Chapter 23
Die folgenden Jahre gingen in die Geschichte des Gusu Lan Clan's als die „goldenen Zeiten" ein. Der Name rührte aus dem Wohlstand des Clan's, dem stetigen Zuwachs an talentierten Schülern und nicht zuletzt, aus der Zufriedenheit ihrer Mitglieder.
Das Level der Cultivation stieg stetig an, das Ansehen des Clan's Wuchs und die Geschäfte florierten. Bald war die Cloud Recesses wieder zu ihrer alten Pracht und einstigen Schönheit vor dem Attentat des Wen Clan's herangewachsen, wenn nicht sogar noch darüber hinaus. Das Band zu Jinan Liang's väterlichen Tai Jinan Clan war ebenfalls sehr stark und verhalf daher beiden Seiten zu weiterer Stärkung ihrer Positionen.
Manch ein Clan aus der Welt der Cultivation heftete sogar ihre neidischen Blicke auf den Gusu Lan Clan und verfluchte sich selbst aus Mitleid, warum sie selbst nicht mit zwei so außerordentlichen Talenten wie den beiden Jade-Brüdern gesegnet waren und eine so hübsche und begabte Braut wie Jinan Liang ihr eigen nennen konnten.
Selbst die Vermählung zwischen Lan Qiren und Madame Mao machte bald die Runde und neben anfänglichem Spott und Getuschel, stellte sich bald ein respektvoller Umgang der Sache gegenüber ein. Nicht nur, dass Wei Wuxian und Bao Tian es immer wieder schafften mit sich selbst genügend Schlagzeilen zu machen und somit dieses Tabu immer wieder in Vergessenheit geraten ließen, sondern die Leute blickten bald mit einer gewisse Hochachtung dem Gusu Lan Clan und dessen Mitgliedern entgegen. Denn es war nicht von der Hand zu weisen, mit welcher unglaublichen Stärkung diese echten und auf Gefühlen basierenden Bindungen einher gingen. Die geknüpften familiären Bindungen, die Zufriedenheit der Mitglieder und das ausgelebte Glück waren nämlich das, was dem Clan zu so einem unglaublichen Putsch nach vorne verhalf. Blut war dicker als Wasser und Liebe sprengte alle Grenzen.
Wo Menschen zueinander hielten, Freundschaften Feindschaften ausmerzten und Vertrauen und Respekt einkehrten, dort entstanden Bindungen die vor jedem Sturm und jeder Gefahr standhielten. Es war die Gemeinschaft die sich half, sich untereinander unterstützte und vor größeren Schäden bewahrte.
Der Gusu Lan Clan war eine große Familie geworden, die zusammenhielt und kaum eine Schwachstelle für feindlichen Verrat mehr offen hielt.
Das Band des Zusammenhalts war ungebrochen und war dadurch vielen anderen Clan's einen gewaltigen Schritt voraus. Mit dieser eher etwas ungewöhnlichen Öffnung zu neuen Erkenntnissen und Zugeständnissen, öffnete sich ihnen zeitgleich aber auch eine ganz neue Tür in eine andere Welt.
Denn sie alle in der Welt der Cultivation strebten nach Macht, Stärke und Zusammenhalt. Aber nur wenige von ihnen waren in der Lage auch alle Drei zu erreichen.
Das der Yiling Patriarch in die Welt der Lebenden zurückgekehrt war und ausgerechnet sich im Gusu Lan Clan heimisch einfand, war ebenso wie die vielen anderen merkwürdigen Tabus bald weit über alle Landesgrenzen bekannt geworden. Sei es nun der ausländisch wirkende Bao Tian, welcher seit Jahren wie ein dunkler Schatten Lan Xichen überall hin folgte, Wei Wuxian der an Lan Wangji´s Seite ihm durch das ganze Land begleitete oder Lan Qiren der nun mit einer ehemaligen Concubine und Schneiderin verheiratet war, diese Neuigkeiten schockten bald niemanden mehr.
Denn war erst auch der Schock und das Getuschel hinter verschlossenen Türen groß, so waren jedoch all diese individuellen Charakteren starke Persönlichkeiten und mit einer nicht ganz gefürchteten Macht in der Cultivation gesegnet.
-Wer würde es also jetzt noch wagen, sich mit so einem Clan anzulegen?-
Der Ruf eilte seinen Mitgliedern also bald weit voraus und in der Welt der Cultivation war das Gesetz des Stärkeren essenziell und maßgebend. Die Schwachen fürchteten die Starken und die Starken bekamen den Respekt welcher ihnen gebührte.
Jinan Liang, welche selbst einst die Cultivation erlernt hatte, zog sich jedoch nach der Geburt ihrer zwei Kinder aus den weitesten geschäftlichen und politischen Rollen zurück. Soweit sie ihr als Frau des Sect Leader´s auferlegt waren. Sie ging vollkommen in der Rolle der Mutter auf und konnte in Glück und Frieden ihre Tage genießen, weit weg von dem Kampf und der Aufregung außerhalb der Grenzen.
Natürlich gab jeder im Clan seinen Segen dazu und es waren tatsächlich auch eher die Anderen, welche Jinan Liang immer mehr dazu gedrängt hatten es ruhig angehen zu lassen und eher zu genießen anstatt sich zu Sorgen. Ihren gesundheitlicher Zustand dabei natürlich stet´s vorrangig bedenkend.
Ihre junge Liebe zu Luan Han jedoch war ungebrochen und die beiden lebten fortan glücklich in dem Pavillon von Lan Xichen's und Lan Wangji's Mutter. Fernab der wachen Augen und Ohren in heimlicher Zweisamkeit.
Luan Han selbst teilte sich die Vaterrolle gleich mit mehren Männern gleichzeitig, denn nicht nur der leibliche Vater Lan Xichen, sondern auch Bao Tian, Wei Wuxian, Lan Wangji und selbst Sun Yan und Jiang Cheng standen ständig auf der Matte um Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin alle neuen Dinge der Welt zu zeigen. Sie alle gingen in ihren selbsternannten Rollen als Vater, Ersatzvater, lieblings Daddy, Onkel oder aller, aller bester Onkel der Welt förmlich auf und verpassten keine Gelegenheit den Einen gegen den Anderen spaßeshalber auszustechen. Die Männer waren also alle ganz entzückt und außer Rand und Band und hinterließen eine prägende Wirkung auf den Nachwuchs.
Natürlich wurde das Ganze noch tatkräftig von der Damenwelt untermauert, wie Madame Mao, Zhao Ran und Gao Lee, welche zusätzlich ihren weiblichen Einfluss in der Erziehung nicht fehlen ließen. Bei so viel Talenten um sie herum, konnten die Kinder also nur etwas werden und wurden schon von Kindesalter an, bestens auf das Leben vorbereitet, mit all seinen Höhen und Tiefen.
Sie wuchsen in einer behüteten Welt auf, voller Liebe und den unterschiedlichsten Einflüssen. Sie hätten nicht gesegneter sein können und sie entwickelten sich prächtig und ihre Zukunft als Menschen und auch als Cultivator´s eines angesehenen Clan´s war vielversprechend.
Doch trotz allem Glückes und Frohsinn, gab es einen unvergessenen, dunklen Schatten, welcher sich immer wieder dazwischen drängte und regelmäßig die Menschen wieder daran erinnerte, dass alles was kostbar war, auch vergänglich war und alles einmal sein Ende finden würde.
Das Eine halt früher und das Andere eben später.
Jinan Liang's Gesundheitszustand blieb zwar überwiegend stabil, jedoch wurden die Intervalle ihrer Anfälle und Zusammenbrüche immer engmaschiger. Der Heiler gab sein Bestes und jeder stand mit Rat und Tat zur Seite um ihr, im Bereich seiner eigenen Möglichkeiten, zu helfen.
Immer wieder verließ jemand die Cloud Recesses und zog hinaus in die Welt, auf der Suche nach Heilungsverfahren, um Jinan Liang vielleicht doch noch helfen zu können. Doch alle Bemühungen blieben vergebens. Es schien ein unerreichbares Ziel sie retten zu können und die bittere Wahrheit, gegen das Schicksal manchmal machtlos zu sein, raubte einem an manchen Tagen den Boden unter den Füßen.
Aber Leben und Sterben waren nur zwei Seiten der gleichen Medaille und jeder von ihnen wusste, dass auch ihnen eines Tages dieser Weg bevorstehen würde.
Zwar gab es jemandem im Gusu Lan Clan, welcher schon einmal aus dem Reichen der Toten zurückgekehrt war, doch konnte man Wei Wuxian nicht mit üblichen Sterblichen vergleichen und auf seine Rückkehr hatte er selbst tatsächlich eher weniger Einfluss gehabt. Dies war alleine der Aufopferung von Mo Xuanyu zu verdanken und der verbotenen Kunst der dämonischen Cultivation.
Doch dies war kein Weg für Jinan Liang und sie selbst schien die Person zu sein, die von allen ihr Schicksal am besten akzeptieren konnte. Sie wirkte stet's ruhig und besonnen und lächelte wie so oft, die Sorgen und den Kummer der Anderen einfach hinfort und tröstete sie, wo sie selbst eigentlich in der Situation war, Trost zu empfangen. Trotz ihres jungen Alters von mittlerweile gerade Anfang 20, war sie oft reifer und abgeklärter als die meisten Älteren um sie herum und sie war das Herz ihrer Gemeinschaft, umhegt und geliebt.
Im dritten Jahr nach der Geburt ihrer Zwillinge Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin verschlimmerte sich ihr Gesundheitszustand jedoch drastisch und es kam immer öfter vor, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte.
Sie klagte oft über Übelkeit und Kopfschmerzen, ab und an wurden ihre Hände oder Füße sogar taub und ihre Sehkraft schien nachzulassen. An manchen Tagen sah sie nur sehr verschwommen und konnte nur äußere Konturen erkennen, während an anderen Tagen sie wieder klare Sicht hatte. Es war ein ständiges auf und ab, hin und hergerissen zwischen Hoffnung und quälenden Sorgen, aber die Tendenz zeigte deutlich, dass es einen negativen Verlauf vernahm und sich mit jedem Mal verschlechterte. Ein Fakt, der für alle in der Cloud Recesses nur schwer zu akzeptieren war und immer wieder für andächtige Stille sorgte.
Jinan Liang wusste, dass ihre Zeit langsam gekommen war. Man selbst kannte seinen Körper immer am besten und auch wenn sie es oft nach außen hin nicht zeigen wollte, so spürte sie doch, dass der Geist des Lebens zunehmend aus ihren Glieder schwand. Sie wusste, dass irgendwann diese Zeit kommen würde und sie hatte sich stet's geschworen es mit Fassung zu tragen und zu schätzen zu wissen, was sie in ihrem Leben alles erfahren durfte, auch wenn dieses Leben nicht so lang war, wie das von manch anderen. Das Glück welches sie noch einmal erleben durfte und welche Dinge sie erreicht hatte, dies alles wollte sie stet´s in ihrem Herzen im Vordergrund tragen und nie ihre Dankbarkeit an Lan Xichen und dem Gusu Lan Glan vergessen. Doch wenn es dann wirklich so weit war, dann fiel es einem doch so unendlich schwer tatsächlich loszulassen. Die vielen Menschen um sie herum die sie liebte und ihr eigen Fleisch und Blut eines Tages zurückzulassen und nicht mehr für sie da zu sein, diesen Verlust beklagte sie am meisten und machte ihr Herz so unglaublich schwer.
Doch sie versuchte nicht an Morgen zu denken, denn jetzt war heute und warum nicht das Heute genießen und mit allen Sinnen erleben, solange man noch die Kraft dazu hatte? Denn was morgen ist, kann niemand sagen und wer sich von Sorgen und Ängsten an die Zukunft zerfressen lässt, der verpasst im Heute zu leben.
Es war ein milder und sonniger Tag, die Sonne stand kurz vor ihrem Zenit und Jinan Liang hatte seit 3 Tagen das Bett nicht mehr verlassen. Zwar fühlte sie sich an diesem Mittag klarer im Kopf als die Tage zuvor und die Übelkeit ging langsam wieder zurück, jedoch spürte sie kaum ihre Beine und war nicht fähig diese ohne die Hilfe ihrer Hände selbstständig zu bewegen.
Sie blickte durch den Pavillon, ihr Blick fiel neben das Bett auf den kleinen Tisch und eine kleine Schale mit einer warmen, grünen Brühe lächelte sie etwas schadenfroh an. Es war die furchtbar bittere Medizin des Heiler's und wann immer sie diese nur sah oder roch, zog sich ihr Mund schon instinktiv zusammen.
Luan Han war gerade mit Lan Xichen kurz zuvor bei ihr gewesen. Sie hatten ihr die Medizin gebracht, sich mit ihr unterhalten und hatten sie versucht etwas abzulenken und zum Lachen zu bringen.
Der Heiler stieß nach kurzer Zeit ebenfalls zu ihnen und nach einigen Gesprächen zogen sich Lan Xichen und der Heiler wieder zurück und Luan Han nahm Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin bei der Hand und ging auf Wunsch von Jinan Liang mit den Kindern etwas nach draußen, die Cloud Recesses durchstöbern.
Ihr verschlechterter Zustand beunruhigte die Gemüter doch Jinan Liang blickte trotz allem nach vorne. Sie wollte eine gute Mutter, Ehefrau, Geliebte und Freundin sein und das solange sie noch konnte. Und davon war sie auch nicht abzubringen.
Sie atmete einmal tief ein. Sie spürte noch ein dumpfes Kribbeln in ihren Beinen, ihre Füße waren jedoch komplett taub. Immer wieder nahmen die Nerven in ihren Gliedern irreparablen Schaden an und zeigten ihr deutlich, dass in ihrem Körper nicht mehr alle Energien reibungslos flossen und es nie wieder so sein würde wie vorher.
Dennoch huschte über ihre blassen Lippen ein zartes Lächeln, als sie hinaus aus dem Fenster blickte und Luan Han sah wie er mit Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin an der Hand durch das Gras stapfte. Ein Gefühl von Glück strömte durch ihre Brust, wenn auch verbunden mit ein wenig Wehmut war, die Drei nicht begleiten zu können.
Am Morgen erst, war Madame Mao mit ein paar Dienstmädchen bei ihr gewesen. Sie hatten ihr geholfen sie zu waschen, anzukleiden und ihre Haare herzurichten. Ein Punkt, der Jinan Liang nach wie vor sehr wichtig war und sie sich trotz Bettlägerigkeit nicht nehmen lies. Die war stet´s gewaschen und adrett gekleidet, um jederzeit Besuch zu empfangen oder doch hinaus gehen zu können, wann immer dies ihr Gesundheitszustand erlaubte.
Schon vor einigen Tagen hatten die Männer ihr dafür sogar einen Rollstuhl gebaut. Er war aus massivem, dickem Holz mit zwei großen Holzrädern. Er sollte ihr an den Tagen, an denen sie nicht gut laufen konnte helfen dennoch vor die Tür zu können.
Doch auch wenn sie ihre Freundlichkeit sehr zu schätzen wusste, so mochte sie ihn dennoch nicht gerne nehmen. Sie kam sich schwach in ihm vor und es war ihr unangenehm die vielen Blicke zu ernten, welche natürlich nicht ausblieben, aber dennoch keinesfalls negative Absichten hegten. Im Gegenteil sogar, die vielen Blicke ihr gegenüber waren natürlich mit überschwänglicher Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft verbunden, was ihr aber nur zusätzlich das Gefühl gab, auf Hilfe angewiesen zu sein.
Sie selbst hatte sogar bis zum heutigen Tag ihrem Vater nicht die volle Wahrheit über ihren Gesundheitszustand verraten. Aus Angst ihn unnötig zu stressen und ihm Kummer zu bereiten, versuchte sie es so gut wie möglich vor ihm geheim zu halten. Sie wollte das Bild der perfekten Tochter aufrecht erhalten und ihm den jahrelangen Kummer ersparen. Aber auch diese Lüge hatte ihre Grenzen und sie wusste, dass es bald an der Zeit war ihn darüber zu informieren, so schwer es ihr auch fallen würde.
Jinan Liang seufzte in Gedanken versunken laut auf, als sie sich dabei erwischte, wie sie schon wieder aus dem Fenster starrte und das Gedankenkarussell sie fest im Griff hatte. Doch Luan Han war sogar schon lange aus ihrem Sichtfeld verschwunden und sie fragte sich, wie viel Zeit wohl mittlerweile schon vergangen sei?
Doch genau in diesem Moment klopfte es plötzlich an der Tür.
Klopf Klopf Klopf
Jinan Liang blickte zur Tür, als sie eine bekannte Männerstimme vernahm:
„Liang, bist du da? Darf ich rein kommen?"
Jinan Liang's Augen weiteten sich.
„Tian? Aber sicher, komm herein!"
Ein belustigter, dumpfer Ton mit einem neckischen Lachen war hinter der Tür zu vernehmen.
„Ich wollte nur sicher gehen, dass du auch vernünftig angezogen bist und Besuch empfangen kannst."
Frotzelte Bao Tian um die Stimmung etwas aufzulockern.
Jinan Liang konnte nicht anders als zu Schmunzeln, als sie sich noch einmal adrett im Bett aufrichtete und die Bettdecke über ihren Beinen glatt strich.
„Kein Grund zur Sorge, für dich und deinen Besuch soll es wohl reichen." Konterte sie gezielt, auf seine Vorlage einsteigend.
In diesem Moment ging die große Tür auch schon auf und helles Tageslicht, gefolgt von einen Zug frischer Luft, flutete den Raum.
Es war Bao Tian, wie eh und je, der in der offenen Tür stand und ihr ein freudiges Lächeln schenkte. Seine Stimme hatte etwas sanftes und liebevolles, wenn aber auch einen Hang zur Ironie.
„Da bin ich ja beruhigt und stelle mit Freude fest, dass unsere kleine Liang langsam Erwachsen wird und gelernt hat, wie sie sich vor rüpelhaften alten Männern, wie ich es einer bin, zur Wehr setzen muss."
Er zwinkerte ihr einmal zu, als er hinter sich die Tür schloss und herein kam.
Jinan Liang schnaufte durch ihre Nase:
„Bei so viel männlichem Überfluss an meiner Seite, blieb mir auch nichts anderes übrig, als in die Lehre zu gehen."
Bao Tian lachte und kam zu ihr ans Bett. Er blickte sie an, als er sich schließlich auf die Bettkannte niederließ.
„Du siehst gut aus!" Sagte er schmeichelnd.
Doch Jinan Liang zog ihre Augenbrauen etwas misstrauisch nach oben.
„Du brauchst nicht versuchen mir zu schmeicheln, Tian. Wir wissen beide, das dies nicht der Fall sein kann."
Obwohl sie ihm ein zartes Lächeln schenkte, war aber dennoch in ihrem Blick und ihrer Stimme ein wenig Traurigkeit herauszuhören.
Doch Bao Tian atmete einmal tief ein, streckte seine rechte Hand nach ihr aus und strich liebevoll über ihre zarte Wange. Seine braunen Augen blickten sie dabei an, als er tief brummte:
„Ich meinte das ernst. Du siehst wirklich gut aus. Ein wenig blass vielleicht um die Nase, aber wie könnte so etwas eine hübsche Frau wie dich nur entstellen?"
Jinan Liang's Augen wurden größer und nachdem Bao Tian sie so intensiv anblickte, seine Hand sie so zärtlich berührte, da wurde ihr ein wenig warm und ihre Wangen tauchten sich in ein wenig rötliche Farbe.
Bao Tian lachte, als er ihre Verlegenheit bemerket und seine Hand aufgrund dessen wieder zurückzog.
„Siehst du, jetzt ist es sogar noch besser, mit etwas mehr frischer Farbe im Gesicht."
Er lächelte sie an und Jinan Liang drehte ihren Kopf leicht in Verlegenheit zur Seite.
„Ich glaube für dich charmanten Rüpel reicht meine Lehre immer noch nicht aus!" Flüsterte sie leise.
Bao Tian's Augen formten sich zu zwei kleinen Schlitzen und seine Mundwinkel bogen sich durch sein Grinsen nach oben, als er in seinen weiten Ärmel griff und ein kleines Glas Honig heraus holte. Er stellte es neben dem Bett auf dem Tisch ab, als er sagte:
„Wir haben ja noch alle Zeit der Welt. Wir können also in Ruhe weiter daran arbeiten."
Auch wenn seine Worte eine hoffnungsvolle Wunschvorstellung in sich trugen, so wussten sie doch innerlich beide, das dies wahrscheinlich niemals mehr in Erfüllung gehen würde.
Doch noch bevor ein Moment der Traurigkeit aufkommen konnte, sagte er schnell:
„Schau, ich habe dir Honig von Madame Mao mitgebracht. Sie sagte deine beiden Männer wären wieder einmal so schusselig gewesen und hätten vergessen ihn dir zu der Medizin dazu mitzugeben."
Jinan Liang kicherte leise auf und hielt sich ihre Hand dezent vor den Mund:
„Du bist gemein. Wie kannst du zwei so herausragende Männer nur schusselig nennen? Von Luan Han mal ganz abgesehen, aber Xichen ist dein Sect Leader und Ge…"
Doch sie stockte selbst in ihrem Satz und sprach das Wort auf ihrer Zunge nicht mehr ganz aus, als Bao Tian sie etwas doppeldeutig anschmunzelte. Er öffnete das Honigglas und begann mit einem Löffel die süße, zähflüssige Masse in ihre Medizinschale einzurühren.
„Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie in der Hinsicht etwas schusselig sind. Wer will schon so furchtbar bittere Medizin trinken."
Er reichte ihr die Schale mit der fertig gesüßten Medizin herüber und schaute sie dann erwartungsvoll an.
„Komm, trink schnell aus, noch ist sie etwas warm und dann gehen wir hinaus in die Sonne. Es ist ein schöner Tag, die Luft ist angenehm mild und ich will dir was zeigen."
Jinan Liang nahm die Schale entgegen und nippte etwas zögerlich an der Kante. Durch Bao Tian's Großzügigkeit war die Medizin nun vollkommen übersüßt und ihre Zungenspitze begann nach den ersten Schlucken zu kribbeln.
„Was willst du mir zeigen?" Fragte sie interessiert, während sie brav den Zuckersud austrank.
Bao Tian wartete einen kurzen Moment, nahm ihr dann die Schale aus den Händen und stellte sie wieder auf dem Tisch ab.
„Das siehst du wenn wir da sind, aber ich hoffe, du fühlst dich fit genug etwas Bergzusteigen?"
In diesem Moment verschwand das Lächeln auf Jinan Liang's Lippen und sie schaute etwas betrübt auf ihre Beine unter der Bettdecke.
„Verzeih mir, aber ich denke, ich muss dich leider enttäuschen. Ich kann zur Zeit meine Beine kaum spüren und heute ist es leider noch nicht wieder besser geworden."
Bao Tian stockte für einen Moment und seine Augenbrauen zogen sich leicht kraus. Er schaute auf die Bettdecke wo drunter sich definitiv zwei lang ausgestteckte, schlanke Beine befanden.
„Hast du Schmerzen?" Fragte er mit besorgter Miene.
„Nein." Sagte Jinan Liang kurz.
„Aber sie sind wieder taub und ich spürte nichts."
Bao Tian's Stirn zog sich immer mehr zusammen, als er nachdenklich drein schaute.
„Zeig sie mir!"
Jinan Liang fasste an die Bettdecke und klappte diese zur Seite. Ihr eleganter, einfacher Hanfu-Rock in dezenten Pastelltönen kam zum Vorschein und sie klappte auch diesen nach oben und legte da drunter ihre Beine frei. Sie berührte ihre Beine und strich über die Haut während sie sprach:
„Von den Fußspitzen bis oben hin, spüre ich nichts. Höchstens ein dumpfes Kribbeln noch in den Oberschenkeln."
Bao Tian blickte kritisch auf die nackten und überaus attraktiven Beine der jungen Frau, als er fragte:
„Darf ich?" Er streckte seine Hand langsam aus, so als wollte er sie berühren und Jinan Liang nickte zustimmend.
Vorsichtig und behutsam berührte er ihre nackten Füße und fuhr mit seinen Fingern über die zarte Haut.
„Spürst du das?" Fragte er nachdenklich.
Doch Jinan Liang schüttelte nur ihren Kopf hin und her.
„Nein, leider gar nichts."
Doch Bao Tian wollte sich noch nicht geschlagen geben, als er ihren Fuß behutsam in beide Hände nahm und ihn eindringlich untersuchte.
„Spürst du hier etwas?" Fragte er, während er begann den Fuß vorsichtig zu massieren und in alle Richtungen zu bewegen."
Jinan Liang schüttelte erneut den Kopf.
Doch plötzlich schickte Bao Tian etwas spirituelle Energie durch seine warmen Handinnenflächen und Jinan Liang's Füße sogen diese auf wie ein Schwamm. Doch sobald die spirituelle Energie in ihren Körper eindrang, verschwand diese sofort wieder, wie in einem bodenlosen Fass.
„Spürst du das?" Fragte er erneut und nun zogen sich auch Jinan Liang's Augenbrauen leicht kraus, als sie gewissenhaft nachspürte.
„Ein wenig Wärme vielleicht. Ich bin mir nicht ganz sicher."
Bao Tian legte ihren Fuß wieder auf dem Bett ab und ließ seine Hände dann langsam und vorsichtig von ihrem Fuß ausgehend weiter hinauf gleiten. Immer nur Stück für Stück, dabei kontinuierlich etwas spirituelle Energie abgebend. Immer wieder stockte er und blickte sie fragend an. Die Frage, war stet's die Gleiche und Jinan Liang schüttelte immer wieder ihren Kopf verneinend.
Bald erreichte Bao Tian ihr Knie und lies seine Hände weiter an ihren Oberschenkel entlang wandern.
Als seine Hände langsam unter den weiten Rock abtauchten und er schließlich kurz vor ihrer Leistengegend war, fragte er schließlich noch einmal:
„Spürst du denn bis hierhin immer noch nichts?"
Jinan Liang wollte gerade, wie die Male schon davor ihren Kopf verneinend schütteln, doch als seine Hände noch weiter nach oben wanderten und seine Fingerspitzen sich kurz vor den Toren einer Tabuzone einfanden, zuckte sie plötzlich am ganzen Körper zusammen.
Ihr Gesicht lief schlagartig rot an, als sie mit leicht schrillem Ton aufjappste: „Jetzt spür ich wieder was!"
Bao Tian selbst flog kurz zusammen und als ihm erst jetzt bewusst wurde, bis zu welcher brenzlichen Höhe seine Hände unbewusst schon hinaufgewandert waren, zog er diese ruckartig wieder zurück. Die spirituelle Energie in seinen Handinnenflächen verstummte sofort, als er sie anblickte. Er lachte etwas überspielend auf.
„Wenn du ab hier wieder etwas spürst, dann ist ja gut."
Er fasste an ihren Rock und bedeckte mit dem Stoff wieder ihre Beine.
„Es wird die Tage bestimmt wieder besser werden. Die Nerven werden sich wieder beruhigen und das Blut wird wieder besser fließen. Vertrau mir."
Er klopfte dabei liebevoll dreimal auf ihre Bein
Jinan Liang drehte ihren Kopf leicht beschämt zur Seite und nickte, als Bao Tian ihren Rock noch etwas zurechtzupfte und ihre Beine wieder gut verpackte.
Schließlich räusperte er sich und stand wieder auf.
„Nun gut, da wir das ja geklärt hätten, wollen wir dann los?"
Jinan Liang blickte ihn verwundert an und wusste nun nicht ob sie darüber weinen oder lachen sollte:
„Tian, du hast es selbst gesehen. Wie soll ich mit den Beinen in der Lage sein dich zu begleiten? Es tut mit Leid dir diesen Wunsch abschlagen zu müssen, aber ich glaube nicht, dass ich dich heute begleiten kann."
Ihr Blick fiel auf den Rollstuhl, welcher nicht weit vom Bett entfernt stand, als sie hinzufügte:
„Du sagtest etwas von Bergsteigen...In diesem Fall wird mir nicht einmal der Rollstuhl weiterhelfen können. Verzeih mir, dir leider absagen zu müssen."
Bao Tian richtete sich groß auf und blickte nun ebenfalls auf den hölzernen Rollstuhl. Seine Augenbrauen spannten sich wieder an, doch als er zu Jinan Liang wieder herüberblickte, hatte sein Gesichtsausdruck wieder seine Leichtigkeit zurück und er lächelte sie an, als er sagte:
„In diesem Fall, werde ich dich wohl tragen müssen!"
Jinan Liang's Augen weiteren sich, als sich Bao Tian tatsächlich wieder zu ihr wandte, sich vornüber beugte und Anstalten machte sie aus dem Bett zu heben.
Ein überraschtes:
„Aber..!" Kam noch aus ihrer Kehle, aber in diesem Moment griff Bao Tian schon mit einer Hand unter ihre Kniekehlen und mit der Anderen unter ihre Arme:
„Keine Widerrede!" Sagte er.
„Es ist so wunderschön draußen, es wäre eine Schande hier drinnen den ganzen Tag zu versauern. Und komm mir nicht mit irgendwelchen Ausreden du seist zu schwer oder ähnliches, denn das bist du nicht."
In diesem Moment hob Bao Tian Jinan Liang an und sie wurde mit Leichtigkeit aus dem Bett gehoben. Schnell legte sie ihre Arme um seinen Hals und hielt sich zusätzlich fest.
Noch etwas überrascht und verlegen fragte sie:
„Aber was ist mit Luan Han, den Kindern und Lan Xichen? Sie werden mich sicher suchen und verunsichert sein, wenn ich nicht mehr da bin, wenn sie zurückkehren."
Doch Bao Tian trug sie schon wie eine Prinzessin zur Türschwelle hinaus. Seine Schritte waren groß und schwer und in seinen Arme fühlte sie sich mehr als geborgen und sicher, als er ruhig antwortete
„Keine Sorge, ich leihe dich nur für ein paar Stunden aus. Danach bringe ich dich wohlbehalten wieder zurück."
Mit diesem Satz verließ er mit Jinan Liang den Pavillon und schritt mit ihr hinaus in die Sonne.
Er trug sie sicher durch die Cloud Recesses und sollte dabei Recht behalten. Es war wirklich ein wunderschöner sonniger Tag und Jinan Liang spürte sofort die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen und den frischen, milden Wind auf ihrer Haut. Sie schloss ihre Augen und genoss die vielen Eindrücke, welche so scheinbar spielend leicht auf ihre Sinne einströmten. Sie spürte wie ihr Herz etwas leichter wurde und sie für einen Moment ihre Sorgen vergessen konnte.
Auf ihrem Weg durch die Cloud Recesses kamen ihnen mehrere Mitglieder des Clan's entgegen und sie ernteten den ein oder anderen überraschten Blick über ihre eher ungewöhnliche Fortbewegungsweise.
Manch einer hatte sogar Sorgen, dass Jinan Liang vielleicht etwas passiert sei, aber Bao Tian wank sie alle höflich ab und übernahm für Jinan Liang die Erklärungen und geleitete sie somit ohne weitere Vorkommnisse bis zum Fuß des Berges am Ende der Cloud Recesses.
Immer wieder hatte Jinan Liang jedoch Sorge, dass sie auf Dauer vielleicht doch zu schwer sei, aber der Mann trug sie ohne irgendwelche Anzeichen von Ermüdung vor sich her und hatte dabei sogar noch die Ruhe ihr jede Menge zu erzählen und ihr Erneuerungen der Cloud Recesses zu zeigen.
Doch plötzlich blieb Bao Tian vor dem Fuß des Berges stehen und schaute den kleinen, steilen Weg hinauf, welcher sich in das Baumdickicht des Waldes wandt.
„Da wollen wir hoch?"
Fragte Jinan Liang etwas ungläubig. Sie selbst war noch nie diesen Berg erklommen und sie blickte etwas unsicher den steilen Weg hinauf.
„Genau das ist unser Weg!"
Sagte Bao Tian selbstsicher. Doch in dem Moment, als er den ersten Fuß wieder nach vorne setzte, hörten sie plötzlich eine Stimme von hinten.
„Was sehe ich denn da? Ich glaube meine Augen trügen mich!"
Bao Tian drehte sich um und blickte mit Jinan Liang auf dem Arm in die Richtung aus der die Stimme kam.
Zu ihrer Überraschung sahen sie niemand geringeres als Wei Wuxian, welcher mit verschränkten Armen und einem belustigten Grinsen auf den Lippen hinter einem Baum hervor kam. In seiner linken Hand trug er einen Krug Emperors Smile und mit der anderen Hand hielt er seinen Zeigefinger ermahnend in die Luft und wedelte diesen leicht hin und her.
„Tsk tsk..!" Schnalzte er mit seiner Zunge.
„Da sitzt man hier nichtsahnend unter einem Baum und genießt das schöne Wetter, als man tatsächlich Zeuge davon wird, wie die Frau des Sect Leader's höchstpersönlich entführt wird. Und das auch noch mitten am helligten Tag! Der ehrvolle Bao Tian scheint keine Scham zu kennen."
Bao Tian grunzte oberflächlich durch seine Nase, als er belustigt eine Augenbraue nach oben zog. Sein Blick fiel auf den Krug Emperors Smile in Wei Wuxian's Hand, als er salopp antwortete:
„Die Grenze des Schams am helligten Tag gewissen Tätigkeiten nachzugehen, scheint bei jedem eine ganz andere zu sein. Also, wie schauts aus? Machst du nun mit oder schwärzen wir uns beide später gegenseitig bei den Lan's an?"
Jinan Liang's Augen weiteten sich und sie blickte zunächst Bao Tian etwas irritiert an und schaute danach zu Wei Wuxian herüber. Sie kam sich eher ein wenig wie Diebesgut vor, welches zwischen die Fronten geraten war, anstatt wie die kranke Frau des Sect Leader´s.
Wei Wuxian legte kurz seinen Zeigefinger an sein Kinn, so als würde er ernsthaft darüber nachdenken, als er plötzlich breit übers ganze Gesicht grinste und entschlossen sagte:
„Demnach bin ich natürlich selbstverständlich mit dabei. Also, wohin geht die Reise?"
Geschwind kam er zu ihnen herüber gesaust und schloss sich ihrer kleinen Gruppe an, als Jinan Liang etwas unsicher lachte.
„Wenn ihr so darüber sprecht, macht es mir fast ein wenig Angst. Muss ich mir jetzt etwa ernsthaft Sorgen machen?"
Doch Wei Wuxian lachte nur, als er neben den beiden her schritt. Er puckerte Jinan Liang's Schulter, als er sagte:
„Was könnte man schon fürchten wenn Tian und ich höchstpersönlich bei einem sind?"
Selbstsicher prahlte er, als die Drei begannen den steilen Weg den Berg hinaufzusteigen.
Jinan Liang schnaufte etwas belustigt durch ihre Nase. Hinter leicht vorgehaltener Hand nuschelte sie:
„Euch beiden zum Beispiel? Ich habe etwas bedenken, dass auch ich am Ende des Tages den Lan's etwas beichten muss, wenn ich mit euch gemeinsam unterwegs bin."
Doch die beiden Männer lachten nur und schleppten unter erheiterter Stimmung Jinan Liang davon. Somit waren es nun schon zwei Männer, die Jinan Liang aus den Sorgen und dem Kummer entführten und sie brachten sie gut gelaunt und wohlbehalten bis auf die Spitze des Berges.
Oben angekommen präsentierte sich ihnen eine weitläufige Lichtung, umringt von den Bäumen des Berges und eingefasst von einer steilen Klippe nach unten. Von hier oben konnte man die ganze Cloud Recesses einsehen und noch weit über dessen Grenzen hinaus. Es war ein wundervoller Anblick und Jinan Liang's Augen weiteten sich, als sie in die Ferne blickte. Ein kräftiger Windzug wehte in diesen Höhe und ihre Roben und langen Haare wehten weit auf und tanzten im Wind umher, die Silhouetten ihrer Träger umschmeichelnd. Die warmen Sonnenstrahlen brachen hinter einer großen Wolke hervor und erhellten das Land im Wechsel von Licht und Schatten.
Es war ein Anblick wie aus einem Gemälde entsprungen und Jinan Liang wusste gar nicht wo sie zu erst und wo sie zuletzt hinsehen sollte. Bao Tian trug sie daher ein paar Meter durch das hohe Gras über die Lichtung und seine Füße streiften bald durch ein Feld voller weißem Hibiskus.
Jinan Liang schloss ihre Augen, als sie den zarten Duft der Blumen vernahm. Der frische Wind im Gesicht, der zarte Duft der Blumen und Bao Tian's wärmende Körpernähe berührten ihre Sinne und in diesem Moment spürte sie, dass das Leben so unglaublich kostbar war.
„Dankeschön Tian. Es ist wunderschön!"
Hauchte sie voller Ehrfurcht und Dankbarkeit.
Über Bao Tian's und Wei Wuxian's Lippen flog ein zartes Lächeln, als sie beide einvernehmlich nickten und den Blick ebenfalls über das Land schweifen ließen.
Die Drei gingen ein Stück weiter bis zur Klippe. Aber blieben immer noch weit genug von ihn entfernt um genügend Sicherheit zwischen ihnen und den endlosen Abgrund in die Tiefe zu bringen. Dort, an genau dieser Stelle, setzte Bao Tian Jinan Liang schließlich behutsam in´s Gras und Wei Wuxian und er gesellten sich dazu.
Die Drei verbrachten gemeinsam einen wundervollen Nachmittag auf dem Berg, fernab von all den weltlichen Belangen und umringt von unangetasteter Natur. Zwischen dem sinnlichen Geschmack von Emperors Smile unter dem Gaumen, dem überwältigenden Ausblick hinunter ins Land und guten und unterhaltsamen Gesprächen auf der Zunge, belebte ihr Lachen den Berg.
Bao Tian und Wei Wuxian schafften es Jinan Liang für eine gewisse Zeit zu verzaubern und sie fühlte sich in diesen paar Stunden so lebendig und voller Energie, wie schon lange nicht mehr.
Auf Wunsch Jinan Liang's hin pflückten die Männer ihr sogar ein paar weiße Hibiskus Blüten und unter ihren interessierten und wachsamen Blicken zauberte sie aus ihnen drei wunderschöne Blumenkränze. Als ihr prachtvolles Werk vollendet war und alle Blüten geschickt miteinander verwoben waren, runzelte Bao Tian jedoch die Stirn. Etwas irritiert fragte er:
„Warum drei? So groß ist dein Kopf doch gar nicht."
Doch Jinan Liang lachte ihn an.
„Natürlich für jeden von uns einen!"
In diesem Moment hob sie ihre Hände an und so gesagt, so getan, setzte sie Bao Tian einen weißen Blumenkranz auf das Haar. Doch Wei Wuxian blieb nicht mal genügend Zeit diesen Anblick zu genießen und nach Herzenslust darüber zu lachen, als Jinan Liang ihm in diesem Moment auch schon einen aufsetzte. Voller Stolz über ihr Werk genoss sie für einen Moment den Anblick dieser zwei humorvollen Männer mit feinem Blumenschmuck in den Haaren, als sie sich den dritten Kranz selbstbewusst selber auf den Kopf setzte.
„So!" Sagte sie zufrieden.
„Mitgehangen mitgefangen. Wenn du den Part des Entführers übernimmt, Wei Wuxian für den Alkohol sorgt, dann schaffe ich die perfekte Tarnung."
Die Drei lachten bei diesem komischen Anblick auf. Wobei Bao Tian mit seiner überaus männlichen Erscheinung mit dem weißen Blumenkranz auf dem Kopf noch am befremdlichsten aussah. Doch er hatte ein dickes Fell und wenn er jemand anderes mit etwas eine Freude machen konnte, dann war er sich für keinen Spaß zu schade. Er schmunzelte daher über ihren lustigen Partnerlook, als er Jinan Liang anblickte und sagte:
„Er steht dir aber ausgezeichnet gut. Du siehst wunderschön aus! Luan Han kann sich glücklich schätzen, von so einer bezaubernden Frau geliebt zu werden!"
Er streckte seine Hand aus und strich einmal über Jinan Liang's Nasenrücken, als diese kurz vor Überraschung mit ihren Augen blinzelte und danach etwas beschämt zur Seite bschaute. Sie fühlte sich geschmeichelt und ihre Wangen tauchten sich in ein zartes Rosé.
„Du bist zu gut zu mir." Nuschelte sie etwas verlegen, als Wei Wuxian bei diesem Anblick eine Augenbraue keck nach oben zog.
Mit ironischem Unterton kommentierte er:
„Du solltest aufpassen, wen du hier so gnadenlos anflirtest Tian, unsere Familienbeziehungen sind weitreichend und kompliziert miteinander verstrickt. Nicht das Zewu-Jun und Luan Han sich noch Sorgen machen müssen."
Doch Bao Tian warf ihm nur einen lässigen Blick zu, als er sich auf seiner linken Hand im Gras abstützte und sich etwas zu Wei Wuxian herüber lehnte. Seine Stimme war plötzlich sehr charmant und mit einem zweideutigen Unterton besetzt.
„Mach dir keine Sorgen Ah-Ying. Jinan Liang steht außer Frage, aber wenn ich mir dich so ansehe, mit diesem zart duftenden Kranz auf deinem Kopf, frage ich mich, ob du schon immer so eine reizende, feminine Ausstrahlung hattest? Anstatt dich um Jinan Liang zu sorgen, solltest du dich vielleicht eher um dich selbst sorgen. Nicht, dass ich noch auf die Idee komme dich zu vernaschen!"
Mit diesem Satz kam Bao Tian ihm sogar noch etwas näher und seine braunen Augen blickten tief und bedeutend in Wei Wuxian's.
Jinan Liang bekam bei diesem Anblick schon das Herzflattern und Wei Wuxian's Atem kam tatsächlich für eine Sekunde ins Stocken. Bao Tian's Angriff war eine Punktlandung und hatte sein Ziel nicht verfehlt.
Als sich Wei Wuxian's Gesicht zunächst erschrocken und dann ihn Abwehrhaltung fürchterlich verzog, lachte Bao Tian plötzlich laut auf und ließ sich dann unbekümmert nach hinten ins Gras fallen.
Er steckte sich einen langen Grashalm in seinen linken Mundwinkel, überschlug lässig seine Beine und verschränkte dann seine Arme unter seinem Kopf. Belustigt und unter Gelächter sagte er:
„Ach Wei Wuxian. Mit dir wird es einfach nie langweilig. Dich aus der Reserve zu locken ist schon nicht einfach, aber dein dummes Gesicht hättest du gerade mal sehen sollen. Hahah. Also würde ich jemals ernsthaft darüber nachdenken dich anzufassen. Auch wenn du tatsächlich ein attraktives Gesicht hast, aber diese unausstehliche Kratzbürste, die du bist, mit dem losen Mundwerk eines Freigeistes, würde ich niemals freiwillig betten wollen."
Wei Wuxian und Jinan Liang fiel nun alles aus dem Gesicht, aber Bao Tian war noch lange nicht fertig mit seinen Späßen. Unentwegt plapperte er weiter seinen Blödsinn und grabbelte dabei sogar immer wieder unverschämt von der Seite Wei Wuxian an, als er ihn weiterhin neckte und tritzte:
„Aber apropo, wenn wir schon dabei sind, wie schauts eigentlich mit deiner anstehenden Schwangerschaft aus? Bist du da schon einen Schritt weiter gekommen?"
Wei Wuxian saß vollkommen erzürnt und sprachlos im Gras und wehrte Bao Tian´s verbalen und körperlichen Angriffe ab. Als er sich langsam von seinem ersten Schock erholt hatte und dann feststellte, dass Bao Tian nur wieder einmal seine Scherze mit ihm getrieben hatte, lief selbst sein Gesicht ein wenig rot an. Gepaart mit seinem leicht hilflosen Gesichtsausdruck und dem hübschen Blumenkranz auf seinem Kopf, gab er ein eher bemitleidenswertes Bild ab, welches aber tatsächlich auch seinen ganz eigene Charme versprühte.
Jinan Liang saß derweil mucksmäuschenstill im Gras und schaute sich die Show interessiert als passiver Teilnehmer an. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie zwischen die Fronten der Männer geraten war und nach einigen Runden wusste sie wie der Hase lief. Zwar trieb diese anspielende Zweideutigkeit ihr immer wieder etwas die Schamesröte ins Gesicht, aber sie wollte sich auch nicht beschweren, wenn zwei atttaktive Männer vor ihr auf Tuchfühlung gingen.
Wei Wuxian schoss derweil der Zorn ins Gesicht. Erst in diesem Moment stellte er nämlich fest, dass auch die Sache mit der Schwangerschaft nur ein übler Scherz von Bao Tian gewesen war.
Aber wie hätte er in dieser Situation nun beichten sollen, dass diese Sache ihn tatsächlich lange beschäftigt hatte und ihm die ein oder andere schlaflose Nacht beschert hatte? Unmöglich!
Niemals würde er dies nun zugeben und er trauerte den vielen Stunden nach, in denen er sich mit diesem Blödsinn tatsächlich beschäftigt hatte.
Während Bao Tian also noch gackernd und grunzend im Gras lag, entfachten in Wei Wuxian die Rachegelüste, als er schließlich seine Augen fest zusammenknief und angestrengt durch seine Zähne zischte. Jede Silbe presste er unter größter Anstrengung und mit langen Pausen aus seiner Kehle:
„BA-O…TI-AN!"
Bao Tian's Augen weiteten sich schlagartig und er blickte zur Seite, als er das Gefühl bekam, eine ernstzunehmende Bedrohung zu seiner Linken gerade heraufbeschwört zu haben.
Diese zwei Wörter reichten aus und Wei Wuxian ging schließlich in Angriff über und mit einem Satz schmiss er sich plötzlich ohne Vorankündigung auf Bao Tian. Er sprang ihm wortwörtlich an die Kehle und unter Jinan Liang's erschrockenen Aufschrei gingen die zwei Streithähne sich plötzlich an die Gurgel. Das hohe Gras um sie herum wurde großzügig plattgewalzt, als die zwei im Kampf ihre Kräfte maßen.
Jinan Liang saß derweil hoffnungslos irritiert daneben und nachdem sie sich zunächst erschrocken die Hand vor den Mund gehalten hatte und sich fragte, wie es plötzlich dazu kommen konnte, so fieberte sie schließlich bald bei dieser etwas merkwürdigen Auseinandersetzung heißblütig mit.
Zwischen dem Gerangel von Armen und Beinen und dem ein oder anderem Kleidersaum der sich lockerte, glich dieser Kampf eher einem frivolen Akt unter freien Himmel, anstatt einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung.
Jinan Liang hielt sich derweil ihre Hände vor ihr Gesicht und linste an ihren schlanken Fingern immer wieder vorbei, während innerlich ihr „Fangirl-Herz" zu kreischen begann.
Die Sonne begann langsam unterzugehen und die Luft wurde kühler, als die Drei sich schließlich entschieden den Berg wieder hinabzusteigen.
Der imponierende Testosteron-Streit der zwei Männer war schon lange wieder beigelegt und es war der Hunger, der sie nun antrieb wieder zurück zur Cloud Recesses zu gehen. Außerdem verlangte es Jinan Lian nach Luan Han und ihren zwei Kindern, auch wenn ihr die kurze Auszeit gut getan hatte.
Doch gerade als Bao Tian Jinan Liang wieder hochhelfen wollte und er mit seinen Händen schon unter ihre Knie griff, zogen sich plötzlich ihre Augenbrauen zusammen und es schien großer Kummer ihr Herz zu befallen. So schön und herzerwärmend der Nachmittag auch war, so unausweichlich drängten sich aber auch die bedrückenden Worte und Gedanken auf, welche nicht weiter unausgesprochen bleiben konnten.
Jinan Liang fasste sich ein Herz, sprang über ihren Schatten und auf die Gefahr hin, diese schöne Erinnerung an einen ausgelassenen Nachmittag zu runieren, fasste sie plötzlich jeweils links und rechts von sich an Bao Tian's und Wei Wuxian's Hände und hinderte sie daran weiter aufzustehen. Bao Tian zuckte zusammen und setzte sich sofort wieder neben sie in das Gras, als auch Wei Wuxian erschrocken in ihr Gesicht blickte. Es verging ein Moment der Stille und Jinan Liang drückte die beiden Männerhände einmal ganz fest. Sie atmete tief ein und öffnete dann ihre Lippen um zu sprechen.
Ihre Stimme wurde dabei plötzlich ganz tief, aber war von einer unglaublichen Sanftheit und Zerbrechlichkeit untermalt.
„Wartet…ich, ich muss euch noch was sagen!"
Sie spürte Wei Wuxian's und Bao Tian's warmen Hände und ihr Herz begann nahezu etwas unruhig zu schlagen, als sie unter den besorgten Blicken von Bao Tian und Wei Wuxian fortfuhr:
„Meine Tage sind gezählt. Und auch wenn jeder versucht dieses Thema zu umgehen oder es mit hoffnungsvollen Worten zu schmücken, so ist es doch die Realität und ich kann mich nicht weiter davor verschließen."
Bao Tian und Wei Wuxian zuckten unter diesen ernsten und klaren Worten einmal zusammen und Jinan Liang spürte das Aufzucken ihrer Hände.
Sie schnaufte fast ein wenig in Selbstironie durch ihre Nase.
„Wir alle wussten, dass dieser Tag irgendwann kommen würde, aber wenn es dann so weit ist, dann ist man doch irgendwie überrascht und unvorbereitet."
Ein gequältes Lächeln huschte über ihre Lippen und als sie im Augenwinkel sah, dass Wei Wuxian den Mund öffnete und etwas sagen wollte, da löste sie schnell ihre Hand und platzierte ihren Zeigefinger versiegelnd auf seine Lippen. Wei Wuxian's Augen schnellten auf, als Jinan Liang sagte:
„Bitte sagt nichts. Lasst mich zuerst aussprechen. Diese Worte sind mir wichtig, denn es sind meine wahren Gedanken und Gefühle. Habt ihr die Geduld mir zuzuhören?"
Wei Wuxian und Bao Tian waren plötzlich ganz still und kleinlaut und mit großen Augen blickten sie Jinan Liang an, nickten einvernehmlich und nachdem sie auch Wei Wuxian's Hand wieder fest umschlossen hatte, blickte sie weit in die Ferne, ihren Worten freien Lauf lassend:
„In naher Zukunft werde ich nicht mehr bei euch sein. Vor diesem Tag habe ich große Angst. Aber es ist nicht die Angst, dass ich gehen muss, sondern es ist die Angst was ich zurücklasse.
Ich weiß mein Vater wird furchtbar traurig sein. Er wird alleine sein und niemanden mehr haben. Es schmerzt mich zutiefst meine Kinder zurückzulassen und ihnen keine gute Mutter sein zu können und ihnen beim Heranwachsen zuzusehen.
Genauso zerbricht es mir das Herz Lan Xichen lebwohl zu sagen und Luan Han…über den Verlusst dieser Liebe schaffe ich es kaum zu sprechen."
Jinan Liang's Stimme begann zu brechen, ihre Töne wurden dünn und schwach und Bao Tian und Wei Wuxian ertrugen es kaum dieser jungen Frau bei diesen schweren Worten zuzuhören.
Es war plötzlich so still, so unglaublich still und der Kummer schien einen zu erdrücken und einem die Luft zum Atmen zu rauben.
Es verging ein Moment des Schweigens, als Jinan Liang erneut tief Luft holte, sich veruschte zu berhuhigen und dann sagte:
„Bao Tian, Wei Wuxian, ihr beide seid so unglaublich stark. Ich werde euch und eure lustige Gesellschaft sehr vermissen. Aber ich weiß, dass hinter eurer unbefangenen Art ein harter Kern steckt. Ihr seid beide so lebensfroh und habt zwei Menschen an eurer Seite, die euch über alles lieben. Sie haben euch einen Sinn im Leben gegeben und sie treiben euch voran. Um euch beiden mache ich mir also keine Sorgen, wenn ich nicht mehr da bin, denn ich weiß, ihr werdet das Beste aus eurem Leben machen und es an meiner Stelle für mich mitgenießen. Ich bitte euch aber, dass ihr euch gut um Lan Wangji und Lan Xichen kümmern werdet und ihr zusammen bleibt. Die beiden brauchen euch und ihr braucht sie."
Bei diesen Worten drückte Jinan Liang erneut fest ihre Hände und sie spürte, wie beide diesen Druck erwiderten und sie mit glänzenden Augen anblickten. Sie lächelte, als sie sprach:
„Bitte passt gut auf meine Kinder auf. und zeigt ihnen die große, weite Welt. Zeigt ihnen wie schön und kostbar das Leben ist und das es sich immer lohnt, für das was einem im Leben wichtig ist zu kämpfen."
Jinan Liang blickte plötzlich Bao Tian an und als sie sich in seinen großen, braunen Augen verlor hauchte sie:
„Bitte Tian, hilf Huan ein guter Vater zu sein und seine Kinder großzuziehen. Er wird deine Hilfe und Unterstützung brauchen."
Bao Tian's Augen wurden immer glasiger. Jinan Liang's Worte trafen einen wunden Punkt in seinem Herzen. Er schloss seine Augen, als er ihr zunickte und sagte:
„Ich verspreche es dir! Ich werde sie lieben wie meine eigenen Kinder! Es soll ihnen an nichts fehlen!"
Bei diesen Worten lächelte Jinan Liang, denn sie wusste, dass dieses Versprechen einen hohen Stellenwert besaß und Bao Tian solange er lebte alles tun würde um dieses Versprechen einzuhalten. Zufrieden blickte sie zu Wei Wuxian herüber.
„Und verspich du mir, dass du dich gut benehmen wirst und Lan Wangji nicht zu viel Kummer bereiten wirst. Die Liebe diesen Mannes zu dir ist tief und ungebrochen, selbst ein Blinder würde erkennen, was er für dich empfindet! Er braucht dich! Denke nie wieder daran ohne ihn zu gehen und ihn alleine zurückzulassen!"
Bei diesen klaren Worten legte sich ein leicht verlegener Blick auf Wei Wuxian´s sonst so keckes Gesicht. Jinan Liang war mittlerweile lange genug Teil der Familie. Sie wusste um viele Ereignisse und Geschehnisse aus der Vergangnheit bescheid und ihre Worte waren tiefschürfend und bedeutend.
Wei Wuxian erwiderte ihr zartes lächeln.
„Ich verspreche es. Sei unbesorgt. Ich werde nie mehr von Lan Zhan´s Seite verschwinden! Das bin ich ihm schuldig."
Jinan Liang atmete erleichtert auf und blickte wieder nach vorne.
„Ich weiß euch alle gut versorgt. Ein jeder von euch hat jemanden an seiner Seite. Aber Luan Han...Luan Han wird ganz alleine zurückbleiben. Er hat niemanden. Ich mache mir große Sorgen um ihn. Was wird nur aus ihm werden, wenn ich nicht mehr da bin?."
Ihre Stimme zerbrach förmlich an Kummer und Trauer, doch in diesem Moment durchbrach Bao Tian sein Schweigen, als er fest entschlossen sagte:
„Er ist nicht alleine! Er hat uns! Wir sind für ihn da! Und so lange er uns braucht, sind wir auch an seiner Seite!
Denn wir alle, sind eine Familie!"
Jinan Liang's Augen weiteten sich, als sie Bao Tian anblickte. Ihre traurigen Augen füllten sich mit Tränen und wurden immer feuchter und glänzten im schwindenden Tageslicht.
Eine einzelne Träne kullerte schließlich aus ihrem Augenwinkel und perlte über ihre blasse Wange.
Sie lächelte. Aus tiefstem Herzen lächelte sie und ihre Stimme war von einer unglaublichen Wärme und Glückseeligkeit begleitet:
„Ja...eine Familie!
Die wundervollste Familie, die ich mir je hätte wünschen können!"
Nur drei Monate nach diesen Worten verstarb Jinan Liang an den Folgen ihrer Erkrankung im Kreise ihrer Liebsten. Sie hatte noch genug Zeit gehabt sich von allen zu verabschieden und eines Nachts schlief sie einfach friedlich neben ihrem Luan Han ein, während sie ihre geliebten Kinder Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin dabei in den Armen hielt.
Sie wurde nur 23 Jahre alt und die Cloud Recesses fiel in tiefe Trauer und beklagte den Verlusst einer außergewöhnlichen jungen Frau.
Jinan Liang hatte die Herzen vieler berührt und bewegt und ihr Schicksal hatte in vielen ein Umdenken ausgelöst.
Die Anteilnahme an ihrem Tod war überwältigend und sie wurde zwischen den Ahnen der Lan Familie beigesetz.
Sie hinterließ ihre beiden Kinder Lan Ning Ziyi und Lan Sheng Jin,
ihren Geliebten Luan Han,
ihren Ehemann Lan Xichen
und nicht zuletzt ihre neu gewonnene Familie, in welcher sie in den Herzen aller, eine große Lücke hinterließ.
