Chapter 20.22
In Sun Yan's geweiteten Augen spiegelten sich die Konturen von Zuko's Gesicht wieder, als dieser mit langsamen Schritten immer näher auf ihn zukam.
Sein Körper erstarrte zunächst, seine Finger zogen sich krampfhaft zusammen und das Blut stockte in seinen Adern.
Sun Yan blickte schockiert nach oben und als Zuko genau vor ihm stand hielt er die Luft an.
Zuko's Silhouette tauchte sich immer weiter in das fahle Mondlicht, welches durch das kaputte Fenster herein schien und Sun Yan blickte mit Entsetzen in ein vollkommen entstelltes Gesicht.
Quer über das Gesicht des Mannes vor ihm, ging ein tiefer, verbrannter Peitschenschlag und sein linkes Ohr schien gänzlich zu fehlen.
Sun Yan's Mund öffnete sich leicht vor Schock und Zuko blickte ihn mit einem irren Blick an.
„Häßlich nicht wahr?" Sagte er mit krächzender Stimme, als er plötzlich seinen rechten Arm anhob und nach oben hielt.
Sun Yan's Augen wurden immer größer, als er erkannte, dass abseits des Handgelenkes, wo eigentlich eine Hand sein sollte, nur noch ein Stumpf zu erkennen war. Um das Handgelenk herum erkannte man schwere Verbrennungen, welche die Haut bis auf die Knochen versenkt haben musste und Sun Yan schluckte einmal schwer, als er erkannte, welche Art von Waffe diese Verletzungen herbeigeführt haben musste.
„Zidian..." Hauchte Sun Yan erschrocken über seine Lippen.
„Richtig!" Sagte Zuko mit hasserfüllter Stimme.
„Du erkennst diese Verletzungen, du erkennst sie nur zu gut! Und nicht nur das, dein Herr, Jiang Cheng und der Sect Leader des Yunmeng Jiang Clan's, hat meinen ganzen Körper entstellt!"
Zuko griff sich mit seiner linken Hand in den Kragen und riss seine Robe ein Stück auseinander, als Sun Yan auf einen entblößten Oberkörper starrte, welcher von oben bis unten mit schwersten, verbrannten Peitschenhieben übersät war.
Es war ein grauenvoller Anblick und die Schmerzen, welche die Person, die diese Verletzungen trug, ertragen haben musste, waren unvorstellbar.
Plötzlich wurde es ganz andächtig still im Raum und die Männer schienen vor Zuko zu kuschen und hielten sich nun etwas mehr zurück und überließen ihm den Vortritt. Denn Zuko war der einzige Mann im Raum, welcher nicht auf die Laufbahn eines Cultivators zurückblickte und auch, wenn es die gleichen Absichten waren, die diese Männer zusammengeführt hatten, so war Zuko doch der unter ihnen, mit den meisten Gräueltaten auf seiner Liste und sein Wesen und seine Moralvorstellungen waren noch dunkler und verdorbener, als von allen anderen zusammen.
Zuko stand direkt vor Sun Yan und warf ihm von oben einen verachtenden Blick zu. Seine Stimme war vor Rache und Ekstase förmlich am zittern.
„Ich werde es nie vergessen wie dein Herr über uns hergefallen ist. Übel zugerichtet hat er uns alle nach dem anderen um uns dann schlussendlich einen qualvollen und langsamen Tod sterben zu lassen. Er ist über uns hereingefallen wie ein wütender Dämon im Wahn, ohne zu unterscheiden wer noch Freund oder Feind ist. Durchgedreht ist er und hat seine spirituelle Peitsche geschleudert wie der Teufel.. .Zhuang Xi hat er letzten Endes sogar enthauptet und sieh dir nur mich an..."
In Zuko's Augen brannte ein unstillbares Feuer und seine Stimme bebte vor Anspannung.
„Ein entstellter Krüppel bin ich jetzt und ich habe mich oft gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn auch ich an diesem Tag elendig im Dreck verreckt wäre. Denn so bin ich nichts mehr Wert und mein Körper ist eine Last geworden.
Und das Alles...das Alles nur wegen dir kleinen Schlampe. Nur wegen unserer kleinen süßen Nacht in dem Schuppen, in der du deinen kleinen Arsch unter Tränen hingehalten und gleich für drei Männer die Beine breit gemacht hast!"
Die Männer im Raum staunten nicht schlecht, als sie Zuko´s Geschichte hörten. Zwar wussten sie bereits, dass es tatsächlich der berühmte Sect Leader des Yunmeng Jiang Clan's war, der ihn so entstellt hatte, aber wussten sie nicht, dass der junge Mann, welcher gerade vor ihnen nackt auf dem Fußboden kniete, der Auslöser dafür gewesen war. Mit erstaunten Gesichtern blickten sie auf Sun Yan und Zuko, als der Anführer hinten am Tisch sich plötzlich einmischte:
„Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet er uns an diesem Abend in die Arme läuft. Zuko, ich glaube heute ist dein Glückstag. Ich überlasse dir gerne den Vortritt und freie Hand. Verfahre mit ihm wie du willst, aber bevor du es zu Ende bringst, lass uns alle vorher auch noch etwas von ihm haben."
„Tsss..." Zischte Zuko über seine trockenen Lippen.
„Ich weiß nicht, wie viel ich von ihm noch übrig lassen werde, was euch alle dann auch noch zufriedenstellen könnte."
Der Anführer nickte ihm spielerisch zu und machte eine abwinkende Handbewegung in der Luft, als er plötzlich interessiert zu Sun Yan herüber blickte und sagte:
„Wie heißt er überhaupt, der Bengel? Wer ist er und woher kommt er?"
Zuko blickte direkt in Sun Yan's grüne Augen, als er prompt sagte:
„Er heißt Sun Yan und ist die rechte Hand von Jiang Cheng, dem Clan Anführer des Yunmeng Jiang Clan's aus Lotus Pier. Das ist alles was ich von ihm zufällig über Zhuang Xi erfahren habe. Aber wen interessiert das schon? Nach heute wird er ein niemand sein und sich mehr an mein Gesicht, anstatt an das seines Herren erinnern."
Zuko wendete sich wieder Sun Yan zu und kniete sich vor ihm herunter. Er streckte seine linke Hand nach ihm aus und griff dabei grob an Sun Yan's Kinn und drückte seine Wangen so fest zusammen, bis sich vorne seine Lippen zusammenquetschten. Sein Blick war widerlich durchbohrend und scharf auf Sun Yan gerichtet, als er teuflisch sagte:
„Es ist egal wer du bist und es ist auch egal woher du kommst. Denn heute, werde ich dich meine Rache spüren lassen und deinen Stolz erneut in meinen Händen zerquetschen. Wir werden sehen, wie dein geliebter Herr es ein zweites Mal verkraftet, wenn ich ein weiteres Mal meinen Namen in dein Fleisch brenne."
Sun Yan's Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen, als er den Speichel in seinem Mund augenblicklich zusammenzog und Zuko direkt ins Gesicht spuckte. Seine Stimme war leicht nervös aber voller Spott und Hohn.
„Du bist widerwärtig!
Du bist krank und absolut verrückt!
Und ja, du hattest recht. Es ist eine Schande, dass Jiang Cheng dich nicht wie alle anderen abgeschlachtet hat.
Und ja, es wäre mir eine Freude gewesen ihm dabei zuzusehen...!"
Doch plötzlich schlug Zuko aus Reflex zu und seine flache Handinnenfläche prallte auf Sun Yan's rechte Wange.
Sun Yan's Kopf flog ein weiteres Mal schwungvoll zur Seite und eine kleine Fontäne Blut schoss aus seiner erneut aufgeplatzten Lippe und tropfte dann zu Boden.
Seine Wangen tauchten sich beide mittlerweile in ein helles Rot und seine Haut brannte und pochte vor Schmerz.
Zuko wischte sich mit einem aggressiven Gesichtsausdruck den Speichel aus dem Gesicht und sagte zähnefletschend und voller Zorn:
„Du hast es so gewollt!"
Mit diesem Satz griff er plötzlich grob in Sun Yan's Haare und begann ihn ohne Gnade hinter sich herzuschleifen.
Sun Yan ächzte vor Schmerz auf und die zwei Männer, welche ihn noch an den Schultern fixierten, ließen schnell los und sahen mit an wie Zuko den nackten Jungen zum Tisch herüberschliff. Dieser sagte mit rachsüchtiger und euphorischer Stimme:
„Seht alle gut zu! Ich zeige euch nun, wie man den Stolz eines Menschen in Schutt und Asche legt!"
Der Anführer, welcher bis eben noch sich lässig an den Tisch gelehnt hatte und dem ganzen Treiben eher schweigend zugesehen hatte, gab den Tisch nun frei und entfernte sich ein paar Schritte, als Zuko Sun Yan an den Haare grob in die Höhe zog und ihn dann gewaltvoll gegen den Tisch stieß.
Sun Yan fiel vornüber auf die Tischplatte und stieß mit seinen blanken Hüftknochen gegen die Tischkante, als Zuko gierig zu den Männern sagte:
„Los bindet seine Hände vorne fest."
Sun Yan wusste gar nicht wie ihm so schnell geschah, als auch schon zwei Männer seine Handgelenke packten, diese grob nach vorne über die Tischplatte zogen und dann mit einem rauen Strick zusammenzurrten.
Sun Yan zog schmerzerfüllt die Luft durch seine Zähne, als das grobe Seil sich auch schon tief in seine Handgelenke schnürte.
Zuko packte ihn kraftvoll hinten im Genick und schmetterte ihn ungebremst nach vorne auf die Tischplatte, als er sichtlich belustigt sagte:
„Und ihr habt gefragt ob ich es wirklich tun will, nur weil er ein Mann ist? Seht selbst her."
Er griff mit seiner linken Hand in Sun Yan's Haarband und löste mit forschen Bewegungen seine Frisur.
Das schwarze, seidige Haar öffnete sich sofort und fiel ihm lang und anmutig über seinen nackten Rücken.
Sein blanker Hintern ragte ungeschützt in die Höhe und streckte sich Zuko entgegen, während sein Oberkörper flach nach vorne auf die Tischplatte gepresst wurde.
Zuko schmunzelte zufrieden auf, als er sagte:
„Und? jetzt, ist er von hinten kaum noch von einer Frau zu unterscheiden, nicht wahr?"
Die Männer, teilweise selbst noch etwas im Zwiespalt mit der Situation, gaben aber Zuko recht und waren selbst davon überrascht, wie weiblich nun Sun Yan von hinten wirkte und mit was für einem außerordentlich runden Po und malerischen Körperkonturen er doch gesegnet war.
Er war attraktiv und anmutig anzusehen und seine zarte Haut schimmerte verführerisch im fahlen Mondlicht.
Die Stimmung im Raum heizte sich immer weiter auf und Sun Yan versuchte sich immer wieder aus ihrem Griff zu befreien, doch sie gaben ihm nicht einen Zentimeter Spielraum und so war er hilflos auf die Tischplatte genagelt.
Seine Hände schmerzten ihm und in seinem Körper machte sich langsam das blanke Entsetzen breit.
-Wieso passierte ihm nur so etwas, wieso sollte ausgerechnet er, ein zweites Mal diese Tortur ertragen müssen?-
Sun Yan biss sich auf seine Unterlippe und während er immer wieder versuchte sich zu konzentrieren, um seine spirituelle Energie für einen Gegenschlag zu sammeln, so schossen ihm jedoch immer wieder die Erinnerungen von jener Nacht durch den Kopf und machten es ihm somit unmöglich Ruhe zu bewahren und sein wahres Potential auszuschöpfen.
Plötzlich lachte der Anführer arglistig auf, als er Zuko einen Blick herüber warf und dann sagte:
„Los, mach schnell. Wir haben nicht ewig Zeit. Und wer weiß, vielleicht kommt ja doch noch jemand anderes auf den Geschmack. Wir sollten bis zum Morgengrauen mit ihm fertig sein."
Zuko schnalzte mit seiner Zunge auf und warf einen scharfen Blick herüber, als er schließlich einen Mundwinkel nach oben zog und dann berechnend herüber zischte:
„Du meinst wohl eher, du entwickelst langsam Interesse...Ich kenne deinen Blick, wenn du an etwas Gefallen gefunden hast. Aber sei ganz unbesorgt, ich garantiere dir, dass wenn ich mit ihm fertig bin, jeder von euch noch in den Genuss kommen will."
„Hmpf..." Schnaufte der Anführer, sich nichts anmerken lassend, über seine Lippen, als er sich einmal mit der Zunge über seinen Daumen leckte und sagte:
„Das hängt ganz von seiner Performance ab. Denn bis jetzt, habe ich immer noch Frauen bevorzugt."
Zuko kicherte leise in sich hinein und lehnte sich derweil von hinten mit seiner Hüfte gegen Sun Yan's blanken Hintern.
Sun Yan's Augen schnellten auf, als er etwas harte spürte, was sich gegen seinen Hintern presste.
„Aufhören!" Hauchte er leicht in Panik verfallend über seine Lippen, doch Zuko lehnte sich nach vorne herüber und strich mit seinen rauen Fingern Sun Yan's langen Haare hinter dessen linkes Ohr. Dabei legte er seinen Oberkörper komplett auf dem Jungen ab und strich mit seiner Nasenspitze über dessen Nacken, hinauf, bis zu seinem Ohr, als er widerwärtig flüsterte:
„Ich wette, ich bin nicht der Einzige, welcher mehrmals in den Genuss deines süßen, kleinen Loches gekommen ist.
Ich wette mit dir, so jung und attraktiv wie du bist, dass schon einige Männer ihre Finger nach dir ausgestreckt haben.
Komm, mir kannst du es ruhig erzählen. Wen hast du mit deinen grünen Augen schon alles so angefunkelt und bezirzt, um dann anschließend für sie die Beine breit zu machen? Hmm?
Ist es jemand aus deinem Clan gewesen? Warst du dort der Zeitvertreib für die älteren Cultivators?
Oder ist es etwa dein fucking Clan Anführer? Ich wette, er vergeht sich jede Nacht an dir und du hast dich zu deinem Titel nur hochgeschlafen? Ist er deswegen so ausgerastet und hat Rache an Zhuang Xi begangen, weil sein kleiner Spieljunge außer Haus gegessen hat? Ich wette gerade jetzt in diesem Moment legt er schon den nächsten in seinem Bett flach. Jetzt, wo du hier bist und nicht den Hintern für ihn herhalten kannst."
Sun Yan fletschte seine Zähne. Es war das Eine wenn er gedemütigt und beleidigt wurde, aber es war etwas ganz anderes, wenn Jiang Cheng in das mit hineingezogen wurde.
Er nahm noch einmal all seine Kraft zusammen und wehrte sich, doch die Männer hielten seine Hände noch immer nach vorne auf der Tischplatte fixiert und Zuko hatte sein linkes Bein zwischen Sun Yan's Oberschenkel geschoben und presste ihn somit auch von hinten gegen die Tischplatte.
Sun Yan knirschte mit seinen Zähnen, als er sagte:
„Du kannst mich so viel beleidigen wie du willst, aber wenn du es wagst Jiang Cheng's Namen in den Dreck zu ziehen, dann Gnade dir Gott."
Doch Zuko begann nur hinterhältig zu lachen und stützte für einen Moment seine Stirn auf Sun Yan's Rücken ab. Er wanderte mit seiner linken Hand nach oben in Sun Yan's Nacken und packte dann einmal grob in das seidige, offene Haar.
Er zog Sun Yan's Kopf ruckartig in den Nacken und während er sich selbst mit seinem Oberkörper auf dem nackten Rücken des Jungen aalte, flüsterte er widerlich in dessen Ohr:
„Beiß nur um dich, spuck und kratz soviel du willst. Du glaubst du wärst ein Wolf, aber in Wirklichkeit bist du nur eine kleine Katze. Du bist mehr Schein und Sein, als dir lieb ist und ich weiß, wo es bei jemandem wie dir am meisten weh tut."
Zuko presste plötzlich seinen Oberschenkel intensiver zwischen Sun Yan's nackte Beine und begann dessen Pobacken leicht auseinander zu spreizen. Dann bewegte er sein Bein leicht hin und her und rubbelte an Sun Yan's blankem Hintern.
„Ich hatte Recht, nicht wahr? Das du heute wieder nackt unter mir mit gespreizte Beinen auf einem Tisch liegst, ist kein Zufall, sondern dein Schicksal.
Hmm? Was meinst du, wenn du jetzt mal genauer darüber nachdenkst, unter wie vielen Männern lagst du schon? Wie vielen Männern hast du schon schöne Augen gemacht und wie viele Männer hast du schon vom rechten Weg abgebracht?
Ich wette, Zhuang Xi und Jiang Cheng waren nicht erst der Anfang."
Zuko berührte nun mit seinen Lippen fast Sun Yan's Ohrmuschel und während er die Worte flüsterte und sie langsam nach einander aussprach, stemmte er im Rhythmus immer wieder seinen Oberschenkel zwischen Sun Yan´s Pobacken.
„Der beste Freund?
Ein enger Vertrauter?
Oder vielleicht sogar die Lehrer im Clan?
Ich wette, sie alle hatten ihren Spaß mit dir und haben dir später dafür die Schuld gegeben.
Oder nein...
warte...
Noch viel besser...
Oder, war es vielleicht sogar, dein eigener Vater, der sich an dir vergangen hat?"
Sun Yan's Augen weiteten sich plötzlich ins Unermessliche.
Sein Herz setzte für einen Moment aus und das Wort Vater drang tief in seine Seele und verursachte eine urplötzliche Eiseskälte. Seine Finger begannen augenblicklich zu zittern und über seinen gesamten Körper zog sich eine Gänsehaut.
Sein Mund öffnete sich einmal kurz, so als wollte er etwas sagen, doch er rang nur nach Luft, als sich plötzlich seine Gedanken verdunkelten und längst verdrängte Erinnerungen ihn einholten und seine ohnehin schon geschundene Seele gnadenlos erschütterten.
Ihm wurde plötzlich schwarz vor Augen, seine Kehle schnürte sich zu und seine Erinnerungen wanderten in längst vergangene Tage davon...
14 Jahre zuvor
Es roch nach dem angenehmen Duft von frischem Gras, die Luft war warm und die Grillen zirpsten in den hohen Gräsern.
Sun Yan war ein junger Knabe von 8 Jahren, ein talentierter Cultivator´s Sohn in seinen ersten Anfängen und er rannte freudestrahlend über eine bunte Blumenwiese. Sein wacher, klarer Blick war nach vorne gerichtet und zwischen den hohen Gräsern suchte er in der Ferne nach ein paar bekannten Gesichtern. Er war ein ansehnlicher Junger. Mit der Schönheit seiner Mutter gesegnet und seine Gesichtskonturen waren von weiblicher Attraktivität, während der Rest seines Körpers versprach, dass aus ihm einmal ein bemerkenswerter junger Mann werden würde.
Seine grünen Augen funkelten im Sonnenlicht und ein warmer sommerlicher Wind wehte durch sein langes, dunkles Haar, welches zu einem Pferdeschwanz nach oben gebunden war. Sun Yan lief euphorisch durch die hohe Wiese, die kurzen Beine so schnell wie sie ihn nur tragen konnten und sein Herz tanzte vor Glück und der Sorgenfreiheit der Jugend.
Nicht weit von ihm stand eine große Weide zwischen den vielen bunten Blumen und darunter im Schatten saß eine wunderschöne Frau in edler Robe, welche mit einem herzensguten Lachen im Gesicht ihrem Gatten und deren gemeinsamer junger Tochter beim Spielen zusah.
Es war Sun Yan's Mutter, seine jüngere Schwester und sein Vater, welche in friedlicher, familiärer Atmosphäre unter der großen schattenspenden Weide gemeinsame Zeit verbrachten und den Sorgen des Alltags entflohen.
...
Sun Yan war in diese schillernde Welt der Cultivation hineingeboren und seine Eltern selbst waren angesehene und begabte Cultivators mit Ansehen und Stellung in ihrem Clan.
Er genoss daher eine gute Ausbildung und eine konservative Erziehung und er war stet's bemüht, seine Familie mit Stolz zu erfüllen. Er träumte von kleinauf an davon eines Tages selbst einem großen Clan zu dienen und ein angesehener und begabter Cultivator zu werden.
Sun Yan liebte seine Mutter, welche in seinen Augen ein Vorbild für ihn war, aber auch gleichzeitig eine so liebreizende und liebende Mutter, dass er Tag für Tag ihre Nähe suchte. Ihre Wärme, Mütterlichkeit und die Liebe, welche sie ihm schenkte, machten ihn vollkommen und es war ein Hafen der Sicherheit und der Geborgenheit für ihn, wann immer er in ihren Armen lag.
Sun Yan's Mutter hatte wunderschöne, strahlende grüne Augen und ihr Blick war stet's wach und kühn nach vorne gerichtet. Sie hatte sie ihrem Sohn weiter vererbt und wenn die beiden nebeneinander standen, so war es schwer für Außenstehende wegzusehen und sich von ihrem anziehenden Bann zu lösen.
Neben seiner geliebten Mutter gab es aber auch noch seine jüngere Schwester, welche ebenfalls mit der Schönheit ihrer Mutter gesegnet war.
Sie war erst 4 Jahre alt, aber schon ein Sonnenschein von einem Menschen. Sun Yan liebte seine kleine Schwester über alles und wann immer er Zeit neben seinem Unterricht fand, nahm er sie bei ihrer zierliche Hand und gemeinsam erkundeten sie wissbegierig die Gegend.
Sun Yan's Vater dagegen war ein etwas ernsterer Mann, von großer Statur. Er war ein angesehener Cultivator und hielt an vielen alten Riten und Bräuchen des Clan's fest. Er genoss dadurch jedoch hohes Ansehen und er stand für Loyalität und Verlässlichkeit. Das Ansehen seiner Familie, Ruf und Ehre waren ihm besonders wichtig, sodass er bei Sun Yan eine eher strengere Erziehung anstrebte und große Erwartungen in seinen Sohn legte.
Er war ein guter Ehemann und ein guter Vater und zu den Frauen in seiner Familie war er stet's zuvorkommen und für sie, fand auch er immer ein Lächeln, auf seinen sonst so starren Lippen.
Sun Yan liebte seinen Vater dafür und er war ihm in vieler Hinsicht ein Vorbild gewesen. Er war das Vorzeigebild eines Mannes, Stolz und männlich und voller ruhmreicher Taten.
Doch obwohl Sun Yan zu dieser Zeit noch ein Kind war, entging ihm nicht, dass seinen Vater manchmal etwas Seltsames zu umgeben schien. Hinter seiner strengen Fassade, welcher allen Anforderungen der Gesellschaft gerecht werden wollte, verbarg sich manchmal eine Zwiespältigkeit in seiner Persönlichkeit und Sun Yan bekam oft das Gefühl, dass gerade er zwischen diese Fronten geriet.
Schenkte sein Vater seiner Mutter und seiner Tochter oft ein zärtliches Lächeln und ein paar sanfte Worte, so war es oft Sun Yan, dem er gegenüber eher mit körperlicher Abneigung reagierte und ihn, wann immer es gerade die Situation hergab, streng zurecht wies.
Sun Yan war sich oft nicht sicher, ob es daran lag, dass er ein Junge war und sein Vater somit klar zwischen den Geschlechtern trennte, oder ob es vielleicht sogar eine leichte Form der Ablehnung ihm gegenüber war.
Oft fragte er sich, ob er wohl der Grund dafür sei.
Er wuchs daher in diesem Zwiespalt der Gefühle auf, aber er wagte es nicht seine Sorgen anzusprechen. Nicht einmal zu seiner Mutter sprach er darüber ein Wort, fest der Überzeugung, dass Männer ihre Söhne einfach anders erzogen und nur diese Kühle und Strenge aus ihm vielleicht einen richtigen Mann machen würden.
Er hielt daher an dem Vorbild und der Bewunderung an seinen Vater fest und verzieh ihm jedes Mal aufs Neue, wann immer er sich von ihm ungerecht behandelt fühlte und stellte seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinten an, denn zu seiner geliebten Mutter und Schwester war er ja ein liebevoller Mensch und nichts würde Sun Yan glücklicher machen, als diese beiden Menschen lachen zu sehen. Er entschied sich daher, sich seiner Rolle anzunehmen, seinen Vater so zu lieben wie er war und den Frieden und die Harmonie der Familie über alles zu tragen.
...
Sun Yan blieb plötzlich mitten in der großen Blumenwiese stehen, der Wind tanzte durch die Gräser und brachte den Stoff seiner Robe zum Aufwirbeln. Er schaute mit großen, funkelnden Augen unter die große Weide, sah seine Familie lachen und Späße treiben und sein Vater schmiss seine jüngere Schwester hoch in die Luft.
Seine Mutter saß elegant zwischen den Blumen und hielt sich belustigt ihre Hand vor den Mund, während sie ihrem Mann und ihrer Tochter beim Rumalbern zusah.
Eine ganze Weile blieb Sun Yan so abseits stehen und betrachtete voller Glück und Zufriedenheit diesen friedlichen Moment, als seine Mutter ihn plötzlich entdeckte.
Sofort füllten sich ihre Augen mit Liebe und sie wank ihm herüber, als sie mit lieblicher Stimme sagte:
„Sun Yan, Sun Yan! Da bist du ja schon! Hattet ihr heute eher Schluss? Komm schnell mein Junge, komm her zu uns!"
Sun Yan liebte es, wann immer er die sanfte Stimme seiner Mutter hörte, welche ihn liebevoll zu sich einlud. Seine Augen weiteten sich und er rannte augenblicklich die letzten Meter los, als sein Vater und seine Schwester ihn ebenfalls erblickten.
Seine Schwester quietschte vor Freude auf. Begann zu strampeln und rief immer wieder den Namen ihres geliebten Bruders, während die Miene ihres Vaters sich plötzlich verdunkelte. Er setzte seine Tochter wieder auf dem Boden ab und während Sun Yan freudestrahlend in die Arme seiner Mutter sprang, stand sein Vater wie versteinert daneben und schaute mit ernster Miene auf seinen Sohn herab.
Während Sun Yan´s Schwester ihm ebenfalls begrüßend um den Hals fiel und die beiden Frauen ihm liebevolle und fürsorgliche Dinge ins Ohr flüsterten, fand sein Vater eher strenge Worte und appellierte an Sun Yan's Fleiß und an sein gutes Benehmen.
Doch Sun Yan lies es über sich ergehen und bestätigte nickend, jede seiner Beleherungen, denn das lachende Gesicht seiner Mutter und Schwester zu sehen, waren ihm Belohnung genug und nichts in der Welt, hätte er sich mehr wünschen können.
Es waren von diesem friedlichen Tag an nur vier Monate später, als das glückliche Familienleben langsam, aber stetig zu kippen begann.
Es gab Uneinigkeit zwischen den großen Clan's der Welt und die Nachwehen der Sunshot Campaign zeigten noch immer ihre Wirkung. Der Yiling Patriarch war in Ungnade gefallen und die großen Clan´s schauten kritisch auf seine Taten und auf die Burial Mounds.
Sun Yan's Vater war auf einer Mission unterwegs gewesen und Sun Yan blieb mit seiner Mutter und seiner Schwester alleine zu Hause zurück.
Doch es kam während der Mission zu einem schweren Kampf und Sun Yan's Vater wurde dabei durch eine kleine Unachtsamkeit seinerseits schwer verletzt.
Er wurde schwer verwundet zurück in den Clan gebracht und sie bangten wochenlang um sein Überleben. Doch der Heiler schaffte es, ihn zurück in´s Leben zu holen.
Jedoch war sein rechter Arm so schwer verletzt, dass es keine Hoffnung auf Heilung mehr gab und dieser von nun an, gelähmt und wie totes Fleisch an seinem Körper herunter hing. Der Weg des Schwertes war damit für ihn vorbei und sein Stolz und seine Ehre als Cultivator, Schwertkämpfer und Mann wurden in einem einzigen Moment der Unachtsamkeit zertrümmert.
Sun Yan's Vater litt stark unter diesem Zustand, aber es war die Liebe und Fürsorge seiner Mutter, die seine Seele langsam wieder heilte und ihm wieder einen Sinn im Leben zurückgab.
Doch Obwohl sein Vater bald wieder genesen war und der Alltag in ihrer Familie wieder einkehrte, so hatte sich dennoch etwas grundlegend verändert.
Sun Yan's Vater begegnete ihm von nun an noch strenger in seiner Erziehung, seine Ansprüche an den Jungen wurden immer höher und wo es einst mal ein Lob oder ein nettes Wort gab, so war davon bald nichts mehr zu sehen.
Sun Yan zerbrach manchmal förmlich unter dem Druck seinem Vater alles Recht zu machen und seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Schon in jungen Jahren lernte er, wie es sich anfühlte zu versagen oder jemanden, der ihm eigentlich lieb und teuer war, zu enttäuschen.
Auch Sun Yan's Mutter war das veränderte Verhalten ihres Gatten aufgefallen und während sie selbst mit voller Liebe und Hingabe versuchte die gebrochene Seele ihres Mannes zu retten, so bat sie Sun Yan darum es seinem Vater nicht übel zu nehmen und nachsichtig mit ihm zu sein. Schließlich hatte er Großes verloren und niemand könnte so einen Verlust einfach verkraften und darüber hinweglächeln. Es war selbstverständlich und nicht von der Hand zu weisen, wie sehr Sun Yan's Vater darunter litt und er schien ein Ventil zu brauchen, mit seinen aufgestauten Emotionen, welche er schweigend in sich hineinfraß, Luft zu machen.
Sun Yan zeigte daraufhin Verständnis für die Situation seines Vater und er akzeptierte dessen Verhalten und wollte es tolerieren, solange er nur wusste, dass seine Mutter und seine Schwester davon verschont blieben.
Und so war es auch.
Doch die Tage zogen ins Land und Sun Yan's Vater kam sich zunehmend immer nutzloser vor. Er war unzufrieden und unglücklich geworden und er begann bald heimlich zu trinken.
Eines Nachts hatte Sun Yan aus Versehen seinen Vater dabei gesehen, wie er sich dem Suff hingab und von dort an erwischte er ihn immer öfter und fand auch bald heraus, welche Lügen er sich einfallen lies um dieser Sucht heimlich nachzugehen. Sein Vater ertränkte seine Sorgen und Kummer, wortwörtlich.
Sun Yan sah zunehmend mit an, wie sein Vater sich langsam immer weiter zurichtete und mit dem Alkoholkonsum ging bald etwas Neues einher, etwas, dass Sun Yan zunehmend beunruhigte.
Wann immer nun sein Vater etwas getrunken hatte, war es nun viel oder wenig gewesen, so veränderte sich sein Verhalten Sun Yan gegenüber auf einmal grundlegend.
Hatte er vorher seinen Sohn noch kühl erzogen, ihn stet's auf kühlen Abstand gehalten und keinerlei sanfte Worte oder liebevolle Berührungen für ihn übrig gehabt, so begann er nun im Suff die Nähe zu ihm zu suchen.
Immer öfter suchte sein Vater ihn auf, schien sich plötzlich für ihn zu interessieren und nutzte jede Gelegenheit ein Gespräch mit ihm zu beginnen oder ihn gar zu Berühren.
Die Väterlichkeit nach der Sun Yan sich zuvor so sehr gesehnt hatte wurde plötzlich durch den Alkohol zur Realität, doch begann sie schleichend einen seltsamen Beigeschmack zu erhalten.
Sun Yan war sich unsicher, wie er mit der neuen Situation umgehen sollte und er fing bald an, ganz intuitiv seinen Vater zu meiden.
Es war eines Nachts und Sun Yan und seine Schwester waren schon am Schlafen, als Sun Yan plötzlich ein seltsames Geräusch vernahm.
Er wurde wach und krabbelte unter seiner warmen Bettdecke hervor und schlich dann auf Zehenspitzen durch das Zimmer Richtung Tür.
Seine jüngere Schwester, welche noch immer friedlich in ihrem Bette schlief, bekam davon nichts mit und Sun Yan schlich leise durch die dunklen Zimmer.
Als er schließlich an dem Schlafzimmer seiner Eltern vorbei kam hörte er plötzlich die Stimme seiner Mutter und Sun Yan lehnte sich vorsichtig mit dem Rücken gegen die Wand um Deckung einzunehmen.
Er hielt den Atem an, als er vorsichtig bis zur Zimmertür schlich und dann über seine Schulter linste.
Die große Tür stand einen Spalt auf und Sun Yan's Augen weiteten sich und er hielt sich vor Schock die Hand vor den Mund, als er erkannte, was seine Eltern gerade im Bett taten. Er lief sofort im Gesicht rot an, die Schamesröte stieg ihm bis zu den Ohren und er verfluchte sich selbst, nachgesehen zu haben.
Er hörte das leise Stöhnen seiner Mutter und das tiefe Schnaufen seines Vaters, während sie sich beide der Lust hingaben.
Sun Yan schloss für einen Moment seine Augen und er dachte darüber nach, sofort leise wieder umzukehren, als er plötzlich die Stimme seiner Mutter vernahm welche leise hauchte:
„Nicht, warte. Wo fasst du hin?"
Sun Yan's Augen schnellten auf und obwohl er keine Ahnung von den Dingen hatte, die seine Eltern dort gerade taten, so bekam er dennoch das Gefühl, dass in der Stimme seiner Mutter Unsicherheit und Furcht zu erkennen war.
Sun Yan, seine grüne Augen weit aufgerissen, die Hand vor seiner Nase und seinem Mund um seinen Atem zu ersticken und der Herzschlag bis zur Kehle, linste erneut vorsichtig in die Tür.
Er sah wie seine Mutter nackt auf dem Bett auf alle Vieren kniete und sein Vater direkt hinter ihr.
„Warte!" Sagte sie erneut, nun etwas energischer und ihre Hand schnellte nach hinten, doch sein Vater blockte sie ab.
Er berührte sie zwischen ihren Pobacken und Sun Yan's Mutter quiekte leise auf, als sie begann zu wimmern:
„Stopp, stopp, du tust mir weh."
Sun Yan's Augen waren weit aufgerissen und er konnte einfach nicht wegsehen, als sein Körper wie zu einer Eissäule erstarrte und er unfähig war sich zu bewegen.
Plötzlich fasste sein Vater an die zarte Hüfte seiner Mutter und zog sie kraftvoll an sich heran, während er selbst sein Becken nach vorne stieß.
Er schnaufte dabei befriedigend und schloss seine Augen, während seine Mutter vor Schmerz aufwimmerte und ängstlich flehte:
„Stopp, Stopp...nicht...es tut weh...du tust mir weh...das, das ist das...falsche Loch...das Falsche...Ah..!"
Doch sein Vater hörte nicht auf und das Bett begann im Rhythmus leise zu knacken, während das schmerzhafte Gewimmer seiner Mutter nicht aufhörte.
Sun Yan war schockiert und ein traumatisierendes Gefühl schoss durch seinen Körper. Er bekam Angst und er war innerlich verwirrt und aufgelöst und als er es nicht mehr aushielt, lief er plötzlich panisch und so schnell er konnte, wieder zurück in sein Zimmer.
Das Bett hörte plötzlich kurz auf zu knacken und sein Vater warf einen scharfen Blick herüber zur Zimmertür, welche noch immer ihren Spalt aufstand.
Dieses war eines der vielen Ereignisse, welches Sun Yan immer mehr zusetzte und er erwischte sich selbst immer öfter, wie er zunehmend begann, jede noch so kleine seltsame Bewegung, jedes noch so unbedeutende Wort und jeden noch so fraglichen Blick seines Vaters nun mit anderen Augen zu sehen. Er selbst war noch ein Kind und hatte von vielen Dingen keine Ahnung und ihm fehlte noch die Reife um manches zu begreifen, doch er verstand langsam, dass etwas seltsames im Gange war und dieses, nichts Gutes verheißen sollte.
Selbst die Zeit, die sein Vater mit seinem engsten Freund aus Kindheitstagen verbrachte, erschien nun in Sun Yan's Augen in einem anderen Licht. Sein Vater und sein engster Freund waren zwei Männer die gemeinsam im Clan aufgewachsen sind, sie sind gemeinsam durch's Leben gegangen und haben mit angesehen wie sie gereift sind, geheiratet haben, eine Familie gegründet haben und wie sie zu stattlichen Männern herangewachsen sind.
Sie sind früher oft gemeinsam los gezogen auf Missionen, kämpften Seite an Seite oder gingen gemeinsam Abends aus. Doch jetzt, nach der Verletzung seines Vaters war es weniger geworden, aber sein Freund besuchte sie nach wie vor oft und holte Sun Yan s Vater noch immer ab um gemeinsam Zeit mit ihm zu verbringen.
Sun Yan kannte diese Bilder in und auswendig und hatte er hatte sie schon unzählige Male gesehen, doch plötzlich, zum ersten Mal, erkannte er in ihrer Kommunikation etwas, dass er vorher noch nicht bemerkt hatte.
Sein Vater war irgendwie in der Mimik und Gestik zu diesem Mann ganz anders, als zu anderen.
Wann immer er mit ihm sprach waren seine Gesichtszüge irgendwie viel weicher, seine Stimme viel sanfter und in seinen Augen war ein Funkeln zu sehen, dessen Bedeutung Sun Yan noch nicht kannte. Auch ihr Körperkontakt wirkte anders und Sun Yan fiel auf, dass sein Vater diesen Mann viel mehr berührte, als andere Menschen. Und selbst diese Berührungen wirkten fremd, denn sie waren warm und liebevoll.
Sun Yan verstand nicht so recht, was das war, was er da eigentlich genau beobachtete, aber er wusste, dass der Freund seines Vaters ein glücklicher Mann war, der seine Frau und Kinder über alles liebte. Und umso mehr Sun Yan hinsah, umso mehr stellte er fest, dass diese seltsame Art der Zuneigung einseitig zu seien schien und scheinbar nur von seinem Vater ausging. Sie war heimlich und ungesehen und von keinem anderen bemerkt, nicht mal von dem Freund selbst.
Nur Sun Yan, mit seinem geschärftem Blick, welcher nun langsam begann, vieles mit anderen Augen zu sehen, nahm Dinge wahr, welche die anderen nicht sahen.
Tage später, es war schon spät und Sun Yan und seine Schwester schliefen friedlich in ihren Betten, als plötzlich leise die Zimmertür aufging.
Sun Yan's grüne Augen schnellten in der Dunkelheit auf und er hörte große und schwere Schritte, welche sich seinem Bett näherten, aber definitiv nicht seiner Mutter gehörten.
Er lag auf der Seite, mit dem Rücken zur Tür und konnte nicht sehen, wer den Raum mitten in der Nacht betrat, als die Schritte plötzlich an seinem Bett verstummten.
Die tiefe Stimme seines Vaters brummte tief und Sun Yan vernahm den süßlichen Geruch von Alkohol in seiner Nase.
„Sun Yan mein Sohn, schläfst du schon?" Flüsterte es leise.
Sun Yan hielt seinen Atem an und kniff seine Augen fest zusammen, als er sich schlafend stellte und nicht reagierte, in der Hoffnung, sein Vater würde wieder gehen.
Doch stattdessen lehnte dieser sich zu ihm herunter und berührte zärtlich seine Schulter, als erneut seine Stimme tief in sein Ohr brummte:
„Sun Yan, es ist so kalt heute Nacht draußen...Du frierst doch sicher, habe ich nicht recht? Aber ich weiß etwas, was dagegen hilft. Soll dein Vater heute Nacht bei dir schlafen? Was meinst du?"
Sun Yan's Augen schnellten wieder auf und er spähte in die Dunkelheit, als er seinen eigenen nervösen Herzschlag bis zur Kehle spürte. Er hörte plötzlich das Rascheln der Bettdecke und ein kalter Windzug berührte seinen Rücken, ehe sich etwas Warmes an ihn dran schmiegte. Sun Yan's ganzer Körper erstarrte in Schock, als sein Vater mit unter die Bettdecke kroch und ihn dann fest an seine Brust heran zog.
„So ist es richtig Sun Yan. Spürst du es, so ist es schön warm. Wir können ab jetzt öfter so gemeinsam schlafen, weißt du?
Ich meine, ich weiß, dass ich in der Vergangenheit viel bei dir versäumt habe. Aber ich kann das ändern, wir können das ändern. Ich werde dir ab jetzt ein besserer Vater sein ok?"
Eine eisige Kälte durchströmte Sun Yan's Körper und er wagte es nicht auch nur ein Wort zu sprechen. Die ganze Nacht, starrte er mit offenen Augen an die gegenüberliegende Zimmerwand und das Einzige was er hörte war das leise Atmen seiner schlafenden Schwester und das tiefe Schnaufen seines Vaters, direkt in seinen Nacken.
In den darauffolgenden Tagen passierte es immer öfter, dass Sun Yan's Vater Nachts zu ihm mit ins Bett stieg und jede Nacht aufs Neue, lag Sun Yan mit offenen Augen da und war mit der plötzlichen Körpernähe zu seinem Vater heillos überfordert. Der süße Geruch von Alkohol stieß ihm dabei stet's in die Nase und sein Vater atmete diesen mit jedem Atemzug aus und stieß ihn gegen seinen Nacken.
Tagsüber spielte derweil sein Vater nun plötzlich eine engere Vater-, und Sohn-Bindung vor und Sun Yan's Mutter wirkte glücklich mit dieser Veränderung und unterstützte noch dir neue gemeinsame Zeit, stet's in dem Glauben, ihr Mann hätte sich mit seinem Schicksal endlich abgefunden und würde nun mehr für die Familie da sein.
Doch Sun Yan war über diese neue Entwicklung sehr unglücklich und fühlte sich nicht wohl dabei, doch er sagte weiterhin nichts, weil er die Freude seiner Mutter nicht schmälern wollte.
Ein paar Wochen später, kam Sun Yan Abends spät vom Unterricht nach Hause und er fiel nach dem Abendessen direkt erschöpft in sein Bett. Seine Schwester schwebte schon lange im Reich der Träume und seine Mutter hatte noch auf ihn gewartet und ihm etwas Essen zur Seite gestellt.
Sein Vater war an diesem Abend mit ein paar Freunden aus und es war schon spät in der Nacht, als dieser angetrunken wieder zurück nach Hause kam.
Er zog seine Stiefel und seine äußere Robe aus und ging dann leise herüber über den Flur zum Kinderzimmer.
Sun Yan war bereits wach geworden und er hielt den Atem an, als er die schweren Schritte hörte und angespannt lauschte. Das leise knacken der Zimmertür war zu hören und wie in schon so vielen Nächten zuvor, legte sein Vater sich mit zu ihm ins Bett.
Wie jedes Mal spürte Sun Yan erst einen kalten Windzug an seinem Rücken, bis sich dann eine warme Männerbrust an seinen Rücken schmiegte. Doch dieses Mal, war da noch etwas Anderes und Sun Yan Spürte etwas hartes, das sich von hinten gegen seinen Hintern drückte.
Er lag ganz still und rührte sich nicht, als er plötzlich die tiefe Stimme seines Vater's in seinem Ohr vernahm:
„Sun Yan, Sun Yan mein Sohn schläfst du schon?"
Sun Yan schüttelte zögerlich seinen Kopf hin und her, als er auch schon das Aroma von strengem Alkohol vernahm.
Sein Vater streichelte unter der Decke über seinen schmalen Oberarm, als er leise zu ihm flüsterte:
„Das ist gut so. Denn weißt du, du musst mir bei etwas helfen. Meinst du, du kannst das für mich tun, für deinen Vater?"
Sun Yan stutzte etwas irritiert und er wusste nicht ob er ängstlich sein sollte oder neugierig, als er zögerlich fragte:
„Was soll ich tun?"
Sein Vater schnaufte in seinen Nacken, als er begann mit seiner linken Hand an Sun Yan's Arm hinunter zu streichen.
Seine Stimme klang beim Sprechen nervös und etwas zittrig:
„Du musst mir bei etwas helfen, was ich selbst nicht mehr tun kann. Es ist auch nichts schlimmes, verstehst du? Nur dein Vater kann seine rechte Hand nicht mehr bewegen. Daher brauche ich deine. Es ist nicht schwierig und es tut auch nicht weh, du musst einfach nur das machen was ich dir sage."
Sun Yan's Augen weiteten sich, als sein Vater plötzlich seine Hand unter der Bettdecke ergriff und diese langsam nach hinten auf seinen Rücken führte.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin dein Vater. Du wirst doch tun, was ich dir sage oder?
Du brauchst auch niemandem davon erzählen, wir könnten einfach sagen, es ist unser Geheimnis, nur zwischen dir und mir. Nur zwischen Vater und Sohn."
Sun Yan's Augen standen weit auf und das fahle Licht des Mondes, welches schwach durch das Fenster herein schien, spiegelte sich in ihnen wieder, als er zwischen seinen kleinen Fingern plötzlich etwas hartes spürte, aber zeitgleich auch die Körperwärme von Haut vernahm.
Sein Vater schloss seine Augen und vergrub sein Gesicht tief in Sun Yan's Nacken, als er erregt in das Ohr seines Sohnes schnaufte:
„Sun Yan, mein geliebter Sun Yan. Es ist alles deine Schuld. Deine grünen Augen verführen einen und von Tag zu Tag wirst du immer hübscher.
Bitte...Sun Yan...wachse schnell und lass deinen Körper reifen."
...
Die Tage zogen ins Land und Sun Yan fühlte sich wie in einem Albtraum gefangen. Er war unfähig ihn zu ertragen, aber auch unfähig ihn zu beenden, denn seine Mutter und seine Schwester waren sehr glücklich und sein Vater zeigte sich tagsüber als auskurierten und erholten Mann, welcher neuen Sinn in der Liebe zu seiner Familie gefunden hatte, während er sich Nachts dem Suff hingab und sich seinem Sohn aufdrängte.
Sun Yan war sich sicher, dass Geheimnis seines Vaters erkannt zu haben, doch er wagte es nicht etwas zu sagen. Zu viel hing daran und er wäre damit im Begriff eine heile Welt zu zerstören.
Sein Vater widersprach damit jedem Anstand, Moral und Ethik. Ein Mann wie er es einst war, voller Ruhm, Ehre und Stolz, welcher an Riten und Bräuchen klammerte, als hinge sein Leben daran und dem sein Ansehen wichtiger war als alles andere, genau dieser Mann war ausgerechnet schwul.
Doch Sun Yan war noch zu jung und die komplexen, gesellschaftlichen Anforderungen erschienen ihm noch schleierhaft, sodass er die Thematik in ihrer Gesamtheit noch nicht komplett erfassen konnte.
Er wusste nur, dass er das Lachen seiner Mutter und seiner Schwester um jeden Preis beschützen wollte und würde dies auch bedeuten, dass er das Geheimnis seines Vater's mit in's Grabe tragen müsse und selbst den Preis dafür bezahle.
Es war in diesem Jahr, als der Yiling Patriarch nun offiziell als neuer Feind der Cultivation erklärt wurde und die Clan´s sich zusammenschlossen um ihn zu stürzen. In den Burial Mounds kam es zu dem finalen Kampf in dem Jiang Cheng als Sect Leader des Yunmeng Jiang Clan's als Sieger geehrt wurde und angeblich eigenhändig seinen eigenen Adoptivbruder aus der Welt der Lebenden verbannt hatte.
Die Welt der Cultivation stand Kopf und durch dieses Ereignis kamen viele Steine in´s Rollen. Auch der Clan von Sun Yan war von diesen vielen Ereignissen in den letzten Jahren nicht unberührt geblieben und so kam es immer wieder zu Unruhen und Veränderungen innerhalb der eigenen Reihen.
Es war schon spät, eines Abends und die Sonne war schon unter gegangen, als Sun Yan von seinem Unterricht nach Hause kam. Er war für zwei Wochen aus dem Elternhaus fortgeblieben und hatte mit einer Hand voll anderer Schüler an einem intensiven Training teilgenommen.
Sein Körper und Geist waren müde und erschöpft und er freute sich auf sein eigenes Bett und darauf, die Gesichter seiner Mutter und Schwester wiederzusehen.
Sun Yan öffnete die große Eingangstür und trat in das Haus hinein. Mit schnellen Schritten lief er den Flur entlang und rief entkräftet, aber mit euphorischer Stimme:
„Ich bin wieder da!"
Er huschte den langen Flur entlang und bog mit großen, funkelnden Augen um eine Ecke, jede Sekunde das lächelnde Gesicht seiner Mutter erwartend, welche, wie so oft noch Abends niedersaß und in Büchern und Schriftrollen las.
Doch es war niemand da und das Haus wirkte kalt und leer.
Sun Yan sah sich irritiert um und er ging Richtung Küche, als er plötzlich das Knacken der Eingangstür hörte.
„Mutter?" Rief er aus, als er schnell zurück zum Flur lief.
„Mutter?" Rief er erneut, die Freude und Euphorie in seiner Stimme deutlich steigernd.
Doch als er zur Tür gestolpert kam, blieb er auf einmal ruckartig stehen, als er anstatt des sehnlichst erwarteten Gesichtes seiner Mutter, in das Gesicht seines Vater's blickte.
Sun Yan wich augenblicklich einen Schritt zurück und seine Miene verdunkelte sich, als sein Vater groß und dominant in der Tür stand und ihn von oben herab anstarrte. In seiner linken Hand hielt er einen Alkoholkrug und ein kühler frischer Wind wehte zur Tür herein.
Sun Yan erstarrte sofort in seiner Bewegung und er vermied unauffällig den Blickkontakt, als er zügig seine Arme nach vorne ausstreckte und seinen Vater respektvoll begrüßte.
„Verzeih..." Sagte er leise.
„Ich dachte es wäre..."
Doch sein Vater schloss die Tür laut hinter sich und fiel Sun Yan in´s Wort. Seine Stimme hatte einen leichten Unterton und er wirkte sichtlich unzufrieden.
„Ich weiß was du dachtest wer ich sei. Aber ich bin nicht deine geliebte Mutter, verzeih mir also, für diese Enttäuschung."
Sun Yan blickte zu Boden und schüttelte leicht verneinend seinen Kopf hin und her.
„So ist es nicht...ich dachte nur..." Doch dann verstummte er lieber wieder.
Er sah im Augenwinkel wie sein Vater den Alkoholkrug auf einer nahegelegenen Kommode abstellte und seine äußere Robe auszog.
Dann drehte sich dieser wieder zu ihm und blickte ihn prüfend an. Er musterte Sun Yan, von oben bis unten und sein intensiver Blick bohrte sich förmlich durch das Fleisch des Jungen.
„Du bist also wieder zurück von deinem Unterricht, wie schön...* Sagte er mit einem gestellten Lächeln auf den Lippen.
„Aber es ist schon spät. Müsstest du nicht schon längst im Bett sein?"
Sun Yan kam leicht in´s Stottern:
„Ich...ich bin gerade erst nach Hause gekommen. Wo...wo ist Mutter und meine Schwester?"
Seine Wimpern flatterten auf und er blinzelte mehrfach, während er seinen Blick weiterhin unsicher zu Boden richtete.
Sun Yan's Vater schnaufte plötzlich durch seine Nase, als er einen weiteren Schritt auf den Jungen zu machte.
Doch dieser wich ihm erneut mehrfach nach hinten aus, bis er plötzlich mit seinem Rücken gegen eine Wand stieß.
„Deine Mutter?" Fragte sein Vater mit leicht hohem Ton. Er streckte plötzlich seine Hand nach Sun Yan aus und berührte dessen Kopf. Zärtlich strich er über das samtige Haar, während Sun Yan seine Augen ertragend zusammenkniff und am ganzen Körper, durch diese unangenehme Berührung zusammenzuckte.
„Deine Mutter und deine Schwester sind bei deinen Großeltern."
Sagte sein Vater langsam, während er weiterhin Sun Yan´s Kopf tätschelte. Seine Hand war kalt wie die Nacht.
„Und...sie werden die nächsten drei Nächte nicht nach Hause kommen..."
Sun Yan's Augen weiteten sich und entsetzt blickte er plötzlich nach oben, in das Gesicht seines Vaters, auf der Suche nach einem Anzeichen, ob dies eine Lüge war. Erschrocken und mit leicht zittriger Stimme fragte er:
„Bei meinen Großeltern? Wieso und warum kommen sie nicht heute wieder?"
Doch die Mundwinkel von Sun Yan's Vater bogen sich unscheinbar leicht nach oben.
„Du weißt, wir leben in turbulenten Zeiten. Man weiß nie ob und wann man das Gesicht eines geliebten Menschen wieder sieht. Daher habe ich deiner Mutter gesagt, dass sie ruhig ihre Eltern besuchen soll und ein paar Tage dort verbringen kann. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen brauch. Das ich dich nach dem Unterricht zu Hause erwarten werde, dass ich mich gut um dich kümmern werde und wir eine schöne Zeit miteinander haben werden."
Er blickte auf seinen verunsicherten Sohn hinab und strich dann mit seiner linken Hand über dessen zarte Wange, hinunter bis zu seinem Kinn und hob dann Sun Yan's Gesicht noch ein Stückchen weiter an, sodass die beiden direkten Blickkontakt hielten.
Sun Yan's grüne Augen standen in Furcht und Panik weit offen, sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als dass mittlerweile gierig lächelnde Gesicht seines Vaters, sich in seinen geweiteten Pupillen widerspiegelte.
Die Worte seines Vaters klangen unangenehm und gestellt, als dieser ein paar Mal mit seinem Daumen über Sun Yan's schmale Unterlippe strich und er sich dann zu ihm herunter kniete.
Er berührte mit seiner linken Hand Sun Yan's rechte Schulter, drückte ihn behutsam aber mit etwas Nachdruck nach hinten gegen die Wand und wanderte dann mit seinen Lippen zu dessen Ohr, als er leise in dieses hinein flüsterte:
„Wir haben nun alle Zeit der Welt Sun Yan.
Nur du und ich, Vater und Sohn, ganz ungestört und das für ganze drei Tage.
Das wird wunderbar, meinst du nicht auch?"
Sun Yan's Herz setzte plötzlich für einen Schlag aus und seine Stimme verstummte gänzlich. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals und er war unfähig sich zu bewegen. Die Hand seines Vaters wanderte derweil an seinem Oberarm herunter, schlich sich dann unanständig weiter über seine Taille und streichelte dann über seinen kleinen Hintern und seine schmale Hüfte. Sein Vater vergrub seine Nase tief in dem dunklen Haar in Sun Yan's Nacken, als er mehrfach schnaufend, tief einatmete und den Körperduft des Jungen aufsaugte.
Seine Stimme bebte förmlich in Ekstase:
„Sun Yan...mein geliebter Sun Yan...
Du brauchst keine Angst zu haben...
Tu einfach nur das, was dein Vater dir sagt.
In Ordnung?
Denn dann..., muss ich dir auch nicht weh tun!"
...
Vier ganze Tage vergingen, bis Sun Yan´s Mutter und seine Schwester von dem Besuch der Großeltern endlich zurück kamen.
Es waren vier endlose Tage voller Qual und Leid und Sun Yan's kleine Seele und Körper zerbrachen unter der Scham und den Schuldgefühlen. Der wache, klare Blick in seinen Augen hatte sich verändert und seine Worte waren gänzlich verstummt. Verschreckt und verstört wie ein wildes Tier verbrachte er die vergangenen vier Tage eingesperrt in seinem Elternhaus und zählte in Gedanken nur die Stunden herunter.
Erst, als seine Mutter und seine Schwester ihn wieder in die Arme schlossen verspürte er ein Gefühl von Befreiung und Heilung und er wünschte sich nie wieder diese warmen und beschützenden Arme verlassen zu müssen.
Es war der nächste Morgen und Sun Yan lag noch in seinem Bett, als seine Mutter stutzig wurde und ihn wecken wollte.
Sie ging zu ihm ins Zimmer und als sie die Tür öffnete sah sie, wie Sun Yan noch immer Bett lag, eingewickelt in seiner Bettdecke, wie eine kleine Raupe.
Sie begrüßte ihn mit ihrer zarten, fröhlichen Stimme und sie ging zu ihm ans Bett, als er sich schleunigst aufrichtete und sich hinsetzte. Seine Haare standen quer in alle Himmelsrichtungen und er wirkte müde und in seinem sonst so schönen Gesicht waren zwei dunkle Augenringe.
Seine Mutter lächelte ihn an und versuchte ein wenig sein wildes Haar zu bändigen, als sie sagte:
„Du liegst ja noch im Bett. Wie ungewöhnlich. Dir fehlt doch nichts mein Kind? Du wirst doch nicht krank oder? Hat dein Vater denn nicht gut auf dich aufgepasst in der Zeit als wir weg waren?"
Sie legte ihre flache Hand auf die Stirn ihres Sohnes, doch Sun Yan blockte höflich ab, als er sagte:
„Mir fehlt nichts. Ich habe nur etwas schlecht geschlafen. Das ist alles."
Sun Yan's Mutter schaute ihn etwas besorgt an und als Sun Yan einen Moment etwas unaufmerksam war, rutschte seine Bettdecke ein Stück herunter und gab seinen Oberkörper frei.
Seine Robe für die Nacht war zerzaust und lies daher einen Blick auf seine nackte Brust zu.
Die Augen seiner Mutter weiteten sich in´s Unermessliche, als sie plötzlich sah wie der Hals und die Brust ihres Sohnes übersät von kleinen Blutergüssen waren. Manche noch rot und frisch, andere schon wieder dunkel lila und leicht bläulich.
Sun Yan fasste sofort in seine Robe und zog den Kragen wieder zu um sich vor den besorgten Blicken seiner Mutter zu verstecken. Doch diese hielt seinen Arm fest und sagte erschrocken:
„Sun Yan, mein Sohn. Was ist geschehen? Was ist passiert, wer hat dir das angetan?"
Doch Sun Yan reagierte sofort, wendete seinen Blick leicht ab, zog die Robe mit seinen kleinen Händen noch fester zu, als er zum Ersten mal in seinem Leben, seiner Mutter direkt in´s Gesicht log:
„Das...das ist beim Trainieren passiert. Ich war unachtsam."
Sun Yan's Mutter zog ihre Augenbrauen hoch.
„Im Unterricht?" Fragte sie entgeistert.
Doch Sun Yan nickte mehrfach bestätigend.
„Ja, da auch. Wir haben es halt etwas übertrieben."
„Etwas übertrieben?" Sagte Sun Yan's Mutter fassungslos.
„Lass mich nochmal sehen, bitte. Wie kann das beim Training passiert sein?" Sie streckte erneut ihre Hände nach Sun Yan aus, doch dieser hüpfte schnell aus dem Bett, richtete seine Nachtrobe und sagte:
„Mutter, ich bin kein kleines Kind mehr! Es ist nicht Schlimmes! Wirklich nicht!
Ich war nur etwas unvorsichtig. Aber glaube mir, mit jeder Verletzung werde ich ein besserer Cultivator und mit jedem Schmerz, ein besserer Mann. Du wirst schon sehen, diese Schultern können mehr tragen als du denkst und wenn ich mal groß bin, werde ich dich und meine Schwester beschützen. Niemand soll euch jemals Leid zufügen. Dafür werde ich sorgen! Vertrau mir!"
Sun Yan's Mutter war verwundert und machte große Augen. Sie war von den großen und tapferen Worten ihres jungen Sohnes überrascht und lies ihn daher mit dieser gut vertuschten Lüge passieren. Sie glaubte daran, dass Sun Yan in den vergangenen Tagen erneut in seinem Vater ein großes Vorbild entdeckt hatte und ihre gemeinsame Zeit ihn nun stark beeinflusste und er ihn jetzt nun nachahmte.
Sie ahnte daher nicht, welche traurige Bedeutung tatsächlich hinter diesen Worten steckte und wog sich in der Annahme, dass ihr Sohn in einer neuen Entwicklungsphase steckte.
Es vergingen ein paar weitere Wochen und Sun Yan brach langsam aber allmählich unter der Last, welche er alleine Schultern wollte, immer mehr zusammen. Sein Vater verging sich immer öfter an ihm und die vielen Lügen und Ausreden wurden langsam undurchsichtig und er verstrickte sich immer mehr in seinen erfundenen Geschichten. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das Geheimnis auffliegen würde und Sun Yan bekam es mit der Angst zu tun, dass er daran Schuld sein könnte, dass das ganze heile Familienbild zusammenbrechen würde.
Er hatte mittlerweile herausgefunden, dass für seine Mutter und seine Schwester keine Gefahr von seinem Vater ausging. Zu ihnen war er noch immer ein guter Ehemann und Vater und obwohl er oft trank, hielt er seinen Pegel stet´s auf einem Level bei dem er noch klar bei Sinnen war und er neigte im Suff nicht dazu, wie viele andere aggressiv oder gewalttätig zu werden, sondern er wurde eher schwach und ging seiner geheim gehaltenen Sexualität und Gelüsten nach.
Sun Yan war in diesem fragilen Konstrukt nur der Auslöser, welcher seinen Vater immer wieder triggerte und er wurde somit zu einem greifbaren Opfer.
Doch innerlich spürte er, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Sein Vater wurde immer aufdringlicher, es wurde immer offensichtlicher und seine eigene Seele verlor immer mehr an Halt, er wusste, dass bald die Zeit reif war und alles zusammenstürzen würde.
Aus Angst vor Ablehnung und das seine Mutter und seine Schwester ihm die Schuld geben könnten, drängte sich in ihm immer mehr der Gedanke auf, die Familie zu verlassen. Er wusste, solange er im Hause bleiben würde, solange könne sein Vater nicht seinem Verlangen Einhalt gebieten und es würde irgendwann zur Zerstörung der Familie führen.
Sun Yan fürchtete sich davor, denn er wusste, dass seine Mutter und seine Schwester seinen Vater liebten und nur er in der Lage war sie zu beschützen. Sie brauchten ihn und er brauchte sie und es war eigentlich Sun Yan, der diese Familie durch seine blanke Anwesenheit zerstörte.
Er gab sich zunehmend selbst die Schuld, an allem und er fing an sein Gesicht und seine grünen Augen zu hassen.
Eines Morgens, seine Familie saß schon am Tisch am Frühstücken, trat Sun Yan plötzlich mit ernster Miene vor sie. Er trug seine Haare anders als sonst, nicht mehr so kindlich und jugendlich wie sonst, sondern nun strenger nach hinten gebunden. Und auch seine Gesichtszüge und der Ausdruck in seinen Augen verrieten, das etwas anders war.
Er ging plötzlich auf die Knie und verneigte sich so tief vor seiner Familie, bis seine Stirn den dunklen Holzfußboden berührte.
Er fragte seine Familie um Erlaubnis den Clan verlassen zu dürfen. Er wolle nach Yunmeng gehen, zu dem Jiang Clan nach Lotus Pier.
Denn der Sect Leader, Jiang Cheng, hatte bereits mit jungen Jahren, nach seinem Triumph über Wei Wuxian, noch mehr Ansehen erlangt, der Clan war zu neuer Größe und Stärke herangewachsen und er wolle diese Chance nutzen, um noch mehr zu lernen und ein berühmter und talentierter Cultivator zu werden.
Diese Nachricht erschütterte die Familie zunächst schwer, aber Sun Yan war fest entschlossen und er lies sich nicht mehr davon abbringen.
In den darauffolgenden Tagen wurde seine Abreise bereits geplant und sie erhielten tatsächlich die Erlaubnis, dass Sun Yan als Schüler nach Yunmeng kommen durfte.
Unter einem tränenreichen Abschied von seiner Mutter und seiner Schwester verließ Sun Yan schließlich in jungen Jahren sein Elternhaus und zog alleine hinaus in die große, weite Welt, ohne zu wissen, was ihn eigentlich erwarten würde. Er versprach seiner Mutter und seiner Schwester hoch und heilig ein ruhmreicher Cultivator zu werden und das er immer sofort zurückkommen würde, wann immer sie ihn brauchten.
Sun Yan's Vater jedoch hatte sich in diesen Tagen zunächst etwas zurückgezogen. Er wollte seinen Sohn nicht ziehen lassen, aber es fehlten ihm bald die glaubwürdigen Argumente, die diesen Beschluss sinnvoll untermauern würden.
Zähneknirschend und mit mürrischer Miene gab er schließlich irgendwann auf und willigte schlussendlich mit ein. Tief in seinem Innern wusste er aber, dass Sun Yan nicht gegangen war, weil er in Jiang Cheng einen großen Cultivator, oder ein würdiges Vorbild gesehen hatte, sondern das dies alles nur ein gefundenes Fressen war und einzig und allein Mittel zum Zweck war. Er wusste, dass sein Sohn sich für die Flucht entschieden hatte und er musste selber zugeben, dass es ein schlauer Schachzug gewesen war, sich so aus seinen Fängen zu befreien.
Es kam, wie es kommen musste und Sun Yan verließ seine Familie und seinen Clan um sein Glück in Yunmeng zu finden.
Er war ihnen ein guter Schüler. Talentiert, gehorsam und loyal und bald schaffte er es, sich das Vertrauen von Jiang Cheng's zu verdienen und er wurde mit den Jahren zu seinem treusten Begleiter und zu seiner rechten Hand. In all den Jahren, in denen er in Yunmeng war, entwickelte er eine tiefe Liebe und Verbundenheit zu diesem Land und diesem Clan und er war zum ersten Mal seit langem, mal wieder richtig glücklich und fühlte sich frei.
Seine Familie hatte er seitdem nie wieder besucht aber er schrieb die ersten Jahre nahezu täglich Briefe an seine Mutter und Schwester. Und ab und an, wenn es der Zufall so wollte und er gerade in der Nähe war, traf er sich irgendwo mit den zwei wichtigsten Frauen in seinem Leben. Allerdings hatte er stet's eine Ausrede parat, warum es ihm nicht möglich war nach Hause zu kommen.
Sun Yan erfuhr durch seine Mutter und Schwester, dass sein Vater weiterhin in all den Jahren ein guter Mann und Vater gewesen ist und treu an ihrer Seite war. Die Familie schien wieder glücklich und harmonisch und das Geheimnis seines Vaters schien noch immer gut verwahrt.
Dennoch hatte Sun Yan nach dem Abschied nie wieder sein Elternhaus betreten und somit auch nie wieder seinen Vater zu Gesicht bekommen. Er fürchtete sich vor dieser Gegenüberstellung und er hatte Angst die Vergangenheit wieder aufzuwühlen.
Er war glücklich, so wie es jetzt war und sein größter Wunsch ist in Erfüllung gegangen, nämlich, dass er das unbeschwerte Lachen seiner Mutter und Schwester bewahren konnte.
Und jetzt, 13 Jahre später, wo aus dem kleinen Jungen ein stattlicher und attraktiver junger Mann geworden war, begriff Sun Yan erst wirklich, in welcher Schmach sein Vater stet's gelebt hatte. Er verstand erst jetzt den stetigen Druck, dem sein Vater dauerhaft ausgesetzt war und die Fassade, welche er krampfhaft nach Außen hin aufrecht erhalten musste. Er verstand, dass sein Vater tatsächlich seine Mutter immer geliebt hatte, aber eben nur als Mensch und nicht als Frau.
Er hatte lernen müssen, dass sein Vater ihnen trotz allem immer ein gutes Familienoberhaupt war und seinen Pflichten und Aufgaben als Mann in der Gesellschaft gerecht wurde und er wusste, nun wo er selbst ein Cultivator und Kämpfer war, wie schlimm der Verlust des gesunden rechten Armes für seinen Vater tatsächlich gewesen sein musste.
Er begann mit den Jahren den Hass auf seinen Vater zu verlieren und das Gefühl veränderte sich irgendwann und es entstand so etwas wie Mitleid. Er verzieh ihm seine strenge Erziehung und sein mürrisches Wesen, welches stet's nur ihm entgegen gerichtet wurde und er begann zu erkennen, dass sein Vater sein ganzes Leben hinter einer Lüge versteckt hatte.
Was er aber seinem Vater, selbst nach all den Jahren nicht verzeihen konnte, war die Tatsache, dass er sich an seinem eigenen Sohn, sein eigen Fleisch und Blut vergangen hatte und das immer und immer wieder. Dieses traumatische Erlebnis hatte Sun Yan schon in seiner Kindheit gezeichnet und sich für den Rest seines Lebens tief in sein Fleisch eingebrannt.
Er hatte versucht es stet's zu vergessen und vergrub es tief in seiner Seele,
aber jeder weiß,
dass man die Leichen in seinem Keller nicht unauffindbar vergraben kann.
Somit blieb ihm immer nur nach vorne zu sehen und zu hoffen, dass niemals jemand zu tief in seinem Keller graben würde...
Sun Yan's Augen schnellten weit auf. Er holte mehrfach ruckartig Luft, als die Erinnerungen der Vergangenheit seinen Körper unaufhaltsam fluteten. Es war wie ein Film, der sich vor seinem inneren Auge abspielte und es schnürte ihm die Kehle zu. Ihm wurde abwechselnd heiß und kalt und ihm wurde leicht schwarz vor Augen.
Seine Emotionen gerieten außer Kontrolle und sein Herz schlug wie wild in seiner Brust.
Er rang nach Luft und seine Hände und Knie begannen zu zittern, als er fast das Bewusstsein auf dem Tisch verlor.
Über seine Lippen wimmerte er nur noch ein leises:
„Nein, bitte nicht...nicht schon wieder..." bevor sein Körper vor Furcht und Panik nicht mehr fähig war sich zu bewegen.
Denn Zuko, hatte zu tief gegraben.
