Chapter 21.2

Sun Yan war wie erstarrt. In seinen weit aufgerissenen, grünen Augen spiegelte sich das Antlitz seines Vaters wieder und er spürte eine eises Kälte, welche durch seinen Körper strömte. Seine Blutgefäße zogen sich schlagartig zusammen, sein Herzschlag erhöhte sich im Sekundentakt und er spürte eine ungeheure Übelkeit, welche langsam seine Kehle zuschnürte.
Seine Hände begannen leicht zu zittern und seine Atmung geriet ins Stolpern, als er unter all den intensiven Blicken langsam zu schwitzen begann.

Sein Vater blickt ihn fixierend, aber meisterlich geschauspielert mit einem liebevollen und fürsorglichen Blick an, als er ruhig sagte:
„Sun Yan, mein Sohn. So viele Jahre haben wir uns nicht gesehen. Ich freue mich so, dass wir wieder vereint sind. Komm her und lass dich ansehen. Aus dir ist ein stattlicher junger Mann geworden. Sieh dich nur an."

Doch Sun Yan rührte sich nicht. Er war in eine Art Schockstarre gefallen und war unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen.
-Warum nur, nach so vielen Jahren, hatte sein Vater ihn nun aufgesucht? Warum ausgerechnet jetzt? Jetzt wo nach so viel Jahren er endlich anfangen konnte die Vergangenheit los zu lassen und Frieden zu finden.-

Eine alte und tiefe Wunde riss in Sun Yan's Herzen wieder auf und ein Gefühl von Panik, Furcht und Angst suchte ihn heim.

Die Sekunden des Schweigens kamen einem vor wie Minuten und Jiang Cheng blickte skeptisch drein und musterte Sun Yan's steife Körperstarre. Er war noch unfähig zu erkennen warum der Junge sich nicht mehr rührte und er blickte ihn fragend an, als er ruhig abwartete, was geschehen würde.

Feng Ling, der etwas Abseits neben Jiang Cheng stand zog seine Augenbrauen kraus und seine blauen Augen formten sich zu zeri kleinen Schlitzen, als er spürte, dass etwas nicht in Ordnung sei.

Doch Sun Yan's Vater räusperte sich, die peinliche Stille unterbrechend, als er mit einem Lächeln auf den Lippen sagte:
„Keine falsche Scheu mein Sohn. Dein Sect Leader Jiang Cheng war großzügig genug mich in Empfang zu nehmen. Ich bin ihm ja für vieles so Dankbar. Ich denke es hat keiner etwas dagegen wenn du für einen Moment deine Manieren vergisst und deinen Vater liebevoll in die Arme schließt. Du musst mich genauso vermisst haben wie ich dich. Komm in meine Arme!"

Doch als Sun Yan's Vater tatsächlich seine Arme einladend nach ihm ausstreckte und sogar einen Schritt auf ihn zumachte, nahm die Angst und das Trauma der Vergangenheit seinen Lauf und Sun Yan machte ängstlich einen Schritt nach hinten und wich aus. Sein Mund stand einen Spalt offen und er schnappte nach Luft, während seine Stirn von dem kalten Schweiß leicht zu glänzen begann.

Jiang Cheng runzelte die Stirn. Nun war auch ihm bewusst, dass etwas nicht stimmte. Seine Stimme erklang tief aber fürsorglich:
„Was ist Sun Yan? Freust du dich etwa nicht? Dein Vater ist hier. Ich weiß, ihr habt euch seit ich dich als Schüler in meine Reihen aufgenommen habe nicht mehr gesehen. Einige Jahre sind in der Zwischenzeit vergangen. Aber halte dich bitte nicht zurück. Dies ist meine Überraschung an dich."

Doch Sun Yan begann plötzlich seinen Kopf verneinend und langsam hin und her zu schütteln.
„Nein..." Hauchte er plötzlich atemlos über seine Lippen.
Seine Augen warne noch immer weit aufgerissen und er sah fast so aus, als hätte er einen Geist gesehen.
Urplötzlich überkam ihn ein alles vernichtendes Gefühl von Scham und er suchte fast schon verzweifelt, hilfesuchend aber auch voller Wut den Blickkontakt zu Jiang Cheng, als er vollkommen unerwartet sagte:
„Wie konntest du nur...!"

Dann drehte er sich plötzlich um und zum Erstaunen aller stürmte er wie ein geheztes Tier aus dem Pavillon hinaus.
Mit beiden Händen stieß er die große Eingangstür so weit auf bis die zwei Türflügel fast gegen die Außenwände schlugen. Ein kräftiger Windzug blies in den Pavillon und brachte die Banner unter der Zimmerdecke zum Aufwirbeln. Ein dumpfes Getuschel und Raunen ging schließlich durch die Reihen und alle blickten erschrocken auf den flüchtenen Jungen, fassungslos welches Szene sich vor ihnen abspielte.

Sun Yan stieß bei seiner panischen Flucht draußen vor der Tür sogar noch mit einer Wache zusammen und strauchelte dann die Veranda gehezt entlang. Er hatte nicht einmal Zeit sich zu entschuldigen.

Feng Ling und auch Jiang Cheng schreckten sofort auf und machten aus Reflex einen Schritt nach vorne, bereit dem Jungen zu folgen, als Jiang Cheng seinen Arm plötzlich ausstreckte und Feng Ling Einhalt gebot.
Feng Ling bremste sofort in seiner Hast ab, als Jiang Cheng sich zu Sun Yan's Vater drehte, seine Arme nach vorne ausstreckte und sich leicht verneigte.
„Verzeiht. Ich muss mich für das unangebrachte Verhalten meines Clanmitgliedes entschuldigen. Dies ist nicht das Benehmen was ich ihm gelehrt habe. Bitte macht euch keine Sorgen und Umstände, ich werde nach ihm sehen und mich darum kümmern. Gewiss ist er einfach nur mit der Situation überfordert gewesen, er ist noch jung, er hegt gewiss keine bösen Absichten. Feng Ling wird sich währenddessen um euch kümmern und euch zu unserem Gästehaus begleiten. Entschuldigt mich bitte kurz!"
Mit diesen Worten stapfte Jiang Cheng mit großen Schritten hinter Sun Yan her und nahm wie der Teufel die Verfolgung auf. Als er aus der Tür bog und die Wachen schon in die Richtung deuteten in die Sun Yan geflohen war, sah er auch sogleich dessen Gestalt die Veranda entlang flüchten.

Sofort zog Jiang Cheng seine Augenbrauen scharf zusammen und er machte ein paar ausfallende Schritte, während er seine rechte Hand eindrucksvoll durch die Luft schwang. Zidian rollte sich blitzschnell unter tosendem Gegräul von seinem Finger ab und die lilane Peitsche blitzte durch die Luft, als augenblicklich eine enorme Druckwelle an spiritueller Energie freigesetzt wurde.

Jiang Cheng war leicht besorgt aber zornig und entrüstet zugleich, als er zu sich selbst nuschelte:
„Kaum ist der nächste Tag und schon sind alle deine Versprechen wieder vergessen, welche du mir in der Nacht zuvor noch so heiß und innig zugesagt hattest...!"

Die Wachen ringsherum erschraken und machten einen Schritt nach hinten, besorgt Jiang Cheng würde tatsächlich einen vernichtenden Vergeltungsschlag nun gegen Sun Yan ausführen. Sie alle kannten die Macht Zidians und sie alle hatten großen Respekt vor dieser Waffe. Sie wussten welchen Schaden Zidian in der richtigen Hand anrichten konnte und wie die Wucht des Schlags einem die Haut von den Knochen schälte.
Doch genau in diesem Moment schwang Jiang Cheng auch schon den Peitschenschlag von Zidian hoch in die Luft und er lies einen lilanen Blitz aus spiritueller Energie lossausen, welcher sofort hinter Sun Yan her kam.

Der Junge hatte keine Chance und noch ehe er bemerkte, was Jiang Cheng da hinter ihm hergeschickt hatte, spürte er auch schon wie die aufbrausende spirituelle Energie ihn einholte und wie eine Fessel sich um seinen linken Knöchel schlängelte und ihn sofort zu Fall brachte.

Einige Wachen, Schüler und Cultivator's des Yunmeng Jiang Clan's die nah bei standen sahen das Spektakel mit an und alle waren erschrocken über die plötzliche Unruhe, aber wagten es nicht sich einzumischen. Sie wussten, dass Jiang Cheng und Sun Yan öfter schon einmal ausfallende Meinungsverschiedenheiten hatten und niemand würde es wagen sich dazwischen zu stellen. Sie duckten sich daher alle nur, hielten sich zurück und hofften, sie seien nicht die Nächsten über die Jiang Cheng's Zorn hereinbrechen würde. Denn obwohl er ein Sect Leader mit Führungsqualitäten war und hohen Respekt in der Welt der Cultivation genoss, so waren seine Methoden doch des öfteren Umstritten.

„Ah!" Rief Sun Yan noch aus, als er sich mit den Händen schon abstützte und schließlich vornüber hinschlug. Es schepperte und polterte, als er samt seines Schwertes ungebremst auf die Veranda stürzte. Er spürte jedoch zu seinem Erstaunen nur einen leichten Schmerz an seinem Knöchel und er sah die Bindungstechnik Zidians, welche seinen Knöchel fest im Griff hatte. Die lilane, spirituelle Energie umkreiste seinen Fuß und hielt ihn fest am Boden. Er hatte fast mit Schlimmerem gerechnet, aber dennoch war er unfähig sich daraus zu befreien oder sich gar zu bewegen, als er sich umdrehte und sah wie Jiang Cheng auch schon wie der Teufel angesaust kam.

„Nein!" Rief Sun Yan noch aus, als er versuchte sich mit seinen Händen und Armen über die Veranda zu schleifen. Doch er konnte nichts tun, der Zauber war zu stark und so konnte er nur auf sein Schicksal warten, als Jiang Cheng schließlich ihn schon erreicht hatte und über ihn wie ein Urteil hereinbrach.

Sun Yan kauerte am Boden, in seinem Gesicht stand die Angst und Furcht. Jedoch war es keine Angst vor der Bestrafung seines Herren, sondern es war die Angst vor dem Mann, welchen er im Pavillon zurückgelassen hatte.

Jiang Cheng bückte sich und packte Sun Yan grob am Kragen und Handgelenk und zog ihn dann nach oben. Zidian´s Bindungstechnik löste sich wieder von seinem Fuß und die Schwingungen der spirituellen Energie lösten sich wieder auf. Zidian kehrte schließlich wieder als unscheinbarer Ring zurück an den Finger seines Herren.

„Nicht!" Wimmerte Sun Yan noch auf, doch in diesem Moment drückte Jiang Cheng ihn schon grob gegen die Außenwand eines Pavillons.
Sun Yan schloss seine Augen und er spürte den harten Aufprall an seinem Rücken, als Jiang Cheng ihm sehr nahe kam und ihn finster anblickte.

Die meisten Clanmitglieder die in der Nähe waren und das alles schockiert mit ansahen überkam bald die Furcht vor einer harten Bestrafung, sollten sie noch weiter Schaulustig aus der Ferne sich das Ganze mit ansehen. Daher gingen sie rasch alle weiter und taten so, als hätten sie nichts von alledem bemerkt.

Jiang Cheng's Blick war durchdringend und seine Worte scharf, als Sun Yan mit geschlossenen Augen seinen Kopf abweisend zur Seite drehte und die Tortur über sich ergehen lies.
„Kannst du mir verraten was das da gerade für ein Auftritt war? Du scheinst wahrlich ein Vergnügen daran zu finden mich vor anderen Leuten mein Gesicht verlieren zu lassen!"
Donnerte Jiang Cheng's Stimme laut und dominant los.

Sun Yan schluckte schwer, sein Körper begann leicht zu zittern.

Jiang Cheng stemmte Sun Yan noch einmal mit Nachdruck gegen die Wand, als er spürte, dass der Junge scheinbar wirklich ganz aufgelöst zu sein schien.
„Was ist los mit dir? Warum sprichst du nicht?" Fragte Jiang Cheng irritiert. Seine Stimme klang jedoch mehr wie ein direkter Befehl, als wie eine fürsorgliche Frage.

Doch Sun Yan lies seinen Kopf nur abgewendet, Kniff seine Augen fest zusammen und schwieg. Er sprach kein Wort und verteidigte sich nicht.

„Sieh mich an!" Sagte Jiang Cheng schließlich dominant und befehlend.

Sun Yan: „..."

Jiang Cheng wurde immer ungeduldiger, seine Stimme kurz vorm Beben.
„Sieh mich an, Sun Yan und sag mir jetzt, was los ist!"

Langsam und zögernd öffnete Sun Yan schließlich seine Augen und Jiang Cheng sah das Leiden der Welt in den tief grünen Augen des Jungen.
Seine Stimme war dünn und kraftlos als er sagte:
„Du verstehst nicht..."

Jiang Cheng starrte auf die zittrigen Lippen des Jungen, über die so unglaublich schwerfällig die drei Worte kamen. Sein Gesicht zog sich verzweifelt zusammen, als er angestrengt hauchte:
„Was verstehe ich nicht? Sag mir, wie soll ich dich verstehen, wenn du nie mit mir sprichst? Warum redest du nicht mit mir? Warum sagst du mir nicht was dich quält? Es ist dein Vater, den du dort so respektlos zurückgelassen hast. Ich dachte es sei eine Überraschung und du würdest dich freuen ihn wieder zu sehen. Es ist so viele Jahre her, dass du deine Familie verlassen hast!"

Sun Yan schluckte schwer. Er blickte nach unten, seine Stimme leise und dünn.
„Genau weil es mein Vater ist freue ich mich nicht. Wie konntest du es wagen ihn nach Yunmeng zu lassen. Ausgerechnet du, hast ihn wieder zu mir geführt!"

Jiang Cheng's Augen weiteten sich. Er war erschrocken über das was Sun Yan da sagte und Unverständnis sprach aus seiner Stimme:
„Wie kannst du nur so sprechen? Er ist dein Vater!
Außerdem habe ich ihn nicht hierher geführt. Er stand heute Morgen vor unseren Pforten und ersuchte Einlass. Er kam in Dankbarkeit zu mir, suchte mich auf mit hohem Respekt an meine Person. Für all die Jahre die ich mich um dich gekümmert habe wollte er seine Dankbarkeit zeigen, zeigte Reue für seine Unfreundlickeit nicht eher gekommen zu sein und er war untröstlich, dass du in all den Jahren dein eigen Fleisch und Blut nie aufgesucht hast. Er wollte dich wiedersehen und ich dachte, du würdest genauso für ihn empfinden wie er für dich. Ich dachte es wäre eine gute Gelegenheit deine Familie mal kennenzulernen jetzt...jetzt wo wir...!"

Doch Sun Yan prustete plötzlich belustigt und in Ironie auf, als er Jiang Cheng's Worte hörte, welche in seinen Ohren so naiv und unschuldig klangen. Er schnaufte rechthaberisch durch seine Nase und hatte einen widerlichen spöttischen Unterton in seiner Stimme:
„Du dachtest es wäre eine gute Gelegenheit meine Familie kennenzulernen und dich mit ihnen gut zu stellen? Haha, das ich nicht lache. Wenn du dich mit jemandem aus meiner Familie hättest gut stellen wollen dann hättest du meine Mutter oder meine Schwester einladen sollen. Aber wie konntest du nur auf sein heuchlerisches Gerede hereinfallen und ihn herein lassen. Ich will ihn nicht sehen. Schick ihn wieder weg, sofort! Es bringt alles wieder durcheinander."

Jiang Cheng wurde langsam zornig. Es war für ihn unbegreiflich wie jemand so über seine Eltern sprechen konnte. Es war schließlich sein Vater über die sie sprachen und Jiang Cheng zerriss es das Herz. Er selbst hatte seine Eltern früh verloren und sogar Jahre später verlor er noch seine geliebte Schwester. Er kannte den Verlusst der Familie und wie es war plötzlich ganze alleine dazustehen und niemandem mehr zu haben. Es war für ihn unbegreiflich wie jemand sein eigen Fleisch und Blut so verwehren konnte. Zorn, Wut, Verlusst und Trauer aus der Vergangenheit brodelten wieder ihn ihm hoch und er war empört über Sun Yan' Verhalten.
Er festigte seinen Griff erneut und drückte den Jungen vehement gegen die Wand, als er scharf zischte:
„Mir scheint du hast vergessen wer dir dein Leben geschenkt hat. Schämen solltest du dich deinen Vater nicht in Ehren zu heißen. Du solltest froh sein überhaupt eine Familie noch zu haben. Du weißt nichts, aber auch rein gar nichts über den Verlusst deines eigen Fleisch und Blutes. Und wie es ist plötzlich alleine dazustehen. Was hätte ich dafür gegeben meine Mutter, meinen Vater und meine Schwester retten zu können.
Aber du stehst hier großkotzig und willst ihn nicht einmal sehen und verweigerst dich. Ich erkenne dich nicht wieder Sun Yan. Wie kannst du nur so kaltherzig sein. Es ist dein Vater, du solltest ihn lieben!"

Sun Yan blickte Jiang Cheng scharf an. Er schüttelte seinen Kopf verneined hin und her, als er sagte:
„Ich soll ihn lieben? Nur weil er mein Vater ist? Einen Titel alleine kann man nicht lieben. Es ist der Mensch der dahinter steckt, der sich die Liebe eines Anderen erst verdienen muss. Unabhängig ob Vater, Mutter, Sohn oder Tochter. Sein Kind zu sein heißt nicht, dass ich ihn auch automatische liebe. Denn meine Liebe verdient er nicht. Also lass mich jetz sofort los und schaff ihn hier weg...oder..."

„Oder was?" Sagte Jiang Cheng bissig. Es brodelte nur so in ihm, denn diese provozierenden Worte aus Sun Yan's Mund zu hören trafen einen wunden Punkt.

„Oder.. „ Begann Sun Yan noch einmal. Wut ergriff langsam selbst in ihm die Überhand und er war mehr als verärgert über Jiang Cheng's Belehrungen.
War es schließlich genau dieses eine Kapitel in seinem Leben, welches ihn am meisten quälte und über welches er niemals sprechen wollte.
„Oder... ICH gehe!" Sagte er schließlich entschlossen.

Jiang Cheng's Augen weiteten sich, als Sun Yan versuchte ihn auch von sich wegzudrücken.
Doch Jiang Cheng war schneller und stieß den Jungen erneut gegen die Wand.
„Du gehst nirgendswo hin, wenn ich es dir nicht erlaube. Du gehörst mir. Ich verbiete es dir jetzt zu gehen. Du kommst jetzt sofort mit mir zurück und wirst dich für dein Verhalten entschuldigen."

Sun Yan schnaufte spöttisch durch seine Nase.
„Was? Willst du mich etwa zwingen? Willst du mich zwingen vor ihm auf die Füße zu fallen und ihn um Verzeihung zu bitten?"
Sun Yan lehnte sich plötzlich mit seinem Gesicht nach vorne, ihre Nasenspitzen sich fast berührend, als sie sich direkt in die Augen blickten.
Seine Stimme bekam auf einmal eine unglaubliche Tiefe und eine unheilvolle Stimmfarbe, welche Jiang Cheng so noch nie zuvor gehört hatte.
„Niemals!" Hauchte er über seine Lippen.

Jiang Cheng biss sich auf seine Backenzähne und er spürte die aufsteigende Wut. Seine Hände begannen zu beben und seine spirituele Energie in ihm lief langsam über. Seine Venen weiteten sich, die Luft begann förmlich zu schwingen und er schnaufte lautstark durch seine Nase, als er versuchte seine Raserei zu unterdrücken.
„Übertreib es nicht! Meine Geduld ist mehr als am Ende!" Zischte er angestrengt durch seine Zähne.

„Was?" Stachelte Sun Yan weiter, sich im unklaren darüber, was er da gerade über sich heraufbeschwörte. Er blickte auf Jiang Cheng's zittrigen Hände und sah die spirituelle Energie, welche langsam aus seinem Körper heraustrat.
„Willst du mir etwa Gewalt antun, weil du mit Worten nicht mehr weiter weißt? Willst du mich etwa schlagen, mir meine Beine brechen und mich zurückschleifen?
Nur zu, dann tu doch endlich mal das, was du einem immer androhst! Du wirst mir schon Gewalt antun müssen und mich zwingen müssen, wieder zurück zu gehen! Denn aus freien Stücken werde ich es niemals tun! Meine Entschuldigung verdient er nicht! Er soll einfach wieder gehen! Ich will ihn hier nicht sehen! Und du hast ihn auch noch herein gelassen und mir als Überraschung dargeboten!
Eine wirklich feine Überraschung!
Wer keine Ahnung hat, sollte sich also lieber nicht einmischen!"

Jiang Cheng holte tief Luft. Seine Geduld war am Ende. Niemals zuvor hatte jemand so respektlos mit ihm gesprochen seit er den Titel des Sect Leaders inne trug. Er knirschte mit den Zähnen, sein Körper bebte und das Einzige was ihn davon zurückhielt die Person vor sich in seinen Händen sofort zu zerquetschen, war, dass es Sun Yan war der vor ihm stand.
Seine stechenden Augen durchdrangen förmlich die Kleider und das Fleisch des Jungen vor ihm bis runter auf die Knochen, als er schnaufend sagte:
„Glaube ja nicht, ich würde dir niemals etwas antun, nur weil ich dich liebe."

Sun Yan kniff seine Augen scharf zusammen, als er uneingeschüchtert konterte:
„Glaube du nicht, ich würde dir alles verzeihen, nur weil ich dich liebe! Also lass mich jetzt sofort los und lass mich gehen!
Du bist nicht meine Mutter! Also hör auf, dich hier so aufzuführen!
Halt dich aus dieser Angelegenheit raus, denn es geht dich nicht im Geringsten etwas an!"

Damit brachte Sun Yan nun das Fass zum Überlaufen. Jiang Cheng's Machtlosigkeit überfiel ihn wie eine Ohnmacht. Er konnte nicht mehr klar denken, als der Zorn ihn übermannte und sein Geduldsfaden riss.
Er packte Sun Yan plötzlich mit einer Hand grob an der Kehle, drückte dessen Kinn dabei mit seinem Zeige- und Mittelfinger nach oben und presste dann seine eigenen Lippen aggressiv auf den Mund des Jungen. Dabei ergriff er mit seiner anderen Hand Sun Yan's linkes Handgelenk und stieß dieses ebenfalls brutal gegen die Außenwand des Pavillon's.

Sun Yan's Augen weiteten sich in Schmerz und Schock und noch bevor er genau wusste wie ihm geschah, spreizte Jiang Cheng auch noch zusätzlich seine Beine und rammte sein Knie zwischen seine Oberschenkel. Eine Flucht war somit nun ausgeschlossen und grob und forsch zwang Jiang Cheng seine feuchte Zunge in Sun Yan's Mundhöhle und küsste ihn ungehalten und aggressiv.
Gewaltvoll drückte er den Jungen gegen die Außenwand, festigte seinen Griff an dessen Kehle und bewies eindrucksvoll, wer von den beiden der Untergebene und wer der Herrscher war.

Sun Yan zuckte auf und begann sich sofort zu wehren, doch Jiang Cheng hatte in dieser Situation die Überhand und fiel wild über den Jungen her. Sein Herz geriet in Aufruhe, denn es war genau das, was er in diesem Moment am wenigsten verkraften konnte und sein Körper wehrte sich vehement in Ablehnung gegen diesen sexuellen Übergriff. Sein ganzer Körper begann zu zittern und seine Augen kniffen sich fest zusammen, als ihm plötzlich bewusst wurde, dass es noch immer hellichter Tag war und jeder sie nun sehen konnte.

Und das Taten sie auch. Mit vorgehaltener Hand vor den Mund wurde manch einer unfreiwillig Zeuge dieser schamlosen Tat und Staunen und Empörung ging durch die Reihen, als Jiang Cheng sich in aller Öffentlichkeit an seinem, auch noch männlichen, Untertan verging.

Doch Jiang Cheng schien dies alles nicht zu stören. Er setzte sein Attentat weiter fort, drang mit seiner Zunge immer forscher in die Mundhöhle des Jungen ein und begann sogar mit seinem Knie in dessen Schritt auf und ab zu rubbeln.

Sun Yan wollte aufschreien, doch sein Mund wurde vollständig von Jiang Cheng's feurigen Lippen überdeckt und seine Ausbruchsversuche wirkten eher wie das Letzte schwachen Aufzucken in einem umgleichen Kampf um Leben und Tod.
Es kam einer Vergewaltigung nahe und Sun Yan ergriff plötzlich erneut die Angst, als er nicht im Stande war Freund und Feind mehr voneinander zu unterscheiden.

Schließlich schaffte er es ihre Lippen voneinander zu trennen und während er jappsend nach Luft rang biss Jiang Cheng in sein Kinn und wanderte dann mit seinen feuchten Küssen an dem schlanken Hals herunter. Er riss den hohen Stehkragen von Sun Yan's Robe zur Seite und biss und saugte an der zarten Haut bis sie rot und wund wurde.

Sun Yan wimmerte mehrfach auf und keuchte und stöhnte vor Schmerzen und Abneigung:
„Aufhören! Stopp! Weißt du eigentlich was du da gerade tust und wo wir sind? Jiang Cheng bitte...bitte lass mich gehen..hör auf!"

Doch Jiang Cheng hörte nicht auf ihn. Er war wie in einem Wahn gefangen, versank immer tiefer und tiefer und sein unterdrückter Zorn und seine Wut verschafften sich durch dominierende Sexualität Luft. Während er Sun Yan's Kragen immer weiter öffnete und sich schließlich über das Schlüsselbein des Jungen hermachte drückte sein Knie weiter rhythmisch gegen Sun Yan's Schritt und stimulierte die erogene Zone.

Sun Yan's Augen wurden leicht glasig und er blickte nach oben unter das Dach der dunklen Holzveranda als er versuchte mit aller Kraft seinen Peiniger von sich wegzudrücken. Obwohl er Jiang Cheng liebte war es in diesem Moment nicht das, was er sich wünschte und er kam sich plötzlich hilflos und vor allem verraten vor. Er hörte plötzlich das leise Getuschel von ein paar Dienstmädchen und das anprangernde Räuspern ein paar Wachen, als für eine Sekunde ein alles vernichtender Gedanke seine wirre Gedankenwelt kreuzte...- Sah sein Vater ihnen etwa auch gerade zu?-

In diesem Moment war es wie ein gleißender Stich der sich durch Sun Yan´s Herz bohrte und seine Seele und sein Körper schrien in ihrer Pein auf, als er plötzlich wie aus Reflex ruckartig sein Knie anhob und Jiang Cheng gegen die Hüfte stieß. Eine Gelegenheit tat sich auf und Jiang Cheng wich durch den Stoß ein Stück nach hinten.
Sun Yan witterte seine einzige Chance, als er zornig ausrief:
„Fass mich nicht an!"

In diesem Moment holte Sun Yan auch schon aus und schlug Jiang Cheng mit der flachen Hand kraftvoll direkt ins Gesicht. Es knallte laut und Jiang Cheng's Gesicht flog ein Stück zur Seite, während seine Wange augenblicklich rot anlief. Er lies von dem Jungen kurzzeitig ab und dieser strampelte sich sofort los und ergriff panisch die Flucht.
Er rannte strauchelnd die Veranda entlang und ergriff überstürzt die Flucht. Jiang Cheng stand wie versteinert auf seinem Fleck und hielt sich nur seine schmerzende Wange, als das Echo von Sun Yan´s hastigen Schritten in seinen Ohren wiederhallte. Es war als würde plötzlich eine unglaubliche Leere seine Gedanken heimsuchen und sein Herz erlitt einen unbeschreiblichen Schmerz, als die unterschiedlichsten Emotionen der Tyrannei seinen Körper fluteten. Er war noch unfähig zu begreifen, was gerade geschehen war und er blickte in seine linke Handinnenfläche, welche eben noch den Körper seines Geliebten so unglaublich gewaltvoll seinen eigenen Willen aufgezwungen hatte.
Es war dieser eine Moment wo ihm bewusst wurde, dass man mit Gewalt jemanden zwar zu etwas zwingen konnte, aber man niemals damit die Seele und das Herz des Anderen erreichen konnte. Jiang Cheng schloss kurz seine Augen und atmete einmal tief ein um sich wieder zu beruhigen.

Neben dem leisen Plätschern des Wassers und dem Rascheln des Laubes in den Baumkronen hörte auch er das leise Getuschel seiner Clanmitglieder und er blickte wütend auf und warf einen scharfen Todesblick über seine Schulter, als Warnung an alle, sollten sie nicht sofort schweigen und kuschen.
In diesem Augenblick presste er plötzlich einen tiefen, zornigen Ton aus seiner Lunge und holte dann mit seiner Hand einmal kräftig aus und schlug mit voller Wucht gegen die Außenwand des Pavillon's.
Dann verließ er mit großen Schritten den Schauplatz und verschwand mit einer so bedrohlichen Aura, als wollte er auf ein Schlachtfeld in den Krieg ziehen.
Niemand wagte es etwas zu sagen oder alleine nur unter seine Augen zu treten und so rauschte er ungehindert davon.
Es wurde schließlich wieder still in Lotus Pier und alle huschten schnell auf ihren Posten zurück oder gingen ihren Aufgaben wieder nach, so als wäre nie etwas gewesen.

Eine Hand ballte sich angespannt zu einer Faust und zog sich dann in ihren weiten Ärmel etwas zurück, als ihr Träger mit seinen blauen Augen besorgt und mit finsterer Miene in die Ferne blickte. Feng Ling stand in der offenen Eingangstür zum Thronsaal und blickte noch immer starr die Veranda entlang. Er hatte alles mit angesehen und stand machtlos am Rand und konnte sich von seinen eigenen Gefühlen und Wünschen nicht leiten lassen. Die Loyalität zu seinem Herren, immer wieder in den Vordergrung rufend, hatte er regungslos nur dort verharrt und er hasste sich selbst für seine Unfähigkeit und Machtlosigkeit.

Seine wachen Augen hatte Sun Yan noch so lange verfolgt, bis der Junge aus seinem Blickfeld wieder verschwunden war. Dann atmete er einmal schwer ein und drehte sich um, als er zu seinem Erstaunen feststellte, dass Sun Yan's Vater nicht mehr im Thronsaal stand. Er blickte sich rasch um und suchte die Räumlichkeiten ab, als dieser plötzlich hinter ihm auftauchte und ein überfreundliches Lächeln auflegte.
„Sucht ihr etwa mich?" Sagte er mit zuvorkommenden Tonfall.

Feng Ling zuckte fast ein wenig überrascht zusammen und drehte sich rasch wieder um, als sich auf seine Stirn eine nachdenkliche Falte legte.
„Ah, da seid ihr ja. Ihr kommt von draußen? Ich habe gar nicht bemerkt wie ihr an mir vorbeigekommen seid."
Feng Ling streckte seine Arme nach vorne aus und verneigte sich kurz.
„Bitte verzeiht mir, ich habe euch wohl kurzzeitig aus den Augen verloren. Bitte entschuldigt die Unruhe. Ich werde euch jetzt zu eurem Pavillon geleiten, damit ihr euch ein wenig ausruhen könnt. Ich bin mir sicher, mein Sect Leader wird euch noch vor der Nacht einmal aufsuchen. Die Missverständnisse werden sich sicher aufklären lassen!"

Mit diesen Worten schritt Feng Ling voran und befahl zeitgleich noch einmal allen Anwesenden sofort ihrer Arbeit wieder nachzuegehen, als Sun Yan's Vater ihm zügig folgte. Sie gingen hintereinander die Veranda in die entgegengesetzte Richtung entlang, als Sun Yan's Vater begann die Finger seiner linken Hand genüsslich gegeneinander zu reiben. Er warf noch einmal einen flüchtigen Blick nach hinten über seine Schulter, als sein linker Mundwinkel sich plötzlich begann unheilvoll nach oben zu biegen.


Sun Yan rannte wie ein geheztes Tier kopflos durch Lotus Pier. Er war aufgelöst und stinksauer zugleich. War es zu erst noch der Schock und die Panik seinen Vater nach so vielen Jahren plötzlich wiedergesehen zu haben, war es jetzt fast eher die Empörung über Jiang Cheng's Verhalten, welches ihn so aufwühlte.
Innerlich brach in ihm das Chaos aus, denn er wusste sich gerade selbst nicht wirklich zu helfen. Seine Vergangenheit holte ihn schneller wieder ein als ihm lieb war und er war nicht bereit dafür die alten Wunden wieder aufreißen zu lassen. Denn sein größtes Geheimnis, welches er tief in seiner Seele vergraben hatte drohte wieder an die Oberfläche zu geraten und ausgerechnet von der einen Person entdeckt zu werden, von welcher er sich am meisten wünsche, das diese es niemals erfahren würde.

Sun Yan lief einen schmalen Pfad eines kleinen Berges hinauf und kam schließlich oben an einem kleinen Waldstreifen an. Er strauchelte zwischen den Bäumen umher, als der Wald sich bald wieder lichtete.
Das tosende Geräusch eines Wasserfalls war zu hören und er kam an das steinige Ufer eines breiten Flusses, welcher von einer höher gelegenen Ebene mit Wasser gespeist wurde. Es war einer der Flüsse der frisches Wasser nach Lotus Pier einspeiste und sich weiter unten mit den größeren Flüssen und Seen vermengte. Sun Yan lief ein paar Meter das Ufer entlang und kam schließlich zu einer größeren Ausbuchtung in die ein malerischer Wasserfall von oben herabbrausend in die Wasseroberfläche einschlug.

Die Strömung des Wassers war stark genug um sie für Trainingszwecke zu nutzen, aber schwach genug um unter dem herunterkommenden Wasserfall zu meditieren und der Cultivation nachzugehen. Sun Yan kannte diesen Ort und oft hatte er ihn schon aufgesucht. Sei es nun aus persönlichen Gründen um Ruhe zu finden oder um sich weiter zu cultivieren. Er hangelte sich an dem steinigen Ufer entlang und trat entlang der felsigen Wand hinter den Wasserfall. Unter dem heruntertosendem Wasser war eine kleine offene Höhle von wo man aus gut über ein flaches Ufer unter den Wasserfall treten konnte. Ebenfalls gab es dort einen breiten flachen Fels im Wasser, welcher einen geeigneten Platz für eine Meditation unter dem eisigen Wasserfall bot.

Sun Yan stand am Ufer und blickte in das kühle Nass, als er nur darüber nachdenken konnte seine zerstreuten Gefühle wieder zu sortieren, sich abzukühlen und wieder zu sich selbst zu finden. Er blickte sich noch ein paar Mal skeptisch um und als er zu der Überzeugung gekommen war allein zu sein, begann er den Gürtel in seiner Taille zu lösen und striff sich nach und nach die Kleider von seinem Leib.

Er entpellte sich, Stück für Stück und als er splitterfasernackt war, griff er schließlich in sein Haar und löste ebenfalls sein Haarband. Sein langes, dunkles Haar fiel an seinem Rücken herunter und als er sich von allem weltlichen entledigt hatte, stieg er langsam in das eisige Wasser und kletterte den flachen Fels hinauf. Er trat direkt bis unter den Wasserfall und streckte zunächst seine Hände unter das sprudelnde Wasser und gewöhnte seine Arme an die Temperatur. Dann trat er komplett unter den Wasserfall und setzte sich in den Lotus Sitz auf den Fels.

Das eisige Wasser traf von oben ungeschützt auf seinen nackten Körper und er schloss seine Augen und legte seine Handgelenke locker auf seinen Knien ab, als zunächst eine klirrende Kälte durch seinen Körper strömte. Selbst das Atmen fiel ihm schwer und seine schmalen Lippen begannen zunächst zu bibbern.
Doch bald löste sich sein Geist von seinem körperlichen Empfinden und er trat in die Meditation ein und begann die Meridiane in seinem Körper zu fühlen und er leitete seine spirituelle Energie durch jede Zelle seines Körpers und begann sich von innen her zu reinigen.

Sun Yan verlor das Gefühl für Raum und Zeit und während sein Geist begann aufzuklaren, seine Gedanken sich zu sortieren, so beruhigte sich auch bald sein Herz wieder.
Er fand wieder zu seiner inneren Mitte und all seine Sorgen und Kummer schienen mit dem klaren Wasser davon gespült zu werden. Seine Atmung wurde ruhig und bewusst er begann wieder im Einklang mit sich selbst zu sein, als ihn plötzlich ein seltsames Gefühl beschlich. Er öffnete vorsichtig sein linkes Auge einen Spalt, als er der Meinung war einen Schatten gesehen zu haben.

In seiner verschwommenen Sicht unter dem Wasser und dem tosenden Geräusch des Wasserfalls waren seine Sinne vernebelt und nicht verlässlich. Er stand daher ruckartig auf und rief mit klarer Stimme:
„Wer ist da?"

Doch er bekam keine Antwort. Verunsichert streckte er seine rechte Hand ein Stück nach oben in die Luft, presste Zeige und Mittelfinger fest zusammen und formte dann einen Halbkreis. Sofort kreiste eine Flamme seiner spirituellen Energie um seine Hand und er machte sich blitzschnell für einen Verteidigungsangriff bereit.

Er machte einen Satz nach vorne und sprang direkt unter dem Wasser hervor. Er landete wieder auf der anderen Seite des Ufers, genau vor der offenen Höhle und sah erneut im Augenwinckel einen Schatten, als er seine Hand rasch nach vorne ausstreckte und sich zeitgleich umdrehte. Gerade als er den kreisenen Ring seiner spirituellen Energie losjagen wollte tauchte plötzlich direkt vor ihm eine Gestalt auf, welche sofort zum Gegenangriff ansetzte und mir zwei gezielten Handgriffen seine spirituelle Energie sofort versiegelte.

Sun Yan's grünen Augen weiteten sich, als sich seine spirituelle Energie direkt vor seinen Augen wieder in Luft auflöste und das aufbrausende Gefühl von Macht und Energie aus seinem Körper wieder entwich.
Seine Hand schlug nun kraftlos gegen eine starke Männerbrust und als er erschrocken nach vorne blickte, sah er auf einmal in zwei vertraute tiefblaue Augen.

„Feng Ling!"
Sagte er erschrocken und überrascht zugleich, während seine Hand nun entwaffnet auf der Brust des Mannes vor ihm ruhte.

Feng Ling trug seinen großen Speer unangetastet auf seinem Rücken und nur zwei seiner Finger berührten Sun Yan's nackten Körper und hatten ihn mit dieser einfachen, wenn auch präzisen Berührung unschädlich gemacht.
Er schnaufte durch seine Nase und blickte ihn freundlich gesonnen an, als er mit seiner ruhigen Stimme sagte:
„Wenn du vor hast jemanden anzugreifen, dann tu es richtig. Du hast nur diese eine Chance, nutze sie weise. Mit halbherzigen Angriffen wirst du dich nicht verteidigen können."

Sun Yan zog eine leichte Schmolllippe und seine Stirn zog sich kraus, als er sich ein wenig kritisiert fühlte. Leise sagte er:
„Ich wusste nicht wer es war. Innerhalb von Lotus Pier fühlt man sich sicher. Nachher greife ich noch einen Freund an."

Feng Ling schnaufte durch seine Nase und sagte fast schon mit einem Hang zu leichtem Humor:
„Ein Freund würde sich sicher nicht anschleichen, wenn seine Absichten von reiner Natur wären!"

Sun Yan blickte ihn überrascht an.
„Heißt das nun, du bist kein Freund oder man kann dies nicht als Anschleichen bezeichnen?"

Ein kurzes Schmunzeln huschte über Feng Ling's Lippen, als er konterte:
„Vielleicht beides. Aber vielleicht sind es auch einfach nur meine Absichten, die nicht von reiner Natur sind."

Sun Yan war verwundert. Zwar hatte er schon oft in der Vergangenheit feststellen müssen, dass Feng Ling ihn ab und an mit seiner Vielseitigkeit überrascht hatte, doch diese Wortgewandtheit und gefuchsten Wortspiele waren ihm neu. Er blickte sichtlich irritiert drein und als Feng Ling die nachdenkliche Falte zwischen seinen Augen entdeckte, blickte er kurz an sich herunter und sah noch immer, dass die Hand des Jungen unverändert auf seiner Brust ruhte.

Sun Yan bemerkte Feng Ling's abschweifenden Blick und als er seinen Augen folgte, starrte er nun ebenfalls auf seine eigene Hand, welche noch immer auf Feng Ling's Brust ruhte. Und nicht nur das. Es war zudem eine nackte Hand auf einem angezogenem Körper und als Sun Yan seinen ganzen Arm sah, welcher ebenfalls nichts als nackte Haut zu bieten hatte, fiel ihm in diesem Moment erst wieder ein, dass er die ganze Zeit vollkommen unbekleidet vor Feng Ling gestanden hatte.

Er lief schlagartig im Gesicht rot an und als er sich von Feng Ling plötzlich wegdrückte, machte er dabei zwei Schritte nach hinten.
Doch dabei vergaß er das Ende des Ufers und er ging zu weit nach hinten und trat plötzlich mit seinem Fuß ins Leere. Als er gerade dabei war nach hinten umzukippen und er seine Hände haltsuchend nach vorne ausstreckte, machte Feng Ling sofort einen Schritt nach vorne und packte Sun Yan gerade noch am Handgelenk und zog ihn kräftig wieder an sich heran.

Doch dabei kam er selbst mit seinen Stiefeln auf den nassen Steinen ins Rutschen und das Schicksal nahm seinen Lauf.
Während beide nun versuchten sich gegenseitig Halt zu bieten kamen sie ins Straucheln und die Schwerkraft holte sie plötzlich schneller ein als ihnen lieb war.

„Pass auf!" Sagte Feng Ling noch hektisch, doch dann fielen die beiden in einem Gerangel auch schon zu Boden und stürzten das Ufer hinab.

Es platschte laut, als die beiden in das flache Gewässer am Rand des Ufers eintauchten. Sun Yan hatte seine Augen fest geschlossen und erwartete jede Sekunde einen gleißenden Schmerz von einem harten Aufprall auf den Steinen.
Doch nichts passierte.
Als er vorsichtig ein Auge öffnete, stellte er fest, dass er mit seinem blanken Hintern im flachen Wasser saß. Sein Rücken war weit nach hinten gegen einen glatten Stein am Ufer gelehnt und seine Arme hielt er schützend vor sich. Er hatte einen harten Aufprall mit seinem Hinterkopf erwartet, doch zu seiner Überraschung fühlte es sich an dieser Stelle warm und weich an.

Als er langsam beide Augen öffnete starrte er plötzlich in zwei glasklare blaue Augen, welche nur wenige Zentimeter direkt von seinem Gesicht entfernt waren. Augenblicklich weiteten sich Sun Yan's grüne Augen, als er erschrocken feststellte, dass Feng Ling direkt über ihn lehnte. Und nicht nur das. Die beiden waren so ungünstig gestürzt, dass Sun Yan's Beine weit auseinander gespreizt waren und Feng Ling mit seiner Hüfte direkt dazwischen Platz gefunden hatte. Der Mann kniete nun direkt zwischen ihm im flachen Wasser und Sun Yan konnte Feng Ling's Schritt und Oberschenkel direkt an seiner Hüfte spüren. Derweil ruhte Feng Ling's rechte Hand direkt hinter Sun Yan´s Hinterkopf und hatte somit einen harten Aufprall an dem Stein verhindern können. Seine linke Hand hatte sich zusätzlich an den Lenden des Jungen platziert und konnte auch somit verhindern, dass Sun Yan mit seinem Rücken unsanft gegen den Felsen gestoßen war.

Ein Moment der Stille setzte ein und die beiden blickten sich nur mit weit aufgerissenen Augen an, als Sun Yan über seine Lippen nur ein leises:
„Danke..." hauchte.

Feng Ling nickte einmal und schluckte dabei schwer. Seine Brust hob sich durch seine aufgeregte Atmung einmal stark an und wieder ab und sein Blick heftete auf dem Jungen und lies einen nicht erraten, was er gerade dachte.

Sun Yan beschlich langsam die Scham über ihre eher unangebrachte Fallpose und seine Ohrläppchen wurden leicht rot, als er mit seinen Händen versuchte Feng Ling leicht von sich wegzudrücken.

Doch der massive Körper vor sich bewegte sein kein Stück. Im Gegenteil. Feng Ling's Blick füllte sich langsam mit einer gewissen Sehnsucht und Reue und seine Augen bekamen einen bedeutenden Ausdruck, welcher Sun Yan ein wenig Unbehagen bereitete.
Er versuchte es daher noch einmal und drückte auffordernd gegen Feng Ling's Brust, doch dieses Mal drückte dieser sogar dagegen und sagte plötzlich überfallend:
„Es tut mir Leid. Sun Yan, es tut mir leid!"

Sun Yan zuckte zusammen und blickte ihn verwundert an.
„Was tut dir Leid?" Fragte er sichtlich irritiert.

Doch Feng Ling wirkte so als würde ihn etwas sehr bedrücken und er schloss kurz seine Augen, als es schwermütig über seine Lippen kam:
„Vorhin...vorm Thronsaal...draußen auf der Veranda. Ich habe es gesehen und konnte...doch nichts machen... Was...Jiang Cheng da getan hat, war nicht in Ordnung. Ich...ich hätte einschreiten sollen, aber ich konnte nicht..."

Sun Yan's Augen wurden nun noch größer, als er verstand was Feng Ling ihm sagen wollte. Nun lief sein Gesicht noch roter an, als Scham und Peinlichkeit durch seinen Körper strömten. Er wendete sein Gesicht leicht ab und versuchte sich ein wenig hinter seiner Hand zu verstecken, als er leise nuschelte:
„Du hast es gesehen?"

Zwischen Feng Ling's Augen zog sich eine angespannte Falte, als er mit Reue in der Stimme antwortete:
„Ja...und nicht nur das..."

Sun Yan verfiel fast in Schockstarre.
-Was genau meinte er mit „und nicht nur das?"-
Er spürte die ansteigende Hitze in seinem Gesicht und er trug einen gepeinigten Gesichtsausdruck. Er hatte plötzlich das Gefühl, dass all seine schamhaften Geheimnisse zu Tage traten und obwohl er schon körperlich nackt war, empfand er nun auch noch seine Seele als vollkommen entblößt und offen dargelegt.

Doch es war genau dieser Anblick, welcher Feng Ling gerade alle Rationalität verlieren ließ. Er war mittlerweile Sun Yan Hals über Kopf verfallen und er begehrte den Jungen mehr als alles andere in seinem Leben. Noch nie zuvor hatte er so stark für jemanden empfunden und es quälte ihn von Tag zu Tag immer mehr. Er wusste nicht genau wann es geschehen war oder warum es überhaupt dazu gekommen war, aber Sun Yan hatte etwas in seinem Herzen erweicht und brachte Sehnsüchte und Wünsche zum Vorschein, an die er selbst niemals geglaubt hätte.
Doch genauso wusste er nur zu gut, dass Sun Yan Jiang Cheng gehörte und das nicht nur körperlich, sondern das es auch das Herz des Jungen war, was für ihren Sect Leader schlug. Umso mehr quälte es Feng Ling zu wissen, dass er ihn niemals haben würde und der Versuch ihn für sich zu gewinnen schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt war, noch bevor es überhaupt begonnen hatte.

Doch jetzt, genau in diesem Moment lag die Erfüllung all seiner Sehnsüchte erneut vor ihm, schutzlos und seiner Kleider beraubt und das Feuer der Begierde brannte in seinem Herzen. Sie waren alleine an einem abgelegenen Ort und der Gedanke alleine reichte schon aus, dass Feng Ling sich nicht mehr sicher war, wie lange er noch Herr über sich selbst sein würde.

Er verlor sich daher in diesem Anblick und er spürte, dass er immer mehr die Willenskraft verlor sich gegen diese süße Verführung zu widersetzen.
Er sah Sun Yan's eingeschüchterten Gesichtsausdruck direkt vor sich. Die leicht geröteten Wangen, die glasigen grünen Augen...Diese wunderschönen...grünen Augen von denen ein Blick allein reichte und Feng Ling vergaß alles um sich herum.

Das kalte Wasser perlte über Sun Yan's nackten Körper. Tropfen für Tropfen lief es über seine Wangen und Nasenspitze, perlte über seine zarten Lippen und Kinn und tropfte dann herunter auf seinen schlanken Hals.
Das lange feuchte Haar hing in dünnen Strähnen in dem hübschen Gesicht und schmiegte sich dicht an dessen Schultern und Rücken an, bis die Haarspitzen im flachen Wasser eintauchten.
Der jugendliche Körper so unübertreffbar anmutig an Kontur und Proportionen.

Alleine dies war schon Versuchung genug, aber Feng Ling spürte zusätzlich auch noch Sun Yan's angenehme Körperwärme an seiner Haut. Er spürte die schlanke Taille in seiner linken Hand und kniete zu allem Überfluss auch noch zwischen den weit gespreizten Schenkeln, welche ihn scheinbar so freiwillig einluden.

Feng Ling's Atmung wurde unruhiger und rauer und er öffnete mehrfach seine Lippen um etwas sagen zu wollen. Er trug langsam einen gequälten Gesichtsausdruck und Sun Yan war sich unsicher, gegen welche Gedanken dieser gerade einen harten inneren Kampf mit sich ausfocht.

Sun Yan's Unbehagen nahm nun immer mehr zu und er bekam das Bedürfnis sich aus dieser Situation zu befreien. Schließlich war er hierher gekommen um Abstand zu bekommen und sich von dem sexuellen Begehren anderer Männer zu schützen, hätte er doch niemals damit gerechnet hier nun Feng Ling anzutreffen und auch noch in so einer misslichen Lage zu enden.

Sun Yan bekam daher einen angespannten Gesichtsausdruck, als er vorsichtig fragte:
„Feng Ling...? Ist alles in Ordnung bei dir? Kannst du, kannst du aufstehen und mich gehen lassen?"

Doch Feng Ling schien langsam zu innerlich zu schwanken. Seine starre Mauer schien zu bröckeln, als er mit seinen Augen langsam an Sun Yan's Oberkörper herunterfuhr.
Er sah die verblassenden blauen Flecken und Prellungen, welche eindeutig von der Misshandlung in der Gaststätte zurückgeblieben waren. Er hatte sie schließlich schon einmal gesehen und erinnerte sich an ihre Anordnung.
Doch dazwischen gesellten sich zusätzlich jede Menge rote Liebesmale, welche von den Innenschenkeln bis hoch zum Hals reichten. Feng Ling wusste aus welcher lustvollen Nacht diese stammten und er wusste auch ganz genau, wer sie alle auf den Körper des Jungen platziert hatte. Schließlich erinnerte er sich an sein eigenes frivoles Verhalten auf der Veranda und wie er ihnen die ganze Nacht bei ihrem Liebesspiel gelauscht hatte.

Doch zwischen Schamgefühl, Reue und Schuldgefühlen erblickte er schließlich die schemenhaften Worte aus Tinte, welche nun durch das Wasser immer mehr verblassten.
Feng Ling's blaue Augen weiteten sich, als er die Wörter: Adulterium, Lüge, Lasterhaftigkeit, Frivolität und Untreue las.
Ein Stich schoss durch sein Herz und er spürte eine gewisse Fassungslosigkeit, als ihm bewusst wurde welche manischen Kreise Sun Yan's Liebe zu seinem Sect Leader schon angenommen hatte und wie bessesen Jiang Cheng von dem Jungen sein musste.
Etwas sprachlos starrte Feng Ling auf den befleckten Körper vor sich, als er plötzlich langsam seine Hand hinter Sun Yan's Lenden zurückzog und began zärtlich mit seinem Zeigefinger die Wörter der Schande abzufahren.

Sun Yan zuckte bei dieser Berührung sofort zusammen und wie aus Reflex streckte er seine Hand nach vorne und bedeckte Feng Ling's Augen. Hektisch sagte er:
„Nicht hinsehen!"

Feng Ling pausierte für einen Moment in seinen Bewegungen, als er ruhig aber etwas schwermütig sagte:
„Dafür ist es schon zu spät." Er fasste an Sun Yan's Hand und entfernte diese wieder langsam von seinen Augen.

Sun Yan biss sich auf seine Backenzähne, seine Lippen zitterten und er schloss kurz seine Augen, als die Scham langsam für ihn unerträglich wurde.

„Ich tue dir nichts...Ich will es mir nur ansehen..."
Sagte Feng Ling ruhig und einfühlsam und Sun Yan wusste selbst nicht genau warum, aber plötzlich verließ seinen Körper alle Spannung und er lehnte ruhig nach hinten an den Fels und lies Feng Ling gewehren.
Er wendete dabei seinen Kopf wieder zur Seite und hielt ganz still, während Feng Ling seinen Körper berührte und die Wörter der Schande, Pinselstrich für Pinselstrich mit seinem Finger nachzeichnete.
„Er war das, stimmts?" Sagte Feng Ling mit tiefer Stimme, die Antwort eigentlich schon wissend.

Doch Sun Yan gab keine Antwort, sondern hüllte sich in Schweigen. Er hatte gewollt, dass niemals die anderen Mitglieder des Yunmeng Jiang Clan's von seiner Beziehung zu Jiang Cheng erfuhren, aus Angst um sein Ansehen. Doch ausgerechnet Feng Ling war es nun, ein mittlerweile guter Freund, zu dem er außerdem aufsah, der nun nicht nur von dieser unmoralischen Beziehung erfuhr, sondern nun auch noch Zeuge von ihrer Besessenheit und Jiang Cheng's schamhaften Strafpraktiken wurde.

Als Feng Ling an dem letzten Wort in Sun Yan's Leistengegend schließlich ankam, zuckte der Körper des Jungen schließlich schamhaft zusammen.
„Nicht!" Hauchte Sun Yan und er öffnete wieder seine Augen und fasste nach Feng Ling's Hand.
Ihre Hände berührten sich und Feng Ling lies sich Einhalt gebieten. Er schloss seine Augen und schüttelte ungläubig langsam seinen Kopf hin und her, als es plötzlich beichtend über seine Lippen kam:
„Ich würde dir niemals so etwas antun..."

Die Worte hallten in Sun Yan's Ohren nach und er blickte Feng Ling überrascht an, als er nachfagte:
„Was genau meinst du damit?"

Feng Ling öffnete wieder seine Augen und blickte Sun Yan direkt an. Ihre Blicke trafen sich und es war, als würde die Welt für einen Moment still stehen. Ganz langsam und Stück für Stück lies Feng Ling plötzlich seinen Oberkörper tiefer gleiten und ihre Körper und Gesichter kamen sich etwas näher.

Sun Yan riss seine Augen weit auf, als Feng Ling wie in Trance sagte:
„Ich meine damit, wenn du mein wärst, würde ich dich vor jeglichen Gefahren behüten und beschützen und würde dir niemals seelisches sowie körperliches Leid zu führen. Ich würde dich lieben und ehren und wollte niemals der Grund deiner schlaflosen Nächte und Sorgen sein."

Sun Yan spürte plötzlich einen heißen Schauer der durch seinen Körper lief und als er sich selbst immer weiter nach hinten lehnte um wieder etwas mehr Abstand zwischen sie zu bekommen, spürte er plötzlich wie Feng Ling's Hüfte immer weiter nachrückte. Er war sich sehr sicher, etwas hartes in seinem Schritt zu spüren.
Sun Yan ergriff leicht die Panik und als er gerade an Feng Ling´s Vernunft appellieren wollte, stellte er fest, dass dieser einen seltsamen Blick in den Augen bekommen hatte und irgendwie nicht mehr er selbst zu sein schien.

Als ihre Gesichter sich fast berührten wendete Sun Yan seinen Kopf schützend zur Seite. Seine Stimme war aufgebracht und von einem nervösen Unterton begleitet:
„Feng Ling? Was ist mit dir? Was hast du vor?"

Doch in diesem Moment fasste Feng Ling auch schon behutsam an Sun Yan's Kinn und drehte seinen Kopf wieder gerade. Während Sun Yan noch einmal ruckartig Luft holte und mit beiden Händen noch einmal wirkungslos gegen Feng Ling's massive Brust drückte, berührten sich auch schon ihre Lippen.

Doch es war ein Kuss so rein und unschuldig wie das Lachen eines Kindes und die Berührung war so zart und weich wie der sanfte Flügelschlag einer Libelle. Sun Yan erstarrte quasi zu einer Eissäule, als er Feng Ling's behutsamen Lippen auf seinen spürte. Seine Augen weiteten sich ins Unermessliche und er war starr vor Schock und konnte sich zunächst nicht rühren.
Es war ungewohnt, so unglaublich ungewohnt diese schüchternde, warme Berührung und als für einen langen Zeitraum nichts mehr weiter passierte, außer das ihre schmalen Lippen aufeinander ruhten, kam Sun Yan plötzlich wieder zurück zu seinen Sinnen.

Er holte aus und verpasste Feng Ling eine schwache, wenn auch ernst gemeinte Ohrfeige.
Es knallte laut und es war das zweite Mal an diesem Tag das Sun Yan einem aufdringlichen Mann ins Gesicht geschlagen hatte.

Feng Ling, aufgeweckt durch den pochenden Schmerz in seinem Gesicht, kam sofort zurück ins Hier und Jetzt und er zog augenblicklich seinen Kopf zurück. Seine blauen Augen bekamen langsam ihre Klarheit und Vernunft zurück. Die beiden Blickten sich für einen kurzen Moment erschrocken an, als Feng Ling zunehmend bewusst wurde, was er da gerade getan hatte.
Die eine Sache, zu der er sich immer wieder gesagt hatte, welche niemals passieren durfte, war geschehen. Er hatte sich geschworen seine Gefühle für sich zu behalten und sie, wenn es sein musste, mit in sein Grab zu nehmen. Er wusste ganz genau, dass er sich vorsehen musste und er wusste um jede Gefahr, wenn er sich dem Jungen nähern würde.
- Aber warum war es ausgerechnet jetz passiert, jetzt wo er eigentlich dem Jungen hierhin gefolgt war um ihm Trost zu spenden und für ihn da zu sein und nicht um das Gleiche zu tun wie sein Vorgänger?-

Über Feng Ling fiel die ungeschönte Wahrheit herein wie ein Hammerschlag und er wusste, dass er nun alles vermasselt hatte. Es war nun zu spät und es gab keine Erklärung mehr um sich aus seinen Taten wieder herauszureden. Er hatte sich selbst verraten und fürchtete nun, Sun Yan ganz zu verlieren.
In seiner ungewohnten Panik, welche innerlich in ihm ausbrach, platzte es plötzlich nur so planlos aus ihm heraus, als er auf einmal verwirrt stammelte:
„Es, es tut mir leid! Ich...habe dich verwechselt!"

Sun Yan glaubte seinen Ohren kaum. Anstatt wutentbrannt seinen Peiniger von sich zu drücken, blickte er ihn mit weit aufgerissenen Augen an, als er mit fast schriller Stimme sagte:
„Verwechselt? Verwechselt mit wem?"

Feng Ling blinzelte ein paar Mal mit seinen Augen und in seinem Kopf brannten auf einmal alle Sicherungen durch, als er stumpf sagte:
„Mit einer Frau...mit meiner Geliebten! Verzeih mir!"

Sun Yan konnte es nicht glauben. Ihm fiel alles aus dem Gesicht, als er sich mehr als veräppelt vor kam.
„Mit einer Frau?" Fragte er fassungslos.
„Wie kannst du mich mit einer Frau verwechseln? Wo sind Mann und Frau sich bitte so ähnlich, dass du dies verwechseln kannst?"
Sun Yan war sprachlos und blickte Feng Ling vollkommen überrumpelt an. Er hatte schon viele Gründe genannt bekommen, warum ihm jemand zu nahe getreten war, aber noch nie zuvor hatte man ihm jemand gesagt, man hätte ihn mit seiner Geliebten verwechselt und dann auch noch mit einer Frau."

Sun Yan's Gesicht lief in den verschiedensten Farben im Wechsel an und während er sich tatsächlich mehr darüber ärgerte angeblich verwechselt worden zu sein, anstatt über die Tat an sich, stand Feng Ling schließlich auf und reichte Sun Yan die Hand um ihn hochzuziehen.

„Verzeih..!"
Sagte Feng Ling noch einmal in Reue, als Sun Yan seine Hand zur Seite drückte und im Monolog vor sich herfluchend versuchte alleine aufzustehen.
Doch bei dem Versuch aus dem Ufer herauszusteigen rutschte er in seinem Zorn erneut mit den Füßen ab und die Schwerkraft zog ihn bitterböse wieder zurück. Er versuchte sich noch an den Steinen am Ufer festzuhalten, doch er kippte mit seinem blanken Hintern schamlos wieder nach hinten. Doch Feng Ling, welcher hinter ihm stand, fing ihn sofort wieder auf und berührte dabei mit beiden Händen die schmale Hüfte um den Jungen zu stützen, doch dieser stieß dennoch fast ungebremst mit seinem blanken Hintern ausgerechnet gegen Feng Ling´s Schritt.

Sun Yan's Augen schnellten auf und als er dachte, dass es schon gar nicht mehr schlimmer kommen könnte, gab Feng Ling ihm von hinten auch noch reflexartig anschub und drückte ihn mit seinem Körper wieder nach oben. Für eine Sekunde ignorierte Sun Yan den harten „Gegenstand", welcher sich von hinten dabei noch einmal gegen seinen Hintern drückte und er versuchte einfach nur noch schleunigst dort wieder wegzukommen.

Dabei vergaß er sogar ganz und gar seine Höflichkeit und vergaß glatt, nachdem er wieder sicher oben angekommen war, Feng Ling selbst die Hand zu reichen. Er stapfte einfach wutentbrannt und mit hochrotem Kopf zu seinen Kleidern und warf sich diese hektisch um den Leib, als Feng Ling noch immer mit seinen Füßen in dem flachen Wasser stand.
Es tropfte nur so an ihm herunter und er sah durchaus etwas bemitleidenswert aus wie er dort so stand. Aber er konnte immer noch besser mit Sun Yan's Wut und Gefluche gegen die angebliche Verwechslung klar kommen, anstatt wenn seine wahren, einseitigen Gefühle so aufgeflogen wären. Einen noch ungünstigeren Zeitpunkt hätte es nicht geben können und Sun Yan wäre niemals in der Lage gewesen auch nur für eine Sekunde den Gedanken überhaupt zuzulassen.

Während Sun Yan sich also halbwegs wieder angezogen hatte und seine Stiefel sich locker über die Schulter schmiss, blickte er noch einmal zu Feng Ling herunter und deutete dann demonstrativ mit seinem Zeigefinger auf dessen Schritt, als er provokant und etwas eingeschnappt sagte:
„Und darum, sollte sich besser lieber mal schnell deine Geliebte kümmern!"
Mit diesem Satz machte er plötzlich auf der Hacke kehrt und schlängelte sich Barfuß an der Felswand unter dem Wasserfall vorbei.

Feng Ling stand regungslos an seinem Fleck und konnte noch gar nicht fassen was geschehen war. Er hörte den tosenden Wasserfall in seinen Ohren, spürte das eisige Wasser in seinen Stiefeln und fühlte noch immer die zurückgebliebende, zarte Wärme ihres Kusses auf seinen Lippen. Während er der Silhouette des Jungen noch nach sah, wie sie wieder hinter dem Wasserfall verschwand, waren es Frust und tiefes Bedauern, welche am stärksten in seinem Herzen noch nachschmerzten.

Er seufzte einmal laut auf, als er sich selbst gut zuredete, dass es so wohl das Beste sei.