Chapter 22.8

Der warme Wasserdampf stieg in die Luft empor, vernebelte den Raum und bildete einen dicken Dunst, welcher zur Zimmerdecke hinaufstieg. Die Luft war feucht und warm und tausende nasse Tropfen bildeten sich an den Holzbalken unter der Decke.

Das Wasser plätscherte leise, als Wei Wuxian seine Beine etwas anzog und seinen Kopf entspannt nach hinten auf den Rand des Wassertuppens sinken lies.
„Ah… !" Kam ein entspannter Stöhner über seine Lippen, als er seine Augen genüsslich schloss und die wohltuende Wärme eines heißen Bades genoss.

Er war im Badehaus des Gusu Lan Clans und da es wie immer schon kurz vor 21 Uhr war, hatte er den Raum für sich alleine und verweilte noch ein wenig, bevor er wie immer um kurz vor knapp zurück zu Lan Wangji's Jingshi eilte.
Als er sich gerade noch einmal so richtig entspannt ins Wasser sinken lies und die Strapazen des Tages aus seinen Gliedern fuhren, hörte er auf einmal ein leises Knacken.

Sofort schnellten seine Augen auf und er blickte sich in dem vernebelten Raum um. Dicker grauer Dunst schwebte vor seinen Augen und er hatte Schwierigkeiten die genauen Konturen des Raumes zu erkennen. Langsam richtete er sich im Wassertuppen auf und seine nackte Brust kam bis zur Taille zum Vorschein. Seine Haare hatte er zu einem lockeren Haarknoten nach oben gebunden und einige Haarsträhnen hingen ihm feucht im Gesicht und auf den Schultern. Das Wasser perlte über seine blasse Haut und lief in kleinen Rinnsalen über seine Schlüsselbeine und tropfte an seinem Kinn herunter und schlug dann anschließend in die Wasseroberfläche ein.

Wei Wuxian zog seine Augenbrauen angespannt zusammen, als er deutlich fragte:
„Wer ist da?"

Doch es blieb still im Badehaus und niemand beantwortete seine Frage. Nur das leise Plätschern des Wassers war zu hören.
-Hatte er sich etwa verhört?- Fragte er sich, als er seinen Blick langsam durch den dicken Nebel wandern lies.

„Zeig dich! Es gehört sich nicht, sich jemandem im Badehaus anzuschleichen!"

Doch erneut blieb es still.
Erst nach einer ganzen Weile erkannte Wei Wuxian plötzlich eine schemenhafte Gestalt in Richtung Eingangstür. Er rümpfte seine Nase und seine Stirn zog sich kraus. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn, denn er spürte, dass dies nicht Lan Wangji sein konnte, wie er zunächst erst angenommen hatte.
Denn die dunkle Gestalt ähnelte von den Proportionen keineswegs Lan Wangji und auch ansonsten, gab sie ihm auf den ersten Blick kein allzu vertrautes Gefühl.

Während er also gespannt auf die Tür starrte und sich bereit machte im schlimmsten Fall sofort zu Handeln, bewegte sich die Silhouette plötzlich und kam langsam auf ihn zu.
Mit jedem Schritt, mit dem sich die mysteriöse Person ihm näherte, lichtete sich langsam der Nebel und Wei Wuxian's Augen wurden immer größer.

Eine junge Frau, erschien plötzlich in dem dicken Dunst, ihren Blick unsicher zu Boden gerichtet. Ihr langes, dunkles Haar fiel offen über ihre nackten Schultern hinweg und sie trug nichts außer einem weißen Handtuch, welches gerade so ihre weiblichen Körpermale bedeckte. Ihre nackten Füße und ihre langen Beine zeigten sich verführerisch unter dem Handtuch hervor und ihre Körperhaltung verriet eine gewisse Scheu und Scham. Ihre Wangen erstrahlten nicht geringfügig in einem kräftigen rot, als sie schließlich kurz vor Wei Wuxian stehen blieb.

Ihre rechte Hand ruhte auf ihrer Brust und klammerte sich in den Saum ihres Handtuches, während sie mit ihrer linken Hand mit einer Verlegenheitsgeste ihre Haare einmal hinter ihr Ohr strich.
Ihre Stimme war zart und leise und vermutlich vor Nervosität kurz vorm Zittern:
„Ich bin es…ich wollte dich nicht erschrecken."

Wei Wuxian klammerte sich fassungslos an den Rand des Wassertuppens, als er mit weit aufgerissenen Augen sie anstarrte:
„Gao...Lee...?!"
Kam es überrascht über seine Lippen, als er noch immer wie paralysiert im Wasser saß.
„Was…was machst du hier? Dies ist das Badehaus der Männer!"

Doch bei dieser Frage lief ihr Gesicht nur noch roter an, als sie plötzlich ihre Augen fest zusammen kniff. Ihre Hand auf ihrer Brust krallte sich noch tiefer in das Handtuch, als sie scheinbar die Wörter nur schwer über ihre Lippen brachte:
„Ich weiß...ich…ich…" Stotterte sie.

Wei Wuxian blickte irritiert drein. Gao Lee schien mit irgendetwas zu hadern, so viel war sicher. Sie wirkte so unglaublich unsicher und beschämt, dass Wei Wuxian gar nicht wusste wie er ihr helfen sollte. Geschweige denn, dass er überhaupt verstand was sie hier genau wollte.

Doch die junge Frau nahm all ihren Mut zusammen, lange hatte sie gezögert, lange hatte sie gehadert und doch drängten ihre unerwiderten Gefühle sie zu dieser Tat.
Mit einem Mal fasste sie in den Saum ihres Handtuches und lies dieses von ihrem Körper gleiten, als es plötzlich mit einem dumpfen Ton zu Boden fiel.

Wei Wuxian klappte der Mund vor Schock etwas auf und er starrte sie blank an, als sie plötzlich splitterfasernackt vor ihm stand, ihr Kopf war so hochrot wie ein Oktopus, als sie plötzlich leise wimmerte:
„Bitte, weis mich nicht ab…!"

Wei Wuxian war wie versteinert. Er konnte noch gar nicht glauben, welche wagemutige Tat diese junge Frau da gerade tat, als er vollkommen überrumpelt zusammenzuckte. Ihre nackte Silhouette zeichnete sich in dem dicken Dunst ab und präsentiere sich freizügig, lasziv und verführerisch zu gleich. Ihr junges, zartes Fleisch formte sich in anmutigen Konturen und reizte nicht nur das Auge des Betrachters. Gao Lee war jung und hübsch und ihr runder, zarter Busen und ihre bogenförmige Taille und Hüfte wirkten wie aus einem Gemälde entsprungen. Ihre unsicheren Hände wussten gar nicht so recht wohin mit sich und umfassten etwas haltsuchend ihre Ellenbogen, während ihre langen, schlanken Beine nervös auf der Stelle hin und her strichen.

Wei Wuxian konnte gar nicht anders, als das selbst ihm bei diesem Anblick die Schamesröte nur so ins Gesicht stieg. Er selbst hatte sich in seinem ersten Leben zwar als charmanter junger Mann gesehen, welcher sich nicht ungeschickt mit der Damenwelt angestellt hatte und durchaus die Anwesenheit dieses liebreizenden Geschlechtes zu schätzen wusste, jedoch war er selbst in noch keiner romantischen Beziehung verwickelt gewesen.
Ganz zu schweigen davon, dass sich eine Frau ihm schon einmal komplett nackt präsentiert hätte. Es war also auch für ihn nun ein erstes Mal und der Schock stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Jedoch verbarg sich darunter auch eine gewisse Neugierde und so konnte er es nicht verhindern unbewusst den Moment zu nutzen und die willige Frau vor sich zu betrachten.

Die Unterschiede zwischen einem männlichen und einem weiblichen Körper waren mehr als offensichtlich und Wei Wuxian wusste gar nicht wo er zuerst und wo er zuletzt hinsehen sollte. Abgesehen von den offensichtlichen Körpermerkmalen der weiblichen Brust, welche sofort das Interesse auf sich zog, fiel Wei Wuxian's Blick auf das Ende ihres Unterleibes. Wo zwei wohlgeformte Oberschenkel ihren Ursprung fanden zeigte sich ein kleiner Schlitz, zwischen zwei runden Lippen, welcher den besagten Eingang in eine andere Welt versprach.

Wei Wuxian schluckte einmal schwer, als er versuchte seine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Doch trotz aller Neugierde, Schock und dem momentanen Verlust seines Verstanden, fiel ihm jedoch eine Sache deutlich auf.
Denn trotz diesem unverhofften neuen Einblick und den reizenden Konturen dieser jungen, schönen Frau, berührte dieser Anblick aber keines Falls sein Herz.

Obwohl er sie mit eigenen Augen betrachtete und sie ihn zu locken schien, einzuladen in ihren Schoß zu kommen und sich scheinbar wünschte von ihm umarmt zu werden, so spürte Wei Wuxian jedoch für keine Sekunde das Bedürfnis dieser Verlockung nachzugehen.
Ganz im Gegenteil sogar. Noch während er sie betrachtete fing er insgeheim an, ihre Anmut mit Lan Wangji zu vergleichen.

Als Wei Wuxian in eben diesem Moment klar wurde, was er da eigentlich gerade dachte und in seinem Herzen fühlte, erwischte es ihn plötzlich eiskalt. Eine sengende Hitze stieg ihm in sein Gesicht und er wurde plötzlich von einer unglaublichen Klarheit heimgesucht. Die Entscheidung was er begehrte und was nicht, fiel wie ein Hammerschlag.

Noch in ihren eigenen, wirren Gedanken gefangen, schaute Gao Lee ihn erwartungsvoll an, doch der Mann vor ihr schien sich nicht zu rühren, geschweige denn ihr entgegen zu kommen. In der Annahme das ihre Überraschungstat den jungen Mann einfach sprachlos gemacht habe und sie beide von der gleichen Unsicherheit übermannt wurden, machte sie langsam die letzten Schritte auf ihn zu, als sie sagte:
„Du darfst…gerne noch mehr tun, außer nur zu schauen. Ich wäre willig..."
Doch Gao Lee wurde plötzlich mitten in ihrem Satz unterbrochen, als Wei Wuxian plötzlich wie von der Biene gestochen aufsprang. Ohne darüber nachzudenken, was er da gerade tat, hatte sein Körper schon wie von alleine reagiert. Es war einfach zu viel für ihn, ihr näherkommen und ihre Worte trieben ihn in eine Enge und sein Körper und Geist reagierte panisch mit Flucht.

Das Wasser plätscherte laut, als er mit einem Satz sich voll aufrichtete. Das Wasser spritzte umher und Wei Wuxian stand nun komplett nackt und in voller Größe vor ihr. Er hatte keine Zeit mehr darüber nachzudenken, ob er nun seine intimste Stelle bedeckt hatte oder nicht, er wusste nur eins: Er musste hier schleunigst weg!

Gao Lee's Augen weiteten sich und ihr Herz setzte für einen Schlag aus, als sie davon ausging ihr Glück herausgefordert zu haben und nun das Tier im Manne geweckt zu haben.
Ihre geweiteten Augen fielen auf Wei Wuxian's bestes Stück, welches trotz all ihrer Reize schlaff vor seinem Körper nach unten hing. Sie hielt sich ihre rechte Hand etwas beschämt vor ihren Mund, als Wei Wuxian plötzlich los haspelte:
„Ich muss leider gehen. Sofort!"

Gao Lee hatte nun mit allem gerechnet, aber nicht mit diesen Worten der Ablehnung und so starrte sie ihn schockiert an, als er sie einfach links liegen ließ und hektisch über den Tuppenrand kletterte. Wie ein gescheuchtes Tier hastete er an ihr vorbei und ergriff aus einem Regal das nächstbeste Handtuch, welches er finden konnte und band es sich geschwind um seine nasse Hüfte.
Seinen Blick dabei fest auf den Boden geheftet sagte er in seiner Scham:
„Wir tun einfach so als wäre dies nie passiert und vergessen es einfach wieder. Ich habe auch nicht das Geringste gesehen und es ist ja auch schon spät, es ist nicht schlimm, dass du dich im Badehaus vertan hast! Ich werde einfach gehen und alles erhält wieder seine gewohnte Ordnung!"

Gao Lee stand dort wie bestellt und nicht abgeholt, als sie zu verstehen begann, dass Wei Wuxian tatsächlich gerade versuchte sie abzuweisen.
In ihrer Schmach und ihrer Verzweiflung ergriff sie die Panik und sie spürte die aufkommende Enttäuschung in ihrer Brust, welche begann langsam ihren Mut zu Staub und Asche zu zermahlen.
In dem Glauben, sie habe einfach nur zu vorschnell gehandelt und Wei Wuxian sei ein Gentleman, welcher gerade nur versuchte sie vor einer dummen Entscheidung zu bewahren, rief sie plötzlich aus:
„Warte! Geh nicht!"

Wei Wuxian blickte auf zur Tür, seinen Rücken zu Gao Lee gerichtet, als sie plötzlich wagemutig mit ihren nackten Füßen zu ihm herüberstolperte und ihn von hinten fest in den Arm nahm. Ihre schlanken Arme schlangen sich um seine Brust und ihre Wange drückte sich fest an seinen nackten Rücken. Er konnte ihre Haare auf seiner nackten Haut spüren, welche ihn kitzelten und er fühlte zwei runde, kleine Brüste, welche sich ebenfalls an ihn dran schmiegten. Und nicht nur das, selbst ihre Hüfte presste sich an seinen Hintern und ihre Körper schienen sich förmlich zu einem zu verschmelzen.

Wei Wuxian blieb der Atem in der Lunge stecken, als sein Körper zur Eissäule erstarrte. Nie hätte er damit gerechnet, dass sich eine Frau einmal tatsächlich nackt um seinen Hals werfen würde.

Gao Lee's Stimme klang derweil dünn und zittrig, als sie leise hauchte:
„Bitte…bitte weise mich nicht ab. Es ist in Ordnung, es ist ok. Es ist das was ich möchte. Spürst du denn nicht, dass ich seit langem mehr für dich empfinde? Warum kehrst du mir den Rücken zu Wei Wuxian?"

Bei dem Klang seines Namen's blieb sein Herz in seiner Brust fast stehen. Wie versteinert hing er in Gao Lee's verzweifelten Armen und er wagte es nicht sich zu bewegen. Denn bei jener noch so kleinen Bewegung schmiegten sich ihre Körper noch enger zusammen und er wagte es nicht auch nur eine Stelle ihres nackten Körpers noch intensiver zu spüren.
Wei Wuxian biss sich auf seine Backenzähne. In seinem ersten Leben wäre diese Situation gewiss ein Geschenk des Himmels gewesen. Welcher Mann träumte schließlich nicht davon, dass eine wunderschöne Jungfrau sich ihm nackt um den Hals werfen würde und förmlich darum bettelte von ihm umarmt zu werden. Doch jetzt war es für Wei Wuxian anders und er spürte deutlich, dass dies nicht sein Wunsch war.

Er atmete einmal tief ein, versuchte sich zu sortieren und den Fakt zu ignorieren, dass er gerade den intimsten Körperkontakt mit einer Frau in beider seiner Leben hatte, als er sagte:
„Es geht nicht Gao Lee. Komm, zieh dir etwas an, ich bringe dich zurück zu deinem Pavillon!"

Doch Gao Lee umarmte ihn nur fester. Sie spürte, dass die Abweisung nun unaufhaltsam war, aber sie konnte einfach nicht von ihm lassen. Jetzt, wo es sie so viel Überwindung gekostet hatte und sie zu dieser schamhaften und tollkühnen Tat bereit gewesen war, jetzt sollte es plötzlich alles schon zu Ende sein?

Gao Lee klammerte sich verzweifelt an ihn, ihre Hände drückten sich in seinen Oberkörper und ihre schlanken Finger hingen an ihm, als hänge ihren Leben daran. Ihre Stimme klang immer dünner und verzweifelter:
„Bin ich…etwa nicht schön genug? Ist es das? Kannst du es dir etwa nicht vorstellen…mit mir?"

Wei Wuxian schluckte. Als Gao Lee´s jungen Brüste sich immer weiter gegen seinen Rücken pressten. Er konnte sogar ihre zarten Nippel spüren und obwohl er nicht wünschte, sie in die Arme zu schließen, konnte er sich nicht davon freisprechen, dass sein Körper auf diese Art von intimsten Berührungen langsam zu reagieren begann.
„Das ist es nicht!" Sagte er hastig.

„Was ist es dann? Oder gibt es etwa eine Andere? Ist es Zhao Ran? Sagt sie dir etwa mehr zu?"
Gao Lee schloss ihre Augen und rieb in ihrer Pein ihre Stirn an Wei Wuxian's Rücken.

Wei Wuxian hatte mittlerweile begriffen, dass es Gao Lee mehr als ernst meinte und keine halbherzigen Worte der Beschwichtigung mehr ausreichen würden. Das junge Herz dieser Frau war fest entschlossen und sie war so ehrlich und mutig mit ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, dass sie es nur verdiente, dass Wei Wuxian sie mit dem selben Respekt behandelte.
Auf die Gefahr hin, dass er dieser jungen Frau nun das Herz brechen würde und sie in ihrer Schmach und Peinlichkeit alleine zurücklassen würde, atmete er einmal tief ein, als er leise aber gut hörbar sagte:
„Richtig, es gibt jemand anderes in meinem Herzen, aber es ist nicht Zhao Ran."

Wei Wuxian spürte ihre schlanken Arme, welche plötzlich zu zittern begannen.
Eine ganze Weile war stille und Gao Lee rührte sich kein Stück, als sie plötzlich leise hauchte:
„Dann ist es also doch er..."

Wei Wuxian's Augen weiteten sich.

Leise fuhr sie fort:
„Die Gerüchte stimmen also...Es ist er nicht wahr?…Lan Wangji?"

Wei Wuxian's Herz setzte für einen Schlag aus.
Gefühle waren halt Gefühle und Emotionen waren Emotionen. Sie brauchten keinen Grund und auch keinen Sinn, sie waren einfach da oder nicht. Sie aber in Worte zu fassen und sie auszusprechen, war etwas ganz anderes.
Er senkte seinen Kopf, als er nur ein leises, bestätigendes Brummen von sich gab.
„Hmm."

Gao Lee konnte die Vibrationen seiner Stimme durch ihre Körper spüren, welche noch immer untrennbar miteinander verschlungen waren.
Doch ansonsten war es still. So unglaublich still und Wei Wuxian wusste nicht was er noch sagen oder tun sollte.

Leise hauchte sie:
„Ich habe es gewusst. Tief im Innern habe ich es gewusst, aber ich wollte es die ganze Zeit nicht wahrhaben. Verzeih mir, für meine Dummheit, verzeih mir für meine Dreistigkeit, diesen schamvollen Akt und meinem egoistischen Wunsch ich könnte daran vielleicht doch etwas ändern. Ich schäme mich, geglaubt zu haben ich könnte Lan Wangji das Wasser reichen und das die Gerüchte nur Schall und Rauch seien."

Wei Wuxian hörte deutlich den Schmerz aus ihrer Stimme und er würde lügen wenn er behaupten würde, dass es ihm leicht fiele das reine Herz einer so ehrlichen Frau abzuweisen. Er bekam plötzlich das Verlangen Gao Lee ins Gesicht zu blicken, als er sich mit einem mal ruckartig umdrehte.
Überrascht von seiner plötzlichen Bewegung lies Gao Lee für einen Moment los, als der Mann ihrer Träume plötzlich frontal direkt vor ihr stand. Er berührte vorsichtig ihre zarten, nackten Schultern und konzentrierte sich nur auf ihr Gesicht, all ihre körperlichen Entblößungen und Offenbarungen außer Acht lassend.

Gao Lee blickte ihn mit großen und glasigen Augen an, als Wei Wuxian einmal über ihre Wange strich und sagte:
„Stelle niemals deine Entscheidungen in Frage oder deine Gefühle, welche dich zu diesen veranlasst haben. Ich mag dich Gao Lee und du bist mir genauso lieb und teuer geworden wie die Anderen. Du bist wie eine Schwester für mich geworden und wann immer du meinen Rat oder meine Hilfe brauchst bin ich für dich da, aber mehr kann ich dir leider nicht geben."

Gao Lee's Augen füllten sich mit Tränen, als sie haltsuchend an Wei Wuxian's Unterarme fasste. Eine dicke Träne nach der Anderen begann über ihre zarten Wangen zu kullern und Wei Wuxisn's Herz wurde bei diesem Anblick so unglaublich schwer.
Etwas hilflos und mit der Situation überfordert begann er mit seiner Hand ihre dicken Tränen wegzuwischen, als er sagte:
„Bitte nicht weinen Gao Lee. Ich will dich nicht weinen sehen und noch viel weniger will ich der Grund für deine Tränen sein.
Komm, zieh dir erstmal etwas über, okay?"

Mit diesem Satz drehte er sich leicht um und suchte erneut im Regal nach einem weiteren Handtuch. Dabei hielt er noch immer in seinen Armen eine weinende Gao Lee, welche trotz Allem nicht von ihm ablassen wollte. Als er ein großes Handtuch in die Finger bekam, schwang er es über ihre Schultern und wickelte sie etwas drin ein, erleichtert ihren nackten Körper endlich wieder etwas bedecken zu können.

Doch ihre dicken Tränen hörten einfach nicht auf zu kullern, als er tröstend sagte:
„Komm, zieh dich wieder vernünftig an und dann bringe ich dich zurück zu deinem Pavillon."
Seine Stimme war sanft und höflich, so als wollte er ein kleines Kind überreden zu Bett zu gehen und er rubbelte dabei liebevoll ihre Schultern etwas in dem Handtuch ab.

Doch Gao Lee war nicht dumm. Sie wusste, dass dieses Ereignis nun einen Keil zwischen sie rammen würde sobald sie das Badehaus verlassen würden. Wenn sie aus dieser Tür gingen, wusste sie, würde nichts mehr wie vorher sein. Abgesehen von ihrer Scham ihm wieder ins Gesicht zu blicken, wusste sie, dass sie keine Chance hatte und mit der Zurückweisung leben musste. Würde sie ihn also jetzt gehen lassen, würde sie ihm nie wieder in ihrem Leben so nah sein wie jetzt.
Wissentlich, dass sie daher nichts mehr zu verlieren hatte blickte sie ihn plötzlich an und sagte:
„Da du mich also zurückweist und ich mit meinem gebrochenen Herzen und dieser Enttäuschung nun leben muss, dürfte ich vielleicht...nur eine einzige...kleine Bitte aussprechen? Es ist...mehr ein kleiner Wunsch...aber vielleicht..."

Wei Wuxian's blickte überraschend auf.
-Wie könnte er dieser hübschen und verständnisvollen Frau, welcher er gerade das unschuldige Herz in tausend kleine Stücke zerschmettert hatte nur eine Bitte abschlagen?-

Er blickte sie daher liebevoll an.
„Aber sicher, ich erfülle dir jeden Wunsch, wenn er in meiner Macht steht."

„Hmm..." Summte Gao Lee noch etwas schluchzend, über ihre Lippen.
„Versprichst du mir…dass der heutige Abend in Zukunft nicht zwischen uns stehen wird? Ich kann nicht versprechen, sofort mit der Zurückweisung gut umzugehen, ich werde etwas Zeit brauchen, aber bitte verzeih mir meinen törichten Akt und meide mich nicht."

Wei Wuxian lächelte sie an und strich über ihr dunkles Haar.
„Aber natürlich. Ich verspreche es dir. Es sollen keine Unannehmlichkeiten zwischen uns stehen. Wenn du so weit bist, können wir gerne dort wieder anknüpfen, wo wir zuletzt aufgehört haben."
Er tätschelte sie noch ein wenig beschwichtigend, doch dann versuchte er sie sachte an den Schultern von sich zu drücken, doch zu seiner Überraschung hielt Gao Lee dagegen und rührte sich kein Stück.

In der Annahme, sie habe noch nicht alles gesagt was auf ihrem Herzen lag, schaute er sie fragend an, als Gao Lee's Augen plötzlich zu funkeln begannen und sie mehrfach zögerlich den Mund öffnete, so als wollte sie noch etwas sagen.

Wei Wuxian hielt still und ließ sie gewähren, als sie plötzlich mit dünner Stimme leise fortfuhr:
„Ich danke dir...aber...vielleicht...also wenn es dir keine Umstände macht. Einen Wunsch hätte ich noch...vielleicht könntest du..."

Sie blickte ihn bittend an, als Wei Wuxian überrascht seine Augenbrauen nach oben zog.
„Was soll ich tun?" Fragte er sie, als Gao Lee plötzlich ihren Blick wieder leicht nach unten senkte und beschämt über ihre Lippen sprach:
„Ich weiß, dass dein Herz jemand anderes gehört, aber vielleicht könnte ich, nur einen einzigen...Kuss von dir auf meine Wange bekommen? Es ist auch nur dieses eine Mal und ich verspreche dir, dich danach nie wieder mit meinen Gefühlen zu belasten."

Wei Wuxian's blickte überrascht drein. Noch nie zuvor hatte ihn jemand um so etwas gebeten und er wahr überfordert und verblüfft zugleich über ihren nicht enden wollenden Mut. Er war ein wenig sprachlos und sein Mund öffnete sich leicht um eine Antwort zu geben, doch er war im ersten Moment noch zu verwundert von dieser kühnen, jungen Frau, als er sie zunächst nur etwas sprachlos anblickte.

Doch Gao Lee bemerkte sofort seine Unsicherheit und witterte ihre Chance, als sie ihn mit großen, runden Augen anblickte und lieblich bettelte:
„Bitte...nur dieses eine Mal."

Wei Wuxian schluckte einmal schwer und musste an Lan Wangji denken. In seinen Gedanken fragte er sich ernsthaft ob dies vertretbar sei oder ob er damit eine Grenze überschreiten würde? Doch sie bat ihn nur um einen einzigen Kuss auf die Wange und ihm selbst wurde das Herz immer schwerer, als er ihren verletzten Gesichtsausdruck sah. Kurz entschlossen sagte er daher:
„Na gut, nur dieses eine Mal!"

Gao Lee's Augen begannen wie die aufgehende Sonne zu strahlen und sofort drehte sie ihren Kopf leicht zur Seite und zeigte auf ihre rechte Wange. Sie schloss ihre Augen und als Wei Wuxian diese holde Maid vor sich sah, bereit seine Zuneigung zu empfangen, wurde auch er etwas verlegen. Er lehnte sich kurzerhand etwas unbeholfen nach vorne und platziete einen kurzen und zarten Kuss auf ihre Wange. Doch als wenn sie es nicht schon geahnt hätte, gefiel ihr diese zarte Berührung so gut, dass sie ihm auch noch die andere Wange hinhielt. Sie tippte mit ihrem Zeigefinger auf ihre linke Wange und gab Wei Wuxian unmissverständlich zu verstehen, dass sie dort nun noch einen Kuss wünschte. Fest davon ausgehend, dass Wei Wuxian ihrem egoistischen Wunsch nachkommen würde und er es ihr nicht übel nahm, dass sie die Situation scheinbar ausnutzte, schloss sie erneut ihre Augen und wartete geduldig.

Ein kurzes Schmunzeln huschte über Wei Wuxian's Lippen, als er sah wie sie so spielerisch ihn aus der Reserve lockte. Er konnte gar nicht anders und gab ihr noch einen Kuss, nun auf die andere Wange.
Doch als er fertig war und sich langsam wieder aufrichtete, öffnete sie plötzlich schlagartig ihre Augen und blickte ihn mit einem so sehnsüchtigen Blick an, dass es Wei Wuxian eiskalt den Rücken herunter lief. Ihr Blick war so tiefgründig und leidenschaftlich und es verlangte ihr scheinbar nach so viel mehr.

„...Mehr..." Hauchte sie und sie wirkte plötzlich wie in einem süßen Traum gefangen.

Es war diese eine Sekunde, in der Wei Wuxian zögerte und Gao Lee übermannten ihre Gefühle, als sie auf einmal mit beiden Händen an sein Gesicht fasste. Sie hielt seinen Kopf in Position und machte plötzlich einen gewaltigen Satz auf ihn zu.
Doch dadurch, das sie ihre Arme nach oben streckte, rutschte das Handtuch von ihren Schultern und fiel nahezu geräuschlos zu Boden.

Wei Wuxian's Augen weiteten sich, als Gao Lee ihm vollkommen nackt nun tatsächlich um den Hals fiel, ihre Lippen auf seine presste und ihm einen entschlossenen Kuss gab.

Vollkommen überrumpelt von ihrer plötzlichen Aktion, strauchelte Wei Wuxian sogar nach hinten und stieß mit seinem Rücken gegen das Regal. Es klapperte und rappelte und einige Handtücher und Schalen fielen zu Boden. Durch ihre ruckartige Bewegung nach vorne, stießen ihre Körper dicht zusammen und Wei Wuxian spürte ihre wohlgeformten Schenkel, welche sich gegen seine Beine pressten. Während sich ihre fast nackten Körper aneinander schmiegten und Wei Wuxian's bestes Stück nur noch von einem kleinen weißen Handtuch von der weiblichen Invasion getrennt wurde, kam seine Atmung ins Straucheln.

Gao Lee's zarten Lippen pressten sich immer fester auf seine und als er plötzlich eine feuchte Zunge spürte, welche Einlass in seine Mundhöhle verlangte, holte er ausversehen ruckartig Luft. Doch dieser Moment reichte schon aus, sodass sich seine Lippen und Zähne spalteten und Gao Lee ihren Kuss noch vertiefen konnte.

Es dauerte nicht lange bis Wei Wuxian zur Besinnung kam und dieser unerwartete Überfall ihm einen gehörigen Schrecken einjagte. Wahrscheinlich war es sogar einer der einzigen Schrecken in seinem Leben, welcher es schaffte, dass es sogar ihm die Schamesröte nur so ins Gesicht trieb.
Er packte plötzlich beherzt an Gao Lee´s Schultern und drückte sie nicht gerade zimperlich von sich weg, als er sie vollkommen entgeistert und beschämt anblickte.

Ihre Blicke trafen sich und diese ruppige Trennung schien Gao Lee wieder zurück zur Besinnung zu holen. Während ihr Gesicht sich plötzlich fürchterlich zusammenzog und nicht weniger Schock und Panik in ihren Augen stand, stammelte sie plötzlich aufgelöst los:
„Verzeih mir! Verzeih mir! Was habe ich nur getan? Meine Gefühle sind wohl mit mir durchgegangen! Wie konnte ich nur!"

Wei Wuxian lehnte noch immer etwas entgeistert mit seinem Rücken an dem Regal, als sein Körper sich noch immer nicht von seiner Schockstarre erholt hatte. Er bekam sogar kein einziges Wort aus seiner Kehle heraus, als er nur dabei zusehen konnte, wie Gao Lee plötzlich unter Tränen nach ihren Kleidern griff, sich selbst verfluchte und sofort reißaus nahm.

Während sie noch verletzt und unter Schock aus dem Badehaus stolperte vernahm Wei Wuxian nur noch ihre hastigen Schritte, welche in der Dunkelheit der Nacht sich langsam verliefen. Das Handtuch um seine Hüfte löste sich plötzlich und glitt nun auch noch an ihm herunter, so als wollte auch dieses ihn noch verspotten. Dann wurde es still und die eisige Kälte von draußen strömte zu ihm herein und striff seinen nackten Körper. Er blickte noch immer mit weit aufgerissenen Augen in die Leere, als er schließlich langsam seine rechte Hand anhob und vorsichtig mit seinem Zeigefinger über seine Lippen strich. Er spürte noch immer einen nassen Film von ihrer feuchten Zunge, welche so forsch in seinen Mund eingedrungen war und in diesem Moment wurde ihm erst richtig bewusst, dass dies sein erster Kuss mit einer Frau war.

Noch vollkommen überrumpelt von Gao Lee's tollkühnem Akt zog er sich langsam wieder an und packte seine Sachen, als ihn der Gedanke nicht mehr los ließ, wie falsch er nur damit gelegen hatte, dass er glaubte, Gao Lee sei nur eine schüchterne und unerfahrene junge Frau. Hätte er gewusst, was für eine Tigerin sich hinter ihrem lieblichen Äußeren verbirgt, hätte er schon viel früher eine klare Grenze zwischen ihnen gezogen.

Aber welcher Mann, zu jener Zeit, konnte schon erahnen, dass selbst eine Frau wie Gao Lee, tief in ihrem Herzen schon genau wusste, was sie wollte und auch sie, letzten Endes auch nur ein Gefangener ihrer eigenen Gefühle und Sehnsüchte war?

Als Wei Wuxian sich schließlich zurück zu Lan Wangji's Jingshi schlich, war es schon längst nach 21 Uhr und er blieb eine ganze Weile vor der großen Tür stehen und zögerte hereinzutreten.
Er war noch immer ganz aufgewühlt und tausend Gedanken suchten ihn heim. Am meisten jedoch fragte er sich, wie es Gao Lee nun gehen würde, wie er ihr in Zukunft begegnen sollte und vor allem, ob er Lan Wangji davon erzählen sollte?

Als er da noch so stand und seine Augenbrauen sich angespannt zusammenzogen, hörte er plötzlich aus dem Inneren des Jingshi´s Lan Wangji's vertraute Stimme:
„Wei Ying? Komm rein!"

Wei Wuxian zuckte am ganzen Körper zusammen, als er hörte wie Lan Wangji ihn direkt ansprach. Noch einmal kurz einatmend legte er seine Hand auf die große Türklinke und öffnete diese.
Im Jingshi war es schon recht dunkel und nur noch ein paar Kerzen brannten direkt neben dem Bett und erhellten den Raum in einem schummrigen Licht.

Lan Wangji lag schon ordnungsgemäß im Bett, eingekleidet in seiner weißen Nachtrobe. Sein langes Haar hing offen über seinen Schultern und sein Kopfband lag neben ihm zusammengefaltet auf dem Tisch. Mit seinem Rücken lehnte er aufrecht und kerzengerade am Kopfteil des Bettes und in seinen schlanken Händen hielt er ein Buch.

Wei Wuxian kam langsamen Schrittes in den Pavillon und bog um den großen Raumteiler, als ihre Blicke sich trafen. Er zögerte zunächst für einen Moment, als sie plötzlich beide synchron sagten :

Wei Wuxian: „Du bist noch wach?"

Lan Wangji: „Du kommst spät!"

Wei Wuxian's Augen weiteten sich, denn Lan Wangji's Frage löste ein eher ungutes Gefühl in seinem Herzen aus. Die Erinnerungen seiner Verspätung huschten durch seine Gedanken und für ihn eher untypisch senkte er leicht unbewusst den Kopf und vermied den direkten Blickkontakt.
Leise sagte er:
„Ich habe...etwas die Zeit vertrödelt."

Lan Wangji senkte langsam das Buch in seinen Händen, als er Wei Wuxian's Haare betrachtete, welche noch immer zu einem lockeren Knoten auf seinem Kopf zusammengebunden waren.
Seine Stimme war ruhig aber fragend:
„Im Badehaus?"

Wei Wuxian's Körper wurde für eine Sekunde stocksteif, als er schließlich ein verklemmtes Lächeln über seine Lippen schickte und sich verlegen an der Schläfe kratzte.
„Ja genau, im Badehaus."
Er kam ein paar Schritte aufs Bett zu und wollte möglichst schnell von dem unangenehmen Thema wieder ablenken.
„Was für ein Buch liest du? Den Einband kenne ich gar nicht!"

Lan Wangji musterte ganz genau jede von Wei Wuxian's Gesten, seine Mimik und seine Worte die er sprach, als dieser sich neben ihm auf die Bettkannte setzte und scheinbar interessiert versuchte den Titel seines Buches zu erkennen.
Es war eher ungewöhnlich, denn Lan Wangji las viele Bücher und Schriften und nur selten zeigte Wei Wuxian Interesse an derem Inhalt.
Wei Wuxian berührte zärtlich Lan Wangji's Hand und hob sie etwas an um besser die schwungvolle Schrift auf dem Einband zu erkennen, als Lan Wangji sagte:
„Des Frühlings Himmelblau."

Wei Wuxian zog eine Augenbraue nach oben:
„Des Frühlings Himmelblau? Klingt sehr melancholisch."

Lan Wangji:
„Es ist eine Schwertkunsttechnik. Sie beschreibt einen bestimmten Weg der Cultivation über das Schwert. Sie nennt sich „Des Frühlings Himmelblau".

Wei Wuxian´s Augen weiteten sich nun noch größer, als er leicht erstaunt sagte:
„Wo hast du das Buch her? Ist es Teil der Lan Bibliothek?"

Doch Lan Wangji schüttelte verneinend seinen Kopf.
„Es ist ein Geschenk von Jiang Cheng an meinen Bruder gewesen, zur Gratulation zu seiner Vaterschaft. Da er es jedoch schon durchgelesen und den Inhalt verinnerlicht hat, hat er es mir weitergegeben."

„Ohh." Sagte Wei Wuxian erstaunt.
„Ein wahrlich edles Geschenk. Ich kenne das Buch gar nicht. Aber Bücher zu lesen und nach bestimmten Techniken zu Cultivieren war schon in Lotus Pier als Teenager nicht besonders meine Stärke. Ich wette, Jiang Cheng hat lange mit sich selbst gerungen ob er das Buch in die Hände eines anderen Clan´s geben soll oder nicht. Wahrscheinlich gingen ihm die Ideen für ein angebrachtes Geschenk aus."
Er wank belustigt mit seiner Hand in der Luft ab, als er salopp mit dran hängte:
„Nicht das beim nächsten Duell sich alle „des Frühlings Himmelblau" um die Ohren hauen."

Er war scheinbar sichtlich vergnügt bei dieser Vorstellung und er schmunzelte zufrieden, als Lan Wangji plötzlich seinen Blick äußerst besorgt auf Wei Wuxian heftete. Innerhalb einer Sekunde löste er sein Handgelenk aus Wei Wuxian's zärtlichen Griff und drehte die Positionen um, indem er nun Wei Wuxian's Hand ergriff. Das Buch fiel aufs Bett und Wei Wuxian zuckte bei der plötzlichen Berührung zusammen.
Der Griff war nicht sonderlich grob aber der Druck auch nicht gerade sanft.

„Wei Ying!"
Sagte Lan Wangji, etwas mit seinem Oberkörper hervorkommend, seinen Blick dabei auf sein Gegenüber geheftet.
„Sag, warum bist du zu spät?"

Wei Wuxian zuckte zusammen und lehnte sich aus Reflex etwas zurück, als er zur Seite blickte und etwas verlegen lächelte. Mit seiner freien Hand berührte er kurz seine Unterlippe, strich etwas unsicher mit seinem Finger hin und her und sagte:
„Ach nichts. Wie ich schon sagte, ich habe im Badehaus nur etwas die Zeit vertrödelt."

Doch Lan Wangji starrte irritiert auf Wei Wuxian's nahezu mädchenhafte Geste.
„Und warum schaust du mich dann dabei nicht an, wenn es außer dem nichts war?"

Wei Wuxian's Augenbrauen zogen sich kraus. Wie dumm er doch war zu glauben, dass Lan Wangji nichts auffallen würde. Es reichte scheinbar schon die kleinste Auffälligkeit abseits der Norm und Lan Wangji's waches Auge erkannte sofort, dass mit Wei Wuxian etwas nicht stimmte.

Wei Wuxian blickte angestrengt nach unten, sein Handgelenk noch immer fest in Lan Wangji's Griff.
„…Ich…" Fing er zunächst etwas stockend an.

Doch dann verstummte er schon wieder, sich ernsthaft darüber Gedanken machend ob diese Kleinigkeit mit Gao Lee tatsächlich erwähnenswert sei. Er wollte schließlich aus einer Mücke keinen Elefanten machen und sowieso und überhaupt, müsste so ein Ausrutscher ihrerseits ihn eigentlich vollkommen kalt lassen und kaum der Rede wert sein. Doch zu seinem Erstaunen war es für ihn keine Kleinigkeit, sondern wühlte ihn tatsächlich gegen seinen Willen innerlich auf. Immerhin hatte sich eine junge Frau ihm nackt an den Hals geworfen, ihn geküsst und bot sich ihm sogar für mehr als das an. Wei Wuxian hatte weder bisher damit Erfahrungen gemacht, noch war er darauf vorbereitet gewesen. Seine eigene Unerfahrenheit traf ihn in diesem Moment also härter als gedacht.
Nur sich dieses auch einzugestehen, daran hatte er noch zu knabbern.

Während Lan Wangji mit einem unguten Gefühl weiterhin Wei Wuxian schweigend betrachtete, sagte er schließlich sanft:
„Wenn du nicht darüber reden willst, dann frage ich nicht mehr weiter nach. Aber du weißt, du kannst mir alles erzählen."

In diesem Moment schreckte Wei Wuxian auf und hob seinen Blick. Als er Lan Wangji's besorgten Gesichtsausdruck sah wurde ihm bewusst, wie ernst Lan Wangji diese Sache zu nehmen schien und das er sich scheinbar ernsthaft Sorgen machte. Doch Wei Wuxian wollte unter keinen Umständen, dass Lan Wangji sich unbegründet sorgte und um die Situation, welche gerade anfing sich festzufahren und doch im Begriff war aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, plapperte er plötzlich wild drauf los, in der Hoffnung die Sache zu beschwichtigen und das Missverständnis aufzuklären.
Doch zu seinem Leid , sollte er später feststellen, wie falsch er mit dieser Annahme lag.

Wei Wuxian's Gedanken überschlugen sich plötzlich, als er ruckartig einmal Luft holte und vollkommen hastig und konfus begann zu erzählen:
„Es ist nichts passiert…also es ist wirklich nichts passiert. Also nicht so wirklich, wirklich was passiert. Es ist nur...Also ich war im Badehaus und plötzlich ging diese Tür auf und sie stand da. Also ich wusste, dass sie Gefühle für mich hat, so ein blinder Holzklotz kann selbst ich nicht sein, das ich es nicht gespürt hätte. Aber wer hätte damit rechnen können, dass es wirklich so ernst ist und sie so…so hemmungslos…also du weißt schon, wie konnte ich ahnen, dass das Herz einer jungen Frau solch eine Leidenschaft in sich trägt?
Aber…hach…!"

Plötzlich zog Wei Wuxian seine freie Hand ruckartig an und verdeckte leicht beschämt sein Gesicht. Lan Wangji konnte sehen wie Wei Wuxian's Wangen sich in ein zartes Rosé tauchten und er einen Blick trug, als hätte er der verkörperten Versuchung selbst ins Gesicht geschaut. Lan Wangji's Augen weiteten sich in Schock, als Wei Wuxian beschämt hinter seiner Hand hervor nuschelte:
„...Darauf war ich einfach nicht vorbereitet…ich wollte nicht hinsehen…aber wie hätte ich wegschauen sollen?…Wie kann ich ihr jemals wieder in die Augen schauen ohne diesen Anblick zu vergessen?…Und dann…und dann..."

Doch plötzlich unterbrach ihn Lan Wangji. Er zog plötzlich etwas ruppig an Wei Wuxian's Handgelenk, als er ihm etwas näher kam. Seine Augen waren weit geöffnet und sein Gesicht wies eine gewisse Unsicherheit auf. Seine Stimme war zwar noch relativ ruhig und sanft, aber eine gewisse Bestimmtheit war in seinen Fragen nicht zu überhören:
„Wer Wei Ying! Wer war im Badehaus?"

Wei Wuxian linste unter seiner Hand hervor. Es war ihm peinlich, einfach nur peinlich. Aber am schlimmsten war für ihn diese unkontrollierbare Scham über sein eigenes Verhalten und das es tatsächlich diese eine Sache auf Erden war, die den tollkühnen und selbstbewussten Yiling Patriarch plötzlich vollkommen zum Wanken brachte. -Schande über mich und meine Unerfahrenheit mit dem weiblichen Geschlecht- Verfluchte er sich in Gedanken selbst.

Seine Stimme war etwas dünn und schrill als er endlich antwortete und nuschelte:
„…Gao Lee…!"

Lan Wangji blickte verblüfft drein. Auch er wusste, was Gao Lee für Wei Wuxian empfand, dies war kein Geheimnis und für fast jeden der zwei gesunde Augen in seinem Schädel trug ersichtlich. Jedoch gehörte auch er der Fraktion an, die glaubte, dies sei keine ernstzunehmende Bedrohung und es bei reinem Umschwärmen auf Entferung bleiben würde.
Eifersucht und Misstrauen machte sich jedoch langsam in ihm breit, als er ein weiteres Mal ruppig an Wei Wuxian's Handgelenk zog:
„Was hat sie gemacht?"

Wei Wuxian's Augen bekamen plötzlich einen seltsamen Ausdruck und so beschämt hatte Lan Wangji ihn erst selten erlebt. Während sein Gesicht mittlerweile feuerrot anlief verkroch er sich immer weiter hinter seiner Hand, als er stammelte:
„Sie…also…sie…war nackt…komplett…sie hat sich ausgezogen...und…und.."

„Was und?"
Sagte Lan Wangji fast ein wenig forsch, Wei Wuxian immer weiter näher kommend. Er konnte gar nicht glauben, was er da hörte und konnte seine Besorgnis kaum zurückhalten.

Wei Wuxian fühlte sich plötzlich etwas in die Enge getrieben und unter Lan Wangji's prüfendem Blick fiel es ihm immer schwerer die richtigen Worte zu finden.
„…Sie hat mich umarmt und wollte…wollte…Pa.."

Lan Wangji: „Pa?"

Wei Wuxian kniff seine Augen zusammen, als er hochrot stammelte:
„…Papapa…"
(Chinesischer Slang für Sex)

Lan Wangji fiel nun alles aus dem Gesicht. Selten hatte Wei Wuxian so einen Gesichtsausdruck bei ihm gesehen, als er sofort seine Hand vor seinem Mund entfernte und hastig sagte:
„Aber natürlich haben wir nicht! Wie könnte ich nur! Ich wollte nicht, habe sie zurückgewiesen…aber..aber wer hätte gedacht, dass sie so entschlossen und…wild…ist…!"

Lan Wangji war sprachlos, während sich seine Gedanken nahezu in Panik überschlugen und er Wei Wuxian eine Antwort nach der nächsten aus der Nase ziehen musste fand seine sonst so ruhige und besonne Art ein jedwedes Ende.
Mit fast schon etwas Zorn in der Stimme fragte er:
„Was hat sie gemacht? Wei Ying, sag es mir. Hat sie dich etwa angefasst?"

Wei Wuxian kam immer weiter ins Stottern. Über etwas nachzudenken war die eine Sache, aber es in Worte zu fassen noch einmal eine ganz andere. Er drehte sich etwas seitwärts, als er leise nuscelte:
„Nicht…nicht direkt..Also ich konnte ihren Körper spüren aber sie..sie hat mich geküsst!"

„Geküsst?"
Fragte Lan Wangji. Sein Mund stand leicht offen, so sprachlos und aufgewühlt schien er innerlich zu sein.

Wei Wuxian blickte nach unten.
„Ja.." Sagte er verunsichert.
„Aber..ich habe sie zurückgewiesen, ehrlich. Es war ein Versehen. Es ist geklärt, ich habe ihr gesagt das.."

Doch in diesem Moment zog Lan Wangji plötzlich erneut kraftvoll an Wei Wuxian's Handgelenk und dieser flog direkt in dessen Arme. Seine Schultern wurden von zwei schlanken Händen ergriffen die in diesem Moment aber einen äußerst starken Griff aufwiesen.
„Wo hat sie dich geküsst? Auf den Mund? Mit Zunge?"

Wei Wuxian rauschten gerade die Sicherungen durch. Sein Plan Lan Wangji zu beschwichtigen und die Sache als unwichtig abzutun hatte scheinbar genau den gegenteiligen Effekt, als er eigentlich beabsichtigt hatte. Ihm rollten förmlich die Augen im Schädel umher, als er selbst mit der Situation noch nicht ganz fertig geworden war und nun Lan Wangji ihn auch noch so vehement ins Kreuzverhör nahm. Wei Wuxian wusste, dass er sich nun selbst ein Grab geschaufelt hatte und er aus der Nummer nicht mehr rauskam. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als wahrheitsgetreu alle Fragen zu beantworten und Lan Wangji dann davon zu überzeugen, dass er absolut nichts für Gao Lee empfand und er auch für keine Sekunde darüber nachgedacht hatte, Gao Lee's Wunsch zu erfüllen. Doch nun war er erstmal damit beschäftigt Lan Wangji´s aufgebrachtes Herz zu beschwichtigen und diesen Anflug von ungewöhnlicher Eifersucht und Zorn wieder zu unterdrücken.
Still und kaum hörbar nuschelte er daher:
„Ja…Aber ich habe sie weggedrückt."

Lan Wangji erstarrte zu einer Eissäule. Sein Blick war starr auf Wei Wuxian geheftet und eine unangenehm, grauenvolle Stille trat plötzlich ein.

Wei Wuxian war sich in diesem Moment nicht sicher, was ihm lieber war. Ein tobender und wütender Lan Wangji, so wie er ihn noch nie gesehen hatte, oder ein stillschweigender Lan Wangji mit einem Gesichtsausdruck, welchen er eben genau zu diesem Zeitpunkt trug.

Wei Wuxian versuchte sich daher sofort zu erklären, als er auch schon loshaspelte:
„Aber Lan Zhan ich verspreche dir, das war ein absoluter Ausrutscher. Das wird nie wieder vorkommen und ich habe ihr gesagt, dass ich bereits jemandem in meinem Herzen trage. Ich habe sie abgewiesen, ganz sicher und sie weiß das auch. Sei nicht sauer auf sie, sie ist noch jung und unerfahren. Ihre Gefühle haben sie einfach übermannt und sie wusste nicht mehr was sie da tat. Sie war nicht mehr Herr über sich selbst! Wie konnte ich auch nur ahnen, solch eine Wirkung auf sie auszuüben? Es hat mich selbst ordentlich erschreckt!"

Ein seltsamer Gesichtsausdruck flog über Lan Wangji's Gesicht, als seine Augen sich langsam wieder schmälerten. Seine Stimme war plötzlich unglaublich tief und vibrierte mit einer förmlichen Ekstase, als er plötzlich sagte:
„Ihre Gefühle haben sie übermannt…?
Sie war nicht mehr Herr über sich selbst?
Wei Ying…
Ich kenne da noch jemanden, der gerade die Kontrolle über sich verliert!"

In diesem Moment spürte Wei Wuxian plötzlich einen kraftvollen Ruck an seinem Körper, während er von Lan Wangji nach vorne aufs Bett gezogen wurde. Er verlor das Gleichgewicht und kippte vornüber, als er plötzlich breitbeinig über Lan Wangji's Schoß zum sitzen kam.
Seine Augen weiteten sich noch in Schock, als ein dunkler Schatten plötzlich sein Gesicht verdeckte und er nicht mehr fähig war auch nur einen Ton des Widerstandes aus seiner Kehle zu bringen...