welchem Schuppen oder Abstellkammer ich schlafen muss, ob oben oder unten, kalt oder warm, ist mit alles egal aber ich habe definitiv keine Lust mehr. Das Erste was mir angeboten wird, nehme ich!"

Eine kleine alte Gaststätte am Ende der Straße kurz vor einem riesigen, dunklen Wald tauchte schließlich in ihrem Sichtfeld auf und dem Regen entkommend, liefen die Vier raschen Schrittes bis vor die Tür.
Ein altes, klappriges Türschild quietschte im Wind und nur eine einzelne, schwache Laterne brannte in einem der Fenster.

Wei Wuxian klopfte geschwind an und es dauerte tatsächlich nicht besonders lange, bis eine ältere, kleine Frau die Tür öffnete.
Sie trug definitiv schon ihre Robe für die Nacht, eine dünne Decke über ihre Schultern gelegt und sie hielt eine kleine Lampe in ihrer Hand, als sie die vier Männer skeptisch beäugte. Mit etwas krächzender Stimme sagte sie:
„Meine Herren, haben sie mal auf die Uhr geschaut? Es ist mitten in der Nacht, wer wagt es jetzt noch zu stören?"

Doch die Vier waren in ihrer Not sehr freundlich und begrüßten die Frau wie einen Heiligen, als sie ihr von ihrem Leid klagten und um Einlass baten.
Die ältere Frau hob ihre Laterne einmal an und leuchtete jedem der Vier einmal in´s Gesicht. Sie musterte sie eindringlich, als sie sich von ihrem adretten und seriösen Zustand überzeugen lies. Dennoch schüttelte sie trotzdem ihren Kopf verneinend hin und her.
„Es tut mir wirklich Leid, die edlen Herren, ich würde ihnen gerne Unterkunft für die Nacht bieten, aber ich bin bis auf das letzte Zimmer ausgebucht."

Wei Wuxian blickte die Frau mit großen Augen an, während er noch immer schlotternd im Regen stand aber gefuchst sagte:
„Aber meine Dame, bis auf das Letzte, klingt doch wirklich sehr gut. Denn das würde ja bedeuten, genau eines hätten sie noch frei!"

Die Frau kniff ihre Augen etwas scharf zusammen, als sie sich noch einmal vergewisserte, dass es sich tatsächlich um vier Herren handelte und sie zählte in Gedanken noch einmal nach. Dann blickte sie Wei Wuxian an, zog eine Augenbraue nach oben und sagte mit dezentem Unterton:
„Das ist richtig mein Herr. Allerdings ist es ein sehr kleines Zimmer oben unter dem Dach mit nur einem einzigen Doppelbett. Ich weiß nicht, ob die vier edlen Herren ihre Nacht gemeinsam..."

Sun Yan's Gesicht zog sich augenblicklich angenervt kraus und er macht sich schon für den Rückwärtsgang bereit, als ebenfalls Lan Wangji schon ans Umkehren dachte und sich langsam abwendete. Luan Han stand dagegen an hinterster Position und der Regen tropfte schon von seiner Kapuze auf seine Füße, als er ebenfalls benanntes Szenario in seinen Gedanken schon einmal durchspielte.

Doch in dem Moment, als alle gerade gehen wollten, machte sich Wei Wuxian plötzlich groß, schüttelte den Regen ab und voller Elan strahlte er die Frau von einem Ohr über das Andere an. Er packte plötzlich Sun Yan und Lan Wangji jeweils am Arm und hinderte sie daran, sich aus dem Staub zu machen, als er mit breitem Grinsen sagte:
„Perfekt! Das nehmen wir!"