Chapter 21.4

Sun Yan hatte sich zurückgezogen. Zornig und wütend über die Ereignisse welche sich am Tage zugetragen hatten, wollte er nur noch eines, alleine sein.
Nachdem er am Wasserfall mit Feng Ling scheinbar einer Verwechslung zum Opfer gefallen war, war er geradewegs zurück zu seinem Pavillon gelaufen. Er schloss sich ein, warf sich auf sein Bett und verbrachte hungrig seit langem mal wieder eine Nacht alleine in seinem eigenen Zimmer.

Er konnte lange nicht einschlafen und alleine der Gedanke an all die Dinge die vorgefallen waren quälten ihn und raubten ihm den Schlaf. Er musste unentwegt an seinen Vater denken, an Jiang Cheng's zorniges Gesicht und dessen wütende Stimme. Er hörte immer noch das unangenehme Getuschel in seinen Ohren und spürte die abwertenden Blicke der Clanmitglieder auf seiner Haut. Zu guter Letzt musste er auch noch immer wieder an den zärtlichen und sanften Kuss von Feng Ling denken.

Sun Yan zog sich die Bettdecke über seinen Kopf und vergrub sein Gesicht tief in seinem Kissen.
Er fühlte sich plötzlich allein gelassen und missverstanden und in diesem Moment konnte er sich nicht davor verschließen, dass er an Wei Wuxian denken musste und sich aus tiestem Herzen nach dem Rat eines Freundes sehnte.

Doch in seinem Pavillon war es kalt und unangenehm still.


Nach einer kurzen und kopfzerbrechenden Nacht kam ein neuer Morgen und Sun Yan's sonst so hübsches Gesicht zierten zwei tief dunkle Augenringe. Da er noch keine Lösung für seine Probleme gefunden hatte, beschloss er erstmal ihnen aus dem Weg zu gehen und sie vor sich herzuschieben. Er kam dennoch seinen Pflichten und Aufgaben gehorsam nach, jedoch ging er nahezu geduckt durch Lotus Pier und blickte sich ständig mit wachem Blick um, stet's auf der Suche nach jemandem, den er gerade nicht treffen wollte.

Er mied sogar den Kontakt zu Jiang Cheng und ging ihm tunlichst aus dem Weg. Dies war für jemandem in seinem Amt nicht einfach, aber durchaus machbar. Schließlich gab es für den jungen Cultivator auch noch genug anderes zu tun, was nicht unbedingt die Anwesenheit von seinen Sect Leader erforderte. Ebenso mied er für diesen Tag alle Aufgaben die zur Folge gehabt hätten, dass er Feng Ling hätte unter die Augen treten müssen.
Was die Aufgaben zwar weiter einschränkte, sie aber dennoch nicht gänzlich ausgingen.

Natürlich hatte dies die ein oder andere Ausrede zur Folge und in manchen Augen verhielt er sich durchaus etwas merkwürdig, aber das Getuschel zwischen den eigenen Reihen war nun eh schon groß genug, jetzt wo sich der Skandal wie ein Lauffeuer im ganzen Clan verbreitet hatte, dass Jiang Cheng sich mitten auf der Veranda am hellichten Tage Sun Yan aufgedrängt hatte.

Jiang Cheng dagegen hielt seinen eigenen Zorn zurück und ließ Sun Yan gewähren, auch wenn es ihm dieses Mal mehr als schwer fiel. Aber er hatte verstanden, dass er nichts erzwingen konnte und so spielte er das Katz und Mausspiel des Jungen mit und sah ihm aus der Ferne dabei zu, wie er wie ein gescheuchtes Tier den ganzen Tag unkonzentriert durch den Clan stolperte.

Jiang Cheng war selbst zwar etwas ratlos, denn das Gefühl der Empathie und der Einfühlsamkeit fiel im nach wie vor schwer. Ganz zu schweigen davon seine typisch aufbrausenden Charakterzüge in Schach zu halten, welche nach dem Vorfall im Thronsaal und auf der Veranda, gerade auf Hochtouren liefen. Schließlich hatte Sun Yan ihn zunächst vor seinem Vater im Thronsaal bloß gestellt, dann noch ihn auf der Veranda zurückgewiesen und ihm dann zu guter Letzt noch, unter den ohnehin schon schockierten Blicken aller, ins Gesicht geschlagen.

Jiang Cheng hätte diese Person eigentlich schon lange zwischen seinen Finger wie eine kleine Made zerquetscht aber da es sich um Sun Yan handelte, stand ihm bei diesem einem Menschen sein eigenes Herz ihm weg.
Daher war Jiang Cheng's Gram fast noch größer als ihm seine eigene Handlungsunfähig immer bewusster wurde. Am liebsten wäre er jede Sekunde einfach losgepoltert den Jungen wieder einzufangen, ihn hinter sich herzuschleifen und ihn auf ewig in seinem Pavillon anzuketten, um ihn vor den Augen anderer zu verstecken, damit er nur noch ihm ganz alleine gehören wurde. Aber er merkte selbst, dass dieser Gedankengang fast schon nahezu krank war und so blieb ihm zunächst nichts anderes übrig als sich in Arbeit zu stürzen und sich abzulenken.

Sun Yan seufzte an diesem Tag viel und laut auf und seine Gedanken waren wie zersprengt, als er zu allem Überfluss noch die größte Sorge hatte auf keinen Fall seinem Vater wieder zu begegnen. Er war einfach noch nicht bereit für diese Gegenüberstellung und es kam für ihn alles zu überraschend. Er brauchte zunächst Zeit für sich, um sich wieder zu sortieren und wieder runter zu kommen. In seinem jetzigen Zustand würden nur seine Emotionen die Überhand gewinnen und er hatte Angst wieder in ein Loch zu fallen und sich selbst darinnen zu verlieren. Denn er wusste ganz genau, dass er die Vergangenheit mit seinem Vater in seinem Herzen nur tief verschlossen hatte. Es war alles noch da, er hatte es nie richtig verarbeiten oder einen Abschluss finden können. Es war einfach nur gut versteckt und schlummerte dort vor sich hin.
-Solange also niemand an dieser Tür kratzen würde, wäre alles in Ordnung aber was würde passieren, wenn nun jemand diese Tür wieder aufstoßen würde?-

Sun Yan fürchtete sich davor und noch viel mehr fürchtete er sich vor dem Grund warum sein Vater ihn aufgesucht hatte.
-Wollte er ihn etwa wieder zurückholen? Jetzt, nach so vielen Jahren?-

Sun Yan seufzte erneut auf. Er suchte weiter nach Ablenkung und nachdem er es erfolgreich geschafft hatte einen weiteren Tag seinen Problemen aus dem Weg zu gehen, entschied er sich Abends noch ein wenig in die Bibliothek des Yunmeng Jiang Clan's zu gehen und sich in die Untiefen von zahllosen Schriften zu stürzen.

Die Sonne war schon dabei langsam unter zu gehen und die letzten hellen Lichtstrahlen fielen über das Land und warfen lange Schatten auf die Erde. In ein paar Fenstern erhellten schon die ersten Kerzen die Räumlichkeiten und die Luft begann langsam anzuziehen und frisch zu werden.

Sun Yan trug ein paar Schriftrollen und Bücher unter seinem linken Arm und auf dem Weg zum Pavillon kamen ihm bereits ein paar Schüler des Clan's entgegen, die schon auf dem Weg waren sich in ihre Räumlichkeiten zurückzuziehen. Sie grüßten ihn freundlich und wünschten ihm eine angenehme Nacht.

Die Tür zur Bibliothek war eine große doppelflügelige Tür mit aufwendigen Holzschnitzereien und Punzierungen in den Metallbeschlägen und Scharnieren. Sie erzählte mit ihren künstlerischen Motiven Geschichten aus der Vergangenheit der Cultivation und sie war in der Tat ein wertvolles Erbe der Jiang Familie.
Sun Yan holte einen Schlüssel aus seiner Robe hervor und schloss die große Tür auf. Denn zu dieser Zeit hatte die Bibliothek schon längst wieder geschlossen und die Wachen hatten ihre Posten wieder geräumt.

Als er durch die große Tür schritt, entschied er sich die Türflügel weit aufstehen zu lassen, damit noch etwas mehr Licht ins Innere kam und er die letzten Lichtstrahlen noch für sich nutzen konnte.
Dann suchte er sich am Rand einen länglichen, flachen Holztisch, welcher zwar umringt von hohen Bücherregalen war, aber noch einen guten Blick auf die Tür zuließ. Das Licht der untergehenden Sonne schien den schmalen Gang herunter und spendete etwas mehr Sehkraft zwischen den dunklen Regalen.

Sun Yan legte seine Schriften auf dem flachen Tisch ab und entzündete zusätzlich noch eine Kerze und stellte sie dann ganz nah an den Rand der Tischplatte. Dann setzte er sich auf ein kleines Sitzkissen auf den Fußboden und begann seine Papiere auf dem Tisch zu sortieren.
Er saß noch nicht lange, als er plötzlich die zarte Stimme einer jungen Frau vernahm:
„Huch, Sun Yan, mein junger Herr ihr seid ja noch hier?! Ich dachte ich schaue einmal nach, da die Tür zu dieser Uhrzeit noch offen stand."
Erklang es fein und zurückhaltend.

Sun Yan blickte den Gang herunter zur Tür und sah eines der jungen Dienstmädchen, welche im offenen Türrahmen stand und zu ihm herüber linste. Sie begrüßte ihn mit einer netten Geste und er nickte ihr zu, als er die Schriftolle in seiner Hand wieder auf den Tisch legte.
„Ja, ich…wollte noch etwas lesen bevor ich mich zur Ruhe begebe." Erklärte er sich.

Das Dienstmädchen funkelte ihn mit bewundernden Augen an, als sie sagte:
„Zu dieser Stunde noch? Ihr seid ja so fleißig mein Herr. Kommt, ich mache euch noch einen Tee. Wer zu dieser Stunde noch arbeitet, brauchte eine kleine Stärkung."

Das Dienstmädchen war freundlich und nett und mit Sun Yan war es einfach sich zu unterhalten. Er hatte zwar seinen Status und seinen Stolz aber er war niemals herablassend zu den Bediensteten.

Sun Yan lächelte sie daher an und nickte ihr bestätigend zu.
„Ja." Sagte er sanft.
„Das wäre wirklich nett, ich nehme gerne den Tee."

Das Dienstmädchen strahlte von einem Ohr zum anderen und zwinkerte ihm sogar einmal keck zu.
„Einmal Tee zur Stärkung, kommt sofort." Sagte sie höflich, als sie auch sogleich aus dem Türrahmen wieder verschwand und die paar Stufen vom Pavillon hinunterlief.

Ein zartes Lächeln huschte über Sun Yan's Lippen, als er sich wieder seinen Papieren zu wendete und begann sich auf seinem Tisch weiter auszubreiten.
Es kam ihm vor wie nur ein kurzer Wimpernaufschlag, als er auch schon wieder ein paar leise Schritte hörte und das Dienstmädchen mit samt einem Tablett in der Hand zurück in die Bibliothek kam.

Warmer Wasserdampf stieg aus der Teeschale empor und man hörte das leise Klappern von Geschirr.
„So, schon fertig." Sagte sie sichtlich zufrieden mit sich selbst, als sie sich auch schon auf ihre Knie niederlies und begann den Tee zu servieren. Sun Yan schob ein paar Schriftrollen zur Seite und er sah ihr dabei zu, wie sie mit ihren schlanken Fingern in eleganten Bewegungen den Tee auf dem Tisch abstellte.

„Ich danke dir." Sagte er höflich, als er auch schon den zarten, aromatischen Duft in seiner Nase verspürte.

Das Dienstmädchen stand wieder auf und wedelte mit ihrer linken Hand etwas schüchtern in der Luft umher.
„Nichts zu danken mein junger Herr. Das ist doch meine Aufgabe."
Sie lächelte ihn freundlich an, während sie sich leicht verneigte und das Tablett dabei mit beiden Händen vor ihrer Brust festhielt.
Doch anstatt sich leise wieder zu entfernen, blieb sie weiterhin neben dem Tisch stehen und blickte Sun Yan erwartungsvoll an. Scheinbar wartete sie auf ein Zeichen von ihm, damit er sie wieder aus seinen Diensten entlassen würde.

Erst jetzt entdeckte Sun Yan ihren erwartungsvollen Blick und sofort nickte er ihr mehrfach zu, als er hastig sagte:
„Du kannst dich wieder zurückziehen. Danke für den Tee. Bei mir wird es wohl später werden, ich bringe das Geschirr später selber wieder zurück."

Das Dienstmädchen verneigte sich noch einmal respektvoll und schloss kurz ihre Augen.
„Wie ihr wünscht. Dann wünsche ich euch später eine erholsame Nacht."
Mit diesem Satz drehte sie sich schließlich wieder um und verließ leise den Pavillon.

Sun Yan nickte ihr noch kurz zu und schaute ihr dann noch einen Moment nach, als er dann seinen Blick wieder nach vorne richtete und hinunter in die kleine Teeschale blickte. Ein rosafarbendes Blütenblatt treibte auf der Wasseroberfläche und der warme, aromatische Dampf stieg in seine Nase.

Er seufzte einmal kurz auf und jetzt, wo er wieder alleine war, wurde ihm wieder bewusst warum er eigentlich hier war. Er stand plötzlich ruckartig auf und ging durch die Reihen der vielen Bücherregale und suchte nach ganz bestimmten Schriften.
Eine ganze Weile hielt er sich im hintersten Bereich der Bibliothek auf und außer das leise Rauschen seiner Finger, wenn er über einen Buchrücken strich oder über die haptische Außenhülle einer Schriftrolle fuhr, war nichts zu hören.

Als er so in Gedanken versunken sich durch die unzähligen Schriften wälzte, hörte er plötzlich ein leises Knacken, welches die meditative Stille durchbrach.
Sun Yan's Augenbrauen zogen sich zusammen, als er für einen kurzen Moment innehielt und aufhorchte.

Doch Stille. Es war nichts mehr zu hören.

Er zog das Buch, welches er gerade im Regal entdeckt hatte heraus und ging langsam den Gang wieder zurück. Als das Bücherregal zu Ende war linste er vorsichtig um die Ecke.
Er sah den niedrigen Tisch, an dem er es sich bequem gemacht hatte und er konnte bis zur Eingangstür den Gang herunter blicken.
Doch es war niemand zu sehen.

Sun Yan zuckte mit den Achseln und schnaufte einmal durch seine Nase, als er zurück zu seinem Tisch ging und sich wieder niederlies.
Er strich sich kurz über seine Schläfen und schüttelte einmal seinen Kopf.
Dann legte er ein paar Bücher und Schriftrollen zusätzlich auf dem Tisch ab und so langsam türmte sich ein kleiner Stapel neben ihm auf.

In diesem Moment fiel sein Blick wieder auf den Tee und aus Sorge er könne schon kalt geworden sein und die Mühe des Dienstmädchens wäre somit vergebens gewesen, entschied er sich zunächst eine kleine Pause einzulegen. Er umschloss die Teeschale mit beiden Händen und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass sie noch schön warm war. Dann setzte er sie behutsam an seine Lippen und begann den lieblichen Tee in kleinen Schlucken zu schlürfen.

Nachdem er die wohltuende Flüssigkeit komplett ausgetrunken hatte, stellte er die Teeschale wieder auf dem Tisch ab und nahm sich zwei neue Schriftrollen von seinem Stapel und begann konzentriert zwischen den Zeilen zu lesen.
Seine schlanken Finger fuhren über die Zeilen voller mysteriöser Kalligraphie, als er konzentriert in dem Inhalt des Textes versank.

Die letzten Lichtstrahlen der Sonne fielen nun auf das Land und alles tauchte sich in ein rot-goldenes Licht, bevor sie der Dunkelheit der Nacht wichen. Es wurde immer stiller in Lotus Pier und die Menschen hatten sich fast alle schon in ihre Räumlichkeiten zurückgezogen.

Während Sun Yan so konzentriert in seinen Texten las, hatte er gar nicht bemerkt, wie sich jemand ungesehen dem Pavillon genäherte hatte und schon seid einer ganzen Weile in der offenen Tür stand und ihn betrachtete. Erst als der Winkel des letzten Tageslichtes sich noch einmal veränderte und ein großer langer Schatten den Gang hinab fiel, bemerkte Sun Yan eine dunkle Gestalt in seinem Augenwinkel.

Sofort beschlich ihn ein ungutes Gefühl und er lies seinen Kopf starr nach vorne gerichtet, als er nur mit seinen Augen scharf zur Seite blickte.
Als er die Person in der Tür erkannte setzte sein Herz für einen Schlag aus und er spürte eine unglaubliche Kälte, welche sich augenblicklich von seinen Zehenspitzen aus in seinem Körper ausbreitete. Seine Finger begannen unruhig zu kribbeln und für einen Moment wagte er es nicht sich zu bewegen.

Der alleinige Anblick seines Vaters, wie er dort in der Tür stand und ihn anstielte, versetzte ihn in Angst und Schrecken und ohne auch nur einmal zu blinzeln starrte er vor sich auf seine Schriften. Es war als hätte er einen Geist gesehen und er wagte es nicht sich zu rühren, aus Hoffnung man würde ihn vielleicht nicht entdecken und das der Spuk wieder an ihm vorbei ziehen würde.

Doch dem war nicht so.

Sein Vater setzte mit langsamen aber bestimmten Schritten einen Fuß vor den Anderen und kam langsam den Gang herunter. Seinen Sohn dabei nicht für eine Sekunde aus den Augen lassend.

Sun Yan erstickte förmlich an seiner Angst und seine Kehle schnürte sich zu, als er die dumpfen, schweren Schritte vernahm, welche sich ihm langsam immer weiter näherten. Es war wie ein Paukenschlag in seinen Ohren, jeder einzelne Schritt und sein Puls begann langsam anzusteigen, als die verschlossene Tür tief in seiner Seele begann sich unter leisem Knacken einen Spalt zu öffnen.
Er schluckte einmal schwer und leichter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, als der Schrecken aus seiner Kindheit begann wieder in ihm hochzukriechen

Als sein Vater seinen Tisch fast erreicht hatte, ertrug Sun Yan es nicht mehr länger. Der Druck war einfach zu groß und sein Körper bewegte ihn plötzlich insinktiv zur Flucht.
Ohne auch nur einmal aufzusehen, stand er plötzlich ruckartig auf und ging zügigen Schrittes los. Jedoch war der einzige Ausweg aus der Bibliothek der große Haupteingang und so steuerte er geradewegs auf seinen Vater zu, in der Hoffnung einfach kommentarlos an ihm vorbei ziehen zu können, um sofort die Räumlichkeiten zu verlassen.

Der kurze Moment an dem die beiden direkt auf einer Höhe waren und die Ärmel ihrer langen Roben sich fast berührten, setzte sogar Sun Yan's Atem kurzzeitig aus und mit gesenktem Kopf zog er an ihm vorbei.
Seine Knie zitterten und er konnte nur noch an den Ausgang denken. Als er den schlimmsten Schritt fast hinter sich hatte und glaubte an seinem Vater vorbei zu sein schnellte plötzlich dessen linke Hand unter der Robe hervor und hielt Sun Yan grob am Handgelenk fest.

Sun Yan schrak auf und er kam sofort zum Stillstand, als er die kalten Finger an seinem Handgelenk verspürte, welche sich so grob und tief in sein Fleisch bohrten.
Seine Augen weiteten sich, als er eine eisige Kälte verspürte, welche sich von den gefürchteten Fingern in sein Handgelenk ausbreitete und dann langsam an seinem Arm hinauf, Richtung Ellenbogen ausbreitete.

Das Gefühl von Haut auf Haut war wie eine Schockstarre und ihm schnürte sich sofort sein Brustkorb zu, als ein Gefühl von Übelkeit seine Kehle flutete.
Sun Yan sah noch die weit offen stehende Tür der Bibliothek, doch obwohl sie so nah war, war sie in diesem Moment so unerreichbar fern für ihn. Er sah das letzte Tageslicht vor der Tür, welches nun vor seinen Augen verblasste und sich langsam zurückzog. Die Nacht fiel über das Land herein und die Dunkelheit mit ihren bedrohlichen Schatten kehrte im Pavillon ein.

In diesem Moment, als alle Hoffnung auf Flucht dahinzuscheiden schien, vernahm Sun Yan plötzlich die tiefe und eindringe Stimme seines Vater's, welche von hinten unheilvoll in seinem Ohr widerhallte:
„Sun Yan mein Sohn! Wo willst du hin? Ist dies etwa die Art wie du mit deinem Vater umgehen solltest? Wir haben uns so viele Jahre nicht gesehen. Möchtest du mich nicht wenigstens einmal ansehen und mit mir sprechen? Ich bin mir sicher, wir haben uns viel zu erzählen…"

Die Stimme seines Vaters hatte einen unangenehmen Unterton und genauso wie seine kalten Finger drang diese tief in seinen Körper ein und verursachte ein Chaos der Gefühle.
Sun Yan schluckte schwer, sein Blick starr zu Boden gerichtet. Er hielt für einen Moment inne als er schließlich kurz und knapp sagte:
„Es gibt nichts zu erzählen. Bitte verlasse Lotus Pier wieder und geh."
Sun Yan zog an seinem Handgelenk und wollte sich aus dem Griff seines Vater's befreien, doch zu seinem Erstaunen hielt dieser ihn fest und gewährte ihm nicht einen Zentimeter des Abrückens.

Ein leicht belustigtstes Schnaufen kam durch die Nase seines Vaters.
„Glaubst du etwa, du kannst mir Befehlen was ich zu tun habe? Wir sind hier zwar in Lotus Pier aber Sun Yan vergiss nicht, ich bin dein Vater. Du bist mein Sohn und du hast mir zu gehorchen!"
Mit diesem Satz zog sein Vater plötzlich grob an seinem Handgelenk und Sun Yan strauchelte ein paar Schritte nach hinten. Wie aus Reflex wollte er sich wehren doch sein Vater war von größerer Statur und nach ein paar schnellen Handgriffen wurde Sun Yan plötzlich gewalltvoll nach hinten gegen ein Bücherregal geschleudert.
Die linke Hand seines Vaters schnellte nach vorne und legte sich dabei um seine Kehle.

Sun Yan blieb kurzzeitig die Luft weg, als er gewaltvoll mit seinem Rücken gegen das Regal gepresst wurde, bis es nur so rappelte und knackte. Ein paar Bücher und Schriftrollen fielen sogar aus dem Regal heraus zu Boden und Sun Yan verzog schmerzerfüllt sein Gesicht, als sich ein paar Holzbretter in seine Schulterblätter bohrten.
„Ah..!" Ächzte er einmal leise über seine Lippen. Seine Augen waren zunächst vor Schmerz geschlossen, als er auch schon spürte wie sein Vater den Griff an seiner Kehle sogar noch festigte. Sun Yan's Augen schnellten wieder auf und um sich zu schützen griff er an das Handgelenk seines Vaters, doch die eiserne Hand um seine Kehle rührte sich kein Stück.

Ihre Blicke trafen sich und Sun Yan's Augen weiteten sich in Furcht, als er in die stechenden Augen seines Vaters blickte. Lange war es her, dass er diesen besitzergreifend Blick, mit einem Hauch von Anzüglichkeit, gesehen hatte, welcher es unwürdig war aus den Augen eines Vaters zu sprechen. Sun Yan erklomm sofort ein Gefühl von Scham und Hilflosigkeit, als sich sein Körper an die unerwünschte Körpernähe seines Vaters erinnerte.

Doch sein Vater kam mit seinem Gesicht sogar noch etwas näher heran, als er unheilvoll zischte:
„Glaubst du etwa ich weiß nicht, warum du damals fortgegangen bist? Warum du deine Familie zurückgelassen hast und deinen Clan im Stich gelassen hast? Deine Mutter und Schwester kannst du vielleicht belügen aber mich nicht.
Du wolltest die Lehren eines größeren Clan's lernen? Ein großer Cultivator hier in Yunmeng werden? Das ich nicht lache.
Feige weggelaufen bist du, hast deine Familie verraten und uns im Stich gelassen. Ich hätte dich gebraucht Sun Yan. Ich war die ganzen Jahre der einzige Mann in der Familie. Es wäre deine Pflicht gewesen als mein Sohn in meine Fußstapfen zu treten und mein Erbe anzunehmen. Aber du bist einfach fortgelaufen."

Sun Yan schloss seine Augen. Er spürte den warmen Atem seines Gegenübers, welcher ihm unangenehm ins Gesicht stieß. Er ertrug es nicht seinen Vater so nah an sich zu haben und dessen beißende Worte gingen wie tausend blanke Nadeln seine Kehle herunter.

Sun Yan's Vater wurde durch das Schweigen seines Sohnes etwas ungehalten und er drückte noch einmal mit seiner Hand fest zu und stieß den Jungen erneut mit Nachdruck gegen das Regal. Es rappelte erneut und eine weitere Schriftrolle fiel polternd zu Boden.
„Sieh mich an! Du selbst bist in die große weite Welt hinaus gezogen, führst hier ein Leben in Saus und Braus und hast deine Familie mit einem Krüppel als einzigen Mann im Haus zurückgelassen. Ich bin es, der seid Jahren die Mäuler deiner Mutter und Schwester stopfen muss, nicht du! Wie konntest du es nur wagen uns damals so alleine zurückzulassen? Wie konntest du es wagen MICH so zurückzulassen?"

Sun Yan's Mund wurde trocken. Er bekam langsam keine Luft mehr, als er seine Augen unter Anstrengung wieder öffnete. Sein Blick fiel auf den leblosen rechten Arm seines Vater's, welcher in dem Ärmel seiner Robe wie totes Fleisch nutzlos herunter hing. Für einen Moment schoss wieder ein kurzes Gefühl von Mitleid durch sein Herz und atemlos presste er die Worte aus seiner Lunge:
„Vergib...mir! Aber ich…"

Die Augen seines Vaters zogen sich scharf zusammen, als er in das gequälte Gesicht seines Sohnes blickte. Und umso mehr sich in Sun Yan´s Gesicht abzeichnete, unter welchen Schmerzen und Atemnot er litt, umso triumphierender und gieriger schien der Blick seines Vater's zu werden. Schleichend schlug dessen Gemüht langsam um und aus anfänglicher Wut und Ärger wurde bald bittere Verzweiflung und das Verlangen nach Erlösung.
„Sag es!" Sagte Sun Yan's Vater plötzlich laut, seinen Blick auf die schmalen Lippen seines Sohnes geheftet, so als wollte er es nicht nur hören sondern auch sehen, wenn die Worte nach denen er verlangte, auch über diese Lippen kamen.
„Sag, dass du wieder zurückkommst!
Sag, dass du wieder zu MIR zurückkehrst!
Wir brauchen dich Sun Yan! Ich brauche dich! Ich bin doch dein Vater!
Es wird alles wieder so sein wie Früher, das verspreche ich dir! Wir waren doch alle glücklich...Wir wären endlich wieder eine Familie!
Komm wieder nach Hause mein Sohn!"

Mit einem Mal wurde Sun Yan aus einer Angststarre gerissen. Die Worte seines Vaters wühlten all die häßlichen und unschönen Erinnerungen wieder in ihm auf und seine Seele und sein Herz schrien vor Schmerz. Sein Puls geriet in Wallungen, seine Atmung wurde unruhig und das blanke Entsetzen machte sich in ihm breit. Seine Augenbrauen zogen sich zornig zusammen, als plötzlich der Kampfgeist wieder in ihm erwachte. Er fasste mit beiden Händen an die Hand seines Vaters, versuchte diese von seiner Kehle zu lösen und keifte zähneknirschend in Auflehnung:
„Es gibt kein WIR und es gibt keine glückliche Familie! Ich liebe meine Mutter und meine Schwester über alles aber du hast meine Liebe nicht verdient!
Du hast damals alles kaputt gemacht!
Glaubst du etwa ich habe vergessen was du mir angetan hast? Glaubst du etwa ich sei dumm und würde deinen Lügen glauben?
Ich bin nicht mehr das Kind von damals! Du bist verrückt, es hat nie diese heile Familie gegeben von der du sprichst! Ich bin damals fortgegangen weil ich diese scheinheiligen Lügen nicht mehr ertragen hatte und ich war es satt für dein Geheimnis und dein unglückliches Leben herzuhalten!
Also Lass mich sofort los und verschwinde wieder! "

Sun Yan nahm all seinen Mut und Kraft zusammen und als die spiritelle Energie in seinem Körper begann aufzulodern und er es gerade schaffte seinen Vater von sich etwas wegzudrücken, spürte er auf einmal ein seltsames Gefühl in seiner Brust. Die spirituelle Energie in seinem goldenen Core, welche gerade kraftvoll dabei war sich zu entladen erstickte mit einem Mal wieder und verflog wie ein dünner Rauch im Nichts.
Seine Hände und Beine wurde plötzlich ganz schwach und seine Sinne schienen ihm zu schwinden.
„Was..?" Sagte Sun Yan etwas kraftlos, als sein Sichtfeld auch schon leicht zu verschwimmen begann. Sein Kopf sank dezent auf seine Brust herunter und es schien als wäre alle Lebenskraft plötzlich aus seinem Körper gefahren. Er versuchte mit seinen Augen den Blick wieder zu fokusieren, als er auf einmal ein hämisches Grinsen in dem Gesicht seines Vaters erblickte.

Es war dieser Moment als ihm bewusst wurde, dass er in eine Falle getappt war. Er fühlte ein Gift, welches sich durch seine Venen pumpte und sich immer weiter in seinem Körper ausbreitete. Seine Hände sanken schließlich schlaff nach unten, als er sich kraftlos nach hinten an das Regal anlehnte.

Die Mundwinkel seines Vater's bogen sich unheilvoll nach oben, als er an Sun Yan's Kinn packte und dessen Wangen zwischen seinen Fingern zusammendrückte. Er lehnte sich leicht nach vorne und flüsterte dann zufrieden in Sun Yan s Ohr:
„Und, wie fühlt es sich so an, wenn plötzlich alle Kraft aus seinem Körper schwindet und man nur noch tatenlos zusehen kann? Wo ist all dein Zorn und dein Widerstand von eben plötzlich geblieben? Warst du nicht gerade noch dabei dich gegen mich auzulehnen und mich zu übermannen?"

Sun Yan's Augenbrauen spannten sich angestrengt an. Er konnte es nicht glauben.
Schlapp und etwas langsam fragte er:
„Was ist das? Was hast du mir da gegeben?"

Doch sein Vater kicherte nur leise auf, als er seine Augen kurz schloss und dann mit seiner Nasenspitze Sun Yan's Ohrmuschel berührte. Mit jedem Wort das er sprach konnte Sun Yan den warmen und feuchten Atem in seinem Ohr spüren:
„Sei ganz unbesorgt, es ist nur ein wenig Betäubungsmittel. In ein paar Stunden, kannst du dich wieder frei bewegen. Aber hast du etwa wirklich geglaubt ich sei unvorbereitet gekommen? Als würde ich nicht wissen, dass deine Cultivation und Kraft mittlerweile der meine übersteigt. Mit nur einem Arm wäre ich im Nachteil gewesen. Wie hätte ich so eine Chance gegen dich gehabt?"

Sun Yan's Vater drückte sich langsam wieder vom Regal ab und blickte in den verwirrten und schwachen Gesichtsausdruck des Jungen.
Sun Yan war fassungslos darüber in eine Falle getappt zu sein. Er konnte sich nicht erinnern etwas zu sich genommen zu haben und auch andersweitig konnte er sich nicht erinnern, wann sein Vater die Chance gehabt haben sollte ihm heimlich etwas einzuflößen.
Während er noch darüber nachdachte wann er einen Fehler begangen haben könnte, fiel sein Blick plötzlich über die Schulter seines Vater hinweg auf den kleinen flachen Tisch.
Er erblickte die leere Teeschale und seine grünen Augen weiteten sich, als er schockiert hauchte:
„Der Tee…!"

Sein Vater linste nach hinten über seine eigene Schulter und grinste dann triumphierend.
„Richtig, der Tee!
Ich hatte dich gesehen und war dir zur Bibliothek gefolgt. Eigentlich wollte ich noch abwarten und es nur im äußersten Notfall anwenden. Aber wer hätte gedacht, dass sich so schnell eine so günstige Gelegenheit bieten würde? Denn während du zwischen den hohen Regalen in den Schriftrollen vertiefst warst forderte mich deine Unvorsichtigkeit geade nahezu heraus. Es war ein leichtes, ein paar Tropfen unterzumischen...
Das arme Dienstmädchen...Sollte jemals jemand erfahren, dass ihr Tee, welchen sie mit Liebe nur für dich zubereitet hatte, letzten Endes vergiftet war...Ich weiß nicht was dein Sect Leader mit ihr anstellen würde…Ob er ihr wohl glauben würde, dass sie es nicht wahr? Was meinst du?"

Sun Yan biss sich auf seine Backenzähne und verfluchte sich selbst.
-Wie konnte er nur so unvorsichtig gewesen sein?-
Er hatte noch ein seltsames Geräusch gehört und war sich nicht mehr sicher gewesen, ob er tatsächlich noch alleine im Pavillon gewesen war. Für einen Cultivator seines Standes ist die Schmach kaum in Worte zu fassen, dass er es im Tee weder gerochen noch geschmeckt hatte. Sun Yan hätte sich links und rechts selbst eine verpassen können, für seine Unfähigkeit.

Während sein Vater die Selbstschuld in dem Gesicht seines Sohnes erblickte badete er innerlich in seiner Überlegenheit und er kam ihm wieder etwas näher und versenkte seine Nase tief in dem seidigen Kragen von Sun Yan's Robe. Er strich mit seiner Nasenspitze an dem zarten Hals auf und ab und atmete mehrfach tief ein und inhalierte förmlich den Körperduft des Jungen.
„Sun Yan…" Hauchte er leise und besessen über seine Lippen.

Doch Sun Yan befiel ein Gefühl von Ekel und während er wehrlos gegen das Regal lehnte und nicht in der Lage war diesen Übergriff zu verhindern, zischte er abwertend:
„Du bist nicht mehr bei Sinnen. Du bist den weiten Weg extra hierher gekommen nur um deinem eigenen Sohn nachzustellen, ihm Gift einzuflößen, ihn gefügig zu machen, nur um ihm dann deinen Willen aufzwingen in der Absicht ihn somit zurückholen zu können?
Das ist krank! Nein...du bist krank!"

Sun Yan's Vater stockte plötzlich in seiner Bewegung und hielt für einen Moment inne. Dann zog er langsam seinen Kopf wieder zurück und blickte Sun Yan direkt in die Augen. Er drückte dabei Sun Yan's Kinn leicht nach oben, fixierte dessen Kopf zwischen seinen Fingern und nagelte ihn dann förmlich mit seinem Blick gegen die Wand.
In seinen Augen loderte plötzlich eine Flamme der Vergeltung auf und Sun Yan spürte, dass er nun etwas unkontrollierbares entfacht hatte.

Mit einem Mal packte sein Vater ihn am Handgelenk und riss ihn grob einmal herum. Sun Yan, in seinem schwachen Zustand wurde sofort um seine eigene Achse gedreht. Als er das Bücherregal plötzlich direkt vor seinen Augen sah, drehte sein Vater ihm seinen Arm auf den Rücken, bis es hoch in die Schulter nur so schmerzte und stemmte dann den Jungen mit seinem eigenen Körper kraftvoll von hinten gegen die Bücherwand.

„Ah!" Stöhnte Sun Yan kurz vor Schmerz auf, als selbst sein Gesicht sich einmal in einen Bücherrücken drückte. Dann zog sein Vater erneut an seinem Handgelenk und Sun Yan kippte leicht nach hinten und stieß mit seinem Rücken gegen die Brust seines Vaters. Sein Kopf streckte sich dabei leicht nach hinten und stützte sich ungewollt gegen die Schulter seines Vater's ab. Sun Yan biss sich vor Zorn auf seine Backenzähne, als er versuchte mit seiner rechten Hand halt am Bücherregal zu finden. Doch seine Finger waren zu schwach und konnten keine richtige Kraft aufbauen und so rutschte er immer wieder ab. Er schaffte es nicht, sich wieder von seinem Vater abzudrücken und versagte gänzlich bei dem Versuch sich zu befreien.

Sein Vater jedoch, war mit dem Verlauf der Dinge vollstens zufrieden und er presste ihre Körper von hinten dicht aneinander, als er hinterhältig in Sun Yan's Ohr schnaufte:
„Krank? Ich bin also krank?
Ich frage mich nur, mein Sohn. Wenn du mich als krank betitelst, was bist du dann?"

Sun Yan stockte für eine Sekunde der Atem. Es war als ahnte er bereits was sein Vater jetzt sagen würde und er fürchtete sich vor nichts mehr, als die Antwort zu erfahren.

Mit einem schmierigen Lächeln auf den Lippen träufelte sein Vater ihm die Worte wie ein langsames Gift in sein Ohr und sie drangen tief in die Seele des Jungen ein und trafen einen wunden Punkt.
Er festigte noch einmal seinen eisernen Griff an Sun Yan's Handgelenk und lies den Jungen noch einmal kurz vor Schmerz aufjaulen, ehe er begann der Saat des Bösen einen Nährboden zu geben.
„Ich habe dich gesehen Sun Yan...Gestern Mittag auf der Veranda...Ich habe gesehen wie dein Sect Leader sich dir aufgedrängt hatte und vor den Augen aller seine Zunge tief und forsch in deine kleine Mundhöhle hat eindringen lassen! Und weißt du was ich noch gesehen habe? Ich habe gesehen, dass dies wahrscheinlich nicht das erste Mal gewesen sein musste...Deine Mimik und Gestik hat dich verraten...
Gewiss hast du auch ihm schöne Augen gemacht und ahlst dich jede Nacht in Lust und Leidenschaft unter ihm im Bett und bettelst förmlich danach, dass er es dir hart und gut besorgt.
Habe ich nicht recht? Du hast dich auf deine Position hier im Clan gewiss über die Jahre nur hochgeschlafen und hast deinen Körper verkauft um in seiner Gunst zu stehen, nicht wahr?"

Während Sun Yan's Vater die häßlichen Worte in das Ohr seines Sohnes eintrichterte, begann er unentwegt mit seiner Nase und Lippen an dem zarten Hals entlang zu fahren und sein Körper schmiegte sich von hinten dicht an und ertastet die begehrte Silhouette durch die Kleider.

Sun Yan schloss angeekelt seine Augen und er litt unter seiner Hilflosigkeit und den provozierenden Worten seines Vater´s. Er konnte nichts tun als seinen willenlosen Körper gegen seinen Vater zu lehnen und war ihm somit mit allen Sinnen machtlos ausgeliefert.
Fast schon etwas schwach und unter Anstrengung sagte er:
„Hör auf...Ich will das nicht hören..."

Doch sein Vater schnaufte nur belustigt durch seine Nase und verursachte einen kalten Schauer an Sun Yan's Hals, als er sagte:
„Du willst es nicht hören? Warum nicht? Etwa weil es die Wahrheit ist? Lass mich fortfahren und hör gut zu was für ein Mensch du bist. Ich bin schließlich dein Vater, ich weiß aus was für einem Holz du geschnitzt bist…"
Mit einem tiefen, euphorischen Brummen entlies Sun Yan's Vater langsam das Handgelenk seines Sohnes, stet's bedacht sofort wieder fest zuzupacken, sollte sich auch nur der kleinste Widerstand regen. Doch das Gift hatte sich mittlerweile weit in Sun Yan's Körper ausgebreitet und seine Kraft reichte gerade noch aus sich wackelig auf den Beinen zu halten. Würde er nicht mit seinem ganzen Gewicht nach hinten gegen seinen Vater lehnen würde er wahrscheinlich sofort zusammenbrechen und zu Boden sinken.
Als sein Arm also wieder entlassen wurde und schlaff nach unten sank, bogen sich die Mundwinkel seines Vater's immer weiter nach oben und es überkam ihn ein unglaubliches Gefühl von Macht und Überlegenheit, als ihm bewusst wurde, dass er seinen vermissten Sohn nun wieder in den Ärmen hielt.
Er wagte es daher, den Jungen nicht mehr festzuhalten und packte statdessen an dessen seideigen Kragen und riss diesen ein Stück die zarte Schulter herunter, während er sofort begann gierig in die freigelegte Haut zu beißen. Er saugte und küsste mehrfach an dem zarten Hals entlang und Sun Yan kniff seine Augen fest zusammen und presste seine Lippen aufeinander.
"Aufhören!" Keuchte er.

Doch sein Vater schnaufte nur voller Ekstase dabei in sein Ohr:
„Sag es mir Sun Yan, für wie viele Männer hast du hier im Clan schon die Beine breit gemacht? Hmm? Wie viele waren es, damit du zu dem Rang gekommen bist an dem du jetzt stehst? Die rechte Hand des Sect Leader's von Yunmeng! Ich bin beeindruckt!
Aber noch beeindruckter bin ich davon, wozu dieser attraktive Körper mittlerweile alles im Stande ist. Hast du sie alle nacheinander befriedigen müssen oder vielleicht sogar gleichzeitig? Oder, hast du es vielleicht sogar alles freiweillig getan und genossen? Liebst du es etwa mittlerweile deinen kleinen blanken Hintern einem Mann entgegen zu halten und darauf zu warten, dass er mit seinem großen, harten Penis tief in dich eindringt?
Du bist unanständig geworden, mein Sohn. Habe ich etwa damals den Grundstein gelegt und dich auf die andere Seite geführt? Hätte ich schon viel eher erahnt welch eine Hure du geworden bist, dann wäre ich schon viel früher gekommen um dich zurückzuholen!"

Sun Yan's Vater biss immer wieder in die zarte Haut, seine Zähne versenkten sich in das Fleisch und während er die Haut sogar lang zog bis es leicht blutete, begann seine linke Hand auf Sun Yan's Brust auf und ab zustreicheln.

Sun Yan's Augen schnellten erschrocken weit auf.
-Wie konnte er dies nur mit sich machen lassen?-
Die Worte seines Vater's widerten ihn an und sein Stolz wurde ein weiteres Mal mit Händen und Füßen getreten. Immer wieder wurde er Opfer sexualisierter Gewalt und ein weiteres Mal stand er machtlos diesem Angriff gegenüber.
„Lass mich los!" Zischte er wütend über seine Lippen.
„Lass mich sofort los und halt endlich dein krankes Maul! Ich bin nicht wie du! Wie kannst du es nur wagen so mit mir zu sprechen?"

Sun Yan's Vater zuckte zunächst über die ungewohnt respektlosen Worte seines Sohnes zusammen. Für einen Moment hörte er auf und blickte dann scharf nach vorne, zwischen die Bücher. Er hörte zwar die Worte der Ablehnung seines Sohnes, aber er wollte es nicht wahrhaben. Er sah nur das, was er sehen wollte, als seine linke Hand plötzlich seitlich in den geöffneten Kragen von Sun Yan's Robe glitt und begann über die nackte Brust zu streicheln.
„Pssssst…" Zischte er über seine Lippen. Er schnallste ermahnend dreimal mit seiner Zunge, als er belehrend sagte:
„Sollst du so mit deinem Vater sprechen? Ich bin mir sicher, dass du mich genauso vermisst hast. Du hast es vielleicht verdrängt aber nicht nur ich habe Lust und Freude damals empfunden. Gib es zu, du wolltest es doch auch. Wir wollten es beide!
Ich war es, der dir diese sinnliche Welt gezeigt hat und ich habe deinen Körper in dieser Lust trainiert und ihn reifen lassen!
Ich war es, der dir dein wahres Verlangen gezeigt hat. Dein wahres Ich!"

Sun Yan's Herz setzte für einen Schlag aus. Die Erinnerungen der Vergangenheit zerrissen seine Seele und Körper in Zwei und es war der blanke Horror, der ihn heimsuchte und durch Mark und Gebein ging. Es war ein Kindheitstrauma, an Schrecken und Widerlichkeit kaum zu übertreffen. Mitten in seiner Verzweiflung schossen ihm plötzlich zusätzlich die Erinnerungen von jenem Tag in der Cloud Recesses durch den Kopf, als er sich selbst schamlos an Jiang Cheng vergangen hatte. Die vielen Erinnerungen überlappten sich auf einmal, sie schienen sich zu vermischen und stürzten Sun Yan nur noch weiter in den Abgrund hinab. Chaos brach in seiner Seele aus und er verlor alle Rationalität,
- Also hatte er vielleicht doch recht gehabt? Also stimmte es doch, dass er kein Deut besser als sein Vater war? Das er tatsächlich genauso krank war und sogar in seine Fußstapfen getreten war?-

Sun Yan's Vater, der ganz genau wusste was seine Worte mit dem geschundenen Herzen des Jungen anstellen würden, ergözte sich daran seinen eigenen Sohn an seiner Vergangenheit zerbrechen zu sehen. Er sollte stolpern und fallen, bis er nicht mehr im Stande war wieder aufzustehen. Er sollte genauso wie er an seiner sexuellen Neigung, seinen Geheimnisse und an seinen unerfüllten Wünschen zu Grunde gehen.
Denn dann, wäre er mit dieser Schmach nicht mehr alleine.

Die kalte, linke Hand streichelte mehrfach über die zarte Haut, umkreiste die kleinen Nippel und wanderte dann ganz langsam nach unten Richtung Taille.
Während er sich schon gierig über die Lippen leckte hauchte er, systematisch den letzten Willen des Jungen vernichtend:
„Ich habe es dir immer gesagt mein Sohn...
Du bist die Sünde, du bist die Versuchung und du verführst die Männer gegen ihren Willen zur Unsitte.
Genau so wie du es mit deinen eigenen Vater getan hast.
Es ist deine Schuld, das sie alle vom rechten Weg abgekommen sind.
Es ist dein Körper der sie bezirzt, dein hübsches Gesicht welches sie anlockt und es sind deine Augen, die sie verführen.
Diese wunderschönen grünen Augen die einen förmlich dazu auffordern sich an dir zu vergehen.
Du bist das Übel!"

Mit diesem Satz packte er plötzlich beherzt an den breiten Gürtel in Sun Yan's Taille und riss mit einer gekonnten Handbewegung diesen herunter. Die Robe lockerte sich und mit einem zielsicheren Griff fasste er an dann Sun Yan's Hosenbund, öffnete diesen und glitt mit seiner kalten, großen Hand unter den Stoff.

Sun Yan's Augen weiteten sich in's Unermessliche, als sein Körper erneut in den Geschmack des Horros aus seiner Kindheit kam. Seine Haut begann förmlich zu brennen, überall dort wo er die Berührungen seines Vater's spürte und seine Augen wurden glasig und bekamen einen leblosen Ausdruck, als er begann seine eigene Existenz zu verfluchen. Es war dieser Moment, als er seine grünen Augen, welche er von seiner Mutter geerbt hatte, zu hassen begann. Er verfluchte sie und in diesem Augenblick wünschte er sich nichts sehnlicher, als das endlich jemand ihm diese Augen ausstechen würde, in der Hoffnung, dass dieser Albtraum endlich ein Ende finden würde.
Seine Kehle begann sich immer weiter zuzuschnüren und seine Stimme verzagte gänzlich, als er noch nicht einmal mehr in der Lage war überhaupt an Hilfe oder Rettung zu denken. Er war verstummt und in seinem kraftlosen Körper gefangen, dazu verdammt, es immer und immer wieder still über sich ergehen zu lassen.

Die Ekstase von Sun Yan's Vater war nicht mehr zu bremsen und so begann seine Hand in der Hose seines Sohnes rhythmisch auf und ab zu wandern. Er schnaufte gierig, inhalierte förmlich den Körperduft der Jugend und liebkoste den zarten Hals und die Schulter, bis diese rot anliefen.
Gefangen in seinem eigenen aufgestautet Verlangen stöhnte und ächzte er, während er begann sein eigenes steifes Glied durch die Kleidung von hinten in den Jungen zu drücken. Er hauchte atemlos:
„Sun Yan…Oh Sun Yan, mein Sohn. ..Wie sehr habe ich dich vermisst...
Deine zarte Haut, dein seidiges Haar, deine feine Stimme und dein Duft. Dein betörender Duft...
Du machst einen schlechten Menschen aus mir. Du lässt mich hadern mit mir selbst und holst den Dämon aus mir heraus."

Sun Yan sagte kein Wort mehr. Er biss sich auf seine Backenzähne und kämpfte gegen die aufkommende Übelkeit an, welche wie ein dicker Kloß in seiner Kehle steckte. Sein Mund wurde trocken und über seine Wangen begannen ein paar stille Tränen zu kullern und benetzten seine Haut.

Die Hand seines Vater's wurde immer ungehaltener und ungeduldig begann sie die Hose des Jungen von der Hüfte zu streifen, während sie dabei immer wieder alle erogenen Zonen zwischen den Beinen seines wehrlosen Opfers betatschte. Er fasste dabei immer wieder an Sun Yan's runde Pobacken und knetete rhythmisch und in kreisenden Bewegungen durch das Fleisch, während er selbst schon eifrig begann im Takt sein Becken vor und zurück zuschieben.
Unter Anstrengung flüsterte er von hinten:
„Hätte ich dich nicht zufällig vor ein paar Tagen nicht unweit von Yunmeng vor einer Gaststätte mit deinen Kameraden gesehen, dann wäre wahrscheinlich nicht erneut dieses Verlangen in mir entfacht. Aber jetzt wo ich dich nach so vielen Jahren wieder gesehen und mit eigenen Augen gesehen hatte was für ein Mann aus dir geworden ist, konnte ich die Vergangheit nicht mehr ruhen lassen. Mein Körper erinnerte sich sofort wieder an dich, er sehnte sich nach dir und ich war nicht fähig deiner teuflischen Verführung zu widerstehen.
Mein Sun Yan, mein geliebter Sohn, was hast du mir nur angetan...?"

Sun Yan war nicht mehr im Stande etwas darauf zu antworten. Seine Seele hatte sich verschlossen und irrte rastlos umher. Sein Herz und sein Wille waren erneut gebrochen und er ging zu Grunde an der innerlichen Qual und Folter. Während er das gierige Geschnaufe seines eigenen Vaters in seinen Ohren vernahm, spürte er nur noch eine kalte und ungeliebte Hand, welche unaufhörlich sein Glied stimulierte.

Sun Yan's Vater schloss genüsslich seine Augen und führte langsam seine Finger zu seinen eigenen Lippen. Er führte seinen Zeige und Mittelfinger kurz in seine Mundhöhle ein und befeuchtete diese, als er sie schließlich wieder herauszog und dann nach unten zwischen zwei runden Pobacken damit abtauchte.

Sun Yan spürte noch etwas Feuchtes zwischen seiner Poritze, als sein Vater ihn auch schon plötzlich kraftvoll nach vorne stemmte und ihn somit gegen das Bücherregal presste. Sein blanker Hintern ragte nun etwas nach hinten heraus und sein Gesicht lehnte seitlich an dem Bücherregal, während seine schwachen Finger zwischen den alten Schriften Halt suchten.
Seine Augen weiteten sich und ein kurzer Ausruf des Schocks verließ seine Kehle, als er auch schon spürte wie die zwei kalten Finger sein kleines Loch berührten.
„Nein! Nicht!" Jappste er noch atemlos, doch dann drückte sich auch schon der erste Finger langsam in sein enges Loch hinein.
Sein Mund öffnete sich einen Spalt, als er einmal ruckartig nach Luft schnappte.
Kraftlos und alle Hoffnung verlierend wimmerte er auf:
„Bitte, Vater. Alles aber nur nicht das…"

Doch Sun Yan's Vater hörte nicht auf ihn sondern lies die verzweifelten Worte seines Sohnes kaltherzig an sich vorbei ziehen.
Er führte sogar noch einen zweiten Finger ein und begann das enge Loch zu spreizen und zu dehnen, während er rhythmisch mit seinen Fingern aus der kleinen Körperöffnung rein und raus fuhr.
Er stöhnte dabei leise auf und das berauschende Gefühl stieg ihm zu Kopfe. Seine sexuelle Erregung stieg unaufhaltsam an und sein Verstand blendete sich vor Ekstase völlig aus, als er ein weiteres Mal im Begriff war seinen eigenen Sohn zu Misshandeln und zu Vergewaltigen.

Sun Yan lehnte mit seiner Stirn erschöpft gegen das Bücherregal und während seine zittrigen Beine ihn gerade so noch aufrecht halten konnten, begann sich eine eisige Leere in seiner Seele auszubreiten. Es war wie ein dunkles Loch in das er hineingesogen wurde und die verschlossene Tür in seinem Herzen aus seiner Vergangenheit ward wieder geöffnet und holte ihn erneut zurück. Er konnte einfach nicht mehr und es war für ihn mehr als er ertragen konnte, als er sich nichts sehnlichster wünschte, als das dieser Albtraum endlich ein Ende finden würde.

Ein gefürchtetes Geräusch erklang, als sein Vater seine frivolen Finger wieder herauszog und unter aufgeregtem Gejapse und Geschnaufe ungehalten seinen eigenen Hosenbund öffnete.
Sun Yan, der das unverkennbare Rascheln bemerkte, bettelte ein letztes Mal mit gebrochener Stimme, wie einst der Junge aus der Vergangenheit:
„Bitte Vater, bitte. Ich will das nicht. Nicht noch einmal."

Doch sein Vater leckte nur gierig an dem schlanken Hals.
„Keine Angst mein Sohn. Ich werde dir nicht weh tun. Also halt schön still und sei ein guter Junge ok? Genauso wie damals…."

Doch gerade als er seinen Satz beendet hatte und dabei war seine Hose herunter zu lassen spürte er auf einmal eine bedrohliche Aura, welche sich rasant von hinten näherte. Binnen einer Sekunde spürte er plötzlich eine eisige Schwere auf seiner Schulter und in seinem Augenwinkeln sah er plötzlich blankes Metall in dem fahlen Abendlicht aufblitzen.
Noch bevor er reagieren konnte erklang plötzlich eine bedrohliche Stimme von hinten, welche so mit Wut und Zorn gefüllt war, dass selbst die enorme Kraft von immenser spiritueller Energie aus ihr sprach:
„Nehmt sofort eure dreckigen Finger von ihm!"

Sun Yan's Augen weiteten sich ungläubig, als er spürte wie sein Herzschlag für einen Moment aussetzte. Der Klang dieser so vertrauten Stimme löste sowohl ein Gefühl von erhoffter Rettung als auch ein Gefühl von endloser Scham in ihm aus.
Ganz langsam und etwas zögerlich wendete er seinen Kopf zur Seite, als er in die stechenden und wütenden Augen von Jiang Cheng blickte.

Ein kurzer Moment der angespannten Stille verging und die Luft begann förmlich zu schwingen, als keiner der Drei wagte sich auch nur einen Mü zu rühren.

Plötzlich polterte Jiang Cheng's Stimme erneut laut los und die Bibliothek begann nahezu zu beben unter seiner enormen Ausdruckskraft:
„Ich sagte, nehmt sofort eure dreckigen Finger von ihm oder ich werde augenblicklich euren linken Arm von eurem Körper abtrennen."

Sun Yan's Vater wagte es nicht auch nur eine falsche Bewegung zu mahen. Er spürte Jiang Cheng's überlegene Kraft und wusste, dass sein Leben gerade an einem seidenen Faden hing. Es half auch nichts mehr zu versuchen mit gekonnter List sich aus dieser Situation herauszureden und so blieb ihm nur sich zu ergeben und zu hoffen, lebendig aus dieser Situation wieder herauszukommen.
Ganz Langsam zog er seine linke Hand zurück und entlies den Jungen wieder aus seinem Übergriff.

Sun Yan atmete einmal ruckartig ein und als sein Vater endlich von ihm ablies, knickten seine schwachen Beine leicht ein und er wäre fast auf den Boden zusammengebrochen, wenn Jiang Cheng nicht sofort seine linke Hand nach ihm ausgestreckt hätte, ihn am Oberarm ergriff und ihn dann sofort zu sich heranzog. Dabei presste er mit seiner rechte Hand ermahnend die blanke Klinge seines Schwertes gegen den Hals von Sun Yan's Vater und drückte diesen somit ein Stück zur Seite. Dabei Schnitt die scharfe Klinge leicht in das dünne Fleisch am nackten Hals und Sun Yan's Vater wich ein Stück zur Seite aus, als ein wenig rotes Blut in seinen Kragen lief.

Sun Yan's Vater drehte sich langsam um und blickte Jiang Cheng in die Augen. Es war als würde der Teufel höchst persönlich vor ihm stehen und die blanke Klinge des Schwertes legte sich sofort wieder an seine Kehle an und bedrohte sein Leben. Jiang Cheng's Hand zitterte vor Wut und Vergeltung und es fehlte nur ein einziger falscher Schritt und es würde zu unaufhaltsamen Blutvergießen führen.

Sun Yan strauchelte derweil unter Jiang Cheng's starken Zug herüber an dessen Seite. Er klammerte sich an Jiang Cheng's Seite, so als würde sein Leben daran hängen und er klappte förmlich in sich zusammen, als Jiang Cheng schnell seinen linken Arm um ihn legte und den Jungen dicht an seinen Körper heranzog.
Er umfasste dessen Schulterpartie und legte dann seine Hand an Sun Yan's Hinterkopf und drückte den Jungen fest an seine Brust.

Dann polterte er los:
„Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt was hier nicht richtig ist und warum er sich so seltsam benimmt! Wie konnte ich nur so blind sein und es nicht sehen!
Ihr seid heuchlerisch, widerwertig und absolut krank! Ich sollte euch an Ort und Stelle den Kopf abschlagen und eure Gebeine den Hunden zum Fraß vorwerfen!"
Jiang Cheng wurde immer lauter und seine zittrige Hand drückte das Schwert immer dichter an den Hals seines Gegenübers. Erneur trat rotes Blut aus dem feinen Schnitt heraus und lief an dem Hals herunter bis in den Kragen.

Ihrer beider Augen trafen sich und ihre intensiven Blicke prallten in der Luft förmlich aufeinander.
Die Erde bebte.

Doch Sun Yan's Vater, seinen Nachteil nicht außer Acht lassen, war dennoch selbst einmal ein angesehener Cultivator und Kämpfer gewesen. In seinen Knochen steckte noch immer der Stolz von einst und Jiang Cheng's Worte beleidigten und provozierten ihn und das nicht nur als Cultivator, sondern auch als Mann.
Seine Augenbrauen zogen sich daher kraus zusammen und unter scharfem Blick und dominanter Stimme konterte er:
„Jiang Cheng, Sect Leader vom Yunmeng Jiang Clan. Ich bedanke mich dafür, dass ihre jahrelang Sun Yan unter euren Mantel genommen habt und ihn an meiner Stelle gelehrt und großgezogen habt. Aber dies ist nun eine Sache zwischen Vater und Sohn. Ich bin hierher gekommen um ihn wieder nach Hause zu holen. Die Familie braucht ihn und ich denke, dass ich in einer Position bin, die mir mehr Rechte zuspricht als euch, um zu bestimmen was mit dem Jungen geschiet.
Die Erziehungsmethoden sind die meinen...
Er ist schließlich mein eigen Fleisch und Blut. Er ist mein Sohn und ich bin sein Vater.
Ich allein kann bestimmen was mit ihm Geschieht, denn er gehört mir!"

„...Erziehungsmethoden..?" Hauchte Jiang Cheng fassungslos.
Seine Geduld war somit am Ende und in ihm loderte die Mordeslust auf. Er konnte sich kaum noch zügeln, als er mit seiner rechten Hand ausholte und plötzlich die Spitze seines Schwertes in die Schulter von Sun Yan's Vater rammte.

„Ah!" Ächzte dieser unter Schmerzen auf und stieß nach hinten gegen das Regal. Sofort zog Jiang Cheng das Schwert wieder heraus und unter den schockierten Augen von Sun Yan hielt sich sein Vater seine schmerzende Schulter. Blut trat aus der Wunde heraus und bald quoll die rote Flüssigkeit zwischen seinen Fingern hervor und befleckte den dunklen Holzfußboden.

Jiang Cheng festigte noch einmal seinen Griff und drückte Sun Yan, welcher sprachlos und schockiert in seinem Arm hing, erneut an sich heran.
Seine Stimme zerschnitt die Luft, so beißend kam sie aus seiner Kehle heraus:
„Dies ist Yumneng! Dies ist mein Land und dies ist mein Clan! Und mein Wort ist hier Gesetz!
Sun Yan ist seit dem Tag wo er zu mir gekommen ist mein und gehört zu mir!"

Die Augen von Sun Yan's Vater weiteten sich und zornig biss er sich auf seine Backenzähne. Seine Hand presste sich gegen seine schmerzende Wunde, aus welcher unaufhaltsam frisches Blut zu Boden tropfte.
Doch plötzlich schnaufte er belustigt durch seine Nase und er bekamen einen irren Ausdruck in seinen Augen.
„Ihr könnt mir nichts tun! Sun Yan's Mutter und seine Schwester brauchen mich! Sie brauchen jemanden der sie an seiner Stelle beschützt, wenn ihr ihn hier wie euer Eigentum festhaltet. Seht ein, ihr seid machtlos gegen mich! Wir sind eine Familie, wir brauchen aneinander.
Denkt dran, wenn ihr mir etwas antut, tut ihr der ganzen Familie etwas an und somit auch Sun Yan. Ihr wollt ihn doch nicht unglücklich machen, ich bin immerhin sein Vater…"

Doch Jiang Cheng lies sich nicht in die Irre führen. Natürlich hatte er diesen Umstand ebenfalls bedacht, aber er fuhr dennoch entschlossen fort:
„Ihr seid einfach krank und ihr habt durch eure widerlichen Taten und unkeuschen Gedanken, die sich als Vater nicht schicken, eure Rechte verwirkt.
Ihr seid widerlicher Abschaum! Ihr seid es nicht würdig euch einen Vater zu nennen!
Ich lasse euch, nur Sun Yan und dem Rest seiner Familie zu Liebe ziehen, aber sehe ich euch noch einmal nur in seiner Nähe, dann werde ich euch töten!
Also verlasst sofort mein Land und kehrt nie wieder zurück bevor ich es mir noch einmal anders überlege!"

Sun Yan's Vater hatte seine Position verstanden und nur widerwillig richtete er sich langsam wieder gerade auf. Er keuchte etwas vor Schmerz und warf dann Sun Yan noch einen letzten sehnsüchtigen Blick zu. Ihre Blicke trafen sich und sein Antlitz spiegelte sich in Sun Yan's grünen Augen wieder. Doch der Junge wendete alsbald den Blick wieder ab, und schaute kommentalos zu Boden. Seine Lippen zogen sich dabei kraus und er zeigte einen gepeinigten und gequälten Gesichtsausdruck. Jedoch sprach er dabei kein Wort, sondern klammerte sich nur einvernehmlich an Jiang Cheng's Seite, während er seinen Vater still fallen ließ.

Die Augen seines Vater's weiteten sich ein letztes Mal, doch dann stürmte er plötzlich an den Beiden vorbei und rannte zur Tür hinaus. Als er scharf um die Ecke bog und die Stufen des Pavillon's herunterpolterte, stieß er auf einmal mit Feng Ling zusammen, welcher durch das laute Treiben in der Bibliothek angelockt wurde.
Doch Sun Yan's Vater würdigte ihm keines Blickes, sondern strauchelte nur zurück auf seine Beine, drückte sich hastig an Feng Ling ab und floh dann wie ein geheztes Tier aus Lotus Pier.
Feng Ling blickte ihm noch überrascht hinterher, als er plötzlich etwas frisches Blut an seiner Robe bemerkte. Er blickte an sich herunter und fasste mit seinen Fingern an die leicht schmierige Flüssigkeit und zerrieb sie zwischen seinen Fingern. Seine blauen Augen weiteten sich.

Niemand hielt Sun Yan's Vater auf, als er aus dem großen Tor von Lotus Pier nach Draußen in die Ferne floh und niemand aus Yunmeng hatte ihn je wieder gesehen.

Feng Ling war erschrocken und er ahnte sofort, dass etwas vorgefallen sein musste. Schnell sprang er die Stufen zur Bibliothek hinauf, als er auch schon in den Türrahmen des Pavillon's stand und den dunklen Gang hinunter blickte. Er wollte sofort einen Schritt nach vorne machen, doch er kam sofort ins Stocken und bremste ab, als er sah wie Jiang Cheng mit Sun Yan in den Armen zu Boden sank.

Jetzt wo es endlich vorbei war, brach Sun Yan endlich aus seiner stillen Schockstarre heraus und die Emotionen fluteten seinen Körper und waren nicht mehr im Stande sich zurückhalten zu lassen. Sun Yan fing bitterlich an zu weinen und während Jiang Cheng sich mit ihm auf den Boden sinken lies und sein Schwert zur Seite schmiss, hielt er den Jungen fest in seinen Armen.
Er streichelte ihn, bedeckte ein wenig seinen halb entblößten Körper und drückte ihn fest an sich heran. Immer wieder flüsterte er leise:
„Es ist vorbei...Es ist vorbei! Ich bin hier!"

Es war ein Anblick so grausam und herzzerreißend zugleich.

Sun Yan lies all seinen Emotionen freien Lauf und der Schmerz der Vergangenheit konnte erst jetzt richtig von ihm frei gelassen werden. Während er in sich zusammenbrach und die vielen dicken Tränen über seine Wangen rollten, blickte er plötzlich Jiang Cheng verzweifelt in die Augen und er zog sich etwas an ihm hinauf. In seinem verwirrten Zustand und in Panik verfallend flehte er:
„Bitte, bitte stich sie aus! Stich sie aus!"

Jiang Cheng war sprachlos und wusste nicht was er tun sollte. Als er mit beiden Händen Sun Yan's Wangen festhielt, ihm in die glasigen Augen blickte und nach einer Antwort suchend fragte:
„Was soll ich austechen? Wovon sprichst du?"

Sun Yan blickte sich suchend um und als er Jiang Cheng´s Schwert nur unweit neben ihnen liegen sah, blickte er flehend zu der blanken Klinge herüber. Unter lautem Geschluchze waren zwei Worte deutlich herauszuhören:
„...Meine Augen...!"

Jiang Cheng blickte ihn fassungslos an und Feng Ling, welcher noch immer schweigend und sprachlos im Türrahmen stand und alles mit ansah, hielt sich vor Schock die Hand vor seinen Mund.

Jiang Cheng verstand nicht. Als er besorgt fragte:
„Warum deine Augen? Was ist mit deinen Augen?"

Doch Sun Yan war nicht ganz bei Sinnen, als er wirr daher redete und jammerte:
„...Sie sind der Teufel! Sie sind an allem Schuld! Die Versuchung...die Sünde...es ist alles ihre Schuld! Wenn ich sie nicht hätte...dann wäre das alles nicht passiert! Die unzähligen Male...immer und immer wieder...
Also Stich sie aus, ich ertrage es nicht mehr! Stich sie aus!"

Jiang Cheng's Herz blieb vor Schock fast stehen, als er langsam zu begreifen begann. Sein Herz schmerzte ihm, als er die wichtigste Person in seinem Leben so verzweifelt und verängstigt in seinen Armen hielt. Die Tränen flossen unaufhaltsam, der zerbrochene Körper zitterte so verletzlich und obwohl die Person genau vor ihm war, konnte er ihm dennoch nicht helfen und seinen Schmerz nicht von ihm nehmen.

Jiang Cheng hob schließlich seine Arme an und zerriss mit seinen Händen seinen einen weiten Ärmel. Als er ein breites Stück des Saumes in den Fingern hielt, legte er dieses schnell um Sun Yan´s Kopf und verband ihm seine Augen.

Sun Yan zuckte zunächst noch verängstigt zusammen, doch dann, als es plötzlich dunkel vor seinen Augen wurde und Jiang Cheng ihn wieder fest in seine Arm schloss und die Liebe seines Lebens ihn hielt, als wenn es kein Morgen mehr gäbe, beruhigte er sich langsam. Er sank schlaff in sich zusammen und lies sich von Jiang Cheng's starken Armen halten, als dieser mehrfach auf seinen Kopf küsste und leise flüsterte:
„Ich bin für dich da Sun Yan...
Ab jetzt und für immer...
Ich werde dich nie mehr alleine lassen...
Ich werde mich ändern, ich werde ab jetzt alles anders machen und dich beschützen...
Zuhören will ich dir und dich behüten wie einen Schatz...
Vor allen Gefahren will ich dich bewahren und dir eine wichtige Stütze an deiner Seite sein...
Niemals wieder sollst du Leid erfahren...
Das verspreche ich dir!"

Sun Yan lies sich fallen und lag regungslos in Jiang Cheng's Schoß. Das Gift wütete noch immer in seinem Körper und er war noch nicht wieder fähig sich richtig zu bewegen. Jiang Cheng hatte diesen Umstand schon längst bemerkt. Jedoch reichte sein Niveau an Cultivation bei weitem aus um schnell zu erkennen, was genau das Problem war. Nachdem er direkt bei der ersten Berührung über die Meridiane und den Fluss an spiritueller Energie in Sun Yan´s Körper erfasst hatte, das es sich nur um eine Betäubung handelte und nichts Lebensbedrohliches war, schenkte er dieser Sache keine allzu große Bedeutung mehr.

Sun Yan schwieg wieder. Er spürte nur Jiang Cheng's Körperwärme und hörte seine tiefe Stimme, welche ihm unaufhörlich liebevolle Dinge zuflüsterte. Sein Herz und seine Seele schüttet sich aus und begannen zu verarbeiten, was viel zu lange tief in seinem Inneren verschlossen war.
Seine vielen Tränen, die seine Augenbinde benetzten, hörte noch lange nicht auf und Jiang Cheng hielt ihn so lange in seinen Armen, bis der Junge endlich aufhörte zu zittern und zur Ruhe gekommen war. Vollkommen erschöpft und ausgelaugt schlief er irgendwann friedlich in seinen Arme ein.

Es war dieser Anblick, als Feng Ling zu verstehen begann, dass er Sun Yan nicht geben konnte was er brauchte. Er begriff, dass es Jiang Cheng war nach dem er sich sehnte und es auch nur Jiang Cheng alleine war, der ihn heilen und retten konnte. Ihre Liebe zueinander war ungebrochen und für einander bestimmt.
Für Feng Ling gab es dort keinen Platz. Fassungslos und zutiefst schockiert stand er im Türrahmen und sein Herz schmerzte ihm wie tausend Nadelstiche, als diese Erkenntnis ihn gnadenlos einholte. Er versuchte sich zu lösen, doch er war unfähig einen Abschied zu finden. Sein Körper fühlte sich so schwer an wie aus Blei und es schien als würde aller Sinn seines Lebens langsam aus seinen Glieder fahren.

Seine erste Liebe war ein schwerer Schock und ein beißender Schmerz.
Dieses Gefühl verweilte in seinem Herzen, als er sich langsam abwendete und die Stufen zur Bibliothek wieder herunterschritt.
Als er in der Dunkelheit von Lotus Pier verschwand und das fahle Licht des Mondes sich auf seiner Wange abzeichnete, reflektierte sich eine einzelne Träne in dessen schummrigen Licht, als diese still und ungesehen an seiner Wange herunterperlte.